Die reinsten Diamanten der Welt - Einsatz im Computer
Panorama, 16.04.2009, Matthias Korfmann
Stuttgart. Glaubt man der Werbung, dann gibt es nichts Anziehenderes für eine Frau als einen Diamanten. Muss wohl was mit der legendären Unvergänglichkeit zu tun haben: Die Liebe ist flüchtig, der Klunker bleibt. Hart und rein soll der Stein sein.
Aber tatsächlich ist das, was feine Damen an den Händen oder um den Hals tragen, alles andere als lupenrein. Im Vergleich zu den Diamanten, die derzeit in einem Stuttgarter Labor entstehen, erinnert der normale Diamantschmuck eher an Schmutzbrocken.
„Unsere sind 10 000 Mal reiner als alle bisher bekannten Diamanten”, sagt Prof. Jörg Wrachtrup, Physiker an der Universität Stuttgart. Hochreiner Diamant besteht aus Kohlenstoff. Aber meistens enthalten die Steine auch andere Elemente, am häufigsten Stickstoff, die den Diamanten einfärben können. 80 Prozent der geschürften Diamanten sind farbig. „Stickstoff macht zum Beispiel gelb, Bor macht blau”, so Wrachtrup.
Eine Million Euro pro Karat
Den Stuttgarter Forschern ist es nach eigenen Angaben gelungen, die Verunreinigung mit Stickstoffatomen bis auf wenige ppb (parts per billion/eins pro eine Milliarde) zu reduzieren. Da kann ein professioneller Diamantenhändler noch so angestrengt durch die Lupe gucken - an diesen Steinen ist nichts auszusetzen.
Solch betörende Reinheit hat ihren Preis: eine Million Euro pro Karat. „Üblicherweise kostet ein Karat rund 20 000 Euro”, erklärt Wrachtrup. „Seine” Steine, die eigentlich winzige Plättchen von zwei mal zwei Millimetern sind, bringen es auf 0,01 Karat. Hergestellt wurden sie aus Methan-Plasma. Verkaufen kann man diese Labor-Preziosen übrigens nicht. Zumindest nicht an den nächstbesten Schmuckhändler an der Ecke. Für solch perfekte Diamanten gibt es wegen des immens hohen Preises gar keinen normalen Markt.
Aber wofür sind sie dann gut? „Sie eröffnen neue Perspektiven für die Informationstechnolgie”, erklärt Wrachtrup. „Zukünftige Computer könnten mithilfe dieser Diamanten schneller rechnen und deutlich weniger Energie verbrauchen. Wir nehmen einen farblosen Stein und verunreinigen ihn mit einzelnen Atomen, Mit solchen ,atomaren Defekten” lassen sich in Rechnern Informationen übermitteln.”
Nicht allein in Stuttgart beschäftigen sich Wissenschaftler mit dieser Diamant-Technologie. In Harvard, in der University of California und einigen anderen Hochschulen werden ähnliche Wege beschritten. Jörg Wrachtrup muss allerdings zugeben: „Wir stehen mit unseren Forschungen erst ganz am Anfang.”
Weiter fortgeschritten sind die Bemühungen spezieller Firmen, insbesondere in den USA, die Herstellung von guten Industriediamanten ähnlich billig oder sogar billiger zu machen als das Fördern geschürfter Diamanten.
Dahinter steht die Großindustrie
Die Herstellung der superreinen Diamanten in Stuttgart geschieht in Zusammenarbeit mit der britischen Firma element6. Hinter dem Namen steht die Bezeichnug für Kohlenstoff und ein Tochterunternehmen des Industrie-Giganten De Beers, der den Diamanten-Weltmarkt weitgehend kontrolliert. element6 konzentriert sich - anders als der Mutterkonzern - auf die Forschung mit künstlich hergestellten Diamanten.
Die Diamantensuche ist bis heute ein mühsames und zuweilen blutiges Geschäft. Oft müssen mehrere Tonnen Gestein bewegt werden, um ein Karat Diamant zu fördern.
Panorama, 16.04.2009, Matthias Korfmann
Stuttgart. Glaubt man der Werbung, dann gibt es nichts Anziehenderes für eine Frau als einen Diamanten. Muss wohl was mit der legendären Unvergänglichkeit zu tun haben: Die Liebe ist flüchtig, der Klunker bleibt. Hart und rein soll der Stein sein.
Aber tatsächlich ist das, was feine Damen an den Händen oder um den Hals tragen, alles andere als lupenrein. Im Vergleich zu den Diamanten, die derzeit in einem Stuttgarter Labor entstehen, erinnert der normale Diamantschmuck eher an Schmutzbrocken.
„Unsere sind 10 000 Mal reiner als alle bisher bekannten Diamanten”, sagt Prof. Jörg Wrachtrup, Physiker an der Universität Stuttgart. Hochreiner Diamant besteht aus Kohlenstoff. Aber meistens enthalten die Steine auch andere Elemente, am häufigsten Stickstoff, die den Diamanten einfärben können. 80 Prozent der geschürften Diamanten sind farbig. „Stickstoff macht zum Beispiel gelb, Bor macht blau”, so Wrachtrup.
Eine Million Euro pro Karat
Den Stuttgarter Forschern ist es nach eigenen Angaben gelungen, die Verunreinigung mit Stickstoffatomen bis auf wenige ppb (parts per billion/eins pro eine Milliarde) zu reduzieren. Da kann ein professioneller Diamantenhändler noch so angestrengt durch die Lupe gucken - an diesen Steinen ist nichts auszusetzen.
Solch betörende Reinheit hat ihren Preis: eine Million Euro pro Karat. „Üblicherweise kostet ein Karat rund 20 000 Euro”, erklärt Wrachtrup. „Seine” Steine, die eigentlich winzige Plättchen von zwei mal zwei Millimetern sind, bringen es auf 0,01 Karat. Hergestellt wurden sie aus Methan-Plasma. Verkaufen kann man diese Labor-Preziosen übrigens nicht. Zumindest nicht an den nächstbesten Schmuckhändler an der Ecke. Für solch perfekte Diamanten gibt es wegen des immens hohen Preises gar keinen normalen Markt.
Aber wofür sind sie dann gut? „Sie eröffnen neue Perspektiven für die Informationstechnolgie”, erklärt Wrachtrup. „Zukünftige Computer könnten mithilfe dieser Diamanten schneller rechnen und deutlich weniger Energie verbrauchen. Wir nehmen einen farblosen Stein und verunreinigen ihn mit einzelnen Atomen, Mit solchen ,atomaren Defekten” lassen sich in Rechnern Informationen übermitteln.”
Nicht allein in Stuttgart beschäftigen sich Wissenschaftler mit dieser Diamant-Technologie. In Harvard, in der University of California und einigen anderen Hochschulen werden ähnliche Wege beschritten. Jörg Wrachtrup muss allerdings zugeben: „Wir stehen mit unseren Forschungen erst ganz am Anfang.”
Weiter fortgeschritten sind die Bemühungen spezieller Firmen, insbesondere in den USA, die Herstellung von guten Industriediamanten ähnlich billig oder sogar billiger zu machen als das Fördern geschürfter Diamanten.
Dahinter steht die Großindustrie
Die Herstellung der superreinen Diamanten in Stuttgart geschieht in Zusammenarbeit mit der britischen Firma element6. Hinter dem Namen steht die Bezeichnug für Kohlenstoff und ein Tochterunternehmen des Industrie-Giganten De Beers, der den Diamanten-Weltmarkt weitgehend kontrolliert. element6 konzentriert sich - anders als der Mutterkonzern - auf die Forschung mit künstlich hergestellten Diamanten.
Die Diamantensuche ist bis heute ein mühsames und zuweilen blutiges Geschäft. Oft müssen mehrere Tonnen Gestein bewegt werden, um ein Karat Diamant zu fördern.