Vom Kohlebrocken zum Diamanten

      Vom Kohlebrocken zum Diamanten

      Vom Kohlebrocken zum Diamanten

      Trotz ungnädiger Kritiken avanciert der walisische Amateur-Tenor Paul Potts zum internationalen Phänomen - Werbespot

      Aus der Startnummer 31829 beim britischen Talentwettbewerb wurde auf Anhieb die Nr. 1. Linkisch, dick und mit schlechten Zähnen nötigte Paul Potts den Juroren ein abschätziges Lächeln ab, als er verkündete: "Ich singe jetzt Oper." Doch schon nach den ersten Tönen von "Nessun Dorma" wich die Skepsis heller Bewunderung. Das Publikum im "Millennium Centre" von Cardiff raste. Viele weinten und lachten zugleich im Wechselbad von Begeisterung und Rührung bei dieser Stimme. "Wir haben die Verwandlung von einem Kohlebrocken in einen Diamanten" erlebt, sagte eine Jurorin zu dem Sieger.
      Die unglaubliche Metamorphose vom hässlichen Erpel zum strahlenden Schwan klickten mittlerweile mehr als 28 Millionen Besucher auf der Internetplattform "YouTube" an. Und ein deutscher Mobilfunkanbieter vermarktet das Phänomen nun mit einem Werbevideo und sorgte hierzulande für einen neuen Kult um den 37-jährigen Waliser. Gewissermaßen ist der frisch gebackene Heldentenor damit wieder in seinem alten Metier. Denn vor dem Durchbruch hielt sich Paul Potts mit dem Verkauf von Handys mühsam über Wasser. Doch statt Klingeltönen interessierte er sich seit seiner Kindheit für große Arien. Von den Anpöbeleien seiner Schulkameraden flüchtete sich der kleine pummelige Sohn eines Busfahrers und einer Supermarktkassiererin in die Musik.
      "Meine Stimme war mein einziger Freund", erinnert er sich jetzt an diese unglücklichen Jahre. Auch später meinte es das Leben lange nicht gut. Zwar gewann er bei einem Talentwettbewerb 8000 Pfund, die er in Italien in die Gesangsausbildung steckte, aber Krankheiten verhinderten die erträumte Karriere als Tenor. Auf einen Blinddarmdurchbruch folgten ein Nierentumor und ein gebrochenes Schlüsselbein nach einem Unfall.
      Ohne große Hoffnung kaufte er sich vor einem Jahr einen billigen Anzug für den Auftritt bei "Britain's Got Talent", denn er hatte seit vier Jahren kaum mehr gesungen. Doch das "Vincere! Vincere" ("Ich werde siegen!") aus Puccinis Turandot-Arie bewahrheitete sich für Paul Potts. Er kann sich vor Auftritten nicht retten und arbeitet an dem Film über seine erstaunliche Geschichte. Es ist auch eine Geschichte über die erstaunliche Kraft modernen Marketings. Wie Caruso, Gigli und Pavarotti bewiesen, ist Aussehen kein Hindernis für den Ruhm eines Heldentenors.
      Doch Kritiker bezweifeln, dass Paul Potts langfristig die lange Reihe der Pop- und Opernstars wie Tom Jones, Shirley Basset, Bry Terfel, Katherine Jenkins fortsetzt, die das sangesfreudige Wales der Welt gegeben hat. "Er ist ein Wald- und Wiesen-Tenor, wie man ihn überall in Amateuropern-Ensembles finden kann", urteilte der "Independent". Und weiter: "Seine Stimme ist angestrengt und unkontrolliert, seine Phrasierung ist gedrungen und klumpig und er gibt eine verstopfte Nachahmung des flüssigen Klangs eines italienischen Tenors."
      Und Herbert Bresslin, der Manager Pavarottis, dessen Markenzeichen "Nessun dorma" war, findet es "einfach lächerlich, dass ein völlig unerfahrener und unausgebildeter Sänger damit solche Begeisterungsstürme beim Publikum auslöst. Aber was kann man heute schon anderes erwarten." Auch Paul Potts ist der plötzliche Star-Rummel unheimlich: " Ich bin glücklich, endlich das machen zu können, was ich liebe und was mir so viel Freude bereitet. Doch ich fürchte mich, dass ich plötzlich aus dem Traum aufwache. Deshalb bleibe ich, was ich immer war - ein ganz gewöhnlicher Durchschnittsmensch."
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      Englands neuer Superstar singt Arien

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      Früher verkaufte Paul Potts Handys. Dann bewarb er sich bei der Talentshow „Britain's Got Talent" und schmetterte eine Opernarie, die bei der Jury für Gänsehaut sorgte. Er hat die Casting-Show gewonnen. WELT ONLINE zeigt seinen Auftritt.

      Als Paul Potts am 9. Juni zum ersten Mal in der Talentshow „Britain's Got Talent“ auftrat, verdrehten die Juroren die Augen: Der Handyverkäufer aus Wales kündigte an, er werde eine Arie singen. Doch schon bei den ersten Tönen von „Nessun Dorma“ (aus Puccinis „Turandot“) gefror den drei Jurymitgliedern das ironische Grinsen, wenig später feierten die 2000 Zuschauer den 36-Jähigen mit Standing Ovations. In den nicht einmal zwei Wochen danach wurde Paul Potts zum Internet-Superstar (und inzwischen auch zum Sieger der Casting-Show): Rund sieben Millionen Menschen sahen sich angeblich bereits das Auftritts-Video im Netz an. Und auch, wenn Neider bemängeln, Potts sei schließlich schon als „Amateur-Opernsänger“ öffentlich aufgetreten: Die männliche Aschenputtel-Version des Aufstiegs vom Handyverkäufer zum Gesangs-Superstar ist zu schön, um nicht daran zu glauben.

      http://www.myvideo.de/watch/1863471/superstar_england_paul_potts