Tina Turner - Ewig rockt die Oma

      Tina Turner - Ewig rockt die Oma

      Tina Turner
      Ewig rockt die Oma


      Comeback: Tina Turner (69). Nach acht Jahren Pause wieder auf Tour. Am 14. 1. in Köln, am 7. & 8.2. in Wien.


      Mit 18 Hits und Coverversionen von Stones & Beatles geht Tina Turner wieder auf Tour.

      Tourstart
      69 und kein bisschen leise! Nach 36 ausverkauften US-Konzerten (insgesamt 648.000 Besucher) und fast achtjähriger Live-Pause startet Rock-Oma Tina Turner am 14.1. in der Kölner Lanxess Arena ihre Europa-Tournee.

      Ausverkauft
      Trotz Ticketpreisen von bis zu 228 Euro sind alle vier (!) Konzerte seit Monaten ausverkauft. In Summe wird Turner somit in Köln vor 80.000 Fans auftreten. Auch in Wien, wo Turner am 7. und 8. Februar die Stadthalle füllen wird, sind längst alle der 22.000 Karten weg. Es gibt nur mehr wenige VIP-Tickets zum stolzen Preis von 385 Euro!

      Freundin Loren gab Anstoß
      Fast acht Jahre nach ihrem letzten Wien-Auftritt (1. August 2000) bricht Anna Mae Bullock (so Turner bürgerlich) wieder alle Rekorde. Mit einem Comeback, das niemand mehr für möglich hielt – am wenigstens sie selbst. „Ich hatte mit meiner Karriere längst abgeschlossen, doch dann neckte mich meine Freundin Sophia Loren, dass ich doch nicht in meiner Villa in Zürich versauern kann“, erklärt Turner die Beweggründe zum Bühnen-Revival, dem sie im November mit Tina! auch gleich eine Karriere-umspannende Best-of-CD draufsetzte.

      Who, Beatles, Stones
      Die 18 größten Hits – vom Opener Steamy Windows über The Best oder Nutbush City bis zum Finale Be Tender With Me Baby – setzt sie bei ihrer bombastischen Tina: 50th Anniversary-Tour auf jede Menge Kostümwechsel. Dazu gibt’s Coverversionen der größten Rockbands der Musik-Geschichte: Neben The Who (Won’t Get Fooled Again), für die sie ja im Film Tommy die Acid Queen mimte, hat Turner auch die Beatles (eine beeindruckende Akustik-Version von Help!) und die Rolling Stones (Jumpin’ Jack Flash) im Programm.

      Wieder "letzte" Tournee?
      Turner: „Das ist nun das definitiv letzte Mal, dass ich mich in eine enge Lederkluft schmeiße und den Leuten die geile Rock-Queen vorhüpfe.“ Das muss nicht für bare Münze genommen werden: Ähnliches ließ sie schon 1996 und 2000 verlautbaren ...
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      Tina Turner - Greatest Hits im Minirock

      Tina Turner
      Greatest Hits im Minirock


      Rock-Lady Tina Turner hat in Köln ihre Europa-Tour eröffnet. Trotz ihrer fast 70 Jahre trat Turner in ihren typischen Miniröcken auf und begeisterte ihr Publikum mit Hits wie „The Best“ oder „Typical Male.“

      Sie ist fast 70 Jahre alt – doch auf der Bühne der Kölnarena trug Tina Turner am Mittwochabend ultrakurze Kleider, die manche Altersgenossin wohl nicht einmal bei ihrer Enkelin dulden würde. Die Rock-Lady hat freilich nichts zu verbergen: Ihr Markenzeichen, die sportlichen Beine, sind nach wie vor überaus vorzeigbar. In einer aufwendigen Rock-Show präsentierte sie zum Start ihrer Europa-Tour große Hits wie „River Deep, Mountain High“ und „The Best“ mit gewohnt powervoller Stimme – und wirkte auch neben ihren vier jungen Tänzerinnen frisch wie eh und je.

      Als sich der rote Samtvorhang öffnete, gingen die Blicke der rund 14.000 Zuschauer in der Halle nach oben: Die 69-jährige Sängerin startete den Abend auf einer kleinen Plattform hoch über den Köpfen der Anwesenden, die langsam heruntergefahren wurde. Im glitzernden Oberteil mit knielangen Leggins und High Heels wirbelte sie danach über die Bühne und riss mit „Steamy Windows“ und „Typical Male“ die begeisterten Fans schon frühzeitig von den Sitzen.

      „Es ist großartig, euch zu sehen, es ist großartig, zurück in Köln zu sein“, begrüßte Turner nach dem ersten Abschnitt des Konzerts ihr Publikum. Sie hatte einst mehrere Jahre lang in der Rhein-Metropole gelebt. Die Show werde ihre Arbeit der Vergangenheit rekapitulieren, kündigte sie an: Ein reguläres neues Album der Sängerin gab es zuletzt 1999.

      Konzertabend ohne Lückenfüller

      In mehr als vier Jahrzehnten im Musikgeschäft hat Tina Turner rund 170 Millionen Platten verkauft und zahlreiche Hits geprägt – Lückenfüller waren bei dem rund zweistündigen Konzert demnach nicht zu befürchten. Besonderen Jubel lösten Klassiker wie „Private Dancer“, „What You Get Is What You See“ oder das bereits 1966 veröffentlichte „River Deep, Mountain High“ aus, bei denen die markante Stimme der Rockröhre bestens zur Geltung kam.

      Auch an schicken Bühnen-Outfits sparte die 69-Jährige nicht. Unter anderem trug sie ein ein fließendes rotes Kleid, das sie sich aber schon zum Top-Hit „What´s Love Got To Do With It“ wieder herunterriss: Zum Vorschein kam ein sündig-kurzes Paillettenkleid. Zu ihrem James-Bond-Titelsong „Goldeneye“ trug sie ein elegantes schwarzes Kleid, natürlich mit seitlichem Schlitz, während im Hintergrund ein als Agent 007 gestylter Tänzer in Aktion trat.

      Auch an vielen anderen Stellen wurde das musikalische Programm von einer opulenten Bühnenshow umrahmt, bei der fahrbare Plattformen, Stege und aufwendige Pyro-Effekte zum Einsatz kamen. Als der Star des Abends erstmals zum Umziehen verschwand, gab es gar einen inszenierten Zwischenfall: Ein von einem Tänzer dargestellter „Fan“ kletterte auf die Bühne und entkam zwei falschen Security-Männern immer wieder mit gekonnten Sprüngen und Salti.

      Zu „We Don´t Need Another Hero“ trug Turner ein aufwendiges Fantasie-Kostüm, das an ihre Rolle als Bandenchefin „Aunty Entity“ im Science-Fiction-Film „Mad Max Jenseits der Donnerkuppel“ erinnerte. Ihre Tänzer, ebenfalls in Fantasie-Outfits, bewegten sich dazu in und auf einem riesigen Käfig.

      Bilder aus einer jahrzehntelangen Karriere

      Nach einer halbstündigen Pause bekamen die Zuschauer ihren Star zum Song „I Don´t Wanna Fight“ zunächst nicht persönlich zu Gesicht. Stattdessen sahen sie auf einer großen Videoleinwand Bilder aus Turners jahrzehntelanger Karriere – Auftritte mit Größen wie den Rolling Stones, wechselnde Frisuren und Outfits, Schlagzeilen und Titelbilder.

      Dass die Sängerin danach für einige ruhige Songs im Sitzen weitermachte, tat der guten Stimmung keinen Abbruch. Für ihr furioses Finale mit „Addicted To Love“, „The Best“ und „Proud Mary“ sprang sie aber wieder auf und legte sich noch einmal richtig ins Zeug. Nach der heftig rockenden Zugabe „Nutbush City Limits“ verabschiedete sich Turner schließlich unter dem Jubel der Kölner Zuschauer mit „Be Tender With Me“.

      Allerdings nicht für lange: Am (heutigen) Donnerstag sowie am 18. und 19. Januar folgen wegen der großen Nachfrage weitere Konzerte in Köln. Danach tritt Turner – teils mehrfach – in Berlin, Hamburg, Hannover, Mannheim und München auf.

      69 und kein bisschen müde!

      69 und kein bisschen müde!
      Tina Turners heißer Tourneestart

      VON RAINER MORGENROTH

      Köln (RP). Vor acht Jahren hatte sie ihren Rücktritt erklärt, nun ist sie wieder auf Welt-Tournee und die Besucher der Arena in Köln erleben das Phänomen Tina Turner hautnah, hier feiert sie den Auftakt ihrer Deutschland-Stationen. Eine glamouröse Rückkehr aus dem Vorruhestand ist das, ein bombastisches Pop-Rock-Spektakel im XXL-Format.

      Für einen kurzen Augenblick erstarren die Besucher wie das Kaninchen vor der Schlange: Ängstlich blickende, weit aufgerissene Augenpaare verfolgen die furios tänzelnden Schritte der Sängerin. Tina Turner schwebt über den Köpfen ihrer Fans. Mit hochhackigen Schuhen gleitet sie über den schmalen, spiegelglatten Laufsteg, der sich von der Bühne empor gehoben hat und einem Lastkran ähnlich in der Luft steht.

      Ein falscher Schritt und ihre Comeback-Tour wäre frühzeitig beendet

      Eine atemberaubende Szenerie, Schwindel erregend ­ ein artistischer Höhepunkt von spektakulärer Eleganz. Rasch tippelt die 69-jährige Rock´n´Roll-Queen zu ihrer Ausguck-Plattform mit Halt bietendem Geländer zurück, ein falscher Schritt und ihre Comeback-Tour wäre frühzeitig beendet. Im Piraten-Look, mit schwarzen Leggins und weißer Bluse, singt sie ihren Hit „Nutbush City Limits” zu Ende, der Steg pendelt jetzt rasant von links nach rechts, dazu schüttelt Tina Turner ihre imposante Löwenmähne.

      Nach eigenen Angaben von Sophia Loren zu diesem Schritt überredet, spürt man an diesem Abend in Köln, welche enorme Genugtuung ihr Rampenlicht und Applaus bereiten. Die profane Aussage der Turner, „ich hatte einfach Lust dazu”, lässt sich ­ auch ohne Worte ­ von ihrem Gesicht ablesen: Tina Turner strahlt, funkelt, glitzert, jede Faser ihres Körpers wirkt euphorisiert, ein authentisches Energiebündel von scheinbar höherer Gewalt.

      „Zeitreise durch meine Karriere”

      Zu Beginn ihres gut zweistündigen Konzertes verspricht sie ihren Zuschauern eine „Zeitreise durch meine Karriere” und eröffnet ihre Show wild zappelnd mit „Steamy Windows”. Wie eine Getriebene rennt Tina Turner über die Bühne, umrahmt von vier Tänzerinnen und Band. Die Rock-Oma, die Ende dieses Jahres ihren siebzigsten Geburtstag feiern wird, erweckt dabei von Anfang an den Eindruck eines hyperaktiven Schulmädchens am letzten Tag vor den großen Ferien: Unermüdlich zappelnd, hin und her wuselnd, die zerzauste Lockenpracht schwingend ­ und dabei stets den Kontakt zu ihrem Publikum suchend.

      „What´s Love Got To Do With It” verwandelt sie in eine öffentliche Chorprobe, hält das Mirkofon in die Menge und lässt den Refrain von ihren Fans intonieren. Nicht, dass sie diesen Programmteil nötig hätte –­ ihre kräftige, sirenenhafte Stimme, dieses ergreifende Organ, beschallt die ganze Halle. Mal schrill, dann wieder sehnsüchtig, aber immer stark und klar, die Stimmbänder von Tina Turner kennen keine Abnutzungserscheinungen.

      Tina ist in einen Topf mit Zaubertrank gefallen

      Man gewinnt den Eindruck, die US-Amerikanische Sängerin sei in ihrer Kindheit, wie die Zeichentrickfigur Obelix, in einen Topf mit Zaubertrank gefallen. Keine Spur von Altersmüdigkeit, voller unzähmbarer Energie hüpft Turner über die Bühne, verbiegt ihre gelenkigen Gummiknochen elegant wie eine wilde Raubkatze.

      Als Reminiszenz an die schauspielerische Vergangenheit schlüpft sie dann in ihr „Mad-Max”-Kostüm, besteigt die „Donnerkuppel” und singt den Titelsong „We Don´t Need Another Hero”. Schneeweißes Haar, das Perlweiß-Lächeln von dickem rotem Lippenstift umrahmt, unter dem pompösen Gewand einen Hauch von Nichts tragend, trohnt sie über ihren Fans. Eine Lichtgestalt, eine Engel-ähnliche Erscheinung mit üppigem Dekolltè und endlos langen Beinen. Die Tänzerinnen neben ihr könnten ihre Enkelinnen sein, am Körperbau erkennt man das nicht.

      Animalische Raserei

      Mit „Goldeneye” folgt der nächste cineastische Höhepunkt ihrer bewegten Laufbahn. Ganz in Schwarz, mit Diamanten behängt, entsteigt Tina Turner dem berühmten Einschussloch aus dem James-Bond-Vorspann. In diesem Film ist sie zwar nicht aufgetreten, mit den Bond-Girls könnte sie aber immer noch konkurrieren.

      Bei „Addicted To Love” klatschen ihre Fans wieder rhythmisch im Takt zur Musik. Der Saal ist komplett bestuhlt, trotzdem sitzt niemand mehr. Die schier übermenschliche Power der Sängerin, diese animalische Raserei, steckt an –­ die Meisten singen enthusiastisch mit.

      Bei einer genaueren Untersuchung des Phänomens Tina Turner fällt auf, dass sie während ihrer Gesangs-Darbietung, immer beim Refrain, die Augen schließt, wie Liebende die sich innig Küssen. Es ist diese kompromisslose Leidenschaft zur Musik, die völlig Hingabe zu ihrem Beruf als Sängerin, die Tina Turner auch im hohen Alter so lebendig macht.
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