Hintergrund: Das lange Sterben von MZ

      Hintergrund: Das lange Sterben von MZ

      Hintergrund: Das lange Sterben von MZ

      10. Jan. 2009 Kurz vor Jahresende hörte eine weitere deutsche Motorradmarke auf zu existieren: MuZ, die Motorrad und Zweiradwerk GmbH, schickte die letzten verbliebenen 40 Mitarbeiter nach Hause. Musste es so kommen? – Nach Mauerfall und Wiedervereinigung schien sich die traditionsreiche Marke mit wertvollen DKW-Wurzeln für eine erfolgreiche Karriere ohne planwirtschaftliche Fesseln entschlossen fit zu machen. Von Anfang an aber befand sie sich auch in einer ungewohnten Konkurrenzsituation, die – wie sich bald herausstellte – den zügigen MZ-Start in die Marktwirtschaft erschweren sollte. MZ hatte etwas, was BMW nicht hatte. Zoff war vorprogrammiert. Und am Ende ein Sieger.

      Die Freude währte nicht lange. Dass aus einem „VEB Motorradwerk Zschopau“ keine Motorräder mehr rollen würden, war nach dem Ende der DDR logisch. VEB hatte ausgedient. Kein Grund zum Trauern. Ernst wurde es erst, als die bundesdeutsche Treuhandanstalt ein Sanierungskonzept zur – wie es hieß – „Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit“ von MZ vorlegte, das von der Betriebsleitung des Zschopauer Werkes jedoch abgelehnt wurde. Prompt drohte die Anstalt unter der Präsidentschaft jener Frau, die sich bald einen wenig ehrenvollen Namen machte, die Liquidation des Unternehmens bis Mitte 1992 an. Diese Frau, Birgit Breuel, schien nicht lange fackeln zu wollen. In Zschopau ahnte man jedenfalls, was die Glocke geschlagen hatte.

      Bangemachen galt nicht. Selbstbewusst ging die verbliebene Belegschaft 1991 daran, wie bisher ordentliche, zuverlässige Motorräder auf die Räder zu stellen – auch nachdem das Motorradwerk Zschopau zum Motorrad und Zweiradwerk (MuZ) umgetauft wurde. Aus dem VEB wurde eine GmbH. Deren Verwaltung zog 1993 in den Nachbarort Hohndorf um. Nachdem im Februar 1994 das letzte Motorrad im traditionsreichen Zschopauer Werk vom Band gelaufen war, eine zweitaktende 125er „Saxon Sportstar“, wurde auch die Fertigung nach Hohndorf verlagert. Nach und nach formierte sich eine ganz neue Modellpalette, die sich zunehmend vergrößerte. Darunter waren die ersten MuZ-Viertakter – getauft „Skorpion Sport“ und „Silver Star Classik“ mit 660- bzw. 500-cm3-Einzylindermotor.

      Wer weiß aber heute noch, dass es bereits zu DDR-Zeiten ein Einzylinder-Viertakt-Motorrad mit dem Markenzeichen MZ gab! Genau an dieser Maschine hing maßgeblich das Wendeschicksal der Marke. Sein Entstehen hatte das Motorrad einem Auftrag der DDR-Obrigkeit zu verdanken. Weil MZ-Zweitakter mit ihrer bläulichen Abgasfahne auf Dauer keine Empfehlung für die Maschinen polizeilicher Begleitstaffeln waren, die immer mal wieder Limousinen mit Staatsgästen zu eskortieren hatten, bekam MZ letztlich den Auftrag, eine „rauchfreie“ Viertakt-Maschine für solche Einsätze zu konzipieren. Daraufhin entstand in Zschopau ein solches Gefährt, genannt „Escort“-MZ. Mit 500-cm3-Rotax-Motor. Zum eigentlich angedachten Einsatz kam die Maschine nicht mehr. Die Wende war schneller.

      MZ nutzte die Gunst der Stunde und trieb fortan die Entwicklung dieser Viertakt-Maschine mit zivilem Outfit voran. Man war überzeugt, dass ein sportlich daherkommender Einzylinder-Viertakter mit dem MZ-Label durchaus Chancen auf dem Motorradmarkt haben würde. Das muss auch BMW so gesehen haben. Alsbald wurde die 27 PS leistende, nüchtern „MZ 500 R“ getaufte und ab 1991 ausgelieferte Maschine zum „Streitobjekt der Begierde“ zwischen den Sachsen und den Bayern, wie „PS-Report“ im April 1992 konstatierte.

      Jetzt, da bei MuZ die Lichter endgültig ausgingen, ist durchaus Veranlassung, noch einmal an die Hund-und-Katze-Situation zwischen MZ und BMW Anfang der Neunzigerjahre zu erinnern. MZ hatte etwas, was BMW seinerzeit fehlte: eine preiswerte Einsteiger-Maschine für Viertaktliebhaber. Damals beobachtete „PS Report“: „Ton und Gangart im Umgang mit MZ werden zunehmend rauer.“ Die „Treuhand“, die – wie sich bald herausstellte – diese Bezeichnung in zahlreichen Fällen gänzlich zu unrecht trug, setzte MZ – wie „PS Report“ seinerzeit befand – „kurzerhand erpresserisch die Pistole auf die Brust“. Die Forderung: 12.500 verkaufte Motorräder bis 30. Juni 92! Oder es ist unwiderruflich aus.

      Und damit „das treuhänderische Ultimatum die nötige Brisanz erhielt“, schrieben wir damals, „verordneten Breuel & Co. dem eingeschüchterten Unternehmen gleich noch einen außerordentlichen vertrauens- und verkaufsfördernden Zusatz zur Firmenadresse: „GmbH i. L.“ – eine Art Betäubungsspritze für die aufmüpfigen Zschopauer. Wer sollte Verlangen spüren, mit einer „Gesellschaft in Liquidation“ ins Geschäft zu kommen!

      Mit einem kalten Bremsmanöver solcher Art wollte es der damalige BMW-Chef Eberhard von Kuenheim nicht bewenden lassen. In einem Brief an einen Bundesminister fand er ausgesprochen aufmunternde Worte: „MZ besitzt nach unserer Auffassung eigentlich kaum noch eine Substanz ... Es gibt weder eine Entwicklungsabteilung, die zukunftsversprechend ist, geschweige denn, dass konkurrenzfähige Produkte vorhanden sind.“

      Derweil brachte das Gerücht vom Dienst in Umlauf, dass es bei BMW Überlegungen gebe, ebenfalls eine Einzylinder-Maschine für Einsteiger zu konzipieren; zusammen mit Aprilia. „PS Report“ fragte nach. BMWs damaliger Motorradpresse-Chef, Hans Sautter, bestätigte auf Fax-Anfrage im Mai 92: „Wir beschäftigen uns schon seit längerer Zeit mit dem Thema eines „BMW-Einsteigermotorrads.“ Aus ersten Kontakten mit dem italienischen Motorradhersteller Aprilia Anfang 1989 entwickelte sich im Laufe der Zeit eine konkrete Kooperationsprojektidee, die kurz vor einem Vertragsabschluss steht. Ziel der Kooperation zwischen BMW und Aprilia ist die gemeinsame Entwicklung eines Einsteigermotorrads für BMW, das einen modifizierten 650-cm3-Einzylindermotor von Rotax (!! – d. A.) erhalten und bei Aprilia in Noale gebaut werden soll.

      Alles klar? – Heute wohl doch. Aber nun ist ja alles Geschichte!. Weder der angedachte viertaktende Hoffnungsträger Skorpion anno 1994 mit 650-cm3-Motor von Yamaha noch die kantig-sportliche zweizylindrige 1000er, eine in der Bikerszene hochgelobte Eigenentwicklung (117 PS), konnte den früh eingeleiteten Niedergang der Zschopauer Motorradtradition aufhalten.

      Jetzt gibt es MuZ nicht mehr. Die bewegte Erlebnisschleife der traditionsreichen deutschen Motorradmarke nach Mauerfall und Wiedervereinigung hat ein Ende, nachdem der letzte Eigner, der malaysische Investor Hong Leong Industries, das Handtuch warf. Absatz und Erlös hätten nicht befriedigen können, klagt derjenige, der Ende 1996 ins MuZ-Geschäft eingestiegen war, um – wie er kundtat – das Unternehmen binnen zehn Jahren wieder zu einem wichtigen europäischen Motorradhersteller zu machen. 2006 hätte man Hong Leong an das Vorhaben erinnern sollen.

      Punktgenau mit der Geschäftsaufgabe lief nun Ende 2008 die Bindefrist für Fördermittel des Freistaates Sachsen aus, die jahrlang nach Zschopau flossen. Das Zusammenfallen von Geschäftsaufgabe und Versiegen des Fördermittelquells ist selbstverständlich reiner Zufall!

      Sicher, den Nachwende-Neustart der weltweit bekannten Motorräder aus dem Erzgebirge haben auch Managementfehler und zeitweilige personelle Fehlbesetzungen bei der Geschäftsführung nicht gefördert. Dem neuen, bis 2004 amtierenden Chef fesselten offenbar andere Leidenschaften. Kein Mensch brauche doch eine MZ, soll er einmal gesagt haben.

      Für die frühe Lähmung der Marke MZ, die letztlich auf ein langsames Sterben hinauslief, haben die Zschopauer Motorradbauer keineswegs selbst gesorgt. Im Gegenteil! Das Beharrungsvermögen, mit dem sie sich für den Fortbestand einer erfolgreichen deutschen Motorradmarke einsetzten, bleibt bewunderungswert. Die Angriffe, die MZ galten, kamen aus verschiedenen Richtungen; von außen. Das böse Wort vom Plattmachen wird sich halten. (ar/PS/WR)

      (Entnommen aus der aktuellen Ausgabe des Branchen-Informationsdienstes PS-Automobilreporter)

      Traditionsmarke MZ vor der Rettung

      Traditionsmarke MZ vor der Rettung
      Aufatmen in Zschopau - Ex-Motorradrennfahrer Waldmann und Wimmer kaufen Unternehmen
      erstellt 18.03.09, 16:25h, aktualisiert 18.03.09, 16:26h

      Zschopau/dpa. Eine Traditionsmarke atmet auf. Die Motorrad- und Zweiradwerk GmbH aus der Erzgebirgsstadt Zschopau, in aller Welt als MZ bekannt, steht kurz vor der Rettung. Der ehemalige Motorradrennfahrer Ralf Waldmann bestätigt der dpa, dass er gemeinsam mit seinem Ex-Kollegen Martin Wimmer das stark angeschlagene Unternehmen kauft. «Der Vertrag existiert», sagt auch Wimmer. «Es sieht gut aus, wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.» Für kommenden Montag kündigt er eine gemeinsame Erklärung mit MZ an. Der Kaufpreis beträgt nach dpa-Informationen etwas mehr als vier Millionen Euro.
      Es ist eine Rettung in letzter Minute. Im August 2005 wurde zahlreichen Mitarbeitern gekündigt, Ende 2006 schloss die Entwicklungsabteilung. Heute hält nur noch eine gute Handvoll Mitarbeiter in Zschopau die Stellung, sie vertreiben Ersatzteile. Äußern will sich dort niemand. «Wir halten uns an die Schweigevereinbarung, von uns wird es vor dem 23. März keine Stellungnahme geben», sagt Mitarbeiter André Hunger. Auch der sächsische Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD) übt sich in Zurückhaltung. «Ich würde mich freuen, wenn es für MZ und seine Mitarbeiter weitergeht», sagt er. «Der Freistaat steht mit seinem Förderinstrumentarium bei Neuinvestitionen oder Forschung und Entwicklung bereit.»

      Zschopaus Oberbürgermeister Klaus Baumann (CDU) aber bestätigt die Übernahme. «Für unsere Region zählt jeder Arbeitsplatz.» Stufenweise sollen nun ein paar dutzend neue Arbeitsplätze entstehen. Nach Angaben der in Chmenitz erscheinenden «Freien Presse» (Mittwoch) wollen Waldmann und Wimmer chinesische Roller importieren und unter dem MZ-Logo vertreiben. Das sei so nicht richtig, sagt Wimmer der dpa. Zudem weist er Gerüchte zurück, eine chinesische Firma trete als Investor auf. Stattdessen sollen weitere Privatinvestoren aus Deutschland den beiden Ex-Rennfahrern helfen.

      Für Firmen aus Fernost ist die Erfahrung der Mitarbeiter interessant. Auch lockt der Ruf der Marke. Die Maschinen waren Kultmarke in der DDR. In rund 100 Länder wurde geliefert, bis zu 85 000 Motorräder pro Jahr. Die Maschinen mit einem Hubraum von 125 bis 300 Kubikzentimetern standen für Robustheit, Zuverlässigkeit und niedrigen Verkaufspreis. 3200 Menschen hatten in dem Betrieb zur Wende einen Job. Der damalige Volkseigene Betrieb (VEB) baute auf der 1922 in Zschopau begonnenen Motorradtradition auf.

      Mit Einführung der D-Mark konnten die Motorräder den Preisvorteil nicht mehr wettmachen. Zunächst liquidierte die Treuhand das Unternehmen. Ein paar Optimisten wagten eine Neugründung, die floppte. Die Rettung schien 1996 mit der malayischen Firma Hong Leong zu kommen.

      Ein Stolperstein liegt aber noch auf der Strecke: Isidoro Werner, Geschäftsführer der motobike-systems GmbH aus dem fränkischen Fürth, fühlt sich von den beiden Ex-Fahrern ausgebremst. Er sei der Initiator des Deals, nun kenne er nicht einmal das genaue Konzept. Und er zweifelt an den wirtschaftlichen Fähigkeiten der beiden. «Waldmann war ein guter Fahrer. Wimmer war ein guter Fahrer. Werner ist ein guter Geschäftsmann.» Sobald MZ das Geschäftoffiziell bestätigt, will er klagen. Wimmer versteht die Aufregung nicht. Werner habe doch schriftlich ein Angebot erhalten, sagt er.

      Rückkehr der kleinen MZ

      DDR-Motorrad
      Rückkehr der kleinen MZ

      Von Peter Schilder, Zschopau

      26. Mai 2009 Die Webseite www.mz-lebt.de - das ist weit mehr als nur eine Internetplattform für Freunde von MZ-Motorrädern. Es ist vor allem eine Botschaft, die der frühere Motorradrennfahrer und neue Inhaber der „Motorenwerke Zschopau“, Martin Wimmer, am Samstag auf dem Marktplatz der Stadt im Erzgebirge verkündet hat: MZ lebt.

      Es soll weitergehen mit der Motorradmarke MZ, die nicht nur in der DDR einen guten Ruf hatte. Schon in einem guten Vierteljahr möchte Wimmer die Produktion wieder anlaufen lassen und in diesem Jahr noch 600 Fahrzeuge verkaufen. Für Zschopau, wo die Arbeitslosenquote bei 15 Prozent liegt, bedeutet das etwa 50 neue Arbeitsplätze.

      Zuerst etwas blauäugig

      Seit dem ersten April sind Wimmer, dessen Ehefrau und der Rennfahrerkollege Ralf Waldmann die neuen Eigentümer des Motorradwerkes, das jetzt „Motorenwerke Zschopau GmbH“ heißt. Der vorherige Besitzer, der malayische Mischkonzern Hong Leong, hatte die Produktion in Zschopau im Januar eingestellt. Im Februar kamen Wimmer und Waldmann ins Spiel. Die sahen sich zunächst etwas blauäugig der Motorradlegende MZ verpflichtet. Wie sehr diese MZ-Legende, die ja auf DKW zurückgeht, noch lebendig ist, hat sich am vergangenen Wochenende auf dem MZ-Fest in Zschopau gezeigt. Aus allen Teilen Ostdeutschlands, aber auch aus dem Westen und sogar aus Dänemark waren die MZ-Freunde mit ihren Maschinen angereist. Das hohe metallische Wispern und die „Duftwolke“ aus dem Auspuff verraten die klassischen Zweitakter. Die MZ war „das“ Motorrad der DDR und hat nach der Wende auch im Westen Freunde gefunden.

      Vor allem wird ihre Zuverlässigkeit gelobt. Die Maschine ist etwas für Bastler und Tüftler, die sie den eigenen Wünschen anpassen. Kaum ein Gefährt gleicht dem anderen. Die Rennmaschinen, die auf dem Marktplatz einen höllischen Lärm verbreiteten, waren vielfach erfolgreich.

      Teile aus China sollen den Preis drücken

      Das ist es, woran Wimmer anknüpfen möchte. An die Tradition und an die Zuverlässigkeit. Kernstück soll der 125erMotor sein, den Wimmer vorgefunden hat und der die MZ berühmt gemacht hat. Darauf beruht seine Geschäftsidee. Um diesen Motor möchte er ein Motorrad bauen. Den Rahmen hat er schon. 2011 könnte es auch wieder eine Rennmaschine in der Viertelliterklasse geben, kündigt er an. Das hat den MZ-Freunden gefallen. Die Tausender, die zuletzt gebaut wurde, wird es aber nicht mehr geben. Für Kleinmotorräder sieht Wimmer einen gewaltigen Markt - global. Schon mittelfristig will er für den Export bauen, wobei er auf den guten Klang von „made in Germany“ setzt.

      Weil aber nicht nur der Markt, sondern auch die Konkurrenz groß ist, muss auch der Preis stimmen. Wimmer will ein preiswertes Motorrad bauen und deshalb in China Teile zukaufen. „China ist der größte Hersteller von Motorrädern, das kann doch nicht nur Schrott sein“, sagt er. Er hat selbst einige Jahre in China gearbeitet. Sorgen um die Qualität der MZ, die auch schon in Zschopau geäußert wurden, tritt er mit einer strengen Kontrolle beim Zusammenbau entgegen. „Der Ausschuss geht zurück“, sagt er.

      Schon im Voraus 600 Maschinen bestellt

      Weiterer Produktionsschwerpunkt soll ein Elektroroller sein mit einer Spitzengeschwindigkeit von 20 Stundenkilometern, der von MZ entwickelt und schon erfolgreich verkauft wurde. Das Gefährt soll für Fabrikgelände, Messen und Großveranstaltungen gut geeignet sein. Schließlich will man eine Kombination aus Roller und Motorrad mit großen Rädern - der besseren Sicherheit wegen - entwickeln und damit die Gruppe der 16 Jahre alten Fahranfängern ansprechen. Außerdem soll der kleine Motor auch in Blockkraftwerken und Generatoren Verwendung finden.

      Ideen und Konzepte sind vorhanden, was fehlt, ist die Anschubfinanzierung. Wimmer, Ehefrau Martina Häger und Waldmann haben bisher „einen siebenstelligen Betrag“ in das Unternehmen gesteckt. Doch der Neubeginn fällt in die Finanzkrise. Die Banken sind zögerlich mit den notwendigen Krediten. Vom sächsischen Wirtschaftsministerium ist keine Hilfe zu erwarten. Inzwischen haben sich aber doch Politiker vermittelnd eingeschaltet, so etwa Zschopaus Oberbürgermeister Baumann, der einst bei MZ arbeitete, und der Landtagsabgeordnete Schneider.

      Wichtigstes Argument für die weiteren Gespräche mit den Banken haben Wimmer die Händler geliefert. Knapp die Hälfte der 200 Vertragshändler waren am Wochenende in Zschopau. Sie haben zugesagt, zunächst 250 der 125er-Maschinen, 200 Elektroroller Charly sowie 150 der 250er-Enduro-Maschinen abzunehmen. Das sind zusammen 600 Einheiten und ein sicherer Umsatz. Dieses Argument wird auch die Gesprächspartner überzeugen, hofft Wimmer.

      Sachsen lässt die MZ-Träume platzen

      Sachsen lässt die MZ-Träume platzen

      MZ plant die Verlagerung der Motorrad-Produktion – und einen WM-Start.

      Zschopau. Trotz der fast sicheren Teilnahme von MZ an der Moto2-Weltmeisterschaft stand den Mitarbeitern der Traditionsfirma gestern die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Denn sie wurden fast zeitgleich zur Vorvertragsunterzeichnung mit dem australischen Rennfahrer Anthony West von der Geschäftsleitung der MZ Motorenwerke Zschopau GmbH informiert, dass die Motorrad-Serienproduktion am Standort Sachsen nicht mehr gesichert sei.

      „Wir prüfen eine Verlagerung in andere Bundesländer, da wir in Sachsen keine Bank mehr finden. Ohne finanzielle Unterstützung ist eine Motorradproduktion aber nicht möglich“, erklärte Martin Wimmer, einer der drei MZ-Gesellschafter. Der Ex-Motorradrennfahrer hatte mit seiner Frau Martina Häger und dem Rennfahrerkollegen Ralf Waldmann das Unternehmen im Februar 2009 gegründet. Damals übernahm die Gesellschaft mit privatem Geld sämtliche Einrichtungen, Warenlager und alles, was zur Marke „MZ“ gehörte. Seitdem kämpfen sie um Bankkredite und eine Landesbürgschaft. Sie planten, neben dem Elektroroller „Charly“, dem Elektro-Moped „Emmely“ sowie einem Mountainbike vor allem die kleinen 125er-MZ-Motorräder zu fertigen. Noch im Januar hatten die 23 Beschäftigten – derzeit alle auf Kurzarbeit null – auf baldigen Anlauf der Bänder gehofft.

      Gutachten zweifelt an Konzept

      Damals hieß es vom Freistaat, dass nur noch Bank-Unterlagen für eine Bürgschaft fehlten. Nun gab es das „Nein“ des Bankenkonsortiums auf Grundlage eines Experten-Gutachtens. Darin wurden die geplanten MZ-Absatzzahlen bezweifelt. Somit ist nun auch die Unterstützung des Landes für das sächsische Symbol-Unternehmen infrage gestellt. Wie gestern vom sächsischen Wirtschaftsministerium erklärt wurde, gebe es ohne Banken keine Fördermöglichkeit. Weitere Angaben gab es nicht, da die Gründe der Banken noch nicht bekannt seien.

      Auch Hans-Joachim Wunderlich, Hauptgeschäftsführer der IHK Chemnitz, bedauert, dass MZ möglicherweise nicht mehr in Sachsen produziert. „Ich bezweifle aber, dass die Finanzierung in einem anderen Bundesland leichter ist.“ Trotzdem signalisierte er Gesprächsbereitschaft.

      Frank Vogel, Landrat des Erzgebirgskreises, war ebenfalls schockiert, dass MZ eine Produktionsverlagerung plant. Doch den Wirtschaftsstandort sieht er nicht bedroht. Es sei eine Einzelentscheidung, die ein Produkt betreffe.

      Wimmer und Co wollen noch nicht ganz aufgeben. Zumindest der Elektro-Roller, das Elektro-Moped und das Fahrrad sollen im April in Sachsen anlaufen, sodass noch keine Kündigungen ausgesprochen würden. Die Eigner hoffen mit ihrem Rennsport-Engagement Investoren für den Straßenmotorradbau anzulocken. MZ-Fahrer Antony West hatte bei Tests in Spanien Bestzeiten erzielt. Die Internationale Teamvereinigung IRTA entscheidet morgen über eine WM-Teilnahme von MZ. West: „Ich glaube, dass ich mit Podestplätze holen kann.“

      Die Maschine wurde in Hohndorf auf Basis bestehender Modelle entwickelt. Zu 60 Prozent stecke darin MZ, sodass sie nur rund 6000 Euro kostete. Die Rennsportkosten beliefen sich insgesamt auf rund 200000 Euro, die von einem privaten Investor getragen werden. Um den Bereich von der Produktion abzugrenzen, soll eine spezielle MZ-Rennsport-Firma gegründet werden. Wie Martin Wimmer ankündigte, sollen Entwicklung und Fertigung der MZ-Rennmaschinen aber auf jeden Fall in Sachsen bleiben.

      Aus für Motorrad-Produktion in Hohndorf

      Aus für Motorrad-Produktion in Hohndorf
      Bankenkonsortium erteilt MZ Absage - Geschäftsführung will Umzug in anderes Bundesland prüfen.

      Hohndorf. Die seit langem geplante Wiederaufnahme der Produktion von 125er Motorrädern am Hohndorfer Standort der Motorenwerke Zschopau GmbH ist in weite Ferne gerückt, wenn nicht gar gescheitert. Geschäftsführer Martin Wimmer gab am Mittwoch den Rückzug des für die Anschubfinanzierung benötigten Bankenkonsortiums bekannt.

      "Wir sind darüber schon verwundert, zumal unser Geschäftsplan im August vergangenen Jahres von den lokalen Banken als innovativ und tragfähig bewertet wurde", zeigte sich Wimmer bei einer Pressekonferenz in Hohndorf enttäuscht. Damals hatte der Freistaat dem Unternehmen eine Landesbürgschaft in Aussicht gestellt und zugesichert, die Unterlagen zügig zu prüfen, sobald die dafür erforderliche Hausbank-Erklärung vorliegt. Die Kreditinstitute hätten zu jener Zeit den Eindruck erweckt, dass das Schriftstück nur noch Formsache sei. "Nach Vorlage aller Unterlagen im November bewegte nun ausgerechnet eine erst am 3. Februar von den Banken angeforderte und von Spezialisten aus der Automobilindustrie erstellte gutachterliche Stellungnahme zu unserem Geschäftsplan die Banken zum Rückzug", beklagte der Ex-Grand-Prix-Fahrer.

      Konsequenzen: Die MZ-Führungsriege will nun prüfen, die Motorrad-Produktionsstrecke in andere Bundesländer oder ins benachbarte Ausland zu verlagern - "dorthin, wo man noch Arbeitsplätze schaffen möchte", so Wimmer. Unabhängig davon soll der Elektroroller Charly aber weiter in Hohndorf gefertigt werden. 80 Stück seien derzeit für den Verkauf im April vorbereitet.

      Ebenso wollen die MZ-Inhaber ab nächstem Monat den mit einem Lithium-Ionen-Akku getriebenen Elektroroller Emmely EL1 am alten Produktionsstandort montieren sowie die Mountainbike-Fertigung dort in Angriff nehmen. Zunächst soll es keine weiteren Entlassungen geben. Zumindest solange die Regelung zur Kurzarbeit greift, bekundete der MZ-Geschäftsführer.

      Unabhängig von der Motorenwerke Zschopau GmbH läuft indes das MZ-Rennsportprogramm. Das dafür benötigte Budget über 225.000 Euro stellt MZ-Mitinhaber Peter Ertel bereit. Die Entwicklung der Moto2-Rennmaschine, an der fünf Arbeitsplätze geknüpft sind, werde ebenso in Hohndorf vorangetrieben, um die Marke in der Region wieder zu etablieren, bekräftigte Martin Wimmer.