Interessantes zu Formel 1 im Jahr 2010

    Vorschau: Großbritannien GP

    Vorschau: Großbritannien GP

    Der Grand Prix von Großbritannien vom 9. bis 11. Juli 2010 in Silverstone ist ein Heim Grand Prix für das in Brackley, England ansässige MERCEDES GP PETRONAS Formel 1-Team.

    Der Weltmeisterschaftslauf 2010 findet auf der umgestalteten und von 5,141 auf 5,901 Kilometer verlängerten Strecke von Silverstone statt. Hier wurde vor 60 Jahren – am 13. Mai 1950 – der erste Grand Prix der Formel 1-Geschichte ausgetragen. Fast auf den Tag genau vor 55 Jahren – am 16. Juli 1955 – erzielten Mercedes-Benz Silberpfeile beim britischen Grand Prix (damals in Aintree) einen Vierfachsieg: Stirling Moss gewann vor Juan Manuel Fangio, Karl Kling und Piero Taruffi.

    NICO ROSBERG
    „Silverstone ist eine tolle Rennstrecke und für uns Fahrer eine echte Herausforderung. Ich glaube, wir alle fahren gerne hier. Das Streckenlayout mit den schnellen Kurven im ersten Teil ist anspruchsvoll und ich bin gespannt auf die Änderungen im so genannten Arena-Komplex am Ende der Runde. Die Atmosphäre und die Fans in Silverstone sind einmalig. Wir werden durch das gesamte Team unterstützt, denn unsere Werke liegen ganz in der Nähe. Nach dem Rennen treffen wir alle Mitarbeiter in Brackley und es wäre schön, sie mit einem guten Ergebnis für ihre Anstrengungen zu belohnen. Die letzten Rennen waren für uns nicht einfach, aber wir arbeiten hart daran uns zu steigern und ich bin zuversichtlich, dass wir das schaffen werden.“

    MICHAEL SCHUMACHER
    „Natürlich ist der Grand Prix in Silverstone ein ganz besonderes Rennen für uns. Hier sind wir ganz in der Nähe unseres Teamsitzes in Brackley und bei Mercedes-Benz HPE in Brixworth. Dort geben sich alle die größte Mühe, damit wir uns nach unserem schwierigen Start in diese Saison steigern können. Klar ist auch, dass wir unseren Teammitgliedern sowie all unseren Partnern und Fans eine gute Vorstellung bieten wollen, auch wenn es im Moment nicht so rund läuft. Wir waren in Valencia nicht so stark wie erhofft, deshalb ist es schwer zu sagen, wie wir beim britischen Grand Prix abschneiden werden. Unser Speed im Rennen war schon bisher recht vielversprechend, aber im Qualifying läuft es noch nicht ideal und wir haben noch nicht verstanden, die Reifen optimal zu nutzen. An der Lösung dieses Problems arbeiten wir intensiv. An Silverstone habe ich ganz unterschiedliche Erinnerungen, doch das Positive überwiegt und deshalb freue ich mich sehr auf dieses Rennen. Wir werden wie immer unser Bestes geben.“

    ROSS BRAWN
    „Der britische Grand Prix ist für unser Team ein wichtiges und ganz besonderes Rennwochenende, denn Silverstone liegt zwischen unseren Werken in Brackley und Brixworth. Damit ist dies eines unserer drei Heimrennen neben Malaysia, dem Herkunftsland unseres Titelsponsors PETRONAS, und Deutschland. Wir freuen uns, dass der britische Grand Prix in absehbarer Zukunft Teil des Formel 1-Kalenders bleiben wird und sind gespannt auf die umgestaltete Strecke. In Planung und Umsetzung des Umbaus wurde viele harte Arbeit investiert und auf das Ergebnis können die Veranstalter und die vielen tausend Fans, die das Rennen am Wochenende besuchen werden, stolz sein. Unser Team stand bei den letzten beiden Rennen in Kanada und Valencia vor schwierigen Aufgaben, aber wir behalten unsere Motivation und arbeiten weiter hart daran, unsere Leistungsfähigkeit zu steigern und das Potenzial unserer letzten technischen Verbesserungen optimal zu nutzen. Der Weg ist lang und steinig, aber wir werden unser Ziel erreichen, da bleiben wir zuversichtlich.“

    NORBERT HAUG
    „Das Rennen in Silverstone ist ein Klassiker und es ist gut für die Formel 1, dass dieser traditionelle Grand Prix im Kalender verblieb. Nach dem umfangreichen Umbau der Rennstrecke ist die Streckenführung zumindest zu Teilen Neuland für alle Teams und Fahrer. Zu den bisher überwiegend schnellen Passagen kamen mit dem Umbau auch langsamer zu fahrende Streckenteile dazu. MERCEDES GP PETRONAS erlebt als deutsch-britisches Team in Silverstone vor dem folgenden Großen Preis von Deutschland in Hockenheim das erste von zwei aufeinanderfolgenden Heimrennen. Es ist sehr wichtig für uns, bei beiden Rennen eine ansteigende Formkurve zu zeigen, nachdem wir bei den letzten beiden Grand Prix in Kanada und Spanien nicht die besten für uns möglichen Ergebnisse geholt haben. Unsere hart arbeitende und total motivierte Mannschaft gibt alles für diese Steigerung."

    Red Bull deklassiert den Rest der Welt!

    Red Bull deklassiert den Rest der Welt!

    Keine Chance für McLaren, Fernando Alonso bester Verfolger: Sebastian Vettel und Mark Webber sind in Silverstone eine Klasse für sich

    (Motorsport-Total.com) - Mit einer einerseits zwar erwarteten, andererseits aber in dieser Form doch überraschenden Dominanz sicherte sich Red Bull heute in Silverstone die erste Startreihe für den Grand Prix von Großbritannien - übrigens sehr zum Leidwesen der fast 100.000 britischen Fans, die sich natürlich einen ihrer "Local Heroes" auf Pole-Position gewünscht hätten.

    Doch bei strahlendem Sonnenschein, 25 Grad Luft- und 35 Grad Asphalttemperatur spielte das "Champions-Dreamteam" McLaren im Kampf um die erste Startreihe keine Rolle. "Wir hatten vielleicht 20 Upgradeteile, von denen wir sechs oder sieben noch am Auto haben. Die Wahrheit ist aber, dass wir im Vergleich zu Red Bull im Hintertreffen sind", hatte Teamchef Martin Whitmarsh schon vor dem Qualifying geahnt.

    Keine Chance für McLaren
    Er sollte Recht behalten: Zunächst legte Sebastian Vettel im ersten Run 1:29.695 Minuten vor, im zweiten Versuch konnte sich der Deutsche sogar noch auf 1:29.615 Minuten steigern. Lewis Hamilton hatte dagegen keine Chance, verbesserte sich zwar von 1:30.897 auf 1:30.556 Minuten, blieb in der Endabrechnung aber Vierter. Formel-1-Experte Martin Brundle lobt dennoch: "Damit kann er wahrscheinlich am glücklichsten von allen Top-10-Fahrern sein!"

    Vettel wirkt angesichts seiner Pole-Position aber auch nicht gerade traurig: "Zum Glück funktioniert unser Auto hier immer sehr gut", sagt der Deutsche, der Silverstone als "unglaubliche" Strecke bezeichnet. "Es war eine enge Session. In Q2 habe ich etwas zu viel gewollt, hatte zu viel Übersteuern, also ging ich in Q3 konservativer zu Werke. Ich war weicher und runder unterwegs und am Ende hat es für die Pole gereicht, was für morgen das Wichtigste ist."

    Sein Vorsprung auf Teamkollege Mark Webber betrug letztendlich 0,143 Sekunden, denn der Australier konnte im zweiten Run nicht mehr zulegen. Dennoch ist er nach seinem Horrorcrash vor zwei Wochen mit Platz zwei recht zufrieden: "Nach Valencia ist dieses Ergebnis gut für mich. Ich freue mich auf das Rennen." In Q2 hatte Webber Vettel sogar noch um 0,366 Sekunden abgehängt und Bestzeit erzielt.

    Heißes Duell der Red-Bull-Piloten
    Teamchef Christian Horner ist mit der Leistung von beiden zufrieden: "Sie lagen unheimlich eng beisammen. Mark war im ersten Sektor immer ein bisschen schneller, im zweiten waren sie gleich und im dritten war Seb ein bisschen schneller. Aber im Grunde waren sie gleich schnell. Sie haben einen tollen Job gemacht", so der Brite, der davon überzeugt ist, dass Red Bull auch im morgigen Rennen konkurrenzfähig sein wird.

    Aber: "Hoffentlich ist unsere Rennpace besser. Es ist ein langes Rennen, wir sind ein gutes Rennteam und wir haben zwei gute Rennfahrer. Daher geben wir sicher nicht auf", gibt sich McLaren-Teamchef Whitmarsh noch nicht geschlagen. Auch Horner weiß: "Lewis ist im Rennen immer ein Faktor." Und auch Fernando Alonso schreibt er noch lange nicht ab: "Fernando war schon das ganze Wochenende schnell. Ferrari darf man nicht unterschätzen."

    Der Spanier wirkte schon heute Morgen stark verbessert, nachdem Ferrari am Freitag keine gute Figur gemacht hatte, und fuhr auch im Qualifying von Anfang an vorne mit. "Wir haben das Auto ohne Frage verbessert", berichtet er. "Ich fühle mich im Cockpit wohler und die Leistungen werden besser. Wir sind hier sehr konkurrenzfähig und ich hoffe, dass wir morgen gute Punkte sammeln können." Platz drei ist dafür keine schlechte Ausgangsposition.

    Spaziergang für Red Bull?
    0,811 Sekunden Rückstand auf die Pole-Position lassen aber vermuten, dass Vettel und Webber unter normalen Umständen nicht zu schlagen sein werden. Das sieht auch Formel-1-Experte Brundle so: "Wenn sie sich nicht selbst auf die Zehen treten, wird das für Red Bull ein Spaziergang. Sie können den Sieg nur verlieren." Denn Hamiltons McLaren ist im Rennen normalerweise stärker als im Qualifying, liegt in Silverstone aber vor allem auf den Bodenwellen extrem unruhig.

    Nico Rosberg (Mercedes) gab nach den zuletzt enttäuschenden Ergebnissen als Fünfter wieder ein Lebenszeichen von sich: "Das ist ein schönes Resultat", freut er sich. "Das zeigt, dass wir verstanden haben, was in Valencia schiefgelaufen ist." 1,010 Sekunden Rückstand geben ihm aber doch ein wenig zu denken: "Red Bull ist unschlagbar, aber einen Ferrari und einen McLaren vor uns können wir im Rennen vielleicht noch holen", kündigt er an.

    Im teaminternen Stallduell mit Michael Schumacher, der als 15. beinahe schon in Q1 ausgeschieden wäre, behielt er um 0,805 Sekunden die Oberhand. Schumacher wirkte ab Q2 an und für sich recht stark, ging aber im Top-10-Finale im Gegensatz zur Rosberg nur einmal auf die Strecke und verbaute sich damit wohl seine Chancen, denn: "Seine Idealzeit sieht anders aus - etwa in der Liga, in der Nico war", weiß Mercedes-Sportchef Norbert Haug.

    "Wir haben auf einen Run gesetzt, was im Normalfall vernünftig ist, aber im Nachhinein doch die falsche Entscheidung war", gibt Schumacher zu, nennt aber noch einen anderen möglichen Grund: "Ich möchte behaupten, dass der letzte Reifensatz nicht ideal war. Ich hatte in der ersten Runde einen kleinen Fehler drin, wollte dann den Reifen abkühlen lassen und dann noch einmal attackieren - aber da kam einfach nicht mehr."

    Wieder ein Sauber in den Top 10
    Die große Überraschung in Q3 war aber Pedro de la Rosa (Sauber) als Neunter, unmittelbar hinter dem brasilianischen Duell zwischen Felipe Massa (Ferrari) und Rubens Barrichello (Williams) um Platz sieben, in dem sich Massa um gerade mal drei Tausendstelsekunden durchsetzen konnte. Robert Kubica (Renault) lieferte indes einmal mehr eine solide Leistung ab und wurde mit 1,425 Sekunden Rückstand guter Sechster.

    Die mit Sicherheit größte Enttäuschung des Tages war Jenson Button, der als 14. schon in Q2 ausschied, obwohl er im Finish gleich mehrere Versuche am Stück drehte, von denen keiner durch langsamere Fahrzeuge behindert wurde. "Ich habe auf der Hinterachse keinen Grip", meldete er über Funk. Später gab ihm sein Renningenieur Jakob Andreasen durch: "Jenson, leider haben wir es nicht in Q3 geschafft. Tut mir leid."

    "Heute Morgen fühlte sich das Auto noch richtig gut an", wundert sich Button, dessen Silverstone-Fluch anzuhalten scheint. "Ich persönlich vermute, dass irgendetwas kaputt ist, denn das Auto war total unfahrbar. That's it. Ich weiß nicht, ob ich seit heute Morgen an der Hinterachse Anpressdruck verloren habe, aber das Auto war unfahrbar. Es war ein schwieriges Wochenende, ja, aber so etwas ist nicht normal."

    Sutil nach Aus bitter enttäuscht
    Ebenfalls bereits in Q2 musste Adrian Sutil die Segel streichen - nach den starken Trainingsleistungen der Nummer eins bei Force India doch eine Enttäuschung. Die Q1-Zeit des Deutschen hätte in Q2 für Platz sechs gereicht, so aber verpasste er den Cut um 55 Tausendstelsekunden gegen Kubica. Am Motorwechsel vor der Session lag das nicht, denn im ersten Abschnitt des Qualifyings war sein Auto noch voll konkurrenzfähig.

    Trösten kann er sich mit dem besten Topspeed des Tages (304 km/h) und der Tatsache, dass er seinen Teamkollegen Vitantonio Liuzzi (15.) wieder einmal deutlich geschlagen hat. Weitere Q2-Opfer waren heute Kamui Kobayashi (Sauber/12.), Nico Hülkenberg (Williams/13.), Vitaly Petrov (Renault/16.), der einmal langsam an die Box zurückgerollt kam, und der Schweizer Sébastien Buemi (Toro Rosso/17.).

    Den Wettbewerb der drei neuen Teams gewann Heikki Kovalainen (Lotus), allerdings nur 0,370 Sekunden vor Timo Glock. Der Virgin-Pilot ist dementsprechend zufrieden: "Das Auto hat gut funktioniert und meine beiden Runden waren auch sehr stark. Für mich ist dieser 20. Platz wie eine Pole!" Senna-Ersatzmann Sakon Yamamoto (HRT) wurde erwartungsgemäß Letzter, 0,392 Sekunden hinter seinem Teamkollegen Karun Chandhok (23.).

    Webber: "Nummer zwei" siegt in Silverstone!

    Webber: "Nummer zwei" siegt in Silverstone!

    Entscheidung am Start: Mark Webber triumphiert in Silverstone, Sebastian Vettel nach Reifenschaden nur Siebter - Podium für Nico Rosberg

    (Motorsport-Total.com) - Stinksauer war Mark Webber, als er für das gestrige Qualifying seinen neuen Frontflügel an Sebastian Vettel abtreten musste, doch heute gab der Red-Bull-Pilot in Silverstone die richtige Antwort: Webber sicherte sich den Sieg beim Grand Prix von Großbritannien und ging damit auch in der Weltmeisterschaft wieder an seinem Teamkollegen vorbei.

    "Nicht schlecht für eine Nummer zwei, oder?", meinte der 33-Jährige schnippisch, nachdem ihm Teamchef Christian Horner über Boxenfunk zum Sieg gratuliert hatte. Horner ist sich dessen bewusst, dass die Stimmung spätestens seit gestern vergiftet ist, und meint zur angespannten Unterhaltung nach der Zieldurchfahrt: "Er kann sagen, was er will. Wir geben unser Bestes, um beide Fahrer gleich zu behandeln. Wir hätten den Frontflügel ja nicht in der Mitte teilen können."

    Stunk bei Red Bull hält an
    Horner spricht auch von einem "großartigen Teamergebnis", obwohl Polesetter Vettel nur Siebter wurde. Der Deutsche erlitt gleich in der ersten Runde einen Reifenschaden und hatte anschließend keine Chance auf den Sieg. Die britischen Fans freuten sich indes am meisten über die starke Rennperformance des "Champions-Dreamteams" McLaren: Lewis Hamilton wurde Zweiter, Jenson Button vom 14. Startplatz aus noch Vierter.

    Die Vorentscheidung fiel bereits am Start, denn Webber kam hervorragend weg und setzte sich innen vor Vettel, der kurzzeitig versuchte, dem Australier den Weg abzuschneiden, aber rasch einsah, dass das keinen Sinn hat. Im schnellen Rechtsbogen Copse wollte auch Hamilton mit Webber mitziehen, dabei schlitzte der Lokalmatador Vettel aber mit dem Frontflügel die Flanke des rechten Hinterreifens auf! "Ein Rennunfall, das kann passieren", findet 'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer.

    "Diesmal hat er geschafft, was ihm in Valencia nicht gelungen ist", ärgert sich Vettel über seinen Konkurrenten, gesteht aber im gleichen Atemzug ein: "Ich habe nichts gespürt." Der Valencia-Sieger musste noch in der ersten Runde an die Box kommen, fiel auf den letzten Platz zurück und schien mit eineinhalb Minuten Rückstand auf verlorenem Posten zu stehen. Dass er trotzdem noch sechs WM-Punkte sammelte, gleicht einem Wunder.

    Vettel bitter enttäuscht
    "Viel denken tut man in so einer Situation nicht. Man begreift schnell, dass da nichts mehr geht", seufzt Vettel. "Wir haben auf eine Safety-Car-Phase gehofft - und die kam dann auch. Es war aber schwierig, mit einem Reifensatz, der schon das ganze Rennen drauf war, wie ein heißes Messer durch die Butter zu pflügen. Ich weiß gar nicht, wievielter ich geworden bin. Im Endeffekt haben wir ein paar Punkte gerettet. Das war vielleicht das Wichtigste."

    Zu Hilfe kam ihm eine Safety-Car-Phase in der 28. Runde, weil Pedro de la Rosa (Sauber) bei Start und Ziel Teile seines Heckflügels verloren hatte. Dadurch konnte Vettel zur großen Mittelfeldgruppe aufschließen und sich diese für Überholmanöver zurechtlegen. Der Reihe nach schnappte er sich Vitaly Petrov (Renault), Nico Hülkenberg (Williams), Michael Schumacher (Mercedes) und in der vorletzten Runde auch noch Adrian Sutil (Force India).

    Sutil war für Vettel der härteste Gegner, hatte auf den Geraden den deutlich besseren Topspeed - und reagierte zurecht ein wenig verschnupft auf die doch harte Attacke seines Landsmannes. Trösten kann er sich mit Platz acht und einer neuerlich starken Leistung - sowie einem Überholmanöver gegen sein einstiges Vorbild Schumacher. So landeten vier Deutsche auf den Positionen sieben bis zehn, insgesamt fünf Deutsche in den Punkterängen!

    Ungefährdete Solofahrt von Webber
    Vorne ließ Webber nach dem gewonnenen Start nichts anbrennen - weder beim Boxenstopp in Runde 17, eine Runde nach Hamilton, noch beim Restart in Runde 31. In der Schlussphase konnte er es sich leisten, nichts mehr zu riskieren und vom Gas zu gehen, weshalb er letztendlich nur 1,3 Sekunden Vorsprung auf Hamilton über die Ziellinie brachte. Die beiden fuhren den ganzen Nachmittag in ihrer eigenen Liga.

    "Ich habe mein Bestes gegeben und es hat funktioniert", freut sich Webber über seinen dritten Saisonsieg. "Es war ein guter Grand Prix, ich hatte ein Fernduell mit Lewis. Die Leute sehen das von außen nicht so, aber es war wichtig, alles richtig hinzubekommen. Nach dem Boxenstopp habe ich dann vor allem die Reifen geschont. Das Safety-Car war natürlich nicht ideal für mich, aber zum Glück konnte ich den Abstand kontrollieren."

    Auch Hamilton kann mit seinem zweiten Platz durchaus leben: "Das Auto war gut zu fahren. Es war nicht so schnell wie der Red Bull, aber wir haben mit dem uns zur Verfügung stehenden Paket das Beste herausgeholt. Platz zwei ist ein großartiges Ergebnis", so der McLaren-Pilot. "Mark hat einen Superjob gemacht, aber sein Auto ist auch superschnell. Ich dachte in den ersten Runden, dass ich vielleicht an ihm vorbeikomme, aber danach hatte ich keine Chance mehr."

    Drittes Podium für Mercedes
    Hinter den beiden wurde Nico Rosberg (Mercedes) Dritter, stand damit zum ersten Mal seit Schanghai wieder auf dem Podium. Rosberg erwischte einen guten Start, lag zunächst an vierter Stelle, fuhr dann aber einen langen ersten Stint mit den weichen Reifen und ging dadurch an Robert Kubica (Renault) vorbei. In der Schlussphase ließ er gegen den von hinten drückenden Lokalmatador Button nichts mehr anbrennen.

    "Ich bin superhappy", strahlt Rosberg über seinen dritten Podestplatz im Silberpfeil. "Ich hatte einen guten Start und hatte dann Kubica vor mir, der viel langsamer war, und hinter mir war Alonso, der gepusht hat. Letztendlich habe ich das Ergebnis aber der Strategie zu verdanken - Ross (Brawn, Teamchef; Anm. d. Red.) hat einen tollen Job gemacht, mich auf den weichen Reifen draußen zu lassen, denn so kam ich an Robert vorbei und konnte vor Alonso bleiben."

    "Ein Podium für Nico ist ein guter Lohn für all die harte Arbeit", lobt Mercedes-Sportchef Norbert Haug. "Nico war echt Spitze - er hat rausgequetscht, was ging." Während Mercedes endlich wieder in Normalform unterwegs war und McLaren mit der gewohnt starken Rennpace Schadensbegrenzung betreiben konnte, erlebte Ferrari einen Nachmittag zum Vergessen: Fernando Alonso wurde 14., Felipe Massa 15.

    Vor allem Alonso dürfte sich grün und blau ärgern, denn der zweifache Weltmeister war mitten im Kampf um das Podium, als er sich an Kubica vorbeibremste und dabei von der Strecke musste. "Er hat mich auf die Wiese gedrückt", schimpfte er gleich am Boxenfunk, während Kubica meinte: "Er hat mich neben der Strecke überholt!" Antwort vom Renault-Kommandostand: "Wir haben es Charlie schon gesagt."

    Alonso und die Kommissare: Schon wieder!
    FIA-Rennleiter Charlie Whiting leitete den Fall an die Rennkommissare um Nigel Mansell weiter, die entschieden: Durchfahrstrafe für Alonso! "Viel zu hart", urteilt Ex-Formel-1-Pilot David Coulthard. "Wenn er nicht neben die Strecke gefahren wäre, hätten sie sich berührt." Mercedes-Testfahrer Nick Heidfeld widerspricht: "Er hätte ihn halt wieder vorbeilassen sollen. Das war einfach dumm." Fakt ist: Wegen der Safety-Car-Phase fiel Alonso fast bis ans Ende des Feldes zurück.

    Der heißblütige Spanier, der sich schon bei seinem Heimrennen in Valencia ungerecht behandelt fühlte, fuhr in der Folge mit dem Messer zwischen den Zähnen, konnte aber bis auf ein paar nette Zweikämpfe und die schnellste Runde (1:30.874 Minuten) keine Highlights mehr für sich verbuchen. Doch der eigentliche Tiefpunkt aus Ferrari-Sicht war sicherlich die Berührung der beiden Teamkollegen gleich am Start!

    Denn Massa erwischte im Gegensatz zu Alonso einen guten Start und schlitzte sich ausgerechnet am zweiten Ferrari im Feld den Reifen auf. Besser lief es für Rubens Barrichello (Williams) und Kamui Kobayashi (Sauber), die hervorragende Leistungen ablieferten und als Fünfter und Sechster ins Ziel kamen. Kobayashi gewann durch die Strategie sogar einen Platz gegen Schumacher und setzte damit ein persönliches Highlight.

    Enttäuschung bei Schumacher
    Der siebenfache Weltmeister ärgert sich indes "nicht nur über das Qualifying, auch im Rennen sind ein paar Sachen nicht geradeaus gelaufen", gibt er mit einem Hauch von Enttäuschung im Gesicht zu Protokoll. "Nach dem Boxenstopp habe ich ein paar Fehler gemacht, weil ich wusste, dass das die Runde ist, auf die es ankommt. So habe ich nicht einen Platz gegen Barrichello gewonnen, sondern einen gegen Kobayashi verloren."

    Auch Sutil war trotz seiner starken Vorstellung, die mit einem besseren Qualifying noch weiter vorne hätte enden können, nicht hundertprozentig glücklich. Vor allem ärgert er sich im Nachhinein über das verlorene Duell mit Landsmann Vettel, das seiner Meinung nach nicht ganz fair abgelaufen ist: "Er hat mich angeschoben und ist vorbeigefahren. Hätte er es fair gemacht, wäre er nicht vorbeigekommen", schimpft der Force-India-Pilot.

    Aus britischer Sicht war aber neben Hamilton dessen McLaren-Teamkollege Button als Vierter der Mann des Rennens. Der amtierende Weltmeister hatte zwar keine Chance gegen die dominanten Red Bulls ("Sie waren einfach schneller - das ist ein Problem!"), fuhr aber eine starke erste Runde und gewann durch einen langen ersten Stint noch mal einige Positionen. Die Strategie brachte ihm letztendlich zwölf Punkte ein.

    Tolle Aufholjagd von Button
    "Das Team hat mich am Funk gefragt, ob ich schneller fahren kann. Da habe ich geantwortet: 'Natürlich!'", schildert Button die clevere Strategieentscheidung beim ersten und einzigen Boxenstopp. "Schade, dass ich Nico nicht mehr erwischt habe, aber vom 14. Startplatz noch Vierter zu werden, bedeutet wichtige Punkte für die Meisterschaft. Blöd, dass ich wieder ein bisschen Boden auf Lewis verloren habe, aber ich bin dran."

    Den "Kleinen Preis" der neuen Teams entschied diesmal Jarno Trulli für sich, im 501. Lotus-Grand-Prix 0,2 Sekunden vor seinem Stallgefährten Heikki Kovalainen. Timo Glock (Virgin) wurde unmittelbar hinter den beiden 18. Insgesamt sahen 20 von 24 gestarteten Autos die Zielflagge; Jaime Alguersuari (Toro Rosso), de la Rosa, Kubica und Lucas di Grassi (Virgin) schieden aus. Bis auf bei Alguersuari streikte bei allen die Technik.

    In der Weltmeisterschaft hat Hamilton (145) seinen Vorsprung auf Button auf zwölf Punkte ausgebaut. Dahinter folgen Webber (128), Vettel (121), Alonso (98) und Rosberg (90). Immer mehr deutet also auf ein Duell McLaren gegen Red Bull hin. McLaren führt mit 278 Zählern auch die Konstrukteurs-WM an. Auf den weiteren Plätzen liegen Red Bull (249), Ferrari (165) und Mercedes (126). Weiter geht es in zwei Wochen in Hockenheim.

    Großbritannien GP: Rennen

    Großbritannien GP: Rennen

    MERCEDES GP PETRONAS Fahrer Nico Rosberg erzielte beim Grand Prix von Großbritannien den dritten Platz. Beim Heimrennen des Teams in Silverstone war es seine dritte Podiumsposition in dieser Saison.

    Sein Teamkollege Michael Schumacher lag nach einem frühen Boxenstopp an aussichtsreicher Position, wurde jedoch durch einen kleinen Fehler auf seiner ersten Runde nach dem Routinehalt zurückgeworfen und wurde Neunter.
    In der Fahrerweltmeisterschaft verbesserte sich Nico mit jetzt 90 Punkten auf Position sechs; Michael ist Neunter mit 36 Zählern. Es führt Vodafone McLaren Mercedes Fahrer Lewis Hamilton, heute Zweiter hinter Mark Webber (Red Bull Renault), mit 145 Punkten.

    NICO ROSBERG
    „Ich startete gut und war am Ende der ersten Runde Vierter. Es war nicht einfach, den Platz zu halten, denn Robert Kubica vor mir hielt mich auf und von hinten attackierte Fernando Alonso. Wir hatten eine tolle Strategie – danke dafür an die Jungs an der Boxenmauer und dafür, dass sie mich mit den weicheren Reifen so lange fahren ließen. Mit einer super Runde und dem schnellen Boxenstopp gelang es mir, vor Robert zu kommen und damit wurde der Podiumsplatz möglich. Das Team hat Großartiges geleistet, damit wir uns nach Valencia so steigerten. Wir analysierten, was schief gelaufen war und machten einen Schritt nach vorn. Fantastisch, dass daraus ein Podiumsplatz wurde. Das ist wirklich eine Wende und ich bin zuversichtlich, dass wir noch mehr zeigen werden.“

    MICHAEL SCHUMACHER
    „Wieder ein Rennen, mit dem ich nicht wirklich zufrieden bin. Es ist gut für das Team, das Nico aufs Podium fuhr, aber für mich war nicht so viel drin. Über weite Strecke steckte ich im Verkehr fest und konnte nicht frei fahren. Nach meinem Boxenstopp musste ich alles geben, damit ich vor Rubens´Barrichello kam, doch dann unterlief mir ausgangs einer langsamen Kurve ein Fehler und ich kam kurz von der Strecke ab. Dadurch verlor ich viel Zeit und zwei Plätze und damit war mein Rennen gelaufen. Jetzt freue ich mich auf Hockenheim und wir werden alles tun, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.“

    ROSS BRAWN
    „Eine gute Leistung von Nico und dem Team. Er fuhr toll und wir holten heutE das Maximum aus dem Auto heraus, mit einem starken Start, einer guten Strategie und einem beeindruckenden Rennen. Nico attackierte so hart wie nötig und fuhr im entscheidenden Moment etliche super Runden – sein Rennen lief perfekt. Michael startete ebenfalls gut und fuhr an einer aussichtsreichen Position. Wir holten ihn früh zum Boxenstopp herein, damit er anschließend eine freie Strecke hatte, denn er sagte uns, dass er aufgehalten wurde. Leider verlor er den Vorteil durch den frühen Halt wegen eines Fahrfehlers. Als die anderen Fahrer ihre Stopps einlegten, kamen sie vor Michael wieder auf die Strecke. Zudem war sein Auto beschädigt, und das wars dann für ihn. Insgesamt machten wir an diesem Wochenende einen respektablen Job, aber wir müssen schneller werden. Wir freuen uns darauf, heute Abend mit einem Pokal in die Firma zurückzukehren und dort unsere Teammitglieder mit ihren Familien zu treffen.“

    NORBERT HAUG
    „Ein gutes Rennen von Nico und unserem Team. Vom fünften Startplatz aus kam er als Dritter ins Ziel und holte so seinen dritten Podiumsplatz in den letzten acht Rennen. Unsere Leistung an diesem Wochenende sah besser aus als vor zwei Wochen in Valencia. Ich freue mich, dass unser Team bei seinem Heimrennen einen Podiumsplatz holte; das passt gut zu unserem Teamabend in Brackley, den wir vor langer Zeit mit allen Teammitgliedern und ihren Familien bei unserem Heimrennen geplant haben. Michael hatte vom zehnten Startplatz ein schwieriges Rennen und holte als Neunter zwei Punkte. Ich bin sicher, dass wir ähnliche Ergebnisse wie Nicos Podiumsplatz heute auch bald von Michael sehen werden. Wir freuen uns jetzt auf unser nächstes Heimrennen in zwei Wochen in Hockenheim, bei dem uns viele Mercedes-Mitarbeiter und viele Fans live vor Ort die Daumen drücken werden. Wir werden ab morgen hart arbeiten, um in Hockenheim ein ähnliches Resultat wie hier in Silverstone zu erzielen.“

    Webber siegt im Zoff mit VettelFormel 1

    Webber siegt im Zoff mit VettelFormel 1: Der Australier fühlt sich bei Red Bull als Nummer 2 - In Silverstone gewann er jedoch

    Silverstone - Die Anstrengung war nicht so groß, als dass Mark Webber nach dem Ziel nicht noch für eine Attacke gut gewesen wäre. Der Australier, der nach seinem Unfall in Valencia mit einem ausrangierten Chassis seines Red-Bull-Kollegen Sebastian Vettel fährt, hatte auf Geheiß seines Teams den neuen Frontflügel seines Wagens dem Deutschen überlassen müssen. An dessen Auto war der Flügel zuvor kaputtgegangen. Webber musste mit einem älteren Teil antreten. Als er dann gestern doch als erster die Ziellinie beim Grand Prix von Großbritannien in Silverstone überquerte, konterte Webber über Boxenfunk die Glückwünsche seines Rennstalls: "Nicht schlecht für einen Nummer-Zwei-Fahrer."

    Webber profitierte davon, dass Vettel - von der Pole gestartet - nach einem vermasselten Start mit einem Reifenschaden zurückfiel. Hinter ihm landete der WM-Führende Lewis Hamilton im McLaren, der Vettels Reifen unabsichtlich demoliert hatte. Dritter: Nico Rosberg im Mercedes. Webber gelang damit sein dritter Saisonsieg, Vettel wurde am Ende Siebter vor Adrian Sutil (Force India) und Michael Schumacher (Mercedes). Nico Hülkenberg (Williams) kam auf Rang zehn, sodass fünf Deutsche in die Punkte fuhren.

    Zehn von 19 Rennen sind absolviert - vor dem Großen Preis von Deutschland (25. Juli, Hockenheim) beginnt allmählich die heiße Phase. Die wachsende Brisanz hat sich in Silverstone schon dadurch gezeigt, dass sich bei den großen Teams der interne Konkurrenzkampf zwischen den Piloten zuspitzte. Zuvorderst Red Bull musste zittern, als Webber und Vettel beim Start aggressiv in den Infight gingen, bei dem Vettel den Kürzeren zog. Mit Mühe kämpfte er sich vom letzten Platz wieder nach vorn. "Da muss das Team eingreifen, da muss jetzt richtig einer draufhauen", sagte Ex-Weltmeister Niki Lauda, "das ist für meine Begriffe zu aggressiv, bei der WM brauchst du jeden Punkt und heute hat Sebastian viele vergeben."

    Rivalen der Rennbahn

    Rivalen der Rennbahn

    Red-Bull-Pilot Mark Webber gewinnt in Silverstone - und löst mit seiner Kritik an der Bevorzugung des Teamkollegen Sebastian Vettel einen Eklat bei seinem Rennstall aus.

    Wer geglaubt hatte, dass nach dem teaminternen Crash auf dem Kurs des Großen Preises von Istanbul vor sechs Wochen wieder Frieden bei Red Bull eingekehrt sei, wurde spätestens auf der Ehrenrunde von Sieger Mark Webber im britischen Silverstone in die Realität zurückgeholt. "Fantastische Arbeit vom Team", lobte Webber über Boxenfunk die Kollegen. Doch dann: "Und nicht schlecht für einen Nummer-zwei-Fahrer."
    Mit diesen Worten hat der Australier den Konflikt um die Positionen von ihm und Teamkollegen Sebastian Vettel bei Red Bull eskalieren lassen. Begonnen hatte der Streit bereits am Samstag: Der Rennstall hatte zwei neue Frontflügel mit nach Silverstone gebracht. Im freien Training am Samstagmorgen war dann der Flügel von Vettels Wagen kaputtgegangen. Daraufhin beschloss das Team, den anderen neuen Flügel, der an Webbers Auto montiert worden war, Vettel zur Verfügung zu stellen. "Das war eine schwierige Entscheidung, aber Sebastian ist unser führender Fahrer in der WM", hatte Teamchef Christian Horner die Entscheidung begründet. Vettel fuhr im Qualifying dann auf die Pole Position, Webber wurde Zweiter - und kochte vor Wut. "Ich vermute, das Team ist happy über dieses Resultat", sagte er und knallte sein Wasserglas auf den Tisch.
    In Webbers Worten nach Zieleinfahrt aus dem Cockpit schwang nicht nur der angestaute Frust mit, sondern auch Schadenfreude. Schadenfreude darüber, dass McLaren-Fahrer Lewis Hamilton mit seinem Frontflügel den Hinterreifen von Vettel beim Start touchiert hatte, der dann wenige Sekunden später Luft verlor. Vettel rutschte dadurch gleich zweimal von der Strecke, fing sein Auto mit viel Mühe ab und konnte nur langsam zum Reifenwechsel die Box ansteuern. Nach dem Stopp musste er das Feld von ganz hinten aufrollen musste - und Webber damit einen sicheren Sieg schenkten. Denn Red Bull war auch in Silverstone wieder das Maß aller Dinge. Allerdings nicht in Sachen Teammanagement: Webber setzt seinen Rennstall mit den Sticheleien unter Druck und weckt Zweifel an der Teamleitung, bestehend aus Teamchef Horner und Helmut Marko, dem Red-Bull-Berater und Repräsentanten des Rennstallbesitzers Dietrich Mateschitz.
    Horner bemühte sich nach dem Rennen, die Worte des Piloten zu relativieren. "Das war ein Scherz, Sekunden nachdem er das Rennen gewonnen hatte", sagte er. "Das sehe ich nicht so kritisch." Auch Vettel ließ sich von Webbers Worten nicht aus der Ruhe bringen. "Für mich ist das Wichtigste, dass man den gegenseitigen Respekt voreinander bewahrt", sagte er. "Wenn Mark denkt, dass er die Nummer zwei ist, dann ist das seine Sache." Der Reifenschaden in der ersten Runde ärgerte ihn dagegen maßlos. "Kann sein, dass Lewis diesmal geschafft hat, was ihm in Valencia noch nicht gelungen ist", sagte er. Vor zwei Wochen hatte Hamilton den Deutschen beim Preis von Europa in seinem Auto zweimal scharf attackiert.
    Nach seinem Reifenschaden in Silverstone startete der WM-Vierte eine imposante Aufholjagd. Doch erst als das Safety Car in Runde 28 das Rennen unterbrach, weil der Sauber von Pedro de la Rosa Teile seines Heckflügels verloren hatte, konnte Vettel in die Ränge fahren. Nach dem Neustart schnappte sich Vettel ein Auto nach dem anderen, fuhr auf den siebten Platz und konnte sechs wichtige WM-Punkte einheimsen. "Die Aufholjagd hat richtig Spaß gemacht", sagte Vettel. Mehr zum
    Den Zweikampf beim Start gegen Webber fand er fair. "Ich hatte keinen besonders guten Start, wir waren etwas zu optimistisch mit den Einstellungen der Kupplung", erzählte Vettel. Auf die Frage, ob Webber ihn genug Platz gelassen habe, antwortete er: "Es ging eher darum, ob ich ihm genug Platz gelassen habe, aber das war der Fall."
    Aus deutscher Sicht erfreulich war der dritte Platz von Nico Rosberg. "Ich bin richtig happy", sagte Rosberg. "Das war eine tolle taktische Leistung vom Team", lobte er. Die Leistung von Mercedes auf der Strecke dagegen lässt immer noch zu wünschen übrig. Rosberg hatte keine Chance, den Red Bull von Webber und den McLaren von Lewis Hamilton zu folgen. Seine Rundenzeiten waren eine Sekunde langsamer als jene der Spitze. In der Formel 1 ist das eine halbe Ewigkeit.

    Trottel-Start: Vettel verschenkt den Sieg

    Trottel-Start: Vettel verschenkt den Sieg
    Webber triumphiert und stichelt gegen Sebastian

    Silverstone - Erst den Start versaut, dann auch noch vom Gegner aufgeschlitzt, Sebastian Vettel erwischte einen rabenschwarzen Grand Prix. Es reichte noch zu Platz sieben. Den Sieg holte sich Vettels Teamkollege Mark Webber.
    Verdammt. Dabei hatte Sebastian von der Pole aus doch die WM-Führung im Blick. Ein Sieg wie vor zwei Wochen in Valencia hätte ihn am führenden McLaren-Pilot Lewis Hamilton vorbeigespült. Doch ausgerechnet der schnitt dem Red-Bull-Piloten kurz nach dem Start auch noch den rechten Hinterreifen mit seinem Frontflügel auf.
    "Diesmal hat er es geschafft", fluchte ein ziemlich stinkiger Vettel nach dem Rennen über Hamilton. Mit großer Mühe schleppte sich der Heppenheimer mit dem Plattfuß fast über eine ganze Runde in die Box, um neue Reifen abzuholen. Vom letzten Platz begann er mit Wut im Bauch die Aufholjagd.
    "Anfangs ging es wie mit einem warmen Messer durch die Butter", erklärte Vettel schon etwas freundlicher. Er fuhr den anderen – begünstigt auch von einer Safety-Car-Phase – um die Ohren und hatte erst mit Adrian Sutil im Duell um Platz sieben eine harte Nuss zu knacken. In der letzten Runde quetschte sich Vettel am Force India vorbei.
    Teamkollege Mark Webber stichelte nach seinem Triumph im Boxenfunk Richtung Team: "Nicht schlecht für eine Nummer zwei, oder?" Hintergrund: Webber siegte im alten Vettel-Auto, das er nach seinem Salto-Crash in Valencia bekam. Er fühlte sich vom Team hintenan gesetzt, weil er Vettel auch den neuen Frontflügel überlassen musste. Freunde werden beide nicht mehr ...

    Großer Preis von Deutschland / Hockenheim

    Großer Preis von Deutschland / Hockenheim

    Porträt Die ursprüngliche Strecke in Hockenheim wurde 1932 als etwa zwölf Kilometer langer Dreieckskurs gegründet. Im Laufe der Jahre kam es immer wieder zu Modifikationen, vor allem durch den Bau der nahe gelegenen Autobahn. Der neue Hockenheimring wurde am 22. Mai 1966 eröffnet und war mit 6,789 Kilometern Länge durch den Hartwald eine absolute Hochgeschwindigkeitsstrecke mit viel Charakter, auch wenn Jim Clark auf einer der Geraden bei einem Formel-2-Rennen tödlich verunglückt ist.

    Der erste Formel-1-Grand-Prix in Hockenheim wurde 1970 ausgetragen. Als der Nürburgring nach Niki Laudas Feuerunfall im Jahr 1976 aus Sicherheitsgründen aus dem Kalender gestrichen werden musste, sprang der AvD ab 1977 permanent als Ausrichter des Großen Preises von Deutschland ein - mit der Ausnahme von 1985, als einmalig auf dem neu eröffneten Grand-Prix-Kurs am Nürburgring gefahren wurde.

    Im Jahr 2002 kam es dann noch einmal zu einem großen Umbau, weil die langen Geraden und die hohe Streckenlänge nicht mehr als zeitgemäß empfunden wurden - aus Sicherheits- wie auch aus kommerziellen Gründen. Die Zuschauerkapazität wurde von 83.000 auf 120.000 Plätze erhöht. In seiner neuen Variante zählt der von Hermann Tilke entworfene Hockenheimring zu den modernsten Rennstrecken der Welt.

    Die Umbauten, die über 60 Millionen Euro gekostet haben, und das rückläufige Interesse der deutschen Motorsportfans führten jedoch dazu, dass sich der Hockenheimring eine jährliche Ausrichtung des Formel-1-Rennens nicht mehr leisten konnte. Also verständigte man sich mit dem ebenfalls in einer ähnlichen Situation befindlichen Nürburgring darauf, den Deutschland-Grand-Prix ab 2007 alternierend auszutragen.

    2010 ist Hockenheim an der Reihe.
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    Vorschau: Großer Preis von Deutschland

    Vorschau: Großer Preis von Deutschland

    Der Grand Prix von Deutschland vom 23. bis 25. Juli 2010 ist der zweite Heim Grand Prix für MERCEDES GP PETRONAS innerhalb von zwei Wochen. Der elfte Lauf zur Formel 1-Weltmeisterschaft 2010 findet rund 100 Kilometer von der Daimler und Mercedes-Benz Zentrale in Stuttgart statt.

    NICO ROSBERG
    „Für mich als deutschen Fahrer war der deutsche Grand Prix schon immer etwas Besonderes. Das gilt gerade in diesem Jahr, da ich jetzt für Mercedes-Benz fahre. Ich habe schöne Erinnerungen an den Hockenheimring, denn ich gewann hier in allen Junior-Klassen, an denen ich teilnahm, und dazu gehört auch mein erster Sieg in einem Monoposto. Die Atmosphäre beim Grand Prix von Deutschland ist großartig und die Fans sind sehr begeisterungsfähig. Auf den Tribünen im Stadionbereich feuern sie uns immer lautstark an und das ist ein tolles Erlebnis für die deutschen Fahrer. Die Strecke gefällt mir gut; sie ist anspruchsvoll und bietet gute Überholmöglichkeiten. Die Rennen hier sind oft sehr spannend. Mein Podiumsplatz von Silverstone ist für uns beim bevorstehenden Heim Grand Prix des Teams eine zusätzliche Motivation. Wir arbeiten daran uns weiter zu steigern und wollen am Wochenende wieder gut abschneiden.“

    MICHAEL SCHUMACHER
    „Eines ist mal ganz klar: egal, wie lange man dabei ist, es ist immer speziell, vor deinem Heimpublikum zu fahren. Keine Frage, in Hockenheim werde ich auch für meine Fans, die mich vor allem in diesen Tagen so sehr unterstützen, mein Bestes geben. Aber der Deutsche Grand Prix ist auch so für jeden deutschen Fahrer immer etwas Besonderes. Es gibt auf allen Rennstrecken weltweit nur wenige Abschnitte, die mit dem Motodrom vergleichbar sind, und als Fahrer spürst du diese energiegeladene Atmosphäre, wenn du hinein fährst. Es wird das erste Mal sein, dass ich als Mercedes-Fahrer in Hockenheim bin, und ich freue mich sehr darauf. Vor der Mercedes-Tribüne und vor allen Mitarbeitern, Mitgliedern und Freunden von Mercedes-Benz zu fahren wird bestimmt sehr emotional sein. Andererseits wird mich das noch zusätzlich anspornen, damit sie ein Wochenende erleben, an das sie sich gerne zurück erinnern. Wir werden einige Updates für unser Auto mitbringen, die uns hoffentlich einen Schritt voran bringen, und insofern können wir uns alle auf ein spannendes Rennen in Deutschland freuen.“

    ROSS BRAWN
    „Das kommende Rennen in Hockenheim ist unser erster Grand Prix von Deutschland als Mercedes-Benz Werksteam und wir alle bei MERCEDES GP PETRONAS freuen uns darauf. Nach zwei schwierigen Rennen sahen wir in Silverstone wieder besser aus und holten das Beste aus unserem derzeitigen technischen Paket. Es war wichtig, dass wir unsere Erfahrungen umsetzten und uns steigerten. Nicos Podiumsplatz war dabei die passende Belohnung für die intensive Vorbereitungsarbeit des Teams in Brackley und Brixworth. Die Änderungen an den letzten Verbesserungen funktionierten gut und wir werden in Hockenheim einen weiteren Schritt machen; bei sorgfältiger Vorbereitung sollte er sich auszahlen. Zwei Heimrennen hintereinander bedeuten für Team und Fahrer viel Arbeit und wir wollen unseren deutschen Fans und Kollegen in Hockenheim die gleiche gute Vorstellung bieten wie am letzten Wochenende in Silverstone.“

    NORBERT HAUG
    „Der Große Preis von Deutschland in Hockenheim ist ein Klassiker für Mercedes-Benz und an den letzten dort ausgetragenen Grand Prix erinnern wir uns mit besonderer Freude, als Lewis Hamilton im McLaren Mercedes gewann. Jetzt, zwei Jahre später, treten wir erstmals mit unserem neuen Silberpfeil-Werksteam MERCEDES GP PETRONAS in der Heimat an. Wir können nicht von der Wiederholung des Sieges beim letzten Hockenheim-Gastspiel ausgehen, wollen uns aber auch in unserer neuen Konstellation so gut wie möglich präsentieren. Zuletzt in Silverstone gelang das Nico Rosberg als Drittplatziertem mit einem Podiumsplatz und es wäre schön, ein solches Resultat beim Heimspiel von Mercedes zu wiederholen. Wir werden in Hockenheim sehr viele Unterstützer haben, die Michael Schumacher, Nico Rosberg und den Silberpfeilen die Daumen drücken: Schneller als in diesem Jahr waren die 6500 Tickets auf der Mercedes-Tribüne seit deren Existenz jedenfalls noch nie verkauft. Auch 2010 wird es rund um die Mercedes-Tribüne ein attraktives Programm für alle Hockenheim-Besucher geben. Mit Fahrer-Interviews, Probefahrten mit neuen Mercedes-Modellen im angrenzenden Fahrsicherheitszentrum, mit Live-Musik und vielen kostenlosen Mehrwerten für unser Publikum. Bei all dem Gebotenen vergessen wir nicht, dass das zählt, was auf der Strecke passiert, und dort wollen wir so gut wie irgend möglich abschneiden.“

    Qualifying: Vettel wehrt Alonsos Attacke ab!

    Qualifying: Vettel wehrt Alonsos Attacke ab!

    Tausendstelkrimi in Hockenheim: Sebastian Vettel holt vor Alonso und Massa die Pole-Position - Mercedes beim Heimspiel schwer geschlagen

    (Motorsport-Total.com) - Nur zu gerne hätten die deutschen Formel-1-Fans heute in Hockenheim ein Erfolgserlebnis des Mercedes-Nationalteams um Michael Schumacher bejubelt, aber daraus wurde nichts. Dafür holte mit Sebastian Vettel ein anderer Lokalmatador die Kastanien aus dem Feuer - und zwar auf denkbar dramatische Art und Weise!

    Denn der Red-Bull-Pilot hatte nach dem ersten Run im Top-10-Finale noch 34 Tausendstelsekunden Rückstand auf Fernando Alonso (Ferrari), schob sich aber am Ende mit einer Bestzeit von 1:13.791 Minuten am Spanier vorbei. Alonso hatte bei der zweiten Zwischenzeit noch Vorsprung auf diese Marke, brachte diesen aber nicht ganz über die 4,574 Kilometer - am Ende entschieden 0,002 Sekunden über den ersten und zweiten Startplatz!

    Polesetter Vettel überglücklich
    "Zwei Tausendstel sind nicht gerade der Abstand, den wir uns gewünscht hatten, aber es war wirklich aufregend", grinst der überglückliche Polesetter. "Es gibt hier einige Stellen, wo man schnell mal einen Fehler machen kann - pushst du ein bisschen zu viel, verlierst du gleich den Peak der Reifen. Meine letzte Runde war auch nicht perfekt, aber es hat um Haaresbreite für die Pole gereicht. Natürlich bin ich darüber extrem happy."

    Ausschlaggebend waren die letzten 20 Fahrsekunden: "Als Sebastian in der Haarnadel ankam, hatte er noch ein Zehntel Rückstand auf seine persönliche Bestzeit", berichtet Teamchef Christian Horner, "aber der letzte Sektor war unwiderstehlich. Zwei Tausendstel sind ein denkbar knapper Abstand, aber er steht bei seinem Heimrennen auf Pole." Vettel warnt dennoch vor verfrühter Euphorie: "Wir haben ein starkes Auto, aber es wird ein harter Kampf gegen die roten Autos, schätze ich."

    "Ferrari ist hier sehr konkurrenzfähig", weiß der Deutsche - und der geschlagene Alonso nickt kämpferisch: "Ich habe ein gutes Gefühl im Auto. Leider habe ich die Pole knapp verpasst, aber das ist nicht wichtig. Die Punkte werden morgen vergeben. Das war ein guter Samstag, jetzt hoffe ich auf einen guten Sonntag." Enttäuscht ist er nicht: "Wir sollten glücklich sein, denn wir stehen zum ersten Mal in dieser Saison in der ersten Reihe. Das ist ein Fortschritt für uns."

    Ferrari wie Phönix aus der Asche
    Schon mit der Freitagsbestzeit hatte Alonso angedeutet, dass Ferrari an diesem Wochenende das einzige Team sein wird, das Red Bull wirklich herausfordern kann, und das bestätigte er im Qualifying mit mehr oder weniger deutlichen Bestzeiten (0,344 beziehungsweise 0,168 Sekunden Vorsprung auf Vettel) in Q1 und Q2. "Aber dass sie in Q3 immer noch ein Quäntchen auspacken können, habe ich schon vorher gewusst", sagt er.

    Hinter Vettel und Alonso stehen Felipe Massa (Ferrari) und Mark Webber (Red Bull) in der zweiten Reihe, mit 0,499 beziehungsweise 0,556 Sekunden Rückstand doch klar geschlagen. Aber Massa freut sich in erster Linie über das Ergebnis: "Das war eine gute Leistung von uns", lässt er wissen. "Ich brachte in Q3 nicht meine besten Sektorenzeiten in eine Runde, aber ich bin froh darüber, endlich wieder unter den Top 3 zu sein."

    Webber leistete sich laut Teamchef Horner einen Fahrfehler in der ersten Kurve, aber der Australier wirkte zu keinem Zeitpunkt der Session so stark wie Vettel. Eine Überraschung gab es dafür im McLaren-Stallduell: Jenson Button fuhr am Ende die zweitbeste Zeit im Mittelsektor und schob sich damit noch um 0,139 Sekunden an Lewis Hamilton vorbei. Siegverdächtig war die heutige Performance nicht, auch wenn die Chrompfeile sonntags oftmals stärker sind.

    Mercedes verwundert über schlechtes Abschneiden
    Die Werks-Silberpfeile von Mercedes hatten sich ihren ersten Deutschland-Grand-Prix seit 1954 wahrscheinlich ganz anders vorgestellt: Galionsfigur Schumacher schied als Elfter bereits im zweiten Qualifying aus, auch Nico Rosberg musste sich mit Startplatz neun begnügen. "Schwer verständlich", wundert sich Testfahrer Nick Heidfeld. "Wir waren eigentlich davon überzeugt, einen guten Schritt gemacht zu haben. Die Top 10 wollten wir ganz locker packen."

    Vor der Session wollte Schumacher "irgendwo zwischen Platz fünf und sechs" landen, dementsprechend hat er mit Rang elf wenig Freude: "Ich hätte vielleicht auch Achter werden können, aber Fakt ist, dass ich hier lieber auf der linken Seite stehe, denn der Unterschied zwischen links und rechts ist ziemlich groß. Vielleicht kann ich da die eine oder andere Position gutmachen, aber das anvisierte Podium ist damit in weite Ferne gerückt", seufzt der 41-Jährige.

    Klare Worte von Rosberg
    Rosberg findet noch deutlichere Worte: "Das war absolute Katastrophe. Es kann nicht sein, dass ich 1,4 Sekunden vom Red Bull weg bin. Mein Auto wurde immer schlechter", schimpft der Deutsche und klagt über "Übersteuern, Übersteuern, Übersteuern". Teamchef Ross Brawn glaubt zumindest den Grund für das schlechte Abschneiden zu kennen: "Wir haben viele neue Teile am Auto, aber die harmonieren noch nicht richtig. Gestern war die Balance noch gut."

    Abgerundet wurden die Top 10 von Robert Kubica (Renault/7./+1,288), Rubens Barrichello (8./+1,319) und Nico Hülkenberg (beide Williams/10./+1,548). Letzterer hatte für das Top-10-Finale nur noch einen frischen Reifensatz zur Verfügung, lag zwischenzeitlich auch vor seinem Teamkollegen, wurde im Finish aber doch wieder überrumpelt. Dafür hatte er in Q2 in letzter Sekunde noch sein einstiges Vorbild Schumacher aus den Top 10 gekegelt.

    Ebenfalls bereits in Q2 scheiterte Adrian Sutil, der Schnellste des verregneten Trainings am Freitagmorgen: "Das war problemlos, aber zu langsam", gesteht der Force-India-Pilot, der sich eigentlich viel mehr ausgerechnet hatte. "Ich hatte keinen Grip. Der 14. Platz war das Maximum - und leider geht es wegen des Getriebewechsels noch um fünf Plätze zurück. Aber man darf nie aufgeben, denn im Rennen ist noch alles möglich."

    Schrecksekunde durch Liuzzi
    Sein Team hat über Nacht übrigens jede Menge Arbeit vor sich, denn Vitantonio Liuzzi sorgte schon nach fünfeinhalb Minuten in Q1 für einen Abbruch der Session: Der Italiener crashte ausgangs der letzten Kurve innen in die Boxenmauer, blieb zunächst lange im Cockpit sitzen, konnte dann aber doch selbst aus dem Wrack aussteigen. Er schlug zuerst mit der Front, dann mit dem Heck ein - und sorgte für eine riesige Schrecksekunde!

    Doch schon wenig später konnte Liuzzi Entwarnung geben: "Mir geht es gut. Die Autos sind heutzutage sehr sicher", atmet Sutils Teamkollege auf und schildert: "Ich bin leider außen ein bisschen aufs Gras gekommen, glaube ich. Das war vielleicht noch ein bisschen nass und da habe ich das Heck verloren. Schade, dass es gleich zu Beginn des Qualifyings passiert ist, aber dass da draußen noch eine Pfütze war, konnte ich nicht sehen."

    Durch seinen Crash war klar, dass es neben den sechs Fahrern der neuen Teams keine "Etablierten" mehr erwischen würde. Die beiden Sauber-Piloten und der Schweizer Sébastien Buemi (Toro Rosso/17.) hatten aber keine realistische Chance auf den Aufstieg in die dritte Runde. Buemi verlor sogar das Stallduell gegen seinen spanischen Teamkollegen Jaime Alguersuari (16.) um 0,386 Sekunden - eine kleine Überraschung.

    Glocks starke Leistung unbelohnt
    Chancen auf die "kleine Pole-Position" der neuen Teams hätte heute wohl auch Timo Glock (Virgin) gehabt, aber für den Deutschen lief es nicht nach Wunsch: Erst hatte er Riesenglück, als er Liuzzis linkem Vorderrad nur um Haaresbreite ausweichen konnte, und später musste er seinen finalen Run aufgrund von Bremsproblemen streichen. Dadurch wurde er noch von den beiden Lotus-Piloten Jarno Trulli (18.) und Heikki Kovalainen (19.) überholt.

    Das Liuzzi-Rad sei "schon noch ein Stück weg" gewesen, "aber wenn ich ein paar Meter früher dort angekommen wäre, hätte es sonstwo landen können. Das war nicht ohne, aber Gott sei Dank ist nichts passiert", berichtet Glock. Sein Teamkollege Lucas di Grassi konnte wegen einer defekten Lichtmaschine gar keine Zeit fahren und musste obendrein auch noch das Getriebe wechseln lassen - Strafversetzung um fünf Positionen!

    Für das morgige Rennen werden erstens genau wie heute trockene Bedingungen und ein heißes Duell zwischen Red Bull und Ferrari erwartet. Polesetter Vettel könnte noch einige deutsche Fans veranlassen, in letzter Minute nach Hockenheim zu kommen, und auch Mercedes wird sicher versuchen, eine Aufholjagd hinzulegen. Für einen spannenden Grand Prix von Deutschland sollte auf jeden Fall gesorgt sein.

    Stallorder in Hockenheim: Alonso vor Massa!

    Stallorder in Hockenheim: Alonso vor Massa!

    Ferrari entscheidet: Alonso darf gewinnen, Massa nur Zweiter werden - Sebastian Vettel vor den beiden McLaren-Piloten auf Platz drei

    (Motorsport-Total.com) - Ferrari feierte heute in Hockenheim den ersten Doppelsieg seit dem Saisonauftakt in Manama, doch dem zweiten Saisonerfolg heftet ein riesiger Schatten an. Denn genau wie in Spielberg 2002 ("Let Michael pass for the Championship!") entschied eine offensichtliche Stallorder über den Ausgang des Grand Prix von Deutschland.

    In der 48. Runde funkte Renningenieur Rob Smedley ins Cockpit von Felipe Massa: "Fernando ist schneller als du. Kannst du bestätigen, dass du diese Botschaft verstanden hast?" Nur eine Runde später der Führungswechsel: Massa ging ausgangs der Haarnadelkurve demonstrativ vom Gas und ließ seinen Teamkollegen überholen! Dass das keine freiwillige Aktion war, beweist der Boxenfunk, denn Smedley meldete sich nach Vollzug noch einmal bei seinem Schützling: "Sorry, Felipe!"

    Ferrari: Von Anfang an Spannungen
    Begonnen hatte das heiße Duell der beiden Ferrari-Piloten bereits am Start: Polesetter Sebastian Vettel (Red Bull) kam schlecht weg, zog nach innen, um sich gegen Fernando Alonso zu verteidigen - aber außen nützte Massa seelenruhig den freien Raum, um vom dritten Platz aus in Führung zu gehen! Der Brasilianer musste zwar in der Nordkurve über die Curbs hinausfahren, war aber nach der ersten Kurve sicher vor Alonso und Vettel Erster.

    Ferrari lieferte von da an eine dominante Vorstellung ab, doch Alonso wirkte über weite Strecken etwas schneller. In der 21. Runde nahm das Duell dann Brisanz auf: Alonso nutzte die Gunst einer Überrundung, setzte sich neben seinen Teamkollegen und hatte die Nase schon vorne, doch Massa bremste spät und verteidigte die Führung. Alonso ließ das nicht auf sich sitzen und schrie seinem Renningenieur Andrea Stella ins Ohr: "Das ist doch lächerlich!"

    Der Spanier ließ sich demonstrativ zurückfallen und hatte schon fast vier Sekunden Rückstand - offensichtlich mit Wut im Bauch. Aber plötzlich drehte er wieder auf und holte Massa ein. Dann die Ereignisse in der 49. Runde. "Ich weiß nicht, was passiert ist, aber ausgangs Kurve sechs war Felipe langsam", wäscht Alonso seine Hände in Unschuld. "Du musst jede Gelegenheit nutzen, die sich dir bietet, denn man kann hier nur schwer überholen."

    Massa natürlich stinksauer
    Pressekonferenz nach dem Rennen, Frage an Massa: Findest du, dass du den Sieg verdient gehabt hättest? "Ich denke schon", antwortet er mit säuerlicher Miene. "Mein Start war fantastisch und die Pace auf weichen Reifen auch. Mit den harten hatte ich leichte Probleme, aber es war ein sehr gutes Rennen für uns." Und was war das für ein Manöver? "Ich glaube nicht, dass ich dazu etwas sagen muss", knurrt er. "Wir arbeiten für das Team und wir machen einen sehr guten Job."

    Für Smedley ist klar, dass es keine Strafe geben wird, denn: "Fernando war schneller und Felipe hat nach der Haarnadel auch noch einen Fehler gemacht. Wir lagen vorne und hatten sechs Sekunden Vorsprung auf Sebastian", erläutert er mit einem gequält wirkenden Lächeln im Gesicht. "Da kann man doch nicht über Teamorder sprechen! Fernando war schneller und er ist dann vorbeigekommen. Er hat es normal gewonnen. Es war keine Stallorder."

    Alonso ließ sich die Butter von jenem Zeitpunkt an nicht mehr vom Brot nehmen, gewann nach 67 Runden mit 4,1 Sekunden Vorsprung. Massa musste sich in den letzten Runden noch gegen den von hinten drückenden Vettel verteidigen, behielt aber kühlen Kopf und kam 0,9 Sekunden vor dem Lokalmatador über die Ziellinie. Der hatte heute keine Chance gegen Ferrari, drehte aber ganz zum Schluss noch die schnellste Runde im Rennen.

    Start: Entscheidung gegen Vettel
    "Normalerweise sind unsere Starts sehr gut. Ich bin mir nicht sicher, was heute los war, aber die ersten fünf bis zehn Meter waren sehr schlecht - da hätte ich den Motor fast abgewürgt", erklärt Vettel, wo er die Chance auf den Sieg im Heimrennen vergeben hat. "Dann war ich Seite an Seite mit Fernando. Dass Felipe links vorbeikam, hat mich überrascht. Die Ferraris waren heute einfach um das Zehntel schneller."

    Hinter den Top 3 war Hockenheim 2010 nicht allzu aufregend. Lewis Hamilton (McLaren) ging bereits in der ersten Runde dank des besseren Topspeeds an Mark Webber (Red Bull) vorbei, dahinter reihte sich zunächst Jenson Button (McLaren) ein. Auch Michael Schumacher (Mercedes) machte Positionen gut und war vor Stallgefährte Nico Rosberg Achter, während beide Williams-Piloten aus den Punkterängen zurückfielen.

    In der zwölften Runde kam Vettel an die Box, in der 13. Alonso und Webber, in der 14. Massa und Hamilton. Verschiebungen ergaben sich dadurch zunächst nicht, aber Button kam erst im 22. Umlauf zum Reifenwechsel und war bis dahin phasenweise der schnellste Mann auf der Strecke. Dadurch ging er durch die Strategie an Webber vorbei - und beinahe wäre er sogar Hamilton gefährlich geworden, der gegen Rennmitte übrigens kurzzeitig Benzin sparen musste.

    Webber mit Ölproblemen im Ziel
    Hamilton und Button liefen mit knapp einer halben Minute Rückstand auf den Plätzen vier und fünf ein, gefolgt von Webber. Der erhielt in der 44. Runde einen Funkspruch von seinem Renningenieur Ciaran Pilbeam: "Das Problem ist der höhe Ölverbrauch. Hartes und spätes Bremsen hilft!" Der Australier rettete sich aber ins Ziel, deutlich vor Robert Kubica (Renault) und Rosberg. Letzterer kam durch einen langen ersten Stint an Schumacher vorbei.

    Schumacher war als Neunter alles andere als glücklich: "Es war leider Platz neun, aber es hätte Platz sieben sein können", seufzt der siebenfache Weltmeister und ärgert sich: "Wir waren leider früh unterwegs mit dem Boxenstopp. Wir haben auf Umstände reagiert, aber im Nachhinein wäre es wohl klüger gewesen, noch ein bisschen draußen zu bleiben. Aber ob Siebter oder Neunter, das macht für mich nicht den großen Unterschied."

    Der 41-Jährige war vom eigentlich erhofften Podestplatz meilenweit entfernt, aber stets nahe an seinem Teamkollegen dran: Bereits gestern verlor er das Stallduell nur um acht Tausendstelsekunden, heute gaben die Strategie und 3,1 Sekunden Rückstand auf der Ziellinie den Ausschlag. Auf Vitaly Petrov (Renault) hatte Schumacher nach hinten 4,3 Sekunden Puffer. Elfter wurde Kamui Kobayashi (Sauber).

    Keine Punkte für Williams
    Das Sauber-Team hatte Pedro de la Rosa lange an siebter Stelle im Rennen, lag aber trotzdem nie auf Punktekurs, denn der Spanier wurde nur nach vorne gespült, weil er den Boxenstopp lange hinauszögerte. Seine beste Leistung waren zwei Überholmanöver gegen den jungen Deutschen Nico Hülkenberg (Williams/13.), der seinerseits 0,6 Sekunden hinter Teamkollege Rubens Barrichello abgewunken wurde.

    Insgesamt sahen 19 von 24 gestarteten Autos die Zielflagge. Für Toro Rosso war das Rennen schon am Start vorbei, als Jaime Alguersuari (15.) Sébastien Buemi beim Anbremsen der Haarnadelkurve anschob und den Heckflügel wegrasierte. Auch Adrian Sutil (Force India) erlebte einen katastrophalen Nachmittag mit drei Boxenstopps und zwei Runden Rückstand - Platz 17. Timo Glock (Virgin) wurde als schlechtester Deutscher 18.

    In der Fahrer-WM führt Hamilton (157) nach elf von 19 Rennen mit 14 Punkten Vorsprung auf Button. Ebenfalls noch Titelchancen haben Webber, Vettel (je 136) und Alonso (123); Schumacher (38) ist Neunter. Bei den Konstrukteuren führt weiterhin McLaren (300) vor Red Bull (272), Ferrari (208) und Mercedes (132). Weiter geht es schon in einer Woche mit dem Grand Prix von Ungarn auf dem Hungaroring in Budapest.

    Deutschland GP: Rennen

    Deutschland GP: Rennen

    Die MERCEDES GP PETRONAS Fahrer Nico Rosberg und Michael Schumacher belegten beim Grand Prix von Deutschland in Hockenheim die Plätze acht und neun.

    Michael verbesserte sich beim Start um drei Positionen auf Platz acht; Nico folgte ihm an neunter Stelle. Michael fuhr in Runde 14 zu seinem einzigen Boxenstopp herein und wechselte von den weichen auf die härteren Reifen. Nico fuhr länger und legte seinen Routinehalt im 24. Umlauf ein. Ob die beiden Boxenstopps die schnellsten des Rennens waren, schafften es beide Fahrer nicht, an Robert Kubica vorbei zu kommen. Allerdings lag Nico nach seinem späten Stopp vor Michael.
    In der Fahrerweltmeisterschaft ist Nico mit jetzt 94 Punkten Sechster; Michael ist Neunter mit 38 Zählern. Es führt Vodafone McLaren Mercedes Fahrer Lewis Hamilton, heute Vierter, mit 157 Punkten.

    NICO ROSBERG
    „Wir machten heute das Beste aus unserer Situation, aber nach dem Podiumsplatz vor zwei Wochen in Silverstone ist der achte Platz enttäuschend und lediglich eine Schadensbegrenzung. Ich habe auf Robert Kubica nur zwei Punkte verloren. Wir hatten das ganze Wochenende über Probleme. Meine Strategie war gut und die Jungs machten beim Boxenstopp einen tollen Job - er war der schnellste des ganzen Rennens. In Ungarn erleben wir bestimmt wieder bessere Zeiten.“

    MICHAEL SCHUMACHER
    „Ich startete recht gut, aber danach konnte ich nicht mehr viel ausrichten. Ursprünglich war geplant, dass ich lange draußen bleiben sollte, doch dann passten wir unsere Strategie den Umständen an, vielleicht wäre ein etwas besseres Resultat drin gewesen. Aber das hätte auch nicht viel geändert, wir waren in diesem Rennen einfach nicht so stark wie erhofft. Was wir nach meinem Boxenstopp schafften, war das bestmögliche Ergebnis. Natürlich hatte ich mir mehr gewünscht, zumal unsere Leistung im Rennen meist besser aussieht als im Qualifying, aber es sollte nicht sein. Wir werden deshalb nicht nervös, aber wir werden uns zusammen setzen, die Gründe analysieren und dann Lösungen finden.“

    ROSS BRAWN
    „Mit dem Auto wie es derzeit ist machten wir einen ordentlichen Job. Besonders für Nico war es etwas enttäuschend, da er mit seiner Strategie eigentlich an Robert Kubica hätte vorbei kommen können. Leider geriet er mit Mark Webber zusammen und verlor Zeit und kam deshalb unmittelbar hinter Robert heraus. Das Auto lief im Rennen konstanter als im Qualifying, aber wir müssen für das nächste Rennen stärker werden. Das Team und beide Fahrer arbeiteten sehr gut, wir sind zuverlässig und absolvierten heute die beiden schnellsten Boxenstopps. Die Grundlagen sind also vorhanden, wir müssen jetzt ein besseres Autos entwickeln.“

    NORBERT HAUG
    „Unsere Startpositionen neun und elf waren keine gute Ausgangsposition für das heutige Rennen, deshalb war mehr als Platz acht für Nico und Platz neun für Michael nicht möglich. Michael startete erneut gut und verbesserte sich um drei Positionen während Nico Neunter blieb. Wir schafften nicht das Ergebnis, das wir uns für unseren Heim Grand Prix vorgenommen hatten, nachdem Nico beim letzten Rennen auf das Podium gefahren war. Wie schon gestern geschildert, haben unsere Verbesserungen am Auto nicht vollständig funktioniert und das kostete uns Rundenzeit. Unsere Teammitglieder arbeiteten unermüdlich, um die neuen Teile für dieses Rennen fertigzustellen. Deshalb sind zwei Punkteplätze – auch wenn es jene mit wenigen Punkten sind – zumindest eine kleine Belohnung für all die harte Arbeit unserer Mannschaft – dafür ein großes Dankeschön an alle. Wir werden jetzt versuchen, am nächsten Wochenende in Ungarn besser abzuschneiden.“

    Norbert Haug im Interview mit der dpa

    Norbert Haug im Interview mit der dpa

    Das Interview erschien am 19. Juli 2010.

    dpa: Jetzt ist Zeugnis-Zeit. Welche Noten geben Sie Mercedes GP, Michael Schumacher und Nico Rosberg?

    Haug: "Sagen wir - im Gegensatz zur Schule zum Sommerszeit-Halbjahreszeugnis: Versetzung nicht gefährdet und viel weiteres Steigerungspotential. Die ersten Klassenarbeiten hätten durchaus besser ausfallen können, aber alle Beteiligten haben das Zeug, nach intensiver Lernphase in der Oberstufe zu den Klassenbesten zu gehören - und das werden sie auch."

    dpa: Michael Schumacher hat nach drei Jahren Rennpause mehr Anlaufschwierigkeiten als erwartet. Ist seine „Versetzung“ ins nächste Formel-1-Jahr gefährdet?

    Haug: "Keineswegs. Sobald wir ihm ein Siegerauto geben, wird er genauso gewinnen wie Nico Rosberg."

    dpa: Können Sie definitiv ausschließen, dass der siebenmalige Weltmeister trotz seines Drei-Jahres-Vertrags nach dieser Saison doch vorzeitig seine Karriere beendet?

    "Ja."

    dpa: Haben Sie von Michael Schumacher mehr erwartet?

    Haug: "Michael ist im Plan, seine Rennen haben sich nicht immer glücklich entwickelt - und meist ohne einen Fehler von ihm. Michael belegte in den letzten sechs Grand Prix zweimal Platz vier: Wenig für Schumacher - und Mercedes-Maßstäbe, aber viel für das, was bei diesen Rennen möglich war. Gerade im Sport muss man sich auch schwierigen Phasen stellen. Nur wer diese meistert, kommt ganz nach oben. Und wir werden ganz nach oben kommen: Seit 1997 und unserem ersten Formel 1-Sieg der Neuzeit hat Mercedes-Benz bei 232 Rennen 72 Mal - statistisch fast bei jedem dritten Rennen also - zu Siegen beigetragen. Wir wissen, wie Rennen gewinnen geht und was wir geschafft haben, werden wir wieder schaffen."

    dpa: Nico Rosberg hat wider Erwarten die Hierarchie auf den Kopf gestellt und Michael Schumacher - von wenigen Ausnahmen abgesehen – den Rang abgelaufen. Rechnen Sie damit, dass dieses Kräfteverhältnis so bis zum Saisonschluss bleibt?

    Haug: "Nico gehört zu den Allerbesten im Feld, und - wer weiss - vielleicht ist er sogar der Beste und Schnellste von allen. Nico selbst wiederum weiß, dass Michael Schumacher auch nach drei Jahren Formel 1-Abstinenz auf Augenhöhe zu ihm unterwegs ist, auch wenn Nico bisher überwiegend die besseren Startplätze belegt und die besseren Resultate eingefahren hat."

    dpa: Was trauen Sie Nico Rosberg, was Michael Schumacher in dem Jahr noch zu?

    Haug: "Sie werden so gut sein wie das Auto, das wir ihnen geben und mit diesem die möglichen Resultate holen. Wir hätten auf höherem Niveau in die Saison starten müssen - aber wir haben uns gesteigert, und Nico's drei Podiumsränge in den letzten acht Rennen waren keine Geschenke.
    Aber wir wollen natürlich viel mehr, nämlich regelmäßig um Siege und Titel kämpfen und wir werden das - mit der notwendigen Anlaufzeit - auch schaffen. Ganz sicher."

    dpa: Kann Rosberg seinen dritten Platz von Silverstone in Hockenheim wiederholen?

    Haug: "Hoffentlich. Es fahren hinter den derzeit Schnellsten oft ein Dutzend Autos Rundenzeiten, die sich nur durch eine halbe Sekunde unterscheiden - härtester Wettbewerb, bei dem wir derzeit noch nicht dort sind, wo wir sein wollen. Aber wir werden - mit der notwendigen Entwicklungszeit - dorthin kommen."

    dpa: Bei Red Bull fetzen sich die Fahrer. Sie und andere Teams haben nun schon mehrfach davon profitiert, dass sich Sebastian Vettel und Mark Webber gegenseitig aus den Punkterängen schießen. Freut Sie das?

    Haug: "Nein. Es freut mich nur, wenn wir die Schnellsten und die Zuverlässigsten, also die Besten sind. Ich kenne dieses Gefühl und alle in unserem Team kennen es und wir wollen und werden es gemeinsam wieder in der Praxis erleben."

    dpa: Ihr Kunde McLaren führt mit Lewis Hamilton und Titelverteidiger Jenson Button die Fahrer- und die Teamwertung an. Gehen Sie davon aus, dass die Briten auch am Schluss die Nase vorn haben?

    Haug: "Das wäre schön. 2008 haben wir mit Lewis Hamilton und McLaren Mercedes den WM-Titel gewonnen, 2009 mit unserem Kundenteam Brawn GP und Jenson Button. Bei den letzten 45 Grand Prix seit 2008 hat Mercedes 20 mal den Sieger angetrieben - es wäre prima, wenn Mercedes-Power zum dritten Mal in Folge den Weltmeister besschleungen würde.
    Ich kenne allerdings welche, die das verhindern wollen."

    Vettel mit Verständnis für Ferrari-Order

    Vettel mit Verständnis für Ferrari-Order

    Sebastian Vettel hat Verständnis für die weltweit umstrittene Ferrari-Teamorder beim Großen Preis von Deutschland geäußert. «Es kommt halt wirklich drauf an, von welcher Position man das Ganze betrachtet», sagte Red-Bull-Pilot Vettel bei «ServusTV».

    Als Fan und ehrlicher Sportsmann müsse man sagen, dies sei nicht richtig gewesen. Wenn man am Ende des Jahres allerdings die Weltmeisterschaft mit zwei, drei Punkten verpasst habe, «die man vielleicht hier oder da hätte besser hamstern können, dann steht man auch als Idiot da», meinte der Formel-1-Fahrer aus Heppenheim. Auf dem Hockenheimring hatte Ferrari-Pilot Felipe Massa seinem Teamkollegen Fernando Alonso den Sieg überlassen.

    Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo hat die Teamorder der Scuderia beim Doppelerfolg auf dem Hockenheimring verteidigt und in Richtung aller Kritiker ausgeteilt. Solche Dinge seien schon passiert, als er selbst noch Sportdirektor gewesen sei. «Also genug mit der Heuchelei», forderte di Montezemolo auf der offiziellen Homepage des Formel-1-Traditionsrennstalls. «Die Polemik interessiert mich nicht», wetterte der Italiener. Die Interessen des Teams stünden über denen der Fahrer, betonte di Montezemolo.

    Großer Preis von Ungarn / Budapest

    Großer Preis von Ungarn / Budapest

    Inmitten einer schönen, aber staubigen Hügellandschaft eingebettet liegt der Hungaroring. Die Zuschauer erhalten aufgrund der Tatsache, dass rund um die Strecke kleinere und größere Hügel zu finden sind, einen sehr guten Blick auf die Strecke. Lohnenswert ist ein Trip nach Ungarn nicht nur wegen der Formel-1-Strecke, sondern auch angesichts der Hauptstadt des Landes, Budapest. Die Metropole hat rund zwei Millionen Einwohner, damit lebt fast jeder fünfte Ungar in "Budapescht", wie die Einheimischen den Namen aussprechen.

    Von den etwa 20 Millionen Touristen, die jährlich nach Ungarn reisen, statten mehr als die Hälfte Budapest einen Besuch ab. Für die meisten von ihnen gilt die Stadt als schönste Metropole an der Donau. Eines der beliebtesten Fotomotive ist das Parlament, das zahlreiche Reiseführer und Stadtpläne schmückt, mit der majestätischen Donau im Hintergrund.

    Ungarns Hauptstadt darf sich Bad Budapest nennen: 123 Thermalquellen - zwischen 20 und 76 Grad warm - sprudeln aus bis zu 1.250 Metern Tiefe jeden Tag 70 Millionen Liter Wasser empor.

    Der Grand Prix von Ungarn wird seit 1986 ausgetragen. Es war das erste motorsportliche Großereignis im damaligen Ostblock und zog an den drei Veranstaltungstagen 260.000 Zuschauer an.

    Die Piste ist nicht jedermanns Sache. Sie ist mit ihren 14 Kurven auf 4,381 Kilometern sehr eng und ermöglicht kaum Überholmanöver. Insbesondere am Freitag ist die an für sich schon wellige Strecke sehr staubig und damit auch rutschig. Die fast immer hochsommerlichen Temperaturen verbunden mit einem 70 Runden andauernden, verhältnismäßig langen Rennen führen dazu, dass die Fahrer teilweise bis an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit gelangen, wenn sie sich nicht optimal vorbereitet haben.

    Quelle: http://www.motorsport-total.com/f1/saison/Budapest.html
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    Vorschau: Ungarn GP

    Vorschau: Ungarn GP

    Der Grand Prix von Ungarn vom 30. Juli bis 1. August 2010 auf dem Hungaroring bei Budapest, nur eine Woche nach dem deutschen Grand Prix in Hockenheim, ist der zwölfte Lauf zur Formel 1-Weltmeisterschaft 2010. Damit finden zum dritten Mal in diesem Jahr zwei Rennen an aufeinanderfolgenden Wochenenden statt. Der Hungaroring ist seit 1986 Formel 1-Schauplatz und gehört zu den technisch anspruchsvollsten Strecken im Kalender.


    NICO ROSBERG
    Mir gefällt Budapest als Stadt sehr gut und auch die tolle Atmosphäre dort und an der Rennstrecke. Der Hungaroring stellt uns vor eine anspruchsvolle technische Aufgabe und mir macht es Spaß dort zu fahren. Da Überholen kaum möglich ist, kommt es noch mehr als sonst auf ein gutes Qualifyingergebnis an, um in der Startaufstellung möglichst weit vorne zu stehen. Bei den letzten Rennen war das Qualifying nicht gerade eine unserer Stärken, deshalb werden wir hart dafür arbeiten, diesmal eine bessere Chance im Rennen zu haben. Im letzten Jahr wurde ich auf dem Hungaroring Vierter; es wäre schön, auch diesmal wieder näher zur Spitze zu kommen.“

    MICHAEL SCHUMACHER
    „Der deutsche Grand Prix am vergangenen Wochenende war für uns sicher enttäuschend. Unser Team hat in den letzten Rennen unterschiedlich abgeschnitten und ich komme deshalb mit einem guten Gefühl nach Ungarn. Wichtig ist, dass wir unser Auto besser verstehen lernen. Die Rennstrecke bei Budapest und mehr Zeit für die Arbeit mit unseren Verbesserungen sollte uns dabei helfen. Wie ich schon sagte, wir müssen ruhig bleiben, uns jedes Detail anschauen und unsere Leistung analysieren, damit wir auch an solchen Wochenenden möglichst viel Erfahrung sammeln. Nur so können wir unsere Situation verbessern – vielleicht schon am kommenden Wochenende in Ungarn.“

    ROSS BRAWN
    „Der Grand Prix von Ungarn ist für unser Team der Abschluss mehrerer arbeitsreicher Wochen mit den beiden Heimrennen in Silverstone und Hockenheim. Nach dem Podiumsplatz in England war der deutsche Grand Prix am letzten Wochenende eine besondere Herausforderung, und wir waren enttäuscht, dass wir nicht weiter nach vorn kamen. Das Team macht einen guten Job, aber wir müssen mehr Speed aus dem Auto herausholen und daran arbeiten wir weiter intensiv. Ungarn stellt uns vor eine anspruchsvolle Aufgabe; hier wird sich zeigen, wie gut sich unsere jüngsten Verbesserungen auswirken. Bei der Arbeit am optimalen Set-up verbringen wir viel Zeit auf der Strecke. Während unserer zweiwöchigen Betriebsferien im Anschluss an das Rennen haben unsere Mitarbeitern eine wohl verdiente Pause und die Möglichkeit, die Batterien vor dem letzten Drittel der Saison wieder aufzuladen.“

    NORBERT HAUG
    „Das Layout der Rennstrecke vor den Toren Budapests ist sehr gegensätzlich zu jenem von Hockenheim. Ein Wochenende nach dem Mercedes Heim Grand Prix will unser Team ein besseres Resultat erzielen, als uns das in Hockenheim gelang.“

    Vettel siegt im Red-Bull-Pole-Duell

    Vettel siegt im Red-Bull-Pole-Duell

    Red Bull fährt alles in Grund und Boden: Sebastian Vettel holt sich in Ungarn seine nächste Pole-Position vor Mark Webber - Ferrari in Startreihe zwei, aber weit weg

    (Motorsport-Total.com) - Kein Bluff, kein Poker, kein falsches Bild: Red Bull war am Freitag dominant, am Samstagmorgen ebenso und auch im Qualifying führte am schnellen RB6 kein Weg vorbei. Barcelona lässt schön grüßen, denn das Team ist in Ungarn ähnlich beherrschend wie beim ersten Europarennen des Jahres. Sebastian Vettel war es schließlich, der sich auf der engen Strecke in 1:18.773 Minuten deutlich an die Spitze fuhr.

    Teamkollege Mark Webber konnte kaum an der Vormachtstellung des Heppenheimers rütteln. Während Vettel seine siebente Pole-Position der Saison feierte, hatte Webber auf seinem letzten Versuch im entscheidenden dritten Qualifikationsabschnitt leichte Probleme und musste sich mit einem Rückstand von 0,411 Sekunden mit Platz zwei begnügen.

    "Es lief wie geschmiert", sagt Vettel. "Aber ganz so leicht war es nicht. In Q2 fühlte ich mich auf den weichen Reifen nicht so wohl. Leichte Anpassungen haben dann aber geholfen. Es ist natürlich toll, hier von Platz eins ins Rennen gehen zu dürfen." Woher Red Bull nun den großen Vorsprung auf Ferrari holt? "Die Strecke liegt unserem Auto einfach", erklärt Vettel mit einem breiten Grinsen. "Sebastian ist toll gefahren. Es war nicht ganz mein Tag", fasst Webber zusammen.

    Riesige Abstände an der Spitze
    "Es lief ohnehin auf ein Duell zwischen uns beiden hinaus. Wer dann die sauberste Runde fährt, der steht eben vorne", sagt der Australier, der nun versuchen muss, sich Fernando Alonso beim Rennstart vom Leib zu halten. Der Spanier war während der gesamten Session schnellster Verfolger, aber hatte doch niemals eine Chance auf die erste Startreihe: auf Vettel fehlen Alonso 1,2 Sekunden, auf Webber immerhin 0,8 Sekunden.

    "Vielleicht können wir es ihnen im Rennen etwas schwerer machen", sagt der Hockenheim-Sieger. Die Hoffnung stirbt auch bei Ferrari zuletzt. Felipe Massa sicherte die zweite Startreihe für die Roten ab. Der Brasilianer hatte allerdings gegen seinen Teamkollegen keine Chance. Zwischen Massa und Alonso klafft eine Lücke von 0,344 Sekunden. "Erschreckend groß sind die Abstände", kommentiert Mercedes-Testpilot Nick Heidfeld.

    "Ich bin sicher, dass Sebastian Vettel hier gewinnen wird", meint Heidfeld und wundert sich weiter über die Red-Bull-Dominanz. "Man hat immer gesagt, dass die auf Aerodynamikstrecken wie Silverstone stark sind, aber doch nicht auf solchen Strecken wie in Ungarn. Aber offenbar sind die Autos vor allem auf den Bodenwellen besonders gut." Bei den aktiven Mercedes-Kollegen von Heidfeld lief es hingegen gar nicht.

    Schadensbegrenzung bei Mercedes und McLaren
    Nico Rosberg betrieb zwar mit Platz sechs recht gute Schadensbegrenzung, aber Michael Schumacher schied in Q2 auf Platz 14 aus. "Wir haben das gleiche Auto, haben aber in zwei verschiedene Richtungen gearbeitet", erklärt der Rekordweltmeister. "Letztlich war eher Nicos Richtung die bessere. Wir waren der Meinung, dass wir es in die Top 10 schaffen sollten, aber es ist in die Hose gegangen."

    Den Abstand von acht Zehntelsekunden zu Rosberg sieht Schumacher nicht so schlimm: "Das macht garantiert nicht der Fahrer allein." Rosberg kommentiert: "Ich habe wohl alles aus dem Auto herausgeholt." Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug bestätigt: "Nico und das Team haben sich mit Startplatz sechs noch ganz wacker geschlagen - mehr ging heute nicht, ein Super-Job von Nico. Michaels Auto war schon gestern nicht auf dem Punkt und das änderte sich heute nicht merklich."

    Ähnlich wie bei Mercedes kam man auch bei McLaren mit einem einzelnen blauen Auge davon. Lewis Hamilton holte als Fünfter alles aus dem nicht gerade überzeugenden MP4-25 heraus, Jenson Button scheiterte als Elfter knapp am Einzug in die Top 10. "Ich hatte keinen Grip", klagt der Champion. "Ich stehe auf der sauberen Seite, das ist der positive Aspekt. Außerdem darf ich neue Reifen aufziehen." Der McLaren-Star hofft wenigstens auf ein Resultat in den Punkten.

    Auf ein solches Resultat darf sich Renault gleich mit beiden Autos Hoffnungen machen. Vitaly Petrov (7./1:21.328) und Robert Kubica (8./1:21.328) hatten sogar noch mehr Möglichkeiten, warfen diese jedoch durch kleine Rutscher im entscheidenden Run weg. Erstaunlich stark präsentiert sich der russische Rookie an diesem Wochenende, nach dem ihn Teamchef Eric Boullier mit deutlichen Worten eine Steigerung ans Herz gelegt hatte.

    Perfekte Runde von Glock
    Ebenso sensationell gut war Pedro de la Rosa am Samstag. Der erfahrene Spanier, der auf der ungarischen Strecke in McLaren-Diensten schon einmal auf das Podest fahren konnte, spielte seine Stärken voll aus. Während de la Rosa über Platz neun jubeln darf, droht seinem Teamkollegen Kamui Kobayashi reichlich Ärger. Der Japaner war bereits in Q1 ausgeschieden, danach wutentbrannt zur Box gefahren und hatte dabei die Aufforderung der FIA zum technischen Check einfach ignoriert. Das wird Folgen haben.

    Bei Williams hatte man sich von der Zeitenjagd sicherlich etwas mehr erhofft. Nur Rookie Nico Hülkenberg (10./1:21.710) schaffte es letztlich in die Top 10, Rubens Barrichello blieb in Q2 hängen. Der Brasilianer wurde durch dichten Verkehr etwas eingebremst, aber steht an diesem Wochenende ohnehin recht deutlich unter dem Druck seines deutschen Teamkollegen. Hülkenberg präsentiert sich in Ungarn in starker Verfassung.

    Bei Force India konnte man auch im Qualifying nicht an die solide Form der vergangenen Monate anknüpfen, die Schwächephase von Hockenheim setzt sich nahtlos fort. Immerhin konnte Adrian Sutil (13./1:21.517) einen Achtungserfolg erzielen, indem er sich vor Schumacher hielt. "Ich bin sehr glücklich. Es war klar, dass es schwierig wird. Heute früh sah es noch schlechter aus", sagt der Gräfelfinger. "Seit die anderen Teams den neuen Diffusor haben sind wir im Rückstand. Wir brauchen manchmal ein bisschen länger."

    Force India hatte am Freitag mit dem neuen angeblasenen Diffusor experimentiert, ihn aber für den Samstag wieder ausgebaut. Vitantonio Liuzzi (16./1:21.927) hatte aufgrund eines Schadens an der Antriebswelle am Vormittag noch Rückstand bezüglich Streckenkenntnis und Setuparbeit. Für die beiden Toro-Rosso-Piloten Sébastien Buemi und Jaime Alguersuari gab es auf den Rängen 15 und 17 nicht viel zu melden. Die kleine italienische Mannschaft kann in Ungarn nicht mithalten.

    Im Kampf der neuen Teams setzte Timo Glock heute ein absolutes Glanzlicht. Der Odenwälder, der mit seinem Virgin im Verlauf des Wochenendes meist deutlich hinter der Konkurrenz von Virgin zurücklag, quetschte seinen VR-01 komplett aus und schlug Heikki Kovalainen und Jarno Trulli. "Das war super", strahlt Glock. "Ich habe weit über 100 Prozent aus dem Auto geholt. Diese Runde war vom Timo besser als es das Auto eigentlich hergab", sagt der 28-Jährige stolz. Sein Teamkollege Lucas di Grassi hatte mehr als eine Sekunde Rückstand.

    Ungarn GP: Rennen

    Ungarn GP: Rennen

    MERCEDES GP PETRONAS Fahrer Michael Schumacher belegte beim Grand Prix von Ungarn den elften Platz. Teamkollege Nico Rosberg fiel in Runde 16 an siebter Stelle liegend aus, weil er unmittelbar nach seinem Boxenstopp das rechte Hinterrad verlor.

    Nico verlor beim Start einen Platz und war Siebter, als er in Runde 15 in der Safety Car Phase an die Box fuhr. Wegen eines Problems mit der Radmutter löste sich beim Losfahren das rechte Hinterrad. Nico blieb am Ende der Boxenstraße stehen und fiel aus. Da Michael unmittelbar nach dem Zwischenfall an die Box fuhr, wurde er aufgehalten und verlor Zeit. Trotz eines Kampfes um Platz zehn wurde er am Ende Elfter und verpasste die Punkteränge.
    In der Fahrerweltmeisterschaft ist Nico mit 94 Punkten Siebter; Michael liegt mit 38 Zählern auf Platz neun. Es führt Hungaroring-Sieger Mark Webber (Red Bull Renault) mit 161 Punkten.

    MICHAEL SCHUMACHER
    „Das heutige Rennen war wohl eines meiner härtesten bisher. Das Auto war am Limit ziemlich nervös und ich kämpfte mich durch das Rennen. Am Ende fuhr ich wie auf Eis. Vor dem Überholmanöver von Rubens deutete ich ziemlich früh an, dass ich nach innen fahren und ihm diese Linie nicht einfach überlassen wollte. Er hatte genug Platz, um ohne Berührung vorbei zu kommen. Es war ein harter Kampf, aber dafür sind wir hier. Dennoch akzeptiere ich, dass die FIA Sportkommissare den Vorgang als zu hart beurteilen. Jetzt freue ich mich auf die Sommerpause und werde danach gestärkt nach Spa kommen.“

    NICO ROSBERG
    „Ein enttäuschendes Ende eines schwierigen Wochenendes. Ich startete schlecht und kämpfte darum, Anschluss an Petrov zu halten. Es wäre nicht leicht gewesen Boden gut zu machen. Wir brauchten einen guten Boxenstopp, um vor Kubica zu bleiben, doch dann passierte das Missgeschick mit dem rechten Hinterrad. Mein erster Ausfall der Saison ist enttäuschend, aber so etwas kann vorkommen und wir werden daraus lernen. Ich bin wirklich froh, dass Nigel, einem meiner früheren Mechaniker bei Williams, der durch das Rad getroffen wurde, nichts passiert ist. Mehr gibt es nicht zu sagen. Wir gehen jetzt in die Sommerpause und kommen in Spa zurück.“

    ROSS BRAWN
    „Das war eine Enttäuschung für das Team, aber manchmal macht man solche Erfahrungen. Wichtig ist, dass wir daraus lernen. Nico und Michael starteten beide auf der staubigen Seite der Strecke und hatten dabei Probleme; Nico verlor einen Platz. Während der frühen Safety Car Phase fuhren fast alle an die Boxen, unsere Fahrer kamen kurz hintereinander. Bei Nico gab es ein Problem mit dem rechten Hinterrad und er wurde wieder los geschickt, ohne dass die Radmutter richtig festgezogen war. Wir werden das gründlich untersuchen und unsere Ergebnisse der FIA vorlegen. Wir sind dankbar, dass durch das wegrollende Rad nichts Ernstes geschehen ist und wünschen dem Williams-Mechaniker, der davon getroffen wurde, alles Gute. Michael stoppte kaum fünf Sekunden später und er wurde aufgehalten, während wir dafür sorgten, dass sich das Problem nicht wiederholt. Das kostete ihn in einem entscheidenden Moment viel Zeit und er fiel zurück. Michael und Rubens hatten am Ende einen harten Kampf, den die Sportkommissare als zu hart beurteilten. Wir sind nicht unbedingt der gleichen Meinung, aber wir akzeptieren die Strafe. Es war ein anstrengendes Wochenende. Wir werden unsere Fehler genauestens analysieren und bei den nächsten Rennen gestärkt
    zurückkehren.“

    NORBERT HAUG
    „Ein enttäuschendes Ergebnis für unser Team. Nico und Michael konnten heute wegen Problemen bei ihren Boxenstopps keine Punkte holen. Glücklicherweise wurde der Mechaniker, der vom Reifen von Nicos Auto getroffen wurde, nach seiner Untersuchung im Medical Centre wieder entlassen. Wir entschuldigen uns bei ihm und seinem Williams-Team. Unser Speed war heute nicht gut, aber Punkte hätten wir holen müssen. Jetzt gibt es eine zweiwöchige Sommerpause für unsere Teammitglieder und dann werden wir in Spa ausgeruht und konzentriert antreten.“

    Vettel patzt: Webber übernimmt die WM-Spitze

    Vettel patzt: Webber übernimmt die WM-Spitze

    Mark Webber holt sich nicht nur den Sieg von Ungarn, sondern auch die Gesamtführung - Fernando Alonso Zweiter vor Dominator Sebastian Vettel

    (Motorsport-Total.com) - Er hob im Cockpit fragend und klagend die Hände, er lamentierte nach dem Rennen mit den Kommissaren und er zog auf dem Podest schließlich ein langes Gesicht - all dies bringt zum Ausdruck, was dem großen Favoriten Sebastian Vettel am Sonntag im Grand Prix von Ungarn passiert ist. Der Deutsche war bei herrlichen Bedingungen sofort in Führung gegangen, hatte dominiert, eine Strafe bekommen und das Rennen nur als Dritter beendet.

    Für die gute Stimmung im Red-Bull-Lager sorgte Mark Webber, der mit seinem vierten Saisonsieg nicht nur den 100. Grand Prix des Teams krönte, sondern auch gleich die WM-Führung übernahm. Dabei hatte es zu Beginn überhaupt nicht nach einem Erfolg des Australiers ausgesehen. Beim Start hatte sich Fernando Alonso mit seinem Ferrari an Webber vorbei schieben können, auch Vettel wäre beinahe verdrängt worden.

    Der Polemann rettete sich doch gerade eben noch als Erster in die erste Kurve. Danach war gegen den Heppenheimer kein Kraut gewachsen. Er eilte vorne mit riesigen Schritten davon, während sich Webber hinter Alonso einreihen musste und am Spanier nicht vorbeikam. Der Vorsprung von Vettel wuchs phasenweise auf 15 Sekunden an, aber dann kam die entscheidende Runde 15.

    Safety-Car als Chaos-Auslöser
    Vitantonio Liuzzi hatte einen Teil seines Force-India-Frontflügels auf der Ideallinie liegen lassen, das Safety-Car kam heraus. Alle Topleute eilten zum Stopp, auch Vettel erwischte gerade noch die Einfahrt zur Box. Webber verzichtete auf den Service, musste anschließend lange auf den weichen Pneus weiterfahren. Als nach nur drei Runden die Strecke wieder freigegeben wurde, machte Vettel den entscheidenden Fehler.

    Der Deutsche ließ sich zu weit hinter seinen Teamkollegen zurückfallen, hielt sich nicht an den Maximalabstand hinter dem Führungsfahrzeug. "Ich dachte, es kommt noch eine Runde hinter dem Safety-Car", erklärt Vettel. Vorne konnte Webber ausreichend Platz herausfahren, um locker seinen Stopp absolvieren zu können. Dahinter hielt Vettel Alonso in Schach, um seinem Kollegen die nötige Luft zu verschaffen.

    Gleichzeitig tagten die Rennkommissare und schauten sich die Szenen vor dem Restart an. Ergebnis: Durchfahrtsstrafe für Vettel - Siegträume geplatzt. Der Deutsche kam wütend in die Boxengasse, hob klagend und schimpfend die Hände. Er konnte sich nur noch auf Platz drei einreihen, kam später nicht mehr an Alonso vorbei. "Klare Sache, so etwas passiert. Es ist Racing", kommentiert Ferrari-Teamboss Stefano Domenicali.

    Die Roten hatten mit einem Doppelsieg von Red Bull gerechnet und dürfen sich nun über die Plätze zwei und vier freuen. Felipe Massa fuhr hinter dem Führungstrio ein sehr unauffälliges Rennen. "Wir verlassen Ungarn mit einem Lächeln", so Domenicali glücklich. "Wir hatten eigentlich kaum Chancen gegen Red Bull, aber ich konnte Sebastian hinter mir halten", berichtet Alonso stolz.

    Sutil Opfer von Renault-Panne
    Nicht nur Vettel wurde ein indirektes Opfer der Safety-Car-Phase. Robert Kubica wurde von seiner Renault-Mannschaft schnell abgefertigt. Leider ließ man den Polen zu früh wieder losfahren. Adrian Sutil konnte nicht mehr ausweichen und krachte in den Renault - das Aus für den Deutschen. "Die haben mich wohl nicht gesehen, daher haben sie ihn einfach fahren lassen", erklärt Sutil enttäuscht. Für Kubica gab es anschließend eine Strafe, danach stellte auch der Pole seinen Wagen ab.

    Auch bei Mercedes gab es große Sorgen in der Boxengasse. "Mein Mechaniker hat das eine Rad nicht richtig angezogen", erklärt Nico Rosberg, der am Ende der Boxengasse auf drei Rädern ausrollte. Der gebürtige Wiesbadener hatte den Fehler erst beim Herausfahren gemerkt. Durch das lose Rad wurde sogar noch ein Williams-Mechaniker getroffen, der verletzt abtransportiert werden musste. "Der war nach fünf Minuten wieder beim nächsten Boxenstopp, trotz angeknackster Rippe", sagt Rosberg, für den das Rennen beendet war.

    Teamkollege Michael Schumacher stand gleich zweifach im Fokus. Auf der Runde in die Startaufstellung rutschte der Star von der Strecke. "Die Bremse zieht einseitig", so die Erklärung per Funk. Später fuhr Schumacher mit Bremsproblemen im Mittelfeld, ehe es später zum großen Showdown mit seinem Ex-Ferrari-Adjutanten Rubens Barrichello kam.

    Der Brasilianer hatte spät gestoppt, wollte sich mit deutlich schnellerem Auto an Schumacher vorbei auf Platz zehn schieben und den letzten Punkt holen. Das gelang auch im dritten Versuch - aber wie! Schumacher drängte seinen Kontrahenten brutal auf der Start-Ziel-Geraden zur Seite, Barrichello verfehlte die Mauer nur um Millimeter. "Dass einer nach drei Jahren kommt und dann so etwas macht, das braucht kein Mensch", so der bissige Kommentar des aufgebrachten Williams-Piloten.

    Schumacher mit brutalem Manöver
    Die Rennkommissare wollen sich den Vorfall noch einmal genauer anschauen. Gut möglich, dass Schumacher nachträglich noch eine Strafe aufgebrummt bekommt. "Für meine Begriffe war genügend Platz. Ich wollte ihm das Leben so schwer wie möglich machen. Wir haben uns nicht berührt und Rubens ist vorbeigefahren", malt Schumacher ein deutlich harmloseres Bild von der Szene.

    Hinter dem führenden Quartett bestehend aus Red Bull und Ferrari sorgte Vitaly Petrov für einen sensationellen Auftritt. Nach dem Kubica-Ausfall holte der Russe nicht nur die Renault-Kohlen aus dem Feuer, sondern er setzte sich mit Platz fünf eindrucksvoll in Szene - sein bestes Formel-1-Resultat bisher. Der Rookie ist nach scharfen Worten der Teamleitung nun regelrecht angestachelt und kämpft wie ein Löwe um seinen Job.

    Es war auch der Tag des Rookies Nico Hülkenberg. Der Williams-Neuling hielt sich das gesamte Rennen im Schatten von Petrov und fuhr auf Platz sechs. Somit darf das britische Team wieder mal eine Zielankunft beider Autos in den Punkten feiern. Das gleiche gilt für Sauber. Pedro de la Rosa war stark wie zu seinen besten Zeiten. Der Spanier kontrollierte niemand geringeren als Weltmeister Jenson Button und holte Rang sieben.

    Teamkollege Kamui Kobayashi zeigte einmal mehr sein großes, japanisches Kämpferherz. Der Sauber-Youngster schoss sich von Startplatz 23 schnell weiter nach vorne, überholte auf einer Strecke, die sonst kaum solche Aktionen zulässt und schnappte sich mit Platz neun den verdienten Lohn in Form von Punkten. Auch der Japaner hätte sich fast noch den amtierenden Champion im McLaren packen können.

    McLaren erlebt schlechte Zeiten
    Bei den Briten lief heute gar nichts. Zu Beginn des Rennens konnte zwar Lewis Hamilton halbwegs den Anschluss an den D-Zug von Red Bull und Ferrari halten, doch das Rennen war für den bisherigen WM-Leader schnell vorbei. Nach 23 Runden rollte der 25-Jährige mit seinem MP4-25 auf das Gras und musste den Wagen mit einem Defekt am Antrieb abstellen - vermutlich war das Getriebe schadhaft.

    Teamkollege Button, der schon im Qualifying klar den Kürzeren gezogen hatte, blieb am gesamten Sonntag blass. Nicht einmal das Glück, direkt in der Runde von dem Safety-Car zum Service gekommen zu sein, zahlte sich im Ergebnis aus. McLaren ist geschlagen - und wie! Webber hat Hamilton die Führung in der Fahrerwertung abgeknöpft, Red Bull hat das Kommando bei den Konstrukteuren übernommen. Wenn McLaren in dieser Form aus der Sommerpause zurückkommt, dann geht bald gar nichts mehr.

    Bei allen weiteren Mannschaften gab es am Sonntag kaum Überraschungen. Sébastien Buemi steuerte den Toro Rosso auf den soliden zwölften Rang, sein Teamkollege Jaime Alguersuari musste seinen Wagen nach einem Motorschaden früh abstellen. Liuzzi kam nach seinem Nasenwechsel auf Platz 13, dahinter holte Heikki Kovalainen die Krone der Piloten aus den neuen Teams vor Jarno Trulli. Timo Glock hatte nach seiner furiosen Runde vom Samstag zuerst einen schlechten Start und dann keine Chance gegen Lotus.

    Auf dem Weg in die vierwöchige Sommerpause gibt es nun noch reichlich Diskussionsbedarf. Folgende Fragen gilt es schnellstens zu klären: Warum war Vettel nicht über den Restart informiert? Darf Schumacher sich im Zweikampf alles erlauben? Wer will Red Bull auf normalem Wege schlagen? Wie wollen McLaren, Mercedes und Co. aufholen, wenn die Fabriken geschlossen werden? Und dann gibt es noch die Debatte um flexible Frontflügel. Langweilig wird die nun folgende Sommerpause sicher nicht.

    GP Ungarn in Hungaroring / Rennen

    Großer Preis von Ungarn auf dem Hungaroring
    30. Juli - 01 August 2010 - Zeitangaben in Mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ)

    Quelle: http://www.motorsport-total.com/f1/ergeb/2010/12/
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    Großer Preis von Belgien / Spa-Francorchamps

    Großer Preis von Belgien / Spa-Francorchamps

    Die bei den Fahrern beliebteste Rennstrecke im Kalender ist Spa-Francorchamps. Nach mehreren Pausen wegen kommerzieller Probleme kehrte der Kurs 2007 wieder in den Kalender zurück. Die Rennstrecke - nur eine gute Stunde südlich von Aachen an der belgischen Grenze gelegen - ist ein Kurs der alten Garde. Ihre aufregende Kombination aus schnellen Kurven, Bergab- und Bergaufstücken sowie die traumhafte Lage inmitten der Ardennen machen das besondere Flair aus.

    Mit einer Länge von 7,004 Kilometern ist Spa-Francorchamps der längste Kurs im Rennkalender. Neben Monte Carlo gehört der belgische Ardennenkurs zu den ausgesprochenen Fahrerstrecken. Gerade die herausfordernden Kurvenkombinationen trennen in Belgien die Spreu vom Weizen.

    Richtig aufregend wird es in Spa, wenn der typische Ardennenregen niedergeht. Ein ganzes Wochenende ohne einen einzigen Regentropfen hat auf dem Kurs, der zum Teil aus öffentlichen Straßen besteht, wirklich Seltenheitswert. Da die Strecke mitten in einer Berglandschaft liegt, kann es vorkommen, dass ein Teil der Piste nass ist, der andere hingegen die Piloten mit Sonnenschein verwöhnt.

    Einige Fahrer halten die Strecke für nicht mehr zeitgemäß. Als atemberaubend gelten vor allem zwei Kurven. Dazu zählt zum einen die Eau Rouge, eine Senke, die mit rund 300 km/h angefahren wird. Wenn die Fahrer einlenken müssen, führt die Strecke steil nach oben, was die Autos leicht werden lässt. Oft beschreiben die Piloten das Gefühl, mit 4 g in die Sitze gedrückt zu werden, mit Achterbahnfahren. Bekannt ist auch die Blanchimont, eine 300-km/h-Linkskurve, an deren Stelle man wegen mangelnder Auslaufzonen besser nicht abfliegen sollte.
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    Vorschau: Großer Preis von Belgien

    Vorschau: Großer Preis von Belgien

    Der Grand Prix von Belgien vom 27. bis 29. August 2010 in Spa-Francorchamps beendet die Sommerpause mit drei Formel 1-freien Wochenenden. Der Grand Prix von Belgien wird auf der mit sieben Kilometern längsten Strecke im Formel 1-Kalender ausgetragen.

    NICO ROSBERG
    „Die kurze Pause hat gut getan, aber jetzt freue ich mich wieder darauf, Rennen zu fahren. Spa gehört zu meinen Lieblingsstrecken und stellt gleichzeitig eine der größten Herausforderungen für uns Fahrer dar. Die Durchschnitts-geschwindigkeit ist sehr hoch und dazu gibt es hier ein paar tolle Kurven, zu denen natürlich Eau Rouge gehört. Hier mit einem Formel 1-Auto zu fahren ist einfach super. Das letzte Rennen in Ungarn war für uns nicht einfach, aber ich weiß, dass alle in der Fabrik hart arbeiten, seit die Ferien vorüber sind und ich hoffe, wir werden in Spa wieder besser aussehen.“

    MICHAEL SCHUMACHER
    „Spa ist schon immer meine Lieblings-Rennstrecken gewesen, und schon allein aus diesem Grund freue ich mich sehr darauf, dorthin zurückzukehren. Ich war immerhin sehr lange nicht mehr dort. Was das Rennwochenende selbst anbetrifft, ist es natürlich durch meine Rückversetzung gehandicapt. Es wird also schwierig für das Rennen besondere Highlights zu erwarten. Auf der anderen Seite ist jeder Rennkilometer wichtig und willkommen, um weitere Erfahrungen bezüglich unseres Autos zu machen. Ich werde auf jeden Fall versuchen das Beste daraus zu machen.“

    ROSS BRAWN
    „Die Sommerpause brachte unseren Mitarbeiter mitten in der Saison die wohl verdiente Erholung, aber wir alle freuen uns darauf, beim Grand Prix von Belgien wieder an die Rennstrecke zurückzukehren. Spa gehört zu den klassischen Rennstrecken im Kalender, die die Fahrer, Ingenieure und Fans gleichermaßen mögen und deshalb ist dieses Wochenende einer der Höhepunkte des Jahres. Am Anfang und zum Ende der Runde wird der Kurs von langen Geraden bestimmt, der mittlere Teil ist kurvig und die Fahrer lieben die schnellen Kurven und natürlich die legendäre Eau Rouge. Wegen der Betriebsruhe konnten wir nach dem letzten Rennen in Ungarn nicht so viel am Auto arbeiten, aber wir geben unser Bestes, um in Spa mit einem guten Wochenende in die letzten sieben Rennen der Saison zu starten.“

    NORBERT HAUG
    „Spa ist ein Klassiker im Formel 1-Jahr und ich bin sicher, jeder im Fahrerlager freut sich auf dieses spezielle Rennen genauso wie alle Medienvertreter und die Zuschauer auf der ganzen Welt. Einmalig und bemerkenswert: Die Rennstrecke von Spa führt teilweise über Straßen, die sonst für den täglichen Verkehr genutzt werden. Unser Team hat sich vorgenommen keine Fehler zu machen und will in Spa respektable Ergebnisse für Michael und Nico holen.“

    Webber pokert am besten: Pole in Spa!

    Webber pokert am besten: Pole in Spa!

    Zwei Regenschauer machten das Qualifying zum Taktikpoker, den Mark Webber am besten beherrschte: Pole vor Hamilton, Kubica und Vettel

    (Motorsport-Total.com) - Wie erwartet war Regen während des heutigen Qualifyings in Spa-Francorchamps ein entscheidender Faktor. Zwar blieb es über weite Strecken trocken, aber zwei kurze Schauer wirkten sich auf das Ergebnis aus. Am Ende war das Timing von Mark Webber (Red Bull) am besten, was dem WM-Leader seine fünfte Pole-Position in dieser Saison einbrachte.

    Im ersten Run des Top-10-Finales legte Webber eine Bestzeit von 1:45.778 Minuten hin, womit er mehr als drei Zehntelsekunden Vorsprung auf Robert Kubica (Renault) hatte. Dann setzte noch einmal ein Regenschauer ein, den niemand mehr auf dem Radar hatte! "Du weißt hier nie, ob es nicht zu regnen beginnt, daher habe ich einfach gepusht", strahlt Webber. "Ich glaube aber, dass wir auch unter normalen Bedingungen schnell gewesen wären."

    Nur Hamilton mit Verbesserung
    Verbessern konnte sich im letzten Run nur noch Lewis Hamilton, der seine Zeit von 1:46.203 auf 1:45.863 Minuten pulverisierte und sich damit in die erste Startreihe schob. "Mit dem wechselnden Wetter war es ein schwieriges Qualifying, aber meine zweite Runde war gut. In der ersten habe ich ein paar Zehntel verloren", analysiert der McLaren-Pilot, der den Grundstein für seine Steigerung mit einem starken letzten Sektor legte.

    Dritter wurde Robert Kubica (Renault), der mit dem neuen F-Schacht-System die starken Trainingsleistungen bestätigen konnte. Nur 0,322 Sekunden fehlten dem Polen auf die Pole-Position. "Das war ein gutes Qualifying", freut er sich. "Wir waren hier bei allen Bedingungen konkurrenzfähig. Leider hatte ich vor meiner letzten Runde in der letzten Kurve Verkehr. Der Sieg ist eigentlich außer Reichweite, aber im Motorsport kann alles passieren."

    Das weiß auch Sebastian Vettel (Red Bull), der laut Teamchef Christian Horner "in Kurve 13/14 einen kleinen Fehler" gemacht hat. "Stimmt", gibt der deutsche WM-Anwärter zu. Auffällig war, dass Red Bull wie schon im Vorjahr im kurvenreichen Mittelsektor mit Abstand am schnellsten war, im ersten und dritten Sektor aber nicht die Pace von McLaren gehen konnte. Das könnte im Rennen in den direkten Zweikämpfen ein Nachteil sein.

    Vierte Startreihe für Sutil
    Jenson Button (McLaren/+0,428) wurde Fünfter, Felipe Massa (Ferrari/+0,536) Sechster und Jubilar Rubens Barrichello (Williams/+0,824) starker Siebter, obwohl er in Q3 nur einen einzigen Run fuhr. Der war aber gut genug, um vor Adrian Sutil (+0,881) zu bleiben. "Man musste ein bisschen Glück haben, im richtigen Moment draußen zu sein", glaubt der Force-India-Pilot. "Das habe ich ein bisschen verpasst, wir waren zu spät. Dadurch konnte ich keine zweite Runde fahren."

    Nico Hülkenberg (Williams/+1,275) und Fernando Alonso (Ferrari/+1,663) rundeten die Top 10 ab. Letzterer dürfte sich im Nachhinein enorm über seinen verpatzten ersten Run ärgern, denn im Gegensatz zu Hamilton konnte er sich bei Regen im Finish nicht mehr verbessern. Massa trug es im Finalrun sogar ein paar Meter neben die Strecke, was heute aufgrund der schwierigen Bedingungen aber keine Seltenheit war.

    Enttäuschung bei Mercedes
    Katzenjammer herrscht nach einem bislang wenig erfreulichen Wochenende auch bei Mercedes: "Michael und Nico haben um rund sechs Hundertstel die Top 10 verpasst", ärgert sich Sportchef Norbert Haug über die Plätze elf und zwölf und erklärt: "Michael startet jetzt nach seiner Rückversetzung als 21. und Nico nach dem Getriebewechsel als 17. Keine gute Ausgangsbasis, aber wir wissen ja, dass in Spa bei der Wetterlotterie alles möglich ist."

    Schumacher glaubt, dass "Q3 sicherlich drin gewesen wäre", verpasste diese Chance aber wegen Verkehrs auf seiner schnellsten Runde. Bereits in Q1 hatte er Glück, als er sich bei einem Massenausritt in Stavelot irgendwie durch diverse Autos hindurchschlängeln konnte, ohne einen Konkurrenten zu berühren. Und: Das Stallduell gegen Rosberg gewann der siebenfache Weltmeister in seinem Wohnzimmer um elf Tausendstelsekunden.

    Rosberg ist mit der Ausgangsposition für morgen nicht zufrieden, lässt sich aber aus eben diesem Grund auf einen riskanten Poker ein: "Das Wetter macht auf jeden Fall Hoffnung. Ich habe mein Auto auf Regen abgestimmt und bin schnell, wenn es nass und rutschig ist. Ich kann nur hoffen, dass es am Sonntag erneut solche Bedingungen gibt", kündigt der Mercedes-Pilot über Nacht einen belgischen Regentanz an.

    Überraschung durch Glock
    Jaime Alguersuari (13.) entschied das Toro-Rosso-Stallduell gegen Sébastien Buemi (15.) für sich, in Q2 waren aber auch zwei Namen mit von der Partie, die sonst ein Abo auf ein Erstrunden-Aus haben: Heikki Kovalainen (Lotus/16.) und Timo Glock (Virgin/17.)! "Man braucht halt die Erfahrung und auch ein bisschen das Händchen für schwierige Bedingungen. Das sind genau die Wetterverhältnisse, bei denen wir eine Chance haben, wenn andere Fehler machen", jubelt Glock.

    Der Deutsche nutzte seine Chance, als es in Q1 nach nur einer trockenen Runde des Feldes zu regnen begann. Zwar ließ die schnell abtrocknende Strecke am Ende des Abschnitts wieder Verbesserungen zu, sodass zum Beispiel Sakon Yamamoto (HRT) noch vom 13. auf den 21. Platz zurückfiel, aber wer sich gut auf das Gripniveau einstellen konnte und das Timing perfekt hinbekam, war fein aus dem Schneider.

    Sauber bereits in Q1 out
    Gleich zu Beginn hatte es wegen eines Abflugs von Vitaly Petrov (Renault/24.) eine Unterbrechung gegeben. "Ich wollte den Randstein testen, aber offensichtlich war er noch zu nass", meint der Russe achselzuckend. Auch die beiden Sauber-Piloten Kamui Kobayashi (19.) und Pedro de la Rosa (22.) landeten im Kiesbett, sodass sie die starken Performances in den Freien Trainings nicht wiederholen konnten, als es drauf ankam.

    Auch sonst gab es in Q1 jede Menge Wirbel: In Stavelot wurden sechs Autos in eine Massenpirouette verwickelt, darunter auch die Herren Sutil und Schumacher. Letzterer lag vor seiner letzten Runde noch auf Rang 18, wäre damit knapp ausgeschieden gewesen, konnte sich aber nach Ablauf der Zeit noch auf Position fünf verbessern. Der Deutsche verhinderte damit ein Lotus-Doppelpack im zweiten Qualifying-Abschnitt.

    Was darf man sich vom morgigen Rennen erwarten? "Es wird nicht im ersten oder dritten Sektor gewonnen", glaubt Polesetter Webber und ergänzt: "Am Start auch nicht." Das sieht Hamilton wahrscheinlich anders, denn der McLaren-Pilot würde am liebsten sein ausgereiftes F-Schacht-System nutzen, um gleich nach Eau Rouge aus dem Windschatten zu überholen - ganz ähnlich, wie es Kimi Räikkönen im Vorjahr mit KERS gemacht hat...

    Spa: Sieg und WM-Führung für Hamilton!

    Spa: Sieg und WM-Führung für Hamilton!

    Drei Regenschauer, zwei Safety-Car-Phasen: Lewis Hamilton triumphiert vor Webber und Kubica - Kollision zwischen Vettel und Button

    (Motorsport-Total.com) - "Hier kannst du das Wetter nicht buchen", wusste Norbert Haug schon vor dem heutigen Grand Prix von Belgien - und der Mercedes-Sportchef sollte recht behalten. Denn wie von den Meteorologen angekündigt kam es in Spa-Francorchamps zu drei Regenschauern (inklusive zwei Safety-Car-Phasen) und einem entsprechend spannenden Rennverlauf.

    Den Sieg sicherte sich nach 44 Runden auf der 7,004 Kilometer langen Mutstrecke Lewis Hamilton (McLaren), der gleichzeitig die WM-Führung übernahm. Hamilton beglich damit eine alte Rechnung aus dem Jahr 2008, als er zwar als Erster über die Ziellinie fuhr, aber nachträglich auf Platz drei rückversetzt wurde. "Ich bin sehr glücklich. Nach so einem Wochenende zu gewinnen, ist großartig, denn solche Rennen sind immer eine Lotterie", jubelt der Ex-Champion.

    Schlechter Start von Webber
    Hamilton ging vom zweiten Platz aus gleich am Start in Führung, weil Polesetter Mark Webber nicht gut wegkam. "Mir war schon in der Aufwärmrunde etwas an der Kupplung aufgefallen", meint der Red-Bull-Pilot, der zunächst auf Rang sieben zurückfiel, aber Adrian Sutil (Force India) in einem "guten Fight" gleich nach Eau Rouge schnappen konnte. Doch am Himmel zeichnete sich zu jenem Zeitpunkt schon das erste von drei Regendramen des Nachmittags ab...

    Beim Anbremsen der Bus-Stop-Schikane verpasste Hamilton mit Slicks bei leichtem Regen den Bremspunkt - und hinter ihm erging es Jenson Button (McLaren), Robert Kubica (Renault), Sebastian Vettel (Red Bull) und einigen weiteren Verfolgern genauso! Am spätesten bremste ausgerechnet Jubilar Rubens Barrichello (Williams), der Fernando Alonso (Ferrari) von weit hinten kommend abschoss und in seinem 300. Grand Prix nicht einmal eine Runde schaffte.

    "Es war gar nicht so nass, als wir nach Blanchimont kamen. Als ich dann die Schikane anbremste, war es aber definitiv nass und ich konnte nicht ausweichen. So etwas kann passieren", sagt Barrichello. "Die Bedingungen waren schwieriger als sonst. Es regnet, dann kommt wieder die Sonne - ganz schwierig, da den Überblick zu behalten. Keiner weiß, wann es trocken ist. Das Jubiläum ist ein Grund zum Feiern, aber es ist natürlich schade, dass ich nicht ins Ziel gekommen bin."

    Alonso: Volles Risiko, minimaler Erfolg
    Wegen des Zwischenfalls kam das Safety-Car das erste Mal auf die Strecke. Für Alonso mit dem ramponierten Ferrari war das die ideale Gelegenheit, auf Regenreifen zu wechseln und zu riskieren, aber die Spitzenreiter, die nicht wechselten, lagen mit ihrer Einschätzung richtig: Der Regen verzog sich schnell wieder, sodass Alonso auf Slicks zurückrudern musste. Die Chancen auf den Sieg waren damit endgültig dahin.

    An der Spitze baute sich Hamilton einen Vorsprung von ungefähr zehn Sekunden auf, während sich dahinter eine Fünfergruppe mit Button, Vettel, Kubica, Webber und Felipe Massa (Ferrari) bildete. Schnellster Mann in diesem Paket war Vettel, der hinter dem mit einem lädierten Frontflügel fahrenden Button immer ungeduldiger wurde und in Runde 16 bei der Anfahrt zur Bus-Stop-Schikane ein Manöver wagte, das mit einer Kollision endete!

    "Ich war eindeutig schneller", schildert der Red-Bull-Pilot. "Ich wusste, dass ich auf der Geraden keine Chance habe, also musste ich es auf der Bremse versuchen. Mir ist ein kleiner Fehler unterlaufen, ich habe das Auto verloren. Der Regen war nicht das Problem. Als ich auf die Bremse ging, hatte ich noch ein bisschen Zug am Auto, und es gab eine Bodenwelle dort. Die habe ich erwischt. Damit habe ich meine und Jensons Chancen ruiniert, was natürlich keine Absicht war."

    Vettel: Pleiten, Pech und Pannen
    Für Vettel war das der Anfang vom Ende, denn nach dem Reparaturstopp wurde er für die Aktion mit einer Durchfahrstrafe belegt. Zehn Runden später schlitzte er sich bei einem Überholmanöver gegen Vitantonio Liuzzi (Force India) einen Reifen auf und musste fast eine komplette Runde um die Strecke rollen. Dass dann beim dritten und letzten Regenschauer auch noch der Poker mit den Full-Wets gleich doppelt in die Hose ging, änderte am Ergebnis nichts mehr.

    Button blieb ein solches Chaos übrigens erspart, denn für ihn war gleich nach der Kollision Endstation: "Ich meine, dass ich meine Position fair verteidigt habe", ärgert er sich über den unverschuldeten Ausfall. "Keine Ahnung, was Sebastian da wollte. Ich bin wirklich niedergeschlagen, sehr enttäuscht. Die Durchfahrstrafe ist in Ordnung. Es war ein Rennunfall und seine Schuld, auch wenn er es sicher nicht absichtlich gemacht hat."

    Einige tolle Überholmanöver
    Zwischendurch wurde das bei trockenen Bedingungen nicht allzu aufregende Rennen immer wieder durch fantastische Überholmanöver bereichert - sehenswert zum Beispiel, wie Vitaly Petrov (Renault) außen in Les Combes an Nico Rosberg (Mercedes) vorbeiging, aber auch die Brechstangen-Attacke von Alonso gegen Liuzzi in der Bus-Stop-Schikane. Und ganz heimlich, still und leise schob sich ein alter Bekannter in seinem "Wohnzimmer" immer weiter nach vorne...

    Comeback-Superstar Michael Schumacher tauchte nach dem Button/Vettel-Crash - noch ohne Boxenstopp - an sechster Position auf. Mercedes pokerte darauf, einen langen ersten Stint zu fahren, um eventuell gleich auf Regenreifen wechseln zu können und so einen Boxenstopp zu sparen. Diese Taktik ging sowohl für Schumacher als auch für Rosberg auf, denn alle anderen mussten heute mindestens zweimal an die Box kommen.

    Die beiden gerieten sich übrigens gleich zweimal in die Quere, zum ersten Mal nach Rosbergs verlorenem Zweikampf mit Petrov in Runde elf. Schumacher nutzte die Gelegenheit und ging ebenfalls an seinem Teamkollegen vorbei, berührte dabei dessen Frontflügel leicht. Doch Rosberg bekam nach der zweiten Safety-Car-Phase in Runde 41 auf nasser Strecke an gleicher Stelle die Chance zum Konter und nutzte diese auch!

    Kein Stunk bei Mercedes
    "Nico", schildert Schumacher die beiden Situationen, "wurde einmal von Petrov aus der Bahn geworfen, das konnte ich nutzen. Nach dem Safety-Car musste ich dann wegen Kobayashi in Eau Rouge vom Gas, daher überholte mich Nico wieder. Ich habe versucht, noch dagegenzuhalten, aber da war nicht mehr allzu viel möglich. Aber das war faires Racing unter Teamkollegen." Rosberg nickt zustimmend: "Überhaupt kein Problem."

    "Von 14 auf sechs für Nico und von 21 auf sieben für Michael - mehr kann man bei den Startplätzen kaum erwarten", freut sich Mercedes-Sportchef Haug. "Guter Job von Nico und Michael, guter Job von unserem Team, gute Strategie - aber unseren Speed müssen wir weiter verbessern." Und Schumacher ergänzt: "Schön, dass wir uns mit unserer vernünftigen Strategie nach vorne gearbeitet haben. Platz sechs und sieben - damit dürfen wir zufrieden sein."

    Ganz vorne wurde es im Kampf um den Sieg noch einmal spannend, als nach dem Crash von Alonso (Dreher wegen eines nassen Randsteins) das Safety-Car ein zweites Mal auf die Strecke kam. Wenige Augenblicke davor hatte es wieder zu regnen begonnen. Die Top 4 blieben eine weitere Runde auf Slicks draußen, der fünftplatzierte Sutil bog aber geistesgegenwärtig in die Boxengasse ab, ebenso wie das Mercedes-Duo hinter ihm.

    Schrecksekunde für Hamilton
    Ein Poker, der beinahe aufgegangen wäre, denn in Malmedy rutschte Leader Hamilton tatsächlich von der Strecke! "Als es zu regnen begann, wusste ich nicht, wie schnell man fahren kann. Da kam ich von der Strecke ab, aber es hat trotzdem gereicht", lacht der nunmehr dreifache Saisonsieger. "Ich hoffte, dass Safety-Car würde noch länger draußen bleiben, aber ich habe das Auto auch so in einem Stück über die Ziellinie gebracht."

    Allerdings schmolz Hamiltons Vorsprung noch einmal ordentlich zusammen; auf der Ziellinie trennten ihn nur 1,5 Sekunden von Webber. Der war beim letzten Boxenstopp wegen eines verpatzten Renault-Services endlich an Kubica vorbeigegangen. "Es begann zu regnen, Lewis kam von der Strecke ab und ich holte auf", so Kubica. "Ich musste am Lenkrad ein paar Dinge für den Regen umstellen, daher war ich unkonzentriert. Dieser Fehler hat uns den zweiten Platz gekostet."

    Webber denkt an den WM-Kampf
    Ein Ergebnis, mit dem Webber gut leben kann, schließlich liegt der Australier in der Fahrer-WM nur drei Zähler hinter Hamilton und vor allem 28 vor seinem Teamkollegen Vettel (3.). "Ich bin zufrieden mit dem zweiten Platz", betont der Routinier, der in den letzten vier Runden keine Dummheiten mehr riskierte. "An solchen Tagen kannst du auch ganz leicht leer ausgehen, wenn du nur einen kleinen Fehler machst, aber so haben wir gute Punkte mitgenommen."

    "Mark ist heute ein brillantes Rennen gefahren", lobt auch Teamchef Christian Horner. "Er hatte keinen guten Start und wir wussten, dass die Mercedes-Motoren sehr stark sind. Aber nach der ersten Runde so ein blitzsauberes Rennen zu fahren, ist eine reife Leistung, noch dazu auf einer Strecke, die uns normalerweise nicht so liegt." Bei Vettel sei hingegen "alles schiefgegangen, was schiefgehen kann", bedauert der Brite.

    Hamilton, Webber, Kubica und Massa kamen mit einem blauen Auge davon, obwohl sie den Wechsel auf Intermediates um eine Runde verschliefen, sodass für Regenspezialist Sutil "nur" Platz fünf blieb. Den empfindet er aber als "sehr schön. Wir haben jede Entscheidung richtig getroffen. Schon im Trockenen war das Auto gut, aber auch im Regen - je nach Zustand der Reifen. Als ich die beiden Mercedes überholt habe, fiel mir das mit unserem überlegenen Topspeed ganz leicht."

    Nur vier Ausfälle
    Rosberg, Schumacher, Kamui Kobayashi (Sauber), Petrov und Jaime Alguersuari (Toro Rosso) nahmen die weiteren Punkte mit; Liuzzi schrammte an diesen um 5,3 Sekunden vorbei. Nico Hülkenberg (Williams) fuhr in der Anfangsphase ein starkes Rennen, konnte sich aber nicht in den Top 10 konsolidieren und beendete den Grand Prix mit einer Runde Rückstand als 14., 4,8 Sekunden vor Pechvogel Vettel.

    Insgesamt sahen trotz der schwierigen Bedingungen 20 von 24 gestarteten Autos die Zielflagge. Neben Alonso, Button und Barrichello erwischte es auch Bruno Senna (HRT), der gleich zu Beginn nach einem Dreher ausgangs Stavelot die Segel streichen musste. Bester Vertreter der drei neuen Teams war indes wieder einmal Lotus-Pilot Heikki Kovalainen auf dem 16. Platz, 1,7 Sekunden vor Lucas di Grassi (Virgin).

    Für die Weltmeisterschaft bedeutet der heutige Rennausgang, dass sich Hamilton und Webber ein bisschen von den restlichen drei Titelanwärtern absetzen können - auch nach dem Grand Prix von Italien in Monza in zwei Wochen wird auf jeden Fall einer der beiden in Führung liegen. Bei den Konstrukteuren läuft indes alles auf einen Zweikampf zwischen Red Bull und McLaren hinaus. Sechs Rennen vor Schluss steht es 330:329...

    Rennen: Großer Preis von Belgien

    Rennen: Großer Preis von Belgien

    Die MERCEDES GP PETRONAS Fahrer Nico Rosberg und Michael Schumacher belegten beim Grand Prix von Belgien die Plätze sechs und sieben, nachdem sie von den Positionen 14 und 21 gestartet waren. Bei wechselhaftem Wetter blieben sie lange mit ihrem ersten Satz Trockenreifen auf der Strecke und wechselten erst bei einsetzendem heftigen Regen in der 34. von 44 Runden auf Intermediate-Reifen. Zu diesem Zeitpunkt war Michael Sechster, zwei Plätze vor Nico. Der verbesserte sich nach einer Safety Car Phase in Runde 41 um zwei Positionen, überholte Michael und wurde Sechster vor seinem Teamkollegen.

    In der Fahrerweltmeisterschaft ist Nico mit 102 Punkten Achter; Michael liegt mit 44 Zählern auf Platz zehn. Es führt Spa-Sieger Lewis Hamilton (Vodafone McLaren Mercedes) mit 182 Punkten. Für Mercedes-Benz war es der 82. Formel 1-Sieg seit 1954; Kundenteams mit eingerechnet.

    NICO ROSBERG
    „Meine Regenabstimmung funktionierte erst gegen Ende des Rennens und ich verbesserte mich nach der Safety Car Phase um zwei Plätze. Der sechste Platz heute geht in Ordnung; das ist das Beste, das wir uns an diesem Wochenende erhoffen konnten. Die Zweikämpfe mit Michael machten Spaß. Wir respektieren einander und waren vorsichtig und das war OK. Wir sahen heute wieder besser aus, aber wir müssen weiter daran arbeiten uns zu steigern, um die Saison gut abzuschließen.“

    MICHAEL SCHUMACHER
    „Ich bin mit dem heutigen Rennen recht zufrieden und freue mich besonders für unser Team. Von den Startplätzen 14 für Nico und 21 für mich ist es ein schönes Ergebnis. Die Plätze sechs und sieben sind nicht schlecht und bringen uns 14 Punkte in der Konstrukteurs-WM. Die Nummer 7 gehört für mich irgendwie zu Spa, das ist für mich etwas Besonderes. Nur bei noch stärkeren Wetterkapriolen hätten wir aus meiner Sicht besser abschneiden können. Nico und ich sind uns auf der Strecke heute zweimal sehr nahe gekommen. Beim ersten Mal überholte ich ihn in einem schönen Duell. Das zweite Mal war nach dem Re-Start, als ich in Eau Rouge wegen eines Autos vor mir kurz vom Gas gehen musste und er an mir vorbei flog. Spa war fast so unterhaltsam wie ich es mir erhofft hatte.“

    ROSS BRAWN
    „Wir freuen uns sehr über das heutige Resultat. Besonders dank unserer Strategie punkteten wir heute ordentlich. Danach hatte es nach dem Qualifying nicht ausgesehen. Nico und Michael fuhren in schwierigen Bedingungen sehr gut und boten uns an der Boxenmauer viel Spannung, manchmal sogar etwas zuviel. Aber das ging alles gut und beide Fahrer kamen ins Ziel.
    Ein gutes Wochenende, wie wir es uns erhofft hatten. In Anbetracht der momentanen Leistung des Autos im Vergleich zu anderen ist das Ergebnis gut und stärkt die Moral des Teams.“

    NORBERT HAUG
    „Nico, Michael und das Team machten heute einen guten Job. Wer wie Nico als 14. startet und Sechster wird, war gut unterwegs, und das gilt noch mehr, wenn man wie Michael als 21. losfährt und 44 Runden später im Ziel Siebter ist. Wir passten uns den typischen Wetterbedingungen in Spa an so gut es ging. Das war die Grundlage, um mit beiden Autos von ziemlich aussichtslosen Startplätzen Punkte zu holen. Klar ist, dass uns immer noch Speed fehlt, aber dies war ein viel besseres Ergebnis als in den beiden Rennen zuvor, in denen wir nicht so gut waren wie davor bei Nicos Podiumsplatz in Silverstone. Wir freuen uns jetzt auf Monza, das wegen der einzigartigen Hochgeschwindigkeits-Charakteristik der Strecke ein ganz besonderes Rennen wird. Ich danke allen im Team für die Steigerung nach dem gestrigen Qualifyingergebnis und unseren Rückversetzungen um fünf, beziehungsweise zehn Plätze für Nico und Michael. Dieses Ergebnis zeigt, dass es immer richtig ist nicht aufzugeben und konzentriert zu bleiben.“