Streit um Kerosin-Zuschläge

      Streit um Kerosin-Zuschläge

      Streit um Kerosin-Zuschläge

      Trotz gesunkener Ölpreise verlangen nach wie vor viele Fluggesellschaften die unbeliebten Aufschläge. Fluglinien verweisen auf langfristige Kerosin-Lieferverträge. Verbraucherschützer fordern übersichtliche Komplettpreise.

      Im Dezember mit British Airways nach Kapstadt? Macht hin und zurück 179 € Spritzuschlag. Und wer jetzt bei Air Berlin ein Ticket für Oktober auf die Malediven bucht, muss zum Flugpreis 160 € für Treibstoff zahlen. Ähnlich hoch sind die Kerosin-Zuschläge bei Lufthansa. Und zwar nicht nur für Flüge, die heute abheben, sondern selbst für Verbindungen in rund einem Jahr. Dabei erwartet im Moment kaum jemand, dass die Ölpreise in absehbarer Zeit wieder so anziehen wie im vergangenen Sommer, als Rohöl je Fass (159 Liter) knapp 150 US-Dollar kostete. Gestern war es für gut 40 Dollar zu haben.

      Absicherung kommt jetzt teuer zu stehen
      Es ist offenbar das „Hedging” (Absicherung), das den Passagieren nun teuer zu stehen kommt. Als im Sommer mancher Experte schon Ölpreise von 200 Dollar prognostizierte, bestellten viele Airlines Kerosin zur Lieferung in diesem Frühjahr und zu Preisen, die etwa auf Basis von 100 bis 140 US-Dollar je Fass Rohöl deutlich unter dem Horrorszenario lagen - aber auch deutlich über den Preisen, die jetzt bei sofortiger Lieferung fällig werden. „Das Hedging war für uns im vergangenen Jahr existenziell notwendig”, so eine Air-Berlin-Sprecherin. Doch so wie die Absicherung steigende Ölpreise dämpft, machen sich fallende erst mit Verspätung bemerkbar. Sowohl bei Air Berlin wie auch bei Lufthansa heißt es, dass man die Zuschläge reduzieren will, sobald es die Spritpreise zulassen.

      Solche Ankündigungen hält Holger Krawinkel, Energieexperte des Verbraucherzentrale Bundesverbands für „Augenwischerei”. Mit den Kerosin-Zuschlägen habe sich eine „Scheintransparenz” eingebürgert, die abgeschafft gehöre. Die Gesellschaften sollten Komplettpreise kalkulieren, die sich schnell vergleichen ließen. „Mein Friseur verlangt ja auch keinen Strom-Zuschlag.” Mit Blick auf das Hedging kritisiert er: „Wenn sich die Fluggesellschaften verspekuliert haben, können sie das jetzt nicht auf die Kunden abwälzen.”

      Ohnehin heißt es bei den Fluggesellschaften unter der Hand, dass die Höhe der Zuschläge nicht nur vom Ölpreis, sondern auch von der Konkurrenzsituation abhängt. So schlägt etwa British Airways auf ein Flugticket nach Hongkong 89,50 € auf, während der Zuschlag beim Konkurrenten Cathay Pacific auf der gleichen Strecke nicht einmal 30 € beträgt. Angesichts der aktuell schlechten Buchungslage hofft Krawinkel daher, dass die Sprit-Zuschläge branchenweit sinken. Davon profitieren jedoch nur Spät-Bucher, da eine Reduzierung in der Regel nur für neue Buchungen gilt.

      Der Chef der Gesellschaft Swiss, Christoph Franz, ließ jüngst indes durchblicken, dass die Zuschläge gerade jetzt eine willkommene Zusatz-Einnahme sind. Das Interesse von Swiss, die Zuschläge zu senken, „ist bei sinkender Nachfrage am Passagiermarkt gering, wir müssen allenfalls auf die Wettbewerbssituation reagieren”. (NRZ)

      Dünne Luft für Billigflieger

      Dünne Luft für Billigflieger

      Steigende Kerosinpreise haben auch die Ticketkosten nach oben getrieben. Viele Airlines schreiben Verluste und reagieren durch Ausdünnung der Flugpläne. Billig fliegen wird schwieriger – aber nicht unmöglich.

      Es war eine Revolution, die von Billig-Fluglinien: Vorbei die Zeiten, in denen Flüge außer per Pauschalangebot nach Mallorca nur etwas für Bessergestellte waren. Für einen Cent nach London? Alles schien im Billigflieger-Paradies möglich – bis der Kerosin-Schock kam. Nachrichten von Treibstoff-Zuschlägen, steigenden Ticket-Preisen und Airlines in der Krise häufen sich. Wird das Fliegen nun wieder zum Privileg der Oberschicht? Eine Bestandsaufnahme.

      Die Probleme
      Die Kosten für Kerosin setzen Airlines weltweit zu. Deutschlands größtes Unternehmen Lufthansa rechnet für 2008 mit Treibstoffkosten von 5,6 Milliarden Euro, das wären 1,7 Milliarden Euro mehr als 2007. 80 Millionen Euro Mehrkosten veranschlagt die deutsche Nummer zwei Air Berlin. Dabei haben die Fluglinien sich abgesichert, sagt der Hamburger Luftfahrt-Experte Cord Schellenberg. Weil sich viele rechtzeitig Öl zu einem günstigen Kurs sicherten, müssen sie nicht mehr als 60 bis 80 US-Dollar für das Barrel Öl zahlen. Der Weltmarktpreis liegt bei 120 US-Dollar. Schwierig werde es, wenn der Ölpreis über 100 Dollar bleibe. „Weil der Preis so hoch ist, verzichten die Fluggesellschaften auf weitere Absicherungsgeschäfte. Sinkt der Ölpreis, geht das auf, steigt er weiter, schlägt er bald voll durch.”

      Schon jetzt können Airlines ihre Mehrkosten nicht komplett an die Kunden weitergeben. Zwar verlangen viele ständig steigende Treibstoffzuschläge, doch langfristig lasse sich das in der Economy-Klasse kaum durchhalten, prognostiziert Schellenberg. „Bei günstigen Flügen sind die Kunden preisbewusst und wandern zur Konkurrenz ab.” Größer seien Gewinn-Margen bei Interkontinental-Flügen, da in Business- und erster Klasse viel Geld verdient werde und Treibstoffzuschläge akzeptiert würden. Dieses Segment können Billig-Flieger nicht anbieten, so dass ihnen ein Gewinnfaktor fehlt.

      Wie Airlines reagieren
      Viele Linien sind in der Defensive. Ryanair rechnet 2008 mit Verlust, bei Air Berlin haben Analysten Existenzgefahr ausgemacht. Die Strategie aggressiven Wachstums ist vorbei. Flugzeug-Flotten werden verkleinert, Verbindungen zu unrentablen Zielen eingestellt und beliebte Orte seltener angeflogen, um die Auslastung zu erhöhen. Air Berlin legt im Winter 14 seiner 134 Maschinen still, Tui Fly speckt von 56 auf 48 ab, Germanwings von 29 auf 25 Flugzeuge. Ein Spagat: „Im deutschen und europäischen Geschäftsreiseverkehr ist eine Vielzahl von Frequenzen gefragt. Wer keine Marktanteile verlieren will, muss auf Kundenwünsche eingehen”, sagt ein Air-Berlin-Sprecher. Ryanair will Bargeld-Reserven anzapfen, um Preise zu halten. Einige Gesellschaften fliegen bereits langsamer, um Kerosin zu sparen.

      Innovationen
      15 Prozent Energie-Ersparnis in den kommenden zehn Jahren hält Volker Gollnick, Leiter des Institutes für Lufttrans-portkonzepte des Deutschen-Luft- und Raumfahrtzentrums, für realistisch. Verbesserte Landeklappen sollen Sprit bei Start und Landung sparen. „Das wird im Kurz- und Mittelstreckenbereich viel bringen.” Für die Langstrecken arbeitet sein Institut an Flügelformen, die weniger kerosinfressende Luftverwirbelungen erzeugen.

      Preisentwicklung
      An dauerhaft günstige Preise glaubt Gollnick dennoch nicht. „Steigende Energiekosten lassen sich nicht komplett kompensieren.” Zuversichtlicher ist Cord Schellenberg. „Spaß-Angebote für wenige Euro werden seltener, aber aufgrund ihrer Werbe-Wirkung nicht verschwinden.” Frühes Buchen nach Öffnung der Flugpläne sei angesagt: „Die Zeiten, in denen es drei Wochen vor dem Termin günstige Angebote gab, sind vorbei.” Der Preisvergleich wird wichtiger, denn Billigflieger sind kreativ: Wer Gepäck aufgeben will, muss teils zuzahlen. Der nächste plant Extrakosten, wenn nicht online, sondern am Flughafen eingecheckt wird. Ein anderer verlangt Bares fürs Kopfkissen. Die Flughafen-Fülle rund ums Ruhrgebiet mit Düsseldorf, Weeze, Köln, Dortmund, Paderborn und Münster bietet trotz Energie-Krise eine Chance: Nirgends sonst gibt es so viele Alternativen.

      Billigfliegen wird teurer

      Billigfliegen wird teurer

      Berlin. Zwar gehen Billig-Airlines immer noch mit günstigen Angeboten auf Kundenfang. Wer allerdings kein solches Schnäppchen ergattert, muss sich auf steigende Preise einstellen. Grund sind die hohen Kerosinkosten.

      Trotz hoher Spritpreise gehen die Billigflieger noch immer mit unglaublich günstigen Angeboten auf Kundenfang. Beim Marktführer Ryanair ist beispielsweise der Flug von Berlin nach Stockholm Anfang September für einen Cent inklusive Steuern und Gebühren buchbar. Für rund 27 Euro geht es ein paar Tage später zurück.

      Auch andere Fluggesellschaften werben wie gewohnt mit Schnäppchenpreisen, als ginge der hohe Ölpreis völlig spurlos an der Branche vorüber. Das ist natürlich nicht der Fall. Das teure Kerosin setzt die Airlines unter Druck. Nach Einschätzung von Fachleuten sind die durchschnittlichen Kosten für einen Inlandsflug von 80 Euro auf bis zu 120 Euro angestiegen. Diesen Sprung müssen die Unternehmen ausgleichen, wenn sie nicht in die roten Zahlen fliegen wollen.

      Verband geht von bis zu 20 Prozent steigenden Preisen aus
      „Keine Airline hat auch nur die geringste Chance, ohne Preiserhöhungen davon zu kommen”, sagt der Chef des Bundesverbands der Deutschen Fluggesellschaften (BDF), Ralf Teckendrup. Der Verband, in dem die Billigfluglinien zusammengeschlossen sind, rechnet mit um bis zu 20 Prozent höheren Ticketpreisen im kommenden Winter. Die auf Sonderangebote ausgerichtete Reklame passt da auf den ersten Blick nicht zur faktischen Verteuerung der Flüge.

      Doch als fester Bestandteil der Marketingstrategie werden Verbraucher wohl weiter auf reißerisch günstige Offerten hoffen können. Es wird aber schwieriger, fast zum Nulltarif ans Ziel zu kommen. „Es wird weniger Schnäppchen zum Rausschmeißerpreis geben”, schätzt BDF-Sprecherin Sabine Teller. Eine gute Nachricht gibt es allerdings auch. Der harte Wettbewerb zwingt die Gesellschaften weiterhin zu Ramschangeboten. Einzelne Unternehmen haben bereits auf die jüngste Entwicklung reagiert. Condor will die Preise im Winter um gut 15 Prozent anheben. TUIFly nimmt Abstand vom Ticketeinstandspreis von 19,99 Euro. Auf der Webseite wird nun schon mit Flügen ab 29 Euro geworben.

      Mehrklassen-Fluggesellschaft
      Aber: Die niedrigsten Angebote sagen wenig über den wichtigeren Durchschnittserlös pro Fluggast aus. So sind die Maschinen in mehrere Preiskategorien unterteilt. Etwa zehn Prozent der Sitze werden auf dem Billigmarkt verschleudert. Alle anderen Passagiere müssen deutlich mehr bezahlen. Wer nicht den Zuschlag für ein Sonderangebot erhält, muss sich in den anderen Preisklassen wohl auf kräftige Preissprünge einstellen.

      Spätes Buchen könnte zum Beispiel mehr kosten als bisher. Das handhabt aber jede Airline anders. Es gibt auch gute Kunde. Im Vorgriff auf eine europaweite Regelung geben die Fluggesellschaften jetzt schon Endpreise für die Tickets an, in denen Flughafengebühren oder Steuern bereits enthalten sind. Der Preisvergleich auf den Internetseiten wird dadurch erheblich vereinfacht.

      Suchmaschine bringt Licht ins Dickicht
      Völlig transparent sind die Kosten damit aber immer noch nicht, wie das Beispiel Ryanair zeigt. Pro Gepäckstück, für die Abfertigung am Flughafen oder für die Zahlung per Kreditkarte werden Extragebühren fällig. Auch wollen einige Gesellschaften ihren Kunden zusammen mit dem Ticket eine Reisekrankenversicherung andrehen. Auf der Suche nach den günstigsten Flugscheinen hilft das Münchener Internetportal Swoodoo.de mit einer Suchmaschine für die günstigsten Tickets.

      Die Zeit für Schnäppchen sei noch lange nicht vorbei, ist sich die Firma sicher. Bislang beobachten die Fachleute noch keinen großen Preisschub bei den Tickets. Schnäppchen werde es auch weiterhin geben. „Die Airlines werden sich hüten, ihre Marktstrategie zu ändern”, glaubt Swoodoo-Marketingleiter Wolfgang Heigl.