Die Diamanten-Maschine

      Die Diamanten-Maschine

      Synthetische Steine :
      Die Diamanten-Maschine
      18.09.2015 16:12 UhrVon Philipp Graf

      Freiburger Forscher züchten massenweise lupenreine Diamanten - vor allem, um eine Alternative zu Silizium für die Halbleiterindustrie zu schaffen. Doch die richtige Politur könnte die Gewächse aus dem Plasmareaktor auch zu Juwelen machen.

      Die Maschine, die einmal die Diamanten-Welt ins Wanken bringen könnte, thront wie ein gigantisches Ei aus Silber in einem Kellerlabor im Norden von Freiburg. „Obelix“ ist bereit für die nächste Schicht. Fast zwei Meter ragt der größte von acht Plasmareaktoren am Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik (IAF) in die Höhe. Per Knopfdruck hat Ingenieurin Nicola Lang im Bauch von Obelix aus den Gasen Wasserstoff und Methan ein Plasma entfacht. Durch ein Sichtgitter im Aluminiumgewand des Mikrowellenofens kann sie beobachten, wie die grün-bläuliche Gaswolke vor sich hin glimmt.

      Genau dort vollzieht sich gerade Magisches: Schicht für Schicht wächst innerhalb von Stunden auf einem Objektträger ein Material, das aussieht wie farbloses Glas. Doch es ist ein makelloser, einkristalliner Diamant. Purer Kohlenstoff in seiner superkompakten Gitterstruktur. Wenn man ihn poliert, beginnt er, auf unnachahmliche Weise zu funkeln.

      „Unsere synthetischen Diamanten sind chemisch und physikalisch identisch mit Rohdiamanten, die aufwendig in Minen abgebaut werden“, sagt Nicola Lang. Noch dazu ist Obelix effizient, der silberne Koloss aus Freiburg ist auf Massenproduktion ausgelegt. Vor Kurzem haben Lang und ihr Team mit der Maschine einen Rekord aufgestellt: „Uns ist es gelungen, 600 lupenreine Einkristall-Diamanten gleichzeitig zu züchten. Das sind 0,3 Karat pro Diamant innerhalb von zehn Tagen.“ Die so gewachsenen Steine sind gerade so groß wie eckiges Konfetti. Aber sie sind bestechend rein und haben eine Qualität, die für Juweliere attraktiv sein könnte. Das wäre ein lukrativer Markt. Mehr als 70 Milliarden Euro wurden im vergangenen Jahr weltweit für Diamantschmuck ausgegeben.

      Einkristalliner Diamant ist für die Industrie ein teurer Exot

      Christoph Nebel winkt ab. „Schmuckdiamanten sind ein hübscher Nebenaspekt unserer Forschung“, sagt der Leiter der Abteilung Halbleitersensorik am IAF. Für den 59-Jährigen ist Diamant ein faszinierender Werkstoff. „Diamant ist sehr leicht, er übersteht hohe Temperaturen ohne Kühlung und ist strahlungshart“, sagt er. Bestückt man das Kohlenstoff-Atomgitter mit zusätzlichen Elementen, erhält der Diamant zudem exzellente elektronische Eigenschaften. Er gilt daher als Halbleitermaterial mit glänzender Zukunft. Die Freiburger Diamanten sollen insbesondere in der Leistungselektronik zum Einsatz kommen, etwa in Bauteilen für die Satellitenkommunikation und in Linsen für Hochenergie-Laser.

      Er hat nur einen Makel: „Bisher ist einkristalliner Diamant in der Industrie ein sehr teurer Exot geblieben.“ Das wollen Nebel und sein Team ändern. Die Fraunhofer-Forscher tüfteln seit Jahren daran, den Diamant von einer seltenen Kostbarkeit zur Massenware machen. Sie wollen das Material auf dünne Scheiben aufbringen. Solche Wafer, aus denen dann Bauteile gefertigt werden, sind das ultimative Basisformat der Halbleiterindustrie. „Ein Diamant-Wafer von vier oder sechs Zoll wäre der Durchbruch“, sagt Nebel. Diamant als Alternative zu Silizium und Iridium.

      Seit rund 60 Jahren gelingt es Forschern, Diamant im Labor herzustellen. 1954 präsentierte der amerikanische Konzern General Electric der Welt seine ersten synthetischen Diamanten, erzeugt durch das Hochdruck-Hochtemperatur-Verfahren (HPHT). Es ahmt die Bedingungen nach, die bei der zufälligen Entstehung von Kristallen tief im Erdmantel herrschen. Graphit – jene Kohlenstoffform, die in Bleistiftminen steckt – wird zusammen mit einem Katalysator wie Eisen oder Nickel und einem Ziehdiamant in ein Metallgefäß gepackt. Die Kapsel wird bei 1500 Grad Celsius in einer hydraulischen Presse mit Drücken traktiert, die dem 50 000-Fachen des Luftdrucks auf der Erdoberfläche entsprechen. Nach etwa einer Woche unter Hochdruck schließen sich die in Schichten angeordneten Kohlenstoffatome im Graphit tetraedrisch zu Diamant zusammen. Es bilden sich winzige Kristalle, die oft mit Einschlüssen und Stickstoff verunreinigt sind, und deswegen gelblich schimmern.

      Fast wie von allein wächst ultrareiner Diamant

      Solches Diamantpulver wird vor allem in Werkzeugen zum Bohren, Schleifen und Schneiden eingesetzt. Für die Schmuckindustrie taugen die Krümel nicht. Einige Unternehmen haben es jedoch in den letzten 15 Jahren geschafft, das aufwendige Verfahren so zu verfeinern, dass sie farblose oder farbige Steine von mehreren Karat Gewicht züchten können. Kürzlich stellte die Firma „New Diamond Technologies“ einen geschliffenen Synthesediamanten von zehn Karat vor. Der Rekordklunker war im April in einer der 50 riesigen Diamantpressen herangewachsen, die das Unternehmen in St. Petersburg in einer Fabrikhalle betreibt. Doch die Energiekosten sind so gewaltig, dass sie die Wirtschaftlichkeit derartiger Geschäftsmodelle infrage stellen.

      Die Diamantenerzeuger setzen daher zunehmend auf eine zweite Herstellungsmethode, auf jene Beschichtungstechnik, die auch das Fraunhofer-Team erforscht: die Gasphasenabscheidung (chemical vapour deposition, CVD). Dabei gibt man ein Diamantsubstrat in einen Mikrowellenofen und pumpt ein Gasgemisch aus Spuren von Methan und reichlich Wasserstoff hinein. Die Mikrowellen lassen einen heißen Plasmaball entstehen, wobei das Methan ein Wasserstoffatom verliert. Das Restmolekül mit einem Kohlenstoffatom regnet quasi aus der Plasmawolke auf das Substrat herab und lagert sich diamantartig an. Dabei entsteht manchmal neben Diamant auch Graphit. Er wird durch den aggressiven molekularen Wasserstoff weggeätzt. Schicht um Schicht, etwa ein Mikrometer pro Stunde, wächst so fast wie von allein ultrareiner Diamant heran.

      Seit 20 Jahren perfektionieren die Fraunhofer-Forscher ihr CVD-Verfahren. Ein Schlüssel dazu ist die patentierte Ellipsoid-Form des Reaktors. Sie ermöglicht es, ein großvolumiges Plasma am Boden zu erzeugen und damit Diamant auf einer großen Fläche abzuscheiden, sagt Nebel. Um schmucktaugliche Einkristalle zu züchten, muss bereits die Unterlage aus monokristallinem Diamant bestehen. Solche Substrate beziehen die Forscher in Form von neun Quadratmillimeter großen Plättchen bei kommerziellen Herstellern. Das sei eine einmalige Anschaffung, da man nach jedem Zyklus mit einem Laser die Substrate von den gewachsenen Steinen abtrennen und wiederverwenden könne.

      Die Molekularköche bringen Farbe ins Spiel

      „Der eigentliche gewachsene Diamant ist billig“, sagt Nebel. Denn Methan und Wasserstoff sind günstige Industriegase. Die Energiequelle, eine 10-Kilowatt-Mikrowellenanlage, ist der wichtigste Kostentreiber. „Eine zwei Millimeter dicke Schicht von 0,3 Karat kostet in der Herstellung etwa 70 bis 100 Euro“, rechnet er vor. Von der günstigen Produktion können auch Schmuckkäufer profitieren. Die Firma „Pure Grown Diamonds“, die in den USA selbsterzeugte CVD-Juwelen vermarktet, verkauft ihre geschliffenen Steine um bis zu 40 Prozent unter den Preisen für Natursteine.

      Nicht nur in ihrer Reinheit übertreffen die Synthesesteine Rohdiamanten. Die Molekularköche können Farbe ins Spiel bringen: „Geben wir Bor ins Gasgemisch, wird das Element in das wachsende Kristallgitter eingebaut und der Diamant wird blau“, sagt Nebel. Mit Stickstoff entstehen gelbe Steine. Komplizierter sei es bei den roten. Solche fancy colours sind in der Schmuckindustrie begehrt, denn Käufer zahlen dafür hohe Preise.

      Diamant ist eine besondere Anordnung von Kohlenstoffatomen - nicht mehr


      Die Fraunhofer-Ingenieure wollen sich auf Hightech-Anwendungen konzentrieren. Doch seit sie die Ergebnisse ihrer 600-Steine-Produktion publik machten, bekommen sie regelmäßig Anfragen aus der Schmuckbranche. Die meisten seien dubios. In seriösen Fällen verweist Nebel auf die neugegründete Firma „coat6“ in München. Das Unternehmen hat die Lizenzrechte für die CVD-Technologie erworben, der Anlagenbauer wird nun die Abscheidegeräte für die Herstellung kleiner Diamantsteine konstruieren und vertreiben. Ein internationaler Investor, der im Schmuckmarkt tätig ist, ist offenbar eingestiegen und will eine Fabrik bauen. „Es geht um man-made diamonds für Verlobungs- und Eheringe“, sagt Nebel.

      Die Unternehmen brauchen einen langen Atem

      Das liegt im Trend, bestätigt Paul May, CVD-Diamantspezialist an der Universität von Bristol. „Die Edelsteinproduktion aus CVD-Diamant ist in den vergangenen zwei Jahren sprunghaft gestiegen, mit vielen Startups in Indien, China, Singapur“, sagt der britische Chemieprofessor. „Viele denken bei Schmuck aus künstlichem Diamant an den schnellen Profit.“ Die Kosten-Nutzen-Analyse zeige jedoch: Nur wenn man so ein Vorhaben im großen Stil aufziehe, könne es rentabel werden. Die Unternehmen brauchen einen langen Atem. Zehn Jahre und länger dauere es, bis sich die Investitionen rentieren. Der Technologie aus Freiburg traut er indes einiges zu: „Die Eier-Reaktoren aus Freiburg sind sehr gut.“

      Wie schätzt die Edelstein-Industrie die synthetischen Schmuckdiamanten aus Freiburg ein? Das International Institute of Diamond Grading and Research (IIDGR), eine Forschungseinrichtung mit Sitz in London, gehört zum Diamantenkonzern De Beers und gilt in der Branche als oberster Qualitätshüter. Die Experten beobachten die Diamantenzüchter aus Freiburg sehr aufmerksam. „Wir haben großen Respekt für die exzellente akademische Forschung", sagt IIDGR-Präsident Jonathan Kendall. „Doch wir glauben nicht, dass die nun präsentierte Technologie von besonderer Relevanz für die synthetische Schmuckdiamant-Produktion ist.“ Reaktoren vergleichbarer Größe seien schon länger kommerziell erhältlich. Die meisten Hersteller von Synthesen für Schmuck seien zudem eher an weniger und dafür größeren gewachsenen Steinen interessiert.

      Nach Kendalls Einschätzung besteht für die Juweliere wenig Grund zur Sorge vor der Konkurrenz aus dem Labor. „Wir haben keine Anzeichen dafür, dass es eine nennenswerte Nachfrage nach Schmuck mit synthetischem Diamant gibt.“ Allenfalls als Modeschmuck sei eine Nische denkbar. „Unsere Marktanalysen deuten darauf hin, dass Konsumenten synthetische Diamanten als Liebesbeweis nicht akzeptieren“, sagt er.

      Natur oder Fabrikware? Beide Seiten feilen an ihrem Image

      An dem vermeintlichen Image-Problem der Kunststeine bastelt der Diamantenriese De Beers mit seinen Kampagnen kräftig mit. Nur ein vor Millionen Jahren im Vulkan gewachsenes Kristall sei ein echtes Symbol für ewige Liebe, nicht die in wenigen Tagen entstandene Fabrikware. De Beers hat zudem mehr als 60 Millionen US-Dollar in die Entwicklung von Hightech-Geräten gesteckt, mit denen Händler synthetische Diamanten identifizieren können. Die Branche ist gemäß eines neuen ISO-Standards gezwungen, ihre Steine besonders zu kennzeichnen. Sie dürfen nicht als „Diamanten“ verkauft werden, sondern müssen mit dem Zusatz man-made diamonds oder als synthetische Diamanten ausgewiesen werden.

      Christoph Nebel sieht das nüchtern: „In der Edelsteinindustrie, allen voran bei De Beers, gibt es immense Bemühungen, den künstlichen Diamant als minderwertig abzustempeln.“ Die Händler versuchten, den Wert des derzeitigen Marktes zu erhalten. Wissenschaftlich halte diese Grenzziehung nicht stand. Diamant sei nun einmal eine besondere Anordnung von Kohlenstoffatomen, unabhängig von der Herkunft und Entstehungsgeschichte. „Entscheidend ist die Politur. Warum sollte nur die zufällige Entstehung im Erdinnern ein schmuckwürdiger Prozess sein?“ CVD-Schmuckdiamanthersteller werben ihrerseits damit, ihre Steine aus dem Labor seien garantiert konfliktfrei und nachhaltig produziert, ohne dass natürliche Ressourcen ausgebeutet werden müssten.

      Die Fraunhofer-Forscher träumen weiter von den Diamant-Wafern für die Halbleiter-Industrie. Nebel ist überzeugt: „Wenn wir es schaffen, mit Maschinen wie unseren künstlichen Diamant tonnenweise herzustellen, geraten auch die Preise im Schmuckmarkt unter Druck.“

      Quelle: tagesspiegel.de/wissen/synthet…en-maschine/12340220.html
      Edelsteine
      Warum De Beers nahe London unverkäufliche Diamanten herstellt
      09.10.2015 • Finanzen100

      Die Wissenschaftler von De Beers können im Labor nahezu makellose Diamanten herstellen, doch das 127 Jahre alte Unternehmen würde die Steine niemals verkaufen.

      Die De Beers-Sparte Element Six, benannt nach der Ordnungszahl von Kohlenstoff im Periodensystem, stellt Edelsteine her, die so perfekt wie die Juwelen in den Läden von Tiffany & Co. sind. Ihr Bestimmungsort ist allerdings ein Bürokomplex aus den 1980er Jahren in der Nähe von London. Dort nimmt ein 62-köpfiges Team die Gebilde unter die Lupe und entwickelt Prüfmaschinen für Diamanthändler, um unter den echten Steinen die synthetischen Varianten herauszufischen.

      Auch wenn künstliche Diamanten weiter nur einen geringen Teil des Markts ausmachen, werden sie mittlerweile massenproduziert, und Einzelhändler wie Wal-Mart Stores Inc. verkaufen solche Klunker an Kunden, die eine günstigere Alternative wollen. Da die Synthese-Steine von den natürlich vorkommenden Diamanten fast nicht zu unterscheiden sind, versuchen einige Verkäufer, sie als geschürfte Steine durchgehen zu lassen. In indischen Bearbeitungszentren wurden Pakete mit einer Mischung aus echten und synthetischen Diamanten gefunden.

      Für den Diamantkonzern De Beers, der früher beinahe eine Monopolstellung im Handel einnahm und den Markt sowohl beherrschte als auch versorgte, stellen die Betrüger eine Bedrohung für das Kundenvertrauen in die weltweit 80 Mrd. Dollar (71 Mrd. Euro) schwere Branche dar.

      Keine Tricksereien
      "Wir sind sehr auf die Entdeckung solcher Steine fokussiert", sagt Simon Lawson, Leiter von Technologies U.K. bei De Beers. "Das untermauert die Reinheit natürlicher Diamanten und gewährleistet, dass Verbraucher nicht getäuscht werden und ungewollt einen synthetischen Diamanten kaufen."

      Die illegale und als "Peppering" bezeichnete Praxis, künstlich hergestellte Diamanten mit denen aus der Erde geholten zu vermengen, bedroht die Anstrengungen der Produzenten, das Image natürlicher Diamanten zu verteidigen und zu fördern, die teurer sind als ihre synthetischen Pendants. De Beers stellt zwar Synthese-Steine her, die aber zu 99 Prozent für industrielle Zwecke verwendet werden -- beispielsweise auf Bohrköpfen in der Ölbranche. Die Stücke in Edelsteinqualität sind aber allein dazu bestimmt, dem Unternehmen zu helfen, künstliche Konstrukte aus Laboren zu identifizieren.

      Günstigere Option
      Einzelhändler verkaufen künstliche Diamanten mit einem Abschlag von 30 Prozent bis 40 Prozent. Die Steine, die im Labor in bis zu zehn Wochen hergestellt werden können, finden besonders unter jüngeren Käufern Anklang. Das bereitet Diamantkonzernen weiteres Kopfzerbrechen, da sie ohnehin schon unter Druck stehen, Angebot und Preise zu verringern. Die Händler, Schleifer und Polierer kämpfen bereits inmitten einer Kreditklemme und nachlassender Schmuckverkäufe um ihren Gewinn. Ein Preisindex für polierte Diamanten fiel im vergangenen Monat auf ein Fünfjahrestief.

      De Beers nutzt nun Wissenschaftler und Technologie, um den Schwindeleien auf die Schliche zu kommen. In den De Beers-Büros in Maidenhead in Großbritannien, in der Nähe des ehemaligen Hauses von Milliardär und Diamant-Magnat Harry Oppenheimer, werden neue Edelsteine geschaffen, die Erkennungsgeräte täuschen können. Dadurch will sich das Unternehmen einen Eindruck verschaffen, womit man es in den nächsten paar Jahren bei den Synthese-Steinen zu tun bekommen könnte, erklärt Lawson.

      Betrug aufdecken
      Die Wissenschaftler haben drei Maschinentypen entwickelt, die jeweils bis zu 55.000 Dollar (48.800 Euro) kosten und normalerweise von Diamantbörsen rund um die Welt gekauft werden. Eine davon braucht etwa vier Sekunden, um den atomaren Aufbau eines Steins nach Verunreinigungen abzusuchen. Die zwei Prozent der Diamanten, die durch den Test fallen, werden dann mit ultraviolettem Licht bestrahlt und in einem anderen Gerät betrachtet. Inkonsistenzen in Fluoreszenz und Phosphoreszenz können dem Bediener der Maschine zeigen, dass es sich wahrscheinlich um ein von Menschen geschaffenes Produkt handelt.

      "Wenn man einen Edelstein poliert, gibt es einen Hinweis auf seine Entstehungsgeschichte", sagt Philip Martineau, Physik- Chef im Forschungszentrum von De Beers. "Sie ahmen die Natur nicht nach. Das ist der Unterschied, der uns Anhaltspunkte gibt."

      De Beers ist nicht der einzige Hersteller solcher Aufspürgeräte. Das Gemological Institute of America(GIA) stellt seine eigenen Prüfmaschinen her und kündigte im vergangenen Monat an, mit der Herstellung synthetischer Diamanten zu beginnen, um die Erkennung solcher Steine im Hause zu verbessern.

      Die großen Diamantzentren sind der Sache bereits auf den Leim gegangen. Im Jahr 2012 wurden nach Angaben des International Gemological Institute 600 Synthese-Edelsteine zwischen 0,3 und 0,7 Karat in Antwerpen und Mumbai gefunden, die nicht als solche ausgewiesen waren, sowie weitere im Jahr 2013 und diesem Jahr. Im Februar wurde ein Paket mit 110 künstlichen Diamanten in Indien abgefangen, wie die Surat Diamond Association mitteilte. Auch wenn nur wenige Daten über die Menge an synthetischen Steinen vorliegen, die als echt ausgegeben wurden, werden Organisationen wie GIA zufolge immer mehr aufgespürt.

      Die von Unternehmen wie De Beers und GIA unternommenen Schritte, der Täuschungen vorzugehen, kommen den Einzelhändlern zugute, erklärt Daniel Rosen, Eigentümer des Schmuckverkäufers 4Cs Diamonds im Londoner Diamantviertel Hatton Garden.

      "Das ist eine Branche, die auf Vertrauen aufgebaut ist", sagt er. "Wenn man das Vertrauen bricht, ist es vorbei. Das muss bloß einmal passieren."

      Wachsender Markt
      Etwa 360.000 Karat synthetischer Diamanten wurden im vergangenen Jahr hergestellt, verglichen mit 126 Millionen Karat natürlich geschürfter Diamanten. Die synthetische Produktion wird im Zuge einer steigenden Nachfrage der Einzelhändler nach billigeren Alternativen wahrscheinlich im Jahr 2018 auf zwei Millionen Karat und bis 2026 auf 20 Millionen Karat hochschnellen, erwartet der Marktforscher Frost & Sullivan.

      Trotz des zunehmenden Wettbewerbs hat De Beers nicht die Absicht, Synthese-Steine zu verkaufen.

      "De Beers’ Fokus liegt auf natürlichen Diamanten", erklärt Lawson. "Wir würden nichts unternehmen, das die Branche kannibalisieren würde."

      Quelle: finanzen100.de/finanznachricht…stellt_H350902691_214152/
      Vishal Mehta will Steine im Labor züchten
      Klunker-Alarm! Der Welt gehen die Diamanten aus

      Wenn Diamanten eines Mädchens beste Freunde sind, dann sollte dieses Mädchen sich gut stellen mit Vishal Mehta. Der 34-Jährige wirkt zwar nicht wie einer, der Damen mit Karat überhäuft und zum großen Auftritt verhilft. Aber er könnte mit seiner sanften Stimme und den weichen Gesichtszügen derjenige sein, dem Sie eines Tages Ihren Verlobungsring zu verdanken haben: Er will die Diamanten retten. Die armen Dinger.Denn die sind tatsächlich gefährdet. In einem Bericht der Forschungsorganisation Frost & Sullivan heißt es, von den zehn heute ertragreichsten Diamantenminen werde in dreißig Jahren voraussichtlich nur noch eine in Betrieb sein; sie liegt in Russland.Den sinkenden Erträgen steht ein wachsender Bedarf gegenüber: Derselbe Bericht sagt für 2050 eine Bedarfslücke von 278 Millionen Karat voraus. Deswegen sagte sich Mehtas Firma: Wir vergessen den Bergbau, die Blutdiamanten und das Wettrennen gegen die Umwelt – und bauen uns welche im Labor.

      Mehta ist Chef der Firma IIa Technologies in Singapur. Sein Unternehmen hat eine Formel zum „Züchten“ sogenannter IIa- oder Golconda-Diamanten entwickelt und patentieren lassen (in den indischen Golconda-Minen fand man im 16. und 17. Jahrhundert die ersten farblosen Diamanten). „Ja, es gibt einen Nischenmarkt für Diamanten aus dem Labor, besonders unter jüngeren, bewusst nachhaltig orientierten Leuten“, sagte Paul Zimnisky, unabhängiger Berater der Diamantenindustrie in New York.Die Strategie ist umstritten und manchem Traditionalisten zuwider; Mehta selbst räumt ein, das Labordiamanten „ein Lotteriespiel“ seien. Doch zählen IIa-Diamanten zu den kostbarsten, die es gibt – reiner Kohlenstoff mit vernachlässigbaren Resten von Stickstoff, dadurch so gut wie farblos und sehr begehrt. Wer sich bei berühmten Steinen auskennt, weiß: Der Koh-i-Noor, der Elizabeth-Taylor-Diamant mit 33,19 Karat, der Winston Legacy und der Erzherzog-Joseph-Diamant sind IIa-Diamanten. So wie Mehta das Verfahren beschreibt, sei es ganz einfach, „wie im Gewächshaus“, sagte er.Diamanten-Keime (Bruchstücke von vorhandenen Diamanten) werden in eine Druckkammer gesetzt. Temperatur, Druck und Stoffgemisch in der Kammer ahmen exakt die Bedingungen nach, unter denen Diamanten in der Natur entstehen. Wartet man dann zwölf Wochen, so bekommt man einen Diamanten, der sonst Jahrhunderte zum Wachsen gebraucht hätte.

      Das Prinzip ist schon seit den Fünfzigerjahren bekannt, sagte Zimnisky. Doch das Verfahren reifte weitaus langsamer als später die Diamanten. Mehtas Firma hat bereits zwei Generationen, acht Jahre Forschung und 30 Millionen Dollar an Ausgaben zu verbuchen.Gegründet wurde sie vor zehn Jahren von Mehtas Mutter Sonia mit 22 Wissenschaftlern in einer knapp 2800 Quadratmeter großen Forschungseinrichtung; ihr Sohn wuchs zu ihrem Nachfolger heran. Als Student war er Lehrling bei der Firma Star Gems in Mumbai. Mit 22 ging er zum Graduiertenstudium ans Gemological Institute of America in Kalifornien; es folgte ein MBA-Abschluss der Management-Schule Thunderbird in Arizona.In Mumbai besuchte er die angesehene Cathedral and John Connon School, die unter anderem Ratan Tata hervorbrachte, Chef der Tata-Gruppe, außerdem die Schriftsteller Salman Rushdie und Kiran Desai sowie eine Reihe Bollywood-Stars. Mehta ist als Globetrotter ständig auf dem ganzen Erdball unterwegs, in anderer Hinsicht aber sehr traditionell. Neugierig fragten wir, ob ein Diamanten-Magnat seine Frau wohl reichlich mit Juwelen ausstattet. Aber das ist zu westlich gedacht: Mehtas Ehe war arrangiert, es gab keinen märchenhaften Antrag, und er lernte seine Frau erst wenige Stunden vor Besiegelung der Heirat kennen.Das Geschäft leitet er heute zusammen mit einem Bruder. Mehta ist äußerst höflich, aber auch sehr zurückhaltend; statt über sich selbst zu sprechen, verweist er lieber auf Statistiken oder hält wissenschaftliche Kurzvorträge.2014 verzeichnete IIa Technologies einen Achtungserfolg mit 70 Millionen Dollar Umsatz – weit weniger als Tiffany & Co. mit 4,25 Milliarden Dollar Nettoumsatz und nur einen Tropfen auf den heißen Stein, gemessen am weltweiten Umsatz mit Diamanten, der 2014 laut einem De-Beers-Bericht bei 80 Milliarden Dollar lag.Mehrmals stand die Familie schon kurz davor, die Firma zu schließen, um die Verluste zu begrenzen. Mehta erzählte, sie hätten das „ernsthaft überlegt“, als sich ein kleiner Forschungsdurchbruch ereignete, der den Cashflow aufrechterhielt und ihnen neue Zuversicht gab. (Über die Forschung der Firma spricht er aus patentrechtlichen Gründen nicht.)Ein Ratschlag vom Fachmann, bevor Sie ins Diamanten-Business einsteigen: Rechnen Sie nicht damit, den Hauptumsatz mit Verlobungsringen und Geburtstagsgeschenken zu machen. Wie bei den aus Bergbau gewonnenen Diamanten werden 70 Prozent der Steine von IIa für industrielle Zwecke verwendet. Schmuck macht dagegen nur 30 Prozent aus.Das heißt nicht, dass Mehta & Co. nicht auch den Reiz des Funkelns schätzen: Er erzählt stolz von einem Heiratsantrag beim diesjährigen Superbowl, wo der Mann seiner Angebeteten einen 2,62-Karat-Diamanten seiner Firma überreichte. Das war schöne Gratiswerbung.Wie bei jeder Neuerung gibt es auch hier Skeptiker. Einer davon ist Jon King, Vizepräsident des Konkurrenten Tiffany & Co. Er meint (erwartungsgemäß), dass Menschen sich auch für „die individuelle Geschichte eines Diamanten“ interessierten, „für seine Formung über Tausende von Jahren“. „Es geht dabei um Dauer – die lange Geschichte der Entstehung eines Diamanten, die Bedingungen im Erdboden, die Würde, die ihm so zuwächst.“ Geschichte? Aus Mehtas Blickwinkel im futuristischen Singapur in der Wachstumsregion Asien oder aus der Perspektive seiner Mutter im neureichen Dubai spielen Herkunftslegenden keine große Rolle. Alles dreht sich ums Glitzern der Klunker. Ist doch egal, wie es zustande kommt.