Tauchen in Ägypten

      Tauchen in Ägypten

      Neue Tauchbasis in Hamata
      Nun auch im tiefen Süden Ägyptens vertreten, eröffnet Emperor Divers sein neues Tauchcenter in Hamata. Das Tauchgebiet ist bekannt als eines der schönsten und gleichzeitig noch unberührtesten Spots im Roten Meer.

      Mike Braun, General Manager, meint: "Hier ist ein riesiges Riffsystem, wo man auch einige Wracks finden kann, die bislang fast ausschließlich von Safarischiffen besucht werden konnten". Mit Hausriff vor der Basistür und Tagesbooten, die direkt vom kleinen Hafen Hamatas starten, ist die neue Basis gut gelegen für Taucher, die einige der spektakulärsten Riffe im Roten Meer erkunden wollen. Weitgehend unberührt und fernab der großen Touristenströme, bieten die Plätze um Hamata Großfisch, beeindruckende Korallenlandschaften, Wracks und Grotten mit atemberaubenden Sichtweiten. Voraussichtlich ab Mitte 2013 werden auch einwöchige Safaris und Mini-Safaris von Hamata aus starten. Weitere Informationen unter www.emperordivers.com.
      Neuer Tauchspot in Ägypten
      Hamata ist das neue Hurghada


      Ein Urlaub am Roten Meer, das hieß früher: Hurghada. Doch der Trubel in der Russen-Hochburg treibt Taucher und Surfer mittlerweile in den Süden – nach Hamata, wo Delfine, Höhlen und das längste Korallenriff des Meeres locken.

      Kleines Geplänkel an der Passkontrolle des Münchner Flughafens. Wo es denn hingehe, fragt der Beamte den Abreisenden, und wünscht „einen schönen Urlaub“. Ob er mitkommen wolle, scherzt der. „Nicht nach Ägypten“, antwortet der Bundespolizist wie aus der Pistole geschossen, und dann, nach kurzem Zögern: „Ein muslimisch regiertes Land, das brauche ich eher nicht.“

      Es sind hohe Maßstäbe, welche viele Deutsche derzeit an das Land der Pharaonen legen. Maßstäbe, nach denen man auch nicht nach Dubai, Saudi-Arabien oder die Malediven reisen dürfte. Alles moslemische Gottesstaaten – mit dem Unterschied, dass die Menschen dort nicht oder weniger lautstark aufbegehren. Die Zusammenstöße in Städten wie Kairo und Port Said haben dem Image als Urlaubsparadies mit ewiger Sonne geschadet; und mancher, der die verführerisch niedrigen Preise für die kleine Winterflucht studiert, fragt sich: Kann man denn jetzt hin? Darf man dahin?

      Mann kann, und man darf. Finden jedenfalls die 180 Passagiere in dem Condor-Airbus – nur einem von vielen vollbesetzten Flugzeugen, die auch an diesem Tag aus Deutschland, Italien, Schweden oder der Schweiz nach Marsa Alam starten.
      Das gehört zu den als sicher geltenden Touristenzentren,weitab von den politischen Brennpunkten. Trotzdem: Manche Airline dünnt ihre Flugpläne aus. Und 280 Kilometer südlich von Marsa Alam sitzt Andi, der Tauchlehrer, und stellt fest: „Das hat schon eine Auswirkung, dass im Fernsehen so viel über die Unruhen berichtet wurde.“

      300 Kilometer weiter beginnt der Sudan

      Andi leitet Tauchbasis in Hamata, eine von vielen der Orca-Diveclubs, die sich entlang der Westküste des Roten Meeres aufreihen. Das Hotel ist so ziemlich das südlichste auf am ägyptischen Ufer, keine 300 Kilometer weiter beginnt der Sudan. Hier gibt es zwar keinen Traumstrand, aber Traumreviere – für Wind- und Kitesurfer, und für Taucher: Die Korallenriffe vor Hamata waren noch vor wenigen Jahren nur mit mehrtägigen Touren auf Safarischiffen erreichbar.

      Vor allem Touristen mit großen Taschen landen hier an, nach einer zweistündigen Fahrt vom Airport über eine gut ausgebaute, immer wieder von Polizei-Kontrollstellen unterbrochenen Straße. Die Surf- oder Tauchausrüstung gehört zum Standard der deutschen Gäste. Die reinen Badegäste stammen vor allem aus Italien. Russische Reisende sind kaum anzutreffen.

      Das mag denjenigen erstaunen, der das nördliche Touristenzentrum Hurghada kennt, auf dessen Flughafen auch schon mal eine Boeing 747 einer russischen Linie parkt. Auch das war mal ein kleiner Ort aus wenigen Hütten, so wie heute Hamata. Auch das startete mit Gästen aus Deutschland und Italien eine Karriere als Tauchspot. Dann kamen die Golf-Kriege, und die riesigen, neuen Hotels standen fast leer.

      Wenn nicht gerade ein Zerstörer der US Navy seine Besatzung zum Landurlaub absetzte, verirrten sich in jenen Zeiten nur wenige Touristen dorthin. Die Russen aber fragten damals nicht nach Krieg oder Krise, übernahmen in den 90-ern die Rolle der umworbenen Stammgäste und ließen wieder anschwellen zu einer gigantischen Sommer-Sonne-Freizeit-Bühne. Bis zu zehn, zwölf Tauchschiffe können heute dort an einem einzigen Riff liegen; und wer diesen Unterwassersport nicht gelernt hat und ihn nicht lernen will, der lässt sich eben, mit 20 Kilo Blei unter Wasser gedrückt, von Diveguides über das Riff schleppen.


      Dementsprechend sieht die Korallenflora und -Fauna dort aus. Welch ein Unterschied zu Hamata: Die vielfältige Unterwasser-Szenerie präsentiert sich lebendig und intakt. Shaab Sataya etwa, das größe Riff des Roten Meeres, 45 Kilometer lang und nach einer zweistündigen Fahrt mit einem der Tauchschiffe zu erreichen, beeindruckt mit seinen prächtigen Korallengärten auch weitgereiste Taucher.

      Manchmal gesellen sich Delfine zu den merkwürdigen Gestalten mit den Stahlflaschen auf dem Rücken, manchmal begleiten sie vor oder nach dem Tauchgang das durch die Wellen pflügende Schiff. Aber solche Begegnungen hängen von der Laune der Meeressäuger, dem Wetter und vielem mehr ab. Mit gezielten Ausfahrten zu Stellen mit bekannten Delfin-Population helfen Andi und sein Team dem Glück etwas auf die Sprünge, und lassen die Schnorchler mitten in die Gruppe der Tiere hüpfen. Aber auch hier gilt: Wenn sich die Delfin von den Gästen genervt fühlen, drehen sie ab und entgleiten majestätisch ins Blaue. Manch einer flosselt ihnen nach – mit der Chance einer Schnecke, die einem Schmetterling zu folgen versucht.

      Ein Meer ist eben kein Aquarium mit Begegnungs-Garantie. Das gilt auch für die große Schildkröte zwischen sonnendurchfluteten Korallen: Eben hier, schwebt sie schon wieder fort. Über dem Drop-Off, dort,
      wo das Riff mehrere hundert Meter in den Abrund führt, tummeln sich vielleicht große Fische wie Haie und Barracudas. Vielleicht auch nicht. Vielleicht später.

      Geheimtipp Unterwasserhöhlen
      Sicher vor Ort sind dagegen die Höhlen von Claudio: Unterseeische Durchbrüche im Felsen, immer wieder von Lichtstrahlen durchdrungen und für Taucher mit ein wenig Erfahrung durchaus beherrschbar. Auch die Safarischiffe, die vor dem südlichen Ägypten kreuzen, steuern sie als Ziel an.

      Aber selbst an beliebten Tauchplätzen liegen in der Regel maximal zwei Boote zur selben Zeit. An Bord der Schiffe, die bis zu 30 Passagiere aufnehmen können, teilen sich derzeit an manchen Tagen weniger als zehn Sonnendeck und Taucher-Plattform. Schlecht für Leute wie Andi, deren Geschäft am Tauch-Tourisms hängt. Gut für alle, die Ägypten auch in unruhigen Zeiten die Treue halten.

      Tauchen und Fotoworkshop in Marsa Shagra

      Tauchen und Fotoworkshop in Marsa Shagra
      Die Highlights im Roten Meer professionell auf Foto gebannt!

      Fotoworkshop mit Herbert Frei
      05.09. - 12.09.2013
      im «Eco-Village Marsa Shagra»

      Der renommierter Unterwasserfotograf und Buchautor Herbert Frei zeigt im Workshop wie es geht:
      Vom Einsteiger bis zum Fortgeschrittenen, ob Makro- oder Weitwinkel - Herbert Frei erklärt individuell, wie Sie das Beste aus Ihrer Kamera holen! Der Workshop umfasst Themen wie Nah- / Makro- und Weitwinkelfotografie, Ausleuchtung und Blitzbelichtung, Partnerfotografie, Korallen und Riff-Fische sowie Wartung und Ausrüstungspflege.

      Alle Fotos werden nach dem Tauchgang oder am Abend besprochen und Sie erhalten anhand Ihrer Ausrüstung persönliche Tipps, wie Sie die Ergebnisse für den nächsten Tauchgang verbessern können. Und das in ungezwungener Atmosphäre mit anderen Tauchbegeisterten im «Eco-Diving Village Marsa Shagra». Dieses, wie auch die Villages «Marsa Nakari» und «Wadi Lahami» der Red Sea Diving Safari, gehören seit Langem zu unseren beliebtesten Resorts für Taucher und Schnorchler. Das Konzept eines naturnahen, umweltschonenden Tourismus über und unter Wasser überzeugt immer mehr Gäste.

      Das Marsa Shagra Village liegt direkt am Strand in einer schönen Bucht. Die verschiedenen Unterkünfte sind gruppiert in der Anlage verteilt. Vom leicht erhöhten Restaurant aus erhält man einen herrlichen Blick auf das Rote Meer. Das artenreiche Hausriff mit nördlichem und südlichem Einstieg ist seit 20 Jahren ein geschütztes Gebiet und Heimat von über 300 Fischarten und knapp 100 Korallenarten. Zusätzlich sind rund 20 Tauchplätze zwischen 5 und 30 Minuten per Zodiac erreichbar, darunter auch das berühmte Elphinstone.

      1 Woche inkl. Vollpension, alkoholfreie Getränke, 5 Tage nonlimit Tauchen sowie Workshop sowie Transfer ab 528 €/Person.

      Weitere Informationen:

      SAMreisen GmbH & Co. KG
      Weißer Berg 3, 56567 Neuwied, Germany
      Tel : +49 2631 9559-0
      Mail:
      dialog@sam-reisen.de
      Web: www.sam-reisen.com
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      reisemarkt • 10.06.2013
      Sommer-Special für Vieltaucher

      SAM-Reisen bietet auf der "Asmaa" spezielle Sommer-Safaris an. Die Touren starten im Juni, Juli und August und gehen in den tiefen Süden Ägyptens


      Maximaler Tauchspaß: Durch kurze Anfahrten sind bis 25 Tauchgänge in der Woche sind möglich! Der Abfahrtshafen Hamata spart erheblich an Fahrtzeit zu den St.-Johns-Riffen und zu den legendären Fury Shoals ein, was mehr Tauchzeit und Tauchspaß an diesen atemberaubenden Tauchspots im tiefen Süden Ägyptens erlaubt. Die für Taucher maßgeschneiderte 28 Meter lange Motorjacht "Asmaa" bietet Platz für 20 Gäste in zehn Doppelkabinen mit eigenem Bad. Alle Kabinen und der Salon sind klimatisiert. Es gibt ein großzügiges Tauchdeck, ein Sonnendeck sowie je nach lokaler Verfügbarkeit gratis WLAN. Auch Nitrox steht kostenlos zur Verfügung. Jeder Taucher erhält auf Wunsch zwei Nitrox-Tanks täglich. Ein großzügiges Tauchdeck erlaubt entspannte Tauchvorbereitungen und nach dem Tauchen sorgt das Sonnendeck für Erholung.

      Juni, Juli und August
      Die "Fury & Friends"- und die "Fury & St. Johns"-Touren (jeweils 7 Nächte) sind ein tolles Angebot für Taucher, die eine der besten Riffe des Roten Meeres mit maximalen Tauchspaß erkunden wollen. Die Safaris beginnen immer donnerstags mit sechs Übernachtungen an Bord. Die letzte Übernachtung verbringen die Gäste im WHR Berenice Resort. Das Sommerspecial kann zu folgenden Terminen gebucht werden:
      - "Fury & Friends": Abfahrt 27. Juni, 8. und 22. August 2013
      - "Fury & St. Johns": Abfahrten 4. und 18. Juli, 15. August 2013

      Der Safaripreis beträgt 578 Euro pro Person. Im Preis enthalten ist eine halbe Doppelkabine, Leistungen laut Programmausschreibung. Zusatzkosten: Visum sowie Fluganreise, z.B. mit Sun Express ab Frankfurt nach Marsa Alam ab 320 Euro. Info: www.sam-reisen.de
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      Tauchen an der "Turkia": Mein Wrack! Mein Schatz!

      Von Linus Geschke

      Die Badewanne des Kapitäns, Rettungswesten und der Maschinenraum: In der "SS Turkia" bringt jeder Flossenschlag eine neue Entdeckung. Das gut erhaltene Wrack im Roten Meer ist ein Traum für Taucher und leicht zu erkunden - jedoch nicht leicht zu finden.

      Vom Touristenmekka Hurghada aus stampft das Tauchsafarischiff seit endlosen Stunden stur gen Norden. Immer mit zehn Knoten Geschwindigkeit, in einem ständigen Auf und Ab, bis weit in den Golf von Suez hinein. Backbord zieht die Küste vorbei. Steuerbord riesige Containerschiffe, denen ein Kapitän nicht in die Quere kommen sollte, wenn das eigene Schiff nur 36 Meter lang und aus Holz gebaut ist.
      16 Taucher sind an Bord. Sie möchten zu den Ersten gehören, die an der "SS Turkia" abtauchen, einem Versorgungsfrachter aus dem Zweiten Weltkrieg, dessen genaue Lage nur unter der Hand weitergegeben wird. "Du musst jemanden kennen, der jemanden kennt, der weiß, wo das Schiff liegt und es dir auch verrät", sagt Christiane Nedwed, Inhaberin von Seawolf Diving. In diesem Fall war es, wie so oft, ein Fischer.

      Es gibt weltweit in für Sporttaucher erreichbaren Tiefen nur wenige Wracks, die kaum betaucht und nahezu ungeplündert sind. Sehr wenige. Sie sind für wahre Altmetall-Enthusiasten das, was für Gollum der Ring war: ein Schatz, den man hüten will.

      Die Gegend, in der die "Seawolf Soul" am Ende ihrer Fahrt vor Anker geht, ist für Touristen normalerweise nicht interessant. In der Ferne sieht man einen kleinen Ort mit verstreut liegenden Hütten, auf denen Satellitenschüsseln stehen. Ein kümmerlicher Leuchtturm reckt sich trotzig dem Himmel entgegen, daneben verläuft eine einsame Landstraße. Das trostlose Szenario ist eingebettet in eine Welt aus Sand und Geröll.

      Wolken aus Fisch

      Doch der Schatz, den die Taucher suchen, liegt ja nicht an der Küste, sondern unter dem Kiel ihres Schiffes, in maximal 24 Meter Tiefe. Sie steigen in ihre Ausrüstung, ein letzter Check, dann folgt der Schritt vom Deck ins Wasser.

      Schon kurz nach dem Sprung wird klar, dass sich jede einzelne der rund 14 Stunden der Anreise gelohnt hat. Die "Turkia" ist eine Arche des Lebens mitten im weiten Blau des Roten Meeres. Der gut 91 Meter lange und knapp 13 Meter breite Frachter ist dermaßen von Fisch umhüllt, dass man ihn stellenweise nicht mehr sehen kann.

      Ein riesiger Schwarm junger Barrakudas umkreist die Aufbauten. Sie gleichen einer pulsierenden Wolke aus silbernen Leibern, die sich in die Laderäume ergießt, um dann in Richtung der Bugspitze weiterzuziehen. Begleitet werden sie von Abertausenden Streifen-Füsiliere, barschartigen Fischen, die manches Mal durch ihre schiere Masse sogar das Sonnenlicht verdecken.

      Torpedorochen liegen träge auf den Decksplanken, Rotfeuerfische kämpfen gegen Nacktschnecken und Muränen um die Aufmerksamkeit der Fotografen. Wer eine Taucherlampe dabeihat, kann die Farben der Korallen aufblitzen lassen, die nahezu jede Stelle des Schiffsstahls bedecken: ihr leuchtendes Rot, Orange und Purpur.

      Weichkorallen hängen von der Reling wie Weintrauben herab, während die Gorgonien mit ihren großen Fächern selbst in geöffneten Bullaugen wachsen. Doch an keiner Stelle wird die Unberührtheit der "Turkia" so deutlich sichtbar wie im Bereich der Kombüse.

      Hier liegen noch Weinflaschen und Stiefel auf dem Boden, man findet Besteck, Teller und eine Rettungsweste, die mit dem Schiffsnamen versehen ist. Es sind Dinge wie diese, die den Unterschied zwischen einem Wrack und einem Schatz ausmachen. Dinge, die mit als Erstes entwendet werden, wenn die Plünderung einer Schiffsruine beginnt, an deren Ende eine seelenlose Hülle steht.

      Vom Frachter zum künstlichen Riff

      Im Mai 1941 sank die "Turkia" auf ihrer Fahrt von New York nach Piräus, als im dritten Laderaum ein Feuer ausbrach. Geladen hatte sie Reifen, Kabel und Munition für griechische Soldaten, die sich den Deutschen auf ihrem Balkan-Feldzug entgegenstellten. Was im Krieg unterging, ist heute ein künstliches Riff geworden sowie ein stählernes Zeugnis dafür, dass die Natur am Ende immer der Sieger bleibt - solange der Mensch ihr nicht ins Drehbuch pfuscht.

      Die letzten Minuten des Tauchgangs führen zum Bug, das senkrecht nach unten zeigt. Abgerissene Fischernetze hängen an ihm herab und geben dem Wrack ein noch mystischeres Flair. Auf dem Anker, der fest in seiner Klüse sitzt, haben sich Anemonen angesiedelt, bewacht durch orangefarbene Clownfische mit weißen Streifen an den Seiten - Kerlchen von maximal 15 Zentimetern Länge, die sich jedem potentiellen Angreifer wagemutig entgegenstellen.

      Irgendwann geht die Pressluft zur Neige. Während des Aufstiegs werden die Taucher von Makrelen begleitet, deren Bäuche rundgefressen sind durch das Überangebot an Nahrung. Dann folgt der Sicherheitsstopp in fünf Meter Tiefe und ein letzter Blick zurück: Die "Turkia" ist schon wieder verschwunden, unsichtbar geworden hinter einem Vorhang aus Fisch.
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      Tauchen in Ägypten
      Am Wrack der guten Hoffnung
      12.11.2013 · Die Rettung des geschüttelten ägyptischen Tourismus ist das Wrack der „Turkia“ im Roten Meer wohl nicht. Aber ein noch ungehobener Tauchschatz.

      Wellen plätschern gegen die Bordwand, das Meer liegt ruhig da, als wäre es mit Öl überzogen. Direkt unter dem Tauchsafarischiff, in maximal 24 Metern Tiefe, liegt die „SS Turkia“, das Wrack eines britischen Versorgungsfrachters aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Taucher sind bereit, ein letzter Blick noch, vor dem Sprung ins Blau. Die Küste ist nicht weit entfernt, man sieht die Häuser eines kleinen Orts, den Leuchtturm von Zafarana. Ansonsten gibt es nicht viel in dieser entlegenen Region Ägyptens; keine Hotels, keine Tauchbasen, keine bedeutenden Kulturdenkmäler. Die Einheimischen leben vom Fischfang und den wenigen Jobs, die sie auf den Bohrinseln im Golf von Suez bekommen, einem nordwestlichen Ausläufer des Roten Meeres.

      Noch kurz die Ausrüstung überprüfen, dann der große Schritt nach vorne. Schon beim Abstieg erkennen die Taucher die Konturen des Wracks, trotz der mäßigen Sicht, die hier höchstens 15 Meter weit reicht. Die „Turkia“, die bei ihrem Stapellauf 1909 im englischen Hull noch „Livorno“ hieß, steht aufrecht wie ein stählernes Monument auf ihrem Kiel. Sie ist eine Arche Noah des Lebens, eingebettet in die Wüste aus Wasser und Sand. Abertausende junger Barrakudas ziehen über die gut 91 Meter lange und knapp 13 Meter breite Schiffsruine hinweg, ergießen sich in die offenen Laderäume und teilen sich vor den Aufbauten, um sich dahinter wieder zu einer Wolke zu verdichten. Das Wrack verschwindet stellenweise hinter so viel Fisch, und es wird einem schwindlig inmitten dieser Masse aus silbern glänzenden Leibern.

      Stahlkoloss im Korallenkokon
      Seit Mai 1941 liegt die „Turkia“ hier. In einem ihrer Laderäume war ein Feuer ausgebrochen, Teile der Munition explodierten. Das 1671 Tonnen schwere Dampfschiff war auf der Fahrt von New York nach Piräus, randvoll beladen mit Reifen, Kabeln und Munition, gedacht für die griechischen Truppen im Kampf gegen die deutschen Soldaten auf deren Balkanfeldzug.

      Viele der Stahlteile sind mittlerweile in einen Kokon aus Korallen gehüllt, und erst im Schein der Taucherlampen zeigen sie ihre ganze Pracht. Es ist eine einzigartige Farbexplosion unter Wasser, in Rot, Gelb und Purpur. Die Natur hat aus dem Schiff in mehr als sieben Jahrzehnten ein künstliches Riff geformt, aus dessen Reling jetzt fein verästelte Gorgonien wachsen und Weichkorallen wie überreife Weintrauben herabhängen.

      Plötzlich verdunkelt sich das Wrack. Der Blick geht nach oben und endet an einer Wand von Streifenfüsilieren. Pulsierend wie ein einziger Organismus ziehen sie nach links und rechts, nach oben und unten. Sind es zehntausend Fische, zwanzigtausend? Ab und zu stoßen jagende Makrelen durch den Schwarm, rasenden Torpedos gleich, während auf dem Schiffsdeck Rotfeuerfische auf Beute lauern. Ob Muränen, Anemonenfische oder Torpedorochen: Jeder Meter, den die Taucher unter Wasser zurücklegen, bringt auf der „Turkia“ neue Entdeckungen.

      Ein fast unberührter Schatz
      Im Bereich der Aufbauten findet man neben farbenfrohen Nacktschnecken auch Ausrüstungsgegenstände, die von der Besatzung stammen. Weinflaschen. Stiefel. Eine Rettungsweste mit dem Namen des Schiffes. Wer noch genauer hinschaut, stößt auf im Sediment verborgenes Geschirr, Besteck und Marmeladengläser - ein sicheres Indiz dafür, dass die „Turkia“ bislang vor größeren Plünderungen geschützt war. Ebenso der Maschinenraum des Schiffs: Er gleicht einem Unterwassermuseum über die Zeiten der industriellen Revolution. Obwohl die Position der „Turkia“ seit mehreren Jahren bekannt ist, gab es bislang nur wenige kommerzielle Touren zum Wrack. Alleine die vierzehnstündige Anfahrt über See kann mühselig werden. Sie führt von der Touristenregion Hurghada nach Norden und gegen die meist aus dieser Richtung heranrollenden Wellen. Bei schlechtem Wetter ist es ein einziges Stampfen und Kämpfen des Boots, immer mit Blick auf den in dichtem Abstand vorbeiführenden Schiffsverkehr. Dafür werden die Taucher vor Ort mit Tauchgängen belohnt, wie es sie weltweit in wärmeren Gewässern nur noch selten gibt. Die große Zeit der spektakulären Wrackentdeckungen ist vorbei, und die bekannten Schiffsruinen sind oftmals zu bedeutenden Wirtschaftsfaktoren geworden - gerade in Ägypten.

      Geliebt und gefährdet
      In dem krisengeschüttelten Land, dem die Bade- und Kulturtouristen in immer größerer Zahl verlorengehen, gehören die Taucher noch zu den treuen Urlaubern. Nicht wenige Einheimische erhoffen sich deshalb von der „Turkia“ einen ähnlichen Boom, wie ihn das Wrack der nahe dem Sinai liegende „Thistlegorm“ bei seiner Wiederentdeckung 1991 auslöste. Bis zu 96000 Tauchgänge jährlich wurden dort absolviert. Sie brachten Geld und Arbeit - und haben aus diesem Wrack ein blankgeputztes Gerippe gemacht, das kaum noch Bewuchs aufweist und von dessen Ladung geraubt wurde, was es zu rauben gab.

      Dass die „Turkia“ dasselbe Schicksal ereilen wird, gilt jedoch als unwahrscheinlich. Denn sie liegt weiter weg. Anders als die „Thistlegorm“ ist sie nur auf einer mehrtägigen Tauchsafari zu erreichen. Wäre das nicht so, die „Turkia“ würde wohl enden wie der viel bekanntere Frachter am Sinai: Skelettiert von Tauchermassen, die vernichten, was sie einst liebten.