Interessantes zu Formel 1 im Jahr 2009
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Briatore gibt auf
Der Italiener und der britische Chefingenieur Pat Symonds gehören nicht mehr zum Formel-1-Team von Renault. Beide gelten als Drahtzieher des Unfall-Skandals beim WM-Rennen in Singapur vor einem Jahr.
Düsseldorf. Wo Flavio Briatore (58) auftritt, steht er im Mittelpunkt. Der Italiener ist ein Machtmensch. Er sucht den Erfolg, ackert hart dafür, fordert auch von seinen Angestellten viel. "Die Ferien sind vorbei. Wenn ich 15 Stunden arbeite, könnt ihr das auch", sagte der Italiener, nachdem er 2001 als Chef das aus dem Benetton-Rennstall entstandene Formel-1-Team von Renault übernommen hatte. Seit gestern aber spielt Briatore, einer der einflussreichsten Funktionäre, keine Rolle mehr in der Königsklasse.
Briatore und Chefingenieur Pat Symonds haben das Team verlassen, teilte Renault mit. Weiter hieß es in der kurzen Mitteilung: "Wir werden die aktuellen Anschuldigungen der Fia bezüglich des Singapur-Grand-Prix 2008 nicht bestreiten und bis zur geplanten Anhörung am nächsten Montag keine weiteren Kommentare abgeben."
Briatore, stets braungebrannt und mit Klunkern behängt, pflegte das Image des Playboys, sorgte für Glamour und Geschichten in der Formel 1 jenseits des sportlichen Bereichs. Der Besitzer der exklusiven Diskothek "Billionaires Club" auf Sardinien und eines Landsitzes in Kenia betreibt eine eigene Modemarke (Billionaire Couture). Er zeigte er sich gerne mit attraktiven Frauen, oft Models wie Naomi Campbell und Heidi Klum (die Vaterschaft von Klums erstem Kind Leni streitet er ab) bis Juni 2008. Da heiratete Briatore, dem 2006 ein bösartiger Tumor an der linken Niere entfernt worden war, die 30 Jahre jüngeren Elisabetta Gregoraci,
Vertragsgespräche erwartet
Gestolpert sind Briatore und der Brite Pat Symonds, die beide schon bei Benetton gemeinsame Sache gemacht hatten und mit Michael Schumacher zwei WM-Titel gewannen, über einen unfassbaren Betrug. Der stellt die Skandale und Skandälchen, die schon immer Briatores Wegbegleiter waren, in den Schatten. Wenige Stunden vor dem Singapur-Grand-Prix 2008 hatten die beiden Top-Angestellten um seine Vertragsverlängerung bangenden Nelson Piquet jr. zu sich gebeten. Symonds hat, so der Brasilianer, ihn dann gefragt, ob er bereit wäre, einen Unfall zu bauen zum Vorteil des Teams. Der damals 23-Jährige, der erwartet hatte, man werde über eine weitere Zusammenarbeit sprechen, willigte ein und wurde später von Symonds genau instruiert, wo und wann der Unfall passieren sollte. Teamkollege Fernando Alonso profitierte von der Safety-Car-Phase. Der Spanier, dessen Privat-Manager Briatore (!) auch Piquet betreute, hatte als einziger der 20 Piloten früh getankt und sorgte im 15. Rennen für den ersten Saisonsieg der Franzosen.
Als Piquet Anfang August wegen schwach gebliebener Leistungen entlassen wurde, hatte er bereits am 30. Juli am Sitz des Weltverbandes (Fia) in Paris den Vorfall publik gemacht und am 25. August in einer zweiten schriftlichen Stellungnahme noch einmal bekräftigt. Als die Vorwürfe öffentlich geworden waren, war Renault in die Offensive gegangen. Vater und Sohn Piquet wurden wegen Erpressung und falscher Behauptungen verklagt.
"Wir prüfen den Sachverhalt, um genau herauszufinden, was passiert ist. Das Einzige, was ich möchte, ist, dass wir nicht zu überstürzt reagieren", hatte die Sportzeitung "L'Equipe" gestern noch Renault-Chef Carlos Goshn zitiert. Wenig später kam die Meldung von der Trennung. Ob entlassen oder zurückgetreten, das spielt keine Rolle. Zwei erfolgreiche Karrieren endeten unrühmlich und abrupt.
Quelle: Rheinische Post -
Flavio Briatores nicht ganz freiwilliger Rücktritt
Formel-1-Teamchef Flavio Briatore tritt zurück. Nicht ganz freiwillig. Er soll an einem fingierten Unfall beteiligt gewesen sein. Unrechtsbewusstsein scheint abhanden gekommen zu sein.
Die Formel 1 hat ihr Gesicht verloren. Flavio Briatore ist nach über 20 Jahren in der Rennserie als Teamchef von Renault zurückgetreten. Nicht ganz freiwillig. Der Pate des Glamours, nach Chefpromoter Bernie Ecclestone einer der mächtigsten Männer im Vollgaszirkel, hat einen Crash zu viel gebaut.
Briatores Arbeitgeber zog die Konsequenzen aus einem einmaligen Vorfall. Allem Anschein nach unterbreitete der Lebemann hinter den blau getönten Brillengläsern seinem Fahrer ein so unmoralisches wie menschenverachtendes Angebot. Er soll ihm über einen Mittelsmann vorgeschlagen haben, absichtlich einen Unfall zu bauen, damit der Teamkollege vom fingierten Manöver profitiert. Die unsittliche Verschwörung vor einem Jahr führte zum Ziel: Nachdem der eine Pilot gegen die Wand gefahren war, raste der andere dem Sieg entgegen.
Als Flavio Briatore in der Formel 1 auftauchte, kannte ihn kaum jemand. An der Seite Michael Schumachers und Heidi Klums wurde der Italiener reicher und berühmter als die meisten seiner Kollegen, weil er Geschäft und Glanz miteinander verband. Böse Gerüchte konnten ihm zuvor nie schaden. In der Branche war bekannt, dass mit Hingabe getrickst wurde und nur derjenige der Dumme war, der sich erwischen ließ.
Im Fahrerlager rühmten sie sich, im Gegensatz zu anderen Sportarten nichts mit dem niederträchtigen Thema Doping zu tun haben. Der fingierte Rennunfall zeigt, dass einem Motorsportler wie jedem Epo-Betrüger das Unrechtsbewusstsein abhandenkommen kann.
Wer wie Flavio Briatore, der ehemalige Skilehrer und Pulloverfabrikant mit zwielichtiger Vergangenheit, zudem mit Millionen-Etats jongliert, schreckt selbst nicht davor zurück, ein bisschen Gott zu spielen. -
Ein inszenierter Unfall, ein dubioser Sieg und ein geschasster Playboy: Der Skandal um den vorsätzlichen Crash von Ex-Renault-Pilot Nelson Piquet hat das Image der Formel 1 schwer beschädigt. Daran ändert auch der Rauswurf von Teamchef Briatore nichts. Ein Kommentar von Mike Glindmeier.
Wie weit gehen Sportler, um zu siegen? Sie können ihr eigenes Blut auffrischen, sich leistungssteigernde Substanzen verabreichen oder Schiedsrichter und Gegner bestechen. Das alles kennt man vom Leistungssport und - so traurig es auch klingt - man hat sich an solche Enttäuschungen gewöhnt.
Der jüngste Skandal in der Formel 1 aber erreicht neue, noch verachtenswertere Dimensionen.
Renault-Teamchef Flavio Briatore soll seinen mittlerweile entlassenen Fahrer Nelson Piquet junior in der Saison 2008 beim Großen Preis von Singapur dazu gezwungen haben, einen Unfall zu verursachen. Das taktische Manöver sollte seinem Teamkollegen Fernando Alonso den Sieg ermöglichen. "Wir werden die aktuellen Anschuldigungen der Fia bezüglich des Singapur-Grand-Prix nicht bestreiten", erklärte Renault dazu am Mittwoch.
Damals gewann Alonso tatsächlich, doch ein Jahr später steht fest: Es gibt nur noch Verlierer. Dazu gehören ...
... Flavio Briatore: Der Entdecker von späteren Weltmeistern wie Michael Schumacher oder Alonso ist nicht nur seinen Job beim französischen Autobauer los, er wird angesichts des Geständnisses seines Ex-Teams als einer der skrupellosesten Sportfunktionäre in die Geschichte eingehen. "Fucking hell, was für eine Scheiß-Blamage, fucking, er ist kein Rennfahrer", hatte Briatore damals per Boxenfunk noch über Piquet geschimpft - eine fast perfekte Inszenierung, die auch im Fahrerlager zunächst noch funktionierte. "Es wäre sehr dumm, so etwas zu machen. Man kann doch nicht abschätzen, wie schwer der Unfall wird", hatte Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel in der vergangenen Woche gesagt, als die Gerüchte um den fingierten Crash erneut aufkamen. BMW-Fahrer Nick Heidfeld äußerte Verwunderung: "Das ganze Leben trainierst du als Rennfahrer, nicht in die Mauer zu fahren - und dann so etwas?" Womit man schon beim nächsten Verlierer wäre.
... Nelson Piquet junior: Sicher, F1-Piloten sind Profis, es geht um eine Menge Geld und eine schillernde Karriere in der Königsklasse des Rennsports - aber setzt man dafür vorsätzlich seine Gesundheit aufs Spiel? Piquet hätte nein sagen können, er hätte nein sagen müssen. Am Ende ist der Sohn des ehemaligen Formel-1-Weltmeisters Nelson Piquet senior sowieso da gelandet, wo er damals im schlimmsten Falle hätten landen können: auf der Straße. Mit dem Unterschied, dass er zum Paradebeispiel des Fairplay-Sportlers hätte avancieren können - und jetzt da steht wie eine karrierefixierte Marionette.
... Fernando Alonso: Der Spanier genießt ohnehin nicht den besten Ruf bei Kollegen und den Fans. Dieser Skandal dürfte seine Sympathiewerte weiter sinken lassen - auch wenn er von dem durch seinen Ziehvater inszenierten Crash nichts gewusst haben soll. Genützt hat es ihm im Titelrennen am Ende der Saison ohnehin nichts: Lewis Hamilton wurde im Mercedes Weltmeister.
... die Fia: Der Verlauf des Unfalls von Singapur hätte den Weltverband bereits viel eher stutzig machen müssen. Zumal es entsprechende Andeutungen aus der F1-Szene gab. Piquet bezeichnete die Telemetriedaten aus dem besagten Rennen in einem Schreiben an die Fia Anfang August als eindeutig. "Ich habe nun einen Teil der Telemetrie gesehen und erachte dies als klare Untermauerung meiner Aussage, dass ich in Kurve 17 der Runde den Unfall verursacht habe", so Piquet. "Nachdem ich mich versichert hatte, dass ich mich in der benannten Runde des Rennens befinde, verlor ich am Ausgang von Kurve 17 absichtlich die Kontrolle über mein Auto. Ich tat dies, indem ich hart und früh auf das Gaspedal drückte." Das hätte auch den Rennkommissaren auffallen müssen. Ein schwaches Bild der Expertenkommission.
... die Formel 1. Der Ausstieg von BMW, Max Mosleys Sexskandal, wochenlange Streitigkeiten über die Zukunft der beliebtesten Rennsportserie der Welt, der sportliche Einbruch von Top-Teams wie Mercedes oder Ferrari: Die Formel 1 hat zuletzt genug Negativschlagzeilen produziert. Bis heute galt die Lügenaffäre um Hamilton am Anfang der Saison als Tiefpunkt, mit dem Fall Piquet junior setzt sich der Absturz fort. Der Imageverlust der Formel 1 scheint unaufhaltsam weiterzugehen.
Daher wäre es umso wichtiger, dass die Fia-Verantwortlichen jetzt ein deutliches Zeichen setzen und Renault mit dem sofortigen Ausschluss bestrafen. Am kommenden Montag müssen die Renault-Verantwortlichen zu einer der Anhörung beim Motorsport-Weltrat antreten. Durch die Trennung von Briatore könnten sie Schlimmeres verhindert haben. Sowohl die italienische "Gazzetta" als auch die spanische Zeitung "As" spekulierten aber bereits, dass das Team ohne Briatore straffrei aus der Affäre herauskommen könnte.
Laut "As" soll der Renault-Konzern der Fia sogar von sich aus angeboten haben, Briatore abzulösen. Das Formel-1-Team erklärte, sich bis zu der Anhörung zu diesem Thema nicht mehr äußern zu wollen. Auch von Briatore gab es am Mittwoch keine Stellungnahme. Als mögliche neue Teamchefs werden nun bereits Alain Prost und Frederic Vasseur gehandelt. -
Parfüm der Schmuddelkinder
Formel 1: Affäre bei Renault16.09.2009, 17:27
Von René Hofmann
Manager Flavio Briatore muss gehen: Die Renault-Teamführung hat Piquet junior offenbar zu einem Unfall angestiftet - und der Formel 1 einen neuen Skandal beschert.
Was hat es in der Formel 1 nicht schon alles für Betrugsfälle gegeben: Geheime Zusatztanks, versteckte Fahrhilfen, flexible Flügel, Industrie-Spionage. Als größter Verstoß gegen das Fairplay galt bislang Michael Schumachers Versuch, im letzten Grand Prix 1997 in Jerez seinen Titelrivalen Jacques Villeneuve aus dem Rennen zu rammen. Die Nummer ging schief. Der Kanadier fuhr zum Titel, Schumacher wurden alle Punkte gestrichen. Die Aktion war bitterböse, aber sie war zumindest aus dem Augenblick heraus erklärbar: Der ehrgeizige Deutsche wollte einfach nicht wahrhaben, dass einer schneller sein könnte. Wie ein jähzorniger Fußballer ließ er sich zu einem ungestümen Foul hinreißen.
Der Blick zurück hilft, die Dimension zu überblicken, welche der aktuelle Formel-1-Skandal um Nelson Piquet junior hat. Der Sohn des dreimaligen Weltmeisters Nelson Piquet hatte nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr in Singapur seinen Renault in eine Mauer gelenkt, um seinem Teamkollegen Fernando Alonso zu einer guten Platzierung zu verhelfen. Das Foul war geplant, es wurde kühl kalkuliert an einer besonders abgelegen Stelle der Strecke ausgeführt und brachte nicht nur den Protagonisten in Gefahr, sondern auch seine nachfolgenden Kollegen und die Streckenposten. Ein gröberer Verstoß gegen die Grundsätze eines fairen sportlichen Wettbewerbs und so gut wie jeder Richtlinie der motorsportlichen Straßenverkehrsordnung lässt sich kaum vorstellen.
Ausgeführt haben soll Piquet das Foul auf Wunsch der Renault-Teamführung, wobei die ihn - wenn die durchgesickerten schriftlichen Aussagen stimmen - dazu gar nicht dezidiert auffordern musste. Teamchef Flavio Briatore und Technikchef Pat Symonds sollen wie Mafia-Paten lediglich in Andeutungen gesprochen haben: "Könntest du dir vorstellen, dein Rennen zu opfern?" Das reichte offenbar bereits.
Die Enthüllungen sind ein weiterer Beleg dafür, wie skrupellos es in dem Geschäft bisweilen zugeht. Gut werden sie der Formel 1 nicht tun. In den Abgrund werden sie die Serie aber auch nicht reißen. Das hat bislang noch kein Skandal vermocht. Das Fluidum der Schmuddelkinder - in der Formel 1 wirkt es offenbar wie Parfüm. -
Lewis Hamilton im Interview mit der FAZ
„Ich treibe mein Team härter an als jeder andere Fahrer“
15. September 2009
Lewis Hamilton hat die Liebe zur Formel 1 auch nach den jüngsten Skandalen nicht verloren. Der Weltmeister im FAZ.NET- Gespräch mit Michael Wittershagen.
FAZ.NET: Erster Sieg im achten Saison-Rennen. Haben Sie im Frühjahr, als Sie am Ende des Feldes fuhren, daran geglaubt?
Hamilton: Wir hatten alle unsere Zweifel und konnten gar nicht fassen, in was für einer Situation wir uns da befunden haben. Aber wir wussten auch, dass, wenn es einer schaffen würde, es nur wir sein würden. Es war ein unglaubliches Gefühl, am Nürburgring wieder in einem konkurrenzfähigen Auto zu sitzen. Wir brauchten Zeit, um zu verstehen, was schief gelaufen ist. Das Team hat viel daraus gelernt, und ich bin mir sicher, dass wir in der Entwicklung des Autos für die kommende Saison enorm davon profitieren werden.
FAZ.NET: Wie groß ist Ihr Anteil am Aufschwung?
Hamilton: Ich treibe mein Team härter an als jeder andere Fahrer. Ich stelle permanent Fragen, gehe in die Fabrik. Ich will wissen, was los ist, und versuche die Motivation bei den Leuten hoch zu halten. Aber am Ende muss ich rausgehen auf die Strecke und meinen Job erledigen. Zu 98 Prozent gelingt mir das, am Wochenende in Monza nicht. Niemand ist perfekt.
FAZ.NET: Sie sind mit Tempo 250 in die Leitplanke gekracht, weil Sie den Zweitplazierten Jenson Button unbedingt noch überholen wollten. Waren Sie übermotiviert?
Hamilton: Ich habe mich noch nie übermotiviert gefühlt. Ich habe gewusst, dass ich ihn noch bekommen könnte. Nun muss man sagen, ich hätte mit Platz drei zufrieden sein sollen. Aber das war ich nicht.
FAZ.NET: McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh wollte Ihnen raten, das Auto ins Ziel zu bringen. Was darf ein Rennfahrer allein entscheiden?
Hamilton: Ich treffe alle Entscheidungen im Rennen selbst. Ich bin es, der das Auto unter Kontrolle hat.
FAZ.NET: Ist es schwer, immer die richtige Entscheidung zu treffen?
Hamilton: Natürlich. Du hast so viele Möglichkeiten, und manchmal entscheidet man sich für die falsche.
FAZ.NET: Was haben Sie gelernt aus der Lügenaffäre von Melbourne in diesem Jahr, als Teammanager David Ryan Ihnen befahl, die Unwahrheit zu sagen?
Hamilton: Es ist ganz sicher eine Erfahrung, die ich nie vergessen werde. Inzwischen kann ich sagen, dass sie zu meiner Charakterschulung beigetragen hat. Ich glaube, dass ich vernünftig mit der Situation umgegangen bin und die richtigen Schritte unternommen habe, um die Situation zu korrigieren.
FAZ.NET: Macht es Sie traurig, nur noch vier Rennen Weltmeister zu sein?
Hamilton: Traurig? Nein. Ich glaube, dass ich Weltmeister bin bis zum 1. Januar 2010. So sehe ich das. Außerdem werde ich ewig in den Geschichtsbüchern auftauchen, darauf bin ich sehr stolz.
FAZ.NET: Was halten sie vom Mercedes-Motor?
Hamilton: Er ist bei weitem der Beste. Deshalb will ihn ja auch jeder haben.
FAZ.NET: Dann ist es doch keine gute Idee, dass auch Brawn GP mit Mercedes-Motoren fährt und Red Bull in der kommenden Saison die Motoren haben will, oder?
Hamilton: Für einen Fahrer ist dies nicht die beste Situation. Da möchtest du Exklusivität haben. Aber wenn man die Wirtschaft betrachtet, dann ist es gut für Mercedes-Benz, auch andere Teams mit dem Motor zu beliefern. Aber natürlich ist es hart, einen Mercedes-Motor zu überholen.
FAZ.NET: Können Sie sich vorstellen, dass ein Fahrer absichtlich in eine Mauer fährt, wie es Nelson Piquet getan haben soll?
Hamilton: Was soll ich sagen? Ich habe davon noch nie zuvor gehört, und ich habe es auch nicht gesehen. Ich kann es mir ehrlich gesagt nicht vorstellen.
FAZ.NET: Beim besagten Rennen in Singapur ist Fernando Alonso von der 15. Position aus ins Rennen gegangen, aber schon in der zwölften Runde zum Boxenstopp gekommen. Würden Sie das auch so machen?
Hamilton: Vor dem Rennen schaust du dir immer an, ob es eine Safety-Car-Phase geben könnte. Danach richtet man seine Strategie aus. Manchmal hast du dann Glück, manchmal nicht.
FAZ.NET: Es gab einige Skandale in den vergangenen Jahren - ist dies noch immer die Formel 1, in die Sie sich als Kind verliebt haben?
Hamilton: Es ist noch immer die Formel 1. Da sind die Autos, die Piloten, die Teams. Natürlich wächst das ganze Drumherum, das Geschäft wird immer größer. Aber ich laufe in die Garage und sehe meine Rennwagen. Genau das ist es, was ich so liebe.
FAZ.NET: Der Rummel wurde Ihnen in England zu groß. Warum sind Sie ausgerechnet nach Genf in die Schweiz gezogen?
Hamilton: Ich kann dort ein ganz normales Leben leben. Natürlich erkennen mich manche Leute, aber sie lassen mich in Ruhe. Das ist das Wichtigste überhaupt für mich. Ich liebe meine Fans, aber wenn ich nicht an der Strecke bin, will ich die ganz normalen Sachen unternehmen. In der Schweiz kann ich allein in den Supermarkt gehen, und trage danach die Tüten wieder in mein Apartment, ohne dass mich ständig Kameras verfolgen. Es ist so ein friedlicher Ort.
FAZ.NET: Was, wenn Sie einen Wunsch frei hätten?
Hamilton: Nichts im Leben kommt einfach so. Man muss für alles richtig hart arbeiten. Aber natürlich will ich wieder Weltmeister werden und besser sein als jemals zuvor. -
Renault ohne Briatore und Symonds: Keine Anfechtung
Flavio Briatore und Pat Symonds haben Renault verlassen. Das Team fechtet die Anschludigungen der FIA wegen der Crashgate-Affäre nicht an.
In einer kurzen Pressemitteilung zog Renault am Mittwochmittag einen Schlussstrich unter die Crashgate-Affäre von Singapur 2008: "Das Renault Team wird die kürzlich gemachten Anschuldigungen durch die FIA wegen des Singapur GP 2008 nicht anfechten", heißt es in der Pressemitteilung.
Gleichzeitig teilte das Team mit, dass Geschäftsführer und Teamchef Flavio Briatore sowie Ingenieursdirektor Pat Symonds das Team verlassen haben. Vor der Anhörung vor dem FIA-Weltrat am kommenden Montag, den 21. September werde das Team keinen weiteren Kommentar abgeben. -
Lauda: Der größte Schaden überhaupt: Hart durchgreifen
Niki Lauda kann Flavio Briatores Aussagen nicht verstehen und fordert harte Strafen für Renault.
Der Tag danach: Flavio Briatore und Pat Symonds mussten Renault verlassen, die Formel-1-Welt ist in hellem Aufruhr. Das einzige Lebenszeichen von Briatore ist ein weiteres Schuldeingeständnis im britischen Mirror: "Ich versuche damit, das Team zu retten. Das ist meine Pflicht. Deshalb habe ich aufgehört."
Die Kritik am Ex-Teamboss der Franzosen wird dadurch nicht geringer. "Es gibt nur einen Zwischenfall der diesem nahe kommt", sagte Niki Lauda der Daily Mail und meinte Michael Schumachers Parkmanöver in der Rascasse. "Aber selbst das ist nicht wirklich vergleichbar. Ja, der McLaren Spionageskandal war extrem ernst, aber Mechaniker haben schon immer technische Daten untereinander besprochen. Das hier ist jedoch neu. Es ist der größte Schaden, der je angerichtet wurde. Die FIA muss Renault hart bestrafen, um die Glaubwürdigkeit des Sports aufrecht zu erhalten."
Besonders verärgert ist Lauda, weil Briatore in Monza noch alles abstritt und den Piquets die Schuld gab. "Er hat sogar über Piquets Privatleben gesprochen, es war unglaublich." Entsprechend möchte sich Piquet Senior auch gegen die Aussagen von Briatore zur Wehr setzen. "Ich habe das Geld, um die besten Anwälte zu nehmen", kündigte er gegenüber Auto, Motor und Sport an. "Nach einer gewissen Zeit glauben Leute wie Flavio, dass sie über Wasser laufen können."
Auch von der FIA könnte Briatore und Symonds bei der Weltratssitzung am Montag Ungemach drohen. Trotz ihres Rücktritts könnten sie auf Lebenszeit gesperrt werden. Zudem könnte sie ihr Arbeitgeber Renault wegen Rufschädigung auf Schadensersatz verklagen. -
Die Crashgate-Affäre
Donnerstag, 17.09.2009
Bauernopfer Briatore im Renault-Skandal
In einem der größten Skandale in der Geschichte der Formel 1 zog Renault die Reißleine und feuerte Flavio Briatore und Pat Symonds. Dadurch will der Autohersteller die FIA vor der Anhörung am Montag milde stimmen.
Die Pressemitteilung von Renault am Mittwoch klang nüchtern: "Wir werden die aktuellen Anschuldigungen der FIA bezüglich des Singapur-Grand-Prix nicht bestreiten. Wir möchten ebenso bekannt geben, dass Teamchef Flavio Briatore und Chefingenieur Pat Symonds das Team verlassen haben."
Oder anders ausgedrückt: Wir geben zu, dass Nelson Piquet Jr auf Anweisung der Teamleitung beim Singapur-GP in der vergangenen Saison absichtlich in die Mauer gerast ist, um Fernando Alonso den Sieg zu ermöglichen. Zudem haben wir Briatore und Symonds gefeuert, um die FIA bei der Verhandlung am kommenden Montag milde zu stimmen.
Der laut SKY-Experte Jaques Schulz "größte Skandal in der Neuzeit der Formel-1-Geschichte" war perfekt!
Sogar Ecclestone überrascht
Das Schuldbekenntnis des Rennstalls kam aus heiterem Himmel. Nicht einmal Formel-1-Boss Bernie Ecclestone hatte mit diesem Paukenschlag gerechnet. "Ich bin sehr überrascht von den Vorgängen und auch davon, dass sie am Mittwoch entschieden haben, davonzulaufen", erklärte Big Bernie gegenüber "PA Sport".
In der Tat muss man sich die Frage stellen, warum Renault fünf Tage vor der Verhandlung der Crashgate-Affäre vor dem World Council die Grundfesten der Motorsport-Welt erschüttert. Warum hatte der Rennstall noch vor wenigen Tagen eine Klage wegen "falscher Behauptungen und versuchter Erpressung" gegen die Piquet-Familie eingeleitet?
Briatore und Symonds als Bauernopfer
Die Franzosen hatten wohl eingesehen, dass sich die Schlinge um ihren Hals schon zu weit zugezogen hatte und nur noch in der Flucht nach vorn einen Ausweg aus der Misere gesehen. "Die FIA scheint glasklare Beweise zu haben, wonach die Vorwürfe der Wahrheit entsprechen", mutmaßte der ehemalige Teamchef Eddie Jordan bei der "BBC".
Das Gespann Briatore/Symonds also ein Bauernopfer in Renaults größter Schlacht. Mit dem Rauswurf der beiden prominentesten Gesichter wollen die Franzosen den Rest des Teams aus der Schusslinie nehmen.
"Verhandlungen positiv beeinflussen"
"Renault hofft, durch den Rauswurf von Briatore und Symonds die Verhandlungen am Montag positiv beeinflussen zu können", sagte Schulz zu SPOX: "Es soll helfen, einem totalen WM-Ausschluss entgegenzuwirken."
Genauso verkauft es Briatore selbst in einem ersten Statement gegenüber dem "Mirror": "Ich habe nur versucht, das Team zu retten. Es ist meine Pflicht. Das ist der Grund, weshalb ich aufgehört habe."
Lauda: "FIA muss Renault hart bestrafen"
Ob es dazu kommen wird, ist ungewiss. Der FIA wird einerseits wenig daran liegen, das französische Werksteam aus der Königsklasse des Motorsports zu verbannen. Nach der Rettung von BMW-Sauber und dem Wiedereinstieg von Lotus war man froh, die Planungen für die kommende Saison endlich abgeschlossen zu haben.
Andererseits muss die FIA hart durchgreifen, um den Schaden für das Ansehen der Formel 1 halbwegs in Grenzen zu halten. "Das ist der größte Schaden, der der Formel 1 jemals zugefügt wurde. Die FIA muss Renault hart bestrafen, um die Glaubwürdigkeit des Sports zu wahren", sagte Niki Lauda der "Daily Mail".
"Formel Farce" dank Skandalen
Der Kampf der Teamvereinigung FOTA gegen Max Mosley und Co. ist noch in schlechter Erinnerung. Schon dort konnte der Weltverband das Ende der uns bekannten Formel 1 nur durch Zugeständnisse gegenüber den Teams abwenden.
Doch das sind nur Spekulationen in einer Zeit, in der die Formel 1 immer mehr an Glaubwürdigkeit verliert. Zu viele Skandale abseits der Rennstrecke in kurzer Zeit lassen den sportlichen Aspekt immer mehr in den Hintergrund rücken, die "Formel Farce" ist ein geflügeltes Wort.
Flavio, der Lügner
Und mittendrin im Geschehen: Flavio Briatore. Der Exzentriker, der Playboy - der Lügner. Mit einer Verleumdungsklage wegen "unerhörter Lügen" wollte er Piquet Jr und seinen Vater in der Crashgate-Affäre ruhig stellen.
Flavio selbst war allerdings alles andere als still. Erst hatte er seinen ehemaligen Piloten als "verzogenen Jungen mit labilem Charakter" bezeichnet. Und dann noch eine Schippe des schlechten Geschmacks drauf gelegt und Piquet Homosexualität unterstellt.
Höhepunkt einer verbalen Schlammschlacht
Es war der Höhepunkt einer verbalen Schlammschlacht, die Piquet nach seinem Rauswurf begonnen hatte. Briatore habe keine Ahnung von der Formel 1, hatte der 23-Jährige gestichelt. Was dem Brasilianer zunächst als Frustreaktion ausgelegt wurde, erscheint nun in einem ganz anderen Licht.
Piquet soll schon immer ein ausgesprochen schlechtes Verhältnis zu seinem ehemaligen Teamchef und gleichzeitig auch Manager gehabt haben. Wie groß der Druck seitens Briatore auf dem jungen Rennfahrer gelastet haben muss, wird erst nach dem Renault-Geständnis deutlich.
War Piquet noch bei Verstand?
Von der menschlichen Seite aus betrachtet: Wer würde auf Anweisung seines Chefs das Risiko eingehen, großen körperlichen Schaden bereitwillig in Kauf zu nehmen?
"Um in der Formel 1 eine Safety-Car-Phase herbeizuführen, muss man schon ordentlich in die Mauer krachen. Es ist unvorstellbar, dass jemand so etwas freiwillig tut", erklärt Schulz.
Dabei ging es ja nicht einmal um die eigene Chance auf den Sieg, sondern um die seines Kollegen Alonso. Für den gesunden Menschenverstand ist diese Aktion kaum begreiflich.
Größenwahn bei Briatore?
Ebenso muss man sich fragen, warum Briatore in den vergangenen Tagen nicht einfach seinen Mund halten konnte. War ihm etwa nicht bewusst, dass Piquet den Skandal an die Öffentlichkeit bringen könnte? Schwer zu glauben, schließlich ist der Italiener aufgrund seiner jahrelangen Erfahrung mit allen Wassern gewaschen.
Eine mögliche Erklärung für sein lächerliches Verhalten hat Piquet Senior parat: "Ab einem gewissen Punkt bekommen Leute wie Flavio soviel Macht, dass sie glauben, sie könnten über Wasser gehen. Er ist tatsächlich davon ausgegangen, dass ihm trotz der eindeutigen Beweislage niemand etwas anhaben kann."
Formel 1 der große Verlierer
Es ist müßig, schon jetzt über einen Nachfolger von Briatore bei Renault zu spekulieren. Die FIA-Anhörung am kommenden Montag wird weitere Klarheit in einem der peinlichsten Skandale der Formel-1-Geschichte bringen.
Nur etwas ist bereits jetzt sicher: Der größte Verlierer der Crashgate-Affäre ist die Formel 1 selbst. -
Singapur-Skandal: Jetzt wird es schmutzig
Freitag, 11.09.2009Renault verklagt Piquet-Clan
Der Renault-Skandal um die Manipulation des Singapur-GP 2008 schlägt hohe Wellen. Während Teamchef Flavio Briatore die Piquet-Familie wegen Erpressung durch "unerhörte Lügen" verklagt, wundern sich Kollegen über den absichtlichen Unfall.
Jetzt wird es richtig schmutzig. Einen Tag, nachdem die schweren Anschuldigungen von Nelson Piquet Jr. gegen die Renault-Teambosse Flavio Briatore und Pat Symonds öffentlich wurden, schlägt der Rennstall zurück.
In einem offiziellen Statement erklärte Renault am Freitag, in Frankreich und Großbritannien rechtliche Schritte gegen Nelson Piquet Jr. und seinen Vater einzuleiten. Der Vorwurf: Erpressung durch "unerhörte Lügen".
Manipulation indirekt zugegeben
Briatore selbst hat sich erst am Freitagabend persönlich zu den Vorwürfen, er und Chefingenieur Symonds haben Piquet Jr. beim Singapur-GP 2008 aufgefordert, absichtlich einen Unfall zu provozieren, geäußert. "Ich bin zuversichtlich, dass die Wahrheit ans Licht kommen wird", sagte er in Monza. "Ich habe nicht das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben."
In einem Statement hatten er und Symonds zuvor behauptet, die Idee des absichtlichen Unfalls sei von Piquet Jr. und nicht von ihnen gekommen. Pikanter Weise haben sie damit indirekt zugegeben, dass der Unfall Absicht war und sie davon gewusst haben. Selbst wenn sie den Auftrag nicht gegeben haben, hätten sie den Vorfall wenigstens melden müssen.
Ungeachtet dessen hatte Briatore laut "Autosport" bereits zwei Tage, nachdem Piquet Jr. der FIA Beweise für den manipulierten Unfall vorgelegt hatte, dessen Vater schriftlich eine klage angedroht, sollte der Skandal an die Öffentlichkeit kommen. In besagtem Schreiben nannte er die Anschuldigungen "unerhörte Lügen".
Mögliche Straffreiheit für Piquet Jr.
Was Lüge und was traurige Wahrheit ist, wird die Verhandlung des FIA-Weltrats am 21. September zeigen. Auffällige Telemetriedaten des Unfalls und eine wenig souveräne Aussage von Symonds gegenüber den Rennkommissaren, in der er jegliche Mithilfe bei der Aufklärung verweigerte, deuten aber an, dass es für Renault sehr eng werden wird.
FIA-Präsident Max Mosley sicherte Piquet Jr. Straffreiheit zu, falls der Brasilianer in dem Unfall-Skandal die "volle Wahrheit" erzählt. "Wenn er das tun sollte, dann werden wir ihn persönlich nicht bestrafen", sagte der Brite am Freitag in Monza.
Ob Fernando Alonso, der Nutznießer des Piquet-Unfalls, etwas von der Manipulation gewusst oder im Nachhinein davon erfahren hat, wird wohl ebenfalls im Rahmen der Verhandlung geklärt werden. Bisher beteuert der Spanier, völlig ahnungslos zu sein.
Heidfeld: "Sehr extrem und unglaublich"
Während "Crashgate", wie der Renault-Skandal im Fahrerlager schon genannt wird, zum Rechtsstreit wird, wundern sich auch damals indirekt beteiligte Kollegen über den absichtlichen Crash.
"Es wäre sehr dumm, so etwas zu tun", sagte Sebastian Vettel. "Man riskiert sehr viel für nichts. Natürlich fahren wir immer am Limit, manchmal geht es schief und manchmal hat man einen Crash. Aber wenn man es mit Absicht macht, dann weiß man, dass man sich selbst einem Risiko aussetzt - und auch ein Risiko für die anderen ist. Ich würde es auf keinen Fall tun, egal in welcher Situation ich bin."
Für Nick Heidfeld kam die Meldung noch nicht einmal sonderlich überraschend. "Gleich nach dem Rennen hatten alle in den Briefings zumindest den Gedanken, dass es absichtlich passiert sein könnte", sagte der BMW-Sauber-Pilot. "Wenn es wirklich so war, wie es dargestellt wird, dann ist es sehr extrem und unglaublich. Von allen Skandalen, die wir in den vergangenen Jahren erlebt haben, ist das der erstaunlichste für mich."
Zynisches Lob von Sutil
Adrian Sutil, der zum Zeitpunkt des Unfalls direkt hinter Piquet Jr. lag, erinnerte sich: "Es hat ausgesehen wie ein normaler Rennunfall. Vielleicht ist er ein bisschen früh aufs Gas gegangen, das Auto ist ausgebrochen und er ist in die Mauer gekracht. Wenn er das mit Absicht gemacht hat, dann war es wirklich professionell."
Ein Lob von Sutil, das allerdings zynisch zu verstehen ist, denn: "Es wäre unglaublich, wenn an dieser Geschichte etwas Wahres dran wäre. Ich weiß wie es sich anfühlt, wenn man in die Streckenbegrenzung kracht. Das tut wirklich weh und so etwas möchte man absichtlich nicht tun. Zum einen ist da die Angst, aber schon allein wegen meines Stolzes als Rennfahrer würde ich das niemals tun. Auf keinen Fall!" -
Briatore plaudert über Piquets Privatleben
Im Unfall-Skandal um Renault und Nelson Piquet Jr. packt Teamchef Flavio Briatore die nächste verbale Klatsche aus: Er plaudert über das Privatleben des Ex-Fahrers und verbreitet Gerüchte über eine angebliche Homosexualität des Brasilianers. Es war der vorläufige Höhepunkt einer peinlichen Schlammschlacht.
Flavio Briatore war noch nie ein Kind von Traurigkeit, wenn es darum ging, mit markigen Worten für Aufsehen zu sorgen.
Selbst in in der größten Krise des Formel-1-Teams von Renault nimmt der italienische Playboy kein Blatt vor den Mund, wenn es um seinen ehemaligen Fahrer Nelson Piquet Jr. geht.
Der hatte den Rennstall mit einem Brief an die FIA schwer belastet, indem er behauptete, man habe ihn zu einem absichtlichen Unfall beim Nachtrennen von Singapur in der vergangenen Saison gezwungen.
Briatore unterstellt Piquet Homosexualität
Bei seiner jüngsten Attacke wandelt Briatore allerdings jenseits der Grenzen des guten Geschmacks. Mit Andeutungen über Piquets Privatleben unterstellt er dem Brasilianer Homosexualität: "Nelsinho lebte mit einem Gentleman zusammen - der Charakter ihrer Beziehung ist unbekannt. Sein Vater war über diese Beziehung zu einem 50-jährigen Mann schwer besorgt", gab Briatore zu Protokoll.
Man stellt sich die Frage, welche Absicht der Teamchef mit dieser Intim-Plauderei verfolgt. Und schnell wird klar: Es handelt sich hier schlichtweg um geschmackloses Nachtreten auf unterstem Niveau.
Playboy Flavio weiter: "Sie lebten zusammen und sein Vater bat mich darum einzuschreiten. Ich sorgte dafür, dass dieser Mann nicht mehr zu den Rennen kam, und ich überredete Nelsinho zum Umzug von Oxford in ein Gebäude in London, in dem ich auch lebe, damit ich ihn unter Kontrolle halten konnte."
Höhepunkt einer verbalen Schlammschlacht
Das war der vorläufige Höhepunkt einer ganzen Reihe verbaler Tiefschläge, die sich Piquet Jr. und Briatore bereits gegenseitig um die Ohren gehauen haben.
Wegen Erfolglosigkeit wurde Piquet Anfang August bei Renault vor die Tür gesetzt. Bis dahin konnte er nicht einen einzigen Punkt ergattern, fuhr dem Feld nur hinterher. Zwar sei der Brasilianer über diesen Schritt "sehr enttäuscht" gewesen, aber auch froh "über das Ende der schlimmsten Zeit seiner Karriere."
Piquet: "Briatore war mein Scharfrichter"
Die Schlammschlacht konnte beginnen: "Ein Manager soll dich ermutigen, dich unterstützen und dir Möglichkeiten schaffen. Bei mir war das Gegenteil der Fall. Flavio Briatore war mein Scharfrichter", sagte ein völlig frustrierter Piquet. Er habe zudem immer den Verdacht gehabt, neben Alonso nur der gewesen zu sein, "der das andere Auto fährt."
Es folgten einige Tage friedlicher Stille, doch im jungen Brasilianer brodelte es noch. Deshalb trat er noch einmal ordentlich gegen seinen ehemaligen Teamchef nach.
"Er hat keine Ahnung von der Formel 1! Wenn er spricht, klingt es, als ob meine Schwester etwas über den Wagen sagen würde", giftete er in der "Autosport": "Briatores Ego ist größer als alles andere, und das zeigt er auch gern."
Der große Schlag folgte
Hätte Renaults Teamchef mit diesen Äußerungen noch leben können, folgte Piquets großer Schlag: Der Ex-Fahrer belastete seinen ehemaligen Arbeitgeber mit einem Brief an die FIA schwer.
Piquet soll von der Renault-Teamleitung die Order erhalten haben, beim Singapur-GP in der vergangenen Saison absichtlich einen Unfall zu verursachen, um Teamkollege Fernando Alonso den Rennsieg zu ermöglichen.
Am 21. September müssen die Renault-Verantwortlichen vor dem World Council der FIA in Paris zu den Vorwürfen Stellung beziehen.
Klage wegen "versuchter Erpressung"
Auf Piquets Anschuldigungen leitete der Rennstall seinerseits eine Klage gegen den Piquet-Clan wegen "falscher Behauptungen und versuchter Erpressung" ein.
"Ich habe nur die Wahrheit erzählt, und deshalb muss ich auch nichts fürchten", zeigte sich der 24-Jährige unschuldig. Briatore lederte erst einmal zurück: "Er ist ein verzogener Junge und ein labiler Charakter."
Briatore bekam mehr, als er wollte
Für Piquets Gehaltskürzung nach dem ersten Jahr - eine statt 1,5 Millionen Euro - hatte der Italiener eine simple Erklärung: "Das Einzige, was ich von ihm wollte, war eine gute Leistung. Mehr nicht."
"Mehr" hat er jetzt doch noch bekommen: in Form einer Klage, die für Renault und Briatore selbst das Aus in der Formel 1 bedeuten könnte. -
Prost und Vasseur als Briatore-Nachfolger?: Eine Ehre
Die Gerüchteköche haben die Herdplatten aufgedreht: Alain Prost und Frederic Vasseur fühlen sich geschmeichelt, führen aber noch keine Gespräche.
Die Liste an Nachfolgern für das Amt des Renault-Teamchefs wächst und wächst. Neben David Richards, Craig Pollock und Olivier Quesnel werden auch Frederic Vasseur und Alain Prost gehandelt.
Vasseur betreibt zusammen mit Nicolas Todt erfolgreich sein ART Team in der GP2 und Formel 3 Euro Serie. Für ihn sind die Gerüchte in Verbindung mit der Renault-Rolle "sehr schmeichelhaft". Alain Prost war bereits einmal F1-Teamchef in seinem eigenen Team. "Es sind nur Gerüchte", sagte er La Stampa. "Aber es wäre eine Ehre, bislang hat mich jedoch niemand von Renault angesprochen." -
Renault gibt Fehler zu: Ausmaß noch unklar
Flavio Briatore wollte mit seinem Rücktritt das Team vor einer hohen Strafe retten. Renault gesteht einen Fehler ein.
Am Mittwoch gab Renault den Rücktritt von Flavio Briatore und Pat Symonds bekannt. Am Tag danach gibt es die ersten Wortäußerungen der Betroffenen. "Ich versuche damit, das Team zu retten. Das ist meine Pflicht. Deshalb habe ich aufgehört", wird Briatore zitiert.
Renault Chief Operating Officer Patrick Pelata bestätigt diese Ansicht: "Ich kenne nicht alle Details, aber es gab einen Fehler und Fehler verlangen nach Sanktionen", sagte er gegenüber französischen Medien. "Piquet hatte das Team bereits verlassen und Pat Symonds war weg. Briatore fühlte sich moralisch verantwortlich und ist zurückgetreten."
Genaue Informationen liegen Pelata und Renault noch nicht vor. "Aber wir haben Annahmen und es ist klar, dass es einen grundlegenden Fehler gegeben hat." Man werde die Fehler zweier Personen aber nicht auf die Arbeit des gesamten F1-Teams abwälzen. An einen F1-Ausstieg denke man deswegen angeblich nicht. Viele Experten sehen die Abgänge von Briatore und Symonds als Bauernopfer, um so ein mildes Urteil vor dem FIA-WMSC zu erwirken.
Bernie Ecclestone nahm die Entwicklung wie gewohnt sarkastisch auf: "Flavio hat mir kürzlich gesagt, dass er nicht wie ich enden und in meinem Alter noch mit Autos spielen möchte. Zumindest diese Peinlichkeit bleibt ihm erspart." -
Die Formel 1 weint Briatore keine Träne nach
(27) 17. September 2009, 13:07 Uhr
Ein großes Aufatmen ist die vorherrschende Reaktion in der Formel 1 auf den Rückzug Flavio Briatores als Renault-Teamchef. In dessen Heimat Italien geht man allerdings davon aus, dass der 59-Jährige einem Komplott zum Opfer gefallen ist, bei dem Fia-Chef Max Mosley die Fäden gezogen haben soll.
Die Formel 1 hat mit Erleichterung auf den Abgang von Renault-Teamchef Flavio Briatore reagiert. Gleichzeitig wurden Forderungen nach Reformen und neuen Strukturen laut, damit sich ein Horror-Szenario wie der Unfall-Skandal von Singapur im September 2008 nicht mehr wiederholen kann.
„Renault hat das einzig Richtige getan“, sagte Formel-1-Boss Bernie Ecclestone. Dennoch müsse sich Renault am kommenden Montag (21. September) vor dem World Council des Automobil-Weltverbandes Fia in Paris verantworten: „Keine Ahnung, was da jetzt noch geschieht.“ Briatore hofft nach seinem Rücktritt auf eine Zukunft für den Formel-1- Rennstall. „Ich versuche damit, das Team zu retten. Das ist meine Pflicht. Deshalb habe ich aufgehört“, zitierte das britische Boulevardblatt „Mirror“ den Italiener.
Der frühere deutsche Formel-1-Pilot Hans-Joachim Stuck fordert eine drastische Geldstrafe für den französischen Autokonzern. „Wenn Mercedes für die Spionage-Affäre 100 Millionen zahlen musste, dann sind bei Renault nun 500 Millionen Euro fällig“, sagte der heutige VW-Repräsentant der Bild-Zeitung. Die Vorfälle kann er immer noch nicht richtig glauben: „Ich bin fassungslos.“
Renault-Boss Patrick Pelata bezeichnete den Skandal in einem Radio-Interview als „schweren Schlag“ für den Konzern. Die Zukunft seines Unternehmens in der Königsklasse ließ Pelata offen: „Es ist jetzt nicht die richtige Zeit für dieses Thema. Wir werden uns Zeit nehmen, bevor wir alle Optionen prüfen.“
In Briatores Heimat Italien geht man allerdings davon aus, dass der 59-Jährige einem Komplott zum Opfer gefallen ist. Der Corriere della Sera vermutet, dass Fia-Präsident Max Mosley im Hintergrund die Fäden gezogen hat. „Mosley rächt sich an Erzfeind Briatore“, schreibt das Blatt und mutmaßt, dass Briatore auf der schwarzen Liste des Fia-Präsidenten gestanden hat. La Repubblica berichtet ebenfalls von einer „gelungenen Racheaktion“ und dem „Untergang einer Legende“.
In Briatores Heimat Italien geht man allerdings davon aus, dass der 59-Jährige einem Komplott zum Opfer gefallen ist. Der Corriere della Sera vermutet, dass FIA-Präsident Max Mosley im Hintergrund die Fäden gezogen hat. „Mosley rächt sich an Erzfeind Briatore“, schreibt das Blatt und mutmaßt, dass Briatore auf der schwarzen Liste des FIA-Präsidenten gestanden hat. La Repubblica berichtet ebenfalls von einer „gelungenen Racheaktion“ und dem „Untergang einer Legende“.
Am letzten Kapitel der Legendenbildung wollte Briatore, der sich laut Renault-Boss Pelata „moralisch verantwortlich gefühlt hat und deswegen zurückgetreten ist“, allerdings wenigstens noch selbst mitwirken. „Ich habe mich für das Team geopfert und versucht, es zu retten. Das ist meine Pflicht gewesen, und das ist der Grund, warum ich gegangen bin“, sagte der gestürzte Teamchef ohne jegliche Anzeichen von Bedauern oder gar Reue in Märtyrer-Manier.
Sollte Renault tatsächlich mit einem blauen Auge davonkommen, könnte das Team künftig mit dem viermaligen Weltmeister Alain Prost als neuem Rennleiter an den Start gehen - vielleicht sogar schon beim nächsten Rennen, das am 27. September ausgerechnet in Singapur stattfindet.
Niki Lauda übt schonungslos Kritik an Briatore, der seinem damaligen Fahrer Nelson Piquet junior in Singapur befohlen haben soll, absichtlich einen Unfall zu bauen, damit sein Teamkollege Fernando Alonso das Rennen gewinnt. Er habe immer gewusst, dass Briatore ein Grenzgänger sei, urteilt Lauda.
Es sei daher umso überraschender, dass Briatore sich bis jetzt so durchschlawinert habe, meint der dreimalige Weltmeister weiter: „Es ist Hammer, welche Falschaussagen er selbst am Wochenende in Monza noch ohne rot zu werden geäußert hat.“
Stewart stellt das System infrage
Der dreimalige Weltmeister Jackie Stewart stellt bereits das ganze System der Königsklasse infrage. „Da ist etwas grundsätzlich faul im Herzen der Formel 1. Ich habe noch nie zuvor erlebt, dass die Formel 1 einen solchen Hang zur Selbstzerstörung hat“, sagte der Schotte. Die Fans sind laut Stewart inzwischen angewidert davon, dass ein Sport von einer Krise in die nächste schlittert. Er will bemerkt haben, dass innerhalb der Teams eine ungesunde Nervosität und Angst herrsche.
Stewart fordert daher einen kompletten Neuanfang nach der Wahl des FIA-Präsidenten im Oktober: „Die Strukturen der Führung und des Managements müssen grundlegend reformiert werden.“ Solange es nicht innerhalb der Formel 1 in jedem Bereich eine richtige Führung gebe, würden die Sponsoren abwandern, sagt Stewart: „Dann wird der Sport in den kommenden Jahren ernsthaften Schaden nehmen.“
Der Ire Eddie Jordan, für dessen Team Michael Schumacher 1991 in Spa sein erstes Formel-1-Rennen fuhr, ist entsetzt: „Ich habe fast 30 Jahre lang ein Team geleitet und kann es überhaupt nicht begreifen, dass man so etwas tatsächlich vorhaben könnte. Keine Ahnung, wie verzweifelt die waren.“
Für Ex-Rennfahrer Marc Surer ist Briatores Abgang ein klares Schuldeingeständnis. „In diesem Fall bedeutet das für mich auch, dass es die richtigten Opfer sind“, sagte der Schweizer dem Internetportal motorsport-total.com -
Die größten Formel-1-Skandale der letzten 15 Jahre
Jerez, Indianapolis und nun Singapur: Die "Crashgate"-Affäre reihte sich nahtlos in die Reihe der großen Formel-1-Skandale ein
Mit der "Crashgate"-Affäre erlebte die Formel in den vergangenen Tagen und Wochen einen weiteren der vielen Skandale der vergangenen Jahre. Am Mittwoch fand die Geschichte ihren bisherigen Höhepunkt, als sich Renault von Teamchef Flavio Briatore und Chef-Ingenieur Pat Symonds trennte. Hier eine Auflistung der größten Formel-1-Skandale der letzten 15 Jahre.
1994: Michael Schumacher wird nachträglich der zweite Platz beim England-Grand-Prix aberkannt. Außerdem wird der Benetton-Pilot in der Berufungsverhandlung für zwei Rennen gesperrt. Er hatte am 10. Juli in der Einführungsrunde den Williams des Briten Damon Hill verbotenerweise überholt und kam danach der Aufforderung der Rennleitung, eine Zeitstrafe an der Box abzusitzen, nicht nach. Anschließend ignorierte er mehrfach die Schwarze Flagge.
1994: Michael Schumachers Sieg beim Großen Preis von Spa wird wenige Stunden nach dem Rennen annulliert. Die Holzplatte am Unterboden seines Benetton-Ford wies um Millimeter nicht die vorgeschriebene Mindeststärke auf.
1994: Michael Schumacher beschädigt nach einem Ausrutscher im WM-Finale in Adelaide seinen Benetton. Kurz lädt er seinen Rivalen Damon Hill zu einem Überholversuch ein, beide Autos kollidieren. Schumacher scheidet sofort aus, Hill wenig später - Schumi ist erstmals Weltmeister.
1995: Bei Benzinproben an Michael Schumachers Benetton und David Coulthards Williams werden beim Großen Preis von Brasilien Abweichungen zum vorliegenden chemischen Muster festgestellt. Schumacher bleibt dennoch Sieger und Coulthard Zweiter. Ihren Teams werden jedoch die Punkte für die Konstrukteurs-WM abgenommen.
1997: Michael Schumacher scheidet nach einem Rammstoß gegen Jacques Villeneuve (Williams) beim Großen Preis von Europa in Jerez aus, der Kanadier kann weiterfahren, wird Dritter und damit Weltmeister. Schumacher werden später von der FIA alle WM-Punkte des Jahres sowie der Vize-Weltmeistertitel aberkannt.
1999: Michael Schumacher und Eddie Irvine werden beim Großen Preis von Malaysia nach einem Ferrari-Doppelsieg nachträglich disqualifiziert, weil ihre Autos nicht dem technischen FIA-Regelwerk entsprechen. Die seitlichen Windabweiser der beiden Ferrari stehen mehr als die vorgeschriebenen zehn Millimeter nach außen ab. Später wird die Disqualifikation aufgehoben.
2001: "Let Michael pass for the Championship" - mit diesem Satz befiehlt der damalige Ferrari-Teamchef Jean Todt Rubens Barrichello, Michael Schumacher beim Österreich-GP 2001 im Sinne der Fahrer-WM auf der Zielgeraden passieren zu lassen. Zunächst gibt es keine Konsequenzen, die Stallorder wird erst nach einem weiteren Vorfall mit Ferrari verboten.
2005: BAR-Honda wird wegen eines illegalen Zusatztanks für zwei Rennen gesperrt.
2005: Der Reifen-Skandal von Indianapolis: Die 14 mit Michelin bereiften Autos gehen aus Sicherheitsgründen nicht an den Start. Lediglich sechs Autos mit Bridgestone-Reifen fahren das Rennen.
2007: In der Spionage-Affäre bekommt McLaren-Mercedes von der FIA eine Rekordstrafe aufgebrummt: Die Silberpfeile bekommen alle Konstrukteurspunkte in der WM-Wertung aberkannt und müssen eine Geldstrafe von 100 Millionen Dollar zahlen. Der Rennstall wird für schuldig befunden, geistiges Eigentum des Rivalen Ferrari genutzt zu haben.
2008: Rassismus-Eklat in Barcelona: Auf dem Höhepunkt einer Fehde zwischen Fernando Alonso und Lewis Hamilton entlädt sich die Wut der spanischen Fans bei den Testfahrten in Barcelona. Anti-McLaren-Transparente, fliegende Gegenstände und rassistische Parolen gegen Hamilton, der als "scheiß Nigger" und "schwarze Schlampe" beleidigt wird.
2009: McLaren-Mercedes wird in der Lügen-Affäre für drei Rennen auf Bewährung gesperrt. Weltmeister Lewis Hamilton und der damalige McLaren-Sportdirektor Dave Ryan sollen nach dem Großen Preis von Australien die Renn-Kommissare angelogen haben. Die Dauer der Bewährung beträgt zwölf Monate.
2009: Renault gibt zu, beim Grand Prix 2008 in Singapur Nelson Piquet junior zu einem Unfall angestiftet zu haben. Damit war der Weg für dessen Teamkollegen Fernando Alonso, der bereits vor der folgenden Safety-Car-Phase getankt hatte, zum Sieg frei. -
FIA wusste schon bescheid: Piquet sprach mit Whiting
Nelson Piquet Senior ließ verlautbaren, dass er die FIA bereits vor einem Jahr über den Crashgate-Skandal informiert habe.
Flavio Briatore und Pat Symonds sind weg, Renault hat die Schuld im Singapur-Skandal eingestanden. Noch ist die Affäre aber nicht beendet. Erst am Montag fällt die FIA das Urteil. Bereits jetzt gab Nelson Piquet Senior bekannt, dass der Weltverband bereits seit einem Jahr über die Vorfälle bescheid gewusst haben soll.
"Als es passiert ist, konnte ich es nicht glauben. Ich war mein ganzes Leben im Motorsport", wird Piquet Senior im Daily Mirror zitiert. Danach soll Piquet in Brasilien 2008 mit FIA-Rennleiter Charlie Whiting gesprochen haben.
"Ich fragte ihn: Was kann Nelson [Junior] passieren, wenn ich das vorbringe?" Danach habe er Angst gehabt, dass er die Karriere seines Sohnes zerstöre. Laut der Corriere della Sera soll Whiting ihm geanwortet haben, dass es keine Beweise dafür gebe.
Später sprach Piquet auch mit FIA-Präsident Max Mosley, der geantwortet haben soll: "Charlie hat mich bereits informiert, aber wir können es nicht beweisen, bis jemand herauskommt und die Fakten auf den Tisch legt." Erst als Nelsinho Piquet nach dem Ungarn GP seine Aussage abgab, konnte die FIA einschreiten. -
14. Singapur GP / Marina Bay Straßenkurs (Nachtrennen)
Singapur: Nur für Nachtmenschen
Das erste Nachtrennen der F1-Geschichte verlangt vor allem eins: nach Licht. Verantwortlich dafür zeichnet die italienische Firma Valerio Maioli. Die ganze Strecke, inklusive der Auslaufzonen, muss konstant beleuchtet sein. Die Auslaufzonen werden aber nicht so hell sein wie der Rest der Strecke, damit die Fahrer nicht verwirrt werden.
Zudem müssen die Lichtstrahlen konstant beobachtet werden, damit die Fahrer nicht geblendet werden, wenn sie sich drehen und dadurch in die falsche Richtung blicken. Ein weiterer wichtiger Punkt sind die Fernsehkameras, die auch nicht geblendet werden sollen. Die Lichtmasten werden nur auf einer Seite der Strecke stehen, auf der gleichen wie die Kameras, damit es nicht blendet, wenn das Rennen übertragen wird. Der Schatten der Formel 1-Autos ist dafür weniger problematisch, da sie recht niedrig sind und deswegen nur einen geringen Schattenwurf haben. Insgesamt werden 3.180.000 Watt auf die Strecke niederscheinen.
Damit die 22 Piloten, 80.000 Zuschauer und Millionen TV-Zuseher nicht plötzlich im Dunkeln tappen, sorgen 12 Generatoren für genügend Strom. Sollte einer davon ausfallen, agieren die anderen automatisch als Back-Up. Aus Sicherheitsgründen werden jedem Generator Ingenieure zugeteilt, die ständig über die Funktionstüchtigkeit wachen.
Aber wie sieht die Strecke aus, die von so viel Power beleuchtet wird? Singapur springt auf den Trend zu Straßenkursen auf - aber zu schnellen Straßenkursen. Die Strecke ist 5,067 km lang (davon sind 1,2 km komplett neue Straßen), weist 14 Links- und 10 Rechtskurven auf und wird im ersten Nachtrennen der F1-Geschichte 61 Mal umrundet - so alles nach Plan läuft und keine Safety Car Phasen, Rennabbrüche oder sonstigen unerwarteten Ereignisse dazwischen kommen... Die langsamste Kurve wird mit 80-100 km/h durchfahren, an der schnellsten Stelle erreichen die F1-Boliden Geschwindigkeiten über 300 km/h. Das Monaco des Ostens will also schneller sein als das Vorbild - es wird der schnellste Straßenkurs der Formel 1-Welt, betonen die Veranstalter.
Gleich nach dem Beginn der Runde treffen die Fahrer auf eine der schnellsten Stellen des Kurses - den Raffles Boulevard, eine 45-Grad-Kurve, die im 7. Gang bei rund 300 km/h genommen wird. Nach einem Highspeed-Teil geht es auf die Anderson Bridge, eine fast 100 Jahre alte Gusseisenbrücke. Zurück geht es auf einem weiteren Highspeed-Abschnitt über die Esplanade Bridge. Im Gegensatz zu Monaco ist die Strecke viel breiter, so dass die engste Stelle 10 Meter breit ist - also genauso breit wie die breiteste Stelle im Fürstentum. -
Vorschau: Grand Prix von Singapur
Lewis Hamilton:
„Die letztjährige Premiere des Singapur Grand Prix war eine Formel 1-Veranstaltung wie aus dem Bilderbuch – fantastische Einrichtungen, eine reibungslose Organisation und dazu eine einmalige und interessante Strecke. Sie macht Spaß und ist zugleich fordernd, denn man muss hier ans Limit gehen und auch etwas riskieren, um das Maximum aus dem Auto herauszuholen. Bei meinem Rennen im letzten Jahr hatte ich die ganze Zeit den WM-Titel im Auge und war deshalb nicht allzu wagemutig und freute ich mich über den Podiumsplatz. Dieses Mal habe ich mit dem Titelkampf nichts mehr zu tun und werde in den letzten vier Rennen voll attackieren, um so viele Siege wie möglich zu erzielen.“
Heikki Kovalainen:
„Offensichtlich haben wir die Schwachpunkte unseres Autos weitgehend abgestellt. Seit dem Rennen auf dem Nürburgring fuhr ich fünfmal in Folge in die Punkteränge. Für Singapur planen wir weitere Verbesserungen. Durch das Nachtrennen ist die Veranstaltung dort etwas Einmaliges, auch wenn man dank der perfekten Ausleuchtung manchmal fast vergisst, dass es um die Strecke herum dunkel ist. Die Streckencharakteristik mit vielen engen Kurven sollte unserem technischen Paket liegen, dazu werden wir von unserem KERS Hybrid profitieren. Die Stadt bildet zudem eine fantastische Kulisse und die Strecke gehört bereits jetzt zu den besten im Formel 1-Kalender.“
Martin Whitmarsh, Vodafone McLaren Mercedes Teamchef
„Unser Speed in den letzten Rennen zeigte, dass wir den MP4-24 zu einem soliden Wettbewerber für die unterschiedlichen Streckenarten entwickelt haben. Deswegen sind wir auch für Singapur optimistisch. Bei diesem Rennen setzen wir zum letzten Mal in diesem Jahr ein größeres Paket mit neuen Teilen ein. Danach werden wir uns ganz auf die Entwicklung des MP4-25 konzentrieren. Die Veranstaltung im letzten Jahr war ein großer Erfolg, da zeigte sich, was man in der Formel 1 mit Visionen und Engagement alles erreichen kann. Alle bei Vodafone McLaren Mercedes freuen sich auf die letzten vier Überseerennen des Jahres, mit denen eine spannende und ereignisreiche Saison mit einem überraschenden Titelkampf zu Ende geht. Wir haben uns dabei stetig gesteigert. Das Rennen in Singapur stellt eine fantastische Werbung für die Formel 1 dar – hier zeigt sich deutlich, was für einen tollen Sport wir ausüben. Ich hoffe auf ein gutes und enges Rennen.“
Norbert Haug, Mercedes-Benz Motorsportchef
„Es wird noch einmal richtig anstrengend in der Formel 1: Nach dem Ende der Europa-Saison gibt es innerhalb von sechs Wochen noch vier Grand Prix in Singapur, Suzuka, Sao Paulo und Abu Dhabi. Wie bei der Premiere im letzten Jahr wird in Singapur bei Nacht gefahren. Der Stadtkurs hat 23 Kurven, sechs von ihnen sind langsamer als 100 km/h.
Wir wollen auf dieser Strecke unseren Leistungstrend fortsetzen und so konkurrenzfähig wie bei den letzten vier Grand Prix sein." -
FIA-Urteil
Renault kommt mit Bewährung davon
Das französische Rennteam wird wegen der Verwicklung in den Unfallskandal der Formel 1 für zwei Jahre auf Bewährung gesperrt. Ex-Teamchef Flavio Briatore erhielt dagegen einen lebenslangen Bann. Anzeige
Renault kommt nach dem Unfallskandal mit einer Bewährungsstrafe davon. Das zuständige FIA-Sportgericht verurteilte den Formel-1-Rennstall am Montag zu einer zweijährigen Sperre, die jedoch nur bei weiteren Verstößen in Kraft treten würde.
Der ehemalige Teamchef Flavio Briatore wurde für "unbegrenzte Zeit" aus allen FIA-Rennserien verbannt, der Ex-Chefingenieur Symonds für fünf Jahre gesperrt. Damit endete die Affäre "Chrashgate", die seit Wochen die Formel 1 überschattet hatte. Dieses Urteil fällte der Verband nach 90-minütiger Anhörung und anschließender etwa dreistündiger Beratung im FIA-Hauptquartier in Paris.
Briatore soll den damaligen Renault-Piloten Nelson Piquet Jr. beim Singapur-Rennen im vergangenen Jahr dazu angestiftet haben, absichtlich einen Unfall zu verursachen und so Teamgefährte Fernando Alonso den Sieg zu ermöglichen. Renault hatte sich vor dem FIA-Weltrat für den inszenierten Unfall bei dem Nachtrennen zu verantworten. Flavio Briatore wird die Verantwortung für den Skandal angelastet Der französische Autokonzern akzeptierte die Entscheidung des Weltrats umgehend. "Wir entschuldigen uns vorbehaltlos bei der Formel-1-Welt für dieses unzumutbare Verhalten. Wir hoffen aufrichtig, dass wir diese Sache hinter uns lassen und uns konstruktiv auf die Zukunft konzentrieren können", teilte der Autobauer mit. Zudem kündigte Renault für die kommenden Tage weitere Informationen an.
Der zweimalige Weltmeister Fernando Alonso war nach Erkenntnissen der FIA nicht in das Komplott von Singapur eingeweiht. Der Spanier entging daher einer Strafe. Auch sein ehemaliger Teamgefährte Nelson Piquet Jr. kam ungeschoren davon, weil er sich dem Weltverband als Kronzeuge zur Verfügung gestellt hatte. Der Brasilianer war im Juli vom Renault-Team entlassen worden und informierte die FIA kurz darauf über den Betrug beim ersten Formel-1-Nachtrennen im vergangenen Jahr. -
Zwei Jahre Sperre für Renault - aber nur auf Bewährung
Der Automobil-Weltverband hat ein mildes Urteil im Unfall-Skandal gefällt. Der langjährige Manager Flavio Briatore dagegen wird lebenslang aus der Formel 1 ausgeschlossen und darf auch keine Piloten mehr vertreten.
Hamburg - Das Renault-Team ist wegen der Verwicklung in den Unfall-Skandal der Formel 1 für zwei Jahre gesperrt worden. Die Sperre wurde allerdings zur Bewährung ausgesetzt. Dieses Urteil fällte das World Council des Automobil-Weltverbandes Fia am Montag nach 90-minütiger Anhörung und anschließender etwa dreistündiger Beratung im Fia-Hauptquartier in Paris.
In der ausführlichen Begründung heißt es: Sollte sich Renault innerhalb der beiden kommenden Jahre einen vergleichbaren Verstoß gegen das Sportgesetz leisten, würde der Rennstall automatisch für immer aus der Formel 1 ausgeschlossen.
Renault akzeptierte die Entscheidung des Weltrats umgehend. "Wir entschuldigen uns vorbehaltlos bei der Formel-1-Welt für dieses unzumutbare Verhalten. Wir hoffen aufrichtig, dass wir diese Sache hinter uns lassen und uns konstruktiv auf die Zukunft konzentrieren können", teilte der französische Autobauer mit. Zudem kündigte Renault für die kommenden Tage weitere Informationen an.
Der ehemalige Renault-Teamchef Flavio Briatore dagegen wird lebenslang aus der Formel 1 ausgeschlossen. Er darf auch nicht mehr als Manager für Formel-1-Fahrer tätig sein. Renault hatte sich bereits vergangene Woche von Briatore getrennt. Der frühere Renault-Chefingenieur Pat Symonds wurde für fünf Jahre gesperrt.
Briatore soll den damaligen Renault-Piloten Nelson Piquet junior beim Singapur-Rennen 2008 dazu angestiftet haben, absichtlich einen Unfall zu verursachen und so Teamgefährte Fernando Alonso den Sieg zu ermöglichen.
Der zweimalige Weltmeister Fernando Alonso war nach Erkenntnissen der Fia nicht in das Komplott von Singapur eingeweiht. Der Spanier entging daher einer Strafe. Auch sein ehemaliger Teamgefährte Nelson Piquet junior kam ungeschoren davon, weil er sich dem Weltverband als Kronzeuge zur Verfügung gestellt hatte. Der Brasilianer war im Juli vom Renault-Team entlassen worden und informierte die Fia kurz darauf über den Betrug beim ersten Formel-1-Nachtrennen im vergangenen Jahr. -
Qualifying: Hamilton und Vettel in Reihe 1
Lewis Hamilton und Sebastian Vettel starten aus der ersten Startreihe in das Nachtrennen von Singapur. Die Brawn-Piloten sind weit abgeschlagen.
Lewis Hamilton startet beim Großen Preis von Singapur von der Pole Position. Dem Briten reichte eine schnelle Runde im dritten Qualifying, um sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen. Den zweiten Anlauf konnten er und seine Rivalen nicht mehr absolvieren, weil Rubens Barrichello seinen Brawn GP in die Mauer setzte und damit wenige Sekunden vor dem Ende des Qualifyings für einen Abbruch sorgte.
"Glückwunsch an Lewis - eine klasse Performance und danke an unser Team, das über Nacht bis heute morgen um zehn ein neues Chassis für Lewis aufgebaut hat", freute sich Norbert Haug. "Ohne Barrichellos Crash wäre es noch mal spannend geworden - aber ich glaube, Lewis hätte noch mal nachgelegt, nachdem Sebastian die beste erste Sektorzeit gefahren war."
Von Startplatz 2 geht Sebastian Vettel ins Rennen. Der Deutsche setzte sich gegen seinen Landsmann Nico Rosberg und seinen Teamkollegen Mark Webber durch, die gemeinsam aus Reihe 2 starten werden. Auf Platz 5 qualifizierte sich Barrichello, der jedoch noch eine Strafversetzung um fünf Plätze wegen eines Getriebewechsels erhält. Dahinter reihten sich Fernando Alonso, Timo Glock, Nick Heidfeld, Robert Kubica und Heikki Kovalainen ein.
Button aus im Q2
Mit dem WM-Führenden Jenson Button schied einer der Favoriten im zweiten Qualifyingdurchgang aus. "Ich bin sehr enttäuscht", sagte Button. "Das Auto fühlte sich in Q1 gut an, da war ich Zweitschnellster, hatte nur etwas Untersteuern." Danach verlagerte das Team etwas mehr Gewicht nach vorne. "Dann habe ich plötzlich in Kurve sieben den Boden berührt und die restliche Runde war mit der Einstellung schwierig. Im Rennen ist jetzt nicht viel drin, es wird sehr schwierig. Es war ein Desaster." Hinter ihm startet der beste Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen.
Der Höhenflug von Force India endete auf dem Straßenkurs in Singapur im Q1. Adrian Sutil und Tonio Liuzzi kamen nicht über die erste Hürde hinweg und schieden im ersten Durchgang aus. Ebenfalls im Q1 draußen war Giancarlo Fisichella, dessen Teamkollege Kimi Räikkönen im gleichen Qualifyingabschnitt auf Platz 3 fuhr.
"Wir hatten das gesamte Wochenende mit dem Grip zu kämpfen, zu wenig Downforce", klagte Sutil. "Auf meiner schnellen Runde war Giancarlo Fisichella genau vor mir, er hat mich nicht gesehen, dadurch habe ich vier Zehntel verloren. Es wäre aber sehr knapp geworden mit dem Q2."
Das Qualifying im Überblick
1. Session
Zwischenfälle: Notausgang Grosjean
ausgeschieden: Sutil, Alguersuari, Fisichella, Grosjean, Liuzzi
Top-6: Hamilton, Button, Räikkönen, Heidfeld, Rosberg, Barrichello
2. Session
Zwischenfälle: keine
ausgeschieden: Nakajima, Button, Räikkönen, Buemi, Trulli
Top-6: Rosberg, Webber, Vettel, Hamilton, Glock, Alonso
3. Session
Zwischenfälle: Unfall Barrichello
Top-6: Hamilton, Vettel, Rosberg, Webber, Barrichello, Alonso -
Grand Prix von Singapur
Zweiter Saisonsieg in den letzten fünf Rennen für Lewis Hamilton
- Von der Pole Position 57 von 61 Runden geführt
- Heikki Kovalainen Siebter
- Vodafone McLaren Mercedes erfolgreichstes Team der letzten fünf Grand Prix
Lewis Hamilton gewinnt den Grand Prix von Singapur
Vodafone McLaren Mercedes Fahrer Lewis Hamilton gewann den Grand Prix von Singapur, führte 57 der 61 Rennrunden (308,950 Kilometer) und holte von der Pole Position seinen elften Sieg in der Formel 1. Sein Teamkollege Heikki Kovalainen wurde Siebter; die Brawn Mercedes Fahrer Jenson Button und Rubens Barrichello kamen auf die Plätze fünf und sechs; damit lagen vier Autos mit dem Mercedes-Benz Formel-1-Motor FO 108W unter den ersten Sieben. Für die Partnerschaft McLaren-Mercedes ist es der 60. Grand Prix-Sieg seit 1995, für Mercedes-Benz ist es der 77. Erfolg in der Formel 1 seit 1954 (Kundenteams eingeschlossen). Button führt nach 14 von 17 Rennen in der Fahrerwertung mit 84 Zählern vor Barrichello mit 69 Punkten. Lewis verbesserte sich mit 37 Zählern auf Rang sechs, Heikki ist Zwölfter mit 22 Punkten. In der Konstrukteurs-WM liegt Vodafone McLaren Mercedes mit 59 Zählern auf Rang vier.
Der Start
Lewis startete zum 16. Mal in seiner Formel 1-Karriere von der Pole Position, sein Auto war 660,5 Kilo schwer und damit das schwerste der ersten Fünf. Heikki nahm das Rennen als Achter auf, er hatte vier Kilo mehr Kraftstoff an Bord als sein Teamkollege. Beide starteten mit der härteren Reifenmischung (prime). Während Lewis am schnellsten auf die erste Kurve zu beschleunigte und als Führender aus Runde eins zurückkam, verlor Heikki eine Position und war nach dem ersten Umlauf Neunter.
Das Rennen
Runde 10: Lewis fuhr in sechs der ersten zehn Umläufe die schnellste Rennrunde und führte mit 2,2 Sekunden vor Nico Rosberg (Williams Toyota). Heikki war Neunter.
Runde 20: Als Spitzenreiter fuhr Lewis zu seinem ersten Boxenstopp herein; er blieb bei den härteren Reifen und nahm das Rennen nach 8,8 Sekunden Standzeit wieder auf, ohne die Führung zu verlieren.
Runde 21: Nach einer Kollision zwischen Adrian Sutil (Force India Mercedes) und Nick Heidfeld (BMW Sauber) fuhr das Safety Car auf die Strecke. Heikki kam an fünfter Stelle liegend an die Box; auch er fuhr mit den härteren Reifen weiter.
Runde 26: Das Rennen wurde wieder frei gegeben. Lewis führte vor Rosberg und Sebastian Vettel (Red Bull Renault); Heikki war Siebter.
Runde 27: Rosberg fuhr zu einer Durchfahrtsstrafe in die Box, dadurch übernahm Heikki Platz sechs. Lewis führte 1,6 Sekunden vor Vettel.
Runde 46: Lewis kam zu seinem zweiten Boxenstopp herein, wechselte auf die weichere Reifenmischung und fuhr nach 6,5 Sekunden als Zweiter hinter Fernando Alonso (Renault) wieder auf die Strecke. Heikki fuhr als Fünfter in derselben Runde an die Box; auch er nahm jetzt die weichere Reifenmischung.
Runde 50: Nach dem Boxenstopp von Alonso übernahm Lewis wieder die Führung.
Runde 52: Alle Fahrer hatten ihre Routinestopps absolviert; Lewis führte 8,8 Sekunden vor Timo Glock (Toyota); Heikki war Siebter.
Ziel (Runde 61): Lewis fuhr zu seinem elften Grand Prix-Sieg ins Ziel; Heikki wurde Siebter. Für die Partnerschaft McLaren-Mercedes ist es der 60. Erfolg seit 1995; für Mercedes-Benz der 77. Sieg in der Formel 1 seit 1954.
Statistik
Autos mit Mercedes-Benz Motor gewannen zehn der bisherigen 14 Saisonrennen, Jenson Button siegte sechsmal, sein Brawn GP Teamkollege Rubens Barrichello sowie Vodafone McLaren Mercedes Fahrer Lewis Hamilton je zweimal.
Fahrzeuge mit Mercedes-Motor standen in acht der 14 Rennen auf der Pole Position, dabei holte jedes der drei Teams, die in diesem Jahr mit dem Mercedes-Benz Formel-1-Motor FO 108W ausgerüstet werden, mindestens eine Pole Position: Brawn GP mit Jenson Button vier, Vodafone McLaren Mercedes mit Lewis Hamilton drei – in Valencia, Monza und hier in Singapur - und Force India mit Giancarlo Fisichella eine.
Stimmen zum Rennen
Lewis Hamilton
„Das ist der perfekte Schluss eines fantastischen Wochenendes. Es war ein körperlich sehr anstrengendes Rennen, aber für mich lief es problemlos. Ich startete gut und wusste, dass ich länger draußen bleiben konnte als die Jungs hinter mir. So konnte ich das Rennen kontrollieren. Über Funk sagte mir das Team etwas über ein kleines Problem mit dem KERS Hybrid, aber im Cockpit hatte ich keine Schwierigkeiten damit; ich musste es nur aus- und wieder einschalten und es funktionierte fehlerlos. Wir hatten uns zuvor ein gutes Ergebnis erhofft; vor allem wollte ich den Ausfall von Monza wieder gut machen – und das hat funktioniert.“
Heikki Kovalainen
„Ich hatte keine Probleme, aber ich konnte einfach nicht schneller fahren. Für das Team war es ein positives Rennen. Die Leistung des Autos war das ganze Wochenende über fantastisch; Lewis‘ Sieg zeigt das deutlich. Mein Wochenende wurde bereits im gestrigen Qualifying ruiniert, das für mich sehr unglücklich verlief. Immerhin – drei Rennen vor dem Saisonschluss fehlen uns lediglich drei Punkte auf den dritten Platz in der Konstrukteurs-WM.“
Martin Whitmarsh, Vodafone McLaren Mercedes Teamchef
„Es ist keine Überraschung, wenn ich Lewis‘ Leistung an diesem Wochenende als fantastisch beschreibe.
Nach ein paar kleineren Problemen am Freitag hat das Team die ganze Nacht über sehr hart gearbeitet, um sein Auto vollständig neu aufzubauen, so dass wir nach Lewis‘ brillanter Pole-Runde den Sieg in Reichweite hatten. Es war also ein perfektes Wochenende – Lewis machte heute alles richtig. Zusammen mit dem Team kontrollierte er das Rennen von der Spitze und obwohl Nico Rosberg und Sebastian Vettel zeitweise Druck auf ihn ausübten, blieben wir immer optimistisch.
Es ist ein großartiger Sieg, für Lewis und für das Team. Es hat die neuen Teile für die jüngsten Verbesserungen unter Zeitdruck zuverlässig und akkurat konstruiert und hergestellt – eine sehr gute Leistung. Ich bin stolz auf das Team wie auf Lewis.
Heikki hatte gestern im Qualifying Pech, zeigte aber heute eine solide Leistung und holte unter schwierigen Bedingungen wertvolle WM-Punkte für das Team.“
Norbert Haug, Mercedes-Benz Motorsportchef
„Ein erstklassiger Grand Prix von Lewis und unserem ganzen Team. Lewis machte alles richtig; gestern holte er die Pole Position und heute gewann er das Rennen. Das Team war in Hochform und baute in der Nacht von Freitag auf Samstag als Vorsichtsmaßnahme nach einem potenziellen Problem mit der Elektrik ein neues Chassis für Lewis auf – und alle bekamen die Belohnung für ihre harte Arbeit inklusive perfekt geplanter und ausgeführter Boxenstopps.
Heikki wurde Siebter und mehr war nach seinem zehnten Platz im Qualifying nicht drin. Glückwunsch an alle – keiner unserer Konkurrenten erzielte bei diesem so wichtigen Nachtrennen hier in Singapur mehr Punkte als Vodafone McLaren Mercedes.
Dies war der 60. Grand Prix-Sieg von McLaren-Mercedes seit Melbourne 1997, und kein Team holte in den letzten fünf Rennen seit Lewis‘ Sieg in Ungarn vor zwei Monaten mehr Punkte als wir. Jetzt freuen wir uns auf ein spannendes Saisonfinale mit den letzten drei Grand Prix.
Glückwunsch an unseren deutschen Freund Timo Glock und Toyota zum zweiten Platz in Singapur; sie waren das ganze Wochenende über stark.“ -
Singapur GP: Hamilton gewinnt vor Glock
Zweiter Saisonsieg für Lewis Hamilton und McLaren Mercedes beim Nacht GP in Singapur. Timo Glock und Fernando Alonso auf dem Podium.
Lewis Hamilton war von seiner Pole Position überrascht, von seinem Sieg sollte er es nicht gewesen sein: Bereits die Spritmengen deuteten darauf hin, dass der Pole-Mann die besten Karten an der Spitze hatte. So setzte er sich von Anfang an gegen die Konkurrenz durch, fuhr dieser bis zu einer Safety Car Phase leicht davon und konnte sich auch danach an der Spitze behaupten - obwohl er teilweise Probleme mit KERS hatte.
Der einzige Fahrer, der Hamilton zwischenzeitlich unter Druck setzen und fordern konnte, war Sebastian Vettel, dessen Siegchancen sich jedoch gleich aus mehreren Gründen zerschlugen. Alles begann mit einem verlorenen Außenspiegel und einer Drive-Through Strafe für eine Geschwindigkeitsübertretung in der Boxengasse bei seinem zweiten Boxenstopp in Runde 40. Danach rodelte er noch hart über einen Randstein und beschädigte sich so den Unterboden am Heck seines Red Bull. Mit dem angeschlagenen Auto und nach der Durchfahrtsstrafe rettete er sich als Vierter ins Ziel.
Davon profitierten Timo Glock und Fernando Alonso, die an Vettel vorbei auf die Plätze 2 und 3 fuhren und so den Singapur GP auf dem Podium beendeten. Für beide ist es das beste Saisonergebnis, für den Vorjahressieger Alonso der erste Podestplatz des Jahres. Hinter dem Podesttrio überquerten Vettel und die beiden Brawn-Piloten Jenson Button und Rubens Barrichello die Ziellinie auf den Plätzen 4, 5 und 6. Aber auch bei Brawn lief es nicht alles nach Plan. Button ging nur von Platz 13 ins Rennen, Barrichello wegen eines Getriebewechsels nur von Platz 10. Zudem hatte der Brasilianer ein Problem beim zweiten Boxenstopp, das ihn rund fünf Sekunden kostete.
Deutsche Kollision
Die erste Runde der Boxenstopps hatte gerade begonnen, da probierte Adrian Sutil einen verzweifelten Versuch, um am Toro Rosso von Jaime Alguersuari vorbeizukommen. Der Angriff schlug fehl, Sutil fuhr dem Spanier gegen das rechte Hinterrad und drehte sich. Im Laufe seines Drehers kam er auf die Ideallinie zurück und fuhr so Nick Heidfeld in den Weg, der Sutil die Fahrzeugnase wegrammte - beide Fahrer mussten danach aufgeben.
"Ich musste probieren, ihn zu überholen", erklärte Sutil. "Er war so langsam. Das war andere eine Klasse, wo er gefahren ist. Mein Rennen war wegen der Strategie schon schwer gefährdet. Ich hatte viel Zeit verloren. Oft war ich knapp dran, aber es hat nicht geklappt. Dort habe ich dann eine Chance gesehen, es probiert, leider hat es nicht geklappt." Der Unfall zwischen Sutil und Heidfeld wird nach Rennende von den Rennkommissaren untersucht.
Die vielen Teile auf der Strecke lösten eine Safety Car Phase aus, die wiederum viel Betrieb in der Boxengasse hervorrief. Besonders hektisch ging es bei Toro Rosso zu, wo Jaime Alguersuari zu früh losfuhr, beinahe den Tankschlauch herausriss und seinen Tankmann zu Boden schickte. Die Szenen erinnerten an den herausgerissenen Tankschlauch von Felipe Massa im Vorjahr.
Das Ziel erreichte Alguersuari trotzdem nicht: Er musste seinen Toro Rosso in der gleichen Runde wie sein Teamkollege Sebastien Buemi an der Box abstellen. Auch Konzernkollege Mark Webber sah die Zielflagge nicht. Der Australier flog wegen eines Bremsproblems ab. Bis dahin lag er auf Punktekurs, obwohl er einige Plätze im Vergleich zu seiner Startposition verloren hatte, unter anderem, weil er in der Startphase Fernando Alonso rechts neben der Strecke überholte und danach Alonso sowie Glock vorbeilassen musste, der sich zwischen die beiden geschoben hatte. Die letzten Punkteränge gingen an Heikki Kovalainen und Robert Kubica auf den Plätzen 7 und 8.
Der Pechvogel des Rennens war Nico Rosberg. Der Deutsche lag auf Kurs zu Platz 2, als er nach seinem ersten Boxenstopp einen Fehler beging und über die weiße Linie auf die Strecke fuhr. Die folgende Drive Through Strafe konnte er aber erst nach der Safety Car Phase wegen des Sutil-Heidfeld-Unfalls absitzen, so dass er bis ans Ende des Feldes zurückfiel. -
Vettel verstand die Strafe nicht: Red Bull war verwundert
Weder Sebastian Vettel noch Mark Webber konnten wirklich verstehen, warum sie in Singapur Strafen bekamen. Christian Horner war einfach enttäuscht.
Ändern wird sich das Rennergebnis von Singapur deswegen im Nachhinein nicht mehr lassen, aber Sebastian Vettel und auch Red Bull Racing waren nach dem Rennen weiter überzeugt, dass es beim zweiten Boxenstopp des Deutschen zu keiner Geschwindigkeitsübertretung gekommen war. Man sprach deswegen sogar bei den Rennkommissaren vor, aber die sahen keine Veranlassung, ihr Urteil abzuändern. Die Durchfahrtsstrafe, die Vettel deswegen bekam, kostete ihn Platz zwei und damit drei Punkte, die er in der WM mehr gegenüber Jenson Button hätte aufholen können.
"Man schaut, wenn man die Box runter fährt hat man Zeit dafür. Ich hatte keine Eile und war überrascht, als der Funkspruch kam", sagte der Red-Bull-Pilot, bei dem sich im Rennen noch dazu ein Rückspiegel abgelöst hatte und der Diffusor beschädigt war. Denn er hatte sich ohnehin keine Chancen darauf ausgerechnet, Lewis Hamilton überholen zu können. So sind seine WM-Chancen nur mehr sehr theoretisch, doch Vettel konnte nur noch einmal betonen, dass die Geschichte viele Beispiele gezeigt habe, dass noch viel passieren kann. "Bei den nächsten Rennen wird unser Zugang recht einfach: wir werden versuchen, die Pole Position zu holen und zu siegen. Das ist recht simpel."
Schlechte Bremsen
Größtes Problem neben der etwas fragwürdigen Strafe waren für Vettel die Bremsen. Er wusste von Beginn an, dass es damit eng werden würde und er wollte sie schonen. "Das hat gut funktioniert, gerade als ich im ersten und zweiten Stint im Verkehr steckte. Man muss immer auf das Auto hören, das hat geklappt." Die Bremsen wurden seinem Teamkollegen Mark Webber ganz zum Verhängnis, da er mit einem Defekt aus dem Rennen rutschte. Das Problem kündigte sich an, weswegen beim Boxenstopp ein optischer Check durchgeführt wurde. "Es erschien mir vernünftig, noch weiterzumachen, aber dann kam der Ausfall. Die Jungs taten alles ihnen Mögliche - ich denke, sie waren nur Sekunden davon entfernt, mich rauszuwinken, als ich den Defekt hatte. Es ist enttäuschend.
Schon davor hatte er eine Enttäuschung hinnehmen müssen. Denn er hatte sich in einer harten ersten Runde in Kurve sieben gegen Fernando Alonso durchgesetzt, wobei er aber die Strecke verließ. Deswegen entschieden die Stewards einige Runden später, Webber müsse Alonso wieder durchlassen. "Leider war da schon Glock zwischen uns, also ging mir die harte Arbeit des ersten Stints verloren. Es war eine harte Strafe. Kimi machte in Spa etwas Ähnliches und kam damit davon." Dank der nicht verstandenen Strafen war der Tag für Teamchef Christian Horner jedenfalls kein lustiger. "Ein wirklich enttäuschender Tag - und leider einer mit zu vielen Zwischenfällen", klagte er. -
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Haug: Kein Siegfavorit in Suzuka: Updates sollen helfen
Nach dem zweiten Saisonsieg von Lewis Hamilton tritt McLaren auf die Euphoriebremse: In Suzuka sieht man sich nicht als Siegfavorit.
Zwei Siege und 45 Punkte aus den letzten fünf Rennen: McLaren Mercedes meldete sich nach dem schwachen Saisonstart eindrucksvoll an der Spitze zurück. "Und es hätten noch mehr Punkte sein können", merkt Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali an. So verlor Lewis Hamilton durch seinen Unfall in Monza einen weiteren Podestplatz. In Singapur holte er das nach - mit einem Sieg.
Eine Wiederholung dessen erwartet das Team beim nächsten Rennen in Japan nicht. "Ich denke nicht, dass wir in Suzuka zu den Sieg-Favoriten gehören", sagt Norbert Haug, dem Teamchef Martin Whitmarsh zustimmt: "Wir sind uns klar, dass ein Sieg in diesem Jahr nicht leicht fallen wird, doch die Verbesserungen an unserem Auto, die wir bereits am vergangenen Wochenende in Singapur erfolgreich eingesetzt haben, sollten uns weiter voran bringen."
Diese Verbesserungen, vor allem am Unterboden, machen auch den Fahrern Mut. "Suzuka ist nicht ideal für unser technisches Paket", gesteht Heikki Kovalainen. "Ähnlich wie in Silverstone oder Istanbul wird es in den schnellen Kurven auf hohen Abtrieb sowie auf eine gute mechanische und aerodynamische Balance ankommen." Aber er bleibt zuversichtlich: "Wir haben im Laufe der Saison mit unserem Auto große Fortschritte erzielt und sollten deshalb in Japan gut abschneiden können."
An Japan selbst hat der Finne gute Erinnerungen. "Der Grand Prix in Fuji 2007 war eines meiner besten Formel 1-Rennen; damals wurde ich bei starkem Regen Zweiter hinter Lewis." Suzuka ist für den Weltmeister Neuland. "Es kommt mir so vor, als würde ich schon mein ganzes Leben darauf warten, endlich in Suzuka zu fahren und ich freue mich schon sehr auf den Trainingsbeginn am Freitagmorgen", sagt Hamilton. Die Strecke kennt er nur aus Computerspielen und dem Simulator.
Das Ziel für das Wochenende sind erneut so viele Punkte wie möglich. Denn noch hat McLaren den dritten Platz in der Konstrukteurswertung nicht aufgegeben. Für Whitmarsh wäre das ein schöner Bonus: "Wir versuchen immer, Ferrari zu schlagen." -
15. Japan GP / Suzuka International Racing Course
Japan: Die F1 im Land der aufgehenden Sonne
Willkommen auf dem Jahrmarkt der Formel 1: Nicht nur aufgrund des benachbarten Vergnügungsparks mit seinem berühmten Riesenrad legt der Suzuka Circuit den Vergleich mit einer Kirmes nahe. Die Streckenführung des ultraschnellen Kurses lässt die Fahrer sich oftmals wie auf einer Achterbahn fühlen.
So stellt beispielsweise der nach seinem Radius benannte, extrem schnelle Linksknick "130R" eine der größten Herausforderungen im gesamten WM-Kalender dar. Überhaupt ist die letzte neben Spa-Francorchamps im Rennkalender vertretene Naturrennstrecke die ultimative Herausforderung für Mensch und Technik.
Die Piloten müssen in Passagen wie der ultraschnellen Linkskurve "130R" ebenso ein fahrerisches Feuerwerk zünden wie in den "Esses" nach Start und Ziel. Dort werden die Fliehkraft-Kurven der Datenaufzeichnung bis zu den Anschlägen ausgereizt.
Trotzdem bietet die Strecke nicht allzu viele Überholmöglichkeiten, von denen die Bremszone vor der engen Schikane am Ende der Runde theoretisch noch eine der besten Chancen auf einen erfolgreichen Platzwechsel bietet. Die Schikane ist jedoch so eng, dass sie bis heute schon häufig Schauplatz einiger unvergessener Kollisionen geworden ist.
Auf der fahrerisch sehr anspruchsvollen Strecke stellen vor allem der Grip und die Balance des Fahrzeugs entscheidende Faktoren dar, wobei auch der Bremskraftverstärker eine wichtige Rolle spielt, wenn es kurz vor der Haarnadelkurve darum geht von über 270 km/h auf knapp 60 km/h herunterzubremsen. Der Reifenverschleiß ist in Suzuka aufgrund des rauen Asphalts relativ hoch. -
Vorschau: Grand Prix von Japan
Lewis Hamilton:
„Es kommt mir so vor, als würde ich schon mein ganzes Leben darauf warten, endlich in Suzuka zu fahren und ich freue mich schon sehr auf den Trainingsbeginn am Freitagmorgen. Ich kenne die Strecke schon von Computerrennspielen aus meiner Kindheit, aber das ist natürlich nichts verglichen mit der Realität. Suzuka ist eine echte Fahrerstrecke – die S-Kurven im ersten Sektor sehen nach einer großen Herausforderung aus und in den Hochgeschwindigkeitskurven im letzten Teil der Runde werden wohl hohe Präzision und eine gute Balance des Autos gefragt sein.
Ich freue mich auch auf die Rückkehr nach Japan – eines meiner Lieblingsländer. Ich fahre gerne vor dem japanischen Publikum und erwarte ein tolles Wochenende.“
Heikki Kovalainen:
„Der Grand Prix in Fuji 2007 war eines meiner besten Formel 1-Rennen; damals wurde ich bei starkem Regen Zweiter hinter Lewis. Ich freue mich, dass wir in Suzuka wieder auf einer klassischen Strecke fahren, allerdings ist dieser Kurs für unser technisches Paket nicht ideal. Ähnlich wie in Silverstone oder Istanbul wird es in den schnellen Kurven auf hohen Abtrieb sowie auf eine gute mechanische und aerodynamische Balance ankommen. Aber ich bin zuversichtlich: Wir haben im Laufe der Saison mit unserem Auto große Fortschritte erzielt und sollten deshalb in Japan gut abschneiden können.“
Martin Whitmarsh, Vodafone McLaren Mercedes Teamchef
„Suzuka gehört neben Spa-Francorchamps zu den tollsten Strecken der Formel 1 und die Fahrer lieben es, dort zu fahren. Unser Team erlebte dort einige schöne Momente, zuletzt 2005, als Kimi Räikkönen erst eingangs der letzten Kurve die Führung übernahm und einen der spektakulärsten Grand Prix gewann, die ich je erlebte.
Wir sind uns klar, dass ein Sieg in diesem Jahr nicht leicht fallen wird, doch die Verbesserungen an unserem Auto, die wir bereits am vergangenen Wochenende in Singapur erfolgreich eingesetzt haben, sollten uns weiter voran bringen, dazu gehören vor allem Änderungen am Fahrzeugboden. Es wird interessant zu sehen, wie wir damit im Vergleich zu unseren Konkurrenten aussehen.“
Norbert Haug, Mercedes-Benz Motorsportchef
„Sportlich ist der Grand Prix in Suzuka eine der größten Herausforderungen aller 17 Rennen des Jahres. Das Layout der Strecke hat alles, von der ultraschnellen Kurve 130 R bis zur langsamen Haarnadel. Mit Kimi Räikkönen gewannen wir 2005.
Mit zwei Siegen und 45 Punkten aus den letzten fünf Rennen, zuletzt am vergangenen Sonntag in Singapur, hat unser Team den Aufwärtstrend fortgesetzt. Ich denke nicht, dass wir in Suzuka zu den Sieg-Favoriten gehören, doch alle im Team arbeiten hart dafür, die Saison mit weiteren guten Ergebnissen in Japan und den danach folgenden zwei Rennen in Brasilien und Abu Dhabi abzuschließen.“ -
Der Fahrermarkt in der Formel 1
Suzuka (dpa) - Der Transfer von Fernando Alonso zu Ferrari hat das Fahrerkarussell der Formel 1 in Schwung gebracht. Die Deutsche Presse-Agentur dpa dokumentiert den Stand der Dinge:
Lewis HAMILTON: Bei McLaren-Mercedes gesetzt. Vertrag bis 2012, klare Nummer 1 und mit starkem Rückhalt im Team.
Heikki KOVALAINEN: Auf der Streichliste der Silberpfeile. Konnte die Erwartungen nur selten erfüllen. Noch ohne Arbeitgeber für 2010.
Felipe MASSA: Verletzt und doch fest bei Ferrari für 2010 eingeplant. Risiko: Wie schnell ist er nach dem Comeback?
Kimi RÄIKKÖNEN: Muss sein Cockpit bei der Scuderia Fernando Alonso überlassen. Optionen: Rückkehr zu McLaren-Mercedes oder Rallye-WM.
Giancarlo FISICHELLA: Der 36 Jahre alte Massa-Ersatz hat einen Rentenvertrag als Testpilot für 2010.
Robert KUBICA: Nach dem Ausstieg von BMW auf der Suche. Könnte in der kommenden Woche bei Renault unterschreiben.
Nick HEIDFELD: Will mit BMW-Sauber-Nachfolger «Qadbak» verhandeln, hat aber nach eigenen Worten auch andere Gesprächspartner.
Fernando ALONSO: Verlässt Renault und erhält bei Ferrari einen Vertrag für mindestens drei Jahre.
Romain GROSJEAN: Bei Renault Nachfolger von Skandalpilot Nelson Piquet Jr. Bislang noch überfordert. Zukunft ungewiss.
Jarno TRULLI: Toyota ließ Option auf Vertragsverlängerung vorerst verstreichen. Muss sich umsehen.
Timo GLOCK: Siehe Trulli. Der Wersauer verhandelt schon mit anderen Teams, wartet aber auf Toyotas endgültige Entscheidung.
Jaime ALGUERSUARI: Der Formel-1-Fahrschüler ersetzte in Ungarn den glücklosen Sebastién Bourdais und darf wohl 2010 weiter üben.
Sébastien BUEMI: Geht es nach Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost, bildet der Schweizer mit Alguersuari auch im kommenden Jahr das Fahrerduo.
Mark WEBBER: Hat sich mit soliden Leistungen und seinem ersten Grand-Prix-Sieg das Red-Bull-Cockpit auch für 2010 gesichert.
Sebastian VETTEL: Ist bis 2011 an Red Bull gebunden, mit der Option auf ein weiteres Jahr.
Nico ROSBERG: Umworben und wohl auf dem Weg von Williams zu BrawnGP, weil dort angeblich auch Mercedes groß einsteigen will.
Kazuki NAKAJIMA: Keine Punkte, keine Argumente. Der Japaner darf nur bleiben, wenn Toyota auch künftig die Motoren für Williams liefert.
Nico HÜLKENBERG: Der Williams-Testfahrer und GP2-Meister darf auf den Aufstieg zum Stammpiloten hoffen.
Adrian SUTIL: Erste Option ist Force India. Nach dem Weggang von Fisichella und dem jüngsten Aufschwung mit guten Chancen.
Vitantonio LIUZZI: Der Fisichella-Nachfolger muss sich noch weiter beweisen. Noch keine feste Größe, muss zittern.
Jenson BUTTON: Fast-Weltmeister, aber offiziell noch ohne Vertrag. Dürfte aber das Brawn-Cockpit auch 2010 sicher haben.
Rubens BARRICHELLO: Muss Brawn wohl verlassen. Gilt als 37-Jähriger als Mann ohne Zukunft. Jüngstes Gerücht: Cockpit-Tausch mit Rosberg.
© sueddeutsche.de - erschienen am 01.10.2009 um 11:30 Uhr
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