Interessantes zu Formel 1 im Jahr 2011

    Interessantes zu Formel 1 im Jahr 2011

    Interessantes zu Formel 1 im Jahr 2011

    Offizieller Rennkalender der Formel-1-Saison 2011

    Nach der Absage des Großen Preises von Bahrain wegen der politischen Unruhen werden in der Saison 2011 nur noch 19 Rennen ausgetragen. Eröffnet wird die Saison nach der Streichung des Bahrain-GP mit dem Großen Preis von Australien am 27. März in Melbourne, der Große Preis von Deutschland auf dem Nürburgring steigt am 24. Juli. Das Saisonfinale kehrt nach Brasilien zurück, wo am 27. November das letzte Rennen auf dem Programm steht. Indien feiert am 30. Oktober seine Premiere als Austragungsort.

    Rennkalender 2011
    11.-13. März Grand Prix von Bahrain - abgesagt! Manama
    25.-27. März Grand Prix von Australien Melbourne
    08.-10. April Grand Prix von Malaysia Kuala Lumpur
    15.-17. April Grand Prix von China Shanghai
    06.-08. Mai Grand Prix der Türkei Istanbul
    20.-22. Mai Grand Prix von Spanien Barcelona
    27.-29. Mai Grand Prix von Monaco Monte Carlo
    10.-12. Juni Grand Prix von Kanada Montreal
    24.-26. Juni Grand Prix von Europa Valencia
    08.-10. Juli Grand Prix von Großbritannien Silverstone
    22.-24. Juli Grand Prix von Deutschland Nürburgring
    29.-31. Juli Grand Prix von Ungarn Budapest
    26.-28. August Grand Prix von Belgien Spa-Francorchamps
    09.-11. September Grand Prix von Italien Monza
    23.-25. September Grand Prix von Singapur Singapur
    07.-09. Oktober Grand Prix von Japan Suzuka
    14.-16. Oktober Grand Prix von Südkorea Yeongam
    28.-30. Oktober Grand Prix von Indien Greater Noida
    11.-13. November Grand Prix von Abu Dhabi Abu Dhabi
    25.-27. November Grand Prix von Brasilien Sao Paulo
    Bilder
    • kalender.jpg

      67,15 kB, 494×575, 138 mal angesehen
    Interessante Links:

    http://www.formel1.de
    http://www.motorsport-total.com
    http://www.motorsport-magazin.com
    http://www.sport.de/cms/formel-1/news-und-saisoninfos.html
    http://www.rtl.de/cms/information/formel1.html
    http://www.sport1.de/de/formel1
    http://de.wikipedia.org/wiki/Formel_1
    http://formel1saison.de
    http://www.f1-planet.de
    http://www.motorsportarchiv.de
    http://www.formel1.net
    Formel-1-Reglement 2011

    Sportliches Reglement

    Auszüge aus dem sportlichen Reglement

    Teilnahmeberechtigung
    An der Formel-1-Weltmeisterschaft dürfen nur Fahrer teilnehmen, die im Besitz einer FIA-Superlizenz sind. Diese wird nach Kriterien der FIA vergeben. Meister von hochrangigen Nachwuchsserien und andere "erwiesene" Nachwuchsfahrer sind aber in der Regel automatisch dafür qualifiziert.

    Bei Vergehen im Straßenverkehr, die zum Beispiel zu einem Führerscheinentzug führen, kann die FIA dem betroffenen Fahrer theoretisch auch die Superlizenz aberkennen. In der Praxis werden solche Fälle aber mit Fingerspitzengefühl behandelt.

    Anzahl der Rennen
    Eine Formel-1-Weltmeisterschaft besteht mindestens aus acht, aber maximal aus 20 Rennen.

    Punktesystem
    01. Platz: 25 Punkte
    02. Platz: 18 Punkte
    03. Platz: 15 Punkte
    04. Platz: 12 Punkte
    05. Platz: 10 Punkte
    06. Platz: 8 Punkte
    07. Platz: 6 Punkte
    08. Platz: 4 Punkte
    09. Platz: 2 Punkte
    10. Platz: 1 Punkt

    Weltmeister ist, wer in der Addition aller Grands Prix einer Saison am meisten Punkte gesammelt hat. Sollte bei den Punkten zwischen zwei oder mehreren Fahrern Gleichheit herrschen, dann entscheidet das jeweils beste Einzelresultat. Ein Sieg sticht also einen zweiten Platz aus, ein zweiter Platz einen dritten, ein dritter einen vierten und so weiter. Sollten alle Resultate komplett identisch sein, bestimmt der Automobilweltverband FIA den Weltmeister nach den ihrer Meinung nach angemessenen Kriterien.

    Für die Konstrukteurs-WM werden die Punkte aller Fahrer eines Teams addiert. Bei Punktegleichheit gelten die gleichen Kriterien wie in der Fahrer-WM.

    Renndistanz
    Für einen Grand Prix wird auf jeder Strecke die geringstmögliche Rundenzahl bemessen, die eine Distanz von 305 Kilometern überschreitet. Für Monaco wird wegen der geringen Durchschnittsgeschwindigkeit eine Ausnahme gemacht. Die maximale Renndauer beträgt zwei Stunden.

    Fahrertausch
    Während der Saison darf jedes Team bis zu vier Fahrer einsetzen. Fälle "höherer Gewalt" werden normalerweise nicht als Fahrertausch gewertet. Außerdem dürfen an Freitagstrainings (P1 und P2) zusätzliche Fahrer zum Einsatz kommen. Pro Session können aber maximal zwei Fahrer eingesetzt werden.

    Testverbot
    Zwischen der Woche vor dem ersten Saisonrennen und dem 31. Dezember eines Kalenderjahres sind Testfahrten generell verboten. Pro Kalenderjahr darf jedes Team maximal 15.000 Testkilometer absolvieren.

    Ausnahme: Wechselt ein Team während der Saison einen Fahrer ein, der in den vorangegangenen beiden Kalenderjahren an keinem Formel-1-Rennwochenende teilgenommen hat, dann darf ein zusätzlicher Testtag eingelegt werden. Absolviert dieser Fahrer den Testtag, nimmt dann aber doch nicht am Rennen teil, wird dem Team im nächsten Winter ein Testtag gestrichen.

    Erlaubt sind auch PR-Fahrten auf eigens dafür zugelassenen Reifen sowie drei Testtage für Nachwuchsfahrer zwischen dem Saisonende und dem 31. Dezember. Daran dürfen jedoch nur Fahrer teilnehmen, die nicht mehr als zwei Grands Prix bestritten haben.

    Ebenfalls erlaubt sind vier Geradeaustests zu aerodynamischen Zwecken. Jeder dieser Testtage kann gegen vier Stunden mit 1:1-Modellen im Windkanal eingetauscht werden.

    Fahrzeuggewicht
    Ein Formel-1-Wagen muss inklusive Fahrer, Öl und Bremsflüssigkeit zu jedem Zeitpunkt auf der Strecke mindestens 640 Kilogramm wiegen. Ausnahmen werden beim Verlust von Fahrzeugteilen gemacht, die durch einen Unfall oder technischen Defekt verursacht wurden.

    Reifen
    Pirelli (von der FIA ausgewählter Standard-Reifenhersteller bis einschließlich 2013) bietet als Monopolist pro Grand Prix zwei verschiedene Reifenmischungen an. Die weichere davon muss für die Zuschauer ersichtlich gekennzeichnet sein. In den Trainings und im Qualifying steht den Fahrern die Reifenwahl frei, im Rennen muss jede der beiden Mischungen aber für zumindest eine volle Runde zum Einsatz kommen.

    Pro Rennwochenende stehen einem Fahrer maximal elf Sätze Trockenreifen (sechs der härteren und fünf der weicheren Gummimischung), vier Sätze Intermediates und drei Sätze Regenreifen zur Verfügung. Ein Reifensatz muss immer aus vier Reifen der gleichen Spezifikation bestehen.

    Jeder Fahrer bekommt für den Freitag drei Reifensätze zur Verfügung gestellt, zwei von der härteren und einen von der weicheren Mischung. Ein Satz harter Reifen muss nach dem ersten, die restlichen beiden Sätze nach dem zweiten Training zurückgegeben werden. Für den Rest des Rennwochenendes stehen acht Reifensätze zur Verfügung (vier von jeder Mischung). Vor Beginn des Qualifyings muss ein weiterer Satz von jeder Mischung zurückgegeben werden.

    Die Fahrer, die am dritten Qualifying-Abschnitt teilgenommen haben, müssen mit jenen Reifen ins Rennen starten, mit denen sie im dritten Abschnitt ihre schnellste Zeit erzielt haben. Diese Regel entfällt bei einem Regenrennen.

    Für den Fall eines Regenrennens stehen jedem Fahrer vier Regen- und drei Extremregenreifensätze zur Verfügung.

    Die Regel, dass jede der beiden Trockenmischungen verwendet werden muss, gilt dann natürlich nicht. Dazu muss das Rennen aber vom Rennleiter als Regenrennen deklariert werden.

    Startaufstellung
    Die Autos stehen nach dem Ergebnis des Qualifyings (inklusive Berücksichtigung etwaiger Rückversetzungs-Strafen) gestaffelt im Acht-Meter-Abstand versetzt zueinander.

    Qualifying
    Das Qualifying beginnt in der Regel am Samstag um 14:00 Uhr Ortszeit und läuft wie folgt ab: In den ersten 20 Minuten dürfen alle Autos auf die Strecke gehen. Am Ende dieser ersten Session dürfen die sieben langsamsten Fahrer nicht weiter an der Qualifikation teilnehmen. Diese Autos nehmen die letzten sieben Startpositionen (18 bis 24) in der Reihenfolge ihrer gefahrenen Zeiten ein, wobei der schnellste Pilot die 18. Startposition zugewiesen bekommt.

    Sollte ein Fahrer im ersten Qualifying keine Zeit erreichen, die innerhalb von 107 Prozent mit der Q1-Bestzeit liegt, ist er nicht berechtigt, am Rennen teilzunehmen. Die Rennkommissare können jedoch eine Ausnahmegenehmigung erteilen, zum Beispiel, wenn ein Fahrer in einem Freien Training eine angemessene Rundenzeit erreicht hat. Sollten mehrere Fahrer mittels Ausnahmegenehmigung zugelassen werden, entscheiden die Rennkommissare über deren Startreihenfolge.

    Die Bestzeiten der verbleibenden 17 Autos werden für die zweite Qualifikationseinheit gestrichen. Am Ende der zweiten Session (15 Minuten) scheiden erneut die sieben Langsamsten aus und werden von der dritten Session ausgeschlossen. Diese Autos bilden die Startpositionen elf bis 17. Der Schnellste nimmt den elften Rang ein, der Langsamste den 17. Platz.

    Die verbleibenden zehn Autos gehen erneut mit zurückgesetzten Zeiten in den letzten Qualifying-Abschnitt. Die Fahrer haben zehn Minuten Zeit, die Top-10-Startplatzierungen unter sich auszumachen. Der Schnellste gewinnt die Pole-Position.

    Ersatzautos
    Jedes Team darf nur zwei Autos pro Rennwochenende verwenden. Der Einsatz eines bereitstehenden Ersatzautos, wie er früher üblich war, ist heute nicht mehr gestattet.

    Motor- und Getriebewechsel
    Pro Rennsaison und Auto darf ein Team maximal acht Motoren verwenden. Für jeden zusätzlich eingesetzten Motor wird der Teilnehmer im nächsten Rennen mit einer Rückversetzung um zehn Positionen in der Startaufstellung bestraft.

    Das Getriebe darf nach fünf Rennwochenenden ohne Strafe gewechselt werden. Sollte ein früherer Wechsel fällig werden, wird der Teilnehmer im nächsten Rennen mit einer Rückversetzung um fünf Positionen in der Startaufstellung bestraft.

    Nachtanken
    Nachtanken während des Rennens ist nicht erlaubt.

    Rundenbegrenzung
    Es gibt weder im Freien Training noch im Qualifying eine Rundenbegrenzung.

    Parc-Ferme-Regel
    Die Autos befinden sich von dem Moment an, an dem sie sich im Qualifying das erste Mal auf die Strecke begeben, bis zum Start des Rennens unter Parc-Ferme-Bedingungen, es darf also nicht mehr am Auto gearbeitet werden. Nicht hiervon betroffen sind Reifenwechsel und Tanken. Im Parc Ferme darf an den Autos nicht mehr gearbeitet werden. Lediglich Reparaturen dürfen nach Erlaubnis der Rennleitung durchgeführt werden, die Elektronik darf umprogrammiert werden und der Frontflügel verstellt werden. Entsprechend eines detaillierten FIA-Katalogs sind auch weitere kleine Arbeiten erlaubt.

    Start
    30 Minuten vor dem Beginn der Aufwärmrunde wird die Boxengasse geöffnet. Die Fahrer haben 15 Minuten Zeit, um ihre Startplätze einzunehmen. Wer das Zeitlimit überschreitet, muss das Rennen hinter dem Feld aus der Boxengasse aufnehmen.

    Bis fünf Minuten vor der Aufwärmrunde müssen die Reifen aufgezogen sein. Eine Minute vor der Aufwärmrunde werden die Motoren angelassen und 15 Sekunden davor müssen alle Mechaniker die Startaufstellung verlassen haben. Ansonsten droht eine Strafe.

    Um punkt 14:00 Uhr (Startzeit kann bei einigen Rennen, zum Beispiel auch witterungsbedingt, abweichen) setzt sich das Feld zur Formationsrunde in Bewegung. Während der Formationsrunde ist Überholen verboten. Einzige Ausnahme: Fährt ein Fahrer mit Verzögerung beim Vorstart los und wurde nicht vom gesamten Feld überholt, darf er seine ursprüngliche Startposition wieder einnehmen. Andernfalls muss der Fahrer vom letzten Startplatz starten. Das gleiche gilt für Fahrer, die einen Startabbruch provoziert haben.

    Nach jedem Startabbruch erfolgt ein Neustart. Das Rennen wird wegen der zusätzlichen Formationsrunde um eine Runde verkürzt. Im Fall schweren Regens ist es möglich, das Rennen hinter dem Safety-Car zu starten.

    Bei einem normalen Start gehen, sobald das letzte Fahrzeug in der Startaufstellung steht, nacheinander die fünf Lampen der Startampel im Sekundentakt an. Startsignal ist, wenn alle Lampen erlöschen. Signalisiert ein Fahrer im Feld Probleme, wird die Startprozedur unterbrochen. Dies wird durch gelbe Flaggen an der Boxenmauer und ein Blinklicht auf der Startampel angezeigt.

    Safety-Car
    Wenn der Rennleiter das Safety-Car auf die Strecke schickt, wird dies rund um den Kurs mit "SC"-Zeichen signalisiert. Fahrzeuge, die gegebenenfalls zwischen dem Safety-Car und dem Führenden liegen, werden vorbeigewinkt und können hinten zum Feld aufschließen. Die Box darf während einer Safety-Car-Phase angesteuert werden, allerdings nur unter Einhaltung eines Geschwindigkeitslimits. Ebenso dürfen Fahrer von hinten auf das Feld hinter dem Safety-Car aufschließen. Allerdings muss auch hierfür ein Geschwindigkeitslimit eingehalten werden. Dieses wird den Fahrern in Form von Richtsektorenzeiten auf das Display geblendet. Verstößt ein Fahrer gegen das Limit, droht ihm eine Strafe.

    Das Safety-Car kann, um beispielsweise eine Gefahrenzone auf der Start- und Zielgeraden zu umgehen, auch durch die Boxengasse fahren. Auch in diesem Fall müssen die Fahrzeuge dem Safety-Car folgen. Ein Anhalten vor der eigenen Box ist jedoch ausdrücklich gestattet.

    In der Runde, bevor das Safety-Car wieder in die Boxengasse einschert, wird als Signal für die Piloten das Warnlicht ausgeschaltet.

    Rennabbruch
    Wird das Rennen in den ersten zwei Runden abgebrochen, erfolgt ein Neustart. Sind zwischen zwei Runden und 75 Prozent der Renndistanz gefahren, wird das Rennen neu gestartet. Der zweite Start erfolgt dann unter Safety-Car-Regeln: Die Autos starten in der Reihenfolge des Abbruchs des ersten Rennens; die Zeitrückstände werden nicht berücksichtigt, es sei denn, sie betragen mehr als eine Runde.

    Sollte ein Neustart nicht möglich sein, werden halbe Punkte vergeben. Bei einem Abbruch nach mehr als 75 Prozent der Gesamtdistanz wird die volle Punktzahl vergeben.

    Wertung bei Ausfall eines Fahrers
    Hat ein Fahrer zum Zeitpunkt seines Ausfalls mindestens 90 Prozent der Renndistanz absolviert, wird er gewertet und ist theoretisch auch berechtigt, Punkte zu sammeln..

    Zeitstrafen
    Die Rennleitung hat die Möglichkeit, einen Fahrer für ein Vergehen auf drei Arten zu bestrafen: eine Durchfahrtsstrafe durch die Boxengasse, bei der nicht vor der eigenen Box gehalten werden darf, eine Zehn-Sekunden-Strafe, bei der der Fahrer vor seiner Box zehn Sekunden lang stehen muss, oder eine Rückversetzung um zehn Startplätze beim nächsten Rennen. Eine Strafe ist innerhalb von drei Runden nach Bekanntmachung anzutreten. Sollte eine der ersten beiden Strafen in den letzten fünf Runden eines Rennens oder erst nach dem Rennen ausgesprochen werden, so werden auf die Gesamtzeit des Fahrers 25 Sekunden als Strafe addiert.

    Geschwindigkeitsbegrenzung
    Das Geschwindigkeitslimit in der Boxengasse im Qualifying und Rennen beträgt 100 km/h. Sollte eine Strecke eine besonders enge Boxengasse haben, so kann das Geschwindigkeitslimit jedoch gesenkt werden. Dies ist zum Beispiel in Monaco notwendig. Zuwiderhandlung wird im Rennen mit Zehn-Sekunden-Zeitstrafen geahndet, im Training mit Geldstrafen - 250 Euro pro km/h.


    Auszug aus dem technischen Reglement

    Motor
    In der Formel-1-Weltmeisterschaft sind Viertaktmotoren mit maximal 2,4 Litern Hubraum, acht Zylindern und vier Ventilen pro Zylinder zugelassen. Der Zylinderbank-Öffnungswinkel ist mit 90 Grad vorgeschrieben, ebenso wie der Bohrungsdurchmesser von 98 Millimetern. Turbinen, Wankelmotoren oder Aufladung sind verboten. Es wird ein Mindestgewicht von 95 Kilogramm vorgeschrieben. Ebenfalls festgelegt ist der Schwerpunkt des Motors. Untersagt sind weiterhin variable Auspufflängen und Lufteinlässe und ovale Kolben. Pro Saison und Auto dürfen acht Motoren verwendet werden. Reparaturen an Zusatzaggregaten des Motors, wie der Ölpumpe, sind erlaubt. Ein zusätzlicher Motorwechsel wird mit dem Zurückversetzen des Fahrers in der Startaufstellung um zehn Plätze bestraft.

    Seit der Saison 2007 sind die Motoren homologiert; Weiterentwicklung ist seither nur noch in der Peripherie des Motors erlaubt oder um Zuverlässigkeitsmängel zu beseitigen, doch nicht zur Steigerung der PS-Leistung. Die maximale Drehzahl beträgt 18.000 Umdrehungen pro Minute.

    Zudem akzeptiert die FIA die Motoren aus Kostengründen nicht mehr als leistungsdifferenzierendes Merkmal. Sollte ein Motorenhersteller, warum auch immer, einen deutlichen Leistungsnachteil haben, kann ihm in Ausnahmefällen das Nachrüsten auf das Niveau der Konkurrenz gestattet werden.

    Energierückgewinnung
    Seit 2009 dürfen Systeme zur Rückgewinnung von Energie eingesetzt werden. Diese bezeichnet man als KERS (Kinetic Energy Recovery System). KERS speichert rückgewonnene Energie bis zu einer Kapazität von maximal 300 kj. Pro Runde darf KERS mittels Knopfdruck maximal einmal aktiviert werden. Dies bringt für einen Zeitraum von sieben Sekunden zusätzliche Leistung von bis zu maximal 82 PS.

    Motorsteuerung
    Formel-1-Motoren verfügen über ein "Anti-Stall-Programm", um das Abwürgen des Motors bei einem Dreher zu verhindern. Es muss so programmiert sein, dass der Motor nach spätestens zehn Sekunden abgestellt wird, sollte der Fahrer in dieser Zeit nicht wieder in den Fahrmodus zurückgewechselt haben.

    Elektronik
    Elektronische Fahrhilfen sind nicht gestattet. Gewährleistet wird dies durch eine Standardelektronik, die von McLaren Electronic Systems (MES) und Microsoft zur Verfügung gestellt wird.

    Kraftstoff
    Die Formel-1-Boliden müssen mit von der Tankstelle bekanntem Super-Plus-Benzin fahren. Weitere Zusätze sind nur sehr begrenzt gestattet.

    Antrieb
    Erlaubt sind maximal zwei angetriebene Räder. Ein Rückwärtsgang ist Vorschrift. Die Anzahl der Gänge kann von vier bis sieben variieren.

    Mindestgewicht
    Inklusive Fahrer, Bekleidung und allen Flüssigkeiten darf ein Mindestgewicht von 640 Kilogramm zu keinem Zeitpunkt des Rennwochenendes, an dem sich das Auto auf der Strecke befindet, unterschritten werden.

    Räder/Reifen
    - Dimensionen
    Für die Hinterräder beträgt die minimale Breite 365 Millimeter, die maximale Breite 380 Millimeter. Für die Vorderräder gelten eine minimale Breite von 305 Millimetern und eine maximale Breite von 355 Millimetern. Der maximale Raddurchmesser ist mit 660 Millimeter für Trockenreifen und 670 Millimeter für Regenreifen festgeschrieben.
    - Profil
    Trockenreifen (Slicks) müssen seit 2009 kein Profil beziehungsweise keine Rillen mehr aufweisen.
    - Radsicherung
    Jeder Radträger wird mit zwei Kabeln gesichert. Die Befestigung muss Kräften von zehn Tonnen pro Kabel, 20 Tonnen pro Rad standhalten.

    Cockpit
    Aus Sicherheitsgründen muss das Cockpit so dimensioniert sein, dass der Fahrer es innerhalb von fünf Sekunden verlassen kann. Die maximal erlaubte Zeitspanne zum Verlassen des Cockpits und Aufstecken des Lenkrades beträgt zehn Sekunden. Die Dicke des Kopf- und Nackenschutzes muss 75 Millimeter betragen. Die Länge des Cockpits beträgt 850 Millimeter. Der vordere Fußraum muss ausgepolstert sein. Die Mindestdicke beträgt 25 Millimeter.

    Chassis
    Die maximale Breite des Autos beträgt 180 Zentimeter. Zwischen den Achsen darf die Chassisbreite 140 Zentimeter nicht übersteigen. Die maximale Höhe des Autos beträgt 95 Zentimeter, gemessen vom tiefsten Punkt des Fahrzeugs beziehungsweise dessen Referenzebene.

    Verstellbarer Heckflügel
    Zum Zwecke des Überholens kann ein Fahrer die vordere Querplatte seines Heckflügels mittels Knopfdruck um 50 Millimeter anheben oder absenken, um den Luftwiderstand zu verringern und anschließend wieder zu erhöhen. Die Einsatzmöglichkeiten dieses "Boost-Buttons" sind aber limitiert und genau geregelt.

    Verstellbare Frontflügel sind nicht mehr erlaubt.

    Unterboden
    Die Holzplatte im Zentrum des Unterbodens muss eine Breite von 30 Zentimetern und eine Dicke von zehn Millimetern aufweisen. Die maximale Toleranz beträgt einen Millimeter.
    :arrow: Die Erklärung warum Heidfeld plötzlich wieder dabei ist

    Keine Gerechtigkeit? Heidfeld will Weltmeister werden...

    Nick Heidfeld glaubt nicht mehr an Gerechtigkeit, hat die Hoffnung, eines Tages Weltmeister zu werden, aber noch nicht aufgegeben

    Von vielen als das "Stehaufmännchen" der Formel 1 bezeichnet, hat es Nick Heidfeld wieder einmal geschafft, in letzter Minute ein Cockpit zu finden. Noch dazu kam der Deutsche dank des schweren Rallye-Unfalls von Robert Kubica bei Renault unter, also bei einem Team, das zu den heißen Außenseitertipps für die kommende Saison zählt.

    Der 172-fache Grand-Prix-Teilnehmer möchte 2011 endlich seinen ersten Grand Prix gewinnen und irgendwann auch zum ganz großen Wurf ausholen. Am nötigen Selbstbewusstsein mangelt es ihm nicht: "Ich denke, dass ich Weltmeister werden kann", erklärt er im Interview mit der 'Sport Bild'. "Immerhin habe ich Kimi Räikkönen, Felipe Massa und Mark Webber geschlagen, als sie meine Teamkollegen waren. Aber das ist die Theorie. Ich hoffe, dass ich das bald auch in der Praxis zeigen kann."

    Bei Renault stehen die Vorzeichen dafür nicht schlecht, denn "es herrscht eine viel größere Offenheit als bei allen anderen Teams, bei denen ich bisher war", lobt der 33-jährige Routinier. "Ich kann mich viel mehr einbringen als Fahrer, es findet mehr an Austausch und konstruktiver Diskussion statt. Das finde ich toll, denn ich bin jemand, der auch neben dem Fahren versucht, das Maximum aus dem Auto herauszuholen."

    Als klar war, dass Kubica die Saison 2011 auslassen muss, war Heidfeld die logische Wahl. Zwar wäre auch Nico Hülkenberg verfügbar gewesen, aber Teamchef Eric Boullier wollte unbedingt einen erfahrenen Mann, der auch die Weiterentwicklung vorantreiben kann. Für Heidfeld bedeutet Renault vielleicht die späte Chance, doch noch einige Rechnungen mit der Formel 1 zu begleichen, auch wenn er offen zugibt, manchmal mit dem Schicksal zu hadern.

    "Ich glaube mittlerweile nicht mehr daran, dass jeder das kriegt, was er verdient", erklärt der Deutsche, betont, dass er auch "nie an Gott geglaubt" hat, und fährt fort: "Wenn man sich das Leid auf dieser Welt anschaut und auch, was jetzt mit Robert passiert ist, dann kann mir einfach kein Mensch sagen, dass es Gerechtigkeit gibt." Und: "Einige Fahrer sitzen in Autos, die sie aus meiner subjektiven Sicht heraus nicht verdient haben."

    Das heißt jedoch noch lange nicht, dass er unglücklich ist: "Trotzdem habe ich ein glückliches Leben. Ich habe eine gesunde Familie, genug Geld. Ich kann mich nicht beschweren", weiß Heidfeld. Der Formel-1-Pilot lebt bekanntlich seit vielen Jahren mit seiner Verlobten Patricia in der Schweiz und hat drei Kinder. Trotz aller Anstrengungen nicht Weltmeister zu werden, wäre für ihn dementsprechend wohl nicht der Untergang der Welt...
    Kaum ist das erste rennen vorbei, wird wieder am Tisch entschieden.... anscheinend sind die Flügel von Sauber nicht so, wie sie sein dürfen.....
    dachte eigentlich, das die Kisten vor der Saison abgenommen werden...
    naja, egal, wir fahren ja auch Sonntags spazieren, die einen erlaubt, die anderen etwas unerlaubter....

    aber Sinnlos verfahren wir keinen Sprit !
    Heckflügel illegal: Sauber disqualifiziert!

    Wegen eines Verstoßes gegen die Bodywork-Regeln nimmt die FIA beide Sauber-Piloten aus der Wertung - Sebastian Buemi zittert ebenfalls

    Bitter für die Schweizer Formel-1-Fans: Sergio Perez (7.) und Kamui Kobayashi (8.) verlieren die Punkte, die sie beim heutigen Grand Prix von Australien in Melbourne erobert haben. Bei der technischen Inspektion nach dem Rennen wurde ein Regelverstoß festgestellt, sodass die FIA-Kommissare entschieden haben, beide Autos aus der Wertung zu nehmen.

    Hintergrund ist ein Verstoß gegen die Artikel 3.10.1 und 3.10.2. des Technischen Reglements. Dabei geht es um die Ausmaße des Heckflügels. Fraglich bleibt allerdings, warum diese Verstöße gegen die vorgegebenen Maße bei der technischen Abnahme vor Melbourne nicht aufgefallen sind. Somit rückt Felipe Massa auf den siebten Platz auf und die beiden Force-India-Piloten Adrian Sutil und Paul di Resta erben doch noch WM-Punkte.

    Für die Schweizer könnte es sogar noch dicker kommen: Sebastien Buemi, der durch die Sauber-Disqualifikation an und für sich auf Platz acht aufrücken würde, droht ebenfalls eine nachträgliche Strafe. Force India hat die Kommissare um Johnny Herbert gebeten, das Überholmanöver des Toro-Rosso-Piloten gegen Adrian Sutil zu untersuchen. Eine Entscheidung ist aber noch nicht bekannt.

    :arrow: da frag ich mich auch, warum man sowas nicht früher bemerkt!

    Rennbericht

    Rennbericht

    Unterhaltsamer Auftakt: Vettel siegt in Melbourne!

    Sebastian Vettel lässt beim Saisonauftakt nichts anbrennen und gewinnt vor Hamilton, Petrow und Alonso - Doppelausfall für Mercedes


    Zum erst zweiten Mal in seiner Karriere führt Sebastian Vettel die Formel-1-Weltmeisterschaft an: Im Vorjahr lag er "nur" nach dem Finale in Abu Dhabi in Führung, diesmal gleich nach dem Saisonauftakt in Melbourne. Der Deutsche lieferte nach seinem Super-Qualifying auch im Rennen eine makellose Vorstellung ab und feierte einen ungefährdeten Sieg.

    22,2 Sekunden betrug sein Vorsprung nach 58 Rennrunden im sonnigen Albert-Park, und zwar auf Lewis Hamilton, dessen McLaren-Team die Red-Bull-Pace erstaunlich gut mitgehen konnte. Nur: Niemand weiß, wie viel Vettel wirklich gezeigt hat. "Wirklich kontrolliert" sei er gefahren, erklärte er nach der Zieldurchfahrt am Boxenfunk - ein Alarmsignal für alle, die glauben, dass der Weltmeister schon in Reichweite sein könnte.

    Lokalmatador Webber chancenlos

    Lokalmatador Mark Webber im zweiten Red Bull ging hingegen völlig unter, konnte keine Akzente setzen und wurde hinter Fernando Alonso (Ferrari) Fünfter. Die große Sensation war aber Witali Petrow, der in Abwesenheit von Renault-Teamleader Robert Kubica zum ersten Mal in seiner Karriere auf das Podium fuhr. Nick Heidfeld konnte das Auto nicht so gut nutzen und wurde 14. - und Renault schickte eine Botschaft ins Krankenhaus nach Italien: "Wir vermissen dich, Robert!"

    Das erste Rätsel der neuen Saison wurde am Start gelüftet: Nach den wilden Spekulationen um ein Einmal-KERS von Red Bull nutzten auf dem Weg zur ersten Kurve weder Vettel noch Webber das Hybridsystem. Vettel hatte dies auch gar nicht nötig, kam so gut von der Linie weg, dass er die Führung problemlos verteidigte. Webber schnüffelte allerdings sehr wohl bei Hamilton rein - mit KERS hätte er den McLaren möglicherweise überholt.

    Vettel baute seinen Vorsprung binnen drei Runden auf 3,2 Sekunden aus, lag aber nur noch 1,5 Sekunden vor Hamilton, als er in der 14. Runde zum ersten von zwei Boxenstopps reinkam. Danach waren es sechs, nach dem zweiten Stopp schon rund zehn Sekunden - diese Butter ließ sich der in Überform fahrende Champion nicht mehr vom Brot nehmen. Damit beendete er Red Bulls Melbourne-Fluch und holte das erste Podium für das Team auf dieser Strecke.

    Vettel nicht am Limit

    "Es war ein gutes Rennen", bilanziert der alte und neue WM-Leader. "Am Ende wurde es ruhiger, Lewis hat nicht mehr so gepusht. Aber einfach war es nicht. Der Start war entscheidend und ich kam von der sauberen Seite sehr gut weg. Im ersten Stint habe ich versucht, den Abstand zu halten, aber dann erreichten wir sehr schnell den Punkt, an dem die Reifen abbauten. Lewis holte auf und ich kam rein. Das war der richtige Zeitpunkt."

    Nach dem ersten Boxenstopp kam Vettel ausgerechnet hinter Jenson Button auf die Strecke, der sich natürlich wehrte, um seinem kurzzeitig führenden Teamkollegen zu helfen. Doch Vettel nutzte seinen überragenden Speed und die frischen Pirellis und machte mit dem britischen Silberpfeil kurzen Prozess. "Wichtig war, Jenson gleich zu überholen", weiß er - sonst hätte er in jener Phase entscheidenden Boden verlieren können.

    Ungefähr zehn Runden vor Schluss nahm Hamilton dann auf Anweisung des Teams Tempo raus, schließlich war er bei seiner verbissenen Jagd kurz zuvor auf die Wiese gekommen, wodurch sein Unterboden Schaden nahm ("Das hat Anpressdruck gekostet"). Doch der Brite geriet nicht in Gefahr, hatte nach hinten genug Puffer, um das Kind sicher nach Hause zu schaukeln - ein zweiter Platz, mit dem McLaren nach den sehr mäßigen Wintertests nicht gerechnet hätte.

    McLaren deutlich verbessert

    "Wir können sehr stolz sein. Die Jungs haben einen tollen Job gemacht, denn vor ein oder zwei Wochen haben wir nicht geglaubt, dass wir auch nur in die Nähe der ersten Fünf fahren können. Daher nehme ich diesen zweiten Platz gerne", strahlt der Weltmeister von 2008, der damit 18 Punkte aus Melbourne mitnimmt. "Unsere Pace ist gut, manchmal habe ich sogar auf Sebastian aufgeholt. Ich freue mich auf die nächsten Rennen."

    Neben den beiden Superstars strahlte Underdog Petrow in die Kameras: "Ich bin sehr glücklich, mit diesen Jungs hier sitzen zu dürfen. Das Team hat alles perfekt gemacht und wir dürfen stolz auf uns sein", jubelt der Russe über sein erstes Formel-1-Podium. Am Ende kam es zur Neuauflage von Abu Dhabi, als Alonso mit Siebenmeilenstiefeln näher kam, aber: "Er war weit weg, ich hatte das unter Kontrolle, konnte sogar auf meine Reifen achten."

    Petrow legte den Grundstein für das beste Ergebnis seiner noch jungen Karriere mit einem exzellenten Start, schob sich vom sechsten auf den vierten Platz nach vorne. Webber und Alonso schnappte er dank eines Boxenstopps weniger. Alles in allem eine runde Vorstellung des 26-Jährigen, der die vermeintliche Nummer eins Heidfeld (mit einer Runde Rückstand 14.) alt aussehen ließ - älter als die sieben Jahre Differenz, die tatsächlich zwischen den beiden liegen...

    Heidfeld im Schatten von Petrow

    "Das ist bitter für Nick", analysiert Force-India-Testfahrer Nico Hülkenberg. "Petrow ist super durchgefahren, hat keine Fehler gemacht. Bei Nick war zu erwarten, dass von da hinten nicht mehr viel geht." Noch dazu war der Deutsche, gestern schon in Q1 außer Gefecht und damit 18. der Startaufstellung, mit einer beschädigten Karosserie unterwegs. Wahrscheinlich wurde diese am Start in Mitleidenschaft gezogen.

    Ebenfalls gleich am Start sanken die Chancen von Michael Schumacher auf null: Der Mercedes-Superstar wurde in der ersten Kurve von Jaime Alguersuari (Toro Rosso) angerempelt, sodass beide am Ende der ersten Runde an die Box kommen mussten. Diagnose bei Schumacher: Reifenschaden. Außerdem wurde "der Unterboden rechts hinten recht stark in Mitleidenschaft gezogen", berichtet der siebenfache Weltmeister, der in Runde 30 aufgeben musste.

    "Wahrscheinlich war danach auch die Aufhängung ein bisschen verbogen", so Schumacher. "Ich fuhr noch weiter, doch die Unterschiede zwischen Rechts- und Linkskurven waren ziemlich gravierend. Irgendwann sagte mir das Team schließlich: 'Es hat keinen Sinn mehr.' Es wäre auch zu gefährlich gewesen, denn wer weiß, was noch alles beschädigt wurde? Insofern hörten wir vorzeitig auf, was im Hinblick auf die Sicherheit gewiss vernünftig war."

    Doppelausfall für Mercedes

    Wenig später konnte Ross Brawn am Mercedes-Kommandostand ganz zusammenpacken, als ausgerechnet bei Routinier Rubens Barrichello (der schon in der ersten Kurve neben der Strecke war, dann aber furios unterwegs war) die Sicherungen durchbrannten: Barrichello schoss aus unmöglicher Position vor Kurve drei neben Nico Rosberg, dessen Silberpfeil danach eine riesige Rauchwolke bildete und ausrollte.

    "Das war unnötig", ärgert sich der Deutsche über den Williams-Piloten. Schwacher Trost: Barrichello wurde mit einer Durchfahrstrafe belegt, ähnlich wie zuvor schon Button. Bei Button war die Situation aber weniger eindeutig: Der Vorjahressieger duellierte sich gut zehn Runden lang beinhart mit Felipe Massa (Ferrari), hatte aber trotz KERS und DRS (verstellbarer Heckflügel oder Drag-Reduction-System) nicht genug Topspeed, um zu überholen.

    In der schnellen Waite-Linkskurve setzte er sich dann neben den Ferrari, musste aber abkürzen. Button blieb vor Massa, der seinerseits binnen Sekunden von Alonso überholt wurde. "Er hat mich nach außen gedrängt und ich hatte keinen Platz mehr, also musste ich die Kurve abschneiden", schildert Button. "Dann war Alonso vor ihm und Massa kam natürlich an die Box, was ich auch getan hätte. So blieb ihnen nichts anderes mehr übrig, als mir eine Durchfahrstrafe zu geben."

    Button vs. Massa: Späte Revanche

    Diese warf den zweifachen Melbourne-Sieger weit zurück. Immerhin konnte er sich später mit einem blitzsauberen Manöver an Massa rächen, was ihm zumindest Rang sechs einbrachte. Massa kämpfte da aber schon mit stumpfen Waffen, musste ein drittes Mal die Reifen wechseln lassen und kam nur als Zehnter wieder auf die Strecke zurück. Bis Rennende kam er nur noch am Ferrari-Kunden Sebastien Buemi (Toro Rosso) vorbei - wenn auch keineswegs kampflos.

    Apropos Buemi: Für die Schweiz war heute so etwas wie ein vorgezogener Nationalfeiertag, denn neben dem Toro-Rosso- schafften es auch beide Sauber-Piloten in die Punkte. Rookie Sergio Perez setzte mit nur einem Boxenstopp alles auf Risiko - und wurde mit dieser Taktik sensationell Siebter! Fast genau so ist vor ein paar Jahren ein gewisser Kimi Räikkönen (Sechster im Albert-Park) in die Formel 1 eingestiegen. Kamui Kobayashi landete mit zwei Stopps auf Rang acht.

    Adrian Sutil duellierte sich über weite Strecken des Rennens mit seinem Force-India-Teamkollegen Paul di Resta und schrammte am Ende als Elfter um 16 Sekunden an einem WM-Punkt vorbei. Jarno Trulli (Lotus) und die beiden Marussia-Virgins komplettierten das 17 Mann starke Zielankunfts-Feld. Allerdings kam Glock nach Reparaturstopp wegen einer kaputten Radmutter mit neun Runden Rückstand nicht in die offizielle Wertung.

    Vettel von neuen Regeln überrascht

    Das neue Reglement erfüllte am ersten Wochenende der Saison seinen Zweck - besonders der verstellbare Heckflügel scheint sich zu bewähren. "Es ist eine Spielerei", findet zwar 'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer, aber Premierensieger Vettel ist angenehm überrascht: "Sehr positiv. Und Pirelli müssen wir ein Kompliment aussprechen. Es hat nicht so viele Stopps gegeben wie erwartet", lobt der einstige DRS-Kritiker.

    Vom WM-Titel will er nach dem dominanten Wochenende noch nicht sprechen: "Gestern hatten wir viel Vorsprung, aber es ist eine lange Saison. Ich sage dem Team immer: Wir müssen auf dem Boden bleiben", so Vettel. "Aber das sind gute Punkte, was wichtig ist, und es hat Spaß gemacht, was noch wichtiger ist. Wir müssen uns jetzt auf die nächsten Rennen konzentrieren und so weitermachen. Dann glaube ich, dass wir eine gute Chance haben."

    In der Konstrukteurs-WM führt nach einem von (voraussichtlich) 19 Rennen Red Bull mit 35 Punkten vor McLaren (25), Renault (15), Ferrari (14), Sauber (10) und Toro Rosso (1). Weiter geht's in zwei Wochen mit dem Grand Prix von Malaysia in Sepang. Die Strecke dort gilt als repräsentativer als der Albert-Park-Circuit, insofern können sich durchaus noch Verschiebungen ergeben. Aber der Auftakt hätte aus Vettel-Sicht nicht besser verlaufen können...

    Malaysia GP / Sepang-International-Circuit

    Malaysia GP / Sepang-International-Circuit

    Deutsche Festspiele: Vettel gewinnt, Heidfeld Dritter!

    Genau wie schon 2010 stehen in Sepang wieder zwei Deutsche auf dem Podium - Jenson Button Zweiter - Mercedes schwer geschlagen


    Der Weltmeister ist weiterhin nicht zu schlagen: Sebastian Vettel (Red Bull) feierte heute in Sepang seinen vierten Sieg hintereinander und baute damit seine derzeitige Vormachtstellung in der Formel-1-WM weiter aus. Ein bisschen erklang die deutsche Nationalhymne bei der Siegerehrung aber auch für Nick Heidfeld (Renault), der sich nach einem verkorksten Saisonauftakt als Dritter eindrucksvoll zurückmeldete.

    Damit standen beim Grand Prix von Malaysia zum ersten Mal seit Malaysia 2010 (Sieger Vettel, Nico Rosberg Dritter) wieder zwei Deutsche auf dem Podium. Besonders Heidfeld war die Erleichterung darüber anzusehen: Bei der Zieldurchfahrt ballte er mehrmals die Faust, ebenso während der Siegerehrung. Gestört wurde die deutsche Party auf dem Podium nur von "Reifenflüsterer" Jenson Button (McLaren), der für eine kontrollierte Fahrt mit Platz zwei belohnt wurde.

    Vierter Vettel-Sieg hintereinander

    "Ein großartiger Tag, ich könnte gar nicht glücklicher sein", jubelt Vettel und gratuliert seinem Landsmann im goldenen Overall: "Ich freue mich für Nick, er hat das verdient. Nach langer, langer Zeit und harter Kritik, die er einstecken musste, hat er bewiesen, dass Australien nicht die Regel war." Heidfeld selbst ist ebenfalls erleichtert: "Nach dem sechsten Startplatz heute hier zu sitzen, damit hätte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet."

    Die gestern herausgefahrene Startaufstellung wurde schon in der ersten Kurve komplett auf den Kopf gestellt: Zwar konnte Vettel von der nach rechts verlegten Pole-Position aus seine Führung verteidigen, aber auf der Außenbahn erwischten beide Renaults einen hervorragenden Start. So schnappte sich Heidfeld sogar noch Lewis Hamilton (McLaren), während sich sein Teamkollege Witali Petrow hinter Button zunächst an fünfter Stelle einreihte.

    "Der Start war entscheidend", schildert Vettel die Perspektive des Polesetters. "Ich hatte einen guten Start und war in Kurve eins überrascht, plötzlich etwas Schwarzes hinter mir zu sehen! Ich dachte: 'Wo kommt der denn her?' Dann habe ich mich aber am Ausgang der ersten Kurve darauf konzentriert, dass er nicht auch noch an mir vorbeikommt. Nick hat mir im ersten Stint ein bisschen geholfen, denn so konnte ich mich absetzen."

    Heidfeld selbst empfand seinen Start als "fantastisch, genau wie in Australien. Allerdings kam ich dort von Platz 18 relativ weit nach vorne, aber damit, dass es auch so weit vorne so klappen würde, das hätte ich nicht gedacht." Gut kam auch Michael Schumacher (Mercedes) weg, der aus der ersten Runde hinter den beiden Ferraris als Achter zurückkam. Teamkollege Nico Rosberg fuhr hingegen nur langsam von der Linie weg und war plötzlich 13.

    Wieder KERS-Probleme bei Red Bull

    Weit nach hinten durchgereicht wurde auch Mark Webber (Red Bull): Schon gestern mussten beim Australier die KERS-Batterien gewechselt werden, dennoch funktionierte das System heute nicht - auf den langen Geraden in Sepang ein verheerender Nachteil. Webber war dann auch im anfänglichen Zweikampf mit Kamui Kobayashi (Sauber) völlig machtlos, weil Kobayashi den verstellbaren Heckflügel (DRS) und KERS aktivieren konnte, er selbst aber keines der beiden Systeme hatte.

    "Wenn alle KERS haben, nur du selbst nicht, ist es schwierig, dich nach vorne zu kämpfen", seufzt der Red-Bull-Pilot, der übrigens als einziger von 24 Startern (HRT war diesmal qualifiziert, aber bis zum Doppelausfall Schlusslicht) auf eine reguläre Vierstoppstrategie setzte. Das Team hielt sich vor dem Start beide Varianten offen: "Wir haben ihn während des Rennens auf vier Stopps umgestellt", bestätigt Teamchef Christian Horner.

    Während Vettel an der Spitze ein souveränes Rennen fuhr und nach neun Runden schon 6,3 Sekunden Vorsprung hatte, erhöhte Hamilton die Schlagzahl gegen Heidfeld. Der hielt dem Druck zunächst stand, beim Boxenstopp in Runde 13 verlor er jedoch an Boden: "Mein erster Boxenstopp war nicht perfekt, ich habe da ein bis zwei Positionen verloren. Und dann begann es auch noch zu tröpfeln." Aber nicht so stark, dass es notwendig gewesen wäre, auf Intermediates zu wechseln.

    Für Heidfeld, auf einmal nur noch Fünfter, lief es in der Folge "besser und ich hatte ein bisschen Glück mit Fernando, der an die Box kommen musste, genau wie später auch Lewis", schildert der Renault-Pilot. Im Finish wurde es allerdings noch einmal heiß: "Mark kam von hinten mit Überschuss angeflogen, aber als er hinter mir war, ließen wohl seine Reifen nach. Außerdem verwendete ich KERS, um mich zu verteidigen."

    "Quick Nick" beweist Nervenstärke

    Webber war auf frischeren Reifen als Heidfeld und übte enormen Druck aus, hatte jedoch den Nachteil des deaktivierten KERS. Heidfeld leistete sich dann einen kleinen Fehler, im Kurvengeschlängel konnte sein Verfolger daraus aber keinen Nutzen ziehen. Als Webber in der letzten Runde selbst einen kleinen Schnitzer einbaute, war die Sache gegessen und Renault hatte im zweiten Rennen das zweite Podium in der Tasche.

    Petrow konnte diesmal nicht punkten, doch was zuerst nach einem Patzer aussah, war in Wahrheit ein bizarrer Unfall: Der Russe kam an achter Stelle liegend nur leicht von der Strecke ab, aber auf dem Weg zurück hob sein schwarz-goldener Bolide wie eine Rakete ab! "Diese Bodenwelle sollte dort nicht sein", kritisiert Force-India-Testpilot Nico Hülkenberg. Petrow hatte plötzlich sein Lenkrad lose in der Hand und musste aufgeben. Hülkenberg: "Sicher kein schönes Gefühl...."

    An der Spitze kam gegen Rennmitte wieder etwas Bewegung rein, als Vettel in Runde 29 angewiesen wurde, KERS ab sofort nicht mehr zu verwenden, und Verfolger Hamilton zockte, indem er aus dem Rhythmus der anderen ausbrach und nicht auf weiche, sondern auf harte Pirellis wechselte. Doch der Schuss ging nach hinten los, denn in der zweiten Rennhälfte und besonders im letzten Stint brach sein Tempo stark ein. Im Finish musste er sogar einen zusätzlichen Boxenstopp einlegen.

    So fiel Hamilton noch hinter Ferrari-Pilot Fernando Alonso auf Rang sechs zurück. Mit seinem früheren Teamkollegen hatte er sich zuvor ein Rad-an-Rad-Duell um Platz zwei geliefert, in dem Verfolger Alonso das höhere Tempo anschlug. Doch der Spanier verschätzte sich beim Herausbeschleunigen aus einer schnellen Rechtskurve, fuhr auf den McLaren auf und brach sich dabei eine Frontflügel-Endplatte ab. Das machte eine Reparatur notwendig.

    Alonso trotz Problemen optimistisch

    Auch DRS funktionierte bei Alonso nicht, trotzdem hatte er sein Temperament nach dem Rennen erstaunlich gut im Griff: "Wir waren konkurrenzfähig, konnten Rad an Rad mit den Leuten um uns herum kämpfen. Das stimmt mich für nächste Woche optimistisch", gibt er sich versöhnlich. Teamkollege Felipe Massa wurde mit 36,9 Sekunden Rückstand Fünfter, gut zehn Sekunden hinter dem Duell Heidfeld vs. Webber um den dritten Platz.

    An der Spitze hatte der schnelle "Reifenflüsterer" Button, der im letzten Stint sogar von seiner Crew gebremst werden musste, keine echte Chance mehr gegen Vettel, auch wenn der Abstand auf der Ziellinie nur 3,2 Sekunden betrug. Vettel hatte die Situation mühelos im Griff: "Bis zum letzten Stint war es nicht leicht. Nachdem Lewis ein Problem hatte, hatte ich Jenson hinter mir und ich konnte den Abstand locker kontrollieren."

    Dass KERS wieder nicht funktionierte, "war nicht geplant, aber auf einmal ging es wieder. Daran müssen wir arbeiten, aber vor zwei Wochen hatten wir KERS noch gar nicht. Heute funktionierte es wenigstens am Start. Wäre das nicht der Fall gewesen, hätte ich Plätze verloren und das Rennen wäre ganz anders verlaufen", glaubt Vettel und betont: "Wir dürfen jetzt nicht nachlassen, denn es war hier viel knapper in Australien. Aber heute genießen wir einmal unseren Sieg."

    Für Button war es "ein verwirrendes Rennen. Du musstest die Boxenstopps richtig lesen und einschätzen, ob es Sinn macht, die Reifen zu schonen oder nicht", berichtet der McLaren-Pilot. "Mit dem harten Reifen hatte ich am Ende unglaublich viel Grip. Das Team hat mir dann gesagt, ich soll die Reifen schonen, was mir gar nicht so leicht fiel, denn als Rennfahrer willst du immer pushen, was das Auto hergibt. Jetzt freue ich mich auf China. Hoffentlich können wir Red Bull dort herausfordern."

    Frust-Wochenende für Mercedes

    Davon kann Mercedes im Moment nur träumen: "Unter Rennbedingungen sind wir im Verhältnis zum Qualifying zu langsam, obwohl uns da auch schon eine Sekunde und mehr fehlt. Das wissen wir und daran müssen wir arbeiten", seufzt Schumacher. Rosberg wirkt ebenfalls frustriert, wenn er sagt: "Ich hatte einen sehr schlechten Start. Dann ist das Auto halt nicht schneller gegangen. Das war kein gutes Wochenende für uns."

    Schumacher rückte durch den Petrow-Crash immerhin in die Punkteränge auf, schnappte sich dann im Finish auch noch Paul di Resta (Force India). Dass der siebenfache Weltmeister einmal im Kiesbett war und sich Rosberg zwischendurch vom Mercedes-Kundenfahrer di Resta frotzeln lassen musste, geht in der Rennanalyse aus Sicht der Silberpfeile fast schon unter. Am Ende wurde Schumacher mit eineinhalb Minuten Rückstand Neunter, Rosberg überrundet Zwölfter.

    Nach der Disqualifikation von Melbourne gab es heute dank Kobayashi (8.) die ersten WM-Punkte für Sauber. Der Japaner fuhr mit zwei Stopps durch und bestätigte damit den Eindruck, dass der C30 sehr schonend mit den Pirelli-Reifen umgehen kann. Teamkollege Sergio Perez musste allerdings schon gegen Rennmitte abstellen: "Buemi hat vor mir irgendetwas aufgewirbelt. Das hat mich getroffen und ich konnte nicht mehr weiterfahren", ärgert sich der Mexikaner.

    Das Überholmanöver des Rennens (übrigens eines von vielen) setzte Webber in der 50. Runde, als er ohne KERS außen in der ersten Kurve an Massa vorbeizog. Insgesamt sahen 16 Autos die Zielflagge, mit Petrow wurden aber 17 gewertet. Doppelausfälle gab es für Williams und HRT, außerdem erwischte es noch Jerome D'Ambrosio (Marussia-Virgin) und Jarno Trulli (Lotus). Die haben jedoch schon in einer Woche in Schanghai Gelegenheit zur Wiedergutmachung.

    China GP / Shanghai-International-Circuit

    China GP / Shanghai-International-Circuit

    Sebastian Vettel und Nico Rosberg hätten in Schanghai gewinnen können, letztendlich setzte sich aber Lewis Hamilton durch - Tolle Aufholjagd von Mark Webber

    203 Tage lang (Platz zwei in Singapur 2010) wurde Sebastian Vettel (Red Bull) nicht mehr aus eigener Kraft geschlagen, doch beim heutigen Grand Prix von China war es wieder einmal so weit: Lewis Hamilton setzte in einem von unzähligen Überholmanövern geprägten Rennen erst viereinhalb Runden vor Schluss das entscheidende Manöver und feierte damit seinen ersten Sieg seit Spa-Francorchamps im vergangenen August.


    Dabei hatte der Tag für den McLaren-Piloten denkbar schlecht begonnen, denn wegen eines Benzinlecks musste ihn seine Crew zunächst ohne Motorenabdeckung in die Startaufstellung schicken! Gerade mal eine halbe Minute vor Schließung der Boxengasse schaffte es Hamilton noch auf die Strecke, ansonsten hätte er das Feld von ganz hinten aufrollen müssen - und wohl nicht die geringste Chance gehabt, den Grand Prix zu gewinnen.

    "Es ist erstaunlich, dass ich den Sieg nach Hause gebracht habe", jubelt Hamilton, der das Beinahe-Drama während der Vorstartphase gar nicht so genau mitbekommen hatte: "Ich weiß nicht, was da los war. Wichtig war, cool zu bleiben und Ruhe auszustrahlen, denn sonst färbt das auf die Mechaniker ab. Sechs Minuten, dann nur noch zwei und immer weniger Zeit - aber zum Glück haben wir es noch rechtzeitig auf den Grid geschafft."

    Webber vom 18. auf den dritten Platz

    Eine tolle Aufholjagd zeigte heute übrigens Mark Webber, der vom Red-Bull-Kommandostand mit einer besseren Strategie als Vettel ausgestattet wurde und vom 18. noch auf den dritten Platz nach vorne fuhr, nur 2,3 Sekunden hinter dem Polesetter im gleichen Auto. Vierter wurde Jenson Button (McLaren), Fünfter Nico Rosberg (Mercedes) und Sechster Felipe Massa (Ferrari) - alle innerhalb von gut 15 Sekunden, bis auf Webber alle mit Führungsrunden!

    Red Bull verlor den Grand Prix möglicherweise schon auf den ersten Metern, denn Vettel, im Qualifying noch um sieben Zehntelsekunden schneller als der Rest der Welt, musste vor der ersten Kurve Button und Hamilton passieren lassen - wegen eines nicht hundertprozentig funktionierenden KER-Systems, wie Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko behauptet. Beinahe wäre der WM-Leader in der Schneckenkurve sogar noch hinter Rosberg zurückgefallen.

    "Der Start war nicht der beste, den wir dieses Jahr hatten", gesteht Vettel. "Außerdem scheint die linke Seite hier schlechter zu sein als die rechte - und die Tatsache, dass es dann nach rechts geht, hilft auch nicht." Relativ schnell bildeten sich zwei Gruppen: an der Spitze die beiden McLarens und Vettel, die innerhalb von zwei Sekunden lagen, und dahinter Rosberg und die beiden Ferraris, die den Anschluss nicht ganz, aber doch einigermaßen halten konnten.

    Diese sechs Fahrer sollten dann auch den Sieg unter sich ausmachen - und zwar vor allem auf taktischer Ebene. Grundsatz war heute: Wer früher stoppt, gewinnt! "Ich hätte im ersten Stint länger draußen bleiben können, denn meine Reifen waren gut, aber was bringt das? Man will ja möglichst früh wechseln", erklärt Vettel. Denn der Vorteil der frischeren Reifen kann teilweise mehr als eine Sekunde pro Runde ausmachen und somit Positionsverschiebungen herbeiführen.

    Wer früher stoppt, gewinnt

    Davon profitierte Rosberg, der in der zwölften Runde als erster Topfahrer zum Service kam und von Option (weich) auf Option wechselte. Vettel überholte zwei Runden später Hamilton und kam ein paar Meter später schon an die Box, wo auch Spitzenreiter Button stand. Der hatte irrtümlich die Red-Bull-Box angesteuert, verlor dadurch die eine oder andere Sekunde und schenkte Vettel damit die Führung im Rennen - zumindest vermeintlich.

    Denn Rosberg konnte in den zwei Runden so viel Zeit gutmachen, dass er plötzlich fünf Sekunden vor Vettel in Führung lag! Doch Mercedes blieb nicht bei der Strategie, jeweils am Beginn einer Serie reinzukommen, und so verlor er mit seinem Boxenstopp in der 39. Runde die Spitzenposition. Der Deutsche wurde erst von Hamilton überholt, hörte dann den Funkspruch "Fuel is critical" (Benzin sparen) und fiel daher noch auf Rang fünf zurück.

    Kein Wunder, dass er im Nachhinein betrachtet "sehr enttäuscht" ist: "Heute wäre sehr viel mehr drin gewesen", ärgert sich Rosberg. "Das Rennen war schlecht - von allen: mir, dem Team, allen, die daran gearbeitet haben. Extrem schade. Aber der Lichtblick ist, dass ich ein Rennen angeführt habe. Wer hätte das gedacht? Ich jedenfalls nicht." Fällt dein Fazit aber nach den schwierigen Auftaktrennen in Summe positiv aus, Nico? "Nein", entgegnet er trotzig.

    "Ich kann Nico verstehen", erklärt Mercedes-Sportchef Norbert Haug. "Er war ganz klarer Podiumskandidat, aber wir mussten Sprit sparen, weil wir einen besseren Speed hatten als erwartet. Man kann den Spritverbrauch leider nur nach dem Training berechnen, nur waren wir heute viel schneller. Nico ist nach seinem letzten Stopp vor Sieger Hamilton gelegen. Natürlich ärgert man sich da. Der Speed von heute war bemerkenswert."

    Kein Boxenfunk mehr bei Vettel

    Als Button in Runde 24 die Serie der zweiten Boxenstopps eröffnete, führte Rosberg vor Vettel und Massa. Langsam zeichnete sich ab, dass Vettel und Massa auf zwei Stopps setzen würden, während alle anderen dreimal reinkommen wollen. In etwa zu jener Zeit fiel bei Vettel der Boxenfunk aus. "Das hat es nicht einfacher gemacht. Ich habe viele Fragen gestellt, bekam aber keine Antworten", schildert er. Teamchef Christian Horner ergänzt: "Er konnte uns hören, aber wir ihn nicht."

    Der amtierende Weltmeister und WM-Leader wechselte in der 31. von 56 Runden von Option auf Prime und fuhr damit durch. Hamilton absolvierte seinen Reifenwechsel sieben Runden später - ein rennentscheidender Faktor, wie sich später herausstellen sollte. Denn der McLaren-Pilot legte eine tolle Schlussoffensive hin, schnappte sich erst Button, Rosberg und dann Massa und knabberte sekundenweise am Rückstand auf Vettel.

    "Schon deine Reifen", wurde er mehrfach von seinem Renningenieur aufgefordert, aber Hamilton ignorierte dies und lag in der 50. Runde erstmals innerhalb des DRS-Maximalabstands. Nachdem er zweimal mit dem verstellbaren Heckflügel gescheitert war, lancierte er plötzlich in einer schnellen Linkskurve einen Überraschungsangriff! "In der Kurve hat noch nie jemand überholt", staunt 'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer.

    Experte Surer von Manöver begeistert

    "Das ist eine Red-Bull-Kurve, da waren sie immer am schnellsten. Vettel hat mitgespielt, aber das ist schon eine heiße Stelle zum Überholen", applaudiert der ehemalige Formel-1-Pilot, der aber nicht glaubt, dass das Manöver in die Geschichte eingehen wird, "weil sie unterschiedliche Waffen hatten". Hamilton nämlich einen vier noch relativ frische Prime-Pirellis, Vettel hingegen schon einen etwas älteren Reifensatz. Das macht einen Riesenunterschied.

    Den Grundstein für seine Schlussoffensive legte Hamilton schon gestern, als er sehr bedacht darauf war, im Qualifying nicht zu viele Reifen zu verbrauchen: "Die Strategie im Qualifying hat heute definitiv geholfen, aber es sind ein paar Sachen zusammengekommen", gibt der erstmalige Saisonsieger zu Protokoll. "Das Auto fühlte sich großartig an. Es war eines der besten Rennen, das ich je erlebt habe, mit vielen Überholmanövern."

    "Vielleicht haben wir zu steif versucht, auf zwei Stopps zu bleiben. Das hat bei Felipe auch nicht geklappt", spekuliert der geschlagene Vettel, der eigentlich vorhatte, einen längeren Mittelstint zu fahren, aber wegen eines Bremsplattens früher reinkommen musste. Horner sieht die Sache etwas differenzierter: "Wir haben uns für die Zweistoppstrategie entschieden, um nicht das Gleiche wie McLaren zu machen und hinter ihnen festzustecken. Beinahe hätte es ja funktioniert."

    Am Ende fehlten 5,1 Sekunden, aber Vettel hatte nur 2,3 Sekunden Vorsprung auf Dreistopper Webber im gleichen Auto, der vom 18. Platz losgefahren war. "Ich bin der Einzige mit zwei Stopps auf dem Podium. Das ist sicher etwas, was wir analysieren müssen", fordert der Deutsche. "Der Speed unseres Autos steht nicht in Frage, aber man muss auch alles richtig machen. Das fängt beim Start an und hört erst bei der Zielflagge auf."

    Vettel gegen Hamilton ohne Chance

    Dass seine Siegesserie heute im sonnigen Schanghai reißen würde, war ihm klar, als Hamilton in seinem Rückspiegel immer größer wurde: "Ich sah Lewis immer näher kommen. Ich sah keinen Sinn darin, mich groß zu verteidigen, denn von hinten wären sie sonst auch noch rangekommen. Aber ich bin mit dem zweiten Platz nicht unzufrieden", so der 23-Jährige, der in der Fahrer-WM nun 21 Punkte Vorsprung auf Hamilton hat.

    Webber, der auf Pirelli-Primes ins Rennen gegangen war und am Ende in 1:38.993 Minuten auch die schnellste Runde für sich verbuchte, hatte im Finish den besten Speed und arbeitete sich noch auf den dritten Platz nach vorne. Dabei sah Button zu Beginn lange Zeit wie ein möglicher Sieger aus, aber: "Mein Tempo war unterm Strich nicht gut genug", sucht der entthronte Vorjahressieger gar nicht erst nach Ausreden.

    Umso größer die Freude bei Webber, für den die heutige Performance ein kleiner Befreiungsschlag ist: "Wenn du nach 15 Runden immer noch P17 auf der Boxentafel siehst, verzweifelst du, aber dann ging es auf einmal ganz schnell", erinnert er sich an die schwierige Anfangsphase des Rennens. "Ich habe nie aufgegeben. Das heute war eine Fahrt für das Team, denn die Jungs haben fantastische Arbeit für mich geleistet."

    Hinter Button, Rosberg (der übrigens schon in Runde 22 aufgefordert wurde, seine Bremsen zu schonen) und Massa wurde Alonso mit einer halben Minute Rückstand Siebter. Michael Schumacher (Mercedes), nach einem Raketenstart von 14 auf neun solide unterwegs, fehlten am Ende nur 0,4 Sekunden auf den Spanier im Ferrari. Bei Alonso fiel zwischendurch auf, dass sein Heckflügel nicht richtig abschloss - was die FIA möglicherweise noch untersuchen muss.

    Surer findet: "Hat Spaß gemacht"

    Bei all den Überholmanövern und unterschiedlichen Reifenstrategien war es denkbar schwierig, den Durchblick zu behalten. "Heute hat es Spaß gemacht. Es war ein abwechslungsreiches Rennen", findet Experte Surer. Eines, in dem neben der Spitzengruppe auch Witali Petrow (Renault) und Kamui Kobayashi (Sauber) mit Punkten belohnt wurden. Das gestrige Geburtstagskind Paul di Resta (Force India) landete auf Rang elf, aber wieder vor Teamkollege Adrian Sutil (15./Kollision mit Sergio Perez).

    Nick Heidfeld (Renault) legte heute den schlechtesten Start der Saison hin und verbesserte sich "nur" von 16 auf 14. Mit seiner Zweistoppstrategie fand er nie zu einem überragenden Tempo, sodass er sich unterm Strich mit Platz zwölf begnügen musste. Timo Glock (Marussia-Virgin) wurde eine halbe Minute hinter Stallgefährte Jerome D'Ambrosio 21. Insgesamt sahen 23 Autos die Zielflagge. Einziger Ausfall: Toro-Rosso-Junior Jaime Alguersuari (loses Hinterrad nach dem Boxenstopp).

    Glück im Unglück hatte Sutil, als er in der Schneckenkurve leicht nach außen kam, wieder auf die Ideallinie ziehen wollte und dabei von Perez touchiert wurde. Der Sauber-Rookie kassierte dafür eine Durchfahrstrafe. Am Ende krachten dann auch noch Heidfeld und di Resta beim Anbremsen der Haarnadel zusammen. Die Rennkommissare untersuchten den Zwischenfall, sprachen aber keine Strafen aus.

    Geprägt war das Rennen von den vielen Überholmanövern, die allerdings überwiegend wegen unterschiedlicher Reifenstände zustande kamen. So ließ Rosberg in der Zielkurve erst Alonso und dann Massa alt aussehen, womit er sich Szenenapplaus verdiente. In der Weltmeisterschaft führt nun Vettel (68 Punkte) vor Hamilton (47), Button (38) und Webber (37). Bei den Konstrukteuren hat Red Bull (105) die Nase vor McLaren (85) und Ferrari (50).
    Dateien

    Türkei GP / Istanbul-Park-Circuit

    Türkei GP / Istanbul-Park-Circuit

    Vettel dominiert Boxenstopp-Orgie in Istanbul

    Sebastian Vettel zieht weiterhin Kreise um die Konkurrenz, aber die erlebte in Istanbul einen actionreichen Grand Prix - Webber Zweiter, Alonso Dritter

    Wer hat gesagt, dass die Formel 1 nach Schanghai nicht noch mehr Action bieten kann? Heute in Istanbul traten die 24 PS-Matadoren den Gegenbeweis an! Denn beim Grand Prix der Türkei kam es zu über 80 Boxenstopps (im Durchschnitt 3,5 pro Fahrer) und wahrscheinlich noch mehr Überholmanövern - nur der Sieger hieß wieder wie immer: Sebastian Vettel.

    Der Weltmeister feierte im vierten Saisonrennen bereits seinen dritten 25-Punkte-Erfolg und legte den Grundstein dafür bereits auf den ersten Metern: "Wir hatten ein reibungsloses Rennen nach einem reibungslosen Start. Ich fuhr gleich im ersten Stint einen Vorsprung heraus und konnte dann auf das reagieren, was die anderen machen. Die paar Sekunden Abstand haben mir später das Leben einfacher gemacht", analysiert der Red-Bull-Pilot.

    Denn Vettel baute seinen Vorsprung auf die Verfolger von 3,0 (13. Runde) auf 8,5 Sekunden (27. Runde) aus und hatte somit genügend Puffer nach hinten, um keine strategischen Experimente wagen zu müssen. Denn den Durchblick haben beim vielleicht letzten Grand Prix der Türkei nicht nur die Fans, sondern sogar die Fahrer selbst verloren: "Ich weiß gar nicht, wie viele Boxenstopps ich heute gemacht habe", gesteht etwa Michael Schumacher.

    Jede Menge Action gleich zu Beginn

    Der Mercedes-Pilot kam viermal zum Service, genau wie neun andere Fahrer in den Top 12. "Ich glaube, dass fast alle eigentlich drei Stopps geplant hatten", vermutet Jenson Button (McLaren), der zwischendurch sogar in Führung lag, am Ende als Dreistopper aber nur Fünfter wurde. Auch Nico Rosberg (Mercedes) blickte "überhaupt nicht mehr durch" und mahnt zur Vorsicht: "Wir müssen aufpassen, dass es für die Zuschauer kein zu großes Durcheinander wird."

    Doch zunächst einmal wurde sehenswerte Rennaction geboten: Vettel gewann den Start, Rosberg stach noch vor der ersten Kurve an Mark Webber (Red Bull) vorbei, der beinahe noch einen Platz an Lewis Hamilton (McLaren) verloren hätte. Aber Hamilton riskierte auf der Außenbahn im Infield zu viel, kam von der Ideallinie ab und büßte weitere Positionen ein, sodass er sich hinter seinem Teamkollegen Button zunächst an sechster Stelle einreihen musste.

    Was die beiden McLaren-Piloten dann boten, übertraf sogar noch ihren Rad-an-Rad-Fight im Vorjahr: Hamilton machte sich im Rückspiegel mehrfach breit, ehe er in der sechsten Runde in der DRS-Zone aus dem Windschatten ausscherte und sich vor der letzten Kurvenkombination neben Button setzte. Der konterte, musste dann aber doch zurückstecken - fast eine 1:1-Wiederholung des rennentscheidenden Manövers vor einem Jahr an gleicher Stelle.

    Doch Button gab noch nicht auf, setzte wenig später vor der ersten Kurve nach und brachte seine Nase tatsächlich wieder vor die von Hamilton. Teamchef Martin Whitmarsh erlitt indes am Kommandostand einen Herzinfarkt nach dem anderen: "Dass es bei uns keine Stallorder gibt, hat man heute wohl gesehen", grinst der Brite. Auch Button kam bei dem sensationell harten, aber dennoch fairen Zweikampf auf seine Kosten: "Wir hatten eine Menge Spaß!"

    Nur Vettel von allem unbeeindruckt

    Während der Boxenstopp-Orgie kristallisierte sich nur langsam eine Hackordnung heraus. Vettel stand relativ früh als wahrscheinlichster Sieger fest, konnte es sich sogar leisten, einen nicht geplanten vierten Boxenstopp einzulegen, um auf die vierten Stopps von Fernando Alonso (Ferrari) und Hamilton zu reagieren. Denn wäre das Safety-Car rausgekommen, hätte er zwar seine Führung behalten, sich aber mit alten Reifen gegen die neuen Pneus seiner Verfolger wehren müssen.

    So hatte der 23-Jährige "alles unter Kontrolle" und er brachte nach 58 ereignisreichen Runden 8,8 Sekunden Vorsprung auf Webber über die Ziellinie. "Alles in allem bin ich sehr glücklich", strahlt Vettel, der sogar noch daran dachte, seiner Mutter via Fernsehen einen schönen Gruß zum Muttertag auszurichten und sich auch beim Team bedankte, "denn sie haben mein Auto nach dem Unfall am Freitag wieder gut hinbekommen".

    Webber hatte erneut keine Chance, seinem Teamkollegen gefährlich zu werden: "Der Start war von der rechten Seite nicht so leicht, aber das war nicht das Ende der Welt. Doch Nico hat mich ein paar Runden lang aufgehalten, sodass sich Seb absetzen konnte. Von da an lief es nicht mehr so richtig für mich", seufzt er und fügt an: "Fernando ist heute fantastisch gefahren, aber am Ende hatte ich noch einen frischen Reifensatz vom Qualifying, daher konnte ich ihn überholen."

    Denn in der 29. Runde hatte Webber keine Chance, als Alonso mit DRS-Boost an ihm vorbeizog und den zweiten Platz zunächst verteidigen konnte. Der Spanier fuhr ein überraschend starkes Rennen, genau wie auch sein Stallgefährte Felipe Massa - der fiel erst zurück, als die Ferrari-Crew einen Boxenstopp verpatzte, und wurde nur Elfter. Aber in der 51. Runde konnte Alonso den immer stärker aufkommenden Webber dann doch nicht mehr hinter sich halten.

    Alonso hat wieder Freude am Fahren

    Trotzdem stand ihm während der Siegerehrung ein breites Grinsen ins Gesicht geschrieben: Er sei "absolut" glücklich, strahlt der Ferrari-Pilot nach dem ersten Ferrari-Podestplatz dieser Saison, denn "das Auto war ein bisschen besser als in den ersten drei Rennen. So macht das Rennfahren wieder Spaß. Mit Red Bull zu kämpfen, ist derzeit sehr schwierig, aber wir waren nahe dran. Beim nächsten Mal probieren wir es wieder."

    Das würde genau rechtzeitig kommen, nämlich zum Heimrennen in Barcelona. Aber bis dahin hat Ferrari noch eine Menge Arbeit vor sich, wie Teamchef Stefano Domenicali weiß: "Ich würde nicht sagen, dass wir schon feiern dürfen, aber wir sind zufrieden. Wir waren auf weichen Reifen sehr gut und ein bisschen langsamer als Red Bull auf den harten. Das war positiv. Aber im Qualifying müssen wir noch aufholen", weiß der Italiener.

    Genau umgekehrt ergeht es Mercedes: "Heute ging nichts", meint der fünftplatzierte Rosberg, der im Finish dank neuerer Reifen noch problemlos an Button vorbeiziehen konnte. Allerdings gibt der Deutsche zu, dass er sich nach dem dritten Startplatz und dem guten Start eigentlich viel mehr ausgerechnet hatte: "Jetzt müssen wir analysieren, warum wir im Qualifying besser sind als im Rennen. Aber der Aufwärtstrend ist da", sagt er.

    7,3 Sekunden vor Rosberg kam Hamilton ins Ziel, bei dem die McLaren-Crew einen Boxenstopp verpatzt hat. Möglicherweise wäre er sonst etwas näher an Webber und Alonso dran gewesen, aber siegfähig war McLaren heute definitiv nicht. Ebenso wenig wie Mercedes-Superstar Schumacher, dessen Rennen schon nach einer Kollision in der ersten Runde mit Witali Petrow (Renault) de facto zerstört war: "Da ging der Vollblut-Racer in ihm durch", analysiert Mercedes-Sportchef Norbert Haug.

    Schumacher zeigt sich einsichtig

    Schumacher versucht daher gar nicht erst, die Schuld von sich zu schieben: "Ich würde mir die Situation gerne nochmal genauer anschauen, aber ich denke, dass ich wahrscheinlich eher selbst daran schuld bin. Es gibt ein paar Kampfspuren, aber wenn man von ganz hinten durchs Feld kommen will, bleibt nicht aus, dass es den einen oder anderen Kontakt gibt." Drei, um genau zu sein, darunter auch sein "alter Freund" Rubens Barrichello (Williams).

    Dass ihm ein Podium durch die Lappen gegangen ist, glaubt der 42-Jährige nicht - bestenfalls wäre seiner Einschätzung nach ein sechster Platz möglich gewesen: "Wir sehen ja die Pace, die Nico hat fahren können. Meine Rennpace war nicht anders. Wahrscheinlich wären wir hintereinander ins Ziel gefahren", meint Schumacher. Stattdessen wurde er mit 1:25.4 Minuten Rückstand auf Sieger Vettel und 5,6 Sekunden hinter Massa Zwölfter.

    Punkte für Deutschland holte Nick Heidfeld, aber der Renault-Pilot wusste nach dem Rennen nicht so recht, ob er sich freuen oder ärgern soll: "Von neun auf sieben ist nicht schlecht, aber es ist immer ärgerlich, wenn man die Rennpace nicht nutzen kann", gibt "Quick Nick" zu Protokoll und meint selbstkritisch: "Ich ärgere mich über das Qualifying, denn wenn es gestern besser gelaufen wäre, wäre ich heute nicht im Verkehr gehangen."

    Und es wäre vielleicht auch nicht zur leichten Karambolage mit Petrow gekommen, über die er naturgemäß alles andere als glücklich ist: "Wäre ich ein bisschen einfacher an meinem Teamkollegen vorbeigekommen, wäre vielleicht auch mehr drin gewesen", sagt Heidfeld über seinen siebten Platz. Petrow legte er sich in der 51. Runde doch noch zurecht - und er fuhr in der Schlussphase sogar noch 7,3 Sekunden Vorsprung auf den Russen heraus.

    Zwei "Schweizer" in den Punkten

    Petrow ging seinerseits in der letzten Runde noch an Sebastien Buemi (Toro Rosso) vorbei, dessen Dreistoppstrategie gut aufging und der Schweiz zwei WM-Punkte bescherte. Einen weiteren konnte Kamui Kobayashi beisteuern: Gleich in Runde eins verbesserte sich der Sauber-Pilot vom 23. auf den 18. Platz, später sorgte er immer wieder für Überholaction. Als er dann ins vordere Mittelfeld vordrang, ging es jedoch nur noch langsamer vorwärts.

    Pech hatte Timo Glock, denn der Marussia-Virgin-Pilot war zum Zuschauen verdammt und hätte sich den Flug nach Istanbul somit theoretisch schenken können: "Uns ist der fünfte Gang auf dem Weg in die Startaufstellung zerbrochen. Die Mechaniker haben versucht, innerhalb einer halben Stunde das Getriebe zu tauschen", doch das war unmöglich. "Es tut weh, aber wir sind ein Team. Wir müssen zusammenhalten und versuchen, gemeinsam da herauszukommen", seufzt Glock.

    Was bleibt, ist der Eindruck, dass "einige der Überholmanöver zu leicht" gegangen sind, wie Force-India-Testfahrer Nico Hülkenberg kritisch anmerkt. Er scheint kein Fan der "neuen" Formel 1 zu sein: "Manchmal hat sich der Unterlegene gar nicht mehr gewehrt. Da geht das Racing ein bisschen verloren." Für Vettel und Red Bull sei 2011 bisher "eine Bilderbuch-Saison - für die läuft es wie am Schnürchen", findet Hülkenberg.

    Nach vier von 19 (oder maximal 20, abhängig von der Bahrain-Situation) Rennen führt Vettel in der Fahrer-WM mit 93 von 100 möglichen Punkten vor Hamilton (59), Webber (55), Button (46) und Alonso (41). Das bedeutet, dass der Deutsche auf jeden Fall als WM-Leader nach Monte Carlo kommen wird. Bei den Konstrukteuren liegt Red Bull ebenfalls in Front - 43 Zähler vor McLaren und bereits 83 vor Ferrari. Nächste Station: Barcelona am 22. Mai.
    Dateien

    Spanien GP / Circuit de Catalunya

    Spanien GP / Circuit de Catalunya

    Vettel bezwingt kämpferischen "Torero" Hamilton

    Vierter Sieg im fünften Rennen: Sebastian Vettel wehrt in Barcelona alle Angriffe von Lewis Hamilton ab - Fernando Alonso nach Führung nur Fünfter

    So hart musste Sebastian Vettel diese Saison noch nie für einen Sieg kämpfen: Red Bull konnte die im Qualifying in Barcelona gezeigte Dominanz im heutigen Grand Prix von Spanien nicht wiederholen, wurde von Lewis Hamilton (McLaren) stark gefordert. Doch letztendlich reichte es für den überlegenen WM-Leader Vettel zum vierten Triumph im fünften Rennen.

    In den letzten 25 von 66 Runden musste der Seriensieger seine Führung aber mit Händen und Füßen verteidigen, denn Hamilton und McLaren stellten sich einmal mehr als echte Racer heraus, setzten auf die beste Strategie und hatten am Ende nur 0,6 Sekunden Rückstand. "McLaren hat es uns nicht leicht gemacht", zieht Vettel den Hut vor seinen Herausforderern. "Umso mehr freue ich mich. Ich bin sehr glücklich, ein tolles Ergebnis."

    Vettels KERS wieder defektanfällig

    Die elektrisierende Finalphase begann schon in der 43. Runde, also noch vor dem letzten Boxenstopp, als Hamilton seinen Rückstand auf 1,2 Sekunden verkürzte, Tendenz weiter fallend. Plötzlich kam richtig Dramatik ins Rennen, als Vettels Renningenieur am Funk meldete: "Verstelle KERS um zwei Klicks und entlade es nicht!" Wenig später funkte McLaren an Hamilton: "Wir glauben, dass Vettel kein KERS mehr hat."

    Der spätere Sieger erinnert sich an die Situation: "Auf einmal hörte ich: 'Bitte kein KERS benutzen!' Das war natürlich nicht die Nachricht, auf die ich gehofft hatte." Doch dann funktionierte sein KERS wieder, was bei der Verteidigung der Position gegen Hamilton bei Start und Ziel entscheidend war. Hamilton war zwar am Ende der langen Gerade stets dran, aus der letzten Kurve heraus konnte er aber nicht nahe genug folgen, um eine ernsthafte Attacke zu reiten.

    "Lewis war sehr stark. Ich wusste, dass es ganz eng wird", sagt Vettel, der beinahe ein Deja-vu gehabt hätte: "Vor den letzten Runden kam es mir vor wie in China, als meine Reifen abbauten. Ich betete nur, dass es Lewis genauso geht. Leider war er immer im DRS-Abstand und er war am Ende der Gerade jedes Mal dran. In den letzten zwei Runden habe ich den letzten Sektor zum Glück gut erwischt, sodass es gepasst hat."

    Hamilton war in den Runden 56 und 57 am knappsten hinter Vettel, gegen Ende hin schien die Luft aber etwas verloren zu gehen. "Es war unglaublich schwierig, Sebastian zu überholen", seufzt der McLaren-Pilot. "In den schnellen Kurven, Turn drei und Turn neun sowie in der Zielkurve, waren sie einfach überlegen. Ich habe trotzdem alles gegeben, aber es hat nicht ganz gereicht." Dennoch bilanziert er zufrieden: "Heute können wir nicht enttäuscht sein."

    McLaren-Kompliment an Vettel

    Zu stark die Leistung von Vettel, als dass man sich einen Vorwurf machen müsste, findet McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh: "Sebastian fährt wahnsinnig gut. Es wäre nett, wenn er dann und wann mal einen Fehler machen würde, aber den Gefallen tut er uns leider nicht." Sein Red-Bull-Kollege Christian Horner ergänzt: "Sebastian hat gesagt, dass er es genossen hat - wir am Kommandostand weniger, um ehrlich zu sein! McLaren hat uns heute enorm gefordert."

    Dabei hatte es nach der ersten Runde noch nicht danach ausgesehen, als würde das Duell um den Sieg am Ende Vettel gegen Hamilton lauten. Denn unter frenetischem Jubel der spanischen Fans erwischte Fernando Alonso einen Superstart: Der Ferrari-Pilot zuckte erst nach links, dann nach rechts, tauschte mit Vettel die Linie - und quetschte sich beim Anbremsen der ersten Kurve an drei Gegnern vorbei in Führung!

    "Ich hatte einen guten Start, aber habe keinen Plan, wo Fernando auf einmal herkam", staunt Vettel nicht schlecht. Der Red-Bull-Pilot hatte den schlechteren Topspeed als der Ferrari und "kam nicht nahe genug, um ihn mit DRS überholen zu können". Also reagierte sein Kommandostand und führte schon in der neunten Runde den ersten von vier Boxenstopps durch. Ferrari antwortete darauf nur eine Runde später und konnte die Führung zunächst verteidigen.

    Denn zwar schob sich Vettel mit frischen Pirelli-Options kompromisslos binnen einer Runde an Jenson Button (McLaren) und Felipe Massa (vorbei), hinter denen er auf die Strecke gekommen war, aber er verlor bei diesen Manövern genug Zeit, um Alonso nicht überrumpeln zu können. In Runde 18 dann der zweite Versuch: Vettel kam an die Box, fuhr mit neuen Reifen im Mittelsektor um eine Sekunde schneller als Alonso und ging endlich in Führung.

    Euphorie der spanischen Fans erstummt

    Auf den Tribünen wurde es von dem Zeitpunkt an immer leiser, denn Alonso verlor eine Position nach der anderen und kam schlussendlich nur als überrundeter Fünfter ins Ziel. Bei Ferrari war die Enttäuschung anschließend groß: "Gestern habe ich gesagt, dass ich nichts tu verlieren habe und mehr riskieren kann. Der Start war gut, aber wir waren nicht schnell genug. Sie haben uns einer nach dem anderen überholt", stellt Alonso nüchtern fest.

    Indes hatte Spitzenreiter Vettel endlich freie Fahrt, um den Sekunden-Vorsprung aus dem Qualifying ausspielen zu können. Doch statt eines Solomarschs musste der 23-Jährige hart kämpfen. Wo die Red-Bull-Pace über Nacht hingekommen ist, dürfte sich auch Polesetter Mark Webber gefragt haben, der im Rennen keine ernsthafte Rolle spielte und mit 47,9 Sekunden Rückstand Vierter wurde. "Mark hat hinter Alonso viel Zeit verloren", nimmt ihn Teamchef Horner in Schutz.

    Webber fiel am Start vom ersten auf den dritten Platz zurück und wurde beim ersten Boxenstopp auch noch von Hamilton überholt. Gegen Rennende hieß sein Gegner dann Button, aber der McLaren-Pilot konnte den Vorsprung im Finish binnen weniger Runden von weniger als drei auf 12,2 Sekunden ausbauen - ein Podium, mit dem er nach seinem völlig verkorksten Start überhaupt nicht mehr gerechnet hätte.

    "Meine erste Runde war eine einzige Katastrophe", schildert Button seinen Rückfall vom fünften Startplatz auf Rang zehn bis zum ersten Überfahren der Ziellinie. "Ich steckte in der ersten Kurve außen fest und verlor auch in der dritten Kurve noch Plätze. Aber wir hatten eine fantastische Strategie, sodass es doch noch ein Podium geworden ist. Die drei Stopps haben funktioniert. Vor zwei Wochen war das noch anders."

    Schumacher ausnahmsweise vor Rosberg

    Genau andersrum erging es Michael Schumacher (Mercedes), der eines seiner besseren Rennen in dieser Saison fuhr und sich am Start in unwiderstehlicher Manier vom zehnten auf den sechsten Platz nach vorne schob. Trotzdem ist er nicht hundertprozentig zufrieden: "Die Balance und die Fahrerei waren ein Krampf. Es war sehr rutschig und ich hatte viel Übersteuern und konnte das Auto nie so fahren, wie ich wollte, weil es die Reifen nicht zugelassen haben", lamentiert er.

    Dennoch konnte er sich erfolgreich gegen seinen Teamkollegen Nico Rosberg verteidigen, der einen schwierigen Nachmittag erlebte. Rosberg war vor dem letzten Stopp an Schumacher dran, verlor dann in der 47. Runde zweieinhalb Sekunden, als er Vettel und Hamilton durchwinkte, arbeitete sich mit dem letzten Reifensatz aber wieder bis auf 0,8 Sekunden heran. Warum er keine Attacke mehr setzte? "Ich wäre vorbeigegangen, wenn mein Heckflügel funktioniert hätte", murrt er.

    Überhaupt erlebte der Deutsche in Barcelona einen Tag zum Vergessen: "Heute hat nichts funktioniert. Mein Heckflügel ging nie runter, daher hatte ich echt Schwierigkeiten beim Überholen. Die Trinkflasche und der Funk waren auch kaputt - ich musste raten, wann ich reinkommen soll. Schade, denn vom Speed her wäre es ein guter Tag gewesen, glaube ich", lautet die Bilanz des Mercedes-Piloten, der letztendlich Siebter wurde.

    Damit kann er sogar noch zufrieden sein, denn am Ende retteten die beiden Silberpfeile gerade mal 0,4 Sekunden Vorsprung auf Nick Heidfeld (Renault) über die Ziellinie, der dank seiner neuen Pirelli-Options das Feld von hinten aufrollte und wie ein D-Zug angeflogen kam. Heidfeld startete als einer von ganz wenigen Piloten auf der härteren Reifenmischung, konnte aber im Finish binnen vier Runden mehr als zehn Sekunden aufholen!

    Heidfeld setzt angekündigte Aufholjagd um

    "Das hat extrem viel Spaß gemacht", strahlt der Renault-Routinier. "Ein zwei, Runden mehr, dann wäre es Platz sechs geworden, aber hätte, wenn und aber gibt es nicht. Aber wenn man vom letzten Startplatz startet und noch Achter wird, muss man zufrieden sein." Zumal er kurz zuvor noch Massa und Sergio Perez (Sauber) geschnappt hatte, die zuvor untereinander die Plätze getauscht hatten - was Perez Szenenapplaus einbrachte.

    Für Massa war der frustrierende Arbeitstag wenig später an zehnter Stelle liegend gelaufen, als er mit Verdacht auf Getriebeschaden ausrollte. Dadurch erbte Kamui Kobayashi (Sauber) noch einen WM-Zähler, unmittelbar vor Witali Petrow (Renault), Paul di Resta, Adrian Sutil (beide Force India) und Sebastien Buemi (Toro Rosso). Letzterer lag zu Beginn des Rennens noch vor Button an neunter Stelle, doch das sollten heute seine besten Szenen bleiben.

    Trotz der Vierstoppstrategien war Barcelona ein wesentlich einfacher zu lesendes Rennen als das Chaos von Istanbul. Auch gab es weniger, aber doch genug Überholmanöver. Das vielleicht schönste zeigte Button, als er in der 36. Runden in Kurve eins außen an Webber vorbeizog und es beinahe zu einer Berührung gekommen wäre. In jener Phase hatte der McLaren-Pilot den Vorteil weicher Reifen, während Webber mit den härteren Pirelli-Primes unterwegs war.

    In der Weltmeisterschaft führt Vettel nun mit 118 von 125 möglichen Punkten (!) überlegen vor Hamilton (77), Teamkollege Webber (66), Button (61) und Alonso (51). Das will vor der Abreise nach Monte Carlo, wo es schon am kommenden Wochenende weitergeht, ordentlich gefeiert werden: "Ich werde mit Sicherheit hier noch einen trinken", grinst "Super-Seb", der auf jeden Fall auch Monte Carlo als WM-Leader verlassen wird.
    Dateien

    Monaco GP / Circuit de Monaco

    Monaco GP / Circuit de Monaco

    Formel-1-Roulette in Monaco: Erster Sieg für Vettel!


    56 Runden auf einem Reifensatz: Sebastian Vettel gewinnt einen echten Klassiker in Monaco vor Alonso und Button - Petrow nach Unfall im Krankenhaus

    Nach dem Sieg von Rene Rast im Porsche-Supercup wurde heute in Monaco auch nach dem Formel-1-Rennen die deutsche Bundeshymne angestimmt: Sebastian Vettel (Red Bull) setzte seinen derzeitigen Erfolgsrun mit seinem ersten Sieg im sonnigen Fürstentum fort und gewann einen atemberaubenden Grand Prix vor Fernando Alonso (Ferrari) und Jenson Button (McLaren).

    Doch die wichtigste Nachricht zuerst: Witali Petrow (Renault) geht es nach seinem schweren Unfall am Schwimmbad den Umständen entsprechend gut. "Er ist okay", gibt Renault-Teamchef Eric Boullier Entwarnung. "Er klagt lediglich über Beinverletzungen, doch die Ärzte sagen, dass nichts gebrochen ist. Sie nehmen ihn mit ins Krankenhaus, um ihn über Nacht zu beobachten. Er scheint sich jedoch lediglich seine Beine geprellt zu haben."

    Petrow nach schwerem Unfall unverletzt

    Sechs Runden vor Schluss hatte nämlich eine Massenkarambolage am Hafen für eine Unterbrechung des Rennens gesorgt, als es gerade am spannendsten war. Zuerst überholte Lewis Hamilton (McLaren) mit einem waghalsigen Manöver Petrow. Praktisch zeitgleich küsste Adrian Sutil (Force India) unmittelbar vor den beiden die Leitplanken und schlitzte sich dabei den rechten Hinterreifen auf. Doch damit war die Kettenreaktion noch nicht beendet...

    Denn gemeinsam mit Hamilton quetschte sich auch noch Jaime Alguersuari (Toro Rosso) an Petrow vorbei - und segelte eingangs Schwimmbad über den Randstein hinweg in die außenstehende Mauer. Petrow wurde dadurch ebenfalls in die Leitplanken geschleudert, allerdings in einem sehr ungünstigen Winkel. Im ersten Moment soll er sogar bewusstlos gewesen sein, später stellte sich der Unfall aber zum Glück als relativ harmlos heraus.

    Besonders brisant war diese Situation, weil sie beinahe das Rennen entschieden hätte. Ab der 62. von 78 Runden lagen an der Spitze Polesetter Vettel, Alonso und Button innerhalb von weniger als einer Sekunde - und Button (drei Stopps) hatte viel frischere Reifen als Alonso (zwei Stopps) und Vettel (ein Stopp). Der McLaren-Pilot hatte zuvor innerhalb von 14 Runden fast 20 Sekunden Rückstand auf das Führungsduo wettgemacht!

    Hochspannung auf den Rängen

    "Es war vor Spannung schon fast nicht mehr auszuhalten", schildert Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko den "flotten Dreier" in der Schlussphase. "Wir wussten nicht, in welchem Zustand Sebastians Reifen waren, denn wir wollten ihn nicht anfunken, um ihn nicht zu stören." Vettel hatte seinen ersten Boxenstopp bereits in Runde 16 absolviert und hatte dementsprechend einen 62-Runden-Run (!) mit den Pirelli-Primes vor sich.

    Die im Nachhinein betrachtete rennentscheidende Szene ereignete sich in Runde 34, als das Safety-Car zum ersten Mal auf die Strecke kam. Button und Alonso nutzten diese Gelegenheit, um an die Box zu kommen und Reifen zu wechseln, während Vettel draußen blieb. "Wir wollten eigentlich auch reinkommen", erinnert sich Vettel an jene Phase, "aber dann habe ich gesagt: 'Probieren wir es mit einem Stopp!'"

    Ab der 59. Runde hatte er Alonso formatfüllend im Windschatten, ab der 62. war dann auch Button dran. Vettels Glück war, dass er trotz seiner verschlissenen Reifen in der Zielkurve bessere Traktion hatte als Alonso, der zwischendurch sogar versuchte, einen Gang höher zu fahren, um die durchdrehenden Räder des Ferrari zu beruhigen. So konnte der Spanier seinen DRS-Vorteil nicht ausspielen. Buttons DRS wurde kompensiert, weil Alonso den Knopf ja auch drücken durfte.

    Reifenwechsel rettet Vettels Sieg

    Sechs Runden vor Schluss dann das bereits beschriebene Chaos am Hafen, das de facto die Entscheidung brachte. Während der Unterbrechung durften nämlich die Reifen gewechselt werden, sodass Vettel für den finalen Sprint ins Ziel, der hinter dem Safety-Car gestartet wurde, fast frische Supersofts aufziehen konnte. "Ich glaube, ansonsten wären es schwierige sechs Runden geworden", gibt der glückliche Sieger unumwunden zu.

    "Das Safety-Car hat geholfen, aber er hat den ersten Platz gut verteidigt. Ich glaube, er hätte es auch so geschafft", ist Teamchef Horner überzeugt. Das sieht Alonso ein bisschen anders: "Sebastian hatte in den letzten zehn Runden mehr Probleme mit den Reifen. Ich habe die Reifen geschont, um am Ende zu attackieren, aber die letzten zehn Runden sind dann wegen des Safety-Cars nicht gekommen. Er führt in der WM und hat mehr zu verlieren als ich. Ich wollte es probieren."

    Button, der unter normalen Umständen am Ende die besten Reifen gehabt hätte, grummelte vor der Siegerehrung: "Verdammtes Safety-Car!" Der Brite hatte seine beste Phase nach dem ersten Boxenstopp, durch den er in Führung gegangen war. Auf Supersofts konnte er sich gegen Vettel auf Softs mühelos absetzen. "Einmal war ich Zweiter, 19 Sekunden hinter Jenson. Da schien der Sieg weit weg zu sein, aber Monaco ist einfach ein verrückter Ort", kann Vettel im Nachhinein lächeln.

    Safety-Car durchkreuzt Buttons Strategie

    Button ist naturgemäß weniger gut aufgelegt: "Bis zum ersten Safety-Car sah es wirklich gut aus. Wir haben drei Stopps gemacht, weil ich im ersten Stint mit den Hinterreifen Probleme hatte. Mit den Supersofts hatten wir eine tolle Pace. Dann hat uns wehgetan, dass Seb nicht reingekommen ist, aber wir schon", analysiert der McLaren-Pilot. "In Monaco musst du immer mit einem Safety-Car rechnen, aber natürlich hoffst du in so einer Situation, dass es nicht dazu kommt."

    Unmittelbar nach dem gewonnenen Start hatte es für Vettel fast ein bisschen nach einem Sololauf gerochen. Nach einer Runde führte er 2,4 Sekunden vor Button, nach drei 3,8, nach fünf schon 4,6. Doch dann schrumpfte der Abstand wieder auf unter vier Sekunden - und weil Button eine Runde früher zum Service kam und Red Bull bei Vettels Boxenstopp patzte, verlor er trotz der furiosen Anfangsphase auf einmal die Führung.

    "Unser Boxenstopp war nicht der beste", so Red-Bull-Konsulent Marko. "Es war ein Fehler, zu entscheiden, dass beide gleichzeitig hereinkommen sollen. Deshalb waren beide Boxenstopps außergewöhnlich schlecht." So wurde auch Vorjahressieger Mark Webber (Red Bull) vom vierten auf den 14. Platz zurückgeworfen. Der Australier mischte von da an nur noch im Kampf der Verfolger hinter den drei Sieganwärtern mit.

    Sutil kann Platz vier nicht halten

    In diesem schien plötzlich Sutil auf Platz vier auf, doch der Deutsche konnte diesen wie schon 2008 (unverschuldete Kollision mit Kimi Räikkönen) nicht ins Ziel retten: Erst musste er den mit der Brechstange agierenden Sauber-Japaner Kamui Kobayashi in Mirabeau vorbeilassen, dann auch noch Webber und später Hamilton. Letzterer meinte nach seinem sechsten Platz: "Das war wahrscheinlich das schlechteste Wochenende meiner Karriere."

    Zumal er wohl für seine Kollision mit Pastor Maldonado (Williams) unmittelbar nach dem zweiten Restart eine weitere Strafe kassieren wird. Maldonado hatte bis dahin eine fantastische Performance abgeliefert und wurde seinem Ruf als Monaco-Spezialist voll gerecht. Die ersten Williams-Punkte der Saison holte dafür Rubens Barrichello, der trotz eines eher farblosen Auftritts mit einer Runde Rückstand Neunter wurde.

    Maldonado war aber nicht das einzige Hamilton-Opfer des Tages - bereits in Runde 33 krachte der Monaco-Sieger von 2008 in der Loews-Haarnadel mit einer sehr optimistischen Attacke ins Ferrari-Heck von Felipe Massa. Der knallte Hamilton brutal die Tür zu, sodass der McLaren-Pilot am Boxenfunk fluchte: "Das hat er mit Absicht gemacht!" Die Rennkommissare beurteilten die Situation freilich anders und brummten ihm eine Durchfahrstrafe auf.

    Mercedes ohne jede Chance

    Wie man in Loews überholen kann, zeigte Michael Schumacher (Mercedes) vor, als er an seinem Teamkollegen Nico Rosberg vorbeiging und dabei innen über den Bürgersteig fuhr. Rosberg spielte bei dem Manöver fair mit, schließlich hatten die beiden Silberpfeile zu jenem Zeitpunkt ohnehin keine Chance mehr. Zwar hatte Rosberg einen guten Start erwischt - ganz im Gegensatz zu Schumacher (von fünf auf zehn) -, doch den fünften Platz der ersten Runden konnte er nicht halten.

    Punkte gab es stattdessen für diejenigen, die unauffällig unterwegs waren und keine Dummheiten machten: Nick Heidfeld (Renault) etwa, der Achter wurde, Barrichello oder auch Sebastien Buemi (Toro Rosso). Rosberg landete unterm Strich mit zwei Runden Rückstand auf Rang elf vor Paul di Resta (Force India), der sich in Loews gleich zweimal am Heck eines Vordermanns einen Teil des Frontflügels abrasiert hatte.

    Insgesamt sahen 17 Autos die Zielflagge, 18 (inklusive Maldonado) wurden gewertet. "Das Rennen heute war auch im Cockpit sehr unterhaltsam", spricht Sieger Vettel Millionen Fans auf der ganzen Welt von der Seele und jubelt: "Es ist eine große Ehre, meinen Namen in die Siegerliste einzutragen. Hier haben Größen wie Ayrton Senna gewonnen. Ich bin überglücklich und freue mich riesig - ein ganz besonderer Sieg!"

    Von wegen Überholverbot!

    Ganz besonders auch, dass im DRS-, KERS- und Pirelli-Zeitalter plötzlich auch in Monaco überholt wurde. Grandios etwa Hamiltons Manöver gegen Schumacher in Sainte Devote ('Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer: "Das war mutig von ihm!") oder Barrichellos Überraschungsangriff in Mirabeau, ebenfalls gegen Schumacher - und wie Massa in der schnellen Tabak-Kurve Rosberg zum Statisten degradierte, hatte es ohnehin in sich.

    Massa hatte dann später alle Schutzengel auf seiner Seite, als er im Zweikampf mit Hamilton nach der bereits erwähnten Loews-Kollision auf die schmutzige Fahrbahnseite des Tunnels kam und bei fast 300 km/h in die Leitplanken knallte. Der Brasilianer löste damit die erste Safety-Car-Phase aus. Interessant: Nur Sekunden später blieb Schumacher wegen eines Airbox-Feuers stehen - unmittelbar vor der Einfahrt in die Boxengasse...

    In der Weltmeisterschaft führt Vettel nach fünf Siegen in sechs von voraussichtlich 19 Rennen überlegen mit 143 Punkten vor Hamilton (85), Webber (79), Button (76) und Alonso (69). Bei den Konstrukteuren hat Red Bull (222) die Nase vor McLaren (161) und Ferrari (93). Aber: "Es ist noch ein langer Weg", winkt Vettel ab. "Wir haben einen guten Run, aber wir nehmen es Rennen für Rennen." Das nächste Mal übrigens in zwei Wochen im kanadischen Montreal.
    Dateien

    Vier Stunden, fünf Stopps: Button fightet Vettel nieder!

    Vier Stunden, fünf Stopps: Button fightet Vettel nieder!

    Drama in Montreal: In einem der spannendsten Autorennen der Geschichte bezwingt Jenson Button erst in der allerletzten Runde Sebastian Vettel

    Viele TV-Zuschauer in Europa sind möglicherweise schon eingeschlafen, als der Grand Prix von Kanada heute wegen Regens für zwei Stunden unterbrochen war, doch diejenigen, die durchgehalten haben, wurden doppelt und dreifach entschädigt. Denn das elektrisierende Hochdrama-Finish von Montreal wird mit Sicherheit in die Geschichte der Formel 1 eingehen.

    Für Jenson Button war das Rennen eine unglaubliche Achterbahnfahrt: Kollision mit Teamkollege Lewis Hamilton, Kollision mit Fernando Alonso, Reifenschaden, Durchfahrstrafe, insgesamt fünf Boxenstopps - und am Ende doch Sieger im Grand Prix! "Ich weiß nicht, was ich sagen soll - ich bin sehr gerührt", ist der McLaren-Pilot sprachlos. "Selbst wenn ich nicht gewonnen hätte, hätte ich dieses Rennen sehr genossen. Das war wahrscheinlich mein größter Sieg."

    Button schien schon aussichtslos zurückzuliegen, doch gut 15 Runden vor Schluss war er der mit Abstand schnellste Fahrer im Feld. Dann half Glücksgöttin Fortuna ein bisschen nach, als das Safety-Car noch einmal auf die Strecke kam und alles zusammenrückte. Vettel führte vor Michael Schumacher (Mercedes), Mark Webber (Red Bull) und Button. Allerdings durfte in den ersten zwei Runden wie im Reglement vorgesehen kein DRS eingesetzt werden.

    Unglaubliche Dramatik im Finish

    Als DRS dann endlich freigegeben war, fuhr Webber schon an Schumacher vorbei, ließ den Deutschen aber wieder durch, weil er nach dem Manöver die Zielschikane abkürzen musste. In der Runde darauf verschätzte sich Webber an der gleichen Stelle wieder, sodass Button (gerade noch ohne Berührung) durchschlüpfte. Wenig später war dann auch Schumacher leichte Beute. Vor den letzten fünf Runden fehlten allerdings rund vier Sekunden auf Spitzenreiter Vettel.

    Doch bei freier Fahrt konnte Button genau dort anknüpfen, wo er vor der Safety-Car-Phase aufgehört hatte, und er verkürzte den Rückstand gleich in der ersten Runde um eineinhalb Sekunden. Anschließend legte auch Vettel ein wenig zu, doch der Abstand schrumpfte weiter. Dann eine entscheidende Szene, als Button in der vorletzten Runde endlich innerhalb der DRS-Sekunde war - und mit 0,9 Sekunden Rückstand in die dramatische letzte Runde ging.

    Button erhöhte die Schlagzahl weiter, arbeitete sich dank des hohen Anpressdrucks seines MP4-26 im ersten Sektor an Vettel heran. Der Druck war greifbar, alles rechnete schon mit einem Showdown in der DRS-Zone vor Start und Ziel - doch dann fiel die Entscheidung früher, als alle erwartet hätten: Vettel hielt dem immensen Druck nicht mehr stand, rutschte von der Ideallinie und öffnete somit die Tür für seinen Gegner, an ihm vorbei zum Sieg zu fahren!

    "Es tut schon weh, wenn nur noch zwei Kilometer fehlen", seufzt Teamchef Christian Horner, der gar nicht fassen konnte, was sich auf dem Monitor abspielte. Genau entgegengesetzt die Stimmung bei McLaren: Buttons Freundin Jessica sprang völlig losgelöst in der Box herum, Vater John riss lachend die Hände in die Höhe - und sogar "Mister McLaren" Ron Dennis sprach seiner Ex-Truppe ein Kompliment aus: "Ein wirklich außergewöhnliches Rennen!"

    Vettel am Ende "zu konservativ"?

    Vettel glaubt im Nachhinein, dass er "zu konservativ" war, als das Safety-Car von der Strecke ging und er freie Fahrt hatte: "Vielleicht habe ich da nicht genug Vorsprung herausgeholt. Ich wollte den Abstand nach hinten kontrollieren, aber dann sah ich Jenson und ich musste pushen. Ich glaube, es hätte gereicht, wenn ich nicht einen Fehler gemacht hätte. Ich habe die Hinterräder blockiert, musste dann die Lenkung aufmachen, kam ins Nasse und damit von der Strecke ab."

    Besonders bitter: Der Seriensieger hatte vom Start weg geführt, schien nie wirklich ernsthaft in Gefahr zu sein. Trösten kann er sich damit, den Vorsprung in der Weltmeisterschaft auf 60 Punkte ausgebaut zu haben. "Viele Autos sind nicht ins Ziel gekommen. Platz zwei sind auch gute Punkte, aber wenn du es selbst in der Hand hast und es herschenkst, dann ist Platz zwei halt nicht das, was du haben willst", sagt Vettel zerknirscht.

    Der Grand Prix hatte schon turbulent angefangen, denn wie befürchtet kam am Sonntag jener Regen, der Montreal noch am Samstag gnädig verschont hatte - und das dafür umso heftiger! Gestartet wurde hinter dem Safety-Car mit Fahrer Bernd Mayländer, der heute nach Vettel die meisten Führungsrunden sammelte. In der fünften Runde wurde endlich freigegeben - und zwischen Webber und Lewis Hamilton (McLaren) kam es im Senna-S prompt zur Kollision.

    Whitmarshs Albtraum: Kollision bei McLaren

    Hamilton fiel dadurch zurück und fuhr plötzlich hinter seinem Teamkollegen Button, der in den ersten zwei Runden bei unglaublich rutschigen Verhältnissen mehr geeiert als gefahren war. Button leistete sich beim Herausbeschleunigen aus der Zielschikane einen kleinen Fehler, Hamilton hatte Geschwindigkeitsüberschuss, setzte sich neben seinen Landsmann - der aber zog nach innen in Richtung Boxenmauer und schlug die Tür zu! Crash!

    "Ich konnte nichts sehen, als er neben mir war, auch nicht im Spiegel. Ich habe mich aber schon bei ihm entschuldigt", so Button nach dem Rennen. Auch Hamilton gibt sich diplomatisch: "Jenson hat in der letzten Kurve zu spät gebremst. Ich kam besser durch, konnte mich seitlich neben ihn setzen. Ich konnte dann nichts mehr machen, konnte in dieser Situation auch nicht mehr ausweichen oder vorbeikommen. Aber das war sicher keine Absicht."

    Martin Whitmarsh freut sich, dass die FIA-Kommissare die Situation nicht mit einer zusätzlichen Strafe ahndeten, und betont: "Das Wichtigste ist heute, dass die Stimmung zwischen den Jungs nicht vergiftet ist. Es war einfach unglücklich, würde ich sagen. Jenson hat Lewis nicht gesehen und Lewis weiß, dass Jenson das nicht gemacht hätte, wenn er gewusst hätte, dass Lewis da ist. Sollte nicht passieren, kann aber", erklärt der McLaren-Teamchef.

    Während Hamilton noch in der achten Runde austrudelte, machte Button das Beste aus der Situation, indem er die zweite Safety-Car-Phase nutzte, um als Erster auf Intermediates zu wechseln. Tatsächlich war er damit auf einmal der schnellste Mann im Feld - aber die Freude war nur von kurzer Dauer, denn wegen einer Geschwindigkeitsüberschreitung hinter dem Safety-Car warf ihn eine Durchfahrstrafe auf Platz 15 zurück.

    Monte-Carlo-Regel wieder in Gebrauch

    Binnen weniger Runden arbeitete sich Button wieder auf den siebten, Kamui Kobayashi (Sauber) sogar fast unbemerkt auf den zweiten Platz nach vorne. Dann plötzlich monsunartige Regenschauer - und eine weitere Safety-Car-Phase! Wer hinter Mayländers Mercedes-Sportwagen wieder von Intermediates auf Full-Wets zurückwechselte, hatte Pech, denn in der 25. Runde wurde ohnehin mit der roten Flagge abgebrochen.

    Zuletzt hatte es einen Rennabbruch vor zwei Wochen in Monte Carlo gegeben. Damals sorgte die Regel für Diskussionen, wonach während der Unterbrechung an den Autos gearbeitet werden darf, weil dadurch alle Reifen wechseln konnten und die Fans so um ein spannendes Finish gebracht wurden. "Es kann ewig dauern, bis es wieder zu so einer Situation kommt", meinte Williams-Technikchef am Freitag in Montreal. So kann man sich irren...

    Es dauerte rund zwei Stunden, bis es (wieder hinter dem Safety-Car) weiterging. Vettel führte das Rennen vor Kobayashi, Felipe Massa (Ferrari), Nick Heidfeld, Witali Petrow (beide Renault) und Paul di Resta (Force India) an. Button war vor den beiden Silberpfeilen Zehnter. Sensationsmann di Resta eliminierte sich wenig später selbst, als er seinen Frontflügel am Heidfeld-Renault abrasierte. Am Ende des Rennens crashte er noch ganz in die Mauer.

    Für Button ging es turbulent weiter, denn erst beförderte er Fernando Alonso (Ferrari) aus dem Rennen, als er in Kurve vier die Nase etwas zu weit reinsteckte, und anschließend musste er einen aufgeschlitzten Reifen wechseln lassen - übrigens wieder während einer Safety-Car-Phase. Bei blieb das Rennen munter und unterhaltsam, nur Spitzenreiter Vettel ließ sich von nichts aus der Ruhe bringen und erledigte eiskalt seinen Job.

    Starke Performance von Schumacher

    Dann schlug die Stunde des Michael Schumacher (Mercedes): Der Montreal-Rekordsieger, dank cleverer Fahrt an vierter Stelle, nutzte einen Fahrfehler von Kobayashi, der auch Massa kostete, und schnappte sich beide auf einen Schlag! Als er beim Restart nach der letzten Safety-Car-Phase kurz neben Vettel auftauchte, witterten einige schon die ganz große Sensation, letztendlich wurde es im dramatischen Finish aber nur der vierte Platz.

    "Heute war viel Erfahrung notwendig, um im richtigen Moment schnell zu sein und auf der Strecke zu bleiben", analysiert der 42-Jährige und findet es "natürlich ein bisschen schade, wenn einem das zum Schluss weggenommen wird". Das "Sorry" bei Sportchef Norbert Haug nach dem Rennen hätte er sich aber sparen können, denn nicht nur 'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer findet: "Das war die beste Vorstellung seit seinem Comeback!"

    In der 56. Runde entschieden Kobayashi und Heidfeld unfreiwillig den Grand Prix: Der Sauber-Pilot kam im Senna-S auf die nasse Linie und musste abbremsen, um nicht von der Strecke zu fliegen, sodass ihm der von hinten drückende Heidfeld ins Heck fuhr. Bei "Quick Nick" löste sich ein paar Meter weiter der Frontflügel und er crashte vor Kurve vier in den Notausgang - zum Glück ohne einen nennenswerten Einschlag.

    Kobayashi-Missgeschick hilft Button

    Trotzdem kam erneut das Safety-Car auf die Strecke, sodass aus 13,3 Sekunden Rückstand des zu jenem Zeitpunkt viertplatzierten Button plötzlich greifbare Schlagdistanz wurde. Den Rest der Geschichte haben wir bereits zu Beginn dieses Artikels erzählt. Am Ende fuhr Button nach 4:04:39.537 Stunden 2,7 Sekunden vor Vettel über die Ziellinie - und Webber gewann das Duell mit Schumacher um Platz drei um gerade mal drei Zehntelsekunden.

    Petrow sicherte sich Rang fünf, noch vor Massa, der einen möglichen Podestplatz wegwarf, als er beim Überrunden eines HRT in die Mauer krachte und sich die Nase abfuhr. "Typisch Massa", kritisiert Experte Surer. Immerhin beendete der Brasilianer seinen Arbeitstag mit einem brillanten Fotofinish gegen Kobayashi. Abstand: 0,0 Sekunden - aber der Ferrari-Pilot hatte auf der Ziellinie die Zentimeter auf seiner Seite.

    Peter Sauber hätte im Nachhinein wohl doch lieber den zweiten Platz zum Zeitpunkt des Abbruchs lieber genommen als Rang sieben für Kobayashi nach voller Distanz. Punkte gab es außerdem für Jaime Alguersuari (Toro Rosso), Rubens Barrichello (Williams) und Sebastien Buemi (Toro Rosso). Rosberg wurde Elfter, Perez-Ersatzmann Pedro de la Rosa (Sauber) nach einer unauffälligen und fehlerfreien Darbietung Zwölfter.

    In der Fahrer-WM läuft weiterhin alles für Vettel (161 Punkte), der nun Button (101) als ersten Verfolger im Nacken hat. Webber (94), Hamilton (85) und Alonso (69) dürfen sich ebenfalls noch kleine Titelchancen ausrechnen. Bei den Konstrukteuren hat Red Bull (255) die Nase vor McLaren (186) und Ferrari (101). Neues Schlusslicht: Marussia-Virgin. Weiter geht es am 26. Juni mit dem Grand Prix von Europa in Valencia.
    Dateien

    Hier mal ein Beitrag von mir: Valencia-Street-Circuit

    Europa GP / Valencia-Street-Circuit

    Alonso ohne Chance: Vettel siegt in Spanien!


    Sebastian Vettel feiert auch in Valencia einen souveränen Sieg vor Alonso und Webber - Erstmals überhaupt 24 Autos im Ziel eines Formel-1-Rennens
    So langsam kann einem dieser Sebastian Vettel unheimlich werden: Zwei Wochen, nachdem er in der letzten Runde in Montreal ein erstes Anzeichen von Schwäche gezeigt hat, lieferte der Red-Bull-Pilot beim Grand Prix von Europa im sonnigen (und 28 Grad heißen) Valencia eine makellose Performance ab, mit der er sich im achten Saisonrennen bereits den sechsten Sieg sicherte.

    Vettel stellte damit in der Heimat seines heute schärfsten Kontrahenten Fernando Alonso (Ferrari) einen neuen Rekord auf, denn mit sechs Siegen und zwei zweiten Plätzen ist noch nie jemand in eine Formel-1-Weltmeisterschaft gestartet. Alonso lieferte vor eigenem Publikum zwar eine kämpferisch starke Leistung ab, in der entscheidenden Phase hatte er jedoch keine Chance gegen Dominator Vettel, sodass ihm am Ende 10,8 Sekunden auf den Sieg fehlten.

    "Mehr als der zweite Platz war einfach nicht drin", gratuliert Alonso Vettel zum Sieg. "Zwischen den Red Bulls Zweiter zu werden, ist eine fantastische Leistung des Teams. Es geht in die richtige Richtung. Hoffentlich sind wir nächstes Mal noch näher dran." Doch Technikchef Pat Fry relativiert die starke Vorstellung: "Die Streckencharakteristiken von Valencia und Kanada haben den Stärken unseres Autos in die Hände gespielt."

    Vettel: Spaß bei einsamer Fahrt
    So oder so geriet Vettel nie ernsthaft in Gefahr, aber langweilig wurde dem Seriensieger trotzdem nicht: "Es hat mir sehr viel Spaß gemacht! Von außen sieht es vielleicht langweilig aus, wenn man einsam an der Spitze fährt, aber ich liebe das, wenn man jede Runde gegen sich selbst fährt, versucht, den Abstand nach hinten zu vergrößern gegenüber den anderen, versucht, auf das Auto zu hören, es fein abzustimmen, mit der Box zu reden."

    Bereits der Auftakt war genau nach Plan verlaufen: Der Polesetter kam ähnlich gut wie sein Teamkollege Mark Webber von der Linie weg, sodass die beiden "Bullen" als Erster und Zweiter in die erste (eigentlich zweite) Kurve einbogen. Den besten Start erwischte jedoch Felipe Massa (Ferrari), der schon fast auf gleicher Höhe wie Webber war, dann aber zurückzog, was Alonso außen nutzte, um sich vor dem Brasilianer zu behaupten.

    Erstaunlich passiv agierte Lewis Hamilton (McLaren), bei dem die scharfe Kritik an seinem Fahrstil offensichtlich doch Spuren hinterlassen hat. Denn während die Ferraris an ihm vorbeibrausten, setzte sich der Ex-Weltmeister kaum zur Wehr und fiel daher auf den fünften Platz zurück. Sechster war zunächst Nico Rosberg (Mercedes), der sich jedoch trotz seines überragenden Topspeeds nicht lange vor Jenson Button (McLaren) halten konnte.

    Vettel erfüllte indes die erste Zielsetzung perfekt, indem er mit 1,8 Sekunden Vorsprung in die dritte Runde ging - somit konnte Webber gegen ihn keinen DRS-Joker setzen. Allerdings zeichnete sich bereits in jener frühen Phase des Rennens ab, dass die beiden Red Bulls und Alonso ganz vorne unter sich bleiben würden; besonders zwischen Webber und Alonso bahnte sich ein spannendes Duell um den zweiten Platz an.

    Alonso gewinnt Duell gegen Webber
    "Ich habe versucht, ihn beim Boxenstopp zu überholen, bekam die Chance dann auf der Strecke, nicht an der Box. Ich überholte ihn beim Anbremsen von Kurve zwölf", erinnert sich Alonso an den Zweikampf. "Dann haben sie beim Stopp gut gearbeitet und überholt und beim letzten Boxenstopp hatten wir dann eine sehr gute Strategie. Wir sind mit den weichen Reifen ein paar Runden länger draußen geblieben, sodass wir wieder an ihm vorbeigekommen sind."

    Webber für seinen Teil war jeweils der Erste aus dem Spitzentrio, das bis zum letzten Boxenstopp innerhalb von fünf Sekunden lag, und war phasenweise schneller als sein führender Teamkollege. Nach 32 Runden lag er nur 1,8 Sekunden hinter Vettel, den er aber nie ernsthaft attackieren konnte. Trotzdem kann Webber dem heutigen Tag etwas Positives abgewinnen: "Bis zum letzten Boxenstopp war es mein bestes Rennen der Saison. Ich bin sehr glücklich."

    Dass er im Finish zu früh an die Box kam und so noch den Platz gegen Alonso verlor, "war mein Fehler, nicht der des Teams", gibt Webber zu. "Ich wollte früher als Fernando reinkommen. Wir wussten nicht genau, wie der Medium funktionieren würde. Klar ist er langsamer als der Soft, aber ist ein neuer Medium schneller als ein gebrauchter Soft? Da haben wir halt riskiert. Es war meine Entscheidung." Am Ende musste er dann auch noch das Getriebe schonen.

    Grundlage für Webbers Platzverlust war ein ungewöhnliches Phänomen: "So wie die Reifen heute waren, hatte das später stoppende Auto einen Vorteil", erklärt Ferrari-Technikchef Fry. "Webber hat uns beim zweiten Halt locker überholt. Es hatte auch mit dem Unterschied zwischen den beiden Mischungen zu tun. Auf manchen Strecken ist es besser, wenn man länger draußen bleibt, bevor man auf die härtere Sorte wechselt. Es ist ein interessantes Schachspiel."

    Langweiliges Rennen für Hamilton
    Hinter den Top 3 erlebte Hamilton nach dem zurückhaltenden Start einen durchwachsenen Nachmittag. Vor allem die hohen Temperaturen der Pirelli-Hinterreifen hielten ihn auf Trab. Erst forderte ihn die McLaren-Box auf, langsamer zu fahren (Antwort: "Noch langsamer kann ich nicht!"), dann wollten sie ihn plötzlich verbal anschieben ("Geht nicht schneller!"). Fazit: Nach recht früh getimten Boxenstopps Vierter, 46,1 Sekunden Rückstand auf Vettel.

    "Es war ein langweiliges Rennen", ätzt Hamilton und meckert: "Wir waren nicht schnell genug." Sein Teamkollege Jenson Button ist nach Platz sechs ähnlich enttäuscht: "Das Auto war nicht besonders stark. Ich hatte Traktionsprobleme und mein KERS fiel gegen Rennmitte aus. Das hat pro Runde viereinhalb Zehntel gekostet. Dann acht Sekunden hinter einem Ferrari ins Ziel zu kommen, ist angesichts der Umstände gar nicht so schlecht."

    Button kam nämlich unmittelbar hinter Massa ins Ziel, für den unter Umständen ein bisschen mehr drin gewesen wäre, wenn nicht seine Crew wieder einmal einen Boxenstopp verpatzt hätte. Im einsamen Niemandsland rollte hingegen Rosberg durch Valencia: 38 Sekunden Rückstand auf Button, eine Runde Vorsprung auf Jaime Alguersuari (Toro Rosso) - sein siebter Platz hätte gar nicht besser abgesichert sein können.

    Alguersuari, nach Startposition 18 noch arg gescholten, avancierte heute übrigens zum Mann des Rennens: "Ich habe nichts anders gemacht", sagt der Achte, der damit bestplatzierter Zweistopper war. "Die Reifen haben gut gehalten, deswegen stehe ich in den Punkten. Der Schlüssel ist dieses Jahr die Konstanz im Rennen. Wenn du im Qualifying nicht so schnell bist, aber im Rennen, dann ist es okay. Deswegen konzentrieren wir uns auf die Rennperformance."

    Deutsch-deutsches Duell um Platz neun
    Adrian Sutil (Force India) und Nick Heidfeld (Renault) wurden wie schon im Qualifying Neunter und Zehnter, tauschten heute aber die Plätze. "Besser als in die Hose geschissen, aber nicht das Gelbe vom Ei", lautet Heidfelds lapidarer Kommentar zu diesem Ergebnis. Sutil wäre beinahe noch Achter geworden, konnte im Finish gegen Alguersuari aber den DRS-Vorteil nicht ganz ausspielen, weil er jeweils an den Drehzahlbegrenzer stieß.

    Der einzige Einstopper des heutigen Tages war Sergio Perez als Elfter, dem am Ende 6,7 Sekunden auf einen Punkt fehlten. Sauber spielte im Rennen aber ebenso wenig eine Rolle wie Williams. Für Action sorgte dafür Michael Schumacher (Mercedes): Kollision mit Witali Petrow (Renault) nach dem ersten Boxenstopp, im Vorbeigehen die weiße Linie marginal überfahren - und trotzdem nicht von der Rennleitung bestraft!

    Glück gehabt, werden die einen sagen, "macht eh keinen Unterschied", winkt Mercedes-Sportchef Norbert Haug ab. Außerdem war das linke Vorderrad nicht mit vollem Umfang über der Linie. Schumacher hat das "gar nicht gemerkt", betont aber: "Es war keine Absicht." Die anschließende Kollision sieht er als seine eigene Schuld an: "Mit dem Unfall gleich nach dem ersten Boxenstopp, der auf meine Kappe geht, war das Rennen beendet."

    Am Ende wurde der siebenfache Weltmeister 17., aber nicht ohne noch für weitere Action zu sorgen. Denn nach der Petrow-Kollision fuhr er mit losem Frontflügel weiter und überholte sogar noch Sutil! "Ich war schon besorgt, ob der Flügel wo hingehen kann, aber sobald er halbwegs hält, fährt man halt", so Schumacher. Hinter ihm kamen nur noch Pastor Maldonado (Williams) und sie sechs Autos der drei "neuen" Teams ins Ziel.

    Vettel schon uneinholbar?
    Sieger Vettel hat nach acht von 19 Saisonrennen schon 77 Punkte Vorsprung auf seine beiden Verfolger Button und Webber, was bedeutet, dass er Ende August unabhängig von den nächsten Ergebnissen auf jeden Fall als WM-Leader nach Spa-Francorchamps kommen wird. Außerdem drehte er heute quasi im Vorbeigehen die 1.000 Führungsrunde seiner Karriere. Alle fragen sich: Wer soll den zweiten Titelgewinn jetzt noch verhindern?

    "Ich schaue nicht auf den Vorsprung, denn es ist eine lange Saison", bleibt Vettel auf dem Boden. "Natürlich sind wir fantastisch gestartet, aber das Ziel ist, Schritt für Schritt zu denken. Natürlich müssen wir nicht mehr unnötiges Risiko eingehen, um zu gewinnen, aber wenn sich eine Chance bietet, dann müssen wir sie nutzen. Es wird auch Tage geben, wo wir nur Dritter werden können, aber dann müssen wir halt auch Dritter werden."

    Vor allem hilft ihm, dass sich die Gegner fleißig gegenseitig Punkte wegnehmen, denn Ferrari und McLaren sind zwar in Einzelrennen schnell, aber nicht konstant genug: "Wir erleben nie, dass Ferrari und McLaren am gleichen Wochenende konkurrenzfähig sind - das wechselt immer. Die einzige Konstante ist Sebastian", strahlt Teamchef Christian Horner - auch über stattliche 89 Punkte Vorsprung auf McLaren in der Konstrukteurs-WM!

    Übrigens: Die 85.127 Zuschauer in Valencia erlebten heute einen neuen Rekord, denn erstmals in der Geschichte der Formel 1 sahen 24 Autos die Zielflagge. Keinen Ausfall gab es ansonsten nur in Zandvoort 1961 sowie in Indianapolis (Farce-Grand-Prix mit sechs Teilnehmern) und Monza 2005. Weiter geht es mit dem neunten Saisonrennen in zwei Wochen in Silverstone - dann erstmals komplett ohne Zwischengas-Motorenmappings.

    "Vettel könnte jetzt Pause machen"

    "Vettel könnte jetzt Pause machen"
    Pressestimmen: "Bild" zufolge wird Vettel auch dann Formel-1-Weltmeister, wenn er die nächsten Rennen auslässt.


    "Vettel siegt Ecclestone in die Flucht. Hier haut der Formel-1-Boss ab, weil's zu langweilig war. Das Schönste beim Rennen in Valencia waren zweifellos das Meer, der blaue Himmel, die schaukelnden Yachten und die Bikini-Mädchen. Ach ja - und Formel-1-Dominator Sebastian Vettel (23) natürlich. Der deutsche Champion bügelt nicht nur die Konkurrenz weg, er siegt sogar Bernie Ecclestone (80) in die Flucht. Der Formel-1-Chef verließ 20 Runden vor Schluss in seinem silbernen Mercedes S63 (571 PS) die Strecke. Wer gewinnen wird, war ihm da schon längst klar ... Sechster Sieg für Vettel im achten Rennen (dazu zwei zweite Plätze). 77 Punkte Vorsprung in der WM vor Jenson Button (McLaren) und Red-Bull-Teamkollege Mark Webber. Vettel könnte jetzt drei Rennen Pause machen - und wäre im engsten Fall immer noch mit zwei Zählern vorn ..."

    Frankfurter Allgemeine Zeitung: "Ein einziger Genuss - Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel schafft in Valencia seinen sechsten Saisonsieg. Es war ein weiterer Tanz mit seinen Gegnern, noch ein Beweis seiner Stärke. Als Sebastian Vettel am Sonntagnachmittag nach rund 100 Minuten aus seinem Red Bull kletterte und Raketen in den Himmel über Valencia stiegen, da lief der Schweiß an seiner Haut herunter. Doch der Weltmeister lächelte zufrieden, abermals hätte ein Wochenende für ihn nicht besser laufen können. Am Samstag sicherte er sich die Pole Position, am Sonntag die schnellste Rennrunde und den größten Pokal beim Großen Preis von Europa. Zehn Sekunden betrug sein Vorsprung nach 57 Runden und rund 308 Kilometern durch den Hafen von Valencia auf Fernando Alonso (Ferrari). Seine Dominanz aber ist weitaus größer. 'Ich liebe das einfach, wenn man jede Runde gegen sich selbst fährt', sagte er. Vernichtender kann niemand die derzeitige Situation in der Formel 1 beschreiben."

    Frankfurter Rundschau: "Erfolglose Bullenjagd in Valencia. Irgendwie sieht das inzwischen doch sehr nach Routine aus. Der gereckte Zeigefinger, der für die 'Eins' und damit für Sebastian Vettel steht. Und der freundlich gemeinte Zangengriff von Red-Bull-Teamchef Christian Horner an das Genick von Adrian Newey, dessen Genialität als Konstrukteur die technologische Dominanz des Weltmeister-Teams garantiert."

    Stuttgarter Nachrichten: "Die Vettel-Show geht ungebremst weiter. Der Formel-1-Weltmeister rast zu seinem sechsten Saisonsieg im achten Rennen - und gibt nur in der Pressekonferenz Rätsel auf. Wer soll diesen Mann noch stoppen? Formel-1-Käpten Sebastian Vettel steuert nach seinem Sieg bei der Hafenrundfahrt von Valencia ungefährdet seinem zweiten WM-Titel entgegen."

    Stuttgarter Zeitung: "Vettels einsame Mittelmeer-Rundfahrt. Der Deutsche gewinnt sein sechstes Saisonrennen - und keiner kann ihm folgen. Gut, dass der Rennwagen von Sebastian Vettel per GPS geortet werden kann. Für die Konkurrenz beim Großen Preis von Europa fährt der Heppenheimer in einer eigenen Galaxie."
    Dateien
    So wäre Vettel zu stoppen

    Sebastian Vettel fährt in der Formel 1 auf und davon. Zehn Möglichkeiten, wie der Weltmeister gestoppt werden kann.

    Die vernichtendste Einschätzung der aktuellen Lage in der Formel 1 kam vom Dominator höchstpersönlich: "Ich liebe das einfach, wenn man jede Runde gegen sich selbst fährt", sagte Sebastian Vettel nach seinem Sieg am Sonntag in Valencia, dem sechsten im achten Rennen der Saison.

    Für den 23-jährigen Deutschen lohnt sich der Blick in den Rückspiegel schon lange nicht mehr. Unaufhaltsam rast er zu seiner Titelverteidigung, die Konkurrenz hat nach dem Grand Prix von Europa die Jagd auf den Chefpiloten von Red Bull für aussichtslos erklärt.

    Auch der KURIER findet nur unter größtmöglicher Anstrengung zehn - nicht ganz ernst gemeinte - Gründe, wie Sebastian Vettel in der Saison 2011 doch noch eingebremst werden kann: :lol:
    Dateien

    Großbritannien GP / Silverstone-Circuit

    Großbritannien GP / Silverstone-Circuit

    Rennbericht

    Sieg in Silverstone: Alonso nutzt Red-Bull-Patzer!

    Ein gebrochener Wagenheber entscheidet den britischen Grand Prix: Fernando Alonso gewinnt vor Sebastian Vettel - Stallorder bei Red Bull

    Das Daumendrücken von Prinz Harry hat nicht geholfen: Weder ein britischer Fahrer noch ein britisches Team konnten den heutigen Grand Prix in Silverstone gewinnen, sondern der Spanier Fernando Alonso feierte für das italienische Ferrari-Team den ersten Saisonsieg. Bester "Local Hero" wurde Lewis Hamilton (McLaren) auf Platz vier.

    Lange roch es wieder nach einem Triumph für Seriensieger Sebastian Vettel, doch dessen Red-Bull-Crew verpatzte den zweiten Boxenstopp und eröffnete so Alonso eine Chance, die sich der Ferrari-Pilot nicht nehmen ließ. Am Ende hatte er nach 52 Runden 16,5 Sekunden Vorsprung auf Verfolger Vettel - und jetzt gehen sicher die Diskussionen los, inwieweit die plötzliche Verschiebung des Kräfteverhältnisses mit dem Zwischengas-Chaos an diesem Wochenende zu tun hat...

    Riesenjubel über ersten Ferrari-Sieg

    Den Ferrari-Verantwortlichen, die heute Morgen gegen eine Regeländerung ihr Veto eingelegt haben, ist das wohl ziemlich egal: "Ein fantastischer Tag, Fernando, sehr gut", funkte Teamchef Stefano Domenicali ins Cockpit seiner Nummer eins, und der funkte glücklich zurück: "Ein fantastischer Tag!" Technikchef Pat Fry will das Ergebnis aber nicht nur als Folge des Zwischengas-Verbots verstanden wissen: "Das ist der Lohn für unsere harte Arbeit!"

    Gestartet war Alonso wegen der zunächst noch nassen Strecke wie alle anderen auf Intermediates. Am besten kam aber nicht Polesetter Mark Webber weg, sondern dessen Teamkollege Vettel, dem damit die Revanche für den Start im vergangenen Jahr gelang, als es genau umgekehrt war. Alonso folgte hinter den beiden Red Bulls auf Platz drei, Jenson Button (McLaren) konnte sich nur kurz vor Felipe Massa (Ferrari) auf Platz vier halten.

    Während Hamilton in den ersten Runden durch das Feld pflügte, als wollte er die Sorgen der vergangenen Wochen vor eigenem Publikum unbedingt abschütteln, baute sich Vettel bis zu zehn Sekunden Vorsprung auf. In der elften Runde war es dann wieder einmal Button, der sich als erster Topfahrer traute, von Intermediates auf Slicks zu wechseln, obwohl einige Streckenteile noch ziemlich feucht aussahen.

    Das war auch der Grund dafür, weshalb Vettel nichts riskierte, zwei weitere Runden abwartete - und nach dem Boxenstopp plötzlich nur noch 1,2 Sekunden Vorsprung auf Webber hatte. Allerdings konnte er sich auf weichen Pirelli-Options (wegen des Beginns auf Intermediates entfiel heute die Pflicht, beide Trockenreifenmischungen fahren zu müssen) sofort wieder absetzen, sodass man nicht den Eindruck hatte, dass er sich den Sieg noch aus der Hand nehmen lassen würde.

    Vettel-Crew verschenkt den Sieg

    Doch diese Rechnung hatte er ohne seine Boxencrew gemacht: "Beim zweiten Stopp ist der Wagenheber gebrochen, also landete das Auto wieder auf dem Boden", ärgert sich Teamchef Christian Horner. "Der Mechaniker musste den Ersatz-Wagenheber herbeiholen und das hat natürlich Zeit gekostet." Die rennentscheidende Situation, wie sich später herausstellen sollte, auch wenn es sein Renningenieur ("Wir haben noch eine Chance") zunächst nicht wahrhaben wollte.

    Denn Vettel steckte plötzlich an dritter Stelle hinter Alonso und vor allem Hamilton fest, dessen Reifen gegen Ende der Stints jeweils stärker abbauten als bei so manch anderem Konkurrenten. Alonso zog vorne im Sekundentakt davon, Vettel kam (übrigens mit sich anbahnenden KERS-Problemen) trotz DRS-Vorteil nicht an Hamilton vorbei. Als er in Runde 36 zum dritten Mal vorgezogen an die Box fuhr, um das Überholmanöver strategisch zu setzen, ging es schon nur noch um Platz zwei.

    "Schwer zu sagen, wie viel wir verloren haben, aber es hat gereicht, um die Führung zu verlieren", analysiert Vettel. "Ich kam hinter Fernando und Lewis raus und kam nicht vorbei." Nur einmal hatte er eine gute Chance, eine Attacke zu setzen, als Hamilton in Woodcote einen Fehler beging und es dadurch vor Copse eng wurde: "Ich kam fast zu gut aus der Kurve raus, war zu nahe dran, um den Schwung später zu nutzen. Also musste ich vom Gas gehen, um nicht hinten draufzufahren."

    Der Deutsche begnügte sich in der Folge damit, zum dritten Mal in dieser Saison 18 Punkte sicher ins Ziel zu retten, hatte aber in der vorletzten Runde auf einmal seinen Teamkollegen formatfüllend im Rückspiegel! Webber zeigte sich angriffig, bis sich Teamchef Horner höchstpersönlich am Funk meldete: "Mark, wir müssen den Abstand halten!" Ein klarer Fall von Stallregie, aber die ist im Gegensatz zum Vorjahr bekanntlich nicht mehr verboten.

    Horner steht zur Stallorder

    "Zwei Runden vor Schluss machte es keinen Sinn, beide Red Bulls in den Zaun zu wickeln", verteidigt Horner die Entscheidung. "Also haben wir als Team eine Entscheidung getroffen und gesagt: Es ist genug!" Webber nimmt's gelassen und verschweigt den Funkspruch ganz elegant, wenn er grinsend sagt: "Seb und ich hatten am Ende große Reifenprobleme. Ich habe versucht, ihn zu überholen, aber es hat nicht ganz gereicht."

    McLaren hatte beim Heimrennen die beste Phase schon gegen Ende des ersten Renndrittels, als Button das Highlight des Tages setzte, indem er sich in Stowe/Club mit einem beherzten Manöver an Massa vorbeiquetschte und Platz fünf übernahm. Als eine Runde später auch noch Hamilton vor Copse sein Herz in die Hand nahm und Alonso im Kampf um Platz drei stehen ließ, waren die 120.000 überwiegend britischen Fans nicht mehr zu halten.

    Alonso nahm den elektrisierenden Zweikampf mit seinem ehemaligen McLaren-Teamrivalen aber recht gelassen, hatte Ferrari doch zu Beginn der Stints immer etwas Mühe, die Reifen auf Temperatur zu bekommen: "Ich bin ruhig geblieben, weil ich gewusst habe, dass ich später meine Chance bekommen würde", erinnert er sich. "Wir haben ja KERS, DRS und all diese Dinge." Die verhalfen ihm in Runde 24 zum Gegenschlag - mühelos.

    Ab der 40. Runde war Hamilton dann McLaren-Solokämpfer, denn Button rollte nach seinem dritten Boxenstopp mit einem losen rechten Vorderrad aus. Der dafür zuständige Mechaniker stellte ein Problem mit dem Schlagschrauber fest, "drehte sich um, um den Ersatzschrauber zu nehmen, was als Signal gedeutet wurde, dass er fertig ist. Kann passieren, ist aber sehr enttäuschend, denn Jenson hätte auf das Podium fahren können", bedauert Teamchef Martin Whitmarsh.

    Mit zu wenig Benzin kalkuliert

    Noch dicker kam es, als Hamilton an dritter Stelle liegend angefunkt wurde, er solle Benzin sparen: "Wir sparen noch nicht genug. Tut mir leid, aber wir müssen mehr tun, um das Rennen zu beenden." Der Lokalmatador reagierte widerwillig, musste Webber fast kampflos durchlassen, gewann aber am Ende das beinharte Ziellinien-Duell gegen Massa um den vierten Platz, obwohl Massa seine Nasenspitze in der letzten Kurve schon vor dem McLaren hatte!

    "Schon komisch, dass wir schon 15 Runden vor Schluss Benzin sparen mussten. Normalerweise kommt das nie so früh vor. Ich muss mich aber erst erkundigen, was der Grund dafür war", wundert sich Hamilton, der immer weiter zurückfiel, je länger das Rennen dauerte. Teamchef Whitmarsh klärt indes auf: "Wir hatten gerechnet, dass Lewis am Anfang im Verkehr stecken würde und dabei Benzin sparen kann. Das war dann aber nicht der Fall."

    Hinter den Top 5 kam Nico Rosberg (Mercedes) als Sechster ins Ziel, gefolgt von Sergio Perez (Sauber) und Nick Heidfeld (Renault). Dieses Trio schaffte es übrigens, mit nur zwei Boxenstopps über die Distanz zu kommen. Neunter wurde Michael Schumacher (Mercedes), was nach einer Kollision mit Kamui Kobayashi (Sauber) und anschließender Stop-&-Go-Strafe als sehr respektables Ergebnis gewertet werden muss.

    Die Schuldfrage für die Kollision war aber auch schnell geklärt: "Peinlich eigentlich, aber auf dem Nassen kann's passieren", findet 'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer. Schumacher selbst schildert: "Es war die erste Phase, in der DRS aktiviert werden durfte. Das habe ich genutzt, ich kam mit zu viel Überspeed an, konnte nicht mehr runterbremsen. Schade, aber es ist, wie es ist. Zum Glück sind noch ein paar Punkte dabei rausgekommen."

    Pech für starken di Resta

    Der Pechvogel des Tages war indes Paul di Resta (Force India), denn der Brite war ähnlich wie im Qualifying stark unterwegs, fiel aber weit zurück, weil bei seinem Boxenstopp keine Vorderreifen parat lagen. Das Chaos in der Force-India-Box war jedoch schnell erklärt: Kobayashi und Pastor Maldonado (Williams) hatten sich kurz zuvor in der Boxengasse berührt, dabei zog Kobayashi die Schlagschrauber der Force-India-Box mit.

    Das war natürlich keine Absicht, wurde von der Rennleitung aber ebenfalls mit einer Zehn-Sekunden-Strafe geahndet - im Nachhinein egal, weil der Japaner ohnehin mit einer Rauchwolke im Heck ausrollte. Die Force-India-Performance an diesem Wochenende blieb damit aber völlig unbelohnt, denn Adrian Sutil schrammte als Elfter (genau wie im Qualifying) um 0,6 Sekunden am zehnten Platz von Jaime Alguersuari (Toro Rosso) vorbei.

    Den "kleinen" Grand Prix der drei (eigentlich nicht mehr ganz) neuen Teams gewann diesmal Timo Glock (16.) 26,9 Sekunden vor seinem Stallgefährten Jerome D'Ambrosio (beide Marussia-Virgin). Lotus verzeichnete einen Doppelausfall (Elektrik bei Heikki Kovalainen, Ölleck bei Jarno Trulli), während Vitantonio Liuzzi das teaminterne HRT-Duell gegen Rookie Daniel Ricciardo klar dominierte. Letzterer fiel aber zumindest nicht negativ auf und überstand die volle Distanz.

    In der Fahrer-WM hat Vettel (204) seinen Vorsprung von 77 auf 80 Punkte ausgebaut, erster Verfolger ist nun aber Webber (124) und nicht mehr Button (5./109), der heute (bei Punktgleichheit) auch hinter Hamilton zurückgefallen ist. In der Konstrukteurswertung führt weiterhin Red Bull (328) überlegen vor McLaren (218) und Ferrari (164). Weiter geht's in zwei Wochen mit dem Vettel-Heimspiel auf dem Nürburgring in Deutschland.
    Dateien

    Großer Preis von Deutschland 2011: Vorschau

    Großer Preis von Deutschland 2011: Vorschau

    Mit dem Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring in der Eifel erreicht die Formel 1-Saison 2011 am Sonntag, 24. Juli ihre Halbzeit. Nach dem britischen Grand Prix am 10. Juli wird es das zweite Heimrennen in Folge für das MERCEDES GP PETRONAS Team.

    Die Anfahrt vom Start bis zur ersten Kurve ist auf dem Nürburgring 500 Meter lang. Das ist der längste Anfahrtsweg aller Strecken der Saison 2011
    In den vergangenen zehn Jahren gab es nur bei einem Rennen auf dem Nürburgring Regen - beim Großen Preis von Europa 2007.
    Der Höhenunterschied zwischen dem höchsten (627m) und niedrigsten (565m) Punkt auf dem Kurs beträgt 62m - auf der alten Nordschleife lag dieser Wert bei 300m!

    Michael Schumacher
    „Dank zwei Heimrennen in Folge haben wir das Glück, einen zusätzlichen Motivationsschub zu erhalten, wenn es nächste Woche nur zwei Wochen nach Silverstone zum Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring geht. In der bisherigen Saison war es schwierig, die Performance vorherzusagen, aber eine Sache kann ich vorhersagen: dieser Schub, den wir erwarten, wird sich in zusätzlicher Motivation widerspiegeln. In Silverstone haben wir mit unserem neuen Auspuff-System einen Schritt nach vorne gemacht. Wir haben eine Verbesserung im Umgang mit den Reifen erzielt, weshalb wir mit einem guten Gefühl in das kommende Rennwochenende gehen. Der Kampfgeist ist da. Wir wollen den heimischen Fans eine Performance auf dem höchst möglichen Level zeigen. Für mich wird es das erste Mal sein, dass ich durch die Kurve fahre, die nach mir benannt ist und ich hoffe, dass dies mich nicht nur stolz, sondern auch schneller macht.“

    Nico Rosberg
    „Der Große Preis von Deutschland auf dem Nürburgring ist für mich immer etwas Besonderes. Diese Strecke hat so viel Geschichte, vor allem Mercedes-Benz konnte mit seinen großartigen Fahrern zahlreiche Erfolge auf dem Nürburgring und der legendären Nordschleife feiern. Dieses Jahr haben wir die Gelegenheit, auf der alten Rennstrecke das Auto von Juan Manuel Fangio aus dem Jahr 1954 zu fahren. Das ist etwas ganz Spezielles. Gleichzeitig blicke ich dem Grand Prix positiv entgegen. Ich hoffe, dass wir mit unserem neuen Paket einen weiteren Schritt nach vorne machen und die Lücke zur Spitze etwas schließen können. Es wird bestimmt toll, an der Mercedes-Benz Tribüne mit all den deutschen Fans vorbeizufahren. Hoffentlich können ich und das Auto ihnen eine gute Performance zeigen.“

    Ross Brawn, Teamchef
    „Unser zweites Heimrennen in Folge steht als nächstes im Rennkalender, am kommenden Wochenende findet der Große Preis von Deutschland auf dem Nürburgring statt. Es ist immer eine Freude, vor unseren heimischen Fans zu fahren und als Mercedes-Werksteam freuen wir uns auf dieses besondere Ereignis. Unser Auto hat in Silverstone mit dem neuen Upgrade-Paket positive Anzeichen einer Verbesserung gezeigt und wir haben seither hart gearbeitet, um dessen Leistungsmöglichkeiten noch besser zu verstehen. Wir hoffen, diesen Fortschritt weiterführen zu können und kommendes Wochenende eine starke Performance zu zeigen. Wir wollen unseren Fahrern die Möglichkeit geben, vor ihren Fans ihr Können zu zeigen.“

    Norbert Haug, Mercedes-Benz Motorsportchef
    „Vor 77 Jahren, im Jahr 1934, begann am Nürburgring die ruhmreiche Geschichte der Silberpfeile. Beim Großen Preis von Deutschland wird der aktuelle Silberpfeil MGP W02 des MERCEDES GP PETRONAS Werksteams zum ersten Mal auf dieser Strecke antreten. Für unser Team ist diese Veranstaltung eine ganz besondere. Viele unserer loyalen Fans und zahlreiche unserer Arbeitskollegen werden Nico, Michael und Mercedes-Benz bei unserem zweiten Heimrennen innerhalb von vierzehn Tagen die Daumen drücken. Die Formel 1 erlebt in Deutschland 2011 nicht nur bei der Zahl der Fernsehzuschauer einen regelrechten Boom und es werden am Nürburgring deshalb mehr Zuschauer erwartet als 2009 beim letzten Rennen auf dieser Strecke. Hoffentlich können wir uns am Sonntag also über sehr gut besetzte Ränge sowie eine vollbesetzte und begeisterte Mercedes-Benz Tribüne in der spektakulären ersten Kurve freuen.
    Die Grand Prix-Strecke des Nürburgrings ist eine echte Prüfung für Fahrzeug, Fahrer und Team: Es gibt drei Kurven, die im Formel 1 mit weniger als 100 km/h gefahren werden und drei bei denen die Geschwindigkeit über 250 km/h beträgt. Eine gute Performance bei niedrigen und hohen Geschwindigkeiten ist gefordert und entscheidend. Außerdem kann stets das beliebt-berühmt-berüchtigte Eifelwetter eine Überraschung parat halten - es wäre nicht das erste Mal.
    Als Team muss man deshalb anpassungsfähig und reaktionsschnell sein, bereit dazu, jede sich bietende Gelegenheit zu nutzen. Unsere Rennperformance beim letzten Rennen in Silverstone zeigte Anzeichen eines Aufwärtstrends und wir hoffen, dass wir in den Freien Trainings am nächsten Freitag und Samstag viele Kilometer möglichst bei Trockenheit fahren können, um eine Fahrzeugabstimmung zu finden, die die Möglichkeiten unseres neuen Aerodynamik-Paketes besser nutzt. Wir alle im Team werden sicherlich alles geben, um auf heimischem Boden das bestmögliche Ergebnis einzufahren.“

    Hintergrund: Halbzeitbilanz 2011

    Hintergrund: Halbzeitbilanz 2011

    In der Formel 1-Saison 2011 wurden einige bedeutende Regeländerungen eingeführt, die wichtigsten sind das Drag Reduction System (DRS – verstellbarer Heckflügel-Flap) und die Pirelli-Reifen. Der Anstieg der internationalen TV-Zuschauerzahlen scheinen zu bestätigen, dass die Regeln beim Fernsehpublikum ankommen. Aber wie haben sie sich in der ersten Saisonhälfte wirklich ausgewirkt? Das sind die Zahlen zur Saisonhalbzeit.

    Wie viele Überholmanöver gab es in den ersten neun Rennen?
    In den ersten neun Saisonrennen gab es insgesamt 623 Überholmanöver, inklusive Manövern zwischen Teamkollegen sowie von schnelleren Autos gegen die letzten drei Teams. Nicht enthalten sind Überholmanöver in der ersten Runde oder gegen ein beschädigtes Auto.
    Wie setzen sich die Überholmanöver zusammen?
    Von den 623 Manövern entfallen 175 auf schnellere Autos gegen die letzten drei Teams, 43 fanden zwischen Teamkollegen statt. Insgesamt gab es 180 Überholmanöver mit Hilfe von DRS und 225 normale Manöver ohne DRS-Einsatz.

    Bei welchen Rennen wurde am häufigsten überholt?
    Die meisten Überholmanöver gab es in Kanada (136), Istanbul (123) und Schanghai (97); die wenigsten in Monaco (22), Silverstone (29) und Melbourne (30). Interessant ist, dass das Rennen in Valencia mit 44 Manövern doppelt so viele Überholvorgänge wie Monaco erlebte. Davon fanden 16 in der ersten DRS-Zone und sechs in der zweiten statt.

    Wie hat sich DRS auf die Überholmanöver ausgewirkt?
    DRS wurde bei 29% aller Überholmanöver in dieser Saison eingesetzt. Bei vier Rennen wurden mehr DRS-Manöver durchgeführt als normale Überholmanöver: Schanghai (33% der Gesamtzahl), Istanbul (41%), Barcelona (35%) und Valencia (50%). Die meisten Positionswechsel mit Hilfe von DRS gab es in Istanbul (50), gefolgt von Schanghai (31) und Barcelona (29); die wenigsten in Monaco (2), Melbourne (5) und Silverstone (6).

    Wie sind DRS-Manöver und normale Überholvorgänge verteilt?
    In Valencia überwogen die DRS-Manöver im Vergleich zu den normalen Überholmanövern am deutlichsten: Bei der Hälfte (50%) aller Überholvorgänge wurde DRS eingesetzt, nur 11% waren normale Manöver. Zum Vergleich: In Monaco gab es bei weitem mehr normale Überholmanöver (64%) als DRS-Manöver (9%). In Silverstone sahen wir 55% normale Überholvorgänge und 21% mit Einsatz von DRS.

    Wie oft wurde auf der ersten Runde überholt?
    Obwohl man behaupten könnte, dass die Wichtigkeit einer guten Platzierung zu Rennbeginn durch die neuen Regeln geringer geworden ist, spielt eine gute erste Runde immer noch eine bedeutende Rolle. Nico Rosberg und Michael Schumacher haben insgesamt in dieser Saison nur dreimal Positionen auf der ersten Runde verloren (ohne den Schaden an Michaels Auto auf der Startrunde in Australien). Michael hat bei vier Rennen drei oder mehr Plätze gutgemacht – am meisten Positionen gewann er auf der Eröffnungsrunde in China (5 Plätze).

    Wie haben sich die Reifen auf die Rennen ausgewirkt?
    Von den 225 normalen Überholmanövern entfallen rund 55% auf Autos, deren Reifen weniger als fünf Runden Unterschied bei der Laufzeit aufwiesen, sowie 45% auf Autos, bei denen der Unterschied mehr als fünf Runden betrug. Von den 180 DRS-Manövern fanden 52% mit einem Reifenunterschied von weniger als fünf Runden und 48% mit einem Unterschied von mehr als fünf Runden statt. Den größten Einfluss hatte das Alter der Reifen in Barcelona, wo 69% der Überholmanöver auf „alte“ Reifen zurückzuführen waren. Den geringsten Einfluss gab es bei den Regenrennen in Montreal und Silverstone.

    Wie viele Boxenstopps gab es in dieser Saison?
    Insgesamt gab es in neun Rennen 560 Boxenstopps (inklusive Strafen). Davon entfallen 11 auf Durchfahrtsstrafen und vier auf 10-Sekunden-Stop-and-Go-Strafen. Die meisten Stopps gab es in der Türkei (82), gefolgt von Spanien (77) und Kanada (76); die wenigsten Boxenhalte gab es in Monaco (43), Melbourne (46) und Silverstone (54). Bei zwei Rennen wurden keine Strafen ausgesprochen: Spanien und Europa. Mit vier Durchfahrtstrafen wurden in Kanada die meisten Strafen ausgesprochen.

    Rennen: Großer Preis von Deutschland 2011

    Rennen: Großer Preis von Deutschland 2011

    Die MERCEDES GP PETRONAS Piloten Nico Rosberg und Michael Schumacher beendeten ihr Heimrennen auf dem kalten Nürburgring auf den Plätzen sieben und acht.

    • Nico absolvierte drei Boxenstopps, in Runde 14, 36, 53; weich/weich/weich/hart
    • Michael kam drei Mal an die Box, in Runde 15, 37, 56, weich/weich/weich/hart
    • Michael drehte sich in der 23. Runde, was ihm über 15 Sekunden kostete, danach folgte eine Aufholjagd auf Platz acht
    • MERCEDES GP PETRONAS holte insgesamt zehn WM-Punkte, gleich viel wie in Silverstone

    Nico Rosberg:
    “Ich hatte einen guten Start, konnte in der ersten Runde einige Positionen gutmachen und lag auf Platz fünf. Das Setup war heute nicht perfekt, das Auto arbeitete nicht so gut wie im Qualifying. Ich hatte ein gutes Duell mit Felipe Massa, aber obwohl ich hart gepusht habe, war ich nicht in der Lage, ihn hinter mir zu halten. Der siebte Platz ist okay, aber wir wissen, dass noch viel Arbeit vor uns liegt, um im Rennen das Maximum aus unseren Updates herauszuholen. Ich bin überzeugt, dass wir das schaffen werden, denn ich habe mit meinen Ingenieuren und meinen Jungs in der Garage ein großartiges Team hinter mir. Wir werden sehen, was beim kommenden Rennen in Ungarn passiert.”

    Michael Schumacher:
    “Es war ein spannendes Rennen mit sehr viel Action, sowohl für die Zuschauer als auch für die Fahrer. Ich hoffe, dass jeder auf der Tribüne seinen Spaß hatte und für die kalten Temperaturen entschädigt wurde. Mein Dreher kam völlig überraschend, allerdings ist diese Stelle bei feuchten Bedingungen dafür prädestiniert, auch wenn es heute gar nicht so feucht war. Dadurch habe ich einige Positionen verloren, was schade ist. Gegen Ende wäre Regen hilfreich gewesen, aber die Chancen waren gering und deshalb habe ich auch nicht darauf gezählt. Alles in allem bin ich mit dem Rennverlauf zufrieden. Wir haben eine kleine Verbesserung gezeigt, umso mehr freue ich mich auf Ungarn.”

    Ross Brawn:
    “Zu Beginn des Rennens hat es für uns ganz gut ausgesehen. Nico lag sehr stark in den Top-6 und es sah danach aus, als könnte er dort das Rennen beenden. Allerdings war die Pace im dritten Stint nicht so gut, was ihn Positionen gekostet hat. Michael scheint in Kurve zehn auf eine feuchte Stelle gekommen zu sein, wodurch er sich drehte. Danach zeigte er eine starke Aufholjagd und beendete das Rennen zehn Sekunden hinter Nico. Wir sahen heute einige gute Kämpfe auf der Strecke, unsere Fahrer waren ebenfalls in ein paar involviert und konnten dabei ein paar weitere Punkte für die Weltmeisterschaft sichern.”

    Norbert Haug:
    “Zumindest haben wir mit den Plätzen sieben und acht für Nico und Michael Punkte geholt. Unser Renntempo war auch dadurch beeinflusst, dass Nico und Michael für recht lange Zeit Benzin sparen mussten. Zu Beginn sah unser Speed im Vergleich zu den drei Top-Teams besser aus als nach dem ersten Renndrittel.”

    Toller Dreikampf: Hamilton triumphiert in Deutschland!

    Toller Dreikampf: Hamilton triumphiert in Deutschland!

    Lewis Hamilton setzt seine Galavorstellung fort und krönt sich vor Alonso und Webber zum "Nürburg-King" - Sebastian Vettel rettet immerhin noch Platz vier

    "Phänomenaler Hamilton lässt McLaren hoffen" lautete gestern nach dem Qualifying auf dem Nürburgring eine unserer Schlagzeilen - und der 26-jährige Brite hat beim heutigen Grand Prix von Deutschland Wort gehalten: Lewis Hamilton setzte sich nach einem packenden Dreikampf vor Fernando Alonso (Ferrari) und Mark Webber (Red Bull) durch und feierte den insgesamt 16. Sieg seiner Formel-1-Karriere.


    Nach der McLaren-Pleite von Silverstone und dem eher ernüchternden Freitagstraining hatte Hamilton zunächst noch ausgeschlossen, in der Eifel auf Pole-Position fahren zu können. Gestern fuhr er jedoch dank einer Fabelrunde sensationell in die erste Reihe (nur 0,055 Sekunden hinter Polesetter Webber) und heute wurde er seinem Ruf als erstklassiger Racer einmal mehr gerecht. Denn in den entscheidenden Situationen ließ er seinen Gegnern keine Chance.

    Hamilton schwebt auf Wolke sieben
    Hamilton gewann nach 60 Runden 3,9 Sekunden vor Alonso, fuhr in 1:34.302 Minuten auch die schnellste Runde im Rennen - also ein Erfolg auf allen Linien: "Jeder Sieg ist besonders, aber die Emotionen sind heute besonders groß. Wenn du dich so hart anstrengst und dann wieder gewinnst, dann ist das kaum zu beschreiben", jubelt der zuletzt oftmals kritisierte McLaren-Pilot. "Ich fühle mich einfach großartig. Das war eines der besten Rennen, die ich jemals gefahren bin!"

    Damit stahl er dem Favoriten der Herzen, Sebastian Vettel (Red Bull), die Show. Der Lokalmatador erwischte keinen perfekten Start, wurde in der ersten Kurve zwischen den beiden Ferraris eingeklemmt und musste zurückstecken, als Alonso seine Nase recht kompromisslos hineinsteckte. Also führte zunächst Hamilton vor Webber, Alonso und Vettel, von dem man heute mehrmals den Eindruck hatte, dass er nicht allerletztes Risiko ging.

    "Mit 80 Punkten Vorsprung kann man auch so agieren, keine Frage", zeigt 'Motorsport-Total.com'-Experte Hans-Joachim Stuck Verständnis für die Zurückhaltung des WM-Leaders. "Und wir haben schon 1.000 Mal gesagt: Der Druck ist beim Heimrennen am größten. Trotzdem hat er die Punkte mitgenommen und er ist weiterhin auf WM-Kurs." Nach dem ersten Nicht-Podium der Saison immer noch mit 77 Zählern Vorsprung auf Webber.

    Vettel gesteht Fahrfehler ein
    In den ersten Runden lieferten sich Alonso und Vettel einen Schlagabtausch: Zuerst leistete sich Alonso in der Mercedes-Arena einen Schnitzer, den Vettel nutzte, dann folgte in der achten Runde vor der NGK-Schikane der eiskalte Konter des Spaniers. In Runde neun eine Riesenschrecksekunde für die deutschen Fans, als sich Vettel drehte - und dadurch den Anschluss an das Führungstrio, aber zumindest keine Position verlor.

    "War ein Fehler von mir, muss ich auf meine Kappe nehmen", gesteht Vettel, der mit dem heutigen Tag "nicht zufrieden" ist. "Ich war dort ein bisschen zu weit rechts. Man versucht natürlich, so weit wie möglich auszuholen, aber der Dreher hat nicht geholfen. Man geht ans Limit. Ich war jede Runde auf der weißen Linie drauf, aber dieses eine Mal zu weit draußen. Im Trockenen macht das nichts aus, im Nassen halt schon."

    Vorne fuhr der D-Zug mit Hamilton, Webber und Alonso davon, während Vettel phasenweise bis auf Rang neun zurückfiel und sich gegen Ende hin ein Duell mit Felipe Massa (Ferrari) abzeichnete. Massa lieferte heute eine seiner besseren Vorstellungen in dieser Saison ab: "Das Rennen war fantastisch, ich habe sogar Sebastian überholt", freut er sich. Aber: "Leider habe ich den Platz an der Box wieder verloren."

    Denn Massa und Vettel fuhren an vierter und fünfter Stelle liegend lange Stints, mussten ihren jeweils dritten und letzten Boxenstopp in der vorletzten Runde (!) absolvieren. Dabei hatte Renningenieur Guillaume Rocquelin Vettel in der 58. Runde noch angefunkt: "Mach genau das Gegenteil von Massa - wenn er reinkommt, bleibst du draußen, wenn er draußen bleibt, kommst du rein!" Aber Vettel verweigerte den Befehl, was sich als goldrichtig herausstellen sollte.

    Red-Bull-Crew rettet Vettel Platz vier
    Als es nämlich zum Showdown der beiden Boxencrews kam, arbeiteten die Mechaniker von Vettel schneller. Somit erntete er den Lohn für seine offensichtlich schnellere Pace, die er hinter Massa viele Runden lang vernünftig im Zaum halten musste: "In der zweiten Rennhälfte hätte ich schneller fahren können, aber mit dem Boxenstopp hat es natürlich gut geklappt - da haben meine Jungs kühlen Kopf bewahrt", so der Deutsche.

    Nach elf Runden führte Hamilton 0,5 Sekunden vor Webber und 1,9 Sekunden vor Alonso - und eine Runde später lag Webber ausgangs NGK-Schikane schon für ein paar Meter in Führung, ehe Hamilton doch wieder konterte. Dieses Geplänkel nutzte Alonso, der von hinten endgültig aufschließen konnte. 'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer: "Es war ein super Grand Prix mit verschiedenen Leadern und einem spannenden Kampf um die Spitze."

    Wie aufgeladen der Dreikampf in jener Phase war, bewies ein Funkspruch von Hamilton: "Stop talking while I'm racing!" In Runde 14 eröffnete Webber dann die Boxenstopps der Siegesanwärter, in Runde 16 kamen Hamilton und Alonso rein. Webber sicherte sich dadurch tatsächlich die Führung, gab diese beim zweiten Stopp aber wieder ab. "Wer früher stoppt, verliert", schien dabei die Regel zu sein, denn die Reihenfolge der Top 3 drehte sich in den Runden 30, 31 und 32 genau um.

    Hamilton: Racing wird belohnt
    In jener Phase zeigte sich Hamiltons Extraklasse, denn nach seinem zweiten Stopp konnte er sich in der Mercedes-Arena erfolgreich gegen Webber wehren, nach dem dritten Stopp setzte er das gleiche Manöver aus der Position des Hintermanns gegen Alonso aber erfolgreich um. "Das können andere auch, aber er zieht es ganz konsequent durch", lobt Experte Stuck die letztendlich rennentscheidende Szene des heutigen Rennens.

    Denn im letzten Stint auf den härteren Pirelli-Mediums ließ Hamilton nichts mehr anbrennen, obwohl er wegen seiner abbauenden weichen Pneus vor seinen beiden direkten Konkurrenten an die Box kommen musste. Alonso: "Im letzten Stint kam ich nicht mehr näher an Lewis ran. Mit den Medium-Reifen waren wir nicht schnell genug, also haben wir den Abstand auf Mark kontrolliert. Aber es war wieder ein großartiges Rennen."

    Webbers Strategie, erst in der 56. Runde an die Box zu kommen, war wohl nur noch der verzweifelte Versuch, mit Hilfe eines späten Regenschauers doch noch zu gewinnen - doch trotz der schlechten Wetterprognosen blieb es in der Eifel diesmal an allen drei Tagen trocken. "Schade, ich hätte schon auf ein bisschen Regen gehofft", meint etwa Michael Schumacher (Mercedes), der 9,9 Sekunden hinter seinem Teamkollegen Nico Rosberg als Achter ins Ziel kam.

    Platz sechs wäre möglich gewesen
    Schumacher fuhr einmal mehr ein aggressives Rennen, hatte Glück, als er Jaime Alguersuari (Toro Rosso) in der NGK-Schikane beinahe ins Heck gerauscht wäre, zeigte aber auch in einigen Zweikampf-Situationen seinen bekannten Killerinstinkt. Ein besseres Ergebnis verschenkte er jedoch durch einen unnötigen Dreher. "Ich gehe davon aus, dass wir vor Adrian hätten bleiben können, aber solche Dinge passieren", ärgert er sich.

    Adrian Sutil (Force India), ein bekennender Nürburgring-Spezialist, knüpfte im Rennen nahtlos an seine starke Qualifying-Leistung an und wurde (noch in der gleichen Runde wie Sieger Hamilton) starker Sechster. "Sechster Platz ist natürlich super. Gute Strategie, aber auch das Auto hat gut gepasst. 15 Sekunden nach hinten - das war komfortabel", freut er sich und kündigt an: "So wollen wir die zweite Saisonhälfte beenden."

    Auch Rosberg, der am Ende überrundet wurde, spricht von einem "guten Wochenende", obwohl er seinen fünften Platz nach dem Start ("Massa war einfach zu schnell") nicht lange halten konnte: "Ein Platz besser wäre noch gegangen, aber Siebter ist okay." Die hohen KERS-Temperaturen vor dem Start waren übrigens kein Problem: "Supercool zu sehen, wie schnell die Jungs gearbeitet haben! Das hatte überhaupt keinen Einfluss auf mein Rennen."

    Somit holten vier von sechs Deutschen WM-Punkte. Leer ging Timo Glock (Marussia-Virgin) aus, der zehn Sekunden vor Teamkollege Jerome D'Ambrosio 17. wurde, und auch Nick Heidfeld (Renault), für den das Heimspiel zu einer verkorksten Angelegenheit wurde. Die Durchfahrstrafe für die Startkollision mit Paul di Resta (Force India) musste er nämlich nur nicht absitzen, weil er zu dem Zeitpunkt nach einem Crash mit Sebastien Buemi (Toro Rosso) schon ausgeschieden war.

    Heidfeld kritisiert Buemi
    "Er hat die linke Seite zugemacht, was legitim ist. Wenn ich dann aber rechts neben ihm bin, kann er nicht einfach nach rechts rüberfahren und mich in die Wiese reindrängen", kritisiert der Deutsche Buemi. "Ich hatte keinen Platz. Es war dumm und nicht ungefährlich. Zum Glück ist nichts passiert. Er musste wissen, dass ich da war. Keine Ahnung, was da in ihm vorgegangen ist. Es war klar, dass das nicht gut gehen kann."

    Weitere Ausfälle betrafen Vitantonio Liuzzi (HRT), der bis dahin souverän vor seinem Teamkollegen Daniel Ricciardo (19.) lag, Jenson Button (McLaren/Hydraulik) und Rubens Barrichello (Williams/Ölleck). Karun Chandhok (Lotus) sah bei seinem Comeback als Ersatz für Jarno Trulli immerhin die Zielflagge, wenn auch mit vier Runden Rückstand und als 20. und letzter gewerteter Fahrer des zehnten Saisonlaufs.

    In der Fahrer-WM führt nach zehn von 19 Grands Prix weiterhin Vettel (216 Punkte) vor Webber (139), Hamilton (134) und Alonso (130). "Ich freue mich, dass es ein spannendes Rennen war, aber die Weltmeisterschaft schmeißt es nicht gerade um", schmunzelt Experte Surer. Auch bei den Konstrukteuren ist die Führung von Red Bull (355) vor McLaren (243) komfortabel. Weiter geht's schon in einer Woche auf dem Hungaroring bei Budapest.
    Dateien

    Großer Preis von Ungarn 2011: Vorschau

    Großer Preis von Ungarn 2011: Vorschau

    Am kommenden Wochenende steht der elfte Saisonlauf der Saison 2011 auf dem Programm – der Große Preis von Ungarn auf dem Hungaroring, das dritte von insgesamt vier Rennen in Folge ohne Pause.

    Michael Schumacher
    „Nach zwei Heimrennen in Folge geht es nun nach Ungarn. Ich fühle mich dem Rennen verbunden, denn ich werde nie vergessen, wie ich dort einen meiner WM-Titel gewonnen habe. Außerdem erhielt ich in Budapest schon immer viel Unterstützung von meinen Fans. Hoffentlich können wir ihnen ein schönes Wochenende bieten. Die kürzlichen Fortschritte mit unserem Auto stimmen mich zuversichtlich. Ich bin vom Einsatz des Teams und der Jungs in der Fabrik in England beeindruckt; sie legen stetig neue Entwicklungen nach. Ich freue mich auf Ungarn.“

    Nico Rosberg
    „Der Große Preis von Ungarn ist mein 100. Grand Prix, was irgendwie verrückt ist, wenn man bedenkt, dass mein Vater in seiner gesamten Karriere 114 Rennen bestritten hat. Es ist eine schöne Zahl, aber die Statistik ist für mich nicht so wichtig. Ich mag den Hungaroring sehr und freue mich deshalb auf ein besseres Wochenende in Budapest als 2010, als ich leider nicht ins Ziel kam. Wir müssen an unserem Rennsetup arbeiten – in Deutschland war mein Auto im Qualifying besser als im Rennen. Ich bin sicher, dass uns das gelingen kann und wir damit einen weiteren kleinen Schritt machen können.“

    Ross Brawn, Teamchef
    „Mit dem Ungarn Grand Prix in Budapest endet am kommenden Wochenende eine Reihe sehr anstrengender Wochen für das Team. Danach bietet die wohlverdiente Sommerpause der Mannschaft die Möglichkeit, ihre Akkus wieder aufzuladen. Der Hungaroring ist eine technisch sehr anspruchsvolle Strecke und wir wollen dort mehr Erfahrung mit den neuen Teilen sammeln. In der Vergangenheit waren Überholmanöver in Budapest nicht gerade einfach, weshalb es interessant sein wird, die Auswirkungen von DRS und KERS zu beobachten. Unsere Leistungen in Silverstone und am Nürburgring waren ermutigend, wobei unsere Pace noch nicht ausreicht, um mit den Spitzenteams mitzuhalten. Wir werden weiterhin hart arbeiten, um Verbesserungen zu finden.“

    Norbert Haug, Mercedes-Benz Motorsportchef
    „Der Große Preis von Ungarn wird auf einer mittelschnellen Strecke gefahren und rund 40 Prozent der Runde werden in Kurven mit zirka 150 km/h oder weniger durchfahren. Mit 70 Runden ist der Grand Prix lang und fordernd und normalerweise ist es in Budapest im August sehr heiß – was nach den letzten beiden Formel 1-Rennwochenenden sicher eine willkommene Abwechslung wäre. Unser Ziel in Budapest ist es, weitere Punkte zu machen und unsere Position zu stabilisieren. Der Große Preis von Ungarn ist seit dem Saisonbeginn 2006 das 100. Rennen für unseren Mercedes-Benz 2,4 Liter V8-Motor. In seinen bisherigen 99 GP hat unser V8 insgesamt 32 Mal den Sieger angetrieben."

    Hintergrund: Der 100. Grand Prix für den V8

    Hintergrund: Der 100. Grand Prix für den V8

    Beim Großen Preis von Ungarn 2011 gibt es gleich mehrere Jubiläen zu feiern: den 100. Grand Prix von MERCEDES GP PETRONAS Fahrer Nico Rosberg und den 200. Grand Prix von Jenson Button, der 2009 mit Mercedes-Motor Weltmeister wurde. Gleichzeitig erreicht die Formel 1 einen technologischen Meilenstein mit dem 100. Rennen des 2,4 Liter V8-Motors. Wir fassen die Geschichte dieses Motors seit dem Debüt beim Großen Preis von Bahrain 2006 zusammen...

    Obwohl die Motorarchitektur und der Hubraum in den vergangenen fünfeinhalb Saisons unverändert blieben, wurde der V8-Motor unter einer Vielzahl an Reglements eingesetzt. Im Jahr 2006 war Weiterentwicklung erlaubt, die Motoren mussten allerdings zwei Rennwochenenden halten. Für die Saison 2007 wurden die Motoren homologiert (der Beginn der „Motoreneinfrierung“) und mussten am Samstag und Sonntag bei zwei aufeinanderfolgenden Rennwochenenden eingesetzt werden – am Freitag durften die Teams einen anderen Motor verwenden, um sie zu mehr Fahrbetrieb im Training zu ermutigen. Diese Regeln galten auch in der Saison 2008. Seit Saisonstart 2009 stehen jedem Fahrer acht Motoren für die gesamte Saison zur Verfügung. 2009 und 2011 sind die Autos zudem mit dem KERS Hybrid-System ausgestattet.

    Wie sieht die Basisspezifikation des Motors aus?
    Der 2011er Motor trägt den Codenamen FO108Y. Er hat einen maximalen Hubraum von 2,4 Litern und bei der Architektur sind acht Zylinder in einer V-Anordnung mit einem Öffnungswinkel von 90 Grad vorgeschrieben. Die Bohrung der Hubkolben beträgt maximal 98 mm und der Motor hat insgesamt 32 Ventile. Das Mindestgewicht liegt gemäß des Reglements bei 95 kg. Der Motor leistet über 750 PS.

    Wie hoch ist die Laufleistung des V8-Motors?
    Seit Saisonstart 2006 hat der Mercedes-Benz V8-Motor insgesamt 102.427 Rennkilometer zurückgelegt – das entspricht 89% der möglichen Renndistanz. Unter dem Reglement von 2006 hatte jeder Motor eine Lebensspanne von rund 1.000 km, heutzutage legt jeder Motor ungefähr 2.000 km zurück.

    Wie viele Rennen hat der Mercedes-Benz V8-Motor gewonnen?
    Die erfolgreichste Saison des Motors war 2009 mit zehn Rennsiegen (59% aller möglichen Saisonsiege), zehn Pole Positions und fünf schnellsten Rennrunden – sowie dem Gewinn der Fahrer- und der Konstrukteursweltmeisterschaft. Die wenigsten Erfolge gab es in der Saison 2006, in welcher der Motor kein Rennen gewann. Seit der Motor für die Saison 2007 homologiert wurde, gewann er 32 von 81 Rennen – eine Siegquote von 40%.

    Wie sieht die weitere Bilanz des Motors aus?
    In bisher 99 Rennen erzielte der Motor 30 Pole Positions, 25 schnellste Rennrunden und insgesamt 94 Podestplätze mit vier Teams - MERCEDES GP PETRONAS, McLaren-Mercedes, Brawn GP und Force India.

    Welche Meilensteine hat der Motor erreicht?
    In der Saison 2009 war zum ersten Mal derselbe Mercedes-Benz V8 bei drei verschiedenen Rennen siegreich: Jenson Button gewann mit dem Motor FW049-01 die Grand Prix in Bahrain, Spanien und Monaco. Danach wurde der Motor im Freitagstraining in Deutschland und Ungarn eingesetzt. Die Laufleistung belief sich insgesamt auf 2.016 km. Er erzielte auch zwei Pole Positions (Spanien und Monaco) und lag bei 72% aller absolvierten Rennrunden in Führung. Im gleichen Jahr fuhr Lewis Hamilton mit dem Motor FW058-01 beim Großen Preis von Ungarn den ersten KERS Hybrid-Sieg der Formel 1-Geschichte ein.

    Ungarn GP / Hungaroring

    Button fehlerlos: Sieg beim Jubiläum

    Jenson Button liefert bei schwierigen Bedingungen in Ungarn einen makellosen Sieg ab - Sebastian Vettel Zweiter vor Fernando Alonso - Lewis Hamilton im Pech


    Seit 1986 gibt es den Grand Prix von Ungarn in Budapest. In dieser gesamten Zeit hatte es vor dem heutigen Tage nur ein einziges Regenrennen geben: 2006. Wer gewann damals? Jenson Button. Es war sein erster Grand-Prix-Erfolg. Im heutigen zweiten Regenrennen (mit 87 Boxenstopps!) der Hungaroring-Geschichte stand der Brite wieder ganz oben auf dem Podest - ausgerechnet bei seinem 200. Formel-1-Start.

    Schon in der Startaufstellung hatte Button ein Grinsen im Gesicht gehabt. Bei nasser Strecke und grauen Wolken am Himmel rechnete er sich für den letzten Grand Prix vor der Sommerpause gute Chancen aus. Aber auch sein Teamkollege Lewis Hamilton war bester Dinge. Der Champion von 2008 hatte von Startplatz zwei viel vor, konnte dies über weite Strecken auch umsetzen.

    Beim Start auf Intermediates konnte sich Sebastian Vettel von der Pole-Position zunächst locker vorne halten. Spaß hatte der Weltmeister bei diesen anfänglichen Bedingungen aber nicht. "Im ersten Stint auf den Intermediates war es schwierig", sagt er nach Platz zwei am Ende. "In Kurve zwei habe ich etwas nach außen gehen müssen. Da war die Führung futsch."

    Hamilton schnappte sich die Spitze, zog fortan locker weg. Der Brite eilte in Siebenmeilen-Stiefeln davon, ließ der Konkurrenz keine Chance. Auch bei abgetrockneter Strecke auf Slicks war Hamilton zunächst allein auf weiter Flur. Dahinter hatte sich Button an Vettel vorbeigeschoben, aber der Jubilar konnte vorerst nicht auf seinen Teamkollegen aufschließen.

    Hamilton kann Dominanz nicht umsetzen
    Von hinten kam vielmehr Vettel noch einmal heran. "Auf den superweichen Reifen fühlte es sich ganz gut an. Es war aber zu wenig Gummi auf der Bahn. Ich konnte nochmal an die McLarens herankommen, aber dann gab es wieder Nässe", schildert Vettel. Bei erneut einsetzendem Regen machte nicht nur Mark Webber einen folgenschweren Fehler, sondern auch Hamilton.

    Der Brite drehte sich, wendete schnell, aber gefährlich. Paul di Resta musste wild über den Rasenstreifen ausweichen, schaffte es gerade noch am McLaren vorbei. Für diese Aktion bekam Hamilton eine Durchfahrtsstrafe. Als der Regen kurzzeitig stärker wurde, wechselten Webber und Hamilton auf Intermediates - ein grober Fehler. Die Slicks ließen immer noch schnelle Runden zu, der Regen hörte wieder auf.

    Hamilton und Webber kämpften sich letztlich im Doppelpack auf den Plätzen vier und fünf ins Ziel, für beide eigentlich zu wenig. Vorne hatte Button fortan leichtes Spiel. Auf schnelle Runden von Vettel konnte der Brite jederzeit reagieren und souverän seinen zweiten Saisonsieg einfahren. "2006 und nun hier wieder bei solchen Bedingungen - großartig", jubelt er. "Ein toller Start in die Sommerpause."

    "Der zweite Platz war ganz gut, auch wenn der Sieg heute in Reichweite war", fasst Vettel am Ende zusammen. Doch der Deutsche war eigentlich der Glückliche. Durch den zweiten Platz hinter Button konnte er seine Gesamtführung sogar noch weiter ausbauen. "Ein superlanges Rennen unter diesen Bedingungen. In den ersten 30 Runden hing ich hinter den Mercedes und hinter Mark Webber - das war einfach zu viel", fasst Alonso nach Rang drei zusammen.

    Ferrari im Nassen zu langsam
    Für Ferrari war es die optimale Ausbeute in einem völlig verkorksten Rennen. Alonso und Felipe Massa waren gleich beim Start hinter Webber und beide Mercedes zurückgefallen. Der Brasilianer leistete sich früh einen Dreher, demolierte dabei seinen Heckflügel. Er holte schließlich als Sechster noch gute Punkte. Alonso wäre um ein Haar ein Opfer seiner mutigen Taktik geworden.

    Auf abgetrockneter Strecke entschied sich Alonso zu einem frühen Stopp, legte mit den superweichen Pneus einen Zwischensprint ein. Das Problem: Er musste somit einmal mehr stoppen als die Konkurrenz. Nur der Taktikfehler bei Hamilton und Webber konnte ihn wieder auf das Podest spülen. Bei feuchten Bedingungen waren die Roten grundsätzlich nicht schnell genug.

    "Es war eine Lotterie, alles hätte passieren können. Mit Platz zwei sind wir zufrieden", meint Red-Bull-Teamchef Christian Horner nach dem Rennen. Der Brite kann zumindest Vettels Leistung als Erfolg verbuchen, bei Webber hingegen ging vieles schief. "Mark wollte Intermediates haben, wir haben sie ihm gegeben. Aber es stellte sich als falsch heraus", sagt Horner und schiebt dem Piloten somit die Schuld in die Schuhe.

    Eine große Pleite erlebte Mercedes - dabei hatte alles so gut angefangen. Das Gewusel bem Start konnten Nico Rosberg und Michael Schumacher perfekt ausnutzen, sich sofort an den Ferraris vorbei auf die Plätze vier und fünf schieben. Doch anschließend kämpften die Silberpfeile mit stumpfen Waffen. Nico Rosberg schleppte sich letztlich als Neunter noch in die Punkte.

    Ausfälle für Schumacher und Heidfeld
    Für Michael Schumacher war das Rennen schon nach 26 Runden wegen eines Getriebeschadens beendet. Auch Nick Heidfeld kam nicht ins Ziel. Der Renault-Pilot sorgte sogar für die spektakulärste Szene: Nach einem Boxenstopp in der 23. Runde entstand am R31 ein Feuer im Seitenkasten, bei der Ausfahrt folgte eine regelrechte kleine Explosion. Heidfeld hüpfte unverletzt aus dem Wagen. "Noch heftiger als in Barcelona", berichtet der Deutsche.

    Außer Heidfeld und Schumacher konnten auch die beiden Lotus-Piloten Heikki Kovalainen und Jarno Trulli den Grand Prix nicht beenden. Deutlich besser lief es hingegen bei anderen Piloten. Paul di Resta hatte sich konsequent nach vorne gearbeitet und einen sensationell starken siebten Rang eingefahren, Sebastien Buemi schoss sich von Startplatz 21 auf Platz acht, sein Teamkollege Jaime Alguersuari holte als Zehnter einen Punkt.

    Beim Blick auf das Ergebnis von Paul di Resta dürften dessen Force-India-Kollegen Adrian Sutil die Tränen kommen. Der Deutsche hatte sich mit Startplatz acht eine gute Ausgangsbasis geschaffen, diese aber schnell verloren. Schon in der ersten Runde fiel er nach einem Gerangel weit zurück, schaffte es nur auf Platz 14. Timo Glock fuhr in einem soliden Rennen auf den 17. Rang.

    In der Gesamtwertung hat Sebastian Vettel nach seinem heutigen zweiten Rang nun 234 Zähler. Der Abstand zu den Konkurrenten Mark Webber (149), Lewis Hamilton (146) und Fernando Alonso (145) ist weiter angewachsen. Ungarn-Sieger Jenson Button liegt mit 134 Punkten auf Platz fünf. Felipe Massa (70), Nico Rosberg (48) und Nick Heidfeld (34) haben nur noch theoretische WM-Chancen. Alle anderen sind aus dem Titelrennen raus.
    Dateien

    Keine Sicherheitsbedenken nach Heidfeld-Feuer

    Keine Sicherheitsbedenken nach Heidfeld-Feuer

    Renault verabschiedet das Front-Auspuffsystem mit einem spektakulären Feuer, FIA und Nick Heidfeld sehen aber kein Sicherheitsproblem

    Das spektakuläre Feuer am Renault von Nick Heidfeld sorgte nach dem Grand Prix von Ungarn in Budapest noch für Diskussionen. Denn weil ein ähnlicher Zwischenfall schon in Barcelona aufgetreten war, vermuten Experten, dass es mit dem unkonventionellen Front-Auspuffsystem des R31 ein Sicherheitsproblem geben könnte.

    Ein Front-Auspuffsystem birgt bekanntermaßen Risiken, die nicht zu vernachlässigen sind. So muss man die brandheißen Auspuffgase an Benzintank und Fahrercockpit vorbei nach vorne leiten. Außerdem führen die Auspuffrohre an KERS vorbei, wo ohnehin durch die Batterien schon ein gewisses Hitzepotenzial vorhanden ist. Das kann zu kritischen Hitzeschäden führen, etwa zu Überhitzungen der Kohlefaser-Karosserie.

    Vier Sekunden länger an der Box
    Auslöser für das heutige Feuer war ein marginal verlängerter zweiter Boxenstopp. Laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' wurde Heidfeld via Funk nicht darüber informiert, dass es eine längere Standzeit geben könnte, sodass er - zum Losfahren bereit - bereits auf dem Gas stand. Dadurch wurden heiße Auspuffgase entwickelt, die wegen des fehlenden Fahrtwinds nicht gekühlt wurden.

    Der Zwischenfall sei "viel furchterregender" als Barcelona gewesen, schildert der Deutsche: "In Barcelona habe ich nach links geschaut, sah ein kleines Feuer und hatte Zeit zum Anhalten. Diesmal schaute ich geradeaus, sah das Feuer und es wurde heiß. Ich habe die Temperatur wirklich gespürt. Es war schon ein bisschen furchterregend, was es in Barcelona eigentlich nicht war."

    Offenbar haben sich FIA-Vertreter bei Renault nach dem Zwischenfall erkundigt, um generelle Sicherheitsbedenken ausschließen zu können. Eine Untersuchung wurde aber nicht eingeleitet. Auch Heidfeld ist in punkto Sicherheit unbesorgt: "Ich mache mir Sorgen wegen der Pace, aber nicht wegen der Sicherheit." Obwohl es "eine kleine Explosion links" gab, "als ich gestanden bin. Ich weiß nicht genau, was es war."

    Neuer Auspuff steht schon bereit
    Renault hat ohnehin vor, sich ab Spa-Francorchamps (erster Grand Prix nach der bevorstehenden Sommerpause) vom Front-Auspuffsystem zu verabschieden. Stattdessen soll eine konventionelle Heckvariante zum Einsatz kommen, wie sie Heidfeld schon am Nürburgring getestet hat. Unabhängig davon plant das französische Team ein letztes wirklich großes Update für diese Saison.

    Das macht Spa-Francorchamps zum Schlüsselrennen: "Es muss funktionieren. Wir sagen nun schon seit einigen Rennen, dass wir das Problem verstehen und vorankommen", zeigt sich Heidfeld selbstkritisch und verweist auf die zuletzt eher im Detail gelegenen Modifikationen. "Spa ist ein sehr wichtiges Rennen für uns. Wenn das nicht funktioniert, dann haben wir ein Problem. Hoffen wir das Beste."
    Bilder
    • Feue1.jpg

      58,5 kB, 482×322, 6 mal angesehen