Die Lachplatte des Jahunderts

      Die Lachplatte des Jahunderts

      Die Lachplatte des Jahunderts

      He will lörn better inglisch

      28.01.2010, 09:522010-01-28T09:52:00 CEST+0100
      Von Ulrike Bretz

      Nach Kritik aus dem Internet hat sich Günther Oettinger nun bereit erkärt, an seinem Englisch zu arbeiten. Doch seine Aussprache wird in den USA bereits als Negativ-Beispiel angeführt.

      Immerhin hört ihm jeder zu: Der designierte EU-Kommissar Günther Oettinger hält zuweilen skurril anmutende Reden auf Englisch. Aber das soll sich nun ändern. Foto: ddp

      Wer sich dieser Tage ordentlich fremdschämen will, sollte sich im Internet ein Video ansehen, das eine Rede von Günther Oettinger zeigt. Es offenbart, dass der Politiker nicht nur kein Hochdeutsch, sondern auch nicht besonders gut Englisch kann. Aufgenommen wurde es bei einer Konferenz der New Yorker Columbia-Universität im Dezember in Berlin.

      Das Video, das im Netz bislang 900.00 Mal aufgerufen wurde, zeigt den designierten EU-Energiekommissar dabei, wie er sich in der ihm eigenen stakkatohaften Rhetorik von Wort zu Wort hangelt, und man fragt sich unwillkürlich, ob er überhaupt weiß, was er da vorliest. Der Zuschauer jedenfalls weiß es es nicht immer - er darf raten, was sich hinter Ausdrücken wie "se päschend häs surwaift" und "se lävel häs bin lauert" verbirgt. Und das, obwohl er, wie Weggefährten bezeugen, im Gymnasium Englisch-Unterricht genoss. Das Abitur bestand er 1971.

      Man würde Günther Oettinger gerne bemitleiden. Aber erstens spricht er sich immer wieder dafür aus, dass Englisch in Deutschland die Arbeitssprache werden soll. Also selber schuld. Und zweitens sieht der CDU-Politiker selbst das mit dem Video gar nicht so eng: "Ich habe damit kein Problem. Es sollen alle machen, was sie wollen." Er sei auch bislang noch von keinem Kollegen darauf angesprochen worden.

      Trotzdem hat der aus Ditzingen bei Stuttgart stammende Schwabe nun angekündigt, dass er an seinen Englisch-Kenntnissen arbeiten wolle. "Ich habe vor, wenn ich in Brüssel bin, die dortigen Möglichkeiten, Fachbegriffe vertieft zu lernen, wahrzunehmen.“

      Das sollte er auch dringlichst tun - denn die Kommentare über seinen Auftritt, die im Netz kursieren, sind nicht besonders liebevoll. Viele User empfinden es offenbar als blamabel, von Oettinger als EU-Kommissar vertreten zu werden.

      Die Häme hat ihren Weg nun auch in die USA gefunden. Wie das Online-Portal DerWesten.de berichtet, diskutieren Sprachlehrer dort bereits über die sprachliche Blamage Oettingers. Im Newsletter der amerikanischen Vereinigung von Deutschlehrern AATG sei die Berliner Rede Thema Nummer eins. "Oettingers Auftritt ist ein ungewöhnlich extremes Beispiel für etwas, das ich gerne 'Flugbegleiter-Syndrom' nenne“, heiße es im Newsletter. Oettinger habe zwar seine Übersetzer, die garantierten, dass Wortwahl und Grammatik korrekt sind - doch seine Aussprache sei auf einem anderen Niveau.

      In einer Antwort auf den Newsletter schreibe eine Lehrerin begeistert: "Ich werde einen Ausschnitt daraus vor Referaten verwenden, um den Schülern beizubringen, sich in einfachen Worten auszudrücken."

      So viel Gemeinheit - und das, obwohl der Mann es wirklich schwer hat. Daheim, in der Amtsvilla Reitzenstein, über den Dächern Stuttgarts, war es doch gemütlich. Dort kam der scheidende baden-württembergische Ministerpräsident bei Amt- und Würdenträgern deshalb so gut an, weil sie nicht nur das gleiche Parteibuch haben, sondern auch noch genauso schwätzen wie er: in dieser befremdlichen Lautung, der Mischung aus breitem Schwäbisch und bemühtem Hochdeutsch, das als Honoratiorenschwäbisch bezeichnet wird. In Berlin sieht das schon anders aus - und in Brüssel erst recht.

      Das dürfte Oettinger schon selbst bemerkt haben. Und offenbar hat er aus seinem Fehler gelernt. Schadenfreude ist also Fehl am Platz. Leider - das Wort hätte der 56-Jährige sicher gut aussprechen können. Denn Schadenfreude ist eines der wenigen Wörter, die andere Sprachen aus dem Deutschen übernommen haben. Und Oettinger wäre gar nicht aufgefallen.

      Oettinger verteidigt Spätzle-Englisch

      Oettinger verteidigt Spätzle-Englisch
      29. Januar 2010, 07:42 Uhr

      Stuttgart. Mit einer Rede in holprigem Englisch ist Günther Oettinger im Internet zu zweifelhaftem Ruhm gekommen. Aber wie "fluent" (fließend) muss ein deutscher EU-Kommissar eigentlich die Weltsprache beherrschen? In seinem Lebenslauf gibt der 56-Jährige seine Englisch-Kenntnisse mit "gut" an. Aber zwei derzeit im Internet kursierende Videos lassen zumindest an seiner Aussprache zweifeln, die gern auch als Spätzle-Englisch bezeichnet wird. Durch Aussagen wie: "We cannot allow that everybody does as he pleases" ("Wir können es uns nicht erlauben, dass sich jeder so verhält, wie es ihm gefällt") mit starkem schwäbischem Akzent zieht Oettinger zunehmend Lacher auf sich. In der EU-Kommission ist Englisch nur eine von drei Arbeitssprachen - neben Französisch und Deutsch. In kaum einer Institution in Europa gibt es zudem so viele Dolmetscher wie bei der Europäischen Union.

      Oettinger selbst sieht die Videos mit seinen englischen Redepassagen gelassen. "Ich habe damit kein Problem. Es sollen alle machen, was sie wollen", sagte der Noch-Stuttgarter-Regierungschef. Er versprach, er wolle in Brüssel "die dortigen Möglichkeiten, Fachbegriffe vertieft zu lernen", wahrnehmen.(dpa)
      Der ehemalige Chef der EU-Kommission, Jaques Santer, glaubt nicht, dass der neue EU-Kommissar Günther Oettinger mit seinem schlechten Englisch Probleme haben wird, sich in Brüssel zu verständigen.

      Zugleich äußerte sich Santer aber lobend über ehemalige Kommissare, die ihr sprachliches Können mit Crash-Kursen verbessert hätten. "Das sollte man (...) tun", sagte Santer. Er kenne mehrere Kommissare, die solche Kurse besucht hätten.

      Als Beispiel nannte Santer den ehemaligen österreichischen Agrar-Kommissar Fischler, der sich sehr schnell in die englische Sprache eingearbeitet habe. Ein ehemaliger Präsident des Europäischen Gerichtshofs und Schotte habe hingegen anfangs nur Englisch gesprochen. Nach ein paar Monaten habe er dann nur noch Französisch geredet und auch alle Sitzungen auf Französisch geleitet. "Das ist ein gutes Beispiel", sagte Santer.

      Er selbst habe aber kein Problem damit, wenn jemand nur Deutsch spreche, so der ehemalige EU-Kommissionspräsident. Den Deutschen attestierte Santer einen gelegentlichen Minderwertigkeitskomplex in Bezug auf Fremdsprachen. Deutsch sei die am meisten gesprochene Sprache in der Union und ihm sei ein Deutscher, der gut Deutsch spreche, lieber als einer, der eine andere Sprache spreche, betonte Santer.

      Oettinger kümmert sich um Euro und Englisch

      EU-Kommissar
      Oettinger kümmert sich um Euro und Englisch

      Von Spott über seine Englischkenntnisse lässt sich Günther Oettinger nicht verdrießen – aber zum Üben anstacheln. Als EU-Kommissar will er sich nicht auf die Energie beschränken.

      Der angehende EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU) Der scheidende baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger will das Video, in dem seine Englisch-Kenntnisse ins Lächerliche gezogen werden, nicht überbewerten. „Ich halte es nicht für verwerflich, dass der Dialekt zu hören ist, wenn ich Englisch spreche. Ich bekenne mich zu meinem Dialekt“, sagte er den „Stuttgarter Nachrichten“ (Freitagausgabe). Er habe im Gymnasium neun Jahre Latein und fünf Jahre Englisch gehabt. „In den vergangenen 30 Jahren habe ich nicht jeden Tag Englisch gebraucht. Jetzt werde ich Sprachtraining nehmen“, kündigte Oettinger an.

      Derzeit im Internet kursierende Videos zeigen Oettinger bei einer äußerst holprig auf Englisch vorgetragenen Rede. Bis Donnerstagmittag wurde die Rede, die Oettinger im Dezember bei einer Konferenz der New Yorker Columbia-Universität in Berlin gehalten hat, im Video-Portal YouTube 1,34 Millionen Mal abgerufen. Durch Aussagen wie: „We cannot allow that everybody does as he pleases“ („Wir können es uns nicht erlauben, dass sich jeder so verhält, wie es ihm gefällt“) mit starkem deutsch-schwäbischem Akzent zieht Oettinger zunehmend Lacher auf sich.

      Oettinger will sich nach seinem Wechsel in die Brüsseler EU-Kommission nicht allein auf das Thema Energiepolitik beschränken. Im Interview sagte der CDU-Politiker, als künftiger EU-Energiekommissar sehe er sich „mehr denn je als Dienstleister“. Schon jetzt zeichne sich ab, „dass das Thema Währungsstabilität ein Megathema werden wird. Der Euro ist in Gefahr, instabil zu werden“, wird Oettinger zitiert. Diesem Prozess werde er nicht tatenlos zusehen.

      In der CDU weiter mitmischen

      „Ein Kommissar aus Deutschland muss sich einschalten, wenn sich abzeichnet, dass mehr als fünf Länder der Euro-Zone instabil sind und auf absehbare Zeit die Währungskriterien nicht erreichen können“, sagte der designierte Nachfolger Günter Verheugens in der EU-Kommission. Der am 10. Februar als Ministerpräsident aus dem Amt scheidende Politiker kündigte zugleich an, seinen Wohnsitz in Stuttgart zu behalten.

      Im Übrigen wolle er sich auch künftig für die CDU engagieren. „Innerhalb der EU-Kommission haben wir geklärt, dass wir unsere Parteimitgliedschaften nicht zum Ruhen bringen müssen, sondern in jeder Form an der öffentlichen Meinungsbildung mitwirken dürfen. Auch in Wahlkämpfen“, sagte Oettinger. Er sei „in jeder Form in der Lage, parteipolitisch Flagge zu zeigen“.