Mehr Motorrad geht nicht
In genau einem Jahr beginnt eine geführte Tour um die Welt. Die Teilnehmer können nicht einfach buchen, sie müssen sich bewerben
Wenn die zurückkommen, wird sich ihr Verhältnis zum Universum erweitert haben." Es geht nicht um den Pfad der Erleuchtung, zumindest nicht unmittelbar, und der so redet, ist kein Guru. Werner Wachter ist Gründer des österreichischen Motorrad-Reiseveranstalters Edelweiss, und er spricht von einem ungewöhnlichen Angebot: einmal um die Welt auf zwei Rädern. In einem Jahr, am 14. November 2010, soll es losgehen.
Als Wachter das Angebot vor einigen Wochen publik machte, konnte er sich vor Anfragen kaum retten: Etwa 70 Interessenten gibt es mittlerweile, maximal 30 können dabei sein. Menschen, die "vom Reisevirus infiziert" sind wie der Braunschweiger Henning Günzler.
Der 47-Jährige hat bereits reichlich Motorraderfahrung, auch abseits europäischer Straßen, doch Günzler ist unersättlich: "Mit jeder Reise, die Sie machen, wissen Sie, was Sie nicht gesehen haben." Die neue Tour könnte ein paar Lücken füllen, auch wenn er sich nur der 54-tägigen Etappe durch Asien anschließt - länger möchte er weder die eigene Apotheke noch die Familie allein lassen.
Die gesamte Reise dagegen erfordert schon beinahe ein Sabbatjahr: 64 000 Kilometer liegen vor den Teilnehmern, bei einer geplanten Dauer von 248 Tagen. Die Kosten für Unterkunft und Frühstück belaufen sich auf 68 700 Euro je Fahrer, hinzu kommen weitere Mahlzeiten, der Unterhalt des eigenen Motorrads und Flüge zwischen den Kontinenten - die Fracht fürs Motorrad ist allerdings im Preis enthalten. Eine gut gefüllte Portokasse mag Voraussetzung sein, wichtiger noch ist Erfahrung mit dem Motorradfahren im Gelände. Wachter nimmt nicht jeden mit.
Über die Seidenstraße soll es gehen und über Andenpfade, durchs kalte Feuerland und die brennende australische Wüste, in den Senegal und nach Kasachstan. Schon im Prospekt appelliert der Anbieter an den Abenteuergeist: "Beim Essen empfehlen wir Neugier und wenig Angst." Immerhin, das Edelweiss-Team, inklusive Begleitfahrzeug und Mechaniker, verspricht Unterstützung beim Umgang mit lokalen Behörden, beim Zoll und bei Reparaturen. Den größten Teil der Strecke werden Julia und Kevin Sanders begleiten, die Guinnessbuch-Rekordhalter für die schnellste Erdumrundung auf dem Motorrad.
Mindestens zehn Jahre und mehr als 100 000 Kilometer Erfahrung bringen die meisten Bewerber mit, versichert Organisator Werner Wachter. "Man sollte auf jeden Fall Erfahrung mit schlechten Straßen haben, auch schon mal auf Schotter ausgerutscht sein." Bewerber müssen ihre Fertigkeiten in detaillierten Fragebögen und im Gespräch schildern, zudem will Edelweiss bei Seminaren in Europa und Amerika mit möglichst allen Teilnehmern zusammentreffen. "Jeder, der sagt, dass er weniger als ein Jahr gefahren ist, den werden wir ganz genau prüfen", sagt Wachter.
In dieser Hinsicht muss sich der Mainzer Bernd May wenig Gedanken machen. Der 66-Jährige hat die Welttour fest im Blick. Seit einem halben Jahrhundert sitzt er auf dem Motorrad - und fühlt sich dabei erstaunlicherweise auf exotischen Löcherpisten sicherer als im deutschen Straßenverkehr. "Sobald man sich in Lateinamerika auf ein Motorrad setzt, ist man hellwach", sagt er. "In Deutschland vertraut man darauf, dass alles nach den Verkehrsregeln läuft." Genau dieses Vertrauen ist dem selbstständigen Medizinberater vor Jahren bei einem Unfall zum Verhängnis geworden. Das rechte Knie arbeitet seitdem mit künstlichen Bändern, und May fährt Enduro - Touren abseits des Verkehrs sind ihm lieber.
Dazu wird er bei der "Motorrad Expedition Unsere Erde", wie der Anbieter die Tour getauft hat, zur Genüge kommen. Wüsten verspricht Werner Wachter, Kulturerlebnis und schottrige Schlängelstraßen. "Motorradfahrer sind schon geil auf Berge", weiß der Edelweiss-Chef. Auf jeden Fall soll sich die Gruppe abseits ausgefahrener Touristenstraßen bewegen.
Mit dem Versprechen dieser Unmittelbarkeit trifft Wachter den Nerv seiner Kunden. "Auf dem Motorrad haben Sie keinen geschlossenen Käfig um sich herum. Die Menschen kommen anders auf Sie zu", sagt Apotheker Günzler, der zuletzt allein im Iran unterwegs war. "Den Mainstream verlassen", umschreibt Bernd May dieses Verlangen nach Authentizität.
Auf jedem Kontinent will die Expedition in SOS-Kinderdörfern haltmachen, ein Teil der Teilnahmegebühr ist als Spende für die Einrichtungen verplant. Bei allem Engagement ist Wachter klar: "Ökologisch gibt es vorbildlichere Arten der Fortbewegung." Aber Mobilität sei den Zweiradenthusiasten wichtig - und da habe die Enduro mehr zu bieten als das Mountainbike.
Ein eigenes Motorrad ist Voraussetzung für die große Fahrt. Zumindest für die beiden Anwärter aus Braunschweig und Mainz ist dabei die Firma KTM der klare Favorit. "Der Landrover der Motorradszene", schwärmt Henning Günzler.
Doch auch eine Traummaschine muss vorbereitet werden. Bis zum Start ist noch viel zu tun: Das Zweirad wird ausgerüstet für die lange Reise, Formalitäten müssen erledigt werden, und der Veranstalter erprobt einige wenig bekannte Abschnitte in Australien und Asien. Im österreichischen Mieming wird es losgehen: durch die winterlichen Alpen zu den Pyrenäen und dann nur noch der Sonne entgegen.
In genau einem Jahr beginnt eine geführte Tour um die Welt. Die Teilnehmer können nicht einfach buchen, sie müssen sich bewerben
Wenn die zurückkommen, wird sich ihr Verhältnis zum Universum erweitert haben." Es geht nicht um den Pfad der Erleuchtung, zumindest nicht unmittelbar, und der so redet, ist kein Guru. Werner Wachter ist Gründer des österreichischen Motorrad-Reiseveranstalters Edelweiss, und er spricht von einem ungewöhnlichen Angebot: einmal um die Welt auf zwei Rädern. In einem Jahr, am 14. November 2010, soll es losgehen.
Als Wachter das Angebot vor einigen Wochen publik machte, konnte er sich vor Anfragen kaum retten: Etwa 70 Interessenten gibt es mittlerweile, maximal 30 können dabei sein. Menschen, die "vom Reisevirus infiziert" sind wie der Braunschweiger Henning Günzler.
Der 47-Jährige hat bereits reichlich Motorraderfahrung, auch abseits europäischer Straßen, doch Günzler ist unersättlich: "Mit jeder Reise, die Sie machen, wissen Sie, was Sie nicht gesehen haben." Die neue Tour könnte ein paar Lücken füllen, auch wenn er sich nur der 54-tägigen Etappe durch Asien anschließt - länger möchte er weder die eigene Apotheke noch die Familie allein lassen.
Die gesamte Reise dagegen erfordert schon beinahe ein Sabbatjahr: 64 000 Kilometer liegen vor den Teilnehmern, bei einer geplanten Dauer von 248 Tagen. Die Kosten für Unterkunft und Frühstück belaufen sich auf 68 700 Euro je Fahrer, hinzu kommen weitere Mahlzeiten, der Unterhalt des eigenen Motorrads und Flüge zwischen den Kontinenten - die Fracht fürs Motorrad ist allerdings im Preis enthalten. Eine gut gefüllte Portokasse mag Voraussetzung sein, wichtiger noch ist Erfahrung mit dem Motorradfahren im Gelände. Wachter nimmt nicht jeden mit.
Über die Seidenstraße soll es gehen und über Andenpfade, durchs kalte Feuerland und die brennende australische Wüste, in den Senegal und nach Kasachstan. Schon im Prospekt appelliert der Anbieter an den Abenteuergeist: "Beim Essen empfehlen wir Neugier und wenig Angst." Immerhin, das Edelweiss-Team, inklusive Begleitfahrzeug und Mechaniker, verspricht Unterstützung beim Umgang mit lokalen Behörden, beim Zoll und bei Reparaturen. Den größten Teil der Strecke werden Julia und Kevin Sanders begleiten, die Guinnessbuch-Rekordhalter für die schnellste Erdumrundung auf dem Motorrad.
Mindestens zehn Jahre und mehr als 100 000 Kilometer Erfahrung bringen die meisten Bewerber mit, versichert Organisator Werner Wachter. "Man sollte auf jeden Fall Erfahrung mit schlechten Straßen haben, auch schon mal auf Schotter ausgerutscht sein." Bewerber müssen ihre Fertigkeiten in detaillierten Fragebögen und im Gespräch schildern, zudem will Edelweiss bei Seminaren in Europa und Amerika mit möglichst allen Teilnehmern zusammentreffen. "Jeder, der sagt, dass er weniger als ein Jahr gefahren ist, den werden wir ganz genau prüfen", sagt Wachter.
In dieser Hinsicht muss sich der Mainzer Bernd May wenig Gedanken machen. Der 66-Jährige hat die Welttour fest im Blick. Seit einem halben Jahrhundert sitzt er auf dem Motorrad - und fühlt sich dabei erstaunlicherweise auf exotischen Löcherpisten sicherer als im deutschen Straßenverkehr. "Sobald man sich in Lateinamerika auf ein Motorrad setzt, ist man hellwach", sagt er. "In Deutschland vertraut man darauf, dass alles nach den Verkehrsregeln läuft." Genau dieses Vertrauen ist dem selbstständigen Medizinberater vor Jahren bei einem Unfall zum Verhängnis geworden. Das rechte Knie arbeitet seitdem mit künstlichen Bändern, und May fährt Enduro - Touren abseits des Verkehrs sind ihm lieber.
Dazu wird er bei der "Motorrad Expedition Unsere Erde", wie der Anbieter die Tour getauft hat, zur Genüge kommen. Wüsten verspricht Werner Wachter, Kulturerlebnis und schottrige Schlängelstraßen. "Motorradfahrer sind schon geil auf Berge", weiß der Edelweiss-Chef. Auf jeden Fall soll sich die Gruppe abseits ausgefahrener Touristenstraßen bewegen.
Mit dem Versprechen dieser Unmittelbarkeit trifft Wachter den Nerv seiner Kunden. "Auf dem Motorrad haben Sie keinen geschlossenen Käfig um sich herum. Die Menschen kommen anders auf Sie zu", sagt Apotheker Günzler, der zuletzt allein im Iran unterwegs war. "Den Mainstream verlassen", umschreibt Bernd May dieses Verlangen nach Authentizität.
Auf jedem Kontinent will die Expedition in SOS-Kinderdörfern haltmachen, ein Teil der Teilnahmegebühr ist als Spende für die Einrichtungen verplant. Bei allem Engagement ist Wachter klar: "Ökologisch gibt es vorbildlichere Arten der Fortbewegung." Aber Mobilität sei den Zweiradenthusiasten wichtig - und da habe die Enduro mehr zu bieten als das Mountainbike.
Ein eigenes Motorrad ist Voraussetzung für die große Fahrt. Zumindest für die beiden Anwärter aus Braunschweig und Mainz ist dabei die Firma KTM der klare Favorit. "Der Landrover der Motorradszene", schwärmt Henning Günzler.
Doch auch eine Traummaschine muss vorbereitet werden. Bis zum Start ist noch viel zu tun: Das Zweirad wird ausgerüstet für die lange Reise, Formalitäten müssen erledigt werden, und der Veranstalter erprobt einige wenig bekannte Abschnitte in Australien und Asien. Im österreichischen Mieming wird es losgehen: durch die winterlichen Alpen zu den Pyrenäen und dann nur noch der Sonne entgegen.