Apnoe-Tauchen

      Apnoe-Tauchen

      Abtauchen bis zum Atemzwang

      Apnoe-Sport:
      Rüsselsheimer Verein Segeltaucher kratzt an kreatürlichen Grenzen – Eine Frau ist Beste


      Zwischen Einatmen und Ausatmen liegt meist kaum ein Wimpernschlag, vielleicht mal ein beiläufiges Kratzen am Kopf oder ein gedankenloser Griff zur Nase. Ein täglich tausendfacher, unbewusster, elementarer Vorgang. Bei Marianna Krentz liegen zwischen Luftholen und Ausatmen mehrere Minuten, sanft untergetaucht im kachelblauen Schwimmbadwasser. Einmal in der Woche atmet sie mit vollstem Bewusstsein ein und aus. Im Training ihres Vereins Segeltaucher. Marianna Krentz ist einzige Apnoe-Taucherin im Landkreis. Mit fünf weiteren Vereinsmitgliedern, darunter Ehemann und Vereinsgründer Siegfried Krentz, hat sich die 31 Jahre alte Klavierlehrerin einen Sport daraus gemacht, so lange wie möglich unter Wasser die Luft anzuhalten.
      In der statischen der beiden Disziplinen des Apnoe-Tauchens, dem Untertauchen am Beckenrand, hält sie mit vier Minuten und zwölf Sekunden sogar den Vereinsrekord. Nur beim dynamischen Streckentauchen mit Flossenantrieb ist sie mit ihren 60 Metern nicht zufrieden. Dass ausgerechnet eine Frau in Ruhe mit einem Atemzug länger durchhält als die Männer bestätige die Theorie, dass die geringere Muskelmasse der Frauen geringeren Sauerstoffverbrauch bedeute, sagt Markus Kneissl, der das Apnoe-Tauchen bei den Segeltauchern eingeführt hat. Als ehemaliger Leichtathlet beim LC Rüsselsheim wollte er auf Wettkampfelemente im Tauchsport nicht verzichten. Und sportlichen Ansporn unter Wasser biete allein das Apnoe-Tauchen. Marianna Krentz: „Beim allerersten Mal schaffte ich zwanzig Sekunden, alle haben gelacht und mein Ehrgeiz war geweckt“. Zwei Jahre später ist es an Markus Kneissl, den Vereinsrekord der jungen Frau zu knacken. Mit 3:33 Minuten das erklärte Ziel des 28 Jahre alten Informatikers, den es als ehemaligen Hochspringer (Bestleistung 1,95 Meter) von luftigen Höhen in wässrige Tiefen zieht.

      Beim statischen Luftanhalten gegen die Uhr kommt es mental wie körperlich auf die maximale Entspannung an, um das entscheidende Spürchen Sauerstoff zu sparen. Markus Kneissl: „Ich denke an nichts und stelle mir vor, ich will schlafen gehen“. Marianna Krentz hört auf „ihren Herzschlag“, lauscht den gedämpften Geräuschen des Schwimmbads, schaltet ihre Gedanken ab, genießt das Schweben im Wasser. Und auch nach dem Auftauchen, wenn der Drang zu Atmen doch übermächtig geworden ist, weil die Kohlendioxidrezeptoren in der Lunge unwiderstehlich Alarm geschlagen haben, sei oberstes Gebot, ruhig zu bleiben.

      Diese innere Ruhe gepaart mit der sich mächtig einstellenden Sauerstoffschuld führt insbesondere bei Wettkämpfen dazu, dass Apnoetisten beim statischen Abtauchen tatsächlich einschlafen, weswegen stets ein Kampfrichter seinen Kopf mit unter Wasser steckt, um rettend beziehungsweise weckend einzugreifen. „Beim Berlin-Cup 2006 ist ein Drittel der Teilnehmer weggenickt“, erinnert sich Markus Kneissl an seinen Wettkampf in der Hauptstadt. Die kritische Schwelle liege bei vier Minuten; beim flossengetriebenen Streckentauchen sei ab 100 Meter Vorsicht geboten, sagt Kneissl, der in dieser Disziplin mit 81 Metern den Vereinsrekord hält. Entsprechend flösselt auch hier stets ein Kampfrichter mit.

      Um ihre Gesundheit bangen die Rüsselsheimer Sportler freilich nicht. Auch weil die dritte Apnoe-Disziplin, das Tieftauchen im Meer, bei dem Tiefen von über hundert Metern erreicht werden, kein Thema für die „Segeltaucher“ ist. Viel zu aufwendig, und tatsächlich nicht ungefährlich. „Ab 40 Metern wird es kritisch“. Die Tiefenjagd hafte dem Apnoe-Tauchen aber als Schreckgespenst an, weswegen einige Großeltern der Rüsselsheimer den Enkeln das Hobby schon ausreden wollten.

      Neben den sportlichen Anreizen verschaffe das Apnoe-Tauchen vor allem Sicherheit für das Gerätetauchen mit Sauerstofflasche. „Wenn ich weiß, dass ich einige Minuten ohne Sauerstoff aushalten kann, bewahre ich Ruhe“, sagt Markus Kneissl. Er hat tatsächlich erst jüngst eine kritische Situation mit Umsicht überstanden, als ihm ein unerfahrener Mittaucher versehentlich den Pressluftschlauch abriss.

      In der Welt des Schwimm- und Tauchsports besetzen Apnoe-Taucher eine winzige Nische. Mit der Folge, dass es „bei Wettkämpfen gleich auf nationaler und internationaler Ebene losgeht“, sagt Siegfried Krentz. In Deutschland gibt es zwei Wettbewerbe, den Berlin-Cup und den Rhein-Main-Cup in Wiesbaden. An beiden beteiligen sich die Segeltaucher. Beim nächsten Rhein-Main-Cup am 22. September wollen die Rüsselsheimer betont als Mannschaft im „typischen Einzelgängersport“ auftreten. Bis dahin trainieren Andreas Woll, Andreas Schneider, Patric Jung, Siegfried Krentz, Markus Kneissl und Marianna Krentz an den Samstagmorgen abwechselnd in den Hallenbädern von Hochheim und Groß-Gerau und im Sommer auch im Walldorfer Waldsee.

      Apnoe-Tauchen lernt und verbessert man durch Apnoe-Tauchen, hinzukommen Yoga, Atem- und Entspannungsübungen. Eine jährliche sportärztliche Untersuchung ist Voraussetzung für die Wettkampfteilnahme.

      Die weltbesten Apnoetisten kommen traditionell aus den Mittelmeerländern wie Frankreich und Italien, wo der Sport aus der Schwammsucherkultur entstanden ist („Mit Steinen beschwert runter, mit Schwämmen beladen wieder hoch“). Dennoch ist es der Deutsche Tom Sietas, der im statischen Tauchen Weltrekord(luftan)halter ist: in Hamburg brachte er es Anfang des Jahres auf Ehrfurcht gebietende neun Minuten und acht Sekunden. Eine Zeit, in der Eier zweimal gar werden.

      Zeiten und Strecken

      Nachfolgend die besten Ergebnisse der Apnoetisten unter den Rüsselsheimer Segeltauchern:
      Siegfried Krentz: 1:52 Minuten (statisch) – 54 Meter (Strecke),
      Marianna Krentz (4:12 min/60m),
      Andreas Schneider (2:50min/60m),
      Thomas Groß (3:18 min/50m),
      Patric Jung (1:45 min/40m),
      Markus Kneissl (3:33min/81m).

      Wiener stellte Weltrekord im Apnoe-Tauchen auf

      Wiener stellte Weltrekord im Apnoe-Tauchen auf

      Der Wiener Herbert Nitsch hat am Mittwoch einen Weltrekord im Apnoe-Tauchen aufgestellt. Vor der griechischen Insel Spetses tauchte der 37-jährige Berufspilot mit einem Atemzug 185 Meter in die Tiefe und wieder zurück an die Oberfläche. Der erfolgreiche Rekordversuch wurde von mehreren Videokameras dokumentiert und von zwei Juroren überwacht.

      A.I.D.A., der internationale Dachverband des Apnoe-Tauchens, hat die Gültigkeit des Weltrekords - vorbehaltlich Dopingtest - bestätigt. Laut der Organisation brauchte Nitsch vier Minuten und sechs Sekunden. Für den Wiener ist es bereits der 17. Weltrekord.

      Beim Apnoe-Tauchen lässt sich der mit Gewichten beschwerte Taucher ohne Pressluft an einem Seil in die Tiefe "fallen" und kommt mit Hebeballons oder Gegengewichten an die Oberfläche zurück. Dabei muss er einem enormen Wasserdruck standhalten.

      Apnoetauchen ist die älteste Form des Tauchens. Bereits in der Steinzeit wurden auf diesem Weg zum Beispiel Muscheln, Schwämme und Perlen gesammelt sowie Fische mit Speeren gejagt.

      Weltrekord im Freitauchen

      Weltrekord im Freitauchen

      18.06.2007 | 13:50:37

      SPETSES – Freitauchen oder Apnoe-Tauchen gibt es nicht nur im Film – Jetzt gibt es einen neuen Weltrekord von 214 Metern. Das ist so tief wie drei Boeing 747 Jumbo-Jets lang sind.

      Zwei Meter unter der Oberfläche ist das Wasser noch lichtdurchflutet und warm. In 200 m Tiefe sieht das anders aus: vier Grad und stockdunkel.

      Der Wiener Freitaucher Herbert Nitsch hat am Wochenende seinen eigenen Weltrekord im Apnoe-Tauchen verbessert. Vor der griechischen Insel Spetses tauchte der Berufspilot am Samstag mit einem Atemzug 214 Meter in die Tiefe und wieder zurück an die Oberfläche. Damit übertraf er seine bisherige Bestmarke, die er erst am Mittwoch mit 185 Metern aufgestellt hatte, gleich um 29 Meter.

      In der Apnoe-Disziplin, der Königsdisziplin des Tauchens, lässt sich der mit Gewichten beschwerte Taucher – wie im berühmten Film «Im Rausch der Tiefe« («Le grand bleu») von Frankreichs Regie-Star Luc Besson – ohne Pressluft oder Gasgemisch an einem Seil in die Tiefe «fallen» und kommt mit Hebeballons oder Gegengewichten an die Oberfläche zurück. Dabei muss er einem enormen Wasserdruck standhalten. Für Nitsch war es bereits der 18. Weltrekord.

      Zu den Toten und zurück

      Zu den Toten und zurück --> Interessanter Bericht!!!

      Der Österreicher Herbert Nitsch gilt als der beste Free Diver der Welt. Er kann länger ohne Luft unter Wasser bleiben, als es Delphine tun. Nun wollte er tiefer als 200 Meter tauchen. Andere haben schon weit weniger nicht überlebt.

      Es ist kurz nach ein Uhr nachmittags an diesem 16. Juni, als Nitsch auf das hintere Deck einer Zwanzig-Meter-Jacht tritt. Nitsch schlendert in seinen Flip- Flops so gelassen daher, als wolle er nur kurz einen Zeh ins Wasser halten, um sich dann wieder aufs Sonnendeck zu verziehen.

      Die Jacht liegt vor der griechischen Insel Spetses im offenen Meer. Es herrscht Badewetter. 33 Grad, sanfter Wind, am Himmel keine Wolke. Reiche Athener haben auf Spetses ihre Ferienhäuser. Spetses ist ein Ort der Zuflucht vor der Hitze und dem Smog. Doch für einen wird es hier gleich sehr ungemütlich werden. «Das Tauchen ist in diesem Fall der leichte Teil. Das Schwierige ist das Überleben», hat Nitschs englischer Coach beim Frühstück gesagt.

      Nitsch hält sich die Hand über die Augen. Das, was hier gleich auf dem Programm steht, hat noch ein Dutzend andere Schiffe angezogen. Jachten, Motorboote, voller Leute. Auf einem der Schiffe redet ein Mann mit einem Mikrofon in der Hand in eine Fernsehkamera. Der Mann zeigt hinüber zu einem Schiff, über dessen eine Seite eine Winde ragt. An der Winde hängt etwas, das aussieht wie eine schwarze Boje. Es ist das Gerät, das Nitsch gleich in die menschenfeindlichste Zone dieses Planeten katapultieren soll, menschenfeindlicher als der Mount Everest: auf 214 Meter Meerestiefe. Und das mit einem einzigen Atemzug.

      Nitsch würde damit seinen eigenen Weltrekord noch einmal um 30 Meter übertreffen. Nitsch ist der Michael Schumacher einer Sportart, die sich Free Diving oder Apnea nennt. Apnea ist griechisch und heisst «ohne Atmen». Nitsch hält fast jeden Rekord, einer hat den Versuch, mit ihm mitzuhalten, schon mit dem Leben bezahlt.

      Mit Einsatz aller Mittel
      Weltweit gibt es rund 20 000 Free Divers. Die meisten messen sich bei Wettkämpfen in der Sicherheit von Schwimmbecken, oder sie wagen sich 30, 40 Meter tief ins Meer. Doch ein paar treiben die Sache weiter. Ihr Wettkampf heisst «No Limits». «No Limits» bedeutet mit einem Atemzug so tief tauchen wie möglich. Mit dem Einsatz fast aller Mittel.

      Beim «No Limits»-Tauchen rast der Taucher auf einem mit Gewichten beschwerten Schlitten nach unten, dann an einem Ballon zurück an die Oberfläche. Seinen Anfang nahm das Ganze in den sechziger Jahren. Damals lieferten sich der Franzose Jacques Mayol und der Italiener Enzo Maiorca über Jahre ein Duell. Einem breiten Publikum bekannt wurde «No Limits» durch den Kultfilm «The Big Blue» des französischen Regisseurs Luc Besson. Dort gilt die 100-Meter-Marke als Grenze zwischen Leben und Tod.

      Das Kino hat für einmal untertrieben. Ausser Nitsch tauchten schon fünf Menschen tiefer als 160 Meter. Unbeschadet überstanden hat die Sache aber ausser ihm nur die Amerikanerin Tania Streeter. Der Venezolaner Carlos Costa sitzt im Rollstuhl, zwei andere sind tot. Die Französin Audrey Mestre verunglückte 2002 in der Karibik. Ihr Ballon für den Wiederaufstieg versagte, der Lufttank war leer. Und am 11. April dieses Jahres starb der Franzose Luïc Leferme vor der südfranzösischen Küste.

      Leferme war im Training. Er wollte den Weltrekord zurück, den ihm Nitsch vor zwei Jahren entrissen hatte. Die nachtschwarze Wasserwelt unter hundert Meter nannte Leferme «meinen kleinen, geheimen Garten». Was ihn dort unten umbrachte, ist bis heute nicht klar. Irgend etwas hatte sich mit dem Seil des Schlittens verheddert.

      Nitsch nimmt sich alle Zeit der Welt um zuerst seinen Neopren-Anzug, dann die Neopren-Schuhe, die Neopren-Handschuhe und schliesslich die Messgeräte an seinem Handgelenk anzuziehen. Ein Helfer verschliesst ihm die Enden der Ärmel und der Hosenbeine mit einem schwarzen Klebband, um den Wasserwiderstand noch mehr zu minimieren.

      Die Welt ist blau
      Dann lässt sich Nitsch rückwärts ins Wasser fallen. Lachend. Sein Vater hält den Moment mit einer kleinen, silbrig glänzenden Digitalkamera fest. Der Vater lacht nicht. Auf der Fahrt hinaus aufs Meer hatte er einer englischen Journalistin in den Notizblock diktiert: «Nein, ich bin nicht begeistert über das, was der Herbert hier macht. Es wäre mir lieber, er würde es nicht tun.»

      Nitsch schwimmt mit langsamen Zügen zum Tauchschlitten hinüber. Die ganze Welt ist blau. Am Horizont verschwimmt das blaue Meer mit dem blauen Himmel in einem leichten Dunst. Nitsch ist kein Mann der vielen Worte. Noch etwas, was ihn mit den Bewohnern des Meeres verbindet. Doch am Tag zuvor hatte er zu erklären versucht, was ihn zum Free Diver machte.

      Er erzählte vom Stolz, als er mit zwölf auf einem Segeltörn der Familie den festsitzenden Anker lösen konnte. Von Ferien am Roten Meer, als er auf dreissig Meter hinuntertauchte und damit, ohne es zu wissen, den österreichischen Rekord egalisierte. Vom Erstaunen in den Augen der Tauchtouristen auf den Malediven, wenn auf 40 Meter unten einer ohne Flaschen dahergeschwommen kommt. Vom Respekt der Speerfischer in Indonesien, wenn einer länger unter Wasser bleibt als sie.

      Rund um den Tauchschlitten erwarten Nitsch ein Dutzend Helfer. Jemand ruft: «Top Time 15 minutes». 15 Minuten bis zum Tauchgang. Nitsch kann in ruhigem Zustand neun Minuten die Luft anhalten. Ist er in Bewegung, reicht Nitsch die Luft in seinen Lungen noch immer sechs Minuten. Delphine tauchen in der Regel öfter auf. Nitschs Lungenvolumen beträgt 15 Liter. Solche Riesenlungen sind sowohl Veranlagung als auch Training. Nitschs Training besteht unter anderem aus Jogging, bei dem er nur einmal in der Minute ein- und ausatmet.

      Zehn Minuten vor dem Tauchgang wird Nitsch von den Helfern auf den Schlitten geschnallt. Die körperliche Konstitution ist beim «No Limits»-Tauchen das eine, die Technik das andere. «No Limits» ist Raumfahrt für Hobby- Tüftler. Nitschs neuster Schlitten ist die Konstruktion eines Mannes, der sonst Harpunen baut. Nitsch kann jetzt nur noch die Arme bewegen, er ist jetzt ausgeliefert. «Nicht er, wir bringen ihn dort runter und - hoffentlich - wieder rauf», hat sein Coach gesagt. In so einer Lage hilft es vielleicht, dass Nitsch in seinem bürgerlichen Leben Pilot ist. Es hat ein positives Verhältnis zur technischen Machbarkeit. Luïc Leferme und seine Leute haben Nitsch nur «den Roboter» genannt.

      Plan B, C, D und E
      Der Schlitten ist schneller und sicherer als bisherige Konstruktionen. Für den Aufstieg sorgt kein Ballon, sondern eine Art Helm aus Carbon und Hartschaum mit enormer Auftriebskraft. Funktioniert das mit dem Hartschaum nicht, gibt es neben Plan B auch einen Plan C, D und E: eine manuelle Winde, zwei Elektromotoren mit separater Stromversorgung sowie ein Speed- Boot, das den Schlitten notfalls auch aus dem Wasser reissen kann.

      Läuft alles nach Plan A, sollte Nitsch nicht viel länger als vier Minuten unter Wasser bleiben. Die Luft ist also eher kein Problem. Das Problem ist der Druck. Nitsch hat mittlerweile auch eine Spezialbrille an, die praktisch nur aus zwei Kontaktlinsen besteht. Jede andere Brille würde die Kräfte nicht aushalten, die in Meerestiefen herrschen, in die Nitsch gleich abtauchen wird. In 214 Meter Tiefe herrscht ein Druck von 21 Bar. Siebenmal so viel wie in einem Autoreifen. Der Druck auf 214 Meter kann auch einem U-Boot-Kapitän Angst einjagen.

      Die letzte Minute vor dem Tauchgang, «Top time one minute» läuft. Der Mann vom Fernsehen nimmt seine Kamera wieder auf die Schulter. Nitschs Vater hört auf zu fotografieren. Die kleine Kamera baumelt jetzt an seinem Handgelenk. Nitschs Vater ist womöglich der Einzige, der in diesem Moment nicht in die Richtung seines Sohnes blickt. Sein Blick geht auf die andere Seite. Er sieht nicht, wie sein Sohn noch Zeige- und Mittelfinger zu einem Victory-Zeichen formt, den Mund noch einmal aufreisst, was ihm einen erstaunten Ausdruck verleiht - und dann im Meer verschwindet.

      Sofort beginnt jemand damit, die Tiefe auszurufen. Es geht rasend schnell. «30 meters, 40 meters, 50 meters.» Das Seil auf der Winde macht ein surrendes Geräusch. Dann 70. Es sind noch keine 30 Sekunden vergangen. Jedem normalen Menschen hätte es bei diesem Tempo bereits das Trommelfell zerfetzt. Wahrscheinlich hätte er auch das Bewusstsein verloren. Wenn nicht mehr. Der Druck nimmt so rasend schnell zu, dass er nur noch mit einer Methode ausgeglichen werden kann, die jeder normale Mensch kaum überleben würde. Nitsch schluckt Wasser. Er flutet seine Nebenhöhlen. Nitsch ist jetzt so sehr Fisch, wie ein Mensch Fisch sein kann.

      Im Herz und im Gehirn
      Der Druck auf Nitschs Körper ist jetzt bereits so gross, dass, wäre das Wasser nicht, es ihm die Augen aus dem Kopf saugen würde. Sein Taucheranzug, eben noch eng anliegend, beginnt zu flattern. Nitschs Haut wird weiss wie die eines Toten. Blut gibt es in seinem Körper jetzt nur noch im Herz und im Gehirn. Gleich wie bei Robben und Walen. Bei manchen Free Divers dauert es nach dem Auftauchen Minuten, bis sie wieder ein Gefühl in Händen und Füssen haben.

      Bei 180 Metern ist seine Lunge auf die Grösse einer Orange geschrumpft. Der Druck auf Nitschs Körper könnte jetzt ein Ölfass zerquetschen. Der Mensch besteht zu 70 Prozent aus Wasser. Wasser ist nicht komprimierbar. Das ist der Grund, warum das Meer mit Nitsch nicht dasselbe anstellt wie mit einem Ölfass. Als der Mann «hit bottom, 214 meters» ruft, klatschen ein paar Leute. Die meisten sind zu angespannt, um zu klatschen. Es sind jetzt 1 Minute und 50 Sekunden vergangen. Nitsch befindet sich jetzt so tief wie noch kein Free Diver vor ihm.

      Jeder normale Mensch, der sich vor knapp zwei Minuten hätte auf den Schlitten schnallen lassen, wäre jetzt kaum mehr zu retten. Laborversuche haben gezeigt, dass der Durchschnittsmensch nach 87 Sekunden auch unter Wasser gegen alle Vernunft nach Luft zu schnappen beginnt. Die Stickstoffkonzentration ist dann so hoch, dass das Gehirn den Befehl zum Einatmen gibt. Der Mund geht auf, Wasser dringt in die Lungen, es beginnt das Ertrinken.

      Aber auch Nitsch ist in diesem Moment näher am Tod als am Leben. Dort, wo er sich jetzt befindet, ist es so dunkel wie in einem Grab, still wie im Weltall. Sein Herz schlägt jetzt nur noch achtmal pro Minute. Denken kann er nicht mehr. Er hat jedes Zeitgefühl verloren. «Eine Sekunde fühlt sich dort unten an wie zehn Minuten», sagt Nitsch. Alles läuft in Zeitlupe. Sein Bewusstsein ist nur noch ein schwaches Flimmern.

      Was im Training nicht automatisiert worden ist, funktioniert jetzt nicht mehr. Und mit jeder Sekunde, die er jetzt noch dort unten bleibt, erlischt sein Bewusstsein noch ein bisschen mehr. Er ist im Tiefenrausch. Unter grossen Druck gesetzt werden Gase in Sekunden giftig, das gilt auch für den Stickstoff in Nitschs Körper. Das Gift wirkt wie eine Narkose. Es gibt Free Divers, die den Bewusstseinszustand in ähnlicher Tiefe mit einem Besuch im Jenseits verglichen haben.

      Doch es gelingt Nitsch, irgendwie den Hebel zu betätigen, der den Schlitten von Abwärts auf Aufwärts schaltet. Das Geräusch des Seils oben auf dem Schiff ändert sich. Zwei Minuten sind vergangen. Die gute Nachricht: Nitsch ist wieder auf dem Weg nach oben. Die schlechte: Auf dem Weg nach oben wird es erst richtig gefährlich.

      Zwar ist für Free Divers der rasche Aufstieg weniger riskant als für Flaschen-Taucher. Free Divers atmen keine Luft von aussen ein, das expandierende Gas kann keine Lungen zerreissen. Doch auch für sie kann er tödlich sein. Bei zu schnellem Druckabfall bilden sich im Blut Blasen. Diese Blasen zerstören Adern, sie dringen in die Knochen, sie explodieren im Gehirn und verursachen irreparable Schäden. Es waren diese heimtückischen Blasen, die den Venezolaner Carlos Costa reif für den Rollstuhl machten.

      Kampf um Sauerstoff
      Der Mann, der per Sonar Nitschs Aufstieg im Auge hat, ruft: «40 meters.» Um das sogenannte Aufschäumen des Blutes zu verhindern, legt Nitsch bei 30 Meter einen Dekompressions-Stopp ein. Das Seil verstummt. Der Deko- Stop dauert eine Minute. Nitsch ist jetzt dann vier Minuten unter Wasser. Vier Minuten sind eine lange Zeit.

      Das Seil macht wieder ein Geräusch. Nitsch ist auf den letzten Metern. Doch noch hat er nicht überlebt. Was ihm jetzt noch droht, ist ein «shallow water blackout». An einem Blackout in seichtem Wasser sind schon mehr Free Divers gestorben als an irgendetwas anderem. Die Zone zwischen drei und fünf Metern ist der kritischste Bereich des ganzen Tauchgangs.

      Nitschs Lungen haben jetzt wieder Normalgrösse. Doch der Sauerstoff, um sie zu füllen, ist nicht mehr da. Deshalb ziehen die Lungen den Sauerstoff jetzt aus dem Blut zurück. Das Blut mit dem meisten Sauerstoff ist im Gehirn. In Nitschs Körper tobt jetzt ein Kampf um die letzten Reste seiner Atemluft. Wird der Sauerstoffhunger der Lungen zu gewaltig, muss auch das Gehirn kapitulieren. Es schaltet sich ab. Plötzlich und ohne Vorwarnung.

      Doch Nitsch übersteht auch das. Nach 4 Minuten 24 Sekunden schiesst seine Faust aus dem Meer. Nitschs Vater springt ins Wasser, um seinen Sohn zu umarmen. Später gefragt, wie es gewesen sei, sagt Nitsch: «Gut, hat alles geklappt, wie es sollte.» Luïc Leferme sagte, das Abtauchen in die Tiefen des Meeres sei für ihn jedes Mal wie «das Verschmelzen mit einem geliebten Menschen».

      Leferme ist tot, Nitsch lebt und will jetzt an die 300-Meter-Limite. Romantiker sterben schöner - aber früher.


      «Das Tauchen ist in diesem Fall der einfache Teil. Das Schwierige ist das Überleben.»

      Quelle: 1. Juli 2007, NZZ am Sonntag
      Von Christoph Zürcher

      neuer Weltrekord

      Ein letzter Atemzug Amerika - Der Weltmeister im Apnoe-Freitauchen Tom Sietas erorbert die USA

      Hamburg, 07.08.2007 - Tom Sietas taucht am 8. und 9. August in der New Yorker Talkshow "Live with Regis and Kelly", der mit durchschnittlich 25 Millionen Zuschauern pro Woche beliebtesten Morning Talkshow in den USA, ab. Mit seinem Auftritt in der amerikanischen Talkshow reiht sich Tom Sietas in die hochkarätige Gästeliste weltbekannter Stars wie zuvor Jennifer Lopez, Michael Jordan oder Cathrin Zeta Jones, ein. Tom Sietas wird sich am 8. August den Fragen des Moderatorenduos stellen. Am Folgetag, dem 9. August, werden der Schauspieler Cuba Gooding Jr. und das amerikanische Publikum Zeuge, wenn Tom Sietas seinen eigenen aktuellen Rekord von 15 Minuten "Atemstillstand" in der Disziplin Static Apnoe unter Einnahme von purem Sauerstoff, überbieten will. Ein atemloses amerikanische Publikum ist garantiert.

      Tom Sietas aus Hamburg stellt Weltrekord im Apnoetauchen auf

      Tom Sietas aus Hamburg stellt Weltrekord im Apnoetauchen auf

      Der Hamburger Freitaucher Tom Sietas hat einen neuen Weltrekord im Apnoetauchen aufgestellt. 15 Minuten und zwei Sekunden konnte sich Sietas unter Wasser halten ohne einmal Luft zu holen. Damit verbesserte er seine eigene Bestmarke um 37 Sekunden.

      Den Weltrekord stellte Tom Sietas in der amerikanischen Fernsehsendung Regis and Kelly auf im Rahmen der "Guiness World Record Breaker Week" auf. Im New Yorker Fernsehstudio wurde eigens für den Weltrekord ein Aquarium installiert in dem Tom Sietas dann am Donnerstag der Weltrekord im Dauertauchen gelungen ist.

      Tom Sietas hat seine Leidenschaft für den Tauchsport vor sieben Jahren während eines Urlaubs auf Jamaika entdeckt. Mit einem Lungenvolumen von 6,8 Litern verfügt er über beste Voraussetzungen für seinen Sport. Neben dem Weltrekord im Dauertauchen, hält Tom Sietas auch die Rekorde im Streckentauchen mit Flossen (223 Meter) und Streckentauchen ohne Flossen (183 Meter).

      Luft anhalten! - Die Tricks der Tieftaucher

      Luft anhalten! - Die Tricks der Tieftaucher

      Luft holen, Nase zuhalten und abtauchen! Wie lange kannst du unter Wasser bleiben? Eine Minute ist schon gut. Dann muss man wieder hochkommen und atmen. Ähnlich geht das auch Walen, Robben und Pinguinen im Meer.

      Sie atmen wie Vögel und Menschen mit Lungen. In denen kommt das Gas Sauerstoff aus der Luft in unser Blut - damit der Körper arbeiten kann. Aber mit Lungen kann man nicht unter Wasser atmen. Dazu braucht man Kiemen, wie Fische sie haben.

      Trotzdem sind manche Tiere mit Lungen wahre Tauchkünstler. Eine Weddellrobbe kann 90 Minuten am Stück unter Wasser bleiben. Pottwale jagen in 3000 Meter Tiefe Kraken und halten bis zu zwei Stunden lang die Luft an. Menschen schaffen in der Regel ohne Ausrüstung höchstens 70 Meter. Danach drückt das Wasser so sehr auf die Brust, dass die Lungen kaputtgehen. Auch wegen vieler anderer Probleme geht Menschen im Wasser schnell die Puste aus.

      Die tierischen Tieftaucher dagegen haben Tricks: Ihr Blut kann mehr Sauerstoff aufnehmen. Denn darin flitzen mehr und größere rote Blutkörperchen umher als bei Landsäugern. Die Blutkörperchen packen sich mit Sauerstoff voll und bringen ihn in jede Ecke des Körpers. Das machen sie viel besser als Blutkörperchen von Menschen.

      Außerdem sparen Meeressäuger beim Tauchen Sauerstoff. Sie leiten ihr Blut dann vor allem in die lebenswichtigen Organe, also zum Herzen und zum Gehirn. Die Muskeln bekommen weniger ab.

      Auch das Herz schlägt langsamer. Das können Kaiserpinguine sehr gut. Normalerweise pocht das Pinguin-Herz 200 Mal pro Minute. Beim Tauchen nur noch 60 Mal. Das spart Energie. Und noch ein Trick: Viele Robben oder Wale paddeln bei langen Tauchgängen nur wenig mit den Flossen. Sie gleiten eher entspannt durchs Wasser - wie Vögel, die im Wind segeln.

      Freiburg: Tauchen mit einem Atemzug

      Freiburg: Tauchen mit einem Atemzug
      Alles reine Kopfsache: Bevor Katja Kedenburg ihrem Hobby nachgehen kann, muss sie erst einmal richtig tief Luft holen. Die Freiburgerin gehört zu den besten Frauen im Apnoetauchen - fünfeinhalb Minuten kann sie die Luft anhalten.

      Apnoetauchen, das ist Tauchen mit nur einem Atemzug und der eigenen Luft – also ohne die übliche Tauchflasche. Am Wochenende führt die mehrmalige deutsche Meisterin Freiburger Neulinge an den Sport heran.

      "Jeder Mensch kann ein paar Minuten die Luft anhalten", ist sich Katja Kedenburg sicher. Sie muss es wissen. Denn die 32-Jährige gibt regelmäßig Kurse im Apnoetauchen.

      Die 32-Jährige schafft fünfeinhalb Minuten und 50 Meter. Dabei ist eigentlich nicht die Lunge der wichtigste Körperteil, sondern der Kopf. Der muss nämlich ausgeschaltet werden. Weil er dem Körper sozusagen diktiert, dass er nach etwa einer Minute spätestens wieder atmen muss.

      "Dann fängt das Zwerchfell langsam an, sich zu bewegen", beschreibt Katja Kedenburg. Laien bekommen da oft Angst. "Deswegen sind die richtigen Entspannungstechniken wichtig", sagt sie, zum Beispiel Autogenes Training. Das hilft beim Konzentrieren auf den eigenen Körper und auf den Herzschlag. "Man kann sich auch einfach ein schönes Lied im Kopf vorsingen", sagt Katja Kedenburg. Jeder entspannt anders.

      Ein Gefühl wie kurz vor dem Einschlafen

      Die meisten Apnoetaucher haben vorher schon Gerätetauchen gemacht. Auch bei Katja Kedenburg war es so. Vor acht Jahren kam sie, damals noch Sport- und Philosophiestudentin in Oldenburg, über einen Kurs zum Tauchen mit einem Atemzug. Und war sofort fasziniert: "Das Besondere ist, dass man sich komplett nach innen konzentriert", sagt die Norddeutsche, die mittlerweile in Ludwigsburg bei Stuttgart lebt. Dafür reicht es schon zwei bis drei Meter unter der Wasseroberfläche zu sein.

      "Ein Gefühl, wie kurz vor dem Einschlafen ist das", erklärt Kedenburg. "Und man fühlt sich völlig frei", weil man ohne schwere Luftflasche und Tauchjacke taucht. Obwohl man beim Apnoetauchen ganz bei sich ist, ist man doch nie allein. Getaucht wird nur zu zweit, damit die Sportler sich im Notfall gegenseitig helfen können. Auch Katja Kedenburg hat schon brenzlige Situationen erlebt.

      "Ich bin bei einem Wettkampf einmal fast ohnmächtig geworden unter Wasser, weil ich mich verschätzt habe." Eine Altergrenze für’s Apnoetauchen gibt es übrigens nicht. "Ich hatte schon 70-Jährige in meinen Kursen", erzählt Katja Kedenburg, "und wer für normales Tauchen geeignet ist, packt’s auch ohne Flasche."

      Weltrekordler Sietas schafft 213 Meter mit einem Atemzug

      Weltrekordler Sietas schafft 213 Meter mit einem Atemzug

      Das Geheimnis ist körperliche Ruhe und mentale Stärke: Kein Mensch kann ohne technische Hilfe so weit tauchen wie Tom Sietas. Sein aufgestellter Weltrekord war zunächst umstritten, wurde dann aber durch den Verband bestätigt. Die Leistung ist ohnehin beeindruckend.

      Das Becken ist zu kurz. Nur 24,30 Meter statt der notwendigen 25. Das haben soeben die beiden Kampfrichter aus den Niederlanden gemessen und telefonieren jetzt rund um den Globus. Es gilt, die Statuten zu klären. Darf Tom Sietas seinen angestrebten Weltrekordversuch im Streckentauchen starten, oder verhindert dies - nach monatelangem Training - ein möglicher Architektenfehler?

      Er hat sich zum Ziel gesetzt, die noch gültige 186-Meter-Bestemarke zu brechen. Klingt an sich noch nicht sensationell, allerdings: Tom Sietas benutzt keine Pressluftflasche. Er nimmt nur einen einzigen Atemzug mit dorthin, wo man nicht atmen kann. Der Hamburger gehört zu den weltbesten Apnoe-Tauchern.

      Wenig später ist klar: Er wird abtauchen. Doch ein möglicher Erfolg muss anschließend von mindestens sechs der elf Präsidiumsmitglieder des Internationalen Apnoe-Verbands bestätigt werden, bevor er offiziell ist. Das kann dauern, doch die zwei Stimmen der Anwesenden hat er sicher und ein weiterer hat per Telefon ebenfalls für ihn votiert.

      Mit 4:19 Minuten wird später die Tauchzeit angegeben. 213 Meter hat Sietas in der Disziplin ohne Flossen zurückgelegt - fast neun Bahnen. Damit hat er die alte Bestmarke von 186 Metern pulverisiert und Apnoe-Geschichte geschrieben. Gegen Abend kommt die Bestätigung durch den Verband - Sietas ist damit auch offiziell neuer Rekordhalter.

      Apnoe kommt aus dem griechischen und bedeutet ohne Atem. Die bekannteste der drei Disziplinen ist das No-Limit, in der es gilt, so tief wie möglich zu tauchen. Technische Hilfsmittel wie ein Schlitten, auf dem der Sportler in die dunkle Tiefe gleitet und Luftkissen, die ihn wieder ans Licht tragen, sind erlaubt. Aktueller Weltrekord: 214 Meter, gehalten vom Österreicher Herbert Nitsch. Das statische Tauchen, Tauchen auf Zeit, vervollständigt die Vielfältigkeit des Apnoe-Tauchens. Auch in dieser Disziplin ist Sietas weltweit unangefochten. Er blieb vor wenigen Wochen als erster Mensch länger als zehn Minuten unter Wasser – vollkommen regungslos. Sein Weltrekord liegt bei 10:12 Minuten.

      Sietas hat seinen neuen Versuch bewusst in den Vormittag gelegt. Denn "es ist anstrengender darauf zu achten, was du den ganzen Tag machst, als wenn du nur aufstehst, deine Zähne putzt und ins Wasser gehst", sagt der 31-Jährige. Er hat nichts gegessen, nur Wasser getrunken. Genau wie Bewegung kostet die Verdauung den Körper Energie, die ihm später wertvolle Meter bringen kann. Er hat den Aufzug zum Pool genommen, nicht die Treppen.

      15 Minuten vor dem Tauchgang startet er seine direkte Vorbereitung. Sietas verdrängt die hartnäckigsten Luftblasen aus seinem Neoprenanzug, legt sich einen Gewichtgurt um die Hüfte und einen um den Hals, insgesamt rund zehn Kilo. Ziel ist es, möglichst perfekt im Wasser zu liegen. "Du musst so starten, dass du am Anfang noch ein bisschen Auftrieb hast und am Ende nicht zu viel Abtrieb", erklärt er. "Denn du verbrauchst ja auch Luft, das heißt deine Lunge wird während des Tauchgangs kleiner, was den Abtrieb verstärkt."

      Zehn Minuten vor dem Tauchgang beginnt Sietas schneller zu atmen, hyperventiliert, will so den Kohlendioxidgehaltgehalt im Blut senken, der für den Atemreiz verantwortlich ist. Mittels einer Technik, dem so genannten "Packing", ist er jetzt in der Lage, bis zu drei Liter Luft zusätzlich in seine Lunge zu pressen und kann so insgesamt fast zehn Liter mit unter Wasser nehmen. Das durchschnittliche Lungenvolumen eines Menschen liegt bei 3,5 Litern.

      Er atmet ein letztes Mal tief ein, der Puls ist runter auf 45, er taucht unter. Kerzengerade gleitet er durchs Becken, die Arme nach vorne ausgestreckt, der Puls steigt auf 120. Drei Armzüge pro Bahn, dazwischen Beinschläge. Er denkt an nichts, versucht es zumindest, denn jeder Gedanke verbraucht Sauerstoff. "Auch das kann man lernen", sagt Sietas. "Ich visualisiere beispielsweise meine Muskeln, sage mir immer wieder: Entspanne Dich."

      Nach ungefähr 75 Metern meldet sich der Atemreiz. Sietas hat gelernt ihn einfach zu ignorieren. "Da muss man sich drauf konzentrieren, dass man seine Bewegungen noch flüssig ausführt, entspannt bleibt im Oberkörper", sagt der Lehramtsstudent für Englisch und Metalltechnik.

      Sein Puls ist inzwischen auf 70 Schläge pro Minute gesunken. "Weil man eigentlich dazu neigt, alle Muskeln anzuspannen und gegen den Schmerz anzuarbeiten, aber das darf absolut nicht sein." Hinzu kommt die mittlerweile mangelnde Sauerstoffversorgung der Muskeln, der Körper konzentriert sich auf die lebensnotwendigen Organe. "Du kannst deine Beine kaum noch bewegen", sagt Sietas später - und gleitet doch weiter ganz ruhig durchs Wasser. "Da ist auf jeden Fall mentale Stärke gefordert."

      Als er den Kopf über die Wassergrenze hebt, liegt sein Sauerstoffgehalt bei circa 50 Prozent, fällt aber noch zehn Sekunden lang bis auf 40 Prozent, da der Körper diese Zeit braucht, den so dringend benötigten Sauerstoff aus der Lunge an die richtigen Stellen zu transportieren. Deswegen verlangen die Regeln, dass er per Handzeichen und einem "I am okay" ein klares Bewusstsein nachweist. Wäre er dazu nicht in der Lage, gilt der Versuch als gescheitert. Doch er hebt die Hand und spricht die drei Worte.

      "Ich bin sehr glücklich", sagt Sietas, und hängt schon wieder entspannt auf dem Beckenrand. "Ich wollte nicht nur einen oder zwei Meter mehr tauchen, als der alte Weltrekord. Ich wollte zeigen, was ich kann."

      Apnoetauchen: Tauchen ohne zu atmen

      Apnoetauchen: Tauchen ohne zu atmen

      Die älteste und auch ursprünglichste Form des Tauchens ist das Tauchen mit eigener Atemluft. Der Taucher benutzt dabei den Luftvorrat, den er vor dem Abtauchen eingeatmet hat. Der heute geläufige Begriff des Apnoetauchens stammt aus dem griechischen und bezeichnet den Zeitraum zwischen Einatmen und Ausatmen. Apnoe = Nichtatmung, Atemstillstand.

      Bereits in der Steinzeit haben Apnoetaucher zum Beispiel Muscheln, Schwämme und Perlen gesammelt sowie Fische mit Speeren gejagt. Heutzutage wird Apnoetauchen als Freizeit-, aber auch als Leistungs- bzw. sogar Extremsport betrieben. Für den Freizeitsportler geht es vor allem um die Erkundung der Unterwasserwelt und um die allgemeine Konditionierung für das Flaschentauchen. Im Leistungssport hingegen werden durch gezieltes Training immer längere Apnoezeiten bzw. Strecken- und Tiefenleistungen angestrebt. Getreu dem Motto: höher, schneller, weiter, tiefer.

      Unsere Atmung
      Normalerweise ist unsere Atmung ein unwillkürlicher Vorgang. Man atmet ein, man atmet aus ohne sich dessen so recht bewusst zu sein. Dieser Vorgang kann allerdings auch ganz bewusst gesteuert werden. Während dabei der Untrainierte kaum in der Lage ist, seinen Atemreiz über einen längeren Zeitraum zu unterdrücken, wird die Dauer der Nichtatmung (Apnoe) für den Geübten durch den Sauerstoffgehalt im Blut begrenzt. Der Atemreiz wird allerdings nicht durch zu niedrigen Sauerstoffgehalt, sondern vielmehr durch einen erhöhten Kohlendioxidgehalt im Blut ausgelöst.

      Bewusstes Atmen oder Hyperventilation vor dem Tauchen führen dabei nicht zu einer Erhöhung des Sauerstoffvorrats, sondern zu einer Absenkung des Kohlendioxidgehalts im Blut. Je nach Dauer und Intensität der Hyperventilationsphase kommt es zu einem verzögert einsetzenden Atemreiz, was wiederum gefährlich sein kann, da es bis zur Ohnmacht unter Wasser führen kann.

      Gerade ein Ungeübter dürfte kaum in der Lage sein, Anzeichen einer drohenden Ohnmacht zu erkennen. Meist überfällt sie den Betroffenen plötzlich und ohne Vorwarnung. Werden die Atemwege des Betroffenen dann nicht innerhalb kürzester Zeit oberhalb der Wasseroberfläche gebracht, können Unfälle oder das Ertrinken die Folge sein. Deshalb spielt auch hier der Leitsatz des Tauchsportes "Tauche nie alleine" eine wichtige Rolle. Eine Bewusstlosigkeit ist ohne schnelle und erfahrene Hilfeleistung eine lebensbedrohliche Situation.

      So trainiert man Apnoetauchen
      Im Training erlernt man zuerst die bewusste Atmung und den entspannten Umgang mit seinem Atemreiz. Zudem erfolgt eine allgemeiner Konditionsaufbau durch Schwimmen, Laufen u. ä. sowie ein spezielles Techniktraining für die Fortbewegung unter Wasser. Im fortgeschrittenen Training erlernt man unter der Beobachtung seines Trainingspartners die Anzeichen eines beginnenden Sauerstoffmangels und damit seine eigenen Grenzen zu erkennen.

      Dieses Herantasten hat gleichzeitig einen großen Anpassungseffekt. Der Taucher stellt sich physiologisch und mental auf diese außergewöhnliche Belastung ein. Er kann sich entspannen, der Tauchreflex verstärkt sich und die Herzfrequenz sinkt. Durch regelmäßiges und bewusstes Trainieren kann dadurch der Sauerstoffverbrauch entscheidend gesenkt und die Apnoeleistung wesentlich gesteigert werden.

      Ausrüstung eines Apnoetauchers
      Die Ausrüstung eines Freitauchers reicht von einer Badehose bis zur komplizierten Schlittenkonstruktion aus Edelstahl. Der Anfänger wird man eine einfache ABC-Tauchausrüstung und einen normalen Tauchanzug verwenden. Für Fortgeschrittene gibt es speziell an die Anforderungen angepasste Ausrüstungsgegenstände:

      Apnoetauchen als Leistungssport
      Rekordversuche und Wettkämpfe im Bereich des Apnoetauchens werden nach den Richtlinien der AIDA, Internationaler Verband zur Förderung des Apnoesports, abgehalten. Das umfangreiche Regelwerk schreibt dabei verbindliche Sicherheitsstandards sowie die Bedingungen für die Anerkennung der Leistungen und Rekorde vor.

      Die wichtigste Regel ist, dass der Athlet seinen Vortrag, in der Sprache der Apnoeisten spricht man von "Performance", bei vollem Bewusstsein und ohne jegliche Hilfeleistung oder -stellung absolvieren muss. Verliert er dabei das Bewusstsein oder ist er zu seiner Sicherheit auf fremde Hilfe angewiesen, wird er disqualifiziert und seine Leistung nicht bewertet. Die Performance endet, nachdem die Atemwege das Wasser verlassen haben und ein in den Regeln genau festgeschriebenes Protokoll erfüllt wurde.

      Beim Apnoeleistungssport unterscheidet man zwischen Pool- und Tieftauchdisziplinen, welche wiederum in die verschiedensten Disziplinen unterteilt sind.

      Mittelfranke hält deutschen Tieftauchrekord

      Mittelfranke hält deutschen Tieftauchrekord

      Marinesoldat will im Sommer erneut mehr als 70 Meter tief ohne Atemgerät tauchen

      Eckernförde (ddp-nrd). Seine Kameraden in der Minentaucherkompanie in Eckernförde nennen ihn respektvoll den «tiefsten Deutschen». Andreas Güldner hält mit 71 Metern den Tiefenrekord im Tauchen mit Monoflosse ohne Atemgerät, dem sogenannten Apnoe-Tauchen. Im Sommer will der 22-Jährige Mittelfranke im ägyptischen Dahab seinen eigenen Rekord um einen Meter verbessern. Güldner ist einer von derzeit rund 50 Minentauchern der einzigen Minentaucherkompanie in Eckernförde an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste.

      Der 22-Jährige schaut aus dem Fenster des Aufenthaltsraums der Minentaucherkompanie, dem Taucherkeller im ersten Stock, auf die Eckernförder Bucht. «Wenn ich ins Wasser gehe, lasse ich komplett los», sagt Güldner. «Ich bin extrem happy in der Tiefe. Wenn es nach mir ginge, würde ich am liebsten komplett da unten bleiben.» Doch nach ein paar Minuten ist der Spaß meist vorbei. Für mehr reicht die Luft in der Lunge nicht.

      Das Tauchen habe sein Leben verändert, sagt der Minentaucher. Mit 13 Jahren sei sein Tauchtalent in seiner fränkischen Heimat durch Zufall einem Bademeister aufgefallen. «Ich war in Gräfenberg immer der Beste beim Streckentauchen.» Bis dahin sei er ein «extremer Lausbub» gewesen. Er rauchte, seine schulischen Leistungen ließen zu wünschen übrig. Der aus Ägypten stammende Bademeister war ausgebildeter Tauchlehrer und gab sein Wissen an Güldner weiter. «Er hat mich in die richtigen Bahnen gelenkt», sagt der Bootsmannanwärter. Güldner gab das Rauchen auf, gewann in der Folgezeit Meisterschaft um Meisterschaft und erhielt plötzlich auch bessere Schulnoten.

      Nach einer kaufmännischen Ausbildung ging er im Sommer 2005 nach Ägypten und arbeitete dort als Tauchgruppenführer. Dort entdeckte er seine Leidenschaft für das Tieftauchen ohne Atemgerät. Schnell stieß er dabei bis in Tiefen von rund 60 Metern hinab. Eine Leine dient ihm auf dem Weg nach unten als Orientierung. An deren Ende befindet sich eine Marke, die er als Beleg des Erfolgs mit an die Wasseroberfläche bringen muss. «Unten herrscht ein sehr zeitloses Gefühl, mein Herzschlag verlangsamt sich auf vielleicht 15 Schläge pro Minute», sagt Güldner.

      Der 24. April 2006 wurde zu seinem persönlichen «Schlüsselerlebnis». Güldner war an diesem Abend im ägyptischen Dahab mit zwei Tauchfreunden verabredet. Er verspätete sich jedoch um 20 Minuten. Kurz bevor er den Treffpunkt erreichte, zündete ein Selbstmordattentäter Splitterbomben. Mehr als zwei Dutzend Menschen starben. Der Freund und die Freundin wurden verletzt. Die Frau verlor ein Bein. «Damals fasste ich den Entschluss, zur Marine zu gehen, um solche Terroranschläge verhindern zu helfen», sagt er.

      Seit Sommer 2006 gehört er als Zeitsoldat den spezialisierten Einsatzkräften der Marine an. Noch hat der Franke nicht alle notwendigen Lehrgänge absolviert, um als Minentaucher an Auslandseinsätzen wie beispielsweise dem UN-Flottenverband vor der Küste des Libanons (UNIFIL) teilnehmen zu können. «In zwei Jahren bin ich combat-ready», sagt er.

      «Man muss außergewöhnliche Sachen machen», sagt der Soldat. Seit dem 7. März dürfen sich Güldner und der Minentaucher Finn Häcker Vize-Weltmeister im Unterwasser-Eishockey nennen. Bei den Titelkämpfen im winterlichen Kärnten mussten sich die beiden Taucher erst im Finale mit 10:9 der Mannschaft Österreichs geschlagen geben. Drei Tage lang jagten die Apnoe-Taucher unter der Eisdecke des Weißenssees bei zwei Grad Wassertemperatur einem Styropor-Puck hinterher. «Wenn dem Mitspieler die Luft ausgeht, wird gewechselt», sagt Güldner. Obwohl sie das Unterwasser-Hockey mangels zugefrorener Seen in Norddeutschland zuvor kaum trainieren konnten, sei ihnen das Spiel leicht gefallen. «Mit dem Hockeyschläger über Kopf zu arbeiten, gleicht der Arbeit eines Minentauchers unter einem Schiffsrumpf.»

      Güldner hat sich für zwölf Jahre bei der Marine verpflichtet. Danach möchte er Berufssoldat werden. Obwohl er sich im Norden sehr wohl fühle, vermisse er das bayerische Essen und die fränkische Mundart, sagt er. «Vor allem der von Großvater zubereitete Sauerbraten fehlt mir.»

      Im Sommer will Güldner ihm 25 Grad warmen Wasser auf der Sinai-Halbinsel am Roten Meer bis auf 72 Meter hinab tauchen. Im Training habe er bereits 82 Meter geschafft, erzählt er. Der Weltrekord in dieser Disziplin des Apnoe-Tauchens steht aktuell bei 113 Meter. Der 22-Jährige ist überzeugt, dass es ihm mit zunehmender Erfahrung in ein paar Jahren auch möglich sein wird, nur mit einer Flosse ohne Atemgerät mehr als 100 Meter tief zu tauchen.
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      "Der tiefste Deutsche"

      Eckernförde, 25. MÄRZ 2009
      "Der tiefste Deutsche"

      Marinesoldat aus Mittelfranken kann ohne Atemgerät mehr als 70 Meter hinabtauchen

      Andreas Güldner aus Mittelfranken hält einen Tiefenrekord. Der 22-jährige Marinesoldat hat es geschafft, ohne Atemgerät mehr als 70 Meter tief zu tauchen. Im Sommer will er sich selbst übertrumpfen.

      Seine Kameraden in der Minentaucherkompanie in Eckernförde nennen ihn respektvoll den "tiefsten Deutschen". Andreas Güldner hält mit 71 Metern den Tiefenrekord im Tauchen mit Monoflosse ohne Atemgerät, dem so genannten Apnoe-Tauchen. Im Sommer will der Mittelfranke im ägyptischen Dahab seinen eigenen Rekord um einen Meter verbessern. Güldner ist einer von derzeit rund 50 Minentauchern der einzigen Minentaucherkompanie in Eckernförde an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste.

      Der 22-Jährige schaut aus dem Fenster des Aufenthaltsraums der Minentaucherkompanie, dem Taucherkeller im ersten Stock, auf die Eckernförder Bucht. "Wenn ich ins Wasser gehe, lasse ich komplett los", sagt Güldner. "Ich bin extrem happy in der Tiefe. Wenn es nach mir ginge, würde ich am liebsten komplett da unten bleiben." Doch nach ein paar Minuten ist der Spaß meist vorbei. Für mehr reicht die Luft in der Lunge nicht.

      Das Tauchen habe sein Leben verändert, sagt der Soldat. Mit 13 Jahren sei sein Tauchtalent in seiner fränkischen Heimat durch Zufall einem Bademeister aufgefallen. "Ich war in Gräfenberg immer der Beste beim Streckentauchen."

      Bis dahin sei er ein "extremer Lausbub" gewesen. Er rauchte, seine schulischen Leistungen ließen zu wünschen übrig. Der aus Ägypten stammende Bademeister war ausgebildeter Tauchlehrer und gab sein Wissen an Güldner weiter. "Er hat mich in die richtigen Bahnen gelenkt", sagt der Bootsmannanwärter. Güldner gab das Rauchen auf, gewann in der Folgezeit Meisterschaft um Meisterschaft und erhielt plötzlich auch bessere Schulnoten.

      Nach einer kaufmännischen Ausbildung ging er im Sommer 2005 nach Ägypten und arbeitete dort als Tauchgruppenführer. Dort entdeckte er seine Leidenschaft für das Tieftauchen ohne Atemgerät. Schnell stieß er dabei bis in Tiefen von rund 60 Metern hinab. Eine Leine dient ihm auf dem Weg nach unten als Orientierung. An deren Ende befindet sich eine Marke, die er als Beleg des Erfolgs mit an die Wasseroberfläche bringen muss.

      "Unten herrscht ein sehr zeitloses Gefühl, mein Herzschlag verlangsamt sich auf vielleicht 15 Schläge pro Minute", sagt Güldner. Der 24. April 2006 wurde zu seinem persönlichen "Schlüsselerlebnis". Güldner war an diesem Abend im ägyptischen Dahab mit zwei Tauchfreunden verabredet. Er verspätete sich jedoch um 20 Minuten. Kurz bevor er den Treffpunkt erreichte, zündete ein Selbstmordattentäter Splitterbomben. Mehr als zwei Dutzend Menschen starben. Der Freund und die Freundin wurden verletzt. Die Frau verlor ein Bein. "Damals fasste ich den Entschluss, zur Marine zu gehen, um solche Terroranschläge verhindern zu helfen", so Güldner.

      Seit Sommer 2006 gehört er als Zeitsoldat den spezialisierten Einsatzkräften der Marine an. Noch hat der Franke nicht alle notwendigen Lehrgänge absolviert, um als Minentaucher an Auslandseinsätzen wie beispielsweise dem UN-Flottenverband vor der Küste des Libanons (Unifil) teilnehmen zu können. In knapp zwei Jahren ist er so weit.

      "Man muss außergewöhnliche Sachen machen", meint der Soldat. Seit dem 7. März dürfen sich Güldner und der Minentaucher Finn Häcker Vize-Weltmeister im Unterwasser-Eishockey nennen. Bei den Titelkämpfen im winterlichen Kärnten mussten sich die beiden Taucher erst im Finale mit 10:9 der Mannschaft Österreichs geschlagen geben. Drei Tage lang jagten die Apnoe-Taucher unter der Eisdecke des Weißenssees bei zwei Grad Wassertemperatur einem Styropor-Puck hinterher. Wenn einem Mitspieler die Luft ausgeht, wird einfach gewechselt. Obwohl sie das Unterwasser-Hockey mangels zugefrorener Seen in Norddeutschland zuvor kaum trainieren konnten, sei ihnen das Spiel leicht gefallen. "Mit dem Hockeyschläger über Kopf zu arbeiten, gleicht der Arbeit eines Minentauchers unter einem Schiffsrumpf."

      Güldner hat sich für zwölf Jahre bei der Marine verpflichtet. Danach möchte er Berufssoldat werden. Im Sommer will er im 25 Grad warmen Wasser auf der Sinai-Halbinsel am Roten Meer bis auf 72 Meter hinab tauchen. Im Training habe er bereits 82 Meter geschafft, erzählt er. Der Weltrekord in dieser Disziplin des Apnoe-Tauchens steht aktuell bei 113 Metern. Der 22-Jährige ist überzeugt, dass es ihm mit zunehmender Erfahrung in ein paar Jahren auch möglich sein wird, nur mit einer Flosse ohne Atemgerät mehr als 100 Meter tief zu tauchen. ddp

      Der erfolgreichste Freitaucher aller Zeiten

      Der erfolgreichste Freitaucher aller Zeiten: Herbert Nitsch will auf 305 Meter vordringen
      Nitsch "Ich muss meinen Körper nicht quälen"

      Herbert Nitsch ist der erfolgreichste Frei­taucher aller ­Zeiten. Der ­Wiener hat bisher 25 Welt­rekorde aufgestellt und plant das Unmögliche: Er will ohne Atemgerät in eine Tiefe von 305 Metern ­vor­dringen.

      Clarence Town auf Long Island, Bahamas, am 11. April: Als Herbert Nitsch aufwacht, ist es neun Uhr morgens. Er zieht den Vorhang zur Seite und schaut in den Himmel. Graue Wolken verdecken die Sonne, vielleicht wird es regnen. Nitsch schaltet den Fernseher ein, legt sich wieder ins Bett und beginnt mit dem Aufwärmen: Luft holen, ausatmen, eine Minute nicht atmen, Luft holen, ausatmen, eine Minute nicht atmen. Immer wieder, eine halbe Stunde lang.

      Das Frühstück fällt heute aus. Nitsch isst eine Banane, trinkt ein Glas Wasser und stellt sich für ein paar Stretching-Übungen in den Türrahmen. Er hält sich mit den Händen oben fest und drückt den Oberkörper so weit wie möglich nach vorne. Dann atmet er ganz aus, zieht den Bauch ein und saugt das Zwerchfell nach oben.

      Gegen 11 Uhr überprüft er seine Ausrüstung und fährt an den Strand von Dean’s Blue Hole, einem über 200 Meter tiefen, mit Meerwasser gefüllten See. Mittlerweile sind die Wolken verschwunden, es ist warm geworden. Nitsch zwängt sich in einen dünnen Neoprenanzug und geht ins Wasser. Er atmet komplett aus und taucht ein paarmal bis in eine Tiefe von etwa 15 Metern. Der Unterdruck bringt die Blutgefäße in der Lunge zum Anschwellen. Später wird dieser „Bloodshift“ beim Druckausgleich helfen. Als Nitsch aus dem Wasser steigt, schiebt sich eine Wolke vor die Sonne. Jetzt muss es schnell gehen. Wenn ihm kalt wird, kann er den Versuch gleich bleiben lassen; schon ein leichtes Frösteln würde zu viel Energie kosten. Nitsch fixiert einen mit 2,6 Kilo Bleischrot gefüllten Fahrradschlauch um den Hals, montiert den Tiefenmesser am Anzug, setzt die Nasenklemme auf und legt die Sicherungsleine um sein Handgelenk. Dann beginnt er mit dem Packing – einer speziellen Atemtechnik, bei der mithilfe des Kehlkopfs noch zusätzlich Luft in die Lunge gepumpt wird. Der Countdown läuft: Innerhalb von 30 Sekunden muss er starten. Nicht ganz vier Minuten später taucht Nitsch wieder auf. Er ist mit einem einzigen Atemzug und ohne technische Hilfsmittel 120 Meter tief getaucht und hat in der Disziplin Constant Weight (CW) einen ­neuen Weltrekord aufgestellt. Die Internet-Homepage des Veranstalters feiert ihn dafür als „amazing athlete“. Sein Tauchgang werde als „eine der eindrucksvollsten Leistungen im Freitauchen“ in die Geschichte eingehen.

      Herbert Nitsch ist gebürtiger Wiener, 39 Jahre alt, von Beruf Pilot und wahrscheinlich der erfolgreichste österreichische Sportler aller Zeiten. Der Weltrekord am 11. April dieses Jahres auf den Bahamas war bereits der 25. in seiner Sammlung. In sieben von acht Disziplinen seines Sports hat Nitsch bis jetzt Rekorde aufgestellt. Er war der erste Mensch, der ohne technische Hilfsmittel über 100 Meter tief tauchte. Seine Bestmarke im Zeittauchen liegt bei neun Minuten und vier Sekunden.

      Demütigung. Praktisch konkurrenzlos ist Nitsch im spektakulärsten Bewerb des Freitauchens, dem so genannten „No Limit“. Außer einem Atemgerät ist bei dieser Weitenjagd in der Tiefe fast jedes technische Hilfsmittel erlaubt. Ein schwerer Schlitten zieht den Taucher mit hoher Geschwindigkeit nach unten, ein Druckluftballon beschleunigt den Rückweg. Vor zwei Jahren kam Nitsch bei einem Weltrekordversuch vor der Insel Spetses in Griechenland bis auf 214 Meter. Besonders demütigend für die Sportskameraden: Der Österreicher brach damit nur seinen eigenen Weltrekord von 185 Metern, den er erst am Vortag aufgestellt hatte.

      Freitauchen, auch bekannt als Apnoe-Tauchen (vom griechischen Wort „Apnoe“ für Atemstillstand), ist ein Sport für extreme Charaktere. Um das Ausmaß der Quälerei abschätzen zu können, muss man als Amateur nur eine Länge im Hallenbad durchtauchen. Der Atemreiz wird schnell so übermächtig, dass er sich kaum mehr unterdrücken lässt. Wenn das Zittern des Zwerchfells einsetzt, ist jede weitere Sekunde ohne Sauerstoff eine Tortur. Dazu kommen im Wettkampfsport die Belastungen durch den Druck, der in 100 Meter Wassertiefe elfmal so hoch ist wie an Land. Ohne entspre­chenden Druckausgleich würde das Trommelfell bereits nach den ersten paar Metern reißen.

      Schon das Training in der Badewanne kann zu einem Blackout führen. Auf dem Leistungsniveau von Herbert Nitsch gehört die Lebensgefahr gleichsam zum Equipment. Weltweit schafften es bisher nur fünf Apnoe-Taucher bis in eine Tiefe von mehr als 160 Metern. Zwei sind gestorben, ein dritter kämpft mit den Folgen eines schweren Gehirnschlags.
      Nitsch hat gelernt, das zu verdrängen. Wie nah er dem Tod schon war, ist kein Thema, über das er nachdenken oder gar reden will. Als der Franzose Loic Leferme vor zwei Jahren beim No-Limit-Training starb, sei das aber doch ein Schock gewesen. „Ich habe ihn gut gekannt, das hat mir schon zugesetzt“, sagt Nitsch. „Aber dann habe ich erfahren, dass ein technisches Gebrechen schuld war. Das hat mich komischerweise erleichtert. Ich dachte: Okay, dann muss ich eben dafür sorgen, dass so etwas bei mir nicht passiert.“

      Leferme war der Philosoph unter den Apnoe-Tauchern. Er sprach gern darüber, wie schön es sei, eins mit dem Element zu werden, „Wasser im Wasser“, wie er sich ausdrückte. Nitsch dagegen gilt in der Branche als „der Roboter“, der exakt plant, nichts dem Zufall überlässt und den Sport ganz nüchtern sieht. Sein Antrieb ist die Jagd nach immer neuen Rekorden, das Ausdehnen von Grenzen. „Ich bin nie an einen Punkt gekommen, an dem ich dachte, jetzt geht es nicht mehr weiter.“

      Nitsch sitzt in einem Wiener Kaffee­hausgarten in der Sonne, trinkt Caffè Latte und erzählt in lockerem Plauderton über körperliche Extremzustände, die der Laie gern für Fiktion halten würde: Da der Atemreiz nicht vom Sauerstoffmangel, sondern von zu hoher CO2-Konzentration im Blut ausgelöst wird, versuchen Apnoe-Taucher, ihren Körper an erhöhte CO2-Werte zu gewöhnen. Herbert Nitsch macht das am liebsten auf der Couch in seiner Wohnung vor dem Fernseher, wo er Nachrichten schaut und seine 4-Minuten-Intervalle praktiziert: vier Minuten atmen, vier Minuten mit leerer Lunge nicht atmen. Ein normaler, gesunder Mensch hat ein Lungenvolumen von sieben bis acht Litern. Nitsch bringt es auf das Doppelte, wenn er mit ruckartigen Kehlkopfbewegungen noch zusätzlich Luft in die Lunge presst. Im Brustkorb hat diese enorme Menge nicht Platz, weshalb er regelmäßig Dehnungsübungen für Zwerchfell und Bauchdecke machen muss.

      Wie stark sich sein Herzschlag während eines Tauchgangs verlangsamt, weiß Nitsch nicht, da Pulsmesser dem Druck nicht standhalten. Etwas weiter oben hat er einmal zehn Schläge pro Minute gemessen – beim Durchschnittsbürger kommt da schon der Notarzt. „Dabei muss der Blutdruck sehr hoch sein, weil sonst die Lunge die Blutgefäße zum Hirn abdrückt“, erklärt Nitsch im nüchternen Stil eines Baupoliers, der über die Statik des Dachbodenausbaus plaudert. „Dann kriegt man sofort ein Blackout. Ist mir schon passiert, aber zum Glück noch an Land.“

      Tiefenrausch. Beim Wettkampf muss der Taucher das Kunststück zuwege bringen, in einer gefährlichen Ausnahmesituation absolut entspannt zu bleiben. Aufregung oder gar Angst würden sofort den Pulsschlag ­erhöhen. Nitsch kann deshalb kaum etwas über seine Reflexionen während der 4-­Minuten-Reisen in die Tiefe und zurück erzählen. Am besten sei, das Denken so weit wie möglich auszuschalten, sagt er. Ab einer Tiefe von etwa 30 Metern ist außerdem jederzeit mit einem Anfall von Tiefenrausch zu rechnen. Die angebliche Euphorie, von der viele Taucher berichten, kann Nitsch nicht bestätigen. „Es ist ein unangenehmer Zustand, in dem man leicht die Kontrolle verlieren kann.“

      Gesund ist dieses Hobby vermutlich nicht. Wie ungesund es ist, mit prall gefüllter Lunge in die eiskalte Dunkelheit zu tauchen, muss der Sportler selbst herausfinden. Auf seinem Fachgebiet herrscht Forschungsnotstand, die Wissenschaft hinkt der Praxis weit hinterher. Herbert Nitsch wird gelegentlich zu Medizinerkongressen einge­laden, um über seine seltsame Passion zu ­referieren. Bevor er den bisher letzten No-Limit-Rekordversuch startete, hatte sein ärztlicher Berater die Zusammenarbeit aufgekündigt. „Er meinte, das kann er nicht mehr verantworten“, sagt Nitsch, der die ärztliche Warnung wenigstens insofern ernst nimmt, als er seither zehn Meter vor dem Auftauchen einen längeren Stopp einlegt, damit sich die Lunge wieder ausdehnen kann.

      Der Tauchmediziner Christian Wagner hält Apnoe-Tauchen nicht grundsätzlich für Selbstmord auf Raten. In Maßen tue das Luftanhalten dem Organismus sogar ganz gut. So wie Herbert Nitsch den Sport ausübe, sei das aber eine ganz andere Sache. „Das ist lebensgefährlich, und er riskiert schwere Spätfolgen.“ Die Faszination des Freitauchens versteht Wagner, der früher Unterwasser-Rugby spielte, indes ganz gut: „Vor allem am Anfang erzielt man sehr rasche Leistungssteigerungen. Von einer halben auf zwei bis zweieinhalb Minuten kommt man in relativ kurzer Zeit.“

      Von dort ist es dann nicht mehr weit bis zur echten Leidenschaft. Der Wiener Künstler Mario Rott gehört zu den insgesamt etwa drei Dutzend Österreichern, die in ihrer Freizeit am liebsten die Luft anhalten. Zweimal pro Woche trifft sich eine kleine Gruppe zum Training im Hallenbad. Rott hat vor vier Jahren begonnen und hält nun schon bei einer Bestmarke von sechs Minuten. Er nimmt immer wieder an internationalen Wettkämpfen teil und ist begeistert – obwohl man bei diesem Sport von Spaß im klassischen Sinn nicht reden kann: „Wenn es nicht weh tut, ist es nichts wert.“ Rott schreibt gerade an einer Dissertation über das Apnoe-Tauchen in kulturwissenschaftlicher Hinsicht. „Das Meer wird zum mythischen Ort allen Ursprungs“, heißt es darin, „der einen gewaltigen Gegenpol zum Leben des modernen Menschen bildet.“

      Mit dieser Art von Poesie kann der Techniker Nitsch wenig anfangen. Aber auch ihn beeindruckte einst der schnelle Erfolg. Bis Mitte der neunziger Jahre hatte er ganz normales Flaschentauchen betrieben. Bei einem Urlaub am Roten Meer kam sein Equipment nicht rechtzeitig an, und Nitsch vertrieb sich die Wartezeit mit exzessivem Schnorcheln. Schon nach ein paar Tagen tauchte er mehr als 32 Meter tief – ohne dieser Leistung allzu viel Bedeutung beizumessen. „Mir war nicht klar, dass das eine eigene Sportart ist“, erzählt Nitsch. Später machte ihn ein Freund zu Hause darauf aufmerksam, dass der österreichische Rekord im Apnoe-Tauchen aktuell bei 34 Metern lag. „Da dachte ich mir, das kann ich auch.“

      Entspannt. Nitsch glaubt, dass jeder gesunde Erwachsene seinen Sport ausüben könnte. Eine Talentfrage sei das nicht, und anatomisch unterscheide ihn nichts von anderen Menschen. „Ich sehe das nicht so, dass ich meinen Körper quälen muss, damit er etwas Unnatürliches zusammenbringt. Es ist eigentlich da, der Körper kann es und hat es bloß irgendwann verlernt.“ Für trainierte Freitaucher sei das Luftanhalten ein recht entspannter Zustand.

      Trotzdem schadet es nicht, den Körper bei der Rekordjagd ein wenig zu unterstützen. Da es in großen Tiefen nicht mehr möglich ist, Luft aus der Lunge zu holen und damit einen Druckausgleich durchzuführen, hat sich Nitsch für den No-Limit-Bewerb etwas Besonderes einfallen lassen. Er nimmt eine Plastikflasche mit in die Tiefe, in die er nach etwa 25 Metern seine komplette Atemluft bläst. Über einen dünnen Schlauch lässt er dann weiter unten die Luft wieder zurück in seinen Mund strömen, um die Backen aufzublähen. Mit dieser Technik sollte es möglich sein, noch viel tiefer zu tauchen. Herbert Nitsch hat sich vorgenommen, eines Tages bis auf 305 Meter zu kommen. „Das wären genau 1000 Fuß, also ein schönes Ziel“, findet er.

      Geld ist in diesem Sport kein Motiv: Nitsch hat nach wie vor Mühe, Sponsoren für seine Unternehmungen aufzutreiben. Seit vier Jahren arbeitet er nur noch Teilzeit als Pilot für die Fluglinie Austrian Arrows. Der Zeitaufwand für das Tauchen war einfach zu groß geworden. Dafür hat das Hobby ein paar angenehme Begleiterscheinungen. Mit Herbert Nitsch Rad fahren oder Skaten zu gehen, kann nur sehr starken Charakteren empfohlen werden. Der Mann atmet bis zu einer Pulsfrequenz von fast 200 mit geschlossenem Mund.

      Kostenloses Apnoe-Modus Upgrade für den Galileo

      Kostenloses Apnoe-Modus Upgrade für den Galileo
      (29.07.2009)

      Der neue Apnoe Modus für die Galileo-Serie von SCUBAPRO UWATEC vergleicht die Herzfrequenz mit dem Tauchprofil – die Reaktionen des Körpers in der Tiefe sind somit exakt bewertbar. Mit kürzeren Aufzeichnungsintervallen, zahlreichen akustischen Alarmen sowie einem speziellen Logbuch macht der Apnoe Modus den Galileo zum ultimativen Trainings-Computer für Apnoisten aller Disziplinen.

      „Es war faszinierend, mit dem Galileo zu tauchen und anhand der Herzfrequenz zu beobachten, was in meinem Körper vorgeht. Auch andere Funktionen, wie zum Beispiel die durchschnittliche Auf- und Abstiegsgeschwindigkeit sofort abrufen zu können, waren für die Feinanpassung während der Vorbereitung von großem Wert mich. Der Galileo ist zu einem wichtigen Bestandteil meines Trainings geworden.“ so die Worte von Anna von Boetticher, die am 2. Juli 2009 den neuen deutschen Rekord der Frauen im variablen Gewicht aufgestellt hat. 90 Meter war sie tief – und konnte ihren Rekord dank des Galileos genau analysieren.

      SCUBAPRO UWATEC hat großen Respekt vor Apnoisten, die extremes physisches und psychisches Training auf sich nehmen. Da Apnoisten aber auch spezielles hochtechnisches Material für ihre Tauchgänge brauchen, hat es sich SCUBAPRO UWATEC nicht nehmen lassen, diese Taucher zu unterstützen: Der Galileo Apnoe Modus hilft, Ziele zu erreichen, egal ob Wettkampf oder Freizeit. Spezielle Features und Warnmeldungen erlauben es dem Apnoisten, sich voll und ganz auf sein vegetatives Nervensystem zu konzentrieren – er erlangt bei seinen Tauchgängen mehr Sicherheit, mehr Präzision und kann jeden Moment auskosten.

      Apnoetauchen ist ein faszinierender Unterwassersport und bietet zahlreiche Disziplinen und Wettkämpfe. Als einer der führenden Tauchausrüstungshersteller sind wir stolz darauf, diesen Sport mit unseren Produkten unterstützen zu können.
      Die state-of-the-art Computer der Galileo Familie – SOL, LUNA, TERRA - einzigartige Funktionen für perfekte Taucherlebnisse:
      Galileo SOL: mit Herzfrequenzmessung (inkl. Sender), mit Multigasfunktion, optional schlauchlose Gasintegration (Sender-Kauf)
      Galileo LUNA: optional Herzfrequenzmessung, Multigasfunktion, schlauchlose Gasintegration (kostenpflichtige Upgrades, Sender-Kauf)
      Galileo TERRA: optional Herzfrequenzmessung, Multigasfunktion (kostenpflichtige Upgrades)

      Kostenfreies Update Apnoe-Modus für alle 3 Galileos (abrufbar unter www.scubapro.com )
      Das Upgrade Apnoe-Modus ist kostenlos, passend für alle Galileo-Computer und kann jederzeit auf der Subapro-Website angefordert werden. Der Taucher muss auf der Website nur ein kurzes Formular ausfüllen und erhält anschließend nach 2-3 Tagen seinen persönlichen Code zur Freischaltung.

      Wer es genau wissen will - hier die Galileo Apnoe-Features im Detail:

      Kürzere Aufzeichnungsintervalle
      Infolge der unterschiedlichen Natur des Apnoetauchens, nämlich kürzere Tauchgänge und möglichst kurzer Aufenthalt in maximaler Tiefe, ist das Aufzeichnungsintervall für die Tiefenmessung und die Datenaufzeichnung kürzer, wenn der Galileo auf Apnoe Modus eingestellt wird. Alle 0,25 Sekunden, also 4x pro Sekunde, wird die Tiefe und 1x pro Sekunde werden alle übrigen Tauchdaten aufgezeichnet. Der Apnoist wird so seine tiefste Tiefe garantiert festhalten.

      Herzfrequenzmessung
      Der Apnoist kann mit der Herzfrequenzmessung perfekt seine Entspannung kontrollieren. Eine höhere Herzfrequenz deutet auf einen höheren Sauerstoffverbrauch hin, der den Tauchgang verkürzen würde.

      Manueller Start
      Der Galileo Apnoe Modus kann manuell gestartet werden, da eine exakte Messung von Zeit und Tiefe beim Apnoetauchen ausschlaggebend sind. Andere Computer aktivieren sich beim Abtauchen, aber der Apnoeist möchte die Messung ab dem allerersten Zentimeter sowie der allerersten Viertelsekunde. Zudem kann der Taucher schon seine Herzfrequenz an der Oberfläche kontrollieren und so auf den idealen Moment zum Abtauchen warten. Auch beim Streckentauchen ist die manuelle Aktivierung wichtig, da die geringe Tiefe andere Computer vielleicht nicht aktivieren würde.

      Display-Anzeige während eines Apnoe-Tauchgangs
      Im Apnoe Modus zeigt der Galileo ab einer Tiefe von 0,8 m die aktuelle Tiefe, die maximale Tiefe, die Herzfrequenz, die Tauchzeit in Minuten und Sekunden, die Wassertemperatur sowie die Aufstiegs- und Abstiegsgeschwindigkeit an.

      Display-Anzeige im Flachwasser und an der Oberfläche
      Im Flachwasser und an der Oberfläche zeigt das Display nach dem Tauchgang die Dauer in Minuten und Sekunden sowie die maximale Tiefe des letzten Tauchgangs, die aktuelle Herzfrequenz, die an der Oberfläche verbrachte Zeit, die niedrigste Herzfrequenz und die niedrigste Temperatur des letzten Tauchgangs, die Gesamtanzahl der Tauchgänge während der aktuellen Aufzeichnung sowie die Gesamtzeit in Minuten seit Beginn der Aufzeichnung an.

      Spezielle Apnoe-Alarme
      Alle Alarme sind ausschließlich akustisch, wobei jede Warnung einen einzigartigen Ton hat. Der Taucher braucht nicht extra auf das Display zu schauen.
      - Alarm Maximaltiefe
      - Alarm Tiefenintervall zum Kontrollieren der Auf- und Abstiege
      - Alarm Tauchzeitintervall zur Kontrolle der verbrachten Zeit unter Wasser
      - Alarm Oberflächenintervall zur Kontrolle der Zeit über Wasser
      - Alarm für zu niedrige Pulsfrequenz
      - Alarm Aufstiegsgeschwindigkeit

      Exakte Einstellung der Wasserdichte für die korrekte Ermittlung der Tiefe
      Die exakte Tiefenmessung ist beim Apnoetauchen einer der wichtigsten Faktoren. Mit dem Galileo kann die Wasserdichte zwischen 1,000 kg/l und 1,050 kg/l in Schritten von 0,001 kg eingestellt werden.

      Spezielles Logbuch
      Da beim Apnoetauchen eine Session durchaus mehrere Tauchgänge enthalten kann, sieht auch das Logbuch anders aus. Ausgewiesen werden der tiefste Tauchgang, der längste Tauchgang, die Gesamtzeit, die Anzahl der Tauchgänge sowie die niedrigste Temperatur.

      Tauchprofil
      Zusammen mit dem Tiefenprofil ist die Herzfrequenzmessung abrufbar. Minimale, maximale und durchschnittliche Herzfrequenz sowie maximale Aufstiegs- und Abstiegsgeschwindigkeiten werden dargestellt.

      Download via SmartTrak
      Mit Hilfe der Infrarottechnologie, der PC-Downloadfunktion und der Software SmartTrak können alle Tauchdaten auf den PC geladen werden. Die Grafiken machen das Erkennen von Trainingsergebnissen zum Kinderspiel.
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      Freiburger knackt Rekord im Apnoe-Tauchen

      Freiburger knackt Rekord im Apnoe-Tauchen
      Der deutsche Rekord im Apnoe-Streckentauchen im See ist gebrochen. Im Nimburger Baggersee purzelten am Sonntag die Bestmarken. Ganz vorne dabei: Christophe Eisenhauer – eine Freiburger Lunge.

      TENINGEN-NIMBURG. Der deutsche Rekord im Apnoe-Streckentauchen im See ist gebrochen - und das gleich dreimal. Christophe Eisenhauer hat am Sonntagmorgen im Nimburger Baggersee eine Strecke von 132 Metern zurückgelegt, nur beim Start durfte er einmal tief Luftholen. Seine Kollegin Barbara Jeschke lag mit 128 Metern nur knapp dahinter. Dafür holte sie gar zwei neue Rekorde der Frauen.

      Das Prinzip Apnoe-Tauchen ist eigentlich ziemlich einfach. "Wer kann am längsten die Luft anhalten", ist die einfache Formel hinter den zahllosen Disziplinen dieses langsam bekannter werdenden Tauchsports, so auch am Sonntagmorgen im 22 Grad warmen Nimburger Baggersee. Zwei Athleten waren angetreten, um den deutschen Rekord im Streckentauchen ohne Luft zu holen in einem See zu knacken. Für Männer lag er in der Disziplin mit Schwimmflosse bei 126 Metern, für Frauen bei 112 Metern.

      "In einem See werden in der Regel kürzere Strecken als in einem Becken erreicht", erklärt Nik Linder, Rekord-Organisator des Tauchcenters Freiburg, die Tücken der Disziplin. Während im Becken nämlich immer gleiche Temperaturen und vor allem gute Sicht herrschen, ist beides im See unwägbar. So kommt es, dass der Weltrekord mit Flossen im Becken bei 250 Metern liegt, deutlich mehr als die jetzt im See erbrachte Leistung.

      Trotzdem ist der Taucherfolg von Christophe Eisenhauer eine Höchstleistung. Am frühen Sonntagmorgen war der Freiburger mit seiner Kollegin Barbara Jeschke aus Leinfelden-Echterdingen angereist, um den Rekord zu knacken. Fünf Monate Training waren dem Versuch vorangegangen. Mit dabei waren die Organisatoren der Veranstaltung, ein paar Dutzend Zuschauer, ein Vertreter des Verbandes der Freitaucher, genannt Aida. Rettungsschwimmer und ein Arzt des DLRG sorgten für die nötige Sicherheit. "Apnoe-Tauchen ist nicht ganz ohne Gefahren" gab dann auch Organisator Linder zu. Manche Sportler gehen so an ihre Grenzen, dass sie wegen Sauerstoffmangels ohnmächtig werden. Da muss schnell Hilfe zur Stelle sein.

      Am Sonntag ging es zum Glück ohne solche Zwischenfälle. Kurz nach halb neun machte sich Rekordversuchler Eisenhauer auf einem Brett zum Startpunkt in der Mitte des Sees auf. Dort hieß es dann nochmal volle Konzentration und vor allem tief Luftholen. Dann ging es los. Begleitet von einem Juror, der darauf achtete, das sich Eisenhauer nicht an dem zur Orientierung gespannten Seil entlang hangelt oder gar zwischendurch Luft holt, tauchte Eisenhauer in Richtung Ufer. Für alle Fälle legte auch ein Rettungstaucher parallel die Strecke zurück. "Nach etwa 30 Metern kam dann der Atemreiz", sagt Eisenhauer nach dem geglückten Rekordversuch. Da hieß es mit eisernem Willen dem Drang zu Atmen zu widerstehen. Erst nachdem mehr als das Dreifache dieser Strecke zurückgelegt war, hielt er es nicht mehr aus. "Ich habe gewusst, dass die 125 Meter vorbei waren", sagt Eisenhauer später, der sich während des Versuchs an Entfernungsmarken unter Wasser orientieren konnte.

      Für einen geglückten Versuch ist aber noch etwas mehr nötig: Eisenhauer musste auch zeigen, dass er noch gut bei Sinnen ist. Binnen 15 Sekunden nach dem Tauchgang musste er die Taucherbrille abnehmen und die Worte "I'm okay" sprechen. Dann erst bekam er die weiße Karte zu sehen.

      Eisenhauer kam am Sonntag ganz schön ins Schwitzen, als er seine Kollegin in derselben Disziplin der Frauen loslegen sah. Mit atemberaubendem Tempo legte Barbara Jeschke am Ende 128 Meter unter Wasser hin - und kam Eisenhauer damit gefährlich nahe. Die 54-jährige stellte somit den gültigen deutschen Rekord der Frauen auf. Und wagte sich gleich nochmal ins Wasser. Ohne Flossen tauchte Jeschke luftlos ganze 77 Meter. Das war als Sahnehäubchen ein weiterer deutscher Rekord. Für flossenloses Tauchen lag dieser zuvor bei 69 Metern.
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      Stärker als der Atemreflex

      Stärker als der Atemreflex

      Apnoe-Tauchen ist Tauchen ohne ein Sauerstoffgerät. Der Österreicher Christian Redl ist einer der besten in dieser extremen Sportart. Erst kürzlich hat er einen Rekord im Streckentauchen aufgestellt - unter Eis.

      Sauerstoff ist jetzt das Wichtigste, alles andere kann warten. Christian Redl atmet, atmet, atmet, er pumpt sich die Lungen so voll es nur geht. Dann, obwohl er der Bewusstlosigkeit nur knapp entgangen und noch grün im Gesicht ist, lächelt er und reckt seine rechte Faust in die kalte Winterluft. Es ist ein erleichtertes, ein stolzes, ein Siegerlächeln. Geschafft. Christian Redl hat sich an diesem bewölkten Februartag einen Traum erfüllt, den kaum ein Mensch mit ihm teilt: er legte eine Strecke von 100 Metern zurück, unter Wasser, unter Eis. Der Österreicher verschwand in einem in den zugefrorenen Kärntener Weißensee gesägten Loch und tauchte 100 Meter weiter aus einem anderen wieder auf. Einfach nur, um sich und der Welt zu beweisen, dass das geht.
      Es ist nicht das erste Mal, dass der 33-Jährige zeigt, wozu der Mensch unter Wasser fähig ist. Redl ist Freitaucher und Weltrekordjäger. Dabei hat er es nicht auf die klassischen Bestmarken seiner Disziplin abgesehen, sondern auf neue, spektakulärere. Die 100-Meter-Distanz ist seit 2003 sein dritter Strecken-Weltrekord unter Eis. Mit seinem Freund und Trainingspartner Jaromir Foukal erfand er das Eishockeyspiel im gefrorenen See, auf der im üblichen Sinne falschen Seite der Eisfläche. Er tauchte in mexikanischen Höhlen, 101 Meter weit - ohne dass es unterwegs eine Möglichkeit gab, aufzutauchen - und 71 Meter tief. „Ich will schaffen, was noch keiner geschafft hat“, sagt Redl. Im Guinnessbuch der Rekorde stehen. Bewundert und bestaunt werden. Ein Held sein.

      Redl atmet, um zu leben, wie jeder Mensch. Aber er liebt es, nicht zu atmen, sich frei zu fühlen in einer für den Menschen fremden Welt. Unter Wasser, in absoluter Stille. Deshalb taucht er ohne Sauerstoffflasche auf dem Rücken, mit angehaltenem Atem. Apnoe- oder Freitauchen ist inzwischen nicht mehr nur Redls Passion, sondern auch sein Beruf. Andere können weiter und tiefer tauchen als er, sie führen die Bestenlisten des Freitaucher-Verbandes Aida an. Aber Geld lasse sich damit nicht verdienen, sagt Redl.

      Atemreflex unterdrücken

      Trotzdem: Ob er auch diese Rekorde brechen könnte? 250 Meter Streckentauchen mit Flossen im Pool zum Beispiel oder 214 Meter im Tieftauchen mit variablem Gewicht? „Ich könnte schon“, sagt Redl, „aber ich sehe keinen Sinn darin“. Weil dabei niemand zuguckt, keine Kamera die Bilder einfängt, kein Sponsor bezahlt. „Die anderen Freitaucher sind mehr Sportler, ich bin mehr Marketingmaschine“, sagt der Wiener. Als er 17 Jahre alt war, begeisterte ihn der Film „Im Rausch der Tiefe“. Die tragischen Helden des Tauchdramas empfand er als „coole Typen“. So einer wollte er auch sein. Christian Redl braucht weniger Luft als andere, dafür aber mehr Aufmerksamkeit.

      Bevor er zu seinem Weltrekordversuch am Weißensee im Eisloch abtaucht, folgt Redl einem Ritual. Mental geht er den perfekten Tauchgang durch. „90 Prozent des Erfolgs hängen von meiner mentalen Leistung ab“, sagt er. Daran, dass er bei 100 Metern von einem seiner sechs Sicherungstaucher bewusstlos aus dem Wasser gezogen werden könnte, denkt er nicht. Er weiß ja, wie das ist, dreimal ist es ihm bei seinen Projekten schon passiert. Im einen Moment tauchte er noch, im nächsten lag er draußen, über ihm der Arzt, der ihm eine Sauerstoffmaske auf das Gesicht presste. 100 Meter zu tauchen, ist im Prinzip kein Problem für Redl. Wird der Flossenschlag jedoch zu hektisch, weil es kalt ist, dunkel und unheimlich, steigt der Puls zu stark an und der Körper verlangt schneller wieder Sauerstoff. Das ist das Problem des Eistauchens, daran scheitern häufig auch die, die im Pool viel weiter kommen.

      Redl hat trainiert, cool zu bleiben und seinen Atemreflex zu unterdrücken. Entspannungs- und Atemtechniken, etwa aus dem Yoga, helfen dabei. „Aber es kann passieren, dass der Körper sagt: Okay, du gibst mir keinen Sauerstoff, also muss ich dich vor dir selber schützen und setze dich auf Notstrom.“ Redl schnippt mit den Fingern, um zu zeigen, wie plötzlich die Bewusstlosigkeit dann kommt. Sie verhindert, dass seine Muskeln weiter den kaum noch vorhandenen Sauerstoff verbrauchen. Das, was noch da ist, ist ab jetzt für das Gehirn reserviert. Deshalb sollte ein Freitaucher sich niemals allein unter Wasser begeben. Im Notfall müssen Sicherungstaucher oder ein Kollege bereit sein, den Bewusstlosen so schnell wie möglich an die Wasseroberfläche zu holen. Dort kommt er dann in der Regel relativ schnell wieder zu sich. Gefährlicher sind die extremen Tieftauch-Versuche, dabei passieren häufig schwere bis tödliche Unfälle.

      Als Sechsjähriger bekam Redl von seinem Onkel, einem Hobbytaucher, eine ABC-Ausrüstung geschenkt: Taucherbrille, Schnorchel, Flossen. Der Junge fühlte sich von Anfang an im Wasser zu Hause. Manchmal besuchte er seinen mit Sauerstoffflasche tauchenden Onkel in zehn bis 15 Metern Tiefe. Ohne Luft. Einfach so. Als Zehnjähriger begann er mit dem Gerätetauchen und vergaß darüber beinahe sein eigentliches Talent, das Tauchen ohne Luft. Doch nachdem er „Im Rausch der Tiefe“ gesehen hatte, erinnerte er sich seiner Leidenschaft aus Kindertagen und ließ sich von Könnern ausbilden.

      25 Pulsschläge

      Am Weißensee sitzt Christian Redl auf der Eiskannte, atmet, schlägt seine rechte Faust in die flache linke Hand, atmet, streift sich die Flossen über, taucht die Beine ins Wasser, atmet, gleitet in das eisige Nass. Eine Weile bleibt er noch oben, atmet, beruhigt seinen Puls, er kann ihn bis auf 25 Schläge pro Minute drosseln, atmet, atmet, atmet. Dann ist er weg. Atmet nicht mehr.

      Die Rekordjagd in den klassischen Disziplinen nennt Redl: „Null Challenge, null Abenteuer, null Geschichte.“ Und vor allem: „Null vermarktbar.“ Doch er entdeckte im Guinnessbuch der Rekorde die Bestmarke des Italieners Nicola Brischigiaro, der 1998 unter Eis 85 Meter weit getaucht war. Redl schaffte 2003 90 Meter. Seine Jagd auf skurrile Rekorde war eröffnet. Bis vor drei Jahren arbeitete er noch als Aktienhändler. Heute lebt Redl von Sponsoren, Freitauchkursen, Mentalcoachings, Atemtechnikseminaren.

      Am Weißensee erschließt sich dem Laien die Leidenschaft des Österreichers kaum. Tauchen unter einer 27 Zentimeter dicken Eisschicht, um sich frei zu fühlen? Doch die Rekorde im kalten Wasser, immer an der Grenze zur Bewusstlosigkeit, ermöglichen Christian Redl die wahre Freude an seinem Sport: Ägypten zum Beispiel, das Rote Meer klar und blau, angenehme Luft- und Wassertemperaturen - und Redl macht vor, was er mit Freiheit meint. Er gleitet an Korallenriffen entlang, durch Fischschwärme hindurch, schwimmt in für ihn moderaten 17 Metern Tiefe Seite an Seite mit einer Schildkröte. Ohne klobige Sauerstoffflasche, ohne blubbernde Blasen, die sein Menschsein verraten. Lautlos, schwerelos, fast so, als gehörte er hier hin.
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      Apnoe – Tauchen mit nur einem Atemzug

      Apnoe – Tauchen mit nur einem Atemzug

      Die Definition Apnoe Tauchen ist so einfach wie beeindruckend: Eine maximale Zeit unter Wasser und dies mit nur einem Atemzug. Sei es, eine gewisse Tiefe zu erreichen, Distanz im Streckentauchen zu überbrücken oder einfach regungslos an der Wasseroberfläche, mit dem Kopf im Wasser, die Zeit „totzuschlagen“.


      All dies fällt unter den Begriff Apnoe Tauchen.

      Die Ausrüstung? Badebekleidung. Alles Andere, wie z.B. Neopren, Taucherbrillen und Flossen sind optional und (Wasser)-temperaturabhängig.

      Apnoe – Im Rausch der Tiefe
      Tauchen mit großen Sauerstoffflaschen und viel Zubehör kennt jeder. Aber wie wäre es einmal Auge um Auge, der Körper gegen das feuchte Element Wasser. Nur du und die Natur? Willkommen beim Apnoe Tauchen.

      Apnoe – so fühlt es sich an
      „Ich liege völlig regungslos auf dem Wasser, spüre die Bewegungen der Wellen im ganzen Körper und versuche, komplett zu entspannen. Mein Atem fließt langsam und tief, wie eine Welle in den Körper und genauso kehrt er wieder nach außen. Meine Augen gehen auf und die Reflektionen der Sonnenstrahlen auf der Wasseroberfläche fallen genau in sie hinein. Ich atme weiterhin tief und intensiv.

      Neben der Badebekleidung gehört noch eine Taucherbrille zu meinem Equipment. Der Geist ist völlig fokussiert, der Körper entspannt und der letzte Atemzug wird in Angriff genommen. Die Lungen weiten sich, die kostbare Luft strömt in den Körper und schon geht die Reise ins nicht enden wollende Nichts los.

      Der menschliche Körper alleine im fremden Element Wasser. Doch an Stelle eines Kampfes um Leben und Tod, gleitet der Körper nahezu schwerelos und friedlich in die Tiefe des Wassers ab.

      Jede einzelne Muskelfaser ist komplett entspannt und ich gebe mich hin. Ich spüre, wie sich der Puls verlangsamt und sich das Blut stoßweise im Körper verteilt. Das Gefühl der Unantastbarkeit steht in Regelmäßiger Abwechslung mit der Begeisterung, ein Teil des Lebens in der Tiefe zu sein. Im Rausch der Tiefe vergisst man nun völlig die Zeit. Bin ich nun eine Minute, eine Stunde oder doch schon das ganze Leben unter Wasser?

      Nun beginnt das leichte Zucken und kontrahieren des Zwerchfells. Es ist das Zeichen, das dieser endlos scheinende Moment doch zu Ende geht. Man begibt sich nun wieder auf die Reise an die Wasseroberfläche. Das Zucken unter dem Brustkorb erhöht seinen Intervall und wird immer intensiver.

      Nun tritt die Begeisterung der Wasserwelt langsam in den Hintergrund und die Konzentration, den Atemreiz effektiv zu unterdrücken, wird Hauptbestandteil des Auftauchens. Ich sehe an der Wasseroberfläche nun langsam die Umrisse des kleinen Bootes, das uns zur Tauchstelle gebracht hat und die Sonne stellt sich als gelbe helle Fläche am verschwommenen Himmel da. Nur noch wenige Meter. Ich spüre die Veränderung der Druckverhältnisse und schon stoße ich mit dem Kopf durch die Wasseroberfläche, direkt zur so kostbaren und rettenden sauerstoffgefüllten Luft.

      Drei bis vier tiefe Atemzüge und schon realisiere ich, was gerade vollbracht wurde. Es läßt einen unbeschreibliche Glücksgefühle verspüren, ein ganz kleiner Teil in diesem riesigen und unabhängigen Netzwerk gewesen zu sein. Fern von allen menschlichen Normen und Illusionen.

      Acht Minuten ohne Luft zu holen

      Acht Minuten ohne Luft zu holen

      Wie lange können Sie die Luft anhalten? Eine Minute oder vielleicht zwei? Karsten Schneider schafft es länger als acht Minuten ohne einzuatmen. Der Hamburger gilt als der erfahrenste Apnoe-Taucher im aktuellen deutschen Nationalteam.

      SIEGBURG. Wie lange können Sie die Luft anhalten? Eine Minute oder vielleicht zwei? Karsten Schneider schafft es länger als acht Minuten ohne einzuatmen. Der Hamburger gilt als der erfahrenste Apnoe-Taucher im aktuellen deutschen Nationalteam, das sich am Wochenende im Siegburger Tauchcenter im Oktopus-Bad auf die Weltmeisterschaft der Freitaucher in Okinawa (Japan) vorbereitete. Apnoe- oder auch Freitaucher vertrauen allein auf die Luft in ihren Lungen und sind damit Anhänger der wohl ältesten und ursprünglichsten Art, sich unter Wasser zu bewegen.
      Bereits in der Steinzeit haben unsere Vorfahren auf diese Art Muscheln, Schwämme und Perlen gesammelt oder Fische mit Speeren gejagt. Heute wird Apnoe-Tauchen als Freizeit-, aber auch als Leistungssport betrieben, dem scheinbar keine Grenzen gesetzt scheinen. So beträgt der deutsche Rekord im Zeittauchen bei den Männern, aufgestellt von Tom Sietas, exakt 10:12 Minuten. Rekordhalterin bei den Frauen ist Anna von Bötticher mit 6:12 Minuten. Beide halten auch die Bestmarke beim Streckentauchen in der Halle mit 223 beziehungsweise 164 Metern. Den deutschen Rekord im Tieftauchen hält seit 2001 Benjamin Franz mit 126 Metern.

      Wem angesichts dieser Zahlen schon die Luft ausgeht, dem kann Andreas Pap helfen. Er ist der derzeit einzige Trainer des Apnoe-Tauchens in Nordrhein-Westfalen und bietet eine systematische Ausbildung in Theorie und Praxis an. Das Lungenvolumen kann durch Training um 20 bis 30 Prozent vergrößert werden.

      Pap und Klaus Wagner, Präsident des Vereins Aida Deutschland, in dem 70 Apnoetaucher organisiert sind, kamen zum Training der besten Freitaucher Deutschlands nach Siegburg. Gewöhnlich sehen sich die über ganz Deutschland verstreuten Aktiven nur bei den Wettkämpfen.

      Das im August eröffnete Tauchcenter biete mit seiner extremen Wassertiefe von 20 Metern hervorragende Trainingsbedingungen für die Apnoe-Taucher, sagte Wagner. Es ersetze aber nicht das Training im Freien. Während es in den Seen mit jedem Meter Tiefe kälter und dunkler wird, herrschen im Siegburger Tauchbecken konstante 26 Grad Celsius und hervorragende Lichtverhältnisse.

      Drei neue Weltrekorde für Wiener Extremtaucher

      Drei neue Weltrekorde für Wiener Extremtaucher

      Herbert Nitsch unterstreicht wieder einmal seine Ausnahmestellung im Freitauchen: Auf den Bahamas stellte er drei neue Weltbestleistungen in zwei Disziplinen auf.

      Der Österreicher Herbert Nitsch hat auf den Bahamas drei Weltrekorde im Freitauchen aufgestellt. Der 40-jährige Wiener Berufspilot verbesserte im Blue Hole auf Long Island die Bestmarke in der Disziplin "Free Immersion" zweimal (116 Meter, 120 Meter) und auch jene im "Konstantes Gewicht"-Tauchen (124 Meter). Nitsch hält nun bei bereits 31 Weltrekordleistungen in acht verschiedenen Disziplinen. Als nächstes plant er einen Tauchgang auf 300 Meter.

      Beim Freitauchen, auch Apnoetauchen genannt, ist zusätzliche Luftversorgung nicht erlaubt. Bei der Disziplin "Konstantes Gewicht" ist es das Ziel, eine möglichst große Tiefe zu erreichen. Dem mit Flossen ausgestatteten Taucher sind zum Abstieg leichte Gewichte gestattet. Bei "Free Immersion" zieht sich der Taucher ohne Flossen oder andere Hilfsmittel an einem Seil in die Tiefe.

      Derzeit hält der Wiener auch die Weltrekorde in den beiden Disziplinen mit variablem Gewicht: 214 Meter bedeuten die Weltbestmarke in der Disziplin "No Limits" (Tauchen ohne technische Beschränkungen, wobei der Taucher mit einer Schlittenkonstruktion in die Tiefe gezogen wird und mit mechanischer Kraft auch wieder nach oben gezogen wird). Auch die 142 Metern in der Disziplin "Variables Gewicht" (abtauchen mit Schlittenkonstruktion bis 30 Kilogramm Gewicht, auftauchen aus eigener Kraft) sind unerreicht.

      Drei neue Nitsch-Weltrekorde

      Drei neue Nitsch-Weltrekorde
      April 2010, 12:26

      Aufgestellt im Blue Hole auf den Bahamas - Wiener hält nun bei bereits 31 Weltrekordleistungen in acht verschiedenen Disziplinen

      Nassau/Bahamas - Der Österreicher Herbert Nitsch hat auf den Bahamas drei neue Weltrekorde im Freitauchen aufgestellt. Der 40-jährige Wiener, der im Hauptberuf Linienpilot für die Austrian-Gruppe ist, verbesserte im Blue Hole auf Long Island die Bestmarke in der Disziplin "Free Immersion" zweimal (116 m, 120 m) und auch jene im "Constant Weight"-Tauchen (124). Nitsch hält nun bei bereits 31 Weltrekordleistungen in acht verschiedenen Disziplinen. An der Spitze seiner Rekorde steht der in der Freitauchdisziplin "No Limit" aufgestellte absolute Tiefenrekord von 214 Metern (Juni 2007, Spetses, Griechenland). Kein Mensch ist mit einem einzigen Atemzug bis dato auch nur annähernd so tief getaucht. Als nächstes plant er einen Tauchgang auf 300 m.

      "Wieder einmal habe ich versucht meinen Trainingsplan zu verbessern und war angenehm überrascht, wie verlässlich meine Leistungssteigerung war. Ich frage mich manchmal warum ich immer wieder versuche, meinen eigenen Weltrekord zu brechen. Es sind Tauchgänge wie mein letzter 120 Meter Free Immersion Weltrekord, bei dem ich mir vorgenommen hatte, den Rekord gleich um mehrere Meter zu verbessern. Meine Neugier und die Faszination darüber, wozu mein Körper fähig ist, treiben mich an. Ich setze mich nicht unter Druck - ich akzeptiere die Möglichkeit eines Misserfolges. Das Resultat war ein scheinbar leichter und angenehmer Tauchgang. Wohin führt das? Was kann ich noch lernen, um meinen Körper noch besser zu kontrollieren?"

      Während des insgesamt neuntägigen Events forderten sich die Top-Athleten der stetig wachsenden Freitauchszene zu neuen Höchstleistungen heraus. Noch nie war die Konzentration der internationalen Freitauch-Elite in einem Event höher: unter ihnen William Truebridge, Guillaume Nery, Ryuzo Shinomiya, Dave Mullins, William Winram und natürlich - Herbert Nitsch. (red)
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      Einfach mal die Luft anhalten

      Apnoe-Tauchen
      Einfach mal die Luft anhalten

      Schwere Pressluftflaschen und voluminöse Tarierjackets? Freitaucher wie Anna von Boetticher können darüber nur lächeln - ihnen genügt ein einziger Atemzug, um sich für mehrere Minuten den Fischen gleich zu fühlen.

      Anna von Boetticher atmet tief ein und aus, ihr Brustkorb hebt und senkt sich. Sie hält sich an dem Schlitten fest, der sie in ein paar Sekunden ins Meer ziehen wird und der an einem Seil befestigt ist. Ein Ende des Seils führt zu dem Boot in ihrem Rücken, das andere in die Tiefe, in die Dunkelheit und möglicherweise auch zu einem neuen deutschen Rekord. Es ist Sommer im kleinen Städtchen Kalamata an der griechischen Mittelmeerküste.

      Die Berlinerin konzentriert sich, ein letztes Mal zieht sie ihre Lunge zusammen und entspannt sie wieder. Dann lässt sie sich ins Blau fallen. Bis in 15 Meter Tiefe könnte ihr ein ambitionierter Schnorchler jetzt noch folgen, bis in 40 Meter ein ausgebildeter Sporttaucher. In 70 Meter Tiefe ist die Lunge der 40-Jährigen aufgrund des Umgebungsdrucks nur noch ein Achtel so groß wie über Wasser, doch Boetticher will mehr. Es wird dunkler, es geht tiefer: Sie wird erst dann umkehren, wenn ihr Tiefenmesser dreistellige Werte anzeigt.

      2:56 Minuten nach dem Abstieg durchbricht die zierliche, 60 Kilogramm schwere Frau wieder die Wasseroberfläche. Gesund und glücklich. Und hält nun mit exakt 100 Metern den deutschen Rekord für Frauen in der Disziplin "variable weight", bei dem die Sportler durch ein Gewicht in die Tiefe gezogen werden und aus eigener Kraft wieder auftauchen müssen. Wobei der Aufstieg auch gleichzeitig das Gefährlichste ist: "In die Tiefe lässt man sich bei dieser Disziplin ja ziehen, der Aufstieg dagegen kostet Kraft und verbraucht viel Energie. Die Muskeln übersäuern, die Beine brennen, dazu kommt die Luftknappheit am Ende."

      Im Rausch der Tiefe

      Ohne diese Anstrengung könnte sie wesentlich länger unter Wasser bleiben, bis zu sechs Minuten und zwölf Sekunden. Das ist eine stolze Zeitspanne: Man kann währenddessen zwei Kulthits am Stück hören, beispielsweise "Knockin' on Heaven's Door" und "I can get no Satisfaction". Oder zwei Runden eines WM-Boxkampfes bestreiten. Anna von Boetticher kann genauso lange auch einfach nur da sitzen und die Luft anhalten. Wie macht sie das bloß? "Natürlich braucht es schon einiges an körperlicher Fitness und viel Training. Aber der wichtigste, der entscheidende Punkt ist einzig die mentale Stärke: Du musst es halt wollen, unbedingt!"

      Wer sich mit dem Tauchen ohne Luft beschäftigt, wird schnell auf Luc Bessons Film "Im Rausch der Tiefe" stoßen: Für die Anhänger der Sportart ist die fast mystische Geschichte mit dem Suizid am Ende Kult, das Verpacken ihrer Träume auf Zelluloid. Der "Rausch" schildert das Duell zwischen dem Italiener Enzo Maiorca und dem Franzosen Jacques Mayol, die als erste Menschen überhaupt mit einem Atemzug 100 Meter Tiefe erreichten.

      Auch Anna von Boetticher hat den Film mehrmals gesehen, ihr gefallen die Unterwasseraufnahmen, mit dem esoterischen Anstrich dagegen kann sie weniger anfangen: "Mir persönlich liegt das nicht so. Außerdem bekomm ich ja schon beim Yoga Rückenschmerzen."

      Wer die Frau - losgelöst vom Wettkampf - unter Wasser beobachtet, mag dies kaum glauben: Die Leichtigkeit und Eleganz, mit der sich die 175 Zentimeter große Buchhändlerin bewegt, erinnert an Meereswesen. Man muss gar nicht den häufig gebrauchten Vergleich mit einem menschlichen Delfin strapazieren - Delfine sehen in der Regel meist deutlich tollpatschiger aus.

      Wenn man ihr glaubt, kann jeder das flaschenlose Tauchen lernen: Für den Anfang genügen ein paar Tage Urlaub und das richtige Reiseziel. Auch Boetticher absolvierte ihren ersten Kurs im Urlaub, bei Freedive im ägyptischen Dahab. Das war im April 2007 - sechs Monate später war sie schon dreifache deutsche Rekordhalterin. Sie ist sich sicher: "Schon nach einem Tag intensivem Training schafft es praktisch jeder, zwei Minuten lang die Luft anzuhalten."

      Eins mit dem Wasser werden

      Freitauchen wird auch als Apnoe-Tauchen bezeichnet, abgeleitet aus dem Griechischen, wo Apnoe so viel wie "ohne Atem" bedeutet. Und beim Training unter fachgerechter Anleitung können Anfänger ihre Fähigkeiten wirklich erstaunlich schnell verbessern, beispielsweise durch dementsprechende Kurse beim VDST oder durch den Besuch eines Camps, wie es der ehemalige Weltrekordler Umberto Pelizzari auf Sardinien betreibt.

      "Ganz am Anfang ist auch keine Technik dabei, man taucht aus eigener Kraft ab und wieder auf. Für mich ist das eh die schönste, die natürlichste Form des Freitauchens." Wettkampfmäßig betrieben nennt sich diese Disziplin "constant weight". 60 Meter hat Boetticher da geschafft, auch dies ein deutscher Rekord. Natürlich.

      Doch Anfängern rät sie vom Blick auf die Zahlen ab: "Am Anfang sollte man einfach nur das Gefühl genießen, eins mit dem Wasser zu werden, keinen Leistungsdruck aufbauen. Mit der Liebe zum Sport kommt die Dauer und die Tiefe dann irgendwann ganz automatisch." Wahrscheinlich sind dies auch die wichtigsten Parameter für ihren eigenen Erfolg: die Liebe und der Wille.

      Für jene, die es einmal zu Hause probieren möchten, hat Boetticher einen Tipp: "Am besten auf dem Bett oder Sofa liegen, ganz entspannt. Dann ein bis zwei Minuten ruhig atmen, ohne zu hyperventilieren. Einen letzten tiefen Atemzug nehmen, dann die Luft anhalten. Anschließend wieder ein bis zwei Minuten atmen, noch mal Luft anhalten. Das ganze viermal hintereinander. Man wird sehen: Es wird von Mal zu Mal ein bisschen leichter!"

      Allerdings sollte man diese Übungen nie allein im Wasser betreiben - noch nicht einmal in der Badewanne: "Es ertrinken immer wieder Leute in Schwimmbädern und Badewannen, die das einfach mal so versuchen", warnt die Sportlerin.

      Stuntdouble für Lotte-Hass-Darstellerin

      Im Juli war Anna von Boetticher mal wieder in Ägypten, wo für sie alles begann. Sie arbeitete dort als Unterwasser-Stuntdouble für Yvonne Catterfeld, die in der ZDF/ORF-Produktion "Ein Mädchen auf dem Meeresgrund" Lotte Hass verkörpert, die Ehefrau des Tauchpioniers Hans Hass. Sobald die Drehpausen ihr genügend Zeit gaben, hat Boetticher sich ihre Flossen gepackt, die Maske aufgesetzt und ist abgetaucht, über Korallen hinweg und durch farbenprächtige Fischschwärme hindurch.

      Für sie ist es, trotz aller Rekorde, immer noch "faszinierend festzustellen, wie schnell sich der Körper an die Unterwasserwelt anpassen kann. Dafür brauche ich auch keine Technik, eigentlich brauche ich dafür gar nichts - nur mich selbst".

      Darmstädterin stellt mit 44 Jahren Tauch-Rekord auf

      Das schon gelesen!

      Darmstädterin stellt mit 44 Jahren Tauch-Rekord auf

      Neuer deutscher Rekord im Streckentauchen mit Flossen: 182 Meter unter Wasser hat die Darmstädterin Olga Martinez-Alvarez am Samstag zurückgelegt.

      Damit übertraf die 44-Jährige die bisherige Bestmarke in dieser Disziplin um 18 Meter, wie ein Schiedsrichter des Vereins AIDA-Deutschland der dpa bestätigte. Für den Tauchgang ohne Sauerstoffflasche benötigte sie auf der 50 Meter-Bahn des Darmstädter Nordbads 2,57 Minuten.

      „Bei 75 Metern war ich etwas nervös, bei 100 Metern hat mich die Sonne motiviert“, beschrieb die Sportlerin ihre Gefühle während des Tauchgangs. Weil Streckenmarkierungen fehlten, habe sie sich an eigens mit Bleigewichten am Grund angebrachten „Smileys“ orientiert. Zur Sicherheit begleiteten zwei andere Taucher die 44-Jährige.

      Auf ihren Rekordversuch hatte sich Martinez-Alvarez seit Dezember 2011 vorbereitet, „fünfmal Training pro Woche“, beschreibt sie das Pensum. Die Sekretärin kam vor fünf Jahren über das Schwimmen zum Tauchen: „Mir hat es unter Wasser besser gefallen als über Wasser. Es ist so still. Ich genieße die Ruhe.“ Inzwischen gehört die 44-Jährige zum Kader der Nationalmannschaft. Am Wochenende wollte die Sportlerin nach Ägypten fliegen, um dort Tieftauchen zu trainieren. Der Tauchverein AIDA hat sich der Förderung des sogenannten Apnoe-Sports verschrieben. Es gehe darum, „so lange, so weit oder so tief wie möglich mit angehaltenem Atem, also mit einem Atemzug, zu tauchen“, heißt es auf der Homepage des Vereins. Dies sei die älteste und ursprünglichste Form dieser Sportart.
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      125 Meter tief tauchen ohne Sauerstoffflasche

      19.11.2012, 12:00 Uhr

      125 Meter tief tauchen ohne Sauerstoffflasche

      in Kooperation mit Beim Apnoetauchen bleiben die Taucher bis zu vier Minuten unter Wasser - ohne nur einmal Luft zu holen! Am 20. November gehen die weltbesten Freediver bei dem Apnoetauch-Wettbewerb Vertical Blue auf den Bahamas auf Weltrekordjagd.

      Der Druck in 125 Metern Tiefe ist so groß, dass er einen Fußball auf die Größe eines Tennisballs schrumpfen würde. © Foto: zooom.at/agustinmunoz.com

      Die weltbesten Apnoetaucher versammeln sich derzeit auf den Bahamas, um sich hier auf eine der größten Freeediving Herausforderungen der Welt vorzubereiten. Das Vertical Blue startet am 20. November in Dean's Blue Hole, dass mit 203 Metern Tiefe die perfekte Location zum Apnoetauchen ist.

      Beim Apnoetauchen verzichten die Sportler auf jegliche Atemhilfsmittel. Je nach Disziplin dürfen Flossen oder Gewichte genutzt werden, doch eines bleibt immer gleich: Die Taucher holen einen letzten Atemzug an der Wasseroberfläche und tauchen dann so tief sie können in den Ozean. Auch bei dem Vertical Blue werden die Profis wieder versuchen, neue Weltrekorde aufzustellen.

      Mit einem Atemzug 125 Meter tief tauchen

      Am Start sind unter anderem Neuseeländer William Turnbridge und der Russe Alexy Mochanov. Sie werden versuchen, im Laufe des Wettkampfes mit nur einem Atemzug tiefer als 125 Meter zu tauchen.

      Der Organisator der Veranstaltung William Turbridge sagt dazu: "Was Vertical Blue zu so einem speziellen Event macht ist, dass den Athleten freie Hand gelassen wird um ihr Potential auszuschöpfen. Sie sind wie Chemiker in einem lückenlosen Labor - es steht ihnen frei kontrollierte Experimente durchzuführen, um rauszufinden was ihr Körper aushalten kann. Wenn du deine Diamanten im Keller eines 40 Stockwerke hohen Wolkenkratzers vergessen hättest, der bis zum Dach voller Wasser ist, könnten diese Jungs runtertauchen und sie holen."

      Vier Minuten bei massivem Druck

      Die tiefsten Tauchversuche werden über vier Minuten dauern, aber das ist nicht wie seinen Atem vier Minuten in der Badewanne anzuhalten. Es sind vier Minuten in denen du vorankommen musst, während der Druck so groß ist, dass er einen Fußball auf die Größe eines Tennisballs schrumpfen würde." so Turbridge weiter.
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