Was steckt wirklich hinter einer „wasserdichten Uhr“

      Was steckt wirklich hinter einer „wasserdichten Uhr“

      Was steckt wirklich hinter einer „wasserdichten Uhr“


      Bei diesem Test wird die Uhr dem vom Hersteller angegebenen Druck in Wasser ausgesetzt – nur fünf Minuten nach der DIN für Wasserdichtheit von Kleinuhren 20 Minuten nach der DIN für Taucheruhren

      Kaum eine andere technische Angabe bei Armbanduhren erzeugt so viel Verwirrung wie diejenige zur Wasserdichtheit, weil 30 Meter Wasserdichtheit einer Uhr eben nicht bedeuten, dass man mit dieser dann auch bis zu 30 Metern abtauchen kann. Was es zu beachten gilt.

      Wasserdichtheit ist jene Eigenschaft von Materialien, Bauteilen, Geräten oder auch Schuhen und Kleidungsstücken, die das Eindringen von Wasser ausreichend verhindert. Etwas völlig wasserdicht zu machen, ist zwar theoretisch möglich, meistens aber nicht sinnvoll und daher auch unnötig. So soll wasserdichte Bekleidung, wie etwa ein Regenmantel, zwar dicht halten, aber dennoch atmungsaktiv sein.

      Technische Geräte, wie zum BeispielUhren, können in unterschiedlichem Maß vor Feuchtigkeit und Wasser geschützt werden, wobei dieses hauptsächlich von der geplanten Verwendungsart abhängt.

      Eine umgangssprachlich „wasserdichte“ Armbanduhr ist daher nie komplett dicht, sondern entsprechend ihrer Bauweise und nach einem definierten Prüfverfahren mehr oder weniger vor Wassereinbruch geschützt. Für den Alltag bedeutet dies, dass bei unsachgemäßer Behandlung durchaus Wasser in die Uhr eindringen kann, wenn sie zum Beispiel zu lange im Wasser liegt oder zu hohem Wasserdruck ausgesetzt wird.

      Manche Uhren sind nur spritzwasserdicht, das heißt, sie überstehen einige Sekunden in einer Pfütze. Andere Fabrikate dagegen sind für längere professionelle Tauchgänge ausgelegt, was dann eine entsprechende Angabe auf der Uhr deutlich und diese auch erforderlich macht.

      Trügerische MeterangabeAber Achtung! Eine Meter-Angabe bezieht sich dabei nicht auf die Tauchtiefe – hierin liegt ein großer Trugschluss –, sondern auf einen adäquaten Prüfdruck, welcher im Rahmen der Wasserdichtheitsprüfung angewendet wird.

      Der Zusammenhang zwischen Druckfestigkeit und entsprechender Wasserdichtheit ist vielen Kunden jedoch unklar und auch nicht in einem Satz zu erklären. Folgerichtig bezeichnet ein Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main die Angabe des Prüfdrucks in Metern als „bewusst irreführende Werbeaussage, welche nicht erlaubt ist. Stattdessen ist beispielsweise die Angabe ,wasserdicht bis drei bar‘ zu verwenden.“

      Was bedeuten die Angaben in bar?Hand aufs Herz: Welcher unbedarfte Kunde kann sich unter drei bar Wasserdichtheit mehr vorstellen als unter 30 Metern? Andersherum gedacht könnten jedoch unkommentierte 30 Meter Wasserdichtheit zum ungewollten Wassereinbruch führen, während drei bar Druckfestigkeit doch zumindest die Frage nach der Bedeutung aufwerfen.

      Warum dann dennoch die häufig gemachte Wasserdichtheitsangabe von 30 Metern, mit welcher der Prüfdruck von drei bar oft fälschlich umschrieben wird? Vielleicht, weil wir uns alltagsbedingt darunter mehr vorstellen können als unter drei bar? 30 Meter Entfernung, 30 Meter Höhe, unter Umständen auch 30 Meter Wassertiefe.

      Drei bar entsprechen nicht unbedingt 30 Metern TiefeAber wo herrschen drei bar Druck? Schiebt man eine Luftpumpe zusammen, so erzeugt man ungefähr drei bis vier bar Druck, und mit 3,5 bar ist ein Fahrradreifen dann auch gut gefüllt. In einemAutoreifenherrscht im Schnitt ein Druck von 2,5 bar und damit ein absoluter Druck von 3,5 bar, rechnet man das eine bar mit ein, welches an der Erdoberfläche herrscht. So gesehen sind wir bei drei bar Druck in 30 Meter tiefem Wasser ebenfalls auf dem Holzweg.

      Das Bar ist die verwendete Einheit für den Druck. Dabei entspricht ein bar dem Druck von einem Kilogramm auf eine Quadratzentimeter große Fläche, wenn die Kraft senkrecht auf diese Fläche wirkt. Den gleichen Druck von einem bar erzeugt eine zehn Meter hohe Wassersäule. Da Wasser fast nicht komprimierbar ist, verstärkt sich der Wasserdruck pro zehn Meter um ein bar. Wobei wir nun beim Zusammenhang zwischen Druck und Wasser- oder auch Tauchtiefe sind. In zehn Metern Wassertiefe herrscht also ein Druck von einem bar. Was wiederum auch nicht ganz richtig ist.

      Zu dem Wasserdruck von einem bar addiert sich nämlich noch der Luftdruck von etwa einem bar an der Wasseroberfläche. In zehn Metern Wassertiefe ist daher bereits ein Druck von rund zwei bar (ein bar Luftdruck plus ein bar Wasserdruck) vorhanden, in 20 Metern Tiefe ein Druck von drei bar, in 30 Metern vier bar, in 100 Metern 11 bar und in 1000 Metern, eine Tiefe, in die zum Beispiel noch Wale tauchen können, 101 bar. Doch zurück in menschliche Gefilde.
      So wird die Wasserdichtheit getestet


      In einem Demonstrationstest zeigt Breitling, was passiert, wenn ein Gehäuse dem Wasserdruck nicht standhält. Die Verformungen führen zur Funktionsuntüchtigkeit der Uhr

      Auch wenn in 1000 Metern Tiefe ein bar Druckunterschied unerheblich erscheint, entspricht die Gleichstellung der Wasserdichtheitsangabe von drei bar mit 30 Metern nicht ganz exakt den Tatsachen. Drei bar herrschen eigentlich schon in 20 Metern Wassertiefe.

      Ein weiteres Beispiel aus der Praxis illustriert den feinen Unterschied: Während auf Meeresspiegelhöhe ein Luftdruck von einem bar herrscht, liegt dieser an einem Bergsee auf 2000 Metern Höhe nur noch bei 0,8 bar. Möchte der Taucher hier einen Tauchgang auf 15 Meter durchführen – der Wasserdruck liegt dort also bei 1,5 bar –, so addieren sich die Drücke auf 2,3 bar. Der Taucher auf Meeresspiegelhöhe ist diesem Druck bereits bei einer Tauchtiefe von 13 Metern ausgesetzt.

      Der Unterschied scheint marginal, zeigt aber die Komplexität der Angelegenheit, welche deshalb fürUhrenin Normen festgeschrieben ist. Wasserdichtheit ist also kein Zustand, sondern eine Norm.

      Zwei Prüfnormen für wasserdichte UhrenFür Uhren gibt es dafür in Deutschland gleich zwei. Die DIN 8310 für Wasserdichtheit von Kleinuhren und die DIN 8306 für Taucheruhren. Sie entsprechen den internationalen Normen ISO 2281 und ISO 6425.

      Beginnen wir mit der DIN 8310. Die Norm gilt für Kleinuhren mit Dichtungselementen nach dem Stand der Technik und zum Zeitpunkt der Prüfung. Das ist schon mal ganz wichtig! Die Aussage zur Wasserdichtheit ist immer nur eine Momentaufnahme, nämlich zum Zeitpunkt der Prüfung. Durch Alterung, Verschleiß, Beschädigung kann sich der Zustand jederzeit ändern.

      Regelmäßige Kontrolle ist wichtigWasserdichtheit ist also keine bleibende Eigenschaft. Sie sollte deshalb regelmäßig kontrolliert werden, vor allem bei Funktionsuhren, die auf höhere Wasserdichtheit setzen. Für Taucheruhren schreibt die DIN 8306 sogar eine zumindest jährliche Prüfung vor. „Uhren, die als ›wasserdicht‹ bezeichnet werden“, heißt es in der DIN 8310, „müssen widerstandsfähig gegen Schweiß, Wassertropfen, Regen und so weiter und gegen Eintauchen in Wasser über 30 Minuten und bei einer Wassertiefe von einem Meter sein.“

      Letztere Eigenschaft wird in einem für wasserdichte Uhrenfestgeschriebenen Prüfverfahren simuliert. Dabei wird die Uhr in ein Druckgefäß mit Wasser gegeben, in dem innerhalb von einer Minute ein Überdruck von zwei bar angelegt und fünf Minuten gehalten wird. Hält die Uhr dabei dicht, darf sie die Bezeichnung „wasserdicht“ tragen und ist für den allgemeinen täglichen Gebrauch bestimmt, darf aber nicht – und das stellt die Prüfung wohl auch klar heraus – unter hohem Wasserdruck verwendet werden.

      Uhren, die als „wasserdicht" bezeichnet werden und eine zusätzliche und höhere Angabe des Drucks haben, müssen widerstandsfähig gegenüber Eintauchen und heftiges Bewegen in Wasser, beispielsweise Baden oder auch Schwimmen, sein. Die Wasserdichtheitsprüfung schreibt hier vor, die angegebenen Drücke als Prüfdrücke anzulegen. Das heißt, ist eine Uhr mit fünf bar Wasserdichtheit angegeben, so muss sie fünf Minuten lang in Wasser dem entsprechenden Druck von fünf bar standhalten.

      So funktioniert die KondenswasserprüfungDie Dichtheit des Gehäuses wird nach dem Test – und das trifft übrigens für alle Versionen zu – durch eine Kondenswasserprüfung kontrolliert. Dabei wird die Uhr auf einer Heizplatte auf 40 bis 45 Grad Celsius erwärmt. Anschließend wird ein Wassertropfen oder ein Quadratzentimeter großes Stück feuchten Filzes von etwa 18 bis 25 Grad Celsius auf das Deckglas gebracht. Zeigt sich nach etwa einer Minute ein Kondenswasserniederschlag auf der Innenseite des Glases, so ist auf ein undichtes Gehäuse zu schließen.


      Ein Kondenswasserniederschlag auf der Innenseite des Glases ist ein sicheres Anzeichen dafür, dass das Gehäuse an irgendeiner Stelle undicht ist. Man sollte es überprüfen

      Prüftechnisch sehr viel weiter als die DIN 8310 geht die DIN 8306 für Taucheruhren. Sie regelt die Norm für Uhren, die als Taucheruhren bezeichnet werden sollen, und zwar hinsichtlich ihrer Konstruktion und einwandfreien Funktion, von der unter Umständen das Leben eines Tauchers abhängen kann.

      Folgerichtig geht es bei einem Katalog von dreizehn Überprüfungen nicht nur um die Wasserdichtheit, sondern beispielsweise auch um Ablesbarkeit, Gangverhalten, Bediensicherheit, Antimagnetismus, Stoßsicherheit, Befestigungselemente und Salzwasserbeständigkeit.

      Diese Anforderungen müssen Tauchuhren erfüllenFür die Prüfungen hinsichtlich Wasserdichtheit beziehungsweise Druckfestigkeit besagt die DIN 8306, dass eine Taucheruhr nur dann als solche bezeichnet werden darf, wenn sie unter dem vom Hersteller angegebenen Nenndruck 20 Minuten lang ihre Funktionssicherheit bewiesen hat. Das heißt, während dieser Belastung nicht stehen geblieben ist. Danach muss ihr Gehäuse eine weitere Stunde lang der 1,25-fachen Belastung standhalten.

      Bei aller Theorie sollte man sich als Faustregel einprägen: Mit einer Uhr ab 20 bar Druckfestigkeit, was – wie wir gelernt haben – etwa den Druckverhältnissen in 200 Meter tiefem Wasser entspricht, kann man unbesorgt Tauchen gehen, wenn man einmal davon ausgeht, dass der durchschnittliche Sporttaucher maximal 30 bis 40 Meter in die Tiefe geht. Den Sprung ins Wasser und heftigen Schwimmbewegungen auf der Flucht vor Haien sollte ein 20 bar druckfestes Gehäuse widerstehen können. Bis zu zehn bar druckfeste Uhren eignen sich zum Schwimmen. Besser nur baden geht man mit einer bis zu fünf bar druckfesten Uhr. Duschen ist mit ihr ebenso erlaubt. Und alles, was darunterliegt, eignet sich bestenfalls zum Händewaschen und verträgt gelegentlich mal einen Regentropfen.

      Inwieweit eine Uhr dicht hält, hängt von vielen Faktoren ab: der Konstruktion des Gehäuses, dessen Form und Fertigungspräzision, den verwendeten Materialien bis hin zu den Dichtungen und Gläsern und natürlich von der Beanspruchung im Alltag und der Alterung. Dank moderner CNC-Technik können heute Gehäuse mit wenigen Tausendstelmillimetern Toleranzen hergestellt werden. Hinzu kommen moderne Materialien und Verfahren der Veredelung.

      Die Krone ist oft der SchwachpunktDoch egal wie, je höher der Druck, dem ein Gehäuse standhalten soll, desto stabiler müssen die Konstruktionen sein, desto stärker die Gehäusewände, desto dicker die Gläser. Besonderer Schwachpunkt ist die Krone mit ihrer Welle, die direkt ins Uhrwerk führt. Stabilität und Passgenauigkeit sind hier ebenso wichtig wie sichere Verschraubungen und gute Dichtungen.

      Wasserdichtheit ist auch keine Frage des Preises. Teure Schmuckuhren müssen nicht wasserdicht sein. Wer geht schon mit einer brillantbesetzten Golduhr ins Meer zum Schwimmen? Andererseits kann eine preiswerte, bis 20 bar druckfeste Taucheruhr durchaus ihren Zweck erfüllen.