Winterreifen-Pflicht überschattet Biker-Event
Thurmansbang (dpa) - Wenn es schneit, kommen sie mit ihren Bikes aus ganz Europa zum legendären Elefantentreffen in den Bayerischen Wald. Doch ein neues Gesetz überschattet die Veranstaltung: Motorradfahrer brauchen Winterreifen, die es gar nicht gibt.
Tausende Biker kommen jedes Jahr Ende Januar auf ihren Zweirädern in den Bayerischen Wald. Egal ob es friert oder schneit. Doch das traditionelle Elefantentreffen, das an diesem Wochenende (29./30. Januar) in Thurmansbang stattfindet, ist bedroht - durch die neue Winterreifenpflicht. Demnach müssen auch Motorräder ausgewiesene Winterreifen haben. Aber für die meisten Maschinen gibt es gar keine solchen Gummis. Motorradexperten sehen deshalb das Gesetz der Bundesregierung als Schildbürgerstreich an.
Es sei überhaupt nicht abzusehen, ob potenzielle Teilnehmer vom neuen Gesetz abgeschreckt werden, sagt Organisator Wolfgang Schmitz vom Bundesverband der Motorradfahrer (BVDM). «Wir haben viele Anfragen aus Italien in der Geschäftsstelle gehabt.» Generell sind laut dem Verband die Winterfahrer unter den Bikern sehr verunsichert.
In der Vergangenheit kamen oftmals 4000 bis 5000 Motorradfahrer zum Elefantentreffen, die Italiener sind dabei nach den Deutschen meist die größte Gruppe. Aber auch Engländer, Franzosen, Spanier oder Niederländer zieht es immer wieder in den Bayerwald, um dort bei eisigen Temperaturen auf einer Wiese zu zelten. Laut BVDM handelt es sich um das weltweit älteste und größte Wintertreffen für Motorradfahrer. Das erste Treffen gab es 1956 bei Stuttgart. Damals kamen Fahrer der Zündapp-Gespanne KS 601 zusammen. Die Maschinen wurden als «Grüne Elefanten» bezeichnet - daher der Name.
Die meisten Motorradfahrer denken zwar gar nicht daran, in den Wintermonaten auf ihre Maschine zu steigen. Sie motten ihr Zweirad im Herbst ein und holen es erst wieder im Frühling aus der Garage. Doch eine kleinere Schar von Bikern trotzt jeder Wetterlage. Diese Gruppe ist nun in heller Aufruhr, seitdem Anfang Dezember die Winterreifenpflicht eingeführt wurde. Die Biker werfen dem Bundesverkehrsministerium vor, von der Materie keinen blassen Schimmer zu haben.
Dies ist auch in der Fachpresse abzulesen. Jürgen Schons, stellvertretender Chefredakteur des Blattes «Motorradfahrer», bezeichnet das Gesetz drastisch als «Schwachsinn im Quadrat». Sein Kollege Michael Pfeiffer, Chefredakteur von «Motorrad», formuliert etwas diplomatischer: «Dabei weiß eigentlich jeder halbwegs informierte Motorradfahrer, dass es für gut 95 Prozent aller Reifengrößen gar keine Winterreifen gibt», meint er. «Inzwischen fragen wir uns, ob der Gesetzgeber mit anderen Vorschriften ebenfalls so laienhaft umgeht.»
Der BVDM geht davon aus, dass das Gesetz gar nicht für Zweiräder gilt. Die Argumentation des Verbandes: Der Gesetzestext beziehe sich auf eine EU-Richtlinie, die wiederum nur für vierrädrige Fahrzeuge gelte. Das Ministerium in Berlin beeindruckt das nicht: Die Regelung gelte «für alle Kraftfahrzeuge», heißt es dort in einer Presseerklärung. «Dazu gehören auch Motorräder.» Der Bundesverband hofft nun auf einen Dialog mit dem Bundesministerium. Wenn es keine Gesetzesänderung gibt, wollen die Motorradfahrer-Lobbyisten klagen.
ADAC: Faktisch ein «Fahrverbot»
Die Winterreifenpflicht bedeutet für viele Motorräder laut ADAC ein faktisches Fahrverbot. Als Grund führt der Automobilclub an, dass Winterreifen für schwere Bikes praktisch nicht erhältlich seien. Anders sei die Situation für Fahrer von Rollern und leichteren Krafträdern. Hier gebe es ein breites Angebot an Winterreifen. Grundsätzlich rät der ADAC den Motorrad- und Roller-Fahrern vom Fahren auf verschneiten und vereisten Straßen ab.
Wer bei Winterwetter und glatten Straßen mit Sommerreifen erwischt wird, muss 40 Euro bezahlen. Dabei wird der Fahrer belangt, nicht der Halter. Behinderungen im Winterverkehr durch unpassende Reifen werden mit 80 Euro geahndet. Zusätzlich gibt es im zweiten Fall einen Punkt in Flensburg.
Thurmansbang (dpa) - Wenn es schneit, kommen sie mit ihren Bikes aus ganz Europa zum legendären Elefantentreffen in den Bayerischen Wald. Doch ein neues Gesetz überschattet die Veranstaltung: Motorradfahrer brauchen Winterreifen, die es gar nicht gibt.
Tausende Biker kommen jedes Jahr Ende Januar auf ihren Zweirädern in den Bayerischen Wald. Egal ob es friert oder schneit. Doch das traditionelle Elefantentreffen, das an diesem Wochenende (29./30. Januar) in Thurmansbang stattfindet, ist bedroht - durch die neue Winterreifenpflicht. Demnach müssen auch Motorräder ausgewiesene Winterreifen haben. Aber für die meisten Maschinen gibt es gar keine solchen Gummis. Motorradexperten sehen deshalb das Gesetz der Bundesregierung als Schildbürgerstreich an.
Es sei überhaupt nicht abzusehen, ob potenzielle Teilnehmer vom neuen Gesetz abgeschreckt werden, sagt Organisator Wolfgang Schmitz vom Bundesverband der Motorradfahrer (BVDM). «Wir haben viele Anfragen aus Italien in der Geschäftsstelle gehabt.» Generell sind laut dem Verband die Winterfahrer unter den Bikern sehr verunsichert.
In der Vergangenheit kamen oftmals 4000 bis 5000 Motorradfahrer zum Elefantentreffen, die Italiener sind dabei nach den Deutschen meist die größte Gruppe. Aber auch Engländer, Franzosen, Spanier oder Niederländer zieht es immer wieder in den Bayerwald, um dort bei eisigen Temperaturen auf einer Wiese zu zelten. Laut BVDM handelt es sich um das weltweit älteste und größte Wintertreffen für Motorradfahrer. Das erste Treffen gab es 1956 bei Stuttgart. Damals kamen Fahrer der Zündapp-Gespanne KS 601 zusammen. Die Maschinen wurden als «Grüne Elefanten» bezeichnet - daher der Name.
Die meisten Motorradfahrer denken zwar gar nicht daran, in den Wintermonaten auf ihre Maschine zu steigen. Sie motten ihr Zweirad im Herbst ein und holen es erst wieder im Frühling aus der Garage. Doch eine kleinere Schar von Bikern trotzt jeder Wetterlage. Diese Gruppe ist nun in heller Aufruhr, seitdem Anfang Dezember die Winterreifenpflicht eingeführt wurde. Die Biker werfen dem Bundesverkehrsministerium vor, von der Materie keinen blassen Schimmer zu haben.
Dies ist auch in der Fachpresse abzulesen. Jürgen Schons, stellvertretender Chefredakteur des Blattes «Motorradfahrer», bezeichnet das Gesetz drastisch als «Schwachsinn im Quadrat». Sein Kollege Michael Pfeiffer, Chefredakteur von «Motorrad», formuliert etwas diplomatischer: «Dabei weiß eigentlich jeder halbwegs informierte Motorradfahrer, dass es für gut 95 Prozent aller Reifengrößen gar keine Winterreifen gibt», meint er. «Inzwischen fragen wir uns, ob der Gesetzgeber mit anderen Vorschriften ebenfalls so laienhaft umgeht.»
Der BVDM geht davon aus, dass das Gesetz gar nicht für Zweiräder gilt. Die Argumentation des Verbandes: Der Gesetzestext beziehe sich auf eine EU-Richtlinie, die wiederum nur für vierrädrige Fahrzeuge gelte. Das Ministerium in Berlin beeindruckt das nicht: Die Regelung gelte «für alle Kraftfahrzeuge», heißt es dort in einer Presseerklärung. «Dazu gehören auch Motorräder.» Der Bundesverband hofft nun auf einen Dialog mit dem Bundesministerium. Wenn es keine Gesetzesänderung gibt, wollen die Motorradfahrer-Lobbyisten klagen.
ADAC: Faktisch ein «Fahrverbot»
Die Winterreifenpflicht bedeutet für viele Motorräder laut ADAC ein faktisches Fahrverbot. Als Grund führt der Automobilclub an, dass Winterreifen für schwere Bikes praktisch nicht erhältlich seien. Anders sei die Situation für Fahrer von Rollern und leichteren Krafträdern. Hier gebe es ein breites Angebot an Winterreifen. Grundsätzlich rät der ADAC den Motorrad- und Roller-Fahrern vom Fahren auf verschneiten und vereisten Straßen ab.
Wer bei Winterwetter und glatten Straßen mit Sommerreifen erwischt wird, muss 40 Euro bezahlen. Dabei wird der Fahrer belangt, nicht der Halter. Behinderungen im Winterverkehr durch unpassende Reifen werden mit 80 Euro geahndet. Zusätzlich gibt es im zweiten Fall einen Punkt in Flensburg.