Tauchen in Australien

      Tauchen in Australien

      Whitsunday Islands
      (Unter)tauchen im Paradies

      Die Whitsunday Islands im Herzen Queenslands verheißen tropische Inselferien direkt am größten Riff der Welt.

      Harvey aus Airlie Beach hat den besten Job hier: den ganzen Tag nur staunende Augen und freudige Gesichter um sich herum, den ganzen Tag nur begeisterte „Ahs“ und „Ohs“ seiner Passagiere übers Mikrofon am Kopfhörer, ab und zu ein paar Fragen und die Bitte, doch unbedingt noch eine Extraschleife zu fliegen. Linkshänder Harvey rückt dann die Sonnenbrille zurecht, drückt die Sprechtaste und sagt „sure – klar“ ins Mikro. Er greift ins Ruder, geht erst in 60-Grad-Schräglage und dann in den Tiefflug über: Auftakt zu einer Extrarunde mit dem Helikopter übers Great Barrier Reef, das größte Korallenriff der Welt vor den Whitsunday-Inseln der ostaustralischen Provinz Queensland.

      Smaragdgrün schimmert das Wasser 30 Meter unter der Glaskanzel des Hubschraubers, darin gelb, blau, rot oder tiefgrün die Korallen – der Flug wie ein Ritt auf dem Regenbogen! 350 verschiedene Korallenarten leben hier, dazu 1500 Fisch- und 4000 Weichtierarten.


      Mit dem Hubschrauber über das Riff

      Zehn-, zwölfmal pro Tag startet Harvey zu seinen 15-Minuten-Rundflügen (42 Euro pro Person) von der „Reefworld“-Besucherplattform zwei Bootsstunden vor den Whitsundays aus. Und wäre er nicht Pilot, dann würde er den Flug mit Sicherheit dreimal hintereinander als Passagier buchen. Man merkt dem fröhlichen Mann in Shorts an, dass er richtig Spaß am Fliegen hat: hier noch eine Kurve, dort ein Extraschwenk, eine Zusatzrunde übers Riff. In Harveys bunt mit Unterwasserszenen bemalten „Helireef“-Hubschrauber haben maximal vier Passagiere Platz. Und an diesem Mittag ist der Blick aus den Plexiglasfenstern besonders eindrucksvoll: „Ihr habt Glück“, sagt Harvey. „Die Ebbe hier ist selten so extrem wie heute. Es kommt nicht oft vor, dass die oberste Schicht der Korallen aus dem Wasser ragt. Beautiful view! Das achte Weltwunder!“ Er strahlt und muss die Konversation kurz für Funkverkehr mit der Basis unterbrechen.

      Insgesamt erstreckt sich das in rund 20 Millionen Jahren gewachsene Great Barrier Reef auf einer Länge von 2000 Kilometern von Papua-Neuguinea im Norden bis hinunter nach Fraser Island vor der australischen Küste im Süden und nimmt dabei eine Fläche von gut 345 000 Quadratkilometern ein. Das entspricht exakt dem Territorium des wiedervereinigten Deutschlands. Dabei ist das Riff zwischen 30 und 250 Kilometer vom Festland entfernt. Nur wenige ausgewiesene Stellen sind für Tagesbesucher, für Taucher und Schnorchler ungehindert zugänglich. Mittlerweile sind die Korallenbänke auf ihrer vollen Länge von der Unesco als Weltkulturerbe unter besonderen Schutz gestellt worden.


      Sensibles Paradies

      Unter dem Hubschrauber gleitet das Außenriff hinweg. Zwischen den Korallenbänken sind Segelboote, Ausflugsschiffe voller Urlauber und rund um die Reefworld-Plattform auch Schnorchler unterwegs. Ein Paradies in sensiblem Gleichgewicht! Harvey setzt zur Landung auf der Hubschrauber-Plattform „Hardy Reef“ an: Strahlende Gesichter verabschieden sich von ihm, erwartungsfrohe Blicke der nächsten Fluggäste empfangen ihn.


      Bunte Artenvielfalt unter Wasser

      Wer die Korallenwelt unterdessen von unten sehen will, steckt sich das Gummimundstück mit Plastikschlauch in den Mund und gleitet hinab ins 28 Grad warme Wasser zum Tete-à-tete mit Papageien-Fischen, mit Manta-Rochen und zahllosen Artverwandten: Fische in allen nur erdenklichen Farben, Schattierungen und Mustern streifen wie in einer grandiosen Choreografie aufeinander abgestimmt durch die Korallenwälder. Sie lassen sich fast von Hand füttern und umstreichen die Beine der Taucher im kristallklaren Wasser. Wer dagegen lieber nicht nass werden mag, steigt ein paar Stufen hinab ins verglaste Unterdeck der Plattform und staunt den Riffbewohnern durch dicke Scheiben aus dem Trockenen entgegen. Meer und Strand als üppiges Tagesprogramm

      Die Whitsunday-Inseln sind das Tor zum Great Barrier Reef und obendrein beliebteste Ferienregion der Australier selbst – insgesamt 74 Eilande, von denen die meisten zu Nationalparks erklärt worden sind. Meer und Strände bestimmen das Tagesprogramm: Sonnenbaden, Surfen, Segeln, Schnorcheln, Tauchen. Oder schlicht Faulenzen im Liegestuhl mit Cocktail in der Hand und gutem Buch auf dem Schoß, mit Blick auf die sanften Wellen des Südpazifiks, auf vorbeirauschende Katamaran-Wassertaxis und stolze Segeljachten.

      Eine der (Hotel-)Inseln heißt fast folgerichtig Daydream Island. Der Name ist dann auch Programm für die gesamten Whitsundays („Pfingstinseln“), die Captain James Cook an Pfingsten 1770 entdeckt hat: in Tagträumen versinken, den Alltag vergessen, Urlaub zum Abschalten am anderen Ende der Welt – über 20 Flugstunden von Europa entfernt. Während es luxusverwöhnte Jet-Setter meist nach Hayman Island (294 Hektar groß) zieht, quartieren sich Familien oft auf Daydream Island (nur 10 Hektar groß) oder nach Hamilton Island (7,5 Quadratkilometer) ein. Cluburlauber dagegen findet man überwiegend auf Lindeman Island (8 Quadratkilometer).

      Am späten Nachmittag rappelt es für einen kurzen Moment am stahlblauen Himmel. Harvey donnert mit seinem Helikopter über die Inseln hinweg – Feierabend für ihn, Rückflug mit 180 Stundenkilometern von der vorgelagerten Plattform zur Basis auf dem Festland.


      Die heimische Fauna gibt sich unbeeindruckt

      Und kommen noch so viele Fremde: Die Wallabies auf Daydream Island lassen sich davon nicht allzu sehr irritieren. In der Abenddämmerung kommen diese „kleineren Geschwister“ der Kängurus aus ihren Verstecken im Unterholz hervor. Sie hüpfen dann keck über die Klippen, über den Strand, über Pfade ganz nah beim Hotel, halten inne, sobald sie sich beobachtet fühlen und lassen niemanden allzu zu nahe kommen. Im Zweifel verschwinden sie dann doch lieber wieder im Dickicht, wo sie wahrscheinlich gemeinsam mit den Leguanen über die Hotelgäste auf „ihrer“ Insel lästern. Wallabies sind auf allen Whitsunday-Inseln zu Hause. Dort sind sie so selbstverständlich wie bei uns die Kaninchen im heimischen Gemüsegarten. Und Kakadus sind so originell wie Saatkrähen oder wie die Tauben in Venedig. Fremde Welt am anderen Ende des Globus: (unter)tauchen im Paradies, das bereits oberhalb der Wasserlinie beginnt.
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