Interessantes zu Formel 1 im Jahr 2008

    GP Brasilien - Massa: Meisterstück oder Misserfolg?

    GP Brasilien - Massa: Meisterstück oder Misserfolg?
    Eurosport - Do 30.Okt. 08:12:00 2008

    "Das ist das wichtigste Rennen meines Lebens", bringt Felipe Massa die Bedeutung des Saisonfinales (Sonntag 18:00 Uhr im Live-Ticker) in seiner brasilianischen Heimat auf den Punkt. Der Ferrari-Pilot weiß: Dies ist die Chance, auf die er seine gesamte Karriere lang hingearbeitet hat.

    Dass sich nun ausgerechnet in Interlagos entscheidet, ob er seine Chance nutzen kann, ist fast schon unheimlich: Das Autodromo Jose Carlos Pace liegt nur zwölf Kilomter von Massas Geburtsort Sao Paulo entfernt. 1999 noch lieferte er in seinem damaligen Job als Pizza-Lieferant Pasta an die Rennstrecke. 2006 gewann Massa als erster Brasilianer nach der 1994 verstorbenen Formel-1-Legende Ayrton Senna den Großen Preis von Brasilien.

    Und nun? "Ich kann mir nicht vorstellen, wie ich mich fühlen würde, sollte ich hier den Titel gewinnen... Wenn alles prima läuft, dann wird ein Kindheitstraum für mich wahr", lässt der 27-Jährige durchblicken, dass er trotz eines Rückstandes von sieben Punkten auf WM-Leader Lewis Hamilton an den großen Coup glaubt.

    Massa hat geduldig auf seine Möglichkeit gewartet: Als er 2006 von Sauber Petronas zu Ferrari kam und damit erstmals ein Cockpit in einem Topteam innehatte, hieß sein Teamkollege Michael Schumacher. Massas Job: "Schumi" helfen und Punkte für die Konstrukteurswertung einfahren. Diese Aufgabe hat er mit Bravour erfüllt, doch als der Rekordweltmeister zurücktrat, musste Massa sich 2007 auch dessen Nachfolger Kimi Räikkönen unterordnen. 2008 hat Massa nun endlich die Zügel in der Hand, hat sich die interne "Pole Position" erkämpft und kann nach der WM-Krone greifen.

    "Kleine Tricks und Geheimnisse"

    "Es wird äußerst wichtig sein, die Unterstützung der Fans zu genießen, denn das wird sicherlich mein Vorteil sein", sagt Massa - wohlwissend, dass wirklich alles zusammenkommen muss, wenn es mit der Weltmeisterschaft klappen soll. Den immensen Druck, der damit auf ihm lastet, blendet er aus: "Sicher, punktemäßig ist mein Job natürlich schwerer, als der von Lewis. Aber ich konzentriere mich nur darauf, dieses Rennen zu gewinnen - und hoffe, dass mein Teamkollege Kimi dann hinter mir als Zweiter ins Ziel kommt. Alles andere liegt doch gar nicht in meinen Händen", analysiert der WM-Zweite die Ausgangslage auf seiner Homepage.

    Geht es nach Massa, dann wird der Heimvorteil zum Zünglein an der Waage. "Mit acht Jahren bin ich hier auf dem Gelände bereits mit dem Go-Kart unterwegs gewesen. Ich bin hier aufgewachsen, kenne all die kleinen Tricks und Geheimnisse" - ob das aber reichen wird, um McLaren-Mercedes und Lewis Hamilton aus dem Konzept zu bringen, wird der Sonntag zeigen...

    McLaren vs. Ferrari: Blitzschnelle Extreme

    McLaren vs. Ferrari: Blitzschnelle Extreme
    Der Freitag in Sao Paulo: McLaren trainierte für die Extremsituationen, Ferrari fuhr die Bestzeit.

    Das war er also, der Prolog zum großen WM-Showdown in Sao Paulo. Den ersten Tag beendete Felipe Massa als Gesamtschnellster, mit einer Zeit vom Vormittag. "Wir können mit unserer Arbeit zufrieden sein", bilanzierte Stefano Domenicali, für den es wichtig war, mit dem richtigen Fuß in das Wochenende zu starten.

    "Es mag erst Freitag sein, aber es ist wichtig, einen guten Start in dieses wichtige Wochenende zu haben", bestätigte Massa. "Wir fanden ein gutes Setup und das Auto war in beiden Sessions gut ausbalanciert." Auch der Griplevel sei gut gewesen, obwohl die Temperaturen sehr niedrig waren. Das Ziel bleibt weiterhin das bekannte: "Ich möchte vor allen landen, am Samstag und am Sonntag. Danach können wir rechnen."

    Hamilton blitzschnell

    Für Lewis Hamilton begann der Freitag ähnlich gut, er belegte hinter Massa Platz 2 im 1. Training. "Am Vormittag war unser Auto trotz der kühlen Temperaturen blitzschnell", sagte der Brite. "Am Nachmittag konzentrierten wir uns auf unsere Rennpace." Allerdings hieß es im Team, dass sich Hamilton da durchaus etwas mehr Speed gewünscht hätte. Zudem handelte er sich einige Bremsplatten ein. "Aber ich bin trotzdem zuversichtlich, dass wir in einer guten Position sind."

    Diese Einschätzung bestätigt sein Teamkollege Heikki Kovalainen. "Wir haben die Balance fein getunt und das Ergebnis stimmt mich zuversichtlich", sagte der Finne. "Auch wenn es noch nicht in den schnellsten Rundenzeiten mündete." Ron Dennis glaubt derweil, dass einige Konkurrenten die Autos abtankten, um so den kühlen Temperaturen entgegen zu wirken. "Das haben wir nicht gemacht." Stattdessen haben man laut Norbert Haug "Extreme simuliert", die während des Rennens geschehen könnten.

    Räikkönen auf alles vorbereitet

    Kimi Räikkönen kennt alle Extreme, die in Brasilien geschehen können. Mit dem Freitag war er zufrieden, auch ohne extreme Situationen. "Es ist noch zu früh, um Schlüsse zu ziehen, aber ich möchte mein Rennen fahren und dem Team helfen, seine Ziele zu erreichen. Ich weiß, was ich dafür tun muss." Am Sonntag rechnet er mit einem harten Rennen. "Wir müssen auf alles vorbereitet sein."

    McLaren ist das nach dem Extrem-Training anscheinend, aber auch Ferrari wägt sich in einer guten Position: "Der F2008 scheint auf einer schnellen Runde ebenso konkurrenzfähig zu sein wie über die Distanz", sagt Luca Baldisserri. "Und zwar auf beiden Reifentypen."

    Ecclestones neue Punkte-Idee: Ein Medaillensystem

    Ecclestones neue Punkte-Idee: Ein Medaillensystem
    Da der Titelkampf in Brasilien indirekt entschieden werden dürfte, will Bernie Ecclestone ein neues Punktesystem schaffen, das zum Zweikampf zwingt.

    Die Voraussetzungen für das WM-Finale in Sao Paulo sind klar. Gewinnt Felipe Massa das Rennen, dann müsste Lewis Hamilton zumindest Platz fünf einfahren, um sich genügend Punkte für den WM-Titel zu sichern. Für die Zukunft hat Bernie Ecclestone aber andere Pläne, was die Punktevergabe betrifft - denn dann soll es gar keine Punkte mehr geben. Der Formel-1-Boss hat ein Medaillensystem im Sinn, bei dem je nach Platzierung im Rennen Gold, Silver und Bronze vergeben wird. Umgelegt auf diese Saison hätten Hamilton und Massa bislang fünf Goldene gehortet und der Sieg in Brasilien würde über den Titel entscheiden.

    "So wie es aussieht, werden die Fans in Brasilien keinen Rad-an-Rad-Kampf zwischen den Titel-Kontrahenten sehen. Es dürfte keine Chance geben, dass Lewis versucht, das Rennen zu gewinnen und voll auf Angriff geht", sagte Ecclestone gegenüber der britischen Sun. Auf der anderen Seite könne Massa alles tun und gewinnen, dennoch würde es Hamilton genügen, wenn er gemütlich zu Platz fünf fahre. "Beim aktuellen Punktesystem wäre er sehr dumm, wenn er etwas Anderes täte."

    Mehr Spannung

    Was die Show betrifft, gefällt das Ecclestone klarerweise gar nicht. Das Rennen in Valencia war für ihn ein gutes Beispiel gewesen, dass Hamilton nicht jedes Risiko nehmen müsse, um zu gewinnen, da Platz zwei auch nur zwei Punkte weniger bringe als der Sieg. "Stellen Sie sich die Anspannung und Aufregung vor, die geschaffen wird, weil beide Fahrer einen Sieg brauchen, um den Titel zu holen", betonte er. Sollte sich Ecclestone mit seinem Medaillensystem durchsetzen, würde das Punktesystem aber wohl dennoch bleiben. Es würde dazu dienen, die Konstrukteurs-WM zu entscheiden - oder zumindest die Reihung unter den Teams.

    Würde man das Medaillensystem vor diesem Wochenende übrigens weiter exerzieren, dann wäre Hamilton im Vorteil. Er hat zwar neben den Siegen auch gleich viele zweite Plätze wie Massa, dafür hat er einen dritten Platz mehr. Sollten also beide ausfallen, wäre Hamilton auch nach Ecclestones-Wunschsystem Weltmeister. Gleiches würde allerdings auch gelten, wenn er sechs Mal gewonnen hätte, den Rest des Jahres kein Rennen beendet hätte und Massa in Sao Paulo nicht den Sieg holen kann.

    Hamilton über Titel-Verlust unbesorgt

    Hamilton über Titel-Verlust unbesorgt: Nur ein weiterer Wettbewerb

    Lewis Hamilton gibt sich in Brasilien betont entspannt. Auch die Fragen nach einem erneuten Verlust des Titels lassen ihn scheinbar unberührt.

    Das Jahr 2007 hat Lewis Hamilton aufgezeigt, dass auch ein vermeintlich sicher geglaubter WM-Titel im letzten Moment noch verloren gehen kann. An diese Möglichkeit denkt der Brite in Brasilien zwar nicht, dennoch wird er danach gefragt. Bei diesen Gelegenheiten gibt er sich allerdings recht gelassen. "Ich habe immer noch viel Zeit. Ich bin in der frühen Phase meiner Formel-1-Karriere, also habe ich noch Luft. Es ist nicht so, dass es mein letztes Jahr wäre", meinte er.

    Sollte es tatsächlich ein zweites Mal passieren, dass er einen Vorsprung von sieben Punkten beim Finale noch aus der Hand gibt, wäre es für ihn jedenfalls kein Desaster. "Wenn man ein Tennis-Match verliert, ist es ein Desaster", gab er sich locker. Auch auf den Hinweis hin, dass eine WM doch mehr wert sein dürfte als eine Partie Tennis, blieb er entspannt: "Es ist nur ein weiterer Wettbewerb. Wir hatten trotzdem eine gute Saison und haben einen ganz guten Job gemacht. Ich würde aber sagen, dass ich nächstes Jahr einen besseren Job machen will."

    Um doch noch ein wenig mehr aus Hamilton herauszubekommen, ließen ihn die anwesenden Journalisten auch wissen, dass der Sonntag seine letzte Chance sein wird, der jüngste Weltmeister der Formel 1 zu werden - ein Rekord, den er Fernando Alonso abnehmen würde. "Das macht keinen Unterschied. Ob man der Jüngste oder der Älteste ist, kein Unterschied", sagte der McLaren-Pilot nur.

    Qualifying: Massa auf Pole

    Qualifying: Massa auf Pole
    Felipe Massa schenkte Brasilien die Pole Position. Lewis Hamilton startet nur aus Reihe 2.

    Felipe Massa hat seinen Teil auf dem Weg zum Heimsieg und einem möglichen Titelgewinn getan. Mit einer Zeit von 1:12.368 Minuten fuhr er die Pole Position beim letzten Saisonrennen in Sao Paulo heraus. Neben ihm startet überraschend Jarno Trulli im Toyota, vor Kimi Räikkönen und Lewis Hamilton, der den Grand Prix nur von Position 4 angehen wird.

    In der dritten Reihe beziehen Heikki Kovalainen und Fernando Alonso Position. Die nächste Reihe gehört zwei Deutschen: Sebastian Vettel auf 7 und Nick Heidfeld auf 8. Dessen Teamkollege Robert Kubica scheiterte bereits im 2. Qualifying und startet nur von Rang 13. Die Top10 runden Sebastien Bourdais und Timo Glock ab.

    Zwei Deutsche raus

    Gleich für zwei Deutsche war in der erste Qualifyingsession Schluss. Nico Rosberg und Adrian Sutil schieden schon nach 20 Minuten aus. "Wir haben heute Morgen entschieden, einen Kompromiss zu machen, damit wir im Rennen stärker sind." So sei man letztes Jahr gut gefahren. "Aber es hat mich überrascht, denn im Qualifying ging es voll nach hinten los. Das hätte ich nicht gedacht, es war eine Katastrophe."

    Für Sutil kam das Aus erwartungsgemäß. "Ankommen ist das Ziel, mehr können wir nicht machen", sagte er. "Im Qualifying haben wir schon gesehen, dass der Abstand zum nächsten ziemlich groß ist." Sutil fehlten als Letztem fünf Zehntel auf Rosberg als 18. - dazwischen lag nur Teamkollege Giancarlo Fisichella. "Wir müssen darauf hoffen, dass wir durch Rennsituationen ein paar Plätze gutmachen können. Aus eigener Kraft sehe ich uns im Moment nicht stark genug."

    Ferrari plant einfach sein Ding: Vorne weg und dann rechnen

    Ferrari plant einfach sein Ding: Vorne weg und dann rechnen

    Die Ausgangsposition für Sonntag stimmt, das Rennen soll es dann auch. Bei Ferrari ist man sich im Klaren, dass man nicht viel mehr tun kann.
    Die dritte Pole in Folge in Sao Paulo war genau das, was Felipe Massa beim diesjährigen Saisonfinale gebraucht hatte, dementsprechend außer sich war er auch. Die Jubelstürme von den Tribünen dürften dazu beigetragen haben, dass er das Lächeln nur schwerlich aus dem Gesicht bekam. "Ich habe auf meinem ersten Run in Q3 eine tolle Runde gefahren und dachte eigentlich gar nicht daran, noch eine zweite zu fahren. Aber man weiß ja nie, was passieren kann. Ich war der Erste, der die schwarz-weiß karierte Flagge bekam und hätte wohl dumm ausgesehen, wenn jemand meine Zeit noch verbessert hätte", sagte der Ferrari-Pilot.

    Es ging aber alles gut und Teil eins des wiederholten Brasilien-Wunders war einmal eingetreten. Und Massa musste betonen, dass er sich auf seine Strategie am Sonntag durchaus verlassen kann - und das nachdem ihn sehr viele als sehr leicht einschätzen. "Das Auto läuft sehr gut und ich bin für den Start in der bestmöglichen Position. Ich werde versuchen, zu gewinnen: das ist mein Ziel. Über den Rest denke ich nicht nach, denn das hängt weder an mir oder dem Team. Ich bin ruhig", betonte er. Er hat zwar bemerkt, dass sich um ihn herum eine große Erwartungshaltung aufgebaut hat, doch daraus zieht er seiner Auskunft nach positive Energie, die er am Sonntag nutzen will.

    Räikkönen kennt die Ziele genau

    Nicht ganz so aufgedreht war Kimi Räikkönen nach dem Qualifying, denn er hatte es nicht so perfekt erlebt wie sein Teamkollege. Mit seinem dritten Startplatz war er dennoch zufrieden, da er sich damit in einer guten Ausgangsposition sah. "Ich bin sehr zuversichtlich für das Rennen. Wir haben ein tolles Auto und das Untersteuern, mit dem ich heute in Q3 Schwierigkeiten hatte, sollte morgen kein Problem sein. Wir sind uns genau im Klaren darüber, was wir tun müssen, damit das Team seine Ziele erreicht. Wir werden versuchen, vorne führend wegzufahren und dann unser Rennen fahren, so wie 2007. Dann werden wir sehen, wo wir stehen", erklärte der Finne. Zwei Faktoren konnte er aber nicht ausklammern: einerseits das benötigte Glück, andererseits die Reifen, die im Rennen gut gemanagt werden müssen. "In diesem Punkt sind wir in guter Verfassung."

    Dass das Rennen ohnehin noch lange wird, dessen war sich auch Teamchef Stefano Domenicali bewusst. "Ich freue mich sehr für Felipe, der ein starkes Qualifying abgeliefert hat. Dieses Ergebnis, gemeinsam mit der Begeisterung der brasilianischen Zuseher, wird ihm für morgen noch mehr Motivation geben - sollte er überhaupt noch mehr brauchen", sagte er. Gemeinsam mit Rennchef Luca Baldisserri war sich Domenicali aber einig, dass das Wetter am Sonntag noch eine gewichtige Rolle spielen könnte. Dennoch formulierte er die Ziele für das Rennen einfach: "Wir wollen beide Autos vor den Rest bringen und errechnen, wie es in beiden Meisterschaften aussieht. Es wird sehr schwer, aber wir werden unser Bestes geben."

    McLaren setzt auf Taktik und Teamplay: Ein harter Nachmittag

    McLaren setzt auf Taktik und Teamplay: Ein harter Nachmittag

    Lewis Hamilton blieb mit dem vierten Startplatz hinter den Erwartungen. Er rechnet mit verschiedenen Taktiken und einem anstrengenden Rennen.
    0,462 Sekunden fehlten dem Briten auf die Bestzeit von Felipe Massa. Trotz dieses Rückstandes bleibt der Führende in der Meisterschaft cool: "Ich gratuliere Felipe Massa zur Pole Position bei seinem Heimrennen. Die Jungs vor mir haben wahrscheinlich eine andere Taktik. Wir sind in einer guten Position, um morgen so abzuschneiden wie heute." Es werde auf jeden Fall ein harter Nachmittag. "Wir müssen aber nichts Spektakuläres zeigen", so Hamilton, der sich morgen zum jüngsten Weltmeister in der Formel 1 Geschichte küren kann.

    McLaren-Teamchef Ron Dennis zeigte sich mit dem Ausgang des Qualifyings zufrieden und sprach über mögliche Rennszenarien und die richtige Wahl der Taktik: "Möglicherweise regnet es morgen und dann kann es zu Safety Car Einsätzen kommen. In so einem Fall funktioniert eine aggressive Strategie vielleicht nicht. Wir haben uns deshalb für eine Strategie entschieden, mit der wir auf solche Zwischenfälle reagieren können." Wichtig sei es, dass sich die beiden Fahrer beim Start aus allem heraus halten, dann sollte eine starke Leistung möglich sein.

    Unterstützung erwartet sich Hamilton von Heikki Kovalainen. Dieser startet einen Platz hinter dem Briten. "Mein Auto lief von Beginn an gut und mit der Bestzeit in Q2 habe ich gezeigt, dass die Balance und Leistung stimmen. Ich werde mein Bestes geben, um Lewis im Titelkampf zu unterstützen", versprach der Finne. Der 27-Jährige hatte in den vergangenen Rennen immer wieder Probleme mit seinem Boliden. "Wir brauchen morgen die Zuverlässigkeit und den Speed von heute, dann werden wir unser Ziel erreichen", so Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug.

    18. Brasilien GP / Autodromo José Carlos Pace

    18. Brasilien GP / Autodromo José Carlos Pace

    Hamilton in letzter Kurve Weltmeister: Drama in Sao Paulo
    Felipe Massa siegt in Sao Paulo, aber Lewis Hamilton erkämpft sich in der letzten Kurve Rang 5 und damit seinen ersten Weltmeistertitel.


    In einem dramatischen Saisonfinale in Interlagos reichte Felipe Massa ein überlegener Sieg nicht zum Titelgewinn. Dabei schien eingangs der letzten Runde alles auf den Titelgewinn des Brasilianers zu deuten. Massa führte das Rennen deutlich an, Lewis Hamilton lag auf regennasser Fahrbahn nur auf Platz 6, musste an Sebastian Vettel vorbei, um den Titel zu gewinnen.

    Vettel hatte Hamilton erst wenige Runden zuvor überholt und damit an den Rande des Abgrundes gebracht. Doch in der langen Zielkurve schoss Hamilton auf der Jagd auf Vettel an Timo Glock vorbei, der bis dahin auf Platz 4 gelegen hatte, aufgrund seiner Trockenreifen auf der nassen Bahn aber immens an Boden verlor und somit Hamilton zum Weltmeister machte.

    Der erste Regen

    Die dramatische Inszenierung des WM-Finales hätte nicht besser sein können: nur wenige Minuten vor dem Start platzte der Regen nur so herunter. Aus dem Nichts wurden die Teams vom Wettergott überrascht. Die Rennleitung entschied sich dazu, das Rennen um 10 Minuten zu verschieben und so den Fahrern die Möglichkeit zu geben, ihre Reifen noch einmal an die Bedingungen anzupassen.

    Für David Coulthard war das Abschiedsrennen schnell vorbei: bereits in der ersten Kurve wurde er von Nico Rosberg angeschoben und drehte sich in den zweiten Williams von Kazuki Nakajima hinein. Neben Coulthard schied auch Nelson Piquet in Runde 1 aus. Er drehte sich ins Aus und schlug sich den Heckflügel ab. Es folgte eine Safety-Car-Phase.

    Der zweite Regen

    Massa ließ sich von all dem nicht beeindrucken, er fuhr einen ungefährdeten Sieg heraus, musste jedoch darauf hoffen, dass Hamilton maximal Sechster wird. Diesen Gefallen wollte ihm der Brite nicht tun. Hamilton fuhr ein extrem taktisches Rennen, war sichtlich vorsichtig und mit gebremstem Schaum unterwegs - den gab es dafür in der Honda-Box, wo ein Feuerlöscher explodierte. So hing Hamilton rundenlang hinter dem Force India von Giancarlo Fisichella fest, um ja keinen Fehler bei einem Überholmanöver zu übergehen. Bis wenige Runden vor dem Ende das zweite Mal Regen einsetzte, ging diese Rechnung auf. Dann wurde er von Vettel überholt und in der McLaren-Box brach eine Welt zusammen. Doch innerhalb einer Runde sollte sich das Blatt noch einmal zu Gunsten des Briten wenden.

    Die Statisten des dramatischsten WM-Finales der letzten Jahre waren Fernando Alonso und Kimi Räikkönen, die hinter Massa das Podium komplettierten. Platz 4 ist das Abschiedsgeschenk von Sebastian Vettel an Toro Rosso und der so wichtige 5. Platz ging an den neuen Weltmeister Lewis Hamilton. Timo Glock rettete den Toyota als Sechster vor Heikki Kovalainen und Jarno Trulli ins Ziel.

    Ergebnis: Großer Preis von Brasilien

    Ergebnis: Großer Preis von Brasilien

    - Lewis Hamilton ist Weltmeister
    - Entscheidung in der letzten Kurve: Lewis sichert sich den Titel mit Platz fünf
    - Jüngster Weltmeister aller Zeiten
    - Vodafone McLaren Mercedes Vizeweltmeister in der Konstrukteurswertung

    Vodafone McLaren Mercedes Fahrer Lewis Hamilton ist Formel-1-Weltmeister 2008. Im dramatischen Grand Prix von Brasilien mit Regen vor dem Start und noch einmal kurz vor dem Ende entschied Lewis den Titelkampf in der letzten Kurve des 71-Runden-Rennens, als er Timo Glock (Toyota) überholte und sich Platz fünf sicherte, der zum WM-Gewinn reichte. Im Alter von 23 Jahren, zehn Monaten und 26 Tagen ist Lewis der jüngste Weltmeister der Formel-1-Geschichte. Für die Partnerschaft McLaren Mercedes ist es der dritte Fahrertitel, nachdem Mika Häkkinen 1998 und 1999 gewann. Lewis holte die Weltmeisterschaft mit 98 Punkten vor Felipe Massa (97 Punkte), der bei seinem Heimrennen siegte. In der Konstrukteurswertung belegte Vodafone McLaren Mercedes Platz zwei mit 151 Zählern; der Titel ging an Ferrari mit 172 Punkten.

    Der Start:
    Lewis hatte sich als Vierter qualifiziert und Heikki stand auf Startplatz fünf. Weil es kurz vor dem Start heftig regnete, verschob die Rennleitung den Beginn der Formationsrunde um zehn Minuten, so dass die Teams Reifen wechseln konnten. Lewis blieb beim Start Vierter, Heikki fiel in der ersten Runde auf Rang sieben zurück. Wegen eines Unfalls von David Coulthard (Red Bull Renault) und Nelson Piquet (Renault) fuhr das Safety Car auf die Strecke.

    Das Rennen:
    Runde 5: Das Rennen wurde wieder frei gegeben. Lewis fuhr an vierter Stelle hinter hinter Massa, Trulli und Räikkönen. Heikki attackierte Alonso, blieb aber Siebter.
    Runde 9: Nach den Boxenstopps von Vettel und Alonso war Heikki Fünfter. Er kam im nächsten Umlauf herein (4,5 Sekunden) und fiel auf Rang zwölf zurück.
    Runde 11: Lewis kam zum Tanken und Wechsel auf Trockenreifen herein (7,5 Sekunden) und nahm das Rennen als Siebter wieder auf.
    Runde 13: Lewis überholte Trulli und verbesserte sich auf Platz sechs
    Runde 18: Am Beginn der Runde bremste Lewis Giancarlo Fisichella (Force India Ferrari) aus und war Fünfter. Heikki fuhr auf Rang zwölf.
    Runde 25: Heikki war jetzt Neunter und wurde von Fisichella und Trulli vor ihm aufgehalten.
    Runde 27: Heikki überholte erst Trulli, dann Fisichella und war Siebter.
    Runde 28: Nach dem Boxenstopp von Vettel übernahm Lewis Platz vier.
    Runde 36: Glock legte einen Boxenstopp ein und Heikki war Sechster.
    Runde 38: Ein weiterer Boxenstopp von Massa, Lewis rückte auf Platz drei vor, 14,8 Sekunden hinter Alonso und Räikkönen.
    Runde 40: Lewis legte seinen zweiten Stopp ein (8,9 Sekunden) und war danach Sechster hinter Heikki, der zwei Umläufe später herein kam (8,8 Sekunden). Der Finne fuhr an achter Position weiter.
    Runde 51: Dritter Boxenstopp von Vettel; Lewis war Vierter und Heikki Sechster.
    Runde 65: Es begann erneut zu regnen. Heikki fuhr zum Reifenwechsel an die Box (7,0 Sekunden). Lewis kam einen Umlauf später herein (6,1 Sekunden).
    Runde 67: Lewis war jetzt Fünfter, Heikki Achter.
    Runde 69: Vettel überholte Lewis, der auf Platz sechs zurückfiel.
    Ziel (Runde 71): Lewis überholte Glock in der letzten Kurve und übernahm Platz fünf, der zum Titelgewinn reichte. Heikki wurde Siebter.


    Lewis Hamilton
    „Das war das dramatischste Rennen meines Lebens. Ich weiß nicht, was ich sagen soll und kann meine Gefühle kaum in Worte fassen. Es war ein langer Weg und ich wurde dabei immer unterstützt, von meiner Familie, vom Team, von unseren Partnern und von den Fans. Das Team arbeitete das ganze Jahr über fantastisch und brachte viele Opfer; ich freue mich, dass ich allen auf diese Weise dafür danken kann. Bevor es zu regnen begann, fuhr ich auf einem ziemlich sicheren vierten Platz. Dann fielen die ersten Tropfen und ich wollte kein Risiko eingehen. Sebastian Vettel überholte mich, doch das Team sagte mir über Funk, ich müsse vor ihm bleiben. Es war unglaublich. Schließlich schaffte ich es in der letzten Kurve, Timo Glock zu überholen. Es war eines der härtesten Rennen in meinem Leben. Ich rief ins Mikrofon ‘habe ich es geschafft, habe ich es geschafft?‘ und nach der Zielflagge kam in Kurve eins die Bestätigung, dass ich Weltmeister bin. Ich war außer mir vor Freude.“

    Heikki Kovalainen
    „Das Wichtigste heute ist, dass Lewis den Titel gewonnen hat. Er tat genau das, was nötig war, um sich die Meisterschaft zu sichern. Alle im Team verdienen diesen Titel, besonders nach dem, was vor einem Jahr hier geschah. Aber die Jungs haben sich nie aus dem Konzept bringen lassen. Glückwunsch an alle. Ich werde jetzt über den Winter noch härter an mir arbeiten und dann steht der Weltmeister im nächsten Jahr hoffentlich auf der anderen Seite unserer Garage.“

    Ron Dennis
    „Das war wirklich ein anstrengendes Rennen. Wir attackierten nie besonders hart, wir taten nichts Unüberlegtes, doch durch den Regen kurz vor Schluss wurde alles noch einmal richtig eng. Aber selbst als Lewis von Sebastian Vettel überholt wurde, gab er nicht auf, denn wir wussten, dass Timo auf Trockenreifen fuhr. Lewis nutzte seine Chance brilliant, und das Ergebnis war ein überaus spannendes Finale, eines der spannendsten in der Formel-1-Geschichte. Ich bin so stolz auf Lewis und auch stolz auf jeden einzelnen im Team. Alle haben einen absolut fantastischen Job gemacht. Danke auch an Mercedes-Benz und alle unsere Partner. Last but not least – Glückwunsch an Ferrari zum Gewinn der Konstrukteurs-WM.“

    Norbert Haug
    „Ich freue mich über alles für jedes einzelne Teammitglied bei Vodafone McLaren Mercedes. Alle haben so hart gearbeitet und sich diese Weltmeisterschaft wahrlich verdient. Lewis gewann den Titel mit einem Punkt Vorsprung vor Felipe Massa, nachdem er ihn vor einem Jahr um einem Punkt gegen Kimi verlor. Glückwunsch dafür an Lewis. Er fuhr heute ein sehr diszipliniertes Rennen und es war gewiss nicht einfach für einen Siegfahrer wie ihn, zurückhaltend fahren zu müssen, um die nötigen Punkte zu holen. Glückwunsch an Ferrari zum Gewinn der Konstrukteurs-WM – dies war ein wirklich bemerkenswertes Jahr in der Formel 1.“
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    Brief an die Mitarbeiter

    Norbert Haug über den Gewinn der Formel 1-Weltmeisterschaft

    Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

    Lewis Hamilton hat gestern in São Paulo, Brasilien, die Formel 1-Fahrerweltmeisterschaft für Vodafone McLaren Mercedes gewonnen.
    Ich bin sicher, dass sehr viele von Ihnen vor dem Fernseher bei diesem dramatischen Finale live mitgefiebert haben und ich möchte Ihnen - stellvertretend für jedes einzelne Teammitglied - Danke für Ihre Unterstützung sagen.
    Es war eine harte und sportlich überaus umkämpfte Saison mit teilweise harten Urteilen gegen uns, die uns etliche mögliche WM-Punkte gekostet haben.
    Aber keiner im Team hat sich je entmutigen lassen - was war das dann gestern für ein großer Lohn für dieses Niemals-Aufgeben, für diese Leidenschaft immer weiter zu kämpfen, um am Ende ganz vorne zu sein.
    Lewis hat seit Beginn der letzten Saison erst 35 Formel 1-Weltmeisterschaftsläufe hinter sich gebracht und dabei mehr Punkte als jeder anderer im Feld geholt. Sein Auto hatte in diesen Rennen nie einen technischen Defekt, was unseren Anspruch an technische Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit unterstreicht.
    Lewis hatte den WM-Titel im letzten Jahr um einen Punkt verfehlt und diesen gestern mit einem Punkt Vorsprung als jüngster Weltmeister aller Zeiten geholt.
    Und das beim wahrscheinlich spannendsten Formel 1-Rennen aller Zeiten, denn zwei Kurven vor Schluss lag Lewis auf Rang sechs und das hätte bedeutet, dass am Ende ein Punkt zum Titelgewinn fehlt. Aber Lewis überholte in der letzten Kurve und holte so die notwendigen Punkte und den Weltmeistertitel.
    Wir haben seinen Sieg in Spa am Grünen Tisch verloren, wir haben selbst einige Fehler gemacht und nicht alle Punkte geholt, die zu holen gewesen wären. Umso befriedigender ist es jetzt, geschafft zu haben, was unsere einzige Zielsetzung war - nämlich die Formel 1-Weltmeisterschaft zu gewinnen.
    Unser Team und ich hoffen, Sie alle bei „Stars+Cars“ am nächsten Samstag, 8.November 2008 zu treffen, wenn wir traditionell rund um das Mercedes-Benz Museum in der Mercedes-Benz Welt in Stuttgart-Untertürkheim unseren Saison-Abschluss feiern. Bringen Sie Ihre Familien und Ihre Freunde mit, der Eintritt ist frei, die Veranstaltung beginnt um 10 Uhr und endet um 16 Uhr.
    Lewis wird mit seinem Formel 1-Weltmeister-Auto da sein und all unsere DTM-Fahrer, die mit der AMG Mercedes C-Klasse die Teammeisterschaft gewonnnen haben, werden präsent sein.
    Wir alle wollen Ihnen allen einen schönen Samstag bereiten und dabei Danke für Ihre Unterstützung sagen.
    Unsere Mannschaft hat nie aufgegeben und ihr Ziel erreicht - das ist ein gutes Beispiel für das, was von uns allen gefordert wird, wenn die Zeiten herausfordernd sind.
    Wir freuen uns von Herzen, Sie alle bei „Stars+Cars“ zu treffen - es wird toll werden!
    Ihr
    Norbert Haug

    Rennergebnisse am 02.11.2008

    31.10. - 2.11.: Brasilien-GP in Sao

    2. November: Großer Preis von Brasilien

    ERGEBNISSE
    POSITION FAHRER TEAM ZEIT
    1 Felipe Massa Ferrari 1:34.11,435
    2 Fernando Alonso Renault F1 + 00.13,308
    3 Kimi Räikkönen Ferrari + 00.16,235
    4 Sebastian Vettel Scuderia Toro Rosso + 00.38,011
    5 Lewis Hamilton McLaren-Mercedes + 00.37,907
    6 Timo Glock Toyota + 00.44,368
    7 Heikki Kovalainen McLaren-Mercedes + 00.55,074
    8 Jarno Trulli Toyota + 01.08,463
    9 Mark Webber Red Bull Racing + 01.19,666
    10 Nick Heidfeld BMW Sauber F1 + 1
    11 Robert Kubica BMW Sauber F1 + 1
    12 Nico Rosberg Williams F1 + 1
    13 Jenson Button Honda Racing F1 + 1
    14 Sebastien Bourdais Scuderia Toro Rosso + 1
    15 Rubens Barrichello Honda Racing F1 + 1
    16 Adrian Sutil Force India F1 + 2
    17 Kazuki Nakajima Williams F1 + 2
    18 Giancarlo Fisichella Force India F1 + 2

    SCHNELLSTE RUNDE
    Felipe Massa/Ferrari Zeit: 01.13,736 in Runde 36

    AUSFÄLLE
    RUNDE FAHRER TEAM AUSFALLGRUND
    1 Nelson Piquet jr. Renault F1 Kollision nach Start
    1 David Coulthard Red Bull Racing Kollision nach Start
    Bilder
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    Brasilien trauert mit Massa

    Brasilien trauert mit Massa
    Brasiliens Medien würdigen den Verlierer, Großbritannien feiert, in Spanien kommen Verschwörungstheorien auf.

    Auf den Tribünen weinten die Fans, als ihnen klar wurde, dass ihr Held den ersten Titel für Brasilien seit Ayrton Senna 1991 trotz des Sieges beim Heimrennen in São Paulo doch verpasst hatte. Auch Felipe Massa selbst konnte die Tränen auf dem Siegerpodest nicht zurückhalten – doch wie der Ferrari-Pilot mit der Niederlage umging, ohne Jammern („Ich verlasse die Strecke erhobenen Hauptes“) und mit einer Gratulation an den Weltmeister („Lewis hat den Titel verdient“), das brachte ihm Respekt ein. „Er hat unglaubliche Größe bewiesen“, kommentierte „Radio Bandeirantes“-Reporter Luis Fernando Ramos. „Er hat gezeigt, dass er alles hat, um einen WM-Titel zu holen, und das in Zukunft auch schaffen kann.“ Damit traf er den Ton, der auch sonst in den brasilianischen Medien vorherrschte.

    Die brasilianische Sportzeitung „Lance“ etwa titelte: „Du bist unser Champion. Massas grandioser Kampf bis zum Schluss ist genauso viel wert wie ein WM-Titel. Seit den Zeiten von Ayrton Senna hat kein brasilianischer Fahrer mehr die Herzen der Fans so zum Schlagen gebracht. Massa machte unserer Rennsport-Tradition alle Ehre und fuhr wie ein wahrer Champion.“

    Auf der Internetseite von „TV Globo“ heißt es: „Das ist kein Tag zum Vergessen für Felipe, sondern ein Tag zum Feiern. Kein grausamer Tag, sondern einer, an dem er in die Motorsportgeschichte eingegangen ist als einer der Protagonisten des dramatischsten Finales, das die Formel 1 je erlebt hat. Er hat all den Kritikern die passende Antwort gegeben, die ihn nach seinem schlechten Saisonauftakt schon abgeschrieben hatten.“

    In Großbritannien überwog die Erleichterung, wie bei der „Sun“: „Puh, Lewis! Lewis zeigt perfektes Timing. Vor genau 50 Jahren feierte Großbritannien seinen ersten Weltmeister mit Mike Hawthorn. Ein halbes Jahrhundert später hat sich Hamilton in die erlauchte Liste der größten Motorsport-Talente eingetragen.“

    Der „Daily Telegraph“ meint: „Hamilton definiert sportliches Drama neu – diesem Jungen fällt nichts in den Schoß. Hamilton war Sekunden vom Herzschmerz entfernt, auf dem Parcours, wo er vergangenes Jahr in seinem Anfängerjahr die Weltmeisterschaft um einen Punkt verpasst hatte.“

    Auch „The Times“ atmete auf: „Lewis Hamiltons göttliche Runde. Es war schmerzlich mit anzusehen, aber Lewis Hamilton schaffte es mit knapper Not.“

    In Italien gratulierte „La Gazzetta dello Sport“ zähneknirschend: „Massa hat die beste Saison seines Lebens bestritten, der Ferrari hat auch 2008 bewiesen, der weltweit beste Wagen zu sein. Dennoch, der Meister ist Hamilton. Und daher Hut ab vor diesem 23-jährigen Engländer. Kompliment, Lewis.“

    „La Repubblica“ wurde philosophisch: „Wie Tiger Woods im Golf hat Hamilton zu verstehen gegeben: Es reicht ein gut austarierter Schlag, ein meisterhaft ausgeführtes Überholmanöver, um in einfachster und direkter Manier klarzustellen, dass der Sieg keine Rasse kennt. Dass das Leben keine Rasse hat.“

    Die spanische „As“ erging sich dagegen in Verschwörungstheorien: „Der Einbruch von Glock war unglaublich. Wir werden nie erfahren, ob es Absicht war, ob Glock sich zu einem Freund von Hamilton machen wollte oder ob noch Schlimmeres dahintersteckte.“ -urm/dpa

    Vettel, Glock und die WM-Entscheidung: Keine Absicht

    Vettel, Glock und die WM-Entscheidung: Keine Absicht
    Auch wenn Sebastian Vettel und Timo Glock mitten im WM-Kampf steckten, betonten sie nach dem Brasilien GP, dass sie den Ausgang nicht beeinflussen wollten.

    Zwei deutsche Piloten spielten eine entscheidende Rolle dabei, dass das Finale in Sao Paulo ein wahrer Krimi wurde. Aber weder Sebastian Vettel noch Timo Glock meinten danach, dass sie ein besonders großes Drama produzieren, sondern einfach nur ihr Rennen fahren wollten. "Da gibt's nicht viel zu erzählen", meinte Vettel danach gegenüber Premiere. "Ich habe einfach probiert, alles rauszuholen. Ich wusste vor dem Stopp, dass ich solide auf fünf und hinter Lewis bin. Ich kam aber nie nahe genug an ihn ran."

    Doch als die Zeit kam, am Rennende auf Intermediates zu wechseln, wurde alles ein wenig hektisch. Zunächst war niemandem klar, wie stark der Regen werden würde. "Eine Runde vor Schluss hatte ich dann die Chance, ihn [Hamilton] zu überholen. Ich wusste nicht genau, wo ich bin. Ich hoffte irgendwie, dass es noch auf das Podest gehen könnte. In der letzten Runde war dann Timo da, der hatte mit Trockenreifen keine Chance. Aber Respekt, dass er das Auto bei den Bedingungen auf der Strecke gehalten hat", sagte Vettel. Auch auf der Boxentafel hatte er keine Informationen erhalten, wo er sich eigentlich befand, denn die konnte er aufgrund der vielen Arbeit bei den schweren Bedingungen gleich gar nicht ansehen. Eines musste er aber noch klarstellen: "Zu Beginn hatte ich auch Massa im Visier. Und wenn ich eine Chance gehabt hätte, wieso hätte ich ihn dann nicht auch überholen sollen?"

    Glocks Auto war unfahrbar

    Der angesprochene Glock musste seinerseits auch betonen, dass er am Ende Hamilton definitiv nicht mit Absicht vorbeigelassen hat. "Wir haben gepokert und sind so lange wie möglich draußen geblieben. Wir wussten, die letzte Runde wird die schwerste. Das Auto war dann fast unfahrbar. Ich habe 1:48 gebraucht und konnte gar nichts machen. Wenn Lewis mich nicht in der Kurve überholt hätte, dann eben auf der Geraden. Wir haben gepokert, aber das ist Racing. So haben wir noch was aufgeholt; wenn wir an die Box gegangen wären, hätten wir mehr verloren", erzählte der Toyota-Pilot.

    Doch nicht nur das Rennende war für Glock eine haarige Angelegenheit gewesen. Auch zu Beginn war es schwierig gewesen, sich auf die Bedingungen richtig einzustellen. "Es war da schwer, den richtigen Punkt für die Trockenreifen zu finden. Am Ende war es das gleiche. Wir haben fünf Runden lang immer gesagt, wir kommen rein, ich bin dann aber immer noch draußen geblieben. Das ist Racing und das macht auch Spaß", meinte Glock. Letztendlich sei es seine Entscheidung gewesen, doch draußen zu bleiben. So oder so musste er betonen, dass Massa und Hamilton sich schon vorher den Weg für Sonntag geebnet hatten. "Natürlich tut es mir leid für die Fans hier, dass es am Ende so ausgegangen ist."

    Vettels Abschied

    Während Glock im kommenden Jahr wieder bei Toyota fahren wird, hieß es für Vettel am Sonntag Abschied nehmen von Toro Rosso. Und der war, ungeachtet der größeren Rahmenhandlung, ganz gut gelungen. "Wir haben heute das Beste rausgeholt. Wir konnten den sechsten Platz bei den Konstrukteuren festigen und das tut uns sehr gut. Morgen beginnt jetzt die nächste Saison." Und die wird er bei Red Bull Racing fahren. Ein bisschen wehmütig war Vettel schon, dass er sein bisheriges Team verlassen muss. "Wir sind durch dick und dünn gegangen. Wir haben eine schöne Zeit hinter uns. Die Mitte der Saison war unbeschreiblich, wir haben sogar einen Sieg geholt. Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge ins nächste Jahr, aber das Leben geht weiter."

    Hamilton fehlten fast die Worte: Ich kann nur Gott danken

    Hamilton fehlten fast die Worte: Ich kann nur Gott danken
    Die Emotionen hatten nach dem spannenden Finale auch Lewis Hamilton übermannt. Grund war eines der schwersten Rennen seines Lebens.

    Nach dem Rennen in Brasilien war deutlich zu sehen, welche Anspannung bei Lewis Hamilton abgefallen war, da es mit dem WM-Titel geklappt hatte. So cool er sich an den Tagen vor dem Finale auch gegeben hatte, so gefühlsbetont gab er sich in den Minuten danach. "Es ist eigentlich unmöglich, das in Worte zu fassen. Ich bin immer noch sprachlos", meinte der neue Weltmeister nach dem Rennen. Deswegen versuchte er, irgendwo Anknüpfungspunkte zu finden, um doch noch erzählen zu können, was gerade so in ihm vorging.

    "Meine ganze Familie ist hier, mein Vater ist hier. Es war so eine lange Reise und ich hatte viel Unterstützung von den Leuten zuhause. Mein Team hat das ganze Jahr einen fantastischen Job gemacht und nach den ganzen Opfern, die wir gebracht haben, bin ich so begeistert, das für alle geschafft zu haben", erklärte Hamilton. Die letzten Runden waren klarerweise auch für ihn die schwersten gewesen, war es doch hin und her gegangen, hatte er den Titel einmal in seinen Händen, dann wieder nicht und ein paar Hundert Meter vor dem Ziel doch wieder.

    Der Regen sorgte für Sorgen

    Das war an ihm nicht spurlos vorübergegangen und er gab zu, dass es eines der härtesten Rennen seines Lebens gewesen war. "Bevor es zu regnen begann, fühlte ich mich recht wohl. Meine Reifen waren etwas kaputt [Graining setzte ein], also hatte ich Probleme, die Pace oben zu halten, aber ich konnte vorne bleiben und das war alles", erzählte er. Doch der Regen kam wieder und Hamilton wollte um jeden Preis alle Risiken vermeiden. "Dann kam er [Vettel] an mir vorbei und mir wurde gesagt, ich müsste an ihm vorbei. Ich konnte das nicht glauben. In der letzten Kurve kam ich dann an Glock vorbei und ich sage euch, das war einfach unglaublich. Ich kann nur Gott danken."

    Über Funk war ihm schon davor gesagt worden, dass er unbedingt Glock noch einholen müsse, doch Hamilton versuchte primär, an Vettel vorbeizukommen. Der war aber genauso schnell wie er - vielleicht sogar etwas schneller - weswegen Vettel als Überholziel unerreichbar wurde. "Es war eines der schwersten Rennen meines Lebens, wenn nicht das schwerste." Es war vor allem deswegen schwer, weil er bei der Zieldurchfahrt noch keine Ahnung hatte, ob er den Titel überhaupt gewonnen hatte. "Ich schrie nur: 'Habe ich ihn, habe ich ihn?' Als ich dann in Kurve eins war, haben sie es mir gesagt und ich war außer mir. Es war ein Traum." Wie er feiern wollte, wusste Hamilton bereits genau. Er plante eine Party mit Familie und mit dem Team.

    Massa fehlten ein paar Meter: Der Sport kann grausam sein

    Massa fehlten ein paar Meter: Der Sport kann grausam sein
    4,309 km ist die Strecke in Interlagos lang. Felipe Massa hätte sich auf der letzten Runde eine kürzere Strecke gewünscht, dann wäre er Weltmeister geworden.

    Nur wenige Meter haben gefehlt, dann hätte Felipe Massa seinen Traum in die Realität umgesetzt und das Wunder von Sao Paulo geschafft. "Es war ein spannender Tag", sagte der Brasilianer. "Wir haben alles getan und es beinahe geschafft." Doch so sei der Sport manchmal. Dem stimmt sein Teamchef Stefano Domenicali zu: "Der Sport kann manchmal grausam sein."

    Im letzten Jahr habe man den Titel um einen Punkt gewonnen, in diesem um einen verloren. "Natürlich sind wir enttäuscht, besonders angesichts des Rennverlaufs, aber solche Tage sind wichtig", glaubt Domenicali, der sein erstes Jahr als Teamchef mit dem Konstrukteurstitel beendete. "Felipe ist von Jahr zu Jahr gewachsen, hat sein Talent, seine Persönlichkeit gezeigt, seine Kritiker Lügen gestraft. Er hatte eine unglaubliche Saison und hätte den Titel verdient gehabt."

    Massa versucht sich mit seinem Sieg und dem Konstrukteurstitel zu trösten. "Es war eine Saison voller Höhen und Tiefen und wir haben viel gelernt", sagte er. "Ich verlasse Interlagos erhobenen Hauptes, da ich vor meinen Zuschauern gewonnen habe. Es war ein unvergesslicher Tag."

    Kimi Räikkönen hatte nicht ganz so viele unvergessliche Erlebnisse. "Mein Rennen war nicht besonders spannend", gestand er. In den ersten drei Kurven war er beim Start sehr vorsichtig, um auf der nassen Bahn keinen Fehler zu begehen. "Danach hatte ich auf den Trockenreifen viel Untersteuern und konnte nicht die Pace der Spitze mitgehen." Auf dem zweiten Reifensatz wurde es besser und er konnte Fernando Alonso einholen. "Als ich wieder auf Regenreifen wechselte, kam ich ihm sehr nahe, aber das Team sagte mir, dass ich keine Risiken eingehen sollte, weil Felipe die Chance auf den Titelgewinn hatte. Also griff ich ihn nicht mehr an."

    Montezemolo lobt die Titelrivalen

    Montezemolo lobt die Titelrivalen: Kampf um die Nummer 1
    So ein Finale hatte auch Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo noch nie erlebt. Am Ende blieben ein Konstrukteurstitel und eine Kampfansage.

    Luca di Montezemolo sah sich im Finalkrimi in Sao Paulo bestätigt, nicht unbedingt beim Ausgang des Rennens, "aber ich habe immer gesagt, dass wir bis zur letzten Kurve des letzten Rennens kämpfen würden", genau das haben Felipe Massa und sein Team gemacht - ihr Gegner Lewis Hamilton allerdings auch.

    "In all meinen 10 Jahren in der Formel 1 habe ich noch nie so ein spannendes Finish gesehen", freute sich Montezemolo trotz der Niederlage. Versüßt wird ihm der Vizeweltmeistertitel bei den Fahrern durch den 16. Konstrukteurstitel für die Scuderia. "Das ist ein wichtiger Meilenstein, nicht nur, weil er die Früchte der harten Arbeit trägt, sondern auch, weil wir erneut das Weltmeistersymbol auf unsere Autos pappen können."

    Die Startnummer 1 wandert jedoch zu Lewis Hamilton, der darüber hoch erfreut ist: "Das ist das Coolste überhaupt." Montezemolo und Ferrari werden jedoch alles daran setzen, dass sich Hamilton nicht lange daran erfreuen kann. "Er war ein sehr starker Gegner und sein Sieg, egal wie knapp es war, war verdient. Er wird nächste Saison die Nummer 1 auf seinem Auto haben, aber eins ist sicher: wir werden unser Bestes geben, um sie wieder auf einen Ferrari zu kleben."

    Nach dem Rennen litt Montezemolo mit seinem Fahrer. "Felipe fuhr als Weltmeister über die Ziellinie und verlor den Titel nur wenige Sekunden später. Ich kann mir kaum vorstellen, wie schmerzvoll das gewesen sein muss." Trotzdem habe Massa sein Können bewiesen. "Er wäre ein würdiger Champion." Auch aufgrund seiner Reife und Sportlichkeit abseits der Strecke. "Ein toller Champion und ein toller Mann."

    Hamiltons Erwachen als Champion: Wow, ich bin Weltmeister!

    Hamiltons Erwachen als Champion: Wow, ich bin Weltmeister!
    Auch ein Formel-1-Champion braucht eine Nacht, um sich seiner Leistung klar zu werden: Lewis Hamilton erwachte am Montagmorgen als F1-Weltmeister.

    Es ist Sonntagnacht, die McLaren-Crew feiert ausgelassen den ersten WM-Titel seit Mika Häkkinen 1999. Einen besonderen Titel, einen Titel, den man schon vor einem Jahr sicher glaubte, zumindest mit einem der beiden Fahrer, einen Titel, der zwei Jahre in Serie durch fragwürdige Strafen immer wieder in weite Ferne rückte. Doch einer feierte nicht mit ihnen: der Weltmeister.

    Lewis Hamilton saß an der Seite, allein, ganz in Gedanken versunken - bis seine Ohren einen Song vernahmen: We are the champions. "Ich sah alle meine Teammitglieder, meine Mechaniker, meine Ingenieure, die Cateringleute, die Teamchefs, meinen Vater, alle - sie waren so glücklich." Diese Augenblicke sind Hamilton am meisten in Erinnerung geblieben von seiner WM-Feier, natürlich abgesehen von den Eindrücken des eigentlichen Rennens, die er nur so beschreiben kann: "Es war verrückt, einfach verrückt."

    Er selbst genoss den Moment, feierte aber nicht wie so manch anderer Champion, der danach mit Gabelstaplern das Fahrerlager von Suzuka umdekorierte... "Ich habe nichts getrunken", verrät Hamilton. Nur ein paar Gläser Champagner, ansonsten hauptsächlich Wasser. "Ich konnte einfach da sitzen und alles in mich aufsaugen. Es war ein Gefühl, das sich nicht in Worte fassen lässt, zu sehen, wie glücklich man alle gemacht hatte." Danach konnte er zufrieden und verrichteter Dinge ins Hotel fahren und sich schlafen legen. "Ich hatte meine Lektion aus dem letzten Jahr gelernt!" Damals musste er den Frust vertreiben...

    Am nächsten Morgen ist der frisch gebackene Weltmeister putzmunter. "Es fühlt sich toll an, einfach toll", sagt er. So richtig verarbeitet habe er es allerdings noch nicht. "Ich war entspannt, zufrieden und voller Energie. Dann schoss es mir plötzlich in den Sinn: Wow, ich bin Weltmeister!"

    Das Beste daran: "Ich muss nicht mehr die Nummer 22 auf meinem Auto tragen." Stattdessen fährt er 2009 mit der Startnummer 1. "Das ist das Coolste überhaupt." Bislang kennt er dieses Gefühl nur aus Computerspielen. Wie lange das so bleiben wird, hängt von ihm und seinem Team ab, denn Ferrari hat bereits angekündigt, dass man Hamilton die Nummer 1 nur geliehen habe und sie 2009 zurückerobern möchte.

    Entsprechend denkt der Brite bereits an die nächste Saison. "Ich bin bereit", sagt er. "Jedes Jahr ist eine neue Erfahrung und stärkt den Charakter", glaubt er. Selbst die Niederlage 2007 habe ihn stärker und besser gemacht. "Deshalb haben wir es diesmal geschafft." Für nächstes Jahr verspricht er: "Ich werde mich weiter verbessern. Ich werde mit jedem Jahr stärker, lerne aus meinen Fehlern und wenn das bedeutet, dass ich noch mehr Titel gewinne, dann soll es so sein."

    Stars & Cars Tag 2008

    Stars & Cars Tag 2008:
    72.000 begeisterte Besucher feiern Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton und seine Mercedes-Benz Fahrerkollegen



    72.000 Daimler-Mitarbeiter und Motorsportfans haben heute über den ganzen Tag bei „Stars & Cars“ in Stuttgart-Untertürkheim Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton (23) und seine Mercedes-Benz Fahrerkollegen aus Formel 1 und DTM begeistert gefeiert und erlebten rund ums Mercedes-Benz Museum und die Stuttgarter Mercedes-Benz Niederlassung einen ganz besonderen Motorsport-Aktionstag. Das waren über 10.000 Besucher mehr als vor einem Jahr.

    Der Stars & Cars Tag, die traditionelle Abschlussveranstaltung der Motorsport­saison von Mercedes-Benz, fand nach 2006 und 2007 bereits zum dritten Mal rund um die Mercedes-Benz Welt vor den Toren des Stammwerks statt, insgesamt das 14. Mal seit 1994. Stargast war Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton, der von der Veranstaltung begeistert war. Er begrüßte die vielen Tausend Besucher überschwänglich mit „Guten Morgen Stuttgart, alles klar?“ und bedankte sich bei „seinen Freunden“ wie er die Mercedes-Mitarbeiter und Fans bei „Stars & Cars“ nannte.

    Zwei andere Größen traten heute unter Beifall von der Bühne des aktiven Motorsports ab: David Coulthard und Bernd Schneider. David fuhr von 1996 bis 2004 für die Partnerschaft McLaren Mercedes in der Formel 1. Er bestritt in diesen neun Jahren 150 Grand Prix, gewann davon zwölf, und wurde 2001 Vizeweltmeister. Er beendete seine Karriere bei Red Bull.

    Bernd bestritt von 1991 bis 2008 insgesamt 227 Rennen mit Mercedes-Benz in der DTM und ITR. Er siegte 43 Mal, gewann fünf DTM- sowie einen ITC-Titel und beendete seine Karriere am 26. Oktober in Hockenheim. Bei Mercedes-AMG wird der DTM-Rekordchampion künftig für die Performance-Marke von Mercedes-Benz Cars als Markenbotschafter, Instruktor und Testfahrer tätig sein.

    Die Besucher der Veranstaltung, darunter der Box-Weltmeister Vitali Klitschko, erlebten ein vollgepacktes, abwechslungsreiches Programm. Höhepunkte waren zahlreiche Fahrdemonstrationen mit aktuellen und historischen Rennfahrzeugen, mit außergewöhnlichen Mercedes-Benz Serienmodellen von einst und heute und als besonderes Highlight die Boxenstoppwettbewerbe der Mechaniker-Teams aus Formel 1, DTM und dem Classic Bereich. Auch die Ausstellung der Formel-1-Silberpfeile von 1997 bis 2008 auf dem Museumshügel zog viele Besucher an.

    Ehrungen der erfolgreichen Akteure der Motorsport-Saison durch den Vorstandsvorsitzenden der Daimler AG und Leiter Mercedes-Benz Cars, Dr. Dieter Zetsche, Interviewrunden und Autogrammstunden mit allen Fahrern, dazu ein kurzweiliges Rahmenprogramm mit Live-Musik und ein spezielles Kinderprogramm rundeten die Veranstaltung ab. Das Publikum dankte mit einer Welle der Begeisterung, die von Veranstaltungsbeginn um 10 Uhr morgens bis zum Finale um 16 Uhr ständig anwuchs.

    Lewis Hamilton, der am letzten Sonntag beim Grand Prix von Brasilien Weltmeister wurde, zog eine begeisterte persönliche Bilanz des Motorsport-Aktionstages „Stars & Cars“ in Stuttgart: „2007 konnte ich gemeinsam mit den zigtausenden Fans beim Stars & Cars Tag bereits nach meiner ersten Formel-1-Saison den Vizeweltmeister-Titel feiern; heute, ein Jahr später mit den 72.000 Fans den Weltmeister-Titel. Der absolute Wahnsinn, wie viele Menschen heute nach Stuttgart vor das Werk Untertürkheim gekommen sind. Ich hoffe, dass alle ihren Spaß hatten – ich hatte ihn auf jeden Fall.“

    Mercedes-Benz Motorsportchef Norbert Haug: „Stars & Cars ist immer wieder ein Höhepunkt und der Abschluss unseres Motorsportjahrs – dieses Jahr den ganzen Tag über mit mehr als 70.000 begeisterten Besuchern. Wir haben während der Saison elf Siege bei 29 Rennen in der Formel 1 und der DTM geholt, und Lewis Hamilton wurde der jüngste Formel-1-Weltmeister der Geschichte. In der DTM haben wir die Teamwertung gewonnen und unser Youngster Paul Di Resta hatte bis zum letzten Rennen die Chance auf den Titel. Mercedes-Benz und unser gesamtes Motorsport-Team bedanken sich bei allen Kollegen und Renninteressierten für ihre Unterstützung. Unser Team wird jetzt sicher kein bisschen nachlassen und die Vorbereitungen für 2009 laufen bereits auf Hochtouren. Heute möchte ich mich besonders bei der Organisationsmannschaft und meinen Marketing- und Pressekollegen bedanken, die diese Veranstaltung möglich gemacht haben – dieses Team war ebenfalls weltmeisterlich unterwegs und hat am Ende einer Saison innerhalb von 14 Tagen das DTM-Finale in Hockenheim, das Formel-1-WM-Finale in São Paulo und jetzt diese glänzende Stars & Cars Veranstaltung mit Bravour organisiert und umgesetzt.“