Volkswagen-Aktie bewahrt Dax vor Absturz

      Volkswagen-Aktie bewahrt Dax vor Absturz

      Volkswagen-Aktie bewahrt Dax vor Absturz

      VW sprengt alle Regeln – Kursziel 911

      von Jörg Hackhausen, Markus Hennes und Susanne Metzger

      Volkswagen erregt die Gemüter: Spekulanten, die auf einen Kursrückgang gewettet hatten, wurden offenbar kalt erwischt von dem rasant steigenden Aktienkurs. Der Großaktionär Porsche triumphiert - und hält an den Übernahmeplänen fest.

      FRANKFURT/DÜSSELDORF. Allein die VW-Aktie hat gestern den Dax vor einem weiteren Absturz bewahrt. Während alle 29 übrigen Titel weitere Verluste verbuchten, katapultierte sich das VW-Papier zeitweise mehr als 200 Prozent auf die luftige Höhe von 635 Euro. "Das hat nichts mehr mit der wirtschaftlichen Situation des Konzerns zu tun", sagte Autoanalyst Michael Punzet von der DZ Bank. Stattdessen treiben vermutlich Optionsgeschäfte den Kurs. Das nicht ganz ernst gemeinte Kursziel der DZ Bank für VW liegt nun bei 911 Euro - in Anspielung auf den Sportwagenklassiker von Porsche.

      Die Schwaben hatten am 16. September angekündigt, dass sie VW mehrheitlich übernehmen wollen. Gleichwohl spekulierten Banken und Finanzinvestoren zuletzt in großem Stil auf fallende Kurse der VW-Aktie. Deshalb verkauften sie geliehene Papiere über die Börse und hofften auf niedrigere Rückkaufkurse. Da die VW-Stammaktie mit einem Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) von bisher 20 bereits als völlig überbewertet galt, schien die Wette sicher. Die Aktie stieg jedoch und machte diese Rechnung zunichte. Jetzt müssen die Spekulanten die VW-Aktien um jeden Preis zurückkaufen, um nicht noch größere Verluste einzufahren. Dieser sogenannte Short-Squeeze treibt den VW-Kurs zusätzlich in die Höhe.

      Der Porsche-Familienclan legte vergangene Woche seinen Streit bei. Am Sonntag überraschte der Sportwagenbauer dann mit der Ankündigung, bereits 42,6 Prozent der VW-Aktien zu halten. Weitere 31,5 Prozent seien über Optionen gesichert. Faktisch hat Porsche damit den Zugriff auf 74,1 Prozent der VW-Aktien. Weitere 20,1 Prozent hält das Land Niedersachsen. Die Stuttgarter teilten mit, sie hätten sich zur Offenlegung ihrer Positionen entschlossen, nachdem sie festgestellt hatten, dass deutlich mehr Short-Positionen im Markt seien als erwartet.

      Sollte Porsche seinen Anteil an dem Wolfsburger Unternehmen wie geplant bis zur VW-Hauptversammlung im April 2009 auf 75 Prozent plus eine Aktie erhöhen, und gleichzeitig Niedersachsen seine Beteiligung behalten, dann wären weniger als fünf Prozent der VW-Stammaktien frei handelbar. Die Folge: VW-Stammaktien würden ihren Platz im Dax verlieren. Dabei hält die VW-Aktie den Deutschen Aktienindex (Dax) über der Marke von 4 000 Punkten. Ohne den starken Kursanstieg bei VW wäre der Dax nach Berechnungen des Handelsblatts gestern um weitere 430 Punkte oder etwa neun Prozent abgestürzt.

      Doch so weit ist es noch nicht. Folgendes Szenario ist denkbar: Großaktionär Porsche könnte einen Teil seiner Kaufoptionen auf VW mit Gewinn verkaufen und sich zunächst mit einer Mehrheit von 50 Prozent begnügen. "Porsche hat den Kurs durch seine Ankündigung angeheizt, um das Geld aus den eigenen Optionen zu kassieren", vermutet Frank Schwope, Autoanalyst der NordLB. Bei einem angenommenen Basispreis von 80 Euro und einem aktuellen Kurs von 520 Euro läge der Erlös für Kaufoptionen zum Erwerb von 24,1 Prozent der VW-Stammaktien bei gut 31 Mrd. Euro. Die restlichen Optionen auf 7,4 Prozent der Aktien reichen für die Stimmenmehrheit aus.

      Dass sich Porsche damit zufriedengibt, ist unwahrscheinlich. Die Schwaben streben nach eigenem Bekunden einen Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag mit VW an. Dafür benötigt Porsche mindestens 75 Prozent der VW-Anteile - und das Plazet Niedersachsens. Das VW-Gesetz sichert dem Land eine Sperrminorität.


      Die Schwaben haben mehrfach betont, dass die Aufstockung auf mehr als 50 Prozent noch 2008 erfolgen soll. Bei den derzeitigen Kursschwankungen ist das Timing entscheidend. Den Kaufpreis der Anteile hat sich Porsche zwar über Optionen mit Barausgleich gesichert. Bei Auflösung dieser sogenannten cash gesettelten Optionen erhielte Porsche die Differenz zwischen dem dann aktuellen VW-Kurs und dem darunter liegenden Basispreis ausbezahlt. Porsche muss die VW-Anteile dennoch zum jeweils aktuellen Börsenkurs kaufen.

      Je höher der VW-Kurs, desto gravierender die Auswirkungen auf die Porsche-Bilanz: Denn bereits ab einem VW-Anteil von 50 Prozent plus eine Aktie müsste Porsche den größten europäischen Autobauer als Tochterunternehmen konsolidieren. Bei einer Vollkonsolidierung müsste Porsche den Goodwill (Geschäfts- oder Firmenwert) aktivieren. Goodwill entsteht immer dann, wenn ein Unternehmen bei Übernahmen einen höheren Preis als den aktuellen Wert des erworbenen Reinvermögens zahlt. Dieser entspricht in etwa dem Buchwert des Eigenkapitals und beträgt bei VW knapp 110 Euro.

      Der Goodwill wird einem jährlichen Werthaltigkeitstest ("Impairment") unterzogen. Porsche müsste den Firmenwert von VW abschreiben, wenn der Buchwert in der Bilanz den aktuellen Marktwert oder den auf die Gegenwart abgezinsten Wert der zukünftigen Mittelzuflüsse übersteigt.

      Beim aktuellen VW-Kurs von 520 Euro ginge Porsche ein hohes Risiko ein. Denn die Gefahr besteht, dass der VW-Kurs nach der mehrheitlichen Übernahme durch Porsche in die Knie geht. Das KGV der wichtigsten Konkurrenten Daimler und BMW liegt im Moment bei vier und sechs, das von VW jedoch bei 40. Ein realistischer Kurs für die VW-Aktie läge bei einem ähnlichen KGV wie dem von Daimler oder BMW zwischen 50 und 70 Euro.

      Ein niedriger Marktwert allein wäre allerdings noch kein zwingender Grund für Porsche, eine Abschreibung auf den Firmenwert von VW vorzunehmen. Hier lohnt ein Blick auf die Gewinnaussichten der Wolfsburger. Die Zahlen für das dritte Quartal dürften für mehr Klarheit sorgen. VW präsentiert sie am kommenden Freitag. Konzernchef Martin Winterkorn hält bisher an seinen Absatz- und Ertragszielen für das Jahr 2009 fest, räumt jedoch ein, dass diese anspruchsvoll seien. Das kommende Jahr werde "extrem schwierig", so der VW-Boss.

      Ungeachtet der schlechten Aussichten für VW und die gesamte Automobilbranche hält Porsche an seinen Übernahmeplänen fest. Denn strategisch würde sich der Sportwagenbauer deutlich verbessern. Durch die Einverleibung von VW entstünde ein starker Automobilkonzern, der weniger abhängig vom reinen Luxusgeschäft ist. Porsche wird sich diese Chance nicht entgehen lassen, doch einen günstigeren Zeitpunkt abwarten. Außerdem hoffen die Schwaben darauf, dass Brüssel das umstrittene VW-Gesetz bald kippt.

      Kritischer Streubesitz

      Kritischer Streubesitz
      VW droht Rauswurf aus dem Dax

      von Christian Kirchner (Frankfurt)
      Der Zukauf weiterer Aktien durch Porsche gefährdet den Verbleib des Automobilherstellers Volkswagen im Deutschen Aktienindex. Rutscht der Streubesitzanteil einer Aktie unter fünf Prozent, muss die Deutsche Börse gemäß ihres Indexleitfadens binnen zwei Tagen und außerplanmäßig die Aktie austauschen.

      Einschließlich der eingegangenen Optionsgeschäfte kontrolliert Porsche nunmehr 74,1 Prozent der VW-Stammaktien. Das Land Niedersachsen hält nach eigenen Angaben 20,2 Prozent. Der rechnerische Streubesitz der VW-Stammaktien beträgt damit nur noch 5,7 Prozent. Allerdings berücksichtigt die Börse bei der Berechnung des Streubesitzes bislang keine Optionsgeschäfte, da nicht ersichtlich ist, wer die über Optionen gesicherten Aktien tatsächlich halte.

      Ein möglicher Indexabstieg aufgrund eines zu geringen Streubesitzes hätte massive Verwerfungen zur Folge. Nach dem Kursanstieg vom Montag ist Volkswagen mit einem Indexgewicht von nunmehr 17 Prozent der mit Abstand größte Wert im Deutschen Aktienindex. Europäische Autobranchenindizes wie der Dow Jones Stoxx 600 Automobiles bestehen inzwischen zu zwei Dritteln aus Volkswagen.

      Laut Deutscher Börse sind derzeit trotz der Verwerfungen durch die VW-Aktie keine Änderungen der Dax-Indexregeln geplant. "Grundsätzlich werden Gewichte in den einzelnen Indexwerten vierteljährlich nach dem bestehenden Regelwerk stringent angepasst. Außerplanmäßige Anpassungen aufgrund von Kursschwankungen sind nach diesen Regeln nicht vorgesehen", sagte eine Sprecherin.

      Nur die irre VW-Aktie hält den Dax im Plus

      Nur die irre VW-Aktie hält den Dax im Plus
      (17) 27. Oktober 2008, 18:15 Uhr

      Ganz allein rettet die Aktie des Autokonzerns Volkswagen dem deutschen Börsen-Index Dax den Handelstag. Mit 0,9 Prozent Plus geht der Dax aus dem Handel. Dabei haben alle Werte bis auf VW Verluste eingefahren. Die Auto-Aktie aber schnellt um mehr als 150 Prozent nach oben. Und einer profitiert.

      Die Volkswagen-Aktie hat angesichts der Machtübernahme durch Porsche ihren Wert mehr als verdoppelt. Die Papiere von Europas größtem Autohersteller schossen um knapp 147 Prozent auf 520 Euro in die Höhe. Porsche hatte zuvor Details zur geplanten Mehrheitsübernahme bei dem Wolfsburger Konzern bekannt gegeben. Noch am 24. Oktober war das Wertpapier von Volkswagen mit 211 Euro aus dem Börsenhandel gegangen.

      Die VW-Aktie war einziger Kursgewinner im Dax, der wegen der Finanzmarktkrise zunächst unverändert schwach notierte. Doch VW katapultierte den Leitindex wieder ins Plus: um 0,91 Prozent gegenüber dem letzten Handelstag am Freitag, dem 24. Oktober. Er lag zum Schluss des Xetra-Handels bei knapp 4335 Punkten. Ohne den extremen Kursgewinn der VW-Aktie hätte der Dax rund neun Prozent verloren.

      Zu den größten Verlierern der Dax-Werte gehörten Banken und Versicherungen. Die Postbank-Aktie verlor ein Viertel ihres Werts, nachdem die Bank über ein schlechtes drittes Quartal 2008 berichtet hatte. Die Commerzbank büßte über 15 Prozent ein; die Aktie der Deutschen Bank knapp 14 Prozent. Weiter abwärts ging es außerdem für den MDax mittelgroßer Werte (5,0 Prozent Minus) und den TecDax mit minus 4,3 Prozent.

      Die Volkswagen-Titel waren bereits in den vergangenen Monaten wegen Spekulationsgeschäften heftigen Kursausschlägen ausgesetzt. Analysten führen die die jüngsten Kursgewinne bei VW auf Investoren zurück, die auf sinkende Kurse gewettet haben und sich nun, da Porsche die Karten auf den Tisch gelegt habe, zu jedem Preis mit VW-Aktien eindecken müssten. Wegen der geringen Zahl an verfügbaren VW-Papieren sorgen die Käufe für starke Kursgewinne.

      Porsche hat angekündigt, den Anteil an VW im nächsten Jahr auf eine Dreiviertel-Mehrheit aufzustocken, um den Weg für einen Beherrschungsvertrag frei zu haben. Bereits bis Ende 2008 will der Sportwagenbauer das Steuer in Wolfsburg mit über 50 Prozent der Stimmrechte übernehmen. Porsche hält seit Ende vergangener Woche 42,6 Prozent der Stimmen an VW.

      Weitere 31,5 Prozent der Stammaktien kann Porsche mit einem deutlichen Abschlag zum aktuellen Börsenkurs erwerben, da der Kaufpreis für dieses bei institutionellen Investoren vermutete Paket über Optionen schon vor langer Zeit abgesichert wurde. Das Land Niedersachsen hält als zweitgrößter Aktionär weitere 20,2 Prozent der Stimmrechte.

      Daher sind rechnerisch nur noch knapp sechs Prozent der Stimmrechte im Streubesitz. Angesichts dieses niedrigen Anteils könnte die VW-Stammaktie aus dem Dax fallen. Branchenexperten erwarten, dass sie dann durch die stimmrechtslose Vorzugsaktie ersetzt wird.

      Mit einem Beherrschungsvertrag könnte Porsche auf die Barmittel von VW zugreifen und die große Entwicklungsabteilung der Wolfsburger nach seinem Gutdünken steuern. Die Aufstockung auf 75 Prozent sei an die Bedingung geknüpft, dass die wirtschaftlichen Bedingungen dafür stimmten, schränkten die Stuttgarter ein.

      Branchenexperten halten es für möglich, dass Porsche wegen der Finanzmarktkrise zunächst bei der einfachen Mehrheit bleiben wird. Auch wegen der im VW-Gesetz und der Unternehmenssatzung festgeschriebenen Sonderrechte Niedersachsens kann Porsche bei Volkswagen bis auf weiteres nicht frei schalten und walten. „75 Prozent an VW würden Porsche in der jetzigen Situation nichts bringen“, sagt der Autoanalyst der NordLB, Frank Schwope.

      Niedersachsens Regierungschef Christian Wulff (CDU) sagte, sein Land wolle die Sonderstellung bei VW behalten: „Wir haben das VW-Gesetz, wir haben die Satzung, die unabhängig vom VW-Gesetz ist, und die kann nur mit 80 Prozent geändert werden.“

      Die überraschende Bekanntgabe des Zeitplans bei VW hatte der gewöhnlich verschwiegene Sportwagenbauer Porsche mit „Irrationalitäten“ in Markt begründet. Man wolle Finanzinstituten Gelegenheit geben, ihre Positionen „in Ruhe und ohne großes Risiko“ aufzulösen, erklärte Porsche. Analyst Schwope meldete Zweifel an: „Ich glaube nicht an den Altruismus von Porsche.“

      Porsche profitiert von VW-Aktienkurs

      „Porsche hat den Kurs durch seine Ankündigung angeheizt, um das Geld aus den Optionen zu kassieren“, vermutet er. Bei der Auflösung der Kaufpreis-Optionen erhält Porsche die Differenz zwischen dem aktuellen VW-Kurs und dem niedrigeren Absicherungskurs.

      Insofern stellt derzeit hohe VW-Aktienkurs keinen Nachteil für Porsche dar. Auf mittlere Sicht kommt den Stuttgartern jedoch ein hoher Aktienkurs von VW ungelegen, da sie die erworbenen VW-Papiere zu den Kaufkursen in ihre Bücher nehmen müssen. Bei einem späteren Absacken des VW-Kurses könnten sich dadurch Bewertungsverluste einstellen.

      Teuerste Firma der Welt

      Teuerste Firma der Welt
      VW-Aktie kostet mehr als 1000 Euro

      von Annette Berger (Hamburg) und Christian Kirchner (Frankfurt)
      Wer dachte, dass der Höhenflug der Volkswagen-Aktie am Montag historisch einmalig war, muss umdenken. Das Papier schoss am Dienstag über die 1000-Euro-Marke. Der Autobauer ist jetzt das wertvollste Unternehmen der Welt.

      Die VW-Aktie setzte am Vormittag ihren Höhenflug fort. Für einen Titel zahlten Händler gut eine halbe Stunde nach Handelsstart 1005,01 Euro und damit fast doppelt so viel wie zum Handelsschluss am Montag. Zu Jahresbeginn hatte der Kurs noch bei 150 Euro gelegen.

      Mit dieser Rally überholte Europas größter Autohersteller Exxon Mobile als wertvollstes Unternehmen der Welt. Während der Börsenwert des US-Ölkonzerns derzeit umgerechnet 274 Mrd. Euro beträgt, ist Volkswagen 295 Mrd. Euro wert.

      Das VW-Papier sorgt bereits seit Wochen mit steilen Kurszuwächsen für Furore. Von den Verlusten an den Börsen im Zuge der weltweiten Finanzkrise zeigte sich der Titel ungerührt. Hintergrund sind die neuen Besitzverhältnisse und Geschäfte spekulativ eingestellter Anleger. Der Sportwagenhersteller und VW-Hauptaktionär Porsche stockt derzeit seinen Anteil an dem Wolfsburger Konzern auf und hatte am Wochenende weitere Details zur geplanten VW-Mehrheitsübernahme bekannt gegeben.

      Börsenexperten gehen davon aus, dass der Kurssprung bei VW auf Spekulationsgeschäfte zurückzuführen ist. Denn Händler, die bislang auf günstiger werdende VW-Papiere gesetzt hatten, sind durch eine kurstreibende Ankündigung des Großaktionärs Porsche kalt erwischt worden - und waren gezwungen, sich zu hohen Preisen einzukaufen.

      Porsche hatte am Sonntag bekanntgegeben, seinen VW-Anteil im nächsten Jahr auf eine Dreiviertelmehrheit aufzustocken. Die Bekanntgabe dieses Zeitplans hatte der Sportwagenhersteller auch damit begründet, dass deutlich mehr sogenannte Shortpositionen im Markt seien als erwartet.

      Zweistellige Milliardenbeträge an einem Tag verzockt

      Bei Shortpositionen spekulieren Anleger auf fallende Kurse. Der Konzern wolle Finanzinstituten Gelegenheit geben, diese Positionen "in Ruhe und ohne großes Risiko" aufzulösen, erklärte Porsche. Das bezweifeln Finanzmarktexperten jedoch: "Ich glaube nicht an den Altruismus von Porsche", sagte beispielsweise Frank Schwope, Autoanalyst der NordLB. Nach Informationen der Financial Times haben Hedge-Funds mit Wetten auf VW am Montag 10 bis 15 Mrd. Euro verloren.

      Auch den Dax könnte könnten die Kapriolen um VW durcheinanderwirbeln. Denn der Zukauf weiterer Aktien durch Porsche gefährdet VWs Verbleib in Deutschlands wichtigstem Aktienindex. Rutscht der Streubesitzanteil einer Aktie unter fünf Prozent, muss die Deutsche Börse gemäß ihres Indexleitfadens binnen zwei Tagen und außerplanmäßig die Aktie austauschen.

      Einschließlich der eingegangenen Optionsgeschäfte kontrolliert Porsche nunmehr 74,1 Prozent der VW-Stammaktien. Das Land Niedersachsen hält nach eigenen Angaben 20,2 Prozent. Der rechnerische Streubesitz der VW-Stammaktien beträgt damit nur noch 5,7 Prozent. Allerdings berücksichtigt die Börse bei der Berechnung des Streubesitzes bislang keine Optionsgeschäfte, da nicht ersichtlich ist, wer die über Optionen gesicherten Aktien tatsächlich halte.

      Ein möglicher Indexabstieg aufgrund eines zu geringen Streubesitzes hätte massive Verwerfungen zur Folge. bereits nach dem Kursanstieg vom Montag war Volkswagen mit einem Indexgewicht von 17 Prozent der mit Abstand größte Wert im Deutschen Aktienindex. Europäische Autobranchenindizes wie der Dow Jones Stoxx 600 Automobiles bestehen inzwischen zu zwei Dritteln aus Volkswagen.

      Laut Deutscher Börse sind derzeit trotz der Verwerfungen durch die VW-Aktie keine Änderungen der Dax-Indexregeln geplant. "Grundsätzlich werden Gewichte in den einzelnen Indexwerten vierteljährlich nach dem bestehenden Regelwerk stringent angepasst. Außerplanmäßige Anpassungen aufgrund von Kursschwankungen sind nach diesen Regeln nicht vorgesehen", sagte eine Sprecherin.

      VW-Kursexplosion provoziert Kritik an Porsche und Börse

      VW-Kursexplosion provoziert Kritik an Porsche und Börse
      Dienstag, 28. Oktober 2008, 09:59 Uhr

      Frankfurt (Reuters) - Der außergewöhnlich rasante Kursanstieg der VW-Aktie sorgt für großen Ärger bei Deutschlands größter Fondsgesellschaft DWS.

      Diese erhebt schwere Vorwürfe gegen Volkswagen-Hauptaktionär Porsche und fordert von der Deutschen Börse eine Änderung der Regeln für die Zusammensetzung des Dax. "Ich kritisiere heftig, dass ein Unternehmen wie Porsche in unverantwortlicher Art und Weise den VW-Kurs manipuliert", sagte DWS-Geschäftsführer Klaus Kaldemorgen der "Financial Times Deutschland" (Dienstagausgabe). "Hier ist für andere Anleger nicht nachvollziehbar, was Porsche macht." Porsche war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

      Der Kurs der Volkswagen-Aktie war am Montag zeitweilig mehr als 200 Prozent auf ein Rekordniveau von 635 Euro in die Höhe geschossen, nachdem Porsche am Wochenende weitere Details zur geplanten VW-Mehrheitsübernahme bekanntgegeben hatte. Analysten zufolge zwang die Mitteilung spekulativ orientierte Investoren, sich zu jedem Preis mit VW-Aktien einzudecken. Die Anleger hatten sich zuvor VW-Aktien geliehen und verkauft (Leerverkauf) in der Erwartung, dass der Kurs sinkt und sie die Papiere zu einem niedrigeren Preis kaufen und zurückgeben und damit einen Gewinn einstreichen können. Da die Porsche-Mitteilung den Kurs jedoch nach oben trieb, mussten sie unbedingt VW-Aktien kaufen, um den Verlust aus dieser Wette zu begrenzen. Damit kam eine Kettenreaktion in Gang, die den Kurs immer weiter in ungeahnte Höhen trieb. Der Kursanstieg fiel auch deswegen so stark aus, weil vergleichsweise wenige VW-Aktien frei gehandelt wegen können.

      "Es kann auch nicht sein, dass ein Wert in einem angesehenen Index wie dem Dax aufgrund des geringen Streubesitzes an einem Tag um mehr als 100 Prozent steigt", bemängelte Kaldemorgen. "Die Börse muss bei so einer außerordentlichen Gegebenheit agieren. Es ist höchste Zeit, dass sie ihre Indexregeln ändert", forderte er. Kaldemorgen zufolge hinken am Dax orientierte Fonds der Entwicklung des Leitindex notwendig hinterher, weil sie einen Kauf von VW-Aktien zum aktuellen Kurs nicht verantworten können. Die DWS ist die Fondstochter der Deutschen Bank.

      Porsche-Pläne treiben VW-Aktie um mehr als 200 Prozent

      Porsche-Pläne treiben VW-Aktie um mehr als 200 Prozent

      Montag, 27. Oktober 2008, 20:11 Uhr
      Frankfurt/Hamburg (Reuters) - Die Volkswagen-Aktie hat angesichts der Machtübernahme durch Porsche ihren Wert am Montag zeitweilig verdreifacht.

      Die Papiere von Europas größtem Autohersteller schossen in der letzten Handelsstunde in einem für einen Dax-Wert ungekannten Ausmaß zeitweilig mehr als 200 Prozent auf ein Rekordniveau von 635 Euro in die Höhe. Die Papiere schlossen mit einem Aufschlag von 146 Prozent bei 485 Euro. Porsche hatte am Wochenende weitere Details zur geplanten Mehrheitsübernahme bei dem Wolfsburger Konzern bekanntgegeben.

      Analysten führten die Kursgewinne bei VW auf Investoren zurück, die mit dem Leerverkauf geliehener Aktien auf sinkende Kurse gewettet hatten und sich nun, da Porsche die Karten auf den Tisch gelegt habe, zu jedem Preis mit VW-Aktien eindecken mussten. Wegen der geringen Zahl an verfügbaren VW-Papieren sorgen die Käufe zur Auflösung der so genannten Short-Positionen für starke Kursgewinne. "Das Zeitfenster für diejenigen, die short sind, engt sich weiter ein. Das kann den Kurs noch weiter hochdrücken", sagte ein Händler. Die Volkswagen-Titel waren bereits in den vergangenen Monaten wegen Spekulationsgeschäften heftigen Kursausschlägen ausgesetzt.

      In der Spitze wurde der VW-Konzern an der Börse mit rund 190 Milliarden Euro bewertet. Das war mehr als die Marktkapitalisierung der fünf nächstschwersten Dax-Werte E.ON, Deutsche Telekom, Siemens, SAP und Bayer zusammengerechnet. Die VW-Aktie war einziger Kursgewinner im Dax. Der Leitindex litt weiter unter der Finanzmarktkrise, schloss aber wegen der Kursexplosion bei VW aber mit einem Plus von knapp einem Prozent.

      PORSCHE SICHERT KAUFPREISE FÜR WEITERE AKTIEN

      Porsche hatte am Sonntag angekündigt, den Anteil an VW im nächsten Jahr auf eine Dreiviertel-Mehrheit aufzustocken, um den Weg für einen Beherrschungsvertrag frei zu haben. Bereits bis Ende 2008 will der Sportwagenbauer das Steuer in Wolfsburg mit über 50 Prozent der Stimmrechte übernehmen. Porsche hält seit Ende vergangener Woche 42,6 Prozent der Stimmen an VW. Weitere 31,5 Prozent der Stammaktien kann Porsche mit einem deutlichen Abschlag zum aktuellen Börsenkurs erwerben, da der Kaufpreis für dieses bei institutionellen Investoren vermutete Paket über Optionen schon vor langer Zeit abgesichert wurde.

      Das Land Niedersachsen hält als zweitgrößter Aktionär weitere 20,2 Prozent der Stimmrechte. Daher sind rechnerisch nur noch knapp sechs Prozent der Stimmrechte im Streubesitz. Angesichts dieses niedrigen Anteils könnte die VW-Stammaktie aus dem Dax fallen. Branchenexperten erwarten, dass sie dann durch die stimmrechtslosen Vorzugsaktie ersetzt wird.

      Mit einem Beherrschungsvertrag könnte Porsche auf die Barmittel von VW zugreifen und die große Entwicklungsabteilung der Wolfsburger nach seinem Gutdünken steuern. Branchenexperten halten es für möglich, dass Porsche wegen der Finanzmarktkrise zunächst bei der einfachen Mehrheit bleiben wird. Auch wegen der im VW-Gesetz und der Unternehmenssatzung festgeschriebenen Sonderrechte Niedersachsens kann Porsche bei Volkswagen bis auf weiteres nicht frei schalten und walten. "75 Prozent an VW würden Porsche in der jetzigen Situation nichts bringen", sagte der Autoanalyst der NordLB, Frank Schwope.

      Niedersachsen Regierungschef Christian Wulff (CDU) bekräftigte im Gespräch mit Reuters-TV, sein Land wolle die Sonderstellung bei VW behalten. Die überraschende Bekanntgabe des Zeitplans bei VW hatte der gewöhnlich verschwiegene Sportwagenbauer Porsche am Wochenende mit "Irrationalitäten" in Markt begründet. Analyst Schwope äußerte die Vermutung, Porsche habe den Kurs durch seine Ankündigung angeheizt, um das Geld aus den Optionen zu kassieren. Bei der Auflösung der Kaufpreis-Optionen erhält Porsche die Differenz zwischen dem aktuellen VW-Kurs und dem niedrigeren Absicherungskurs.

      Höhenflug der VW-Aktie geht weiter

      Höhenflug der VW-Aktie geht weiter

      Frankfurt/Main (dpa) - Der wilde Höhenflug der VW-Aktie geht weiter: In der ersten Handelsstunde schoss der Kurs um mehr als weitere 82 Prozent auf 950 Euro hoch. Zwischenzeitlich markierte die Aktie ein Rekordhoch bei 1005 Euro. Die Kursexplosion bei den VW- Papieren reichte aus, um den DAX um mehr als acht Prozent ins Plus zu hieven, während fast alle anderen Aktien im Minus standen. Auslöser für den rasanten Kursanstieg waren misslungene sogenannte Leerverkäufe. Das sind Spekulationen auf sinkende Kurse.

      Veröffentlicht am 28.10.2008 um 10:33 Uhr

      Börse deckelt Gewichtung von Volkswagen-Aktie ab Montag

      Börse deckelt Gewichtung von Volkswagen-Aktie ab Montag
      Mittwoch, 29. Oktober 2008, 07:02 Uhr

      Berlin (Reuters) - Angesichts der jüngsten Kurskapriolen der Volkswagen-Aktie will die Deutsche Börse die VW-Gewichtung im Dax bereits ab Montag deckeln.

      Die Aktie solle auf zehn Prozent zurückgesetzt werden, "sofern sie diese Schwelle mit Abschluss des Handels am Freitag überschreitet", teilte die Deutsche Börse am späten Dienstagabend mit. Zum Handelsschluss am Dienstag hatte Volkswagen den Angaben zufolge eine Gewichtung von 27 Prozent. Mit der außerordentlichen Anpassung ändert sich auch die Gewichtung der übrigen Dax-Werte. Grundlage sind die Schlusskurse am Freitag.

      Normalerweise wird das Gewicht eines Unternehmens nur vier Mal im Jahr gedeckelt. Der nächste reguläre Termin ist der 22. Dezember. Die Volkswagen-Aktie schlägt jedoch seit zwei Tagen Kapriolen, was am Markt zunehmend für Unmut sorgte. Händler forderten Konsequenzen. Die Deutsche Börse sah zunächst aber keinen Handlungsbedarf. Es laufe alles nach den Regeln ab, man müsse den Markt gewähren lassen, sagte ein Sprecher.

      Die Aktie des Wolfsburger Autobauers war am Dienstag mit einem Aufschlag von knapp 82 Prozent bei 945 Euro aus dem Handel gegangen, nachdem sie vorübergehend für mehr als 1000 Euro gehandelt wurde. Bereits am Montag hatte die VW-Aktie ihren Wert fast verzweieinhalbfacht und verzerrte mit ihren Ausschlägen den Dax. Der Deutsche Leitindex ging am Dienstag mit einem Plus von 11,3 Prozent aus dem Handel. Ohne VW hätte der Index aber 3,7 Prozent im Minus geschlossen.

      Ausgelöst worden war die steile Bergfahrt durch eine Mitteilung von VW-Großaktionär Porsche, dass er sich bereits 74 Prozent an Volkswagen über Aktien und Optionen gesichert habe. Der Stuttgarter Sportwagenbauer wollte damit die Spekulationsblase platzen lassen, die sich um die Aktie gebildet hatte. Doch das zerstörte die Strategie von Hedge-Fonds, die auf fallende Kurse gesetzt hatten. Sie müssen die Papiere nun teuer zurückkaufen. Am Markt sind nur noch 5,8 Prozent an VW frei verfügbar.

      Volkswagen-Aktie verwandelt Dax in einen Zocker-Index

      Volkswagen-Aktie verwandelt Dax in einen Zocker-Index
      Von Daniel Eckert Und Holger Zschäpitz 29. Oktober 2008, 01:52 Uhr

      Anlegerschützer und Fondsmanager fordern Eingreifen des Börsenbetreibers - Ohne VW-Rallye stünde Leitindex 20 Prozent niedriger
      Berlin - Das größte Kasino der Welt steht nicht etwa in Las Vegas, Macao oder Monte Carlo, sondern in Frankfurt am Main. Denn hier ist der Deutsche Aktienindex (Dax) beheimatet, und dessen Entwicklung hat derzeit weniger mit Geldanlage zu tun als mit Glücksspiel.

      Die selbst in diesen unruhigen Börsenzeiten extremen Kursausschläge des Leitindex rühren nicht allein von der Finanzkrise her. Vielmehr ist es eine irre gewordene VW-Aktie, welche das deutsche Börsenbarometer verrückt spielen lässt. Getrieben von spekulativen Käufen schoss das Papier gestern auf zeitweise auf 1005,01 Euro - das ist etwa fünfmal so viel wie Freitag zu Börsenschluss. Dem deutschen Leitindex bescherte die Kursexplosion ein Plus von 590 Punkten. Mit einem Tagesgewinn von 11,3 Prozent verzeichnete er den zweitstärksten Anstieg der Geschichte.

      Für einige Minuten war der Wolfsburger Autobauer mit 296 Mrd. Euro das teuerste Unternehmen der Welt, teurer als der Ölgigant Exxon. Grund für die Kursexplosion ist nicht die Präsentation des emissionsfreien Einliter-Autos. Dahinter stecken undurchsichtige Finanzspekulationen rund um die VW-Aktie im Zusammenhang mit der Übernahme durch Porsche. Der Sportwagenbauer will im nächsten Jahr den Anteil an dem Wolfsburger Konzern auf 75 Prozent aufstocken und damit den Massenhersteller vollständig beherrschen. Porsches Ankündigung vom Sonntag, inklusive Optionen bereits über 74 Prozent der VW-Anteile zu verfügen, hatte den jüngsten Run ausgelöst.

      "Der Dax ist zum Spielball einer einzigen Aktie geworden. Das ist absurd", sagt Wolfgang Gerke, Präsident des Bayerischen Finanzzentrums. Wer einen Dax-Fonds oder ein -Zertifikat habe, wolle breit gestreut in die führenden Börsengesellschaften Deutschlands investieren, und nicht mit VW zocken.

      Die Kursbewegungen sind ohne Beispiel im Leitindex: Zwischen dem VW-Schlusskurs vom Freitag und dem Hoch vom Dienstag lagen nicht weniger als 800 Euro oder 400 Prozent Differenz. Da der Autobauer inzwischen den Dax dominiert, folgte der Index seinen Ausschlägen wie an einem Gummiband. Allein in den vergangenen zwei Handelstagen schwankte das Börsenbarometer zwischen 4015 und 4823 Punkten - ein Unterschied von einem Fünftel.

      Durch den überproportionalen Kursanstieg bei gleichzeitigem Rückgang der anderen Kurse kamen die Wolfsburger vorübergehend auf ein Dax-Gewicht von 25 Prozent. Normalerweise liegt die Obergrenze für einen Titel bei zehn Prozent. Allerdings passt die Deutsche Börse, die den Leitindex berechnet, die Zusammensetzung nur alle drei Monate an. Der nächste Termin ist erst Anfang Dezember.

      Nicht nur Gerke, der auch Mitglied des öffentlich-rechtlichen Aufsichtsorgans Börsenrat ist, fordert den Indexbetreiber auf, VW aus dem Dax zu entfernen, um das Vertrauen der Anleger nicht weiter zu verspielen. "Wir können nicht stur am Regelwerk festhalten, wenn eines der bekanntesten Börsenbarometer Schaden nimmt", so Gerke.

      Auch Fondsmanager sind erbost, weil ihre Investmentvehikel im Vergleich mit dem VW-getriebenen Dax alt aussehen. Eine einzelne Aktie darf in ihren Portfolien maximal zehn Prozent ausmachen. Da die meisten Geldmanager Volkswagen für irrational hoch bewertet halten, ist der Anteil häufig sogar deutlich geringer. "Bewertet man VW genauso wie andere Autohersteller, müsste die Aktie bei 40 Euro stehen", sagt ein Deutschlandfonds-Manager. Bei einer Internet-Umfrage von Wallstreet Online votierten 59 Prozent der Teilnehmer dafür, VW aus dem Dax herauszunehmen oder vom Handel auszusetzen.

      Die Finanzmarktaufsicht BaFin teilte mit, sie analysiere die Entwicklung. Mit Ergebnissen wie einer möglichen formellen Prüfung der Vorgänge sei diese Woche nicht zu rechnen. Die Deutsche Börse hegt derzeit keine Überlegungen, die VW-Aktie aus dem Dax zu nehmen. "Solange fünf Prozent der Aktien im Streubesitz sind, gibt es dazu keine Veranlassung."

      Von der Idee her soll der Dax die deutsche Wirtschaft in Gestalt der 30 größten Firmen abbilden. Abhängig von seinem Börsenwert kommt jedem Konzern ein bestimmtes Gewicht zu. Die Kursentwicklung jeder einzelnen Aktie fließt gemäß diesem Anteil in die Dax-Berechnung ein. "Wenn der Index nicht mehr abbildet, was er soll, schadet das der Aktienkultur. Produkte wie Indexfonds verlieren an Glaubwürdigkeit", sagt der Derivate-Spezialist einer deutschen Bank.

      Wie stark der Dax durch die VW-Spekulationen verzerrt ist, macht eine Beispielrechnung der Société Générale deutlich: Demnach würde der Leitindex ohne die Explosion der Autoaktie 20 Prozent niedriger stehen, nämlich bei 3700 Zählern.

      Die genauen Umstände der VW-Spekulation sind unbekannt. Jedoch sehen alle Beobachter Porsche im Zentrum des Geschehens. Der Sportwagenhersteller hat sich offenbar bei verschiedenen Banken Optionen auf circa 31,5 Prozent der frei verfügbaren Volkswagen-Aktien gesichert. Da 20 Prozent der Papiere vom Land Niedersachsen gehalten werden und VW-Titel oft in Indexfonds und als Volksaktie in Kleinanleger-Portfolios festsitzen, ist die Zahl der tatsächlich verfügbaren Stücke gering. Die Banken könnten also Probleme bekommen, die gegenüber Porsche eingegangenen Optionsverpflichtungen zu erfüllen. Hinzu kommt: Viele Hedgefonds hatten wegen der eklatanten Überbewertung auf fallende VW-Notierungen gesetzt. Dazu liehen sie sich Aktien und verkauften sie "leer". Später wollten sie die Papiere zu niedrigeren Kursen am Markt erwerben und die Differenz als Gewinn einstreichen. Diese Investoren erwischte die Porsche-Erklärung vom Wochenende auf dem falschen Fuß. Sie mussten Hals über Kopf ihre Positionen schließen, sprich: zu jedem Preis VW-Aktien kaufen. Vieles erinnert an die Silberspekulationen der Brüder Hunt in den Siebzigerjahren. Durch eine gezielte Verknappung des Edelmetalls trieben sie andere Investoren in die Enge und den Silberpreis in die Höhe
      VW macht die Börse lächerlich
      Mittwoch, 29. Oktober 2008 01:56 - Von Daniel Eckert und Holger Zschäpitz

      Das größte Kasino der Welt steht derzeit in Frankfurt am Main. Denn hier ist der Deutsche Aktienindex (Dax) beheimatet, und dessen Entwicklung hat derzeit weniger mit Geldanlage zu tun als mit Glücksspiel.

      - Es ist die VW-Aktie, welche das eine halbe Billion Euro schwere deutsche Börsenbarometer verrückt spielen lässt. Getrieben von spekulativen Käufen, schoss das Papier gestern zeitweilig auf 1005,01 Euro - fünfmal so viel wie Freitag zu Börsenschluss. Dem Leitindex bescherte diese Kursexplosion einen Anstieg von 530 Punkten oder 11,3 Prozent auf über 4800 Punkte.

      Wertvollste Firma der Welt
      Bei diesem Preis war der Wolfsburger Autobauer mit 296,1 Mrd. Euro für einige Minuten das teuerste Unternehmen der Welt, teurer als der Ölgigant ExxonMobil. Hinter der Entwicklung stehen Spekulationen im Zusammenhang mit der Übernahme durch Porsche. Porsche will 2009 den Anteil an dem Wolfsburger Konzern auf 75 Prozent aufstocken. Die Ankündigung vom Sonntag, inklusive Optionen bereits über 74 Prozent zu verfügen, hatte den Run ausgelöst.
      "Der Dax ist zum Spielball einer einzigen Aktie geworden, und das ist absurd", sagt Professor Wolfgang Gerke, Präsident des Bayerischen Finanzzentrums. Wer einen Dax-Fonds oder ein -Zertifikat habe, wolle breit gestreut in die führenden Börsengesellschaften Deutschlands investieren und nicht mit VW zocken.

      VW wiegt nun 25 Prozent am Dax
      Die Kursbewegungen sind ohne Beispiel im Leitindex: Zwischen dem VW-Schlusskurs vom Freitag und dem Hoch vom Dienstag lagen nicht weniger als 800 Euro oder 400 Prozent Differenz. Da der Autobauer inzwischen den Dax dominiert, folgte der Index seinen Ausschlägen wie an einem Gummiband. Allein in den vergangenen zwei Handelstagen schwankte das Börsenbarometer zwischen 4015 und 4801 Punkten.
      Durch den überproportionalen Kursanstieg bei gleichzeitigem Rückgang der anderen Kurse kamen die Wolfsburger vorübergehend auf ein Dax-Gewicht von 25 Prozent. Normalerweise liegt die Obergrenze bei zehn Prozent. Allerdings passt die Deutsche Börse, die den Leitindex berechnet, die Zusammensetzung nur alle drei Monate an. Der nächste Termin ist erst Anfang Dezember.
      Nicht nur Gerke fordert daher den Indexbetreiber auf, das VW-Papier aus dem Dax zu entfernen, um das Vertrauen der Anleger zu erhalten und die Reputation der Marke Dax nicht zu schädigen.
      Auch Fondsmanager sind erbost, weil ihre Investmentvehikel im Vergleich mit dem VW-getriebenen Dax alt aussehen. Eine einzelne Aktie darf in ihren Portfolios maximal zehn Prozent ausmachen.
      Da die meisten Geldmanager Volkswagen für irrational hoch bewertet halten, ist der Anteil häufig sogar deutlich geringer. "Bewertet man VW genauso wie andere Autohersteller, würde die Aktie bei 40 Euro stehen", sagt Matthias Born von Allianz Global Investors, der den eine Mrd. Euro schweren Deutschlandfonds Concentra managt. Eigentlich soll der Dax die deutsche Wirtschaft in Gestalt der 30 größten börsennotierten Unternehmen abbilden.
      Abhängig von seinem Börsenwert kommt jedem Konzern ein bestimmtes Gewicht zu. Die Kursentwicklung jeder einzelnen Aktie fließt gemäß diesem Anteil in die Dax-Berechnung ein. So ist der Versorger E.on zum Beispiel mit zehn Prozent im Dax vertreten. Steigt die E.on-Aktie um ein Zehntel, hievt das den Index um ein Prozent nach oben.

      Dax läge ohne VW bei 3700 Punkten
      Wie stark der Dax durch die VW-Spekulationen verzerrt ist, macht eine Rechnung der französischen Großbank Société Générale deutlich: Demnach würde der deutsche Leitindex ohne die VW-Rallye elf Prozent niedriger stehen: bei rund 3700 Zählern.

      Aktie im Fokus: Porsche

      Aktie im Fokus: Porsche
      Porsches Chance auf einen Milliardengewinn


      Porsche winkt dank VW die Chance auf einen zweistelligen Milliardengewinn – sollte der Sportwagenhersteller die Cash-gesettelten Optionen an VW kündigen. Zudem beabsichtigen die Stuttgarter Kurssicherungsgeschäfte in Höhe von bis zu fünf Prozent der VW-Stammaktien aufzulösen, um die Liquidität des VW-Papiers zu erhöhen.

      Porsche steht dank Cash-gesettelter Optionen nicht nur vor der Möglichkeit einer völligen Kontrolle über Volkswagen. Zudem sichert sich der Sportwagenhersteller die Chance auf einen zweistelligen Milliardengewinn. Wie die "Financial Times Deutschland" am Mittwoch berichtet, hat der Stuttgarter Konzern auf steigende Kurse bei VW gewettet und könnte bei Kündigung der Optionen die Differenz zum Referenzkurs erhalten. Die Vertragsbanken Porsches haben sich mit dem Kauf von VW-Anteilsscheinen oder mit der Vereinbarung weiterer Derivate mit Dritten abgesichert. Falls Porsche die Optionen derzeit kündigen würde, kämen die Vertragspartner aufgrund des Kursfeuerwerks bei VW in Schwulitäten. So müssten die Institute die VW-Aktien veräußern, um die Bardifferenz an Porsche abgeben zu können. In diesem Falle, so die "Financial Times Deutschland" weiter, wäre allerdings naheliegend, dass die Banken die Papiere an Porsche abgeben – obwohl dies vertraglich nicht festgelegt ist.

      Doch was wäre, wenn Porsche den Barausgleich von den Partnerbanken verlangt, ohne im Anschluss die Aktien von Volkswagen zu kaufen? Wären die Banken gezwungen, das VW-Paket an den Markt zu bringen, würden die Aktien der Wolfsburger tief fallen. Da das VW-Papier zum Börsenschluss am gestrigen Dienstag bei 895 Euro notierte, belief sich der Gesamtwert des Bankenpakets auf satte 87 Milliarden Euro.

      Dieses Szenario steht allerdings mehr als in den Sternen. Da Porsche 75 Prozent sowie einen Beherrschungsvertrag anstrebt, der den Wolfsburger Konzern Porsche komplett unterstellen würde und den Zuffenhausenern zudem die VW-Gewinne zusichert, ist dies eher fraglich. Porsche hält bereits 42,6 Prozent an Volkswagen und sicherte sich über jene Optionen weitere 31,5 Prozent an den Europas größtem Autobauer.

      Indes hat die Porsche Holding die Verantwortung für die jüngsten Verwerfungen bei der VW-Aktie zurückgewiesen. Dem Unternehmen liegen eigenen Angaben zufolge Informationen vor, wonach spekulativ handelnde Leerverkäufer, so genannte Shortseller, zur Erfüllung ihrer Lieferverpflichtungen VW-Stammaktien kaufen mussten. Dies habe den Kurs des Volkswagen-Papiers zeitweise über 1.000 Euro getrieben.

      Zudem fürchtet der Großaktionär eine Verzerrung seiner Bilanz. "Wir haben kein Interesse daran, VW zu ökonomisch sinnlosen Kursen auf die Bücher zu nehmen", so ein Porsche Sprecher. Nach einem Kursrückgang würde das zu einem Abschreibungsbedarf führen, der die Bilanz belaste. Des Weiteren plane Porsche, je nach Marktlage, Kurssicherungsgeschäfte in Höhe von bis zu fünf Prozent der VW-Stammaktien aufzulösen, um die Liquidität der VW-Aktie zu erhöhen und somit weitere Kursexplosionen zu verhindern.

      An den Märkten wurden die Proteste gegen die Dominanz der VW-Aktie im Leitindex DAX in den vergangenen Handelstagen immer lauter. Teilweise stieg der Anteil Volkswagens im DAX auf über 25 Prozent und verzerrte somit die Kursentwicklung des Börsenbarometers immens.

      Die Deutsche Börse reagierte zwischenzeitlich und plant die Gewichtung von Volkswagen im DAX zu Beginn der kommenden Montagssitzung auf zehn Prozent begrenzen. Dies trete in Kraft, wenn das VW-Papier am Freitag diese Schwelle zu Handelsschluss überschreite, so ein Sprecher der Deutschen Börse.

      © Die Welt
      erschienen am 29.10.2008 um 10:05 Uhr

      Porsche lockert Würgegriff um VW-Aktien

      Porsche lockert Würgegriff um VW-Aktien
      Die Gaga-Kurse wurden durch einen geringen Streubesitz der VW-Aktie ausgelöst - Porsche will das Problem mildern: Kurssicherungsgeschäfte werden aufgelöst. Das Papier bricht ein.

      Porsche löst Optionen von bis zu fünf Prozent der VW-Stammaktien auf. Das kündigte das Unternehmen am Mittwochmorgen an. Dadurch erhöht sich die Anzahl frei handelbarer Papiere. Spekulativ handelnde Leerverkäufer müssten sich nach Informationen des Unternehmens mit den Papieren eindecken, um ihre Lieferverpflichtungen zu erfüllen. Das hatte in den vergangnen Tagen zu einem Kursanstieg bis auf mehr als 1000 Euro geführt.

      Porsche halte dennoch an dem Ziel fest, bei VW bis auf 75 Prozent aufzustocken, und werde deshalb weiter an der Börse und außerbörslich Aktien zukaufen, teilte das Unternehmen mit. Der Autokonzern hatte die Verwerfungen am Sonntag mit der Mitteilung ausgelöst, bereits 42,6 Prozent an VW zu besitzen und weitere 31 Prozent durch Optionen zu festgelegten Kursen erwerben zu können.

      "Der Dax ist ein Spielball von Spekulanten"
      Seit Tagen schlägt die Volkswagen-Aktie Kapriolen. Das Papier ging am Dienstag mit einem Aufschlag von knapp 82 Prozent bei 945 Euro aus dem Handel, nachdem es vorübergehend für mehr als 1000 Euro gehandelt wurde. Diese massiven Kursschwankungen hatten Profianleger in eine zunehmend aussichtslose Position gegenüber passiven Indexfonds manövriert. Angesichts des starken Kursanstiegs der Volkswagen-Aktie sind Fondsmanager nicht mehr in der Lage, eine bessere Rendite als Indexfonds zu erzielen.

      Die Deutsche Börse hatte am Dienstagabend beschlossen, den Anteil der Volkswagen-Aktie bei der Berechnung des Dax ab Montag auf zehn Prozent zu begrenzen. Die Entscheidung trete in Kraft, sofern das VW-Papier am Freitag diese Schwelle zu Handelsschluss überschreite, sagte ein Sprecher der Deutschen Börse. Zum Handelsschluss am Dienstag hatte Volkswagen im Deutschen Aktienindex ein Gewicht von 26 Prozent. Normalerweise wird das Gewicht eines Unternehmens nur vier Mal im Jahr festgelegt. Der nächste reguläre Termin ist der 19. Dezember.

      "Der Deutsche Aktienindex Dax ist derzeit kein Spiegelbild deutscher Standardwerte, sondern ein Spielball von Spekulanten", hatte ein Marktteilnehmer am Dienstag vor der Entscheidung der Deutschen Börse bemängelt.

      Das Gewicht der Volkswagen-Aktie wird auch in den internationalen Stoxx-Indizes verringert. Der Indexanbieter Stoxx teilte am Dienstagabend mit, der Streubesitz-Faktor der Aktie werde zur Börseneröffnung am Freitag von 0,4963 auf 0,3732 gesenkt. Hintergrund sei die veränderte Aktionärsstruktur des Autoherstellers, der unter anderem im EuroStoxx50 der größten börsennotierten Firmen der Euro-Zone und im Stoxx600 notiert ist. Die Kurskapriolen der Aktie hatten die Indizes zuletzt stark verzerrt.

      Vertreter von Fondsgesellschaften hatten sich zuvor massiv verärgert gezeigt, dass die Deutsche Börse eine Überprüfung der Indexrichtlinien im Gegensatz zu Rivalen wie Morgan Stanley Capital International (MSCI) oder Stoxx Limited abgelehnt hatte. Das Investmentgesetz in Deutschland sieht vor, dass ein Fonds nicht mehr als zehn Prozent seines verwalteten Vermögens in einen Titel investieren darf, will er den Status des gesetzlich geschützten Sondervermögens nicht verlieren. Für Indexfonds (ETFs) gibt es diese Deckelung nicht. Investiert ein Anleger derzeit über Indexfonds in den Dax, wandert so mehr als jeder vierte Euro in die VW-Aktie, die sich binnen vier Jahren verdreißigfacht hat.

      "Deckelung: Alles andere als intelligent"
      Die von der Deutschen Börse beschlossene Deckelung der VW-Aktien löst nach Ansicht von Marktanalyst Heino Ruland von Frankfurt Finanz nicht das ganze Spekulationsproblem. Die Entscheidung der Börse sei ohne ein Verbot des Short Selling in der Aktie alles andere als intelligent. "Das ist eine Einladung auf fallende Kurse zu setzen", sagte Ruland.

      "Es ist erwartet worden, dass etwas getan wird, und die Deutsche Börse scheint zu glauben, dass sich der Aktienkurs in den verbleibenden drei Handelstagen der Woche normalisieren wird", sagte Ruland. Ein starker Kursrückgang werde die ab Montag geltende Deckelung der VW-Gewichtung im Dax seiner Ansicht nach überflüssig machen. Am Mittwoch verloren die VW-Aktien nach Börsenöffnung 40 Prozent.

      Porsche hat die Hedgefonds um 15 Milliarden erleichtert

      Porsche hat die Hedgefonds um 15 Milliarden erleichtert

      Der Sportwagenhersteller hat einen der schmerzhaftesten Börsen-Coups aller Zeiten durchgeführt, in dem die grössten Hedgefonds der Welt zusammen einen Verlust von 15 Milliarden Euros einstecken müssen.

      Diese gigantische Summe wurde durch die Hedgefonds verloren, die auf den fallenden Kurs der Volkswagenaktie wetteten, und auf der anderen Seite von Porsche gewonnen.

      Der Kurs stieg zeitweise um 400 Prozent in zwei Tagen, was Porsche einen riesen Gewinn bescherte, und die Hedgefonds einen entsprechend grossen Verlust, was sie in den Bankrott treiben könnte.

      Die Spekulierer gingen davon aus, dass VW genau so in der Krise ist wie die anderen Automobilhersteller und deshalb der Kurs der Aktie sinken würde. Nur sie hatten vergessen, dass Porsche "heimlich" eine Beteiligung von 75 Prozent an VW anstrebt und den am Anfang fallenden Preis der Aktie nutzte und fleissig zukaufte.

      Da es sowieso wenig Aktien von VW auf dem Markt gibt, weil das Land Niedersachsen eine Beteiligung von 20.1 Prozent hält und Porsche bereits einen Grossteil hat, ging der Preis nach oben. Die Hedgefonds hatten sich völlig verspekuliert und mussten sogar dann selber VW-Aktien kaufen, um ihre Verluste zu minimieren, was den Preis noch höher trieb.

      Dieses Debakel ist ein weiterer Hammerschlag für die Hedgefonds.

      “Letzte Woche, als VW um 50 Prozent fiel, dachten einige Leute, es wird einen Absturz geben,“ sagte ein Marktteilnehmer. “Einige Fonds dachten, jetzt fällt die Aktie ins Bodenlose, lass uns mit Short-Selling einsteigen.” Aber Porsche machte ihnen mit der Ankündigung, 75 Prozent von Volkswagen zu wollen, einen Strich durch die Rechnung.

      Die deutsche Wertpapieraufsichtsbehörde BaFin hat eine Untersuchung des Handels mit VW-Aktien angekündigt.

      “Wir prüfen verstärkt auf Anhaltspunkte für Marktmanipulation in der VW-Aktie", sagte eine BaFin-Sprecherin.

      “Wir weisen vehement alle Beschuldigungen einer Marktmanipulation zurück,“ sagte ein Sprecher von Porsche, und fügte hinzu, da wird Ursache und Wirkung verwechselt. Er sagte: “Die Verantwortlichen sind die, welche grosse Summen auf einen fallenden Kurs der Volkswagenaktie spekuliert haben.”

      Einer der Verlierer ist womöglich Nathan Rothschild, mit seinem Atticus Capital Hedgefond, der in England in letzter Zeit grosse Schlagzeilen machte, wegen seinem Streit mit dem Schattenkanzler der Tories George Osborne, wo es um heimliche Parteispenden des russichen Oligarchen Oleg Deripaska geht.

      Short-Selling ist eine beliebte Methode der Hedgefonds, um die Kurse einer Aktie zu versenken und riesen Gewinne einzufahren. Es gibt zwei Arten von Short-Selling. Naked-Short-Selling ist der Verkauf von Aktien die man gar nicht hat, sogenannte Leerverkäufe. Die andere Methode des Short-Sellings ist, wenn man Aktien sich vom Besitzer ausleiht und dann verkauft, um sie dann billiger zu kaufen und wieder zurückzugeben.

      Wenn andere Marktteilnehmer die fallenden Kurs sehen und ebenfalls verkaufen, die Spekulanten zusätzlich noch böse Gerüchte verbreiten, der Preis dadurch noch mehr fällt, kaufen sie dann die Aktie tiefer ein. Die Differenz zwischen Verkaufspreis und Einkaufspreis ist ihr Gewinn. Mit dieser Methode haben die Aasgeier zum Beispiel die Lehman Brothers Bank zerstört und dabei kräftig abgesahnt. Nur jetzt bei VW hat es nicht funktioniert, weil Porsche dagegen hielt.

      Um nicht als Böser da zu stehen und um den Hedgefonds zu "helfen", hat dann Porsche gnädigerweise angekündigt, VW-Aktien in der Höhe von bis zu fünf Prozent wieder auf den Markt zu bringen.

      Kommentar: Es geschieht den verdammten Heuschrecken recht, dass sie sich kräftig die Finger verbrannt haben, die nur von der Abzockerei und der Vernichtung von Firmen und Arbeitsplätzen leben. Hoffentlich kratzen sie alle ab.

      Porsche-Absatz bricht ein - Weitere Produktionstopps

      Porsche-Absatz bricht ein - Weitere Produktionstopps

      Freitag, 30. Januar 2009, 11:42 Uhr Diesen Artikel drucken[-] Text [+]
      Stuttgart (Reuters) - Der Sportwagenhersteller Porsche ist auf Talfahrt.

      Der Absatz des erfolgsverwöhnten Herstellers von Sport- und Geländewagen brach in den Monaten August bis Januar um 27 Prozent auf rund 34.000 Fahrzeuge ein, wie Porsche am Freitag auf der Hauptversammlung Stuttgarter mitteilte. Der Umsatz gab um 14,3 Prozent auf drei Milliarden Euro nach. Im gleichen Maß wie der Absatz schmolz der operative Gewinn aus dem eigenen Fahrzeuggeschäft.

      Dank der positiven Effekte aus dem Besitz von inzwischen knapp 51 Prozent der Volkswagen-Stammaktien sei der Konzerngewinn in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres aber höher als die 1,66 Milliarden Euro im gleichen Zeitraum des Vorjahres, sagte Vorstandschef Wendelin Wiedeking.

      Eine konkrete Prognose für das noch bis Ende Juli laufende Geschäftsjahr wagte der Porsche-Chef nicht. Porsche wisse "nicht wirklich, was die Zukunft bringt". Um die Absatzeinbußen abzufedern, will Porsche bei den Ausgaben auf die Bremse treten und deutlich mehr als 100 Millionen Euro sparen.

      PORSCHE WILL OHNE KURZARBEIT AUSKOMMEN

      Auch die bereits gedrosselte Produktion im Stammwerk in Stuttgart-Zuffenhausen wird weiter zurückgefahren. An 19 weiteren Tagen stünden die Bänder in den kommenden Monaten bis zum Sommer still, sagte Porsche-Chef Wiedeking. Elf Arbeitstage waren bereits ausgefallen. "Wenn sich die Situation nicht nennenswert verschlechtert, wird uns dieses Modell über die Krise helfen", stellte der Manager in Aussicht. "Kurzarbeit oder gar Entlassungen stehen bei uns jedenfalls aktuell nicht auf der Agenda." Damit würde sich Porsche besser schlagen als die anderen deutschen Hersteller zwischen Wolfsburg und München, die zehntausende Beschäftigte in Kurzarbeit geschickt haben.

      Bei seinen Plänen, VW ganz unter die Kontrolle von Porsche zu bringen, will sich Wiedeking nicht in die Karten schauen lassen. "Wir haben unseren Fahrplan nicht verändert", sagte der Vorstandschef und verwies auf prall gefüllte Kassen. "Unser Ziel ist nach wie vor, die VW-Beteiligung in überschaubarer Zeit auf 75 Prozent der VW-Stammaktien aufzustocken, um den Weg für einen Beherrschungsvertrag freizumachen", sagte Wiedeking. "Aber erwarten Sie jetzt kein Datum von mir."

      Porsche muss bis Ende März einen Kredit über zehn Milliarden Euro zurückzahlen oder verlängern. Wahrscheinlich ist Letzteres. Bei einer späteren Tilgung könnte Porsche der Zugriff auf die Kasse von Volkswagen profitieren, die man mit mehr als 75 Prozent des Stammkapitals hätte. Derzeit verhindern jedoch noch das VW-Gesetz und die niedersächsische Landesregierung mit 20 Prozent des VW-Stammkapitals jede Durchgriffsmöglichkeit. Das VW-Gesetz, das sowohl Porsche als auch die EU-Kommission zu Fall bringen wollen, sichert Niedersachsen eine Sperrminorität. In der Regel gilt in Deutschland ein Mindestanteil von 25 Prozent, um unliebsame Entscheidungen blockieren zu können.

      Porsche schaltet gleich mehrere Gänge zurück

      Porsche schaltet gleich mehrere Gänge zurück

      Mit Grimmen haben Porsche-Aktionäre auf die Äußerungen von Vorstandschef Wendelin Wiedeking auf der Hauptversammlung reagiert: Der Absatz ist drastisch eingebrochen, die Produktion muss noch stärker gedrosselt werden, ein Ausblick war Fehlanzeige.

      Der Sportwagenhersteller Porsche ist eindeutig auf Talfahrt. Der Absatz des erfolgsverwöhnten Stuttgarter Konzerns brach in den Monaten August bis Januar um 27 Prozent auf rund 34.000 Fahrzeuge ein, wie Porsche am Freitag auf der Hauptversammlung mitteilte.

      Im selben Ausmaß schmolz das operative Ergebnis des Herstellers im Fahrzeuggeschäft. Dass der Konzerngewinn in der ersten Jahreshälfte des laufenden Geschäftsjahres dennoch laut Aussagen von Wiedeking höher ausfallen wird als die 1,66 Milliarden Euro des Vorjahreszeitraums, haben die Stuttgarter vor allem den positiven Sondereffekten aus dem Besitz von knapp 51 Prozent der VW-Stammaktien zu verdanken.

      Porsche traut sich keine Prognose zu
      Angesichts des massiven Absatzeinbruchs kündigte der Stuttgarter Autobauer ein mehr als einhundert Millionen Euro schweres Sparprogramm sowie eine massive Drosselung der Produktion an. So sollen im Stammwerk Stuttgart-Zuffenhausen die Bänder bis zum Beginn der Sommerpause an weiteren 19 Tagen stillstehen.

      Der Produktionsstillstand könne durch die Arbeitszeitkonten ausgeglichen werden. Kurzarbeit oder gar Entlassungen kämen derzeit nicht in Betracht. Eine konkrete Prognose für das noch bis Ende Juli laufende Geschäftsjahr wagte der Porsche-Chef allerdings nicht. Porsche wisse "nicht wirklich, was die Zukunft bringt", meinte Wiedeking.

      "Vernünftige Warnung"
      "Die operative Verschlechterung bei Porsche wird sich beschleunigen und es ist vernünftig, dass der Sportwagenbauer den Markt rechtzeitig warnt", kommentierte Analyst Ulrich Horstmann von der Bayerischen Landesbank.

      Die Aktionäre reagierten nicht sonderlich begeistert auf die Äußerungen von Porsche-Chef Wiedeking. Die Porsche-Aktie gab einen Großteil ihrer frühen Gewinne wieder ab. Nachdem sie am Vormittag noch bis zu 6,6 Prozent zulegen konnte, notiert sie nun nur noch 2,7 Prozent im Plus, hält sich damit aber besser als der Markt.

      Auch die Dividendenpolitik von Porsche sorgte für Unmut: Porsche hatte bereits erklärt, dass die normale Dividende wie schon im Vorjahr 0,69 Euro je Stammaktie und 0,70 Euro je Vorzugsaktie betragen werde. Die Sonderdividende werde von 1,50 auf 2,00 Euro erhöht. Einigen Aktionären ist das zu wenig. Schließlich hatten die Stuttgarter auch wegen der positiven Entwicklung des VW-Aktienkurses im Ende Juli abgelaufenen Geschäftsjahr des beste Ergebnis der Firmengeschichte erzielt.

      VW-Poker: leisere Töne, viel Kritik

      VW-Poker: leisere Töne, viel Kritik

      Auf der Porsche-Hauptversammlung hat sich natürlich nicht alles um den Geschäftsverlauf bei Porsche gedreht. Mindestens ebenso große Beachtung fanden auch neue Details zur VW-Übernahme.

      So strebt Wiedeking zwar nach wie vor an, noch im laufenden Jahr die 75-Prozent-Schwelle bei Volkswagen zu überschreiten, um den Weg für einen Beherrschungsvertrag freizumachen. Doch auf einen genauen Zeitplan wollte sich der Porsche-Chef nicht festlegen. Angesichts der "hochkritischen gesamtwirtschaftlichen Umstände" werde Porsche "genau prüfen, wann wir welche weiteren Schritte unternehmen", sagte Wiedeking am Freitag auf der Porsche-Hauptversammlung in Stuttgart.

      Weitere Auftstockung mit Fragezeichen versehen
      Der Zugriff werde nur erfolgen, "sofern die wirtschaftlichen Voraussetzungen gegeben" seien und die seien nun einmal "nicht wirklich gut". Im Januar hatten die Stuttgarter ihren Anteil auf 50,76 Prozent der VW-Stammaktien erhöht. Durch einen Beherrschungsvertrag erhielte Porsche Zugriff auf sämtliche VW-Gewinne.

      Die VW-Aktie, die vor Beginn der HV noch bis zu 4,4 Prozent im Plus notierte, drehte nach diesen Äußerungen ins Minus. Zur Stunde wird sie mit einem Abschlag von 0,4 Prozent gehandelt. Allerdings wiesen Analysten auch heute mehrfach darauf hin, dass die VW-Aktie weiterhin ein Spielball von Spekulanten bleibe und der Kurs sowieso jedweder realistischen Grundlage entbehre.

      Heftige Vorwürfe von Aktionärsschützern
      Aktionärsschützer machen dafür und für die enorme Kursexplosion der VW-Aktie, die im vergangenen Jahr bis auf 1.050 Euro in die Höhe geschossen war, auch gezielte Äußerungen des Porsche-Vorstands und dessen Aktienoptionsgeschäfte verantwortlich.

      Fünf große Investmentfonds wollen zudem nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" erreichen, dass Wiedeking die Regierungskommission für gute Unternehmensführung (Corporate Governance) verlässt. Als Grund werden Anhaltspunkte für Kursmanipulationen bei der Mehrheitsübernahme von VW genannt.

      Wiedeking wies die Vorwürfe der Marktmanipulationen im Zusammenhang mit der turbulenten Kursentwicklung der VW-Stammaktien im Spätsommer 2008 entschieden zurück. Dem Einstieg bei Volkswagen liege eine industrielle Logik zugrunde, nicht das Ziel, auf Kosten Dritter Vermögen zu mehren.

      Porsche leidet massiv unter Absatzkrise

      Porsche leidet massiv unter Absatzkrise

      Auch der erfolgsverwöhnte Sportwagenbauer Porsche hatte im ersten Halbjahr 2008/09 unter der weltweiten Autokrise zu leiden: Nach Angaben von Vorstandschef Wendelin Wiedeking brach der Absatz zwischen August und Januar um mehr als 27 Prozent ein.

      Demnach wurden in diesen Monaten nur 34.000 Fahrzeuge verkauft, sagte Wiedeking auf der Hauptversammlung in Stuttgart. Die Erlöse sackten um über 14 Prozent auf rund drei Milliarden Euro ab. Detaillierte Angaben zum operativen Ergebnis machte der Porsche-Chef nicht. Wiedeking deutete aber an, dass die Einbußen in der Größenordnung des Absatzrückgangs lagen. Aufgrund der VW-Beteiligung werde das Vorsteuerergebnis der Porsche Automobil Holding SE aber höher als der Vorjahreswert von 1,66 Milliarden Euro liegen.

      Wiedeking kündigte als Reaktion auf die sinkenden Absatzzahlen weitere Produktionsstopps und ein 100 Millionen Euro schweres Sparprogramm an. Im Porsche-Stammwerk Stuttgart-Zuffenhausen sollen außerdem bis zum Beginn der Sommerpause an weiteren 19 Tagen die Bänder stillstehen. Im Dezember 2008 und im Januar war die Produktion bereits an elf Tagen gestoppt worden. Auf Kurzarbeit oder Entlassungen will der Sportwagenbauer laut Wiedeking aber derzeit verzichten.

      Keine Aussagen zu Zeitplan bei VW-Übernahme

      Aufgrund der Absatzkrise wollte sich der Porsche-Chef nicht auf einen detaillierten Fahrplan bei der VW-Übernahme festlegen. "Unser Ziel ist nach wie vor, die VW-Beteiligung in überschaubarer Zeit auf 75 Prozent der VW-Stammaktien aufzustocken, um den Weg für einen Beherrschungsvertrag
      freizumachen", sagte er laut vorab verbreitetem Redetext. Dies solle in diesem Jahr geschehen, sagte Wiedeking. "Aber erwarten Sie von mir kein Datum." Porsche hatte im Januar seinen Anteil auf 50,76 Prozent der VW-Stammaktien erhöht.

      Wiedeking kritisierte erneut das VW-Gesetz, das derzeit dem von Porsche angestrebten Beherrschungsvertrag entgegensteht, weil es dem zweiten VW-Großaktionär Niedersachsen eine Sperrminorität zusichert. Das Land hält knapp über 20 Prozent der Aktien und kann damit wichtige Entscheidungen bei Volkswagen blockieren. Die EU-Kommission will die Bundesregierung wegen der Sonderrechte bei VW erneut vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) verklagen.