Tauchen im tiefsten Pool Deutschlands
Von Caroline von Eichhorn, 05.10.09, 08:23h
In Siegburg hat Deutschlands tiefstes Indoor-Tauchzentrum eröffnet. Unsere Autorin hat den Selbstversuch gemacht. Wir zeigen, was der Tauchdom bietet, wie Sie einen Schein machen können und worauf geachtet werden sollte.
Bammel. Muffensausen. Auf meinem Rücken spannt die schwere Sauerstoffflasche, vor mir wartet der Pool. Beim Gedanken, die nächsten 60 Minuten nicht durch die Nase zu atmen, rutscht mir das Herz in die Hose. Dabei habe ich einen Tauchschein gemacht, vor zweieinhalb Jahren. Also los jetzt. Wie ein Stein plumpse ich ins runde Becken. Das Wasser hat karibische 26 Grad. Ich stecke den Lungenautomat in den Mund und sinke in den mit über drei Millionen Liter Wasser gefüllten Dom ab. Plötzlich spüre ich etwas unter meinen Füßen, huch, da ist ein anderer Taucher. Schnell zur Seite paddeln und dann auf die erste Plattform hinsetzen. Geschafft. Ist ja gar nicht so wild. Vor mir sind Ruinen, Statuen, ein Schiffswrack umsäumt von Blubberblasen anderer Taucher. Ich blase meine Tarierweste so weit auf, bis ich schwerelos bin und schwimme gemächlich tiefer, Plateau für Plateau, durch die Löcher der antiken Gebäude, setze mich auf die steinernen Figuren. Noch tiefer, bis ich am Grund ankomme. Ganz allein bin ich hier, um mich herum die versunkene Stadt. Die Oberfläche ist 20 Meter entfernt und nur als verschwommenes Blau erkennbar.
So etwas oder ähnliches erlebt man im Dive4Life, dem neu erbauten Tauchzentrum im Erlebnisbad Oktopus in Siegburg. Es ist das tiefste Indoor-Tauchzentrum Deutschlands. Geschäftsführer Manfred Narres gibt Tauchern damit eine Möglichkeit, den Sport im eigenen Land zu praktizieren. „In Deutschland gibt es 1,2 Millionen Taucher, aber 80 Prozent sind passiv“, sagt er, „deutsche Seen sind den meisten zu dunkel und zu kalt.“ Und einen Ausflug nach Ägypten kann man eben nicht jedes Wochenende einlegen. Indoor-Tauchen als Alternative. Narres entdeckte vor 20 Jahren das Tauchen: „Endlich ein Sport, den man mit der ganzen Familie machen kann.“ Außerdem sei Tauchen perfekt, um abzuschalten und Stress loszuwer den. Wer noch nicht taucht, kann sich im Siegburger Dive4Life von einem der 27 Tauchlehrer ausbilden lassen. Aber auch Erfahrene können hier getrost ihre Kenntnisse auffrischen oder weitere Zertifikate wie den „Advanced Adventure Diver“ machen. Personal hilft beim Zusammenbau der Ausrüstung. Zudem sind zur Sicherheit Unterwasserkameras installiert. Drei Indoor-Tauchzentren mit mindestens zehn Meter Tiefe gibt es in Deutschland - alle in Nordrhein-Westfalen.
Einmalige Unterwasserstadt
Das Siegburger ist das Einzige, das eine Unterwasserstadt hat. In der Mitte des Tauchbeckens mutet am Grund ein griechischer Frauenkörper an. Um ihn tanze ich einmal herum, schlage ein paar Purzelbäume, vorwärts, rückwärts. Das warme Wasser ist angenehm, die künstlichen Ruinen nett anzusehen, aber einen echten Tauchgang kann das Betonbecken nicht ersetzen - dafür fehlt die Vielfalt an Flora und Fauna. Hier gibt es keinen Fischschwarm, in den man geraten kann, keine Algen, deren Wasserbewegung man beobachten kann. Nach einer knappen Stunde habe ich mich dann auch endgültig satt gesehen. Doch eine Besonderheit bietet der Tauchdom zwischen Bonn und Köln: Im Becken sind Guckfenster, von denen aus man das Treiben im Oktopus Hallenbadtreiben beobachten kann. Als ich da durchschaue, fühle ich mich einen Moment wie Arielle, die Meerjungfrau, die sich nach der Menschenwelt sehnt, aber von ihr getrennt ist. Bis drei kleine Jungs herbeigerannt kommen, neugierig ihre Nasen ans Glas pressen und mir mit frechem Grinsen den Stinkefinger zeigen.
Von Caroline von Eichhorn, 05.10.09, 08:23h
In Siegburg hat Deutschlands tiefstes Indoor-Tauchzentrum eröffnet. Unsere Autorin hat den Selbstversuch gemacht. Wir zeigen, was der Tauchdom bietet, wie Sie einen Schein machen können und worauf geachtet werden sollte.
Bammel. Muffensausen. Auf meinem Rücken spannt die schwere Sauerstoffflasche, vor mir wartet der Pool. Beim Gedanken, die nächsten 60 Minuten nicht durch die Nase zu atmen, rutscht mir das Herz in die Hose. Dabei habe ich einen Tauchschein gemacht, vor zweieinhalb Jahren. Also los jetzt. Wie ein Stein plumpse ich ins runde Becken. Das Wasser hat karibische 26 Grad. Ich stecke den Lungenautomat in den Mund und sinke in den mit über drei Millionen Liter Wasser gefüllten Dom ab. Plötzlich spüre ich etwas unter meinen Füßen, huch, da ist ein anderer Taucher. Schnell zur Seite paddeln und dann auf die erste Plattform hinsetzen. Geschafft. Ist ja gar nicht so wild. Vor mir sind Ruinen, Statuen, ein Schiffswrack umsäumt von Blubberblasen anderer Taucher. Ich blase meine Tarierweste so weit auf, bis ich schwerelos bin und schwimme gemächlich tiefer, Plateau für Plateau, durch die Löcher der antiken Gebäude, setze mich auf die steinernen Figuren. Noch tiefer, bis ich am Grund ankomme. Ganz allein bin ich hier, um mich herum die versunkene Stadt. Die Oberfläche ist 20 Meter entfernt und nur als verschwommenes Blau erkennbar.
So etwas oder ähnliches erlebt man im Dive4Life, dem neu erbauten Tauchzentrum im Erlebnisbad Oktopus in Siegburg. Es ist das tiefste Indoor-Tauchzentrum Deutschlands. Geschäftsführer Manfred Narres gibt Tauchern damit eine Möglichkeit, den Sport im eigenen Land zu praktizieren. „In Deutschland gibt es 1,2 Millionen Taucher, aber 80 Prozent sind passiv“, sagt er, „deutsche Seen sind den meisten zu dunkel und zu kalt.“ Und einen Ausflug nach Ägypten kann man eben nicht jedes Wochenende einlegen. Indoor-Tauchen als Alternative. Narres entdeckte vor 20 Jahren das Tauchen: „Endlich ein Sport, den man mit der ganzen Familie machen kann.“ Außerdem sei Tauchen perfekt, um abzuschalten und Stress loszuwer den. Wer noch nicht taucht, kann sich im Siegburger Dive4Life von einem der 27 Tauchlehrer ausbilden lassen. Aber auch Erfahrene können hier getrost ihre Kenntnisse auffrischen oder weitere Zertifikate wie den „Advanced Adventure Diver“ machen. Personal hilft beim Zusammenbau der Ausrüstung. Zudem sind zur Sicherheit Unterwasserkameras installiert. Drei Indoor-Tauchzentren mit mindestens zehn Meter Tiefe gibt es in Deutschland - alle in Nordrhein-Westfalen.
Einmalige Unterwasserstadt
Das Siegburger ist das Einzige, das eine Unterwasserstadt hat. In der Mitte des Tauchbeckens mutet am Grund ein griechischer Frauenkörper an. Um ihn tanze ich einmal herum, schlage ein paar Purzelbäume, vorwärts, rückwärts. Das warme Wasser ist angenehm, die künstlichen Ruinen nett anzusehen, aber einen echten Tauchgang kann das Betonbecken nicht ersetzen - dafür fehlt die Vielfalt an Flora und Fauna. Hier gibt es keinen Fischschwarm, in den man geraten kann, keine Algen, deren Wasserbewegung man beobachten kann. Nach einer knappen Stunde habe ich mich dann auch endgültig satt gesehen. Doch eine Besonderheit bietet der Tauchdom zwischen Bonn und Köln: Im Becken sind Guckfenster, von denen aus man das Treiben im Oktopus Hallenbadtreiben beobachten kann. Als ich da durchschaue, fühle ich mich einen Moment wie Arielle, die Meerjungfrau, die sich nach der Menschenwelt sehnt, aber von ihr getrennt ist. Bis drei kleine Jungs herbeigerannt kommen, neugierig ihre Nasen ans Glas pressen und mir mit frechem Grinsen den Stinkefinger zeigen.