Tauchen im Tessin

      Tauchen im Tessin

      Tauchen im Tessin

      Alles im Fluss

      Tauchen im badewannenwarmen Meerwasser mit bunter Fauna kann jeder. Doch in reißenden, bitterkalten Gebirgsflüssen wie der Verzasca im Tessin unter Wasser zu gehen, ist eine andere Sache. Doch die Mühe lohnt sich.

      „Es ist unglaublich, wie die Köcherfliegenlarven im Wasser glitzern“, schwärmt Nadine. „Die Larven mummen sich in einen ein paar Zentimeter großen Zylinder ein und bauen in diesem Gewässer natürlich Granitglitter mit ein.“ Die 32-jährige Düsseldorferin ist Biologin und passionierte Taucherin. Aber nicht vor den Malediven oder Seychellen. Sie taucht in Seen, im Mittelmeer, in der Nordsee. Oder im Fluss, wie in der Verzasca in den Tessiner Alpen. „Wobei der eine oder andere Wanderer schon verdutzt schaute, als er uns in kompletter Tauchausrüstung über die Bergstraße zum Einstieg gehen sah.“ Der kurze Weg ist zwar stellenweise sehr steil und unwegsam, aber – anders als die Wandersleut´ – legen ihn die Taucher im Neoprenanzug zurück, die Flossen und die Flasche geschultert. „Es ist skurril“, ergänzt Nadine, „in den Bergen zu stehen, wo andere wandern oder klettern, und man selbst hüpft in voller Montur ins Wasser“.

      Die Kraft des Wassers

      Die Verzasca ist ein Gebirgsfluss, der in den Lago Maggiore fließt. Er ist bekannt für sein smaragdgrünes Wasser und gilt als einer der schönsten Flüsse Europas. Das eiskalte Wasser ist unheimlich klar und gibt die Sicht frei auf die Felsformationen, die sich im Laufe der Zeit herausgewaschen haben. Dadurch gilt die Verzasca als besonderes Taucherparadies. Getaucht wird in sogenannten Gumpen, vom Wasser ausgewaschene Becken zwischen zwei Stromschnellen, die sich, gut 30 Meter breit, auf bis zu 100 Meter Länge und sieben bzw. 14 Meter in die Tiefe erstrecken können. Die Stromschnellen an sich kann man nicht überwinden, die Strömung ist zu stark und nicht ungefährlich. In diesen Becken taucht es sich wunderbar. „Man spürt die Kraft des Wassers, vor allem wenn man das tosende Rauschen in der Nähe der Stromschnellen spürt; da muss man sich regelrecht festhalten und dagegenpaddeln. Dafür trägt einen die Strömung auch Richtung Ausstieg zurück. Und nach einem wundervollen Tauchgang wärmt man sich am Ufer in der Tessiner Sonne wieder auf“, erzählt sie begeistert.

      Gefährliche Stromschnellen

      Ein Anfängergewässer ist so ein Gebirgsfluss auf keinen Fall. Auch bei der Temperatur von acht bis zehn Grad muss man genau wissen, wie lange man – natürlich nur mit Neoprenanzug – unter Wasser bleiben kann. Da beschränkt sich so ein Tauchgang auf 30 bis 40 Minuten. Auch sollte man auf einen erfahrenen Diveguide nicht verzichten, der die Einstiegsstelle kennt, die Wetter- und die Wasserverhältnisse. Nach heftigen Regenfällen ist ein Gebirgsfluss lebensgefährlich. Und bei zu niedrigem Wasserstand wird die Strömung zu stark. Zu oft ist doch schon ein Taucher dort ums Leben gekommen.

      Flora hält die Verzasca keine bereit, dafür fließt sie zu schnell. Auch die Fauna zeigt sich eher übersichtlich. Glitzernde Köcherfliegenlarven, hie und da eine Bachforelle, die neugierig zwischen den Steinen herausschaut. „Doch das Spiel von Licht und Schatten!“ Hier ist es wieder, das Schwärmen von Nadine. „Dieses unglaublich klare Wasser, die Steine, die Felsformen, die allein durch die Kraft des Wassers geschaffen wurden. Und von einer bestimmten Stelle aus erkennt man, wie sich die alte, steinerne Römerbrücke, die Pozzi di Salti, über den Fluss spannt. Das ist ein einzigartiges Erlebnis!“
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