Konrad Zuse baute den ersten Computer der Welt

      Konrad Zuse baute den ersten Computer der Welt

      Konrad Zuse baute den ersten Computer der Welt

      Heute wäre Konrad Zuse 100 Jahre alt geworden – dem Computererfinder zu Ehren finden zahlreiche Sonderausstellunge statt

      "Ich brauch das Wohnzimmer", sagte Konrad Zuse 1935 zu seinen Eltern. Dort begann er, zu werkeln und zu konstruieren - und legte die Grundlagen für die Computertechnik: Sechs Jahre später präsentierte der Ingenieur den ersten programmierbaren Computer Z3. Vor 100 Jahren, am 22. Juni 1910, wurde Zuse in Berlin geboren. Die Rechenleistung der Zuse-Rechenmaschine von einst passt heute locker in die Hosentasche: Der Prozessor eines Smartphones ist gut 200 Millionen Mal schneller. Vor rund 70 Jahren hat Zuse die Grundlagen dafür gelegt.

      Als junger Ingenieur habe Zuse in den 30er-Jahren bei den Berliner Henschel-Flugzeugwerken "furchtbar viel rechnen" müssen, erzählt sein Sohn, der Informatikprofessor Horst Zuse. Sein Vater habe eine automatische Rechenmaschine mit einem Speicher gewollt. Die damaligen Rechenschieber und Logarithmentafeln hätten ihn genervt.

      Im Zweiten Weltkrieg soll Zuse an der Ostfront kämpfen, es wird ein kurzer Einsatz. Denn als Mitarbeiter eines Rüstungsunternehmens gilt er nur kurze Zeit später als "unabkömmlich". 1941 gründet er seine Firma "Zuse Apparatebau Berlin" und bekommt von den Nazis auch ausländische Arbeitskräfte zugewiesen. Ob sie freiwillig bei Zuse arbeiteten, wie dessen Sohn sagt, oder Zwangsarbeiter waren, darüber gehen die Meinungen auseinander.

      Zumindest einige von ihnen hätten ihre Arbeitsstelle nicht frei wählen können und seien daher als Zwangsarbeiter zu bezeichnen, sagt Hans Dieter Hellige, Technikprofessor an der Universität Bremen. Nach Ansicht von Hellige geriet Konrad Zuse ab Kriegsbeginn immer mehr in die Mühlen von Militärtechnik und Kriegswirtschaft: "Alles in allem blieb Zuse ein Außenseiter, der durch die Fixierung auf seine Erfindung immer mehr in das NS-System integriert wurde." NSDAP-Mitglied sei er nicht geworden. Horst Zuse sagt: "Mein Vater war kein Widerstandskämpfer, er ist aber auch nicht mitmarschiert."

      Im Mai 1941 stellt Konrad Zuse die spätere Z3 in Berlin einigen Wissenschaftlern vor. Ein Nachbau der im Krieg zerstörten Maschine steht heute im Deutschen Museum in München, wo vom 19. Juni bis zum 22. August eine Sonderausstellung Zuses Nachlass wie Baupläne und Skizzen präsentiert. Am 2. September wird neben vielen anderen Veranstaltungen im "Zuse-Jahr 2010" im Deutschen Technikmuseum Berlin eine neue Zuse-Dauerausstellung eröffnet.

      Als im Frühjahr 1945 die Sowjetarmee vor Berlin stand, verließ Zuse mit einem Lastwagen und 20 Kisten voller Computerteile des Nachfolgers Z4 die Stadt. 1946 gründete er seine neue Firma. Nach dem Krieg erfuhren die Amerikaner von Zuses Arbeit. Fast zeitgleich mit Zuses Z3 wurde in Iowa der Atanasoff-Berry-Computer fertig, der erste Digitalrechner. Im Gegensatz zum Z3 war er nicht programmierbar.

      Doch das Patentamt gab Konrad Zuse kein Patent. Begründung: Die Bauteile wie Relais und Schrittschalter seien bereits vorhanden gewesen, Zuse habe sie nur neu kombiniert. Konrad Zuses Unternehmen, die hessische Zuse KG, ging Mitte der 60er-Jahre in der Siemens AG auf. Zuse stieg aus und wurde Honorarprofessor in Göttingen. 1995 kam es auf Wunsch von Bill Gates zu einem Treffen, ein paar Monate vor Zuses Tod am 18. Dezember 1995. Vom Typ her habe sein Vater jedoch eher Ähnlichkeit mit Apple-Chef Steve Jobs gehabt, sagt Horst Zuse: Der Erfindergeist, die Originalität, der Humor. Doch ein Smartphone, da ist sich Horst Zuse sicher, würde sich sein Vater heute nicht kaufen. Privat kam er stets ohne PC aus.
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      Konrad Zuse vor 100 Jahre geboren

      Konrad Zuse vor 100 Jahre geboren
      Der Vater des Computers


      Am 22. Juni wäre Konrad Zuse 100 Jahre alt geworden. Der deutsche Ingenieur erfand den ersten Computer, auch wenn das in den USA lange Zeit angezweifelt wurde. Gegen Ende des Krieges waren fast alle seiner Maschinen zerstört, nur die Z4 konnte er in einem Pferdestall im Allgäu retten.

      Ein mechanisches Gehirn. Das werde er bauen. Eins, das den Schachweltmeister schlagen kann. Es ist 1935 in Berlin, als der 25-jährige Konrad Zuse mit diesen Worten seinen Vater Emil überrascht, einen steifen, preußischen Postbeamten mit Stehkragenhemd, dem sein Sohn schon mehrmals Kummer gemacht hat. Der mit einem Zeichentalent gesegnete Zuse will mal Reklamemaler werden, dann Filmregisseur oder Schauspieler.

      Weil seine Traumberufe aber wenig Geld einbringen würden, entscheidet er sich nach dem Abitur, Maschinenbau zu studieren – auch weil ihn Industrie-Anlagen immer schon fasziniert hatten. Und mit 14 hatte er das Patent für einen Mandarinen-Automaten angemeldet, der gegen Münzeinwurf Obst und das passende Wechselgeld ausgab. Meistens jedenfalls.

      Eine nervtötende Tätigkeit

      Das technische Studium macht ihm allerdings weniger Spaß als gedacht. Er wechselt zur Architektur und entwirft futuristische Städte. Auf Dauer begeistert ihn das nicht. Als Bauingenieur denkt er dann, die beste Verbindung aus Technik und Kunst gefunden zu haben. Auch das sollte ein ungeliebtes Studium werden, das er aber zu Ende bringt.

      Nach dem Diplom arbeitet er als Statiker für die Henschel-Flugzeug-Werke und füllt lange Listen aus. Eine "zeitraubende, häufig gleichartige Berechnung", wie er sagt. Eine nervtötende Tätigkeit dazu, die den kreativen und unsteten Zuse extrem langweilt. Und für die er auch zu faul ist, wie er zugibt. Um ihr zu entkommen, macht er sich Gedanken, wie er solche Rechnungen automatisieren kann – und überrascht 1935 seine Eltern. Denn nebenbei will er auch das elterliche Wohnzimmer benutzen, um die Maschine zu bauen.

      Der Vater willigt ein, alles andere als begeistert. 1936 kündigt der Sohn seine Stelle, um sich ganz der Konstruktion seiner Maschine zu widmen. Trotzdem leiht ihm die Familie Geld oder packt mit an, genauso wie viele Freunde – auch wenn kaum einer versteht, was da entsteht. Zuse kann sich mit niemandem austauschen, zumal seine Stärke nicht das Reden ist, sondern das Nachdenken, wie sein Sohn über ihn sagt.

      Doch 1938 steht die Z1. Auf den ersten Blick eine tischplattengroße, tonnenschwere Ansammlung von Schrott. Aber sie kann Zahlen in drei Sekunden addieren – wenn das Gerät aus 30 000 Einzelblechen funktioniert: Viel zu oft verhaken sich die Einzelteile. Aber das Prinzip und der Weg scheinen richtig. Ein Freund gibt ihm schließlich den Tipp, statt der Bleche elektrische Schalter zu benutzen.

      Ein blinder Mathematiker

      Nach dem Prototypen Z1 baut Zuse den Z2, mit dem er sich die Unterstützung der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt sichert. Die sieht ein gewisses Potenzial in seiner Erfindung. Er darf den Z3 bauen – den ersten funktionstüchtigen Computer der Welt. Stolz präsentiert er 1941 seinen drei Meter breiten Rechner. Bald gründet er die "Zuse Ingenieurbüro und Apparatebau". Seine Mitarbeiter: ein vorbestrafter Buchhalter und ein Konstrukteur, der jahrelang in einer Nervenheilanstalt saß. Sein erster Programmierer ist ein blinder Mathematiker.

      Gegen Ende des Krieges sind fast alle seiner Maschinen zerstört, nur die Z4 kann er in einem Pferdestall im Allgäu retten. Um zu überleben, verkauft er amerikanischen Soldaten selbst gemalte kitschige Ölbilder mit Gemsen. 1949 spürt ihn dort der Schweizer Mathematiker Eduard Stiefel auf, weil er die Z4 für die Eidgenössische Technische Hochschule in Zürich mieten will. Ein Jahr später ist sie der einzige Computer in Europa und der einzige weltweit, der zivil genutzt wird.

      Nach dem Krieg wird ihm erst spät Anerkennung gewährt – nachdem Howard Aiken, der US-Konstrukteur des "Mark 1", 1962 Zuse zum eigentlichen Erfinder des Computers gekürt hat.

      Kam heute morgen im Radio

      Kam heute morgen im Radio:

      Um einen normalen Notebook mit 1,6GHz mit seiner Technik zu simulieren
      benötigt man eine Fläche die 3x so Groß wie der Bodensee ist! Strom würde er von 800 Atomkernkraftwerken benötigen und die Kosten dafür würden sich auf ca. 8 Billionen belaufen!