Dioxin Skandal

      Dioxin Skandal

      Morddrohungen gegen Futter-Lieferanten

      Tonnenweise verseuchtes Futterfett soll die Firma Harles & Jentzsch ausgeliefert haben, die Staatsanwaltschaft ermittelt. Jetzt spricht der Vertriebschef von Insolvenz - und beteuert: Es war nur ein Einzelfall. Der Geschäftsführer berichtet von Morddrohungen.
      Polizeiwagen stehen auf dem Firmengelände der Harles und Jentzsch GmbH in Uetersen.
      Im Skandal um giftiges Dioxin in Tierfutter und Eiern hat der Geschäftsführer des Futterfett-Lieferanten Harles & Jentzsch Morddrohungen erhalten, wie er sagte. Er und drei seiner Mitarbeiter seien als "Mörder" beschimpft und mit dem Tode bedroht worden, sagte Siegfried Sievert dem Bielefelder "Westfalen-Blatt". Die Polizei sei über die Drohungen informiert worden, die per Telefon und E-Mail eingegangen seien.

      Sein Vetriebschef sprach zudem über eine drohende Insolvenz des Unternehmens. "Wir sind ziemlich deprimiert und können die Firma eigentlich dicht machen", sagte der Vertriebschef Klaus Voss dem "Westfalen-Blatt". An diesem Donnerstag sei in der Firma eine Bestandsaufnahme geplant. Danach werde entschieden, ob notfalls Insolvent angemeldet werde, sagte Voss. Die Verunreinigung von Futterfett mit Dioxin sei ein Einzelfall gewesen und von der Firma selbst gemeldet worden.

      Bei Razzien im Firmensitz in Uetersen und einem Tochterunternehmen im niedersächsischen Bösel hatten die Behörden am Mittwoch zahlreiche Unterlagen beschlagnahmt. Die Staatsanwaltschaft Itzehoe bestätigte der dpa eine gerichtlich angeordnete Durchsuchung. Das betreffe auch den Betrieb im niedersächsischen Bösel, sagte Behördensprecher Friedrich Wieduwilt.


      "Eher kriminelle Machenschaften"

      Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Oldenburg ergaben dort einen Anfangsverdacht gegen eine Spedition, die mit Harles & Jentzsch zusammenarbeite. Den Geschäftsführern werden Verstöße gegen das Lebens- und Futtermittel-Gesetz vorgeworfen. Aus Tanklagern nahmen Ermittler Proben. Sie stellten Korrespondenz und Liefer-Unterlagen sicher.

      In der Firma in Bösel hat es nach Darstellung des Präsidenten des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES), Eberhard Haunhorst, eine "eher kriminelle Machenschaft" gegeben. Der Betrieb, der die dioxinverseuchten Fette beigemischt und an weiterverarbeitende Betriebe geliefert haben soll, sei illegal betrieben und deshalb nicht kontrolliert worden, sagte Haunhorst dem NDR. In diesem Fall handele es sich eindeutig um ein kriminelles Vorgehen.

      Auch Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) bezweifelte, dass das Dioxin durch einen Fehler beigemischt wurde, wie das Unternehmen angibt. Mehr Kontrollen halte sie allerdings nicht für nötig.
      Dioxin-Skandal weitet sich aus
      Tonnenweise verseuchtes Futter geriet in Umlauf.
      ..Weiter unklar ist, woher das Dioxin in dem Zusatzfett stammt. Die Länder, die für Lebensmittelkontrollen zuständig sind, suchten fieberhaft nach verdächtigen Produkten auf Höfen und in Geschäften.

      Die Spur des Dioxins

      Die Verbraucher reagieren mit Vorsicht und meiden im Supermarkt Eier und Geflügelprodukte. Der Einzelhandel sieht noch keinen Grund für eine groß angelegte Rückrufaktion. Mehr als 1000 landwirtschaftliche Betriebe sind inzwischen gesperrt.

      Auch bei rund 240.000 in Bayern sichergestellten Eiern hat sich der Verdacht auf Dioxin bestätigt. Wie das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen am Mittwoch berichtete, liegt der bei Proben festgestellte Dioxingehalt teilweise dreimal so hoch wie der zulässige Grenzwert. Die Eier dürften daher nicht verkauft werden. Ein Oberpfälzer Großhändler hatte die Eier von einem Betrieb in Niedersachsen erhalten. Der Verbleib von weiteren 22.000 Eiern war zunächst noch nicht geklärt.

      Das Landwirtschaftsministerium von Schleswig-Holstein erließ ein sofortiges Schlachtverbot für Schweinemastbetriebe. 51 Agrarbetriebe und 8 landwirtschaftliche Genossenschaften im Norden hatten über einen Hamburger Händler dioxinbelastetes Futter bezogen.

      Ein Hamburger Hersteller belieferte fast 140 Kunden in Norddeutschland mit Futtermitteln, die Spuren von Dioxin enthalten haben. Im einzelnen waren es sechs Abnehmer in Mecklenburg- Vorpommern, 74 in Niedersachsen und 59 in Schleswig-Holstein.

      Bis zu 3000 Tonnen belastetes Fett wurden nach Ministeriumsangaben an insgesamt 25 Hersteller von Tierfutter geliefert. Das Fertigfutter ging an Legehennen- und Schweinemastbetriebe in Brandenburg, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen.

      Das Futtermittel ist nach bisherigen Erkenntnissen nicht in Länder der EU gegangen. Allerdings wurden Anfang Dezember 136.000 verdächtige Eier in die Niederlande geliefert, wo sie aber nicht in den Handel gelangten.

      Für Christiane Groß von der Verbraucherorganisation Foodwatch ist der Skandal angesichts mangelnder politischer Konsequenz keine Überraschung. "Der eigentliche Skandal ist, dass wir regelmäßig solche Dioxin-Skandale haben", sagte sie im Nachrichtensender n-tv.
      Wen es interessiert:

      Dioxin: Diese Eier sind belastet
      05.01.11

      Anhand der Kennzeichnung der Eier erkennen Sie Herkunft und Haltungsform der Hühner. So gibt die erste Zahl des Stempels die Haltungsform an. So steht die 0 für Biohaltung, 1 für Freilandhaltung, 2 für Bodenhaltung und 3 für Käfighaltung. Die Kombination der Buchstaben zeigt das Herkunftsland, DE steht für Deutschland. Darauf folgen die Legebetriebsnummer mit der Stallnummer. Durch die ersten beiden Ziffern der Legebetriebsnummer kann auf das Bundesland geschlossen werden. Die 03 steht für Niedersachsen und 02 für Hamburg.

      Hier der ganze Bericht:
      http://www.rtl.de/medien/ratgeber/gesundheit/ernaehrung/121d6-8f51b-7bac-76/dioxin-diese-eier-sind-belastet.html

      Hier gibt es die komplette Eierkennzeichnungsregeln:
      http://de.wikipedia.org/wiki/Eierkennzeichnungsregeln