Niemand kann Bill Gates bei Microsoft ersetzen

      Niemand kann Bill Gates bei Microsoft ersetzen

      Niemand kann Bill Gates bei Microsoft ersetzen

      Das Computergenie Bill Gates hat heute seinen letzten Arbeitstag bei der größten Softwarefirma der Welt. Zwar hat er seinen Abgang lange vorbereitet, doch ist niemand da, der ihn nur ansatzweise ersetzen könnte. Dass gleich drei Menschen seine Lücke füllen sollen, macht das Problem nicht kleiner.

      Es war nie der Stil von Bill Gates, lange um den heißen Brei herum zu reden. Wenn ihm früher als Konzernchef eine Idee seiner Untergebenen nicht gefiel, dann lautete seine Standardantwort: „Das ist der dümmste Vorschlag, den ich je gehört habe.“ Zwar stieß der Microsoft-Gründer dadurch viele vor den Kopf. Doch seine direkte Art hatte auch ihr Gutes, sagt der frühere Microsoft-Manager Paul Maritz: „Gates hat durch seine ungeschönte Kritik viel Wert für den Konzern geschaffen.“ Dazu kam laut Maritz: „Niemand musste lange beleidigt sein, denn man wusste ja, dass schon bald jemand anderes aus dem Konzern die ‚dümmste Idee aller Zeiten‘ haben würde.“

      Ab sofort muss der größte Softwarekonzern der Welt auf die spitze Zunge des Firmengründers verzichten. Bill Gates hat heute seinen letzten Arbeitstag bei Microsoft, nach mehr als drei Jahrzehnten im Unternehmen. Der 52-Jährige konzentriert sich ab sofort voll auf seine Arbeit bei der Bill & Melinda Gates-Stiftung, die gegen Armut, Krankheiten und für Bildung weltweit kämpft.

      Zwar hat Gates schon vor mehr als acht Jahren die Geschäftsführung abgegeben. Trotzdem kam der zweitreichste Mann der Welt seither noch fast jeden Tag in sein Büro auf dem Campus von Microsoft, einem weitläufigen Gewerbegebiet nahe Seattle an der US-Westküste. Bis zuletzt mischte er kräftig mit, was die Richtungsentscheidungen des Konzerns angeht: Wo soll Microsoft in zehn Jahren stehen, in welche Technologien wird investiert und welche Märkte sind interessant für den Konzern?

      Ohne Gates hat Microsoft demnächst ein Problem. Denn eine neue Führungspersönlichkeit seines Kalibers ist nicht in Sicht. Während die wichtigen Konkurrenten aus der Technologiebranche jeweils mit einem Gesicht in Verbindung gebracht werden – Apple hat Steve Jobs, Oracle Larry Ellison, Yahoo Jerry Yang – hat Gates seine Macht auf drei Männer aufgeteilt. Der aggressive Geschäftsmann Steve Ballmer ist als Konzernchef für Finanzen und Übernahmen zuständig, der Softwarespezialist Ray Ozzie plant die aktuelle Produktpalette und der Forschergeist Craig Mundie übernimmt die Langfristplanung.

      Microsoft fehlt ohne Bill Gates die klare Ausrichtung

      Keiner der drei hat jedoch Gates öffentlichkeitswirksames Profil und sein visionäres Denken, sagt Microsoft-Expertin Mary Jo Foley. „Ein Gates-loses Microsoft ist ein Microsoft ohne Richtung, zumindest kurzfristig. Die momentane Führungsebene ist zu stark ihrem altmodischen Denken verhaftet, um den Tanker flexibel lenken zu können“, sagt Foley. Gerade hat die Autorin ein Buch zum Thema veröffentlicht: „Microsoft 2.0: Wie Microsoft versucht, in der Ära nach Bill Gates relevant zu bleiben“ heißt das Werk. Die Tatsache, dass die Macht im Konzern auf drei Männer verteilt ist, trage auch nicht zur Zukunftsfähigkeit bei, sagt Foley – auch, wenn Ballmer als Konzernchef offiziell den Hut aufhat.

      Ballmer ist im Gegensatz zu seinem Vorgänger Gates kein Technik-Experte, sondern Geschäftsmann. Von ihm kann der Konzern somit keine strategischen Vorgaben für neue Technologien und Produkte erwarten. Er ist mit Herz und Seele Manager und gilt als aggressiver Verhandler. Allerdings hat er zuletzt kein glückliches Händchen gehabt. Sein Versuch, das Internetportal Yahoo zu schlucken und damit die bisher größte Übernahme Microsofts zu stemmen, scheiterte trotz enormer Anstrengungen Microsofts. Nun ist unklar, wie der Konzern in Zukunft Werbekunden im Internet für sich gewinnen will.

      Bill Gates hält große Stücke auf den neuen Chefentwickler Ray Ozzie

      Für diese und andere visionäre Ideen ist bei Microsoft in Zukunft Ray Ozzie zuständig. Ein Mann, den bisher außerhalb der Technologiebranche kaum jemand kennt. Der 52-Jährige arbeitet erst seit rund drei Jahren bei Microsoft. Ozzie hat seine Karriere zuvor als Softwareentwickler im Silicon Valley verbracht und kam zum Konzern, als dieser seine kleine Start-Up-Firma aufkaufte. Gates hält große Stücke auf Ozzie und hat die letzten beiden Jahre damit verbracht, ihn auf seine neue Rolle als oberster Produktchef im Konzern vorzubereiten. Als Ozzies Spezialität gilt es, Microsofts Software mit dem Internet zu verknüpfen. Genau das ist eine der größten Herausforderungen für die Zukunft des Konzerns. Denn die Software-Programme wie Word oder Excel gehören zu den wichtigsten Umsatzbringern des Unternehmens. Doch seit ein paar Monaten gibt es heftige Konkurrenz: Google und andere Anbieter vertreiben seither kostenlose Software im Internet, die ähnlich wie die Microsoft-Programme funktionieren, aber über das Internet von Computern weltweit aufgerufen und von mehreren Nutzern gleichzeitig bearbeitet werden können.

      Ozzie ist der Kopf hinter "Windows Live"

      Unter Ozzies Anleitung hat Microsoft reagiert und bietet nun auch selbst unter dem Namen „Windows Live“ Bearbeitungsmöglichkeiten und Updates aus dem Internet für seine Programme an. Von ihm stammt auch die Idee für das Produkt „Windows Mesh“, in das der Konzern große Hoffnungen setzt. Mit diesem System können Nutzer automatisch die Daten zwischen verschiedenen Geräten synchronisieren lassen. Hat der Nutzer beispielsweise eine Excel-Tabelle sowohl auf seinem PC als auch auf seinem Taschencomputer gespeichert und trägt in einem der Geräte eine neue Zahl ein, ändert sich die Tabelle beim Synchronisieren automatisch auch auf dem anderen Gerät. Demnächst soll diese Übertragung sogar mit Mobiltelefonen und Apples Mac-Computern funktionieren. Damit erspart es sich der Kunde, ständig Emails mit Anhängen an sich selbst schicken zu müssen. Allerdings ist das nur eine Baustellen von vielen. Denn Microsoft sei mittlerweile so groß und in derart vielen Bereichen aktiv, dass man kaum den Überblick behalten könne, sagt David Mitchell von der Technologie-Beratungsfirma Ovum: „Es ist extrem schwierig, trotz der breiten Angebotsplatte des Konzerns noch immer Visionen zu verfolgen.“

      Ozzie halten viele für zu sehr zurückhaltend

      Dazu kommt, dass einige Branchenexperten Ozzie für viel zu zurückhaltend und höflich halten, um Microsofts riesige Schar von Entwicklern zu dirigieren. Von den 90.000 Konzernmitarbeitern weltweit arbeiten rund 6000 an neuen Produkten. Ozzie sei niemand, der wie Gates die Mitarbeiter auf Linie trimmt, sondern auf die sanfte Tour versuche zu überzeugen, sagte die Silicon Valley-Investorin Esther Dyson vor kurzem. Und auch der Mut zu neuen, richtungsweisenden Entscheidungen wird ihm teilweise abgesprochen. Während immer mehr Technologieunternehmen ihre Software öffnen und über das Internet für jeden Software-Entwickler zugänglich machen – Apple etwa öffnete vor wenigen Wochen die iPhone-Software für Entwickler und machte so die Bahn für Tausende neue Anwendungen für das Handy frei – ist Ozzie ein ausgesprochener Kritiker dieser sogenannten Open Source-Bewegung. „Open Source ist potenziell noch Unruhe stiftender als Google“, sagte er.

      2010 steht die nächste Windows-Version an

      Microsoft wird also auch in Zukunft weiter auf geschützte Software setzen, deren Grundlagen nur die eigenen Entwickler kennen. Das renommierte Branchenmagazin CNet kommentierte Ozzies Aussage mit den Worten: „Das ist genau der Grund, warum Microsoft im Internet versagt.“
      Der große Lackmustest für Ozzie steht in zwei Jahren an. Für 2010 hat Microsoft die nächste Version seines Betriebssystems Windows angekündigt. Die aktuelle Version Vista hat bewiesen, wie groß die technische und logistische Herausforderung für das Programmieren des Systems war. Microsoft musste den Start mehrmals verschieben.

      Die Bill & Melinda Gates Foundation

      Die Bill & Melinda Gates Foundation: Microsoft-Mitgründer geht stiften

      Bill Gates wird von nun an seine Arbeit in die Bill & Melinda Gates Foundation stecken – die mit einem Vermögen von fast 38 Milliarden Dollar wohlhabendste Stiftung der Welt. Was genau macht die Foundation?

      Künftig will sich Microsoft-Mitbegründer Bill Gates, lange Zeit der reichste Mann der Welt, vorwiegend nur noch wohltätigen Zwecken widmen. Sein Hauptengagement wird in die von ihm gemeinsam mit seiner Frau Melinda gegründete Stiftung fließen.

      Die in ihrer jetzigen Form im Jahr 2000 ins Leben gerufene Bill & Melinda Gates Foundation mit Sitz in Seattle ist mit einem Vermögen von derzeit 37,3 Milliarden Dollar die wohlhabendste Stiftung der Welt. Ihr Kapital übersteigt sogar das Bruttonationaleinkommen zahlreicher Länder der Welt. Bill und Melinda Gates engagieren sich seit 1994 vor allem für den Kampf gegen Krankheiten wie Aids, Malaria und Tuberkulose.

      500 Mitarbeiter

      Die Stiftung mit ihren über 500 Mitarbeitern verfolgt insgesamt drei Hauptprojekte: Weltweite Gesundheitsinitiativen, Entwicklungshilfe in aller Welt sowie ein US-Programm unter anderem zur Förderung von Bildungseinrichtungen. Zu den Zielen gehört auch, allen Bevölkerungsschichten öffentliche Bibliotheken oder neue Technologien zur Verfügung zu stellen. Nach eigenen Angaben hat die Stiftung seit ihrer Gründung mehr als 16 Milliarden Dollar in entsprechende Programme investiert.

      Die wohl größte Finanzspritze erhielt die Stiftung zuletzt von dem amerikanischen Investment-Banker Warren Buffett. Der mit einem Privatvermögen von 62 Milliarden Dollar der Zeitschrift «Forbes» zufolge zum reichsten Mann der Welt aufgestiegene Manager ist auch Treuhänder der Stiftung. 85 Prozent seines Vermögens will Buffett künftig an wohltätige Stiftungen spenden, den größten Teil soll, verteilt über mehrere Jahre, die Organisation von Bill und Melinda Gates erhalten.

      Viele Kritiker

      Damit die Gelder der Stiftung schneller und gezielter verteilt werden, hat Gates deren Lebensdauer begrenzt: 50 Jahre nach dem Tod von Bill und Melinda Gates soll sich die Stiftung auflösen. Ende 2006 wurde zudem die Verwaltung des Vermögens organisatorisch von der eigentlichen Stiftung und der Vergabe der Gelder getrennt, um mögliche Interessenkonflikte zu vermeiden. Seither verwaltet der Bill & Melinda Gates Foundation Trust das Vermögen, die Vergabe der Gelder bleibt weiterhin in der Hand der Stiftung.

      Diese nicht unübliche Trennung von Kapitalverwaltung und Stiftungsarbeit hatte auch Kritiker auf den Plan gerufen. So investiert der Trust in Unternehmen wie beispielsweise in große Pharmafirmen. Deren Politik widerspreche den Zielen der Stiftung, etwa einer breiten Versorgung der Menschen in armen Ländern mit günstigen Medikamenten.

      Kapital wird auch aus global agierenden Ölkonzernen wie Exxon Mobile oder der französischen Total gezogen, denen in Afrika Umweltzerstörung durch das Abfackeln riesiger Ölfelder vorgeworfen wird. In den USA wird die Gates-Stiftung von Abtreibungsgegnern («ProLife») kritisiert, weil sie Sexualaufklärungsinitativen wie «Planned Parenthood» finanziell unterstützt hat, die die Verwendung von Verhütungsmitteln propagiert. (dpa)
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      Bill Gates' letzter Arbeitstag

      Bill Gates' letzter Arbeitstag

      Barmherzigkeit statt Bits und Bytes

      Viele Jahre war er der reichste Mann der Welt, der auch das von ihm gegründete Unternehmen Microsoft reich gemacht hat. Am heutigen Freitag geht für Bill Gates sein langer Abschied vom Unternehmen zu Ende. Allerdings bleibt er Chairman von Microsofts Board of Directors und einer der größten Aktionäre von Microsoft.

      Bill Gates heißt eigentlich William Henry Gates III und wurde am 28. Oktober 1955 in Seattle geboren. 1973 begann er am Harvard College zu studieren, wo er auch den heutigen Microsoft-Chef Steve Ballmer kennenlernte. Sein Studium brach Gates bereits 1975 ab, um zusammen mit Paul Allen eine Basic-Implementierung für den MITS Altair 8800 zu schreiben. Gates befürchtete, die Computerrevolution könnte ohne ihn stattfinden.

      Ihr gemeinsames Unternehmen mit Sitz in Albuquerque im US-Staat New Mexico nannten Gates und Allen zunächst "Micro-soft", 1976 meldeten sie die Marke "Microsoft" an.

      Schon damals hatte Gates große Pläne mit Microsoft. Gemeinsam mit Allen stellte er sich vor, im Erfolgsfall vielleicht einmal 30 Mitarbeiter zu haben. Ende 2007 beschäftigte Microsoft 78.656 Mitarbeiter. Es hat Niederlassungen in über 100 Ländern.

      Miriam Lubow, 1978 Rezeptionistin bei Microsoft in Albuquerque, die in Abwesenheit von Bill Gates eingestellt wurde, beschreibt ihre erste Begegnung mit Gates folgendermaßen: "Eines Morgen kam dieser Kerl herein, Turnschuhe, Jeans und zerzauste Haare, und ich dachte, dieser Kerl gehört nicht hierher, was tut der da?" Die Kerl lief durch ihr Büro und in den Computerraum, über den ihr Steve Wood, der sie eingestellt hatte, gesagt hatte: "Da darf niemand rein. Das ist privat. Lass niemanden da rein." Als sie Wood berichtete, dass da ein Kerl durch ihr Büro stapfe und nun im Computerraum sitze und sich aufführe, als gehöre ihm der Laden, erwiderte Wood: "Weißt du, das ist auch so. Er ist dein Boss. Er ist der Präsident."

      Auch IBM-Manager Jack Sams, der die Zusammenarbeit zwischen IBM und Microsoft startete, hielt Gates zunächst für einen Laufburschen. weiter...

      In den ersten fünf Jahren überprüfte Gates noch jede einzelne Zeile Code und schrieb diesen oft um - nicht immer zur Freude der Menschen um ihn herum. So kam es vor, dass Gates die ganze Nacht durcharbeitete, es ihm aber nicht in den Sinn kam, vor der Messe am kommenden Tag zu duschen oder die Kleidung zu wechseln: "Es erschien ihm einfach nicht wichtig, obwohl er dringend eine Dusche gebraucht hätte", erzählte Microsofts ehemalige Kommunikationschefin Jean Richardson einst in einem Interview.

      Die wohl wichtigste Entscheidung für den Erfolg von Microsoft traf 1980 IBM. Der aus Microsofts damaliger Perspektive übermächtige Konzern entschied sich bei der Einführung des PC für Microsofts zu diesem Zeitpunkt noch nicht existierendes Betriebssystem MS-DOS, gestand Microsoft dabei aber weitgehende Rechte zu. So verdiente Microsoft nicht nur an jeder Kopie des Betriebssystems, sondern durfte es auch anderen Herstellern verkaufen. Das Betriebssystem kaufte Microsoft erst nach Abschluss des Geschäfts mit IBM für pauschal 50.000 US-Dollar ein. 1981 kam der PC mit MS-DOS 1.0 auf den Markt, einer Kopie von Digital Researchs CP/M, was IBM später noch einmal viel Geld kostete.

      Apple führte schon 1983 mit dem Lisa eine grafische Benutzeroberfläche ein. Doch es dauerte noch sieben weitere Jahre, bis Microsoft 1990 mit Windows 3.0 eine grafische Benutzeroberfläche als Aufsatz zu MS-DOS mit akzeptabler Qualität anbieten konnte. Erst mit Windows 95 verschmolzen Microsofts Betriebssystem und grafische Benutzeroberfläche.

      Das Internet allerdings war für Microsoft damals noch kein Thema, erst mit Windows 98 hielt der Internet Explorer Einzug in Microsofts Betriebssystem und bescherte Microsoft einen aufsehenerregenden Kartellprozess in den USA. Im Jahr 2000 drohte eine Spaltung in zwei Teile. Letztendlich kam Microsoft mit einer außergerichtlichen Einigung davon. Anders lief es für Microsoft in Europa: Hier war es die Verknüpfung von Betriebssystem und Media-Player, die Microsoft eine Rekordstrafe von insgesamt 899 Millionen Euro einbrachte. weiter...

      Besonders beliebt hat sich Gates mit Microsofts Geschäftspraktiken nicht gemacht. Er selbst und manche Microsoft-Mitarbeiter sind aber zu einem gewissen Vermögen gekommen. Bei Gates wird dieses derzeit auf rund 58 Milliarden US-Dollar geschätzt, was mittlerweile nur noch für Platz 3 auf der Forbes-Liste der reichsten Männer der Welt reicht. Auch haftet Gates und Microsoft der Ruf an, die guten Ideen der Konkurrenz oft abgekupfert zu haben. Netscape wurde von Microsoft unter Leitung von Bill Gates aus dem Markt gedrängt und Microsoft macht mit seiner Interpretation von Webstandards und deren eingeschränkter Unterstützung bis heute vielen Webdesignern das Leben schwer. Auch die eigenen Office-Dateiformate hielt Microsoft lange verschlossen, um sich ernsthafte Konkurrenz im Office-Bereich vom Leib zu halten. Die Konkurrenz durch Linux hat Microsoft erst lange ignoriert und dann bekämpft.

      Gates wird oft mit den Worten zitiert "640 KByte sollten für jeden genug sein". Diese Grenze machte so manchem Computerspieler zu Zeiten von MS-DOS das Leben schwer, da Spiele oft mehr Speicher benötigten und dieser High-Memory durch geschickte Anpassung von Autoexec.bat und Config.sys freigeschaufelt werden musste. Allerdings gibt es keine Belege für dieses wohl berühmteste Gates-Zitat. Er selbst hat klargestellt, er habe zwar viele dumme Dinge gesagt, das aber nicht.

      Erst in den vergangenen Jahren hat sich Microsofts Geschäftspolitik langsam verändert, der Druck der Kartellverfahren hat dabei sicherlich eine Rolle gespielt.

      Künftig will sich Gates vor allem um die gemeinsam mit seiner Frau gegründete Stiftung kümmern. Die "Bill und Melinda Gates"-Stiftung wurde im Jahr 2000 ins Leben gerufen und verwaltet mittlerweile 29,1 Milliarden US-Dollar, die hauptsächlich von Bill Gates stammen. Mit den Stiftungsmitteln sollen vor allem Probleme der Gesundheitsvorsorge in Entwicklungsländern gelöst werden, aber auch Bildungsprojekte werden bedacht.

      Gates' Abschied von Microsoft hat acht Jahre gedauert: Den Chefsessel bei Microsoft überließ Gates schon im Jahr 2000 Steve Ballmer und blieb aber Chairman des Boards und übernahm die für ihn neu geschaffene Rolle des Chief Software Architect. Im Juni 2006 folgte dann die nächste Phase: Gates kündigte an, sich im Sommer 2008 aus dem operativen Geschäft zurückzuziehen und stellte seine beiden Nachfolger offiziell vor: Craig Mundie und Ray Ozzie. Letzterer übernahm im Juni 2006 den Posten des Chief Software Architect und ist in dieser Rolle für die technische Strategie und Produktarchitektur bei Microsoft verantwortlich. Ozzie leitet zudem die Entwicklung von Microsofts Software-Service-Plattform der nächsten Generation, in der Microsofts Zukunft liegen soll. weiter...

      Ozzie kam April 2005 durch die Übernahme des von ihm gegründeten Unternehmens Groove Networks zu Microsoft. Einen Namen hatte er sich schon früher als Gründer und Präsident von Iris Associates gemacht, wo er Lotus Notes aus der Taufe hob. Davor war er an der Entwicklung von Lotus Symphony sowie der Entwicklung der Software TK!Solver und VisiCalc von Software Arts beteiligt.

      Der zweite Gates-Nachfolger, Mundie, leitet Microsofts Forschung und ist zugleich Strategiechef. Zusammen mit Ray Ozzie ist er für Microsofts technische Entwicklung verantwortlich.

      Als Technikchef war Mundie zusammen mit Bill Gates für die Entwicklung Microsofts globaler Strategien verantwortlich und war Leiter des Geschäftsbereichs Consumer Platforms, zu dem die Nicht-PC-Plattformen Windows CE, Software für Handhelds und Auto-PCs gehörten. Auch Microsofts Anfänge im Bereich Spielekonsolen leitete Mundie.

      Heute betont Microsoft seinen Willen zur Zusammenarbeit, der Mitwirkung und Unterstützung offener Standards und sieht die Zukunft in einer auf Diensten basierenden Infrastruktur. Die beiden Gates-Nachfolger sollen diesen Kurs umsetzen, wie dieser aber konkret aussehen soll, ist derzeit eher unklar.

      Bill Gates selbst konnte sein abgebrochenes Studium 2007 doch noch mit einem Titel schmücken: Die Harvard-Universität verlieh Gates die Ehrendoktorwürde. Der Harvard-Präsident scherzte dazu gegenüber Gates: "Stellen Sie sich vor, was Sie hätten erreichen können, wenn Sie zwei weitere Jahre hier geblieben wären." (ji)

      Bill Gates fährt bei Microsoft seinen Computer herunter

      Bill Gates fährt bei Microsoft seinen Computer herunter

      Letzter Arbeitstag für Bill Gates bei Microsoft: Nach über dreißig Jahren zieht sich der Milliardär aus der Leitung des von ihm gegründeten Softwarekonzerns zurück.

      Der 52-Jährige will sich künftig ganz der Stiftung widmen, die er mit seiner Frau Melinda gründete und die unter anderem kranken Kindern in Afrika hilft. Freunde und Kollegen wollen ihn am Abend bei einem Galadiner gebührend verabschieden.

      Gates gründete Microsoft 1975 in einer Garage. Sein Vermögen wird auf 58 Milliarden Dollar geschätzt. Die Konzernleitung gab er schon vor sechs Jahren an Steve Ballmer ab. Als Hauptaktionär und Aufsichtsratsvorsitzender wird er die Geschicke des Softwareunternehmens auch künftig mit beeinflussen. Über seine mit rund 30 Milliarden Dollar ausgestattete Stiftung führt er bereits seit Jahren einen weltweiten Kampf für bessere Ausbildungschancen und gegen Krankheiten wie Aids, Malaria oder Tuberkulose.