Mit Kindern tauchen lernen? – Gar kein Problem!

      Mit Kindern tauchen lernen? – Gar kein Problem!

      Mit Kindern tauchen lernen? – Gar kein Problem!

      Von Heike Weichler 21. Juni 2009, 08:04 Uhr
      Was tun, wenn Kinder Schnorcheln langweilig finden, man aber trotzdem nicht auf die Faszination der Unterwasserwelt verzichten will? Dann bucht die Familie einen Tauchkurs! Eine anfangs skeptische Mutter hat das getestet und stellt fest: Wer ein paar Regeln beachtet, kann das Abenteuer wagen – und noch von den Kleinen lernen.

      Was könnte man jetzt alles Schönes anstellen an einem idyllischen Ort wie diesem? Dösen auf dem Badeponton und auf das Meer blinzeln, dessen Farbe postkartenreif in Blautönen verläuft. Oder unter einer Pinie einen Krimi lesen. Besser noch sich zur Massage ins Spa trollen, das versteckt im Wald liegt. Stattdessen sitze ich mit meinem Sohn Simon beim Tauch-Center des Hillside Beach Clubs Cesur gegenüber, unserem Tauchlehrer für die nächsten Tage. Simon hat sich einen Anfängerkurs gewünscht. Seine Mutter ist eher aus Fürsorge denn aus Abenteuerlust dabei, aber das lässt ihn ungerührt.

      Cesur ist klein, kompakt und kompetent. Er strahlt Besonnenheit aus. Das ist gut. Nicht so gut ist, dass er über allerlei technische Ausrüstung sprechen muss, die nötig ist, um die türkische Ägäis unter Wasser zu erkunden. Das hört sich dann so an: „Ihr wisst jetzt, wie man den Lungenautomaten an das Ventil der Druckluftflasche schraubt und den Inflatorschlauch mit der Tarierweste verbindet. Im Wasser zeige ich euch, wie alles funktioniert.“ Das will ich hoffen.

      An Sonnenbadenden vorbei schleppen wir die Geräte an den Privatstrand des Resorts in der Kalemya-Bucht. Eingefasst ist dieser schöne Fleck von Bergen, die sich im Hinterland bis zu 2000 Metern hinaufziehen. Fethiye mit seinen antiken Stätten liegt nur ein paar Buchten weiter.

      In Tauchanzüge gezwängt und beschwert mit Bleigurten, streifen wir Masken und Flossen über. Cesur hilft uns in die Tarierwesten mit den angeschnallten Tauchflaschen, dann staksen wir ins Wasser. In Brusttiefe gehen wir noch einmal die Grundlagen für den ersten Tauchgang durch. „Wir tauchen nicht tiefer als zwölf Meter und nur etwa 30 Minuten lang“, kündigt Cesur an. An diese Begrenzungen halten sich gewissenhafte Tauchlehrer, weil der Organismus eines Kindes empfindlicher auf die Druckverhältnisse unter Wasser reagiert als der eines Erwachsenen.

      Dann demonstriert Cesur Handsignale, mit denen wir uns verständigen können. Wir üben, wie man die Maske ausschnaubt, falls Wasser eindringt. Und wie sich die Weste per Knopfdruck am Inflatorschlauch mit Luft aus der Flasche aufpumpen oder entleeren lässt. So kann ein Taucher Auftrieb oder Absinken im Wasser tarieren und für ein Schweben sorgen. Das Wichtigste überhaupt: Niemals die Luft anhalten. Der fehlende Druckausgleich durchs Atmen könnte die Lunge verletzen. Ich murmele, ob die Idee, einen Tauchkurs zu absolvieren, wirklich gut war. Simon, frei von Bedenken, kommentiert nur: „Ach, Mama! Du wirst schon sehen – unten ist bestimmt alles ganz einfach.“ Auch das will ich hoffen.

      Dann wird es ernst: Wir nehmen die Mundstücke unserer Lungenautomaten, atmen damit ein paar Mal über Wasser und lassen uns dann auf die Knie sinken. Es funktioniert! Zischen beim Einatmen, Blubbern beim Ausatmen. Zunächst schnappe ich noch hektisch aus Angst, zu wenig Luft zu bekommen. Doch es fühlt sich so einfach an, dass ich schnell ruhiger werde. Simon wirkt ganz entspannt. Cesur bedeutet uns, ihm zu folgen, ruhig die Flossen schlagend, die Arme an den Körper gelegt.

      Und, oh Wunder, vergessen ist die Unbequemlichkeit der Ausrüstung am Strand. Scheinbar schwerelos gleiten wir voran, fasziniert von Lichtspielen im Wasser. Der Meeresboden fällt ein paar Meter ab, wir tauchen tiefer. Cesur gibt das Signal zum Druckausgleich, damit die Ohren nicht schmerzen: Mit Daumen und Zeigefinger die Nasenflügel zusammendrücken und kräftig hineinatmen wie beim Schnäuzen. Es klappt! Ein Knacken in den Ohren, der Druck ist weg. Ich werde ein bisschen euphorisch. Wir geben einander das O.K.-Zeichen – Daumen und Zeigefinger zum O geformt.

      An einem Felsvorsprung zückt Cesur einen Plastikbeutel mit Fladenbrot. Wie auf Kommando wirbeln plötzlich Fische um uns herum und stürzen sich auf die Brocken. Streifenbrassen, Mönchsfische, Kardinalbarsche, Meerbarben. Alle jagen sich gegenseitig die Bissen ab. Wir sind begeistert. Dann entdeckt Simon eine Tonscherbe mit Henkel. Für mich sieht dieses Artefakt den Krügen verdächtig ähnlich, die in der Hotelanlage als Abfallkörbe stehen. Doch Simon beharrt später: „Die ist bestimmt antik!“

      Die Zeit verfliegt. Wir genießen die Schwerelosigkeit und das Gefühl, Teil eines neuen Universums zu sein. Nach 30 Minuten gibt Cesur das Zeichen, unseren Luftvorrat am Finimeter abzulesen. Dieses Instrument zeigt bei mir noch einen Druck von 90 bar. Ab 50 bar geht es an die Reserve, bei der ein Tauchgang beendet werden soll. Wir aber halten uns ans Zeitlimit für Simon, steigen langsam auf und schwimmen zurück.

      Beim Abendessen wird mein Übermut nach unserem ersten Taucherlebnis nur gedämpft durch Simons muntere Bemerkung: „Mama, es gibt Leute, die waren bestimmt noch älter als du, als sie mit dem Tauchen anfingen.“

      Am nächsten Morgen starten wir zu unserem ersten Tauchgang vom Boot aus und schippern die felsige Küste entlang. Cesur erzählt von Höhlen, Tunneln und Steilwänden, die hier bei erfahrenen Tauchern beliebte Plätze sind. Doch wir müssen erst lernen, in voller Montur vom Schiff ins Wasser zu gelangen.

      Schwierig wird es, als ich an der Reihe bin: „Cesur, kann ich nicht über die Leiter ins Wasser steigen?“ „Nein, das geht leider nicht!“ Ich muss also springen. Die Pressluftflasche zieht mich nach hinten. Ich fürchte, beim Sprung an der Bordkante hängen zu bleiben. „Mensch, Mama“, drängt Simon, „ist doch super einfach. Guck mal!“ Souverän sichert er mit einer Hand Maske und Atemregler, mit der anderen den Bleigurt und tritt mit einem weiten Spreizschritt über die Bordwand. Ich bin perplex. Jetzt bloß nicht länger die Memme geben. Ich fasse Mut, hole tief Luft, springe und plumpse tief ins Blau des Meeres.

      Myriaden von Luftbläschen sprudeln um mich herum und steigen an die Oberfläche. Scheinbar unendlich langsam tauche ich auf. Cesur grinst: „Das Schwierigste hast du geschafft.“ Das ist zwar übertrieben, aber allzu kompliziert sind die nächsten Lektionen tatsächlich nicht.

      Wir lernen, dass man unter Wasser sogar husten kann, falls man sich verschluckt: einfach durch den Regulator hindurch – und schön wieder einatmen. Ein bunter Meerjunker glotzt mich dabei an. Ich glotze zurück. Das macht Eindruck. Der Fisch verschwindet.

      Dann wird geübt, aus der Luftversorgung des Tauchkameraden zu atmen und den Schlauch mit dem Mundstück zurückzuangeln, falls er einmal wegflutscht. Das klappt ganz gut.

      Als wir zurücktuckern, erzählt Cesur von seinem schwierigsten Tauchschüler. „Das war ein Bankier, dem ich erst das Schwimmen beibringen musste. Dann hat es 40 Versuche gedauert, bis er Wasser aus der Maske blasen konnte. Heute hat er selbst eine Tauchlehrerlizenz.“ Das macht Mut. Aber wir müssen entscheiden, ob wir nun die Theorie büffeln wollen, um in dieser Ferienwoche gleich den Basis-Tauchschein „Open Water Diver“ zu absolvieren. Damit darf man ohne Tauchlehrer im offenen Meer tauchen. Doch das Wetter ist zu verlockend zum Baden, Segeln oder für einen Abstecher ins nahe Ölüdeniz, wo Paraglider vom Berg Babadag an den Strand segeln.

      Wir beschließen, das Pflichtprogramm zu Hause nachzuholen und hier unser Logbuch mit weiteren Tauchgängen zu bereichern. Die machen einfach richtig Spaß. Sie sind noch nicht sicher? Nur Mut, versuchen Sie es getrost. Sie werden schon sehen, unten ist alles ganz einfach.
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      Hier können Kinder tauchen lernen

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      Deutschland: Am besten fangen Kinder mit dem Tauchen in einem See und nicht im offenen Meer an. Das Wasser ist in der Regel wärmer und ruhiger als zum Beispiel in der Ostsee, und an viele Tauchplätze gelangt man bequem vom Ufer aus. Beim Verband Deutscher Sporttaucher sind etwa 500 geeignete Tauchseen (www.tauchseen-portal.de) im gesamten Bundesgebiet gelistet und bewertet. Es werden auch Auskünfte über Tauchschulen erteilt.

      Info: Verband Deutscher Sporttaucher, Tel. 069/9819025, www.vdst.de

      Mallorca: Es müssen nicht gleich tropische Gewässer sein, um bei den ersten Tauchgängen eine interessante Unterwasserwelt zu erkunden. Das Mittelmeer ist ebenfalls ein lohnenswertes und fischreiches Ziel. Vor der Südwestküste der Balearen-Insel Mallorca, die für Kinder ein abwechslungsreiches Reiseziel ist, tummeln sich beispielsweise allerlei Meeresbewohner: zwar keine knallbunten Clownfische, dafür aber jede Menge Zackenbarsche, Barrakudas, Muränen, Meeraale und beeindruckende Gespensterkrabben.

      Veranstalter: TUI, www.tui.com. Eine Woche Übernachtung mit Frühstück im Viersternehotel und Flug ab 530 Euro pro Person, ab 424 Euro pro Kind (bis elf Jahre). Im Tauchzentrum Zoea (www.zoeamallorca.com) kosten der „Open Water Diver“-Kurs für Erwachsene und der „Junior Open Water Diver“-Kurs für Kinder jeweils 350 Euro.

      Info: www.spain.info

      Ägypten: Nur vier Flugstunden von Deutschland entfernt liegt Ägypten mit seinen vielen Warmwasser-Tauchgebieten. Vor der Kulisse des Sinai-Gebirges am Roten Meer bei Dahab gibt es etwa 30 Tauchspots, die gut von Land aus per Jeep, Kleinbus und sogar mit Kamelen erreicht sind. Neben Korallen und Fischen lassen sich auch Schildkröten beobachten.

      Veranstalter: Orca Reisen, Tel. 08031/18851100, www.orca-dive.de. Eine Woche Halbpension im Dreisternehotel und Flug ab 645 Euro pro Person, ab 479 Euro pro Kind (zwei bis zwölf Jahre). Der „Open Water Diver“-Kurs für Erwachsene kostet 265 Euro, der „Junior Open Water Diver“-Kurs für Kinder 319 Euro, da dieser Kurs einen Tag länger dauert.

      Info: www.egypt.travel