Technik - (Feature) Luxusuhren zeigen, wie sie ticken -

      Technik - (Feature) Luxusuhren zeigen, wie sie ticken -

      Technik - (Feature) Luxusuhren zeigen, wie sie ticken - Uhrmachermeister erobert mit eigener Marke die Welt und erhält Brandenburger Zukunftspreis --Von ddp-Korrespondent Bernd Kluge-- (Mit Bildern)

      31.08.2009 | 14:05 Uhr

      Skelettieren wird diese filigrane Technik genannt, bei der kunstfertige Handwerker das Uhrwerk soweit reduzieren, dass Aussparungen entstehen, die Einblicke in das Innere des Zeitmessers ermöglichen «Meine Uhren zeigen dem Betrachter, wie sie ticken», sagt der Frankfurter, dessen Markenzeichen die sichtbare, skelettierte Mechanik seiner Zeitmesser ist. Stefan Kudoke hat die Ruhe weg. Wenn es um die Perfektion seiner exklusiven Zeitmesser geht, klemmt sich der junge Uhrmachermeister die Lupe aufs rechte Auge, greift zur filigranen Anreißnadel und legt behutsam los. Ganz dicht heran rückt er dabei an das in Einzelteile zerlegte Uhrwerk, so dass er es fast schon mit der Nase berührt. Sind die gewünschten Umrisse eingeritzt und mit einer Miniatur-Bohrmaschine Löcher gebohrt, beginnt der 30-Jährige mit nicht einmal einen Millimeter dünnen Sägeblättern zu sägen, unermüdlich. Das kann Stunden oder auch Tage dauern.

      Skelettieren wird diese filigrane Technik genannt, bei der kunstfertige Handwerker das Uhrwerk soweit reduzieren, dass Aussparungen entstehen, die Einblicke in das Innere des Zeitmessers ermöglichen. «Meine Uhren zeigen dem Betrachter, wie sie ticken», sagt der Frankfurter, dessen Markenzeichen die sichtbare, skelettierte Mechanik seiner Zeitmesser ist. Doch das ist noch nicht alles: Zum begehrten Luxusobjekt werden Kudokes Produkte erst, wenn er die übriggebliebenen Teile auch noch mit winzigen, detailreichen Gravuren, Schmuckelementen sowie Schliffen versieht und ihnen damit Einmaligkeit verleiht.

      Kudoke-Uhren sind kleine Kunstwerke, die funkeln und blitzen, ganz nebenbei auch noch die Zeit anzeigen. Die Exklusivität und handwerkliche Perfektion hat ihren Preis. Der beginnt bei 3500 Euro. Nach oben hin ist die Spanne offen, je nachdem, welche Materialien verwendet werden und wie aufwendig Skelettur und Gravur sind. Sein Atelier hat Kudoke zwar im Elternhaus in Frankfurt an der Oder, doch Kunden beliefert er nicht in seinem Heimatort, sondern weltweit. «Dafür gibt es doch das Internet», sagt er lächelnd. Sammler erstehen die besonderen Zeitmesser aus Frankfurt ebenso wie gut situierte Geschäftsleute, die Kudoke-Uhren vor allem als Wertanlage betrachten.

      Fast 80 Prozent seiner Unikate verkauft der Uhrenkünstler ins Ausland. «Vor allem Amerikaner und Japaner stehen auf meine Zeitmesser, bei denen man den Zahnrädern bei ihrem Lauf zusehen kann», erzählt er. Was seine Kunden besonders schätzen: Bei der Gestaltung von Uhrwerk und Ziffernblatt können sie mitentscheiden - nach ihren Wünschen macht Kudoke einen Entwurf.

      Wenn er dann mit Pinzetten, Mikroskop und vor allem den winzigen Handgravursticheln arbeitet, ist er spürbar in seinem Element. Dabei war es mehr oder weniger Zufall, dass der Frankfurter den Beruf des Uhrmachers erlernte. «Ein Uhren-Geschäft befand sich unserer damaligen Wohnung schräg gegenüber. Auf dem Schulweg kam ich da immer dran vorbei», erinnert sich der 30-Jährige. Als er in der zehnten Klasse gewesen sei, habe er sich schließlich dort auf Anraten seiner Mutter um eine Ausbildung beworben.

      Erst in der Lehre entwickelte Kudoke seine Leidenschaft für mechanische Uhren. Seine Gesellenprüfung bestand er als Brandenburger Landessieger. Danach ging es steil bergauf: Mit 21 Jahren arbeitete der Frankfurter Nachwuchs-Uhrmacher in der renommierten Manufaktur «Glashütte Original», machte zudem seinen Meisterabschluss. Später übernahm er im Auftrag der Schweizer «Swatch Group» den Kundenservice für Luxusmarken in New York. Doch vor sieben Jahren tauschte Kudoke den sicheren, gut bezahlten Job gegen einen Studienplatz an der Fachhochschule Lausitz in Senftenberg. «Ich hatte eine Vision, wollte mit einer eigenen exklusiven Uhrenmarke auf eigenen Beinen stehen», sagt der 30-Jährige, der sich in seiner Diplomarbeit in Betriebswirtschaft so auch mit der Markt- und Wirtschaftsanalyse mechanischer Luxusuhren befasste.

      In Frankfurt ist Kudokes exklusive Kunstfertigkeit noch weitgehend unbekannt. Das wird sich demnächst wohl ändern. Erhält der junge Uhrmachermeister am 2. November doch den diesjährigen Brandenburger Zukunftspreis, als einziger Handwerksbetrieb unter den insgesamt zehn Preisträgern, die für ihre besonderen unternehmerischen Leistungen geehrt werden. Noch ist Kudokes Firma ein Ein-Mann-Betrieb. Sobald die Wirtschaftskrise überwunden ist, will er jedoch expandieren. Schon jetzt ist die Auftragslage prächtig. Kunden müssen geduldig sein und bis zu drei Monate auf ihre exklusive Einzelanfertigung warten. Denn Kudoke ist bekennender Perfektionist, schafft etwa 50 seiner Unikate mit besonderen Einsichten pro Jahr.