Katastrophe in Japan

      Katastrophe in Japan

      Folgen von Radioaktivität

      Was die Strahlen im Menschen anrichten

      Die Störfälle in Japans Atomkraftwerken sorgen weltweit für Besorgnis, Erinnerungen an den Super-GAU von Tschernobyl werden wach. Die zentralen Fragen damals wie heute: Wie schadet radioaktive Strahlung dem Körper, wie kann man sich schützen? Ein Überblick.

      Der Feind ist unsichtbar. Er kommt über die Luft, schleicht sich durch undichte Ritzen in den Fenstern und Türen, der Mensch atmet die Luft ein, kann nicht zwischen guter und schlechter Luft unterscheiden. Nach dem Inhalieren breiten sich die gefährlichen Partikel im Körper aus. Auch über die Haut können sie in den Körper gelangen. Dann lagern sie sich im Gewebe an und entfalten ihre zerstörerische Kraft.

      20 Jahre nach dem Unfall in Tschernobyl verzeichnen die am meisten betroffenen Regionen einen Anstieg der Krebskranken um 40 Prozent.

      Das, was dem Körper so zu schaffen macht, sind aber nicht die radioaktiven Partikel selbst. Es ist die sogenannte ionisierende Strahlung, die von ihnen ausgeht. Das Radionuklid Iod 131 etwa gehört zu den Beta-Minus-Strahlern. Das heißt, aus dem Nuklid schießen laufend Elektronen in die Umgebung. Alle biologischen Moleküle, auch das Wasser im Körper, bremsen diese Strahlung zwar ab. Doch dabei wird Energie frei, die ionisierend wirken kann: Sie zerstört die Atomhüllen von Molekülen und schlägt dabei Elektronen heraus. Positiv geladene Molekülreste bleiben zurück. Experten sprechen von Radikalen.

      Vereinzelt richten Radikale keine größeren Schäden an, doch je größer die ionisierende Strahlung ist, desto mehr Radikale entstehen. Dann kann es im Körper selbst zu einer Art GAU kommen: Eine gefährliche chemische Kettenreaktion beginnt, in der die geladenen Teilchen miteinander reagieren, um wieder stabile Verbindungen einzugehen. Da diese chemischen Reaktionen jedoch unkontrolliert ablaufen, entstehen dabei mitunter Verbindungen, die in der Zelle keinen Sinn ergeben.

      So kann ionisierende Strahlung wichtige Enzyme funktionsunfähig machen oder ganze Zellbausteine zerstören - sind die Schäden zu groß, stirbt die Zelle. Aber auch das Erbgut ist für ionisierende Strahlung anfällig. Werden aus dem DNA-Molekül Elektronen herausgeschlagen, kann das zu Veränderungen der Erbinformation führen, die bei der nächsten Zellteilung an die Tochterzellen weitergegeben werden. Je größer die Schäden an der DNA sind, desto höher ist langfristig das Risiko für Krebs.

      Mit vielen Schäden kann der Körper umgehen. Menschen sind tagtäglich der natürlichen radioaktiven Strahlung im Boden oder der Atmosphäre ausgesetzt. Der menschliche Organismus hat aber Abwehrmechanismen entwickelt, um sich vor diesen Belastungen zu schützen. Er kann DNA-Schäden reparieren oder geschädigte Strukturen in der Zelle gezielt abbauen.

      Bei einer Katastrophe wie etwa in Tschernobyl stoßen diese natürliche Schutzfunktionen jedoch an ihre Grenzen. Am stärksten betroffen waren die Liquidatoren von Tschernobyl, jene Hunderttausende von Menschen, die die Aufräumarbeiten nach dem Reaktorunfall verrichten mussten. Schätzungen zufolge sind allein in Russland 25.000 von ihnen bereits verstorben. Nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde starben 56 Menschen sofort. Die meisten von ihnen an den Folgen der Strahlenkrankheit, die akut nach einer zu hohen Strahlenbelastung auftritt.

      Die Strahlenkrankheit kann bei einer kurzfristigen Belastung von 0,25 Sievert auftreten. Das sind 250 Millisievert. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Belastung aus der Umwelt beträgt nach Angaben des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) derzeit etwa 2,1 Millisievert pro Jahr. Eine Kurzzeitbelastung von vier Sievert gilt als tödlich.

      Erste Symptome: Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen

      Die Strahlenkrankheit hat viele Gesichter. Wie schwer sie ist, hängt davon ab, welches Gewebe wie stark von der Strahlung betroffen ist. Erste Symptome sind Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Sie treten wenige Stunden nach dem Beschuss des Körpers mit der Strahlung auf. Dann klingen sie vorübergehend ab, um nach einigen Tagen als Appetitlosigkeit, Übermüdung und Unwohlsein zurückzukehren und einige Wochen anzudauern. Menschen mit einer solchen leichten Strahlenkrankheit erholen sich zwar in der Regel wieder. Doch oft bleibt das Immunsystem ein Leben lang geschwächt, und die Betroffenen haben häufiger mit Infektionserkrankungen zu kämpfen.

      Noch ist unklar, wie stark die Strahlenbelastung der Personen war, die sich im näheren Umkreis des Reaktors Fukushima aufgehalten hatten. Den Menschen in der Umgebung bleibt zu hoffen, dass die Regierung ihre Warnungen rechtzeitig ausgesprochen hat, so dass sie sich in ihren Häusern vor der Strahlung schützen konnten.

      Offizielle Meldungen über schwere Strahlenkrankheiten oder gar Tote hat es bisher nicht gegeben. Wie qualvoll eine akute Strahlenkrankheit enden kann, zeigen die Opfer der Atombombenabwürfe in Hiroshima und Nagasaki und die Tschernobyl-Katastrophe. Haarausfall, unkontrollierte Blutungen, ein zerstörtes Knochenmark, Koma, Kreislaufversagen und andere dramatische Auswirkungen können den Tod bringen.

      Bekannteste Folge ist Leukämie

      Was aber, wenn keine unmittelbaren Folgen auftreten? Dann ist die Gefahr immer noch nicht gebannt, denn Risiko von Spätfolgen erwarten Strahlenmediziner schon ab einer Dosis von 0,2 Sievert. Denn dann ist die Wahrscheinlichkeit von DNA-Schäden, die der Körper nicht mehr reparieren kann, so hoch, dass im Laufe der Jahre Krebs entstehen kann.

      Die bekannteste aller Spätfolgen ist Blutkrebs, die Leukämie: Die Radionuklide Strontium 90 und Cäsium 137 lagern sich in das Knochengewebe und sorgen so ein erhöhtes Krebsrisiko. Experten nennen diese Substanzen gerne knochensuchend, weil der Körper diese Substanzen mit Calcium verwechselt und sie bei den üblichen physiologischen Prozessen in Muskel- und Knochengewebe einbaut. Dieses ist besonders empfindlich, denn im Knochenmark läuft die Bildung neuer Blutkörperchen ab. Kommt ionisierende Strahlung ins Spiel, kann die Blutkörperchenbildung außer Kontrolle geraten und zu Leukämie führen. Gleichzeitig erhöhen Strontium 90 und Cäsium 137 auch das Risiko für Knochenkrebs.

      Bei diesen Folgen ist der Mensch so gut wie machtlos. Er kann lediglich versuchen, die Strahlenbelastung durch ausreichend Abstand zur Strahlenquelle so gering wie möglich zu halten. In Japan wurde das Gebiet 20 Kilometer um den Reaktor bereits evakuiert. Manche Experten aber sagen, ein weitaus höherer Umkreis sei notwendig.

      So gut wie machtlos sind Menschen gegenüber der Substanz Plutonium 239. Meldungen zufolge könnte auch diese Substanz aus dem Fukushima Reaktor entwichen sein, da im Reaktor 3 des Kraftwerks seit einigen Monaten sogenannte Mischoxid-Brennelemente eingesetzt wurden, die auch Plutonium enthalten. Es reicht, 40 Milliardstel Gramm davon zu inhalieren, um eine akute Strahlendosis von 15 Millisievert im Körper zu verursachen. Dann kommt es zu einer schweren Strahlenkrankheit, die innerhalb weniger Tage tödlich endet. Dafür hat radioaktives Plutonium einen entscheidenden Vorteil: Es gehört zu den Alphastrahlern. Das heißt, die Strahlung des Plutoniums reicht in der Luft nur einige Zentimeter weit und wird zum Beispiel schon von einem Blatt Papier oder von Stoffhandschuhen vollständig zurückgehalten.

      Iod-Tabletten schützen - wenn sie rechtzeitig eingenommen werden

      Etwas besser kann sich die Bevölkerung vor den Folgen durch Iod 131 schützen - mit Kaliumiodidtabletten, die japanische Behörden für ihre Bevölkerung nun in ausreichender Menge bereitstellen wollen. Iod 131 lagert der Körper genauso wie das nicht radioaktive Iod 127 in der Schilddrüse ein. Der größte Teil des Tschernobyl-Fall-outs ging 1986 über dem heutigen Weißrussland nieder. Zehn Jahre nach der Katastrophe waren dort 424 Kinder an Schilddrüsenkrebs erkrankt. Das entsprach einer Häufigkeit von 3,5 bis 4 Krebsfällen auf 100.000 Kinder - zehnmal mehr als der weltweite Durchschnitt.

      Geschützt ist man aber durch Iod-Tabletten nur, wenn man sie rechtzeitig einnimmt, also vor der Kontamination und in ausreichenden Dosen. Auf diese Weise ist die Schilddrüse mit Iod abgesättigt und lagert kein weiteres, radioaktives Iod ein. Ob die Bevölkerung in nächster Umgebung aber rechtzeitig an die Tabletten kam, ist unklar.

      Derzeit lässt sich nur spekulieren, welche gesundheitliche Schäden der unsichtbare Feind in Japan angerichtet hat. Es hängt auch davon ab, wie sich die Lage der Reaktoren weiter entwickeln wird und ob die schlimmsten Befürchtungen eines Super-GAUs noch eintreten werden.

      Quelle: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,750774,00.html
      Folgen radioaktiver Strahlung
      Unsichtbar und tückisch


      Akute Strahlenkrankheit, Krebs, aber auch Missbildungen und Hirnschäden bei den Nachkommen: Radioaktive Strahlung wie sie nun beim Reaktor Fukushima gemessen wird, kann viele Folgen haben.

      Es beginnt mit leichter bis mittlerer Übelkeit. Sie setzt wenige Stunden bis Tage nach dem Kontakt mit radioaktiver Strahlung ein. Manchmal müssen die Patienten erbrechen. Danach geht es ihnen meist etwas besser, bis nach zehn bis 14 Tagen die Symptome zurückkehren, oft begleitet von Appetitlosigkeit, Durchfall und Haarausfall. Wer einer Strahlendosis von mehr als drei Sievert abbekommt, hat oft auch Blutungen im Mund oder unter der Haut. Bei vier Sievert ist nach 30 Tagen jeder zweite Patient tot.

      Sievert oder auch Gray, diese Einheiten geben die Energiedosis an, die ein Körper pro Kilogramm Gewicht abbekommt. Eine geringe Dosis radioaktiver Strahlung kann der Körper recht gut verkraften: Etwa zwei bis vier Millisievert (mSv) pro Jahr ist die normale Strahlenbelastung in Deutschland. Etwa 1,5 mSv davon gehen auf Röntgenuntersuchungen zurück, der Rest ist größtenteils natürliche Strahlung aus dem All und aus dem Erdboden. Im Schwarzwald, wo radioaktive Erze die Dosis erhöhen, kann die Strahlenbelastung einige Millisievert zusätzlich betragen - all das liegt im harmlosen Bereich.

      Gefährlich wird es, wenn die Strahlung deutlich darüber hinausgeht. Bei mittleren Strahlenbelastungen lässt sich die Gefährlichkeit nur statistisch nachweisen - die Häufigkeit von Krebs, besonders Leukämie, nimmt in der Bevölkerung zu. Kinder sind dabei stärker betroffen als Erwachsene, weil sich ihre Zellen häufiger teilen. Ab etwa 250 Millisievert ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Strahlung das Erbgut schädigt und über kurz oder lang Krebs auslöst. Auch Sterilität oder Missbildungen und Gehirnschäden bei den Nachkommen können eine Spätfolge von Strahlen sein.

      Jodtabletten für die Schilddrüse
      Akute Strahlenkrankheit tritt erst ab Dosen von etwa einem Sievert auf. Nach Angaben japanischer Behörden erreichte die Strahlung im Kontrollraum des Fukushima-Kraftwerks am Samstag das 1000fache des üblichen Werts. Vorübergehend seien 1,024 Millisievert gemessen worden - pro Stunde, sagte Regierungssprecher Yukio Edano. Wer sich in diesem Gebiet aufhielt, absorbierte demnach in einer Stunde die Dosis, die er sonst in etwa sechs Monaten aufgenommen hätte, nach spätestens zehn Tagen unter dieser Strahlenbelastung würde es akut gefährlich.

      Besonders schädlich ist es, wenn radioaktives Material in den Körper gelangt, etwa über Atemluft, Nahrung oder Trinkwasser. Ein großes Problem ist radioaktives Jod, das aus einem defekten Reaktor entweichen kann und im menschlichen Körper in der Schilddrüse eingelagert wird, wo es nur langsam abgebaut wird. Daher werden in Japan Jodtabletten verteilt: Sie sollen die Schilddrüse mit Jod sättigen, damit kein weiteres, radioaktives Jod dort eingelagert wird.

      Die rund um Fukushima evakuierten Menschen werden jetzt mit Geigerzählern untersucht - zeigt der eine hohe Radioaktivität an, müssen sie behandelt werden. Die erste Maßnahme ist, die Kleidung zu vernichten, die mit radioaktivem Staub in Kontakt gekommen sein könnte, und sich gründlich zu waschen.

      Mit Medikamenten lässt sich die Produktion weißer Blutkörperchen in die Höhe treiben und damit möglicherweise eine Schädigung des Knochenmarks vermeiden. Auch Bluttransfusionen, im Extremfall Stammzelltransplantationen, können nötig sein. Das Tückische an radioaktiver Strahlung ist jedoch, dass sie ihre Wirkung noch nach Jahrzehnten entfalten kann. Davon zeugen in Japan 340.000 sogenannte Hibakusha (zu Deutsch Explosionsopfer): Überlebende der Atombomben von Hiroshima und Nagasaki, die noch heute unter den Spätfolgen zu leiden haben.

      Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wissen/folgen-radioaktiver-strahlung-unsichtbar-und-tueckisch-1.1071507
      Tödliche radioaktive Strahlung
      Die Folgen für den Menschen


      Der "atomare Unfall" in Japan sorgt weltweit für Angst vor einem erneuten Tschernobyl. Doch was passiert eigentlich mit Menschen, die radioaktiver Strahlung ausgesetzt sind? Wir alle werden täglich bestrahlt - von Mutter Erde und dem Weltall. Doch ab einer gewissen Dosis werden Zellen im Körper zerstört und innere Organe funktionieren nicht mehr.

      In Japan droht der Super-GAU: Die Reaktoren Fukushima 1 und 2 sind schwer beschädigt, aus dem AKW Fukushima 1 entweicht Radioaktivität. Rund um die Atomkraftwerke ruft die Regierung eine Sperrzone aus. Doch welche Auswirkungen kann radioaktive Strahlung auf Menschen haben? Ab wann wird es gefährlich?

      Die Strahlenbelastung für biologische – und damit auch für menschliche - Organismen wird in der Einheit "Sievert" (Sv) angegeben. Es ist für Menschen völlig normal, einer natürlichen Strahlung ausgesetzt zu sein – sei es kosmische Strahlung, die aus dem Weltall auf die Erde trifft, oder die sogenannte "terristrische Strahlung", der wir etwa durch natürliche Uranerzvorkommen ausgeliefert sind. Aufgrund der vielen Faktoren, die dort hineinfließen, schwankt diese Strahlenbelastung sehr. Nach Angaben des Internetportals Goruma beträgt sie in Deutschland, Österreich und der Schweiz im Mittel (gemessen auf Meereshöhe) rund 2,2 Millisievert (0,0022 Sv) pro Jahr.

      Was genau die Auswirkungen einer leichten Bestrahlung sind, ist umstritten. Bei einer Bestrahlung von bis zu 0,5 Sv sind zwar noch keine direkten Symptome zu spüren. Ab 0,2 Sv nimmt man jedoch an, dass sich das Erbgut verändert und das Krebsrisiko ansteigt.

      Ab 0,5 Sv schwere Bestrahlung
      Ab 0,5 Sv werden die Auswirkungen direkt spürbar: Leichte Kopfschmerzen können auftreten, das Infektionsrisiko für Krankheiten erhöht sich – und nach Angaben von Goruma erhöht sich das Krebsrisiko um bis zu 7,5 Prozent. Man spricht von einem "Strahlenkater".

      Die sogenannte "letale Dosis" beginnt bei rund 1 Sievert. Das heißt: Die Menge des Stoffes reicht aus, um für Lebewesen tödlich zu wirken. Wer nur kurze Zeit mit dem ganzen Körper einer Strahlung von 1-2 Sievert ausgesetzt ist, erleidet eine "leichte Strahlenkrankheit". Übelkeit, Erbrechen und Durchfall sind die Folge. Innerhalb von vier bis sechs Wochen sterben rund zehn Prozent der Erkrankten – besonders gefährdet sind gesundheitlich vorbelastete und ältere Menschen. Das Krebsrisiko erhöht sich dauerhaft um mehr als zehn Prozent.

      Ab zwei Sievert spricht man von einer "schweren Strahlenkrankheit". Rund 30 bis 40 Prozent überleben eine ganzkörperliche Bestrahlung dieser Intensität nicht, und erliegen den Auswirkungen nach vier bis sechs Wochen. Die Symptome ähneln denen einer leichten Strahlenkrankheit, hinzu kommt nach ein- bis zwei Wochen auch ein starker Haarausfall.

      4 Sievert: "Akute Strahlenkrankheit"
      Bei einer Belastung von 3 bis 4 Sievert steigt die Todesrate auf 50 Prozent an. Nur eine intensivmedizinsiche Versorgung kann jetzt noch helfen. Wer überlebt, hat ein bis zu 20 Prozent erhöhtes Risiko, später an Krebs zu erkranken.

      Die "akute Strahlenkrankheit" beginnt bei einer Dosis von rund 4 Sievert. Die Sterblichkeit erhöht sich bis zu 90 Prozent bei 6 Sievert, die üblichen Symptome und schwere Blutungen treten im schlimmsten Fall schon 30 Minuten nach Bestrahlung ein. Permanente Unfruchtbarkeit sind bei Überlebenden die Folge.

      Ab 6 Sievert beträgt die Sterblichkeitsrate schließlich 100 Prozent – an der Überlebenschance ist nichts mehr zu rütteln, denn die gibt es nicht mehr. Was sich noch ändert, ist die Dauer der Krankheit, ehe sie zum Tode führt. Goruma schreibt: "Die Zellen des Magen-Darm-Traktes sind zerstört, die Blut bildenden Zellen im roten Knochenmark sind zerstört und zahlreiche innere Organe stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Betroffenen sterben innerhalb von etwa vier Wochen unter geradezu erbärmlichen Umständen."

      Nur maximal zwei Wochen – bei gleichen Symptomen – bleiben Menschen, die 10 bis 20 Sievert ausgesetzt sind. Einige Tage nach der Bestrahlung empfinden die Betroffenen noch einmal ein Wohlbefinden, es ist die so genannte "Walking-Ghost-Phase". Dann geht alles ganz schnell: Nach einem Koma und Kreislaufversagen tritt der Tod ein.

      Bei einer Belastung, die 20 Sievert überschreitet, hat man noch sieben Tage zu leben. Wer über 50 Sievert ausgesetzt ist, fällt innerhalb von wenigen Sekunden oder Minuten ins Koma – wenige Stunden später stirbt er aufgrund eines völligen Versagens des Nervensystems. Der sofortige Tod tritt bei einer Dosis ein, die höher als 80 Sievert ist.

      Folgen schwer abzuschätzen
      Doch welche Gefahr besteht nun bei einem atomaren Zwischenfall für die Menschen in der Umgebung? Das lässt sich nur sehr schwer abschätzen, denn welche Mengen an Radioaktivität genau austreten, hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab. Nicht zuletzt spielt auch das Wetter eine große Rolle; Windstärke und -richtung etwa tragen maßgeblich zu der Frage bei, wohin sich die freigesetzten Nuklide verbreiten.

      Vergleichspunkt Tschernobyl: Die Feuerwehrleute, die zu dem Brand in dem Atomkraftwerk nach dem Unglück anrückten, waren nach Angaben von Goruma teilweise einer Bestrahlung von bis zu 16 Sievert ausgesetzt. Im Gebiet um das Atomkraftwerk Tschernobyl waren die Auswirkungen verheerend. Innerhalb von 48 Stunden waren etwa die Menschen in der vier Kilometer entfernten Stadt Pripyat einer Belastung von 0,288 Sievert ausgesetzt – "das ist das 14,5-fache der Dosis, die eine beruflich strahlenexponierte Person in Deutschland pro Jahr maximal ausgesetzt werden darf", schreibt das Internetportal.

      Quelle: http://www.n-tv.de/Spezial/Die-Folgen-fuer-den-Menschen-article2822641.html
      Das ist auch interessant, zumindest technisch gesehen:

      Wenn Sie informiert bleiben wollen, dann nutzen Sie nicht die gewöhnlichen Medien, sondern die folgenden Webseiten:

      www.world-nuclear-news.org/RS_Battle_to_stabilise_earthquake_reactors_1203111.html

      www.bravenewclimate.com/2011/03/12/japan-nuclear-earthquake/

      www.ansnuclearcafe.org/2011/03/11/media-updates-on-nuclear-power-stations-in-japan/
      Dateien
      :arrow: Das wird nur die Spitze des Eisberges sein! Bei uns geht es so grad richtig rund.

      Erdbeben in Japan
      Stuttgart, 14. März 2011


      Daimler hat noch am Freitag eine Taskforce unter Leitung des Personalressorts eingesetzt, um das Krisenmanagement zu organisieren. Sowohl in Japan als auch in Deutschland arbeitet ein Krisenstab, um die Entwicklung der Situation zu bewerten und Lösungen zu entwickeln. Ausserdem beobachtet Daimler im engen Kontakt mit dem Auswärtigen Amt, den lokalen Behörden und anderen deutschen Unternehmen permanent die Entwicklung der Lage.
      Die Sicherheit aller unserer Mitarbeiter und deren Angehörigen in Japan hat wie von Beginn an auch weiterhin oberste Priorität. Wir sind erleichtert, dass nach heutigem Kenntnisstand keine Mitarbeiter zu Schaden gekommen sind.
      Zum Zeitpunkt des Bebens befanden sich rund 60 entsendete Mitarbeiter plus deren Angehörigen sowie rund 80 Dienstreisende im Land.
      Selbstverständlich stellen wir es allen Familien und Angehörigen unserer deutschen Mitarbeiter frei, nach Hause zurückzukehren. Ein Großteil der Angehörigen und Dienstreisenden befindet sich derzeit auf der Rückreise.
      Produktion und Verwaltung bei MBFT bleiben diese Woche geschlossen.
      Der Vertrieb bei Mercedes-Benz Japan läuft mit Einschränkungen weiter. Der Fokus liegt auf Service- und Ersatz-Teilversorgung sowie der Händler-Unterstützung.
      :arrow: Blinder Aktionismus, demnächst werden wahrscheinlich für alle Trimmdichgeräte (Fahrräder) mit Generator ausgeliefert!
      Was die bevorstehenden Wahlen nicht so alles ausmachen!

      Atompolitik
      Sieben AKW werden vom Netz genommen


      Als Reaktion auf die Katastrophe in Japan nimmt die Bundesregierung alle sieben bis Ende 1980 in Betrieb genommenen deutschen Atomkraftwerke vorübergehend vom Netz. Fünf Bundesländer sind betroffen.

      Die anderen deutschen AKW sollen während der Sicherheitsüberprüfung in den kommenden Monaten am Netz bleiben, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Dienstag in Berlin nach einem Treffen mit den Ministerpräsidenten der Länder mit Atomkraftwerken. Bei den Vorgängen in Japan handele es sich um „eine Zäsur in der Geschichte der technisierten Welt“, sagte Merkel.

      Die vorübergehende Abschaltung betrifft die AKW Neckarwestheim I, Philippsburg I (Baden-Württemberg), Biblis A und B (Hessen), Isar I (Bayern), Unterweser (Niedersachsen) und das ohnehin stillstehende AKW Brunsbüttel (Schleswig-Holstein).

      Zudem bleibt das 1983 ans Netz gegangene und nach Pannen abgeschaltete AKW Krümmel in Schleswig-Holstein vom Netz getrennt. Damit werden in Deutschland in den nächsten drei Monaten nur noch neun Atomkraftwerke Strom liefern.


      „Emotionaler Ausnahmezustand“
      An dem Treffen nahmen auch die Bundesminister für Umwelt und Wirtschaft, Norbert Röttgen (CDU) und Rainer Brüderle (FDP), teil. Röttgen sagte, das geltende Atomgesetz decke die vorübergehende Abschaltung der Meiler ab. Brüderle betonte, es gebe auch ohne die sieben Anlagen eine hinreichende Versorgungssicherheit in Deutschland. Zuletzt lieferten die deutschen Atommeiler rund 23 Prozent des Stroms.

      Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) sprach von einem „emotionalen Ausnahmezustand“ für die Bürger angesichts der Bilder von der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima. Bund und Länder gehen davon aus, dass sie rechtliche Handhabe für ihre Maßnahmen haben.
      Wie lange die AKW abgeschaltet bleiben, blieb offen. Röttgen hatte am Montag gesagt, er gehe davon aus, dass ein während des dreimonatigen Moratoriums abgeschalteter Atommeiler gar nicht wieder ans Netz gehe.
      Jetzt aber.....

      Armbanduhr mit Geigerzähler --> PM1208 Wrist Gamma Indicator

      Vielleicht haben die Weltuntergangs-Propheten doch recht, und die Bombe fällt bald. Dann ist der Besitzer dieses Chronographen gut dran: Im postapokalyptischen Szenario warnt die Armbanduhr zuverlässig vor Strahlung. Eigentlich ist die Uhr aber für Leute gedacht, die oft mit Strahlung in Kontakt kommen können.

      Spaß beiseite: Die PM1208 Wrist Gamma Indicator - Uhr ist eine relativ einzigartige Uhr, die fortlaufend die Umgebungsstrahlung misst, und ab einem gefährlichen Level warnt. Bis zu 500 Datensätze zu Strahlung und Zeit kann die Uhr speichern. Diese Daten können per Infrarot-Anschluß auf einen Computer übertragen werden. Im Inneren schlägt eine RONDA 763-Mechanik mit Quartz, außen ist ein solides Stahlgehäuse verbaut. Bis 100 Meter ist die Uhr wasserdicht. Dazu gibt es einen beleuchteten Hintergrund, weil soweit unter der Wasseroberfläche das Licht auch knapp wird.
      Bilder
      • pm1208-wrist-gamma-indicator.jpg

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      Atomunglück in Japan
      Gesundheitliche Spätfolgen durch radioaktive Strahlung

      Die Störfälle im japanischen Atomkraftwerk Fukushima sorgen weltweit für Angst. 25 Jahre nach Tschernobyl wird ein erneuter Super-GAU befürchtet. Schon jetzt müssen Menschen in der Nähe des Reaktors mit weitreichenden Gesundheitsschäden rechnen. Einmal im Körper gelagert, können die radioaktiven Stoffe noch nach Jahrzehnten Krebs auslösen.


      Die Augen der Welt richten sich derzeit auf Japan. Nachdem im Atomkraftwerk Fukushima bereits zwei Reaktoren explodiert sind, scheint eine Kernschmelze immer wahrscheinlicher. Wie die Internationale Atomenergiebehörde IAEA mitteilt, wurden in Nähe der Anlage Strahlendosen von bis zu 400 Millisievert je Stunde gemessen. Schon 100 Millisievert sind hochgradig krebserregend. Zudem konnten bereits die radioaktiven Stoffe Cäsium-137 und Jod-131 nachgewiesen werden. Sie gelangen leicht in die Luft und können sich weit verbreiten. Durch ungünstige Winde wird derzeit auch die Millionenmetropole Tokio von radioaktiven Wolken bedroht. Laut Bundesministerium für Strahlenschutz haben die Menschen in Deutschland jedoch nichts zu befürchten. Für die Betroffenen in Japan gibt es nur wenige Möglichkeiten sich gegen die radioaktiven Strahlen zu schützen. Ein Atemschutz kann gegen flüchtige radioaktive Stoffe nichts ausrichten. Die Regierung verteilt derzeit Jodtabletten, die gegen die schädliche Wirkung des radioaktiven Jod-131 schützen sollen. Radioaktive Ablagerungen sind eine tickende Zeitbombe für den Menschen. Sie verbleiben sehr lange im Körper und können noch nach sehr langer Zeit Krebs auslösen.

      Konkrete Messwerte fehlen
      Bei einer Kernschmelze treten neben Cäsium-137 und Jod-131 auch Uran, Plutonium und andere Spaltprodukte wie Krypton oder Strontium aus. Wie das Bundesministerium für Strahlenschutz mitteilte, wurden in Japan jedoch zu wenige Radioaktivitätsmessungen vorgenommen, um konkrete Aussagen über die Höhe der Freisetzungen aus dem beschädigten Kraftwerk treffen zu können. Die Tatsache, dass von Messungen radioaktiven Jods und Cäsiums berichtet wird, sei allerdings ein eindeutiger Hinweis darauf, dass ein Reaktorkern erheblich beschädigt ist.

      Krebsrisiko jahrelang erhöht
      Die radioaktiven Stoffe werden vom Menschen durch das Einatmen der kontaminierten Luft und radioaktiver Staubpartikel aufgenommen. Sie können insbesondere bei einem längeren Aufenthalt in der Nähe des Reaktors zu einem erhöhten Leukämie- und Krebsrisiko führen. Dabei können die Krebserkrankungen noch Jahrzehnte nach dem Einatmen der radioaktiven Partikel auftreten. Noch gefährlicher ist es für die Menschen, die sich im Nahbereich des Reaktors befinden und der unmittelbaren Strahlung ausgesetzt sind. Bei ihnen kann es zu einer akuten Strahlenkrankheit kommen. Beträgt die Strahlung über 500 Millisievert können gesundheitliche Schäden bereits innerhalb von Stunden, Tagen oder Wochen auftreten.

      Schutz durch Jodtabletten
      Für die Menschen in der näheren und ferneren Umgebung des Reaktors sind vor allem Jod-131 und Cäsium-137 besonderes gefährlich. Jod-131 weist zwar eine relativ geringe Halbwertszeit auf (8 Tage), doch durch seine niedrige Schmelztemperatur gelangt es leicht in die Luft und verbreitet sich großflächig. Durch die rechtzeitige Einnahme von Jod-Tabletten kann die schädliche Wirkung des Jod abgemildert werden. Das nicht-radioaktive Jod verhindert, dass sich radioaktives Jod in der Schilddrüse ablagert.

      Große Gefahr durch Cäsium-137
      Auch das radioaktive Cäsium-137 wird durch die Luft verbreitet. Cäsium-137 hat eine Halbwertszeit von bis zu 30 Jahren. Es ist aber besonders gefährlich, da es keine Möglichkeit gib, etwa durch Medikamente, seine Schädlichkeit abzumildern. Cäsium gelangt in das Innere der Muskel- beziehungsweise Nebevenzellen und kann dort die Prozesse zwischen dem Zellinneren und der Zellumgebung schädigen. Um die Bevölkerung zu schützen, müssen weite Teile um den Reaktor evakuiert werden. Sie werden auf unbestimmte Zeit für Menschen unbewohnbar bleiben.

      "Roger" schrieb:

      Für die Angsthasen:



      Denke mal an die Dinge die aus Japan eingeführt werden, auch diese Dinge können Strahlung abgeben.

      Wir hatten erst vor ca. zwei Jahren mächtig Ärger mit radioaktivem Stahl der aus Indien eingeführt wurde. Über ein Jahr bevor das Theater losging hat der Zoll an der Grenze einen LKW angehalten und kontrolliert der 6 Tonnen radioaktive Stahlteile geladen hatte. Es hat dann noch ein Jahr gedauert, bevor man draufkamm, dass da viele tausende Tonnen von diesem Material in Europa im Umlauf sind (schnell wie immer halt). Wer weiss wer da alles eine Dosis abbekommen hat.
      Der Aufwand zu Beweisen, dass man Material aus zuverlässiger, nicht verseuchter Quelle hat war immens. Ich habe über 2000 Kunden die ich beliefere. Gott sei Dank haben meine Materiallieferanten garantiert, dass sie aus dieser Quelle kein Vormaterial bezogen haben.
      Bin mal gespannt wann die ersten japanischen Autos auf der Strasse fahren die nachts kein Licht anschalten müssen, da sie grünlich leuchten.
      Das ist richtig! Aber nach der Katastrophe in Japan werden die Einfuhrgüter, egal was, genauestens in Zukunft überprüft werden! Da kann so was wie mit dem Stahl nimmer passieren! Da bin ich mir absolut sicher!

      Das wurde übrigens gestern bei Hart aber Fair auch kurz angesprochen!

      Kernbrennstäbe bleiben noch jahrelang extrem heiß

      sehe ich genauso!

      das ist auch interessant!

      Kernbrennstäbe bleiben noch jahrelang extrem heiß

      Das Reaktorunglück in Japan zeigt, wie gefährlich selbst inaktive Brennelemente sind. Vor der Lagerung müssen die Brennstäbe erst in einen „Swimmingpool".

      Obwohl infolge des Erdbebens in Japan die Kernreaktion in den Kernreaktoren von Fukushima abgeschaltet wurde, produzieren die inaktiven Brennelemente weiterhin sehr viel Wärme. Werden sie nicht gekühlt, oder fallen sie längere Zeit trocken, werden sie stark beschädigt. Eine Kernschmelze kann einsetzen. Ein Kraftwerk also einfach auszuschalten macht aus Brennstäben noch lange kein ungefährliches Material.

      Brennstäbe sind etwa vier Meter lange Röhren mit einem Durchmesser von rund einem Zentimeter. Im Röhrenmaterial selbst ist viel Zirkoniumoxid enthalten. Dieses stellt sicher, dass kein Brennstoff, keine Spaltprodukte und auch keine Neutronen – sie werden für die Kernreaktion in diesen Röhren benötigt – ins Kühlmedium gelangen. Im Inneren ist der Kernbrennstoff in Tablettenform verpackt, also beispielsweise Urandioxid, Plutoniumdioxid oder eine Mischung aus beiden. Die einzelnen Brennstäbe sind bei aktiven Reaktoren und auch danach, wenn sie ausgeschaltet werden, durch Kühlflüssigkeit voneinander getrennt, damit sie nicht überhitzen. Mehr als 230 dieser langen dünnen Brennstäbe sind zu einem Brennelement zusammengefasst – so lassen sie sich leichter transportieren.

      Durch die Spaltung der schweren Elemente produzieren die aktiven Brennstäbe Wärme: Bestehen die Brennstofftabletten aus Uran und Plutonium, so entstehen kleinere Atome, die ebenfalls radioaktiv sind und sich in den Brennstäben anreichern. Sie zerfallen zwar nicht in noch kleinere Elemente, geben aber Teile ihrer Kerne ab (Neutronen, Alphateilchen), um Stabilität zu erreichen – und das unabhängig davon, ob der Reaktor läuft oder nicht. Also entstehen diese Spaltprodukte auch nach Abschalten des Reaktors weiter. Dabei wird Wärme frei, die sogenannte Nachzerfallswärme. Und genau diese macht die Entsorgung ausgedienter Brennstäbe so schwierig.

      Die Nachzerfallswärme beträgt zwar nach dem Abschalten des Reaktors nur noch zwischen einem Zehntel und einem Zwanzigstel der vorherigen Wärmeproduktion und nimmt dann sehr schnell ab (siehe Grafik). Aber auch das ist insgesamt noch sehr viel Wärme. „Nach zehn Tagen liegt die Nachzerfallswärme noch bei etwa 0,4 Prozent, das sind aber je nach Brennelement und dessen Laufzeit etwa 15 Megawatt – genug, um fast drei moderne Lokomotiven anzutreiben“, erklärt Stephan Struth vom Forschungszentrum Jülich. Und diese Wärme muss abgeführt werden, bevor eine unterirdische Endlagerung möglich ist.

      Dazu müssen die Brennstäbe erst einmal „abklingen“ – was in sogenannten Abklingbecken passiert. Jedes der zwölf aktiven Atomkraftwerke Deutschlands besitzt einen solchen tiefen „Swimmingpool“ für alte Brennstäbe. Denn obwohl sich die Nachzerfallswärme so schnell reduziert, können die Brennstäbe nicht einfach aus dem Reaktorkern herausgehoben und im Trockenen gelagert werden: Zunächst muss der Reaktor selbst abkühlen – von rund 300 Grad Celsius auf 20 bis 30 Grad. Danach wird der Deckel des Reaktors abgehoben, und die Brennelemente werden mit einem Kran in das benachbarte Abklingbecken versetzt. Der gesamte Prozess dauert etwa 24 Stunden.

      Im Abklingbecken werden die Brennstäbe dann weiterhin gekühlt – mit Wasser. Wasser bietet sich deshalb an, weil es nicht nur kühlt, sondern gleichzeitig die abgegebenen Kernteilchen aufnimmt. Damit keine radioaktiven Partikel und damit keine Strahlung aus dem Becken entweichen, ist über den Brennstäben immer eine mehrere Meter hohe Wasserschicht. Sie schirmt die radioaktiven Teilchen ab. Im Schnitt müssen die Brennstäbe etwa fünf Jahre im Abklingbecken bleiben, bevor sie in eines der drei zentralen Zwischenlager Deutschlands – Ahaus, Gorleben oder Greifswald-Rubenow – transportiert werden.

      Diese Zwischenlager sind große oberirdische Hallen aus Stahlbeton mit einer Außenwandstärke von bis zu 70 Zentimetern. Das allein schirmt die ausgedienten Brennstäbe aber noch lange nicht genug ab, weshalb die Stäbe in Spezialbehältern verpackt sind. Diese Behälter dienen auch dem Transport vom Abklingbecken zur Lagerhalle. Viel Wärme dürfen die Brennstäbe dann nicht mehr produzieren: Sie müssen so weit abgeklungen sein, dass in den extrem dichten Behältern keine höhere Temperatur als 400 Grad entsteht.

      Der bekannteste Behälter ist der „Castor“ (siehe Schema). Castor steht für „Cask for Storage and Transport of radioactive Materials“ – es ist also ein „Fass für die Lagerung und den Transport radioaktiver Materialien“. Diese Behälter von der GNS Gesellschaft für Nuklear-Service mbH sind zwischen vier und sechs Meter lang, etwa zweieinhalb Meter breit und wiegen über 100 Tonnen. Sie schirmen die gefährliche Strahlung ihres Inhaltes so stark ab, dass davon weniger als ein Millionstel nach außen gelangt. Außerdem leiten sie die erzeugte Nachzerfallswärme ab. „Dazu besitzen die Behälter Kühlrippen zur Oberflächenvergrößerung. Sie können so eine Wärme von 56 Kilowatt abführen, das entspricht ungefähr dem Heizbedarf von fünf Einfamilienhäusern“, sagt Michael Köbl von der GNS-Gruppe.

      Ein Castor funktioniert also ähnlich wie ein Heizkörper bei uns zu Hause: Über seine Rippen gibt er Wärme an die Umgebung ab – eben die Nachzerfallswärme der enthaltenen Brennstäbe. Dabei werden die Behälter außen an ihrer Oberfläche höchstens 80 Grad warm, je nach Umgebungstemperatur. Damit ein Castor auch Extremsituationen und Unfälle überstehen kann, muss er sich in zahlreichen Tests beweisen und bei Aufprall, Feuer oder hohem Wasserdruck noch stabil und dicht bleiben.

      Auch in den Stahlbetonhallen der zentralen Zwischenlager kommen die Behälter ohne technisch unterstützte Kühlung aus: Die Luft in den großen Hallen reicht aus, um die Wärme abzuführen.
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      Man oh man , es gibt schön blöde Leute:

      LUDWIGSBURG
      Jodtabletten gegen die Atom-Angst
      Nach dem Atomunfall in Japan ist die Angst vor einer Strahlenverseuchung auch in Deutschland gestiegen. Experten raten dringend davon ab, Jodtabletten zu kaufen, und warnen vor Panik.
      In vielen Ludwigsburger Apotheken stieg in dieser Woche die Nachfrage nach Jodtabletten. „Bei uns haben sich mehr Leute als sonst nach Jodtabletten erkundigt“, sagt Meike Raasch von der Lindenapotheke. Aus Angst vor der atomaren Verstrahlung haben sich einige Ludwigsburger bereits mit den schutzversprechenden herkömmlichen Jodtabletten eingedeckt.
      Die Experten unterscheiden zwei Arten von Jodtabletten. Die üblichen Jodtabletten sind zu niedrigdosiert, um einen Schutz vor radioaktivem Jod zu erreichen. „Schutz bieten nur hochdosierte Jodtabletten. Diese füllen die Schilddrüse mit Jod, so dass der Körper das verstrahlte Jod aus der Umwelt nicht aufnehmen kann“, sagt Dr. Birgit Wos vom Klinikum Ludwigsburg.

      Auch hochdosierte Jodtabletten sind grundsätzlich im freien Verkauf verfügbar. Vom Kauf der Medikamente als Vorsichtsmaßnahme wird jedoch abgeraten. Wer sich dennoch mit „Jodblockern“ eindeckt und selbst behandelt, geht ein hohes Gesundheitsrisiko ein. „Diese Tabletten beeinflussen den Schilddrüsen-Stoffwechsel. Sie können zu Herzrasen, Fieber und bei anfälligen Patienten auch zum Koma führen“, sagt Thomas Schönauer, Leiter des Ludwigsburger Gesundheitsamtes. Die hochdosierten Medikamente sind nur zur kurzzeitigen Einnahme bei einem Atomunfall in der näheren Umgebung gedacht. „Da wir zum Glück keiner Strahlengefahr ausgesetzt sind, ist es völlig irrsinnig, sich mit einem Jodtablettenvorrat einzudecken“, so Schönauer.
      Laut Landesapothekenkammer Baden-Württemberg werden für den Fall eines kerntechnischen Unfalls seit Jahren vorsorglich Jodtabletten in öffentlichen Einrichtungen gelagert. In einem Zehn-Kilometer-Radius um Kernkraftwerke geben Apotheken sie aus. Dort sollen auch Krankenhäuser, große Betriebe sowie Schulen die Medikamente zum Eigenbedarf erhalten haben. Im Zehn- bis 25-Kilometer-Radius lagern Jodtabletten bei den Gemeinden in öffentlichen Einrichtungen und können im Ernstfall dort abgeholt werden.

      Quelle: http://www.lkz.de/home/lokales/stadt-kreis_artikel,-Jodtabletten-gegen-die-Atom-Angst-_arid,37575.html
      Radioaktivität
      Wie wichtig sind jetzt Jodtabletten?


      Viele Deutsche decken sich mit Jodtabletten ein, um Strahlenschäden vorzubeugen, falls Radioaktivität Europa erreichen sollte. Doch bieten die Präparate aus der Apotheke keinen Schutz.

      Vor Radioaktivität und ihren dramatischen Folgen für die Gesundheit schützen keine Pillen. Mit einer Ausnahme: Jodtabletten können durch Strahlung ausgelösten Schilddrüsenkrebs verhindern. Der Hintergrund: Als Spaltprodukte fallen durch einen atomaren Unfall auch das radioaktive Jod-131 und Jod-133 an. Über Atemluft und Nahrung nimmt der Körper die Stoffe auf, sie gelangen ins Blut und die Schilddrüse fischt sie heraus. Denn das Organ unterscheidet nicht zwischen harmlosem und radioaktivem Jod. Die strahlende Variante des Spurenelements kann aber nicht nur Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse auslösen, sondern auch Krebs. Ist das Organ jedoch bereits mit unverstrahltem Jod gesättigt, nimmt es das gefährliche nicht mehr auf und Folgeschäden werden verhindert.

      Tausendfach zu geringe Dosis
      Deutsche Apotheken verzeichnen eine starke Nachfrage nach Jodtabletten, weil viele Bundesbürger sich bereits jetzt vor Strahlenschäden schützen wollen – egal, ob durch Fallout aus Japan oder einen Reaktorunfall in Europa. „Völliger Unsinn“, erklärt Edmund Lengfelder, Strahlenbiologe und Leiter des Otto-Hug-Strahleninstituts. Denn die in Apotheken und Drogerien verkauften Jodprodukte enthalten nur 100 bis 150 Mikrogramm des Spurenelements. Die medizinisch wirksame Dosis zur Jodblockade der Schilddrüse beträgt jedoch 50 bis 100 Milligramm, also das Tausendfache. Diese Mengen können bei älteren Menschen starke Nebenwirkungen auslösen, etwa Blutdruckspitzen und Hitzewallungen. Deshalb rät die Regierung nur dann zu ihrer Einnahme, wenn tatsächlich starke radioaktive Belastung zu erwarten ist. „In Deutschland und Europa gibt es aber derzeit keinen Grund, diese hochdosierten Medikamente zu schlucken“, stellt der Experte fest. In Japan wurden inzwischen in den gefährdeten Gebieten Jodtabletten verteilt.

      Vorbild Österreich
      Eine nukleare Katastrophe ist seit den Ereignissen in Japan auch anderswo denkbar, weswegen die Bundesregierung jetzt sogar spontan beschlossen hat, die ältesten Kernkraftwerke eine Zeitlang abzuschalten. Zum Schutz der Bürger plädiert Edmund Lengfelder dafür, dass jeder das hochwirksame Jod als Notfallmedikamente zu Hause oder zumindest raschen Zugang dazu hat. So ist das beispielsweise schon in Österreich, wo die hochdosierten Medikamente in der Apotheke erhältlich sind. Dort kann jeder, sobald Radioaktivität ein gefährliches Maß erreicht hat, nach Anweisung der Gesundheitsbehörden die Jodblockade sofort durchführen. Denn die Medikamente müssen kurz vor oder spätestens zeitgleich mit der Strahlenbelastung eingenommen werden. „Ein paar Stunden zu spät, verlieren sie bereits massiv ihre Wirkung“, warnt der Experte. Wie ansonsten in einem Katastrophenfall die Verteilung der Tabletten zur Jodblockade in Deutschland funktionieren soll, ist schwer nachvollziehbar.

      Keine Bereitstellung für über 45-Jährige
      Übrigens ist in Deutschland nicht vorgesehen, dass Bürger über 45 Jahre die Medikamente vom Staat erhalten. Der Grund: Mit zunehmenden Jahren sinkt das allgemeine Krebsrisiko, weil sich die Zellen langsamer teilen. „Für Schilddrüsenkrebs trifft das aber nicht zu“, widerspricht Edmund Lengfelder. Seine Erfahrung aus dem Schilddrüsenzentrum in Weißrussland, in dem er seit Jahrzehnten Tschernobylopfer behandelt, zeigt, dass ältere Menschen genauso häufig betroffen sind wie junge.

      Quelle: http://www.focus.de/panorama/welt/tsunami-in-japan/wissenschaftliche-hintergruende/radioaktivitaet-wie-wichtig-sind-jetzt-jodtabletten_aid_609218.html