Prozess zum grössten Schweizer Uhren-Skandal

      Prozess zum grössten Schweizer Uhren-Skandal

      Prozess zum grössten Schweizer Uhren-Skandal

      In Neuenburg hat der Prozess gegen den ehemaligen Uhrenfabrikanten Jean-Pierre Jaquet begonnen. Bis am 3. Oktober untersucht das Neuenburger Wirtschaftsstrafgericht den grössten Skandal der Schweizer Uhrenindustrie.

      Auf der Anklagebank sitzen neben dem Chef der gleichnamigen Firma Jean-Pierre Jaquet 14 Mitangeklagte. Das Unternehmen gehörte damals zum Swatch-Konzern.

      Den Angeklagten wird in unterschiedlichem Umfang Diebstahl, Hehlerei und Fälschung vorgeworfen.

      So sollen sie unter anderem Luxusuhren von Marken wie Franck Muller, Piaget oder Rolex gestohlen und anschliessend weiterverkauft haben. Bestandteile von gestohlenen Uhren wurden auch zur Herstellung von Fälschungen benutzt.

      Mehrere der Angeklagten werden sich auch wegen zwei bewaffneter Raubüberfälle verantworten müssen. Dabei waren 2002 aus Uhrenfirmen in La Chaux-de-Fonds und Le Locle mehrere Dutzend Kilogramm Gold gestohlen worden.

      Ins Rollen gekommen war das Verfahren, als im Herbst 2003 Jaquet wegen Verdachts auf bandenmässigen Raub, Anstiftung zum Raub, Hehlerei und Warenfälschung verhaftet wurde.

      Unter den Anzeigeerstattern in der "Uhrenaffäre Jaquet" figurieren auch bekannte Firmen wie Franck Muller, Rolex, Richemont und Cartier. Der Prozess soll rund fünf Wochen dauern.

      Grösster Prozess der Schweizer Uhrenindustrie eröffnet

      Grösster Prozess der Schweizer Uhrenindustrie eröffnet

      Fabrikant Jaquet mit 14 Mitangeklagten in Neuenburg vor Gericht – Anklagen von Fälschung über Diebstahl und Hehlerei bis Raub
      AP 01.09.2008

      Neuenburg – Mit der „Affäre Jaquet“ läuft seit Montag vor dem Wirtschaftsstrafgericht Neuenburg der grösste Prozess der Schweizer Uhrenindustrie. Im Zentrum steht Uhrenfabrikant Jean-Pierre Jaquet mit 14 Mitangeklagten. Die Vorwürfe reichen von Diebstahl, Hehlerei und Fälschung zu Raub in Millionenhöhe. Sie werden weitgehend bestritten.

      Ins Rollen kamen die Ermittlungen im Frühling 2003 mit der Verhaftung eines Angestellten der Uhrenfabrik Ulysse Nardin in Le Locle wegen Diebstahls. In der gleichen Zeit wurde der Chef eines Uhrenschleifwerks in La Chaux-de-Fonds inhaftiert, dem zehn Kilogramm Gold gestohlen worden waren. Im Oktober 2003 wurde dann Uhrenfabrikant Jaquet, Chef der gleichnamigen, zum Swatch-Konzern gehörenden Firma festgenommen. Der heute 61-jährige Jaquet sass 14 Monate in Untersuchungshaft.

      In die Affäre verwickelt sind laut Anklage neben Jaquet 14 Mitangeklagte im Alter zwischen 30 und 66 Jahren. Es handelt sich um vier weitere Schweizer, je zwei Franzosen, Portugiesen, Italiener und Spanier, einen Chilenen sowie einen Mann aus dem ehemaligen Jugoslawien. Die 122-seitige Anklageschrift lautet auf Falschbeurkundung, Diebstahl, Hehlerei sowie Fälschung und Handel mit gestohlenen Uhren. Einige Angeklagte stehen zudem wegen Raubs und Freiheitsberaubung vor Gericht.

      Unter den Anzeigeerstattern sind bekannte Firmen wie Franck Muller, Rolex, Richemont und Cartier. Die Angeklagten werden unter anderem beschuldigt, Luxusuhren von Marken wie Franck Muller, Piaget oder Rolex gestohlen und weiter verkauft zu haben. Bestandteile gestohlener Uhren seien auch zur Produktion gefälschter Zeitmesser verwendet worden. Mehrere Angeklagte müssen sich zudem wegen zweier bewaffneter Raubüberfälle verantworten. Dabei waren im Januar und Juni 2002 aus Uhrenfirmen in La Chaux-de-Fonds und Le Locle mehrere Dutzend Kilogramm Gold gestohlen worden. Zum Eklat kam es offenbar beim Aufteilen der Beute, da sich Jaquet knausrig verhalten haben soll. Einer der Komplizen wollte ihn deshalb einschüchtern. Er lauerte Jaquet im April 2003 am Ausgang eines Cabarets in Les Brenets auf und schlug ihn zusammen.

      Befragt vom Gerichtspräsidenten Francois Delachaux gaben die Angeklagten zum Auftakt des Prozess mit Ausnahme von Jaquet schwierige Lebensverhältnisse an. Letzterer bezeichnete sich angesichts der stattlichen Familienvermögens als Millionär. Wie die anderen bestreitet Jaquet die Vorwürfe weitgehend. Die ehemaligen Kunden hätten ihm das Vertrauen ausgesprochen, sagte Jaquet und ergänzte: „Niemals ist auch nur ein einziges falsches Uhrwerk aus meinem Haus gegangen“. Gemäss seinem Verteidiger Freddy Rumo hat Jaquet „Fehler“ gemacht, darunter Falschbeurkundung, allerdings zum eigenen Schaden und manchmal aus Steuergründen. „Er ist nicht der gefährliche Kriminelle, zu dem ihn die Medien gemacht haben“, sagte Rumo. Jaquet war während der U-Haft als Verwaltungrat seines Unternehmens zurückgetreten. Wieder in Freiheit, stieg er als Berater bei der Firma seines Sohnes ein, die Teile für Uhrwerke fabriziert. Der Prozess ist auf fünf Wochen angesetzt. (AP)

      Uhrenaffäre "Jaquet" vor dem Strafgericht

      Uhrenaffäre "Jaquet" vor dem Strafgericht

      In Neuenburg hat der Prozess zum grössten Skandal der Schweizer Uhrenindustrie begonnen. Das Wirtschaftsstrafgericht muss eine Reihe von Delikten untersuchen, die unter dem Namen "Uhrenaffäre Jaquet" für Schlagzeilen sorgten.

      (sda) Auf der Anklagebank sitzen 15 Personen. Zwei von ihnen sind dem Prozess ferngeblieben; sie leben im Ausland. Den Angeklagten wird in unterschiedlichem Umfang Diebstahl, Hehlerei und Fälschung vorgeworfen.

      Die Hälfte der Angeklagten war zum Zeitpunkt der Taten in der Uhrenindustrie tätig, ob als einfacher Angestellter oder gar als Firmenchef. Die anderen Angeklagten haben keine offensichtliche Verbindung zur Uhrenindustrie. Die meisten Taten werden bestritten.

      Zusammen sollen sie unter anderem Bestandteile von Uhrwerken gestohlen und verkauft haben. Aus diesen hochwertigen Originalteilen und gefälschten Komponenten setzten sie falsche Markenuhren zusammen und verkauften diese. Auch sollen sie echte Uhren gestohlen und weiterverkauft haben.

      Ausserdem sollen sie Uhrengold gestohlen und über Hehler verkauft haben. Insbesondere werden den Angeklagten zwei Raubüberfälle auf Goldtransporte der Firmen Rolex und RSM Décolletage vorgeworfen.

      Ins Rollen gekommen war das Verfahren, als im Herbst 2003 der Uhrenindustrielle Jean-Pierre Jaquet wegen Verdachts auf bandenmässigen Raub, Anstiftung zum Raub, Hehlerei und Warenfälschung verhaftet wurde.

      Die Unterlagen des Verfahrens, das bis am 3. Oktober vor dem Wirtschaftsstrafgericht behandelt wird, sind äusserst umfangreich. Die 15 000 Seiten füllen 80 Bundesordner.

      Zwölf Jahre Knast für Uhren-Ganove gefordert

      Akt. 26.09.08; 17:06 Pub. 26.09.08; 17:06
      Zwölf Jahre Knast für Uhren-Ganove gefordert

      In der Uhrenaffäre Jaquet soll der Drahtzieher - ein 54-jähriger Italiener - wegen schweren Raubes mit Freiheitsberaubung, Diebstahls sowie Hehlerei und Fälschung für zwölf Jahre hinter Gitter.

      Die 14 Mitangeklagten, darunter der 61-jährige Uhrenfabrikant Jean-Pierre Jaquet, riskieren bis zu acht Jahre Gefängnis.

      Der Fall, der seit vier Wochen vor dem Wirtschaftsstrafgericht Neuenburg verhandelt wird, hatte in der Uhrenindustrie für grosses Aufsehen gesorgt. Ausgelöst wurde er durch die Verhaftung eines Angestellten der Uhrenfabrik Ulysse Nardin in Le Locle im Frühling 2003. Er wurde des Diebstahls beschuldigt. In der gleichen Periode wurde auch der Chef eines Uhrenschleifwerks in La Chaux-de-Fonds inhaftiert, dem zehn Kilogramm Gold gestohlen worden waren. Im Oktober des selben Jahres war die Reihe am Uhrenfabrikanten Jean-Pierre Jaquet, Chef der gleichnamigen Firma, die zum Swatch-Konzern gehörte. Seine Firma wurde von der Polizei durchsucht, er selber sass nach seiner Verhaftung während 14 Monaten in Untersuchungshaft. Zum Eklat kam es offenbar, als die Gangster die Beute aufteilten. Dabei soll sich Jaquet zu knausrig verhalten haben. Einer seiner damaligen Komplizen wollte ihn deshalb einschüchtern, um den ihm aus seiner Sicht zustehenden Anteil einzutreiben. Er wartete Jaquet im April 2003 am Ausgang eines Cabarets in Les Brenets ab. Dort wurde der Uhrenfabrikant zusammengeschlagen und mit einem Elektroschockgerät traktiert. Später wurde auch auf das Gebäude geschossen, in dem sich die Uhrenfabrik befand.

      In die Affäre verwickelt sind neben Jaquet insgesamt 14 Mitangeklagte. Sie werden von der Staatsanwaltschaft beschuldigt, Luxusuhren von Marken wie Franck Muller, Piaget oder Rolex gestohlen und anschliessend weiterverkauft zu haben. Bestandteile von gestohlenen Uhren wurden auch dazu benutzt, um gefälschte Zeitmesser herzustellen. Mehrere der Angeklagten müssen sich auch wegen zwei bewaffneter Raubüberfälle mit Freiheitsberaubung verantworten. Dabei waren im Januar und Juni 2002 aus den Uhrenfirmen Miranda und RSM in La Chaux-de-Fonds und Le Locle mehrere Dutzend Kilogramm Gold gestohlen worden. Das Gold wurde eingeschmolzen und später wiederverkauft.

      Generalstaatsanwalt Pierre Cornu forderte am Freitag für den 54-jährigen Italiener, der in den Augen der Staatsanwaltschaft die Raubüberfälle organisiert hat und mindestens 36 Kilogramm Gold sowie Luxus-Uhren der Marke Schwarz-Etienne, Piaget und Ulysse Nardin gestohlen und danach verkauft hat, die höchste Strafe, nämlich zwölf Jahre Gefängnis. Der Italiener habe keine Skrupel gezeigt, paradoxerweise sei gerade er aber derjenige, der am ehesten bereit sei, die Verantwortung für seine Vergehen auf sich zu nehmen, sagte Cornu.

      Der Uhrenfabrikant Jaquet, heute immer noch Millionär, sei derjenige, der aufgrund seiner finanziellen Situation am wenigsten Entschuldigungen für die begangenen Delikte vorbringen könne, sagte der Staatsanwalt weiter. Jaquet soll eine Freiheitsstrafe zwischen fünf und sieben Jahre bekommen, sieben Jahre riskiert der Uhrenfabrikant, sollte ihm die Beteiligung am Raubüberfall auf die Uhrenfabrik RSM nachgewiesen werden können. Für die weiteren Angeklagten forderte der Staatsanwalt Strafen zwischen zehn Tagessätzen bedingt respektive bis zu acht Jahren Gefängnis unbedingt.

      Das Urteil fällt zu einem späteren Zeitpunkt.