Interessantes zu Formel 1 im Jahr 2008

    Skandal allererster Güte

    Skandal allererster Güte: Das schlimmste Urteil in der Geschichte

    Die Reaktionen auf die Bestrafung von Lewis Hamilton im Belgien GP ließen kein gutes Haar an den FIA-Rennkommissaren.

    Noch bevor Lewis Hamilton von den Rennkommissaren eine 25-Sekunden-Zeitstrafe erhielt, die ihn vom Sieger zum Drittplatzierten degradierte, häuften sich die Meinungen im F1-Paddock, dass eine Bestrafung des Briten nicht korrekt sei. Hinterher explodierten die FIA-Kritiker: "Schade, dass immer wieder so tolle Rennen auf diese Art und Weise zerstört werden", sagte Christian Danner der Bild. "Das ist ein Skandal allererster Güte und eine völlige Fehlentscheidung der Regelwächter."

    Noch deutlicher wurde Ex-Weltmeister Niki Lauda: "Das ist das schlimmste Urteil in der Geschichte der Formel 1", klagte er. "Die perverseste Entscheidung, die ich je gesehen habe. Es ist absolut inakzeptabel, dass die drei Funktionäre die WM so beeinflussen."

    Massa: Hamilton war zu optimistisch

    Massa: Hamilton war zu optimistisch: Hätte Kimi nie überholen können

    Ferrari wolle sich zunächst nicht zur Bestrafung von Lewis Hamilton in Spa äußern. Mittlerweile gaben Stefano Domenicali und Felipe Massa ihre Einschätzungen ab

    Felipe Massa verabschiedete sich gerade von allen Teammitgliedern und Gästen im Ferrari-Motorhome als Teamchef Stefano Domenicali zu ihm kam und ihm die frohe Kunde überbrachte: die Rennkommissare hatten Lewis Hamilton eine 25-Sekunden-Zeitstrafe aufgebrummt, Massa war plötzlich nicht mehr Zweiter, sondern Sieger.

    Offiziell wollte Domenicali die Entscheidung nicht kommentieren. Nur so viel: "Sobald wir von den Stewards angehört wurden, haben wir ihnen unsere Meinung mitgeteilt - das war's." Danach hätten sie auch die andere Seite angehört und ihre Entscheidung gefällt. "Mehr möchten wir dazu nicht sagen." Allerdings betonte Domenicali, dass Ferrari keinen Protest eingelegt habe. "Wir wurden nur von den Stewards angehört." Und zwar nur zum Manöver in der letzten Schikane.

    Dieses empfand der Italiener persönlich als ein bisschen extrem. Der Angriff sei normal gewesen, "das Problem ist der Vorteil, den einem ein solchen Manöver bringen kann. Das ist der Schlüssel", erklärte er. Felipe Massa äußerte wenig erstaunlich die gleichen Bedenken wie sein Chef: "Was Lewis gemacht hat, kann passieren, aber er war vielleicht etwas zu optimistisch und dachte, dass er den Platz nur teilweise zurückgeben und dann gleich wieder angreifen könnte."

    Dennoch besteht Massa darauf, dass solche Zwischenfälle geschehen können. "Das haben wir in den Fahrerbriefings oft besprochen." Dabei sei auch eindeutig klar gemacht worden, dass man nach einem Abkürzen der Schikane die Position komplett zurückgeben müsse und damit auch einen eventuell errungenen Vorteil. "Wenn Lewis die Schikane korrekt genommen hätte, wäre er auf der sehr kurzen Geraden danach nie dazu in der Lage gewesen, Kimi zu überholen", glaubt Massa. "Wenn Lewis gewartet und es auf der nächsten Geraden versucht hätte, wäre das vielleicht anders gelaufen."

    Mercedes-Chef Haug: «Wir sind die Sieger von Spa»

    Mercedes-Chef Haug: «Wir sind die Sieger von Spa»

    Stuttgart (dpa) - McLaren-Mercedes fühlt sich trotz der nachträglichen Zeitstrafe für Lewis Hamilton als eigentlicher Gewinner des Großen Preises von Belgien. «Wir sind die Sieger von Spa», sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug in einer Telefonkonferenz.

    Das britisch-schwäbische Formel-1-Team könne beweisen, dass sich Hamilton beim Überholmanöver gegen den zu diesem Zeitpunkt führenden Ferrari-Rivalen Kimi Räikkönen «reglementskonform verhalten» habe. Die drei Rennkommissare seien mit ihrem Urteil «vielleicht übers Ziel hinausgeschossen», sagte Haug mit Verweis auf nicht geahndete Abkürzungen anderer Piloten während des Grand Prix. Hamilton fiel durch die 25 Sekunden-Strafe vom ersten auf den dritten Platz hinter Felipe Massa im Ferrari und BMW- Sauber-Pilot Nick Heidfeld aus Mönchengladbach zurück.

    Hamiltons "erlaubte Besserleistung"

    Hamiltons "erlaubte Besserleistung"
    von Christian Nimmervoll09. September 2008 - 10:27 Uhr
    Mercedes-Sportchef Norbert Haug kann die Strafe gegen Lewis Hamilton nach wie vor nicht nachvollziehen: "Lewis hatte einen Nachteil"

    (Motorsport-Total.com) - Die Entscheidung des Grand Prix von Belgien am Grünen Tisch schlägt immer noch hohe Wellen. Bei McLaren-Mercedes kann man nicht nachvollziehen, warum Lewis Hamilton der Sieg aberkannt wurde, obwohl er Kimi Räikkönen erst überholt hat, nachdem er den Ferrari-Piloten nach einer missglückten Attacke passieren hatte lassen.

    "Klar ist", so Norbert Haug gegenüber 'auto bild motorsport', "dass Lewis einen Nachteil hatte, nachdem ihm Kimi in der Schikane - worüber wir uns nicht beklagt haben - keinen Platz gelassen hat. Zurück auf der Strecke ließ Lewis Kimi vorbei - wie es die Regeln vorschreiben, wenn der Weg über die Wiese in einer Schikane nach Metern kürzer als der auf der Rennstrecke ist. In der nächsten Kurve hat Lewis Kimi dann überholt - Kimi ließ die Tür dazu offen."

    Unerlaubter Vorteil oder erlaubte Besserleistung?
    "Lewis hatte aus unserer Sicht einen Nachteil - wer hat zuletzt in der Formel 1, nachdem er freiwillig vom Gas ging, 300 Meter später einen ebenbürtigen Wettbewerber überholt? Nach meiner Einschätzung hat Lewis nicht durch einen unerlaubten Vorteil überholt, sondern vielmehr durch eine erlaubte Besserleistung", gab der Mercedes-Sportchef zu Protokoll. Aus eben diesen Gründen haben die Silberpfeile gegen die Entscheidung der Rennleitung Protest eingelegt.

    Haug findet übrigens nicht, dass das Problem die Regeln sind. Vielmehr seien diese am vergangenen Sonntag falsch ausgelegt worden: "Man muss nur richtig einschätzen, was ein Vorteil und was ein Nachteil ist. Die Rennkommissare hatten dazu eine andere Ansicht als wir", teilte der Deutsche mit - und fügte an: "Ich respektiere ihre und ich bin sicher, sie werden auch unsere respektieren - und die ist sportlich."

    So argumentiert McLaren-Mercedes
    Der McLaren-Mercedes-Protest basiert auf dem Argument, dass Hamilton nach seiner missglückten Attacke in der Bus-Stop-Schikane wieder hinter Räikkönen war, ehe er in La Source noch einmal zum Überholen ansetzte. Der Vorwurf, Hamilton könnte durch das Abschneiden der Schikane mehr Schwung als Räikkönen mitgenommen haben, lässt sich durch die Telemetrie eindeutig entkräften - der Silberpfeil war bei Start und Ziel um sechs km/h langsamer als der führende Ferrari.

    Doch unabhängig vom Ausgang des Protests lässt Hamilton den Kopf nicht hängen. Haug: "Wir sind zusammen zum Flughafen gefahren und Lewis grinste mich an und sagte: 'Jetzt wollen wir möglichst alle verbleibenden Rennen gewinnen.' Ich habe nicht widersprochen - auch wenn es noch ziemlich viele sind." Fünf, um genau zu sein - und das erste davon steht bereits am kommenden Wochenende in Monza auf dem Programm.

    Lauda: "Schlimmste Entscheidung der Geschichte"

    Lauda: "Schlimmste Entscheidung der Geschichte"
    08. September 2008 - 14:53 Uhr

    Geschenkter Sieg für Felipe Massa spaltet Königsklasse - McLaren-Mercedes protestiert offiziell bei der FIA

    Mit der "schlimmsten Entscheidung in der Geschichte der Formel 1" (Niki Lauda) haben die Renn-Kommissare des Großen Preises von Belgien das vielleicht spektakulärste Rennen des Jahres zu einer Randnotiz abgewertet. Die 25-Sekunden-Zeitstrafe für Lewis Hamilton, durch die der McLaren-Mercedes-Pilot nicht nur den Sieg an seinen schärfsten Titelkontrahenten Felipe Massa, sondern auch noch Platz zwei an BMW-Sauber-Pilot Nick Heidfeld verlor, gibt alten Verschwörungstheorien zugunsten von Ferrari neue Nahrung.

    "Es ist absolut inakzeptabel, wenn drei Leute die WM in dieser Weise beeinflussen", schimpfte der dreimalige Weltmeister Lauda. Der Österreicher monierte wie viele andere die Entscheidung der Renn-Kommissare Nicholas Deschaux (Frankreich), Surinder Thatthi (Kenia) und Yves Bacquelaine (Belgien), Hamilton zu bestrafen, weil er in der turbulenten Schlussphase auf der bei einsetzendem Regen rutschigen Piste in einem Zweikampf mit dem führenden Ferrari-Piloten Kimi Räikkönen kurzzeitig die Strecke verlassen hatte.

    Viel Kopfschütteln nach der Hamilton-Bestrafung
    "Der Beste bei den Bedingungen im Finale von Spa war ganz klar Lewis - und alle haben exakt das gesehen, was alle Formel-1-Zuschauer sehen wollen - ein couragiertes Überholmanöver", meinte Mercedes-Sportchef Norbert Haug. Hamilton, der vor dem Ferrari-Heimspiel in Monza am kommenden Sonntag nur noch zwei anstatt acht Punkte Vorsprung vor Massa hat (76:74), und sein Team hatten vergeblich darauf verwiesen, dass er nach dem Abkürzen in der Schikane Räikkönen zunächst wieder vorbeigelassen und erst danach einen neuen Angriff gestartet hatte.

    Außerdem sei Hamilton selbst als Führender in die entsprechende Schikane eingebogen und dort dann von Räikkönen abgedrängt worden. "Unsere Daten, die wir auch den FIA-Kommissaren vorgelegt haben, zeigen, dass Lewis, nachdem er vom Gas gegangen war, 6 km/h langsamer war als Kimi, als beide über die Ziellinie fuhren", erklärte ein McLaren-Sprecher. Erst nachdem er Räikkönen vorbei gelassen habe, hätte er sich für den nächsten Überholvorgang in Position gebracht. Aufgrund dieser Daten habe man keine andere Wahl, als Einspruch einzulegen.

    Die entsprechende Absichtserklärung, die 6.000 Euro Gebühr kostet, hatten die Silberpfeile fristgerecht am Sonntagabend nach der Entscheidung der Kommissare abgegeben. Das Team hat nach Aussage einer FIA-Sprecherin jetzt acht Tage Zeit, den Einspruch schriftlich beim Automobil-Weltverband zu hinterlegen. Wenn das Team diesen Schritt geht, kommt der Fall vor das Berufungsgericht der FIA, mit dem McLaren-Mercedes 2007 im Spionage-Skandal und der Benzin-Affäre von Sao Paulo keine guten Erfahrungen gemacht hat.

    Britische Presse sieht Hamilton als Opfer
    "Die Formel 1 spielt verkehrte Welt. Lewis Hamilton hat einen Unfall vermieden, indem er geistesgegenwärtig reagierte und dabei eben neben die Strecke geriet", sagte der dreimalige Le-Mans-Sieger Klaus Ludwig dem 'sid'. Auch der frühere Formel-1-Pilot Marc Surer kritisierte den Richterspruch.

    "Ich bin schockiert. Die Strafe kam für mich völlig überraschend, denn Lewis hat aus meiner Sicht alles richtig gemacht", meinte der Schweizer, der zudem anführte, dass der Brasilianer Bruno Senna in Spa in der GP2-Serie für "exakt die gleiche Aktion" wie die von Massa in Valencia mit einer Durchfahrtsstrafe belegt worden war: "Hier wird mit zweierlei Maß gemessen." Massa hatte in Valencia für eine Fast-Kollision in der Boxengasse keine Strafe erhalten.

    Für den Independent wurde Hamilton "Opfer einer lächerlichen Entscheidung", die als eine "der absurdesten und schmachvollsten in die Motorsportgeschichte eingehen" wird. Und der Daily Mirror fragte: "Was muss Lewis Hamilton tun, um einen Formel-1-Titel zu gewinnen?"

    McLaren-Einspruch: Acht Tage Zeit

    McLaren-Einspruch: Acht Tage Zeit
    08. September 2008 - 12:26 Uhr

    In der Auseinandersetzung um die Bestrafung für Lewis Hamilton in Spa-Francorchamps mahlen die Mühlen der Bürokratie nur langsam

    Der Formel-1-Rennstall McLaren-Mercedes hat nach der Strafe gegen Lewis Hamilton beim Großen Preis von Belgien in Spa acht Tage Zeit, seinen angekündigten Einspruch schriftlich beim Automobil-Weltverband FIA einzureichen. Das bestätigte am Montag eine FIA-Sprecherin. Die Silberpfeile hatten am Sonntagabend fristgerecht ihre Absicht zum Einspruch erklärt. Wenn das Team den Einspruch einreicht, kommt der Fall vor das Berufungsgericht der FIA.

    Der Brite Hamilton hatte seinen Sieg durch eine nachträgliche 25-Sekunden-Zeitstrafe wegen Abkürzens einer Schikane an seinen schärfsten Titelkonkurrenten Felipe Massa aus Brasilien im Ferrari verloren und war sogar noch hinter BMW-Sauber-Pilot Nick Heidfeld (Mönchengladbach) auf den dritten Rang zurückgefallen. In der WM-Gesamtwertung führt er jetzt nur noch mit zwei statt ursprünglich acht Punkten Vorsprung vor Massa (76:74).

    Die Rennkommissare hatten Hamilton wegen des Abkürzens einer Schikane und Erlangung eines Vorteils in einem Zweikampf mit Massas zu dem Zeitpunkt führenden Teamkollegen Kimi Räikkönen bestraft. Der 23-Jährige und sein Team führten vergeblich an, dass Hamilton Räikkönen nach der fraglichen Aktion wieder vorbeigelassen und erst danach wieder überholt hatte.

    Die FIA-Kommissare werfen Hamilton den Bruch zweier Artikel vor: Artikel 30.3 (a) der Sporting Regulations der Formel 1 ("Während Training und Rennen dürfen Fahrer nur die Strecke benutzen und müssen zu jeder Zeit darauf achten, die Vorschriften des Code bezüglich des Fahrens auf Rennstrecken") sowie Artikel 2 (g) im Kapitel 4 des Appendix L des International Sporting Code ("Allein die Rennstrecke soll von den Fahrern während des Rennens benutzt werden").

    McLaren-Mercedes legt Protest ein

    McLaren-Mercedes legt Protest ein

    07. September 2008 - 19:24 Uhr
    Mercedes-Sportchef Norbert Haug kann die Strafe gegen Lewis Hamilton nicht nachvollziehen - Silberpfeile protestieren gegen Entscheidung

    Erst Triumph, dann Katzenjammer: Lewis Hamilton hat seinen Sieg im Regenchaos auf der Rutschbahn von Spa-Francorchamps nachträglich an seinen schärfsten WM-Konkurrenten Felipe Massa verloren und damit im Titelrennen einen herben Rückschlag erlitten. Zweieinhalb Stunden nach der Zieldurchfahrt brummten die Rennkommissare dem britischen McLaren-Mercedes-Piloten wegen unerlaubten Abkürzens einer Schikane eine 25-Sekunden-Zeitstrafe auf, durch die er sogar auf den dritten Platz zurückfiel.

    Damit fand das ereignisreiche Rennen einen unrühmlichen Abschluss am Grünen Tisch. Hamilton hatte vergeblich darauf verwiesen, dass er in der umstrittenen Situation nach dem Abkürzen der Schikane Kimi Räikkönen wie von der Regel gefordert zunächst wieder vorbeigelassen habe.

    "Wir verstehen die Argumentation nicht. Die Situation war nicht siegentscheidend. Wir haben nach bestem Wissen und Gewissen alles richtig gemacht, um den Vorteil zu kompensieren. Lewis hat Kimi wieder vorbeigelassen und ihn dann bei der nächsten Gelegenheit überholt. Mir ist nicht bekannt, dass es dafür eine vorgeschriebene Distanz gäbe", sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug, der allerdings direkt seinen Kampfgeist wiederfand: "Abhaken und weitermachen."

    Hamilton hatte vor der Entscheidung gesagt, dass "etwas mit dem System nicht stimmt", sollte er eine Strafe erhalten. Die Kommissare waren dennoch der Meinung, dass sich der 23-Jährige gegenüber dem Finnen Räikkönen einen unerlaubten Vorteil verschafft habe.

    Nach dem Studium der Telemetriedaten enthüllte McLaren-Mercedes, dass Hamilton beim Überfahren der Start- und Ziellinie um sechs km/h langsamer war als Räikkönen, was das Argument, er habe beim Schneiden der Schikane mehr Schwung mitnehmen können, entkräftet. Man habe daher gar keine andere Wahl, als gegen die Entscheidung der Rennleitung zu protestieren.

    Inzwischen wurde offiziell bekannt gegeben, dass man gegen die Entscheidung Protest einlegen wird. Eine entsprechende Notiz wurde auch der FIA ausgehändigt. FIA-Pressechef Richard Woods hatte zuvor erklärt, dass nach seinem Kenntnisstand ein Einspruch in diesem Fall gar nicht möglich sei. Falls doch, dann wird das Internationale Berufungsgericht der FIA in letzter Instanz urteilen.

    McLaren geht in Berufung: Entscheidung vertagt

    McLaren geht in Berufung: Entscheidung vertagt

    Nach langen Überlegungen ist nun klar: McLaren geht gegen die Bestrafung von Lewis Hamilton in Berufung.

    McLaren Mercedes hat am Dienstag bekannt gegeben, dass man offiziell gegen die Zeitstrafe für Lewis Hamilton beim Großen Preis von Belgien in Berufung gehen wird. Der Brite hatte das Rennen am Sonntag gewonnen, erhielt aber nachträglich eine 25-Sekunden-Zeitstrafe, die ihn auf Platz 3 zurückwarf. Die FIA-Rennkommissare begründeten die Bestrafung damit, dass sich Hamilton durch das Schneiden der Bus-Stop-Schikane einen Vorteil verschafft habe.

    Das Team ließ zunächst offen, ob es in Berufung gehen wird, da nicht klar war, ob dies möglich ist, weil die Strafe als nachträgliche Drive-Through-Strafe deklariert war. Bereits am Sonntag hatte das Team reglementkonform die Absicht angekündigt, vielleicht in Berufung zu gehen. Der Fall wird jetzt vor dem International Court of Appeal der FIA verhandelt.

    Lewis Hamiltons Sicht

    Lewis Hamilton schilderte die Szene für ein McLaren-Pressestatement so: "In den letzten Runden des Rennens holte ich auf Kimi konstant auf, Runde für Runde, und drei Runden vor dem Ende war ich nah genug, um ihn eingangs der letzten Schikane zu überholen. Ich war in der Bremszone des ersten Scheitelpunkts der Schikane leicht vor ihm. Er verteidigte sich am zweiten Scheitelpunkt, ließ mir dabei aber keinen Platz auf der Innenseite. Der einzige Weg eine Kollision zu vermeiden, war die Innenseite zu schneiden."

    "Ich kam vor Kimi heraus und ging auf der Geraden kurzzeitig vom Gas, um sicherzustellen, dass Kimi wieder in Führung war. Das Team sagte mir auch über Funk, dass ich Kimi passieren lassen sollte, was ich aber schon getan hatte. Danach überquerte Kimi die Start-/Ziellinie vor mir mit 6,7 km/h höherer Geschwindigkeit."

    "Nachdem Kimi mich komplett überholt hatte, fuhr ich hinter Kimi von der linken auf die rechte Seite herüber. Dann griff ich ihn auf der Innenseite der ersten Kurve an und bremste ihn erfolgreich aus."

    Martin Whitmarsh fügte hinzu: "Von der Boxengasse fragten wir danach bei der Rennleitung nach, ob sie mit dem Überholmanöver von Kimi gegen Lewis zufrieden wären und sie bestätigten zweimal, dass sie glauben würden, die Art und Weise wie er die Position zurückgegeben habe, sei 'okay' gewesen."

    Offizieller Protest von McLaren-Mercedes

    Offizieller Protest von McLaren-Mercedes - Skandal-Urteil bringt Funktionäre ins Schleudern

    "So macht man den Sport kaputt" / FIA: Entscheidung vor Saisonende
    Stuttgart/Paris (sid) Das Skandal-Urteil in der "Affäre Hamilton" bringt den Automobil-Weltverband FIA erneut heftig ins Schleudern und sorgt vor dem Italien-Grand-Prix für jede Menge Zündstoff zwischen den Formel-1-Erzrivalen McLaren-Mercedes und Ferrari. Mercedes-Sportchef Norbert Haug kündigte an, dass das Team bis zum Rennen am Sonntag (14 Uhr MESZ/live in RTL und Premiere) in Monza fristgerecht einen offiziellen Protest gegen die Bestrafung von Lewis Hamilton beim Großen Preis von Belgien einlegen wird. "Wir sind empört und haben die Entscheidung nicht verstanden. Genau wie die ganze Welt, vielleicht außer Italien", sagte Haug in einer Telefonkonferenz am Dienstag und übte Kritik an der FIA: "Es ist nicht überall gleichmäßig bestraft worden. Aus unserer Sicht hat man dem Sport keinen Gefallen getan."
    An Verschwörungstheorien wegen der zahlreichen Bestrafungen gegen die Silberpfeile oder eine "Lex Ferrari" wollte Haug nicht glauben. Stattdessen telefonierte er mit Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali, der über den Vorfall eine ganz andere Meinung hat, und wird schon am Donnerstag einen Tag früher als geplant nach Monza reisen.
    Das Duell Rot gegen Silber endet wieder einmal vor Gericht, die FIA will eine Entscheidung der WM nach Saisonende am grünen Tisch wie im Vorjahr diesmal verhindern. Damals hatte McLaren-Mercedes gegen die Wertung des letzten Rennens protestiert, Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen (Finnland) behielt jedoch seinen Titel. Diesmal bleiben dem International Court of Appeal (ICA) bis zum letzten Saisonrennen am 2. November in Brasilien nur noch gut sieben Wochen Zeit für eine Entscheidung. "Ich denke, dass der Termin vor Ende der Saison sein wird. Es hängt alles davon ab, wann McLaren offiziell den Protest einlegt. Dann wird das Berufungsgericht so schnell wie möglich einen Termin festlegen", sagte eine FIA-Sprecherin dem sid.
    Die Silberpfeile, die unmittelbar nach der 25-Sekunden-Strafe der FIA-Rennkommisare für Hamilton in Spa ihre Absichtserklärung zum Protest hinterlegt und die geforderten 6000 Euro bezahlt hatten, wollen noch diese Woche den offiziellen Protest samt schriftlicher Begründung einreichen. "Wir sind die Sieger von Spa, Lewis war Lichtjahre schneller. Mir geht nicht in den Kopf, dass er für etwas, das das Herz des Rennsports ausmacht, bestraft wird", meinte Haug mit Blick auf das bestrafte Abkürzen in der Schikane und das anschließende Überholmanöver gegen Räikkönen.
    Mit dieser Auffassung findet er breite Zustimmung. "So macht man den Sport kaputt. Die Fans wollen keine Skandale mehr", sagte der ehemalige Formel-1-Pilot Christian Danner dem sid. Der Protest könne allerdings nur Erfolg haben, wenn das Team neue Beweise vorlegen könnte. "Nur dann halte ich es für möglich, dass der gesunde Menschenverstand doch noch siegt", meinte der Münchner. Der dreimalige Weltmeister Jackie Stewart griff die FIA um den als Intimfeind von McLaren-Boss Ron Dennis geltenden Präsidenten Max Mosley an: "Angesichts dieser Entscheidung frage ich mich ernsthaft, ob die Rennkommissare geeignet sind." Stewart forderte einmal mehr, statt der bei jedem Rennen wechselnden Kommissare drei permanente hauptberufliche Stewards einzusetzen.
    Ferrari-Pilot Felipe Massa wird das wohl nicht so gut finden - er hält die Bestrafung für seinen WM-Rivalen Hamilton beim Großen Preis von Belgien für richtig: "Wäre Lewis wie vorgeschrieben durch die Schikane gefahren, dann hätte er Kimi auf er nachfolgenden kurzen Gerade wohl kaum überholen können."
    So oder so - der Titelkampf ist nach dem Skandal-Urteil völlig offen, Hamilton führt nur noch mit zwei Punkten vor Massa. Haug bleibt jedoch optimistisch, zumal Lewis Hamilton ihm versichert habe, dass er alle fünf verbleibenden Rennen gewinnen will: "Monza wird ein Rennen mit großer Brisanz. Aber im letzten Jahr haben wir dort einen Doppelsieg gefeiert - und in Spa waren wir schließlich auch die Sieger."

    5. - 7. September: GP von Belgien in Spa

    Rennergebnisse am 07.09.2008

    5. - 7. September: GP von Belgien in Spa

    ERGEBNISSE
    POSITION FAHRER TEAM ZEIT
    1 Felipe Massa Ferrari 1:22.59,394
    2 Nick Heidfeld BMW Sauber F1 + 00.09,383
    3 Lewis Hamilton McLaren-Mercedes + 00.10,539 ---> Das Ergebnis erkenne ich nur unter Protest an! Lewis ist normalerweise 1.!!!
    4 Fernando Alonso Renault F1 + 00.14,478
    5 Sebastian Vettel Scuderia Toro Rosso + 00.14,576
    6 Robert Kubica BMW Sauber F1 + 00.15,037
    7 Sebastien Bourdais Scuderia Toro Rosso + 00.16,735
    8 Mark Webber Red Bull Racing + 00.42,776
    9 Timo Glock Toyota + 01.07,045
    10 Heikki Kovalainen McLaren-Mercedes + 1
    11 David Coulthard Red Bull Racing + 1
    12 Nico Rosberg Williams F1 + 1
    13 Adrian Sutil Force India F1 + 1
    14 Kazuki Nakajima Williams F1 + 1
    15 Jenson Button Honda Racing F1 + 1
    16 Jarno Trulli Toyota + 1
    17 Giancarlo Fisichella Force India F1 + 1
    18 Kimi Räikkönen Ferrari + 2

    SCHNELLSTE RUNDE
    Kimi Räikkönen/Ferrari Zeit: 01.47,930 in Runde 24

    AUSFÄLLE
    RUNDE FAHRER TEAM AUSFALLGRUND
    14 Nelson Piquet jr. Renault F1 Fahrfehler
    20 Rubens Barrichello Honda Racing F1 Technischer Defekt
    Bilder
    • Rennergebnisse_07.09.2008.jpg

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    Hamilton hat nichts zu verarbeiten: Nichts falsch gemacht

    Hamilton hat nichts zu verarbeiten: Nichts falsch gemacht

    Lewis Hamilton betont, dass er einen Fehler selbst auch zugegeben hätte. Da er aber nichts falsch gemacht hat, hat er auch nichts aufzuarbeiten.
    Dass er nach seiner Strafe in Spa enttäuscht war, musste Lewis Hamilton nicht noch extra betonen, doch was ihn daran besonders ärgerte, war die Tatsache, dass er seiner Meinung nach nichts falsch gemach hatte. "Ich wäre der Erste, der zugeben würde, wenn ich etwas falsch gemacht hätte. Das ist für mich als Sportsmann sehr wichtig", erklärte er gegenüber der Bild. Zu verarbeiten habe er aber nichts, da er sich auch nicht schuldig fühle, betonte er. "Es wäre etwas anderes, wenn ich mein Team enttäuscht hätte, aber das habe ich nicht getan."

    Nach der Enttäuschung ist für Hamilton aber klar, dass er in Monza nur versuchen kann, den momentan in einen Sieg umgewandelten dritten Platz mit einem Triumph in der Heimat von Ferrari wettzumachen. "An etwas anderes denke ich nicht, und ich freue mich sehr darauf, in Italien das Rennen zu fahren", sagte er und meinte, dass seine Chancen auf den Titel, doch noch groß seien.

    McLaren kämpft in Monza weiter: Kämpfen im Park

    McLaren kämpft in Monza weiter: Kämpfen im Park

    Der königliche Park von Monza erlebt am kommenden Wochenende die Fortsetzung des Duells Silber gegen Rot. McLaren gegen Ferrari. Gut gegen Böse?

    Der Ärger und die Verwunderung bei McLaren Mercedes sind auch einige Tage nach der Strafe von Spa nicht verflogen. "Unserer Meinung nach hat Lewis keinen Fehler gemacht, vor allem aber hat er sich seiner Meinung nach keineswegs einen unerlaubten Vorteil verschafft", sagt Norbert Haug. Ganz im Gegenteil: "Er zeigte ein großartiges Finale mit couragierten Überholmanövern und genau das wollen die Zuschauer sehen, solche begeisternden Manöver sind das Herz der Formel 1."

    Kampf gegen Ferrari

    Dieses Herzblut soll aber nicht in Wehklagen fließen, sondern in einen Gegenschlag im Ferrari-Heiligtum in Monza. "Wir sind Kämpfer und kämpfen jetzt in Monza weiter", kündigt Haug an. Das Ziel ist klar: eine Wiederholung des Doppelsieges aus dem Vorjahr. Einfach wird das nicht, dessen ist sich Haug bewusst. "Wir werden auf der Strecke in Monza sehr viele starke Gegner haben - noch mehr als sonst", glaubt er. "Das wird kein Spaziergang im Park, sondern die ultimative Highspeed-Wettfahrt im Park."

    Mut machen dem Team die Testfahrten vor einigen Wochen. "Bei den Tests in Monza hatten wir einen guten Speed", erinnert Martin Whitmarsh. "Aber wir wissen, dass Ferrari stark sein wird; wir erwarten, dass sie im Vergleich zu uns stärker sein werden als im letzten Jahr. Dennoch sind unsere Erwartungen groß."

    Highspeed- und Fahrerstrecke

    Auch bei Hamilton: "Ich habe gute Erinnerungen an diese Strecke. Hier gewann ich vor zwei Jahren die GP2-Meisterschaft und vor einem Jahr wurde ich im Grand Prix Zweiter", sagt er. Seine erste Herausforderung ist es, die richtige Abstimmung zu finden. "Deshalb war der Test hier vor zwei Wochen sehr nützlich." Denn Monza ist eben nicht nur Topspeed. "Auch wenn alle immer wieder von Motorleistung und Topspeed sprechen, ist Monza auch eine Fahrerstrecke und das gefällt mir."

    Sein Team bringt das übliche Monza-Downforce-Paket mit. So wenig Luftwiderstand wie möglich ist gefragt. "Deshalb entfernen wir eine Reihe aerodynamischer Teile, die Downforce und damit Luftwiderstand erzeugen, etwa die kleinen Zusatzflügel an der Fahrzeugnase", erklärt Whitmarsh. "Der Heckflügel besteht nur aus einer Fläche." Das Auto müsse in Monza zudem beim Überfahren der Kerbs wie auch beim Bremsen aus den hohen Geschwindigkeiten stabil bleiben. "Es geht also nicht einfach darum, alles auf Höchstgeschwindigkeit zu trimmen, das Auto muss für alle die genannten Anforderungen gut ausbalanciert sein."

    14. Italien GP / Autodromo Nazionale di Monza

    14. Italien GP / Autodromo Nazionale di Monza

    Italien: Rote Party im königlichen Park
    Die Fans nennen den 1922 erbauten Kurs ehrfürchtig die "magische Strecke" - und das liegt nicht nur an der malerischen Lage inmitten des "Parco Reale". Nirgendwo erreichen die Formel 1-Boliden höhere Geschwindigkeiten als auf den langen Geraden von Monza, obwohl nachträglich eingefügte Schikanen wie die "Variante della Roggia" oder die "Variante Ascari" die Vollgas-Orgie inzwischen portionieren.

    Dennoch ist und bleibt Monza das Hochgeschwindigkeits-Mekka der Formel 1: Auch wenn inzwischen drei Schikanen die Fahrer auf den langen Geraden deutlich einbremsen, hat das Autodromo Nazionale nur wenig von seiner ursprünglichen Charakteristik als Top-Speed-Kurs verloren.

    Doch so eindrucksvoll Höchstgeschwindigkeiten von gut 360 km/h für Außenstehende auch erscheinen mögen - für die Formel 1-Asse stellt das Geradeausfahren bei hohem Tempo keine besondere Herausforderung dar. Als fahrerisch sehr anspruchsvoll erweist es sich allerdings, bei den geringen Abtriebswerten jeweils die Brems- und Einlenkpunkte exakt zu treffen. Und dies erweist sich als umso wichtiger, da die ideale Positionierung des Autos zum Beispiel in den Mutkurven Lesmo 1 und Lesmo 2 sowie der legendären Parabolica maßgeblich die Höchstgeschwindigkeit auf den folgenden Geraden bestimmt.

    Dass diese irren Tempi speziell für Motoren und Bremsen eine hohe Belastung darstellen, versteht sich fast von selbst. Über Sieg oder Niederlage entscheiden in Monza jedoch die aerodynamischen Qualitäten der Formel 1-Boliden, ihre Reifen und das Potenzial des Chassis. Um den Luftwiderstand zugunsten möglichst hoher Geschwindigkeiten auf den Geraden zu minimieren, rücken die Monoposti mit den flachsten Flügeleinstellungen der gesamten Saison aus. Dies bedeutet aber auch, dass die Bodenhaftung in den schnellen Kurven wie zum Beispiel der weltberühmten Parabolica kaum noch durch aerodynamischen Abtrieb unterstützt wird. Die möglichen Kurventempi hängen mehr als sonst von der Leistungsfähigkeit der Rennreifen und dem mechanischen Grip ab, den Chassis und Fahrwerk generieren.
    Bilder
    • f1_it_2008.gif

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    Vorschau: Grand Prix von Italien 2008

    Vorschau: Grand Prix von Italien 2008

    Autodromo Nazionale Monza, Italien
    Der Grand Prix von Italien am kommenden Wochenende in Monza ist der 14. Lauf zur Formel-1-Weltmeisterschaft 2008, Die 5,793 Kilometer lange Strecke im „Königlichen Park“ ist die, auf der der höchste Topspeed in der Formel 1 erzielt, und auf der mit dem niedrigsten Abtrieb gefahren wird.
    Der Italien Grand Prix wurde seit Beginn der Formel-1-Weltmeisterschaft 1950 in jedem Jahr ausgetragen, als einziger neben dem britischen Grand Prix. Auf keiner Strecke fand der Große Preis eines Landes öfter statt als der italienische in Monza - 56 von 57 Mal. Nur 1980 wechselte der Italien GP nach Imola.
    Die Geschichte des Großen Preises von Italien begann 1921 auf der 17,3 Kilometer langen Strecke von Montichiari bei Brescia. Nach 30 Runden und 519 Kilometern siegte der Franzose Goux auf einem Ballot. Im Januar 1922 fiel die Entscheidung für den Bau einer permanenten Rennstrecke im königlichen Park von Monza, am 15. Mai begannen die Bauarbeiten, die nach 110 Tagen abgeschlossen waren. Am 3. September war die Eröffnung, und eine Woche später wurde der italienische GP, der zweite überhaupt, auf der neuen Strecke ausgetragen.
    In Monza werden die höchsten Geschwindigkeiten von allen Rennstrecken im Kalender erreicht; 80 Prozent einer Runde werden unter Volllast gefahren, mehr als auf jeder anderen Strecke. Durch das mehrmalige harte Abbremsen pro Runde aus Geschwindigkeiten von rund 340 km/h werden auch die Reifen außergewöhnlich stark gefordert.

    Lewis Hamilton
    Wie gefällt dir Monza?
    „Ich habe gute Erinnerungen an diese Strecke. Hier gewann ich vor zwei Jahren die GP2-Meisterschaft und vor einem Jahr wurde ich im Grand Prix Zweiter, mein Beitrag zum Doppelsieg unseres Teams. Wie ich bereits vor Spa sagte, mag ich die historischen Rennstrecken. Monza gehört ganz bestimmt dazu. Es ist hier nicht einfach, eine gute Abstimmung zu finden, deshalb war der Test hier vor zwei Wochen sehr nützlich. Die Autos werden hier stark beansprucht und für eine gute Rundenzeit musst du immer wieder über die Kerbs fahren. Auch wenn alle immer wieder von Motorleistung und Topspeed sprechen, ist Monza auch eine Fahrerstrecke und das gefällt mir.“

    Kann man in Monza überholen?
    „Um in Monza eine Chance zum Überholen zu haben, muss man in der letzten Kurve so nah wie möglich hinter dem vorausfahrenden Fahrzeug bleiben. Wenn man ausgangs der Parabolica und über die Start-Ziel-Gerade im Windschatten fährt, kann man eingangs der ersten Kurve probieren, innen vorbei zu kommen. Dies ist die beste Stelle zum Überholen. Man kann auch versuchen, gut aus der ersten Schikane zu beschleunigen und dann vor der zweiten Schikane zu überholen, aber da ist es nicht so leicht.“

    Heikki Kovalainen
    Warum ist Monza für die Fahrer so besonders?
    „Auf dieser Strecke ist die Höchstgeschwindigkeit besonders wichtig. Wir fahren mit minimalem Abtrieb und das führt dazu, dass sich die Autos hier ganz leicht anfühlen, fast so, als hätte man sie nicht ganz unter Kontrolle. Nicht nur die Flügel, so flach wie sonst nie in der Saison, auch einige andere Teile werden nur in Monza eingesetzt. Neben dem geringen Abtrieb brauchen wir hier vor allem Stabilität beim Bremsen und guten mechanischen Grip in den Kurven.“

    Was ist aus deiner Sicht die Schlüsselstelle in Monza?
    „Die Parabolica ist eine Schlüsselstelle, sie geht voll und du fährst die ganze Zeit am Limit. Das ist nicht einfach, weil sich das Auto so leicht anfühlt. Aber nur, wenn man hier richtig schnell ist, kommt man auch auf der sich anschließenden Start-Zielgeraden auf optimalen Topspeed und eine gute Rundenzeit.“

    Martin Whitmarsh
    Vodafone McLaren Mercedes zeigte bei den Testfahrten in Monza gute Leistungen. Wie schätzen Sie die Chancen des Teams ein?
    „Lewis und Heikki waren in Monza zuletzt gut unterwegs; beide mögen die Strecke und freuen sich auf das Rennen. Bei den Tests in Monza hatten wir einen guten Speed. Aber wir wissen, dass Ferrari stark sein wird; wir erwarten, dass sie im Vergleich zu uns stärker sein werden als im letzten Jahr. Dennoch sind unsere Erwartungen groß.“

    Wie wurden die Autos an den Hochgeschwindigkeitskurs von Monza angepasst?
    „Da Monza die Strecke mit den höchsten Geschwindigkeiten aller Strecken im Formel-1-Kalender ist, fahren wir hier mit so wenig Luftwiderstand wie möglich. Deshalb entfernen wir eine Reihe aerodynamischer Teile, die Downforce und damit Luftwiderstand erzeugen, etwa die kleinen Zusatzflügel an der Fahrzeugnase. Der Heckflügel besteht nur aus einer Fläche. Das Auto muss in Monza zudem beim Überfahren der Kerbs wie auch beim Bremsen aus den hohen Geschwindigkeiten stabil bleiben. Es geht also nicht einfach darum, alles auf Höchstgeschwindigkeit zu trimmen, das Auto muss für alle die genannten Anforderungen gut ausbalanciert sein. Das ist eine ganz besondere Aufgabenstellung.“

    Norbert Haug
    Wie groß war Ihre Enttäuschung nach der Entscheidung der Sportkommissare in Spa?
    „Bei den äußerst schwierigen Bedingungen, die wir gerade in den letzten Runden in Spa erlebten, war Lewis klar am besten unterwegs. Er zeigte ein großartiges Finale mit couragierten Überholmanövern und genau das wollen die Zuschauer sehen, solche begeisternden Manöver sind das Herz der Formel 1. Unserer Meinung nach hat Lewis dabei keinen Fehler gemacht, vor allem aber hat er sich seiner Meinung nach keineswegs einen unerlaubten Vorteil verschafft. Umso unverständlicher ist die Bestrafung für uns und dies wird auch von den Allermeisten außerhalb unseres Teams nicht anders gesehen. Aber wir sind Kämpfer und kämpfen jetzt in Monza weiter.”

    Warum ist Monza so speziell?
    „Mit Durchschnittsgeschwindigkeiten von rund 250 km/h pro Runde und einem Topspeed von über 340 km/h Ende der Start-Ziel-Geraden ist Monza die Rennstrecke im Kalender auf der die höchsten Geschwindigkeiten erzielt werden. Insgesamt erreichen die Formel-1-Fahrzeuge vier Mal pro Runde Tempi von mehr als 320 km/h. Auf der Start-Zielgeraden wird 16 Sekunden lang mit Vollgas gefahren. Wir starten in Monza mit den Motoren, die bereits am vergangenen Wochenende in Spa zum Einsatz kamen. Die Kombination dieser beiden Strecken stellt mit Abstand die höchste Belastung für ein Formel-1-Triebwerk dar.“

    Der Grand Prix in Monza ist das „Ferrari-Heimspiel“ – was erwarten Sie?
    „Natürlich wäre es schön, wenn wir ein ähnliches Ergebnis schaffen könnten wie letztes Jahr bei unserem Doppelsieg. Wir werden auf der Strecke in Monza sehr viele starke Gegner haben – noch mehr als sonst. Das wird kein Spaziergang im Park, sondern die ultimative Highspeed-Wettfahrt im Park.“

    Norbert Haug im Interview mit der dpa

    Norbert Haug im Interview mit der dpa
    Strittiges Hamilton-Manöver war «erlaubte Besserleistung»

    Dpa-Interview vom 08.09.2008
    Stuttgart (dpa) - Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug hat seine Kritik an der Aberkennung des Sieges von Lewis Hamilton beim Großen Preis von Belgien erneuert. Das strittige Manöver des Briten gegen Ferrari-Fahrer Kimi Räikkönen sei eine «erlaubte Besserleistung» gewesen, die «das Herz des Formel-1-Sports» seien, sagte Haug am Montag im Interview «Drei Fragen, drei Antworten» der Deutschen Presse-Agentur dpa. Eine Präzisierung des Regelwerks hält Haug trotz des Protests der Silberpfeile gegen die Entscheidung der Rennkommissare aber nicht für notwendig.

    Wann rechnen Sie mit einer Entscheidung über Ihren Protest gegen die Strafe gegen Hamilton?
    Haug: «Das Thema wird geprüft. Klar ist, dass Lewis einen Nachteil hatte, nachdem ihm Kimi in der Schikane - worüber wir uns nicht beklagt haben - keinen Platz gelassen hat. Zurück auf der Strecke ließ Lewis Kimi vorbei - wie es die Regeln vorschreiben, wenn der Weg über die Wiese in einer Schikane nach Metern kürzer als der auf der Rennstrecke ist. In der nächsten Kurve hat Lewis Kimi dann überholt - Kimi ließ die Tür dazu offen. Ein grandioses Manöver - und das, obwohl Lewis nach Schikane und Wiese vom Gas gehen und sich überholen lassen musste.»

    Wie hat Lewis Hamilton auf die Strafe reagiert?
    Haug: «Wir sind zusammen zum Flughafen gefahren und Lewis grinste mich an und sagte: 'Jetzt wollen wir möglichst alle verbleibenden Rennen gewinnen.' Ich habe nicht widersprochen - auch wenn es noch ziemlich viele sind.»

    Muss das Formel-1-Regelwerk für Fälle wie diesen klarer formuliert werden?
    Haug: «Nein. Man muss nur richtig einschätzen, was ein Vorteil und was ein Nachteil ist. Die Rennkommissare hatten dazu eine andere Ansicht als wir. Ich respektiere ihre und ich bin sicher, sie werden auch unsere respektieren - und die ist sportlich. Lewis hatte aus unserer Sicht einen Nachteil - wer hat zuletzt in der Formel 1, nachdem er freiwillig vom Gas ging, 300 Meter später einen ebenbürtigen Wettbewerber überholt? Lewis war und bleibt der Beste der letzten Runden von Spa 2008 - statt 10 Punkte, die der Sieger bekommt, hat er augenblicklich nur 6. Nach meiner Einschätzung hat Lewis nicht durch einen unerlaubten Vorteil überholt, sondern vielmehr durch eine erlaubte Besserleistung - eine wie wir sie alle sehen wollen, weil solche Leistungen das Herz des Formel 1-Sports sind.»

    Hamilton wehrt sich weiter: Wenn er nicht die Eier hat

    Hamilton wehrt sich weiter: Wenn er nicht die Eier hat

    Lewis Hamilton beteuert weiter, in Spa nichts falsch gemacht zu haben. Rachegelüste hat er zwar keine, aber er glaubt, dass er im Ferrari-Land gewinnen kann.

    Die Strafe gegen Lewis Hamilton in Spa beschäftige am Donnerstag das ganze Paddock von Monza - inklusive Hamilton selbst. Denn der Brite entging bei seinem Treffen mit den Medien den Fragen nach der Strafe natürlich nicht und musste dabei wieder einmal betonen, dass er sich keiner Schuld bewusst ist. So hätte er eine Kollision mit Kimi Räikkönen riskiert, wenn er nicht durch den Notausgang gefahren wäre, erklärte er. Und auch danach habe er keinen Vorteil gehabt. "Es ist nicht wahr, dass ich durch das Manöver beim Beschleunigen mehr Grip hatte. Ich bin bei solchen Bedingungen immer stark. Man hat den Grip, den man zu spüren glaubt. Kimi war vor mir. Wenn er nicht die Eier hat, spät zu bremsen, dann bremst er halt früher als ich", sagte er.

    Mit der Meinung scheint der Brite unter den Fahrern allerdings recht alleine dazustehen. Fernando Alonso sah die Strafe gerechtfertigt und auch die bei der offiziellen Pressekonferenz anwesenden Piloten waren mit Hamiltons Fahrverhalten nicht zufrieden. "Hamilton hat schon zum zweiten Mal so einen Fehler gemacht und nichts gelernt. In Magny Cours bekam er eine Strafe, weil er Vettel durch die Auslaufzone überholt hat und danach den Platz nicht mehr ganz zurückgegeben hat. Ich verstehe nicht, warum es so viel Aufregung wegen der Strafe gibt", sagte etwa Sebastien Bourdais.

    Zu recht aber hart bestraft

    Giancarlo Fisichella, Nico Rosberg und Jarno Trulli meinten ebenfalls, dass Hamilton trotz des Zurückfallens hinter Räikkönen einen Vorteil hatte. So meinte Trulli, dass der Brite nicht gleich wieder vorbeifahren hätte sollen, sondern etwas warten hätte müssen - zumindest eine Kurve. Der Toyota-Pilot verstand aber auch, dass gerade die großen Auslaufzonen dazu einladen, so etwas zu machen. Die vier waren sich aber alle einig, dass die Strafe etwas hart war. Felipe Massa, der ebenfalls bei der Pressekonferenz dabei war, sah es natürlich etwas anders und fand die Strafe in Ordnung, da Hamilton seiner Meinung nach einen klaren Vorteil hatte. Hamilton selbst konnte dazu nur sagen: "Jeder kann seine eigene Meinung dazu haben. Es ist leicht, da ein Urteil zu fällen, wenn man nicht in die Szene involviert ist oder nicht um den Sieg mitfährt."

    Der McLaren-Fahrer musste zugeben, dass ihm die Aberkennung des Sieges dann doch weh getan hatte, auch wenn er es damit abtat, dass dies eben der Motorsport sei und man so etwas erwarten müsse. Seinen eigentlichen Sieg hatte er aber doch recht intensiv erlebt. "Ich hatte das Gefühl, es sei der Traum eines jeden Fahrers, in Spa zu gewinnen und wenn man bei solchen Bedingungen gewinnt und auf so tolle Art - ich war so aufgeregt. Mein Herz ist in den letzten Runden richtig gesprungen. Ich war mit meiner Arbeit echt zufrieden", erzählte er. Am Ende kam es dann doch anders, doch der Brite will nun einfach sicherstellen, dass die Strafe keine Auswirkungen auf den Ausgang der Weltmeisterschaft hat. "Ich bin noch zwei Punkte vorne und wir werden sicherstellen, dass wir weiter angreifen und so abschneiden wie in den vergangenen beiden Rennen."

    Mit dem Paket ist der McLaren-Pilot voll und ganz zufrieden und er meinte, wenn die Strafe irgendwas bewirkt hat, dann nur, dass man nun noch mehr Antrieb hat. "Ich fühle mich toll. Bei den nächsten Rennen wird unser Auto genauso passen wie in Spa, also werden wir einfach schauen, dass wir die bestmögliche Arbeit machen." Nach Rache trachtet er allerdings nicht, denn so eine Person will er nicht sein. "Wir haben einfach eine tolle Saison und kämpfen gegen die Ferrari, was eine echte Freude ist. Sie sind ein tolles Team und das sind wir auch. Wir kämpfen so hart und es hängt wirklich nur davon ab, wer die bessere Arbeit leistet", erklärte er. Ein Sieg auf Ferrari-Territorium würde ihn deswegen auch freuen.

    Die FOTA nimmt die Arbeit auf: Die Ziele stehen fest

    Die FOTA nimmt die Arbeit auf: Die Ziele stehen fest

    Die Vereinigung der zehn Formel-1-Teams hat ihre Arbeit aufgenommen und die grundlegenden Ziele bekannt gegeben.

    Am Donnerstagnachmittag trafen sich die Vertreter aller zehn Formel-1-Teams in Monza, um die Prinzipien der neuen "Formula One Teams Association", kurz FOTA, zu verabschieden. Wie erwartet wurde Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo zum FOTA-Vorsitzenden ernannt. Sein Stellvertreter ist Toyota Motorsport-Präsident John Howett.

    Zudem wurden drei Kommissionen gegründet: die Sportliche Arbeitsgruppe wird von McLaren-CEO Martin Whitmarsh geführt, die Technische Arbeitsgruppe leitet Honda-Teamboss Ross Brawn und die Kommerzielle Arbeitsgruppe übernimmt Renault-Boss Flavio Briatore. Alle nehmen sofort ihre Arbeit auf, um die folgenden Ziele der FOTA zu erreichen:

    - die Entwicklung, das weltweite Image und den Ruf der F1 zu verbessern
    - die Interessen der Mitglieder zu vertreten und zu verteidigen
    - den Mitgliedern Diskussionen innerhalb der FOTA zu allen F1-Themen zu ermöglichen
    - die Zusammenarbeit mit der FIA zu übernehmen, insbesondere bei der Übermittlung von Vorschlägen für Regeländerungen
    - die Kooperation mit dem kommerziellen Rechteinhaber zu handhaben.

    Allgemein benennt die FOTA die Verbesserung des Spektakels, die Reduzierung der kosten und die Erhöhung der Einnahmen als ihre Hauptziele.

    Coulthard versteht die Aufregung nicht

    Coulthard versteht die Aufregung nicht: Klarstellen und weitermachen

    David Coulthard glaubt nicht, dass Spa, die Strafe und ihre Nachwirkungen die Formel 1 noch lange beschäftigen werden. Er versteht die ganze Aufregung nicht.

    Viele riefen den Tod der Formel 1 aus, nachdem Lewis Hamilton in Spa der Sieg aberkannt worden war, einige hielten die FIA für endgültig unglaubwürdig und einen Skandal wollte sowieso jeder sehen. David Coulthard findet den mutmaßlichen Skandal und die ausgerufenen weitreichenden Folgen absolut übertrieben. "Man kann das alles bis ins Kleinste analysieren und sagen, das ist schlecht für die Kinder und so weiter. Wenn man sich all diese Dinge ansehen will, dann wird man das immer so sehen. Man kann aber zwei Dinge im Leben machen - man kann bei der Vergangenheit hängen bleiben oder man kann versuchen, die Dinge klarzustellen und dann weiterzumachen. So führe ich mein Leben", betonte der Schotte.

    Und anscheinend wird bald alles klargestellt sein. So kündigte Coulthard an, dass im Fahrerbriefing das Thema angesprochen wird, in weiterer Folge ausdiskutiert wird, unter welchen Bedingungen man jetzt fährt und dann werde die Formel 1 auch weitergehen. "Und wenn einige Fans gehen sollten, werden andere kommen. Das ist der natürliche Weg des Lebens." Zur eigentlichen Strafe meinte er, dass es immer Fahrer und Menschen geben wird, die mit Strafen zufrieden sind oder nicht. Für ihn sei es wichtig, dass konstant gestraft wird. "Ob ihr es mögt, ob ich es mag, ob Lewis es mag oder ob es tausende Fans mögen oder nicht, sie sind die Stewards, sie sind die Polizei unseres Sports und sie müssen in ihrem Verhalten konstant sein", erklärte Coulthard.

    Und der Schotte musste noch etwas weiter ausholen. So betonte er, dass die Formel 1 ein Sport sei und für den gebe es festgelegte Regeln und Vorschriften. "Und die Rennstrecke wird durch weiße Linien festgelegt. In Monaco kürzt man keine Kurven ab, man trifft Absperrungen. Man kann jetzt argumentieren, dass dies nicht Monaco war, aber der Fahrer hätte die Kurve respektiert, wenn dort eine Absperrung gewesen wäre. Lewis wusste, es gibt keine Absperrung, also schnitt er ab. Er ist da nicht absichtlich durchgefahren, er machte es, weil er Seite an Seite mit Kimi fahren wollte und Kimi ihn in der Position zerquetscht hat. Aus Fahrersicht musst du die weißen Linien als Absperrung sehen."

    Qualifying - Regenpole für Vettel: Favoritensterben im Q2

    Qualifying - Regenpole für Vettel: Favoritensterben im Q2

    Sebastian Vettel startet in Monza von der Pole Position. Lewis Hamilton und Kimi Räikkönen stehen nur im Mittelfeld.

    Der Regen von Monza schenkte der Formel-1-Welt ein spannendes Qualifying und die erste deutsche Pole seit Michael Schumacher: Sebastian Vettel startet am Sonntag im Toro Rosso von der Pole Position in den Großen Preis von Italien. Der Deutsche setzte sich in der Regenschlacht im königlichen Park um 0.076 Sekunden gegen McLaren-Pilot Heikki Kovalainen durch.

    "Unglaublich, was soll ich sagen?", freute sich der jüngste Pole-Setter in der F1-Geschichte. "Heute Morgen habe ich mit meinen Ingenieuren gescherzt und gesagt: wenn es nass sein sollte, holen wir uns die Pole. Es ist unglaublich, dass es geklappt hat." Die Bedingungen seien aufgrund des Aquaplaning sehr schwierig gewesen, insbesondere in der Ascari-Schikane. "Aber ausgerechnet beim Heimrennen von Toro Rosso hätte ich mir das nie erträumt. Ich bin hin und weg."

    Für den Sonntag bremst er die Euphorie aber: "Man darf nicht erwarten, dass wir jetzt um den Sieg mitfahren werden. Unser Ziel ist es, bestmöglich abzuschneiden und ein paar Punkte mitzunehmen." Das sieht Gerhard Berger ähnlich. "Wir sollten realistisch sein, wenn es regnet, haben wir natürlich tolle Chancen, aber es birgt auch Gefahren", sagte er. "Wenn es trocken ist, werden die McLaren und Ferrari wohl die Schnellsten sein."

    Zuversichtliche Verfolger

    Heikki Kovalainen war auf seiner letzten Runde knapp dran, Vettel schon im nassen Qualifying zu schlagen. "Es war sehr eng", sagte der Finne. "Meine erste Runde im Q3 war nicht so gut, dann hat es etwas mehr geregnet, auf der letzten Runde habe ich noch mal alles gegeben, aber der Grip war nicht mehr ausreichend." Dennoch sieht er sich in einer guten Ausgangsposition für das Rennen. "Das Auto hat sich unter allen Bedingungen gut angefühlt. Es ist im Trockenen gut, die Tests waren okay. Wir haben ein gutes Rennen vor uns."

    Platz 3 belegt Red Bull-Fahrer Mark Webber vor dem zweiten Toro Rosso von Sebastien Bourdais, der erst in allerletzter Sekunde vom Australier verdrängt wurde. Damit starten drei Red Bull-Autos aus den ersten beiden Reihen und zwei ehemalige Minardi sind unter den Top-4. "Toro Rosso gehört zu Red Bull, also erst einmal Glückwunsch an Sebastian zu seiner ersten Pole", sagte Webber. "Es war schwer, eine saubere Runde hinzulegen. Am Anfang von Q3 konnte ich meine Bremspunkte nicht richtig sehen. Zum Schluss habe ich noch mal eine gute Runde erwischt."

    Der zweitbeste Deutsche war Nico Rosberg auf Position 5. Er startet neben Felipe Massa und vor Jarno Trulli und Fernando Alonso, die in Reihe vier Aufstellung beziehen werden. Die fünfte Reihe gehört zwei Deutschen: Timo Glock und Nick Heidfeld.

    Frühes Aus für die Favoriten

    Für zwei Favoriten war schon im zweiten Qualifying Schluss: Kimi Räikkönen und Lewis Hamilton schieden schon im Q2 aus, in dem auch BMW Sauber-Pilot Robert Kubica hängen blieb. Bei Hamilton ist eine taktische Fehleinschätzung für das frühe Ausscheiden verantwortlich: Hamilton startete seinen ersten Angriff im Q2 auf Intermediates, die für die Streckenverhältnisse jedoch nicht gut genug waren.

    Nachdem er auf Regenreifen gewechselt hatte, war es zu nass, um noch in die Top10 zu fahren. Somit startet Hamilton als 15. ins Rennen. Übrigens: kurz nach dem Ende des Q2 hörte es fast auf, zu regnen. "Wir sind alle vom Wetter überrascht worden", begründete Ron Dennis den Fehler. "Die Vorhersage waren noch 4, 5 Minuten kein Regen, deshalb sind wir mit Intermediates raus gefahren. Aber dann hat es geschüttet." Räikkönen steht nur einen Startplatz vor Hamilton auf 14. Ebenfalls in der zweiten Session schieden Kubica, Giancarlo Fisichella und David Coulthard aus.

    Das Qualifying im Überblick
    1. Session
    Zwischenfälle: Regen; Dreher Heidfeld (ohne Folgen)
    ausgeschieden: Barrichello, Piquet, Nakajima, Button, Sutil
    Top-6: Kovalainen, Hamilton, Vettel, Rosberg, Massa, Bourdais
    2. Session
    Zwischenfälle: Regen; Dreher Hamilton und Kubica, Ausritt Räikkönen und Massa (alle ohne Folgen)
    ausgeschieden: Kubica, Fisichella, Coulthard, Räikkönen, Hamilton
    Top-6: Vettel, Kovalainen, Rosberg, Trulli, Bourdais, Webber
    3. Session
    Zwischenfälle: Regen; Dreher Bourdais
    Top-6: Vettel, Kovalainen, Webber, Bourdais, Rosberg, Massa

    Reifenwahl kostet Hamilton die Top10

    Reifenwahl kostet Hamilton die Top10: Opfer der Wettervorhersage

    Wettervorhersagen sind eine gefährliche Sache, das musste Lewis Hamilton am Samstag am eigenen Leib erfahren.

    Die Pole Position von Sebastian Vettel war eine Überraschung, ja, aber im Regen kann so etwas schon einmal passieren. Die viel größere Überraschung war das Ausscheiden des WM-Spitzenreiters Lewis Hamilton im zweiten Qualifying. "Lewis wurde das Opfer einer ungenauen Vorhersage", begründete Teamchef Ron Dennis den Patzer. "Wie sich zeigte, gab es nur ein kleines Zeitfenster für eine schnelle Runde, und das hat er leider verpasst."

    Hamilton entschied sich zusammen mit seinen Ingenieuren das 2. Qualifying mit Intermediates anzugehen, da er davon ausging, dass die Strecke abtrocknen würde. "Doch obwohl es anfangs eine trockene Linie gab, war dort kaum Grip und ich fuhr wieder an die Box zum Reifenwechsel", erklärte Hamilton. "Als ich zurück auf die Strecke fuhr, regnete es erneut heftiger und ich konnte deshalb nicht mehr schnell genug fahren, um die Top10 zu erreichen, zumal auch die Bremspunkte vor den Kurven schlecht zu erkennen waren."

    Jetzt kündigt er an, im Rennen alles zu geben. "Ich habe immer noch eine Chance, mich nach vorne zu kämpfen." Das glaubt auch sein Boss. "Auch wenn sein Startplatz alles andere als ideal ist, hat er noch immer die Chance auf ein gutes Ergebnis", so Dennis, "gerade, wenn das Wetter so wechselhaft bleibt." Trotzdem musste Norbert Haug eingestehen, dass angesichts des Titelkampfes genau dies nicht hätte passieren dürfen. "Doch nach so vielen guten Qualifying-Ergebnissen müssen wir auch so ein Resultat akzeptieren", sagte er. "Die Konkurrenten von Lewis sind nicht allzu weit entfernt, was immerhin noch positiv ist."

    Dennis glaubt sogar, dass einige der schnelleren Fahrer eher auf eine Regenabstimmung gesetzt haben, die für sie in einem trockenen Rennen zum Boomerang werden könnte. "Viele Fahrer fuhren heute mit viel Downforce", sagte Dennis. "Das wird ihnen morgen nicht gut tun." McLaren sei hingegen gut gerüstet. "Morgen ist ein neuer Tag und wir werden kämpfen und uns darauf konzentrieren, diesmal mit beiden Autos einen besseren Job zu machen als heute", kündigte Haug an.

    Bereits am Samstag gut unterwegs war Heikki Kovalainen, er fuhr immerhan auf Platz 2 in die erste Startreihe. "Das war ein harter Kampf und ich verpasste die Pole Position um 76 Tausendstelsekunden", sagte er. "Leider war mein erster Run im letzten Teil des Qualifyings nicht ganz perfekt." Da der Regen anschließend stärker wurde, war kaum noch eine Verbesserung für ihn drin. "Auf meiner letzten Runde probierte ich es noch einmal, aber es gab einfach nicht genug Grip, um Sebastian Vettel zu schlagen - aber auch der zweite Startplatz ist eine gute Ausgangsbasis für das Rennen. Unser Auto war im Trockenen wie im Nassen schnell, ich bin zuversichtlich für morgen."

    Motorwechsel bei Massa: Den Joker gezogen

    Motorwechsel bei Massa: Den Joker gezogen

    Bei Felipe Massas Ferrari musste am Sonntagmorgen der Motor gewechselt werden, nachdem bei der Analyse ein paar Auffälligkeiten erkannt wurden. Um beim Heimrennen keinen Motorschaden zu riskieren, entschied sich das Team deswegen, gleich nachdem das Auto aus dem Parc Fermé gekommen war, das Aggregat zu tauschen. Da in diesem Jahr jeder Fahrer einen Motorwechsel frei hat, wird der Brasilianer aber nicht bestraft. Kimi Räikkönen hat seinen Joker dieses Jahr bereits benutzt.

    Vettel gewinnt in Monza: Der nächste deutsche Sieger

    Vettel gewinnt in Monza: Der nächste deutsche Sieger

    Deutschland hat wieder einen GP-Sieger: Sebastian Vettel gewann in Monza als erster Deutscher seit Michael Schumacher einen Grand Prix.

    Der Jubel war unbeschreiblich: Sebastian Vettel holte sich im verregneten Qualifying von Monza seine erste Pole Position in der Formel 1 und wurde damit der jüngste Pole-Mann der Geschichte. "Es war immer mein Traum, in der Formel 1 zu fahren. Danach war es mein Traum, die erste Pole Position zu holen und jetzt ist es mein Traum, den ersten Sieg zu holen", sagte er. Nur einen Tag später komplettierte der Toro Rosso-Pilot aus Heppenheim seinen Traum: Vettel kürte sich im Regen-GP von Monza zum jüngsten Grand Prix Sieger aller Zeiten. Es war der erste Sieg für Toro Rosso, das ehemalige Minardi-Team, Gerhard Berger als Teammitbesitzer und eines der beiden Red Bull Teams.

    Unglaublicher Debütsieg für Vettel

    "Das gesamte Rennen verlief wie am Schnürchen", strahlte der stolze Sieger. "Als ich die Zielflagge gesehen habe, war alles vergessen. Es war alles unglaublich. Der beste Tag meines Lebens. Diese Bilder, diese Emotionen, das werde ich nie vergessen." Der erste Sieg sei so viel besser als man es sich in den kühnsten Träumen vorstellen könne. "Wer hätte das zu Saisonbeginn erwartet? Fantastisch, ich bin sprachlos."

    Niki Lauda hatte es am Samstag nach der Pole schon angekündigt: "Wenn es regnen sollte, traue ich Vettel den Sieg zu." Genau das trat ein. "Traumhaft", sagte Gerhard Berger kurz nach der Zieldurchfahrt seines Fahrers im TV-Interview. "Nach 20 Jahren wieder ein Sieg in Monza. Fantastisch." Berger gewann 1988 nur wenige Wochen nach dem Tode von Enzo Ferrari den Italien GP in Monza in einem Auto aus Maranello. Diesmal wurde Vettels Siegerwagen aus der Feder von Adrian Newey immerhin von einem Ferrari-Motor angetrieben. "Das ist absolut der schönste Moment", so Berger weiter. "Bei so einem Rennen weiß man bis zur Zielflagge nie, was passiert. Es war kein Glück, kein Zufall dabei, es war eine super Leistung. Er hat den Sieg herausgefahren."

    Start hinter dem Safety Car

    Das Rennen begann undramatisch hinter dem Safety Car. Die nasse Fahrbahn und der leichte Nieselregen veranlassten die Rennleitung dazu, auf Nummer sicher zu gehen und keinen stehenden Start zu wagen. Der erste Pechvogel war Sebastien Bourdais: sein Toro Rosso sprang auf Startplatz 4 nicht an, er ging mit einer Runde Rückstand aus der Box ins Rennen. Nach zwei Runden verließ das Safety Car die Strecke und gab Sebastian Vettel die Fahrt frei.

    Vettel fuhr mit einem Setup, das eher auf trockene Bedingungen eingestellt war. Das verhalf ihm auch im Regen zu höheren Topspeeds. "So konnte ich bald einen Vorsprung herausfahren", erklärte er. "Ich habe hart gepusht, bin manchmal sogar über das Limit hinausgegangen und habe das Auto beinahe verloren." Letztlich zählte aber nur eins: "Ich habe die Pole geholt, das Rennen gewonnen, ich weiß nicht, was ich sagen soll."

    Regenschlacht von Monza

    Nach dem Start entwickelte sich eine Regenreifenschlacht im königlichen Park, dessen Asphalt im Laufe des Rennens immer weiter abtrocknete, obwohl einige Teams mehrmals neuerliche Regenschauer ankündigten, die jedoch nie kamen. Entsprechend konnten die Fahrer ab Rennmitte auf Intermediates statt auf Regenreifen setzen.

    Das kostete Lewis Hamilton einen möglichen Sieg. Denn der Brite war zuvor auf Regenreifen unaufhaltsam durch das Feld geschnitten und lag schon auf Platz 2 hinter Vettel, als er zu seinem einzigen geplanten Boxenstopp an die Box ging und erneut mit Regenreifen ausrückte. Aufgrund der abtrocknenden Strecke musst er jedoch in Runde 36 noch mal einen Reifenwechsel durchführen und auf Intermediates wechseln. Das warf den WM-Leader bis knapp außerhalb der Punkte zurück.

    Hamilton erkämpfte sich Punkte

    Hamilton kämpfte sich jedoch noch um ein paar Plätze nach vorne, um vor Mark Webber als Siebter zwei WM-Punkte mitzunehmen. Sein Titelkonkurrent Felipe Massa kam direkt vor ihm als Sechster ins Ziel. Nick Heidfeld erkämpfte sich als Fünfter ein paar Punkte. Vor ihm kam Fernando Alonso für Renault ins Ziel. Das Podium komplettierten neben Vettel der zweite McLaren-Pilot Heikki Kovalainen, der Vettel das ganze Rennen nicht das Wasser reichen konnte, und Robert Kubica für BMW Sauber.

    "Sebastian und Toro Rosso waren das gesamte Wochenende super stark", erkannte Kovalainen die Leistung des Siegers an. "Am Anfang des Rennens hatte ich Probleme mit den Regenreifen und auch damit, die Bremsen auf Temperatur zu bringen. Ich habe gekämpft, versucht, schneller zu fahren. Aber nur gegen Ende wurde es etwas besser, aber Platz 2 war das Beste, was wir heute herausholen konnten."

    Ein Sieg war für Hamilton drin: Zu wenig Regen

    Ein Sieg war für Hamilton drin: Zu wenig Regen

    Schon wieder musste Lewis Hamilton mit dem Wetter hadern: Im Qualifying war es zu viel Regen für Intermediates, im Rennen zu wenig für Regenreifen.

    Lewis Hamilton wusste, dass von Startplatz 15 ein hartes Rennen vor ihm liegen würde. Entsprechend aggressiv ging er zu Werke, kämpfte gegen alles und jeden und zeigte ein Überholmanöver nach dem anderen. "Ich glaube, ich fuhr ein sehr gutes Rennen und so lange es noch richtig nass war, verbesserte ich mich rasch", sagte der Brite. "Wenn es weiter geregnet hätte, wäre trotz des 15. Startplatzes vielleicht sogar der Sieg drin gewesen."

    Doch sein Vorwärtsdrang auf Regenreifen wurde von einer abtrocknenden Strecke eingebremst. "Wenn es weiter geregnet hätte und er bei seiner Ein-Stopp-Strategie hätte bleiben können, wäre vielleicht sogar ein Podiumsplatz möglich gewesen", glaubt sein Teamchef Ron Dennis. "Doch er musste einen außerplanmäßigen Boxenstopp einlegen, um von den Schlechtwetterreifen auf Intermediates zu wechseln und fiel dadurch wieder zurück." Zunächst habe er auch danach schnell wieder aufgeholt, doch dann überhitzten seine Reifen auf der abtrocknenden Strecke und er verlor Grip.

    "Als die Strecke abtrocknete, überforderte ich meine Reifen und musste meinen Platz gegen Mark Webber verteidigen", erklärte Hamilton. "So ging es letztendlich um Schadensbegrenzung: Ich holte zwei Punkte und bleibe in der Weltmeisterschaft vorn." Am wichtigsten war es aus seiner Sicht, dass er im gesamten Rennen seine Pace zeigen konnte. "Jetzt freue ich mich auf Singapur, wo ich genauso stark sein möchte, egal ob im Nassen oder Trockenen - ich mache mir keine Sorgen."

    Kovalainen nicht schnell genug

    Anstelle von Hamilton wollte eigentlich Heikki Kovalainen um den Sieg kämpfen. Doch der Finne konnte zu Rennbeginn nicht mit dem Toro Rosso von Sebastian Vettel mithalten. "Bei den heutigen schwierigen Wetterbedingungen hatte ich Probleme, die Bremsen auf Temperatur zu halten", begründete er den Unterschied zu Vettel. "Zudem funktionierten die Schlechtwetterreifen zu Beginn nicht optimal." Zunächst dachte er, das würde sich nach ein paar Runden bessern, aber die Probleme blieben. "Erst am Ende konnte ich so schnell fahren wie Sebastian Vettel vor mir. Unter diesen Umständen war er heute zu schnell für uns."

    Dennis lobte Kovalainen trotzdem: "Heikki fuhr ein gutes Rennen und holte acht wertvolle WM-Punkte." Die Sicht sei im Regen furchtbar gewesen, weshalb Kovalainen sich richtig entschieden habe, sich zu Beginn etwas hinter Vettel zurückfallen zu lassen. "Wir glaubten, er könne später wieder aufholen, doch als der Regen nachließ, hatte er nicht mehr genug Grip."

    Massa baut nicht auf Hilfe: Räikkönen verspricht keine Hilfe

    Massa baut nicht auf Hilfe: Räikkönen verspricht keine Hilfe

    Bei Ferrari sind die Kräfteverhältnisse nach Monza noch klarer, dennoch klingen beide Fahrer recht eigenbrötlerisch.

    Felipe Massa war in Monza letztendlich zwar vor Lewis Hamilton gelandet, angesichts der Ausgangslage und der zwischenzeitlichen Rennsituation war aber klar, dass Hamilton eigentlich der Stärkere gewesen war. Massa wollte sich die Laune deswegen aber nicht verderben lassen, hatte er doch einen Punkt aufgeholt. "Wir sind vor ihm angekommen und müssen zufrieden sein. Das ist ein wichtiges Ergebnis", sagte der Brasilianer. Er erkannte aber an, dass Hamilton ein sehr gutes Rennen gefahren hatte und ohne einen Strategiefehler wohl weiter vorne gelandet wäre. "Er hatte lange Leute vor sich, die auch lange draußen waren. Er hatte es mit der Strategie sogar noch schlechter als wir, da er zuerst die falschen Reifen drauf hatte und dann noch einmal hereinkommen musste. Ohne das hätte er auf das Podest fahren können."

    Voll zufrieden war Massa natürlich nicht, denn auch er hätte weiter vorne landen können, wenn die Strategie bei ihm besser gepasst hätte. "Wir haben gestern mit einem Trockenrennen gerechnet und dafür eine passende Strategie gewählt. Heute war es dann völlig anders", berichtete er. Und das rächte sich, denn beim entscheidenden Reifenwechsel musste er noch einmal auf Heavy Wets, während ein paar Runden später andere Fahrer bereits auf normale Regenreifen gehen konnten. "Da waren am Ende drei oder vier Autos vor mir, die eigentlich hinter mir waren", sagte er.

    Massa macht sein Ding

    Eine Frage, der Massa nicht ausweichen konnte, war jene, ob er nun nicht erst recht damit rechne, dass ihm Kimi Räikkönen hilft, da die Situation in der WM noch klarer geworden ist. Massa erklärte, dass er einfach weiter seinen Job mache und bei sich nichts ändern würde. "Ich gehe ins Rennen und will gewinnen, so viele Punkte holen wie möglich", sagte er. Seine gute Position in der Weltmeisterschaft wolle er natürlich noch verbessern und da er in Monza vor Kimi Räikkönen und Hamilton gewesen war, habe er seinen Teil gemacht, meinte er.

    Räikkönen ließ sich zur Hilfsfrage auch nicht besonders umfangreich aus. Er meinte, er wolle die Dinge einfach richtig hinbekommen. "Ich denke momentan an gar nichts. Hoffentlich bekommen wir das Auto zum Arbeiten. Es läuft, wenn der Reifen funktioniert, aber wir können nicht die Reifen drauftun und danach läuft alles falsch. Ich bin nicht wirklich besonders interessiert daran, darüber nachzudenken, was wir in den kommenden Rennen machen. Hoffentlich kriegen wir alles hin und können wieder Spaß haben", sagte er. Sein größtes Problem war, dass er oder das Team nicht erklären können, warum es im Nassen manchmal geht und manchmal nicht - vor allem bei den Reifen. "Es geht darum, dass man das ganze Paket zum Laufen bekommt und dann holt man gute Ergebnisse. Heute war so ein Fall. Am Ende war es gut, aber 40 Runden zu spät."

    Während der ersten beiden Stints hatte Räikkönen kaum Grip gehabt, wobei es im zweiten besser gelaufen war, aber auch erst spät. "Sobald wir die Intermediates hatten, brauchte es eine Zeit und sobald sie dann liefen, war es als ob ein Schalter umgelegt worden wäre - von einer Runde auf die andere ist es ein völlig anderes Gefühl im Auto und dann kann man wieder pushen. Wenn das gleich ginge, wäre das eine Hilfe." Vor allem seinen Aussichten in der Weltmeisterschaft würde das helfen, wobei Räikkönen auch selber zugab, dass es nicht gut aussieht. "Hoffentlich können wir am Ende des Jahres ein paar gute Rennen haben und das wäre eine nette Sache. Es war zuletzt nicht so einfach, also wollen wir das."

    15. Singapur GP / Marina Bay Straßenkurs (Nachtrennen)

    15. Singapur GP / Marina Bay Straßenkurs (Nachtrennen)

    Singapur: Nur für Nachtmenschen
    Das erste Nachtrennen der F1-Geschichte verlangt vor allem eins: nach Licht. Verantwortlich dafür zeichnet die italienische Firma Valerio Maioli. Die ganze Strecke, inklusive der Auslaufzonen, muss konstant beleuchtet sein. Die Auslaufzonen werden aber nicht so hell sein wie der Rest der Strecke, damit die Fahrer nicht verwirrt werden.

    Zudem müssen die Lichtstrahlen konstant beobachtet werden, damit die Fahrer nicht geblendet werden, wenn sie sich drehen und dadurch in die falsche Richtung blicken. Ein weiterer wichtiger Punkt sind die Fernsehkameras, die auch nicht geblendet werden sollen. Die Lichtmasten werden nur auf einer Seite der Strecke stehen, auf der gleichen wie die Kameras, damit es nicht blendet, wenn das Rennen übertragen wird. Der Schatten der Formel 1-Autos ist dafür weniger problematisch, da sie recht niedrig sind und deswegen nur einen geringen Schattenwurf haben. Insgesamt werden 3.180.000 Watt auf die Strecke niederscheinen.

    Damit die 22 Piloten, 80.000 Zuschauer und Millionen TV-Zuseher nicht plötzlich im Dunkeln tappen, sorgen 12 Generatoren für genügend Strom. Sollte einer davon ausfallen, agieren die anderen automatisch als Back-Up. Aus Sicherheitsgründen werden jedem Generator Ingenieure zugeteilt, die ständig über die Funktionstüchtigkeit wachen.

    Aber wie sieht die Strecke aus, die von so viel Power beleuchtet wird? Singapur springt auf den Trend zu Straßenkursen auf - aber zu schnellen Straßenkursen. Die Strecke ist 5,067 km lang (davon sind 1,2 km komplett neue Straßen), weist 14 Links- und 10 Rechtskurven auf und wird im ersten Nachtrennen der F1-Geschichte 61 Mal umrundet - so alles nach Plan läuft und keine Safety Car Phasen, Rennabbrüche oder sonstigen unerwarteten Ereignisse dazwischen kommen... Die langsamste Kurve wird mit 80-100 km/h durchfahren, an der schnellsten Stelle erreichen die F1-Boliden Geschwindigkeiten über 300 km/h. Das Monaco des Ostens will also schneller sein als das Vorbild - es wird der schnellste Straßenkurs der Formel 1-Welt, betonen die Veranstalter.

    Gleich nach dem Beginn der Runde treffen die Fahrer auf eine der schnellsten Stellen des Kurses - den Raffles Boulevard, eine 45-Grad-Kurve, die im 7. Gang bei rund 300 km/h genommen wird. Nach einem Highspeed-Teil geht es auf die Anderson Bridge, eine fast 100 Jahre alte Gusseisenbrücke. Zurück geht es auf einem weiteren Highspeed-Abschnitt über die Esplanade Bridge. Im Gegensatz zu Monaco ist die Strecke viel breiter, so dass die engste Stelle 10 Meter breit ist - also genauso breit wie die breiteste Stelle im Fürstentum.
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    Vorschau: Grand Prix von Singapur 2008

    Vorschau: Grand Prix von Singapur 2008

    Der erstmals ausgetragene Grand Prix von Singapur vom 26. bis 28. September ist der 15. Lauf zur Formel-1-Weltmeisterschaft 2008. Das Rennen wird abends um 20:00 Uhr Ortszeit gestartet und ist damit das erste Nachtrennen der Formel 1.
    Der 5,076 Kilometer lange Kurs, der wie bei den Grand Prix von Brasilien und der Türkei entgegen dem Uhrzeigersinn befahren wird, liegt in der Stadt und führt unter anderem über die historische Anderson-Brücke, die St. Andrews Road und den Raffles Boulevard. Der Grand Prix von Singapur ist das fünfte der Stadtrennen der Formel 1 nach Melbourne, Monte Carlo, Montreal und Valencia und das zweite nach Monaco, das in einem Stadtstaat ausgetragen wird.
    Für die Strecke wurde eine Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 175 km/h errechnet. Das ist deutlich schneller als in Monte Carlo, wo in diesem Jahr im Qualifying rund 160 km/h erreicht wurden. Als Topspeed wurden etwa 290 km/h errechnet; sie werden am Ende des 700 Meter und 9,5 Sekunden langen Volllaststückes über den Raffles Boulevard erzielt.
    Die Strecke wird mit 1.500 Flutlichtstrahlern ausgeleuchtet, die im Abstand von vier Metern an einem Trägersystem auf 240 Stahlpylonen installiert wurden. Dazu wurden 108.423 Meter Kabel verlegt. Die Lampen erzeugen ein Licht, das viermal heller als in Sportstadien ist.
    Das erste Training findet am Freitag um 19:00 Uhr Ortszeit statt, 13:00 Uhr MESZ. Erst um 22:00 Uhr (16:00 Uhr MESZ) wird am Samstag das Qualifying ausgetragen. Das Vodafone McLaren Mercedes Team wird nach einem speziellen Nachtarbeitsprogramm arbeiten. Normalerweise müssen sich die Teammitglieder bei den Überseerennen bei Ihren Tätigkeiten an eine andere Zeitzone gewöhnen, doch beim Grand Prix von Singapur ist das nicht der Fall.

    Lewis Hamilton
    Freust du dich auf Singapur?
    „Ich freue mich auf die Stadt, auf das landestypische Essen, und ich bin natürlich gespannt auf die Rennstrecke. Es wird ein sehr interessantes Wochenende. Der Grand Prix in Singapur wird eine Herausforderung, und so etwas mag ich. Bisher bin ich noch nie nachts Rennen gefahren, aber das sollte kein Problem sein. In anderen Sportarten funktioniert es ja auch. Bei der Vorbereitung wurde viel getan und es wird bestimmt eine tolle Veranstaltung. Zudem liegen mir Stadtkurse besonders. Auf dem Papier sieht die Strecke so aus, als ob sie flüssig zu durchfahren ist, das ist also nicht so wie bei einem typischen Stadtkurs, aber es wird sicher spektakulär.“
    Wie hast du dich auf dieses Rennen vorbereitet?
    „Singapur wird für alle im Team eine ganz neue Aufgabe. Unser Teamarzt hat für uns Fahrer einen genauen Zeitplan aufgestellt, da alle Trainings und das Rennen erst an den Abenden stattfinden. Deswegen sollten wir uns auch nicht an die Ortszeit gewöhnen, denn der Zeitplan des Rennens ist so wie bei einem europäischen Grand Prix. Unser Trainingsprogramm ist darauf ausgelegt, dass wir am Nachmittag unsere beste Leistung bringen können, und deshalb halten wir uns auch in Singapur daran. Das ist gar nicht so einfach, denn der Körper möchte sich an die geänderte Zeitzone anpassen. Doch für uns Fahrer bleibt der Tagesablauf mit Essen, Aufwachen und Einschlafen so wie in Europa. Das heißt, wir werden nach Singapur-Ortszeit am frühen Nachmittag aufstehen; um ein Uhr nachts gibt es Abendessen und zwei Stunden später gehen wir ins Bett. Das wird etwas ganz Neues.“

    Heikki Kovalainen
    Bist du schon einmal nachts Rennen gefahren?
    „Das Race of Champions fand abends statt, im Stadion und bei Flutlicht, aber die Rennen waren nicht sehr lang und außerdem ging es um nichts. Es wird also interessant, wie das bei einem Grand Prix funktioniert. Da ich aus Finnland komme, wo es im Winter 24 Stunden lang dunkel ist, sollte ich mit einem Nachtrennen keine Probleme haben. Von dem was ich bisher gesehen habe gefällt mir die Strecke sehr gut und es sollte auch ein paar Überholmöglichkeiten geben. Ich erwarte ein interessantes Rennen. Zudem haben Stadtrennen immer eine tolle Atmosphäre und darauf freue ich mich.“
    Wie wird dein Tagesablauf in Singapur aussehen?
    „Das Wichtigste ist, dass wir uns darauf einstellen, unsere Leistung später am Tag zu erbringen. Dafür müssen wir uns genau an unseren Rhythmus halten und gut schlafen. Darum kümmert sich in erster Linie das Team. Sie werden alles tun, damit der Ablauf des Wochenendes unsere Leistungsfähigkeit nicht beeinträchtigt. Dafür werden beispielsweise die Hotelzimmer abgedunkelt, damit wir lange schlafen können. Man wird sich außerdem darum kümmern, dass wir nicht vom Hotelpersonal gestört werden, und auch die Telefone werden nicht klingeln. Sich nicht an die andere Zeitzone anzupassen ist sehr schwierig, denn der Körper reagiert auf äußere Umstände wie Licht, Temperatur oder Luftfeuchtigkeit. Wie bei jedem Überseerennen werden wir uns vom Zeitpunkt der Landung an den vorgegebenen Zeitplan halten und gleich am ersten Tag bis zum frühen Morgen wach bleiben.“

    Martin Whitmarsh
    Was sind die Anforderungen des Grand Prix von Singapur für das Team?
    „Unsere wichtigste Sorge ist, dass alle Teammitglieder ausreichend Schlaf bekommen. Beispielsweise werden die Mechaniker nicht vor vier oder fünf Uhr morgens ins Bett kommen, da Trainings und Rennen erst spät am Abend stattfinden und wir danach ein festgelegtes Programm haben, um uns auf den nächsten Tag vorzubereiten. Dieser Plan steht fest, denn wir kennen den Zeitplan und wissen, wie viel nach jedem Training zu tun ist. Dennoch wird es für alle sehr anstrengend, für die Mechaniker, die Ingenieure und alle anderen Mitarbeiter, und wir werden sie nach Kräften unterstützen. Ich denke aber nicht, dass es unsere Autos und Fahrer beeinträchtigen wird. Der Ablauf für Lewis und Heikki wurde sorgfältig geplant und wird genau eingehalten.“
    Hat das Team zusätzliche Beleuchtung dabei?
    „Normalerweise sind die Boxen auch für Nachtarbeit gut ausgeleuchtet, von daher ist Singapur nichts Neues für uns. Lediglich an der Boxenmauer werden wir eine zusätzliche Beleuchtung installieren. Das Cockpit Display im Auto ist ohnehin beleuchtet und wir gehen davon aus, dass das Licht an der Strecke ausreicht, damit die Fahrer auch Knöpfe und Schalter ganz normal erkennen können. Für die Helme haben wir Visiere mit unterschiedlichen Farben dabei, die eine kontrastreiche Sicht bieten, denn bei Kunstlicht gibt es keine natürlichen Schatten und das perspektivische Sehen könnte beeinträchtigt werden. Wir gehen allerdings davon aus, dass das Licht so gut ist, dass wir nichts unternehmen müssen, schließlich sollte Flutlicht so hell wie Tageslicht sein.“
    Hat der Zeitplan Einflüsse auf das Rennen?
    „Es kann sein, dass es abends kühler wird, doch wird es in Singapur um 21:00 bestimmt immer noch wärmer sein als im Freien Training am Freitagnachmittag in Monza. Wir erwarten etwa 30 Grad, und selbst wenn der Streckenbelag am Abend etwas abkühlt, wird er etwa 40 Grad warm sein. Bei Regen besteht die Möglichkeit, dass Wassertropfen auf dem Visier im Flutlicht Blendeffekte erzeugen, doch wir werden die Visiere mit einer speziellen Beschichtung versehen, die das verhindert.“

    Norbert Haug
    Lewis‘ Vorsprung in der Fahrerweltmeisterschaft ist nach Monza auf einen Punkt zusammen geschmolzen. Werden Sie jetzt nervös?
    „Wir sehen den Grund dazu nicht. Lewis hat in seinen bisher 31 Grand Prix 187 Punkte geholt, das sind im Schnitt sechs pro Rennen. Kein Formel-1-Fahrer machte in diesem Zeitraum mehr Punkte. 26 seiner 31 Grand Prix beendete Lewis in den Punkterängen, 20 auf dem Podium. Wir wollen jetzt an die Form des zweiten Saisondrittels anschließen, dann stimmt die Richtung.”
    Was ist in Monza schief gelaufen?
    „Nach der Reifenwahl im Qualifying, die Lewis leider den 15. Startplatz einbrachte, zeigte er ein großartiges Rennen und überholte beeindruckend. Mit Heikkis zweitem und Lewis‘ siebtem Platz hat unser Team in Monza immer noch zehn Punkte geholt – es waren mehr drin. Andererseits: In den letzten sechs Rennen hat Lewis alleine so viele Punkte gemacht wie beide Fahrer unserer härtesten Konkurrenz.“
    Das nächste Rennen ist der Grand Prix von Singapur, das erste Nachrennen der Formel 1. Was erwartet uns?
    „Der Grand Prix von Singapur ist nach Melbourne, Monte Carlo, Montreal und Valencia das fünfte Stadtrennen im Kalender und der erste Grand Prix überhaupt, der nachts ausgetragen wird. Wir freuen uns vor allem auf die Atmosphäre dieses ersten Nachtrennens. Rund 1.500 extrem leistungsstarke Flutlichtleuchten wurden in Abständen von vier Metern rund um den über fünf Kilometer langen Kurs installiert und sollen die Strecke hell ausleuchten. In diesem ungewohnten Umfeld müssen sich die Fahrer auf 23 Kurven pro Runde konzentrieren, in sechs von ihnen wird langsamer als 100 km/h gefahren. Einmal pro Runde, auf dem rund 700 Meter langen Volllaststück auf dem Raffles Boulevard, erreichen die Fahrzeuge knapp 300 km/h. Diese Premiere ist sicher die spannendste in der gesamten Formel-1-Geschichte – mitten in der Nacht, mitten durch die Metropole.“

    Felipe Massa in Singapur auf Pole: Hamilton erster Jäger

    Felipe Massa in Singapur auf Pole: Hamilton erster Jäger

    Felipe Massa und Lewis Hamilton: so lautet die erste Startreihe für die Nachtpremiere in den Straßen von Singapur.
    Auf seiner letzten Runde, kurz vor dem Ablaufen der Qualifyingzeit schoss Lewis Hamilton an seinem WM-Konkurrenten Felipe Massa vorbei auf die zwischenzeitliche Pole Position. Doch nur wenige Sekunden danach schlug der WM-Zweite zurück - und wie: mit sechs Zehnteln Vorsprung sicherte sich Massa die erste Nacht-Pole der F1-Geschichte. Neben ihm geht WM-Leader Lewis Hamilton aus Reihe 1 ins Rennen.

    Die zweite Reihe führt der amtierende Weltmeister Kimi Räikkönen vor Robert Kubica und Heikki Kovalainen an. Bester Deutscher wurde Nick Heidfeld, der als Sechster ein schwarz-rot-goldenes Quartett anführt: Vettel, Glock und Rosberg belegen hinter dem BMW Sauber-Mann die Position 7 bis 9. Die Top10 rundet Rosbergs Teamkollege Kazuki Nakajima ab.

    Alonso raus im Q2

    Fuchsteufelswild war Fernando Alonso nach seinem Ausscheiden im zweiten Qualifying. Denn statt zu starker Gegner war ein technischer Defekt für das vorzeitige Aus verantwortlich. Der Renault-Pilot rollte bereits zu Beginn des Q2 mit einem Hydraulikproblem aus. Bis dahin sah es sehr gut für ihn aus: zwei Bestzeiten in den Freien Trainings, die sechstbeste Zeit im Q1. Nun muss er von Startplatz 15 ins Rennen gehen.

    Noch nicht mal bis ins Q2 kam Adrian Sutil. "Der Rückstand ist unglaublich groß", gestand der Deutsche. "Ich kann mir nicht erklären, woher die 1,5 Sekunden kommen." Schon am Vormittag hatte er Probleme mit dem Grip, "aber im Qualifying ist gar nichts gegangen." Seine Runden bezeichnete er als okay. "Sie haben sich schnell angefühlt, aber waren zu langsam."

    Alonso gewinnt in Singapur: Drama um Massa

    Alonso gewinnt in Singapur: Drama um Massa

    Fernando Alonso heißt der erste Sieger eines F1-Nachtrennens. Felipe Massa verspielte einen möglichen Triumph bei einem Boxenstoppdrama.

    Fernando Alonso hatte das erste Nachtrennen in der Geschichte der Formel 1 bereits am Samstagnachmittag abgeschrieben. Nach zwei Trainingsbestzeiten unter dem Sternenhimmel von Singapur streikte Alonsos Hydraulik im zweiten Qualifying. Nur Startplatz 15. Angesichts der überholfeindlichen Strecke sanken die Hoffnungen des Spaniers ins Bodenlose. Der Traum vom Podium oder dem ersten Saisonsieg schien zerplatzt - bis das Auto seines Teamkollegen in Runde 15 an der Wand zerschellte.

    Der Unfall von Nelson Piquet löste eine chaotische Phase aus, in einem ansonsten (abgesehen von der hell erleuchteten Kulisse) relativ unspektakulären Grand Prix. Nachdem der Führende Felipe Massa den Tankschlauch abriss, das Feld durch Strafen und die Safety-Car-Phase durcheinander gewürfelt wurde, fand sich plötzlich Alonso in Führung wieder. Eine Position, die er bis zur Zielflagge nach 61 Runden nicht mehr abgeben sollte - obwohl eine zweite Safet-Car-Phase zehn Runden vor Schluss das Feld noch einmal zusammenführte.

    Genauso unerwartet wie der Sieg für Alonso kam der zweite Platz für Nico Rosberg, der trotz einer 10 Sekunden Stop-and-Go-Strafe das beste Ergebnis seiner F1-Karriere einfuhr - vor Lewis Hamilton, der den Deutschen in den letzten sieben Runden nach der zweiten SC-Phase bis ins Ziel unter Druck setzte. Der Brite baute derweil auch als Dritter seine WM-Führung gegen den punktlosen Massa weiter aus. Gleichzeitig übernahm McLaren die Führung in der Konstrukteurswertung.

    Erst ruhig, dann chaotisch

    Das Rennen begann wie ein typisches trockenes F1-Rennen auf einem Stadtkurs ohne Überholmöglichkeiten. Felipe Massa drehte an der Spitze seine Kreise vor Lewis Hamilton und Kimi Räikkönen. Etwas Spannung gab es in den ersten Runden, in denen Robert Kubica und Heikki Kovalainen auf Tuchfühlung gingen. Die Autos berührten sich und der Finne fiel zurück. Danach wechselte er gleich zweimal innerhalb einer Runde die Position mit Timo Glock, der sich letztlich durchsetzte.

    Im hinteren Feld sammelten sich die Autos hinter dem berüchtigten Trulli-Train. Doch nach einigen Runden gingen sie reihenweise am Italiener vorbei: erst Nico Rosberg, dann Kazuki Nakajima und Fernando Alonso. Dann brachte Runde 15 alles durcheinander: Nelson Piquet verlor das Heck seines Renault und schlug rückwärts in der Mauer ein. Safety Car.

    Nico Rosberg und Robert Kubica wurden die nächsten Opfer, allerdings nicht der Mauern, sondern der Regeln: sie hatten keinen Sprit mehr und mussten an die Box kommen, als die Einfahrt noch geschlossen war - die Folge: je eine 10 Sekunden Stop-and-Go-Strafe. Während Rubens Barrichello am Streckenrand ausrollte, wurde die Boxengasse geöffnet und begann das große Chaos.

    Drama bei Ferrari

    Felipe Massa führte das Feld an die Box und hätte diese wohl als Führender verlassen, wenn ihm die Ferrari-Ampel keinen Streich gespielt hätte. Diese sprang erst auf Grün, dann wieder auf Rot - Massa war jedoch schon losgefahren und fuhr nicht nur einem Force India direkt vor die Schnauze, sondern riss auch den Tankschlauch aus der Anlage und zog ihn bis zum Ende der Boxengasse mit sich, wo er anhielt, um auf seine herbeieilenden Mechaniker zu warten. Die mussten vorher aber Kimi Räikkönen abfertigen, der bereits hinter Massa auf seinen Stopp gewartet hatte.

    Der zweite Boxenunfall der Roten in dieser Saison (beim letzten Stadtrennen in Valencia hatte Räikkönen seinen Tankmann umgerissen) brachte erneut einen verletzten Mechaniker und eine Strafe für Massa: Drive Through wegen unsicherem Loslassen beim Boxenstopp. Das zementierte den letzten Platz des WM-Zweiten, der durch den Unfall und das Warten am Boxenausgang, bis die Mechaniker den verkannteten Tankschlauch entfernt hatten, ohnehin schon viel Zeit verloren hatte. Platz 13 war das enttäuschende Endergebnis für den Titelanwärter.

    Vier Deutsche in den Punkten

    Neben Nico Rosberg auf Platz 2 schafften es noch drei weitere Deutsche in die Top-8. Timo Glock fuhr seinen Toyota hinter Lewis Hamilton auf einen starken vierten Platz. Hinter Glock kreuzte Monza-Sieger Sebastian Vettel im Toro Rosso die Linie als Fünfter. Platz 6 ging an BMW Sauber-Pilot Nick Heidfeld, der ebenso wie Vettel vier Runden vor Schluss einen Rang aufrutschte, weil Kimi Räikkönen seinen Ferrari auf Platz 5 liegend in die Mauer steuerte. Die letzten beiden Punkte schnappten sich David Coulthard und Kazuki Nakajima.

    Singapur kann die Formel 1 verändern

    Singapur kann die Formel 1 verändern: Dennis, Williams und Haug sind sich einig
    Darf man Ron Dennis' Worten glauben, dann könnte das Nachtrennen von Singapur die Formel 1 verändern, da man nun weiß, dass Nachtrennen funktionieren.

    Das Nachtrennen in Singapur hat bislang vor allem beeindruckt. Die Bilder der Formel-1-Boliden im Flutlicht sind gefällig und transportieren den Sport auf spektakuläre Weise. Auch bei Fahrern und Teams ist der Event bislang sehr gut angekommen. Bei Ron Dennis sogar so gut, dass er glaubt, dass die Veranstaltung die Formel 1 nachhaltig verändern könnte. "Es ist nicht nur eine neue Erfahrung. Es ist ein großer Schritt in der Geschichte des Grand-Prix-Sports, denn es wurde so gut gemacht. Alles hat sich bewiesen und wir können dieses Modell nehmen und überall in der Welt anwenden - entweder, um das Rennen zur passenden Zeit nach Europa zu bringen, wenn die Leute es auch schauen, oder sogar innerhalb Europas, um es spektakulärer zu machen", erklärte der McLaren-Teamchef in Singapur.

    Er meinte, wenn man nur noch ein paar Ideen mehr hinzufügen würde, dann könnte man Feuerwerke und alles mögliche bei den Rennen haben, damit die Formel 1 noch mehr Glamour bekommt. Doch er sah nicht nur den Glamour-Faktor, sondern auch die Möglichkeit, die Formel 1 noch besser ins Schaufenster zu stellen. "Die Formel 1 hat damit jetzt ein mächtiges Werkzeug, denn wir können jetzt überall auf der Welt darauf schauen, zu welcher Zeit das Rennen geschaut wird. In Europa könnte man das nutzen, um es am Abend zu zeigen und die Fernsehzeiten zu ändern. Es wird da jetzt viele Analysen geben, wann die beste Zeit ist, um einen Grand Prix im Fernsehen zu haben. Das wird einen neuen Trend schaffen", war er sich sicher.

    Williams sieht eine Ablöse für Monaco

    Für Frank Williams hat Singapur aber nicht nur Vorbildcharakter, sondern sogar die Chance, Monaco als Vorzeige-Event der Formel 1 abzulösen. "Das ist das korrekteste was man sagen kann. Sie haben tolles Wetter, eine sehr gute Strecke und die Tribünen sind voll. Ich denke, es gibt hier viel Enthusiasmus." Dem schloss sich auch Mercedes Motorsport-Chef Norbert Haug an, der meinte, dass man an neuen Austragungsorten normalerweise ein wenig enttäuscht werde, da man sich mehr erwarte und das dann nicht eintreffe, doch in Singapur sei es umgekehrt.

    "Ich habe tolle Bilder erwartet, ich dachte, die Nacht und die Lichter würden wie in einem Fotostudio sein - und es ist beeindruckend. Ich hatte so viele Anrufe von meinen Freunden aus Deutschland und sie sagen, es war unglaublich. Ich denke, sie haben hier mit den Hubschrauber-Bildern einen sehr guten Job gemacht und dadurch die ganze Stadt mit einbezogen. Es sind nicht nur Mauern und Häuser und Lichter, es ist eine tolle Arbeit, die sie hier gemacht haben", erklärte Haug.

    Er meinte, diese Veranstaltung sei die beste Reklame, die eine Stadt überhaupt machen kann, vor allem wegen der Zuschauerzahlen. "Wenn man um 14:00 Uhr [Ortszeit] gefahren wäre und sich beispielsweise die Seherzahlen in Deutschland ansieht, dann hätte man um 8:00 Uhr [Mitteleuropäische Zeit] drei Millionen Zuschauer gehabt. Am Nachmittag kriegt man sieben Millionen. Es kostet viel Geld, die Lichter, die Strecke, die Organisation. Aber es ist ein tolles Investment für die Stadt. Und es ist fantastisch für die Formel 1."
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