Diamanten-Branche ringt um ihren Ruf

      Diamanten-Branche ringt um ihren Ruf

      Diamanten-Branche ringt um ihren Ruf

      Die Preise für Diamanten haben sich in den vergangenen Monaten kräftig erholt. Die Branche ringt jedoch um ihren Ruf. Selbst Zimbabwe darf wieder Rohdiamanten aus den umstrittenen Marange-Minen exportieren.
      Von Bettina Schulz, London

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      TeilenTwitter20. Juli 2010 Käufer von Diamanten müssen weiterhin befürchten, dass sie unmenschliche Arbeitsbedingungen und Verstöße gegen die Menschenrechte begünstigen. Trotz großer Kritik an Simbabwe, dessen Militär mit Gewalt die Diamantenproduktion in Marange kontrolliert, hat das afrikanische Land die Erlaubnis erhalten, die Rohdiamanten zu exportieren.

      In der kommenden Woche wartet der Sondergerichtshof in Den Haag im Prozess gegen den liberianischen Ex-Präsidenten und Kriegsherrn Charles Taylor auf das Supermodell Naomi Campbell. Sie soll im Prozess gegen Taylor ob seiner Kriegsverbrechen bezeugen, dass der ehemalige afrikanische Staatschef ihr bei einem Besuch 1997 einen Rohdiamanten schenkte. Dies würde beweisen, dass Taylor entgegen seiner Beteuerung Rohdiamanten besessen hatte. Ihm wird vorgeworfen, jene „Blutdiamanten“ verkauft und mir ihrem Erlös Waffen für die brutale Bürgerkriegsarmee in Sierra Leone beschafft zu haben.

      Wie schwer es der Diamanten-Branche angesichts kräftig steigender Preise fällt, die Finger von Rohdiamanten zu lassen, die unter menschenunwürdigen Bedingungen, Ausbeutung, Missachtung der Menschenrechte und Brutalität geschürft wurden, zeigt der Fall Zimbabwe: Das World Diamond Council hat auf seinem Jahrestreffen vor wenigen Tagen entschieden, dass Zimbabwe in Marange geschürfte Rohdiamanten wieder in begrenztem Umfang mit dem Gütesiegel des Kimberley Process (KP) exportieren darf. Die Entscheidung ist umstritten. Für manche Marktteilnehmer wie den Weltverband der Diamantenbörsen ist dies ein gutes Signal, denn es zeige, dass die Branche mit dem Kimberley Prozess einen Mindeststandard durchsetzen könne. Für Kritiker ist es ein Hohn, dass die politische Elite von Zimbabwe mit den Marange-Diamanten die Möglichkeit erhalten könnte, unter zweifelhaften Bedingungen geschürfte Steine zum Auffüllen ihrer Kassen zu nutzen.

      Der Kimberley Process ist eine freiwillige Vereinbarung der Branche, ausschließlich Rohdiamanten zu handeln, deren Erlöse nachweislich nicht genutzt wurden, um Bürgerkriege zu finanzieren. Nach dieser engen Definition sind Rohdiamanten der Marange-Minen nicht zu beanstanden. Aber das brutale Vorgehen des Militärs von Zimbabwe mit Ermordung, Vergewaltigung und Gewalt gegen illegale Diamantensucher in Marange und die rücksichtlose Eigennutzung der Erlöse für die politische Elite des Landes haben zu bitteren Disputen in der Diamanten-Branche geführt.

      Integration Zimbabwes, um überhaupt Einfluss zu behalten
      Die Regierung Zimbabwes verlangt, dass die Diamanten mit dem Gütesiegel KB exportiert werden dürfen. Bergbauminister Obert Moses Mpofu kündigte Anfang des Monats gar an, die Diamanten zu verkaufen, egal ob ihnen das Siegel der Unbedenklichkeit erteilt werde oder nicht. Die Regierung knüpft große Hoffnungen an die Marange-Minen, die zu den lukrativsten und ergiebigsten Diamantenminen der Welt zählen.

      Ein Export der Diamanten außerhalb des Kimberley Prozesses unterminiert den Versuch der Branche, das Problem der „Blutdiamanten“ in den Griff zu bekommen. Das Ziel des World Gold Council war daher, Zimbabwe und den Export der Marange-Diamanten trotz aller Brutalität des Regimes in den Kimberley-Prozess einzubinden, um überhaupt Einfluss zu behalten. An den Gesprächen nehmen auch Hilfsorganisationen teil.

      Menschenrechtsverletzungen beim Gütesiegel beachten
      Neun Monate blockierte das World Diamond Council offiziell den Export von Marange-Diamanten, um Zimbabwe Zeit einzuräumen, die Verhältnisse zu ändern und „Minimum-Standards“ einzuhalten. Kontrollbesuche fanden vergangenes Jahr statt. Inoffiziell gelangen dennoch Rohdiamanten von Marange in den Handel.

      Die schweren Menschenrechtsverletzungen in Marange wurden derweil immer wieder von Hilfsorganisationen und Anfang des Monats erst vom Europäischen Parlament kritisiert. Hilfsorganisationen hätten es gern gesehen, wenn sich die Verhältnisse in Marange deutlich verbessert hätten, bevor der Diamantenexport mit KP-Siegel wieder aufgenommen worden wäre. Auch fordert das Europäische Parlament, dass der Begriff „Blutdiamant“ im Kimberley Prozess neu definiert wird und bei dem Gütesiegel grundsätzlich Menschenrechtsverletzungen berücksichtigt werden, nicht nur im Zusammenhang mit Bürgerkrieg. Kritiker in der Branche warnen zudem, dass die Entscheidungsträger im Kimberley Prozess zu sehr mit dem World Gold Council, der Industrie und den Regierungen der Produktionsländer verquickt seien.
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      Schaden abgewendet

      Schaden abgewendet

      Der Kimberley-Interessenverbund (Kimberley Process, KP) hat jetzt entschieden, Exportdiamanten aus Marange/Simbabwe zu kontrollieren (AZ berichtete). Dies hatte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch schon seit vergangenem Jahr gefordert, weil sie u.a. grobe Verletzungen der Menschenrechte in diesem Abbaugebiet festgestellt habe. Namibia hat als Vermittler eine wichtige Rolle bei dieser Einigung gespielt, die sich nicht nur zugunsten von Menschenrechten auswirkt, sondern auch dazu beiträgt, dass Schaden von vielen Volkswirtschaften abgewendet wurde.

      Der Diamant ist ein Rohstoff, hinter dessen Glanz sich die Gratwanderung zwischen Segen und Fluch verbirgt. Diamanten sind in erster Linie ein Luxusprodukt, als Schmuck an Hals, Armgelenk und Finger. Ihre Förderung sichert tausenden Menschen einen Job und spült jährlich Milliarden in die Kassen von Diamantindustrie und Staatshaushalten der Länder, die entsprechende Vorkommen haben. Das bringt Vorteile. So rechnet der Welt-Diamantrat (World Diamond Council, WDC) vor, dass dank der Einnahmen aus dem Verkauf der Edelsteine weltweit rund fünf Millionen Menschen Zugang zu angemessener Gesundheitsversorgung haben.

      Gern wird Botswana als Beispiel zitiert: In Namibias Nachbarland genießen Kinder bis zum Alter von 13 Jahren kostenlose Bildung, weil diese durch Einnahmen aus dem Diamantgeschäft subventioniert wird. Und in unserem Land erwirtschafte die Diamantindustrie über 40% der jährlichen Exporteinnahmen. Eine Zahl, die freilich aus der Zeit vor der Weltwirtschaftskrise stammt. Dennoch: Selbst 2009, als die namibische Diamantförderung in Folge der Krise um mehr als die Hälfte auf knapp 940000 Karat zurückgegangen ist, hat der Staat nach Angaben des Bergbauministeriums allein durch Gebühren (Royalties) aus dem Diamantsektor rund 386 Mio. N$ eingenommen. Zum Vergleich: Aus anderen Bergbauzweigen seien 100,6 Millionen hinzugekommen.

      Weil die Edelsteine so lukrativ sind, ist eben auch die Gefahr des Missbrauchs stets vorhanden. Mit und wegen Diamanten wurden Bürgerkriege geführt bzw. finanziert. So entstand der Begriff der Blutdiamanten – oder auch Konfliktdiamanten, wie sie von denen genannt werden, die im Konflikt mit der hässlichen Realität stehen und das Wort deshalb entschärfen wollen. Dass Diamanten mit Kriegen in Verbindung gebracht werden, gefällt den Käufern der Edelsteine – die meisten gehen übrigens in Asien und den USA über den Ladentisch – überhaupt nicht. Es ist ein sensibles Geschäft. Darum sind alle Beteiligten stets bemüht, die Herkunft zu überwachen. Und deshalb ist die jüngste Einigung über die konfliktbeladenen Diamanten aus Simbabwe so wichtig – auch für die Autorität des Kimberley-Interessenverbundes (KP) als Organ der freiwilligen Selbstkontrolle. Dieser Verbund stellt Namibia übrigens ein funkelndes Zeugnis aus, was die Unbedenklichkeit der Herkunft seiner Diamanten betrifft.

      Simbabwes Konfliktdiamanten werden kontrolliert

      Simbabwes Konfliktdiamanten werden kontrolliert

      Durchbruch in letzter Minute auf der Sitzung des Welt-Diamantrates – Namibias Repräsentant hat den Weg geebnet
      Windhoek/St. Petersburg – Nach monatelangem Ringen hat sich der Kimberley-Interessenverbund (Kimberley Process, KP) jetzt darauf geeinigt, Exportdiamanten aus Marange/Simbabwe zu kontrollieren. Dies ist am vergangenen Donnerstag auf der diesjährigen Sitzung des Welt-Diamantrates (World Diamond Council, WDC) im russischen St. Petersburg beschlossen worden.

      Wie der WDC am Freitag mitteilte, sei Simbabwe erlaubt worden, zwei Exportsendungen mit Rohdiamanten aus den Marange-Feldern auszuführen – allerdings unter Aufsicht des Interessenverbundes KP. Ein KP-Komitee werde dann anhand des Berichts eine Position für künftige Exporte der Edelsteine formulieren. „Wenn dies ein Sieg für Alle ist, ist es ein Sieg für den Kimberley Process“, wird KP-Vorsitzender Boaz Hirsch in dem Bericht zitiert. Der WDC-Vorsitzende Eli Izhakoff wird mit folgenden Worten zitiert: „Wenngleich wir dies als Fortschritt bezeichnen können, bleibt noch viel zu tun.“

      Von einer „erfolgreichen Vereinbarung“ spricht der hiesige Verband der Diamantproduzenten (Diamond Manufacturers´ Association of Namibia) in einer Erklärung vom Freitag. Verbandsvorsitzender Burhan Seber erinnerte daran, dass über ein Exportverbot von Diamanten aus Marange seit Monaten diskutiert worden sei, nachdem diese Edelsteine auf der KP-Sitzung im November 2009 in Swakopmund als „nicht konform“ eingestuft worden seien. Den jetzigen „Durchbruch“ habe man laut Seber vor allem Kennedy Hamutenya, Diamantkommissar im namibischen Bergbauministerium, zu verdanken. Er habe gute Arbeit als Mediator geleistet und u.a. darauf hingewiesen, dass das Scheitern eines Abkommens „schwerwiegende Konsequenzen“ für die Industrie haben würde. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) lobte in einer Stellungnahme, dass durch die „Entscheidung in letzter Minute“ eine „Krise abgewendet“ werden konnte.

      Dem Kimberley-Interessenverbund gehören hauptsächlich Vertreter von Regierungen (aus Ländern, welche diese Edelsteine fördern) sowie der Diamantindustrie an. Als freiwillige Selbstkontrolle haben sie das Kimberley-Prozess-Zertifikationssystems (KPCS) eingeführt, das den Handel mit sogenannten Blutdiamanten (mit denen zum Beispiel Bürgerkriege finanziert werden) unterbinden soll.

      Diamantenglanz von Blut getrübt

      Diamantenglanz von Blut getrübt

      Der Kimberley-Prozess will Exporte aus Simbabwe zulassen
      Wenn nichts dazwischenkommt, kann Simbabwe im August damit beginnen, Diamanten zu exportieren. Das Land erhielt dafür Mitte Juli die Genehmigung vom sogenannten Kimberley-Prozess. Menschenrechtler sehen diese Entscheidung kritisch.

      In Sankt Petersburg entschieden die versammelten Fachleute, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt würden, könnten die Exporte aus der umstrittenen Marange-Mine beginnen. Südafrikanische Medien berichten, Diamanten im Wert von umgerechnet rund 1,3 Millionen Euro warteten auf den Export - das sei fast so viel, wie der gesamte Staatshaushalt Simbabwes.

      Kimberley-Prozess - hinter diesem Namen verbirgt sich eine Einrichtung, die Zertifikate für Diamanten ausstellt. Dabei geht es nicht um Größe, Reinheit oder Schliff. Es geht um die Herkunft. Regierungen, Diamantenindustrie und Nichtregierungsorganisationen hatten sich im Jahr 2000 im südafrikanischen Diamantenfundort Kimberley zusammengesetzt, um den Export von „Blutdiamanten“ zu verhindern. Allzu offensichtlich war geworden, dass Bürgerkriege mancherorts über Jahre mit illegalen Diamantenexporten finanziert wurden. Das Image der glitzernden Klunker geriet in Gefahr.

      Kontrollen zur Herkunft aller Rohdiamanten
      Ende 2002 einigten sich die Teilnehmer auf ein Zertifizierungsschema. Es sieht Kontrollen zur Herkunft aller Rohdiamanten auf dem Markt vor. Erfolgreich: Nach Einschätzung der Brüsseler EU-Kommission, die intensiv an dem Zustandekommen beteiligt war, machen Blutdiamanten inzwischen nur noch einen winzigen Teil des internationalen Diamantenhandels aus.

      So dauerten auch die Verhandlungen über Simbabwe lange. Laut Medienberichten beging die Armee des Landes Grausamkeiten und Hunderte Morde, als im Jahr 2006 illegale Diamantenschürfer die neu entdeckte Fundstätte auszubeuten begannen. Zwangsarbeit, Folter und Übergriffe sind weitere Vorwürfe an die Soldaten. Die Marange-Mine, so erklärten Nichtregierungsorganisationen, sei noch immer weitgehend unter Kontrolle des Militärs. Die Mine sei ein massiver Streitpunkt in der neuen Regierung, in der Präsident Robert Mugabes Zanu-PF-Partei mit Vertretern der ehemaligen Oppositionspartei MDC zusammensitzen. Es heißt, Mugabe nutze die Mineneinkünfte, um seine Taschen und die seiner Getreuen zu füllen.

      Noch als die Kimberley-Prozess-Teilnehmer im Juni in Tel Aviv zusammensaßen, um die Exporte aus der Marange-Fundstätte zu erörtern, überraschte Simbabwe mit schlechten Nachrichten: Farai Maguwu, Leiter einer Nichtregierungsorganisation, wurde verhaftet, nachdem er mit einem Kimberley-Prozess-Prüfer gesprochen hatte. Inzwischen ist er auf Kaution wieder frei.

      Das niederländische Institut für das südliche Afrika (NIZA) bleibt skeptisch, ob die Zulassung der Diamantenexporte aus Simbabwe vernünftig ist. Das Risiko, dass die Einkünfte zur Unterdrückung von Menschenrechtlern wie Maguwu verwendet werde, bleibe groß, sagte NIZA-Sprecher Bas Bijlsma. Nach seiner Auffassung wäre es besser gewesen, Strukturverbesserungen im Land abzuwarten, bevor eine Exportgenehmigung erteilt wird.

      Nur noch die Elfenbeinküste auf der Liste
      Gegenwärtig sieht der Kimberley-Prozess nur die Elfenbeinküste als kritische Weltregion. Dort würden Teile der Diamantenproduktion von Rebellen kontrolliert. Zertifikate für Diamanten aus der Elfenbeinküste gibt es daher nicht. In anderen ehemaligen Konfliktregionen wie Angola, Liberia und der Demokratischen Republik Kongo habe sich die Lage dagegen stabilisiert.

      Die Zertifikate können für Regierungen von Produktionsländern bares Geld wert sein. Sierra Leone etwa, das einstige Bürgerkriegsland, hat nach Angaben des Zertifizierungsgremiums 2006 bereits wieder Diamanten im Wert von 125 Millionen US-Dollar legal exportiert. Ob illegale Rohdiamanten tatsächlich in der Hand des ehemaligen Diktators Charles Taylor und seiner Getreuen waren, versucht derzeit das Internationale Sierra-Leone-Sondertribunal in Den Haag zu klären. Anfang August soll dort das Supermodel Naomi Campbell aussagen. Es heißt, Taylor habe ihr einst einen Rohdiamanten geschenkt - was ein Beleg dafür wäre, dass der Diktator tatsächlich im Besitz der begehrten, aber blutgetränkten Ware war.
      (Christoph Lennert / kna)