Preissteigerungen der Uhren-Manufakturen
Fast 10 Prozent mehr
Die Marken haben Wort gehalten. Anfang des Jahres verlauteten sie auf den beiden Uhrenmessen SIHH und Baselworld fast unisono: "Wir haben die Euro-Preise um fünf bis sieben Prozent erhöht". Dass sie das jedoch im Abstand von wenigen Monaten gleich mehrfach tun, davon war keine Rede.
Damit nicht genug. Die Kostenschrauben werden auch intern angezogen. Allen voran von Jean-Claude Biver, dem Uhrenlenker beim LVMH Konzern für die Marken Hublot, Tag Heuer und Zenith. Er strukturiert um und verabschiedet. Darunter Manager auch in Deutschland und verlagert Aufgaben nach England und in die Schweiz.
Grund ist der international schleppende Absatzmarkt mit etwa neun Prozent Umsatzrückgang für Schweizer Uhren (Mai 2014/2015). Zusätzlichen Sand ins Getriebe streut der Schweizer Franken Wechselkurs, der seit 2015 um etwa 20 Prozent anstieg. Ergo waren die Hersteller gezwungen mit höheren Preisen bei den Messen im Januar und März anzutreten. Jedoch im Juni justierten etliche Uhrmacher erneut die Preisschrauben und zwar unabhängig von Konzernzugehörigkeit, Fertigungstiefe oder Preissegment.
Beispielsweise bei der unabhängigen Manufaktur Audemars Piguet: Deren Royal Oak Bicolor kostete Ende Januar auf der SIHH 22.900 Euro, wurde auf 24.500 Euro erhöht und liegt inzwischen bei 25.000 Euro - fast 10 Prozent mehr. Vacheron Constantin, ein Mitglied der Richemont-Familie, steigerte seine Harmony Dual Time von 40.800 auf 43.000 Euro.
Preiserhöhungen im Frühjahr sind branchenüblich
Ebenso bei der Swatch Group: Omega hob die Stückpreise jeweils um etwa 300 Euro an. Blancpains Villeret Großdatum war auf der Baselworld noch für 10.130 Euro zu haben, Ende Juni jedoch für 10.790 Euro. Selbst bei preissensiblen Labels wie Tissot kletterten die Neuheiten, darunter der PRS 516 Automatic Chronograph von 1.790 auf 1.895 Euro. Gesamt zieht sich ein weiterer Anstieg von 5 bis knapp über 6 Prozent durch.
Allerdings nicht bei allen. Chopard, Baume & Mercier, Tag Heuer und Ulysse Nardin zum Beispiel bleiben sich bisher preislich treu. Man möchte meinen, weil die deutschen Uhrmacher das Wechselkursdilemma nicht betrifft, dass es bei ihnen wie geschmiert läuft. Aber von wegen: Das junge Label C.H. Wolff aus Glashütte braucht frisches Kapital und startete vor wenigen Tagen eine Crowdfunding Kampagne.
Selbst die Nobelmanufaktur A. Lange & Söhne, die dank ihrer hohen Fertigungstiefe von Schweizer Zulieferern unabhängig ist, hob ihre Preise an. So stieg das Investment für den neuen Datograph Auf/Ab um glatte 5 Prozent von 66.000 auf 69.300 Euro. Zum einen mag das daran liegen, es den meisten Brüdern und Schwestern bei Richemont gleichzutun. Zum anderen, dass Preiserhöhungen in der Branche im Frühjahr üblich sind - noch häufiger jedoch im Herbst vor dem Weihnachtsboom.
Neue Zeitzeugen gehen unkonventionell ans Werk
Wegen des Trubels um Absatzmärkte und Preispolitik gehen einige Hersteller jetzt unkonventionell ans Werk. Sogar komplette Uhrenmarken entstehen. Nachdem sich Tiffany und die Swatch Group vor vier Jahren getrennt haben, lanciert das Schmuckhaus jetzt seine erste Uhrenkollektion unter eigener Regie. Dabei gehen die Amerikaner erstaunlich vielseitig mit gleich 25 Modellen für feminine und maskuline Handgelenke ans Werk.
Als weiterer Newcomer taucht auch die Marke OX Watch auf. Sie produziert in Yverdon-les-Bains am Genfer See und behauptet selbstbewusst, mit dem angestaubten Design etablierter Manufakturen aufzuräumen. Ähnlicher Tenor bei Bomberg. Erst vor zwei Jahren stellten sich die Schweizer mit ihren "Toys for Boys" vor und verblüfften 2014 mit den erfolgreichen Bajonett-Modellen, die man als Armband- oder als Taschenuhr tragen kann. Kess legen sie diesen Sommer mutige Camouflage-Muster nach.
Etwas braver, aber farbenfröhlicher sind die neuen Varianten beim Uhren-Establishment. Parmigiani, Chronoswiss und Hublot machen mit blauen Versionen den Schritt nach vorne. Nomos, Porsche Design und Bell & Ross setzen auf edel, indem sie Goldmodelle offerieren. Doch die meisten, darunter Glashütte Original, Breitling und Junghans, versuchen Kundschaft mit gefälligem Retro-Design zu überzeugen.
Am meisten überraschte jedoch IWC dieser Tage. Auch sie versuchen jetzt ihre Uhren irgendwie smart zu machen ohne allzu sehr über den eigenen Schatten der Mechanik zu springen. Vergleichbar mit der Schwestermarke Montblanc und ihrem e-Strap, wird bei der IWC Connect ein Pin als intelligentes Tool an das Armband des mechanischen Zeitmessers befestigt. Hier geht es zu den Uhren-Neuheiten.
Fast 10 Prozent mehr
Die Marken haben Wort gehalten. Anfang des Jahres verlauteten sie auf den beiden Uhrenmessen SIHH und Baselworld fast unisono: "Wir haben die Euro-Preise um fünf bis sieben Prozent erhöht". Dass sie das jedoch im Abstand von wenigen Monaten gleich mehrfach tun, davon war keine Rede.
Damit nicht genug. Die Kostenschrauben werden auch intern angezogen. Allen voran von Jean-Claude Biver, dem Uhrenlenker beim LVMH Konzern für die Marken Hublot, Tag Heuer und Zenith. Er strukturiert um und verabschiedet. Darunter Manager auch in Deutschland und verlagert Aufgaben nach England und in die Schweiz.
Grund ist der international schleppende Absatzmarkt mit etwa neun Prozent Umsatzrückgang für Schweizer Uhren (Mai 2014/2015). Zusätzlichen Sand ins Getriebe streut der Schweizer Franken Wechselkurs, der seit 2015 um etwa 20 Prozent anstieg. Ergo waren die Hersteller gezwungen mit höheren Preisen bei den Messen im Januar und März anzutreten. Jedoch im Juni justierten etliche Uhrmacher erneut die Preisschrauben und zwar unabhängig von Konzernzugehörigkeit, Fertigungstiefe oder Preissegment.
Beispielsweise bei der unabhängigen Manufaktur Audemars Piguet: Deren Royal Oak Bicolor kostete Ende Januar auf der SIHH 22.900 Euro, wurde auf 24.500 Euro erhöht und liegt inzwischen bei 25.000 Euro - fast 10 Prozent mehr. Vacheron Constantin, ein Mitglied der Richemont-Familie, steigerte seine Harmony Dual Time von 40.800 auf 43.000 Euro.
Preiserhöhungen im Frühjahr sind branchenüblich
Ebenso bei der Swatch Group: Omega hob die Stückpreise jeweils um etwa 300 Euro an. Blancpains Villeret Großdatum war auf der Baselworld noch für 10.130 Euro zu haben, Ende Juni jedoch für 10.790 Euro. Selbst bei preissensiblen Labels wie Tissot kletterten die Neuheiten, darunter der PRS 516 Automatic Chronograph von 1.790 auf 1.895 Euro. Gesamt zieht sich ein weiterer Anstieg von 5 bis knapp über 6 Prozent durch.
Allerdings nicht bei allen. Chopard, Baume & Mercier, Tag Heuer und Ulysse Nardin zum Beispiel bleiben sich bisher preislich treu. Man möchte meinen, weil die deutschen Uhrmacher das Wechselkursdilemma nicht betrifft, dass es bei ihnen wie geschmiert läuft. Aber von wegen: Das junge Label C.H. Wolff aus Glashütte braucht frisches Kapital und startete vor wenigen Tagen eine Crowdfunding Kampagne.
Selbst die Nobelmanufaktur A. Lange & Söhne, die dank ihrer hohen Fertigungstiefe von Schweizer Zulieferern unabhängig ist, hob ihre Preise an. So stieg das Investment für den neuen Datograph Auf/Ab um glatte 5 Prozent von 66.000 auf 69.300 Euro. Zum einen mag das daran liegen, es den meisten Brüdern und Schwestern bei Richemont gleichzutun. Zum anderen, dass Preiserhöhungen in der Branche im Frühjahr üblich sind - noch häufiger jedoch im Herbst vor dem Weihnachtsboom.
Neue Zeitzeugen gehen unkonventionell ans Werk
Wegen des Trubels um Absatzmärkte und Preispolitik gehen einige Hersteller jetzt unkonventionell ans Werk. Sogar komplette Uhrenmarken entstehen. Nachdem sich Tiffany und die Swatch Group vor vier Jahren getrennt haben, lanciert das Schmuckhaus jetzt seine erste Uhrenkollektion unter eigener Regie. Dabei gehen die Amerikaner erstaunlich vielseitig mit gleich 25 Modellen für feminine und maskuline Handgelenke ans Werk.
Als weiterer Newcomer taucht auch die Marke OX Watch auf. Sie produziert in Yverdon-les-Bains am Genfer See und behauptet selbstbewusst, mit dem angestaubten Design etablierter Manufakturen aufzuräumen. Ähnlicher Tenor bei Bomberg. Erst vor zwei Jahren stellten sich die Schweizer mit ihren "Toys for Boys" vor und verblüfften 2014 mit den erfolgreichen Bajonett-Modellen, die man als Armband- oder als Taschenuhr tragen kann. Kess legen sie diesen Sommer mutige Camouflage-Muster nach.
Etwas braver, aber farbenfröhlicher sind die neuen Varianten beim Uhren-Establishment. Parmigiani, Chronoswiss und Hublot machen mit blauen Versionen den Schritt nach vorne. Nomos, Porsche Design und Bell & Ross setzen auf edel, indem sie Goldmodelle offerieren. Doch die meisten, darunter Glashütte Original, Breitling und Junghans, versuchen Kundschaft mit gefälligem Retro-Design zu überzeugen.
Am meisten überraschte jedoch IWC dieser Tage. Auch sie versuchen jetzt ihre Uhren irgendwie smart zu machen ohne allzu sehr über den eigenen Schatten der Mechanik zu springen. Vergleichbar mit der Schwestermarke Montblanc und ihrem e-Strap, wird bei der IWC Connect ein Pin als intelligentes Tool an das Armband des mechanischen Zeitmessers befestigt. Hier geht es zu den Uhren-Neuheiten.