Interessantes zu Formel 1 im Jahr 2007

    Chronologie der Spionage-Affäre

    Chronologie der Spionage-Affäre

    Oktober 2006: Nigel Stepney teilt nach dem Saisonfinale in Brasilien mit, dass er weiter bei Ferrari bleiben möchte. Insgeheim spekuliert der Chefmechaniker mit der Nachfolge von Ross Brawn als Chefstratege.

    Januar 2007: Stepney gibt dem britischen Fachmagazin 'Autosport' ein aufsehenerregendes Interview, nachdem ihm von Ferrari mitgeteilt wurde, dass er doch nicht Brawns Nachfolge antreten darf.

    23. Februar 2007: Ferrari versöhnt sich mit Stepney und schafft für ihn eine die neue Position des Leistungsentwicklungschefs.

    30. April 2007: Stepney, offenbar immer noch frustriert, und McLaren-Chefdesigner Mike Coughlan treffen sich am Rande der Testfahrten in Barcelona.

    Mai 2007: Stepney schickt Coughlan via Kurierdienst ein 780 Seiten starkes Dossier in Form von zwei CD-Roms mit Informationen und Skizzen über den F2007, das Setup, die Rennstrategie, die Organisation in Maranello und vieles mehr.

    21. Mai 2007: Sechs Tage vor dem Grand Prix von Monaco wird in den Ferrari-Tanks ein halbes Kilogramm von einem mysteriösen weißen Pulver, wahrscheinlich Düngemittel, gefunden. Verdacht: Sabotage.

    Ende Mai 2007: Coughlan, der vom Chefdesigner zum Technischen Direktor befördert werden möchte, zeigt McLarens Jonathan Neale die von Stepney erhaltenen Geheimdokumente. Neale rät seinem Kollegen, diese umgehend zu vernichten, was Coughlan aber unterlässt.

    Mitte Juni 2007: Coughlans Ehefrau Trudy kopiert die besagten Feerrari-Dokumente in einem Copyshop in der Nähe der McLaren-Fabrik in Woking. Der Verkäufer wird wegen der Geheimvermerke und wegen des Ferrari-Logos stutzig. Auf diese Weise erfährt Ferrari erstmals von der Spionageachse zwischen Stepney und Coughlan.

    18. Juni 2007: Ferrari erstattet bei der Staatsanwaltschaft in Modena Anzeige gegen Stepney.

    22. Juni 2007: Stepneys Haus in Italien wird durchsucht. Dabei wird belastendes Material sichergestellt.

    3. Juli 2007: Ferrari entlässt den bisher nur beurlaubten Stepney.

    10. Juli 2007: Vor dem Obersten Gericht in London findet die erste Anhörung zur Spionageaffäre statt. Diese wird jedoch schon nach wenigen Aussagen von Richter John Briggs auf den 11. Juli vertagt.

    11. Juli 2007: Die erwartete eidestattliche Erklärung von Coughlan vor dem Obersten Gericht in London fällt aus, weil sich der Brite am Vorabend außergerichtlich mit Ferrari darauf geeinigt hat, dem Team aus Maranello gemeinsam mit Ehefrau Trudy unter Eid all seine relevanten Informationen in der Spionage-Affäre offen zu legen.

    12. Juli 2007: Die FIA kündigt für den 26. Juli eine Anhörung von Vertretern von McLaren-Mercedes und Ferrari vor dem World Council in Paris an. Es habe Verstöße gegen Artikel 151c des International Sporting Codes gegeben.

    16. Juli 2007: Stepney kündigt an, rechtliche Schritte gegen Ferrari einzuleiten, falls sich sein Verdacht bestätigen sollte, dass er vom Team beschattet und sogar im Auto verfolgt wurde.

    18. Juli 2007: Stepney kündigt über seine Rechtsanwältin an, dass er selbst Verdächtige nennen werde, die die Dokumente an Coughlan übergeben haben sollen.

    26. Juli 2007: McLaren-Mercedes wird nach rund fünfstündiger Anhörung vor dem World Council des Automobil-Weltverbandes FIA in Paris vom Verdacht der Spionage freigesprochen. Bei einem Schuldspruch hätte dem englisch-schwäbischen Formel-1-Rennstall schlimmstenfalls sogar ein massiver Punktabzug in der Team- und Fahrer-WM gedroht.

    31. Juli 2007: Nach einem Protestschreiben des italienischen Automobilverbandes gegen das Urteil setzt FIA-Präsident Max Mosley eine öffentliche Berufungsverhandlung für den 13. September an.

    05. September 2007: Die FIA teilt mit, dass ihr neue Beweise vorliegen würden. Aus diesem Grund wird die Berufungsverhandlung abgesagt. Stattdessen wird eine zweite Anhörung ebenfalls für den 13. September terminiert. Diese ist nicht öffentlich.

    07. September 2007: Weltmeister Fernando Alonso soll bereits im März über Abstimmungs-Details des Rivalen Ferrari informiert gewesen sein. Demnach habe es zu Saisonbeginn einen Schriftwechsel via E-Mail zwischen Alonso und McLaren-Testfahrer Pedro de la Rosa gegeben.

    13. September 2007: McLaren-Mercedes wird nach der zweiten Anhörung vor dem World Motor Sport Council mit einer drastischen Geldstrafe von 100 Millionen Dollar belegt. Außerdem werden dem Rennstall alle 2007 gewonnenen Punkte in der Konstrukteurs-WM aberkannt.

    McLaren zieht zurück: Keine Berufung

    McLaren zieht zurück: Keine Berufung

    Zwei Verhandlungen standen für McLaren an. Das Ergebnis der ersten ist bestens bekannt. Die zweite wurde nun weniger als 24 Stunden zuvor abgesagt. Das Thema der Anhörung war der Einspruch des Teams gegen die Streichung aller Konstrukteurspunkte beim Ungarn GP. Eine erfolgreiche Berufung hätte McLaren dabei helfen können, ein paar mehr Millionen aus Bernie Ecclestones Prämientopf zu bekommen. Am Dienstagmorgen teilte McLaren jedoch der FIA mit, dass es den Einspruch gegen die Strafe zurückzieht.

    Spionage in der Formel 1

    Spionage in der Formel 1

    Der Feind trägt Karo
    Spionieren und Kopieren sind in der Formel 1 üblich - so drakonisch wie bei McLaren-Mercedes aber wurde es noch nie bestraft.
    Von René Hofmann

    Wer in den vergangenen Jahren die Formel 1 verfolgt hat, kennt Nigel Stepney. Elf Jahre lang stand der Brite Michael Schumacher bei Ferrari treu zur Seite, erst als Chefmechaniker, später als Cheforganisator. Im Jahr 2000 fuhr Schumacher ihn beim Großen Preis von Spanien bei einem Boxenstopp um, wobei Stepney sich die Bänder am Sprunggelenk zerrte.

    Oft hat er im Wortsinn die Knochen hingehalten für die Scuderia, weshalb Stepney Hoffnungen hegte, bei der Umstrukturierung des Rennstalls nach Schumachers Rücktritt im Winter aufzusteigen. Das aber blieb ihm versagt. Andere erhielten den Vorzug. Stepney wurde Chef der Leistungsentwicklung - einer Abteilung, die es zuvor gar nicht gab und die auch nicht zu den Rennstrecken in aller Welt reisen darf.

    Aus dieser Demütigung entsprang die Motivation für den Verrat, der zu der Spionageaffäre führte, welche die Formel 1 seit Monaten im Bann hält und die mit der 100-Millionen-Dollar-Strafe gegen McLaren-Mercedes am Donnerstag einen Höhepunkt erreichte.

    Stepney hatte einen Bekannten bei McLaren: Mike Coughlan. Die beiden kannten sich aus ihren Anfangsjahren im Motorsport. Coughlan war bei McLaren zum Chefdesigner aufgestiegen, mit dieser Position aber auch unglücklich. Das ließ ihn empfänglich werden für Informationen, die Stepney ihm zutrug.

    Im März meldete sich dieser erstmals bei ihm. In einer E-Mail sandte er Details über einen möglicherweise illegalen Unterboden, den Ferrari verwendete. Coughlan reichte diese an seine Vorgesetzten weiter, welche die Aufmerksamkeit des Automobilweltverbands FIA auf das umstrittene Teil lenkten. Die Regelhüter präzisierten daraufhin das Reglement. Ferrari musste den Unterboden umbauen.

    In den folgenden Wochen schickte Stepney noch etliche Mails mit Ferrari-Details an Coughlan. Offenbar wollte er seinen Bekannten gewinnen, sich zusammen mit ihm nach einem neuen Job umzutun.

    Geschreddert und verbrannt
    Coughlans Arbeitgeber wurde allerdings auf den Handel aufmerksam. McLaren installierte eine Firewall, die Stepneys elektronische Nachrichten abfing und schickte Coughlan nach Barcelona, um sich mit dem Ferrari-Verräter auszusprechen. Bei der Gelegenheit steckte der ihm allerdings nochmal bündelweise Informationen zu, die Coughlans Frau in einem Copyshop auf zwei CDs brennen ließ.

    Die geschredderten Originale verbrannte das Paar im Garten. Anfang Juli fanden von Ferrari alarmierte Anwälte in Coughlans Haus ein 780 Seiten umfassendes Ferrari-Dossier. Um die Frage, wer außer dem Chefdesigner im Team etwas davon wusste und daraus etwas genutzt hat, ging es bei der zweiten Verhandlung vor dem FIA-Weltrat in Paris.

    In einem ersten Durchgang war McLaren-Mercedes am 26. Juli von dem Gremium für schuldig befunden worden, illegales Material besessen zu haben - auf eine Strafe wurde aber verzichtet, weil dem Team nicht nachzuweisen war, es auch genutzt zu haben. Inzwischen aber tauchten neue Belege auf, die das aber doch bewiesen.

    Der Schuldspruch am Donnerstag war möglich, weil der im Winter von Renault zu McLaren gewechselte Weltmeister Fernando Alonso und Testfahrer Pedro de la Rosa gestanden, Informationen von Coughlan erhalten zu haben. Dies zerstörte die Verteidigungsstrategie von McLaren-Chef Ron Dennis, nach der Coughlan ein Einzeltäter gewesen sei.

    Die Strafe von 100 Millionen Dollar, die Dennis nun zahlen muss, erscheint auf den ersten Blick drakonisch. Noch nie hat die FIA ein Vergehen ähnlich drastisch sanktioniert. Das japanische Toyota-Team, das im Jahr 2003 den Ferrari dank des Wissens und eines Aerodynamik-Programms zweier von Ferrari verpflichteter Ingenieure weitgehend nachbaute, wurde von der Sportgerichtsbarkeit nie belangt. Auch andere Spionageversuche nahm die Branche eher belustigt zur Kenntnis.

    Es hat schon Aerodynamiker gegeben, die Bekannte in karierten Hosen in der Startaufstellung neben die Autos der Konkurrenten schickten und fotografieren ließen - das geometrische Muster ermöglichte hinterher das exakte Vermessen der Fahrzeugteile. Spionieren und Kopieren sind in der Boxengasse durchaus üblich. Die Ingenieure rangeln in den Garagen ebenso verbissen miteinander wie die Piloten auf der Strecke.

    Bange Fragen im Fahrerlager
    Der Fall zwischen Ferrari und McLaren aber birgt eine besondere Brisanz: Die beiden Szenegrößen geraten nicht zum ersten Mal aneinander, und ausgerechnet in diesem Jahr ist der Vierkampf um den Fahrertitel zwischen ihren Piloten Lewis Hamilton und Fernando Alonso sowie Kimi Räikkönen und Felipe Massa so spannend wie selten zuvor.

    Dass er weitergeht, weil die Chauffeure unbestraft bleiben, ist auch im Interesse der FIA. Gemessen an der ursprünglichen Drohung - WM-Ausschluss für 2007 und 2008 - ist McLaren-Mercedes glimpflich davongekommen.

    Die gewaltig wirkende Strafe entspricht der Summe, die ein Konstrukteurs-Weltmeister in zwei Jahren allein an Vermarktungsbeteiligungen einstreichen kann und muss in Relation zum jährlichen Gesamtbudget des Teams gesehen werden, das mehrere hundert Millionen Dollar beträgt. Für den Rennstall ist es ein harter Schlag, aber einer, den es wegstecken kann.

    Inwieweit das auch für das gesamte Spektakel gilt, ist eine bange Frage, die nun im Fahrerlager gestellt wird. Mehr als jeder andere Sport lebt die Formel 1 von der Aufmerksamkeit, die sie erzeugt. Sollte sich das Image manifestieren, dass sich in ihr ausschließlich Schmuddelkinder tummeln, würde das dem Geschäft nachhaltig schaden.

    Kabale und Diebe in der Formel 1

    Kabale und Diebe in der Formel 1

    Wie ein Tsunami droht die Spionage-Affäre die gesamte Formel 1 zu überfluten. Wie groß wird der Schaden sein?

    Es begann ganz klein, weit draußen auf dem Technik-Ozean der Formel 1: eine Beanstandung eines Details an Kimi Raikkönens Ferrari. Der Finne hatte den Saisonauftakt gewonnen, und der Hinweis auf einen womöglich nicht regelkonformen Unterboden kam von der Konkurrenz, klar. An sich nichts Ungewöhnliches: Der Wettbewerb in der Königsklasse ist hart, es sind riesige Summen an Geld im Spiel, das Reglement ist an vielen Stellen dehnbar wie Kautschuk und lässt viele Möglichkeiten zum Streit in der Formel Eifersucht.

    McLarens Einspruch wird stattgegeben, der Unterboden des Ferrari verboten. Die anfängliche, vor allem von den Zeiten her auffällige Überlegenheit ist dahin, der folgende Grand Prix in Malaysia endet mit einem Doppelsieg von McLaren. In der Folge wirkt das Renngeschehen ausgewogen.

    Aber im Hintergrund rumort es: der Hinweis auf den Unterboden soll von Ferraris Ex-Chefmechaniker Nigel Stepney gekommen sein. Vielleicht ist das viel mehr als die 780 Seiten technische Unterlagen, die Stepney angeblich dem ehemaligen McLaren-Chefdesigner Mike Coughlan übergeben haben soll, der Kern der Spionage: Ein geheimer und nicht reglementskonformer Wettbewerbsvorteil von Ferrari wird an McLaren verraten. Das reicht, um den Tsunami auszulösen: Stepney werden nach Internetberichten seit Anfang Februar Wechselabsichten nachgesagt, weil er mit den Umstrukturierungen bei Ferrari unzufrieden ist. Am 23. Februar beförderte ihn Ferrari vom aktuellen Renngeschehen an der Strecke weg und gab ihm einen Bürojob als Entwicklungschef.

    Der erste James Bond im Motorsport

    Was dann folgt, geistert fortan als „Formel 007“ durch die Presse (siehe Chronologie) und offenbart, dass es in der Königsklasse des Motorsports nicht um Sport, sondern um Erfolg geht. Problem: Die erbitterten Konkurrenten brauchen zumindest so viel Konsensfähigkeit, dass sie sich regelmäßig zum Austragen der Rennen zusammenfinden.

    Jahrzehntelang schwang der große Moderator Bernie Ecclestone dabei so erfolgreich das Zepter, dass die Formel 1 als eines der größten Medienereignisse der Welt um den Globus flimmert. Ob er nun diesmal nicht mehr genug Einfluss nehmen konnte, oder sich verrechnet hat: Die Entscheidung des Weltrats der FIA könnte das System Formel 1 platzen lassen. McLaren wird, wie schon angekündigt, das Urteil nicht akzeptieren. Erzielen die Briten in einer Berufung kein zufriedenstellendes Ergebnis, könnte der Rennstall mit dem Ausstieg drohen. Die Diskussionen um eine herstellereigene Rennserie sind unvergessen, und auch andere Teams dürften von der als „italienisch“ diskreditierten Entscheidung entsetzt sein. Und die nächste Affäre steht schon bevor: Renault soll bei McLaren geschnüfflet haben.

    Ohne Konkurrenz kein Sieg

    Ferrari ist vielleicht das wichtigste Team der Formel 1, aber zwei Ferraris alleine machen noch keine Rennserie. Doch der Weg zur Einigung mit dem Erzrivalen wird hart, und wenn er öffentlich gegangen wird, wird das Image Schaden nehmen. Wenn er verdeckt wird und den Ruch von Gemauschel trägt, auch. Ferrari-Boss Luca die Montezemolo findet einen Sieg am grünen Tisch befriedigend. Mit der kindischen Freude über diesen Triumph macht er Ferrari von den Funktionären abhängig – nur weil in diesem Jahr die Konkurrenzfähigkeit auf der Strecke nicht zu erreichen ist. Die Gremien sind lobbyistisch gut von den Italienern unterwandert, schon macht das Wort von mafiösen Strukturen die Runde.

    Die Gefahr besteht, dass sich das Publikum abwendet, weil es erkennt, dass der Wettbewerb ein abgekartetes Spiel ist. Die FIA täte gut daran, ein Urteil zu finden, mit dem alle leben können. Es gibt in dieser Organisation nicht nur Funktionäre und Winkeladvokaten, sondern auch Sachverständige. Die könnten sich die 780 Seiten vornehmen, um zu erkennen, ob sich daraus überhaupt Vorteile hätten

    Spionage-Vorwürfe gegen Renault

    Formel 1: Spionage-Vorwürfe gegen Renault

    Der Formel 1 droht ein weiterer Spionage-Fall: Der französische Rennstall Renault soll sich geheimer Informationen von McLaren bedient haben.

    Renault-Teamchef Flavio BriatoreDer ehemalige McLaren-Ingenieur Phil Mackereth soll drei Disketten mit Konstruktionsplänen und Berechnungen von über 20 Details des McLaren zu Renault mitgenommen und dort verwendet haben. Das berichtet das Fachmagazin „auto, motor und sport“. Dabei soll es sich um Informationen über das Kühlsystem und die Elektronik handeln. Diese seien in die Konstruktion des neuen Renaults eingeflossen.

    Diskussionen in Monza

    Wie das Magazin am Donnerstag in seiner Internetausgabe weiter berichtete, habe Renault-Teamchef Flavio Briatore am vergangenen Rennwochenende in Monza wegen der Vorwürfe zweimal mit McLaren-Teamchef Ron Dennis konferiert. Briatore sprach danach auch stundenlang mit Formel-1-Chef Bernie Ecclestone, schrieb das Magazin. Bei der zweiten Anhörung in Sachen McLaren-Mercedes und Spionage am Donnerstag vor dem Weltrat des Internationalen Automobilverbandes (FIA) in Paris sollen die Vorwürfe gegen Renault allerdings nicht auch zum Thema gemacht werden. Dem Magazin sagte ein FIA-Sprecher: „Die eine Sache hat mit der anderen nichts zu tun. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, wird die FIA eine gesonderte Untersuchung einleiten."
    Formel-1-Urteil

    FIA-Präsident Max Mosley:
    Er glaube, dass man auch den Fahrern die Punkte hätte wegnehmen sollen, sagte der Brite am Samstag am Rande des Belgien-Grand-Prix in Spa-Francorchamps.

    Innerhalb des Motorsportrates des Weltverbandes FIA habe es eine lange Diskussion darüber gegeben, aber die Mehrheit sei dafür gewesen, dass die Fahrer die Punkte behalten sollten, meinte Mosley. McLaren-Mercedes war am Donnerstag nach der Anhörung in Paris mit der Rekordstrafe von 100 Millionen Euro belegt worden. Außerdem wurden dem Team die Punkte in der Konstrukteurswertung aberkannt. McLaren-Mercedes wird Industrie-Spionage vorgeworfen.

    Unterdessen hat die FIA auch die Urteilsbegründung vorgelegt. Der Automobil-Weltverband stellte in den 14-seitigen Unterlagen fest, dass die Beweise darauf schließen lassen, dass sich das britisch-deutsche Team bis zu einem „gewissen Grad einen sportlichen Vorteil“ verschafft habe. Doch der 26-köpfige Weltrat erkannte in der Marathon-Sitzung von Paris auch, dass es „für immer unmöglich“ sein dürfte, diesen Vorteil konkret festzustellen.

    Das Silberpfeil-Lager betont, dass es nichts vom Ferrari kopiert haben – auch die FIA widerspricht da nicht. „Unser Partner McLaren hat eindeutig klar gemacht, dass in unserem Formel-1-Auto keinerlei fremdes Gedankengut oder Ideen, die fremden Konstruktionszeichnungen entstammen, Verwendung findet“, teilte Mercedes-Benz Motorsport in einer Erklärung mit. Dies gelte auch für Spekulationen bezüglich Kenntnissen über fremde Rennstrategien oder Gewichtsverteilungen im Formel-1-Fahrzeug.
    F1-Spionage: McLaren-Ausschluss aus WM 2008 möglich

    ROM. Die Spionage-Affäre in der Formel 1 könnte nach Ansicht des Präsidenten des Automobil-Weltverbands (FIA) Max Mosley noch ein weiteres nachspiel für McLaren haben. Neben der Rekord-Geldstrafe für McLaren-Mercedes droht auch noch immer ein Ausschluss aus der WM 2008, sollten ernsthafte Beweise auftauchen, dass Ferrari-Informationen in das Auto für die kommende Saison eingeflossen sind.

    FIA-Präsident Max Mosley ist der Ansicht, dass viele Rätsel in der Formel-1-Spionageaffäre noch geklärt werden müssen. Vor Gericht werde es noch zu Überraschungen kommen, meinte der Brite. "Zu viele Fragen blieben noch offen. Lieferte Ferraris Nigel Stepney McLaren seine Informationen gratis? Es ist unwahrscheinlich. Wer hat ihn bezahlt?", fragte Mosley im Interview mit der italienischen Sporttageszeitung "Gazzetta dello Sport" am Dienstag.

    Prozesse gegen Techniker

    Laut Mosley müssen die verdächtigen Techniker Stepney und Mike Coughlan mit schweren Folgen rechnen. "Für sie wird es zu schweren Strafen bei den Prozessen in Italien und Großbritannien kommen. Bestimmt wird sie niemand mehr in der Formel 1 einsetzen, das ist sicher", betonte Mosley.

    Mosley: Spionage-Affäre noch nicht ausgestanden

    Mosley: Spionage-Affäre noch nicht ausgestanden

    Max Mosley sieht in der Affäre noch Gesprächsbedarf mit McLaren-Chef Ron Dennis (r).Hamburg - Die Spionage-Affäre in der Formel 1 ist nach Ansicht von Automobil-Weltverbandschef Max Mosley auch nach der Rekord-Geldstrafe für McLaren-Mercedes noch nicht ausgestanden.

    "Sie könnten für 2008 gesperrt werden", sagte Mosley der englischen Zeitung "Daily Mirror". Wenn es ernsthafte Beweise gebe, dass Informationen in das Auto für die kommende Saison eingeflossen sind, "dann müssten wir ernsthaft über ihre Teilnahme 2008 nachdenken. Ich hoffe, dass das nicht passiert."

    Inn verschiedenen Zeitungen waren Interviews mit dem Chef des Automobil-Weltverbandes (FIA) erschienen. Der "Gazzetta dello Sport" sagte der Brite, er rechne noch mit einigen Überraschungen in den Zivilprozessen. Unter anderem muss sich der ehemalige Ferrari-Chefmechaniker Nigel Stepney, eine der Schlüsselfiguren des Skandals, vor Gericht verantworten. Es seien noch große Geheimnisse geblieben, meinte Mosley: "So zum Beispiel, ob Stepney die Informationen kostenlos weitergegeben hat. Das ist sehr unwahrscheinlich", glaubt der Jurist. "Also, wer hat ihn dafür bezahlt?"

    Sportrechtlich hat die FIA nach Meinung von Mosley den Skandal um McLaren-Mercedes und Ferrari schnell aufgearbeitet. "Wir haben einen komplizierten Fall von Sport-Spionage innerhalb von zwei Monaten gelöst", sagte er der "Gazzetta". "Damit haben wir den Autofirmen und den Sponsoren gezeigt, dass die Formel 1 glaubwürdig ist."

    Der FIA-Weltrat hatte am 13. September McLaren-Mercedes zu 100 Millionen Dollar Geldstrafe verurteilt und aus der diesjährigen Konstrukteurs-Wertung ausgeschlossen. Die beiden Silberpfeil- Piloten, WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton und der zweimalige Weltmeister Fernando Alonso, behielten ihre Punkte. Der Rennstall soll nach Meinung des Weltrats im Besitz geheimer Ferrari- Informationen gewesen sein. McLaren-Mercedes verzichtete auf einen Einspruch.

    Mosley ging die Strafe nicht weit genug. Er halte sie "für eher bescheiden", sagte er dem Fachmagazin "Motorsport aktuell". Allerdings sei unter den 26 Weltrats-Mitgliedern keine Mehrheit für ein härteres Urteil gefunden worden. McLaren könne sich glücklich schätzen, dass das Team nicht 2007 und 2008 ausgeschlossen wurde. "Wir haben das nicht getan", sagte Mosley, "und wenn einst die Motorsportgeschichte geschrieben wird, so könnte man uns das vorwerfen, dass wir nicht zu viel, sondern dass wir zu wenig getan haben."
    Spionage-Affäre: Keine Beweise, viele Indizien

    Spa-Francorchamps - Keine handfesten Beweise, viele Indizien und ein FIA-Präsident der im Spionage-Skandal der Formel 1 trotzdem noch härter geurteilt hätte. "Ich glaube, man hätte auch den Fahrern die Punkte wegnehmen sollen", sagte Max Mosley in Spa- Francorchamps.

    Mittlerweile scheint sich McLaren-Mercedes "im Interesse des Sports" mit der Rekord-Geldstrafe von 100 Millionen Dollar und dem Abzug aller Konstrukteurspunkte abfinden zu wollen, zumal im Dezember die nächste Prüfung für die Silberpfeile ansteht. Dann wird darüber entschieden, ob das britisch-deutsche Team im nächsten Jahr überhaupt in der Formel 1 fahren darf. Man müsse sicher sein, so Mosley in Spa-Francorchamps, dass nicht nur das Auto, sondern auch "das ganze Drumherum" bei McLaren-Mercedes ohne Einfluss von den Ferrari-Informationen sei.

    Demonstrativ reichten sich Mosley und McLaren-Chef Ron Dennis vor dem Großen Preis von Belgien die Hände. Später gab es Presseerklärungen in denen sich die beiden Briten ihre Wertschätzung versicherten. Zwar ist im Lager der Silberpfeile über die Berufung oder über den Gang vor das Zivilgericht das letzte Wort noch nicht gesprochen, aber Dennis betonte: "Was nützt eine Schlammschlacht?" Auch Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug würde am liebsten "einen Schlussstrich" ziehen. Das Strafgeld soll, so kündigte Mosley an - für die Förderung des Motorsports verwendet werden. Ironischerweise profitieren die McLaren-Gegner von diesem Urteil. Die von McLaren gewonnene Punkteprämie zwischen 50 und 60 Millionen Dollar wird nach einem komplizierten Schlüssel zum großen Teil unter den Rivalen aufgeteilt. "Die Summe ist schockierend", sagte Haug.

    Die FIA hatte in ihrer 14-seitigen Urteils-Begründung festgestellt, dass die Beweise darauf schließen lassen, dass sich McLaren bis zu einem "gewissen Grad einen sportlichen Vorteil" verschafft habe. Doch der 26-köpfige Weltrat erkannte auch, dass es "für immer unmöglich" sein dürfte, diesen Vorteil konkret festzustellen. Das Silberpfeil-Lager betont, dass es nichts vom Ferrari kopiert haben - auch die FIA widerspricht da nicht.

    Fünf technische Informationen sollen nach FIA-Einschätzung von Ex- Ferrari-Chefmechaniker Stepney über Ex-McLaren-Chefdesigner Mike Coughlan zu Ersatzfahrer Pedro de la Rosa und damit ins Lager der Silberpfeile gelangt sein. Auch habe man in Australien und Bahrain die Ferrari-Rennstrategie gekannt.

    Beim Freispruch des McLaren-Mercedes-Teams aus Mangel an Beweisen in der ersten Anhörung bei der Weltratsitzung am 26. Juli hatte Dennis festgestellt, dass nur noch ein weiterer Angestellter vom Kontakt zwischen dem freigestellten Coughlan und dem Stepney Bescheid wusste. Coughlan und Stepney, die sich zwischen dem 11. März und 3. Juli nach Untersuchungen der italienischen Polizei 282 Kurznachrichten schickten und 35 Mal telefonierten, gelten als die Auslöser der Affäre um Industrie-Spionage.

    Nun erkannte die FIA, dass zumindest auch de la Rosa und sein spanischer Landsmann Fernando Alonso über die von Coughlan via Stepney erhaltenen Ferrari-Daten wussten. Die FIA stützte sich in ihrer Beweisführung gegen McLaren vor allem auf E-Mails. Die neuen Beweise freilich hatte Dennis selbst bei der FIA angezeigt. Vor dem Großen Preis von Ungarn am 5. August griff der Brite zum Telefon. Zuvor hatte Weltmeister Alonso seinen Teamchef über die neuen Beweise informiert. Die FIA forderte am 31. August per Brief die McLaren- Piloten Alonso, de la Rosa sowie den britischen WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton auf, ihr Wissen in der Affäre preiszugeben. Bei Kooperation wurde Straffreiheit zugesichert. Diese Kronzeugenregelung scheint sich für die Piloten - vor allem für Alonso - bewährt zu haben.

    Qualifying: Hamilton besiegt den Regen

    Qualifying: Hamilton besiegt den Regen

    Lewis Hamilton heißt der erste Pole-Setter der Neuzeit in Fuji. Doch der Weg zur Pole war lang.


    Weder das Wetter noch die Konkurrenz konnten Lewis Hamilton die erste Pole in Fuji streitig machen. Allerdings krallte sich der Brite die Bestzeit erst in allerletzter Sekunde. Zuvor war sein Teamkollege Fernando Alonso vorne. Doch der konnte sich auf seinem letzten Reifensatz nicht mehr steigern. Die Ferrari stehen hinter den Silbernen gemeinsam in Reihe 2: Kimi Räikkönen vor Felipe Massa.

    Räikkönens Renningenieur Chris Dyer hatte sich mehr ausgerechnet. "Wir hatten auf der letzten schnellen Runde etwas Verkehr, aber McLaren war etwas schneller als wir. Es war ein bisschen Pech, unter dem Strich aber noch gut genug."

    Bester Verfolger ist wie üblich Nick Heidfeld im BMW Sauber auf Position 5. Neben ihm hat sich Nico Rosberg als Sechster qualifiziert, er verliert jedoch 10 Startplätze wegen eines Motorwechsels. Somit rutschen unter anderem Jenson Button, Mark Webber und Sebastian Vettel je einen Platz nach vorne. Der Toro Rosso-Pilot war sensationell in die letzte Session gefahren und startet somit von Platz 8.

    Lange war unklar, ob das erste Qualifying auf der umgebauten Strecke in Fuji überhaupt stattfinden würde. Schon das 3. Freie Training am Samstagmorgen war dem Nebel zum Opfer gefallen. Nur vier Minuten durften die Fahrer ihrer Arbeit nachgehen, davor und danach verhinderte der Nebel einen Einsatz des Rettungshubschraubers. Vor dem Qualifying drohte das gleiche Szenario: erst in letzter Sekunde ließ der Nebel nach, so dass die Piloten ohne Verzögerung auf Zeitenjagd gehen konnten.

    Umso chaotischer verlief die erste Session auf der nassen Strecke. Fahrer drehten sich, rodelten durch die Auslaufzonen und kollidierten sogar miteinander. Bei einem Überholmanöver gegen Sakon Yamamoto stieß Ralf Schumacher mit dem Spyker zusammen, verlor Front- und Heckflügel und war somit trotz seines Erreichens der zweiten Session draußen. Startplatz 16 war das Beste, was so für ihn drin war. "Ich dachte Yamamoto hat mich gesehen und lässt mich vorbei", erklärte Ralf. "Er ist die Kurve auch sehr weit außen angefahren, hat sich dann aber doch entschieden, mir in die Kurve zu fahren, dann war es schon zu spät. Es ist natürlich ärgerlich aber man kann es nicht ändern."

    Auch für Adrian Sutil war schon früh Schluss; er startet von Platz 20. "Das war nicht so gut", sagte er. "Wir hatten sehr viel Untersteuern, je wärmer der Reifen wurde, desto schlimmer wurde es. Das Auto hat nicht so funktioniert wie wir es erhofft haben. Keiner war vorbereitet auf das Qualifying, also brauchte man Glück und das hatten wir leider nicht."

    Japan GP: Hamilton liebt das Chaos

    Japan GP: Hamilton liebt das Chaos

    Fernando Alonso hoffte auf Chaos und noch mehr Regen. Sein Wunsch ging in Erfüllung - aber sein Konkurrent profitierte davon.


    Es begann langsam und nass, endete ruhig und nass, aber dazwischen brannte es in Fuji lichterloh - nicht nur an Satos Super Aguri. Für die Spannung im Grand Prix war der Regen perfekt, für die Spannung in der WM weniger. Denn Lewis Hamilton krönte sich nicht nur zum ersten Fuji-Sieger seit dreißig Jahren, er vergrößerte auch seinen WM-Vorsprung auf 12 Punkte. Denn sein Teamkollege und Titelrivale Fernando Alonso sah die Zielflagge nach einem heftigen Unfall nicht.

    "Es ist einiges passiert im Rennen und es gab Phasen, wo wir uns alle nur gewünscht haben: macht Schluss", sagte der Sieger. Nach der ersten Safety Car-Phase nahm Hamilton den Druck jedoch nicht mehr so wahr. "Ich hätte mehr pushen können, wenn ich es gemusst hätte." Heikki Kovalainen musste es. Dennoch verteidigte er seinen zweiten Rang bis zum Ende. "Es war ein schwieriges Rennen, wir hatten auf ein trockenes Rennen gehofft, aber es hat noch mehr geschüttet als gestern", klagte er. "Am Anfang lief es gut, dann hängt man sich noch mehr rein, versucht dran zu bleiben und wenn dann die Strategie so passt, ist man froh." In seinem Fall über Platz 2. "Das Team hat das Podium verdient."

    In den Schlussrunden musste er für diesen Platz hart gegen Kimi Räikkönen kämpfen. "Es war ein schöner Fight. Ich konnte Kimi nicht sehen. Wusste aber, dass er relativ dicht dahinter ist, also habe ich versucht ihn hinter mir zu halten." Dabei ging er durchaus das eine oder andere Risiko ein. Räikkönen klagte derweil über die schlechte Sicht und eine Entscheidung der Rennleitung, die sein Team angeblich nicht mitbekommen habe - nämlich einen vorgeschriebenen Start auf Regenreifen. "Das hat uns am Anfang viel gekostet, aber was sollen wir dagegen machen? Wir haben immerhin noch etwas daraus gemacht." Norbert Haug nahm die Klagen der Scuderia gelassen hin. "Ferrari regt sich immer auf, wenn sie nicht gewinnen", sagte er. "Wenn es alle außer Ferrari geschafft haben, eine E-Mail zu lesen, liegt der Fehler sicher auf deren Seite."

    Die Safety Car Phase

    Los ging es hinter dem Safety Car - für 19 Runden. Langweilig war die Anfangsphase deshalb jedoch nicht. Schon auf dem Weg in die Startaufstellung rutschte Kimi Räikkönen von der Strecke. Den ersten Dreher nach dem Safety Car Start fabrizierte Felipe Massa - es sollte nicht der letzte bleiben, auch nicht für ihn. Allerdings beging Massa den Fehler, dass er sich nach dem Dreher wieder auf seiner Position einreihte und später eine Drive Through Strafe für Überholen in der SC-Phase kassierte.

    Kurz darauf kam Massa in Runde 2 an die Box und offenbarte den Grund für seinen Dreher: er fuhr mit Intermediates. Das gleiche Spiel bei seinem Teamkollegen Kimi Räikkönen, der eine Runde später zum Reifenwechsel kam. Heikki Kovalainen meldete derweil im Boxenfunk, dass die Bedingungen sogar noch schlechter wurden. Räikkönen bestätigte das mit einer weiteren Fahrt neben die Strecke. "Man kann die Hand nicht vor Augen sehen - unglaublich. So können wir nicht weiterfahren", funkte Ralf Schumacher an die Box. Jarno Trulli bestätigte: "Ich habe beinahe Coulthard getroffen. Die sollen sofort aufhören." Die Ferrari fanden sich zu diesem Zeitpunkt auf den Plätzen 20 und 21 wieder.

    Das Rennen

    Nach 19. Runden hinter dem Safety Car gab es das erste Mal freie Fahrt. Vorne ging alles glatt: Hamilton führte vor Alonso. Dahinter knallte es das erste Mal: Jenson Button fuhr Nick Heidfeld in die Seite und verlor seinen Frontflügel. Nur wenige Sekunden danach dreht sich Alex Wurz in Massas Ferrari hinein und schied aus. Zu diesem Zeitpunkt fand sich Sebastian Vettel im Toro Rosso auf Platz 3 wieder. Weniger gut lief es für Takuma Sato: erst fuhr er sich den Frontflügel krumm, dann fing sein Auto beim Boxenstopp Feuer.

    Im Mittelfeld schickte sich Räikkönen an, eine Aufholjagd zu starten. Erst kassierte er Ralf Schumacher, dann Adrian Sutil. Massa machte es weniger gut und fuhr mal wieder neben die Strecke, als er Barrichello ausweichen musste. Auch Alonso rodelte in diesem Rennabschnitt durch die Auslaufzone. Wie Räikkönen gab auch Robert Kubica richtig Gas. Er überholte die beiden Renault und griff dann nach Hamilton. Dabei ging er allerdings zu optimistisch zu Werke, fuhr dem Briten seitlich ins Auto und kassierte eine Drive Through Strafe.

    "Ich habe im Spiegel nichts gesehen, das Visier war beschlagen; ich bin froh, ins Ziel gekommen zu sein", so Hamilton zu der Aktion. "Ich konnte Kubica nicht sehen und er ist mir reingefahren. Es war ein unnötiges Risiko, er hätte auf der Geraden kommen können." Nach dem Zusammenstoß hatte Hamilton bis zum Rennende Vibrationen.

    Fernando Alonso verlor bei seinem Boxenstopp einige Positionen, wurde sogar von Heidfeld auf der Strecke überholt und gerade, als er wieder auf Räikkönen aufschloss, kam es zum nächsten großen Knall: Alonso schlug in Runde 41 in Kurve 5 in die Mauer ein - das Aus für den Weltmeister. "Das war einer dieser Aquaplaning-Momente, in denen man nichts mehr kontrollieren konnte", so Alonso. Seine Berührung mit Sebastian Vettel einige Runden zuvor macht er dafür nicht verantwortlich. "Das Auto hat sich schon etwas komisch angefühlt, aber der Crash hatte damit nichts zu tun - es war Aquaplaning."

    Zum zweiten Mal rückte das Safety Car aus. Kurz bevor das Rennen wieder freigegeben werden sollte, entschieden sich die roten Bullen für eine weitere Verlängerung des Einsatzes von Bernd Mayländer. Sebastian Vettel fuhr Mark Webber ins Heck - der Red Bull lag auf Position 2, der Toro Rosso auf Position 3. Damit verlor jedes Red Bull-Team je einen möglichen Podestplatz. Webber kämpfte schon das gesamte Rennen mit einer Lebensmittelvergiftung und übergab sich sogar während des Grand Prix im Auto.

    Das Ergebnis

    Lewis Hamilton hatte trotz des ganzen Chaos keine Probleme - er fuhr vom Start bis zur Ziellinie beinahe ungefährdet um den Sieg. Dahinter wechselten die Inhaber der Podestplätze munter durch. In den Schlussrunden lag Heikki Kovalainen auf Platz 2, Felipe Massa auf 3, Kimi Räikkönen auf 4. Die Ferrari waren vom Ende des Feldes mit mehreren Boxenstopps über die gesamte Renndistanz verteilt bis in die Top-4 vorgefahren. Für Massa endete der Spaß sieben Runden vor dem Ende. Dann musste auch er zu einem weiteren Stopp hereinkommen. Somit blieb Ferrari eine Stallregie zugunsten des Titelanwärters Räikkönen erspart und es kam zum finnischen Duell um Rang 2.

    Räikkönen fand jedoch keinen Weg vorbei. Hinter den Finnen fuhr David Coulthard auf Rang 4. Position 5 ging an Giancarlo Fisichella. Bis zur vorletzten Runde lag Nick Heidfeld auf Platz 6, dann musste er sein Auto am Streckenrand abstellen. Einen möglichen Podestplatz verlor er durch die Kollision mit Button. An seiner Stelle belegte Felipe Massa den 6. Platz. Dafür gab er in der letzten Runde noch einmal alles, duellierte sich über mehrere Kurven bis zur Ziellinie mit Robert Kubica, setzte sich letztlich aber durch. Den letzten Punkt sicherte sich Tonio Liuzzi vor Adrian Sutil. Liuzzi war das Rennen aus der Boxengasse angegangen.

    In der Fahrer-WM führt Hamilton vor den letzten beiden Rennen in Shanghai und Sao Paulo mit 107 zu 95 Punkten vor Alonso. Der wiederum muss sich gegen Räikkönen zur Wehr setzen. Der Finne kam bis auf 5 Punkte an den Champion heran. "Ich werde jetzt versuchen die letzten zwei Rennen zu gewinnen", kündigte Alonso an. "In gewisser Weise habe ich ja sogar weniger Druck, da ich nichts mehr zu verlieren habe."

    Offizielles Endergebnis GP Japan

    Offizielles Endergebnis GP Japan

    67 Runden á 4,563 km/305,721 km

    Rang, Name, Land, Team, Zeit
    1. Lewis Hamilton, Großbritannien, McLaren-Mercedes, 2:00:34,579 Std.
    2. Heikki Kovalainen, Finnland, Renault, + 8,377 Sek.
    3. Kimi Räikkönen, Finnland, Ferrari, + 9,478
    4. David Coulthard, Großbritannien, Red Bull, + 20,297
    5. Giancarlo Fisichella, Italien, Renault, + 38,864
    6. Felipe Massa, Brasilien, Ferrari, + 49,042
    7. Robert Kubica, Polen, BMW-Sauber, + 49,285
    8. Adrian Sutil, München, Spyker, + 1:00,129 Min.
    9. Vitantonio Liuzzi, Italien, Toro Rosso, + 1:20,622
    10. Rubens Barrichello, Brasilien, Honda, + 1:28,342
    11. Jenson Button, Großbritannien, Honda, + 1 Runde
    12. Sakon Yamamoto, Japan, Spyker, + 1 Runde
    13. Jarno Trulli, Italien, Toyota, + 1 Runde
    14. Nick Heidfeld, Mönchengladbach, BMW-Sauber, + 2 Runden
    15. Takuma Sato, Japan, Super Aguri, + 2 Runden

    Ausfälle:
    Alexander Wurz, (Österreich), Williams, (20 . Runde)
    Fernando Alonso, (Spanien), McLaren-Mercedes, (42 . Runde)
    Mark Webber, (Australien), Red Bull, (46 . Runde)
    Sebastian Vettel, (Heppenheim), Toro Rosso, (47 . Runde)
    Nico Rosberg, (Wiesbaden), Williams, (50 . Runde)
    Anthony Davidson, (Großbritannien), Super Aguri, (55 . Runde)
    Ralf Schumacher, (Kerpen), Toyota, (56 . Runde)

    Schnellste Runde und Pole Position:
    Lewis Hamilton, (McLaren-Mercedes), 1:28,193 Min.

    Trainingsschnellster:
    Lewis Hamilton, (McLaren-Mercedes), 1:25,368 Min.

    Nächstes Rennen:
    GP China am 7. Oktober in Schanghai

    16. China GP / Shanghai International Circuit

    16. China GP / Shanghai International Circuit

    China: Kapitalismus trifft Kommunismus
    Der Shanghai Circuit ist die größte Rennstrecke Asiens. Der Kurs fasst rund 200.000 Besucher und entspricht neuesten Standards. Geplant wurde der 240 Millionen Dollar teure Kurs vom führenden Rennstrecken-Architekten Hermann Tilke.

    Obwohl der 5,451 Kilometer lange Kurs vor den Toren der 17-Millionen-Metropole Shanghai im Uhrzeigersinn gefahren wird und jeweils sieben Rechts- und Linkskurven aufweist, fahren die Piloten doch immerzu nach oben. "Die gesamte Streckenführung ist dem chinesischen Schriftzeichen ,shang' nachempfunden, das so viel wie ,aufwärts' oder ,oben' bedeutet", erklären die deutschen Streckendesigner Hermann Tilke und Peter Wahl. Auch die Architektur an der ultramodernen Piste nimmt traditionelle chinesische Motive auf, so etwa die Teamgebäude, die wie Pavillons in einem See angeordnet sind und an den Yuyan-Garten in Shanghai erinnern sollen.

    Der Shanghai International Circuit (SIC) weist die typische "Tilke-Mischung" aus Beschleunigungsphasen und hartem Herunterbremsen für enge Kurven auf, besitzt aber zugleich zwei Highspeed-Geraden. Dieses Layout fordert Teams, Fahrer und Autos gleichermaßen und eröffnet gute Überholmöglichkeiten. Eine davon besteht in der doppelten Rechtskurve nach der Zielgeraden, die ihren Radius immer weiter verengt und in einen Linksknick mündet. Dieser Sektor dürfte zu den meisten Zweikämpfen ermutigen, da hier die Innenlinie der ersten zur Außenlinie der zweiten Kurve wird bzw. umgekehrt.
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    Qualifying: Hamilton mit Pole auf Titelkurs

    Qualifying: Hamilton mit Pole auf Titelkurs

    Bis zur dritten Qualifyingsession gehörte jede Bestzeit Kimi Räikkönen. Dann kam der WM-Spitzenreiter...

    Nur wenige Tausendstel trennten die Toppiloten im Laufe der drei Freien Trainings in Shanghai. Drei Mal behielt Kimi Räikkönen knapp die Oberhand. Im Qualifying war es genauso knapp, doch erstmals an diesem Wochenende stand am Ende kein Ferrari ganz vorne. Stattdessen fuhr Lewis Hamilton auf die Pole. Er war ein Zehntel schneller als Kimi Räikkönen. Der Finne setzte sich in letzter Sekunde gegen seinen Teamkollegen Felipe Massa durch. Fernando Alonso wurde dahinter Vierter.

    "Es war ein Achterbahnwochenende, sehr emotional und nicht einfach", freute sich Hamilton, der am Freitag noch vor einer Bestrafung für einen Vorfall in Fuji stand. "Das letzte Wochenende war super, dann kam ich hierher und plötzlich gab es Ermittlungen gegen mich." Das belastete Hamilton auch während der Freitagstrainings. "Das bekommt man nicht leicht aus dem Kopf heraus", betonte er. Danach kämpfte er sich im 3. Training Zehntel für Zehntel an Fernando Alonso heran. "Zu Beginn der Qualifikation hatte ich noch nicht seine Pace, ich musste geduldig weite arbeiten und bin jetzt sehr glücklich."

    Kimi Räikkönen hatte alle Trainings angeführt, im Qualifying war er auch mit Platz 2 zufrieden. "Es war okay", sagte er. "Wir hatten gestern schon einen guten Speed und waren auch im Q1 und Q2 sehr zufrieden." Er sieht sich gut gerüstet für das Rennen - egal bei welchen Bedingungen. Denn alle Teams rechnen am Sonntag mit Regen. "Das Auto war sehr gut, am Ende war ich wohl ein bisschen zu aggressiv, aber ich bin mit Platz 3 zufrieden", so Felipe Massa. "Wenn es regnen sollte, wird es eh eine Lotterie."

    Die große Überraschung ist der Fünfte: David Coulthard stach beide BMW Sauber aus, die sonst immer die dritte Kraft sind. Platz 6 schnappte sich Ralf Schumacher vor Mark Webber. Erst auf Platz 8 findet sich Nick Heidfeld vor Robert Kubica und Jenson Button wieder.

    Sebastian Vettel und Nico Rosberg verpassten den Sprung in die Top10. Vettel wurde 12., Rosberg nur 16. Schon nach der ersten Session war für Rubens Barrichello, Giancarlo Fisichella und Alex Wurz Schluss. Sie starten auf den Plätzen 17 bis 19. Wurz hatte einen Leistungsabfall im letzten Sektor, den Grund dafür muss er erst mit den Ingenieuren klären. Für Adrian Sutil war mal wieder nur der vorletzte Startplatz möglich. "Ich habe eine super Runde hingelegt, bin aber trotzdem nur Vorletzter - das ist immer schwierig, aber so ist das halt. Bei Spyker kann man nicht mehr erwarten, vielleicht geht es im Rennen besser; der Regen soll ja kommen."

    China GP: Räikkönen & Alonso halten WM spannend

    China GP: Räikkönen & Alonso halten WM spannend

    Die britische WM-Party ist verschoben: Kimi Räikkönen und Fernando Alonso machen das WM-Finale in Brasilien noch mal spannend.


    Es schien alles gerichtet: Lewis Hamilton stand auf der Pole Position, seine WM-Konkurrenten dahinter, es regnete, er führte mit einigen Sekunden Vorsprung den Grand Prix an. Alle waren auf die große Hamilton-Party vorbereitet, ein Rookie der im vorletzten Saisonrennen den WM-Titel holt. Ein Formel 1-Sommermärchen. Das in China eine dramatische Wendung nahm.

    "Wir werden erst darüber sprechen, wenn es rechnerisch durch ist", betonte Ron Dennis immer wieder. Er sollte gut damit fahren. Es war die 31. Runde. Lewis Hamilton kämpfte mit seinen heruntergefahrenen Intermediate-Reifen, die Führung hatte er zuvor schon an Kimi Räikkönen abgeben müssen, von hinten nahte Fernando Alonso mit Riesenschritten. Hamilton bog in die Box ein, kam nicht um die Kurve, rutschte in der Boxeneinfahrt ins Kiesbett und blieb stecken - das Aus für den WM-Spitzenreiter!

    Die Weltmeisterschaft ist wieder offen - für beide Verfolger. Mit seinem fünften Saisonsieg machte Kimi Räikkönen den ersten Schritt zum Titelwunder. War er vor dem China GP schon fast draußen, hat er die Lücke auf Hamilton nun auf sieben Punkte geschlossen. Noch besser sieht es für Fernando Alonso aus. Nach seinem 2. Platz in Shanghai liegt er nur noch vier Zähler hinter dem ungeliebten Teamkollegen Hamilton.

    "Es war ein schwieriges Rennen", gestand Räikkönen. "Aber alles hat gut geklappt, das Team war wie eine Eins." Jetzt freut er sich auf einen interessanten Saisonabschluss in Brasilien. "Ich sehe unsere Chancen zwar nicht so wahnsinnig gut, aber es wird interessant, wie gut das Auto sein wird. Ferrari war letztes Jahr stark. Heute haben wir gesehen, was alles passieren kann. Unsere Position ist auf jeden Fall besser als gestern."

    Das gilt auch für Fernando Alonso, der allerdings auf etwas Unvorhergesehenes bei Hamilton hoffen muss. "Es wird schwierig, Lewis 4 Punkte abzunehmen", betonte er. "Ich hoffe, dass die Performance der Autos über das ganze Wochenende vergleichbar sein wird, nicht nur in Q1 und Q2. Ich muss ein gutes Rennen fahren, aber trotzdem muss noch etwas Dramatisches passieren, damit ich gewinne."

    Drama an der Spitze

    Das Rennen begann relativ unspektakulär. Trotz der leichten Niederschläge entwickelte sich der Grand Prix in den ersten Runden wie ein typisches Taktikrennen - jedenfalls auf den ersten vier Plätzen. Am Start setzte sich Hamilton problemlos an die Spitze; Räikkönen behielt Platz 2, nur Massa und Alonso tauschten in den ersten Kurven mehrmals die Plätze. Am Ende kam jedoch der Brasilianer als Dritter aus der ersten Kurvenfolge heraus.

    Bis zur ersten Boxenstopprunde blieb das Bild unverändert: Hamilton führte mit 8,2 Sekunden vor Räikkönen. Der Finne kam in Runde 19 vier Runden nach Hamilton zum Nachtanken an die Box, die Intermediates wechselte er genauso wenig wie die anderen Spitzenpiloten. Dennoch kam er hinter Hamilton auf die Bahn zurück. Das sollte so bleiben, bis der Regen vor der zweiten Boxenstopprunde erneut leicht einsetzte. Plötzlich war Räikkönen formatfüllend im Rückspiegel des Briten. Mehrere Kurven lang duellierten sie sich, Hamilton rutschte wild hin und her, dann fuhr Räikkönen vorbei und auf und davon.

    Bei McLaren machte man jedoch keine Anstalten Hamilton wegen seines offensichtlichen Reifenproblems hereinzuholen. Erst in Runde 31 bog Hamilton in die Boxeneinfahrt ein. Dort passierte das Undenkbare: er verpasste die Linkskurve in die Boxengasse, rodelte in das Minikiesbett in der Boxeneinfahrt und blieb stecken. Selbst die vereinten Kräfte mehrerer Streckenposten schafften es nicht, ihn aus dem Kiesbett zu befreien. Der Titelfavorit war raus. Räikkönen und Alonso fuhren am feststeckenden McLaren mit der Startnummer 2 vorbei, grinsten unter dem Helm und schnappten sich dankbar die Punkte für die Ränge 1 und 2. Die Titelentscheidung fällt erst beim Finale in Sao Paulo.

    "So ist der Motorsport", sagte Ron Dennis. "Lewis hatte Vibrationen, ob es die Reifen waren, ist nicht sicher. Wir wollten durch den Schauer durchkommen." Das hat nicht funktioniert. Kimi Räikkönen sah man dabei gar nicht als Gegner an. "Da haben wir uns keine Sorgen gemacht, er war nicht unser Gegner. Letztlich ist es eben anders gekommen." Hamilton machte gleich zwei Gründe für seinen Ausfall aus: "Die Reifen und ein Fehler waren schuld", sagte er. "Es war eine gemeinsame Entscheidung, draußen zu bleiben. Ich wusste aber nicht, wie stark die Reifen schon abgefahren waren, aber das ist Teil des Lernprozesses."

    Action im Mittelfeld

    Für Felipe Massa ist Sao Paulo das Heimspiel. Im Titelkampf spielt er keine aktive Rolle mehr, höchstens noch als Helfer für Kimi Räikkönen. In Shanghai komplettierte er als Dritter das Podium. Während es an der Spitze vor und nach dem Hamilton-Zwischenfall gemächlich zuging, wurde dahinter mal wieder viel Action geboten. Überholmanöver standen vor allem im hart umkämpften Mittelfeld an der Tagesordnung. Nico Rosberg wurde am Ende der Zielgeraden sogar gleichzeitig links und rechts von den beiden Renault überholt.

    Der Überholkönig des Rennens war Ralf Schumacher. Nach einem Dreher am Start musste sich Ralf von ganz hinten wieder nach vorne kämpfen. Button, Kovalainen, Rosberg - der Reihe nach zogen sie gegen einen furios auffahrenden Schumacher den Kürzeren. Bis Tonio Liuzzi an der Reihe war. Ralf zog vorbei, lenkte ein und kollidierte mit dem Italiener. "Ich nehme an, er hat zu spät gebremst und da ist ihm die Straße ausgegangen", beschrieb Ralf den Rennunfall. Später schied Ralf nach einem Dreher aus. "Mir ist der Motor abgestorben, dann ging nichts mehr."

    Richtig viel ging bei Sebastian Vettel. Nach dem Frust von Shanghai, wo er eine Woche zuvor auf Podestkurs mit Mark Webber kollidiert war, und der Zurückversetzung nach dem Qualifying, weil er Anthony Davidson behindert haben soll, bot er im zweiten Regenrennen in Folge eine starke Vorstellung und fuhr auf Platz 4. Allerdings musste er lange zittern: in der vorletzten Runde bekam er die Boxenanweisung, Sprit zu sparen. Doch es reichte bis zur Ziellinie. Den Toro Rosso-Erfolg komplettierte Tonio Liuzzi auf Platz 6. Dazwischen durfte sich Jenson Button über die dritte Punkteankunft der Saison. Die Punkteränge rundeten Nick Heidfeld und David Coulthard ab.

    Fernando Alonso Zweiter

    Fernando Alonso Zweiter

    Lewis Hamilton rausgerutscht: WM-Entscheidung aufs Finale vertagt
    Lewis Hamilton bleibt WM-Spitzenreiter mit 107 Punkten vor Fernando Alonso mit 103 und Kimi Räikkönen mit 100 Zählern
    Dreikampf um den Titel in zwei Wochen in Sao Paulo


    Vodafone McLaren Mercedes Fahrer Fernando Alonso belegte beim Grand Prix von China in Schanghai den zweiten Platz. Da sein Teamkollege Lewis Hamilton ausfiel, als er mit abgefahrenen Regenreifen auf abtrocknender Strecke ins Kiesbett rutschte, und Kimi Räikkönen gewann, wurde die Entscheidung im Kampf um die Weltmeisterschaft zwischen diesen Dreien bis zum Finale in zwei Wochen in Sao Paulo vertagt. Nach 56 Runden unter wechselnden Wetterbedingungen, 305.066 Kilometern und einer Gesamtzeit von 1:37:58.395 Stunden fuhr Fernando 9.8 Sekunden hinter Räikkönen (Ferrari) ins Ziel. Trotz seines ersten Ausfalls in 16 Grand Prix behält Lewis seine Führung in der Fahrerwelt-meisterschaft mit 107 Punkten vor Fernando mit 103 Zählern und Räikkönen mit 100 Punkten. Beim letzten Rennen kann ein Fahrer maximal zehn Zähler holen. Erstmals seit 1986 kämpfen beim Finale drei Fahrer um den Titel.

    Der Start:
    Lewis startete zum sechsten Mal aus der Pole Position; Fernando ging von Startplatz vier ins Rennen. Die Strecke war nach Regenschauern am Morgen stellenweise feucht und während der Formationsrunde begann es leicht zu regnen. Lewis übernahm beim Start die Führung vor Räikkönen, Fernando überholte Felipe Massa (Ferrari) außen in der ersten Kurve und war Dritter, doch in Kurve sechs fiel der Spanier wieder auf Rang vier zurück. Der Regen wurde stärker.

    Das Rennen:
    Lewis fuhr die schnellsten Runden im Feld und baute seinen Vorsprung allmählich aus. In Runde zehn lag er 6.6 Sekunden vor Räikkönen. Fernando war Vierter mit 1.8 Sekunden hinter Massa. Der Regen ließ vorübergehend etwas nach.
    In Runde 15 kam Lewis zu seinem ersten Boxenstopp herein (6.8 Sek.); sein Auto wurde betankt, die Intermediate Regenreifen wurden nicht gewechselt. Er nahm das Rennen als Vierter wieder auf.
    Fernando war Zweiter, als er im 18. Umlauf seinen ersten Stopp einlegte (7.7 Sek.). Auch sein Auto wurde nur betankt. Danach war der Spanier Vierter. Nach Räikkönen’s Boxenstopp in Runde 19 lag Lewis erneut in Führung mit vier Sekunden vor dem Finnen; Fernando war Vierter hinter Massa. Die Strecke trocknete ab.
    In Runde 27 kam Lewis kurz von der Strecke ab, doch er behielt seine Führung. Räikkönen holte auf und überholte in Runde 29. Lewis war Zweiter. Im 31. Umlauf kam er erneut kurz von der Strecke ab und Fernando übernahm Platz zwei.
    Als Lewis danach an die Boxen fahren wollte, rutschte er in der Boxeneinfahrt mit abgefahrenen Reifen ins Kiesbett und konnte sich nicht mehr befreien. Lewis fiel aus, in seinem 16. Grand Prix war es sein erster Ausfall.
    In Runde 32 legte Fernando seinen zweiten Boxenstopp ein (8.9 Sekunden) und war danach Zweiter hinter Räikkönen.
    Nach 56 Runden fuhr Fernando 9.8 Sekunden hinter Räikkönen als Zweiter ins Ziel. Erstmals seit 1986 haben damit drei Fahrer beim Finale Chancen auf den Titel; damals waren es Nigel Mansell, Nelson Piquet und Alain Prost, der Franzose wurde Weltmeister.

    Stimmen zum Rennen

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    Fernando Alonso
    „Ein sehr gutes Ergebnis für mich. Beim Start kämpfte ich mit Felipe Massa, kam jedoch nur kurz vorbei. Hinter ihm hatte ich weniger Abtrieb hatte und verlor deshalb in den schnellen Kurven viel Zeit. Mit den Regenreifen wurde es allmählich immer schwieriger, da sie stark abgefahren waren, doch ich blieb so lange wie möglich draußen. Es war richtig, erst nach dem letzten Regenschauer wieder an die Box zu fahren, so kam ich an Felipe Massa vorbei. Obwohl meine Titelchancen jetzt gestiegen sind, wird es in Brasilien nicht einfach. Aber ich kämpfe, bis in zwei Wochen die Flagge fällt.“

    Lewis Hamilton
    „Als ich aus dem Wagen stieg war ich total enttäuscht. Das ganze Jahr über habe ich keinen Fehler gemacht. Aber ich habe das schnell weggesteckt. Wir haben noch ein Rennen vor uns und meine Chancen sind immer noch gut. Mein Start war gut und der Boxenstop auch. Bevor ich zum zweiten Stopp an die Box fuhr, sprach ich über Funk mit dem Team. Obwohl meine Reifen abgefahren waren, wollten wir den letzten Regenschauer abwarten, bevor wir sie wechselten. Ich fuhr vorsichtig und ließ mich mit Kimi Räikkönen auf keinen Zweikampf ein. Bei der Boxeneinfahrt machte ich einen Fehler und das wars. Unsere Entscheidung war richtig, es ist einfach dumm gelaufen. In Brasilien greife ich wieder an.“

    Ron Dennis
    „Bei Start waren alle vorsichtig, um keine Fehler zu machen. Lewis fuhr einen deutlichen Vorsprung heraus und kam etwas früher als Fernando und die beiden Ferrari an die Box. Alle vier behielten ihre Reifen und das war richtig so. Wie wir wollte auch unser Gegner erst nach dem letzten Regen auf Trockenreifen wechseln. Lewis kam als erster herein, doch mit dem Zustand seiner Reifen, der nassen Boxeneinfahrt und einem kleinen Fehler rutschte er ins Kiesbett. Fernando fuhr eine Runde später an die Box. Mit einem sehr guten Rennen und seinem zweiten Platz hat er sich im Titelkampf zurück gemeldet. Wir konzentrieren uns jetzt auf das Finale in Brasilien, mit Lewis und Fernando an der Tabellenspitze vor Kimi sollte es ein spannendes Rennen werden.“

    Norbert Haug
    „Schade, was Lewis passiert ist - aber kein Vorwurf an ihn. Er zeigte eine sehr gute Leistung von der Pole Position angefangen bis zu seinem klasse Start und der klaren Führung in der ersten Rennhälfte. Dann kam das Missgeschick bei der Boxeneinfahrt, das zum Ausfall führte – und trotzdem liegt er in seinem Premierenjahr noch sieben, beziehungsweise vier Punkte vor seinen Verfolgern. Fernando wurde in einem sehr schwierigen Grand Prix Zweiter, fuhr ein gutes Rennen und ist weiter im WM-Kampf dabei. Unser Team arbeitete die ganze Saison über sehr hart und extrem gut und wir werden uns von dem Rückschlag heute nicht aus dem Konzept bringen lassen. Wir schauen jetzt nach vorn auf das Finale in Brasilien, wo drei Fahrer um den Titel kämpfen. Unsere Ausgangslage ist immer noch gut. Es ist viel sinnvoller, uns nun auf das Finale zu konzentrieren, als auf das heutige Rennen zurückzublicken, in dem wir nicht das bestmögliche Ergebnis erzielt haben.“

    Offizielles Endergebnis GP China

    Offizielles Endergebnis GP China

    56 Runden á 5,451 km/305,066 km

    Rang, Name, Land, Team, Zeit
    1. Kimi Räikkönen, Finnland, Ferrari, 1:37:58,395 Std.
    2. Fernando Alonso, Spanien, McLaren-Mercedes, + 9,806 Sek.
    3. Felipe Massa, Brasilien, Ferrari, + 12,891
    4. Sebastian Vettel, Heppenheim, Toro Rosso, + 53,509
    5. Jenson Button, Großbritannien, Honda, + 1:08,666 Min.
    6. Vitantonio Liuzzi, Italien, Toro Rosso, + 1:13,673
    7. Nick Heidfeld, Mönchengladbach, BMW-Sauber, + 1:14,224
    8. David Coulthard, Großbritannien, Red Bull, + 1:20,750
    9. Heikki Kovalainen, Finnland, Renault, + 1:21,186
    10. Mark Webber, Australien, Red Bull, + 1:24,685
    11. Giancarlo Fisichella, Italien, Renault, + 1:26,683
    12. Alexander Wurz, Österreich, Williams, + 1 Runde
    13. Jarno Trulli, Italien, Toyota, + 1 Runde
    14. Takuma Sato, Japan, Super Aguri, + 1 Runde
    15. Rubens Barrichello, Brasilien, Honda, + 1 Runde
    16. Nico Rosberg, Wiesbaden, Williams, + 2 Runden
    17. Sakon Yamamoto, Japan, Spyker, + 3 Runden

    Ausfälle:
    Anthony Davidson, (Großbritannien), Super Aguri, (11 . Runde)
    Adrian Sutil, (München), Spyker, (24 . Runde)
    Ralf Schumacher, (Kerpen), Toyota, (25 . Runde)
    Lewis Hamilton, (Großbritannien), McLaren-Mercedes, (30 . Runde)
    Robert Kubica, (Polen), BMW-Sauber, (33 . Runde)

    Schnellste Runde und Pole Position:
    Felipe Massa, (Ferrari), 1:37,454 Min.

    Trainingsschnellster:
    Lewis Hamilton, (McLaren-Mercedes), 1:35,908 Min.

    Nächstes Rennen:
    GP Brasilien am 21. Oktober in São Paulo

    17. Brasilien GP / Autodromo José Carlos Pace

    17. Brasilien GP / Autodromo José Carlos Pace

    Brasilien: Saisonshowdown zwischen den Seen
    Im Samba-Takt über die Rüttelpiste: Obwohl das Autodromo Carlos Pace zu einem Großteil völlig neu asphaltiert wurde, verdient sich die Strecke ihren Beinamen "Waschbrett-Kurs" nach wie vor. Auf dem welligen Belag der 4,309 Kilometer langen Strecke werden die Formel 1-Boliden und ihre Fahrer kräftig durchgeschüttelt.

    Der "Waschbrett-Kurs" von Interlagos verlangt aber nicht nur den Fahrern alles ab: Auch die Reifen benötigen eine hohe Leistungsfähigkeit um auf dem rauen Asphalt das Rennen durchzustehen.

    Ein besonderes Kennzeichen der Grand Prix Strecke von Interlagos ist das Faktum, dass sie zusammen mit dem 'Autodromo Enzo e Dino Ferrari' in Imola sowie dem neuen GP-Kurs in der Türkei die einzige Strecke im aktuellen F1-Kalender ist, welche entgegen dem Uhrzeigersinn gefahren wird, weshalb sich einige Fahrer mit zusätzlichem Training der Nackenmuskulatur auf dieses schwere Rennen vorbereiten.

    In puncto Fahrzeugabstimmung müssen auch die Ingenieure hohe Ansprüche erfüllen. Dafür sorgt neben dem welligen Streckenbelag zum Beispiel das Streckenlayout, das mit seinen langen Geraden und den vielen langsamen bis mittelschnellen Kurven gute Überholmöglichkeiten bietet. Gerade in den Biegungen vor den Geraden benötigen die Autos eine gute Fahrzeugbalance.

    Zudem weist die Strecke nur ein verhältnismäßig niedriges Grip-Niveau auf. Besondere Würze erhält die Suche nach dem optimalen Setup schließlich durch das teilweise unberechenbare brasilianische Wetter.
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    Toyota und Brasilien: Schumachers Abschiedsvorstellung

    Toyota und Brasilien: Schumachers Abschiedsvorstellung

    Zum letzten Mal rückt Ralf Schumacher zu einem Rennwochenende für Toyota aus. Die bevorstehende Aufgabe wird dabei nicht einfach.


    Wie viel Wehmut bei Ralf Schumacher wirklich bei seiner Abschiedsvorstellung von Toyota in Interlagos dabei sein wird, ist nur schwer zu erahnen. Der Deutsche wird am kommenden Wochenende jedenfalls nach drei Jahren die Zusammenarbeit mit dem Team beenden und sagt Folgendes zu seinem letzten Rennen mit dem Team: "Es war eine unterhaltsame und interessante Zeit in meiner Laufbahn, auch wenn ich gerne bessere Ergebnisse gehabt hätte. Es war eine schwierige Saison für mich und das Team, aber ich bin motiviert, in Brasilien ein gutes Resultat zu holen, damit wir es mit einem Hoch abschließen."

    Die Strecke von Interlagos mag Schumacher, auch wenn er sie durch die Bodenwellen und die technischen Anforderung als Herausforderung sieht. "Im engen Infield ist es wichtig, einen guten mechanischen Grip zu haben, vor allem von Kurve acht bis elf. Es gibt aber auch eine lange Vollgas-Passage durch die letzten Kurven auf die Zielgerade. Wir werden also ab Freitag eifrig am besten Setup arbeiten, damit wir das und die Bodenwellen handhaben können", erzählt Schumacher.

    Der Kurvenmix von Interlagos macht die Strecke für Jarno Trulli zu einer spaßigen Erfahrung, auch wenn er die Fahrtrichtung gegen den Uhrzeigersinn als nicht so angenehm empfindet. "Dadurch wird der Nacken zusätzlich belastet. Ich habe aber dafür trainiert, also wird es kein Problem sein." Wie sein Teamkollege erwartet er die Bodenwellen als erschwerenden Faktor bei der Setup-Arbeit. Da die letzten Rennen für Trulli aber nicht einfach waren, will er die Saison mit einem guten Ergebnis abschließen, bevor es an die Arbeit für 2008 geht - mit derselben Mannschaft.

    Für Pascal Vasselon wird das Wochenende so oder so etwas Besonderes, da Interlagos ungewöhnlich sensibel bei den Aufhängungs-Einstellungen ist. "Normalerweise sind die Aerodynamik und der Reifengebrauch die wichtigsten Leistungsfaktoren in der Formel 1. In Interlagos ist es immer noch der Reifengebrauch, aber die Aufhängungs-Abstimmung ist ein wichtiger Leistungsfaktor, weil die Strecke so wellig ist", betont Vasselon. Denn es ist wichtig, dass die Räder möglichst immer Kontakt zur Straße haben, weswegen eigentlich zweitrangige Setup-Parameter wichtig werden.

    Die Reifen werden dennoch eine große Rolle spielen, da Bridgestone die zwei weichsten Mischungen mitbringt, wie in Monaco. "Aber was die Abnutzung betrifft, ist Interlagos viel intensiver als Monaco, also wird das Reifenmanagement auch eine Herausforderung. Wir erwarten, dass die Strecke vor allem für den weicheren Reifen schwierig wird." Sollte der vorhergesagte Regen kommen, würde sich das Problem allerdings von alleine lösen.

    McLaren vor dem Finale

    McLaren vor dem Finale: Alles dreht sich um die Gleichberechtigung

    Beide McLaren-Fahrer wollen in Interlagos den Titel holen und das ganze Team betont nach wie vor, dass sie die gleichen Chancen erhalten werden.


    Wenn es darum geht, den WM-Titel zu gewinnen, dann ist Interlagos eigentlich Fernando-Alonso-Land. Der Spanier fixierte dort 2005 und 2006 die Weltmeisterschaft und verbindet deswegen gute Erinnerungen mit der Strecke. Was die Streckenkenntnis betrifft, ist Alonso in Brasilien auch nicht gerade unbewandert. "Sie ist sehr uneben, die Aufhängung muss einerseits einen aggressiven Fahrstil erlauben, darf aber auch nicht zu hart sein. Es gibt hier ein paar sehr interessante Kurven und auch die Höhenunterschiede sorgen für Abwechslung", erklärt er.

    Wie Alonso in der offiziellen Rennvorschau von McLaren noch einmal betonte, geht er davon aus, dass sowohl er als auch Lewis Hamilton die gleichen Chancen erhalten werden, um den Titel und den Sieg im Rennen zu kämpfen. Trotz der angenommenen Gleichbehandlung sieht Alonso aber keine leichte Aufgabe vor sich. "Ich bin zwar nur vier Punkte hinter Lewis, aber es muss schon einiges zusammenkommen, damit ich den Titel gewinnen kann. Das kann ich nicht beeinflussen", sagt der Spanier. Er will einfach sein Möglichstes tun, um die Chance zu nutzen und hofft dann, dass der Rest sich einfach ergibt.

    Dass dem nicht so sein wird, will Hamilton sicherstellen, der beteuert, aus seinem Ausfall in China die notwendigen Lehren gezogen zu haben. "Ich habe mich von der Enttäuschung schnell erholt. Mit meiner Abreise aus Schanghai konzentrierte ich mich ganz auf Brasilien", erklärt der Brite. Sein größter Nachteil: er kennt Interlagos bislang nur vom Hörensagen und hat nur gehört, dass die Atmosphäre gut sein soll, weil die Fans die Formel 1 lieben. "Auf der Strecke gab es schon viele spannende Rennen. Für mich ist sie neu, sie ist nicht einfach zu lernen, was für mich ein Nachteil sein könnte", sagt Hamilton.

    Deshalb will er den Kurs gleich nach seiner Ankunft am Mittwoch zusammen mit seinen Ingenieuren intensiv studieren. "Ich hatte in diesem Jahr bereits mehrere großartige Rennen zusammen mit dem Team, und ich will in Brasilien ein weiteres hinzufügen. Trotz meines Vorsprungs von vier Punkten ist die Meisterschaft offen. Ich werde tun was ich kann, die nötigen Zähler zu holen, der Rest liegt nicht in meiner Hand", betont Hamilton.

    Auf Seite der Teamverantwortlichen ist man nach wie vor darum bemüht, die Gleichstellung der Fahrer zu betonen. McLaren Geschäftsführer Martin Whitmarsh erklärt: "Beide Fahrer erhalten exakt die gleichen Möglichkeiten, das Rennen und die Meisterschaft zu gewinnen. Beide Fahrer liegen seit zwölf Rennen an der Spitze der Gesamtwertung und jeder einzelne im Team gibt alles dafür, dass einer unserer Fahrer am Ende der Sieger ist." Worauf er aber besonders hofft, ist, dass das Wetter sich diesmal von seiner zahmen Seite zeigt, damit seine Nerven und auch die Autos von unvorhersehbaren Zwischenfällen verschont bleiben.

    Auch Norbert Haug wird nicht müde, die technische und betreuerische Gleichheit zu betonen, die alle Fahrer bei McLaren genießen. Seit Beginn der Zusammenarbeit von Mercedes mit dem Rennstall habe er es nicht anders erlebt. "Das wird auch beim Saisonfinale 2007 nicht anders sein", stellt der Mercedes Sportchef fest. Den McLaren-Doppelsieg vor zwei Jahren und die vier Siege seit Beginn der Zusammenarbeit vor zwölf Jahren will er jedenfalls als gutes Omen sehen. Er sähe es gerne, wenn die Fahrerwertung am Ende so aussehen würde, wie sie schon die letzten Monate ausgesehen hat. "Lewis vor Fernando oder Fernando vor Lewis, nach hartem und fairen Kampf, auf und nicht neben der Strecke."

    "Man muss sich auch trennen können"

    "Man muss sich auch trennen können"

    Gleich drei Fahrer haben am Sonntag die Chance, Formel-1-Weltmeister zu werden - Norbert Haug, Mercedes-Sportchef, über seinen rebellischen Star Fernando Alonso und eine denkwürdige Saison.

    Herr Haug, für den Fall, dass Ihr Fahrer Fernando Alonso am Sonntag Weltmeister wird, wie würden Sie ihm gratulieren?

    Von Herzen. Ich bin Sportsmann -ob er das in allen Äußerungen war, darüber können wir mal nach der Saison sprechen. Der Titel wäre eine große Leistung für unser Team. Und das in einem Jahr, in dem man es uns nicht leicht gemacht hat - und wir es uns selbst manchmal auch nicht leicht gemacht haben.

    Was würde Mercedes dazu sagen, wenn Sie Dieter Zetsche, dem Konzernchef, in diesem Interview raten, lieber zu schweigen als zu lügen - wie es Alonso über seinen McLaren-Teamchef Ron Dennis gesagt hat?

    Das ist zunächst mal eine Stilfrage, die ich, so lange die Saison läuft, bestimmt nicht kommentieren will. Aber Fernando ist sein eigener Unternehmer, ein freier Mitarbeiter. Eigentlich überflüssig zu sagen, dass ich nicht mal im Ansatz über solche Äußerungen nachdenken würde.

    Haben Sie eine Erklärung für Alonsos Vorwurf, er werde vom Team benachteiligt?

    Nach 16 Rennen trennen unsere beiden Fahrer ganze vier Punkte, das geht nicht mit Benachteiligung. Ob Fernando etwas anderes empfindet, weiß ich nicht. Dass er etwas anderes sagt, kann man nachlesen. Aber er hat ganz sicher nicht recht.

    Irgendwann muss doch auch Ihre Schmerzgrenze erreicht sein?

    Wenn uns jemand öffentlich kritisieren will, muss das nicht heißen, dass wir dessen Stil kopieren, ganz im Gegenteil. Wir sind zu Unrecht kritisiert worden, aber es kommt niemals für uns in Betracht, dem Fahrer das auf technischem Sektor heimzuzahlen. Wir wollen die absolut gleichen Voraussetzungen, weil das unser Sportsgeist ist und weil das Team nur so vorankommt.

    Hätten Sie sich nicht eine Menge Ärger erspart, wenn Sie Weltmeister Alonso den Status als Nummer eins gegeben hätten?

    Ich bin davon überzeugt, dass wir nicht den Erfolg gehabt hätten, wenn sich die Fahrer nicht aneinander hätten messen können, das ist für uns gar nicht praktikabel. Was wir allerdings nicht wissen konnten, war, dass der Formel-1-Lehrling Lewis Hamilton so gut fährt wie ein Weltmeister. Möglicherweise ist auch das Teil des Problems, aber für das Team ein sehr angenehmes.

    Kann Alonso nächste Saison überhaupt noch bei McLaren-Mercedes fahren?

    Das diskutieren wir nach der Saison. Jetzt sind alle Kräfte erforderlich, um beim Finale alles richtig zu machen. Unter schwierigen Bedingungen besser zu sein ist ein hoher Anspruch.

    Andersrum: Wenn er partout gehen will, würden Sie ihn ziehen lassen?

    Kommt darauf an. Wenn jemand seinen absoluten Willen ausdrückt, nicht zu können und nicht zu wollen, dann gäbe es Mittel und Wege der Trennung. Wir haben einen gültigen Vertrag und nach dem letzten Rennen wird sich zeigen, was Sache ist. Es gibt ja auch die Mutmaßung, wir könnten Alonso nächstes Jahr auf Eis legen und einfach nicht fahren lassen. Das ist überhaupt nicht unser Stil. Wir werden niemanden abstrafen, auch wenn er sich falsch verhalten haben sollte.

    Aber Sie können sich doch nicht ewig vorführen lassen?

    Ich bin großer Förderer der Fahrer, ich bin aber ein noch größerer Kritiker, wenn erforderlich. Gelegentlich muss man auch einen Strich druntermachen, das hat sich bei Nigel Mansell und Juan Pablo Montoya gezeigt. So prosaisch es in diesem Zusammenhang klingen mag: Man muss sich auch trennen können, was ausdrücklich nicht bedeutet, dass hier Beschlüsse gefasst sind.

    Der Ärger mit Alonso, die Spionageaffäre mit Ferrari - wie dicht stand Mercedes vor dem Formel-1-Ausstieg?

    Das war für uns kein Thema. Fakt ist, dass ein Mitarbeiter falsch gehandelt hat und es die Regeln der FIA, des Automobilweltverbandes, zulassen, dass dafür ein Team bestraft wird. Das müssen und haben wir akzeptiert. Entscheidend für uns war aber, dass wir ausschließlich mit unseren eigenen Ideen dahin gekommen sind, wo wir jetzt stehen und das Team keine Kenntnis des Materials besitzt.

    Mercedes ist mit 40 Prozent an McLaren beteiligt - wer zahlt nun die 100 Millionen Dollar Strafe für das Urteil im Spionageprozess?

    McLaren, und es schlägt dort aufs Jahresergebnis durch. Das geht zulasten der vier Teilhaber und damit auch zu unseren.

    Ferrari-Chef Luca di Montezemolo behauptet, vor dem letzten Rennen am Wochenende: Wenn ein Mercedes-Pilot den Titel holt, steckt da auch Ferrari drin?

    Das würde 160 Seiten FIA-Aufzeichnungen und Urteilsbegründung widersprechen. Die Kommissare des Automobilweltverbandes haben unsere Autos komplett durchleuchtet und nichts gefunden. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass Herr Montezemolo sich unseren Autos jemals näher als auf der Startaufstellung üblich genähert hat. Selbstverständlich sagt Ferrari-Rennchef Jean Todt, dass der ganze Druck jetzt auf McLaren-Mercedes liegt. Es ist aber anders: Wir haben zwei Titelkandidaten mit Punktevorsprung, er einen mit Punktedefizit.

    Sie haben fünf Jahre mit dem jetzigen Ferrari-Piloten Kimi Räikkönen gearbeitet. Wie reagiert der Finne unter Druck?

    Der ist vollkommen cool und lässt sich von außen nicht beeinflussen. Nur manchmal quatscht er halt ein bisschen viel... (grinst). Ein sehr eigener Typ, ich mag Kimi sehr, er kann den Druck aushalten. Und wenn doch nicht, dann bin ich in diesem Jahr weniger traurig als im letzten.

    Sind Ihre beiden Fahrer auch so cool?

    Extrem cool sogar. Im Auto sind sich Lewis und Fernando wirklich am ähnlichsten. Das ist ja auch das Phänomen bei allen Diskussionen - wenn es losgeht sind sie sehr schnell und dicht beieinander und haben bisher eine ganz niedrige Fehlerrate.
    Außer wenn sie sich gegenseitig von der Piste hauen. Machen die beiden das in Sao Paulo, könnte Räikkönen der lachende Weltmeister sein.
    Es ist klipp und klar so: Sobald ein Formel-1-Rennen losgeht, zumal ein Finale, dann ist die Mahnung zur Vorsicht etwa so Erfolg versprechend wie der Versuch, eine Kugel langsam aus dem Gewehrlauf kommen zu lassen.

    Was macht Hamilton so außergewöhnlich?

    Über allem steht das Talent und sein Wille zur Arbeit. Es kommt ihm sehr zugute, dass ihn sein Vater gut gecoacht hat. Er hat ihm früh vermittelt, wenn in der Schule nichts läuft, läuft auch im Motorsport nichts. Das hat Lewis kapiert. Als er beim Formel-1-Lauf in Spa nicht zufrieden war mit seiner Rennwagenabstimmung, hat er eine Woche an Verbesserungen getüftelt, danach fuhr er zweimal auf Startplatz eins und gewann in Japan bei schwierigsten Bedingungen. Mit der Fitness ist es ähnlich. Und die Leistungsfähigkeit hilft ihm bei den mentalen Belastungsspitzen in der Saison. Wer diese Berg-und-Tal-Fahrt aushält, gewinnt an Charakter.

    Klingt ganz nach Michael Schumacher.

    In der Einstellung, in der Strebsamkeit sehe ich durchaus Parallelen zwischen den beiden. Auch im Talent und der Herangehensweise, alles zu hinterfragen. Es ist mir nur zu viel Hype, wenn die Leute sagen, Lewis sei der Retter der Formel 1, der neue Schumacher. Man kann nicht nach 16 Rennen der neue Schumacher sein. Aber er hat eine neue Messlatte für Neueinsteiger gelegt.

    Wann erleben wir den ersten Deutschen im modernen Silberpfeil?

    Sobald ein Platz frei ist und sich einer anbietet. Wir wollen immer den besten verfügbaren Fahrer haben.
    Wir könnten Ihnen Nico Rosberg empfehlen.
    Nico ist einer, der Parallelen zu Lewis aufweist, und der - übrigens auf McLaren und Mercedes-Kosten - zwei Jahre lang schon sein Teamkollege im Kart war. Es ist beeindruckend, wie sich Nico bei Williams profiliert hat, aber er hat dort einen Vertrag. Und ob es bei uns etwas zu besetzen gibt, muss sich wie gesagt erst zeigen.

    Hamilton könnte schon Weltmeister sein, wenn Sie beim letzten Rennen in Shanghai nicht so hoch gepokert und ihn früher zum Reifenwechsel an die Box geholt hätten. Machen Sie sich keine Vorwürfe?

    Ich habe mich seit dem Rennen in China oft gefragt: Wie kann man den Titel, wenn er einem bei dieser Gelegenheit so auf dem silbernen Tablett serviert wird, nicht annehmen? Als Lewis im Kiesbett steckte, habe ich mich daran erinnert, wie Schalke 04 vor Jahren schon mal für vier Minuten Meister war. Das war noch schlimmer, denn wir können es am Wochenende immer noch packen. Warum sollte bei uns in diesem Jahr auch irgendetwas leicht gehen? Aber am Schluss wird zusammen-gezählt, wir führen seit einem halben Jahr die Weltmeisterschaft an, da werden wir es wohl auch noch 'ne halbe Woche schaffen.

    Hamilton hat gedroht nicht mehr lange in der Formel 1 zu bleiben, wenn so viel Politik im Spiel ist.

    Na und? Soll jetzt der Onkel Norbert kommen und ihn schimpfen: Lewis, wie kannst du so etwas sagen? Es ist gut, wenn das rausbricht aus ihm. Künftig wird er wohl lieber im geschlossenen Raum gegen die Wand treten, bevor er draußen so etwas sagt. Aber ich weiß, dass er trotzdem seine Meinung vertreten wird.

    Sie nehmen die Drohung nicht ernst?

    Ich habe ihm im Spaß schon mal vorgeschlagen: Komm, vergiss die Rennerei. Wir machen eine ordentliche Rock 'n' Roll-Band, denn Lewis ist begeisterter Musiker. Da hat er gleich gesagt: Oh, no, no, no. Sorry, I need to drive - das kann ich wirklich nicht tun.

    Dieses Interview mit Norbert Haug ist im Stern vom 18.10.2007 erschienen.

    Qualifying: Massa vor den Titelanwärtern

    Qualifying: Massa vor den Titelanwärtern

    So gefällt es den Brasilianern: Felipe Massa steht in Interlagos auf der Pole. Lewis Hamilton startet direkt daneben.

    Das Bild ist bekannt: vor dem dritten Qualifying stellen sich die Autos minutenlang an der roten Ampel an. Vor einem Jahr war dies das Ende von Michael Schumachers letzten klitzekleinen Titelträumen. Gelernt haben die Teams nichts daraus, auch beim Saisonfinale 2007 standen die Top-Fahrer mehrere Minuten am Boxengassenausgang und warteten auf die Freigabe. Diesmal kamen alle problemlos weg; wie an der Perlenschnur fuhren die vier Toppiloten hintereinander vor dem Feld her.

    Am besten kam der Lokalmatador mit der Strecke zurecht: Felipe Massa holte sich mit einem guten Zehntel Vorsprung die letzte Pole des Jahres. Platz 2 ging an WM-Leader Lewis Hamilton, der sich zwischen die beiden Ferrari quetschte. Denn Platz 3 belegte Kimi Räikkönen, der auf seiner letzten fliegenden Runde von Hamilton irritiert wurde. Fernando Alonso erkämpfte sich Startplatz 4.

    Der beste Verfolger der Top-Teams ist überraschenderweise Mark Webber, der Nick Heidfeld und Robert Kubica hinter sich lassen konnte. Trulli, Coulthard und Rosberg komplettierten die Top10. Für zwei Deutsche war im zweiten Qualifying Schluss: Sebastian Vettel fuhr einen guten 13. Startplatz ein, Ralf Schumacher erfuhr sich in seinem letzten Toyota-Qualifying Platz 15. "Zum Schluss können wir zufrieden sein, wenn man bedenkt, wo wir vor fünf, sechs Rennen waren", sagte Vettel. "Heute knapp am dritten Qualifying vorbei, aber es war schwierig. Heute Morgen ging es besser, da wäre mit vollem Tank Q3 gegangen, am Nachmittag mit wenig Benzin nicht. Es hat eben nicht ganz gereicht."

    Die große Überraschung des ersten Qualifyings war Heikki Kovalainen, allerdings in negativer Hinsicht: "Es war mein Fehler, ich habe viel Zeit in der letzten Kurve verloren", gestand der Finne. "Ich habe zu lange gebremst, der Vorderreifen hat kurz blockiert, ich habe den Grip verloren, bin weit rausgekommen und musste verlangsamen." Im Rennen wird es für ihn jetzt schwierig. "Aber wir geben niemals auf, kämpfen weiter."

    Adrian Sutil beging keinen Fehler, dennoch schied auch er im ersten Qualifying aus. Hinzukam ein Problem mit der Benzinpumpe. "Ich hätte noch sieben Zehntel schneller fahren können", glaubte er, "zwei Plätze wären noch drin gewesen." So steht er hinter Sato, Nakajima und Davidson auf Platz 21.

    Grand Prix von Brasilien: Ergebnis

    Grand Prix von Brasilien: Ergebnis

    Lewis Hamilton Vize-Weltmeister
    Einen Punkt hinter Weltmeister Kimi Räikkönen.
    Fernando Alonso WM-Dritter punktgleich mit Lewis

    Vodafone McLaren Mercedes Fahrer Lewis Hamilton ist Vize-Weltmeister der Formel 1 2007, einen Punkt hinter dem neuen Champion Kimi Räikkönen (Ferrari). Im entscheidenden Rennen, dem Grand Prix von Brasilien in Sao Paulo, das er als WM-Spitzenreiter begonnen hatte, belegte er nach einem vorübergehenden Schaltproblem den siebten Platz. Sein Teamkollege Fernando Alonso wurde Dritter hinter den Ferrari-Fahrern Räikkönen und Felipe Massa. Beide Vodafone McLaren Mercedes Fahrer beendeten die Fahrer-WM mit jeweils 109 Punkten, Lewis ist Vize-Weltmeister, weil er bei gleicher Anzahl Siege (vier) mehr zweite Plätze holte als Fernando. In 58 Jahren Formel-1-WM ist es das siebte Mal, dass Weltmeister und Vize-Weltmeister durch nur einen Punkt getrennt sind.

    Der Start:
    Lewis hatte sich als Zweitschnellster qualifiziert und startete zum zwölften Mal in 17 Rennen aus der ersten Reihe. Fernando Alonso ging vom vierten Platz ins Rennen. Beim Start fiel Lewis hinter Kimi Räikkönen auf Rang drei zurück, in der zweiten Kurve wurde er von Fernando überholt und war Vierter. In der vierten Kurve kam Lewis kurz von der Strecke ab und fiel auf Rang acht zurück.

    Das Rennen:
    Runde 2: Lewis überholte Jarno Trulli (Toyota) und war Siebter. Im siebten Umlauf ging er an Nick Heidfeld (BMW Sauber) vorbei und übernahm Rang sechs.
    Eine Runde später wurde Lewis plötzlich langsamer, der Grund war ein Schaltproblem. Der Engländer fiel bis auf Platz 18 zurück, bevor er das Rennen mit normaler Geschwindigkeit fortsetzen konnte. Lewis kämpfte sich von hinten durch das Feld: 17. in Runde zehn; 16. in Runde 14; Zwölfter in Runde 15; Elfter in Runde 17.
    In den Runden 20 und 21 legten die beiden Ferrari ihren ersten Boxenstopps ein und Fernando übernahm die Führung. Der Spanier kam einen Umlauf später herein (8.7 Sekunden), gefolgt von Lewis Hamilton in derselben Runde (5.8 Sekunden). In Runde 26 fuhr Fernando wieder auf Platz drei, Lewis war 13.
    Runde 29: Lewis war Zwölfter. Anschließend hing er hinter Sebastian Vettel (Toro Rosso Ferrari) fest. Runde 33: Lewis überholte und war jetzt Neunter, Fernando fiel auf Platz vier hinter Robert Kubica (BMW Sauber) zurück. Lewis fuhr im 36. Umlauf zum zweiten Boxenstopp herein und nahm das Rennen nach 6.5 Sekunden wieder auf und blieb Neunter. Fernando war jetzt Dritter.
    In der 44. Runde verbesserte sich Lewis auf Platz acht und lag in den Punkterängen.
    Fernando legte im 52. Umlauf seinen zweiten Boxenstopp ein (6.2 Sekunden) und nahm das Rennen als Fünfter wieder auf. Vier Runden später kam Lewis zum vierten Mal herein und blieb Achter. Fernando war jetzt wieder Dritter.
    Nach dem dritten Boxenstopp von Trulli in Runde 64 war Lewis Siebter. Auf diesem Platz fuhr er nach 71 Runden ins Ziel, Fernando wurde Dritter. Damit beendeten die beiden Vodafone McLaren Mercedes Fahrer die Fahrer-WM mit jeweils 109 Punkten; Lewis wurde auf Grund der höheren Zahl von zweiten Plätzen (fünf gegenüber vier von Fernando) Vize-Weltmeister.

    Stimmen zum Rennen

    Stimmen zum Rennen

    Fernando Alonso
    „Ein enttäuschendes Ergebnis, aber es war uns klar, dass Renn- und Titelgewinn vom vierten Startplatz aus schwierig werden würden. Zu Saisonbeginn sagte ich, dass die Entscheidung sehr knapp und erst beim letzten Rennen in Brasilien fallen würde. Allerdings hoffte ich, dass es zu meinen Gunsten ausgehen würde. Das war nicht der Fall und ich nehme es so wie es ist. In den ersten Runden des Rennens glaubte ich, mit den Ferrari mithalten zu können, doch dann zogen sie davon. Unser Auto war das ganze Jahr über schnell und konkurrenzfähig; ich gewann vier Rennen und bin mit der Saison noch ganz zufrieden.“

    Lewis Hamilton
    „Es ist enttäuschend, nach monate-langer WM-Führung den Titel im letzten Rennen zu verpassen. Aber dies ist erst meine erste Saison in der Formel 1 und sie war insgesamt gesehen dennoch sehr gut. Ich bin jung und habe noch Zeit, meinen Traum von der Formel-1-WM zu realisieren. Ich danke allen im Team für das, was sie in diesem Jahr für mich getan haben; ohne sie und ihre harte Arbeit wäre ich heute nicht Vize-Weltmeister.“

    Ron Dennis
    „Es ist besonders enttäuschend, wenn man nach einem so langen, engen und spannenden Kampf um die Fahrer-WM an der letzten Hürde scheitert. Dennoch kann das Team stolz darauf sein, was es in diesem Jahr leistete. Dass unsere beiden Fahrer mit einer Titelchance ins letzte Rennen starteten, zeigt, wie hart und engagiert jeder im Vodafone McLaren Mercedes Team in diesem schwierigen Jahr arbeitete. Wir gratulieren Kimi zu seinem heutigen Erfolg.“

    Norbert Haug
    „Das war heute nicht das Ergebnis, das wir uns vorgestellt hatten, nachdem Lewis und Fernando beide so nah am Titelgewinn waren. Es schmerzt, wenn letztlich zwei Punkte zum Meisterschaftsgewinn fehlen. Trotzdem will ich dem ganzen Team für die harte Arbeit in dieser Saison danken. Es ist traurig für jeden, dass wir unsere zweite Chance nach China nicht nutzen konnten. Glückwunsch an Kimi und Ferrari zur Weltmeisterschaft.“

    17. Brasilien GP / Autodromo José Carlos Pace

    17. Brasilien GP / Autodromo José Carlos Pace

    Brasilien GP: Räikkönen vollbringt das WM-Wunder
    Er hatte die schlechteste Ausgangsposition, doch vom Start weg spielte der Brasilien GP dem neuen Weltmeister Kimi Räikkönen in die Karten.

    Eigentlich glaubte niemand so recht daran, Kimi Räikkönen hatte sieben Punkte Rückstand auf WM-Leader Lewis Hamilton, drei auf Fernando Alonso. Der Finne brauchte ein Wunder, um seinen ersten WM-Titel feiern zu dürfen - aber manchmal geschehen Wunder. Das von Kimi Räikkönen war heute in Sao Paulo an der Reihe.

    Schon am Start zeigte der Iceman sein Können: er schnellte an Lewis Hamilton auf Position 2 vorbei, war schon fast an seinem Teamkollege Felipe Massa vorbei, musste dann aber hinter dem Brasilianer zurückstecken, wobei ihm Hamilton noch einmal nahe kam. "Ich hatte einen guten Start, war schon neben Felipe, aber wir wollten nicht zu hart gegeneinander fahren", sagte Räikkönen hinterher. Danach flogen die Ferrari im Parallelflug dem restlichen Feld davon - sie fuhren in einer eigenen Welt. "Ich konnte nicht mit Ferrari mithalten", gestand Alonso. "Als sie wirklich angefangen haben zu pushen, kam ich nicht mehr hinterher." Dabei gaben die Roten noch nicht mal alles. "Am Ende waren wir vorsichtig", verriet Räikkönen. "Wir hätten noch schneller gekonnt." Zunächst lag aber Massa vor Räikkönen, in dieser Konstellation reichte es noch nicht zum Titelgewinn für Räikkönen.

    Beim ersten Boxenstopp kam er ebenfalls noch nicht an Massa vorbei. Der Brasilianer stoppte in Runde 20, Räikkönen in Runde 21 - eine Runde mehr reichte jedoch nicht, um vorbeizugehen. Dafür tankte er länger, um beim zweiten Stopp länger fahren zu können. Diesmal kam Massa in Runde 50, Kimi jedoch erst in Runde 53. In Zusammenarbeit mit einem Verbremser des Brasilianers, ein bisschen Verkehr auf dessen Outlap und den drei zusätzlichen Runden ging Räikkönen knapp vor Massa in Führung - jetzt war er Weltmeister. Daran konnte in den letzten Runden niemand mehr etwas ändern. In der Endabrechnung setzte er sich mit einem Punkt Vorsprung gegen Lewis Hamilton und Fernando Alonso durch.

    "Wir waren nicht immer in der besten Situation, aber wir haben immer daran geglaubt, dass wir zurückschlagen können", so der neue Weltmeister. "Selbst in den schwierigen Zeiten haben wir gut zusammengehalten und sind zurückgekommen. Am Ende konnten wir aufholen und den Titel gewinnen." Zusammen mit Felipe Massa sei er ein perfektes Team. "Ich freue mich sehr und werde heute sowie den nächsten Monat auf Wolke sieben schweben." Für Räikkönen sind das schon ungeahnte Gefühlsausbrüche. Auch Massa freute sich mit seinem Teamkollegen und für das Team. "Aber hoffentlich wird der Titel eines Tages auch einmal mir gehören."

    Lewis Hamilton verschenkte seine Titelchance bereits in der ersten Runde. Nachdem ihn Räikkönen im Senna S überholt hatte, schlüpfte auch Fernando Alonso am Briten vorbei. Das wollte Hamilton nicht auf sich sitzen lassen, setzte zum Konter an, verbremste sich und fuhr leicht neben die Strecke - plötzlich war er nur noch 8. Noch schlimmer kam es ein paar Runden später: Hamiltons McLaren verlor urplötzlich an Speed, er rutschte bis auf Rang 18 ab, dann fing er sich wieder und konnte im normalen Tempo weiterfahren. Der Schaden war jedoch schon angerichtet; seine Aufholjagd hoffnungslos. Barrichello, Sutil, Schumacher, Davidson, Sato, Nakajima - alle zogen gegen den angriffslustigen Silberpfeilpiloten den Kürzeren. "Das Getriebe blieb in Neutral stecken", erklärte Ron Dennis hinterher. "Dann ging es wieder. Wir haben nichts falsch gemacht, Lewis und das Team hatten eine tolle Saison, jetzt müssen wir auch in der Niederlage sportlich bleiben."

    Dann wollte der McLaren-Kommandostand mit einem taktischen Kniff die WM herumreißen: Hamilton kam zu einem kurzen zweiten Stopp herein, zog die weichen Reifen auf und war nun auf einer Dreistoppstrategie unterwegs. Im Mittelstint brachte ihm das kein Glück. Am Ende holte er auf Platz 7 liegend noch einmal mit großen Schritten auf Heidfeld vor ihm auf, aber der Abstand war in den letzten 5 Runden zu groß. Hamilton beendete den Grand Prix als Siebter und WM-Zweiter, punktgleich mit Alonso.

    Der wusste von vorneherein, dass seine Chancen schlecht standen, auch nachdem Hamilton weit hinter ihm lag. "Ich hoffte bis zuletzt, dass bei Ferrari etwas passieren würde, aber dem war nicht so." Nur ein Ausfall eines der beiden Ferrari hätte Alonso noch den WM-Titel bringen können. "Aber ich habe schon mehrmals gesagt: wer am Ende vorne ist, der hat es verdient - mein Glückwunsch an Kimi, er hatte eine tolle Saison."

    Das letzte Podium des Jahres sah also Räikkönen, Massa und Alonso jubeln. Dahinter sicherte sich Nico Rosberg in einem heißen Duell gegen Robert Kubica den vierten Platz. Platz 6 schnappte sich Nick Heidfeld vor Hamilton und Jarno Trulli. Die Top10 komplettierten David Coulthard und Kazuki Nakajima, hinter dem sich der Schotte einmal sogar drehte. Nakajima erlebte noch einen weiteren Schreckmoment: bei seinem ersten Boxenstopp fuhr er zwei Mechaniker um, die auf einer Trage abtransportiert wurden. Im Kampf um WM-Rang 4 setzte sich Williams jedoch klar gegen Red Bull durch.

    Offizielles Endergebnis GP Brasilien

    Offizielles Endergebnis GP Brasilien

    71 Runden á 4,309 km/305,909 km

    Rang, Name, Land, Team, Zeit
    1. Kimi Räikkönen, Finnland, Ferrari, 1:28:15,270 Std.
    2. Felipe Massa, Brasilien, Ferrari, + 1,493 Sek.
    3. Fernando Alonso, Spanien, McLaren-Mercedes, + 57,019
    4. Nico Rosberg, Wiesbaden, Williams, + 1:02,848 Min.
    5. Robert Kubica, Polen, BMW-Sauber, + 1:10,957
    6. Nick Heidfeld, Mönchengladbach, BMW-Sauber, + 1:11,317
    7. Lewis Hamilton, Großbritannien, McLaren-Mercedes, + 1 Runde
    8. Jarno Trulli, Italien, Toyota, + 1 Runde
    9. David Coulthard, Großbritannien, Red Bull, + 1 Runde
    10. Kazuki Nakajima, Japan, Williams, + 1 Runde
    11. Ralf Schumacher, Kerpen, Toyota, + 1 Runde
    12. Takuma Sato, Japan, Super Aguri, + 2 Runden
    13. Vitantonio Liuzzi, Italien, Toro Rosso, + 2 Runden
    14. Anthony Davidson, Großbritannien, Super Aguri, + 3 Runden

    Ausfälle:
    Giancarlo Fisichella, (Italien), Renault, (3 . Runde)
    Sakon Yamamoto, (Japan), Spyker, (3 . Runde)
    Mark Webber, (Australien), Red Bull, (15 . Runde)
    Jenson Button, (Großbritannien), Honda, (21 . Runde)
    Sebastian Vettel, (Heppenheim), Toro Rosso, (35 . Runde)
    Heikki Kovalainen, (Finnland), Renault, (36 . Runde)
    Rubens Barrichello, (Brasilien), Honda, (41 . Runde)
    Adrian Sutil, (München), Spyker, (43 . Runde)

    Schnellste Rennrunde:
    Kimi Räikkönen, (Ferrari), 1:12,445 Min.

    Trainingsschnellster:
    Felipe Massa, (Ferrari), 1:11,931 Min.

    Die neue Saison beginnt am 16. März 2008 mit dem Großen Preis von Australien in Melbourne.

    Williams & BMW Sauber: Die Kommissare ermitteln

    Williams & BMW Sauber: Die Kommissare ermitteln

    Es droht Ärger in der F1-Welt: der Sprit von BMW Sauber und Williams war zu kühl, eine Disqualifikation könnte die WM-Entscheidung beeinflussen.

    Die WM-Fete von Kimi Räikkönen ist bereits voll im Gange, das Fahrerlager verabschiedet sich langsam in den Winterschlaf - doch noch ist die Saison nicht vorbei, noch gibt es kein offiziell bestätigtes Ergebnis für das 17. Saisonrennen in Sao Paulo. Denn bei Williams und BMW Sauber wird noch gezittert: die Teammanager beider Rennställe wurden zu den Rennkommissaren gebeten, weil die Autos von Nico Rosberg, Robert Kubica und Nick Heidfeld die Inspektion nicht überstanden haben. Die Sprittemperatur hat nach Angaben der FIA während der Tankvorgänge nicht mit dem Reglement übereingestimmt.

    Laut Artikel 6.5.5 des Technischen Reglement darf der Sprit in den Autos nie mehr als zehn Grad unter der Außentemperatur liegen. Die FIA bewies, dass das Auto von Heidfeld beim ersten und zweiten Stopp 13 respektive 12 Grad über der Umgebungstemperatur lag. Bei Kubica waren es 14, 13 und 13 Grad bei seinen drei Tankstopps. Bei Rosberg waren es wie bei Heidfeld 13 und 12 Grad. Bei Rosbergs Teamkollegen Kazuki Nakajima trat nur bei einem der beiden Stopps eine Überschreitung auf.

    Laut BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen hat sich die Lufttemperatur so schnell erhöht, dass die Anlage nicht mit dem Nachregeln nachgekommen ist. Der Grund dafür ist, dass sich Flüssigkeit langsamer erwärmt als Luft. Kühlerer Sprit kann zwei Vorteile bringen: erstens sollen zwei Grad Temperaturunterschied eine Zehntelsekunde Zeitgewinn beim Tankvorgang bringen, zweitens bringt gekühlter Sprit einen minimalen Performancevorteil, der jedoch nur für einen extrem kurzen Zeitraum nutzbar ist, weil die Sprittemperatur durch die hohe Umgebungstemperatur sehr schnell ansteigt. Das bestätigten auch Mitglieder des McLaren-Teams.

    Spyker-Technikchef Mike Gascoyne sieht das anders. "Es kann fünf bis zehn PS ausmachen", sagte er Autosport. "Das Auto produziert einen Performancevorteil. Wenn sie Benzin unter dem Limit einfüllen, ist das ein illegaler Vorteil. Sie sollten vom Rennen ausgeschlossen werden, daran besteht absolut kein Zweifel." Andere Techniker sprechen von einer kurzfristigen Steigerung um maximal 0,7 PS.

    Bislang gibt es keine Informationen über eine mögliche Bestrafung der Teams respektive Fahrer. Bei Spritvergehen wurden schon früher Strafen ausgesprochen, unter anderem Disqualifikationen und Punktabzüge in der Konstrukteurs- aber nicht der Fahrerwertung. Darauf wird man auch bei Ferrari hoffen. Denn Rosberg, Kubica und Heidfeld belegten die Plätze 4 bis 6 - vor einem gewissen Lewis Hamilton. Eine Bestrafung der Fahrer hätte demnach weitreichende Konsequenzen auf das Endergebnis des Brasilien GP und die Fahrerweltmeisterschaft 2007.