Interessantes zu Formel 1 im Jahr 2011

    Vettel ist der zweite WM-Titel kaum noch zu nehmen

    Vettel ist der zweite WM-Titel kaum noch zu nehmen

    Nach der Sommerpause kann sich Sebastian Vettel schon in den nächsten drei Rennen die Titelverteidigung sichern. Aber der Deutsche will auch endlich wieder siegen.

    Nach der Sommerpause kann sich Sebastian Vettel schon in den nächsten drei Rennen die Titelverteidigung sichern. Aber der Deutsche will auch endlich wieder siegen.

    Deshalb wollte er nach der Tempojagd auf dem Hungaroring auch nur noch weg, möglichst schnell und weit. Und zwar dorthin, wo das Wetter es gut mit dem Red-Bull-Piloten meint. „Ich brauche jetzt endlich mal wieder ein bisschen Sonnenenergie“, befand Vettel müde lächelnd und verabschiedete sich, ohne zu verraten, wohin er düsen wird. Die Himmelsrichtung allerdings gab er immerhin vor – gen Süden.

    Der Titelverteidiger kann den Urlaub in Seelenruhe tun. In den nächsten Wochen ist Sommerpause in der Formel 1, da dreht sich nirgendwo ein Rad. Während der Auszeit darf weder getestet noch gewerkelt werden. Da das Arbeitsverbot für alle gleichermaßen gilt, hat der ehrgeizige Deutsche auch kein Problem mit der Zwangspause.

    Obwohl: Gedanklich wird er in den 14 Tagen kaum Ruhe finden. Viele Fragen nach dem Wieso, Warum, Weshalb stellen sich ihm, nachdem er auch im dritten Juli-Rennen am obersten Podestplatz vorbeigerauscht ist.

    Nach Rang zwei in Silverstone und Platz vier beim Heimrennen blieb ihm auch in der Donaumetropole nur der Ehrenplatz. Erneut musste er mit ansehen, wie ein Pilot von McLaren triumphierte. Nach Lewis Hamilton beim Großen Preis von Deutschland in der Vorwoche war es diesmal dessen Teamkollege Jenson Button der Schnellste gewesen.

    Vettels in den ersten acht Saisonrennen gezeigte Dominanz ist gebrochen. Daran gibt es keinen Zweifel mehr. „Das nagt an mir“, gibt er unumwunden zu.

    Dass McLaren und auch Ferrari ihre technischen Nachteile gegenüber Red Bull nivelliert haben, „muss man akzeptieren. Sie haben einen guten Job gemacht und fahren uns vor der Nase rum“, meinte Vettel. Dennoch bewies gerade das Rennen in Budapest, dass er als Fahrer im perfekten Zusammenspiel mit seinem Team problemlos auf die Angriffe seiner stärksten Konkurrenten reagieren kann.

    Trotz der chaotischen Bedingungen – insgesamt gab es unfassbare 86 Boxenstopps – zeigte Vettel bis auf einen kleinen Ausrutscher gegen die bei Regen ohnehin technisch überlegenen McLaren-Piloten eine fahrerisch und taktisch erstklassige Vorstellung. Bei trockenen Verhältnisse wäre er vermutlich vor Button über die Ziellinie gerast.

    Dass er ausgerechnet von dem Briten besiegt wurde, überraschte weniger. Sein Vorgänger als Weltmeister ist für seinen weichen und schonenden Fahrstil bekannt, der ihn gerade bei schwierigen, unberechenbaren Witterungsverhältnissen Vorteile verschafft. Realistisch gefährden kann Button den in der WM-Wertung mit 234 Punkten führenden Deutschen kaum noch. Exakt 100 Zähler trennen den Champion 2009 von seinem Titelnachfolger.

    Vettels ärgste Rivalen hingegen erwiesen sich in Budapest als chancenlos. Taktisches Missgeschick wie bei seinem Teamkollegen Marc Webber (149) oder Fahrfehler wie bei Lewis Hamilton (146) oder aber technische Unzulänglichkeiten wie bei Ferraris Nummer eins, Fernando Alonso (145), verhinderten ein Schmelzen des Punkterückstandes auf den 24-jährigen Heppenheimer.

    Wäre da nicht Vettels ungestillter Heißhunger nach Rennsiegen, könnte er der am 28. August in Spa mit dem Grand Prix von Belgien beginnenden zweiten Saisonhälfte entspannt entgegensehen. Bei seinem ersten WM-Triumph hatte er bei Halbzeit als Dritter hinter Webber (161) und Hamilton (157) mit 151 Punkten 98 Zähler weniger auf seinem Konto.

    Am Ende siegte er mit 256 Punkten. Wenn sich also nicht alles gegen ihn verschwört, dürfte ihm der zweite Weltmeistertitel in den acht ausstehenden Rennen nicht mehr zu nehmen sein.

    Zumal kein konstanter Siegfahrer – so wie er – in Sicht ist. Auch wenn Webber, Alonso, Hamilton und neuerdings auch Button von sich behaupten, nun jedes Rennen gewinnen zu wollen. Es wird wohl Wunschdenken bleiben. Zugleich, so zeigten es die zurückliegenden Wochen, nehmen sie sich in schöner Regelmäßigkeit wertvolle Punkte gegenseitig weg. Vettel ist das nur recht.

    Wenn alles optimal läuft, könnte er schon nach den Rennen in Spa, Monza und Singapur die Champagnerkorken knallen lassen. Dafür würden ihm bereits zwei dritte und ein fünfter Platz genügen, sollten Webber, Hamilton und Alonso nicht punkten. Sein Vorsprung auf Webber würde dann 125 Zähler betragen. Durch die höhere Anzahl von Siegen wäre er vom Australier nicht mehr einzuholen.

    Rechenspielchen dieser Art sind aber nichts für den Gejagten. Das überlässt der jüngste Weltmeister der Formel-1-Geschichte lieber anderen. Außerdem ist es nicht sein Ziel, um zweite und dritte Plätze zu fahren. „Vielmehr“, sagte er entschlossen, „müssen wir jetzt Vollgas geben und alles dafür tun, dass wir wieder gewinnen.“

    Nur das zählt für ihn und für Christian Horner. Auch sein Teamchef will jetzt erst einmal ein kleine Pause einlegen und etwas Abstand vom Rennzirkus gewinnen. „Vorher allerdings“, versprach er, „werden wir herausfinden, warum wir hier und da gegenüber McLaren und Ferrari verloren haben.“

    Großer Preis von Belgien: Rennen

    Großer Preis von Belgien: Rennen

    Michael Schumacher fuhr beim Großen Preis von Belgien in Spa-Francorchamps, am Wochenende seines 20-jährigen Jubiläums in der Formel 1, vom Ende des Feldes auf den fünften Platz nach vorne. Nico Rosberg beendete das Rennen als Sechster. Nach einem außergewöhnlichen Start von Position fünf führte Nico das Rennen am Ende der ersten Runde an.

    Mit den Plätzen fünf und sechs sammelte das Team insgesamt 18 Punkte, das entspricht der besten Punkteausbeute in dieser Saison bisher

    Michael fuhr eine Drei-Stopp-Strategie mit Boxenstopps in den Runden 4, 13 und 31. Seine Reifenstrategie: medium/soft/soft/soft

    Nico fuhr eine Zwei-Stopp-Strategie mit Boxenstopps in den Runden 11 und 30. Seine Reifenstrategie: soft/soft/medium

    Beide Fahrer machten zusammen 14 Positionen auf der ersten Rennrunde gut: bei Nico waren es vier (von P5 auf P1), bei Michael zehn


    Michael Schumacher
    „Das ist ein wundervolles Ende eines traumhaften Wochenendes hier in Spa. Mehr als Platz fünf war heute nicht möglich, aber es war ein gutes Gefühl, 19 Positionen gut zu machen. Ich möchte meiner Familie, meinen Freunden und meinen Fans hier für ihre Unterstützung danken – sie waren für mich eine zusätzliche Motivation. Sie haben ein spannendes Rennen mit einer klasse Strategie unseres Teams gesehen. Der Tag steckte für mich voller Emotionen und Überholmanöver. Zu Beginn hatte ich Bedenken, dass einige der herumfliegenden Teile mich treffen und mein Auto beschädigen könnten, aber ich hatte Glück und nichts geschah. Die Aufholjagd danach machte mir riesigen Spaß.“

    Nico Rosberg
    „Ich hatte eine starken Start und es war ein besonderes Gefühl für mich, das Rennen auf dieser fantastischen Strecke in einem Silberpfeil anzuführen. Es war toll, die Autos von Red Bull, McLaren und Ferrari in meinem Rückspiegel zu sehen, aber leider hatten wir nicht die Pace, um in Führung zu bleiben. Dennoch haben wir an diesem Wochenende Fortschritte erzielt – das ist ein gutes Ergebnis für das Team. Ich musste am Start und zur Rennmitte angreifen, das kostete mich etwas Zeit gegen Rennende. Zu diesem Zeitpunkt war Michael auf den schnelleren, weichen Reifen – somit konnte ich ihn nicht hinter mir halten. Jetzt freue ich mich auf Monza, wo wir uns weiter verbessern wollen.“

    Ross Brawn
    „Das war ein sehr spannendes Rennen. Nach Nicos exzellentem Start waren seine anfänglichen Führungsrunden eine gute Erinnerung daran, wie schön es ist, an der Spitze zu fahren. Beide Fahrer leisteten heute Nachmittag auf verschiedenen Strategien sehr gute Arbeit. Michael begann das Rennen auf der Medium Reifenmischung und kam schon in Runde vier an die Box, um auf die weiche Mischung zu wechseln. Die Safety Car-Phase spielte ihm in die Karten, so dass er zur Spitze aufschließen konnte. Auf den letzten Runden hatte er den besseren Reifen und holte Nico ein. Das ist ein sehr schönes Ergebnis für ihn an seinem Jubiläums-Wochenende, besonders nachdem er als Letzter gestartet war. Nico fuhr eine Zwei-Stopp-Strategie und obwohl dies zeitweise hart für seine Reifen war, erzielte er nach einem exzellenten Rennen Platz sechs. Gegen Rennende sagten wir ihm, dass er Sprit sparen solle: unter dem aktuellen Reglement nutzt man die Safety Car-Phase nicht mehr, um Benzin zu sparen, weil zusätzlich gesparter Sprit zusätzliches Gewicht für das Rennen bedeuten würde. Zu diesem Zeitpunkt lag sein Benzinverbrauch außerdem noch im Fenster. So oder so kostete es ihn nicht viel an Rundenzeit. Der entscheidende Faktor war, dass Michael am Ende auf den weichen Reifen fuhr, während Nico auf der Medium Reifenmischung war – diese war rund eine Sekunde pro Runde langsamer. Heute erzielten wir ein sehr gutes Mannschaftsergebnis und unsere bislang beste Punkteausbeute in dieser Saison.“

    Norbert Haug
    „Ein großartiges Rennen von Michael beim Jahrestag seiner Formel-1 Premiere hier in Spa. Der fünfte Platz vom letzten Startplatz aus ist ein exzellentes Resultat und wohl verdient. Michael fuhr ein fehlerfreies Rennen und das Team setzte ihn auf eine sehr gute Strategie: er startete mit der langsameren „Prime“ Reifenmischung, um diese schon früh eingesetzt zu haben. So konnte er auf seinem letzten Stint mit den weichen Reifen fahren, während Nico auf der Prime-Mischung fahren musste – das war entscheidend für das Endergebnis. Nico hatte von Platz fünf einen großartigen Start und führte das Rennen an. Der Speed unseres aktuellen Autos ist noch nicht gut genug, um an der Spitze zu bleiben. Nach der Sommerpause ist dieses Ergebnis zufriedenstellend für all unsere Teammitglieder – großes Lob an alle unsere Jungs in der Garage. In vierzehn Tagen versuchen wir’s in Monza wieder.“

    Belgien GP / Circuit de Spa-Francorchamps

    Belgien GP / Circuit de Spa-Francorchamps

    Red Bull dominant: Vettel siegt vor Webber
    Sebastian Vettel holt in einem trockenen, aber turbulenten Grand Prix seinen ersten Sieg in Spa-Francorchamps - Michael Schumacher zeigt tolle Aufholjagd

    Vor dem Start hat es hitzige Diskussionen über den Austausch von 17 Pirelli-Reifen mit Blasenbildung gegeben, angeblich auf Wunsch des Red-Bull-Teams. Doch auf der Strecke gaben Sebastian Vettel und Mark Webber die beste Antwort, indem sie sich bei trockenen Bedingungen in Spa-Francorchamps einen Doppelsieg beim Grand Prix von Belgien sicherten.

    "Das war eines unser dominantesten Rennen überhaupt", jubelt Teamchef Christian Horner, während 'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer lobend feststellt, dass sie jetzt auf einer Strecke gewonnen haben, "die nicht für sie gemacht ist". Und das noch dazu mit einem (wegen der Mischbedingungen im Qualifying) extremen Radsturz, durch den die Reifen so früh Blasen zogen, dass beide "Bullen" schon nach wenigen Runden an die Box kommen mussten.

    Vettels erster Sieg in Belgien
    "Das wird Red Bull schon Zeit gekostet haben, aber nicht so immens, dass sie das Rennen verloren hätten", analysiert Force-India-Testfahrer Nico Hülkenberg. Unterm Strich war die Performance dominant und Vettel feierte nach 44 Runden seinen ersten Sieg in Spa-Francorchamps, 3,7 Sekunden vor Webber. Jubilar Michael Schumacher (Mercedes) zeigte heute eine starke Leistung und belegte nach grandioser Aufholjagd Platz fünf.

    "Ich bin glücklich über den fünften Platz", so der 42-Jährige. "Ich habe sehr viel Spaß gehabt, weil ich sehr viele Möglichkeiten hatte, mich in Szene zu setzen, zu überholen und das Feld zu jagen. Nach der negativen Situation gestern, als wir Letzter waren, war das heute positiv." Dass sich Rosberg nur wegen des Benzindefizits nicht wehren konnte, bestreitet er: "Ich bin mir sicher, dass er in dem Moment voll am Gas war, insofern denke ich nicht, dass das eine Rolle gespielt hat."

    Schumacher landete sogar vor seinem Teamkollegen Nico Rosberg, der im Finish Benzin sparen musste und dem siebenfachen Weltmeister keine ernsthafte Gegenwehr leisten konnte. Für Rosberg ist Platz sechs unterm Strich eine kleine Enttäuschung, hatte er das Rennen doch zu Beginn angeführt. Ausschlaggebend dafür war sein Raketenstart von fünf auf zwei - und das, obwohl seine Bremsen am Vorstart ordentlich rauchten.

    Sensationelle erste Runde für Mercedes
    Auch Schumacher schnappte sich am Start gleich mal neun Konkurrenten, wohingegen Webber auf Rang 15 abrutschte. Rosberg fuhr indes innen durch La Source, saugte sich durch Eau Rouge an Vettel an und ging dank des hervorragenden Topspeeds sogar in Führung! "Das hat er ganz ausgefuchst gemacht", lobt Sportchef Norbert Haug. Zumal der Deutsche den ersten Platz sogar ein paar Runden lang verteidigen konnte.

    Nach der ersten Runde führte Rosberg vor Vettel, Felipe Massa (Ferrari), Lewis Hamilton (McLaren), Fernando Alonso (Ferrari) und Sensationsmann Sebastien Buemi (Toro Rosso). Letzterer profitierte von einer Fehleinschätzung Bruno Sennas, der seinen Renault in der ersten Kurve viel zu spät abbremste und direkt in den Toro Rosso von Jaime Alguersuari rauschte ("Habe mich verschätzt"). Weiter hinten räumte auch Timo Glock (Marussia-Virgin) ein bisschen ab.

    In der dritten Runde übernahm Vettel dann endlich die Führung, die er zwei Runden später beim Boxenstopp wieder an Rosberg abgeben musste. Der Mercedes-Pilot findet es "schön", endlich mal wieder ein Rennen angeführt "und den Stau mit den Red Bulls" hinter sich gehabt zu haben. Dass er in den letzten Runden noch von Schumacher geschnupft wurde, kann er verkraften: "Michael hatte die weichen Reifen, ich die harten - da konnte ich ihn nicht mehr hinter mir halten."

    Hamilton sieht die Schuld nicht bei sich
    Nach der turbulenten Anfangsphase kristallisierte sich heraus, dass die beiden Red Bulls, der nach einer problematischen ersten Runde stark aufholende Button und Alonso den Sieg unter sich ausmachen würden. Hamilton war zu jenem Zeitpunkt schon aus dem Rennen, hatte sich nach einer Kollision mit Kamui Kobayashi (Sauber) in Les Combes verabschiedet. Der Einschlag war so hart, dass der Brite zunächst sogar ein bisschen benommen wirkte.

    "Ich habe einen Fahrer gesehen, der nicht von seiner Linie abgefahren ist", nimmt Teamchef Martin Whitmarsh seinen Fahrer in Schutz, doch Experte Surer widerspricht dieser Einschätzung und kritisiert Hamilton: "Sorry, aber der ist ihm nicht hinten draufgefahren, sondern Lewis hat rübergezogen. Es war leider Lewis' Fehler. Er hat das im Rückspiegel falsch eingeschätzt, hat geglaubt, dass er vorne ist - war er aber nicht."

    Button holt erneut ein Podium
    Und wie sieht es Hamilton selbst? "Aus meiner Sicht heraus war ich vor meinem Konkurrenten", erklärt er. "Ich wurde getroffen und damit war mein Rennen zu Ende. So ist das im Motorsport. In diesem Jahr war ich schon oft nicht im Ziel. In diesem Grand Prix war das wieder einmal der Fall." In der Weltmeisterschaft hat er damit bereits mehr als 100 Punkte Rückstand, "aber das war schon vorher gelaufen", meint Hamilton achselzuckend.

    "Ein Podestplatz wäre drin gewesen", ist er allerdings überzeugt. Den holte aber nicht Hamilton, sondern Button, der nach dem Chaos in der ersten Runde nur noch an 19. Stelle gelegen war. "Wenn ich nach dem Start auch noch 13. gewesen wäre, wäre es viel einfacher gewesen, die Jungs herauszufordern", grinst der McLaren-Pilot, dem am Ende nicht einmal zehn Sekunden von Sieger Vettel trennten.

    Button war nach seinem späten Reifenwechsel der schnellste Mann im Feld und schnappte sich daher noch den bis dahin drittplatzierten Alonso. Der hatte zuvor schon einen Platz an Webber verloren, der seinerseits zwei Stints auf den härteren Pirelli-Primes fuhr und von dieser ungewöhnlichen Strategie profitierte. Als Webber in Eau Rouge an Alonso vorbeiging, blieben im Paddock einige Herzen stehen. Alonso sieht es gelassen: "Das war schon okay. Aggressiv, aber es hat Spaß gemacht."

    Vettel: Rennen mit Hirn
    Auch Vettels Reifen hielten am Ende gut. "Wir waren vor dem Rennen sehr besorgt und sind früh an die Box gekommen", erinnert sich der Sieger und überlegene WM-Leader. "Erstaunlicherweise war die Pace sehr gut und ich konnte nach dem ersten Stopp wieder die Führung übernehmen. Als ich Fernando überholt hatte, konnte ich mir einen Vorsprung aufbauen, aber ich musste das Rennen mehr managen als sonst."

    Genau wie Rosberg, der Benzin sparen musste, was Experte Surer "komisch" findet, "weil es ja eine Safety-Car-Phase gegeben hat, während der man Sprit sparen kann". Mercedes lieferte mit den Positionen fünf und sechs aber ein starkes Teamergebnis ab, auch wenn es bei weitem nicht reichte, um mit den drei Topteams mitzuhalten. Nur den anfangs starken, dann aber glück- und zahnlosen Massa (Achter) konnten sie hinter sich lassen.

    Siebter wurde nach einer ebenso unauffälligen wie effizienten Performance Adrian Sutil (Force India), der sich damit für seinen Fahrfehler im Qualifying rehabilitieren konnte. Auf Rang neun landete Witali Petrow (Renault), Zehnter wurde Pastor Maldonado (Williams). Sutils Teamkollege Paul di Resta schrammte um 6,3 Sekunden an einem WM-Punkt vorbei, landete aber noch vor Kobayashi und Senna, der heute enttäuschte.

    Senna gesteht Fahrfehler ein
    "Ich bin die erste Kurve noch nie zuvor mit viel Benzin gefahren, daher habe ich mich verschätzt", sagt er über den Crash in der ersten Kurve, für den er mit einer Durchfahrstrafe belegt wurde. "Sorry an Alguersuari, aber zumindest war meine Radaufhängung nicht kaputt, sodass ich weiterfahren konnte. Unsere Pace war ganz okay, finde ich, und ich konnte mit beiden Reifensätzen gute Erfahrungen sammeln. Jetzt freue ich mich auf Monza!"

    Pech hatte HRT-Rookie Daniel Ricciardo, der an 15. Stelle lag, als er seinen Dallara-Cosworth abstellen musste. Der fünfte Ausfall neben den beiden Toro Rossos und Hamilton war Sergio Perez, der kurz nach Halbzeit direkt die Sauber-Box ansteuerte und mit technischem Defekt aufgab. Aber von 24 Startern sahen auf der motorenmordenden Ardennenstrecke immerhin stattliche 19 Autos die schwarz-weiß karierte Zielflagge.

    In der Weltmeisterschaft führt Vettel (259) nun mit 92 Punkten Vorsprung auf Webber (167) - die "Privatparty" von Vater Norbert in der Red-Bull-Box erinnerte daher schon ein bisschen an ein WM-Tänzchen. Vettel kann die WM-Führung damit frühestens Mitte Oktober verlieren. Auch bei den Konstrukteuren hat Red Bull schon eine Hand am Pokal. Weiter geht's in zwei Wochen mit dem Grand Prix von Italien in Monza.
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    Noch zwei Spazierfahrten bis zum Titel

    Noch zwei Spazierfahrten bis zum Titel

    7. Sieg! In Singapur (25.9.) könnte er schon feiern


    Das war die richtige Antwort nach einer Mini-Krise!
    Nach drei Rennen ohne Sieg legte Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel (24) in Spa/Belgien ein perfektes Wochenende hin. Ein fehlerfreies Rennen von Startplatz 1, sein siebter Sieg der Saison vor Red-Bull-Kollege Mark Webber (Australien/verlängerte seinen Vertrag bis 2012) und McLaren-Pilot Jenson Button (England)!

    Seine Gegner können langsam einpacken. Locker und leicht geht es Richtung Titelverteidigung. Die Frage ist nicht mehr, wer dieses Jahr den Titel holt. Die Frage ist nur noch, wann Vettel feiern darf.

    Nur noch zwei Spazierfahrten bis zum Titel...
    Gewinnt Vettel auch die nächsten Rennen in Monza (11.9.) und Singapur (25.9.) und schlagen sich seine Gegner weiter selbst (wie Hamilton gestern, der nach Unfall ohne Punkte blieb), dann könnte er schon fünf Rennen vor Schluss uneinholbar vorne liegen. Mit 92 Punkten führt er derzeit.

    Vettel: „Ich gucke wirklich nicht nach dem WM-Stand. Aber klar: Ich bin schon einigermaßen beruhigt.“
    Im Rennen war er’s nicht. Vettel musste höllisch auf seine Reifen aufpassen. Sein Technik-Guru Adrian Newey weinte sogar, als er letztlich sicher ins Ziel kam. Teamchef Horner: „Wir haben uns große Sorgen um unsere Fahrer gemacht. Es war riskant, weil es im Training immerzu geregnet hatte und wir vor dem Rennen kein einziges Mal unsere Trockenreifen testen konnten. Deshalb musste Adrians Anspannung raus.“

    Auch Vettel wirkte riesig erleichtert. „Wir wussten nicht, wo genau wir nach der Sommerpause stehen. Dieser Sieg sagt alles.“

    Und der Konkurrenz hat‘s mal wieder die Sprache verschlagen...
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    Italien GP / Autodromo Nazionale di Monza

    Italien GP / Autodromo Nazionale di Monza

    "Schumi" glänzt bei souveränem Vettel-Sieg in Monza
    Sebastian Vettel triumphiert beim Monza-Event vor Jenson Button und Fernando Alonso - Irres Duell zwischen Michael Schumacher und Lewis Hamilton


    "Das Auto war einfach toll", sagt Sebastian Vettel (Red Bull) nach dem Großen Preis von Italien. In der Tat: Der amtierende Weltmeister legte beim letzten Formel-1-Rennen in der Europa-Saison eine klasse Geschwindigkeit vor und siegte nach 53 spannenden Runden souverän vor Jenson Button (McLaren) und Fernando Alonso (Ferrari). Die Titelverteidigung ist Vettel damit fast schon sicher.

    Der junge Deutsche fuhr in Monza bereits zum zweiten Mal als Sieger über die Ziellinie - 2008 hatte Vettel im Königlichen Park erstmals einen Formel-1-Grand-Prix auf Platz eins beschlossen. 2011 durfte sich der WM-Spitzenreiter über den achten Saisonerfolg und seinen 18. Rennsieg in der Königsklasse freuen. Bei sommerlichen Temperaturen wussten aber auch andere zu begeistern.

    Die spektakulärsten Szenen des 13. Saisonlaufs lieferten Michael Schumacher (Mercedes) und Lewis Hamilton (McLaren), die sich in der ersten Hälfte des Rennens regelrecht belagerten. Hamilton hetzte Schumacher vor sich her, konnte aber trotz zweier Überholzonen nicht am Routinier vorbeiziehen. "Schumi" wehrte sich vehement - und musste sich erst nach vielen Versuchen geschlagen geben.

    Hamilton und Schumacher in Bestform
    Das sehenswerte Duell zwischen den beiden Ex-Champions war aber nicht der einzige "Aufreger" im Großen Preis von Italien, denn schon am Start ging es mächtig zur Sache. Schuld daran war vor allem das Fahrzeug von Vitantonio Liuzzi (HRT), das über den Rasen angeschossen kam und gleich in der ersten Kurve Witali Petrow (Renault) und Nico Rosberg (Mercedes) abräumte - viele Trümmer flogen.

    Bei diesem heftigen Unfall blieben die Beteiligten zum Glück unverletzt, doch speziell für Rosberg war der frühe Ausfall sehr bitter: Der junge Deutsche hatte als einziger Pilot aus den Top 10 auf härtere Reifen gesetzt und wäre womöglich ins Rampenlicht gefahren. Sein Teamkollege Schumacher sprang aber nur zu gerne in die Bresche und sorgte mit einem sensationellen Start für großes Aufsehen.

    Der siebenmalige Weltmeister zeigte einmal mehr einen Blitzstart und nutzte die Konfusion auf den ersten Metern zu seinen Gunsten. Schumacher kehrte als Vierter aus der ersten Kurve zurück und sortierte sich hinter Alonso, Vettel und Hamilton ein. Auch hier hatte es Positionverschiebungen gegeben, denn Alonso entschied den Dreikampf um die Führung auf der Bremse klar für sich.

    Vettel greift nach Platz eins
    Danach war erst einmal Schluss mit Racing, denn aufgrund der Kollision in Kurve eins schickte die Rennleitung das Safety-Car auf die Strecke. Dadurch kamen die Protagonisten erst einmal zur Ruhe, ehe in Runde vier wieder freies Fahren angesagt war. Alonso und Vettel zogen sofort davon, Hamilton und Schumacher folgten dahinter. Und dann schienen sich die Ereignisse regelrecht zu überschlagen.

    Erst zog Schumacher noch auf der Zielgeraden an Hamilton vorbei, dann griff auch Vettel an. Der WM-Spitzenreiter setzte sich in der Curva Grande außen (!) neben Alonso und war mit seinen linken Reifen sogar kurz im Gras - einschüchtern ließ sich Vettel aber nicht, blieb auf dem Gas und sicherte sich so die Innenseite in der Variante della Roggia. Dort gab Alonso kleinbei - und Vettel war vorne!

    Während der Red-Bull-Fahrer den Grundstein für seinen späteren Sieg legte, begann für Mark Webber (Red Bull) der Anfang vom Ende: Der Australier krachte in der ersten Schikane leicht in das Heck von Felipa Massa (Ferrari) und rasierte sich den Frontflügel ab. Dies zwang Massa in einen Dreher, Webber konnte weiterfahren. Weit kam der Red-Bull-Pilot nicht: In der Parabolica flog er ab.

    Webber versenkt den Red Bull
    Augenscheinlich hatte sich ein Teil des Frontflügels unter dem Auto verklemmt, sodass Webber vor der berühmten Kurve zwar bremsen, aber nicht gut genug verzögern konnte. In den Reifenstapeln war Endstation - übrigens erstmals in dieser Saison für einen der beiden RB7. Zur Ruhe kamen die vielen Fans am Autodromo Nazionale di Monza trotzdem nicht, denn nun entbrannte vorne ein wildes Duell.

    Hamilton wollte Schumacher umgehend zurücküberholen, was immer wieder fehlschlug: Schumacher warf dem Briten die Türe jedes Mal aufs Neue vor der Nase zu und positionierte seinen Mercedes so geschickt, dass Hamilton stets zurückstecken musste. Der McLaren-Pilot schien auf den Geraden zudem in den Begrenzer zu geraten, sodass Schumacher in diesem Bereich leichte Vorteile hatte.

    In Runde 16 bekam dieser aufregende Zweikampf eine ganz neue Dimension, denn Button hatte mittlerweile zu den Streithähnen aufgeschlossen. Dann die Sensation: Der Brite schnappte sich seinen Landsmann Hamilton in der Curva Grande, vor der Ascari-Schikane ging er außen (!) auch an Schumacher vorbei! Zwei auf einen Streich - und dann begann der Reigen der ersten Boxenstopps.

    Die Reihenfolge kristallisiert sich heraus
    Nach und nach kamen die Piloten zum Service herein und die Positionen an der Spitze kristallisierten sich immer klarer heraus, blieben aber zunächst bestehen. Schumacher kehrte nach seinem Stopp vor Hamilton zurück auf die Strecke und das Spielchen begann erneut. In Runde 27 war aber Schluss: In der Ascari-Schikane ging Hamilton vorbei und setzte sich sofort ab. Schumacher war geschlagen.

    Nach der zweiten Boxenstopp-Serie fiel vorne dann die Entscheidung um den Podestplatz: Button hatte in den zurückliegenden Runden sukzessive aufgeholt und sich im Windschatten positioniert. In Runde 36 verlor Alonso schließlich auch den zweiten Rang an einen Konkurrenten, behielt aber den dritten Platz. Auf dieser Position sollte der Ferrari-Pilot letztendlich auch die Zielflagge sehen.

    Die restlichen Fahrer standen klar im Schatten der Duelle an der Spitze, doch es wurde nicht minder hart gekämpft. Vor allem Bruno Senna (Renault) tat sich in der Schlussphase hervor, indem er noch an Sebastien Buemi (Toro Rosso) vorbeiging und seinem Team zwei Punkte sicherte. Davor hatte sich - vergleichsweise unauffällig - Massa platziert. Der Brasilianer hatte sich vom Dreher gut erholt.

    Lotus gewinnt den "Petit Prix" der Neuen
    Mehr als Platz sechs hinter Vettel, Button, Alonso, Hamilton und Schumacher war aber nicht drin für den zweiten Ferrari-Fahrer, der unterm Strich aber klar vor Jaime Alguersuari (Toro Rosso), Paul di Resta (Force India) sowie Senna und Buemi seine Runden drehte. Pastor Maldonado und Rubens Barrichello (beide Williams) profitierten von zahlreichen Ausfällen, kamen aber nicht in die Punkte.

    Eine recht ordentliche Leistung zeigte das Lotus-Team um Heikki Kovalainen (13.) und Jarno Trulli (14.), indem es das Rennen der neuen Rennställe für sich entschied. Timo Glock (Marussia-Virgin) beschloss das Klassement als 15. Unter den Ausfällen befand sich auch Adrian Sutil (Force India), der seinen Rennwagen frühzeitig abstellen musste. Technische Defekte waren hierbei wohl der Grund.

    Einen rabenschwarzen Tag erlebte das Sauber-Team. Innerhalb von zehn Runden mussten Kamui Kobayashi und Sergio Perez die Segel streichen. Wie ein Uhrwerk lief dagegen der RB7 von Vettel an der Spitze des Feldes. Runde um Runde markierte der Deutsche neue Bestzeiten, ließ sich auch von den Überrundungen nicht aus dem Rhythmus bringen und kam nach 80 Minuten als Sieger ins Ziel.

    Red Bull dominiert die Formel-1-Saison
    Der Jubel der Fans war groß - auch, weil in Alonso zumindest ein Ferrari-Pilot mit auf dem Podest stand. Der Spanier ist nach der Europa-Saison der Formel 1 auch der schärfste WM-Verfolger von Vettel, der aber schon in wenigen Wochen alles klarmachen kann. Vettel führt nun mit 284 Punkten vor Alonso (172), Button (167), Webber (167) und Hamilton (158). Alle fünf haben noch Titelchancen.

    Hinter Massa (82) belegen Rosberg (56) und Schumacher (52) die Positionen sieben und acht. Nick Heidfeld (ehemals Renault/34) ist Zehnter, Sutil (24) folgt auf Position zwölf. Glock ist nach wie vor ohne Punkte. In der Teamwertung geht Red Bull (451) mit großem Vorsprung auf die Übersee-Tournee. McLaren (325) und Ferrari (254) folgen mit Mercedes (108) und Renault (70) auf den Plätzen.

    Randnotizen: Alguersuari (16) überholte seinen Toro-Rosso-Teamkollegen Buemi (13) in der Fahrerwertung - nicht unwichtig beim Kampf um die Cockpits für 2012. Force India (36) ging in Monza am Sauber-Team (35) vorbei und belegt nun Rang sechs. Die Chance auf einen Konter bietet sich den Beteiligten in zwei Wochen in Singapur - beim einzigen "Nachtrennen" im Formel-1-Kalender...
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    Vettels Weltmeister-Manöver im Grenzbereich

    Vettels Weltmeister-Manöver im Grenzbereich

    Sebastian Vettel wird wohl nach dem Rennen in Singapur als Weltmeister feststehen. Doch der wahre Formel-1-Fan muss nicht so lange warten – er hat seit der fünften Runde von Monza die absolute Gewissheit.

    Red-Bull-Teamchef Christian Horner steht im Fahrerlager des königlichen Parks von Monza und ist schier überwältigt: „Sebastian war heute in einer völlig anderen Klasse.“ Während der Red-Bull-Chef dies sagt, steht Sebastian Vettel nur ein paar Meter entfernt auf der obersten Stufe des Podiums und kämpft mit den Tränen. Wenig später, in der nüchternen Atmosphäre der rituellen FIA-Pressekonferenz mit den drei Siegern kommentiert der Heppenheimer diese Gefühle – mit dem ihm eigenen feinen Lächeln: „Hier hatte ich meinen ersten Sieg, und wenn man dann auf dem Podium steht, erinnert man sich an alles. Das sind Emotionen, die zu erleben nicht jedem vergönnt sind.“

    Vettel selbstkritisch über Start
    In der Tat: Vor drei Jahren kam er aus dem Nichts auf die erste Stufe des Podiums, heute steht er an selber Stelle und kann eigentlich seine erfolgreiche Titel-Verteidigung feiern. All das in nur drei Jahren! Man muss sich die Erfolgsliste von Sebastian Vettel auf der Zunge zergehen lassen, um zu verstehen, was sich im Leben des 24-jährigen Heppenheimers in diesen 36 Monaten abgespielt hat: 25 Pole Positions, 18 Siege, ein Titel ist ihm schon sicher, der zweite nur noch mathematisch zu nehmen. In allen Disziplinen – Poles, erster Sieg, erster Titel – ist er immer der Jüngste der Formel-Geschichte.

    Mehr geht einfach nicht. Was aber nicht ganz stimmt, wenn man den Großen Preis von Italien 2011 betrachtet: Vettel geht von der Pole aus ins Rennen – so wie es sich gehört für den amtierenden Weltmeister. Was sich nicht gehört, war der Start zum 13. Lauf dieser Saison. Vettel wird geradezu überrumpelt und sofort von Ferrari-Star Alonso von der Spitze verdrängt. Der Heppenheimer kommentiert die Szene dementsprechend kritisch: „Wenn man auf der Pole steht und dann geht einer vom vierten Startplatz als erster in die erste Kurve, dann gibt es da noch was zu verbessern“.

    Eine fünfte Runde, die es in sich hat
    Vettel könnte an dieser Stelle nun Entschuldigungen oder zumindest Erklärungen bringen. Er könnte darauf hinweisen, dass der Red Bull RB7 ein Auto von Adrian Newey ist. Der nun mal bekannt dafür ist, das aerodynamisch anspruchsvollste Konzept zu schneidern und deswegen schier alle Aggregate des Autos seiner Linienführung unterordnet. Was unter anderem zur Folge hat, dass die beim Red Bull eingesetzte Kupplung zu den kleinsten des Feldes gehört. Und auch die Kupplung ist, die sich unter dem Stichwort Hitzeentwicklung am schwersten tut. Der RB7 ist nun mal deswegen – bei aller Finesse und technischer Führung – beim Start eher unterdurchschnittlich.

    Eine solche Erklärung hätte Vettel ins Feld führen können, um sich im Rennen damit abzufinden, dass ein zweiter Platz hinter dem Ferrari-Platzhirschen Alonso ein feines Ergebnis wäre. Ideal auf dem Weg zum Titel. Kaum noch Risiko im Rennen, dafür die zweithöchste Punktezahl, was will man mehr? Und dann kommt die fünfte Runde und Sebastian Vettel zeigt, was er „mehr“ will. Er will „racen“, er will kämpfen, er will riskieren und er will gewinnen. „Ich bin hier, um zu gewinnen“, sagt er immer wieder. Und in dieser fünften Runde zeigt er, dass diese Worte nicht das störrische Fußstampfen eines spätpubertierenden Hochleistungssportlers sind, sondern die grenzenlose Selbst-Widmung eines Sportlers an diesem Sport.

    In zwei Wochen könnte Vettel schon Weltmeister sein

    In zwei Wochen könnte Vettel schon Weltmeister sein

    Nach dem Sieg in Monza kann Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel schon beim nächsten Rennen in Singapur seinen Titel verteidigen.

    Curva di Lesmo und Parabolica, Variante della Roggia und Ascari, es sind klangvolle Orte, die die Piloten beim Großen Preis von Italien passieren. Michael Schumacher und Lewis Hamilton jagten die berühmten Schikanen mit über 300 Stundenkilometern und nur eine Wagenlänge getrennt entlang, dass einem der Atem stockte. Fast die gesamte erste Hälfte des Rennens belauerten sich der deutsche Mercedes-Pilot und der britische McLaren-Mann, als ginge es nicht um den vierten Platz, sondern um den Sieg in Autodromo di Monza.

    Der war unumstritten. Sebastian Vettel war nach einem verloren Start gegen Fernando Alonso schnell enteilt und lag auch nach 53 Runden vorn, vor Hamiltons Teamkollegen Jenson Button und Fernando Alonso im Ferrari. Der Weltmeister im Toro Rosso stieß im Ziel erst einen spitzen Schrei aus und brüllte dann ins Bordmikrofon: „Wir haben sie vom Platz gefegt.“

    Monza ist keine Brot-und-Butter-Strecke der roten Bullen, das Auto galt für den Hochgeschwindigkeitskurs unter Experten als zu schwächlich. Die Erleichterung über den überraschenden Coup brach sich Bahn. Bei der Siegerehrung mischten sich auf seinem Gesicht Tränen zum Schweiß. „Ich musste an meinen ersten Sieg denken, es ist ein ganz tiefes Gefühl“, sagte Vettel, 2008 im Toro Rosso erstmals Erster in der Formel 1. Er sah mit seinem Strubbelhaaren aus, als wäre er gerade aus dem Bett gekommen.

    Neben ihm wagte Fernando Alonso ein schüchternes Lachen. Er war mit Platz drei gut bedient, aber im Ferrari-Land in Runde sieben von Vettel mit einem fantastischen Überholmanöver in der Curva Grande auch deklassiert worden. Vettel hatte bei der Attacke sogar über den Grünstreifen ausweichen müssen. „Du hast nichts zu verlieren im Kampf gegen Sebastian. Wenn du dich verteidigen musst, gehst du ein bisschen härter ran“, sagte Alonso schmunzelnd.

    Vettel lächelte zurück. „Alle die sagen, dass der Junge nicht überholen kann, haben heute gezeigt bekommen, wo der Hammer hängt“, lobte Teamchef Christian Horner seinen Topstar Vettel. Ihm ist der zwei Titel nur noch theoretisch zu nehmen.

    Red-Bull-Teamkollege Mark Webber hat die Hoffnung nach seinem frühen Ausfall schon aufgegeben. „Jetzt bin ich aus dem Rennen“, sagte der Australier, der von Platz zwei auf den vierten WM-Rang zurückrutschte.

    Beim nächsten Rennen in Singapur kann Vettel nun vorzeitig seinen zweiten Titel erringen. „Wow“, schrie er. „Das war bis jetzt ein unglaubliches Jahr. Wir haben uns in eine sehr gute Ausgangsposition gebracht. Wir nehmen Singapur genauso wie die anderen Rennen auch.“

    WM so gut wie entschieden
    Die Weltmeisterschaft ist so gut wie entschieden, bei manchem Verfolger aber geht es noch um die Ehre. Der nach seinem Comeback ziemlich gerupfte Altmeister gegen den glücklosen Champion von 2008, Schumacher und Hamilton drehten die ersten Schleifen, als hätte ihr letztes Stündlein geschlagen

    Aber egal ob nun Lesmo, Parabolica, della Roggia oder auf der Startgeraden – Hamilton konnten seinen McLaren nicht am Mercedes vorbeizirkeln. In Runde 12 konnte Hamilton kurz vorbeiziehen, um nach wenigen Metern den Platz mit Schumacher zurück zu tauschen. Das Duell verlief teilweise lebensgefährlich. Als Hamilton in der Ascari-Schikane drängelt, zog Schumacher nach innen und drängelte Hamilton kurz auf den Grünstreifen. Die Regeln untersagen einen vorsätzlichen Zickzack-Kurs zur Verteidigung. Beleidigt schnaubte Hamilton über Bordfunk: „Ich dachte, es wäre nur eine Bewegung erlaubt?“

    Normalerweise tauschen sich Renningenieur und Pilot über den Funk aus, aber ihn das hitzige Tete-a-Tete schaltete sich bei Mercedes sogar Teamchef Ross Brawn: „Michael, lass mehr Platz bei Ascari“, wies er seinen Starfahrer an. Renndirektor Charlie Whiting hatte Schumacher auf dem kurzen Dienstweg aufgefordert, etwas vorsichtiger zu sein.

    Kurz darauf präzisierte Brawn: „Stelle sicher, dass du genügend Platz lässt, wenn du die Richtung wechselst.“ Schumacher hatte verstanden: Er ließ Hamilton in Runde 28 passieren.

    Schumacher ist wieder da
    Schumacher beendete das Rennen hinter Hamilton auf Rang fünf, vor ihm alles Weltmeisterfahrer. „In den letzten Rennen haben wir den alten Michael Schumacher gesehen“, sagte Ross Brawn. Schumacher, der auch in Spa Fünfter geworden war, genoss es sichtlich, seinem Ruf von früher mal wieder gerecht geworden zu sein.

    „Natürlich geht man an die Grenzen, aber das ist auch mein Job“, sagte er auf die Verfolgungsjagd angesprochen. „Lewis ist bekannt dafür, dass er am Limit fährt und meine Reputation ist auch nicht gerade eine andere. Ich würde sagen, dass war Racing.“ Sein Chef sprang ihm zur Seite. „Es ein schmaler Grat zwischen Rennfahren und zu überpacen“, erklärte Brawn. „Ich denke, es war ein packendes, aber faires Duell. Es war gut für die Formel 1“ Motorsportchef Norbert Haug glaubte „die packendsten Bilder des Jahres“ gesehen zu haben.

    Lewis Hamilton, Stammgast bei den Rennkommissaren, biss sich im RTL-Interview auf die Zunge: Frage: „Haben Sie nicht hinter Schumacher eine Menge Zeit verloren?“ Antwort: „Ja.“ Frage: „Hat Schumacher Sie blockiert?“ Antwort: „Es macht keinen Unterschied.“ Frage: „Hätten Sie mehr Punkte machen können?“ Antwort: „Sicherlich.“

    Im gesamten WM-Verlauf wird die Episode sicherlich eine Randnotiz bleiben. Die Hauptrolle fällt Vettel zu. Seine Kritiker zieht der Fast-Weltmeister immer mehr auf seine Seite. „Ich war mir nicht so sicher, ob Sebastian wirklich ein Großer werden kann“, sagt Ex-Fahrer David Coulthard. „Jetzt habe ich immer weniger Zweifel.“

    Wie ein Weltmeister: Vettel dominiert in Singapur!

    Wie ein Weltmeister: Vettel dominiert in Singapur!

    Ein Punkt fehlt noch: Sebastian Vettel deklassiert beim Nachtrennen die Konkurrenz und gewinnt vor seinem letzten verbliebenen WM-Gegner Jenson Button


    Nach der Zieldurchfahrt wurde über Singapur ein imposantes Feuerwerk gezündet, das Sieger Sebastian Vettel galt. Der Red-Bull-Pilot fuhr heute in seiner eigenen Liga, geriet von der Pole-Position aus nie in Gefahr - aber die Feier anlässlich des zweiten WM-Titels muss trotzdem um zwei Wochen auf Suzuka verschoben werden.

    Im Grunde genommen stand Vettel schon nach Monza als neuer und alter Weltmeister fest, doch jetzt sind endgültig alle Rechenspielereien nur noch rein theoretischer Natur. Der einzige Konkurrent, der den Titelverteidiger noch entthronen kann, ist Jenson Button, aber selbst wenn der McLaren-Pilot von nun an alle Grands Prix gewinnen sollte (was höchst unwahrscheinlich ist), würde Vettel schon ein einziger zehnter Platz zur Fixierung des WM-Triumphs genügen.

    Nur noch theoretische Chancen
    "Ein guter Tag für Red Bull, aber solange es nicht vorbei ist, ist es nicht vorbei. Wir müssen es noch zu Ende bringen", grinst Teamchef Christian Horner. Mit einem Vettel in dieser Form reine Formsache, denn was der 24-jährige Deutsche heute abgezogen hat, ließ selbst die Konkurrenz staunen: "Sebastian hat keine Fehler gemacht, ist super gefahren, voller Selbstvertrauen", meint McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh anerkennend.

    Vettel erwischte einen guten Start und konnte seine Führung locker verteidigen, schon in der ersten Runde um zweieinhalb Sekunden davonziehen. Nach zehn Runden hatte er zehn Sekunden Vorsprung. In weiterer Folge ließ er sich weder durch eine Safety-Car-Phase noch durch Lotus-Pilot Heikki Kovalainen vom Weg abbringen, der ihn beim Rausfahren aus der Boxengasse beinahe gegen die Wand gedrängt hätte.

    Bei der Siegerehrung zerdrückte Vettel dann sogar ein Tränchen - oder doch nicht? "Ich hatte etwas im Auge", lacht der Seriensieger, dem die Trophäe bei einem der anspruchsvollsten Rennen der Saison besonders viel bedeutet: "Ich bin sehr gerührt. Der Sieg hier bedeutet mir sehr viel, denn Singapur ist eine meiner Lieblingsstrecken und die Herausforderung ist riesengroß. Es ist ein beinhartes Rennen, das aber auf der anderen Seite unheimlich viel Spaß macht."

    Am Ende hatte er gerade mal 1,7 Sekunden Vorsprung auf Button, der in den letzten Runden immer näher kam. Der McLaren-Pilot attackierte volles Rohr, weil einige vermuteten, dass Vettel mit dem Benzinverbrauch im roten Bereich sein könnte. "Auf der Ziellinie war es kein großer Abstand, aber ich hatte alles unter Kontrolle", relativiert Vettel. "Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Das Auto war fantastisch. Wenn ich pushen musste, konnte ich locker davonziehen."

    Start: Hamilton im Pech
    Die einzige Chance für die Konkurrenz wäre wohl der Start gewesen, aber den verpatzte nur ein Red-Bull-Fahrer, nämlich wieder einmal Mark Webber. Der Australier wurde von Button und Fernando Alonso (Ferrari) überholt. Pech hatte Lewis Hamilton (McLaren), der von der Linie hervorragend wegkam, aber von Webber nach links gedrückt wurde, keinen Platz mehr hatte, vom Gas gehen musste und auf Platz acht zurückfiel.

    Während sich das Feld relativ schnell einsortierte und wenig Action bot, war es wieder einmal Hamilton, der für Unterhaltung sorgte: Zuerst kassierte er die beiden Mercedes-Piloten Michael Schumacher und Nico Rosberg, dann tat er sich mit Felipe Massa (Ferrari) etwas schwerer. In der 13. Runde brannten ihm schließlich die Sicherungen durch, als er Massa attackierte, sich aber dahinter einreihen musste - und mit dem Frontflügel das Hinterrad des Ferrari aufschlitzte!

    "Es ist Lewis, dem immer wieder so ein Scheiß passiert, das ganze Jahr schon", kritisiert 'Motorsport-Total.com'-Experte die neuerliche Kollision von Hamilton, der dafür von den Rennkommissaren mit einer Durchfahrstrafe belegt wurde. "Er lenkt einfach ein - wie kann man so etwas machen? Lewis hat einfach ein Wochenende zum Vergessen. Es war völlig unnötig, denn man kann doch nicht einlenken, wenn man ein Auto neben sich hat."

    Im Finish brillierte Hamilton dann aber wieder, als er Massa, Adrian Sutil (Force India), Rosberg und den von seinem Vater Anthony gemanagten Paul di Resta (Force India) gleich zweimal überholte - mit Boxenstopp dazwischen. Das bedeutete am Ende Platz fünf für den Weltmeister von 2008, 12,3 Sekunden hinter Alonso. Letzterer hätte auch Dritter werden können, ließ sich aber in der entscheidenden Phase des Rennens von Webber überrumpeln.

    Webber: Wieder Start verpatzt
    Der hatte seine Siegchancen gleich zu Beginn verspielt: "Ich bekomme im Moment nicht die Starts wie im Vorjahr hin", analysiert Webber selbstkritisch. "Daran muss ich arbeiten, denn das macht alles schwieriger, besonders dann, wenn das DRS nicht funktioniert. Singapur ist schwierig für mich - ich war hier in den vergangenen Jahren nie superschnell. Seb ist ein verdienter Sieger, aber ich kann mit dem Podium auch zufrieden sein."

    Genau wie Button, der in Singapur noch nie sonderlich positiv aufgefallen ist, heute aber eine blitzsaubere Performance ablieferte: "Mehr war nicht drin. Ich habe alles aus dem Auto rausgeholt, speziell am Ende des Rennens", seufzt der Weltmeister von 2009. "Wir waren heute einfach nicht schnell genug, um zu gewinnen, aber auf so eine Leistung können wir hoffentlich für das nächste Rennen aufbauen."

    Sauer ist er auf einige der Nachzügler: "Ich verstehe, dass es hier schwierig ist, Platz zu machen, noch dazu waren die meisten in Positionskämpfen. Aber sie müssen respektieren, dass sie von den Autos, von denen sie überrundet werden, aus einem Grund überrundet werden, weil die nämlich schneller sind und um bessere Positionen kämpfen. Es gab einige frustrierende Momente im Rennen", ärgert sich der Zweite des Nachtrennens.

    "Einer war Kobayashi. Ich steckte eine Runde hinter ihm, kam nicht vorbei, bis er endlich zur Seite zog", gibt Button zu Protokoll und erinnert sich noch an eine weitere ärgerliche Situation: "Die zwei Williams kämpften gegeneinander. Wenn es in die letzte Runde geht und die Leute sehen, dass sie überrundet werden, denken sie, dass es ihre letzte Runde ist, also pushen sie und kämpfen gegeneinander. Dann kommst du natürlich nicht vorbei."

    Force India sammelt wertvolle Punkte
    Die positive Überraschung des Tages war Force India mit den Plätzen sechs und acht. Di Resta startete als einziger Fahrer mit den härteren Pirelli-Soft-Primes, lag durch seinen späten ersten Boxenstopp zwischendurch schon an dritter Stelle und hatte Glück, dass das Safety-Car zu einem für ihn günstigen Zeitpunkt auf die Strecke ging. "Trotzdem musst du es auch erst einmal umsetzen, gerade beim ersten Antreten in Singapur", klatscht Experte Surer Beifall.

    Di Resta blieb auch in der gleichen Runde wie Sieger Vettel, wohingegen der siebtplatzierte Rosberg schon überrundet wurde. Für den Mercedes-Piloten war es ein "durchwachsenes" Rennen: "Das Optimale wäre Platz sechs gewesen, ich bin Siebter geworden. Das ist okay, aber ich hatte kein optimales Setup und so haben die Reifen zu stark abgebaut." Zumindest blieb er im Gegensatz zu zwei Landsleuten von einem Crash verschont.

    Die größte Schrecksekunde besorgte Schumacher in der 30. Runde: Rosberg lieferte sich erst einen Fight mit Sutil und Sergio Perez (Sauber), baute dann aber einen kleinen Schnitzer ein, durch den Schumacher unerwartet aufschließen konnte. Der siebenfache Weltmeister attackierte den Perez-Sauber, aber der kleine Mexikaner ließ die Tür nicht offen stehen, sodass es krachte. "Für mich ein klarer Rennunfall", analysiert Surer.

    "Es war gewiss nicht ohne, aber es war nicht zu heftig. Mir geht es gut, kein Problem", gibt Schumacher nach seiner unfreiwilligen Flugeinlage Entwarnung. "Mein Vordermann ging etwas früh vom Gas und damit rechnete ich in diesem Moment leider nicht. Er blieb nicht auf der normalen Spur, sondern war halb innen. Deshalb musste er früh lupfen und dafür war ich zu dicht drauf. Ich wollte gerade dazu ansetzen, innen hineinzustechen."

    Glock von Ricciardo abgeschossen
    Bereits zuvor hatte sich Timo Glock mit gebrochener Radaufhängung verabschiedet: "Leider hat mich ein HRT von hinten am Rad getroffen. Von da an war in meinen Augen entweder der Reifen leicht beschädigt oder die Spur verstellt", sagt der Marussia-Virgin-Pilot. "Das Auto war auf jeden Fall immer sehr nervös, wenn ich in die Linkskurven einlenkte. So war es dann auch in dieser einen Ecke. Mir bracht das Heck aus und ich konnte nichts mehr machen. Das war's."

    Hinter Massa sicherte sich Perez als Zehnter immerhin einen Punkt, dennoch liegt Sauber nun schon zwölf Zähler hinter Force India. Pastor Maldonado (Williams) wurde Elfter, Sebastien Buemi (Toro Rosso) Zwölfter. Alle anderen blieben unauffällig - inklusive Bruno Senna (Renault), der seinen dritten Grand Prix seit dem Comeback als 15. beendete und seinem Teamkollegen Witali Petrow (17.) mehr als eine halbe Minute Rückstand aufbrummte.

    Weiter geht's in zwei Wochen in Suzuka, doch spannend ist in Wahrheit nur noch der Kampf um den jeweils zweiten Platz in Fahrer- und Konstrukteurswertung. Sogar Vettel lacht schon, wenn er nach seinen WM-Chancen gefragt wird: "Mit der Meisterschaft hat es nicht ganz geklappt, aber die Karten stehen gut, dass es in einem der nächsten Rennen klappen wird." Noch dazu, wo Suzuka vom Streckenlayout her als Red-Bull-Terrain gilt...

    Natürlich will nach außen noch niemand aussagen, dass man den WM-Titel bereits in der Tasche hat, aber Red-Bull-Sportchef Helmut Marko findet recht offene Worte, wenn er sagt: "Theoretisch ist die Weltmeisterschaft gelaufen, weil keiner der anderen stark genug ist, um alle fünf Rennen zu gewinnen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass da noch etwas passiert", so der Österreicher. Zweiter Matchball Vettel: 9. Oktober, Suzuka, Japan.
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    Formel 1: Vettel – Rekordjäger mit Bodenhaftung

    Formel 1: Vettel – Rekordjäger mit Bodenhaftung

    Formel 1: Sebastian Vettel wird von Alan Jones schon mit Ayrton Senna verglichen, erinnert trotz des nahen Titels aber auch an das Zwei-Minuten-Debakel der Bayern in der Champions League


    Es war zwar noch nicht die erhoffte Party für den zweiten WM-Titel, aber Sebastian Vettel feierte in Singapur mit seinem Team schon mal ein bisschen für die große Fete in zwei Wochen in Japan vor. „In der Box waren 50 Grad. Die Drinks gehen bei dem Wasserverlust direkt ins Blut. Da hat man schnell viel Spaß“, sagte der 24 Jahre alte Heppenheimer grinsend: „Derzeit läuft es perfekt, das Auto war in Singapur pro Runde teils fast eine Sekunde schneller als die Konkurrenz und ich hätte noch schneller fahren können“, sagte Vettel: „Aber es gibt keinen Grund, vom Gas zu gehen. Wir wollen so weitermachen, in den nächsten Rennen und im nächsten Jahr.“
    Die bei seinem neunten Saisonsieg im 14. Rennen deklassierte Konkurrenz wird es mit Schrecken hören. Genau wie seine Aussage über weitere Rekorde. Bis zu den 91 Grand-Prix-Erfolgen von Michael Schumacher sei es zwar „noch ein langer Weg zu gehen“, aber Vettel (19 Siege) scheint bereit dazu.
    Schon jetzt hält er die Bestmarken als jüngster Fahrer, der einen Punkt geholt, eine Pole Position erkämpft, einen Grand Prix und eine Weltmeisterschaft gewonnen hat. Und seit Sonntag ist er nur noch einen Punkt davon entfernt, der jüngste Doppel-Weltmeister der Geschichte zu sein. Theoretisch kann er sich in den verbleibenden Rennen noch die Rekorde für die meisten Saisonsiege (Vettel hat bislang deren neun, Michael Schumacher feierte 13 im Jahr 2004) und meisten Pole Positions (Vettel 11, der Rekord von Nigel Mansell liegt bei 14 im Jahr 1992) holen.
    Eine weitere Zahl belegt Vettels Überlegenheit in dieser Saison. 587 von 839 Runden führte der Titelverteidiger bereits das Feld an. McLaren-Pilot Button, Weltmeister 2009 und einziger verbliebener theoretischer Konkurrent im Titelkampf, kommt in seiner gesamten Karriere auf 601 Führungsrunden.
    Ex-Weltmeister Alan Jones vergleicht Vettel deshalb schon mit dem vielleicht größten Rennfahrer der Formel-1-Geschichte. „Senna war ein absoluter Meister darin, eine Runde zur richtigen Zeit rauszuhauen, und Vettel macht das genauso“, sagte der Australier: „Er ist noch früh in seiner Karriere, aber ich denke, dass wir in ein paar Jahren sagen werden, dass er einer der Größten dieses Sports ist.“
    Michael Schumacher hatte in Vettels Alter noch keinen einzigen seiner sieben Titel gewonnen. Und der Rekord-Weltmeister findet, dass sein „Siegeshunger und der Willen, sich immer zu verbessern“, Vettel zu einem „großen Champion“ machen.

    Wichtig ist auch seine Fähigkeit, nie die Bodenhaftung zu verlieren. So warnte Vettel trotz der glasklaren Situation – ein zehnter Platz in den verbleibenden fünf Saisonrennen reicht definitiv zum Titel – vor Arroganz. „Beim Champions-League-Finale Bayern gegen Manchester haben die in zwei Minuten der Nachspielzeit das Ding noch verloren“, sagte Vettel: „Wir haben das ganze Jahr versucht, nicht abzuheben, und das sollten wir beibehalten.“
    Holt Vettel am 9. Oktober in Japan den einen Punkt und damit seinen zweiten WM-Titel, würde sich auch ein Kreis schließen. Schließlich habe ihn Suzuka einst inspiriert, einmal Formel-1-Fahrer zu werden. „Da war ich ein kleiner Junge. Mein Vater war ein großer Formel-1-Fan. Damals wie heute war Suzuka einer der Höhepunkte“, sagte Vettel. Und der Kurs scheint ihm zu liegen, schließlich hat er die letzten beiden Jahre dort gewonnen.

    Ecclestone hält Weltmeister Vettel für "unschlagbar&quo

    Ecclestone hält Weltmeister Vettel für "unschlagbar"

    Sebastian Vettel hat in Formel-1-Boss Bernie Ecclestone einen großen Fan, der ihn mit Lob überschüttet – und ihm einen humorvollen Rat gibt.

    „Sebastian hat einfach diesen absoluten Siegeswillen und sich bei Red Bull ein Paket geschnürt, das ihn unschlagbar macht“, sagte Ecclestone dem Magazin "Sport Bild": „Und er hat immer die Füße am Boden, kein Erfolg der Welt würde ihn abheben lassen. Das ist immens wichtig. Seb ist immer entspannt, er ist relaxed. Deshalb geht ihm alles so leicht von der Hand.“

    Kurz vor dem Gewinn seines zweiten Titels, von dem ihn noch ein einziger Punkt trennt, überschütteten Ecclestone und Vettels Red-Bull-Teamchef Christian Horner den jungen Deutschen förmlich mit Lob.

    „Besonders beeindruckt hat mich, wie er seinen Kritikern gezeigt hat, wo der Hammer hängt“, sagte Horner der "Sport Bild": „Immer wieder wurde ihm vorgeworfen, er sei kein Racer und würde nur auf Ankommen fahren. Dass das nicht stimmt, hat er endgültig in Monza mit seinem Überholmanöver gegen Fernando Alonso bewiesen. Er ist in dieser Saison einfach der Fahrer schlechthin, zeigt unheimlichen Speed und Konstanz.“

    Von einem Wechsel Vettels zu Ferrari will Horner derzeit nichts wissen: „Mein Gefühl sagt mir, dass er sich mit dem Bullen auf dem Auto derzeit wohler fühlt als mit dem springenden Pferd. Und wenn’s nach mir geht, geht er erst kurz vor seiner Formel-1-Rente zu Ferrari. Ihm gefällt das Umfeld bei Red Bull, wir sind stolz, ihn als Fahrer zu haben. Das funktioniert einfach - und hoffentlich noch viele, viele Jahre.“

    Ecclestone gab sich bei der Frage nach einem möglichen Wechsel Vettels zu Ferrari humorvoll: „Aus heutiger Sicht wäre das zumindest ein Mittel, um Sebastian ein wenig einzubremsen.“

    Formel-1-Pilot Vettel

    Formel-1-Pilot Vettel

    Auf den Spuren der Legenden

    Noch ein Punkt zum Titel: Wird Sebastian Vettel in Japan mindestens Zehnter, ist er vier Rennen vor Saisonende Formel-1-Weltmeister. So etwas gelang vor ihm nur zwei anderen Fahrern. Einer davon ist Michael Schumacher, der 2002 früher als jeder andere triumphierte - auch dank eines Skandalrennens.

    Vor zehn Jahren wäre Sebastian Vettel längst Weltmeister gewesen. Damals galt in der Formel 1 noch ein anderes Punktesystem. Der Sieger bekam zehn Zähler, der Zweite sechs. Platz drei brachte vier Punkte, Platz vier drei, Platz fünf zwei, und der Sechste erhielt noch einen Zähler. Umgerechnet auf die Platzierungen der aktuellen Saison hätte Vettel so bereits nach dem vergangenen Rennen in Singapur seine Titelverteidigung feiern können.

    Wegen der geltenden Punktevergabe muss Vettel noch warten, aber vermutlich nicht mehr lange. Denn schon beim Großen Preis von Japan am Sonntag (8 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) genügt ihm ein zehnter Platz, um den noch fehlenden Punkt zu holen, der für seinen zweiten Titel in Folge nötig ist. Damit wäre er vier Rennen vor Ende der Saison Champion. Eine Leistung, die vor Vettel nur die legendären Racer Nigel Mansell und Michael Schumacher vollbrachten. Dem deutschen Rekordweltmeister gelang das sogar gleich dreimal - vor neun Jahren so früh wie niemand vor oder nach ihm.

    Es war die Saison 2002, die einen festen Platz in den Geschichtsbüchern der Formel 1 hat. Am 21. Juli fand in Magny-Cours der Große Preis von Frankreich statt. Es war das elfte von 17 Saisonrennen. Michael Schumacher gewann im Ferrari und sicherte sich damit sechs Rennen vor Schluss seinen fünften WM-Titel.

    Stallorder-Funkspruch von Ferrari live im Fernsehen übertragen

    Doch es ist eine Bestmarke mit Makel. Schumacher konnte seine Titelverteidigung nur deshalb so früh feiern, weil Ferrari-Teamchef Jean Todt zuvor beim Großen Preis von Österreich an den zweiten Ferrari-Piloten, Rubens Barrichello, funkte: "Let Michael pass for the championship." Der Brasilianer machte widerwillig Platz, ließ Schumacher vorbeiziehen und musste sich mit Platz zwei begnügen.

    Fatal für Ferrari: Der Funkspruch wurde live im Fernsehen übertragen, die Formel-1-Fans in aller Welt wurden Zeugen der Stallorder. Bereits bei der Siegerehrung pfiffen die Zuschauer Schumacher gnadenlos aus. Der überließ mit versteinerter Miene Barrichello das oberste Podest. Für Schumacher gab es in Österreich zehn anstatt sechs Punkte, für Barrichello sechs und nicht zehn. Es waren genau diese vier Punkte, die bereits nach dem Frankreich-Rennen den Unterschied und Schumacher so früh zum Titelträger machten.

    Ralf Schumacher zu untalentiert, Juan Pablo Montoya zu ungestüm

    Außer dem teaminternen Deal war aber auch die schwache Konkurrenz 2002 dafür verantwortlich, dass Schumacher die Formel 1 fast nach Belieben beherrschte. Die beiden McLaren-Mercedes-Piloten David Coulthard und Kimi Räikkönen hatten damals ein zu langsames Auto. Der Williams-BMW hingegen war dem Ferrari zeitweise sogar überlegen, doch die Klasse der Fahrer reichte nicht aus. Ralf Schumacher fehlte das Talent seines älteren Bruders Michael, Juan Pablo Montoya stand sich häufig selbst im Weg.

    Der Kolumbianer brachte sich wegen seiner häufig übermotivierten Fahrweise um die WM-Chance. Dass es die gab, belegen die Qualifyings 2002: Wie Michael Schumacher ging Montoya siebenmal von Startplatz eins aus ins Rennen. Während der spätere Weltmeister aber elf Rennen gewinnen konnte, holte der Williams-BMW-Pilot keinen einzigen Sieg, sondern fiel eher mit Durchfahrtsstrafen (wie in Malaysia) und Kollisionen (wie in Brasilien) auf.

    Mansell 1992 fünf Rennen vor Saisonende Weltmeister

    Mit seinem frühen Titel 2002 knackte Schumacher den Rekord von Nigel Mansell. Der Engländer wurde 1992 fünf Rennen vor Saisonende zum ersten und einzigen Mal Weltmeister. Dazu genügte ihm beim Großen Preis von Ungarn ein zweiter Platz hinter Ayrton Senna, um nach dem elften von 16. Rennen zu triumphieren. Nachdem Mansell am 16. August als Weltmeister 1992 feststand, eroberte beim folgenden Rennen im belgischen Spa-Francorchamps ein junger Deutscher zum ersten Mal in seiner Karriere den obersten Podestplatz: Michael Schumacher, damals im Benetton-Ford unterwegs. Zwei Jahre später holte er 1994 im letzten von 16 Rennen in Australien seinen ersten WM-Titel.

    Deutlich früher durfte Schumacher - neben der Rekord-Saison 2002 - in den Jahren 2001 und 2004 jubeln, als er jeweils im Ferrari vier Rennen vor Schluss als Champion feststand. 2004 stellte er den bis heute gültigen Rekord der meisten Grand-Prix-Siege in einer Saison auf: Von 18 Rennen gewann Schumacher 13.

    Eine Bestmarke, die Vettel in dieser Saison knacken kann. Allerdings müsste er dafür alle fünf ausstehenden Rennen gewinnen, käme dann mit seinen neun bisherigen Erfolgen auf 14 erste Plätze. Deutlich einfacher ist wohl, dass sich der 24-Jährige in Japan vier Rennen vor Saisonende zum Champion kürt und damit hinter Schumacher und Mansell einreiht, was den frühesten Zeitpunkt eines WM-Titels betrifft. Überholen würde er damit die Legenden Jackie Stewart (Weltmeister 1971 und 1969) und Jim Clark (Weltmeister 1965 und 1963), die ihre beiden Triumphe jeweils drei Rennen vor Saisonende feierten.

    Clark gelang bei seinem Titel 1965 etwas ganz Besonderes: Wann immer er ein Rennen zu Ende fuhr, überquerte der Schotte als Sieger die Ziellinie. Bei Ankunft stets Erster - das hat noch nicht einmal Michael Schumacher geschafft.

    Suzuka: Button besiegt den neuen Weltmeister!

    Suzuka: Button besiegt den neuen Weltmeister!

    Von Jenson Button und Fernando Alonso geschlagen, aber Sebastian Vettel krönt sich mit Platz drei in Suzuka zum jüngsten Doppelweltmeister aller Zeiten

    Bravo, Sebastian Vettel! Der Red-Bull-Pilot schrieb beim heutigen Grand Prix von Japan in Suzuka Sportgeschichte und krönte sich zum jüngsten Doppelweltmeister aller Zeiten in der Formel 1. Mit gerade mal 24 Jahren und schon im 15. von 19 Rennen krönte er eine fast makellose Saison, in der dem Ausnahmetalent aus Heppenheim niemand das Wasser reichen konnte.

    Vettel hätte seine WM-Party am liebsten mit einem Sieg gefeiert, doch das war ihm nicht vergönnt: "Ich bin sicher, du hättest das Rennen lieber gewonnen, aber trotzdem", funkte Renningenieur Guillaume Rocquelin während der Auslaufrunde, in der der alte und neue Champion unter dem Helm das eine oder andere Tränchen verdrücken musste: "Ich danke jedem Einzelnen von euch. Wir haben nichts als gegeben betrachtet und wir haben es geschafft!"

    Vier Rennen vor Schluss Weltmeister
    "Es fällt mir schwer, irgendwo anzufangen", erklärt Vettel mit gebrochener Stimme. "Es war ein fantastisches Jahr, auch wenn es noch nicht vorbei ist. Es ist klasse, dass wir unser Saisonziel schon so früh erreicht haben. Die anderen wissen auch, wie man Rennen fährt, aber dieses Jahr waren wir ihnen immer einen Schritt voraus." WM-Titel Nummer zwei sei allerdings "genauso verwirrend wie der erste, muss ich sagen", grinst er.

    Den Sieg sicherte sich heute völlig verdient Jenson Button, der Dominator des Wochenendes. Der McLaren-Pilot lieferte eine perfekte Fahrt ab und feierte seinen vielleicht emotionalsten Triumph in der Formel 1 in der Heimat seiner japanischen Model-Freundin Jessica Michibata, die ihm gemeinsam mit Vater John Button begeistert zujubelte. "Diese Strecke ist für uns alle etwas Besonderes. Wir lieben Suzuka. Vor so einem Publikum zu gewinnen, bedeutet mir viel", jubelt Button.

    Dabei hatte der Nachmittag für ihn mäßig begonnen, denn nach einem tollen Start wurde er von Vettel innen in die Wiese abgedrängt. "Dafür muss er eine Strafe bekommen", forderte Button am Boxenfunk, aber die Rennkommissare um Ex-Weltmeister Alan Jones erhörten ihn nicht - eine Entscheidung, die Experte Marc Surer verwundert: "Wenn das andere Auto schon neben dir ist, musst du ihm eine Spur Platz geben. Das hat Sebastian definitiv nicht gemacht."

    Zunächst kaum Überholmanöver
    Also musste Button kurz lupfen, was sein Teamkollege Lewis Hamilton nutzte, um an ihm vorbeizuziehen. Dahinter blieb die Reihenfolge zunächst unverändert - und auch als in der dritten Runde der verstellbare Heckflügel (DRS) zum Einsatz freigegeben wurde, trug das nur wenig zur Überholaction auf der anspruchsvollen Aerostrecke bei. Also stellte sich relativ rasch die Frage, wie schnell die weichen Pirelli-Reifen wirklich abbauen würden.

    Der Erste, der dem hohen Verschleiß Rechnung tragen musste, war Hamilton, der in Runde acht erst Button durchließ und dann gleich die Box ansteuerte. Bis zur elften Runde war die erste Serie der Boxenstopps abgeschlossen. Großer Verlierer: Hamilton, denn der Brite verlor eine Position gegen Fernando Alonso (Ferrari). Letzterer hatte kurz zuvor schon seinen Teamkollegen Felipe Massa ohne große Gegenwehr überholt.

    Die Autos der drei Topteams Red Bull, McLaren und Ferrari lagen über weite Strecken des Rennens innerhalb weniger Sekunden, im Finish spitze sich aber alles auf einen Dreikampf zwischen Button, Alonso und Vettel zu. Button wirkte im ersten und zweiten Stint jeweils um einen Tick schneller, als die weichen Reifen abzubauen begannen, und nach seinem Boxenstopp in Runde 20 kam er tatsächlich knapp vor Vettel wieder auf die Strecke.

    Keine Chance gegen Alonso
    Beim letzten Stopp wurde Vettel dann beim Überrunden aufgehalten, sodass auch noch Alonso durchschlüpfte. Der Traum vom Sieg schien damit in weite Ferne gerückt, denn: "Mein Manöver des Jahres gegen Fernando habe ich schon in Monza gesetzt - das wollte er mir heute nicht noch einmal durchgehen lassen", grinst der Red-Bull-Pilot. Am Ende fehlten 0,8 Sekunden auf Platz zwei und 2,0 Sekunden auf Sieger Button.

    Alonso hinterließ in den letzten Runden den stärksten Eindruck. "Es hat Spaß gemacht", gibt der Spanier zu Protokoll. "Wir haben am Start kein Auto überholt, aber mit dem Reifenverschleiß war die Strategie sehr wichtig. Wir haben die Stopps richtig getimt, konnten mit McLaren und Ferrari fighten. Das war nach einigen schwierigen Rennen für die Moral des Teams wichtig, wenn wir ans nächste Jahr denken."

    Bis zwei Runden vor Schluss sah es sogar so aus, als könnte Alonso den Grand Prix gewinnen, als er seinen Rückstand von 3,7 auf 1,0 Sekunden reduzierte. Doch in der 52. von 53 Runden legte Button zu, fuhr die schnellste Runde im Rennen und ließ nichts mehr anbrennen. "Der musste Sprit sparen", ist sich Experte Surer sicher. Indiz dafür: Der McLaren-Pilot stellte gleich nach der Zieldurchfahrt den Motor ab und schenkte sich die Auslaufrunde.

    Tolle Manöver von Webber und Sutil
    Vierter wurde Mark Webber (Red Bull), bei dem sich Vettel im Rahmen der Pressekonferenz nach dem Rennen übrigens artig für die Unterstützung bedankte. Webber lag phasenweise nur an sechster Stelle, zeigte aber mit einem Überholmanöver vor der 130R-Kurve gegen Adrian Sutil (Force India), aus welchem Holz er geschnitzt ist. "Wo keiner damit rechnet, sticht er einfach rein", staunt Experte Surer. "Das kann der Kerl. Mut hat er wirklich!"

    Sutil ließ diese Ohrfeige übrigens nicht auf sich sitzen und bewies ein paar Runden später an gleicher Stelle gegen Kamui Kobayashi (Sauber), dass auch er überholen kann. Das war zu jenem Zeitpunkt ein wichtiger Positionsgewinn für den Kampf gegen Sauber in der Konstrukteurs-WM, aber Sutils Einsatz wurde nicht belohnt: In den letzten Runden brachen seine Rundenzeiten ein, sodass er noch auf Platz elf zurückfiel - 10,1 Sekunden hinter Nico Rosberg (Mercedes).

    Eine Fortsetzung fand übrigens die Fehde zwischen den Streithähnen Hamilton und Massa, die sich in der 22. Runde in der Schikane trafen. Massa versuchte es außen, Hamilton machte die Tür zu - und Massas Frontflügel verselbstständigte sich dabei. "Unnötig von Lewis. Außen kannst du eh nicht überholen", kritisiert Experte Surer. Die Rennkommissare drückten aber ein Auge zu und ließen den späteren Fünften des Rennens ungeschoren davonkommen.

    Starke Performance von Schumacher
    Sechster wurde Michael Schumacher, der während der Safety-Car-Phase an die Box gekommen war und zum ersten Mal seit Suzuka 2006 einige komplette Führungsrunden abstaubte. Dies sei "unwichtig", aber: "Wir sind in der Situation, in der wir uns befinden, und machen das Maximum draus. Damit müssen wir zufrieden sein." Am Ende fehlten nur 2,8 Sekunden auf Hamilton, nach hinten hatte er 1,1 Sekunden Vorsprung auf Massa.

    Achter wurde Sergio Perez (Sauber), gefolgt von Witali Petrow (Renault) - jeweils mit Zweistoppstrategie. Den letzten Punkt sicherte sich Rosberg. Force India ging heute leer aus, ebenso wie Williams und Toro Rosso - eine herbe Enttäuschung für das Red-Bull-B-Team. Jaime Alguersuari (15.) war allerdings nur noch Einzelkämpfer, weil sich beim Schweizer Sebastien Buemi nach dem Boxenstopp ein Rad gelöst hatte.

    Dass Lokalmatador Kobayashi seinen japanischen Landsleuten kein Lächeln ins Gesicht zaubern konnte, wie er es sich eigentlich vorgenommen hatte, zeichnete sich schon am Start ab: vom siebten auf den zwölften Platz. "Bei Kobayashi ist der Motor in den Keller gefallen", analysiert Experte Surer. "Er ist gut weggekommen, aber dann brach der Motor ein und die Drehzahl ging in den Keller." In der Folge konnte er nur noch mit einzelnen Überholmanövern begeistern.

    Auf weichen Reifen nicht schnell genug
    Doch das ging im Jubel um Sieger Button und Weltmeister Vettel ohnehin völlig unter. Der bedauert, dass er den Sack nicht mit einem Triumph zugemacht hat, kennt aber wenigstens die Gründe dafür: "Das heutige Rennen war nicht leicht, denn wir waren auf den weichen Reifen nicht so schnell wie erhofft", so der Deutsche. "Wir haben dadurch zwei Positionen verloren, aber es war schwierig, die wieder zurückzugewinnen."

    Nach dem Rennen holte er zu einer emotionalen Weltmeister-Ansprache aus: "Eine Person, die herausragt, ist die Person, mit der ich viel Zeit verbringe: mein Trainer Tommi", widmet er seinen zweiten Titel seinem Physiotherapeuten Tommi Pärmakoski, der ihn Tag und Nacht begleitet und jederzeit für sein Wohlbefinden sorgt. "Tommi ist derjenige, der mir dieses Jahr nie erlaubt hat, den Bezug zum Boden zu verlieren."

    Auch bei Red-Bull-Teamchef Christian Horner ist der Jubel riesengroß: "Unglaublich! Es war ein gutes Rennen. Wir hätten es gerne gewonnen, aber Sebastian ist Weltmeister. Er ist wunderbar gefahren und verdient das. Es war ein traumhaftes Jahr und Seb kann stolz auf das sein, was er erreicht hat. Einfach phänomenal!" Vater Norbert Vettel brach ein Interview mit den TV-Kollegen von 'Sky' glatt ab, als er spontan zu weinen anfing...

    Jüngster Doppelweltmeister aller Zeiten
    Vettel, der sich 2010 den Rekord des jüngsten Weltmeisters gesichert hatte, zählt heute 24 Jahre und 98 Tage. Damit ist er ein Jahr jünger als der bisherige Rekordhalter Alonso bei seinem zweiten Triumph 2006 (25 Jahre, 85 Tage). Vettel ist auch der erste Pilot nach Alonso, der seinen Titel erfolgreich verteidigt und der 15., der sich mehr als einmal die Krone holt. Rang drei in der Liste der jüngsten Doppelweltmeister nimmt Schumacher ein, der 1995 26 Jahre und 292 Tage alt war.

    In Suzuka herrschten heute nicht nur deswegen volle Tribünen, grenzenlose Begeisterung und Partystimmung pur: Der Formel-1-Zirkus gastierte in Japan und die Gastgeber bedankten sich auf ihre Art. Bereits Stunden vor Beginn des Rennens säumten tausende Motorsportfans die Strecke. Den Fahrern, allen voran Red-Bull-Pilot Vettel und Lokalmatador Kobayashi vom Schweizer Sauber-Team, wurde ein warmherziger Empfang bereitet.

    Rund ein halbes Jahr nach dem verheerenden Tsunami und der anschließenden Reaktorkatastrophe in Fukushima zeigten sich die Japaner dankbar. Auf zahlreichen Transparenten übermittelten sie ihre Grüße an den Rest der Welt. "Vielen Dank, dass ihr nach Japan gekommen seid", lautete die häufigste Botschaft. Der Formel-1-Zirkus gab diesen Gruß mit zahlreichen Spezialhelmen und auflackierten Slogans zurück.
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    Weltmeister knallhart: "Gereiztes Manöver" am Star

    Weltmeister knallhart: "Gereiztes Manöver" am Start

    Das aggressive Manöver von Sebastian Vettel, als er am Start Jenson Button abgedrängt hat, war nach Expertenmeinungen hart an der Grenze
    Sebastian Vettel hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass es ihm in Suzuka nicht primär um die Fixierung seines zweiten WM-Titels gegangen ist, sondern um den Rennsieg: "Wäre ich hier, um Zehnter zu werden, dann würden wir ganz anders agieren", meinte er vor dem Start. Und auch Teamchef Christian Horner betonte, dass man ihn nicht bremsen könne: "Das sind Rennfahrer - die machen in der ersten Kurve sowieso, was sie wollen..."

    Dass auch mit einem angehenden Weltmeister nicht gut Kirschen essen ist, bewies Vettel dann am Start, denn Jenson Button kam besser weg als er und setzte sich rechts versetzt neben ihn. Der Deutsche ließ sich das jedoch nicht gefallen und drängte den McLaren in die Wiese, sodass dieser lupfen musste und eine Position verlor! 'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer meinte in einer spontanen Einschätzung im 'Sky'-Kommentar: "Ziemlich hart!"

    Button beschwerte sich prompt am Boxenfunk: "Dafür wird er eine Strafe bekommen, denke ich, dafür wird er eine Strafe bekommen!" Surer zustimmend: "Habe ich auch so gesehen." Aber die Rennkommissare um den Weltmeister von 1980, Alan Jones, sprachen keine Strafe aus. Surer: "Button startet gut, wird aber voll auf's Gras gedrückt. Dann hat er nachgegeben. Das war natürlich heftig. Wenn Button nicht vom Gas gegangen wäre, wären sie wohl kollidiert."

    Bei McLaren macht man daraus zwar keine große Affäre, weil man das Rennen ohnehin trotzdem gewonnen hat, aber: "Das war schon ein wirklich ziemlich gereiztes Manöver", wundert sich Teamchef Martin Whitmarsh in der 'BBC'-Berichterstattung. "Jenson ist gut weggekommen und wenn er nicht von der Straße abgedrängt worden wäre, hätte er vorbeigehen können. Ich glaube, das hat seinen Ehrgeiz, dieses Rennen gewinnen zu wollen, noch verstärkt."

    Christian Horner relativiert: "Sebastian hat die Innenseite abgedeckt und ihn eingeklemmt. Es war noch fair. Er wollte eben das Rennen gewinnen. Jenson hat das Richtige gemacht und zurückgesteckt", analysiert der Red-Bull-Teamchef. "Wir haben uns die Wiederholung ein paar Mal angeschaut und finden, es ist okay. Natürlich hat Jenson sich beschwert, denn er wollte, dass Seb bestraft wird. Diese Spielchen gehören halt dazu."
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    Red Bull bejubelt den "magischen" Weltmeister Vett

    Red Bull bejubelt den "magischen" Weltmeister Vettel

    Mit einem dritten Platz hat sich Sebastian Vettel in Suzuka vorzeitig die WM-Krone 2011 geholt, Webber als Vierter ebenfalls in den Punkten
    Sebastian Vettel wäre nicht Sebastian Vettel, hätte er sich nach dem Rennen in Suzuka nicht darüber geärgert, dass es ihm nicht gelungen ist, das Rennen zu gewinnen. Doch auch der dritte Rang reichte ihm aus, um schon in Japan den Sack im Kampf um den WM-Titel zuzumachen. Teamkollege Mark Webber beendete das Rennen direkt hinter dem Deutschen als Dritter.

    "Viele Leute haben sich in Bezug auf den Titel ganz zuversichtlich gezeigt", so Vettel. "Aber eine der wichtigen Dinge war es gewesen, dass wir es uns selbst nicht erlaubt haben, uns durch den Gedanken daran allzu sehr ablenken zu lassen. Stattdessen konzentrierten wir uns auf jeden einzelnen Schritt und auf all das, was wir dieses Jahr getan und alles, was wir dieses Jahr erreicht haben."

    "Ich möchte mich bei allen Jungs und Mädels in der Fabrik in Milton Keynes bedanken, denn es sind nicht nur wir hier, die sehr hart arbeiten, auch sie - vom Postamt über das Designbüro bis zum Ingenieursbüro hier an der Strecke. Ihre Leistungen sind einfach unglaublich. Es ist schwer vorstellbar, wir haben zwei Autos und lediglich zwei Fahrer, und wir tragen die Last jedes Mal auf den Schultern, wenn wir auf die Strecke gehen. Manchmal behandeln wir die Autos nicht so gut, wie wir dies tun sollten, aber wir versuchen an jedem Wochenende immer alles aus ihnen herauszuholen."

    "Was passiert ist, ist phänomenal. Wir hatten uns selbst in diesem Jahr das Ziel gesetzt, die Meisterschaft zu gewinnen, und dies in Japan bei noch vier zu fahrenden Rennen zu schaffen ist schwierig in Worte zu fassen. Das ist so verwirrend wie der erste. Ich hatte mir nie vorgestellt, dass ich eine Meisterschaft gewinnen würde, es ist aus diesem Grund wahnsinnig, diese zweite gewonnen zu haben."

    "Ich habe an die Formel 1 einige gute Erinnerungen als ich sie mir anschaute, als ich jung war. Und ich fühle mich nun glücklich und gesegnet, dies heute erfahren und fühlen zu dürfen. Als wir heute die Fahrerparade durchführten, gab es so viele aufgeregte Leute, und dies war mein letzter Gedanke, als ich meinen Helm aufzog."

    "Für die Fahrer kann es nicht viel besser sein, als einen sonnigen Tag und all die Fans zu haben, die begeistert bei dem zu schauen, was du machst. Darum geht es meiner Meinung nach im Leben. Es ist zudem schwierig, es in Worte zu fassen, dass ich hier die Meisterschaft geholt habe. Das ist mehr als fantastisch."

    "Gratulation an Sebastian", so Webber. "Es ist ein sehr guter Job, zweimal Weltmeister zu werden. Alle Überholmanöver fanden während des Rennens heute bei den Boxenstopps statt, nicht zu sehr auf der Strecke. Wir überholten einen Ferrari und einen McLaren, aber es ging zwischen uns ziemlich ausgeglichen zu."

    "Ich hatte eine Berührung mit Michael Schumacher, welche zu einem entscheidenden Teil des Rennens meinem Frontflügel eine Beschädigung zuführte, als ich versuchte, mich wieder durch das Paket zu arbeiten. Wir berührten uns, aber das war es für ihn schon gewesen."

    "Das Safety-Car kam für mich nicht wirklich zur richtigen Zeit, denn ich hoffte, dass ich mir rund um die Stopps Fernando vorknöpfen kann. Aber wenn das Feld zusammen geschoben wird, dann musst du wieder die Michael-Situation durchmachen und es ist schwierig, die Leute zu überholen."

    "Schlussendlich war es ein ordentliches Ergebnis. Für Jenson war es ein großartiges Rennen, es ist in vielerlei Hinsicht sein zweites Heimrennen. Und Gratulation an Sebastian zu seinem Titel."

    "Zunächst einmal ist es für Sebastian Vettel phänomenal, seine zweite Weltmeisterschaft zu gewinnen", so Teamchef Christian Horner. "Er ist dieses Jahr prächtig gefahren und verdient den Titelgewinn durch und durch. Er hat die Meisterschaft seit dem ersten Rennen in Melbourne dominiert."

    "Das ist die Summe vieler harter Arbeit und Teamarbeit, und er kann sehr stolz auf das sein, was er erreicht hat. Dies bringt ihn nun in eine elitäre Gruppe an Fahrern, die es nicht nur geschafft haben, zwei Weltmeisterschaften zu gewinnen, sondern zwei direkt aufeinanderfolgende Weltmeisterschaften."

    "Das Rennen heute war ein enges, wir schienen heute in der Boxengasse Zeit verloren zu haben, vielleicht dadurch, dass wir uns an das Ende der Boxengasse positionierten. Aber nichtsdestotrotz fuhr Jenson ein starkes Rennen, Gratulation an ihn."

    "Der dritte und der vierte Rang bedeutet immer noch eine Menge Punkte für die Konstrukteursmeisterschaft, und wir haben unseren Vorsprung auf 130 Punkte gefestigt. Der heutige Tag gehört jedoch Sebastian."

    "Natürlich bin ich heute mehr als glücklich!", so Cyril Dumont von Renault. "Ich denke, dass wir dieses Jahr einen magischen Vettel haben. Schon vergangenes Jahr war er fantastisch, aber dieses Jahr war er einfach unglaublich, dieser kleine Kerl! Er hat sich das wirklich verdient."

    "Er hört nie auf zu arbeiten und macht immer eine Menge Druck. Das ist also absolut und wirklich verdient. Ich bin für ihn wirklich glücklich und all die Leute, die bei Renault sind. Wir müssen jetzt nur noch den Job in den kommenden Rennen erledigen, indem wir auch die Konstrukteursmeisterschaft holen."
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    Bremsen für den Titel

    Bremsen für den Titel

    Ein Fahrer, ein Auto, ein Team: Die Formel 1 sieht aus wie ein Individualsport. Doch nichts bewegt sich ohne ein komplexes Netzwerk. Vettel ist Weltmeister dank seiner starken Hintermänner.

    RB7 - für viele Beobachter fußt der Erfolg von Sebastian Vettel vor allem auf der Typenbezeichnung seines Rennwagens. Doch der Weltmeister widerspricht energisch: „Wir hatten ein sehr gutes Auto, aber wir hatten ein noch stärkeres Team." Es ist ihm wichtig, dies zu betonen. In der öffentlichen Wahrnehmung ist die Formel 1 oftmals noch immer eine Individualsportart, dabei wirken im Hintergrund Hunderte von Mechanikern, Technikern und Ingenieuren für den Erfolg. Vettel hat sie nie vergessen, auch nicht am Sonntag im Moment seines großen Triumphes. „Ich möchte jedem danken", sagte er. „Es gibt so viele Menschen bei uns an der Rennstrecke und in der Fabrik, die unglaublich hart dafür arbeiten, dass wir hier um den Titel fahren können."

    Natürlich verfehlt so viel Aufmerksamkeit nicht ihre Wirkung, die Teammitglieder haben den Deutschen längst in ihre Herzen geschlossen und als Häuptling akzeptiert. Dabei agiert Vettel mit seinen Aussagen nicht berechnend. Die anderen gehören für ihn einfach dazu.

    Am Sonntagabend in Suzuka wollte er am liebsten jeden Einzelnen von ihnen umarmen, über jeden von ihnen sprechen. Doch er beließ es am Ende bei seinem Trainer, Physiotherapeuten und Freund Tommi Parmakoski: „Er hat mich immer wieder auf den Boden zurückgeholt, damit ich nicht abhebe", sagte Vettel. „Er ist derjenige, mit dem ich mehr Zeit verbringe, mehr als mit irgendeinem anderen. Viele Leute nimmt vielleicht nicht jeder wahr, aber sie sind unglaublich wichtig, weil sie einem mal in den Arsch treten und dafür sorgen, dass man auf Kurs bleibt."

    Seit drei Jahren arbeitet Vettel mit dem Finnen zusammen, wenige kennen ihn besser als der ehemalige Eishockey-Torhüter. „Manchmal muss ich ihn bremsen", sagt Parmakoski. Zu ehrgeizig tritt Vettel auf. Egal, ob sie gegeneinander Badminton oder Karten spielen - der Weltmeister will immer gewinnen.

    Dieser Ehrgeiz treibt sie alle an. „Wenn es angefangen hat zu regnen, zu stürmen und zu wackeln, haben wir immer die Richtung beibehalten und unser Ziel verfolgt", sagt Vettel. „Wenn es ein Geheimnis gibt, ist es das." Schritt für Schritt hat sich Red Bull gesteigert, als einziger Fahrer hat Vettel in diesem Jahr jede Runde in jedem Rennen beendet. Längst ist der Bolide nicht mehr nur schnell, sondern auch extrem zuverlässig. Und keine andere Boxencrew fertigte die Fahrer bei den Reifenwechseln im Schnitt so schnell ab wie Red Bull.

    In der Fabrik von Milton Keynes trainieren sie dafür jeden Tag. Mitten in der Montagehalle steht ein alter Rennwagen, und zwei Mal am Tag müssen die Mechaniker ran, um sich der Perfektion zu nähern. Den Wagen aufbocken, die alten Reifen herunternehmen, die neuen Reifen aufschrauben, den Fahrer wieder auf die Piste schicken: Drei Sekunden, länger sollte es nicht dauern. Erst wenn die Gruppe zehn solcher Stopps demonstriert hat, darf sie zurück an ihre eigentliche Arbeit. „Wir wollen so wenig wie möglich dem Zufall überlassen", sagt Teamchef Christian Horner.

    Der Erfolg ist teuer - auch wenn es anders wirken soll
    Natürlich hat all das seinen Preis. Seit langem behaupten einige, dass der von Red-Bull-Berater Helmut Marko veröffentlichte Jahresetat von rund 190 Millionen Euro nur mit einer ausgesprochen kreativen Buchführung möglich sein kann. Damit das Team in diesem Jahr zum ersten Mal überhaupt auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke in Monza gewinnen konnte, sind einige Teile speziell für diesen Kurs produziert worden. Für ein einziges Rennen, denn auf den anderen Pisten waren sie nicht mehr zu gebrauchen.

    Doch darüber redet niemand der Verantwortlichen gerne. Es soll nicht so wirken, als ob sie sich den Erfolg erkauften. Es soll vor allem um die Folgen gehen, die auf der Rennstrecke zu bewundern sind: „Das Jahr, das wir hatten, war unglaublich. Und das Beste daran ist, dass es noch weitergeht", sagt Vettel. Vier Rennen bleiben noch, als Nächstes soll der Konstrukteurstitel gesichert werden.

    Im ersten freien Training am Freitag touchierte Vettel in Suzuka mit seinem Red Bull die Leitplanke, der Frontflügel brach, er musste auf ein altes Modell zurückgreifen. Doch das Team reagierte und ließ aus England über Nacht ein neues Exemplar einfliegen. Die Kosten dafür will Vettel übernehmen. „Daran sieht man, was für ein Teamplayer er ist. Das ist schon außergewöhnlich, aber wir schauen mal, wer das am Ende bezahlt", sagte Teamchef Horner. Vettel selbst wollte über die Angelegenheit am liebsten überhaupt keine Worte verlieren: „Das ist teamintern. Ich will mich da nicht so in den Vordergrund stellen."

    Dabei steht er dort längst. Denn einer fehlte in Japan auf dem traditionellen Gruppenfoto mit Champion: Teamkollege Mark Webber. Der Australier zählt allerdings ohnehin nicht mehr zum engeren Kreis von Vettel. Der braucht dessen Hilfe nicht, um Rennen und Titel zu gewinnen.

    Party des Weltmeisters

    Party des Weltmeisters
    Vettel schmettert Sinatra im Irish Pub


    Mit ruinierter Stimme hat sich Doppelweltmeister Sebastian Vettel nach durchfeierter Karaoke-Nacht in Japan warnend an den Rest der Roten Bullen gewandt. Das Team müsse „hungrig“ bleiben.

    Einen Tag nach dem Gewinn seines zweiten Formel-1-Titels hat Sebastian Vettel sein Team in die Pflicht genommen. „Wir dürfen nichts als selbstverständlich hinnehmen. Es könnte morgen vorbei sein. Wir müssen den Hunger bewahren“, forderte der Weltmeister am Montag in Yokohama.

    Vettel hatte sich am Sonntag mit dem dritten Platz beim Großen Preis von Japan bereits vier Rennen vor Saisonende zum jüngsten Doppel-Champion der Königsklasse gekrönt. „Wir sind jetzt in einer ganz besonderen Situation, das vorzeitig schon erreicht zu haben. Das erlaubt uns aber nicht, in Urlaub zu gehen“, sagte der 24-Jährige.

    Vettels „Way“
    In Yokohama besichtigte Vettel knapp 24 Stunden nach seinem Triumph das Automobilwerk eines Team-Sponsors. Nach einer durchfeierten Nacht wirkte der Hesse noch etwas müde. „Wir waren in einem Irish Pub, hatten alle einen Riesenspaß. Die Karaoke-Maschine wurde auch angeschmissen, sodass die Stimmen etwas ruiniert sind“, verriet Vettel. Er selbst hatte sich als Sänger mit Frank Sinatras „My Way“ und „Yellow Submarine“ von den Beatles versucht.

    Besonders habe er sich über die Glückwünsche von Partygast Michael Schumacher gefreut, sagte Vettel. „Als kleiner Junge auf der Kartbahn war er mein Held. Mit ihm abends anzustoßen, war etwas Besonderes“, meinte der Red-Bull-Pilot. Nach knapp zwei Tagen Pause reist Vettel am Mittwoch nach Südkorea weiter. Dort wird am Sonntag der Grand Prix in Yeongam ausgetragen.

    Grand Prix Japan - Vettel musste im Kofferraum schlafen

    Grand Prix Japan - Vettel musste im Kofferraum schlafen

    Am kommenden Sonntag in Japan wird er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zum zweiten Mal Weltmeister, als junger Rennfahrer musste Sebastian Vettel dagegen manchmal im Kofferraum schlafen. Das erzählte Vater Norbert Vettel in einem Gespräch mit der Schweizer Zeitung "SonntagsBlick".

    "Jahrelang waren wir mit dem Wohnmobil oder dem Auto durch Europa gefahren. Dabei schlief Seb einige Male im Kofferraum", berichtet der 52-Jährige, der bei fast allen Rennen seines Sohnes an der Strecke ist.

    Der Vater erzählt auch vom Spott zahlreicher Kollegen in den Anfangstagen. "Wenn wir erst am späten Freitag anreisten, weil Seb noch in der Schule war, fragten mich einige Väter: Will dein Sohn eigentlich Professor oder Rennfahrer werden? Heute kennen die Neider alle die Antwort!" Sein Sohn sei regelrecht unheimlich: "Er lernt so schnell - wie ein Computer, der sich selbst programmiert. So machte er die theoretischen Prüfungen für Lastwagen, Privatautos und Motorräder an einem Tag!" Sein Abitur 2006 bestand Vettel vier Tage vor seinem ersten Formel-3-Sieg mit der Note 2,6.

    "Dann bremse eben später"

    Vettel junior, dem noch ein Punkt zur erfolgreichen Titelverteidigung in der Formel 1 fehlt, war früh vom Motorsport-Virus befallen, mit drei bekam er das erste Bambini-Kart vom Vater. Da der Junge relativ klein war, plagten ihn jedoch oft Zweifel. "Oft sagte Seb, dass er gegen die viel größeren Gegner keine Chance habe", berichtet der Vater: "Da sagte ich: Dann bremse eben später."

    Schwer war auch die Finanzierung. "Wir haben zehn Jahre lang für Sebs Karriere gelebt, auf den Urlaub verzichtet", sagt der Vater und gibt noch eine Anekdote zum besten: "Ich habe einst im VW-Bus einen Extra-Tank eingebaut, damit wir von Deutschland nach Italien ohne Benzinstopp in der teuren Schweiz durchfahren konnten."

    "Ich habe keine zwei linke Hände"

    Mit seinem handwerklichen Geschick war Norbert Vettel, der seine Zimmerei aufgab, um die Karriere des Sohnes zu begleiten, ein wichtiger Baustein: "Ich habe mir alles Wissen irgendwo beschafft, konnte gut beobachten, logisch denken - und ich habe auch keine zwei linken Hände."

    Die heutige Entwicklung seines Sohnes sieht Vater Vettel als Belohnung. "Ich höre aber immer wieder, dass der Vettel nur gewinnt, weil er das beste Auto hat", sagt er: "Aber einer muss das beste Auto haben. Seb hat dafür hart gearbeitet."
    Das System Vettel: Familie, Vertraute, Ratgeber
    Suzuka (dpa) - Sebastian Vettel hat sich in kürzester Zeit ein Erfolgssystem geschaffen. Bei seinem Aufstieg zum jüngsten Doppel-Weltmeister der Formel-1-Geschichte verließ sich der 24-Jährige nur auf wenige Vertraute und Ratgeber.

    Sein Team hat der Red-Bull-Pilot fest im Griff, zu seinem Geldgeber pflegt er ein «besonderes Verhältnis». Vettels Helfer auf dem Weg in die Formel-1-Ruhmeshalle:

    Vettels engster VERTRAUTER: Schon in seinem ersten TV-Interview nach dem Triumph hob der Weltmeister einen hervor: seinen finnischen Physiotherapeuten Tommi Pärmäkoski. «Er ist derjenige, mit dem ich mehr Zeit verbringe, als mit irgendeinem anderen», erklärte Vettel. «Er war es, der in diesem Jahr nicht zugelassen hat, dass ich abhebe oder an Dinge denke, die wir nicht beeinflussen können.» Seit 2009 betreut der ehemalige Eishockey-Torhüter den Hessen. Mehr als 300 Tage im Jahr ist er an seiner Seite und mittlerweile auch ein guter Freund. «Wenn er aufgeregt ist, muss ich ihn bremsen. Wenn er niedergeschlagen ist, motivieren», beschrieb Pärmakoski jüngst seine Rolle. Über Vettel sagt der 28-Jährige: «Er ist sehr stark im Kopf».

    Vettels FAMILIE: Vater Norbert tanzte übermütig vor der Box, als der Junior seinen Titel mit den japanischen Fans zelebrierte. Der Papa hatte Vettel einst als Bergrennen-Fahrer mit dem PS-Virus infiziert und ist Stammgast auf den Grand-Prix-Strecken der Welt. Der Rest der Familie wahrt hingegen zumeist Abstand zum Formel-1-Zirkus. Auch Freundin Hanna bringt Vettel nicht zu seinen Rennen mit. «Sie nehmen doch Ihre Frau auch nicht mit ins Büro», entgegnet er stets.

    Vettels RATGEBER: Die wichtigsten Karriere-Tipps holt sich der Red-Bull-Fahrer von dem Mann, dessen Poster einst in seinem Kinderzimmer hing: Michael Schumacher. «Als kleiner Junge auf der Kartbahn war er mein Held», sagte Vettel. Inzwischen sind beide gut befreundet. Schumacher warnte Vettel vor falschen Freunden und zuviel PR-Rummel. Die Termine des Doppel-Weltmeisters koordiniert seine persönliche Sprecherin Britta Roeske. Auf einen eigenen Manager verzichtet Vettel weiterhin. Ein enger Wegbegleiter ist Helmut Marko, der einst als Chef des Red-Bull-Nachwuchsprogramms zum Vettel-Förderer wurde. Inzwischen ist der Österreicher Berater des Teams.

    Vettels TEAM: In seine Dankesreden schloss Vettel als penibler Teamplayer seine gesamte Crew ein - «vom Postamt über das Designbüro bis zum Ingenieursbüro hier an der Strecke», wie er sagte. Rund 600 Leute arbeiten bei Red Bull Racing für den Erfolg. Der Boss aber ist Vettel. Seit seinem Titelgewinn 2010 im Herzschlagfinale von Abu Dhabi hat der Deutsche klar das Kommando, auch den zuvor aufmüpfigen Stallrivalen Mark Webber hat er an den Rand gedrängt. Teamchef Christian Horner leitet zwar formal das operative Geschäft - bei den zentralen Entscheidungen auf oder neben der Strecke aber gilt wohl eher Vettels Wort. Oder das von Adrian Newey. Der Star-Designer legte mit seinen Wunderautos die Grundlage für Vettels Triumphe.

    Vettels GELDGEBER: Dietrich Mateschitz sparte sich diesmal die Reise zur Titelsause nach Suzuka. Der Red-Bull-Chef aus Österreich weiß längst, dass seine Brause-Millionen für Vettel und sein Team gut angelegt sind. «Didi und ich haben ein ganz besonderes Verhältnis zueinander», sagte Vettel jüngst der Nachrichtenagentur dpa. Die Siege des Deutschen rechnen sich für den Unternehmer immer mehr. «Durch die noch größeren Erfolge gibt es mehr Prämien, sodass wir 2012 ein noch geringeres Nettobudget haben werden als heuer», erklärte Mateschitz den «Salzburger Nachrichten».

    Vettels Karriere kostete 2 Mio und Opas Brieftauben

    Vettels Karriere kostete 2 Mio und Opas Brieftauben

    So teuer war seine Ausbildung zum Weltmeister

    Es begann mit 5000 Mark. So viel Geld hat Red Bull 1997 einem 10-jährigen Knirps aus Heppenheim bezahlt, damit der in seinem gebrauchten Kart Rennen fahren konnte. Diesen Sonntag, 14 Jahre später, soll der Knirps von damals in Suzuka/Japan mit einem Red-Bull-Rennwagen zum zweiten Mal in Folge Weltmeister werden: Sebastian Vettel (24).

    Durch die Formel 1 hat er Millionen verdient. Doch bevor es soweit kommen konnte, musste viel Geld in seine Ausbildung gesteckt werden. Vettels Karriere kostete 2 Mio Euro – und Opas Brieftauben...

    Papa Norbert sagt zu BILD: „Heute wäre die Karriere von Seb unmöglich.“ Der gelernte Zimmermann könnte die Kosten niemals mehr stemmen.

    Damit sich die sechsköpfige Familie (Mama Heike ist Hausfrau) den Sport leisten konnte, mussten Opfer gebracht werden: Norbert verkaufte seinen eigenen Rennwagen, mit dem er als Amateur bei Bergrennen angetreten war. Opa Werner löste seine Brieftaubenzucht auf. Und Seb schlief manchmal an der Rennstrecke im Kofferraum, um Hotelkosten zu sparen.

    Heute sagt Vettel: „Machen wir uns nichts vor: Motorsport ist ein extrem teurer Sport.“

    Sein erstes Kart kostete 7000 Mark (3500 Euro), seine erste Saison in der Bambini-Serie verschlang umgerechnet schon 8000 Euro, später bis zu 30 000. Für seinen ersten Helm bekam er Rabatt – musste nur 600 Mark zahlen.

    Immer waren die Vettels auf Sponsorensuche. Finanznot macht erfinderisch: Als Knirps hatte er kurzzeitig „Vodka Moskowskaya“ als Sponsor auf seinem Rennoverall.

    Wichtigster Helfer der Vettels war Gerhard Noack, ein Karthändler aus Kerpen, der schon Schumis Einstieg in den Motorsport extrem förderte. Denn die Kosten stiegen: Formel BMW (2003 und 2004): 160 000 Euro im ersten Jahr, 200 000 im zweiten. Formel 3 (2005 und 2006): 750 000 Euro pro Jahr. Da war Vettel schon bei Red Bull an Bord.

    Als Weltmeister verdient Vettel jetzt ca. 15 Mio Euro im Jahr. Die 5000 Mark von damals hat er bei seinem Stundenlohn in knapp 90 Minuten wieder drin...

    Vettel-Sieg fixiert Konstrukteurs-WM für Red Bull

    Hey, das Rennen ist noch nicht vorbei! Jetzt kümmere ich mich mal um die Fortsetzung :roll:

    Vettel-Sieg fixiert Konstrukteurs-WM für Red Bull

    Auch als Doppelweltmeister bleibt Sebastian Vettel Extraklasse: Sieg in Südkorea vor Lewis Hamilton, der sich gegen Mark Webber behaupten kann

    Nur eine Woche hat Red Bull warten müssen, um nach der Fahrer- auch die Konstrukteurs-WM zu gewinnen: Mit den Plätzen eins und drei beim (trockenen) Grand Prix von Südkorea schaffte der österreichisch-britische Rennstall die erfolgreiche Titelverteidigung. Der Sieg ging an Sebastian Vettel, der eine überraschend dominante Performance ablieferte.

    "Ich bin ungeheuer stolz auf das Team", freut sich Weltmeister-Teamchef Christian Horner. "Sie haben in diesem Jahr absolut phänomenale Arbeit geleistet. Dieser zweite Titel ist etwas ganz Besonderes, worauf alle Teammitglieder sehr stolz sein dürfen - auch Herr Mateschitz, der vor erst sieben Jahren die Vision hatte, mit einem eigenen Team in der Formel 1 an den Start zu gehen. Ich hoffe, er konnte diesen Augenblick zu Hause in Österreich genießen."

    Wieder unglücklicher Start von Button
    Doch zum Renngeschehen: Nachdem Jenson Button (McLaren) wie schon in Suzuka gut weggekommen war, seinen Start aber nicht nutzen konnte, war Vettel kaltschnäuzig genug, seinen Windschatten nach der langen Gerade zu nutzen und an Polesetter Lewis Hamilton (McLaren) vorbei in Führung zu gehen. Von da an lieferte der alte und neue Weltmeister eine makellose Performance ab, die er mit seinem zehnten Sieg im 16. Saisonrennen krönte.

    "Jetzt ist Korea vergangenen Jahres vergessen", erinnert sich Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko an die Pleite von 2010, als es für sein Team noch einen Doppelausfall gesetzt hatte. Nun liegt Red Bull drei Rennen vor Schluss uneinholbar mit 140 Punkten Vorsprung in Führung. "Jetzt auch den Konstrukteurstitel in der Tasche zu haben, ist fantastisch", strahlt Vettel und ergänzt: "Ich bin heute sehr, sehr glücklich!"

    "Schön zu sehen, dass das ganze Team weiter pusht. Die Vorbereitung war nicht ideal, denn nach dem letzten Rennen waren die meisten von uns - verdienterweise - verkatert", freut sich der 24-Jährige eine Woche nach der Weltmeister-Party von Suzuka über den nächsten Titel. "Ich bin wirklich ganz aus dem Häuschen, überglücklich, denn ich habe gut geschlafen und hatte mir eine Chance ausgerechnet, aber dass es so gut wird, hätten wir nicht gedacht."

    Entscheidung in der ersten Runde
    Den Grundstein für den heutigen Triumph legte er gleich in der ersten Runde, als er vom zweiten Startplatz aus in Führung ging. "Der Start an sich war gar nicht so gut, da hätte er ja fast einen Platz gegen Button verloren", analysiert Force-India-Testfahrer Nico Hülkenberg, TV-Experte bei unseren Kollegen von 'Sky'. "Aber dann hat er Windschatten von Hamilton, setzt sich vor Kurve vier daneben und geht vorbei."

    Von da an machte Vettel alles richtig: Als in der dritten Runde DRS freigegeben wurde, hatte er bereits mehr als eine Sekunde Vorsprung, und auch nach dem Safety-Car-Restart in Runde 21 ließ er nichts anbrennen. "Das Safety-Car", grinst er, "habe ich nicht unbedingt gebraucht, denn da ist mir Lewis wieder näher gekommen, aber vor dem zweiten Boxenstopp konnte ich wieder einen Vorsprung herausfahren. Ich konnte pushen, wann ich musste."

    Machtdemonstration am Ende
    In der 55. und letzten Runde drehte der tragische Held des Vorjahres (in Führung liegend Motorschaden erlitten) auch noch die schnellste Runde im Rennen (1:39.605 Minuten) - fast so, als wolle er seine Dominanz demonstrieren. "Sebastian war das ganze Wochenende schnell und im Rennen war es schlichtweg unmöglich, ihn anzugreifen", applaudiert Hamilton. Auf der Ziellinie fehlten dem geschlagenen McLaren-Piloten zwölf Sekunden.

    Dabei brauchte Vettel noch nicht einmal alle Soft-Pirellis, die er sich gestern aufgespart hatte: "Wir waren viel seltener an der Box als gedacht", sagt er. "Wir hatten viel mehr Verschleiß erwartet, aber der kam nicht. Irgendwann realisierst du dann, dass du nicht dreimal alle zehn Runden stoppen musst. Vor allem gegen Ende der Stints auf den weichen Reifen konnte ich auf Lewis Zeit gutmachen. Am Ende hatte ich genug Luft, das Rennen zu kontrollieren."

    Spannend ging es nur hinter dem Weltmeister und Seriensieger zu, denn Hamilton, Mark Webber (Red Bull) und Geheimfavorit Jenson Button (McLaren) lagen nach knapp 1:40 Stunden innerhalb von weniger als drei Sekunden. Vor allem zwischen Hamilton und Webber ging es im Finish heiß her: "Mark ist gut gefahren", erklärt Hamilton. "Meine Reifen haben wegen Untersteuerns dauernd blockiert, aber verglichen mit zuletzt war es trotzdem ein gutes Wochenende."

    Toller Fight Hamilton vs. Webber
    Zugespitzt hatte sich das Duell der beiden ab dem zweiten Boxenstopp in der 34. Runde, als Webber zunächst schon an Hamilton vorbei war, der Brite aber mit Kämpferherz kontern konnte. Von da an war es stets knapp. "Ich bin enttäuscht, nicht Zweiter geworden zu sein", ärgert sich Webber. "Beim ersten Stopp haben wir gute Arbeit geleistet, aber beim zweiten Stopp haben wir genau das Falsche gemacht, nämlich in der gleichen Runde gestoppt. Schade, denn die Pace war heute gut."

    Hinter den beiden lag Button auf der Lauer, aber man wartete vergebens auf eine Attacke des "Reifenflüsterers", der seine schonende Fahrweise heute nicht so gut ausspielen konnte wie vergangenen Sonntag in Suzuka. Für den Weltmeister von 2009 hatte das Rennen schon schlecht angefangen, als er in der ersten Runde nach einer misslungenen Attacke gegen Felipe Massa (Ferrari) selbst von Webber überholt wurde.

    Ferrari: Potenzial nicht genutzt
    Apropos Ferrari: Massa und Fernando Alonso verloren wegen abbauender Rundenzeiten am Ende ihres langen ersten Stints zwei Positionen gegen Button und Nico Rosberg (Mercedes). Ansonsten lag Alonso über weite Strecken in Massas Windschatten - erst mit einem langen zweiten Stint konnte er sich seinen Teamkollegen schnappen, doch mehr als Platz fünf war nicht mehr drin. "Ich gebe auf", meinte er in der vorletzten Runde über das Fernduell gegen Button.

    Solche Probleme hätte Rosberg wohl gerne gehabt, denn der Mercedes-Pilot konnte sich nur kurz vor den Ferraris halten. Unterm Strich handelte er sich fast eine Minute Rückstand ein und verlor auch noch einen Platz gegen Jaime Alguersuari. Der fuhr seinerseits eines seiner besten Formel-1-Rennen, lag zwischendurch an dritter Stelle und holte in etwas mehr als einer Runde fast fünf Sekunden Vorsprung auf Rosberg heraus!

    Im Kampf um den sechsten Platz in der Konstrukteurs-WM machte Toro Rosso damit Boden gut, denn Sebastien Buemi steuerte als Neunter ebenfalls zwei Punkte bei, während Force India nur einen Zähler (Paul di Resta, 2,6 Sekunden vor Adrian Sutil) holte und Sauber (Kamui Kobayashi 0,3 Sekunden vor Sergio Perez 15.) leer ausging. Auch Williams und Renault konnten leistungsmäßig keine Akzente setzen.

    Petrow schießt Schumacher ab
    Sehr wohl aber durch einen Zwischenfall, denn Witali Petrow (Renault) war in Runde 16 so sehr in ein Rad-an-Rad-Duell vertieft, dass er sich verbremste und Michael Schumacher (Mercedes) ins Heck rauschte - der Auslöser der einzigen Safety-Car-Phase. Alonso, der außen überholen wollte, überstand die Situation mit einem blauen Auge, wäre neben der Strecke um ein Haar von Petrows austrudelndem Renault gerammt worden.

    "Ich habe den Unfall eigentlich gar nicht gesehen, sondern erst davon erfahren, als ich verkehrtherum da stand", schildert Schumacher. Schulzuweisungen verteilt er nicht: "Solche Rennsituationen passieren halt. Witali war bis jetzt ein super Sportsmann und das ist er auch nach wie vor. Wir sind alle Menschen und machen halt Fehler. Unsere ersten zwei Zusammenkünfte waren eher mir zuzuschreiben, denke ich. Diese Begegnung geht auf seine Kappe."

    Wenige, dafür aber sehenswerte Duelle
    Für die besten Zweikämpfe des südkoreanischen Nachmittags sorgten Button und Rosberg, als sie in der Boxengasse nebeneinander fuhren, Rosberg dank der guten Arbeit seiner Crew erst vorne lag, Button dann aber schlitzohrig kontern konnte, beziehungsweise Hamilton und Webber, als der Red-Bull-Pilot in der 49. Runde schon am McLaren vorbei war, in der DRS-Zone aber völlig chancenlos war, seine Position zu verteidigen.

    Ein kleines Highlight setzte Heikki Kovalainen (Lotus) mit Platz 14 vor den Sauber-Piloten - sein sensationeller Start blieb kein Strohfeuer. Timo Glock (18./Marussia-Virgin) gewann sein Stallduell wieder klar, ebenso wie Daniel Ricciardo (HRT), der diesmal nicht nur seinen Teamkollegen Vitantonio Liuzzi schlagen konnte, sondern auch Jerome D'Ambrosio (Marussia-Virgin). Pastor Maldonado (Williams) schied aus, nachdem er zuvor schon eine Durchfahrstrafe erhalten hatte.

    Weiter geht es in zwei Wochen mit der Grand-Prix-Premiere in Noida (Indien), doch in den beiden Weltmeisterschaften ist drei Rennen vor Schluss längst alles klar: Bei den Fahrern führt Vettel (349 Punkte) vor Button (222), Alonso (212), Webber (209) und Hamilton (196), während der alte und neue Champion Red Bull (558) bei den Konstrukteuren vor McLaren (418), Ferrari (310) und Mercedes (127) an der Spitze liegt.
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    Vettel schreibt Geschichte: Erster Sieger in Indien!

    Vettel schreibt Geschichte: Erster Sieger in Indien!

    Mit einer ungefährdeten Vorstellung sicherte sich Sebastian Vettel vor Button und Alonso den Sieg in Noida - Erneute Kollision zwischen Hamilton und Massa
    Ohne Fledermäuse, Motten oder Hunde auf der Strecke, ohne Stromausfälle und ohne sonstige nennenswerte Pannen, dafür aber unter einer riesigen Smog-Wolke ist heute der erste Grand Prix von Indien über die Bühne gegangen. Das Rennen auf dem Buddh-International-Circuit zählte nicht zu den aufregendsten dieser ansonsten so spannenden Saison - und lieferte mit Sebastian Vettel den gewohnten Sieger.

    Der Weltmeister feierte im 17. von 19 Rennen seinen elften Erfolg, noch dazu lupenrein mit Pole-Position und schnellster Runde. "Ich bin stolz auf euch! Neue Strecke, neue Herausforderung - und wir haben es geschafft", jubelte Vettel nach 60 Runden am Boxenfunk. Dabei wurde ihm vom Team noch eine Schelte erteilt, weil er die explizite Anweisung, kein Risiko mehr einzugehen, missachtete und im 59. und 60. Umlauf jeweils die schnellste Rennrunde markierte (1:27.249 Minuten).

    Start-Ziel-Sieg nie in Gefahr
    Am Ende hatte Vettel 8,4 Sekunden Vorsprung auf Jenson Button, der ihm das gesamte Rennen hindurch mit einigen Sekunden Abstand gefolgt war. Doch den Eindruck, dass der McLaren-Pilot dem Deutschen gefährlich werden könnte, hatte man eigentlich nie. Die einzige "Panne" leistete sich das Red-Bull-Team, als Stardesigner Adrian Newey bei der Siegerehrung den Hals nicht voll bekommen konnte und sich am Champagner verschluckte...

    "Wir haben einen Lauf, schon seit Saisonbeginn", freut sich Vettel, bei dem auch als Weltmeister kein Zeichen von Schwäche erkennbar ist. "Es war ein sehr gutes Rennen. Ich habe die Führung sehr genossen. Es war ein Fernduell mit Jenson, aber bei den Boxenstopps kam er mir immer ein bisschen näher, was wir noch untersuchen müssen. Aber sonst war es ein problemloses Rennen. Mit den harten Reifen fühlte ich mich am Ende fast noch besser."

    Der Jubel am Boxenfunk war so laut, als wäre die WM-Entscheidung noch offen, doch nach der Siegerehrung schlug der Triumphator auch nachdenkliche Töne an: "Es sind gemischte Gefühle, denn einerseits freue ich mich darüber, erster Sieger in Indien zu sein, aber andererseits haben wir mit Dan Wheldon und Marco Simoncelli zwei große Motorsportler verloren. Unsere Gedanken sind jetzt bei ihnen", erinnert er an die Tragödien in der IndyCar- beziehungsweise MotoGP-Serie.

    Alonso auf der falschen Linie
    Schon am Start - wegen des bescheidenen Red-Bull-Topspeeds eine der wenigen Chancen der Konkurrenz - gab sich Vettel keine Blöße und verteidigte die Führung sicher. Button verbesserte sich indes vom vierten auf den zweiten Platz, weil Fernando Alonso (Ferrari) in der ersten Kurve fälschlicherweise die Außenbahn wählte und Mark Webber (Red Bull) am Ende der langen Geraden gegen den aus dem Windschatten kommenden McLaren keine Chance hatte.

    Von da an war der Grand Prix von Indien eines der langweiligeren Rennen der Saison 2011. Der Abstand zwischen Vettel und Button wurde sukzessive größer, vor allem vor den Boxenstopps - was darauf hindeutet, dass der Sieger nicht alles geben musste, sondern nur in den entscheidenden Phasen Tempo gemacht hat. Trotzdem betrug sein Vorsprung nach dem zweiten und letzten Boxenstopp nur 2,8 (statt davor 5,0) Sekunden.

    "Ich weiß nicht, ob es die Stopps selbst waren oder die Runden nach den Stopps, denn auf den neuen Reifen hatte ich jeweils gleich ein gutes Gefühl", erklärt Button, der mit dem zweiten Platz gut leben kann: "Wir haben perfekte Arbeit geleistet und hätten nichts besser machen können. Ein gutes Rennen. Im letzten Rennen habe ich in der ersten Runde viele Positionen verloren. Das wollte ich hier gutmachen und das ist mir gelungen."

    60 Führungsrunden für Vettel
    Nach der ersten Runde führte Vettel vor Button, Webber, Fernando Alonso, Felipe Massa (beide Ferrari), Lewis Hamilton (McLaren), Nico Rosberg und Michael Schumacher (beide Mercedes), der aus der sechsten Reihe einen Superstart hatte. Eine der wenigen Positionsverschiebungen auf den vorderen Rängen gab es beim zweiten Boxenstopp, als Alonso durch einen längeren Stint an Webber vorbeischlüpfte und so doch noch auf das Podium kam.

    Er habe "keinen perfekten Start" gehabt, gesteht Alonso, denn: "Wir hatten nicht den erwarteten Grip und die andere Seite startete besser als wir." Aber dass es trotzdem mit einem Podestplatz geklappt hat, freut ihn sehr: "Marks Stopp hat uns überrascht. Ich habe zwei Runden mehr gedreht als er, so konnten wir ihn überholen. In einem ersten Rennen in einem neuen Land Champagner zu trinken, ist ein schönes Gefühl!"

    Fehler kostet Webber die Podiums-Chancen
    Alonso stand nach dem Boxenstopp kurz unter Druck, als er mit kalten Reifen den bereits voll aufgewärmten Webber im Nacken hatte, doch ein leichter Fahrfehler des Australiers brachte die Entscheidung. Am Ende waren die beiden durch 1,2 Sekunden getrennt. Dahinter lieferten sich die Silberpfeile ein heißes Duell um den fünften Platz, das ebenfalls an der Box entschieden wurde - zu Schumachers Gunsten.

    Das ganze Wochenende war Rosberg schneller als der siebenfache Weltmeister, und als er zum zweiten Mal an die Box kam, hatte er rund drei Sekunden Vorsprung. Doch Schumacher fuhr einen sehr langen Stint und konnte mit den weicheren Pirelli-Primes (Soft) die besseren Zeiten fahren als Rosberg (Option/Hard). Nach dem Positionstausch gleich der Funkspruch: "Ihr dürft gegeneinander racen, aber macht keinen Unsinn!"

    "Normalerweise sind die Plätze sieben und acht das Maximum für uns. Heute hat es sich bezahlt gemacht, unsere Stärken zu nutzen und konstant durchzufahren, während andere Fehler gemacht haben", sagt Schumacher. Dass er den längeren Stint als Rosberg gefahren ist, sei keine absichtliche Strategie gewesen: "Es lag nur einfach daran, dass seine Reifen jeweils früher fertig waren als meine. Das heißt: Er musste an die Box."

    Rosberg ärgert sich über frühen Stopp
    Rosberg war über die strategische Verschiebung "nicht sauer", aber auch nicht glücklich: "Ist halt schade, denn meine Strategie war im Nachhinein sicherlich die langsamere war. Müssen wir mal schauen, warum das so war, aber ich hatte schon ein schlechtes Gefühl dabei. Und leider ist auch beim Boxenstopp etwas schief gegangen, aber das kann passieren", bedauert er und sagt über die Schlussphase hinter Schumacher: "Versucht habe ich es, aber ich kam nicht näher ran."

    Rosberg konnte keine Attacke mehr reiten und rollte als Sechster über die Ziellinie, 17,3 Sekunden vor Hamilton. Der erlebte einmal mehr einen schwarzen Nachmittag: "Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich entschuldige mich beim Team und bei den Sponsoren. Es war ein katastrophales Rennen. Einfach ein katastrophales Jahr", ärgert sich der erneut sichtlich niedergeschlagene Weltmeister von 2008.

    Immerhin blieb er diesmal vor den Rennkommissaren verschont, obwohl es in der 24. Runde zum x-ten Mal mit Massa krachte! Hamilton setzte sich innen neben den Ferrari des Brasilianers und war noch nicht auf gleicher Höhe, als dieser die Tür zuschlug. "Ich hatte nicht das Gefühl, einen Fehler gemacht zu haben. Er hat mir keinen Platz gelassen", findet Hamilton. "Ich würde sagen, es war ein Rennunfall." Das sag die Rennleitung anders - und bestrafte Massa!

    Kollision wirklich Massas Schuld?
    Eine vertretbare Entscheidung, wie 'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer findet: "Massa fährt innen und schaut rüber. Er hat ihn gesehen und zieht trotzdem rein", analysiert der ehemalige Formel-1-Pilot bei den TV-Kollegen von 'Sky' den Aufreger des Rennens. "Meiner Meinung nach hat er es drauf angelegt, dass es kracht. Er kann natürlich versuchen, mitzufahren um die Kurve, aber er kann nicht einfach reinziehen."

    Während Hamilton an die Box kommen musste, konnte Massa zunächst an fünfter Stelle liegend weiterfahren. "Ich weiß nicht, ob ihr das sehen könnt, aber ich habe ein Getriebeproblem beim Runterschalten", funkte er seinem Renningenieur Rob Smedley. In der 33. Runde schied er dann mit gebrochener Radaufhängung aus. Ursache war nicht etwa ein Folgeschaden der Kollision, sondern der gleiche Fehler wie im Qualifying: zu aggressiv über die Kerbs geräubert...

    Sutil weit vom Podium entfernt
    Um die verbleibenden Punkteränge entbrannte ein heißer Kampf, aus dem sich Bruno Senna (Renault) mit einem späten Boxenstopp verabschiedete. So rückte Adrian Sutil noch auf Platz neun auf: "Eigentlich bin ich damit ganz glücklich. Letztendlich ist das die Position, wo wir meistens sind", meint der Force-India-Pilot. "Ich habe mein Bestes gegeben, konnte die Toro Rossos aber nicht schlagen. Wir hatten Glück, dass einer ausgeschieden ist, so habe ich eine Position geerbt."

    Sutil kam 15,7 Sekunden hinter Jaime Alguersuari (Toro Rosso) ins Ziel, der eine starke Performance ablieferte. Zehnter wurde Sergio Perez (Sauber), dessen Pace im Renntrimm deutlich besser war. Sein Teamkollege Kamui Kobayashi schied hingegen gleich zu Beginn aus: "Jemand hat mich von hinten angerempelt und dann habe ich mich gedreht, aber ich hatte auch einen Reifenschaden. Ich sah Rauch aus dem Getriebe oder was auch immer und musste anhalten", seufzt der Japaner.

    Insgesamt sahen 19 von 24 gestarteten Autos die Zielflagge, darunter auch der bärenstark auffahrende Heikki Kovalainen (Lotus), der phasenweise sogar an zehnter Stelle lag und am Ende 14. wurde, vor Rubens Barrichello im Williams! Dessen Teamkollege Pastor Maldonado zählte zu den fünf Ausfällen: "Wir hatten ein Problem mit dem Getriebe. Ich bin wirklich enttäuscht, denn wir waren flott unterwegs", seufzt der Venezolaner.

    Gelungenes Heimrennen für Karthikeyan
    Lokalmatador Narain Karthikeyan schlug sich achtbar und kam als 17. ins Ziel, eine halbe Minute vor seinem HRT-Stallgefährten Daniel Ricciardo. Timo Glock (Marussia-Virgin) war hingegen ein Opfer der Startkarambolage: "Ich kam in Kurve eins an und vor mir flogen schon die Teile. Ich versuchte noch, etwas eher zu bremsen, doch irgendwann fuhr ein Sauber direkt vor mein Auto. Wo der herkam, weiß ich nicht", wundert er sich über Kobayashi.

    "Ich konnte aber auf jeden Fall nicht ausweichen. Ich fuhr ihm in die Kiste und danach war mein Frontflügel kaputt. Wir tauschten das Teil aus, doch beim Reifenwechsel ging vorne rechts das Rad nicht richtig drauf. Es war nicht richtig befestigt. Ich musste also wieder zurückfahren. Dann bemerkten wir, dass die komplette linke Seite im Eimer war. Es wäre nicht sinnvoll gewesen, weiterzufahren", schildert der Deutsche seinen frühen Ausfall.

    In der Fahrer-WM liegt Seriensieger Vettel uneinholbar mit 374 Punkten in Führung. Kurs auf Platz zwei nimmt weiterhin Button (240), gefolgt von Alonso (227) und Webber (221). Auch bei den Konstrukteuren sind die Fronten klar geregelt: Red Bull (595) vor McLaren (442) und Ferrari (325). Weiter geht's in zwei Wochen mit dem Grand Prix von Abu Dhabi. Danach folgt nur noch das Saisonfinale in Brasilien (27. November).
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    Vettel-Boss versöhnt: „Er ist wie Rooney“

    Vettel-Boss versöhnt: „Er ist wie Rooney“

    Red-Bull-Teamchef Christian Horner hat Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel sein eigenmächtig eingegangenes Risiko im Indien-Rennen verziehen.

    „Er hat sich nach seiner kleinen Show bei mir entschuldigt“, sagte Horner zu Welt Online: „Er kann da nicht aus seiner Haut heraus. Das verstehe ich. Er ist ein Vollblutrennfahrer, auf dem Fußballfeld wäre er ein Mittelstürmer. Ein Wayne Rooney, der immer Tore schießen will.“

    Nachdem Vettel in Indien trotz klarer Führung in der letzten Runde ein Risiko eingegangen war und die schnellste Rennrunde gefahren hatte, hatten die Bosse den zweimaligen Weltmeister noch gerügt. „Er weiß, dass wir das nicht mögen“, hatte Horner damals gesagt: „Wir haben unser Bestes getan, um ihn einzubremsen, aber wir konnten nichts machen. Wir hätten ihm eine Kuh in den Weg stellen sollen.“

    Nun erklärte Horner, Vettel sei vernünftig und sicher nicht bis an die Grenze gegangen. Er habe „vielleicht etwas für seine Statistik tun“ wollen. Vettels Aussage, dass ihm Rekorde nichts bedeuten würden, zog der Brite nämlich in Zweifel, als Streber würde er seinen Schützling aber nicht bezeichnen. „Streber sind verkrampft, er hat eine nüchterne Intelligenz und ist stets nett dabei“, meinte Horner: „Er hat einen Killerinstinkt, dabei sieht er aus wie ein Unschuldslamm. Er ist ein Perfektionist und enorm ehrgeizig. Wenn er vom Fahrerlager zum Parkplatz geht und jemand vor ihm ist, muss er an ihm vorbei. Das Überholen liegt ihm im Blut.“

    Einen baldigen Verlust des Champions fürchtet der Teamchef nicht. „Wir geben Sebastian ein gutes Umfeld, ein Team, in dem unglaublich viel Energie steckt“, erklärte er: „Wenn wir ihm kein schnelles Auto mehr bauen, hat er alles Recht auf dieser Erde zu gehen. Aber so weit werden wir es nicht kommen lassen.“

    Vettel im Pech: Webber gewinnt das Saisonfinale

    Vettel im Pech: Webber gewinnt das Saisonfinale

    Doppelsieg für Red Bull: Wegen Getriebeproblemen muss Sebastian Vettel Mark Webber den Sieg überlassen - Jenson Button fixiert den Vize-WM-Titel

    Im 19. und letzten Rennen der Formel-1-Saison 2011 hat sich Mark Webber endlich seinen ersten Sieg gesichert: Der Red-Bull-Pilot profitierte von technischen Problemen seines Teamkollegen Sebastian Vettel, der mit stumpfen Waffen Zweiter wurde, und wiederholte damit im Autodromo Carlos Pace von Sao Paulo seinen Triumph aus dem Jahr 2009.

    Allerdings änderte das nichts mehr am Ausgang der Fahrer-WM, denn Jenson Button (McLaren) reichte ein dritter Platz, um den Vizetitel endgültig zu fixieren. Trotzdem hatte Webber allen Grund, sich so richtig zu freuen, denn nach einer schwierigen Saison kann er nun mit positivem Gefühl in den Winter gehen: "Das ist ein würdiger Abschluss mit dem RB7. Leider habe ich ja nicht allzu viele schöne Erinnerungen an dieses Auto..."

    Machtdemonstration von Red Bull
    Das Weltmeisterteam Red Bull demonstrierte beim Saisonfinale in Brasilien noch einmal eindrucksvoll seine Klasse. Schon am Start verteidigten Vettel und Webber ihre Spitzenpositionen souverän - und Vettel zündete wieder den Turbo: Als in der dritten Runde DRS freigegeben wurde, hatte er schon 2,2 Sekunden Vorsprung und war somit aus der Gefahrenzone. Anschließend kontrollierte er den Abstand zu Webber bei rund dreieinhalb Sekunden.

    Doch dann die Wende im Grand Prix: In der 14. Runde wurde der Führende erstmals angefunkt, dass sich Getriebeprobleme abzeichnen und er im zweiten und dritten Gang früher hochschalten soll. Vettel steckte zunächst nicht zurück und ätzte nach mehrfacher Ermahnung durch das Team: "Aber dann falle ich hinter Mark zurück!" Antwort: "Wir haben ein wirklich ernsthaftes Problem." Eine Diskussion, die sich bis in die 30. Runde hinzog.

    Erst dann ließ der Deutsche seinen australischen Teamkollegen aufschließen und ging vor dem Senna-S demonstrativ vom Gas. "Er wollte allen zeigen, dass er ihn freiwillig vorbeilässt", analysiert Experte Marc Surer. Gegen Rennende nahm Vettel sein Schicksal dann schon mit Humor: "Ich komme mir vor wie Senna 91." Damals hatte Ayrton Senna mit am Ende nur noch einem Gang auf dramatische Weise seinen Heim-Grand-Prix gewonnen...

    Erinnerungen an Senna 1991
    Die Analyse im Nachhinein hat ergeben: Schon ab der fünften Runde stieg die Getriebetemperatur zu stark an, sodass kein zugkraftunterbrechungsfreies Schalten mehr möglich war. "Der Unterschied ist, dass Senna 1991 gewonnen hat", grinst der Zweitplatzierte, der sich mit dem gestern gesicherten Mansell-Pole-Rekord trösten kann. "Schade, denn alles lief gut, aber dann musste ich früher schalten und den Motor runterdrehen. Da fiel mir dieser Vergleich ein."

    "Das Getriebe von Sebastian war bereits nach fünf Runden in atemberaubend hohen Temperaturen", erklärt auch Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko. "Er durfte nicht mehr ohne Zugkraftunterbrechung schalten, brachte aber trotzdem noch klasse Zeiten zustande. Wir hatten eigentlich nach 15 Runden keinen Öldruck mehr. Da gab es die Überlegung: Stoppen wir oder was machen wir? Wir haben es riskiert."

    Vettel freut sich auf die Winterpause
    "Aber Mark ist ein fantastisches Rennen gefahren und verdient den Sieg", sagt Vettel anerkennend. "Ich weigere mich dagegen, so etwas Pech zu nennen, auch wenn ich es nicht selbst in der Hand hatte. Es war eine erstaunliche Saison. Es wäre vermessen, jetzt sauer zu sein. Wir freuen uns über diesen Doppelsieg, denn es war ein fantastisches Jahr mit einem schönen Abschluss. Jetzt freue ich mich darauf, im Winter die Batterien aufzuladen."

    Webber demonstrierte indes, dass auch er ein Siegertyp ist, und drehte in den Runden 69, 70 und 71 jeweils die schnellste Runde im Rennen, am Ende 1:15.324 Minuten. Es war seine siebte schnellste Rennrunde der Saison, womit er sich die von einem Logistikunternehmen ausgeschriebene Fastest-Lap-Trophy sichert - lediglich ein schöner Trostpreis, denn in der Weltmeisterschaft bleibt ihm diesmal nur der dritte Gesamtrang.

    "Ich fühlte mich das ganze Wochenende gut, aber gestern hat Seb eine gute Runde erwischt. Ich hätte heute gerne gegen ihn gefightet, aber er hatte ein technisches Problem. Trotzdem freue ich mich über diesen Sieg, denn ich hatte dieses Jahr viel Pech. Die letzten Runden waren sehr schön. Das ist ein wichtiger Sieg für mich", jubelt Webber und widmet den Erfolg seinem Freund Bob Woods, der an einer schweren Krankheit leidet.

    Duell zwischen Alonso und Button
    Hinter dem Red-Bull-Express ging es deutlich knapper zu: Zunächst lag Button an dritter Stelle, doch der Brite musste schon früh Fernando Alonso (Ferrari) vorbeilassen - vermeintlich kampflos. Doch der Schein war trügerisch: "Ich hatte die Wrackteile vor mir, ich glaube von Michael. Da wollte ich nicht reinfahren, aber neben mir war schon Fernando, daher musste ich lupfen und konnte mich nicht wehren", schildert Button.

    Die Revanche gelang ihm aber, als er rund zehn Umläufe vor Schluss im Senna-S eine Attacke setzte, die Alonso gerade noch abwehren konnte - nur hatte Button dadurch den besseren Schwung in die DRS-Zone. "Es war ein schwieriges Rennen für mich, besonders mit den weichen Reifen", sagt er über seinen dritten Platz. "Mehr als Rang drei war nicht drin. Ich bin jede Runde wie im Qualifying gefahren, aber mehr ging nicht."

    Getriebeschaden bei Hamilton
    Über weite Strecken lag der neue Vize-Champion unmittelbar vor seinem McLaren-Stallgefährten Lewis Hamilton, bei dem sich genau wie bei Vettel Getriebeprobleme abzeichneten. Aber als er sich nach dem letzten Boxenstopp gerade Felipe Massa (Ferrari) zurechtlegen wollte, riss beim McLaren plötzlich der Vortrieb ab: "Ich legte mich am Ende mit Felipe and und hoffte, ihn noch zu schnappen. Dann ging aber das Getriebe kaputt", bedauert Hamilton.

    So blieb für Massa in seinem 100. Ferrari-Grand-Prix der fünfte Platz, gefolgt von Adrian Sutil, der bei seiner Abschiedsvorstellung für Force India wieder einmal eine grandiose Performance ablieferte und sogar Nico Rosberg im Werks-Mercedes (im zweiten Anlauf im Senna-S) niederfightete - obwohl er auf trockener Strecke auf eine Dreistoppstrategie setzte, während Massa, Rosberg und auch Teamkollege Paul di Resta (8.) nur zweimal die Reifen wechseln ließen.

    Force India schaffte dennoch das Wunder nicht, Renault in der Konstrukteurs-WM noch zu überholen, und Sauber verteidigte Platz sieben gegen Toro Rosso. Als Kamui Kobayashi auf di Resta aufschloss, gingen den Schweizern am Kommandostand die Nerven durch: "Bitte mach keine Dummheiten mehr", wurde dem Japaner ins Cockpit gefunkt. Zuvor hatte schon Sergio Perez für Aufregung gesorgt, als er sich im Infield der Strecke drehte, aber weiterfahren konnte.

    Senna: Kollision im Senna-S
    Witali Petrow (Renault) holte einen WM-Zähler, sein Teamkollege Bruno Senna wurde nur 17. Dabei hatte sich der Lokalmatador mit dem gelben Helm lange an neunter Position behauptet, ehe es im Senna-S zur Kollision mit dem von hinten attackierenden Michael Schumacher (Mercedes) kam. "Für mich eindeutig die Schuld von Senna", analysiert Experte Niki Lauda. Experte Surer widerspricht: "Man kann keinen Schuldigen ausmachen, sie haben sich einfach berührt."

    Schumacher selbst findet den Crash "sehr ärgerlich. Das hat mich sofort an 2006 erinnert - ähnliche Situation, gleiche Konsequenz. Ich habe erst gedacht, was es noch für einen Sinn hat, das Rennen zu Ende zu fahren, weil ich dachte, das Auto hätte Schaden genommen. Das war nicht der Fall, also haben wir dann doch weitergekämpft. Dann haben wir noch auf den rettenden Regenschauer gehofft, aber der ist nicht gekommen."

    Buemi von Alguersuari geschlagen
    Das interne Toro-Rosso-Duell gewann Jaime Alguersuari um 11,3 Sekunden vor Sebastien Buemi - möglicherweise ein wichtiges Ergebnis für die Cockpitvergabe 2012. Rubens Barrichello (Williams) wurde nach kämpferischer Leistung noch 14., obwohl er am Start zunächst weit zurückgefallen war. Sein Teamkollege Pastor Maldonado beendete die an und für sich solide Debütsaison mit einem Dreher im Infield der Strecke.

    Zu den Ausgeschiedenen zählte übrigens auch Timo Glock, bei dem sich noch in der Boxenausfahrt ein Rad löste. "Ich weiß nicht, wie man den Boxenstopp so verhauen und mich dann noch hinausschicken kann", ärgert er sich über die Marussia-Virgin-Crew. "Das Rad war einfach nicht drauf. Ich kann nicht viel dazu sagen. Es ist einfach schwierig, dass man nach zwei Jahren noch einen solchen Fehler macht. Da muss sich das Team auf den Arsch setzen und daran arbeiten."

    Nach 19 Rennen ist Vettel mit einem neuen Punktrekord von 392 Zählern Formel-1-Weltmeister 2011. Auf den Plätzen folgen Button (270) und Webber (258), der durch seinen Sieg noch Alonso (257) überholt hat. Bei den Konstrukteuren triumphiert Red Bull mit 650 Punkten vor McLaren (497), Ferrari (375) und Mercedes (165). Nun ist Winterpause. Weiter geht's erst mit dem Grand Prix von Australien am 18. März 2012 in Melbourne.
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