20. Geburtstag: Die Webcam feiert ein Jubiläum

      20. Geburtstag: Die Webcam feiert ein Jubiläum

      20. Geburtstag: Die Webcam feiert ein Jubiläum

      In diesen Tagen feiert die Webcam ihren 20. Geburtstag. Im Jahr 1991 hat man damit begonnen, an der Cambridge-Universität mit einer Kamera eine Kaffeemaschine und den zugehörigen Füllstand zu überwachen.

      Ursprünglich wurde die Webcam als eine kleine Spielerei entwickelt. Quentin Stafford-Fraser und seine Kollegen im Computerlabor der Cambridge-Universität in Großbritannien haben erstmals Ende 1991 eine Kamera auf die verwendete Kaffeemaschine gerichtet. Drei Mal pro Minute wurde davon ein Bild mit 128×128 Pixeln auf die Bildschirme der Labormitarbeiter gesendet.

      Für die Mitarbeiter brachte diese Technologie eine gewisse Erleichterung mit sich. Schließlich mussten die Kollegen nicht mehr den Weg zur Maschine auf sich nehmen, um dann eine leere Kaffeekanne vorzufinden, teilte einer der Erfinder anlässlich des Jubiläums mit. An den genauen Tag der Erfindung kann er sich jedoch nicht mehr erinnern.

      Mit der Hilfe einer selbst entwickelten Software konnten zunächst nur Stafford-Fraser und seine Kollegen den Füllstand der Kaffeemaschine im Auge behalten. Als die zu der Zeit gängigen Internetbrowser einige Zeit später auch solche Bilder anzeigen konnten, hat man sich dazu entschlossen, der Welt einen Blick auf die Kaffeemaschine zu gewähren.

      Insgesamt soll Stafford-Fraser gut einen Nachmittag an diesem Projekt gearbeitet haben. Seinen Angaben zufolge entstehen viele gute Dinge, da Menschen einfach aus Spaß herumexperimentieren. Seit 22. August 2001 stehen die Bilder dieser Webcam nicht mehr im Netz zur Verfügung.

      Von Kaffeekannen und dem Everest: Die Webcam wird 20

      Von Kaffeekannen und dem Everest: Die Webcam wird 20

      Cambridge/Berlin (dpa) - Ob Bergsteiger endlich einmal den Gipfel des Mount Everest sehen wollen oder Oma und Opa das weit weg lebende Enkelchen - die Webcam macht es möglich. Dabei begann alles vor 20 Jahren mit einem viel banaleren Anliegen: Dem Wunsch nach einer Tasse Kaffee im Büro.

      Am Anfang stand eine alte Filterkaffeemaschine, die - so erinnert sich Quentin Stafford-Fraser - ziemlich schlechten Kaffee kochte. Trotzdem ging ihr Bild um die Welt. Stafford-Fraser und seine Kollegen im Computerlabor der Cambridge-Universität hatten Ende 1991 eine Kamera auf das Haushaltsgerät gerichtet, die dreimal pro Minute ein verschwommenes, graustichiges Abbild der Maschine auf die Bildschirme der Labormitarbeiter schickte.

      «Endlich musste viele Kollegen nicht mehr drei Stockwerke runterrennen, um dann eine leere Kaffeekanne vorzufinden», erzählt Stafford-Fraser. Ein kleiner Schritt für ihn und seine Kollegen - so klein, dass sie sich an das genaue Datum gar nicht mehr erinnern können -, aber ein großer für die Computertechnik: Die Webcam war erfunden.

      Der einzige Haken: Zunächst konnten nur Stafford-Fraser und seine Kollegen mit Hilfe einer selbstgeschriebenen Software den Pegelstand der Kaffeekanne verfolgen. Denn das Web war gerade erst erfunden, nur ein paar Experten nutzten das neue System. Erst als Internetbrowser zwei Jahre später auch Bilder anzeigten, konnte die Welt in den sogenannten «Trojan Room» schauen. «Damals gab es im Internet noch nicht wirklich viel, und wie diese verrückten Leute in Cambridge da eine sehr teure Kamera auf eine sehr billige Kaffeemaschine gerichtet haben, das hat die Menschen irgendwie angezogen», sagt Stafford-Fraser heute. «Und dann wurde das Ganze ziemlich berühmt.»

      Bald klopften Menschen aus aller Welt an der Tür des Labors, die sich bei der Touristen-Information in Cambridge erkundigt hatten, wo denn die «Kaffeemaschinen-Kamera» zu finden sei. «Und wir bekamen Beschwerden von Menschen aus anderen Zeitzonen, dass sie die Bilder nicht sehen konnten, wenn es Nacht in Großbritannien war. Also mussten wir eine Lampe aufstellen, die die Kaffeemaschine die ganze Zeit beleuchtete.» Heute gehört die wohl meistfotografierte Kaffeemaschine der Welt dem Nachrichten-Portal «Spiegel Online». Gerade ist sie mit der Redaktion ins neue Verlagshaus in der Hamburger Hafencity umgezogen und soll dort schon bald wieder per Webcam zu bewundern sein, mit der Aussicht aus dem 13. Stock des Hochhauses im Hintergrund.

      Die Webcam ging unterdessen in Serienproduktion, wurde erschwinglich und auf der ganzen Welt aufgestellt - ob auf der Südsee-Insel Bora-Bora, am Südpol, im Vatikan oder einfach nur am heimischen Gartenzaun. «Die Webcam bringt die Realwelt in den virtuellen Raum», sagt die Kommunikationswissenschaftlerin Sabrina Misoch von der Universität Mannheim. «Sie hat die zwischenmenschliche Kommunikation im Netz völlig verändert: Berufliche Konferenzen oder auch private Telefongespräche sind damit persönlicher, unmittelbarer und weniger anonym geworden.»

      Mit Videotelefonaten via Skype können Oma und Oma dank Webcam ihre Enkelchen in einem weit entfernten Land aufwachsen sehen. Die Kamera am Mount Everest zeigt Bergsteigern schon vor dem Kraxeln den Gipfel. «Im Grunde muss man das Haus seit der Erfindung der Webcam nicht mehr verlassen», sagt Misoch. «Das war ein wahnsinniger Einschnitt.»

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      Das Medium biete unendlich viele Möglichkeiten und habe natürlich auch seine umstrittenen Seiten, etwa «Sex-Cams», die Live-Striptease im Internet bieten, oder öffentliche Überwachungskameras. «Weil die Kameras so klein sind, sind sie zum Überwachen natürlich perfekt geeignet. Aber das stellt auch eine Grenzüberschreitung dar, denn ich kann mir nicht mehr aussuchen, wer mich beobachtet.»

      Die allererste Webcam ist dagegen längst abgeschaltet. Am 22. August 2001 schickte sie ihr letztes Bild in die Welt hinaus. Immer noch verschwommen und graustichig sind darauf der heute 44-jährige Computerwissenschaftlers Quentin Stafford-Fraser und seine Kollegen zu sehen, wie sie einen Computer ausschalten. «Ich mache oft Witze darüber, dass ich in dieser Forschergruppe mehr als ein Jahr lang gearbeitet habe und mich eigentlich an keinen anderen Teil meiner Arbeit mehr erinnern kann als an die Kaffeemaschinen-Kamera - dabei habe ich nur einen Nachmittag lang daran gearbeitet», sagt Stafford-Fraser. «Aber viele gute Dinge entstehen ja so, dass Menschen einfach aus Spaß herumexperimentieren.»

      Webcam-Erfinder: Habe einen Nachmittag gebraucht

      Webcam-Erfinder: Habe einen Nachmittag gebraucht

      Eigentlich wollte der Computerwissenschaftler Quentin Stafford-Fraser vor 20 Jahren nur seinen Kollegen helfen, die auf der Suche nach einer Tasse Kaffee häufig vor einer leeren Kanne standen.

      Also richtete er eine Kamera auf die Maschine, übertrug das Bild auf die Rechner im Computerlabor der Universität Cambridge – und erfand so nebenbei die Webcam. Dass seine Erfindung die Online- Kommunikation vollkommen verändern würde, sei ihm erst viel später klar geworden, sagt der heute 44-jährige Unternehmer im Gespräch mit dpa: „Damals hatten wir einfach Spaß.“


      Wie kam es damals vor 20 Jahren zur Erfindung der Webcam?
      Stafford-Fraser: „Ich war wissenschaftlicher Assistent in einer Forschergruppe am Computer-Labor in Cambridge, wo sich die Mitarbeiter eine Kaffeemaschine geteilt haben. Bei der Maschine handelte es sich um eine ganz normale Filterkaffeemaschine, die – wie ich mich erinnere – sehr schlechten Kaffee gemacht hat. Aber es war alles, was wir hatten. Die meisten von uns haben gemeinsam in einem Raum in der Nähe der Kaffeemaschine gearbeitet. Aber manche von uns haben in anderen Räumen oder auf anderen Etagen gearbeitet und mussten dann immer zur Kaffeekanne laufen – und manchmal war dann nichts mehr in der Kanne oder nur noch ein alter, schaler Rest. Also dachten wir, wir müssten das Koffein ein bisschen effektiver verteilen.“


      Wie haben Sie das technisch gelöst mit der Kaffeekannen-Kamera?
      Stafford-Fraser: „Die Forschergruppe hat an Multimedia in Computernetzwerken gearbeitet, was damals noch sehr neu war. Wir hatten also zum Beispiel Videokameras, die man an Computer anschließen konnte. Ein Freund und ich haben dann eine dieser Kameras genommen und auf die Kaffeemaschine gerichtet, die Kamera an einen Computer geschlossen und eine Software geschrieben, die es ermöglicht hat, ein Bild der Kaffeemaschine auf seinem Computerdesktop zu sehen. Das alles war, als es das Web eigentlich noch gar nicht richtig gab. Man hatte dann ein kleines Bild von der Kaffeemaschine und konnte sehen, was sich so tat. Endlich mussten viele Kollegen nicht mehr drei Stockwerke runterrennen, um dann eine leere Kaffeekanne vorzufinden.“


      Und wie ging es dann weiter?
      Stafford-Fraser: „Als Internetbrowser dann endlich Bilder anzeigen konnten, haben wir nach Bildern gesucht, die sich immer wieder verändern, und so sind wir wieder auf die Kaffeemaschinen-Kamera gekommen. Einige Freunde von mir haben die Software dementsprechend verändert, dass die Bilder der Kamera in einem Internetbrowser angezeigt werden konnten und man nicht mehr meine Software benutzen musste, sondern einfach auf eine bestimmte Webseite gehen konnte. Der Nebeneffekt war, dass jeder auf der ganzen Welt – wenn er die Adresse wusste – auch sehen konnte, wie viel Kaffee noch in der Kanne war. Damals gab es im Internet noch nicht wirklich viel und wie diese verrückten Leute in Cambridge da eine sehr teure Kamera auf eine sehr billige Kaffeemaschine gerichtet haben, hat die Menschen irgendwie angezogen und dann wurde das Ganze ziemlich berühmt.“


      Aber am Anfang war alles nur Spielerei?
      Stafford-Fraser: „Ja. Ich mache oft Witze darüber, dass ich in dieser Forschergruppe mehr als ein Jahr lang gearbeitet habe und mich eigentlich an keinen anderen Teil meiner Arbeit mehr erinnern kann als an die Kaffeemaschinen-Kamera – dabei habe ich nur einen Nachmittag daran gearbeitet. Aber viele gute Dinge entstehen ja so, dass Menschen einfach aus Spaß herumexperimentieren.“

      Haben Sie damals verstanden, was Sie da genau erfunden hatten, und welche Auswirkungen diese neue Technik haben würde?

      Stafford-Fraser: „Nein, sicher nicht. Wir hatten einfach Spaß, und für uns war es nützlich. Meine Kollegen haben sich die Bilder wirklich angeschaut – regelmäßig Kaffee zu bekommen ist schließlich ein wichtiger Teil der Informatik. Es gab natürlich auch andere, die das mit den Kameras gemacht haben – aber wir hatten das Glück, dass wir ein ganz klein bisschen früher dran waren.“

      Die Kaffeemaschinen-Kamera haben Sie 2001 abgeschaltet, aber die Maschine gibt es noch. Sie wurde von der Redaktion des Nachrichten-Portals „Spiegel Online“ gekauft ...

      Stafford-Fraser: „... zumindest eine davon, es gab mehrere. Aber diese hat am längsten gehalten. Diese Kaffeemaschinen wurden nicht so gut behandelt – es war ja nur normale Haushaltsmaschinen, die von etwa 15 Wissenschaftlern benutzt wurden. Aber damals kamen wirklich Menschen zum Computerlabor, die von der Touristen-Information dorthin geschickt worden waren – es waren Amerikaner, die von der Kaffeemaschinen-Kamera gehört und nachgefragt hatten.“