Politiker-Pensionen gehen in die Millionen
10. Oktober 2009 In dieser Woche sind in Berlin einige Minister und Ministerinnen mit goldenem Handschlag in den Ruhestand verabschiedet worden. Das Rennen dürften in diesem Jahr zwei Damen mit feinem Gespür für Geld gemacht haben. Ulla Schmidt, ehemals Gesundheitsministerin, und Heidemarie Wieczorek-Zeul, vormals Entwicklungshilfeministerin, können beziehungsweise könnten sich mit monatlichen Pensionen von 8410 und 9430 Euro zur Ruhe setzen.
Das sieht auf den ersten Blick danach aus, als habe die rote Heidi der forschen Ulla, wie die beiden Damen in Fachkreisen genannt werden, den Rang abgelaufen, doch wer die beiden Frauen in finanzieller Hinsicht unter die Lupe nimmt, wird schnell zu anderen Ergebnissen kommen. Die Erste bekommt zwar mehr Geld auf die Hand, doch die Zweite ist die bessere Partie.
Rente von Ulla Schmidt kostet statistisch gesehen mehr
Ulla Schmidt ist 60 Jahre alt und wird vermutlich - das ist der statistische Erwartungswert - noch 28 Jahre leben. Folglich würde sie vom Steuerzahler, wenn sie sich jetzt zur Ruhe setzt, 28 mal 12 mal 8410 Euro bekommen. Das sind in der Summe aufgerundet 2.826.000 Euro. Heidemarie Wieczorek-Zeul ist versicherungstechnisch gesehen schon etwas in die Jahre gekommen. Sie wurde 1942 geboren, ist folglich 67 Jahre jung, und da verrät der kundige Blick in die Sterbetafel 2009, dass mit dem allfälligen Hinschied, wie der Schweizer zu sagen pflegt, in 22 Jahren zu rechnen sein wird. Entsprechend wird diese Ministerin a. D. den Staat noch 22 mal 12 mal 9430 Euro kosten. Das sind unter dem Strich ungefähr 2.490.000 Euro.
Die Differenz beträgt also 336.000 Euro. In Wirklichkeit ist aber der Unterschied viel geringer, weil die künftigen Renten auf die Gegenwart abgezinst werden müssen. Bei einem Satz von 3,5 Prozent pro Jahr und einem jährlichen Anstieg der Renten um 1 Prozent sind die beiden Bezüge heute 2.284.000 und 2.102.000 Euro wert. Das wird den gemeinen Steuerzahler erzürnen, das mag viel Stoff für heiße Diskussionen liefern, doch das ändert nichts an der Tatsache, dass die beiden Damen in finanzwirtschaftlicher Hinsicht optimale Entscheidungen getroffen haben.
Ansprüche im Barwert von zwei Millionen Euro nach 20 Jahren
Heidemarie Wieczorek-Zeul hat, wie ein Blick auf ihre Homepage zeigt, Englisch und Geschichte auf Lehramt studiert. Anschließend war sie neun Jahre lang Lehrerin in Rüsselsheim. Ähnlich lief es, wenn das Internet nicht lügt, auch bei Ulla Schmidt. Sie hat Psychologie in Aachen studiert und war danach neun Jahre als Lehrerin in Stolberg tätig. Das sind anständige Brotberufe, doch so viel Geld ist in diesem Metier nicht zu verdienen. Daher ehrt es beide Frauen, dass sie ihr Leben in die Hände genommen haben. Beide sind in die Politik gegangen, beide haben Karriere gemacht, beide haben gutes Geld verdient.
Ulla Schmidt ist seit 1987 im Bundestag, und Heidemarie Wieczorek-Zeul sitzt seit 1990 im Parlament. Das bedeutet in Zahlen, dass sich die beiden Damen im Laufe von nur 20 Jahren stattliche Ansprüche im Barwert von jeweils zwei Millionen Euro aufgebaut haben. Der Bewunderer wird hervorheben, dass das die Belohnung für persönlichen Ehrgeiz und Fleiß sei, und der Neider wird entgegnen, dass die Staatskasse um hohe Beträge erleichtert wird.
Für zwei Millionen Euro muss frau, wie man im Schwäbischen sagt, ziemlich lange stricken. Umgekehrt muss frau "saumäßig" viel verdienen, wie es im selben Landstrich heißt, um im Laufe von 20 Jahren zwei Millionen Euro auf die Seite zu bringen. Bei einem Zinssatz von beispielsweise 4 Prozent pro Jahr - gekürzt um die Abgeltungsteuer - wären 240 Zahlungen à 6154 Euro notwendig. Da auch Politikerinnen der Steuerpflicht unterliegen, sind das brutto mindestens 12.000 Euro.
Scheinheilige Debatten
Das mögen für Normalsterbliche utopische Summen sein. Genauso utopisch ist freilich die Annahme, dass jede strickende Großmutter mal eben schnell Bundesministerin werden kann. Solche Positionen sind wenigen Menschen vorbehalten. Das Volk kann über Spitzenverdiener schimpfen, wie es will, doch von nichts kommt nichts. Das gilt nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch in der Politik, und aus diesem Grund ist es scheinheilig, über die Bezüge und Pensionen langjähriger Politiker zu schimpfen. Jeder mittelmäßige Bankdirektor bekommt mehr Geld, jeder begabte Bundesliga-Fußballer würde sich über diese Bezüge schlapp lachen, viele erfolgreiche Unternehmer haben nach 20 Jahren mehr Geld auf dem Konto.
Fragwürdig ist eher die Altersversorgung der Politiker, die erst seit wenigen Jahren bei der Fahne sind und dafür eines Tages dicke Renten kassieren werden. Guido Westerwelle, der Chef der FDP, fordert seit Jahren die Abschaffung der Luxus-Pensionen. Er warf der Union in der Vergangenheit immer wieder die "Verteidigung von Pfründen" vor. Es sei ein "Skandal der politischen Kultur", dass sie die bisherigen Pensionen beibehalten wolle. Heftig kritisierte Westerwelle außerdem die Pläne für eine automatische Diätenerhöhung entsprechend der Lohn- und Rentenentwicklung. Das könne einem älteren Menschen, dessen Rente faktisch gekürzt werde, kaum erklärt werden. Jetzt steht der Liberale selbst an den Töpfen, und es bleibt abzuwarten, wie gut sich der gelernte Anwalt an seine Worte erinnern kann.
Auch Westerwelle scheint gut versorgt zu sein
Westerwelle ist seit 1996 im Bundestag. Das sind 13 Jahre, so dass dem Mann vom 65. Lebensjahr an schon mal 39 Prozent der aktuellen Entschädigung von 7174 Euro sicher sind. Das sind rund 2800 Euro, für die Westerwelle keinen Euro in eine Versicherung eingezahlt hat. Hätte er in dieser Zeit wenigstens den Höchstsatz der Angestelltenversicherung bezahlt, das sind im Augenblick rund 500 Euro pro Monat, würde die Rechnung so aussehen: 156 Raten à 500 Euro eingezahlt, ab sofort 204 Monate warten, dann 240 Renten à 2800 Euro bekommen. Das führt unter dem Strich zu einer jährlichen Verzinsung von 6,8 Prozent nach Steuern, so dass auch Westerwelle ein Anleger mit Gespür für Rendite zu sein scheint.
Ulla Schmidt und Heidemarie Wieczorek-Zeul seien die Millionen gegönnt. Sie bieten den Damen nicht nur finanzielle Freiheit, sondern auch die Möglichkeit, mit ihrem restlichen Vermögen, so es vorhanden ist, nach Herzenslust zu spielen. Die sicheren Pensionen sind zwar zu versteuern, doch für den Alltag bleibt genug Geld übrig, so dass mit dem übrigen Vermögen durchaus Risiken eingegangen werden können. Ulla Schmidt sollte aber bedenken, dass ihre Autos in Zukunft aus dem Privatvermögen zu bezahlen sind. Für den Fall, dass es noble Karossen sind und diese auch mal abhandenkommen können, empfiehlt sich eine Rücklage von wenigstens 100.000 Euro, angelegt in sicheres und schnell verfügbares Festgeld. Man weiß ja nie, wann und wo die Diebe zuschlagen werden.
Der Autor ist Finanzanalytiker in Reutlingen.
10. Oktober 2009 In dieser Woche sind in Berlin einige Minister und Ministerinnen mit goldenem Handschlag in den Ruhestand verabschiedet worden. Das Rennen dürften in diesem Jahr zwei Damen mit feinem Gespür für Geld gemacht haben. Ulla Schmidt, ehemals Gesundheitsministerin, und Heidemarie Wieczorek-Zeul, vormals Entwicklungshilfeministerin, können beziehungsweise könnten sich mit monatlichen Pensionen von 8410 und 9430 Euro zur Ruhe setzen.
Das sieht auf den ersten Blick danach aus, als habe die rote Heidi der forschen Ulla, wie die beiden Damen in Fachkreisen genannt werden, den Rang abgelaufen, doch wer die beiden Frauen in finanzieller Hinsicht unter die Lupe nimmt, wird schnell zu anderen Ergebnissen kommen. Die Erste bekommt zwar mehr Geld auf die Hand, doch die Zweite ist die bessere Partie.
Rente von Ulla Schmidt kostet statistisch gesehen mehr
Ulla Schmidt ist 60 Jahre alt und wird vermutlich - das ist der statistische Erwartungswert - noch 28 Jahre leben. Folglich würde sie vom Steuerzahler, wenn sie sich jetzt zur Ruhe setzt, 28 mal 12 mal 8410 Euro bekommen. Das sind in der Summe aufgerundet 2.826.000 Euro. Heidemarie Wieczorek-Zeul ist versicherungstechnisch gesehen schon etwas in die Jahre gekommen. Sie wurde 1942 geboren, ist folglich 67 Jahre jung, und da verrät der kundige Blick in die Sterbetafel 2009, dass mit dem allfälligen Hinschied, wie der Schweizer zu sagen pflegt, in 22 Jahren zu rechnen sein wird. Entsprechend wird diese Ministerin a. D. den Staat noch 22 mal 12 mal 9430 Euro kosten. Das sind unter dem Strich ungefähr 2.490.000 Euro.
Die Differenz beträgt also 336.000 Euro. In Wirklichkeit ist aber der Unterschied viel geringer, weil die künftigen Renten auf die Gegenwart abgezinst werden müssen. Bei einem Satz von 3,5 Prozent pro Jahr und einem jährlichen Anstieg der Renten um 1 Prozent sind die beiden Bezüge heute 2.284.000 und 2.102.000 Euro wert. Das wird den gemeinen Steuerzahler erzürnen, das mag viel Stoff für heiße Diskussionen liefern, doch das ändert nichts an der Tatsache, dass die beiden Damen in finanzwirtschaftlicher Hinsicht optimale Entscheidungen getroffen haben.
Ansprüche im Barwert von zwei Millionen Euro nach 20 Jahren
Heidemarie Wieczorek-Zeul hat, wie ein Blick auf ihre Homepage zeigt, Englisch und Geschichte auf Lehramt studiert. Anschließend war sie neun Jahre lang Lehrerin in Rüsselsheim. Ähnlich lief es, wenn das Internet nicht lügt, auch bei Ulla Schmidt. Sie hat Psychologie in Aachen studiert und war danach neun Jahre als Lehrerin in Stolberg tätig. Das sind anständige Brotberufe, doch so viel Geld ist in diesem Metier nicht zu verdienen. Daher ehrt es beide Frauen, dass sie ihr Leben in die Hände genommen haben. Beide sind in die Politik gegangen, beide haben Karriere gemacht, beide haben gutes Geld verdient.
Ulla Schmidt ist seit 1987 im Bundestag, und Heidemarie Wieczorek-Zeul sitzt seit 1990 im Parlament. Das bedeutet in Zahlen, dass sich die beiden Damen im Laufe von nur 20 Jahren stattliche Ansprüche im Barwert von jeweils zwei Millionen Euro aufgebaut haben. Der Bewunderer wird hervorheben, dass das die Belohnung für persönlichen Ehrgeiz und Fleiß sei, und der Neider wird entgegnen, dass die Staatskasse um hohe Beträge erleichtert wird.
Für zwei Millionen Euro muss frau, wie man im Schwäbischen sagt, ziemlich lange stricken. Umgekehrt muss frau "saumäßig" viel verdienen, wie es im selben Landstrich heißt, um im Laufe von 20 Jahren zwei Millionen Euro auf die Seite zu bringen. Bei einem Zinssatz von beispielsweise 4 Prozent pro Jahr - gekürzt um die Abgeltungsteuer - wären 240 Zahlungen à 6154 Euro notwendig. Da auch Politikerinnen der Steuerpflicht unterliegen, sind das brutto mindestens 12.000 Euro.
Scheinheilige Debatten
Das mögen für Normalsterbliche utopische Summen sein. Genauso utopisch ist freilich die Annahme, dass jede strickende Großmutter mal eben schnell Bundesministerin werden kann. Solche Positionen sind wenigen Menschen vorbehalten. Das Volk kann über Spitzenverdiener schimpfen, wie es will, doch von nichts kommt nichts. Das gilt nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch in der Politik, und aus diesem Grund ist es scheinheilig, über die Bezüge und Pensionen langjähriger Politiker zu schimpfen. Jeder mittelmäßige Bankdirektor bekommt mehr Geld, jeder begabte Bundesliga-Fußballer würde sich über diese Bezüge schlapp lachen, viele erfolgreiche Unternehmer haben nach 20 Jahren mehr Geld auf dem Konto.
Fragwürdig ist eher die Altersversorgung der Politiker, die erst seit wenigen Jahren bei der Fahne sind und dafür eines Tages dicke Renten kassieren werden. Guido Westerwelle, der Chef der FDP, fordert seit Jahren die Abschaffung der Luxus-Pensionen. Er warf der Union in der Vergangenheit immer wieder die "Verteidigung von Pfründen" vor. Es sei ein "Skandal der politischen Kultur", dass sie die bisherigen Pensionen beibehalten wolle. Heftig kritisierte Westerwelle außerdem die Pläne für eine automatische Diätenerhöhung entsprechend der Lohn- und Rentenentwicklung. Das könne einem älteren Menschen, dessen Rente faktisch gekürzt werde, kaum erklärt werden. Jetzt steht der Liberale selbst an den Töpfen, und es bleibt abzuwarten, wie gut sich der gelernte Anwalt an seine Worte erinnern kann.
Auch Westerwelle scheint gut versorgt zu sein
Westerwelle ist seit 1996 im Bundestag. Das sind 13 Jahre, so dass dem Mann vom 65. Lebensjahr an schon mal 39 Prozent der aktuellen Entschädigung von 7174 Euro sicher sind. Das sind rund 2800 Euro, für die Westerwelle keinen Euro in eine Versicherung eingezahlt hat. Hätte er in dieser Zeit wenigstens den Höchstsatz der Angestelltenversicherung bezahlt, das sind im Augenblick rund 500 Euro pro Monat, würde die Rechnung so aussehen: 156 Raten à 500 Euro eingezahlt, ab sofort 204 Monate warten, dann 240 Renten à 2800 Euro bekommen. Das führt unter dem Strich zu einer jährlichen Verzinsung von 6,8 Prozent nach Steuern, so dass auch Westerwelle ein Anleger mit Gespür für Rendite zu sein scheint.
Ulla Schmidt und Heidemarie Wieczorek-Zeul seien die Millionen gegönnt. Sie bieten den Damen nicht nur finanzielle Freiheit, sondern auch die Möglichkeit, mit ihrem restlichen Vermögen, so es vorhanden ist, nach Herzenslust zu spielen. Die sicheren Pensionen sind zwar zu versteuern, doch für den Alltag bleibt genug Geld übrig, so dass mit dem übrigen Vermögen durchaus Risiken eingegangen werden können. Ulla Schmidt sollte aber bedenken, dass ihre Autos in Zukunft aus dem Privatvermögen zu bezahlen sind. Für den Fall, dass es noble Karossen sind und diese auch mal abhandenkommen können, empfiehlt sich eine Rücklage von wenigstens 100.000 Euro, angelegt in sicheres und schnell verfügbares Festgeld. Man weiß ja nie, wann und wo die Diebe zuschlagen werden.
Der Autor ist Finanzanalytiker in Reutlingen.