Tauchen mit Quallen - Extrembaden

      Tauchen mit Quallen - Extrembaden

      Tauchen mit Quallen - Extrembaden
      Manche Menschen suchen auch beim Schwimmen den Nervenkitzel. Tauchen mit Quallen, Schwimmen mit Krokodilen und Baden mit Parasiten - wir stellen drei extreme Badeorte vor.


      Jellyfish-Lake, Palau

      Giftige Tentakeln, gallertartiger Körper: Mit Millionen Quallen in einem See zu schwimmen klingt nicht wie ein Urlaubsvergnügen. Eher wie eine Ekel-Mutprobe. Tatsächlich ist es aber pure Entspannung. Das sagen jedenfalls fast alle, die ein Bad im Quallensee gewagt haben.

      Der kleine Brackwassersee im winzigen Pazifik-Staat Palau, nahe Indonesien, ist ein Naturphänomen. Vor Tausenden von Jahren wurde er vom offenen Meer abgeschnitten. Die Quallen waren gefangen und passten sich ihrer neuen Lage an. Sie ernähren sich vom Zucker, den Algen produzieren, die in ihrem Körper wohnen.

      Weil die Algen für ihre Photosynthese Licht brauchen, steigen die Quallen jeden Morgen an die Wasseroberfläche und folgen den Sonnenstrahlen. Abends sinken sie wieder tiefer in den See.

      Die Quallen haben in dem Binnensee keine natürlichen Feinde außer einigen Anemonen. Also gibt es Unmengen von ihnen. Forscher schätzen ihre Zahl auf etwa 7 Millionen. Wichtiger für Taucher aber ist: Die Medusen haben eben keine giftigen Tentakeln. Und ihre winzigen Nesselzellen sind schwach und für menschliche Haut kaum spürbar.

      Die meisten Palau-Touristen kommen für einen Tagesausflug an den See und schnorcheln. Tine Karkow, die den Palau-Tourismus in Deutschland offiziell bewirbt, war selbst schon dort. Sie sagt: "Am Anfang versucht man noch, auszuweichen. Irgendwann stehen die Quallen wie eine Wand vor einem und man muss hindurch."

      Nach dem Abenteuer seien die meisten Taucher begeistert: "Es ist wie eine Therapie, man hat das Gefühl zu schweben. Das ist sehr entspannend." Die Quallen sind übrigens nicht schleimig, sie fühlen sich an wie Gummi. Die meisten Taucher schwimmen sogar ohne Neoprenanzug. Nur in der Tiefe des Sees lauert Gefahr: Ab circa 20 Metern unter der Wasseroberfläche kommt giftiger Schwefelwasserstoff vor.


      Amazonas

      Das Schlimmste für einen Amazonas-Schwimmer sind wahrscheinlich gar nicht die Piranhas, die haben vor Menschen eher Angst. Auch nicht die bis zu zehn Meter langen Anakondas. Am schlimmsten sind eigentlich die unzähligen Parasiten, die sich im Amazonas tummeln, allen voran der Candirú. Dieser nur drei Zentimeter lange Wels ist ein lebendes Folterwerkzeug.

      Er kann in die Harnröhre von Menschen eindringen, wo er sich mit seinem Stachel festhakt und Blut trinkt. Das verursacht höllische Schmerzen. Wer sich einen Candirú einfängt, muss operiert werden.

      Überhaupt gilt der Amazonas als gefährlichster Fluss der Welt, schon durch seine schiere Größe ist er lebensbedrohlich: Strudel, Strömungen, an vielen Stellen sind die schlammig-braunen Wassermassen mehrere Kilometer breit. Wer hier baden will, sollte sich dreimal überlegen, ob er nicht doch lieber den Hotelpool vorzieht. Trotzdem gibt es Menschen, die in dem Fluss schwimmen. Das krasseste Beispiel ist Martin Strel. Der Slowene ist der bisher
      einzige Mensch, der den Fluss der Länge nach durchschwommen hat.

      Nach 5265 Kilometern in 65 Tagen, kam er völlig erschöpft und 17 Kilo leichter in der brasilianischen Küstenstadt Belém an. Geschildert hat er die Tortur in dem Buch "Der Amazonasschwimmer".

      Gegen Parasiten schützte sich Strel übrigens mit einem Neoprenanzug. Außerdem, so schreibt er in seinem Buch, sei er "so lange Zeit mit ihnen geschwommen, dass die denken müssen, ich sei jetzt einer von ihnen". Wer sich darauf nicht verlassen will, sollte beim Bad im Amazonas zumindest nicht urinieren. Denn das lockt den Candirú an.


      Katherine River, Australien

      Wer es wirklich wissen will, muss hierher kommen, zum Katherine River im Nitmiluk Nationalpark im Norden Australiens. Hier gibt es sie noch: die Begegnung von Mensch und Kreatur in freier Wildbahn. Auge in Auge, nackt, ohne schützenden Zaun oder Glaswände.

      Im Katherine River schwimmen immer wieder Menschen mit Krokodilen, mit australischen Süßwasserkrokodilen. Die sogenannten "Freshies" werden bis zu drei Meter lang und fläzen sich die meiste Zeit an den rotbraunen Flussufern. Sie gelten als relativ harmlos, weshalb sie auf den Warnschildern im Nationalpark mit geschlossenem Maul dargestellt werden.

      Der österreichische Australientourist Bruno Gilligsberger ist im Katherine River geschwommen. Er sagt: "Es ist ein mulmiges Gefühl, besonders wenn man ganz alleine im Wasser ist." Er habe "ziemlichen Respekt" gehabt. Und seine Reisepartnerin ergänzt: "Beim Schwimmen sieht man die Krokodile nicht." Es sei deshalb schwer zu sagen, wie nahe man ihnen eigentlich kommt. "Vielleicht sehr nahe. Aber das wissen nur die Krokodile."

      Rene Renz, Chef der Alligator-Action-Farm in Friedberg, zweifelt an solchen Erzählungen. "Ich habe diese Geschichten auch aus Südamerika gehört, und es hat nie gestimmt." Zwar seien die Süßwasserkrokodile keine Gefahr für den Menschen, aber "die sind so scheu, dass sie flüchten - die können sie nicht berühren". Außer es handele sich um Tiere, die von Touristen angefüttert seien. "Wenn da ein Mensch am Ufer steht, kommen die angeschwommen wie die Enten." Eine Situation, in der man auch mit Freshies nicht baden sollte. "Da ist man schnell selber das Futter." Tatsächlich gab es Fälle, in denen die Freshies Menschen angegriffen haben. Und wenn sich während der Regenzeit eines der größeren und massigeren Salzwasserkrokodile in den Fluss verirrt, wird es auch ohne Anfütterung gefährlich. Denn die "Salties" fressen auch Menschen. Im April wurde ein 20-Jähriger in Nordaustralien von einem Tier in die Tiefe gezogen. Nach einem Tag fand die Polizei die Überreste. Auf den zitierten Warnschildern sind die Salties mit geöffnetem Maul abgebildet.

      Hier gibt es ein Film dazu: http://www.youtube.com/watch?v=UXV1D13f0Ko&feature=player_embedded
      Bilder
      • pan_jelly.jpg

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