Ein Mekka für Fans von Uhren
Würzburg. An nur noch drei Schulen in Deutschland gibt es Meisterkurse für Uhrmacher. Die Würzburger Franz-Oberthür-Berufsschule ist eine dieser raren Bildungsstätten. "Alle zwei Jahre bereiten wir 16 Uhrmacher auf die Meisterprüfung vor", sagt Kursleiter Michael Eberlein. Schon über 500 junge Uhrmacher und Uhrmacherinnen aus ganz Deutschland haben in Würzburg ihren Meistertitel erhalten. Außerdem bildet die Schule Lehrlinge aus Bayern, Hessen, Thüringen und Rheinland-Pfalz aus.
Woran es liegen kann, dass eine Uhr plötzlich nicht mehr läuft, das lernen derzeit knapp 60 junge Uhrmacher in der Franz-Oberthür-Berufsschule. Spätestens ab Mai können sie ihre Ausbildung unter noch besseren Bedingungen absolvieren, berichtet Bernd Bratek von der Handwerkskammer für Unterfranken (HWK). Denn die in die Jahre gekommenen Werktische der Schule werden ausgetauscht und durch hochmodernes Equipment ersetzt.
In Deutschland existiert heute wieder eine beachtliche Zahl von Connaisseurs mechanischer Zeitmesser. Weshalb der Beruf des Uhrmachers derzeit im Aufwand ist, betont Eberlein: "Die Nachfrage nach fertigen Uhrmachern und Uhrmachermeistern ist riesig, denn unser Beruf ist überaltert." In den 1970er Jahren war die Situation noch anders, weiß der Meister: "Damals kamen Quarz-Uhren sowie digitale Uhren auf. Mechanische Uhren waren out." Nach der "Quarz-Krise" setzte jedoch vor 30 Jahren eine bis heute ungebrochene Renaissance mechanischer Uhren ein. Heute gibt es eine vergleichsweise große Szene von Liebhabern exklusiver mechanischer Uhren.
Eberlein selbst gehört zu jenen, deren Herz bei filigranen Meisterwerken höher schlägt. Meisterwerke, das sind nach seiner Aussage Stücke, die nur ausgewiesene Experten mit viel Liebe zum Detail fertigen können: "Solche Uhren haben zum Beispiel einen integrierten, komplizierten Kalender und Mondphasen-Anzeiger."
Exakte mechanische Maschinen
Mechanische Uhren gehen nicht ganz so exakt wie elektronische Quarzuhren. Die Auszubildenden in der Franz-Oberthür-Schule lernen bei Michael Eberlein die Abweichung ganz genau kennen: "Es handelt sich um vier bis fünf Sekunden pro Tag." Nachdem ein Tag 86 400 Sekunden hat, beträgt die Ungenauigkeit also den Bruchteil eines Promilles. Damit sind mechanische Uhren so exakt wie kaum eine andere Maschine.
Besonders faszinierend ist es, historische Uhren wieder so weit herzustellen, dass sie genauso präzise gehen wir vor langer Zeit. Dies lernen Meister des Uhrmacherhandwerks in einem eigenen Kurs, der bayernweit nur in Würzburg angeboten wird: Dem "Restaurator im Uhrmacherhandwerk". 470 Unterrichtseinheiten, die in acht Blockwochen absolviert werden, umfasst dieser anspruchsvolle Lehrgang.
Während des Kurses tauchen die Uhrmachermeister ein in die Welt der Kulturgeschichte, sie vertiefen sich in Naturwissenschaft und Mathematik, lernen die Geschichte der Zeitmessung kennen und erfahren, mit welchen Werkstoffen und Methoden früher gearbeitet wurde. Nur mit diesem geballten Know-how ist es Eberlein zufolge möglich, historische Uhren neu zum Leben zu erwecken.
© Fränkische Nachrichten, Donnerstag, 07.03.2013
Würzburg. An nur noch drei Schulen in Deutschland gibt es Meisterkurse für Uhrmacher. Die Würzburger Franz-Oberthür-Berufsschule ist eine dieser raren Bildungsstätten. "Alle zwei Jahre bereiten wir 16 Uhrmacher auf die Meisterprüfung vor", sagt Kursleiter Michael Eberlein. Schon über 500 junge Uhrmacher und Uhrmacherinnen aus ganz Deutschland haben in Würzburg ihren Meistertitel erhalten. Außerdem bildet die Schule Lehrlinge aus Bayern, Hessen, Thüringen und Rheinland-Pfalz aus.
Woran es liegen kann, dass eine Uhr plötzlich nicht mehr läuft, das lernen derzeit knapp 60 junge Uhrmacher in der Franz-Oberthür-Berufsschule. Spätestens ab Mai können sie ihre Ausbildung unter noch besseren Bedingungen absolvieren, berichtet Bernd Bratek von der Handwerkskammer für Unterfranken (HWK). Denn die in die Jahre gekommenen Werktische der Schule werden ausgetauscht und durch hochmodernes Equipment ersetzt.
In Deutschland existiert heute wieder eine beachtliche Zahl von Connaisseurs mechanischer Zeitmesser. Weshalb der Beruf des Uhrmachers derzeit im Aufwand ist, betont Eberlein: "Die Nachfrage nach fertigen Uhrmachern und Uhrmachermeistern ist riesig, denn unser Beruf ist überaltert." In den 1970er Jahren war die Situation noch anders, weiß der Meister: "Damals kamen Quarz-Uhren sowie digitale Uhren auf. Mechanische Uhren waren out." Nach der "Quarz-Krise" setzte jedoch vor 30 Jahren eine bis heute ungebrochene Renaissance mechanischer Uhren ein. Heute gibt es eine vergleichsweise große Szene von Liebhabern exklusiver mechanischer Uhren.
Eberlein selbst gehört zu jenen, deren Herz bei filigranen Meisterwerken höher schlägt. Meisterwerke, das sind nach seiner Aussage Stücke, die nur ausgewiesene Experten mit viel Liebe zum Detail fertigen können: "Solche Uhren haben zum Beispiel einen integrierten, komplizierten Kalender und Mondphasen-Anzeiger."
Exakte mechanische Maschinen
Mechanische Uhren gehen nicht ganz so exakt wie elektronische Quarzuhren. Die Auszubildenden in der Franz-Oberthür-Schule lernen bei Michael Eberlein die Abweichung ganz genau kennen: "Es handelt sich um vier bis fünf Sekunden pro Tag." Nachdem ein Tag 86 400 Sekunden hat, beträgt die Ungenauigkeit also den Bruchteil eines Promilles. Damit sind mechanische Uhren so exakt wie kaum eine andere Maschine.
Besonders faszinierend ist es, historische Uhren wieder so weit herzustellen, dass sie genauso präzise gehen wir vor langer Zeit. Dies lernen Meister des Uhrmacherhandwerks in einem eigenen Kurs, der bayernweit nur in Würzburg angeboten wird: Dem "Restaurator im Uhrmacherhandwerk". 470 Unterrichtseinheiten, die in acht Blockwochen absolviert werden, umfasst dieser anspruchsvolle Lehrgang.
Während des Kurses tauchen die Uhrmachermeister ein in die Welt der Kulturgeschichte, sie vertiefen sich in Naturwissenschaft und Mathematik, lernen die Geschichte der Zeitmessung kennen und erfahren, mit welchen Werkstoffen und Methoden früher gearbeitet wurde. Nur mit diesem geballten Know-how ist es Eberlein zufolge möglich, historische Uhren neu zum Leben zu erwecken.
© Fränkische Nachrichten, Donnerstag, 07.03.2013