Aus Toten werden Diamanten
Weltweit steigt die Nachfrage nach Edelsteinen, die aus der Asche Verstorbener gepresst werden. Eine Schweizer Firma expandiert nach Indien und China
Manchen ist der Gedanke ein Greuel, unter die Erde zu kommen. Andere wollen über ihren Tod hinaus etwas Besonderes bleiben und lassen ihre Asche auf See oder gar im Weltall verstreuen. Erdbestattungen sind dagegen immer weniger gefragt. Das junge Schweizer Unternehmen Algordanza hat die Zeichen der Zeit erkannt und bietet einen ungewöhnlichen Dienst an: Sie verarbeitet die Asche von Verstorbenen zu Diamanten. Die Nachfrage steigt stetig. Schon jetzt laufen bei Algordanza m Schweizer Kanton Graubünden jeden Monat dutzende Aufträge aus aller Welt ein.
Die Klientel ist unterschiedlich: Sie reicht "vom Busfahrer bis zum Philosophieprofessor", sagt Rinaldo Willy, einer der beiden Firmengründer. Im Algordanza-Labor laufen die 15 Maschinen rund um die Uhr. Angestellte mit Schutzbrillen hantieren hinter Absperrungen. Für Besucher ist der Arbeitsbereich tabu - aus Pietät vor den Toten, wie Willy erläutert. "Ein menschlicher Leichnam hinterlässt zweieinhalb bis drei Kilogramm Asche", sagt Willy. "500 Gramm reichen, um einen Diamanten daraus zu machen." Aus der Asche werden zunächst Kalium und Kalzium vom Kohlenstoff getrennt, der dann durch extremen Druck und Temperaturen von rund 1700 Grad in Graphit umgewandelt wird. Danach wird das Material erneut starkem Druck und hohen Temperaturen ausgesetzt, bis ein Diamant entstanden ist.
Sechs bis acht Wochen dauert das Verfahren. Das ist eher zügig: In der Natur formen sich Diamanten über mehrere tausend Jahre. Im Labor wird der Rohdiamant noch individuell geschliffen.
Beliebt ist die Herzform - mal als Anhänger, mal als Ring getragen. "Jeder Diamant ist einzigartig", sagt Willy, mit der Zusammensetzung der Asche ändere sich die Farbe. "Sie variiert von einem dunklen Blau bis hin zu Weiß - wie ein Spiegel der Persönlichkeit des Verstorbenen." Je mehr Borsäure enthalten sei, desto blauer der Stein.
Ob auch wirklich der verstorbene Ehepartner oder Vater im Diamanten steckt, lässt sich nicht beweisen, wie Willy zugibt. Doch das Unternehmen nehme von der eingereichten Kremationsasche am Anfang stets einen "chemischen Fingerabdruck", mit dem die Bestandteile der Asche analysiert werden, betont er. Damit werde nicht nur das Verfahren bestimmt, sondern auch der Nachweis geführt, dass jeder seinen echten Schatz nach Hause geliefert bekomme.
Der Preis für diesen Aufwand ist relativ bescheiden: Zwischen 2800 und 10 600 Euro kostet die Diamantenherstellung, je nach der Größe des Steins. Weltweit boomt das Geschäft mit den von Menschen gemachten Diamanten. Unternehmen mit einem ähnlichen Geschäftsmodell wie Algordanza gibt es mittlerweile auch in den USA, in Russland, Spanien und in der Ukraine. Doch trotz der großen Konkurrenz ist das im Jahr 2004 gegründete Schweizer Unternehmen bereits in 21 Ländern vertreten. Insgesamt hat das Unternehmen etwa hundert Mitarbeiter.
Keine Zeit für Grabpflege
Besonders beliebt seien die Schweizer "Erinnerungsdiamanten" in Japan, berichtet Willy. An manchen Tagen schickt die dortige Filiale vier Urnen mit Kremationsasche zur Weiterverarbeitung in die Schweiz. Die nächsten Niederlassungen plant Willy in Indien und China. Die Globalisierung werde die Nachfrage nach den Diamanten steigern, sagt der Firmengründer: Da die Menschen viel unbeständiger lebten als früher und häufig umzögen, werde es immer schwieriger, Grabpflege zu betreiben. Auch mit einer Urne im Gepäck lasse sich schlecht herumreisen. Deshalb würden immer öfter die Angehörigen bei dem Schweizer Unternehmen anfragen, um ein wertvolles Stück zu bekommen.
Weltweit steigt die Nachfrage nach Edelsteinen, die aus der Asche Verstorbener gepresst werden. Eine Schweizer Firma expandiert nach Indien und China
Manchen ist der Gedanke ein Greuel, unter die Erde zu kommen. Andere wollen über ihren Tod hinaus etwas Besonderes bleiben und lassen ihre Asche auf See oder gar im Weltall verstreuen. Erdbestattungen sind dagegen immer weniger gefragt. Das junge Schweizer Unternehmen Algordanza hat die Zeichen der Zeit erkannt und bietet einen ungewöhnlichen Dienst an: Sie verarbeitet die Asche von Verstorbenen zu Diamanten. Die Nachfrage steigt stetig. Schon jetzt laufen bei Algordanza m Schweizer Kanton Graubünden jeden Monat dutzende Aufträge aus aller Welt ein.
Die Klientel ist unterschiedlich: Sie reicht "vom Busfahrer bis zum Philosophieprofessor", sagt Rinaldo Willy, einer der beiden Firmengründer. Im Algordanza-Labor laufen die 15 Maschinen rund um die Uhr. Angestellte mit Schutzbrillen hantieren hinter Absperrungen. Für Besucher ist der Arbeitsbereich tabu - aus Pietät vor den Toten, wie Willy erläutert. "Ein menschlicher Leichnam hinterlässt zweieinhalb bis drei Kilogramm Asche", sagt Willy. "500 Gramm reichen, um einen Diamanten daraus zu machen." Aus der Asche werden zunächst Kalium und Kalzium vom Kohlenstoff getrennt, der dann durch extremen Druck und Temperaturen von rund 1700 Grad in Graphit umgewandelt wird. Danach wird das Material erneut starkem Druck und hohen Temperaturen ausgesetzt, bis ein Diamant entstanden ist.
Sechs bis acht Wochen dauert das Verfahren. Das ist eher zügig: In der Natur formen sich Diamanten über mehrere tausend Jahre. Im Labor wird der Rohdiamant noch individuell geschliffen.
Beliebt ist die Herzform - mal als Anhänger, mal als Ring getragen. "Jeder Diamant ist einzigartig", sagt Willy, mit der Zusammensetzung der Asche ändere sich die Farbe. "Sie variiert von einem dunklen Blau bis hin zu Weiß - wie ein Spiegel der Persönlichkeit des Verstorbenen." Je mehr Borsäure enthalten sei, desto blauer der Stein.
Ob auch wirklich der verstorbene Ehepartner oder Vater im Diamanten steckt, lässt sich nicht beweisen, wie Willy zugibt. Doch das Unternehmen nehme von der eingereichten Kremationsasche am Anfang stets einen "chemischen Fingerabdruck", mit dem die Bestandteile der Asche analysiert werden, betont er. Damit werde nicht nur das Verfahren bestimmt, sondern auch der Nachweis geführt, dass jeder seinen echten Schatz nach Hause geliefert bekomme.
Der Preis für diesen Aufwand ist relativ bescheiden: Zwischen 2800 und 10 600 Euro kostet die Diamantenherstellung, je nach der Größe des Steins. Weltweit boomt das Geschäft mit den von Menschen gemachten Diamanten. Unternehmen mit einem ähnlichen Geschäftsmodell wie Algordanza gibt es mittlerweile auch in den USA, in Russland, Spanien und in der Ukraine. Doch trotz der großen Konkurrenz ist das im Jahr 2004 gegründete Schweizer Unternehmen bereits in 21 Ländern vertreten. Insgesamt hat das Unternehmen etwa hundert Mitarbeiter.
Keine Zeit für Grabpflege
Besonders beliebt seien die Schweizer "Erinnerungsdiamanten" in Japan, berichtet Willy. An manchen Tagen schickt die dortige Filiale vier Urnen mit Kremationsasche zur Weiterverarbeitung in die Schweiz. Die nächsten Niederlassungen plant Willy in Indien und China. Die Globalisierung werde die Nachfrage nach den Diamanten steigern, sagt der Firmengründer: Da die Menschen viel unbeständiger lebten als früher und häufig umzögen, werde es immer schwieriger, Grabpflege zu betreiben. Auch mit einer Urne im Gepäck lasse sich schlecht herumreisen. Deshalb würden immer öfter die Angehörigen bei dem Schweizer Unternehmen anfragen, um ein wertvolles Stück zu bekommen.