Aus Toten werden Diamanten

      Aus Toten werden Diamanten

      Aus Toten werden Diamanten

      Weltweit steigt die Nachfrage nach Edelsteinen, die aus der Asche Verstorbener gepresst werden. Eine Schweizer Firma expandiert nach Indien und China
      Manchen ist der Gedanke ein Greuel, unter die Erde zu kommen. Andere wollen über ihren Tod hinaus etwas Besonderes bleiben und lassen ihre Asche auf See oder gar im Weltall verstreuen. Erdbestattungen sind dagegen immer weniger gefragt. Das junge Schweizer Unternehmen Algordanza hat die Zeichen der Zeit erkannt und bietet einen ungewöhnlichen Dienst an: Sie verarbeitet die Asche von Verstorbenen zu Diamanten. Die Nachfrage steigt stetig. Schon jetzt laufen bei Algordanza m Schweizer Kanton Graubünden jeden Monat dutzende Aufträge aus aller Welt ein.

      Die Klientel ist unterschiedlich: Sie reicht "vom Busfahrer bis zum Philosophieprofessor", sagt Rinaldo Willy, einer der beiden Firmengründer. Im Algordanza-Labor laufen die 15 Maschinen rund um die Uhr. Angestellte mit Schutzbrillen hantieren hinter Absperrungen. Für Besucher ist der Arbeitsbereich tabu - aus Pietät vor den Toten, wie Willy erläutert. "Ein menschlicher Leichnam hinterlässt zweieinhalb bis drei Kilogramm Asche", sagt Willy. "500 Gramm reichen, um einen Diamanten daraus zu machen." Aus der Asche werden zunächst Kalium und Kalzium vom Kohlenstoff getrennt, der dann durch extremen Druck und Temperaturen von rund 1700 Grad in Graphit umgewandelt wird. Danach wird das Material erneut starkem Druck und hohen Temperaturen ausgesetzt, bis ein Diamant entstanden ist.

      Sechs bis acht Wochen dauert das Verfahren. Das ist eher zügig: In der Natur formen sich Diamanten über mehrere tausend Jahre. Im Labor wird der Rohdiamant noch individuell geschliffen.

      Beliebt ist die Herzform - mal als Anhänger, mal als Ring getragen. "Jeder Diamant ist einzigartig", sagt Willy, mit der Zusammensetzung der Asche ändere sich die Farbe. "Sie variiert von einem dunklen Blau bis hin zu Weiß - wie ein Spiegel der Persönlichkeit des Verstorbenen." Je mehr Borsäure enthalten sei, desto blauer der Stein.

      Ob auch wirklich der verstorbene Ehepartner oder Vater im Diamanten steckt, lässt sich nicht beweisen, wie Willy zugibt. Doch das Unternehmen nehme von der eingereichten Kremationsasche am Anfang stets einen "chemischen Fingerabdruck", mit dem die Bestandteile der Asche analysiert werden, betont er. Damit werde nicht nur das Verfahren bestimmt, sondern auch der Nachweis geführt, dass jeder seinen echten Schatz nach Hause geliefert bekomme.

      Der Preis für diesen Aufwand ist relativ bescheiden: Zwischen 2800 und 10 600 Euro kostet die Diamantenherstellung, je nach der Größe des Steins. Weltweit boomt das Geschäft mit den von Menschen gemachten Diamanten. Unternehmen mit einem ähnlichen Geschäftsmodell wie Algordanza gibt es mittlerweile auch in den USA, in Russland, Spanien und in der Ukraine. Doch trotz der großen Konkurrenz ist das im Jahr 2004 gegründete Schweizer Unternehmen bereits in 21 Ländern vertreten. Insgesamt hat das Unternehmen etwa hundert Mitarbeiter.

      Keine Zeit für Grabpflege

      Besonders beliebt seien die Schweizer "Erinnerungsdiamanten" in Japan, berichtet Willy. An manchen Tagen schickt die dortige Filiale vier Urnen mit Kremationsasche zur Weiterverarbeitung in die Schweiz. Die nächsten Niederlassungen plant Willy in Indien und China. Die Globalisierung werde die Nachfrage nach den Diamanten steigern, sagt der Firmengründer: Da die Menschen viel unbeständiger lebten als früher und häufig umzögen, werde es immer schwieriger, Grabpflege zu betreiben. Auch mit einer Urne im Gepäck lasse sich schlecht herumreisen. Deshalb würden immer öfter die Angehörigen bei dem Schweizer Unternehmen anfragen, um ein wertvolles Stück zu bekommen.
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      Firma produziert Edelsteine aus Totenasche

      Firma produziert Edelsteine aus Totenasche
      Unvergänglich - wie ein Diamant

      07. Juli 2008 Manchen ist der Gedanke ein Gräuel, unter die Erde zu kommen. Andere wollen über ihren Tod hinaus etwas Besonderes bleiben und lassen ihre Asche unter Bäumen, auf See oder gar im Weltall verstreuen. Das junge Schweizer Unternehmen Algordanza bietet einen ungewöhnlichen Dienst an: Es verarbeitet die Asche von Verstorbenen zu Diamanten. Bei der Firma gehen jeden Monat dutzende Aufträge aus aller Welt ein. Die Klientel ist ganz unterschiedlich: Sie reicht „vom Busfahrer bis zum Philosophieprofessor“, wie einer der beiden Firmengründer, Rinaldo Willy, sagt.

      Im Algordanza-Labor im Schweizer Kanton Graubünden laufen die 15 Maschinen rund um die Uhr. Angestellte mit Schutzbrillen hantieren hinter Absperrungen. Für Besucher ist der Arbeitsbereich tabu - aus Pietät vor den Toten, wie Willy sagt. „Ein menschlicher Leichnam hinterlässt zweieinhalb bis drei Kilogramm Asche“, erläutert er: „500 Gramm reichen, um einen Diamanten daraus machen.“ Aus der Asche werden zunächst Kalium und Kalzium vom Kohlenstoff getrennt, der dann durch extremen Druck und Temperaturen von rund 1700 Grad in Graphit umgewandelt wird. Danach wird das Material erneut starkem Druck und hohen Temperaturen ausgesetzt, bis ein Diamant entstanden ist.

      In sechs Wochen zum Edelstein

      Sechs bis acht Wochen dauert dieses Verfahren. Das ist eher zügig. In der Natur formen sich Diamanten über mehrere tausend Jahre. Im Labor wird der Rohdiamant noch individuell geschliffen. Die Herzform ist sehr beliebt, mal als Anhänger, mal als Ring getragen. „Jeder Diamant ist einzigartig“, betont Willy, mit der Zusammensetzung der Asche ändere sich die Farbe. „Sie variiert von einem dunklen Blau bis hin zu Weiß - wie ein Spiegel der Persönlichkeit des Verstorbenen“, philosophiert der Firmengründer. Je mehr Borsäure enthalten sei, desto blauer der Stein.

      Ob auch wirklich der verstorbene Ehepartner oder Vater im Diamanten steckt, lässt sich nicht beweisen, wie Willy zugibt. Doch das Unternehmen nehme von der eingereichten Kremationsasche am Anfang stets einen „chemischen Fingerabdruck“, mit der die Bestandteile der Asche analysiert werden. Damit werde nicht nur das Verfahren bestimmt, sondern auch der Beweis geführt, dass jeder seinen echten Schatz nach Hause geliefert bekomme.

      Ein Diamant für 2800 Euro

      Der Preis für den Aufwand: Zwischen 2800 und 10.600 Euro kostet die Diamantenherstellung, je nach Größe des Steins. „Eine Bestattung kann auch ziemlich teuer werden“, bewirbt Willy seine Dienstleistung. „In Deutschland kostet das rund 12.000 Euro.“ Weltweit soll das Geschäft mit den von Menschen gemachten Diamanten boomen. Ähnliche Firmen wie Algordanza gibt es in den Vereinigten Staaten, Russland, Spanien und in der Ukraine. Trotz der großen Konkurrenz ist die 2004 gegründete Schweizer Firma schon in 21 Ländern vertreten. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen rund hundert Mitarbeiter.

      Besonders beliebt seien die Schweizer „Erinnerungsdiamanten“ in Japan, berichtet Willy. An manchen Tagen schickt die dortige Filiale vier Urnen mit Kremationsasche zur Weiterverarbeitung in die Schweiz. Die nächsten Niederlassungen sind in Indien und China geplant. Er glaube, dass die Globalisierung die Nachfrage nach den Diamanten steigere, sagt Willy: Da die Menschen viel unbeständiger lebten als früher und häufig umzögen, werde es immer schwieriger, Grabpflege zu betreiben. Auch mit einer Urne im Gepäck lasse sich schlecht herumreisen. Meistens kämen deshalb die Familien eines Verstorbenen auf die Firma zu, um ein wertvolles Stück zu bekommen.

      Ein höchst umstrittenes Verfahren

      Das Verfahren ist freilich alles andere als unumstritten. Im April 2007 untersagte das Amtsgericht Wiesbaden der Tochter eines Verstorbenen, die Asche ihres Vaters in einen Diamanten umwandeln zu lassen. Sie habe den letzten Willen ihres Vaters nicht hinreichend glaubhaft machen können, hieß es damals. Die junge Wiesbadenerin wollte die Asche ihres im Alter von 60 Jahren verstorbenen Vaters in der Schweiz zum Edelstein pressen lassen. Die Mutter war dagegen und wünschte eine herkömmliche Beisetzung der Urne.

      In Deutschland ist die „Diamantbestattung“ bislang verboten. Grundsätzlich herrscht hierzulande nach wie vor Friedhofszwang. Algordanza zufolge darf die Asche eines Verstorbenen aber auf Wunsch der Hinterbliebenen auch zur Bestattung ausgeführt werden. Das Unternehmen sei in Chur ordnungsgemäß als Bestatter im Handelsregister eingetragen, heißt es.
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      Das geht auch bei Tieren!

      Akt. 08.09.08; 09:17 Pub. 07.09.08; 21:46
      Diamanten aus der Asche von Katzen und Hunden
      Haustiere werden immer öfter wie Menschen behandelt: Nach der Todesanzeige für Tiere und der Sterbehilfe für Hunde gibt es nun auch Diamanten aus Fifis Asche.

      «Die hohe Wertschätzung, die Menschen Tieren gegenüber entwickeln, lässt uns an ­diesen Markt glauben», sagt Beat Frei, seit rund einem Monat Schweizer Repräsentant von Semper Fides. Das Angebot der Firma richtet sich an besonders innig liebende Herrchen und Frauchen: Aus 300 Gramm Asche verblichener oder 17 Gramm Haaren lebender Lieblinge lässt Semper Fides je nach Budget einen Diamanten oder einen Edelstein fertigen.

      Bisher gab es dieses Angebot erst für menschliche Asche. Das Verfahren ist dasselbe und wird auch von derselben Partnerfirma durchgeführt: Aus den sterblichen Überresten oder aus den Haaren wird der Kohlenstoff ex­trahiert und dann unter hohem Druck bei bis zu 2000 Grad zum Diamanten «ge­backen». Die Trauersteine gibt es ab 3000 Franken, ein Einkaräter kostet rund 24 000 Franken.

      Unternehmer Frei, selber Besitzer von drei Hunden, hat keine ethischen Bedenken: «Für viele Menschen sind ­Tiere zu Familienmitgliedern geworden. Mit uns können sie ihnen ein Erinnerungsstück widmen.» Hundeflüsterer Heini Meier dagegen hält wenig von dem Angebot: «Einen Hund als Fingerring zu tragen, finde ich makaber.»

      Semper Fides - Faszination Diamant

      Semper Fides - Faszination Diamant

      2004 habe ich von der Möglichkeit erfahren, aus der Kremationsasche eines Menschen einen Diamanten entstehen zu lassen. Ich war sofort begeistert von der Idee, diese einzigartige Erinnerung auch Tierbesitzern anbieten zu können. Im Mai 2006 war es soweit! Die Semper Fides Diamonds GmbH wurde in Salzgitter gegründet.

      Semper Fides bietet Ihnen die Möglichkeit, Ihren treuen Gefährten, Begleiter und Freund für immer in einer unverwechselbaren und zeitlosen Verbindung bei sich zu tragen. Unsere speziellen Verfahren geben Ihnen auch schon zu Lebzeiten Ihres geliebten Tieres die Gelegenheit dazu. Ein paar Gramm des Fell- oder Federkleides genügen hierfür.

      http://www.semperfides.eu/dnn/de/SemperFides/tabid/52/Default.aspx

      Ruhe sanft – als Diamant oder im All

      Ruhe sanft – als Diamant oder im All

      Diamantbestattung

      Die sterblichen Überreste, gepresst zu einem Diamanten? Das gibt’s seit 2003. Pionier auf dem Gebiet der sogenannten Diamantbestattung ist die Schweizer Firma Algordanza. Seit 2005 erobert sie auch den deutschen Markt. Exorbitant teuer sei diese Beisetzungsart nicht: Ein Diamant mit 0,4 Karat koste rund 4600 Euro. „Mehrere hundert Menschen pro Jahr entscheiden sich heute bereits dafür“, sagt Jörg Peinemann, Vertriebsleiter Deutschland. Besonders Frauen. „Weil sie Schmuck von Natur aus mögen“, vermutet der Güstrower Bestattungsunternehmer Michael Teßmer.

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      "Mein Vater ist wieder bei mir - als Diamant"

      11.04.2009 21:08

      "Mein Vater ist wieder bei mir - als Diamant"

      Andrea Mischkulnig aus Klagenfurt hat ihren Vater so sehr geliebt, dass sie ihn auch nach seinem Tod um sich haben will. Aus seiner Asche wurde ein 0,4-Karäter.
      Vielleicht ist die Sehnsucht nach (s)einem Vater größer, wenn man als Kind nicht viel von ihm gehabt hat. So wie Andrea Mischkulnig nach der elterlichen Scheidung. Später hat sich ihr Verhältnis zu ihrem Vater normalisiert, in den Jahren vor seinem Tod sogar intensiviert. "Wir haben uns mindestens einmal wöchentlich getroffen, Kaffee getrunken, geredet. Der Tod hat ihn beschäftigt, auch wenn er Dinge sagte wie ,Macht euch keine Umstände, wenn ich sterbe'. Oder: ,Ich übergebe meinen Körper der Anatomie.'"

      Kein Sammelgrab. Am 15. September 2008 starb Wilhelm, doch seinen letzten angeblichen Wunsch wollte die Tochter nicht erfüllen: "Die Vorstellung, dass dieser feinfühlige und genügsame Mensch in einem Sammelgrab enden sollte, war mir unerträglich. Ich wollte ihn bei mir haben." Schon kurz zuvor hatte die Klagenfurterin davon gehört, dass man die Asche verstorbener Lebewesen in Diamanten verwandeln kann. Die Ersten, die das machten, waren Hunde- oder Pferdebesitzer, die ein Andenken an ihren Liebling behalten wollten. Mischkulnig sah das etwas anders: "Für mich verkörpert ein Diamant das Leuchtende, Edle, Schöne. Das passt perfekt auf meinen Vater."

      Bis 13.500 Euro. Mithilfe der Bestattung Kärnten in Klagenfurt stieß sie auf die Algordanza ("Erinnerung" auf Rätoromanisch) AG. Das Schweizer Unternehmen für "Erinnerungsdiamanten" ist bereits in 21 Ländern aktiv und stellt Interessenten vor die Qual der Wahl: Mischkulnig entschied sich für einen 0,4-karätigen Edelstein zum Preis von 4680 Euro. Dazu wurden 500 Gramm der Asche des Vaters genommen. Ein Einkaräter aus wesentlich mehr Asche des Verstorbenen hätte über 13.000 Euro gekostet.

      Blau wie Bor. Die Asche wurde analysiert und gereinigt, der übrig gebliebene Kohlenstoff mehrere Wochen bei rund 1600 Grad und ca. 55.000 Kilobar Druck gepresst, bis ein Diamant entstand, der anschließend geschliffen wurde. Der Blau-Ton des Kristalls ist von der Menge Bor abhängig, die ein Mensch im Lauf seines Lebens aufgenommen hat. "Es hat ein halbes Jahr gedauert, bis der Diamant fertig war", sagt Mischkulnig. "Jetzt liegt er in der Schatulle bei den Büchern, die mein Vater so gern gelesen hat." In wiederkehrenden Momenten der Trauer fühlt sie sich durch das Schmuckstück getröstet: "Dann ist es manchmal so, als ob mein Vater bei mir wäre."

      Ganslhaut. Enkel Philipp gefällt die Idee mit dem Diamanten. "Andere Leute waren zum Teil verwundert", berichtet Mischkulnig, "aber abstoßend fand das niemand. Viele hatten nur noch nie davon gehört." Manche bekamen auch eine "Ganslhaut", weil ein Diamant schöner ist als traditionelle Bestattungen - Tote in den Sarg, Sarg in die Erde. "Vielleicht ist die Hemmschwelle höher, weil das noch nicht üblich ist."

      Diamanten-Trend. Das kann sich ändern. "Jährlich haben wir in Kärnten schon fünf, sechs Wünsche nach Gedenkdiamanten", sagt Andreas Waldher von der Bestattung Kärnten. Die Motive sind ähnlich: "Die Liebe - also der Wunsch, Partner, Kind, Vater, Mutter bei sich zu haben."

      Will denn Andrea Mischkulnig selbst einmal zum Diamanten werden? "Ich hoffe doch schon", muss sie lachen, obwohl es ja viele Alternativen gibt: im All, im Meer, auf dem Berg, im Tiefkühlschrank, in einer Baumwurzel. Da wäre eine diamantene Ahnengalerie doch eine wertvolle Alternative . . .

      Das Unternehmen Algordanza

      Der Tod ist eines der wenigen Dinge im Leben, die endgültig und unverrückbar sind: Irgendwann kommt der Sensenmann zu uns allen. Doch was wissen wir wirklich über den Tod? Wir haben 20 wissenswerte Fakten für Sie zusammengetragen.

      In der Schweiz ist der Tod seit kurzem "a girl's best friend": Aus der Asche eines Verstorbenen kann man sich dort einen Diamanten pressen lassen.

      Die "Kleine Zeitung" in Kärnten berichtete, dass im Herbst 2008 eine Österreicherin nach dem Tod ihres Vaters auf ein Schweizer Unternehmen für so genannte "Erinnerungsdiamanten" stieß.

      Das Unternehmen Algordanza reinigte und analysierte ein halbes Kilo der Asche des verstorbenen Vaters und presste den übrig gebliebenen Kohlenstoff bei 1.600 Grad Celsius und 55.000 Kilobar Druck zu einem 0,4-karätigen Diamanten. Kostenpunkt: 4.680 Euro.

      Der Vater soll nun laut Bericht als glänzender Edelstein zwischen seinen Lieblingsbüchern im Regal der Tochter liegen.

      Kremation - Der letzte Schliff

      Kremation - Der letzte Schliff

      Ein Diamant, geschaffen aus der Asche eines Toten: Wer sich kremieren lässt, kann am Ringfinger eines geliebten Menschen zur letzten Ruhe finden.

      Ewige Ruhe: Wie diverse Bestattungen geregelt sindEin feuchtes Grab der Namenlosen: Im April stiessen Taucher im Zürichsee bei Küsnacht auf mehrere Dutzend Urnen mit menschlicher Asche. Die Staatsanwaltschaft eröffnete ein Verfahren gegen unbekannt. Doch die Sache ist juristisch schwer greifbar. Während bei vielen europäischen Nachbarn auch für Urnen ein Friedhofszwang gilt, dürfen hierzulande die Angehörigen über die Kremationsasche frei verfügen (siehe «Ewige Ruhe»). Die Gesetzgebung kennt nur wenige Einschrän­kungen. So muss der letzte Wille des Verstorbenen geachtet werden, und man darf keine Grundrechte Dritter verletzen.

      In den meisten Fällen ist immer noch der Friedhof die letzte Station. 2008 verstarben in der Schweiz 61'200 Menschen. Mehr als zwei Drittel wurden feuerbestattet; sogar in katholisch geprägten ­Kantonen geht der Trend hin zur Kremation. Das ist nicht nur eine Kostenfrage. Denn bei einer Feuerbestattung können die Hinterbliebenen individueller Abschied nehmen. Schätzungen zufolge wird die Asche von fünf Prozent aller Kremierten nicht in geweihter Friedhofserde beigesetzt, sondern auf Wiesen verstreut, in Gewässer geschüttet oder auf dem Cheminéesims in einer Zierurne aufbewahrt.

      Viele sind noch nicht bereit loszulassen
      Die sogenannte Aschefreiheit eröffnet auch ganz neue Geschäftsfelder. Mitunter ziemlich krude: Im Bündnerland fertigt die Firma Algordanza aus dem in der Kremations­asche enthaltenen Kohlenstoff künstliche Diamanten. Wer sich nach einem handfesten Andenken sehnt, für den könnten diese sogenannten Erinnerungsdiamanten eine Möglichkeit sein. Zu haben sind sie ab 5669 Franken.

      In den Räumen von Algordanza hängen Ölbilder an den Wänden, der Teppich schluckt die Verkehrsgeräusche, die vom Churer Gewerbegebiet hereindringen. Ledersitzgruppe, gediegenes Ambiente. Geschäftsführer Andreas Wampl lächelt. Er weiss, dass sein Betrieb Ungewöhnliches tut, wenn nicht gar Bizarres.

      Auf dem Tisch steht eine Kassette aus Edelholz, die er, einer bestimmten Choreographie folgend, aufklappt. In der Mitte, auf einer Art Stele: ein Diamant. Ungefähr ein halbes Karat schwer, bläulich schimmernd. Wüsste man nicht, dass der Kohlenstoff, der den Stein bildet, von einem Toten stammt, es würde sich ein bisschen so wie beim Juwelier anfühlen. Aber das ist kein gewöhnlicher Glitzerschmuck. Hier liegt, wenn man so will, das Konzentrat eines Menschen. Versehen mit dem letzten Schliff für die Ewigkeit.

      Algordanza stellt jeden Monat durchschnittlich 60 Diamanten her. Mehrmals pro Woche treffen Angehörige ein, um «ihren» Stein abzuholen. «In diesen meist sehr emotionalen Momenten erhalten die Hinterbliebenen quasi ein Symbol der Person zurück, die sie verloren haben», erklärt Wampl. Wer sich einen Erinnerungsdiamanten wünscht, sei oft noch nicht bereit loszulassen. Manche Angehörige lassen den Stein fassen und tragen ihn am Leib, andere bewahren ihn im Safe auf.

      Bei der Firma melden sich viele Eltern, die ein Kind verloren haben, oder Menschen, deren Partner unerwartet aus dem Leben gerissen wurde. Die Kunden stammen oft auch aus dem Ausland. Kremations­asche aus Deutschland muss – um die dortige rigide Gesetzgebung zu umgehen – von deutschen Bestattern nach Chur gebracht werden. Besonders aus Asien, wo man ­einen gelösteren Umgang mit dem Tod pflegt, treffen täglich Urnen ein.

      Algordanza braucht mindestens 500 Gramm Asche, um den Prozess in Gang zu setzen. In einem ersten Arbeitsschritt wird reiner Kohlenstoff gewonnen. Dann wird das Material ins europäische Ausland gebracht, wo die Maschinen stehen, in denen die für den Umwandlungsprozess nötigen hohen Drücke und Temperaturen erzeugt werden können. Was die Natur nur in Jahrmillionen schafft, bewerkstelligt man so in wenigen Wochen. Ein Kennzeichnungs­system soll gewährleisten, dass die Angehörigen später auch den richtigen Diamanten erhalten. Aber das ist wie so vieles im Leben Vertrauenssache.

      Bis zum Moment der Übergabe vergehen rund vier Monate. Diese zeitliche Distanz hilft vielen Betroffenen im Trauerprozess. Wenn sie den Diamanten dann in den Händen halten, geht eine Phase der Trauer zu Ende. Manchmal sind die Angehörigen aber auch überfordert. Die Erinnerungs­diamanten sehen nämlich nicht immer strahlend rein aus: Die Farben des Kunstprodukts variieren von Weiss über Bläulich bis hin zu Blaugrau. Verantwortlich dafür sind winzige Verunreinigungen im Kohlenstoff. Die Struktur dieser Spuren ist bei jedem Menschen einzigartig.

      Andreas Wampl erinnert sich an einen Fall, der ihm sehr nahegegangen ist: Wenige Tage nachdem ein Witwer den Diamanten seiner Frau erhalten hatte, habe er sich verzweifelt wieder gemeldet. Der Stein war recht dunkel ausgefallen. «Das entspricht nicht meiner Frau», habe der Trauernde gesagt, «sie war weiss, klar und rein.» In solchen Momenten rücke das Geschäft in den Hintergrund, sagt Wampl.

      «Dafür muss man geschaffen sein»
      Sergio Biaggi, seit vielen Jahren im Aargau als Bestatter und Ausbilder tätig, hat erst einmal einen Diamanten-Auftrag an Algor­danza vermittelt. «Im Normalfall verblasst die Erinnerung an einen Toten. Auf die Trauer folgt Dankbarkeit darüber, dass man den Menschen hat kennenlernen dürfen», sagt er. Der Bestatter sieht darin einen heilsamen Prozess. Ein Diamant sei hingegen unvergänglich und könne die Hinterbliebe­nen in ihrer Weiterentwicklung einschränken. «Für diese Form der Trauerbewältigung muss man geschaffen sein.» Er könne sich aber gut vorstellen, dass ein solches Erinnerungsstück viele Betroffenen tröste.

      Gar nichts Positives kann Biaggi hin­gegen dem Fall der Küsnachter Urnen abgewinnen. «Menschen, die eine Fluss- oder Seebestattung wünschen, sehnen sich danach, wieder Teil des Ganzen zu werden, vom Wasser davongetragen zu werden.» Werfe man eine Urne samt Asche aber lieblos ins Hafenbecken, nehme man den Verstorbenen die letzte Würde. «Da wurde in grossem Stil entsorgt.»

      Gegen Naturbestattungen hat der Fachmann aber grundsätzlich nichts einzuwenden. Wichtig sei, dass dabei der Respekt vor dem Verstorbenen und seinen Hinterbliebenen nicht verloren gehe. «Wer sich etwa für viel Geld auf einen Gletscher fliegen lässt, um Asche aus dem Helikopter zu streuen, sollte sich bewusst machen, dass die Rotoren Wind erzeugen und die Stimmung durch die Motorengeräusche alles andere als würdevoll ist.»



      Ewige Ruhe: Wie diverse Bestattungen geregelt sind

      Totenruhe: Wann ein Leichnam beigesetzt oder eingeäschert wird, ist kantonal ge­regelt. Normalerweise beträgt die Toten­ruhe 48 Stunden, im Tessin 24 Stunden.
      Letzter Wille: Wer konkrete Wünsche für den Fall des eigenen Ablebens hat, sollte diese in einer Bestattungsanordnung klar formulieren. Die Anweisungen sind zu ­respektieren, sofern dabei keine Gesetze verletzt werden. Das Testament ist übrigens nicht geeignet, um Wünsche kundzutun. Denn wenn der Notar den letzten Willen verliest, ist die Bestattung meist schon erfolgt.

      Einsargung: In vielen Städten und Gemeinden übernehmen die Bestattungsämter den Abtransport und die Einsargung. Angehörige haben aber das Recht, einen professionellen Bestattungsdienst beizuziehen.

      Feuerbestattungen: Der Leichnam wird in einem Sarg eingeäschert. Nach der Verbrennung bleiben rund zwei Kilogramm Asche übrig. Diese dürfen die ­Angehörigen im Krematorium abholen und grundsätzlich frei über sie verfügen.

      Naturbestattungen sind im privaten Rahmen gestattet, aus Sicht des Umweltschutzes gibt es keine Bedenken. Wichtig ist, dass der Besitzer des betreffenden Grundstücks einverstanden ist und die ­Interessen anderer nicht verletzt werden.

      Fluss- oder Seebestattungen sind im privaten Rahmen ebenfalls erlaubt, nach Möglichkeit sollte dafür ein wasser­lösliches Gefäss verwendet werden.

      Erdbestattungen: Bei Erdbestattungen besteht Friedhofszwang. Die sterblichen Überreste müssen in einem Sarg aus ­verrottbarem Material beigesetzt werden. Die Details werden von der jeweiligen ­Gemeinde geregelt. Grabbeigaben sind erlaubt, sollten aber biologisch abbaubar sein. In den meisten Fällen ist man auf Seiten der Behörden und Gemeinden ­bemüht, dabei den Wünschen der Angehörigen zu entsprechen.

      Spezialfälle:

      Bei den Leichnamen von Fehl- und Frühgeburten zeigen sich die Behörden immer kulanter. Früher musste man den 16-Wochen-Fötus in der Klinik mit den Operationsabfällen «entsorgen», heute bieten immer mehr Gemeinden friedhofsinterne Plätze zur Bestattung an.
      Tiere dürfen keinesfalls auf dem Friedhof beerdigt werden, auch nicht im Sarg ihrer Besitzer.
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      Ein Karat ewige Erinnerung

      "Nord-Rundschau", aktualisiert am 15.03.2011 um 00:00 Uhr
      Stuttgarter Norden. Immer mehr Menschen wählen alternative Formen, um Angehörige zu bestatten. Von Leonie Hemminger

      Der Tod ist bekanntlich nicht umsonst. Die Erkenntnis, dass er noch mehr als das Leben kostet, trifft viele Angehörige hart, wenn sie sich um die Beisetzung eines Verstorbenen kümmern müssen. "Bei einer Erdbestattung sind Sie schnell 3000 bis 5000 Euro los", sagt Christian Streidt, Landesinnungsmeister des Bestatterverbands Baden-Württemberg. Schließlich muss neben der eigentlichen Beisetzung noch die Grabstelle bezahlt werden, und auch die Pflege derselben ist kostspielig. Eine Urnenbestattung liegt laut Streidt in der Regel zwischen 1000 und 1500 Euro, solange auf größere Feierlichkeiten verzichtet wird. "Der Trend geht in Richtung Feuerbestattung", sagt der Landesinnungsmeister und schätzt, dass der Anteil inzwischen bei 60 Prozent liege. Neben dem Kostenfaktor führt er dies darauf zurück, dass es immer mehr Single-Haushalte gebe oder dass Kinder nicht für ihre Eltern aufkommen wollten. "Wir Bestatter sehen die Veränderungen in der Gesellschaft sehr genau."

      In den vergangenen Jahren sind immer mehr alternative Bestattungsformen aufgekommen. Beispielsweise besteht in Stuttgart seit fünf Jahren - seit einem dreiviertel Jahr auch auf dem Neuen Friedhof in Weilimdorf - die Möglichkeit, sich in einem Baumgrab beisetzen zu lassen. Dabei wird die Asche des Verstorbenen in einer ökologisch abbaubaren Urne an den Wurzeln eines Baumes in die Erde gelassen. Auf Wunsch wird ein kleines Täfelchen am Baum angebracht, auf dem Name, Geburts- und Sterbedatum verzeichnet werden. Aber auch ein anonymes Begräbnis ist möglich. Dadurch, dass keinerlei Blumenschmuck aufgestellt werden darf, entfällt für die Angehörigen die Pflege; außerdem muss kein Grabstein gekauft werden. Laut Harald Aust vom Garten-, Friedhofs- und Forstamt fallen von den etwa 5500 Bestattungen, die es pro Jahr in Stuttgart gibt, rund 100 auf diese Form der Beisetzung. Als weitere Variante, wenn Angehörige die Grabpflege vermeiden möchten, nennt er so genannte Kolumbarien. Hierbei werden die Urnen in regalartigen Nischen untergebracht, auf Wunsch wird darauf eine Platte mit dem Namen angebracht. Bei Rasengräbern wird die Urne in einem Rasenfeld versenkt, eine in den Boden eingelassene Steinplatte erinnert an den Verstorbenen.

      Doch nicht nur aus finanziellen Gründen wählen immer mehr Menschen alternative Beisetzungsformen. Auch dadurch, dass viele wegziehen und nicht am Wohnort der Verwandten bleiben, können sie nur selten das Grab ihrer Angehörigen besuchen. Urnen mit der Asche der Verstorbenen dürfen in Baden-Württemberg aber laut Bestattungsgesetz nicht mit nach Hause genommen oder frei verstreut werden. Die menschlichen Überreste müssen grundsätzlich auf Friedhöfen beigesetzt werden. Nur in wenigen Bundesländern ist dies laut Aust mit einer Ausnahmeregelung möglich. Anders in Frankreich, der Schweiz oder den Vereinigten Staaten: Dort kann die Asche von Verstorbenen in einer Kapsel ins Weltall geschossen, aus einem Heißluftballon gestreut oder in einem Amulett getragen werden. Wer die gesetzlichen Vorgaben in Deutschland umgehen möchte, der kann laut Streidt die Urne über die Landesgrenzen schicken. "Was dort damit passiert, geht niemanden etwas an - weder die Innung noch den Gesetzgeber", sagt Streidt.

      Vor diesem Hintergrund hat sich eine neue Bestattungsform entwickelt. Seit etwa fünf Jahren bieten einige deutsche Bestattungsunternehmen an, die Asche der Verstorbenen in einen Diamanten umwandeln zu lassen. Realisiert wird dies allerdings nicht in Deutschland, sondern von einer Schweizer Firma. Dabei wird aus der Asche der Kohlenstoff extrahiert, und unter hohen Temperaturen und Druck wächst innerhalb von drei bis fünf Monaten ein Rohdiamant, der anschließend zu einem Brillanten geschliffen wird. Bis zu vier Diamanten können so aus der Asche eines Menschen geschaffen werden. "Die Angehörigen können ihre Verwandten dann immer bei sich haben, zum Beispiel an einer Kette oder einem Ring", sagt Heinz Widmann. Der Inhaber des gleichnamigen Feuerbacher Bestattungsunternehmens bietet diese Form der Bestattung seit einem halben Jahr an. Erst einen Diamanten hat er bislang in Auftrag gehabt, er werde aber immer häufiger darauf angesprochen, sagt er. Die Kosten liegen je nach Karat zwischen 4700 und 13 000 Euro.

      Welchen genauen Wert der Diamant anschließend hat, kann Landesinnungsmeister Streidt nicht sagen. Es wird jedoch ein Zertifikat ausgestellt, das besiegelt, dass es sich um einen echten Diamanten handelt. "Der materielle Wert ist aber sekundär, es zählt der ideelle", sagt Widmann. Streidt selbst kann sich nicht vorstellen, dass seine Seele "irgendwo reingepresst" wird. Wenn diese Form der Erinnerung jedoch Menschen helfe, über den Verlust eines Angehörigen hinwegzukommen, sei es durchaus ein möglicher Weg.

      Bestattung im Diamanten

      Bestattung im Diamanten

      Ein Totengedenken der ungewöhnlichen Art versprechen sogenannte Diamantenbeerdigungen. Tatsächlich gibt es Angebote, aus der Asche Verstorbener den Kohlenstoff zu extrahieren und diesen dann unter hohem Druck und bei hohen Temperaturen in Diamant zu verwandeln. Das Resultat der Prozedur sollen weiße bis bläuliche Steine sein, die man sich gleich noch mit dem gewünschten Schliff versehen lassen kann. Die Preise betragen zwischen 6800 Euro für einen Halbkaräter und rund 15 000 für einen doppelt so großen Diamanten. Die Offerten sind in Deutschland nicht ganz gesetzeskonform, da die Hinterbliebenen hierzulande nicht frei über sterbliche Überreste verfügen dürfen, sondern diese in jedem Fall beerdigen müssen. Daher wird die Extraktion des Kohlenstoffs und die Herstellung der Diamanten im Ausland, beispielsweise in der Schweiz, durchgeführt. Die nicht verwendeten Reste von Kohlenstoff und Salzen können dann anschließend dazu dienen, dem Gesetz Genüge zu tun.