Experten erwarten Preisrekord für Dampfmotorrad

      Experten erwarten Preisrekord für Dampfmotorrad

      Experten erwarten Preisrekord für Dampfmotorrad

      Ein Raunen ging durch die Motorrad-Fachwelt, als vor dreieinhalb Jahren ein knallgelbes Rennmotorrad aus dem Jahr 1915 für umgerechnet 430.000 Euro versteigert wurde. Diese Rekordmarke steht bis heute - und könnte im Januar von einem Dampfmotorrad geknackt werden.

      Filigran und fast zerbrechlich sieht der leuchtend gelb lackierte Cyclone Board Track Racer OHC aus, der 1915 von einer Motorradmanufaktur in St. Paul, US-Staat Minnesota, gebaut wurde und im Sommer 2008 für Wirbel in der Fachwelt sorgte. Denn bei einer Auktion historischer Zweiräder war es keine Vincent, Indian oder Harley-Davidson, die den Höchstpreis erzielte, sondern eben jenes ultraschlanke Rennmotorrad, von dem damals lediglich ein Dutzend Exemplare gebaut worden waren und für das ein Bieter bei umgerechnet 430.000 Euro den Zuschlag erhielt.


      Dieser Auktionserlös war bislang der Rekordpreis für ein Motorrad, doch glaubt man Fachleuten in diesem Metier, könnte die Bestmarke demnächst noch weiter in die Höhe geschraubt werden. Von einem Roper Dampfmotorrad aus dem Baujahr 1894 nämlich, das das Auktionshaus RM Mitte Januar in der Glitzerstadt Las Vegas zur Versteigerung aufruft.

      Gebaut hat die Maschine Sylvester Roper aus Roxbury in Massachusetts. Er war Erfinder, baute zum Beispiel 1863 einen vierrädrigen Dampfwagen, erfand ein Vorhängeschloss und hielt mehrere Patente für die technische Weiterentwicklung von Strickmaschinen.

      Roper baute außerdem Dampfmotorräder, eine Fahrzeuggattung, die in den 1860er-Jahren in Frankreich aufkam, wo die Protagonisten Ernest Michaux und Louis Perreaux die damals sogenannten Velocipede mit kleinen Dampfmaschinen ausrüsteten. Ähnlich ging auch der Amerikaner Roper vor. Das Motorrad, das demnächst versteigert wird, besteht aus einem Fahrradrahmen, in den Roper einen kompakten, rechteckigen Wasserboiler samt Brenner und seitlich platzierter Dampfmaschine installierte.

      Bei Volldampf erreichte das Zweirad ein Tempo von 64 km/h

      Pedale hatte das Dampfmotorrad keine mehr. Roper selbst fuhr das Zweirad und stellte mit dem Gefährt 1896 in Boston mit einem Tempo von 64 km/h einen Geschwindigkeitsrekord auf. Der Erfinder kam kurz darauf bei einem schweren Sturz zu Tode, das Dampfmotorrad wurde fortan in diversen Museen ausgestellt und war später eines der Glanzstücke in zwei privaten Motorradsammlungen. Der heutige Besitzer erwarb das rustikale Zweirad im Jahr 1996 - und will nun offenbar den aktuellen Marktwert der Maschine herausfinden.

      "Wir erwarten ein großes Interesse von Motorradsammlern", sagt Glenn Bator, der die Motorrad-Oldie-Abteilung des Auktionshauses RM leitet. "Denn dieses Dampfmotorrad ist zweifellos eines der weltweit bedeutendsten Zweiräder überhaupt." Darüber ließe sich lange streiten, und auch diese Debatte dürfte dann dazu beitragen, die Preisspirale bei der Versteigerung in Schwung zu bringen.
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      Na das ist ja mal ein interessantes Teil, hab ich auch noch nie gesehen.

      Was mir doch etwas zu denken gibt, das Dampfmotorrad erreichte unter Volldampf ein Tempo von 64 km/h und das mit der abenteuerlichen Vorderradbremse
      :wahnsinn:

      Aber mal ehrlich, mit so nem Dampfkessel zwischen den Beinen wäre mir aber nicht ganz so wohl :wirr: :super:
      Motorräder

      Motorräder sind weit mehr als ein blankes Fortbewegungsmittel - sie sind auch Imageträger und Statussymbol. Harley-Davidson, Vespa, Honda - die Assoziationen gehen vom Lonesome Rider über das irgendwie typisch italienische Lebensgefühl bis zu rasanten Motorradrennen. Und wer eine Triumph aus den späten 40er Jahren oder eine Boss Hoss mit 8-Zylinder-Chevrolet-Motor in der Garage stehen hat, darf sich des Neides der Nachbarn sicher sein. Die Geschichte der motorisierten Zweiräder beginnt nur kurz vor der des Automobils - wenn man denen glaubt, die sagen, dass Gottlieb Daimler der Erfinder des Motorrades ist.

      Wer hat's erfunden?
      Der schwäbische Ingenieur Gottlieb Daimler gilt als Erfinder des Motorrads. Doch das erste Motorrad der Welt kommt eigentlich aus den USA - aus Roxbury, in Massachusetts. Dort erfindet bereits Ende der 1860er Jahre Sylvester Roper sein "Steam Velocipede", ein Dampf-Fahrrad. Das ist ein Zweirad, speziell dafür entwickelt, um von einem unter dem Sitz angebrachten Dampfmotor angetrieben zu werden. In vielerlei Hinsicht gleicht das Dampfrad bereits den Motorrädern von heute: Schon 1868 lässt sich die Geschwindigkeit durch Drehung der Lenkstange um ihre eigene Achse regulieren, Roper erfindet also schon damals eine Art "Grip Control", wie sie heute üblich ist. Dazu fährt sein Motorrad tatsächlich - wie es sich gehört - auf zwei Rädern und nicht, wie Gottlieb Daimlers "Reitwagen", mit Hilfe zweier weiterer Stützräder. 1896, knapp 30 Jahre später, erreicht Roper mit seinem Dampfrad die Spitzengeschwindigkeit von 60 Kilometern pro Stunde - sein Motorrad ist also bei weitem kein zufällig geglückter Einzelversuch.

      Trotzdem gilt heute Daimler als Erfinder des Motorrads. Der Grund: Ropers Motor läuft mit Dampf; Daimlers "Reitwagen" wird dagegen das erste Zweirad, das mit einem Verbrennungsmotor ausgestattet ist. Dessen Merkmale: ein Zylinder, 0,5 Pferdestärke (PS) und die erste erfolgreiche Probefahrt über drei Kilometer am 10. November 1885. Das moderne Motorrad ist geboren. Der "Reitwagen" geht allerdings nie in Serie – vielleicht ja, weil Daimler ein Jahr später die Motorkutsche erfindet und von da an mit der Entwicklung des Autos alle Hände voll zu tun hat. Das erste in Serie gefertigte Motorrad kam ab 1894 aus der Münchner Fabrik "Hildebrand & Wolfmüller" - wegen technischer und finanzieller Probleme allerdings nur drei Jahre lang.

      Räder für die Massen
      Die industrielle Produktion von Motorrädern im großen Stil läuft 1901 an: George Hendee und Oscar Hedstrom schaffen in Springfield, Massachusetts, mit "Indian" die Marke, die für die folgenden 50 Jahre den Trend in puncto Qualität bestimmen soll. Es sind hauptsächlich Tourenräder mit großvolumigen Zweizylindermotoren, mit denen Indian um die Kunden wirbt – und darin schon bald Konkurrenz bekommt:
      1902 nimmt im englischen Coventry "Triumph" seine Produktion auf. Gründer ist der Nürnberger Siegfried Bettmann, der bereits 1886 Fahrräder unter dem gleichen Namen vertrieben hat. Nach dem Konkurs von "Indian" im Jahr 1953 ist "Triumph" heute der älteste Hersteller von Motorrädern. 1903 betritt dann der letzte Mitbegründer des Motorradzeitalters die Bühne: In Milwaukee, im US-Bundesstaat Wisconsin, beginnt die "Harley-Davidson Motor Company" ihre Jahresproduktion mit drei Maschinen. 1920 machen William Harley, die Brüder Arthur, Walter und William Davidson ihre Marke mit 28.980 Motorrädern zum ersten Mal zum Weltmarktführer.

      Modernes aus Japan und Deutschland
      Nicht zuletzt die Weltkriege bewirken zum Teil gravierende Veränderungen in der Motorradwelt. In den 50ern verschwindet "Indian" als eigenständige Marke; das Werk in Springfield meldet Konkurs an. Zwar existiert der Name "Indian" weiter, doch verbergen sich dahinter zunächst Fabrikate von Royal Enfield, später die des Konsortiums "Associated Motorcycles of England". Nachdem "Triumph" auf europäischer Seite technisch lange Zeit maßgeblich den Ton angegeben hat, wird die Firma in den 60er Jahren von ihren Konkurrenten eingeholt.

      Andere Marken treten in den Vordergrund: Honda stellt 1969 mit seiner "CB 750 four" maßgeblich die Weichen für den Weg zu seiner heutigen Marktführerschaft. Der neue quer eingebaute Vierzylinder-Viertaktmotor wird zum vollen Erfolg; heute verkauft das Unternehmen jährlich rund zehn Millionen Fahrzeuge weltweit.

      In Deutschland treibt BMW (Bayerische Motoren Werke AG) besonders in den 80er Jahren die Motorradentwicklung weiter voran: Die Bayern führen den geregelten Katalysator bei Motorrädern ein, dazu das erste serienmäßige Anti-Blockier-System und wichtige Neuerungen in der Lenkanlage.

      Mittlerweile sind Motoren-Laufleistungen von 100.000 Kilometern und mehr keine Seltenheit mehr. Moderne Motorräder der führenden Hersteller rangieren technisch durchweg auf hohem Niveau. 2006 stattete Honda sogar erstmals ein Motorrad mit einem Airbag aus.

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