Interessantes zu Formel 1 im Jahr 2008

    Pole-Dreikampf in Monaco: Massa auf 1

    Pole-Dreikampf in Monaco: Massa auf 1

    Nirgends ist das Qualifying so wichtig wie in Monaco. Ferrari sicherte sich die beste Ausgangsposition für das Rennen.

    Monaco gehört nicht zu den Lieblingskursen von Felipe Massa. Dennoch schnappte sich der Brasilianer in den Schlusssekunden des Qualifyings seine dritte Saisonpole. Nur wenige Hundertstel dahinter landete sein Teamkollege Kimi Räikkönen auf Platz 1. Lewis Hamilton und Heikki Kovalainen komplettierten eine silberne zweite Startreihe.

    In der dritten Reihe stehen die beiden besten Verfolger: Robert Kubica und Nico Rosberg. Der Deutsche konnte sein Ziel, die BMW Sauber zu schlagen, also noch nicht ganz umsetzen. Die Top10 komplettierten Alonso, Trulli, Webber und Coulthard.

    Für Timo Glock und Nick Heidfeld war bereits nach der zweiten Session Schluss. Der Toyota-Pilot scheiterte als Elfter haarscharf am Sprung in die Top10, für Heidfeld lief es am gesamten Samstag nicht besonders gut. Platz 13 war das bestmögliche Resultat. Seinen letzten Angriff verlor er durch einen heftigen Unfall von David Coulthard, der in den Schlusssekunden des zweiten Qualifyings ausgangs des Tunnels die Kontrolle über seinen Red Bull verlor und rechts in die Leitplanke abbog. Der Schotte entstieg dem Wrack unverletzt, konnte jedoch nicht mehr im Q3 antreten.

    Gar nicht daran denken, ins Q3 zu kommen durften die Toro Rosso-Piloten mit ihrem neuen STR3. Sebastien Bourdais und Sebastian Vettel schieden schon im ersten Qualifyingabschnitt als 16. und 18. aus. Vettel verliert zudem wegen eines Getriebewechsels fünf Startplätze. Das gleiche Schicksal ereilt Giancarlo Fisichella, der nach dem 3. Freien Training ein neues Getriebe einbauen lassen musste und somit am Sonntag als Letzter starten wird.

    Monaco GP: Hamilton siegt im Chaos

    Monaco GP: Hamilton siegt im Chaos

    Lewis Hamilton hat es geschafft. Im zweiten Anlauf gewann er den Prestige-GP in Monaco.

    Ganz Großbritannien hatte einen Traum: in seinem erst fünften Formel 1-Grand Prix sollte Lewis Hamilton ausgerechnet beim Glamourrennen in Monaco den ersten Sieg einfahren. Aus dem Traum wurde nichts. Hamilton belegte hinter seinem Teamkollegen Fernando Alonso Platz 2. Damit gab er sich ein Jahr später nicht zufrieden. "Jetzt hast du den Sieg, der vielleicht schon ein Jahr überfällig war", funkte Hamiltons Renningenieur bei der Zieldurchfahrt ins Cockpit. Zuvor hatte sich der Brite in beeindruckender Manier den Sieg in den nassen Straßen von Monaco gesichert, obwohl er schon nach sechs Runden zu einem Reparaturstopp an die Box kommen musste. Im Regen hatte er mit dem rechten Hinterreifen die Leitplanke gestreichelt und sich einen Reifenschaden eingehandelt. Genau dafür entschuldigte sich Hamilton, noch bevor er im Boxenfunk über seinen ersten Monaco-Triumph und die Führung in der Fahrer-WM jubelte.

    Zunächst sah alles nach einem weiteren Sieg von Felipe Massa aus. Der Brasilianer fuhr dem Feld davon, bis er vor der St. Devote den Notausgang nutzte und so die Führung an Robert Kubica verlor. Nach seinem ersten Boxenstopp korrigierte Massa das Bild zwar und setzte sich vor den Polen auf Platz 2. Doch Kubica konnte sich bei der zweiten Runde der Boxenstopps wieder an Massa vorbeischieben und so die Verfolgerrolle von Hamilton übernehmen. Der Brite stoppte nach seinem frühen Reparaturstopp nur noch einmal, konnte sich allerdings einen ausreichenden Vorsprung auf Massa und Kubica herausfahren. Der Pole blieb übrigens der einzige Topfahrer, der keinen Fehler beging. Hamilton schlug an der Leitplanke an, Massa rutschte ins Aus und Räikkönen machte gleich zwei Fehler: einen Ausrutscher in der ersten Kurve und einen Unfall mit Adrian Sutil.

    Bereits vor dem Start ging es turbulent zu: Heikki Kovalainen kam nicht weg und musste das Rennen folglich aus der Boxengasse in Angriff nehmen. Was zu diesem Zeitpunkt noch niemand wusste: auch beim zweiten Finnen Kimi Räikkönen gab es vor dem Start ein Problem - die Mechaniker zogen seine Reifen erst nach dem 3 Minuten Signal auf. Die Folge: eine Drive Through Strafe, die Räikkönen in Runde 13 absaß.

    Zu diesem Zeitpunkt hatten die Fahrer schon die erste Safety Car-Phase hinter sich. Am Start lief noch alles glatt. Hamilton schoss am Räikkönen auf Platz 2 vorbei, vorne fuhr Massa unangefochten einen Vorsprung heraus. Die Top-3 lagen bereits nach drei Runden acht Sekunden vor Robert Kubica. Die ersten Karbonteile flogen in Runde 2 als Jenson Button auf Nick Heidfeld auffuhr und seinen Frontflügel beschädigte. Es sollte nicht der letzte Flügelwechsel in der Box bleiben.

    Als nächstes kam Nico Rosberg zu einem Nasenwechsel herein und auch Timo Glock benötigte einen neuen Frontflügel. Er hatte sich eingangs Start und Ziel gedreht und dabei seinen Toyota beschädigt. Bei einem weiteren Dreher zur Rennmitte schlug Glock noch einmal an, dann mit dem Heckflügel. Damit aber noch nicht genug des Kleinholz: als nächstes schlug Lewis Hamilton an der Leitplanke an. Er beschädigte sich seinen Reifen hinten rechts und musste ebenfalls an die Box kommen. Das gleiche Bild wiederholte sich zwei Runden später bei Fernando Alonso.

    In Runde 8 der erste größere Knall, der sich nicht durch einen Notboxenstopp beheben ließ. David Coulthard rutschte mit seinem Red Bull zum zweiten Mal an diesem Wochenende in die Leitplanke, diesmal auf dem Weg hinauf zum Casino. Damit aber nicht genug: auch Sebastien Bourdais im Schwesterauto verlor die Kontrolle über seinen Boliden und fuhr dem bereits gestrandeten Coulthard ins Heck. Das Safety Car rückte aus und führte das Feld wieder zusammen.

    Kurz nach dem Re-Start startete Alonso seine aggressive Phase auf Regenreifen. Gegen Mark Webber ging es gut, der Spanier rückte auf Position 6 nach vorne. Bei Nick Heidfeld war der Ex-Champion in der ehemaligen Loews-Kurve zu optimistisch, fuhr dem Deutschen in die Seite, drehte ihn fast um und löste einen kleinen Stau aus. Für Alonso bedeutete es den nächsten Boxenstopp, diesmal um den Frontflügel zu wechseln. Heidfeld konnte weiterfahren, hatte aber nach einigen Runden einen Reifenschaden hinten links, der ihn ans Ende des Feldes zurückwarf. In Folge des Loews-Staus erwischte es auch Nico Rosberg zum zweiten Mal: diesmal wurde ihm sein Frontflügel unverschuldet beschädigt, einen Reparaturstopp musste er dennoch einlegen.

    In Runde 61 half Rosberg kein Boxenstopp mehr: in einem heftigen Crash zerlegte er seinen Williams zwischen den Leitplanken. Rosberg hob auf dem Kerb innen ab, schlug erst rechts und dann links in der Mauer ein. Vor dem Rennen war er sich sicher, Kubica schlagen zu können. Nach zwei Notstopps und einem Unfall musste er sich von draußen ansehen, wie Kubica auf Platz 2 fuhr. Hinter Hamilton, Kubica und Massa belegte Mark Webber den vierten Platz vor Sebastian Vettel, Rubens Barrichello, Kazuki Nakajima und Heikki Kovalainen. Der Finne fuhr unbeobachtet und von den Zwischenfällen begünstigt immerhin noch einen Trostpunkt ein.

    Der tragische Held des Monaco GP war jedoch Adrian Sutil. Der Deutsche im Force India fuhr fast das gesamte Rennen auf einem Punkteplatz, kam erst spät zu seinem einzigen planmäßigen Boxenstopp und lag nach der Safety Car-Phase wegen des Rosberg-Unfalls hinter Massa und vor Räikkönen auf dem vierten Platz. Dann der Schock: Räikkönen verlor ausgangs des Tunnels die Kontrolle über seinen Ferrari und krachte Sutil ins Heck. Beide kamen an die Box, Sutil musste das Rennen dort aufgeben. Räikkönen fuhr als Neunter knapp an den Punkterängen vorbei.

    Whitmarshs Rückblick

    Whitmarshs Rückblick: Die richtigen Entscheidungen zur rechten Zeit

    McLaren-Geschäftsführer Martin Whitmarsh konnte in seiner Renn-Nachbetrachtung nicht verneinen, dass Lewis Hamiltons Renn-Unfall in Monaco auch eine Hilfe war.

    Nach dem Samstag in Monaco hatte McLaren eigentlich nur noch die Hoffnung darauf, dass man zwei gute Fahrer und ein schnelles Auto hatte, verriet Martin Whitmarsh bei seiner Nachbetrachtung des Monaco Grand Prix. Am Sonntag sollte dann durch Lewis Hamiltons Sieg die Erleichterung folgen, auch wenn das Rennen nicht unbedingt Nerven schonend für den McLaren-Geschäftsführer war. Doch er konnte das Positive an allem sehen. "Er [Lewis Hamilton] machte einen tollen Start und der Zwischenfall, so unglücklich wie er auch war, ließ ihn nur von zwei auf fünf zurückfallen. Wir sahen, wie schnell er bei den feuchten Bedingungen war und wir wussten, wie viel Benzin wir ins Auto getan hatten", sagte er.

    Deswegen rechnete Whitmarsh auch damit, dass Hamilton bis zum Ende des Rennens in einer guten Position sein würde. Besonderes Lob bekam der Brite dafür, dass er trotz viel Gewichts eine gute Pace hielt, was für die neue Strategie wichtig war. "Er leistete tolle Arbeit. Die Bedingungen waren sehr schwer, aber er machte keine weiteren Fehler und das Team traf zur rechten Zeit die rechten Entscheidungen. Wir sind über den Ausgang erfreut", meinte Whitmarsh. Dass der Unfall Hamiltons sogar ein kleiner Vorteil bei der Strategie war, wollte er nicht verneinen, doch der McLaren-Geschäftsführer meinte, dass man das eben auch erst einmal so nutzen musste.

    Wäre es trocken geblieben, so glaubte Whitmarsh, dass Hamilton auch dann bei den Stopps vor die Ferrari gekommen wäre. "Es wäre schwer gewesen, aber es war dann auch nur hypothetisch, denn die Umstände diktierten, dass es kein gewöhnliches Rennen wurde." Als Hamilton sich dann die Trockenreifen abholte, hatte er eigentlich noch einiges an Benzin an Bord. Doch laut Whitmarsh wollte man einem potentiellen Safety Car vorbeugen, da schon mehrere Autos mit Trockenreifen fuhren, es aber noch rutschig war und damit Unfälle wahrscheinlich waren. "Außerdem war es klar, dass die Trockenreifen das Richtige waren. Deswegen haben wir ihn rein geholt, als wir das taten und das war auch richtig so."

    Doch nicht nur Hamilton bekam Lob, sondern auch Heikki Kovalainen, der am Start Pech hatte, da die Kupplung streikte. "Es war wahrscheinlich ein Software-Problem beim Monitor, der an das Auto angeschlossen war. Wir müssen das aber untersuchen. Wir haben das Lenkrad gewechselt und das System neu gestartet und bekamen ihn zum Laufen, aber Heikki hatte sehr viel Pech, denn danach verbrachte er sein Rennen im Verkehr. Bei freier Straße zeigte er, wie schnell er sein kann", erzählte Whitmarsh.

    Und noch einmal hatte Kovalainen Pech, denn bei der zweiten Safety Car Phase wurde Kovalainen erst spät vorgelassen, um sich zurückzurunden, wie die Regeln es vorsehen. Deswegen kam das Safety Car herein, als der Finne noch dabei war, aufzuschließen und er musste aufholen. "Er hat weiter gepusht und einen wertvollen Punkt geholt, also machte er trotz allem einen fantastischen Job." Whitmarsh musste Kovalainens Einstellung besonders hervorheben, denn obwohl er nur in Richtung des letzten Punktes fuhr, erzielte er kurz vor Schluss noch die zweitschnellste Rennrundenzeit.

    Nachdem nun die ersten sechs Saisonrennen vorbei sind und die Siegbilanz vier Ferrari- und zwei McLaren-Triumphe ausweist, rechnete Whitmarsh damit, dass die WM wohl zwischen diesen beiden Teams entschieden wird, auch wenn er BMW nicht ausschließen wollte. "Wir werden einfach weiter versuchen, das Auto zwischen jetzt und dem Ende des Jahres zu verbessern. Wenn wir schneller entwickeln als Ferrari, gewinnen wir die WM und umgekehrt", sagte er und nannte diesen Wettlauf das Rennen zwischen den Rennen. Was den kommenden Grand Prix in Kanada betrifft, so meinte Whitmarsh, dass der Test in Le Castellet trotz Regens eine gute Übung war, da man sich auf die Bremsen und den Top Speed konzentrieren konnte, was dort beides wichtig ist. "In diesem Jahr war unser Auto in weiten, schnellen Kurven sehr gut: Montreal hat davon zwar keine, aber wir waren dort zuvor schon gut und ich bin zuversichtlich, dass wir wieder stark sein werden."
    Rennergebnisse am 25.05.2008

    25. Mai 2008 - Der Große Preis von Monaco in Monte Carlo

    ERGEBNISSE
    POSITION FAHRER TEAM ZEIT
    1 Lewis Hamilton McLaren-Mercedes 2:00.42,742
    2 Robert Kubica BMW Sauber F1 + 00.03,064
    3 Felipe Massa Ferrari + 00.04,811
    4 Mark Webber Red Bull Racing + 00.19,295
    5 Sebastian Vettel Scuderia Toro Rosso + 00.24,657
    6 Rubens Barrichello Honda Racing F1 + 00.28,408
    7 Kazuki Nakajima Williams F1 + 00.30,180
    8 Heikki Kovalainen McLaren-Mercedes + 00.33,191
    9 Kimi Räikkönen Ferrari + 00.33,792
    10 Fernando Alonso Renault F1 + 1
    11 Jenson Button Honda Racing F1 + 1
    12 Timo Glock Toyota + 1
    13 Jarno Trulli Toyota + 1
    14 Nick Heidfeld BMW Sauber F1 + 4

    SCHNELLSTE RUNDE
    Kimi Räikkönen/Ferrari Zeit: 01.16,689 in Runde 74

    AUSFÄLLE
    RUNDE FAHRER TEAM AUSFALLGRUND
    8 David Coulthard Red Bull Racing Unfall nach Fahrfehler
    8 Sebastien Bourdais Scuderia Toro Rosso Unfall nach Fahrfehler
    37 Giancarlo Fisichella Force India F1 Defekt
    48 Nelson Piquet jr. Renault F1 Unfall nach Fahrfehler
    60 Nico Rosberg Williams F1 Unfall nach Fahrfehler
    68 Adrian Sutil Force India F1 Defekt nach Kollision mit Räikkönen
    Bilder
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    Super Aguri zieht sich aus der Formel 1 zurück

    Super Aguri zieht sich aus der Formel 1 zurück

    Der finanziell angeschlagene Rennstall Super Aguri hat sich mit sofortiger Wirkung aus der Formel 1 zurückgezogen. Der Rennstall, der vom japanischen Automobil-Hersteller und Formel-1-Konkurrenten Honda unterstützt wird, kämpfte nach dem Rückzug eines Großsponsors seit Monaten ums Überleben.

    Chronischer Geldmangel, der Verlust des Hauptsponsors, kein neuer Investor und Mutterkonzern Honda, der das Zweitteam nicht mehr künstlich am Leben halten wollte: Für Super Aguri stehen seit Dienstag die Formel-1-Ampeln endgültig auf Rot. Nachdem sich das Aus für den Rennstall des früheren Formel-1-Fahrers Aguri Suzuki bereits seit längerer Zeit abgezeichnet hatte, zog sich das Honda-Zweitteam nach gut zwei Jahren und vier WM-Punkten nun mit sofortiger Wirkung aus der Königsklasse zurück.

    Er habe seinen Traum verwirklicht, Besitzer eines Formel-1-Teams zu werden, erklärte Gründer und Teamchef Suzuki auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz in Tokio, „aber leider musste ich diese schwierige Entscheidung treffen“. Damit gehen beim 5. von 18 Saisonrennen am Sonntag (14.00 Uhr MESZ/live bei Premiere und RTL) in Istanbul gehen nur noch zehn Teams an den Start. Der Japaner Takuma Sato und der Brite Anthony Davidson sind dann nur noch Zuschauer, wenn die verbliebenen 20 Piloten beim Großen Preis der Türkei Gas geben.

    Achtungserfolg in der vergangenen Saison

    Im November 2005 hatte das Privatteam einen Startplatz zugesagt bekommen. Vier WM-Zähler fuhr Sato 2007 für den am sportlichen Existenzminimum arbeitenden Rennstall ein, nur zwei weniger als Honda mit den weitaus größeren finanziellen Möglichkeiten. Ein Achtungserfolg für das kleine Super-Aguri-Team, eine Blamage für den Mutterkonzern. Zum keineswegs überraschenden Rückzug wäre es beinahe bereits vor dem Großen Preis von Spanien in Barcelona vor zwei Wochen gekommen. In letzter Minute und erst nach zähen Verhandlungen bis tief in die Nacht hatte sich Honda bereit erklärt, Super Aguri noch einmal finanziell unter die Arme zu greifen. Zuvor war der geplante Einstieg der britischen Magma-Gruppe, die mit Geld von Finanzinvestoren aus Dubai einen nicht genau bezifferten Teil des Rennstalls übernehmen wollte, kurzfristig gescheitert.

    Rahmenbedingungen wurden zu schwierig

    Dass sich der Hauptsponsor des Rennstalls zuvor zurückgezogen hatte, führte zum finanziellen Dilemmma. „Ein Vertragsbruch vom Partner SS United hat das Team in finanzielle Schwierigkeiten gestürzt“, erklärte Suzuki. Mit Hilfe von Honda habe man es „irgendwie geschafft, das Team am Laufen zu halten“. Aber nun seien die Rahmenbedingungen zu schwierig geworden, um eine Zukunft in der Formel 1 zu sichern. Zuletzt hatte sich die Weigl-Gruppe angeboten, das Team zu übernehmen. Doch Honda-Teamchef Nick Fry legte offenbar wegen Zweifel an der Finanzkraft des Automobil-Zulieferers aus dem süddeutschen Pöttmes ein Veto ein. Der japanische Automobilhersteller, der Super Aguri mit Motoren, alten Chassis und technischer Hilfe zuvor stets unterstützt hatte, war selbst nicht mehr zu einem finanziellen Engagement und einer weiteren Rettungsaktion bereit.

    Es fehlten mindestens 50 Millione Euro

    Mindestens 50 Millionen Euro sollen Super Aguri gefehlt haben. Für Honda war eine angedachte Zahlung dieser Summe in Raten über drei Jahre durch die Weigl-Gruppe offenbar ein zu hohes Risiko. Bereits am Montag war dem Team in Istanbul der Zutritt zur Rennstrecke verweigert worden.
    Sein Dank gelte Honda für die Unterstützung, sagte Suzuki am Dienstag ohne Groll, dass diese nun ausblieb. Auch die beiden Fahrer Sato und Davidson bedachte der Teamchef beim Abschied mit Lob, genauso wie alle Mitarbeiter, Helfer und Fans. Dann fiel der letzte Vorhang für Super Aguri in der sündhaft teuren Formel 1.

    Formel 1 – Super Aguri

    Formel 1 – Super Aguri

    Mehrere Interessenten für Übernahme

    Nach dem Rückzug von Super Aguri aus der Formel 1 soll es mehrere Interessenten für die Übernahme des Rennstalls geben. Der Käufer könnte bereits ab der nächsten Saison einsteigen.

    Nach dem Zwangsabschied von Super Aguri aus der Formel 1 soll es mehrere Interessenten für die Übernahme des insolventen Rennstalls geben. Der Käufer könnte bereits ab der nächsten Saison als elftes Team in der „Königsklasse“ fahren. Super Aguri musste sein Team vor dem Großen Preis der Türkei am Sonntag (14 Uhr MESZ/Premiere und RTL live) aus finanziellen Gründen zurückziehen. Damit starten in Istanbul nur noch zehn Teams.

    „Das Verfahren bietet die einmalige Chance, auf hohem Niveau in den Motorsport einzusteigen, ohne ein Projekt bei Null starten zu müssen. Das Potenzial ist vorhanden, mit einem neuen Team schon 2009 in der Formel 1 anzutreten“, erklärte Insolvenzverwalter Philip Long.

    „Sofort betriebsfähige Einrichtung übernehmen“

    Alles Nötige wie Personal, technisches Fachwissen oder Entwicklungs- und Testeinrichtungen seien vorhanden: „Ein neues Team könnte einsteigen und sofort eine betriebsfähige Einrichtung übernehmen.“ Super Aguri hat seinen Sitz im britischen Leafield. Neben den beiden derzeit arbeitslosen Piloten Anthony Davidson (Großbritannien) und Takuma Sato (Japan) sind fast 100 Mitarbeiter bei dem Rennstall angestellt.

    Das Team fuhr unter dem Namen Super Aguri zwei Jahre und vier Monate in der Formel 1 und holte durch Sato insgesamt vier Punkte.

    Die Wahrheit über Super Aguri

    Die Wahrheit über Super Aguri

    Laut Honda zog man das B-Team Super Aguri aus dem Verkehr, weil man Angst vor dem Gerichtsverfahren in Sachen Kundenautos habe. sportnet.at kennt die wahren Gründe.

    Sponsorenknappheit. Der Vertragsbruch von Sponsor “SS United Oil & Gas Company” brachte das Team im Vorjahr in massive Turbulenzen. Als kein Geld mehr kam, musste das Team von Aguri Suzuki den Gürtel enger schnallen – auch das Personal wurde von 150 auf 115 Mitglieder abgebaut werden.

    Ross Brawn Unstrukturierungkonzept. Der neue Honda-Teamboss forderte seit seinem Einstieg beim finanzstärksten Rennstall der Formel 1 volle Konzentration auf einen Leistungsaufschwung. Somit rutschte das in Japan äußerst beliebte aber erfolglose Honda-B-Team Super Aguri aus der Kern-Interessenszone der Japaner. Durch die fehlenden Geldgeber musste Honda neben den Motorenlieferungen ständig Geld zuschießen. Brawn dürfte das Super-Aguri-Aus nicht allzu hart treffen.

    Offizieller Grund: Der Kundenautostreit. Da ab 2010 Kundenautos offiziell verboten sind, sah die Perspektive für das kleine Super-Aguri-Team äußerst düster aus. Der Rennstall hatte seinen Stützpunkt im englischen Leafield, wo einst das Hinterbänklerteam Arrows beheimatet war. Die technische Ausrüstung ist daher völlig veraltet – in den nächsten zwei Jahren hätte man enorme Investitionen tätigen müssen, um auch nach der Kundenauto-Ära halbwegs konkurrenzfähig sein zu können.

    Zudem sah sich Honda mit einer Klage von Force-India konfrontiert. Force-India-Teamchef Colin Kolles kämpft seit zwei Jahren gegen Toro Rosso und Super Aguri, die seiner Meinung nach zu Unrecht Autos einsetzen, die von einem anderen Team hergestellt werden. Laut dem “Concorde Agreement” sei dies nicht erlaubt. Honda fürchtete, vor Gericht zu verlieren. Das hätte möglicherweise zur Folge gehabt, dass die Japaner nicht nur Bernie Ecclestones TV-Gelder für das Super-Aguri-Team verloren hätten, sondern auch die des A-Teams. Im schlimmsten Fall hätte man auch frühere Einnahmen zurückzahlen müssen.

    Schlangengrube Honda. Warum hat Honda mit der Magma-Group über die Übernahme verhandelt, wenn man mit der Schließung des Teams eigentlich einer Klage im Kundenautostreit aus dem Weg gehen wollte? Zweitteamchef Nick Fry kennt die Antwort. Der von Brawn entmachtete Brite wollte Super Aguri ursprünglich an die Magma-Gruppe seines Freundes David Leach verscherbeln und hätte dabei vermutlich Vermittlungsprovision kassiert. Aus diesem Grund blockte er andere Investoren wie einen holländischen Energy-Drink-Konzern ab.

    Als sich Leach im letzten Moment gegen einen Einstieg entschied und sein großer interner Rivale, Honda-Motorsport-Vizechef Ottmar Szafnauer, mit der deutschen Weigl-Gruppe eine Alternative parat hielt, drohte Fry der komplette Gesichtsverlust. Somit zog der Misserfolgs-Teamchef die Notbremse, erklärte Automobilzulieferer Weigl für unseriös und sorgte dafür, dass der Super-Aguri-Mannschaft mitsamt Transportern der Zutritt zum Fahrerlager in Istanbul verwehrt wurde. Somit kommen die Kommentare von Franz-Josef Weigl nicht überraschend: “Nick Fry hat alles getan, damit unser Deal nicht klappt.”

    Wadas Rausschmiss. Die Vorentscheidung im Abstieg von Aguri Suzukis Rennstall fiel schon Anfang März. Da wurde ein gewisser Yasuhiro Wada - seines Zeichens Honda-Vorstandsvorsitzender und verantwortlich für das F1-Team - entlassen. Als Landsmann Takuma Sato 2006 seinen Stammplatz bei Honda verlor, rief der Japaner Super Aguri ins Leben, um den populären Piloten dort zu parken. Durch Wadas Kündigung verlor das Honda-B-Team seinen wichtigsten Lobbyisten.

    Sato will wieder zurück: Noch nicht abgeschlossen

    Sato will wieder zurück: Noch nicht abgeschlossen

    Takuma Sato plant aktuell seinen Weg zurück in die Formel 1, will dabei aber nichts überstürzen. Notfalls will er auch testen gehen.
    Das Thema Formel 1 ist für Takuma Sato noch nicht abgeschlossen, auch wenn der Japaner aktuell wegen der Auflösung von Super Aguri auf der Straße steht. Denn der Japaner ist mit seinem langjährigen Weggefährten Honda nach wie vor in Kontakt, und auch wenn Sato noch sagen muss, dass nichts fixiert ist, so betont er weiter, dass er wieder in die Königsklasse zurückkommen will. "Noch gibt es keine Pläne. Es ist ein weißes Blatt Papier. Ich hatte das Gefühl, dass Honda mit mir verbunden bleiben will, aber das muss nicht unbedingt mit ihrem Formel 1-Projekt zusammenhängen", meinte er. Wie er sich die weitere Zukunft vorstellt, hat er schon mit Hiroshi Oshima vom Team Vorstand bei Honda besprochen.

    Und Sato ist der Meinung, dass noch einiges in ihm steckt. "Ich glaube, ich kann meine beste Leistung bringen. Ich habe bei Aguri bewiesen, was ich kann. Ich bin noch immer konkurrenzfähig, also suche ich nach einem Weg zurück in die Formel 1", erklärte er. Dafür würde er auch bis 2009 warten, auch wenn er natürlich am liebsten gleich wieder in ein Auto steigen würde. "Ich bin aber nicht so verzweifelt, dass ich um jeden Preis in diesem Jahr Rennen fahren muss. Wenn es eine Chance gibt, gerne, aber wenn 2009 die bessere Gelegenheit kommt, dann werde ich warten. Ich möchte keine überstürzte Entscheidung treffen. Ich hätte lieber eine ordentliche Gelegenheit und wenn ich dafür testen muss, dann bin ich bereit dazu", sagte er.

    Was die Gerüchte betraf, dass er bereits im Sommer bei Renault statt Nelson Piquet Jr. im Auto sitzen könnte, so musste er die doch etwas herunterspielen, auch wenn er insgeheim schon auch seine Freude damit hatte. "Als Fahrer begrüße ich solche Gerüchte. Ich denke, zu dieser Zeit im Vorjahr sollte ich Ralf [Schumacher] bei Toyota ersetzen. Wenn ich bereit bin, lasse ich es euch wissen", meinte Sato. Neben ihm hat die Gerüchteküche auch seinen ehemaligen Teamkollegen Anthony Davidson als möglichen Piquet-Ersatz ausgespuckt. Bei Renault versucht man derweil, dem Brasilianer zu helfen, indem er wohl beim Test in Barcelona nach dem Kanada-Rennen an allen Tagen im Auto sitzen wird. Sehr wagen Gerüchten zufolge hat Flavio Briatore dem Brasilianer eine Gnadenfrist bis einschließlich Silverstone gegeben.

    7. Kanada GP / Circuit Gilles Villeneuve

    7. Kanada GP / Circuit Gilles Villeneuve

    Kanada: Vorsicht - Murmeltiere kreuzen die Strecke!
    Die Formel 1 zeigt sich reif für die Insel: Gefragt nach ihren Lieblings-Veranstaltungen im Kalender, nennen die Protagonisten der Königsklasse des Motorsports immer wieder den Großen Preis von Kanada. Neben der anspruchsvollen Streckenführung des Circuit Gilles Villeneuve auf der mitten im St. Lorenz-Strom gelegenen "île de Notre Dame" schätzen die Fahrer und Teammitglieder vor allem die faszinierende Atmosphäre der frankophilen Metropole Montreal sowie die freundliche Art und die Lebensfreude ihrer rund 3,4 Millionen Einwohner.

    Bei der Abstimmung der Boliden müssen Fahrer und Ingenieure eine Vielzahl von Besonderheiten des 4,361 Kilometer langen Kurses berücksichtigen: Denn die Strecke stellt sehr hohe Anforderungen an das Bremsverhalten, die Traktion, die Aerodynamik und die Motorleistung.

    Vier langen Geraden – auf denen die Formel 1-Monoposti Geschwindigkeiten von bis zu 330 km/h erreichen – stehen zwei Spitzkehren sowie drei engere Schikanen gegenüber. Mehrmals pro Runde bremsen die Piloten aus hohem Tempo stark ab, um kurz danach wieder voll aus den engen Kurven zu beschleunigen. Ebenfalls ein Grund zum Bremsen können die am Streckenrand lebenden Murmeltiere sein. Da ist es kein Wunder, dass der Circuit Gilles Villeneuve als äußerst bremsenmordend gilt.

    Eine der Schlüsselstellen des Kurses stellt die Schikane kurz vor Start und Ziel dar, für welche die Boliden innerhalb von nur knapp zwei Sekunden von weit über 300 km/h auf 100 km/h herunter gebremst werden müssen, um danach sofort wieder entlang der Start-/Zielgeraden voll zu beschleunigen. Wer hier einen Fehler macht, landet schneller als ihm lieb ist in der berüchtigten Wall of Champions.
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    DAG Vorschau

    Circuit Gilles Villeneuve, Kanada

    Der Grand Prix von Kanada am nächsten Wochenende in Montreal ist der siebte Lauf zur Formel-1-Weltmeisterschaft. Das Rennen wird in diesem Jahr zum 40. Mal ausgetragen; zum 30. Mal findet es in Montreal statt. Zwischen 1967 und 1977 wurde der Grand Prix von Kanada acht Mal in Mosport bei Toronto ausgetragen, zweimal in Mont Tremblant. Seit 1978 ist der Kurs auf der Île Notre-Dame im St. Lorenz Strom der Austragungsort. Der heute 4,421 Kilometer lange Kurs wurde 1982 nach dem im gleichen Jahr tödlich verunglückten Kanadier Gilles Villeneuve benannt, der 1978 im Ferrari das erste Rennen auf dieser Strecke gewann.
    Vodafone McLaren Mercedes gewann den Grand Prix von Kanada vor einem Jahr, es war Lewis Hamiltons erster Sieg in seinem sechsten Formel-1-Rennen. Zuvor siegten Mika Häkkinen 1999 und Kimi Räikkönen 2005 für McLaren und Mercedes.

    Lewis Hamilton

    Nach deinem Sieg in Monte Carlo - mit welchen Erwartungen kommst du nach Montreal?

    „Der Sieg in Monaco ist der Höhepunkt meiner bisherigen Karriere, davon habe ich schon als Kind geträumt und ich werde diesen Moment nicht vergessen. Jetzt aber konzentrieren wir uns auf das kommende Rennen in Kanada. Der Circuit Gilles Villeneuve gehört zu meinen Lieblingsstrecken und ist nach meinem Premierensieg dort vor einem Jahr ein besonderer Ort für mich. Der Kurs ist bekannt für die teilweise dicht an der Piste stehenden Streckenbegrenzungen und für seinen schwierigen Belag, der die Reifen zum Körnen bringt. Obwohl wir dort sehr schnell unterwegs sind, kommt mir die Strecke deshalb fast wie ein Stadtkurs vor. Aber ich fahre gerne in Montreal und freue mich auf das Rennen.“

    Welchen Einfluss hat der Streckenbelag auf Grip und Reifenabnutzung?

    „Gerade in Kanada ist es nicht einfach, die richtige Reifenmischung für das gesamte Wochenende auszuwählen, weil sich der Kurs immer wieder verändert. Zusammen mit Bridgestone haben wir uns darauf vorbereitet. Die Reifen körnen auf dieser Strecke stark, zudem ist die Strecke zu Beginn der Veranstaltung noch sehr staubig, da sie nur einmal im Jahr genutzt wird. Die Ideallinie wird zwar schnell sauber, je mehr wir darauf fahren, aber daneben bleibt es durch den Schmutz und den Gummiabrieb sehr rutschig.”

    Wie muss das Auto abgestimmt sein, damit du schnell durch die engen Kurven kommst?

    „Wichtig ist zunächst guter mechanischer Grip, zudem muss das Auto eine gute Balance haben und darf nicht übersteuern. Und das ist nicht so einfach wie es sich vielleicht anhört. Am Kurveneingang darfst du nicht zu schnell sein, besonders am Ende der langen Geraden. Nur wenn du hier den richtigen Kompromiss findest, kommst du schnell durch die Kurven.“

    Vor einem Jahr hast du in Kanada deine erste Pole Position und deinen ersten Sieg in der Formel 1 erzielt.
    Wie hast du dich in den letzten Monaten fahrerisch entwickelt?

    „Meine erste Pole Position in der Formel 1 und mein erster Grand-Prix-Sieg mit Vodafone McLaren Mercedes waren das Größte, was ich bis dahin in meinem Leben erreicht hatte. Es wäre toll, wenn ich das in diesem Jahr wiederholen könnte. Ich bin sicherlich reifer und fahrerisch stärker geworden und ich arbeite mit dem Team viel enger zusammen.”


    Heikki Kovalainen

    Mit welchen Erwartungen reist du zum Grand Prix von Kanada?

    „Ich will in Montreal ein gutes Ergebnis mit dem Team erzielen. Die letzten Rennen waren aus verschiedenen Gründen nicht einfach für mich, aber wir wissen, dass das Auto ein gutes Potenzial hat und das kann ich hoffentlich zeigen.“

    Was ist mit dem MP4-23 in Montreal möglich?

    „Lewis gewann dort vor einem Jahr und das sollte auch in diesem Jahr drin sein; ich denke, unser Auto ist schnell genug. Der Circuit Gilles Villeneuve ist fast wie ein Straßenkurs. Wichtig ist, dass du dich auf die wechselnden Gripverhältnisse einstellst. Nach Monaco mit seinen engen Kurven haben wir in Montreal lange Geraden, an deren Ende jeweils hart
    gebremst wird. Mir gefällt diese Herausforderung und die Rennen dort sind meistens recht interessant.“

    Welche Anforderungen stellt der Circuit Gilles Villeneuve?

    „Am wichtigsten sind hier die Bremsen. Am Ende der langen Geraden wird mehrmals pro Runde stark verzögert und wir müssen uns darauf einstellen, damit die Bremsen das Rennen überstehen. Zudem fahren wir hier viel über die Kerbs, um schneller durch die Kurven zu kommen. Darauf reagieren wir mit einer etwas weicheren Abstimmung, damit das Auto beim Überfahren der Kerbs nicht zu unruhig wird.”

    Du hast vor einem Jahr gezeigt, dass man auf dem Circuit Gilles Villeneuve überholen kann. Wo geht das am Besten?

    „Vor einem Jahr verliefen Training und Qualifying für mich ziemlich schlecht und ich startete vom 19. Platz. Doch mit den ganzen Zwischenfällen und vier Safety Car Phasen ging meine Strategie auf, ich überholte mehrere Autos, war auf einmal Vierter und kämpfte mit Alex Wurz um den dritten Platz. Auch wenn ich Vierter blieb zeigt das doch, dass im Rennen alles passieren kann und man nie aufgeben darf. Die besten Stellen zum Überholen sind jeweils am Ende der drei Geraden. Hier kommt man im Windschatten an das vorausfahrende Auto heran und kann beim Bremsen überholen. Wenn es nicht gleich klappt, bleibt man in den engeren Kurven dran und versucht es bei der nächsten Gelegenheit wieder.“


    Martin Whitmarsh

    Wie ist die Stimmung im Team nach dem Sieg in Monaco?

    „Vodafone McLaren Mercedes führt nach dem ersten Saisondrittel mit Lewis Hamilton in der Fahrerwertung und belegt in der Konstrukteurs-WM Platz zwei. Gerade nach dem Sieg in Monaco ist unsere Stimmung deshalb ausgezeichnet. Wir entwickeln in die richtige Richtung und haben noch eine spannende Saison vor uns. Lewis will auf seinem Erfolg von Monte Carlo aufbauen. Heikki zeigte in seinen ersten sechs Rennen mit unserem Team ebenfalls eine sehr gute Leistung, allerdings ist er etwas enttäuscht, weil ihm ein paar Mal das Glück fehlte und er ein paar mögliche gute Platzierungen verlor. Aber er denkt positiv und weiß, dass er eine große Karriere vor sich hat und Grand-Prix-Siege feiern wird.“

    Die Strecke in Montreal stellt ganz andere Anforderungen als Monaco.

    „Unser Auto liegt besonders in Hochgeschwindigkeitskurven sehr gut. Davon gibt es in Kanada nicht viele, doch wir erzielten dort bereits mehrere gute Ergebnisse. Auf den langen Geraden braucht man einen guten Topspeed, Stabiltät beim Verzögern, Belastbarkeit der Bremsen und Traktion beim Herausbeschleunigen aus den Kurven. Der Circuit Gilles Villeneuve ist eine ungewöhnliche Strecke und nach den Fortschritten, die wir mit dem Auto erzielt haben, freuen wir uns auf das Rennen.”

    Mit welchen Maßnahmen sichern sie die in Montreal erforderliche Leistung der Bremsen?

    „Alle Teams müssen vor dem Rennen in Kanada ihre Bremsen überarbeiten, denn die Bremssysteme, wie sie auf den meisten anderen Strecken eingesetzt werden, würden den Grand Prix in Montreal wohl kaum überstehen. Früher waren die Bremsen oft schon vor Rennende zu stark abgenutzt, das aber wollen wir auf jeden Fall vermeiden. Deshalb gehören andere Beläge und leistungsstärkere Kühlsysteme für die Bremsen zu unserer speziellen Kanada-Abstimmung, daran haben wir zusammen mit unserem Partner Akebono
    gearbeitet.”


    Norbert Haug

    Wie schätzen Sie das Kräfteverhältnis nach dem ersten Saisondrittel vor dem GP von Kanada ein?

    „Die letzten drei Rennen in Barcelona, Istanbul und Monte Carlo haben Teams und Fahrer vor sehr unterschiedliche Aufgabenstellungen gestellt und bieten wohl das breitestmögliche Spektrum dreier aufeinanderfolgender Grand Prix. Vodafone McLaren Mercedes war auf allen drei Strecken podiumsfähig und hat diese Plätze in den Rennen auch belegt. Während Lewis, Dritter, Zweiter und Erster wurde, vereitelten ein Felgenbruch, ein vom Konkurrenten aufgeschlitzter Reifen und ein Softwareproblem beim Einlegen des ersten Ganges am Vorstart von Monaco Heikki eine ähnliche Punkteausbeute. Lewis führt jetzt mit drei Punkten Vorsprung in der Fahrerweltmeister-schaft, vor einem Jahr betrug sein Vorsprung nach sechs Rennen acht Punkte.“

    Welche besonderen Anforderungen stellt die Strecke von Montreal an Fahrer, Fahrzeug und Teams?

    „Zunächst ist das Rennen dafür bekannt, dass es häufig Safety-Car-Einsätze gibt. In den letzten fünf Jahren gab es bei 42 Prozent aller Rennen mindestens einen Safety-Car-Einsatz, in Kanada wurden drei der letzten fünf Rennen, also 60 Prozent zeitweise durch das Safety Car neutralisiert. Auf keiner Strecke werden die Bremsen mehr gefordert als in Montreal, viermal pro Runde wird aus 300 km/h und mehr auf zirka 100 km/h verzögert. Die Motoren sind in Montreal ebenfalls stark beansprucht, auf der langen Geraden werden 15 Sekunden von einer Gesamtrundenzeit von zirka 75 Sekunden Vollgas gefahren.“

    Wie schwierig ist es für Team und Fahrer, sich auf so extreme gegensätzliche Anforderungen wie Monaco und Montreal einzustellen?

    "Es stimmt, außer dass beide Auftrittsorte mit dem gleichen Buchstaben beginnen und Stadtrennen sind, haben diese aufeinanderfolgenden Grand Prix in ihrem Anforderungsprofil nur wenige Gemeinsamkeiten. Unsere Mannschaft konnte mit diesen Gegensätzen im letzten Jahr bestens umgehen, Lewis gewann in Kanada sein erstes Formel-1-Rennen und kommt ein Jahr später als sechsfacher Formel-1-Sieger, aktueller Gewinner des GP Monaco und mit 16 Podiumsplätzen in seinen ingesamt 23 Grand Prix nach Montreal."

    Qualifying: Hamilton überlegen auf Pole

    Qualifying: Hamilton überlegen auf Pole

    Lewis Hamilton hat es geschafft: er startet zum zweiten Mal in seiner Karriere in Kanada von der Pole Position.

    Bis wenige Sekunden vor dem Ende des Qualifyings sah alles nach einer Sensation aus: Robert Kubica steuerte auf seine zweite Pole Position zu - ein Jahr nach seinem heftigen Unfall an gleicher Stelle in Montreal. Doch dann schlug der überragende Mann des Qualifikationstrainings zu: Lewis Hamilton nahm dem Polen sechs Zehntel ab und schnappte sich seine zweite Pole Position in Montreal. Im letzten Jahr konnte er von der Pole aus triumphieren.

    "Das war ein fantastischer Samstag für mich", freute sich Hamilton. "Ich fühle mich seit gestern im Auto wohl." Seine erste Runde im Q3 sei noch nicht so gut gewesen, aber die letzte dafür umso besser. "Lewis Runde war megamäßig", lobte Norbert Haug. "Wenn uns vorher jemand gesagt hätte, dass wir so weit vor Ferrari wären, hätte das kein Mensch geglaubt. Der letzte Sektor war der absolute Hammer. Er ist auf Power gefahren und war das ganze Wochenende eine Klasse für sich."

    Für Robert Kubica war es eine schwierige Qualifikation. "Die Strecke wurde in einigen Kurven immer langsamer, da macht man schnell einen Fehler und kann nicht mehr so gut pushen", erklärte er. "Dennoch freuen wir uns riesig über Platz 2." Kimi Räikkönen ist mit Platz 3 nicht wirklich zufrieden. "Das Auto war das ganze Wochenende gut, auch heute Morgen lief es gut." Aber im Qualifying sei die Streckenbeschaffenheit ein Witz gewesen. "Es ist jedes Jahr dasselbe: die Strecke bricht an denselben Stellen auseinander, du verpasst die Kurven, weil so viel Dreck auf der Strecke ist. Ich habe in Kurve 10 so viel Zeit verloren - ich bin echt enttäuscht. Wir hatten ein Auto, um auf die Pole zu fahren." Sollten die Streckenbedingungen im Rennen genauso sein, erwartet Räikkönen einen Albtraum.

    Die Überraschung des Qualifyings war Fernando Alonso, der seinen Renault auf Position 4 in die zweite Startreihe stellte - noch vor Nico Rosberg im Williams und Felipe Massa im zweiten Ferrari. Erst in Reihe vier stehen Heikki Kovalainen und Nick Heidfeld. "Ich fand das so schlecht nicht, was bei Nick gelaufen ist", sagte Mario Theissen. Er erwartet ein gutes Rennen des Deutschen. Norbert Haug war bei Kovalainen nicht so optimistisch: "Er hat es zum ersten Mal in diesem Jahr nicht so zusammenbekommen", so der Mercedes-Sportchef gegenüber Premiere. "Er war bislang auf einem Level mit Lewis, heute fehlt aber sicher eine ganze Ecke."

    Für Timo Glock verlief das Qualifying gut und schlecht. Gut, weil er klar besser war als sein Teamkollege Jarno Trulli. Schlecht, weil er das Q3 um 0,011 Sekunden verpasste. Schon im Q1 schied Adrian Sutil aus. Dennoch war der Deutsche mit Startplatz 16 zufrieden. Denn erstmals steht er aus eigener Kraft vor seinem Teamkollegen Giancarlo Fisichella.

    "Es kommt allmählich ins Rollen", freute sich Sutil. "In der Türkei sah es schon gut aus; die letzten drei, vier Rennen war der Aufwärtstrend zu sehen." Trotzdem sprach er von einem schwierigen Qualifying, weil die Strecke extrem rutschig war. "Damit hatte jeder Probleme. Ich musste sehr vorsichtig fahren, durfte keinen Fehler machen. Ich hätte sogar noch eine bessere Runde fahren können, aber auch diese Runde hat gereicht, um den Teamkollegen hinter mir zu lassen."

    Auf jeden Fall hinter ihm starten die beiden Toro Rosso. Sebastien Bourdais wurde zwar 16., muss aber wegen eines Getriebewechsels 5 Plätze zurück. Sebastian Vettel konnte im Qualifying überhaupt nicht an den Start gehen, weil das Team sein Auto nach einem Trainingsunfall am Morgen nicht mehr rechtzeitig reparieren konnte.

    Kanada GP: Kubica holt ersten Sieg

    Kanada GP: Kubica holt ersten Sieg
    Ein Jahr nach dem Horrorunfall gewann Robert Kubica sein erstes Rennen ausgerechnet in Montreal. Nick Heidfeld komplettierte den Doppelsieg.

    Vor einem Jahr hatte Robert Kubica in Montreal einen Schutzengel. Er überstand einen der heftigsten Unfälle der vergangenen Jahre nahezu unverletzt. In diesem Jahr hatte Robert Kubica in Montreal eine Glücksfee. Während sich die Konkurrenten von Ferrari und McLaren gegenseitig eliminierten, blieb der Pole im zweiten Rennen in Folge fehlerfrei und holte sich so am Ort seines schlimmen Unfalls den ersten Grand Prix-Sieg, der gleichzeitig auch den ersten Erfolg des BMW Sauber Teams darstellte.

    Den weiß-blauen Doppelsieg komplettierte Nick Heidfeld, der von Startplatz 8 auf Position 2 fuhr. Zwischenzeitlich lag der Deutsche dank einer Einstoppstrategie sogar in Führung und durfte für einige Runden auf seinen ersten GP-Triumph hoffen. In Runde 24 führte Heidfeld mit 6,8 Sekunden Vorsprung vor Rubens Barrichello. In den folgenden Runden baute er den Vorsprung auf Barrichello stetig aus, war zwei Sekunden schneller als der Brasilianer, aber auch als Robert Kubica, der weiter hinten im Feld im Verkehr feststeckte.

    Bei Heidfelds einzigem Stopp in Runde 28 hatte der Mönchengladbacher 26,3 Sekunden Vorsprung auf Kubica und kam sogar vor diesem aus der Box, musste ihn jedoch schon bald ziehen lassen - Kubicas Auto war zu diesem Zeitpunkt aufgrund der Zweistoppstrategie viel leichter. Heidfeld lieferte sich danach ein heißes Duell mit Fernando Alonso, der später jedoch mit einem Dreher ausschied.

    Nun begann das Spiel mit umgekehrten Vorzeichen: Kubica baute den Vorsprung mit fast zwei Sekunden schnelleren Rundenzeiten auf Heidfeld konstant aus, selbst der Verkehr kostete den Polen nicht so viel Zeit, so dass er nach seinem zweiten Stopp deutlich vor Heidfeld auf die Bahn zurückkam und seinen wohl liebsten Funkspruch erhielt: "Position 1, Position 1 - fahr es nach Hause." Genau das machte er.

    Auffahrunfall in der Box

    Vor dem Rennen befürchteten einige Beobachter das Schlimmste: würde die bröckelnde Strecke in der Haarnadel das Rennen überstehen? Der befürchtete Unfall ereignete sich nicht, die rutschige Haarnadel sorgte sogar für einige spannende Zweikämpfe und Überholmanöver. Das Manöver des Rennens gelang Felipe Massa, der die Streithähne Heikki Kovalainen und Rubens Barrichello mit zwei Rädern auf dem Gras auf einmal überholte. Massas Rennen war zu diesem Zeitpunkt wegen eines zusätzlichen Tankstopps allerdings schon stark beeinträchtigt.

    Gar nicht so weit kam der Pole-Mann. Lewis Hamilton führte bis zu seinem Boxenstopp in Runde 18 das Feld klar an. Nachdem Adrian Sutils Ausfall die erste und einzige Safety Car-Phase ausgelöst hatte, kamen die meisten Piloten zum Nachtanken an die Box. Während der draußen gebliebene Heidfeld als Führender an der Boxengasse vorbeifuhr, wurde die Boxengassenampel wie üblich auf Rot geschaltet. Kimi Räikkönen und Robert Kubica bemerkten das und blieben nebeneinander an der Boxenausfahrt stehen. Lewis Hamilton bemerkte es zu spät und knallte Räikkönen ins Heck; Nico Rosberg komplettierte den Auffahrunfall im Heck des McLaren. Für Räikkönen und Hamilton war das Rennen damit beendet.

    "Ich lag vorne, sah einem sicheren Sieg entgegen und habe mir keine Gedanken gemacht", sagte Hamilton im britischen Fernsehen. "Ich sah die beiden vor mir am Boxenausgang und dachte nicht, dass sie plötzlich stehen bleiben würden. Als ich Kimi drauf gefahren war, sah ich auch, dass die Ampel rot war." Doch der warnende Funkspruch des Teams kam zu spät. "Bei einem Mauerkuss ist man sauer, aber hier kann ich nur sagen: Sorry Kimi."

    Großen Jubel gab es bei Red Bull. David Coulthard fuhr ein unauffälliges Rennen und schnappte sich mit nur einem Boxenstopp den dritten Podestplatz hinter den beiden BMW Sauber. Platz 4 ging an Timo Glock, der seine ersten Punkte für Toyota einfuhr, dafür in den Schlussrunden aber hart gegen Felipe Massa kämpfen musste. Der Brasilianer erkämpfte sich Platz 5 vor dem zweiten Toyota von Jarno Trulli, der sein Auto mit Bremsproblemen ins Ziel schleppte. Die letzten Punkte gingen an Rubens Barrichello und Sebastian Vettel. Der Deutsche setzte sich im Schlussspurt gegen den McLaren von Heikki Kovalainen durch. Für Nico Rosberg war als Zehnter kein Punkt mehr drin.

    Kubica: „Davon haben wir alle geträumt“

    Kubica: „Davon haben wir alle geträumt“

    Robert Kubica (Polen) hat die negativen Erinnerungen an Kanada überwunden. Im Interview spricht der BMW-Pilot über seinen ersten Sieg auf dem Gilles Villeneuve Circuit in Montreal.

    Robert Kubica kann ein Jahr nach seinem schweren Unfall auf dem Gilles-Villeneuve-Circuit in Montreal wieder jubeln. Der Pole feiert zusammen mit BMW-Teamkollege Nick Heidfeld einen Doppelsieg in Kanada. Kubica freut sich über seinen ersten Sieg in der Formel 1.

    Frage: "Ein Jahr nach Ihrem schweren Unfall haben Sie BMW in Montreal den ersten Sieg beschert. Ist für Sie damit ein Märchen wahr geworden"

    Robert Kubica: "Das ist ein ganz fantastischer Tag für mich und das ganze Team. Davon haben wir alle vor der Saison geträumt – und jetzt ist es wahr geworden."

    Frage: "Haben Sie vor dem Rennen damit gerechnet, dass das heute Ihr Tag werden könnte?

    Kubica: "Wir sind sicher noch nicht die Schnellsten. Aber wenn die Konkurrenz nicht aufpasst und Fehler macht, sind wir zur Stelle. Aber das ist mir alles egal. Alles, was zählt, ist der Sieg – und den kann mir jetzt keiner mehr nehmen."

    Frage: "Wann war Ihnen bewusst, dass Sie das Rennen gewinnen?"

    Kubica: "Eigentlich erst im Ziel. Die letzten Runden waren die schwersten. Das Team sagte mir über Funk immer wieder, dass ich nur ruhig bleiben muss. Sie sagten mir, dass ich nichts mehr riskieren und nur noch den Sieg nach Hause fahren sollte. Als ich es dann geschafft hatte, war es ein überwältigendes Gefühl."

    Frage: "Es sah alles so einfach aus. Hatten Sie nie Probleme?"

    Kubica: "Das war alles andere als einfach heute, teilweise war es sogar richtig chaotisch, ich denke nur an die Safety-Car-Phase. Ich musste immer hart kämpfen, vor allem bei den Überrundungen, denn Fernando Alonso saß mir da im Nacken und machte mächtig Druck. Ich musste jede Sekunde konzentriert bleiben und durfte keinen Fehler machen. Das ist mir heute ganz gut gelungen."

    Kubica hörte es krachen: Der nächste Meilenstein

    Kubica hörte es krachen: Der nächste Meilenstein
    Vom gefühlten zum richtigen Doppelsieg: BMW Sauber erkürt Montreal zur neuen Lieblingsstrecke.

    Bei BMW Sauber wird man den 8. Juni des Jahres 2008 sicher nicht so schnell vergessen. Nur ein Jahr nach dem schweren Unfall von Robert Kubica, nach dem Mario Theissen den zweiten Platz von Nick Heidfeld als einen gefühlten Doppelsieg bezeichnete, holten eben dieser Kubica und dieser Heidfeld den ersten richtigen Doppelsieg der erst zweieinhalbjährigen Teamgeschichte. "Wir haben uns einen Platz auf dem Podium erhofft", gestand ein überglücklicher Theissen, "aber dass wir hier einen Doppelsieg einfahren würden, daran haben wir im Traum nicht gedacht. Wir haben heute einen Meilenstein geschafft."

    Wie am 5. April dieses Jahrs in Bahrain, wo Kubica die erste Pole Position des Teams einfuhr. Damals verewigte BMW den Erfolg unter anderem in einer limitierten Ausgabe an Feuerzeugen. Diesmal darf es dann wohl ein bisschen mehr sein. Einfach war der Weg zum Doppeltriumph nicht, auch nicht in den 70 Runden auf dem Circuit Gilles Villeneuve. "Es war ein sehr schwieriges Rennen für mich", sagte der Sieger. Schon am Start hätte er beinahe einen Platz gegen Kimi Räikkönen verloren. "Ich konnte ihn gerade noch hinter mir halten."

    Damit waren die kniffligen Situation aber noch nicht ausgestanden. "Der Zeitpunkt der Safety-Car-Phase war für mich unglücklich." Eigentlich wollte Kubica gerade an die Box fahren, musste dann aber draußen bleiben, um keine Strafe zu riskieren. "Drei Sekunden zu früh ging das gelbe Licht an." Nach seinem Boxenstopp sah er ebenfalls ein Licht, diesmal war es rot - nur Lewis Hamilton sah es nicht. "Kimi hielt neben mir, und dann hörte ich es krachen, als Lewis Hamilton in sein Heck fuhr. Ich sollte ihm dankbar sein, dass er sich Kimi ausgesucht hat und nicht mich." Jetzt hatte sich das Blatt zu seinen Gunsten gewendet, auch wenn er zunächst im Verkehr stecken blieb.

    Nachdem Timo Glock an die Box gefahren war, hatte Kubica freie Fahrt. "Ich hatte nur acht Runden, um den nötigen Vorsprung von 21 Sekunden herauszufahren. Das war eine Herausforderung, aber schließlich hatte ich 24 Sekunden Vorsprung, und das bedeutete, dass ich mich vor Nick halten konnte." Von diesem Moment an konnte er es etwas lockerer angehen lassen. Denn Nick Heidfeld war keine Gefahr mehr für ihn. Der Deutsche konnte mit seiner Fahrt von Startplatz 8 auf Platz 2 ohnehin zufrieden sein, obwohl auch er zwischenzeitlich das Rennen anführte und eine kleine Siegchance hatte.

    "Von Startplatz acht ist das ein super Ergebnis - erst recht, wenn man bedenkt, dass ich gerade keine leichte Zeit hatte", sagte Heidfeld, der sich bei freier Fahrt im ersten Stint zu den schnellsten Fahrern im Feld zählte. "In dieser Phase habe ich wirklich alles gegeben", erklärte er. "Dann haben wir auf eine Ein-Stopp-Strategie gewechselt - mit sehr viel Kraftstoffgewicht und den weichen Reifen. Das war eine Herausforderung, aber ich habe es geschafft, Alonso hinter mir zu halten." Der Lohn war der zweite Podestplatz des Jahres.

    Auffahrunfall hat für Hamilton Folgen

    Auffahrunfall hat für Hamilton Folgen
    Nach dem Unfall in der Boxengasse beim Grand Prix in Kanada hat die FIA eine Strafe gegen Lewis Hamilton verhängt. Im nächsten Rennen in Magny Cours verliert er zehn Startplätze.

    Sein Crash in Montreal hat für Lewis Hamilton Folgen: Der Vize-Weltmeister wird beim Großen Preis von Frankreich in zwei Wochen in Magny-Cours (22. Juni) in der Startaufstellung um zehn Plätze zurückversetzt. Zu diesem Entschluss kamen die Sportkommissare des Automobil-Weltverbandes FIA nach dem Kanada-Grand-Prix in Montreal. Sie sahen es als erwiesen an, dass Hamilton für den kuriosen Auffahrunfall während einer Safety-Car-Phase in der Boxengasse verantwortlich war.

    Der Brite war im McLaren-Mercedes dem Ferrari von Weltmeister Kimi Räikkönen ins Heck gefahren. Der Finne hatte vorschriftsmäßig ausgangs der Boxenstraße sein Auto angehalten, weil die Ampel auf Rot stand. Das aber hatte Hamilton offenbar nicht bemerkt. Beide Fahrer schieden aus. Besonders ärgerlich: Hamilton hatte den siebten WM-Lauf bis dahin angeführt.

    Strafen für Hamilton und Rosberg: Zehn Startplätze zurück

    Strafen für Hamilton und Rosberg: Zehn Startplätze zurück

    Hat Lewis Hamilton in Kanada wegen seines Auffahrunfalls in der Boxengasse schon die WM-Führung verloren, so wird er beim Frankreich Grand Prix auch zehn Startplätze verlieren. Das Schicksal teilt er mit Nico Rosberg, der von den Stewards die gleiche Strafe bekam. Grund dafür war, dass Hamilton in Runde 20 am Ende der Boxengasse auf Kimi Räikkönen aufgefahren war, der vor der roten Boxenampel angehalten hatte. Dadurch waren beide aus dem Rennen. Rosberg fuhr hinter Hamilton und bremste ebenfalls zu spät. Der Deutsche musste sich allerdings nur einen neuen Frontflügel abholen.

    Rosberg hakt Magny Cours schon ab

    Rosberg hakt Magny Cours schon ab: Ein doppelt teurer Auffahrunfall
    Ein gutes Rennen verloren und in Magny Cours eine Rückversetzung. Nico Rosberg kam die Box von Montreal teuer. Auch Kazuki Nakajima erlebte dort einiges.

    "Es ist echt schade. Es war so toll für uns und ist so gut gelaufen", konnte Nico Rosberg nach dem Rennen in Montreal nur feststellen. Und damit hatte er schon recht, denn nach dem Start lag er auf Position vier, hatte Fernando Alonso hinter sich gelassen und konnte auch mit Felipe Massa einigermaßen mitfahren. "Ich hatte noch dazu viel Sprit an Bord. Schade, dass es mit dem Resultat nix geworden ist." Denn Rosberg war der Meinung, dass er ohne den Zwischenfall an der Box sicher vor Nick Heidfeld gelandet wäre. Ohne den Zwischenfall an der Box wäre aber das ganze Rennen anders gelaufen, weswegen er meinte: "Es ist Quatsch, wieder darüber zu diskutieren. Es wäre ein gutes Rennen gewesen."

    Der Zwischenfall in der Box an sich, war für Rosberg relativ schnell analysiert. "Ich habe es einfach zu spät gesehen und das war es. Ich bin ihm hinten rein." Rosbergs Problem war dabei, dass er sich an Lewis Hamilton vor ihm orientierte und der war bekanntermaßen zu schnell unterwegs, um rechzeitig vor Kimi Räikkönen zu bremsen. "Du schaust da nur vor dich und da ist ein Auto. Da bist du gleich hinten drauf." Der Williams-Pilot musste gestehen, dass der Blick auf die Boxenampel für ihn eine neue Situation ist, da er in zwölf Jahren Rennsport noch nie darauf geschaut hat. "Wenn das nicht Routine ist, dann muss man sich anstrengen, dass man das rein bekommt. Ich habe nicht früh genug geschaut. Ich habe es dann gesehen, aber zu spät."

    Und das wird Rosberg nicht nur in Montreal teuer zu stehen gekommen sein. Denn die zehn Startplätze Rückversetzung, die er als Strafe für Magny Cours wegen des Auffahrunfalls bekommt, werden auch schmerzen. "Ich denke, das Rennen kann man schon vorher mehr oder weniger vergessen. Wenn ich da als 17. oder 18. starte, wird das mehr als schwer. Einmal schauen, wie es geht. Aber es wird schwer und ich kann nur hoffen, dass es irgendwie gut läuft." Zumindest besser als im weiteren Rennverlauf in Montreal, denn nach dem Boxenzwischenfall kam er auch noch in auf die schmutzige Linie, weswegen Heikki Kovalainen vorbeikam.

    Rosberg setzte seine Hoffnungen darauf, dass Kazuki Nakajima in Frankreich vielleicht die Kohlen aus dem Feuer holt. Für den Japaner war in Montreal allerdings in der Boxengasse endgültig Endstation. Dem war ein eigentlich gutes Rennen vorausgegangen, da sich Nakajima aus Problemen heraushielt. "Als ich dann hinter Jenson war, schien es, als ob er auf die Marbles in der Mitte der Haarnadel gekommen war und die Traktion verlor. Ich konnte nicht ausweichen. Ich habe meinen Vorderflügel beschädigt und er kam herunter. Als ich in die Boxengasse kam, löste er sich dann ganz und steckte unter dem Chassis, wodurch ich die Kurve nicht schaffte", erzählte Nakajima von seinem Renn-Ende. Für Technikdirektor Sam Michael blieb nur festzustellen, dass diesmal Punkte liegen gelassen wurden.

    Trulli Glock nicht böse: Die Luft macht uns verrückt

    Trulli Glock nicht böse: Die Luft macht uns verrückt
    Jarno Trulli verstand, dass Timo Glock zu Renn-Ende seinen Platz verteidigen wollte. Tadashi Yamashina hatte sogar spezielles Lob für den Deutschen.

    Wenn man von Startplatz 14 auf Rang sechs nach vorne kommt, dann braucht man sich eigentlich nicht zu beklagen. Und Jarno Trulli war auf der einen Seite auch ganz glücklich damit, wie es für ihn in Montreal gelaufen war. Andererseits hatte er für seine drei WM-Punkte auch hart arbeiten müssen. "Es war ein schweres Rennen, es war aber das ganze Wochenende verrückt. Für mich lief alles falsch, als wir vor dem Qualifying das Auto dramatisch verändert haben und dann die Streckenbedingungen plötzlich völlig anders waren. Dadurch lief das Auto nicht gut, während die Strecke schlechter wurde", berichtete der Italiener.

    Angesichts dieser Probleme war er mit seinem Rennen dann sogar zufrieden. Schwierigkeiten hatte er trotzdem noch genug. "Ich habe aber einfach weitergemacht. Es sah nach Platz fünf aus, aber leider hat Timo einen Fehler gemacht. Dadurch musste ich lupfen, damit es keine Kollision gibt", sagte Trulli. Und wegen der Ausweich-Aktion konnte Felipe Massa durchschlüpfen. Trotzdem wollte Trulli nicht sauer sein. "Es war eine unglückliche Situation, es ist aber gut, dass wir mit beiden Autos gepunktet haben."

    Und auch Glock nahm er das Manöver nicht übel. "Wir haben gekämpft und er hat seine Position verteidigt. Ich war zwar derjenige, der dadurch verloren hat, aber er ist mein Teamkollege und wir haben eine gute Beziehung. Ich hätte wahrscheinlich das Gleiche gemacht. Man will seinen Platz verteidigen. Es war zwar hart, aber das ist Racing." In Kanada war es aber auch recht wildes Racing, bei dem es sogar in der Boxengasse schepperte. Trulli meinte dazu nur: "Vielleicht ist es die Luft und die macht uns verrückt." Ungeachtet dieser Möglichkeit kündigte er aber an, dass die Ampel an der Boxenausfahrt Thema bei der nächsten GPDA-Sitzung sein wird.

    Für Teamchef Tadashi Yamashina war der Sonntag in jedem Fall ein angenehmer Tag. "Ich hoffe, alle können diesen Moment genießen", meinte er. Wie er erklärte, habe man sich vor dem Rennen bei beiden Fahrern für eine Ein-Stopp-Strategie mit langem ersten Stint entschieden, weil man fest mit Safety Cars rechnete. "Dadurch konnten wir flexibel sein. Die Fahrer und die Boxencrew haben die Strategie genau ausgeführt", lobte Yamashina. Am wichtigsten war seiner Meinung nach aber, dass die Piloten ihre Autos einfach nur auf der Strecke hielten. "Das haben sie geschafft und noch mehr. In der letzten Runde ist Timo hart gefahren und hat Massa abgehalten. Das war eine wertvolle Fahrt und eine wertvolle Leistung von ihm."

    06.-08. Juni: GP von Kanada in Montreal

    Rennergebnisse am 08.06.2008

    06.-08. Juni: GP von Kanada in Montreal

    ERGEBNISSE
    POSITION FAHRER TEAM ZEIT
    1 Robert Kubica BMW Sauber F1 1:36.24,447
    2 Nick Heidfeld BMW Sauber F1 + 00.16,495
    3 David Coulthard Red Bull Racing + 00.23,352
    4 Timo Glock Toyota + 00.42,627
    5 Felipe Massa Ferrari + 00.43,934
    6 Jarno Trulli Toyota + 00.47,775
    7 Rubens Barrichello Honda Racing F1 + 00.53,597
    8 Sebastian Vettel Scuderia Toro Rosso + 00.54,120
    9 Heikki Kovalainen McLaren-Mercedes + 00.54,433
    10 Nico Rosberg Williams F1 + 00.57,749
    11 Jenson Button Honda Racing F1 + 01.07,540
    12 Mark Webber Red Bull Racing + 01.11,229
    13 Sebastien Bourdais Scuderia Toro Rosso + 1

    SCHNELLSTE RUNDE
    Kimi Räikkönen/Ferrari Zeit: 01.17,387 in Runde 14

    AUSFÄLLE
    RUNDE FAHRER TEAM AUSFALLGRUND
    14 Adrian Sutil Force India F1 Getriebedefekt
    20 Kimi Räikkönen Ferrari Unfall mit Hamilton
    20 Lewis Hamilton McLaren-Mercedes Unfall mit Räikkönen
    40 Nelson Piquet jr. Renault F1 Defekt
    45 Fernando Alonso Renault F1 Fahrfehler
    47 Kazuki Nakajima Williams F1 Fahrfehler
    52 Giancarlo Fisichella Force India F1 Fahrfehler
    Bilder
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    Hamilton über Strafe verärgert: Das rote Licht

    Hamilton über Strafe verärgert: Das rote Licht
    Für viel Gesprächsstoff sorgte die Kollision in der Boxengasse von Montreal. Lewis Hamilton und Nico Rosberg wurden nun mit einer Strafe für Frankreich belegt.

    Ganz und gar nicht zufrieden war Lewis Hamilton gestern mit der von der FIA ausgesprochenen Strafe. Grund dafür war ein ungewöhnlicher Auffahrunfall, bei dem der Brite seinen Konkurrenten Kimi Räikkönen in der Boxengasse aus dem Rennen beförderte.

    Die Stewards der FIA belegten demnach nicht nur Lewis Hamilton, sondern auch Nico Rosberg mit einer Strafe für den kommenden Grand Prix in Frankreich. Beide Piloten müssen in Magny Cours zehn Plätze hinter ihren eigentlichen Startpositionen in das Rennen gehen.

    "Natürlich bin ich nicht glücklich darüber, aber sie können mir antun was sie wollen, ich werde stärker zurückkommen", sagte Hamilton selbstbewusst. Die britische Presse scheint diesmal jedoch nicht ganz hinter dem McLaren Piloten zu stehen. "Wie ein Fahrschüler", sei der Daily Star Hamiltons Auftritt vorgekommen.

    Kimi Räikkönen, der das Opfer von Hamilton wurde, dürfte da ähnlich denken... "Es war dumm", sagte Räikkönen im italienischen Fernsehen. Von einem Vergleich mit seinem Auffahrunfall mit Adrian Sutil in Monaco will Räikkönen jedoch nichts. "Ich habe versucht vorsichtig zu sein. Ich habe auf die roten Lichter geschaut, habe kurz zurück gesehen und dann standen sie schon da", so Hamilton.

    "Da waren zwei Autos nebeneinander. Wenn sie in einer Reihe gestanden wären, hätte ich das wahrscheinlich besser erkannt", so Hamilton. Für Räikkönen ist der Vorfall jedoch klar. "Ich habe ein rotes Licht gesehen und bin stehen geblieben, jemand anderes sah ein rotes Licht und hat sich entschieden nicht stehen zu bleiben..."

    8. Frankreich GP / Circuit de Nevers

    8. Frankreich GP / Circuit de Nevers

    Frankreich: Der Retortenkurs im Niemandsland
    Der "Circuit de Nevers", seit 1991 Heimat des französischen Grand Prix, ist berühmt für seine Billardtisch-ähnliche Fahrbahndecke. Doch so sehr dies die Abstimmungsarbeit erleichtert, so sehr erschweren andere Merkmale die Arbeit von Piloten und Technikern. Der Asphalt reagiert zum Beispiel stark auf Temperaturänderungen. Selbst die kleinste Schwankung der Quecksilbersäule erfordert möglicherweise eine andere Reifenwahl und ein modifiziertes Setup.

    Die ebene Fahrbahn-Oberfläche erlaubt bei der Abstimmung die Wahl der geringstmöglichen Bodenfreiheit und den Einsatz sehr harter Federn. In den lang gezogenen, oft sehr schnellen Kurven braucht ein Auto gute aerodynamische Effizienz und Stabilität bei schnellen Richtungswechseln. Obwohl diese Highspeed-Stellen über die Rundenzeit entscheiden, sollten die Boliden auch in den langsamen Ecken fahrbar bleiben. Seit der leichten Modifikation der Strecke im vergangenen Jahr sind Überholmanöver auch an anderen Punkten als der Adelaide-Haarnadel möglich, bleiben aber immer eine Herausforderung.

    Der moderne Retortenkurs in der französischen Provinz bietet neben weitläufigen Auslaufzonen und guten Sicherheitsstandards auch zwei interessante Stellen zum Überholen. So ergeben sich für die Piloten bei der bis zu 11,4 Meter breiten Anfahrt zur Haarnadel Adelaide sowie auf der Bergab-Passage vor Start und Ziel sehr gute Überholmöglichkeiten.
    Bilder
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    Vorschau: Grand Prix von Frankreich 2008

    Vorschau: Grand Prix von Frankreich 2008

    Circuit de Nevers Magny-Cours, Frankreich

    Der Grand Prix von Frankreich am nächsten Wochenende in Magny-Cours ist der achte Lauf zur Formel-1-Weltmeisterschaft 2008. Das Rennen stand seit 1950 in jedem Jahr auf dem Formel-1-Kalender, mit Ausnahme von 1955. Magny-Cours ist der siebte Austragungsort des französischen Grand Prix, nach Reims, Rouen, Clermont-Ferrand, Le Mans, Paul Ricard und Dijon. Er wird in diesem Jahr zum 58. Mal ausgetragen.
    Am 7. Juli 1908, also vor 100 Jahren, erzielte Christian Lautenschlager den ersten Mercedes Sieg im französischen Grand Prix. Sein Auto wurde von einem Vierzylindermotor mit 12,8 Litern Hubraum und 135 PS angetrieben. Seitdem gewann Mercedes-Benz 104 Grand Prix, 40 in der Zeit bis 1939 und 63 in der Formel 1 sowie den nicht zur Formel 1 zählenden GP Berlin 1954.
    Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums werden die Vodafone McLaren Mercedes Fahrer Lewis Hamilton und Heikki Kovalainen einen authentischen Grand-Prix-Wagen von 1908 bei einigen Parade-Runden in Magny-Cours präsentieren.
    In den letzten Jahren war Mercedes-Benz in Frankreich nicht ganz so erfolgreich; den einzigen Sieg der Partnerschaft McLaren Mercedes im französischen Grand Prix seit Beginn der Zusammenarbeit 1995 erzielte David Coulthard in 2000. Vor einem Jahr wurde Lewis Hamilton Dritter und holte so die beste Platzierung für Vodafone McLaren Mercedes.


    Lewis Hamilton
    Du wirst in der Startaufstellung um zehn Plätze nach hinten versetzt. Was bedeutet das für dein Rennen?

    „Ich denke gar nicht lange darüber nach. Wir konzentrieren uns wie immer ganz auf unsere Arbeit. Natürlich werden wir bei der Strategie berücksichtigen, dass ich weiter hinten starte und einige Autos überholen sollte, um Punkte zu sammeln.“

    Kann man in Magny-Cours attackieren?

    „Auf dem Circuit de Nevers gibt es nicht viele Möglichkeiten zum Überholen. Am ehesten geht das beim Ausbremsen vor der Adelaide-Haarnadelkurve und vor der vorletzten Kurve. Die Boxengasse in Magny-Cours ist recht kurz, dadurch eröffnen sich verschiedene strategische Optionen.“

    Wird das Team so stark sein wie zuletzt in Monaco und Kanada?

    „Zwar war unser Ergebnis in Kanada enttäuschend, aber unser Speed am gesamten Wochenende hat dem ganzen Team gefallen. Im letzten Jahr fehlte uns in den Hochgeschwindigkeitskurven etwas Topspeed, aber in diesem Jahr haben wir uns gesteigert. Wir sollten gut in Form sein.”


    Heikki Kovalainen
    Wie gefällt dir die Strecke in Magny-Cours?

    „Ich bin dort immer gern gefahren. Die Hochgeschwindigkeitskurven und anspruchsvollen Schikanen sind für einen Rennfahrer eine interessante Herausforderung. Du musst dort sehr präzise fahren und das gefällt mir.”

    Konntest du bereits dein ganzes Potenzial zeigen, seit du bei McLaren Mercedes bist?

    „Ich komme mit dem MP4-23 immer besser zurecht, auch wenn die Resultate das nicht zum Ausdruck bringen. Magny-Cours gefällt mir und ich will mir dort im Qualifying eine gute Ausgangsbasis für das Rennen schaffen.“

    Was sagst du zu deiner Situation in der Gesamtwertung?

    „Ich schaue mir die Punktetabelle zur Zeit gar nicht an. Die Entscheidung um den WM-Titel ist jedenfalls noch lange nicht gefallen ist. Ich hoffe, dass ich in Frankreich ordentlich Punkte sammeln kann.”


    Martin Whitmarsh
    Wird der MP4-23 auch in den kommenden Rennen so stark sein wie zuletzt in Monaco und Kanada?

    „In Monaco waren wir schon immer stark und in Kanada zeigten wir zuletzt ebenfalls einen guten Speed. Unsere Leistung treibt uns immer weiter an. Wir haben mit dem MP4-23 deutliche Fortschritte erzielt, auch wenn sich das in Kanada nicht auszahlte, und wir kommen optimistisch nach Magny-Cours. Eines unserer Ziele bei der Entwicklungsarbeit im Winter war die Steigerung unserer Leistungsfähigkeit im Hochgeschwindigkeitsbereich und das ist uns gelungen. In Magny-Cours und Silverstone wollen wir das zeigen.“

    Beide Fahrer brauchen voraussichtlich ganz unterschiedliche Strategien. Wie planen Sie unter diesen Umständen das Rennen?

    „Wir wissen, dass es nur für ein Auto die optimale Strategie gibt, aber wir wollen natürlich mit beiden Autos das bestmögliche Resultat erzielen. Beide Fahrer beurteilen ihre Chancen optimistisch und wir werden zusammen mit den Strategen und Ingenieuren intensiv an der bestmöglichen Rennstrategie arbeiten.“


    Norbert Haug
    Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf den Grand Prix von Kanada am letzten Wochenende zurück?

    „Zunächst waren wir natürlich alle extrem enttäuscht und Lewis hat sich sicher am meisten über seinen Fehler in der Boxengasse geärgert. Er hatte mit bemerkenswerten 0,612 Sekunden Vorsprung die Pole Position geholt, seine achte in 24 Grand Prix und das Rennen bis zur Safety-Car-Phase mit über sechs Sekunden Vorsprung klar angeführt. Lewis hatte das ganze Wochenende über den Speed, vor seinen Rivalen zu fahren. Einen ähnlich großen Abstand zwischen der Pole Position und dem Zweiten hat es zuletzt vor 24 Rennen beim Grand Prix von Brasilien 2006 gegeben, als Felipe Massa 0,619 Sekunden vor Kimi Raikkönen im McLaren-Mercedes lag. Das Rennen ist abgehakt, eines der glücklicherweise wenigen bisher, bei dem wir keine Punkte machten.“

    Was erwarten Sie beim Grand Prix von Frankreich, schließlich wird Lewis Hamilton zehn Plätze nach hinten versetzt und Heikki hat zuletzt beim Grand Prix von Kanada nicht gerade geglänzt?

    „Wie unsere Bilanz zeigt, war der Grand Prix Frankreich offensichtlich nie eine leichte Aufgabenstellung für uns. Auf den meisten anderen Strecken haben wir öfter gewonnen als in Magny-Cours. Lewis wurde im letzten Jahr Dritter, nachdem er als Zweiter losgefahren war, er verlor auf der schmutzigen Seite der Bahn gleich den Start gegen Raikkönen im Ferrari. Dieses Mal wird Lewis´ Rennen deutlich weiter hinten losgehen. Wir bauen natürlich darauf, daß Heikki in der gleichen Form unterwegs sein wird, wie bei den ersten sechs Rennen. Mal sehen, vielleicht fällt uns für Lewis eine besondere Strategie ein, um ihm nach vorne zu helfen. Seine Aufgabe bleibt so oder so ausgesprochen schwierig, denn in Magny Cours herrscht erfahrungsgemäß meistens Überholverbot - auch wenn man das schnellste Auto haben sollte. Die Flinte ins Korn geworfen wird deshalb aber trotzdem nicht.“

    Welche Bedeutung hat der Grand Prix von Frankreich für die Marke Mercedes-Benz?

    „Mercedes-Benz und der Motorsport haben in Frankreich eine lange Tradition. Vor 100 Jahren hat Christian Lautenschlager mit einem Mercedes den Grand Prix von Frankreich gewonnen; es war der erste von 104 Grand-Prix-Siegen der Mercedes-Benz Motorsportgeschichte. Schon 14 Jahre davor, 1894, fand das erste Autorennen überhaupt in Frankreich statt, gewonnen von einem Fahrzeug mit Daimler-Motor. Beim Rennen Nizza-Salon-Nizza 1901, also auch in Frankreich, holte Wilhelm Werner erstmals einen Sieg für die Marke Mercedes. 1954 feierten wir unseren Formel-1-Einstand und das Grand-Prix-Comeback mit dem Doppelsieg von Juan Manuel Fangio vor Karl Kling in Reims, wieder in Frankreich, exakt an dem Tag, an dem Deutschland in Bern Fußball-Weltmeister wurde. Unsere Bilanz beim Frankreich Grand Prix in Magny-Cours fällt dagegen bisher eher bescheiden aus – lediglich ein Sieg im Jahr 2000 mit David Coulthard.“

    Die Top-4 auf einem Haufen: Alle wollen Punkte

    Die Top-4 auf einem Haufen: Alle wollen Punkte

    Vier Fahrer werden derzeit als heiße Titelanwärter gehandelt, alle trafen sich am Donnerstagnachmittag in Magny Cours zum Presseplausch.
    Robert Kubica, Lewis Hamilton, Felipe Massa und Kimi Räikkönen kommen nur selten an Rennwochenenden zusammen. Drei von ihnen könnten sich am Samstag und Sonntag in den Pressekonferenzen wiederfinden, alle vier werden sich auf der Rennstrecke über den Weg fahren. In aller Ruhe kamen sie jedoch nur am Donnerstagnachmittag bei der offiziellen FIA-Pressekonferenz zusammen. Dabei gaben sie alle die gleiche Devise aus: sie wollen sie viele Punkte wie möglich mitnehmen und das bestmögliche Ergebnis erzielen.

    Massa & Räikkönen bauen auf die Pace

    "Alles ist offen und sehr eng", sagt Felipe Massa. Einen Neuanfang der Weltmeisterschaft sieht der Brasilianer mit der zweiten Saisonhälfte aber nicht. "Es ging in Melbourne los und da war ich hinten, aber ich habe viele Punkte aufgeholt und bin jetzt in einer sehr guten Position." Noch seien allerdings viele Rennen zu fahren. "Es kann sich alles schnell ändern, wir müssen unsere Performance und Konzentration beibehalten."

    Die Pace der letzten beiden Rennen hält Massa für gut, obwohl Ferrari in Monaco und Montreal im letzten Jahr geschwächelt hatte, sei man diesmal vorne dabei gewesen. "Auf einigen Strecken waren wir vorne, auf anderen etwas hinten, aber in Montreal konnten wir unsere wahre Pace im Qualifying nicht zeigen, weil die Streckenbedingungen uns behinderten." Auch Kimi Räikkönen ist nicht beunruhigt. "Wir müssen Punkte hole, aber ich bin hier, um das Rennen zu gewinnen, das würde mir helfen."

    Trotzdem sieht er seine Ausgangslage nicht als allzu schlecht an. "Vor den letzten beiden Rennen sah es besser aus für mich, aber es ist noch ein langer Weg und der Punkteunterschied an der Spitze ist sehr klein." Noch sei nichts verloren und er werde schon bald zurückschlagen. "Wir haben ein starkes Paket und müssen damit das Beste herausholen." Massa setzt darauf, dass Ferrari in Magny Cours traditionell gut ist. "Auch werden hier normale Rennen gefahren, wenn man dann vorne startet, hat man eine große Chance auch vorne ins Ziel zu kommen." Denn überholen hält Räikkönen in Magny Cours für sehr schwierig. "Letztes Jahr hat es geklappt, hoffentlich erzielen wir wieder ein gutes Ergebnis", hofft der Finne.

    Hamilton kämpft gegen die Strafe

    Bei Lewis Hamilton ist die Ausgangsposition durch seine Strafversetzung um 10 Plätze erschwert. "An meiner Herangehensweise verändert das nichts, natürlich will ich immer gewinnen, aber realistisch gesehen müssen wir, wenn möglich, ein Podium anpeilen." Selbst das werde jedoch schwierig. "Wir müssen die Daumen drücken und so viele Punkte wie möglich mitnehmen." Mit einem Top-5-Platz wäre er schon zufrieden. "Wir haben ein besseres Paket als letztes Jahr und sollten schnell sein. Trotzdem wird es eine Herausforderung." Denn im Qualifying möchte er unbedingt in die erste Reihe fahren, um auch mit seiner Strafe so nah wie möglich an den Top10 dran zu sein.

    Kubica setzt auf Konstanz

    Robert Kubica kann das Wochenende gelassener angehen. Er kommt als Grand Prix-Sieger nach Magny Cours. Großartige Emotionen verbindet er damit nicht. "Die Reaktionen konnte jeder sehen, wir haben danach getestet und uns auf das nächste Rennen vorbereitet", sagt er cool. "Wir hatten ein gutes Wochenende in Kanada, aber wir müssen auch mit beiden Füßen auf dem Boden bleiben, weiter arbeiten und den Rückstand auf McLaren und Ferrari weiter verkleinern."

    Denn Kubica gesteht offen ein, dass ihm in Kanada die Bedingungen halfen. "Bei den Rennen davor war der Abstand größer." Die Strafe von Hamilton könnte BMW Sauber allerdings etwas näher an ein Podium heranbringen. Als Titelanwärter sieht sich Kubica deshalb aber nicht. "Realistisch gesehen ist das nicht der Fall", sagt er, verweist aber darauf, dass sein Team mit konstanten, fehlerlosen Leistungen, guten Strategien und einer beinahe hundertprozentigen Zuverlässigkeit vor die schnelleren Konkurrenten gelangt sei. Und manchmal gewinne am Ende eben nicht der Schnellste, sondern der Konstanteste.

    Haug nimmt Hamilton in Schutz

    Haug nimmt Hamilton in Schutz: Fehler schon von ganz anderen erlebt
    Norbert Haug hat sich noch einmal vor Lewis Hamilton gestellt und gemeint, dass Fehler jedem passieren können. An der Motivation wird es nun nicht scheitern.

    Dass sich das Thema Lewis Hamilton und der Auffahrunfall von Montreal bis ins Wochenende von Magny Cours zieht, liegt nicht nur daran, dass der Brite deswegen zehn Startplätze hinter seiner Qualifying-Position wird ins Rennen gehen müssen. Denn es auch nach wie vor von allen Seiten danach gefragt und Norbert Haug musste seinen Schützling im Vorfeld des Frankreich Grand Prix in Schutz nehmen. "Fehler unterlaufen jedem Menschen, und ich habe Fehler schon von ganz anderen erlebt. In Kanada hat er seine Strafe bekommen. Aber nach Montreal hat er keine Motivationspille gebraucht", sagte der Mercedes Sportchef laut auto motor und sport..

    Haug wusste aber auch, dass es für Hamilton nicht unbedingt einfacher geworden ist, nachdem er in Magny Cours von weiter hinten starten muss. Bei der Strategie sah er zwei Möglichkeiten. Leicht losfahren und darauf hoffen, dass man gleich zu Beginn Plätze gutmacht, gleichzeitig aber auch riskieren, dass man nach dem frühen Stopp im Verkehr hängt. Die andere Variante wäre, schwer loszufahren, zu Beginn etwas im Feld zu hängen und dafür im späteren Rennverlauf Vorteile zu haben. "Wer im Mittelfeld startet, hat nach zehn Runden oft schon 40 Sekunden oder mehr Abstand zum Führenden", musste er dazu anmerken.

    Deswegen war Haug auch klar, dass man wohl wieder Punkte liegen lassen wird und er meinte, dass in dieser Saison schon einige Male Punkte verpasst wurden, die geholt hätten werden müssen. "Aber das lag nicht an Unfähigkeit. Das ist wie ein Lattenschuss beim Fußball. Uns ist lieber, wir haben gezeigt, dass wir mit echter Siegchance unterwegs sind, als auf Ausfälle anderer zu hoffen." In Barcelona und Istanbul wollte er diese Siegchance gesehen haben. Und auch aktuell schätzt Haug McLaren stark ein. "Ich kündige keinen Sieg an, aber - immer unseren Stand vorausgesetzt - wir haben uns im Vergleich zur Konkurrenz am meisten weiterentwickelt."

    Qualifying: Räikkönen auf Pole

    Qualifying: Räikkönen auf Pole

    Kimi Räikkönen beginnt den Großen Preis von Frankreich von der Pole Position. Neben ihm startet Felipe Massa. Einziger Deutscher in den Top10 ist Timo Glock.

    Das Qualifying war eine klare Angelegenheit für Ferrari: Kimi Räikkönen setzte sich hauchdünn gegen seinen Teamkollegen Felipe Massa durch. Für den Finnen ist es die zweite Pole des Jahres, Massa komplettiert die rote erste Startreihe.

    "Unser Speed war das gesamte Wochenende über gut", sagte Räikkönen, "aber erst morgen wird es entscheidend." Dann müsse man gewinnen und Punkte aufholen. "Ich habe meine letzte Runde abgebrochen, weil das Team mir sagte, dass ich reinkommen sollte. Ich war ohnehin Schnellster und es machte keinen Sinn, eine Runde zu verschenken." Felipe Massa war nicht ganz zufrieden. "Ich habe das Auto etwas überfahren und dadurch Zeit verloren", sagte er. "Trotzdem ist die erste Reihe gut. Das Auto fühlt sich gut an und ist auf diesen Strecken schnell, das haben wir heute ausgenutzt."

    In der zweiten Reihe beschert Fernando Alonso den Renault-Fans Startplatz 3, denn der Dritte Lewis Hamilton wird aufgrund seiner Bestrafung vom Kanada GP 10 Startplätze verlieren und von 13 ins Rennen gehen. "Das Qualifying war enttäuschend für mich", sagte Hamilton. "Ich muss mich beim Team entschuldigen. Meine Leistung war nicht gut, ich habe zweimal den gleichen Fehler gemacht und bin aus Kurve 7 zu weit rausgetragen worden." Das habe ihn rund drei Zehntel gekostet. "Ich habe zu viel gewollt. Wir sind nicht so gut wie in Kanada, aber haben eine vergleichbare Pace zu Ferrari."

    Jarno Trulli startet neben seinem Ex-Teamkollegen Alonso aus Reihe 2. Erst auf Startplatz 5 findet sich Heikki Kovalainen wieder. Er geht neben Kanada-Sieger Robert Kubica ins Rennen. Bester Deutscher ist Timo Glock auf Startplatz 9.

    Von drei Deutschen mussten sich die Fans im zweiten Qualifyingabschnitt verabschieden. Nick Heidfeld hatte schon im Q1 arge Probleme und kam nur mit Ach und Krach in die zweite Runde. Dort scheiterte er als Zwölfter erneut knapp am Einzug ins Q3. "Auf der einen Seite bin ich enttäuscht, weil das Auto nicht da ist, wo wir es erwartet hatten", sagte Heidfeld in einem TV-Interview. "Aber wenn ich nur auf mich schaue, habe ich Fortschritte gemacht und bin näher an Robert dran."

    Trotzdem sei das Ergebnis natürlich nicht das, was man sich vorgestellt habe. "Wir hatten das gesamte Wochenende nicht die Pace." Mario Theissen baut nun auf die Strategie. "Wir gehen davon aus, dass die Autos vor uns, leichter sind als wir - außer McLaren und Ferrari. Das werden wir aber erst morgen sehen." Hinter Heidfeld landete Sebastian Vettel auf Platz 13. Nico Rosberg belegte den 15. und letzten Platz des Q2 und fällt zudem noch 10 Startplätze zurück, weil ihm noch die Strafe aus Kanada nachhängt.

    Für Adrian Sutil war schon nach der ersten Session Schluss. "Ich hatte gleich am Anfang meiner schnellen Runde in Kurve 3 viel Untersteuern", zeigte er sein Problem auf. "Ich weiß nicht warum, aber wenn man dort Untersteuern hat, ist es gleich vorbei." Sutil kostete es drei Zehntel, so dass er bei den extrem knappen Abständen in Magny Cours keine Chance hatte. "Es sah gut aus, aber am Ende fehlten mir sieben Hundertstel auf meinen Teamkollegen. Das wurmt schon, aber der Abstand ist nicht die Welt."

    Kovalainen muss 5 Plätze zurück: Noch eine Strafe

    Kovalainen muss 5 Plätze zurück: Noch eine Strafe

    Es ist nicht das Wochenende von McLaren Mercedes. Nachdem Lewis Hamilton bereits in Kanada mit einer Strafversetzung um 10 Startplätze ausgestattet wurde, erwischte es im Qualifying von Magny Cours auch Heikki Kovalainen. Der Finne behinderte Mark Webber auf einer seiner Auslaufrunden und wurde dafür von den Rennkommissaren mit einer Strafversetzung um 5 Startplätze versehen. Kovalainen geht damit von Platz 10 ins Rennen.

    Ferrari feierte und plante: Punkte gibt es nach dem Rennen

    Ferrari feierte und plante: Punkte gibt es nach dem Rennen

    Die 200. Pole war Ferrari eine kleine Jubelei wert, doch das Team wollte sich voll auf das Rennen konzentrieren, in dem es durchaus auch regnen könnte.

    Wenn es etwas zu feiern gibt, dann ist Ferrari auch nicht verlegen, das zu tun. In Magny Cours war die 200. Pole Position an der Reihe, die das Team natürlich gerne in Empfang nahm. Für Kimi Räikkönen war es erst die 16. in seiner Karriere, doch der Finne freute sich mit dem ganzen Team. "Es ist toll, Ferraris 200. Pole geholt zu haben, auch wenn ich momentan erst eine kleine Rolle in der Geschichte der Scuderia gespielt habe. Das Wochenende läuft bislang wirklich gut, aber wir müssen natürlich noch den wichtigsten Teil erledigen und der ist das Rennen, in dem alles passieren kann", sagte der Weltmeister. Das Auto fand der Finne gut ausbalanciert und bei den Reifen hatte er über eine Runde ähnliche Leistung erlebt, erwartete den härteren aber als den standfesteren. "Wenn ich nicht gewinnen sollte, wäre ich natürlich sehr enttäuscht, aber das Wichtigste ist es, ins Ziel zu kommen und das Punkte-Maximum nach Hause zu bringen, denn wir brauchen sie wirklich."

    Felipe Massa war mit einem Qualifying auch ganz zufrieden, ärgerte sich aber darüber, in Q3 etwas zu sehr über das Limit gegangen zu sein, um das volle Potential aus dem Auto zu holen. "Ich habe genug Zeit verloren, um nicht weiter vorne zu sein. Ich bin aber auch zufrieden, denn wir haben alles parat, um wichtige Punkte für die Weltmeisterschaft zu holen", sagte der Brasilianer, der von Position zwei ins Rennen gehen wird. Mit dem Auto war er so wie Räikkönen zufrieden und beteuerte, dass man bei der Feinabstimmung in die richtige Richtung gegangen sei. "Die Reifenwahl für das Qualifying war nicht einfach, aber bislang waren wir in allen Bedingungen stark. Ich freue mich, dass das Team seine 200. Pole Position geholt hat und es ist eine Ehre für mich, einen kleinen Teil dazu beigetragen zu haben", meinte er noch.

    Dem konnte sich auch Teamchef Stefano Domenicali nur anschließen, der aber betonte, dass man sich nun nicht auf den Lorbeeren ausruhen dürfe. "Es sind die WM-Punkte, die zählen und die gibt es nach dem Rennen. Es stimmt, dass wir mit dem Ergebnis die bestmöglichen Startplätze haben, aber wir müssen jedes kleinste Detail beachten, wenn wir die vollen Punkte mitnehmen wollen", erklärte er. Besondere Sorge bereitete ihm dabei die Wettervorhersage, die für Sonntag noch recht unsicher war und von einer Möglichkeit sprach, dass es während des Rennens zu einem Gewitter kommen könne.

    Ergebnis: Großer Preis von Frankreich

    Ergebnis: Großer Preis von Frankreich

    Heikki Kovalainen Vierter vom zehnten Startplatz
    Lewis Hamilton Zehnter nach zwei Strafen – Vierter in der Meisterschaft
    Vodafone McLaren Mercedes auf Platz drei in der Konstrukteurs-WM


    Vodafone McLaren Mercedes Fahrer Heikki Kovalainen belegte beim Grand Prix von Frankreich in Magny-Cours den vierten Platz. Nach 70 Runden (308.586 km) fuhr er 28,9 Sekunden hinter Sieger Felipe Massa (Ferrari) ins Ziel, obwohl er in der Startaufstellung um fünf Plätze zurückversetzt worden war und als Zehnter ins Rennen ging. Sein Teamkollege Lewis Hamilton wurde Zehnter; er startete von Rang 13 nach einer Rückversetzung um zehn Plätze, diese Strafe hatte er in Kanada erhalten Lewis erhielt zudem eine Durchfahrtsstrafe, weil er in der ersten Runde in Kurve sieben nach einem Überholmanöver gegen Sebastian Vettel abgekürzt haben soll. Nach acht von 18 Rennen ist Lewis Hamilton in der Fahrer-WM mit 38 Punkten Vierter, es führt Massa mit 48 Punkten. In der Konstrukteurs-WM liegt Vodafone McLaren Mercedes auf Platz drei mit 58 Punkten; es führt Ferrari mit 91 Zählern.

    Der Start:
    Lewis und Heikki hatten in Qualifying die Plätze drei und sechs belegt. Auf Grund seiner Bestrafung nach dem Grand Prix von Kanada vor zwei Wochen wurde Lewis Hamilton in der Startaufstellung um zehn Position nach hinten versetzt und startete deshalb von Position 13. Heikki rückte wegen Lewis‘ Strafe um einen Platz vor, wurde dann jedoch um fünf Plätze zurückversetzt, weil er im Qualifying Mark Webber behindert haben soll, und startete deshalb als Zehnter. Heikki kam als Neunter aus der ersten Runde zurück, Lewis war Zehnter.
    Das Rennen:
    Runde 5: Lewis überholte Heikki und war Neunter.
    Runde 13: Lewis erhielt eine Durchfahrtsstrafe, weil er in der ersten Runde in Kurve sieben abgekürzt haben soll. Er fuhr deshalb einen Umlauf später durch die Box und war 13. Heikki war Neunter.
    Runde 16: Heikki verbesserte sich nach Fernando Alonsos erstem Boxenstopp auf Rang acht.
    Runde 19: Lewis überholte Fernando Alonso und übernahm Position zwölf. Anschließend legte der Engländer seinen ersten Boxenstopp ein (8,9 Sekunden) und nahm das Rennen als 19. wieder auf.
    Runde 25: Heikki fuhr als Vierter zu seinem ersten Boxenstopp herein (9,4 Sekunden) und war danach Zehnter.
    Runde 28: Heikki war Neunter und Lewis fuhr auf Platz 16.
    Runde 30: Heikki verbesserte sich auf Platz sieben.
    Runde 36: Lewis fuhr auf Position 13.
    Runde 42: Heikki überholte Mark Webber (Red Bull Renault) in der Adelaide Haarnadelkurve und übernahm Rang sechs. Nach dem zweiten Boxenstopp von Alonso einen Umlauf später war er Fünfter.
    Runde 47: Nach dem zweiten Boxenstopp von Robert Kubica (BMW Sauber) war Heikki Vierter; Lewis bremste Alonso aus – auch in der Haarnadelkurve –und war jetzt Zwölfter.
    Runde 50: Durch den Boxenstopp von Jarno Trulli (Toyota) kam Heikki auf Rang drei, Lewis war jetzt Achter.
    Runde 52: Zweiter Boxenstopp von Heikki (6,5 Sekunden), er nahm das Rennen als Vierter wieder auf. Lewis fuhr unmittelbar danach an die Box (7,0 Sekunden) und fiel auf Platz zwölf zurück.
    Runde 57: Es begann zu regnen. Lewis überholte Timo Glock (Toyota) und war Zehnter.
    Runde 59: Heikki verkürzte den Abstand hinter Trulli auf 0,7 Sekunden. Lewis fuhr 0,8 Sekunden hinter David Coulthard (Red Bull Renault).
    Runde 60: Heikki attackierte Trulli, kam aber nicht vorbei.
    Ziel (Runde 70): Heikki wurde Vierter und verpasste das Podium um 0,6 Sekunden. Lewis fuhr als Zehnter ins Ziel.


    Lewis Hamilton
    „Die Durchfahrtsstrafe war für mich nicht eindeutig. Ich glaubte, dass ich Vettel fair überholt hatte und eingangs der nächsten Kurve vor ihm war. Doch ich war auf der äußeren Linie und wenn ich nach innen gezogen hätte, wären wir miteinander kollidiert. Dann brach das Heck aus und ich fuhr über die Kerbs. Danach attackierte ich so gut ich konnte bis ins Ziel. Ich holte jetzt in drei Rennen in diesem Jahr keine Punkte, doch zehn Grand Prix liegen noch vor uns. Kein Grund, sich entmutigen zu lassen. Ich liege zehn Punkte hinter der Spitze und freue mich jetzt auf Silverstone, wo ich vor meinem Heimpublikum wieder angreifen will.“

    Heikki Kovalainen
    „Nach der Rückversetzung um fünf Positionen war das ein sehr gutes Ergebnis. Wir hatten eine super Strategie, die mich von Startplatz zehn auf Rang vier nach vorn brachte. Vor dem ersten Boxenstopp verlor ich viel Zeit hinter langsameren Autos. Dann konnte ich jedoch überholen und den Abstand zur Spitze verkürzen. Das Auto lag während des ganzen Rennens optimal und die Bridgestone Reifen funktionierten bestens. Am Ende lag ich hinter Jarno Trulli und versuchte alles, ihn zu überholen, aber ich schaffte es nicht ganz. Er verteidigte den dritten Platz nach Kräften und ich kam einfach nicht vorbei.“

    Ron Dennis
    „Ein schwieriges Wochenende für uns. Heikki fuhr brillant und kämpfte bis zur Zielflagge; er verpasste das Podium nur knapp. Lewis‘ Rennen wurde durch die Durchfahrtsstrafe sehr erschwert. Wir haken dieses Wochenende schnell ab und schauen nach vorn. Wir haben ein starkes Auto und zwei sehr gute Fahrer und sind gut aufgestellt. Jetzt konzentrieren wir uns auf den Britischen Grand Prix, um dort das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Wir wollen in Silverstone wieder um den Sieg kämpfen.“

    Norbert Haug
    „Unser Speed war nicht schlecht. Ohne die Durchfahrtsstrafe war definitiv Platz drei für Lewis drin und von 13 auf drei auf diesem alles andere als überholfreudigen Kurs hätte natürlich eine super Story werden können. Heikki fuhr klasse von Platz zehn auf vier. Schade, dass er am Ende Trulli nicht mehr packen konnte. Aber immerhin lieferte er den Zuschauern den Kampf des Rennens. Wir haken dieses Rennen ab und konzentrieren uns jetzt auf den ersten unserer zwei aufeinander folgenden Heim Grand Prix in Silverstone. Lewis’ Abstand zur Tabellenspitze beträgt zehn Punkte, und das ist immer noch überschaubar.“