Interessantes zu Formel 1 im Jahr 2012

      Interessantes zu Formel 1 im Jahr 2012

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      Interessante Links:

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      Regelment

      Sportliches Reglement
      Teilnahmeberechtigung
      An der Formel-1-Weltmeisterschaft dürfen nur Fahrer teilnehmen, die im Besitz einer FIA-Superlizenz sind. Diese wird nach Kriterien der FIA vergeben. Meister von hochrangigen Nachwuchsserien und andere "erwiesene" Nachwuchsfahrer sind aber in der Regel automatisch dafür qualifiziert.

      Bei Vergehen im Straßenverkehr, die zum Beispiel zu einem Führerscheinentzug führen, kann die FIA dem betroffenen Fahrer theoretisch auch die Superlizenz aberkennen. In der Praxis werden solche Fälle aber mit Fingerspitzengefühl behandelt.

      Anzahl der Rennen
      Eine Formel-1-Weltmeisterschaft besteht mindestens aus acht, aber maximal aus 20 Rennen.

      Punktesystem
      01. Platz: 25 Punkte
      02. Platz: 18 Punkte
      03. Platz: 15 Punkte
      04. Platz: 12 Punkte
      05. Platz: 10 Punkte
      06. Platz: 8 Punkte
      07. Platz: 6 Punkte
      08. Platz: 4 Punkte
      09. Platz: 2 Punkte
      10. Platz: 1 Punkt

      Weltmeister ist, wer in der Addition aller Grands Prix einer Saison am meisten Punkte gesammelt hat. Sollte bei den Punkten zwischen zwei oder mehreren Fahrern Gleichheit herrschen, dann entscheidet das jeweils beste Einzelresultat. Ein Sieg sticht also einen zweiten Platz aus, ein zweiter Platz einen dritten, ein dritter einen vierten und so weiter. Sollten alle Resultate komplett identisch sein, bestimmt der Automobilweltverband FIA den Weltmeister nach den ihrer Meinung nach angemessenen Kriterien.

      Für die Konstrukteurs-WM werden die Punkte aller Fahrer eines Teams addiert. Bei Punktegleichheit gelten die gleichen Kriterien wie in der Fahrer-WM.

      Renndistanz
      Für einen Grand Prix wird auf jeder Strecke die geringstmögliche Rundenzahl bemessen, die eine Distanz von 305 Kilometern überschreitet. Für Monaco wird wegen der geringen Durchschnittsgeschwindigkeit eine Ausnahme gemacht. Die maximale Renndauer beträgt zwei Stunden.

      Fahrertausch
      Während der Saison darf jedes Team bis zu vier Fahrer einsetzen. Fälle "höherer Gewalt" werden normalerweise nicht als Fahrertausch gewertet. Außerdem dürfen an Freitagstrainings (P1 und P2) zusätzliche Fahrer zum Einsatz kommen. Pro Session können aber maximal zwei Fahrer eingesetzt werden.

      Testverbot
      Zwischen der Woche vor dem ersten Saisonrennen und dem 31. Dezember eines Kalenderjahres sind Testfahrten generell verboten. Pro Kalenderjahr darf jedes Team maximal 15.000 Testkilometer absolvieren.

      Ausnahme: Wechselt ein Team während der Saison einen Fahrer ein, der in den vorangegangenen beiden Kalenderjahren an keinem Formel-1-Rennwochenende teilgenommen hat, dann darf ein zusätzlicher Testtag eingelegt werden. Absolviert dieser Fahrer den Testtag, nimmt dann aber doch nicht am Rennen teil, wird dem Team im nächsten Winter ein Testtag gestrichen..

      Erlaubt sind auch PR-Fahrten auf eigens dafür zugelassenen Reifen sowie drei Testtage für Nachwuchsfahrer zwischen dem Saisonende und dem 31. Dezember. Daran dürfen jedoch nur Fahrer teilnehmen, die nicht mehr als zwei Grands Prix bestritten haben.

      Ebenfalls erlaubt sind vier Geradeaustests zu aerodynamischen Zwecken. Jeder dieser Testtage kann gegen vier Stunden mit 1:1-Modellen im Windkanal eingetauscht werden.

      Fahrzeuggewicht
      Ein Formel-1-Wagen muss inklusive Fahrer, Öl und Bremsflüssigkeit zu jedem Zeitpunkt auf der Strecke mindestens 640 Kilogramm wiegen. Ausnahmen werden beim Verlust von Fahrzeugteilen gemacht, die durch einen Unfall oder technischen Defekt verursacht wurden.

      Reifen
      Pirelli (von der FIA ausgewählter Standard-Reifenhersteller bis einschließlich 2013) bietet als Monopolist pro Grand Prix zwei verschiedene Reifenmischungen an. Die weichere davon muss für die Zuschauer ersichtlich gekennzeichnet sein. In den Trainings und im Qualifying steht den Fahrern die Reifenwahl frei, im Rennen muss jede der beiden Mischungen aber für zumindest eine volle Runde zum Einsatz kommen.

      Pro Rennwochenende stehen einem Fahrer maximal elf Sätze Trockenreifen (sechs der härteren und fünf der weicheren Gummimischung), vier Sätze Intermediates und drei Sätze Regenreifen zur Verfügung. Ein Reifensatz muss immer aus vier Reifen der gleichen Spezifikation bestehen.

      Jeder Fahrer bekommt für den Freitag drei Reifensätze zur Verfügung gestellt, zwei von der härteren und einen von der weicheren Mischung. Ein Satz harter Reifen muss nach dem ersten, die restlichen beiden Sätze nach dem zweiten Training zurückgegeben werden. Für den Rest des Rennwochenendes stehen acht Reifensätze zur Verfügung (vier von jeder Mischung). Vor Beginn des Qualifyings muss ein weiterer Satz von jeder Mischung zurückgegeben werden.

      Die Fahrer, die am dritten Qualifying-Abschnitt teilgenommen haben, müssen mit jenen Reifen ins Rennen starten, mit denen sie im dritten Abschnitt ihre schnellste Zeit erzielt haben. Diese Regel entfällt bei einem Regenrennen.

      Für den Fall eines Regenrennens stehen jedem Fahrer vier Regen- und drei Extremregenreifensätze zur Verfügung.

      Die Regel, dass jede der beiden Trockenmischungen verwendet werden muss, gilt dann natürlich nicht. Dazu muss das Rennen aber vom Rennleiter als Regenrennen deklariert werden.

      Startaufstellung
      Die Autos stehen nach dem Ergebnis des Qualifyings (inklusive Berücksichtigung etwaiger Rückversetzungs-Strafen) gestaffelt im Acht-Meter-Abstand versetzt zueinander.

      Qualifying
      Das Qualifying beginnt in der Regel am Samstag um 14:00 Uhr Ortszeit und läuft wie folgt ab: In den ersten 20 Minuten dürfen alle Autos auf die Strecke gehen. Am Ende dieser ersten Session dürfen die sieben langsamsten Fahrer nicht weiter an der Qualifikation teilnehmen. Diese Autos nehmen die letzten sieben Startpositionen (18 bis 24) in der Reihenfolge ihrer gefahrenen Zeiten ein, wobei der schnellste Pilot die 18. Startposition zugewiesen bekommt.

      Sollte ein Fahrer im ersten Qualifying keine Zeit erreichen, die innerhalb von 107 Prozent mit der Q1-Bestzeit liegt, ist er nicht berechtigt, am Rennen teilzunehmen. Die Rennkommissare können jedoch eine Ausnahmegenehmigung erteilen, zum Beispiel, wenn ein Fahrer in einem Freien Training eine angemessene Rundenzeit erreicht hat. Sollten mehrere Fahrer mittels Ausnahmegenehmigung zugelassen werden, entscheiden die Rennkommissare über deren Startreihenfolge.

      Die Bestzeiten der verbleibenden 17 Autos werden für die zweite Qualifikationseinheit gestrichen. Am Ende der zweiten Session (15 Minuten) scheiden erneut die sieben Langsamsten aus und werden von der dritten Session ausgeschlossen. Diese Autos bilden die Startpositionen elf bis 17. Der Schnellste nimmt den elften Rang ein, der Langsamste den 17. Platz.

      Die verbleibenden zehn Autos gehen erneut mit zurückgesetzten Zeiten in den letzten Qualifying-Abschnitt. Die Fahrer haben zehn Minuten Zeit, die Top-10-Startplatzierungen unter sich auszumachen. Der Schnellste gewinnt die Pole-Position.

      Ersatzautos
      Jedes Team darf nur zwei Autos pro Rennwochenende verwenden. Der Einsatz eines bereitstehenden Ersatzautos, wie er früher üblich war, ist heute nicht mehr gestattet.

      Motor- und Getriebewechsel
      Pro Rennsaison und Auto darf ein Team maximal acht Motoren verwenden. Für jeden zusätzlich eingesetzten Motor wird der Teilnehmer im nächsten Rennen mit einer Rückversetzung um zehn Positionen in der Startaufstellung bestraft.

      Das Getriebe darf nach fünf Rennwochenenden ohne Strafe gewechselt werden. Sollte ein früherer Wechsel fällig werden, wird der Teilnehmer im nächsten Rennen mit einer Rückversetzung um fünf Positionen in der Startaufstellung bestraft.

      Nachtanken
      Nachtanken während des Rennens ist nicht erlaubt.

      Rundenbegrenzung
      Es gibt weder im Freien Training noch im Qualifying eine Rundenbegrenzung.

      Parc-Fermé-Regel
      Die Autos befinden sich von dem Moment an, an dem sie sich im Qualifying das erste Mal auf die Strecke begeben, bis zum Start des Rennens unter Parc-Ferme-Bedingungen, es darf also nicht mehr am Auto gearbeitet werden. Nicht hiervon betroffen sind Reifenwechsel und Tanken. Im Parc Ferme darf an den Autos nicht mehr gearbeitet werden. Lediglich Reparaturen dürfen nach Erlaubnis der Rennleitung durchgeführt werden, die Elektronik darf umprogrammiert werden und der Frontflügel verstellt werden. Entsprechend eines detaillierten FIA-Katalogs sind auch weitere kleine Arbeiten erlaubt.

      Start
      30 Minuten vor dem Beginn der Aufwärmrunde wird die Boxengasse geöffnet. Die Fahrer haben 15 Minuten Zeit, um ihre Startplätze einzunehmen. Wer das Zeitlimit überschreitet, muss das Rennen hinter dem Feld aus der Boxengasse aufnehmen.

      Bis fünf Minuten vor der Aufwärmrunde müssen die Reifen aufgezogen sein. Eine Minute vor der Aufwärmrunde werden die Motoren angelassen und 15 Sekunden davor müssen alle Mechaniker die Startaufstellung verlassen haben. Ansonsten droht eine Strafe.

      Um punkt 14:00 Uhr (Startzeit kann bei einigen Rennen, zum Beispiel auch witterungsbedingt, abweichen) setzt sich das Feld zur Formationsrunde in Bewegung. Während der Formationsrunde ist Überholen verboten. Einzige Ausnahme: Fährt ein Fahrer mit Verzögerung beim Vorstart los und wurde nicht vom gesamten Feld überholt, darf er seine ursprüngliche Startposition wieder einnehmen. Andernfalls muss der Fahrer vom letzten Startplatz starten. Das gleiche gilt für Fahrer, die einen Startabbruch provoziert haben.

      Nach jedem Startabbruch erfolgt ein Neustart. Das Rennen wird wegen der zusätzlichen Formationsrunde um eine Runde verkürzt. Im Fall schweren Regens ist es möglich, das Rennen hinter dem Safety-Car zu starten.

      Bei einem normalen Start gehen, sobald das letzte Fahrzeug in der Startaufstellung steht, nacheinander die fünf Lampen der Startampel im Sekundentakt an. Startsignal ist, wenn alle Lampen erlöschen. Signalisiert ein Fahrer im Feld Probleme, wird die Startprozedur unterbrochen. Dies wird durch gelbe Flaggen an der Boxenmauer und ein Blinklicht auf der Startampel angezeigt.

      Safety-Car
      Wenn der Rennleiter das Safety-Car auf die Strecke schickt, wird dies rund um den Kurs mit "SC"-Zeichen signalisiert. Fahrzeuge, die gegebenenfalls zwischen dem Safety-Car und dem Führenden liegen, werden vorbeigewinkt und können hinten zum Feld aufschließen. Die Box darf während einer Safety-Car-Phase angesteuert werden, allerdings nur unter Einhaltung eines Geschwindigkeitslimits. Ebenso dürfen Fahrer von hinten auf das Feld hinter dem Safety-Car aufschließen. Allerdings muss auch hierfür ein Geschwindigkeitslimit eingehalten werden. Dieses wird den Fahrern in Form von Richtsektorenzeiten auf das Display geblendet. Verstößt ein Fahrer gegen das Limit, droht ihm eine Strafe.

      Das Safety-Car kann, um beispielsweise eine Gefahrenzone auf der Start- und Zielgeraden zu umgehen, auch durch die Boxengasse fahren. Auch in diesem Fall müssen die Fahrzeuge dem Safety-Car folgen. Ein Anhalten vor der eigenen Box ist jedoch ausdrücklich gestattet.

      In der Runde, bevor das Safety-Car wieder in die Boxengasse einschert, wird als Signal für die Piloten das Warnlicht ausgeschaltet.

      Rennabbruch
      Wird das Rennen in den ersten zwei Runden abgebrochen, erfolgt ein Neustart. Sind zwischen zwei Runden und 75 Prozent der Renndistanz gefahren, wird das Rennen neu gestartet. Der zweite Start erfolgt dann unter Safety-Car-Regeln: Die Autos starten in der Reihenfolge des Abbruchs des ersten Rennens; die Zeitrückstände werden nicht berücksichtigt, es sei denn, sie betragen mehr als eine Runde.

      Sollte ein Neustart nicht möglich sein, werden halbe Punkte vergeben. Bei einem Abbruch nach mehr als 75 Prozent der Gesamtdistanz wird die volle Punktzahl vergeben.

      Wertung bei Ausfall eines Fahrers
      Hat ein Fahrer zum Zeitpunkt seines Ausfalls mindestens 90 Prozent der Renndistanz absolviert, wird er gewertet und ist theoretisch auch berechtigt, Punkte zu sammeln.

      Zeitstrafen
      Die Rennleitung hat die Möglichkeit, einen Fahrer für ein Vergehen auf drei Arten zu bestrafen: eine Durchfahrtsstrafe durch die Boxengasse, bei der nicht vor der eigenen Box gehalten werden darf, eine Zehn-Sekunden-Strafe, bei der der Fahrer vor seiner Box zehn Sekunden lang stehen muss, oder eine Rückversetzung um zehn Startplätze beim nächsten Rennen. Eine Strafe ist innerhalb von drei Runden nach Bekanntmachung anzutreten. Sollte eine der ersten beiden Strafen in den letzten fünf Runden eines Rennens oder erst nach dem Rennen ausgesprochen werden, so werden auf die Gesamtzeit des Fahrers 25 Sekunden als Strafe addiert.

      Geschwindigkeitsbegrenzung
      Das Geschwindigkeitslimit in der Boxengasse im Qualifying und Rennen beträgt 100 km/h. Sollte eine Strecke eine besonders enge Boxengasse haben, so kann das Geschwindigkeitslimit jedoch gesenkt werden. Dies ist zum Beispiel in Monaco notwendig. Zuwiderhandlung wird im Rennen mit Zehn-Sekunden-Zeitstrafen geahndet, im Training mit Geldstrafen - 250 Euro pro km/h.

      Technisches Reglement
      Motor
      In der Formel-1-Weltmeisterschaft sind Viertaktmotoren mit maximal 2,4 Litern Hubraum, acht Zylindern und vier Ventilen pro Zylinder zugelassen. Der Zylinderbank-Öffnungswinkel ist mit 90 Grad vorgeschrieben, ebenso wie der Bohrungsdurchmesser von 98 Millimetern. Turbinen, Wankelmotoren oder Aufladung sind verboten. Es wird ein Mindestgewicht von 95 Kilogramm vorgeschrieben. Ebenfalls festgelegt ist der Schwerpunkt des Motors. Untersagt sind variable Auspufflängen und Lufteinlässe und ovale Kolben. Pro Saison und Auto dürfen acht Motoren verwendet werden. Reparaturen an Zusatzaggregaten des Motors, wie der Ölpumpe, sind erlaubt. Ein zusätzlicher Motorwechsel wird mit dem Zurückversetzen des Fahrers in der Startaufstellung um zehn Plätze bestraft.

      Seit der Saison 2007 sind die Motoren homologiert; Weiterentwicklung ist seither nur noch in der Peripherie des Motors erlaubt oder um Zuverlässigkeitsmängel zu beseitigen, doch nicht zur Steigerung der PS-Leistung. Die maximale Drehzahl beträgt 18.000 Umdrehungen pro Minute.

      Zudem akzeptiert die FIA die Motoren aus Kostengründen nicht mehr als leistungsdifferenzierendes Merkmal. Sollte ein Motorenhersteller, warum auch immer, einen deutlichen Leistungsnachteil haben, kann ihm in Ausnahmefällen das Nachrüsten auf das Niveau der Konkurrenz gestattet werden.

      Energierückgewinnung
      Seit 2009 dürfen Systeme zur Rückgewinnung von Energie eingesetzt werden. Diese bezeichnet man als KERS (Kinetic Energy Recovery System). KERS speichert rückgewonnene Energie bis zu einer Kapazität von maximal 300 kj. Pro Runde darf KERS mittels Knopfdruck so oft aktiviert werden, bis die maximale Energie von 300 kj verbraucht ist. Nach Überfahren der Ziellinie darf für die aktuelle Runde wieder 300 kj abgerufen werden. Dies bringt für einen Zeitraum von sieben Sekunden zusätzliche Leistung von bis zu maximal 82 PS.

      Motorsteuerung
      Formel-1-Motoren verfügen über ein "Anti-Stall-Programm", um das Abwürgen des Motors bei einem Dreher zu verhindern. Es muss so programmiert sein, dass der Motor nach spätestens zehn Sekunden abgestellt wird, sollte der Fahrer in dieser Zeit nicht wieder in den Fahrmodus zurückgewechselt haben.

      Elektronik
      Elektronische Fahrhilfen sind nicht gestattet. Gewährleistet wird dies durch eine Standardelektronik, die von McLaren Electronic Systems (MES) und Microsoft zur Verfügung gestellt wird.

      Kraftstoff
      Die Formel-1-Boliden müssen mit von der Tankstelle bekanntem Super-Plus-Benzin fahren. Weitere Zusätze sind nur sehr begrenzt gestattet.

      Antrieb
      Erlaubt sind maximal zwei angetriebene Räder. Ein Rückwärtsgang ist Vorschrift. Die Anzahl der Gänge kann von vier bis sieben variieren.

      Mindestgewicht
      Inklusive Fahrer, Bekleidung und allen Flüssigkeiten darf ein Mindestgewicht von 640 Kilogramm zu keinem Zeitpunkt des Rennwochenendes, an dem sich das Auto auf der Strecke befindet, unterschritten werden.

      Räder/Reifen
      Dimensionen
      Für die Hinterräder beträgt die minimale Breite 365 Millimeter, die maximale Breite 380 Millimeter. Für die Vorderräder gelten eine minimale Breite von 305 Millimetern und eine maximale Breite von 355 Millimetern. Der maximale Raddurchmesser ist mit 660 Millimeter für Trockenreifen und 670 Millimeter für Regenreifen festgeschrieben.

      Profil
      Trockenreifen (Slicks) müssen seit 2009 kein Profil beziehungsweise keine Rillen mehr aufweisen.

      Radsicherung
      Jeder Radträger wird mit zwei Kabeln gesichert. Die Befestigung muss Kräften von zehn Tonnen pro Kabel, 20 Tonnen pro Rad standhalten.

      Cockpit
      Aus Sicherheitsgründen muss das Cockpit so dimensioniert sein, dass der Fahrer es innerhalb von fünf Sekunden verlassen kann. Die maximal erlaubte Zeitspanne zum Verlassen des Cockpits und Aufstecken des Lenkrades beträgt zehn Sekunden. Die Dicke des Kopf- und Nackenschutzes muss 75 Millimeter betragen. Die Länge des Cockpits beträgt 850 Millimeter. Der vordere Fußraum muss ausgepolstert sein. Die Mindestdicke beträgt 25 Millimeter.

      Chassis
      Die maximale Breite des Autos beträgt 180 Zentimeter. Zwischen den Achsen darf die Chassisbreite 140 Zentimeter nicht übersteigen. Die maximale Höhe des Autos beträgt 95 Zentimeter, gemessen vom tiefsten Punkt des Fahrzeugs beziehungsweise dessen Referenzebene.

      Verstellbarer Heckflügel (DRS)
      Zum Zwecke des Überholens kann ein Fahrer die vordere Querplatte seines Heckflügels mittels Knopfdruck um 50 Millimeter anheben oder absenken, um den Luftwiderstand zu verringern und anschließend wieder zu erhöhen. Die Einsatzmöglichkeiten dieses "Boost-Buttons" sind aber limitiert und genau geregelt.

      Verstellbare Frontflügel sind nicht mehr erlaubt.

      Unterboden
      Die Holzplatte im Zentrum des Unterbodens muss eine Breite von 30 Zentimetern und eine Dicke von zehn Millimetern aufweisen. Die maximale Toleranz beträgt einen Millimeter.

      Stand: 24.01.12

      Großer Preis von Australien / Melbourne

      Großer Preis von Australien / Melbourne

      Von 1996 bis 2005 begann die Formel-1-Saison in Melbourne, einen Australien-Grand-Prix gab es schon 1985 erstmals im Formel-1-Kalender. Damals fand das Saisonfinale in Adelaide statt. 2006 fand der Australien-Grand-Prix als drittes Saisonrennen statt, um eine Überschneidung mit den Commonwealth-Games zu vermeiden. Seither wechselt der "Opener" zwischen Australien und Bahrain.

      Die 5,303 Kilometer lange Strecke ist bestimmt von Vollgaspassagen, auf die meist schikanenartige Kurven folgen, wobei die Kurveneingänge überwiegend langsamer als die Kurvenausgänge durchfahren werden können.

      Da die Rennstrecke um den Lake Albert nur einmal im Jahr benutzt wird und im übrigen Jahr der normale Straßenverkehr auf ihr rollt, ist die Piste vor allem am ersten Trainingstag sehr schmutzig. Trotzdem freuen sich Protagonisten und Fans gleichermaßen auf das Wochenende, ist Melbourne doch nicht nur für sein pulsierendes Nachtleben bekannt, sondern auch für einzigartige Atmosphäre an der Strecke.

      Zwar galt Überholen in der Formel 1 trotz DRS und KERS lange Zeit als nicht gerade einfach, doch auf dem Albert-Park-Circuit war es schon immer durchaus möglich. Die erste Gelegenheit bietet sich schon am Ende der Start- und Zielgeraden. Wenn ein Fahrer hier in einer der 58 Rennrunden (307,574 Kilometer) dicht hinter seinem Vordermann liegt, kann er aus dem Windschatten herausgehen und ihn vor der ersten Kurve ausbremsen. Gleiches ist vor Kurve drei möglich. Außerdem kann man in der vorletzten Kurve der Strecke überholen, wenn der Vordermann nicht aufpasst und eine Lücke offen lässt.

      Die bisher größte Tragödie ereignete sich im Jahr 2001, als der Streckenposten Graham Beveridge nach einer Kollision zwischen Jacques Villeneuve und Ralf Schumacher von einem herumfliegenden Rad tödlich verletzt wurde.
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      Melbourne: Vettels Aufholjagd endet bei Button

      Rennbericht

      Melbourne: Vettels Aufholjagd endet bei Button

      Jenson Button macht seinen Melbourne-Hattrick perfekt und wehrt die Aufholjagd von Sebastian Vettel ab - Mercedes geht beim Saisonauftakt leer aus
      Jenson Button ist der König von Melbourne! Der McLaren-Pilot sicherte sich nach 2009 (auf Brawn) und 2010 seinen dritten Sieg beim Grand Prix von Australien und erwischte damit einen perfekten Start in die Formel-1-Saison 2012. Nach der Doppel-Pole-Position am Samstag konnte McLaren heute zwar keinen Doppelsieg feiern, aber Polesetter Lewis Hamilton rundete ein starkes Teamergebnis als Dritter ab.

      "Jeder Sieg ist etwas Besonderes", jubelt Button. "Wir haben im Winter gut gearbeitet, wie man schon im Qualifying gesehen hat. Es ist schön, im ersten Rennen der Saison zu gewinnen. Das gibt dem Team Auftrieb, sodass wir in den nächsten Monaten noch härter arbeiten können." Hamiltons Freude wirkt etwas gedämpfter: "Das ist die gleiche Position wie vergangenes Jahr, aber es war ein sehr positives Rennen für das Team, weil wir offensichtlich schnell sind."

      Vettel hatte eine Vorahnung
      Schadensbegrenzung betreiben konnte Titelverteidiger und Vorjahressieger Sebastian Vettel, der sich mit seinem Red Bull vom sechsten auf den zweiten Platz verbesserte. "Gestern war nicht unser Tag, aber heute kann das werden", hatte er schon vor dem Start angekündigt. "Das Auto ist gut im Renntrimm - gut genug, um nach vorne zu schauen und nicht nach hinten. Wir müssen auf dem Teppich bleiben: Das war nur ein Qualifying."

      Eine Ankündigung, die sich bestätigen sollte. "Ich kann mit dem zweiten Platz leben. Nach gestern hätten uns das nicht alle zugetraut, aber jetzt hat man unser wahres Potenzial gesehen", fühlt sich Vettel bestätigt. "Ich bin sehr zufrieden, denn Melbourne ist eigentlich eine der Strecken, auf denen wir uns normalerweise ein bisschen schwerer tun. Da trotzdem Platz zwei zu holen, ist sehr schön und macht mich stolz. Es war ein sehr gutes Rennen."

      Generell bestätigte sich auf der 5,303 Kilometer langen Strecke im Albert Park der Eindruck des Testwinters, dass McLaren und Red Bull in etwa gleich stark sind und deutlich vor der Konkurrenz liegen. Ferrari holte durch Fernando Alonso zwar einen unerwarteten fünften Platz, war aber nie in Podiumsnähe, doch Lotus und Mercedes konnten bei weitem nicht an die starken Performances des Qualifyings anknüpfen und erlebten einen enttäuschenden Renntag.

      Vorentscheidung am Start
      Die Vorentscheidung fiel bereits am Start, denn Button kam etwas besser weg als Hamilton und bog vor seinem Teamkollegen in die erste Kurve ab. Dahinter reihten sich Michael Schumacher und Nico Rosberg (Mercedes) ein, die gut von der Linie wegkamen, und Vettel kam als Fünfter aus der ersten Runde zurück. Die großen Verlierer des Starts waren Romain Grosjean (Lotus) und Mark Webber (Red Bull), die von P3 auf P6 beziehungsweise von P5 auf P9 zurückfielen.

      Dahinter kam es zur in Melbourne fast traditionellen Karambolage im Mittelfeld: Ein Gerangel zwischen Webber und Nico Hülkenberg (Force India) löste eine Kettenreaktion aus, der mehrere Autos zum Opfer fielen. Hülkenberg schied gleich aus, Lokalmatador Daniel Ricciardo (Toro Rosso) und Bruno Senna (Williams) mussten an die Box kommen. "Irgendwie scheint der Albert Park etwas dagegen zu haben, mich eine komplette Distanz fahren zu lassen", seufzt Hülkenberg.

      Hülkenberg geht leer aus
      "Es ist natürlich super enttäuschend", erklärt der Deutsche, der nach seinem Ausfall noch mit Helm zurück in den Paddock kam, um seinen Groll zu ersticken. "Ich hatte einen guten Start und habe gleich zwei, drei Plätze gutgemacht. Ich habe mich neben Mark gebremst, habe eingelenkt und plötzlich von hinten einen Schlag bekommen. Der hat mir die gesamte Aufhängung und den Reifen kaputt geschlagen. Ich weiß nicht genau, was passiert ist. Es ist sehr übel."

      In der zweiten Runde gleich der nächste Paukenschlag, als Pastor Maldonado (Williams) eine Attacke gegen Grosjean lancierte. Grosjean gab nicht nach und beschädigte sich dabei die Radaufhängung. "Mein Start war nicht gut. Dann hat Maldonado zu spät gebremst, mein Auto getroffen und meine Aufhängung ruiniert", ärgert sich der junge Franzose, der gestern nach seinem dritten Platz noch als Überraschung des Tages gefeiert worden war.

      Maldonado leistete sich wenig später einen Ausritt, der ihn auf Platz neun zurückwarf, während an der Spitze der McLaren-Express munter dahinrollte. Nach sechs Runden führte Button 2,6 Sekunden vor Hamilton, 6,3 vor Schumacher, 7,0 vor Vettel, 9,0 vor Rosberg und 9,7 vor Alonso. Letzterer gewann in den ersten Runden gut Boden und verfügte im Rennen auch über einen erstaunlich guten Speed - im Gegensatz zu Teamkollege Felipe Massa.

      Tolles Manöver von Vettel gegen Rosberg
      Stark war das Überholmanöver von Vettel gegen Rosberg, außen am Ende der zweiten DRS-Zone. "Wenn du innen bist, hast du die spitzere Kurve und musst früher bremsen. Das hat Sebastian genutzt", analysiert 'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer. Vettel selbst weiß, dass die Attacke gegen den Landsmann im Silberpfeil mutig war: "Ich habe Nico mit einem ziemlich extremen Manöver überholt", gibt er zu.

      Wenig später leistete sich Vettel einen Ausritt, der aber ohne Folgen blieb. Von da an war sein Rennspeed jedoch vielversprechend: "Ich habe gemerkt, dass das Auto gut liegt im Rennen. Im zweiten Stint konnte ich mit Lewis gut mitgehen, aber Jenson war einfach zu stark für uns", gesteht der 24-Jährige. Im Finish spitzte sich das Rennen auf einen Dreikampf zwischen den beiden McLaren-Piloten und Vettel zu - mit Button als Sieger.

      Der Brite ließ sich nicht einmal durch eine Safety-Car-Phase wegen des Ausfalls von Witali Petrow (Caterham) beirren und fuhr die 25 Punkte sicher nach Hause. Ein Selbstläufer war der Restart in Runde 42 aber nicht: "Im Sonnenuntergang wurde der Asphalt immer kühler, also war es schwierig, die Reifen auf Temperatur zu halten", argumentiert Button. "Umso nervöser war ich vor dem Restart, aber der ist mir gut gelungen."

      Doppel-Boxenstopp von McLaren
      McLaren holte in Runde 36, also kurz vor der Safety-Car-Phase, beide Autos gleichzeitig an die Box, fertigte Button und Hamilton binnen weniger Sekunden ab - perfektes Teamwork der Mechaniker. Vettel blieb noch eine Runde draußen - und überholte damit zumindest einen McLaren. "Selbst ohne das Safety-Car hätte ich eine Chance gehabt, Lewis zu überholen, aber es hat natürlich geholfen. Der Boxenstopp war klasse", freut er sich.

      Beim Restart konnte er keine Attacke gegen Button reiten, der sich souverän absetzte und nach den zwei DRS-Sperr-Runden mehr als eine Sekunde Vorsprung hatte. "Es war nicht mehr möglich, nach vorne anzugreifen - dafür war Jenson zu schnell", sieht Vettel ein. "Wir haben zu lange gebraucht, um die Reifen auf Temperatur zu bekommen." Im Finish hatte er die Augen eher nach hinten gerichtet: "Es war nicht leicht, den Platz zu verteidigen, weil Lewis DRS verwenden konnte."

      Vierter wurde heute Webber, der damit sein bestes Ergebnis beim Heim-Grand-Prix erzielte. Webber setzte in der Schlussphase sogar Hamilton unter Druck, schaffte es aber in den DRS-Zonen nie, sich neben den McLaren zu setzen. Am Ende fehlte eine halbe Sekunde. Nach hinten hatte der Australier 17 Sekunden Luft zu Alonso, der nach einem unauffälligen, aber bärenstarken Rennen die Vorgabe erfüllte und ein unerwartetes Top-5-Ergebnis nach Hause fuhr.

      Alonso mit Ergebnis zufrieden
      "Wir hatten ein schwieriges Rennen, doch das war uns schon vorher klar", bilanziert der Spanier. "Es gab einige schöne Duelle und dank eines guten Starts machten wir einige Positionen gut. Nach diesem Qualifying auf Platz fünf zu fahren und damit hinter den beiden Red Bulls und McLarens zu stehen, ist meiner Meinung nach ein ziemlich gutes Ergebnis. Wir holten viele Punkte. Klar ist aber: Wir müssen das Auto verbessern. Wir möchten nämlich ganz vorne mitmischen."

      Dramatisch ging es in der Schlussphase im Kampf um die Punkteränge zu. Zuerst crashte Maldonado bei der Jagd nach Alonso (ohne Fremdeinwirkung), was Williams einen guten Start in die Saison kostete, und dann wurde plötzlich Rosberg langsamer. "Ich habe Perez auf der Geraden erwischt, aber dann hat er mich mit dem Frontflügel auf dem Hinterreifen getroffen", seufzt der Mercedes-Pilot. "Ich finde, er war da etwas zu aggressiv, aber er sagt das Gleiche von mir."

      Profiteur war Sergio Perez' Sauber-Teamkollege Kamui Kobayashi, der noch auf Platz sechs aufrückte - mit Räikkönen, der sonst nur Zehnter geworden wäre, im Schlepptau. Perez wurde für seine tapfere Einstoppstrategie mit Platz acht belohnt, gefolgt von Ricciardo und Paul di Resta (Force India). Bitter für Jean-Eric Vergne, dass er am Ende noch einen Platz gegen di Resta verlor, sonst hätte er gleich im ersten Grand Prix einen WM-Zähler geholt.

      Rosberg: Melbourne kein Gradmesser
      Rosberg, der auf Kurs zu Platz sieben unterwegs war und im Rennen nicht den gleichen Speed wie im Qualifying hatte, meint, dass "heute nicht viel mehr" drin gewesen wäre. Davon lässt er sich aber nicht entmutigen: "Ich glaube nicht, dass das der Wahrheit entspricht. Wir haben das Auto für das Rennen nicht optimal abgestimmt. Ich bin aber sehr guter Dinge, dass wir in Malaysia den Aufwärtstrend fortführen können."

      Mercedes ist jedenfalls der große Verlierer des Saisonauftakts: Dass der Rennspeed weniger gut sein würde als der im Qualifying, war absehbar - der F-Schacht-Effekt greift schließlich nur bei aktiviertem DRS, und das ist im Rennen nur selten der Fall. Aber dass die Silberpfeile am Ende mit null Punkten nach Malaysia fliegen müssen, tut weh. Vor allem Routinier Schumacher lieferte bis zu seinem Ausfall ein starkes Rennen ab, lag sogar noch vor Vettel.

      Getriebedefekt bei Schumacher
      "Ich verlor in der Bremszone für Kurve eins den Vortrieb", schildert er seinen Ausfall in der zwölften Runde. "Wir hatten den gesamten Winter über kein Problem mit dem Getriebe. Es ist also etwas komisch. Schade, dass wir hier ausgefallen sind. Ich hätte gerne für Mercedes das erste Podium einfahren wollen. Vielleicht beim nächsten Mal." Und er unterstreicht: "Australien ist nicht unbedingt ein Gradmesser. Das haben wir in der Vergangenheit oft erlebt."

      Insgesamt kamen 16 von 22 gestarteten Autos in die Wertung, 13 davon sahen auch die Zielflagge - Maldonado, Charles Pic (Marussia) und Senna waren nicht mehr auf der Strecke, als nach 58 Runden abgewinkt wurde. Marussia darf sich dennoch freuen: Timo Glock wurde vor Pic guter 14. und erzielte damit das beste Ergebnis in der Teamgeschichte - möglicherweise ein ganz wichtiger Schritt in Richtung Platz zehn der Konstrukteurs-WM.

      Weiter geht's schon am kommenden Freitag mit den Freien Trainings zum Grand Prix von Malaysia in Sepang. Zwar scheinen McLaren und Red Bull momentan die dominanten Teams zu sein, doch die Erfahrung der vergangenen Jahre zeigt, dass Melbourne oftmals eigene Gesetze hat. Denn während die Strecke im Albert Park als Stop-&-Go-Parcours gilt, kommt es in Sepang vor allem auf aerodynamischen Anpressdruck an.
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      Großer Preis von Malaysia / Kuala Lumpur

      Großer Preis von Malaysia / Kuala Lumpur

      "Selamat Datang" steht in großen Buchstaben am internationalen Flughafen von Kuala Lumpur, das bedeutet ganz einfach "Willkommen". Den Formel-1-Teammitgliedern macht im Laufe des Rennwochenendes vor allem die Hitze und die extrem hohe Luftfeuchtigkeit von nicht selten 90 Prozent zu schaffen, die zugleich eine Bewährungsprobe der besonderen Art für das technische Equipment darstellt.

      Wenn es in Sepang regnet, dann richtig! Das wissen die Fahrer spätestens seit 2009, als die Bedingungen so schlimm waren, dass das Rennen abgebrochen werden musste. Für Sieger Jenson Button gab es aus diesem Grund nur halbe Punkte. Trotzdem kommen die meisten Formel-1-Fahrer, Teambeteiligten und Fans sehr gerne nach Malaysia, denn der Sepang-International-Circuit zählt zu den schönsten Strecken im gesamten Formel-1-Kalender.

      Der Kurs liegt etwa drei Kilometer östlich des Flughafens und ist am einfachsten mit einem Taxi über die Autobahn zu erreichen. Etwa 75 Kilometer von der Hauptstadt Kuala Lumpur entfernt ist Sepang von tropischen Wäldern umgeben und die pagodenartigen Dächer der Tribünen verleihen der Anlage ein ganz besonderes Flair. Hat man dann auch noch das Glück, einen Platz hoch oben am Ende der Gegengerade zu ergattern, kann man beide Seiten des 5,543 Kilometer langen Kurses einsehen. Mit 16 Metern ist sie die eine der breitesten Pisten im Formel-1-Kalender und besitzt quasi zwei Start- und Zielgeraden, die fast parallel verlaufen.

      Kuala Lumpur, im Volksmund kurz "KL" genannt, ist jedoch auch ohne Grand Prix eine Reise wert. Die berühmteste Attraktion der Dreimillionenstadt sind sicher die Twin-Towers, die 451,9 Meter hoch in den Himmel ragen. Ein Gang über die Sky-Bridge, die im 42. Stockwerk die beiden Türme verbindet, und der Ausblick von der 84. Etage sind wirklich atemberaubend.

      Fans, die Michael Schumacher und Co. aus der Nähe sehen und sich nicht jeden Tag vor das Pan-Pacific-Hotel am Flughafen KLIA stellen wollen, sollten vor dem Rennen nach Langkawi, Penang oder ins thailändische Phuket fahren, wo die meisten Piloten einen kurzen Urlaub machen, um sich an das ungewohnte Klima zu gewöhnen
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      Malaysia GP / Sepang-International-Circuit

      Malaysia GP / Sepang-International-Circuit

      Malaysia: Alonso verhindert Sensation durch Perez
      Fernando "Magic" Alonso beschert Ferrari in Sepang mit einer Glanzleistung einen unerwarteten Sieg vor Perez - Vettel und Mercedes schwer geschlagen

      Es gibt Geschichten, die schreibt nur die Formel 1: Fernando Alonso im krisengeschüttelten Ferrari nach zwei Rennen WM-Führender, Sergio Perez auf Sauber Beinahe-Sieger und moralischer Held des Grand Prix von Malaysia - Sepang 2012 war das aufregendste und tränenreichste Formel-1-Frühstück seit langem. Denn nicht nur beim finanziell unter Druck stehenden Sauber-Team, sondern auch bei der sportlich übelst gebeutelten Scuderia aus Maranello ließ man den Emotionen nach der heutigen Sternstunde freien Lauf.

      "This one of the most beautiful, this is one of the most, most beautiful. We are so proud of you", schluchzte Renningenieur Andrea Stella nach der Zieldurchfahrt Alonso ins Cockpit. Übersetzung überflüssig. Der zweimalige Weltmeister feierte seinen siebten Sieg auf Ferrari, seinen 28. insgesamt - und überholte damit Legende Jackie Stewart in der ewigen Bestenliste der Formel 1, in der nun nur noch Michael Schumacher (91), Alain Prost (51), Ayrton Senna (41) und Nigel Mansell (31) vor ihm liegen.

      Kunden-Ferrari fordert Werks-Ferrari
      Doch "Magic" Alonso musste für diese Sternstunde hart kämpfen - und zwar gegen einen unerwarteten Gegner. Denn ausgerechnet das Ferrari-Kundenteam Sauber mit Perez sah schon wie der sichere Sieger aus, als der junge Mexikaner in Runde 49 (von 56) erstmals innerhalb der ominösen DRS-Sekunde war. Doch Perez warf die Nerven weg und konzentrierte sich anschließend darauf, den wichtigen zweiten Platz vor Lewis Hamilton (McLaren) ins Ziel zu bringen.

      Schon vor dem Restart hatte sich Perez in Position gebracht, weil er als Erster von Intermediates auf Full-Wets wechselte. Als wegen eines Monsun-Regenschauers in Runde neun abgebrochen wurde, lag er hinter Polesetter Lewis Hamilton und Jenson Button (McLaren) auf Rang drei. Alonso war Fünfter - mit Mark Webber (Red Bull) dazwischen. Aber nach dem Boxenstopp nach der Safety-Car-Phase lag plötzlich Perez vor Alonso in Führung!

      Alonso nutzte die schwierigen Bedingungen auf Intermediates, um sofort am Sauber-Piloten vorbeizugehen, und baute sich auf nasser Fahrbahn einen Vorsprung von bis zu 6,1 Sekunden aus. Doch in Runde 26 läutete Perez mit der bis dahin schnellsten Runde die Wende ein - und knabberte häppchenweise am Vorsprung des Werks-Ferrari. Als Alonso in Runde 40 an die Box kam, um auf Slicks zu wechseln, spürte er den Atem des Mexikaners schon im Genick.

      Doch kein zweiter Regenschauer
      Aber wegen eines angekündigten Regenschauers, der später nach Osten abdrehte und den Sepang International Circuit nie erreichte, spielte Sauber konservativ und ließ Perez noch eine Runde auf der Strecke. Als er aus der Box kam, hatte er 7,1 Sekunden Rückstand. Von hinten drohte keine Gefahr: "Ich war etwas überrascht, dass Hamilton und Co. im Trockenen nicht aufschließen konnten", sagt Teamchef Peter Sauber. "Im Gegenteil: Der Abstand wurde immer größer."

      Und der Rückstand auf Alonso sukzessive kleiner, denn Sauber zockte auch beim zweiten Boxenstopp goldrichtig und gab Perez im Gegensatz zu Alonso die härteren Pirelli-Pneus (Hard statt Medium) mit. Bis zum Fahrfehler sechseinhalb Runden vor Schluss roch es sogar nach dem ersten Sauber-Triumph ohne BMW-Unterstützung. "Ohne den Fehler hatte es mit dem Sieg vermutlich geklappt", meint Sauber, denn: "Unsere Reifen waren die besseren, das ist klar."

      Früher Flug: Kein Tequila bei Sauber
      "Ich glaube aber, wir dürfen mit dem Podestplatz zufrieden sein", strahlt der 68-jährige Schweizer, der bei der Zieldurchfahrt den Tränen nahe war: "Es war einfach nur schön. Aber ich muss gestehen: So etwas strapaziert die Nerven." Nun darf man davon ausgehen, dass bei Sauber eine Flasche Tequila von Sponsor Jose Cuervo geköpft wird, oder? "Es bleibt wohl beim Bier", winkt Sauber ab. "Ein Teil von uns muss schon um 19:45 Uhr in den Flieger..."

      "Ich denke schon, dass ich gewinnen hätte können", ärgert sich Perez. "Dummerweise kam Fernando eine Runde früher an die Box. Dadurch habe ich viel Boden verloren, aber die Pace war wunderbar. Ich habe immer mehr aufgeholt und wusste, dass ich schneller bin. Aber meine Vorderreifen haben abgebaut. Ich berührte einen Randstein, rutschte ein bisschen ins Nasse und kam von der Strecke ab. Vielleicht hat auch der Wind eine Rolle gespielt."

      Alonso ließ sich die Butter in der Schlussphase nicht mehr vom Brot nehmen, obwohl Perez den Rückstand noch einmal von 5,3 auf 2,2 Sekunden verkürzen konnte. Und alle sind sich einig: Es war ein Sieg des Fahrers, nicht des Autos. "Unglaublich, was Ferrari da gezeigt hat, und großes Kompliment an Fernando", gratuliert Zwangs-TV-Zuschauer Adrian Sutil. "Er hat heute gezeigt, dass er der beste Formel-1-Fahrer ist. Was er aus seinem Auto rausholt, ist magisch."

      Alonso vom Sieg völlig überrascht
      Sogar Alonso selbst gibt zu, dass er mit dem Sieg im zweiten Saisonrennen und der WM-Führung "nicht gerechnet" hätte: "Wir waren in Australien und hier nicht konkurrenzfähig, aber das Ziel war, so viele Punkte wie möglich zu holen. Es sind 25 geworden - ein unglaubliches Ergebnis! Wir sind ruhig geblieben, haben im perfekten Moment auf Trockenreifen gewechselt. Glückwunsch ans Team, denn sie haben großartige Arbeit geleistet."

      Tragische Figur des heutigen Rennens war Narain Karthikeyan: Der Inder, beim Regenabbruch in der neunten Runde sensationell Zehnter, weil HRT beide Fahrer goldrichtig auf Full-Wets in den Grand Prix geschickt hatte, bugsierte erst Jenson Button (McLaren) aus der Entscheidung und schlitzte in der Schlussphase auch noch Sebastian Vettel (Red Bull) den linken Hinterreifen auf. Ob er seinen 21. Platz behalten darf oder bestraft wird, stand daher bei der Zieldurchfahrt noch nicht fest.

      "Wie im echten Leben auch gibt es ein paar Gurken, die rumfahren", schimpft Vettel. "Der vierte Platz wäre ganz in Ordnung gewesen. Dass man am Ende den Reifen aufgeschlitzt bekommt von einem Überrundeten, muss man nicht verstehen." Für ihn ist die Situation sonnenklar: "Ich war vorbei. Manche sind halt überfordert mit der Situation." Sutil nickt aus der Ferne: "Bei Karthikeyan halte ich ehrlich gesagt immer extra ein bisschen mehr Abstand..."

      Vettel hört nicht auf seine Box
      Am Ende gab es noch einmal Verwirrung um den Weltmeister, als er an die Box beordert wurde, um das Rennen aufzugeben. Wenige Sekunden später revidierte sich der Kommandostand, ehe noch einmal der Befehl kam: "Komm rein, Notfall!" Doch Vettel ignorierte den Befehl und fuhr mit 1:15.5 Minuten Rückstand als Elfter über die Ziellinie. "Man hat eingesehen, dass man keine Punkte mehr holen kann, aber ich finde, das gehört sich so, dass man ein Rennen zu Ende fährt", knurrt er.

      Teamkollege Webber fuhr den vierten Platz nach Hause, drei Sekunden hinter Hamilton, der von der Pole-Position aus wieder nicht gewonnen hat - auch wegen zweier verpatzter Boxenstopps. Aber: "Wir können definitiv zufrieden sein", wirkt er diesmal wesentlich glücklicher als noch vor einer Woche. "Natürlich hätte ich gerne gewonnen, aber ich stehe im zweiten Rennen zum zweiten Mal auf dem Podium. Nach so einem Tag kann man auch ganz leicht mit leeren Händen dastehen."

      Wie zum Beispiel Auftaktsieger Button, der sich während der 51-minütigen Unterbrechung, nach der hinter dem Safety-Car neu gestartet wurde, möglicherweise an seinen Abbruchtriumph von 2009 erinnert fühlte. Und viel deutete darauf hin, dass er wieder gewinnen würde, denn nach dem Restart kam er in Runde 13 als Erster an die Box, um auf Intermediates zu wechseln. Bei Button-Wetter roch es nach dem zweiten Button-Sieg hintereinander.

      Und immer wieder Karthikeyan...
      Aber schon in Runde 15 war ein Teil seines Frontflügels weg, nachdem er beim (regulären) Überholen von Karthikeyan in einer Linkskurve in den HRT hineingerutscht war. "Da hat Button gedacht, Karthikeyan hätte ihn gesehen und würde ihn vorbeilassen. Aber dem war nicht so", analysiert Hobby-Experte Sutil. "Das war ein Überrundeter. Der muss da einfach zur Seite gehen. Die Überrundeten müssen einfach mehr aufpassen. Es sind immer die gleichen Fahrer."

      Michael Schumacher wurde indes ein Opfer von Romain Grosjean (Lotus). Zwischen den beiden krachte es schon vor der Unterbrechung in der ersten Runde, sodass sie auf die Plätze 16 beziehungsweise 20 zurückfielen. Grosjean schied wenig später ganz aus. Schuldfrage? "Das war eine Berührung, aber keiner kann etwas dafür", findet 'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer. "So etwas passiert einfach im Zweikampf - bei solchen Bedingungen sowieso."

      Schumacher sieht das naturgemäß anders: "Es war unnötig, würde ich sagen. Ich habe es auch nur aus dem Augenwinkel heraus mitbekommen. Ich hatte ihn überholt und war eigentlich schon durch. Beim Herausbeschleunigen fuhr er mir ans Hinterrad. Er drehte mich herum. Warum und weshalb das so kommen musste, weiß ich nicht. Bei solchen Bedingungen reicht aber schon eine kleine Berührung und schon geht es dahin."

      Mercedes Neunter in der Konstrukteurs-WM
      Durch den Vettel-Reifenschaden erbte Schumacher immerhin noch den ersten Mercedes-Punkt der Saison, aber der Rennspeed des F1 W03 war bei abtrocknenden Verhältnissen wieder eine herbe Enttäuschung. "Im zweiten Teil des Rennens konnten wir nicht so viel Eindruck auf die Jungs vor uns machen", gesteht der 43-Jährige. Übrigens auch Nico Rosberg nicht: Beim Deutschen bauten die Reifen wieder extrem ab - Platz 13.

      Kimi Räikkönen (Lotus) lieferte eine unauffällige, aber starke Performance ab und wurde Fünfter - vielleicht auch, weil er es sich diesmal während der Unterbrechung verkneifen konnte, ein Eis zu lutschen. Der (nicht ganz ernst gemeinte) Preis für den coolsten Hund des Paddocks geht heute definitiv an Button: Während der Unterbrechung hatte der an zweiter Stelle liegende McLaren-Pilot die Muße, im Fahrerlager genüsslich eine Tasse Tee zu schlürfen...

      Bärenstark indes die Performance von Williams: Im Regen nirgendwo, im Trockenen aber auf dem Vormarsch, holte Bruno Senna nach um 6,7 Sekunden gewonnenem Fight gegen Paul di Resta (Force India) die ersten Senna-Punkte für den britischen Rennstall - 18 Jahre nach dem tragischen Tod seines Onkels Ayrton in Imola. Auch Teamkollege Pastor Maldonado lag auf Punktekurs, bis er zwei Runden vor Schluss mit Motorschaden aufgeben musste.

      Hülkenberg als Neunter bester Deutscher
      Jean-Eric Vergne (Toro Rosso) belegte Platz acht und holte damit seine ersten WM-Punkte. Der Franzose hatte ein bisschen Rennglück, weil er als einziger Fahrer die Unterbrechung zum Wechsel von Full-Wets auf Intermediates nutzen konnte, lieferte dann aber eine astreine Leistung ab. Nico Hülkenberg (Force India) kam 0,9 Sekunden hinter dem Red-Bull-Junior ins Ziel und war damit (2,1 Sekunden vor Schumacher) bester Deutscher.

      Wieder einmal nicht mit Ruhm bekleckern konnte sich Felipe Massa, der völlig im Schatten seines Ferrari-Teamkollegen Alonso stand, vom Spanier beinahe überrundet wurde und letztendlich als 15. ankam. Hinter ihm sicherten sich Witali Petrow (Caterham) und Timo Glock (Marussia) die Positionen 16 und 17. Glock schlug damit Kovalainen um 3,9 Sekunden und belegte im "kleinen Grand Prix" der (nicht mehr ganz so) neuen Teams Platz zwei.

      In der Weltmeisterschaft führt nach zwei von 20 Rennen völlig überraschend Alonso mit 35 Punkten vor Hamilton (30), Button (25), Webber (24) und Perez (22). Titelverteidiger Vettel hat erst 18 Zähler auf seinem Konto. Bei den Konstrukteuren liegt momentan McLaren (55) vor Red Bull (42) und Ferrari (35) an der Spitze. Weiter geht es nach einer dreiwöchigen Pause am 15. April mit dem Grand Prix von China in Schanghai.
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      Großer Preis von China / Schanghai

      Großer Preis von China / Schanghai

      Im Jahr 2004 feierte die Formel 1 ihr Debüt in China. In der Sumpflandschaft Anting, eine Stunde vom Stadtkern Schanghais entfernt, entstand der neue Schanghai-International-Circuit. Auf 5,451 Kilometern Länge konstruierte der Aachener Streckenarchitekt Hermann Tilke den anspruchsvollen Rundkurs, der sieben Links- und neun Rechtskurven umfasst.

      Der Streckenverlauf ist an die Form des chinesischen Schriftzeichens "Schang" angelehnt, das übersetzt "hoch oben" bedeutet. Die längste Gerade befindet sich zwischen den Kurven 13 und 14. Dort können die Fahrer über 1,3 Kilometer lang Vollgas geben und erreichen dabei eine Höchstgeschwindigkeit von über 310 km/h.

      Einmalig im Formel-1-Zirkus: Die erste Kurve nach Start und Ziel bildet einen fast vollständigen 360-Grad-Kreis und wird im Verlauf immer enger und langsamer. Die richtige Linienwahl ist hier ebenso entscheidend wie schwierig. Ihren Namen ("Schneckenkurve") hat sie, weil die Kurve von oben betrachtet an eine Schnecke erinnert.

      Ein großer Vorteil der Strecke ist ihre Multifunktionalität. Sämtliche Formelserien, Sport- und Tourenwagenrennen, Motorradläufe und Markenpokale können in Schanghai ausgetragen werden. Die Architektur der Gebäude, die auf dem Streckengelände errichtet wurden, ist in hohem Maße an die chinesische Geschichte, Natur und Technologie angelehnt.

      Einziger Kritikpunkt der Formel-1-Gemeinde an der beeindruckenden Anlage ist, dass das Fahrerlager so modern und großzügig gestaltet wurde, dass es fast schon zu groß ist - die meisten Fahrer verwenden daher einen Roller, um von A nach B zu kommen. Auch die Besucherzahlen waren in den vergangenen Jahren rückläufig.
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      Rennbericht

      Rosbergs Sternstunde: Sieg vor Button und Hamilton

      Ausfall von Michael Schumacher, aber dank Nico Rosberg erstrahlt der Silberpfeil beim China-Grand-Prix erstmals in Gold - Sebastian Vettel auf Platz fünf


      111 Anläufe hat er gebraucht, aber jetzt ist er endlich Grand-Prix-Sieger: Nico Rosberg, schon seit Jahren als eines der größten Talente der Formel 1 gehandelt, sicherte sich beim heutigen Grand Prix von China in Schanghai seinen ersten Sieg in der Königsklasse des Motorsports. Nach der gestrigen Pole-Position war er auch heute der überragende Mann im "Reich der Mitte".

      Den Pokal für den siegreichen Konstrukteur, eine gewöhnungsbedürftig aussehende Schüssel im chinesischen Stil, nahm Sportchef Norbert Haug entgegen - mit einem Tränchen der Erleichterung im Auge. Denn für das Mercedes-Werksteam war es der erste Grand-Prix-Sieg seit Juan Manuel Fangio in Monza 1955, und der Name Rosberg steht zum ersten Mal seit Adelaide 1985 in einer Formel-1-Siegerliste. Damals hatte Nicos Vater Keke auf Williams triumphiert.

      Drei Mercedes-Motoren auf dem Podium
      31 Führungsrunden hatte Rosberg in Schanghai schon 2010 und 2011 erlebt, heute legte er noch einmal 48 drauf - aber wirklich wichtig war nur, dass er beim Überfahren der Ziellinie vorne lag. "Einen kleinen Rutscher haben wir gesehen, sonst nichts. Das war sensationell", lobt Experte Marc Surer. "Das Auto hat mit dem Fahrer harmoniert, und Nico hat das perfekt umgesetzt." Und kam nach 56 Runden 20,6 beziehungsweise 26,0 Sekunden vor den McLaren-Piloten Jenson Button und Lewis Hamilton ins Ziel.

      Pech hatte am Tag der Sternstunde von Schanghai Michael Schumacher: "Als ich in Kurve drei die rechte Seite belastet habe, war mir klar, dass etwas nicht stimmt", berichtet er von seinem Ausfall in der 13. Runde. "Man konnte sehr schnell erkennen warum. Schade. Es tut mir Leid für die Jungs, die sicher ihr Bestes gegeben haben und traurig darüber sind." Dem Unglücksmechaniker ist er aber nicht böse: "Den werde ich nachher mal kräftig drücken!"

      Der siebenmalige Weltmeister war auf der Strecke seines bisher letzten Sieges in der Formel 1 (2006 auf Ferrari) unterwegs zu seinem ersten Podestplatz seit dem Comeback, rollte aber unmittelbar nach seinem Boxenstopp aus. Die Rennleitung untersuchte zu allem Überdruss auch noch eine unsichere Freigabe durch die Boxencrew. Aber: Sportchef Haug lenkten hunderte Gratulations-SMS davon ab, dass es kein Doppelsieg wurde...

      Von Anfang an souverän
      Rosberg sorgte schon am Start für klare Verhältnisse, bog mehrere Wagenlängen vor Schumacher in die erste Kurve ein. In der dritten Runde, als von der Rennleitung DRS freigegeben wurde, hatte er schon 1,1 Sekunden Vorsprung. Von da an fuhr er ein einsames Rennen: "Ich habe meine Reifen gut geschont und hätte jederzeit noch schneller fahren können", berichtet er. Und Haug schmunzelt glücklich: "Wir waren die Reifenfresser. Jetzt sind wir die Reifenflüsterer!"

      In den Top 5 gab es nur zwei Fahrer, die lediglich zweimal an die Box kamen: Sieger Rosberg und Sebastian Vettel. Letzterer lag nach einem konservativen Start nur an 15. Position, fightete sich aber mit soliden Rundenzeiten beständig nach vorne. Trotzdem war er nicht hundertprozentig glücklich: "Die Autos sind mir eher weggefahren auf der Geraden. Da fehlt uns ein bisschen Dampf. Uns fehlen zwei bis drei Zehntel auf Mercedes, alleine auf den Geraden", ärgert sich Vettel.

      Der Red-Bull-Pilot lag am Ende in einer sehenswerten Kampfgruppe, eine halbe Minute hinter dem überlegenen Sieger Rosberg, aber weniger als fünf Sekunden hinter einem Podestplatz. Nach dem letzten Boxenstopp nahm er zunächst sogar Kurs auf Platz zwei, doch weil die Zweistoppstrategie seine Reifen abbauen ließ, konnte sich Vettel im Finish nicht mehr gegen Button, Hamilton und seinen Teamkollegen Mark Webber verteidigen.

      Vettel mit unterlegenen Reifen
      "Ich war in den letzten fünf Runden chancenlos. In den Reifen war nichts mehr drin", bedauert Vettel, der sich an das vergangene Jahr erinnert fühlte, als er in der Schlussphase mit unterlegenen Reifen den Hamilton-McLaren an sich vorbeirasen sah. Trotzdem findet er, dass er nach dem schlechten Qualifying mit dem fünften Platz "ganz zufrieden" sein kann: "Ich konnte sie nicht hinter mir halten, sie waren einfach zu schnell. Wir sind einfach nicht schnell genug."

      Interessant: Die beiden McLaren-Piloten, in der Anfangsphase Dritter und Fünfter, fuhren auch ihren zweiten Stint auf weichen Pirelli-Reifen. Der erste Topfahrer, der von Soft auf Medium wechselte, war Webber - und das erfolgreich: Mit seinem harten Satz fuhr der Australier einige schnelle Runden und spielte plötzlich eine Rolle im Kampf um die vorderen Positionen. Beinahe wäre sogar Schumacher nach dem ersten Boxenstopp hinter ihm geblieben.

      Ein Stopp weniger als Button
      Zwischendurch fuhr dann Button um mehr als zwei Sekunden pro Runde schneller als Rosberg, bis sich abzeichnete, dass der führende Mercedes-Pilot nur noch einmal an die Box kommen würde. Als Button endlich zum letzten Mal an die Box abbog, waren Rosbergs Zeiten aber sogar schneller, sodass der Sieg nie wirklich in Gefahr war. "Es war eine fehlerfreie Leistung von Nico", strahlt Teamchef Ross Brawn. "Wir hatten einen Plan, und der ist perfekt aufgegangen."

      "Wir hatten Angst wegen der Reifen, aber er hat sie perfekt genutzt", sagt Brawn und jubelt: "Ich habe in meinem Leben zum Glück schon viele besondere Tage erlebt. Das ist einer davon." Rosberg selbst wirkt erstaunlich cool, wenn er sagt: "Es ist ein unglaubliches Gefühl, ich bin sehr glücklich. Wir haben lange warten müssen, aber jetzt ist der erste Sieg da. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass es heute schon passieren würde."

      Erster Gratulant: Lewis Hamilton, den er schon seit gemeinsamen Go-Kart-Tagen kennt. "Ich weiß, dass der erste Sieg ein unglaubliches Gefühl ist", freut sich der Brite, der mit drei dritten Plätzen in drei Rennen in der Fahrer-WM in Führung liegt. "Wir wussten, dass es sehr schwierig wird, Nico zu überholen, wenn er erst einmal vorne ist. Aber ich bin froh, wieder auf dem Podium zu stehen. Unsere Strategie war gut. Ich finde, das war eines unserer besten Rennen."

      McLaren-Crew verschenkt möglichen Sieg
      Button hätte Rosberg womöglich gefährlicher werden können, wenn nicht seine Crew gepatzt hätte: "Unsere Rennpace war wirklich gut, vor allem auf den härteren Reifen. Aber dann haben wir beim letzten Boxenstopp neun oder zehn Sekunden verloren und ich hatte plötzlich einen Haufen Autos vor mir. Da war gegen Nico nichts mehr zu machen", bedauert er. Und über Rosbergs Sieg sagt er: "Ich denke, es werden noch einige mehr. Aber hoffentlich nicht zu viele!"

      Rosberg musste auf seinen erlösenden ersten Sieg so lange warten wie kaum ein anderer Fahrer in der Formel-1-Geschichte: Mark Webber gewann seinen 130. Grand Prix und ist damit Rekordhalter vor Rubens Barrichello (123), Jarno Trulli (118), Jenson Button (113) und eben Rosberg. Rosberg sen. benötigte nur 49 Anläufe, ehe er sich erstmals in die Mitte des Podiums stellen durfte. "Ich ruf' dich gleich an, Papa", ließ ihm sein Sohnemann via TV-Interview ausrichten.

      In der riesigen Kampfgruppe um die Plätze zwei bis 13 kam es in der Schlussphase immer wieder zu kleinen Fahrfehlern und Überholmanövern. Pastor Maldonado (8./Williams) fuhr beispielsweise einmal Felipe Massa (13./Ferrari) ins Heck, Romain Grosjean (6./Lotus) vergab eine bessere Platzierung mit einem Ausritt und auch dessen Teamkollege Kimi Räikkönen hatte sein Pulver verschossen, als er nach einem Fahrfehler immer weiter zurückfiel - Platz 14.

      Alonso und Perez diesmal abgeschlagen
      Eine solide, aber unauffällige Performance lieferte das Williams-Team ab, das erstmals in dieser Saison beide Autos in die Punkte brachte. Fernando Alonso (Ferrari) erlaubte sich diesmal einen seiner seltenen Fehler - und ermöglichte damit ausgerechnet Sauber-Pilot Sergio Perez, an ihm vorbeizugehen. Ausgleichende Gerechtigkeit für Malaysia war das aber nicht, denn Perez wurde nur Elfter, 2,3 Sekunden hinter dem enttäuschenden Sauber-Geheimfavoriten Kamui Kobayashi.

      In der Weltmeisterschaft führt nach drei Rennen mit drei verschiedenen Siegern Hamilton, der 45 Punkte, aber noch keinen vollen Erfolg auf dem Konto hat. Zweiter ist Button (43), gefolgt von Webber (36) und Titelverteidiger Vettel (28). Rosberg liegt mit seinen heutigen 25 Zählern an sechster Position. Bei den Konstrukteuren verbessert sich Mercedes damit auf Platz fünf. In Führung: McLaren vor Red Bull. Weiter geht's schon nächste Woche mit dem Grand Prix von Bahrain.
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      Großer Preis von Bahrain / Manama

      Großer Preis von Bahrain / Manama

      Am 4. April 2004 feierte die Formel 1 ihr Debüt auf der arabischen Halbinsel. Im Wüstenstaat Bahrain fand der erste Grand Prix im Mittleren Osten statt. Um sich an die Gepflogenheiten des Islam zu halten, verzichtet die Formel 1 in Bahrain bei der Siegerehrung auf die obligatorische Champagner-Dusche, die Fahrer versprühen stattdessen Warrd, ein extra für das Formel-1-Rennen entwickeltes Getränk. Es wird aus verschiedenen in Bahrain heimischen Früchten gemixt, darunter Granatäpfel, Blutorangen und Rosenwasser. "Jetzt dufte ich wie eine Frau!", grinste Weltmeister Jenson Button nach seinem dritten Platz bei der Bahrain-Premiere im Jahr 2004. Mit Kohlensäure versetzt ist das Ganze trotzdem, damit ordentlich gespritzt werden kann.

      Die Strecke liegt weitgehend ungeschützt in der Sakhir-Wüste und ist daher erstens freitags noch sehr rutschig und zweitens wetteranfällig. Zwar haben die Teams keine Regenschauer zu befürchten, dafür aber Sandstürme - 2009 musste deswegen sogar ein Wintertest abgebrochen werden! Selbst im normalen Fahrbetrieb setzen die Teams spezielle Luftfilter ein, damit der feine Wüstensand nicht den Motor beschädigen kann.

      Der Bahrain-International-Circuit wird nicht ausschließlich von der Formel 1 genutzt. Ziel der Veranstalter ist, den Kurs 365 Tage im Jahr in Betrieb zu halten. Daher sind insgesamt fünf verschiedene Streckenteile nutzbar. Der innere und der äußere Abschnitt eignen sich hervorragend für Formel-1-Testfahrten und werden beim Grand Prix zu einem Kurs verbunden. Zusätzlich stehen ein Testoval, eine Kart- sowie eine Dragsterstrecke zur Verfügung.

      2010 wurde übrigens einmalig auf einer von 5,412 auf 6,299 Kilometer verlängerten Streckenversion gefahren. Im Bereich des ersten Sektors bogen die Fahrer damals auf eine Schleife ab, die zwar schon seit 2004 existierte, in den ersten Jahren aber nicht von der Formel 1 befahren wurde. Seit 2011 gastiert die Königsklasse wieder auf der 5,412-Kilometer-Schleife.

      Allerdings musste der Grand Prix 2011 wegen der politischen Unruhen in der Region ("Arabischer Frühling") abgesagt werden.
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      Rennbericht

      Bahrain: Vettel siegt vor Lotus-Duo

      Lotus begehrt auf, Kimi Räikkönen erstmals seit dem Comeback auf dem Podium, aber am Ende feiert in Bahrain Sebastian Vettel seinen ersten Saisonsieg


      Viertes Rennen, vierter Sieger: Weltmeister Sebastian Vettel (Red Bull) beendete heute beim Grand Prix von Bahrain in Manama seine kurze Durststrecke und feierte seinen ersten Saisonerfolg. Heimlicher Mann des Rennens war aber Kimi Räikkönen (Lotus), der erstmals seit seinem Comeback wieder an einem Sieg schnupperte und letztendlich Zweiter wurde.

      Nach 57 Runden hatte der "Iceman" 3,3 Sekunden Rückstand auf Vettel, dem er vor dem letzten Boxenstopp bedrohlich nahe gekommen war. In der 34. Runde betrug der Abstand zwischen den beiden erstmals weniger als eine Sekunde, sodass Räikkönen den verstellbaren Heckflügel (DRS) aufklappen und sich am Ende der Start- und Zielgerade jeweils ansaugen konnte. Doch in den Kurven konnte sich Vettel jeweils gerade so viel Vorsprung verschaffen, dass er in Führung blieb.

      Nur eine echte Chance gegen Vettel
      "Ich hatte nur eine Chance, aber da entschied ich mich auf der Bremse für die falsche Seite", ärgert sich Räikkönen. "Das war die einzige Situation, wo Vettel ein bisschen unter Druck war", analysiert der ehemalige Formel-1-Pilot Adrian Sutil. "Aber er hat das gut gemacht, sich nach innen gesetzt und den Platz verteidigt." Räikkönen bedauert: "Schade, dass es nicht geklappt hat." Aber immerhin darf er sich über seinen ersten Podestplatz seit 2009 freuen.

      Die Grundlage dafür wurde schon gestern geschaffen, als der Lotus-Pilot den Einzug ins dritte Qualifying verpasste und damit zwei Reifensätze sparte. "Kimi scheint wo einen Reifenhändler gefunden zu haben, denn er hatte immer neue Reifen! Das war schwierig", lächelt Vettel. Räikkönen sieht sich im Nachhinein bestätigt: "Die gestrige Entscheidung hat sich als richtig herausgestellt", freut er sich.

      Trotzdem lief nicht alles perfekt: "Ich habe am Anfang einen Platz gegen einen Ferrari verloren. Die anderen zu überholen, ist halt nicht einfach. Wir hätten gewinnen können, aber wir stehen mit beiden Autos auf dem Podium", zieht er Bilanz und spricht über sein Duell mit Teamkollege Romain Grosjean: "Es gibt keine Teamorder. Wir kennen die Regeln. Ich wollte so schnell wie möglich überholen, aber das ist bei zwei fast gleichen Autos nicht einfach."

      Entscheidung durch letzten Boxenstopp
      Grosjean erwischte diesmal einen guten Start und kam als Vierter aus der ersten Runde zurück, griff sich dann erst Mark Webber (Red Bull) und ein paar Runden später auch Lewis Hamilton (McLaren), während von hinten Räikkönen durch das Feld pflügte. In der 24. Runde kam es zum Überholmanöver - und von da an machte der "Iceman" Jagd auf die Führung. Doch der letzte Boxenstopp brachte die Vorentscheidung.

      Weil die Red-Bull-Crew etwas schneller arbeitete als Lotus, konnte Vettel Räikkönen aus der DRS-Sekunde abschütteln. Zudem kam er mit harten Pirelli-Reifen offenbar besser zurecht als davor mit weichen. Aber der Lotus-Kommandostand witterte noch eine Chance: "Vettel hat stärker abbauende Reifen als du. Du wirst ihn einholen." Ein Irrglaube, wie sich herausstellen sollte, denn der Weltmeister ließ von da an nichts mehr anbrennen.

      "Es war ein unglaubliches Rennen, manchmal extrem hart", jubelt Vettel. "Ich hatte einen guten Start und konnte mich sofort absetzen, was ein großer Vorteil war. Ich hatte ja keine neuen Reifen mehr, weil ich die schon im Qualifying verbraucht hatte. Kimi war sehr schnell, Romain auch, aber bei uns hat alles funktioniert. Das haben wir nicht erwartet, als wir ins Wochenende gestartet sind. Ein perfekter Sonntag!"

      Erster Podestplatz für Grosjean
      Grosjean fuhr im letzten Drittel ein einsames Rennen, hatte nach hinten fast eine halbe Minute Puffer auf Webber, der Vierter wurde. "Ein merkwürdiges Gefühl, aber ein gutes", sei das erste Podium, grinst der Franzose. "Wir wussten, dass wir ein gutes Auto haben, aber der Speed am Anfang hat uns selbst überrascht. Unser Auto ist sehr konkurrenzfähig. Jetzt will ich gewinnen, aber das wird noch ein bisschen dauern."

      Fünfter wurde Nico Rosberg (Mercedes), der diesmal nicht ganz an die Performance von Schanghai anknüpfen konnte. Rosberg verlor am Start vier Positionen, drängte dann Hamilton einmal relativ hart von der Strecke ab, was ihm eine Untersuchung durch die Rennleitung einbrachte. "Wundert mich nicht. Das war schon ziemlich hart, was Nico gemacht hat", findet Experte Marc Surer. Rosberg selbst sah das am Funk ganz anders: "Lewis hat mich neben der Strecke überholt!"

      "Bisher herrscht in dieser Saison ein Durcheinander", so Rosbergs Fazit. "Man weiß überhaupt nicht, wer im Rennen schnell ist. So oder so war das Wochenende okay für uns. Wenn man sich die ersten beiden Rennen anguckt, dann kann man sagen, dass wir da sehr langsam waren. Hier war es aber okay und die Bedingungen da draußen waren sehr schwierig. Das Reifenmanagement war extrem wichtig. Von daher kann man da ziemlich viel Positives sehen."

      McLaren patzt an der Box
      Hamilton spielte im weiteren Rennverlauf übrigens keine entscheidende Rolle mehr: Gleich nach dem Start konnte er die starke Pace von Vettel nicht gehen, dann musste er Grosjean passieren lassen - und die zwei ersten Boxenstopps gingen wieder einmal völlig in die Hose. Dass er am Ende mit einer Minute Rückstand zumindest noch Achter wurde, war angesichts dieser Umstände nicht selbstverständlich.

      Hamilton profitierte vom Pech seines Teamkollegen Jenson Button, der an siebter Stelle liegend mit Reifenschaden an die Box kam und eine Runde später mit einem technischen Defekt ganz abstellen musste. In jener Phase wollte er sich eigentlich gerade den einzigen Zweistopper im Feld, Paul di Resta (Force India) zurechtlegen, der mit abbauenden Reifen kurz zuvor schon einen Platz gegen Rosberg verloren hatte.

      Ferrari erreichte die Positionen sieben (Fernando Alonso) und neun (Felipe Massa) und erfüllte damit die bescheidene Zielvorgabe, mit beiden Autos zu punkten. Erfreulich vor allem die Performance von Bahrain-Spezialist Massa, der vor dem letzten Boxenstopp in Alonsos Windschatten sogar phasenweise schneller war und am Ende weniger als zehn Sekunden nach seinem Teamkollegen über die Ziellinie fuhr.

      Mercedes von der Realität eingeholt
      Michael Schumacher (Mercedes), bei dem vor dem Start das Getriebe gewechselt worden war, konnte nach einem katastrophalen Samstag immerhin noch einen WM-Punkt retten, 1,2 Sekunden vor Sauber-Youngster Sergio Perez und Nico Hülkenberg (Force India). Daniel Ricciardo (Toro Rosso), Sensationsmann des Qualifyings, erwischte einen schlechten Start, musste dann auch noch die Nase auswechseln lassen und wurde unterm Strich gerade mal 15.

      Eines der Themen des Tages waren die Reifen - und zwar nicht nur wegen der Performance, sondern weil es erstmals in der Pirelli-Ära zu drei Reifenschäden kam: Gleich nach dem Start musste sich Heikki Kovalainen (17./Caterham) neue Pneus abholen, später dann hatte Pastor Maldonado (Williams) einen schleichenden Platten und im Finish dann auch noch Button. Die Ursache dafür ist bisher nicht geklärt.

      Nach dem von zahlreichen Überholmanövern geprägten Grand Prix von Bahrain führt in der Fahrer-WM erstmals Vettel (53 Punkte) vor Hamilton (49) und Webber (48). Räikkönen liegt mit 34 Punkten an siebter Stelle. Bei den Konstrukteuren übernimmt Red Bull (101) Platz eins vor McLaren (92) und Lotus (57). Weiter geht's am 13. Mai in Barcelona (Spanien). Davor wird noch von 1. bis 3. Mai in Mugello (Italien) getestet.
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      Großer Preis von Spanien / Barcelona

      Großer Preis von Spanien / Barcelona

      4,655 Kilometer lang ist der Circuit de Catalunya, der vor Anfang der 1990er-Jahre vom Königlichen Automobilklub von Katalonien gebaut wurde, um der Formel 1 unweit von Barcelona eine moderne Strecke zu schenken. Aufgrund der zeitgemäßen Boxenanlagen und der vorbildlichen Sicherheit nutzen die Teams die Strecke im Winter sehr ausgiebig, um bei milden Temperaturen testen zu können. Aus diesem Grund kennt jedes Team die Piste wie die eigene Westentasche.

      Seit 1991 findet der Grand Prix von Spanien nördlich von Barcelona statt. Davor trug man den Grand Prix von Spanien in Jerez de la Frontera aus, wo man sich im Winter regelmäßig ebenfalls zu Testfahrten trifft. Barcelona ist wohl jene Stadt, die in Spanien am meisten zu bieten hat. Bekannt in erster Linie für die weltberühmte Kirche Sagrada Familia und die vielen anderen etwas bizarr anmutenden Gaudi-Gebäude, bietet die katalanische Millionenstadt den Touristen allerdings nicht nur schöne historische Gebäude zur Ansicht.

      66 Runden sind im Rennen auf dem katalanischen Kurs zu drehen, der aus einer guten Kombination von schnellen, mittelschnellen und langsamen Kurven besteht. Die Strecke ist bekannt dafür, dass sie sich im Laufe des Wochenendes ständig verändert. Dies liegt zum einen daran, dass häufig kräftiger Wind Staub auf die Strecke weht, der im Laufe des Wochenendes durch den griffigen Gummiabrieb der Reifen ersetzt wird. Hinzu kommen ständig wechselnde Windstärken und Windrichtungen.

      Aufgrund der mangelnden Überholmöglichkeiten ist es wichtig, sich im Qualifying eine gute Startposition herauszufahren. Oftmals endet das Rennen am Sonntag in einer Prozessionsfahrt, die ihre Spannung nur durch die Boxenstopps bezieht.
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      Spanien GP

      Spanien GP

      Maldonado verdirbt Alonso die Formel-1-Fiesta


      Acht Jahre nach Montoya beschert Pastor Maldonado Frank Williams wieder einen Sieg - Kimi Räikkönen nach furiosem Finish Dritter hinter Fernando Alonso

      Manche Geschichten schreibt nur die Formel 1: Kaum jemand hätte geglaubt, dass Frank Williams noch einmal einen Grand-Prix-Sieg erleben würde, aber heute bereitete ihm Pastor Maldonado zum 70er das wahrscheinlich schönste Geburtstagsgeschenk. Denn der Williams-Pilot gewann das Rennen in Barcelona von der Pole-Position aus und holte damit erstmals seit Juan-Pablo Montoya beim Grand Prix von Brasilien 2004 wieder einen Formel-1-Siegerpokal nach Grove.

      Frank Williams konnte die Trophäe für den siegreichen Konstrukteur aufgrund seiner Behinderung zwar nicht persönlich entgegennehmen und schickte an seiner Stelle Teammanager Dickie Stanford auf das Podium, aber die Erleichterung war ihm anzusehen, als Ehefrau Virginia, Tochter Claire und sein österreichischer Partner Toto Wolff unmittelbar nach der Zieldurchfahrt die ersten Gratulanten waren. Aber wer südamerikanische Emotionen erwartet hatte, wurde enttäuscht: "Sehr gute Fahrt, Pastor", war das nüchterne Lob für den Sensationssieger am Boxenfunk.

      Erster Podestplatz, erster Sieg
      Während der Sieger-Pressekonferenz klang das dann schon ein bisschen euphorischer: "Heute ist ein wunderschöner Tag für mich, aber auch für das ganze Team", jubelt Maldonado. "Wir haben seit vergangenem Jahr hart gearbeitet, um Rennen für Rennen immer besser zu werden, und jetzt stehen wir hier. Das Qualifying gestern war schon klasse, auch wenn wir die erste Pole lieber aus eigener Kraft geholt hätten, und heute ist uns das wieder gelungen. Mein erstes Podium und gleich der erste Sieg - ihr könnt euch vorstellen, was in mir vorgeht!"

      Der Grand Prix von Spanien wurde zur erwarteten Reifenschlacht, in der die Strategie stets eine entscheidende Rolle spielte. Von Anfang an lief es auf ein Duell zwischen Maldonado und Lokalmatador Fernando Alonso (Ferrari) hinaus: Letzterer gewann genau wie im Vorjahr den Start und führte das Feld vor Maldonado, Kimi Räikkönen (Lotus) und dem exzellent gestarteten Nico Rosberg (Mercedes) in die erste Runde. Die vermeintlichen Favoriten, also Red Bull und McLaren, steckten von Beginn an im Verkehr fest.

      Alonso dankt seinem Team dafür, wieder einmal die perfekten Kupplungseinstellungen gefunden zu haben: "Es war ein fantastischer Start! Bis zur ersten Kurve runter war es eng, aber dann hatte ich beim Bremsen die bessere Seite der Strecke", erinnert sich der Spanier, der unter tosendem Applaus am forsch dagegenhaltenden Maldonado vorbeiging. Der trug den Positionsverlust aber mit Fassung und warf die Nerven nicht weg: "Fernando ist besser gestartet als ich, aber ich konnte sein Tempo mitgehen."

      Harte Reifen besser als die weichen
      Pech hatte Sergio Perez (Sauber), dem in der ersten Kurve von Romain Grosjean (Lotus) der linke Hinterreifen aufgeschlitzt wurde. Doch nachdem alle auf Pirelli-Softs gestartet waren, nutzte der Mexikaner den Reparaturstopp in der ersten Runde, um auf die härtere Gummimischung zu wechseln - und fuhr prompt ordentliche Rundenzeiten. Die veranlassten den einmal mehr schlecht gestarteten Mark Webber (Red Bull) schon in der sechsten Runde dazu, ebenfalls von Soft auf Hard zu wechseln.

      In der zehnten Runde kam Spitzenreiter Alonso zum ersten Boxenstopp, um die Soft- gegen Hard-Pirellis auszutauschen. Eine Runde später wechselten auch Maldonado und Räikkönen die Reifen, wobei Williams ebenfalls harte, Lotus weiche Pneus aufziehen ließ. Von da an entglitt Räikkönen das Führungsduo: "Vielleicht haben wir beim ersten Boxenstopp die falsche Entscheidung getroffen", macht er seinem Kommandostand einen Vorwurf. Trotzdem fuhr er den dritten Platz sicher ins Ziel, 3,8 Sekunden hinter dem Sieger.

      Alonso mit frischeren Reifen
      Maldonado führte die Vorentscheidung beim zweiten von drei Boxenstopps herbei, als er zwei Runden vor Alonso an die Box kam und gleich im ersten Sektor mit frischen Reifen 1,3 Sekunden herausholte. Nach 32 von 64 Runden hatte der Williams-Pilot schon sieben Sekunden Vorsprung und sah erstmals wie der mögliche Sieger aus. Alonsos Chancen waren aber noch keineswegs dahin, denn die Ferrari-Box holte ihn auch zum letzten Stopp später rein, sodass er für die Schlussphase frischere Reifen drauf hatte.

      In der 49. Runde saugte sich Alonso erstmals in die DRS-Sekunde, aber eine ernsthafte Attacke konnte er trotz der Anfeuerung des spanischen Publikums nicht setzen. "Am Ende war es knapp", schildert er. "Unsere Reifen waren neuer als die von Pastor. Ich habe es ein paar Mal probiert, aber aus der letzten Kurve heraus war er immer sehr schnell. Am Ende muss wohl irgendein Aerodynamik-Teil kaputt gegangen sein, denn das Auto wurde sehr langsam. Fast hätte mich sogar Kimi noch eingeholt."

      Die Vorentscheidung fiel in der 58. Runde, als Maldonado problemlos an einem überrundeten Nachzügler vorbeischlüpfte, Alonso aber ein paar Zehntelsekunden einbüßte und damit wieder aus dem DRS-Abstand rausflog. Charles Pic (Marussia) hatte zuvor schon eine Durchfahrstrafe kassiert. "Das hilft mir jetzt auch nicht mehr", murrt Alonso, "aber vielleicht verstehen die Leute wenigstens, dass sie bestraft werden, wenn sie jemanden aufhalten." Allerdings kann er sich auch über Platz zwei freuen, denn: "Der Williams war schneller als wir. Sie verdienen den Sieg."

      Maldonado wirft die Nerven nicht weg
      Die einzige Frage während der letzten fünf Runden war, ob Maldonado die Nerven bewahren würde. Beim Saisonauftakt in Australien hatte er sich auf der Jagd nach Alonso in der letzten Runde in die Mauer verabschiedet - aber in Alonsos Heimat blieb er cool. "Die Hinterreifen bauten schon nach ein paar Runden ab, aber das Auto war konkurrenzfähig", schildert er. "Ich habe versucht, die Reifen für das Finish am Leben zu erhalten. Fernando war am Ende der Geraden sehr schnell, aber ich konnte es kontrollieren. Unser Tempo war heute sehr gut."

      Da tat es auch nichts zur Sache, dass sich die Williams-Boxencrew beim letzten Stopp einen kleinen Fehler leistete, der ein bis zwei Sekunden gekostet haben dürfte. Spannend wurde es nur noch hinter dem 27-Jährigen, denn zwei Runden vor Schluss lag plötzlich Räikkönen 4,4 Sekunden hinter Alonso - und kam mit Siebenmeilenstiefeln näher. Vor der letzten Runde waren es gar nur noch 2,3, auf der Ziellinie 0,6 Sekunden. "Ich wundere mich", analysiert Experte Marc Surer, "warum sie Kimi nicht früher gesagt haben, dass er pushen soll."

      Dem "Iceman" stand die Enttäuschung über das Ergebnis dann auch ins Gesicht geschrieben: "Ich bin enttäuscht, denn ich hatte erwartet, schneller zu sein, vor allem zu Beginn des Rennens. Darum konnten wir nicht um den Sieg kämpfen", trauert er der falschen Reifenwahl beim ersten Boxenstopp nach. So richtig dämmerte ihm das aber erst viel später: "Am Anfang, als ich nicht mitkam, war die Enttäuschung gar nicht so groß, aber als ich binnen weniger Runden 20 Sekunden aufholen konnte, wurde mir erst klar, was heute drin gewesen wäre."

      Perez diesmal im Reifenpech
      Räikkönens Teamkollege Grosjean, der im ersten Renndrittel im Zweikampf mit Bruno Senna (Williams) etwas zu ungestüm war, in der Situation aber Glück hatte, fuhr nach seinem Überholmanöver gegen Rosberg einem sicheren vierten Platz entgegen. Erst 50 Sekunden hinter dem Franzosen kam Kamui Kobayashi (Sauber) als Fünfter ins Ziel. Das vermeintlich heißere Sauber-Eisen Perez hatte nach dem Reifenschaden am Start gleich noch einmal Pech, als sich ein Mechaniker beim Boxenstopp verletzte und er wenig später ausrollte.

      Den Aufreger des Tages lieferten aber Senna und Michael Schumacher (Mercedes), als sie in der 13. Runde vor der ersten Kurve kollidierten. Schumacher, nach dem Boxenstopp bereits mit frischen Reifen unterwegs, setzte zum Überholen an, bremste aber später als Senna mit abgefahrenen Pneus - und krachte dem Williams direkt ins Heck! "Für mich eindeutig Michaels Schuld. Senna muss früher bremsen, weil er abgefahrene Reifen hat", analysiert Experte Surer. Und auch Senna ärgert sich: "Ich musste eher bremsen als er."

      Doch Schumacher sieht den Unfall anders: "Ich versuche, ihn aus dem Windschatten heraus zu attackieren. Er macht mir deutlich, dass er die Innenbahn zumachen wird, zieht nach rechts. Ich sage: 'Okay, ziehst du halt nach links rüber.' Kurz nach dem Bremspunkt zieht er mir aber nach links vor das Auto. Da ich nicht weiß, wie weit er nach links rüberzieht, versuche ich halt auszuweichen. Da knalle ich ihm ins Heck rein. Es ist eine relativ unvernünftige Sache, in der Bremsphase plötzlich noch einmal eine Bewegung in eine Richtung zu machen, in die er nicht mehr hindarf."

      "Idiot": Schumacher beschimpft Senna
      Unmittelbar nach dem Crash hatte Schumacher sein Lenkrad weggeworfen und Senna am Boxenfunk als "Idioten" beschimpft. "Es ist schon die zweite Aktion, die ich mit diesem Kollegen hatte", regt sich der siebenfache Weltmeister auf. "In Brasilien ist er mir ins Auto gefahren. Hier fährt er mir vor das Auto - auf eine Art und Weise, die für mich einfach nicht akzeptabel ist." Senna nimmt diese Vorwürfe jedoch nur mit einem Achselzucken zur Kenntnis: "Ich glaube nicht, dass Michael jemals sagen wird: 'Es war mein Fehler, tut mir leid.'"

      Bester Deutscher wurde heute Sebastian Vettel (Red Bull), der ein chaotisches Rennen erlebte: am Start einen Platz gegen Schumacher verloren, dann Durchfahrstrafe wegen zu hoher Geschwindigkeit während der Senna/Schumacher-Gelbphase, am Ende noch ein Wechsel der Frontpartie. "Ich war mir gar nicht sicher, ob sie kaputt ist, und konnte mir nicht erklären, warum der Flügel kaputt sein soll", wundert sich Vettel, stimmt dem Team aber im Nachhinein zu: "Vorne links war wohl irgendein Flap kaputt."

      Zuvor hatte Red Bull schon bei Webber die Nase getauscht, weil diese plötzlich nicht mehr vollen Anpressdruck lieferte. Webber schrammte am Ende um 0,2 Sekunden hinter Nico Hülkenberg (Force India) an einem WM-Punkt vorbei, während Vettel in den letzten Runden ein wahres Überhol-Feuerwerk zündete, der Reihe nach Jenson Button, Lewis Hamilton (beide McLaren) und Rosberg überholte und so immerhin noch Sechster wurde. Damit konnte er die WM-Führung behaupten, ex aequo mit Alonso.

      Vettel verwundert über Durchfahrstrafe
      So ganz kann der WM-Leader den heutigen Grand Prix aber auch nicht lesen: "Es gibt auch für uns noch jede Menge zu verstehen. Es war ein Drunter und Drüber", kommentiert er das ungewöhnliche Ergebnis. "Wir kamen gut ins Rennen rein in den letzten zwei, drei Stints, aber die Durchfahrstrafe hat uns natürlich einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ich kann's nicht verstehen, denn ich habe die gelben Flaggen gesehen und beachtet. Aber das aus dem Cockpit zu beurteilen, ist schwierig. Sehr viel mehr wäre sowieso nicht drin gewesen."

      Rosberg büßte in den letzten Runden noch mehr als zehn Sekunden auf seinen Landsmann ein, gehörte zu jenen, die ihre Reifen nur noch irgendwie über die Distanz retteten. Dass er sich auf den letzten Metern wenigstens noch gegen den von hinten drückenden Hamilton behaupten konnte, "war das kleinste Erfolgserlebnis dieses Tages, aber wenn man bedenkt, dass er als Letzter losgefahren ist, ist das auch nichts Besonderes. Unser Auto hat zu viel Reifen gefressen. Da liegt immer noch Arbeit vor uns", seufzt Rosberg.

      Hamilton (schlechter erster Boxenstopp) war übrigens der Einzige, der eine Zweistoppstrategie riskierte, und fuhr mit dieser vom 24. auf den achten Platz, 7,1 Sekunden vor Button. Das McLaren-Duo war aber weniger auffällig unterwegs als etwa Heikki Kovalainen, der durch einen späten ersten Boxenstopp und dank guter Pace teilweise an fünfter Stelle geführt wurde - so weit vorne lag ein Auto eines der drei neuen Teams noch nie. Schlussendlich wurde er freilich trotzdem nur 16., 24 Sekunden hinter dem erneut farblosen (und mit Durchfahrstrafe belegten) Felipe Massa (Ferrari).

      Und wieder gewinnt der Polesetter...
      Auch wenn in Barcelona im zwölften Rennen seit 2001 zum elften Mal der Polesetter gewonnen hat, war der heutige Grand Prix alles andere als eine Prozession. Dank DRS gab es bei Start und Ziel dutzende "programmgemäße" Überholmanöver, aber die schönsten Attacken zelebrierte wieder einmal "Kamuikaze" Kobayashi: Wie er erst Button und dann Rosberg ohne DRS im Infield überrumpelte, war Weltklasse - ähnlich wie Vettels Manöver gegen den heute im Zweikampf recht zahm wirkenden Button.

      Fünf verschiedene Sieger in fünf unterschiedlichen Autos: Die Formel 1 ist zum Auftakt der Saison 2012 so abwechslungsreich wie seit fast drei Jahrzehnten nicht mehr. Zuletzt hatte es eine solche Konstellation 1983 gegeben. Damals hatten der spätere Weltmeister Nelson Piquet (Brasilien) im Brabham, John Watson (Großbritannien) im McLaren, Alain Prost (Frankreich) im Renault, Patrick Tambay (Frankreich) im Ferrari und Keke Rosberg (Finnland) im Williams die ersten fünf Rennen gewonnen.

      Dementsprechend spannend geht es derzeit auch in der Weltmeisterschaft zu. Vettel und Alonso halten nach fünf von 20 Rennen bei je 61 von 125 möglichen Punkten, Vettel liegt jedoch dank der besseren Einzelergebnisse in Führung. Bis zum heutigen Sieger Maldonado (29 Punkte) auf Rang neun liegt alles recht eng beisammen. Schumacher ist mit zwei Punkten WM-18. In der Konstrukteurswertung führt Red Bull (109) vor McLaren (98) und Lotus (84). Weiter geht's am 27. Mai mit dem klassischen Grand Prix von Monaco.
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      Großer Preis von Monaco / Monte Carlo

      Großer Preis von Monaco / Monte Carlo

      Es ist das verrückteste Formel-1-Rennen des Jahres, der Grand Prix von Monaco in Monte Carlo. Auf der einen Seite liebt der Formel-1-Tross den irren Stadtkurs inmitten der monegassischen Metropole, in der ein siebenstelliger Kontoauszug die Aufenthaltsgenehmigung für die Einwohner ist, auf der anderen Seite verabscheuen die Teams die Strecke wegen der trotz kürzlich erfolgter Umbaumaßnahmen schwieriger Arbeitsbedingungen und nicht mehr zeitgemäßer Sicherheitsstandards.

      3,340 Kilometer lang ist der Kurs mit seinen engen Kurven, Unebenheiten, Kanaldeckeln und Fahrbahnmarkierungen, die keine andere Strecke bietet. Besondere Bedeutung kommt auf dem Stadtkurs dem Qualifying zu, weil Überholmanöver im Rennen aufgrund der geringen Streckenbreite praktisch ausgeschlossen sind. Neben Budapest ist Monte Carlo die Strecke, auf der man am meisten Abtrieb benötigt. Die Flügel sind so steil wie nur möglich gestellt. Besonders belastet werden die Radaufhängungen, denn es kann gelegentlich zu Leitplankenkontakt kommen. Die meisten Teams bringen daher verstärkte Teile nach Monte Carlo mit.

      Vor der Saison 2003 wurde im Meer Land aufgeschüttet, um mehr Platz für die Boxengasse zu gewinnen. Außerdem wurde die Boxengasse von der Seite der Start- und Zielgerade in Richtung Hafen ausgerichtet und die Ausfahrt hinter die neuralgische Stelle Sainte Devote verlegt. Dennoch haben die Mechaniker beim Boxenstopp weniger Platz als auf jeder anderen Strecke.

      Dass der Circuit de Monaco an die Formel-1-Fahrer hohe Ansprüche stellt, zeigt auch ein Blick in die Statistik: Ayrton Senna liegt mit sechs Siegen in Führung, gefolgt von Michael Schumacher und Graham Hill mit jeweils fünf Triumphen. Alain Prost kommt auf vier Siege, vor Stirling Moss und Jackie Stewart mit drei. Dank der meist vielen Ausfälle können aber auch einmal ganz unerwartete Fahrer die Ziellinie als Erster überqueren, wie zum Beispiel Olivier Panis im Jahr 1996
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      Monaco GP / Circuit de Monaco

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      Prozession in Monaco: Webber gewinnt vor Rosberg

      Sechs Autos in sechs Sekunden: Nicht einmal das Wetter konnte Mark Webbers zweiten Monaco-Sieg verhindern - Michael Schumacher wieder im Pech


      Die Formel-1-Saison 2012 bleibt unberechenbar: Beim Grand Prix von Monaco gab es heute den sechsten Sieger im sechsten Rennen - und die sechs bestplatzierten Fahrer kamen innerhalb von sechs Sekunden ins Ziel! Nach 78 Runden sicherte sich Mark Webber zum zweiten Mal nach 2010 den Sieg im Fürstentum an der Cote d'Azur.

      Als es zehn Runden vor Schluss stellenweise zu regnen begann, bahnte sich schon ein finaler Showdown in Monte Carlo an, letztendlich kam es auf den vorderen Positionen aber zu keinen Verschiebungen mehr. So gewann Red-Bull-Pilot Webber 0,6 Sekunden vor Nico Rosberg (Mercedes) und 0,9 Sekunden vor Fernando Alonso (Ferrari), der mit dem heutigen Ergebnis die alleinige WM-Führung übernimmt, je drei Punkte vor den beiden Red-Bull-Piloten.

      Vettel: Langer erster Stint
      An Spannung konnte die 260-Kilometer-Schlacht nicht ganz mit den bisherigen Saisonrennen mithalten, knapp war es aber allemal. Und beinahe wäre der Reifenpoker von Vorjahressieger Sebastian Vettel (Red Bull) aufgegangen: Der Deutsche startete als einziger Top-10-Fahrer mit den härteren Soft-Primes von Pirelli und konnte somit einen 46 Runden langen ersten Stint fahren. Zum Vergleich: Seine direkten Konkurrenten waren schon um Runde 30 reingekommen.

      Vettel baute seinen Vorsprung in jener Phase auf bis zu 17,4 Sekunden aus, weil die härteren Reifen von Webber und Co. ein paar Runden brauchten, um ihre Performance voll zu entfalten. "Mit dem Regen war es schwierig, die harten Reifen aufzuwärmen", erklärt Rosberg, und Webber schildert: "Sebs Reifen bauten nicht wirklich ab, während ich zu Beginn des zweiten Stints wenig Grip hatte. Seb zog vorne weg. Ich habe nur geschaut, dass er nicht die magischen 21 Sekunden holt."

      Doch gegen Ende des Stints ließen auch Vettels Zeiten nach, sodass Webber vor Rosberg und Alonso in Führung blieb. Vettel verbesserte sich aber vom sechsten auf den vierten Platz und kam vor Lewis Hamilton (McLaren) wieder auf die Strecke. Bis dahin war "jede Runde voll am Limit", so Vettel, denn: "Die Reifen waren älter als die der anderen. Dann kam ich aus der Box. Man profitiert von den Reifen, aber am Limit war ich nicht, denn ich bin im Verkehr festgehangen."

      Prozession statt Überhol-Action
      An der Spitze war es von da an eine Prozession. Am Ende der 69. Runde lagen zwar die fünf Führenden innerhalb von 2,1 Sekunden (Ferrari-Pilot Felipe Massa auf Platz sechs hatte 3,4 Sekunden Rückstand), doch keiner wagte mehr eine ernsthafte Attacke. Die meiste Spannung bezog das Rennen aus der unsicheren Wetterlage: "Es haben wohl alle auf Regen gehofft, nur ich nicht", schmunzelt Webber. "Für den Ersten ist es immer am schwierigsten."

      Tatsächlich knickten die Rundenzeiten zwischendurch um mehr als fünf Sekunden ein, gegen Ende hin trocknete die Strecke aber wieder ab. Rosberg ließ bis in die letzte Runde nicht locker, doch als Webber ausgangs Tunnel ein paar Wagenlängen Vorsprung hatte, war das Rennen gelaufen. "Wahrscheinlich hatten wir das schnellste Auto, im Qualifying wie im Rennen", glaubt Rosberg. "Leider ist es nicht perfekt gelaufen, aber ich freue mich auch über Platz zwei."

      So war im Nachhinein betrachtet wohl der Start die entscheidende Situation. Das war bisher eigentlich nicht Webbers Stärke, aber: "Ich wusste sofort, dass es reichen würde, um als Führender in die erste Kurve zu gehen", kann er im Nachhinein lächeln. Auch Rosberg muss einsehen: "Ich bin eigentlich sehr gut weggekommen, aber Mark auch. Bis zum ersten Boxenstopp war ich echt gut unterwegs, hatte auf jeden Fall das beste Auto. Aber hier kommt man einfach nicht vorbei."

      Reifen wieder entscheidender Faktor
      "Es ging dann nur ums Haushalten mit den Reifen. Ich bin überrascht, wie gut wir da waren", freut sich der Mercedes-Pilot. Webber setzte sich um teilweise mehr als zwei Sekunden ab, doch richtig lösen konnte er sich nie. "Auf den Supersofts konnte ich einen kleinen Vorsprung herausfahren. Danach ging es nur darum, diesen zu kontrollieren", gibt der nunmehr zweimalige Monaco-Sieger erleichtert zu Protokoll.

      Eine weitere entscheidende Szene war Rosbergs Boxenstopp in Runde 27 - eigentlich hätte man den Supersofts bis zu 35 Runden zugetraut -, der wegen des sogenannten "Undercuts" auch Webber und Co. dazu zwang, früher zu wechseln. Das war eigentlich nicht geplant: "Es drohte ständig Regen, also hätte man lieber länger gewartet, aber Nico kam früher rein, sodass dann alle anderen reagieren mussten", erklärt Webber.

      Ein makelloses Rennen fuhr Alonso, der in der Anfangsphase Mühe zu haben schien, seinen Teamkollegen Felipe Massa abzuschütteln. Doch als sich Massa erkundigte, ob Alonso ein Problem habe, kam vom Kommandostand nur retour: "Er schon die Reifen. Solltest du auch!" Alonso legte nur dann an Tempo zu, wenn es strategisch wichtig war, gewann schon am Start eine Position und ging dann beim Boxenstopp an Hamilton vorbei.

      Alonso, das Punkte-Eichhörnchen
      "Unser Ziel war, vor Sebastian und Lewis ins Ziel zu kommen. Nächstes Mal müssen wir uns auf Mark konzentrieren, der jetzt WM-Zweiter ist. Jedes Rennen ist eine Überraschung", erklärt der Spanier, der einer von nur zwei Fahrern ist, die 2012 jedes Mal gepunktet haben. "Das Rennen lief reibungslos, nur am Start hatte ich eine Berührung mit Grosjean. Zum Glück war das Auto trotzdem okay. Hamilton haben wir mit einem perfekten Boxenstopp überholt."

      Die Startkarambolage um Romain Grosjean (Lotus) war an einem sonst wenig aufregenden Nachmittag wohl die Szene des Rennens: Der Franzose drängte Michael Schumacher (Mercedes) in die Mauer, geriet dadurch selbst ins Schleudern, berührte Vettel leicht am Hinterrad, der deswegen (wie einige andere Fahrer auch) Sainte Devote abkürzen musste - und kollidierte mit Kamui Kobayashi, der ein paar Runden später aufgab.

      "Es war eine seltsame Situation, er hat sich auf der Geraden gedreht", bedauert der Sauber-Pilot. "Ich hatte ein Problem mit der Aufhängung. Es wäre sehr gefährlich gewesen, wenn ich weitergefahren wäre. Schade, so einen Rennverlauf hatte ich nicht erwartet, aber das Auto ist kaputt." Doppelt bitter, dass auch Sergio Perez keine Punkte für Sauber holte, obwohl der Mexikaner über weite Strecken der schnellste Fahrer im Feld war.

      Perez schnellster Mann im Feld
      Nach dem Wechsel von Supersoft auf Soft kam Perez immer besser in Schuss, drehte eine schnellste Runde nach der anderen, war phasenweise um drei, meistens um ein bis zwei Sekunden schneller als alle anderen. Als er sich im Finish überrunden ließ, war das nicht aufgrund des Tempos: "Man kann sehen, wie schnell der Sauber ist, wenn er mit der Spitzengruppe locker mitfährt. Er ist der schnellste Mann da vorne", so Experte Marc Surer im Sky-Kommentar.

      Schlussendlich wurde es Platz elf für Perez - in einem Rennen, in dem 15 Autos die Zielflagge sahen: Grosjean schied bereits am Start aus, Pastor Maldonado (Williams) wurde ebenfalls ein Opfer der ersten Runde und Schumacher gab wegen eines Problems mit der Benzinzufuhr auf. "Es ist nicht gelaufen, wie wir es uns vorgestellt haben", seufzt der Schnellste von gestern. "Ein Podium war realistisch, aber das wurde schon am Start zunichte gemacht."

      Pech hatte Jean-Eric Vergne (Toro Rosso), der nach Schumachers Ausfall an siebter Stelle lag, beim halben Heim-Grand-Prix aber ein mögliches Punkteresultat verlor, als er von Toro Rosso ein zweites Mal zum vorgeschriebenen Reifenwechsel an die Box geholt werden musste. Das Juniorteam von Red Bull spekulierte mit starkem Regen und ging das Risiko ein, in der Schlussphase auf Intermediates zu wechseln - ein Schuss, der völlig nach hinten losging: Platz zwölf.

      Räikkönen ohne Chance
      Hinter den Top 6, die von Hamilton und dem starken Massa abgerundet wurden, landete das Force-India-Duo Paul di Resta und Nico Hülkenberg auf den Plätzen sieben und acht. Hülkenberg wurde während der letzten Runden gewarnt, er solle auf seinen Benzinverbrauch achten. Kimi Räikkönen (Lotus), der viel Boden verloren hat, als vor dem ersten Boxenstopp seine Reifen abbauten, und Bruno Senna (Williams) komplettierten die Punkteränge.

      Eine tolle Performance lieferte indes Heikki Kovalainen (Caterham) ab, der rundenlang Jenson Button (McLaren) zur Verzweiflung brachte und den Ex-Weltmeister am Tunnelausgang zu einem gewagten Manöver verleitete, das nicht funktionierte. Wenig später verlor Button dann am Schwimmbad die Geduld - und fuhr Kovalainen hinten auf. Anschließend fuhr Kovalainen dann in Sainte Devote auch noch gegen Perez seine Ellbogen aus, ehe er ein zweites Mal an die Box kommen musste.

      In der Weltmeisterschaft führt nun Alonso mit 76 Punkten vor Vettel und Webber (73), Hamilton (63), Rosberg (59) und Räikkönen (51). Bei den Konstrukteuren hat Titelverteidiger Red Bull (146) die Nase relativ deutlich vor McLaren (108), Ferrari und Lotus (je 86). Sechs von 20 geplanten Rennen der Saison 2012 sind nun absolviert. Weiter geht's in zwei Wochen jenseits des Atlantiks mit dem Grand Prix von Kanada in Montreal.
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      Großer Preis von Kanada / Montreal

      Großer Preis von Kanada / Montreal

      Wer in Kanada an die Formel 1 denkt, der denkt zwangsweise auch an den Namen Villeneuve. Zuerst war es Gilles, der 18 Monate vor seinem Sieg in Montreal in die Formel 1 gewechselt war und bis in die frühen 1980er-Jahre sechs Siege feiern sollte, bevor er am 8. Mai 1982 während des Trainings in Zolder ums Leben kam. Der Kanadier war bei seinen Landsleuten beliebt, weil er ein echter Draufgängertyp war. Nach dem Tod Villeneuves wurde die Rennstrecke von Montreal in Circuit Gilles Villeneuve umbenannt. Viele Jahre später wurde sein Sohn Jacques zum Publikumsliebling.

      Die Strecke liegt im ehemaligen EXPO-Gelände von 1967 auf einer künstlich aufgeschütteten Insel inmitten des Sankt-Lorenz-Stroms, wo immer noch die Ruderanlagen der Olympischen Spiele von 1976 zu sehen sind. Die Strecke kann über Brücken erreicht werden. Das Wasser, die Skyline von Montreal, tausende von Bäumen, einzigartige Parkanlagen und vereinzelte Schiffe auf dem Fluss bestimmen das Bild rund um die Rennstrecke. Montreal ist die trendigste Stadt Kanadas, weswegen der Großteil des Formel-1-Trosses gerne über den Großen Teich in das Land des Ahornblattes fliegt.

      Die Strecke selbst ist eine der schnelleren Pisten im Kalender, auf der man mit wenig Flügel fährt und die spätes Bremsen erfordert. An vier Stellen erreichen die Fahrer Geschwindigkeiten von über 300 km/h. Die meisten Kurven und Schikanen sind eng und anspruchsvoll und werden von Leitplanken und Betonmauern gesäumt. Diese Streckeneigenschaften führen insbesondere am Freitag zu vielen Ausrutschern, denn die Piste wird nur zweimal im Jahr befahren (Formel 1 und NASCAR) und ist aus diesem Grund zu Beginn des Wochenendes sehr rutschig und staubig. Gefordert sind in Montreal vor allem die Bremsen. Die Reifen werden auf dem welligen Asphalt mit mittlerem Gripniveau weniger stark belastet.

      Besonders berühmt-berüchtigt ist die "Wall of Champions" - die Mauer am Ausgang der letzten Schikane trägt seit 1999 diesen Namen. Im damaligen Rennen landeten der Reihe nach die Weltmeister Damon Hill, Michael Schumacher und Jacques Villeneuve in der Streckenbegrenzung. Die Schikane selbst wurde seither leicht entschärft. So hat man zum Beispiel das Kiesbett entfernt, sodass ohne Materialschaden abgekürzt werden kann. Trotzdem bleibt diese Passage eine Schlüsselstelle, die keine Konzentrationsschwächen erlaubt
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      Kanada GP / Circuit Gilles Villeneuve

      Hamilton gewinnt Taktik-Thriller in Montreal
      Ein Boxenstopp mehr und trotzdem Sieger: Lewis Hamilton gewinnt den zumindest im Finish dramatischen Kanada-Grand-Prix vor Grosjean und Perez

      Das Einzige, was in der Formel-1-Saison 2012 berechenbar ist, ist ihre Unberechenbarkeit. Im siebten Rennen gab es heute beim Grand Prix von Kanada bereits den siebten Sieger: Lewis Hamilton, ein erklärter Spezialist für den Circuit Gilles Villeneuve in Montreal, lieferte trotz einiger Unwägbarkeiten eine tolle Leistung ab, gewann das Rennen und übernahm damit auch die WM-Führung.

      "Ich muss mich heute bei den Fans bedanken, die mir immer Briefe und Nachrichten schicken und das ganze Jahr über hinter mir stehen", strahlt Hamilton, der 2007 in Montreal zum ersten Mal einen Grand Prix gewonnen hatte: "Das ist fünf Jahre her, aber es fühlt sich genauso gut an! Ich bin so stolz auf das Team, dass ich wieder auf der obersten Stufe des Podests stehe. Das würde ich nie für selbstverständlich halten. Es war eines der besten Rennen, das ich seit langer, langer Zeit hatte."

      Keine Karambolagen am Start
      Am Start, der für Montreal-Verhältnisse erstaunlich diszipliniert verlief und keinen einzigen Crash zutage brachte, musste sich der McLaren-Pilot zunächst hinter Polesetter Sebastian Vettel (Red Bull) einreihen. Der Einzige, der in der ersten Runden für ein wenig Wirbel sorgte, war Nico Rosberg (Mercedes), der Mark Webber (Red Bull) erfolglos attackierte - und dann relativ rasch selbst ins Visier von Felipe Massa (Ferrari) geriet.

      Vettel machte in den ersten beiden Runden alles richtig und hatte schon 1,4 Sekunden Vorsprung auf Hamilton, als DRS freigegeben wurde. Der Abstand wuchs zwischendurch auf bis zu zwei Sekunden an, aber vor dem ersten Boxenstopp in Runde 16 war Hamilton schon wieder formatfüllend im Rückspiegel des Führenden. Hamilton kam in Runde 17, der drittplatzierte Ferrari-Pilot Fernando Alonso in Runde 19 zum Service.

      Ein cleverer Schachzug, denn nach dem Boxenstopp war die Reihenfolge des Führungstrios genau umgekehrt: Alonso vor Hamilton und Vettel! Doch Alonsos Freude währte nicht lange, denn auf der Gegengerade vor Start und Ziel war er gegen Hamiltons McLaren-DRS machtlos. Während sich Hamilton relativ rasch ein wenig absetzen konnte, gelang es Vettel aufgrund des schlechten Red-Bull-Topspeeds nicht, am Ferrari vorbeizugehen.

      McLaren-Kommandostand unsicher
      In Runde 50 der zweite Boxenstopp von Hamilton, der sich zuvor bei seinem Kommandostand vergewissert hatte: "Seid ihr sicher, dass die anderen keine Einstopp-Strategie fahren?" War man sich, aber das wäre beinahe in die Hose gegangen! In Runde 55 dämmerte der McLaren-Box: "Nicht unmöglich, dass sie nur einen Stopp machen." Hamilton hatte zu jenem Zeitpunkt rund 15 Sekunden Rückstand, dafür aber die frischeren Reifen.

      Und fast wie sein Teamkollege Jenson Button im Vorjahr setzte er von da an zu einem furiosen Schlussspurt an, der erfolgreich enden sollte: In Runde 62 schnappte er sich Vettel, in Runde 64 auch Alonso. Beim Führungswechsel wollte Hamilton die DRS-Zone schon fast nicht mehr abwarten, weil sein Geschwindigkeitsüberschuss so groß war, doch letztendlich hielt er seine Nerven im Zaum. "Der Hamilton von 2012 ist erwachsen geworden", lobt Experte Marc Surer.

      Aus McLaren-Sicht ist im Nachhinein doch noch alles gutgegangen: "Als wir unseren Stopp absolvierten, dachten wir natürlich, dass es das Richtige wäre. Das weißt du aber nie", sagt Teamchef Martin Whitmarsh. "Wir glaubten, sie einholen zu können, auch wenn sie eine Einstopp-Strategie fahren würden. Die Daten sagten uns, dass alles in Ordnung war. So war es ja dann letztendlich auch." Allerdings wurden beim zweiten Boxenstopp wieder ein, zwei Sekunden liegen gelassen.

      Hamilton strahlender siebter Sieger
      "Es war ein knallhartes Rennen, aber ich habe jede einzelne Minute genossen", strahlt Hamilton, der "nie daran gezweifelt" hat, "dass ein Sieg möglich ist. Aber die anderen Fahrer waren nie weit hinter mir. Ich habe damit gerechnet, dass die Jungs zurückfallen, und habe zwei Stopps gemacht. Ich wollte Druck machen und schnell losfahren, aber dabei hatte ich ein kleines Problem. Ansonsten waren die Boxenstopps heute großartig."

      Hochgezogene Augenbrauen dann in Runde 63, als Vettel doch noch zum späten zweiten Boxenstopp kam und damit vom dritten auf den fünften Platz zurückfiel, hinter die Einstopper Romain Grosjean (Lotus) und Sergio Perez (Sauber). "Ich denke, man hat es gesehen: Zum Schluss hielten die Reifen nicht mehr durch, obwohl es lange so ausgesehen hatte, dass sie ohne Probleme durchkommen würden", analysiert Vettel die dramatische Schlussphase.

      "Es kam schleichend und man hat es erst gar nicht gemerkt. Irgendwann brachen wir dann aber ein", berichtet er von den letzten zehn Runden des heutigen Rennens. "Wir haben uns dann, glaube ich, richtig entschieden. So kamen wir noch vor Fernando ins Ziel. Hätten wir es früher gewusst, hätten wir es anders gemacht. So ist das. Alles in allem war es trotzdem ein gutes Wochenende für uns. Wir haben viele Punkte geholt."

      Alonso: Funksprüche auf Italienisch
      Gleichzeitig brach an der Spitze Alonsos Tempo völlig ein. Mit seinem Renningenieur kommunizierte er nur noch auf Italienisch - womöglich, um der Konkurrenz das Abfangen der Funksprüche zu erschweren. Eine Fehlentscheidung, nicht doch noch einmal gestoppt zu haben, Fernando? "Schwer zu sagen", entgegnet er achselzuckend. "Rückblickend hätten wir es vielleicht besser anders gemacht, dann hätten wir Zweiter werden können. Wir wollten aber den Sieg."

      Aufgrund der nachlassenden Reifen war Alonsos Traktion in den letzten Runden praktisch nicht mehr vorhanden, sodass er der Reihe nach von Grosjean, Perez und Vettel verspeist wurde. Selbst Rosberg, der vor der letzten Runde noch 3,6 Sekunden Rückstand hatte, kam noch bis auf 0,4 Sekunden heran. Am Ende also Platz sechs für den Mercedes-Piloten, 13,8 Sekunden hinter Sieger Hamilton und 1,2 Sekunden vor Webber.

      Dabei hatte der Arbeitstag für Rosberg alles andere als erfreulich begonnen: Kurz nach seiner Attacke gegen Webber kam schon der erste Funkspruch, er solle seine Reifen schonen, und ein paar Runden später wurde er aufgefordert, früher zu schalten oder zu bremsen, um nicht zu viel Benzin zu verbrauchen. Doch durch einen clever getimten zweiten Boxenstopp und tolle Manöver gegen Kimi Räikkönen (Lotus) und Perez war er plötzlich wieder im Rennen.

      Auf und Ab für Rosberg
      "In den ersten Runden fand ich keinen Rhythmus. Ich fühlte mich besonders auf der Bremse nicht wohl. Das war das Problem", schildert er. "Außerdem schien unser siebter Gang auf der Geraden ein bisschen zu kurz übersetzt gewesen zu sein. Dann kamen die Leute gleich vorbei. Das war nicht ideal. Eine schlechte Anfangsphase. Danach lief es besser und ich kam weiter nach vorne. Am Ende war es dann wieder ein Auf und Ab. Es hätte besser, aber auch schlechter sein können."

      Der zweitplatzierte Grosjean hatte nach Alonsos erstem Boxenstopp kurzzeitig schon die Führung übernommen, ging dann ein konstantes Tempo und tauchte im Finish plötzlich wieder vorne auf, als die anderen einbrachen oder Fehler machten. Lange hatte eher Räikkönen wie die Lotus-Speerspitze ausgesehen, aber als Perez einmal am "Iceman" vorbei war, konnte der keine entscheidenden Akzente mehr setzen. Am Ende nur Platz acht für Räikkönen.

      Umso größer die Freude bei seinem Teamkollegen: "Ich wollte mit einem Stopp durchfahren, das hatten wir von Anfang an geplant", schildert Grosjean. "Als Mark in die Box fuhr, war mein Reifen ziemlich frisch. Dann war ich Dritter. Dann wurde Fernando auf einmal langsamer und ich war Zweiter. Ein verrücktes Finale! Ich hatte mit Platz vier oder fünf gerechnet. Wir wussten, dass uns die Hitze entgegenkommt. Es ist fantastisch, zum zweiten Mal auf dem Podium zu stehen!"

      Perez zum zweiten Mal auf dem Podium
      2,7 Sekunden hinter dem Franzosen, der sich mit dem besten Formel-1-Ergebnis seiner Karriere für die Startkarambolage in Monte Carlo rehabilitieren konnte, kam Perez ins Ziel. Der wurde seinem Ruf als "Reifenflüsterer" einmal mehr gerecht. Mit dem Podium habe er aber "erst als ich hinter Fernando war" ernsthaft gerechnet: "Wenn du von Platz 15 startest, ist das Letzte, worüber du nachdenkst, auf dem Podium zu landen."

      "Wir sind das Rennen aggressiv angegangen, der erste Stint war recht gut. Auch der Stopp und der zweite Stint waren wirklich gut", sagt Perez. "Ich konnte mit einigen schwierigen Manövern einige Autos überholen. Ich habe gespürt, dass meine Reifen nicht abbauen. Ich konnte mir mein Tempo gut einteilen, und so konnte ich einige Fahrer überholen. Nach einem schlechten Tag gestern ist das ein großartiges Ergebnis für das Team."

      Alonso wurde nach 70 Runden mit 13,4 Sekunden Rückstand Fünfter, als einer von immerhin acht Einstoppern im Feld. Die weiteren Punkteränge nahmen Rosberg, Webber, Räikkönen, Kamui Kobayashi (Sauber) und Massa ein. Letzterer startete aggressiv ins Rennen und wirkte stark, doch mit seinem Dreher in Runde sechs war das Feuerwerk dann auch schon wieder abgebrannt - nicht gerade ein Empfehlungsschreiben für einen neuen Ferrari-Vertrag...

      Vorjahressieger Button im Nirgendwo
      Einen Tag zum Vergessen erlebten auch Vorjahressieger Jenson Button (McLaren), der nach drei Boxenstopps mit einer Runde Rückstand 16. wurde, und Michael Schumacher (Mercedes), der wegen seines verstellbaren Heckflügels ausscheiden musste. "Dein Heckflügel schließt nicht, Warnung!", funkte ihm Renningenieur Peter Bonnington hektisch ins Cockpit, als der Silberpfeil schon längst unkontrollierbar über die Wiese bretterte.

      Schumacher kam an die Box, wo die Mechaniker versuchten, den Defekt zu beheben, doch anstatt mit offener DRS-Klappe weiterzufahren, stieg er aus Sicherheitsgründen aus. "DRS wird über Kabel gesteuert. Ich nehme an, dass sich eines dieser Kabel verklemmt hat", spekuliert er und ergänzt: "Ich nehme an, dass es etwas Ähnliches war wie in Bahrain im Qualifying." Somit steht der große Pechvogel weiterhin bei zwei Punkten.

      Neuer WM-Spitzenreiter ist nach sieben von 20 Rennen Hamilton, der 88 Zähler auf seinem Konto hat. Von einer Vorentscheidung sind wir aber noch weit entfernt, denn Alonso (86), Vettel (85), Webber (79) und auch Rosberg (67) liegen durchaus in Schlagdistanz. Bei den Konstrukteuren führt Red Bull (164) vor McLaren (133) und Lotus (108). Weiter geht's von 22. bis 24. Juni mit dem Grand Prix von Europa in Valencia.
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      Großer Preis von Europa / Valencia

      Großer Preis von Europa / Valencia

      2008 fand in Valencia erstmals ein Formel-1-Grand-Prix statt, allerdings nicht auf dem Circuit Ricardo Tormo außerhalb der Stadt, sondern auf einem Stadtkurs am Hafengebiet. Dieser liegt in der Nähe des Geländes, das im Jahr zuvor für den America's Cup (Segeln) verwendet worden war.

      Formel-1-Action in den Straßen von Valencia gab es erstmals 2007, als 150.000 Menschen zur Präsentation des damals neuen McLaren-Mercedes MP4-22 für Fernando Alonso kamen. Alonso und Lewis Hamilton absolvierten damals einige Demonstrationsrunden auf einem provisorisch eingerichteten Kurs.

      Die 5,419 Kilometer lange Strecke wurde in weniger als einem Jahr aus dem Boden gestampft, weil die Straßen ohnehin schon vorhanden waren und die meisten Tribünen nur temporärer Natur sind - genau wie auch in Monte Carlo. Allerdings konnte der Event bisher bei weitem nicht an den Glamourfaktor des Fürstentums anknüpfen.

      In Valencia überqueren die Formel-1-Stars eine bewegliche Schwingbrücke. Diese wird geöffnet, um Schiffe in den Hafen zu lassen, aber natürlich geschlossen, wenn Fahrbetrieb im Gange ist. Beim Übergang von "festem" Untergrund auf die Brücke befinden sich kleine Fugen, diese stellen aber kein Problem dar.

      Fahrerisch gesehen ist der Stadtkurs viel weitläufiger und sicherer als der in Monte Carlo. Dadurch geht jedoch auch einiges an Reiz verloren. Viele Spanier ziehen es daher vor, statt zur Formel 1 an den benachbarten Strand zu gehen.
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      Europa GP / Valencia-Street-Circuit

      Europa GP / Valencia-Street-Circuit

      Spanien jubelt mit Alonso: Sieg in Valencia!
      Tragische Helden in Valencia: Sebastian Vettel und Romain Grosjean werden von der Lichtmaschine im Stich gelassen - Fernando Alonso umjubelter Sieger

      Die Formel-1-Saison 2012 bleibt abwechslungsreich, unberechenbar und spannend, aber sie hat ihren ersten Zweifach-Sieger: Fernando Alonso gewann den Grand Prix von Europa in Valencia und feierte vor spanischem Publikum den vielleicht emotionalsten Triumph seiner Karriere. Während der Siegerehrung war der Ferrari-Pilot sichtlich von seinen Gefühlen überwältigt und rang mit den Tränen.

      Dabei hatte den zweimaligen Weltmeister nach dem elften Platz kaum jemand auf der Rechnung, aber: "Wir sagen immer, dass wir niemals aufgeben", twitterte das Ferrari-Team sofort nach der Zieldurchfahrt. Auf dem Podium standen dann nicht weniger als zehn WM-Titel: Alonso, Weltmeister von 2005 und 2006, siegte nämlich vor Kimi Räikkönen (Lotus/2007) und dem siebenmaligen Champion Michael Schumacher (Mercedes), der erstmals seit seinem Comeback wieder an einer Siegerehrung teilnehmen durfte.

      Ungewohnte Emotionen bei Alonso
      Nach der Zieldurchfahrt spielten sich verrückte Szenen ab: Alonsos Ferrari rollte noch vor dem Parc ferme aus ("Wir hatten ein Problem, zumindest genau an der richtigen Stelle"), aber der Lokalmatador machte das Beste aus der Situation, rollte eine spanische Flagge vor der Tribüne aus, ließ sich von den Fans feiern. Er hüpfte wie ein kleines Kind, während er auf das Medical-Car wartete, das ihn abholte und zur Siegerehrung brachte. "Das waren wunderschöne acht bis zehn Minuten", lässt Alonso seinen Emotionen freien Lauf.

      "Es fällt mir schwer, meine Gefühle in Worte zu fassen. Zu Hause zu gewinnen, ist einmalig", so der 30-Jährige, der seinen achten Sieg auf Ferrari feierte, seinen 29. insgesamt. "2006 habe ich es auf Renault in Barcelona schon einmal geschafft, und ich erinnere mich noch genau an jenen Tag zurück. Aber jetzt fahre ich Ferrari, vor vollen Tribünen, und gestern hat Spanien bei der Fußball-EM gewonnen. Ich bin sehr stolz darauf, Spanier zu sein. Was die Emotionen angeht, ist das der schönste Sieg meiner Karriere."

      Emotionen ganz anderer Art erlebte Sebastian Vettel: Der Polesetter hatte das Rennen von Anfang an dominiert, den Start vor Lewis Hamilton (McLaren) und Romain Grosjean (Lotus) gewonnen. Aber nach der Safety-Car-Phase wegen Wrackteilen auf der Strecke ließ ihn seine Lichtmaschine im Stich. "Scheiße gelaufen! Das Safety-Car hat uns das Genick gebrochen", erklärt Vettel und wittert eine Verschwörung zugunsten des Spaniers in Spanien: "Ich denke, der Grund ist klar, warum das Safety-Car kam. Gefahr in dem Sinn bestand nicht."

      Dominante Red-Bull-Performance
      Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko stimmt zu: "Es war keine Dringlichkeit gegeben. Hamilton stand im Streckenbereich, aber da kam auch kein Safety-Car raus", ärgert er sich. Der Ausfall war umso bitterer, als Vettel das Rennen bis dahin sicher im Griff hatte: 4,0 Sekunden Vorsprung nach zwei, 11,4 nach zehn Runden. "Das war die eindeutigste Dominanz, die wir bisher in diesem Jahr gesehen haben", findet Marko. Selbst nach dem Restart konnte sich der Leader wieder relativ schmerzfrei absetzen.

      Durch das Safety-Car witterte Grosjean seine Chance auf den ganz großen Coup, aber der Franzose beschleunigte in Runde 33 nicht ideal aus der letzten Kurve heraus und wurde von Alonso mit einem beherzten Manöver niedergefightet, statt Vettel anzugreifen. Wenig später war sein Traum vom ersten Grand-Prix-Sieg endgültig ausgeträumt, als die Lichtmaschine einging - an genau der gleichen Stelle, wo Vettel kurz zuvor aus dem gleichen Grund ausgerollt war. Gut möglich, dass die Defekte in den Bereich von Motorenhersteller Renault fallen.

      Maldonado schuld an Hamilton-Kollision
      Vor dem Schlussspurt führte Alonso dreieinhalb Sekunden vor Hamilton und Räikkönen, zwischen denen sich ein Duell um Platz zwei anbahnte. Aber dann warf Hamilton mindestens 18 mögliche Punkte weg: Erst beschädigte er mit einem Verbremser seinen Reifensatz, sodass die Performance abbaute und er Räikkönen vorbeilassen musste, und in der vorletzten Runde kam es auch noch zu einer Kollision mit dem von hinten heranstürmenden Williams-Piloten Pastor Maldonado, die in den Reifenstapeln endete.

      "Der Schuldige ist meiner Meinung nach klar Maldonado", analysiert Experte Marc Surer. "Er ist mit vier Rädern neben der Strecke und fährt Hamilton dann ins Auto. Wenn das nicht eine heftige Strafe nach sich zieht, würde ich mich wundern." Hamilton frisst den Frust in sich hinein: "Ich kann mich wirklich nicht erinnern", weicht er der Schuldfrage elegant aus. Maldonado konnte mit kaputtem Frontflügel noch weiterfahren und rettete immerhin einen WM-Punkt, ausgerechnet 1,3 Sekunden vor seinem Teamkollegen Bruno Senna.

      Durch die dramatischen Ereignisse im Finish rückte plötzlich Schumacher auf den dritten Platz auf. Dem Mercedes-Piloten war zunächst gar nicht klar, dass es sein erstes Podium werden würde: "Als ich über die Ziellinie gefahren bin, habe ich erst einmal gefragt, auf welchem Platz ich bin. Ich konnte es kaum glauben!" Und dass es seine erste Siegerehrung seit sechs Jahren war, war auch nicht zu übersehen, denn der einstige Seriensieger vergaß in der Aufregung, dass er sich während der Pressekonferenz auch auf Deutsch äußern sollte...

      Fragezeichen über dem Podium
      Nur: Ob er den dritten Platz auch wirklich behalten darf, ist unklar. "Ich muss leider die Euphorie um Michael Schumacher etwas dämpfen. Er hat in der letzten Runde in der Gelbzone DRS benutzt - ein Vergehen, für das Vettel in Barcelona mit einer Durchfahrtsstrafe bestraft wurde. Aus unserer Sicht dürfte Mark Dritter werden", stellt Red-Bull-Konsulent Marko in den Raum. Auf der Strecke hatte der Red-Bull-Pilot das spannende Duell gegen Schumacher in den letzten beiden Runden um 0,9 Sekunden verloren.

      Valencia 2012 war generell ein Rennen mit sehenswerten Rad-an-Rad-Kämpfen. Pechvogel Grosjean machte gleich mehrere Male auf sich aufmerksam, unter anderem am Start, als er sich mit einem waghalsigen Manöver innen an Maldonado vorbeischob, während Teamkollege Räikkönen zurückzog. "Er kennt kein Erbarmen", gratuliert Surer. "Gut gemacht, einfach gut gemacht." In der zehnten Runde setzte Grosjean ein weiteres Highlight, als er sich konsequent an Hamilton vorbeipresste, der ihn in den ersten Runden aufgehalten hatte.

      Als er einmal ausgeschieden war, reduzierten sich die Lotus-Hoffnungen dramatisch, denn Räikkönen war an diesem Wochenende langsamer, was das Tempo angeht. Trotzdem ärgert sich der "Iceman" über den Start, durch den er den Anschluss an die Spitze verlor: "Ich hatte einen guten Start, wurde aber in der ersten Rechtskurve von Maldonado blockiert. Deshalb verlor ich ein paar Positionen", bedauert er. "Der zweite Platz ist okay, aber nicht das, was wir eigentlich wollten. Wir hatten auf jeden Fall die Geschwindigkeit, hier um den Sieg zu kämpfen."

      Alonso, der Überhol-König
      Räikkönen war mehrere Male in die beinharten Mittelfeld-Kämpfe verwickelt, ähnlich wie auch Alonso. Der spätere Sieger ging in Runde 13 an Nico Hülkenberg (Force India) vorbei und war damit Siebter, schnappte sich eine Runde später Maldonado und kam in Runde 15 an dritter Stelle liegend an die Box. Durch den etwas längeren Stint als die vor ihm liegenden Konkurrenten zog er quasi im Vorbeigehen an einer ganzen Gruppe vorbei, lag plötzlich vor Räikkönen. Webber, Schumacher, Einstopper Paul di Resta (Force India) und Grosjean überholte er auf der Strecke.

      In rasantem Tempo nach hinten ging es hingegen für Webber, der in Runde 36/37 binnen weniger Sekunden gleich drei Plätze verlor. Zu Beginn des Rennens stiegen zudem die Temperaturen seines Bremskreislaufs in schwindelerregende Höhen. Dass er am Ende 6,3 Sekunden vor Hülkenberg, der sein bestes Ergebnis in der Formel 1 erzielte, Vierter wurde, ist für die WM-Wertung ein Glücksfall. Mit Hamilton, dessen Boxencrew übrigens wieder einmal patzte, Vettel und Grosjean gingen heute drei Großkaliber leer aus, wodurch es weiterhin ausgeglichen bleibt.

      Kollisionen wie am Fließband
      Sechster wurde Nico Rosberg (Mercedes) vor di Resta, dem unauffällig fahrenden Jenson Button (McLaren), Sergio Perez (Sauber) und Maldonado. Für Unterhaltung sorgten nicht nur packende Zweikämpfe, sondern auch zahlreiche Kollisionen. So schlug Senna Perez auf der Geraden die Tür zu, wofür er eine Durchfahrstrafe kassierte, und Jean-Eric Vergne (Toro Rosso) krachte Heikki Kovalainen (Caterham) ohne jede Bedrängnis seitlich ins Auto. "So eine Aktion gehört hart bestraft", schüttelt Surer nur den Kopf. Wurde sie auch, mit plus fünf Startplätzen für Silverstone.

      Später im Rennen fuhr dann noch Kobayashi in Massas Ferrari, der daraufhin nur noch im Schneckentempo zum Reparaturstopp kommen konnte. Teil zwei im Duell Toro Rosso gegen Caterham lieferten Daniel Ricciardo und Witali Petrow ab, dabei handelte es sich jedoch um einen Rennunfall. Und dass Narain Karthikeyan (HRT) gleich zu Beginn Charles Pic (Marussia) touchierte, findet Surer "unnötig. Karthikeyan zieht rüber, obwohl er schon da ist. Du musst so viel Platz lassen, dass du nicht kollidierst. Das hat Karthikeyan nicht sehr geschickt gemacht."

      In der Weltmeisterschaft hat Alonso (111) nach acht von 20 Rennen nun erstmals einen recht ordentlichen Vorsprung von 20 Punkten auf Webber (91). Dahinter liegen Hamilton (88), Vettel (85), Rosberg (75) und Räikkönen (73) ebenfalls noch in Schlagdistanz. Bei den Konstrukteuren führt Red Bull (176) vor McLaren (137), Lotus (126) und Ferrari (122). Weiter geht's in zwei Wochen mit dem Grand Prix von Großbritannien in Silverstone, dem traditionsreichen Heimspiel der britischen Teams wie McLaren oder Williams.
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      Großer Preis von Großbritannien / Silverstone

      Großer Preis von Großbritannien / Silverstone

      Silverstone ist schon seit jeher bemüht, sich als das Zuhause des (britischen) Motorsports ("Home of British Motor Racing") bezeichnen zu dürfen, auch wenn die Wurzeln des Automobilsports vielleicht doch eher in Frankreich zu suchen sind. Die Strecke, auf der die Formel 1 am 13. Mai 1950 mit einem Sieg von Guiseppe Farina auf einem Alfa Romeo 158 geboren wurde, entstand auf einem ehemaligen Flugplatz der Royal Air-Force, den diese im Zweiten Weltkrieg nutzte.

      Schnelle Kurven, in denen die Autos oft untersteuern, stellen in Silverstone vor allem die Reifen auf eine Belastungsprobe, eine gute Aerodynamik und ein gutes Fahrwerk sind aber nicht weniger wichtig für eine gute Rundenzeit. Auf den langen Geraden ist ein hoher Topspeed gefragt, die langsamen Kurven im Schlussdrittel der Strecke verlangen hingegen eine gute Traktion - ein guter Kompromiss beim Flügel-Setup der Autos ist aus diesem Grund sehr wichtig. Das Überholen ist auf der Strecke wegen fehlender langsamer Kurven nach langen Geraden und vielen schnellen Kurven, in denen man dem Vordermann kaum folgen kann, sehr schwierig.

      Eine der aufregendsten Passagen der Formel 1 ist Becketts. 300 km/h und siebter Gang bei der Einfahrt über Maggots, in der Kurve runter in den fünften Gang, 210 km/h, dann wieder hochschalten und 250 km/h am Ausgang bei Chapel - jeder Fahrer schwärmt von dieser Kurvenkombination! Sie gut zu erwischen, ist wichtig, um Speed auf die folgende Gerade mitzunehmen.

      Die Tücken der Strecke kommen von oben. Oftmals sorgt das typisch britische Wetter für Regen, der den sonst sehr griffigen Asphalt rutschig werden lässt. Ein weiteres Problem äußert sich vor allem in den schnellen Kurven wie der Becketts: der Wind. Da die Landschaft rund um die Strecke sehr flach ist, fegen nicht selten heftige Windböen über den Kurs und sorgen in diesen Passagen dafür, dass die Autos aus der Balance geraten und häufig unangenehm untersteuern.

      Um Silverstone herum herrscht eine eher ländliche Gegend vor, auch wenn viele Formel-1-Teams ihre Fabriken unweit der seit 2010 5,891 Kilometer langen Strecke platziert haben.
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      Großbritannien GP

      Großbritannien GP

      Ganz trocken: Webber gewinnt vor Alonso


      Mark Webber zum Zweiten: Dank einer Schlussoffensive gewinnt er den Klassiker in Silverstone vor Alonso und Vettel - Niederlage für die "Local Heroes"

      Für einen britischen Sport-Triumph müssen die Fans auf der Insel heute auf Andy Murray hoffen, der beim Tennisturnier im Wimbledon Roger Federer herausfordert. Denn beim Formel-1-Grand-Prix von Großbritannien setzte sich ein Australier durch: Mark Webber (Red Bull) feierte nach 2010 seinen zweiten Sieg in Silverstone und auch seinen zweiten in dieser Saison.

      Dabei hatte über weite Strecken Polesetter Fernando Alonso (Ferrari) souverän geführt, aber im letzten Stint kam Webber mit den härteren Prime-Reifen besser zurecht als Alonso mit den weicheren Options. Webber war in der 45. Runde erstmals in der DRS-Sekunde und ging im 48. Umlauf am Ende der DRS-Zone in Führung. Die gab er bis ins Ziel nicht mehr ab. Nach 52 Runden entschieden 3,0 Sekunden zwischen den beiden.

      Alonso auch mit Platz zwei zufrieden
      "Im letzten Stint war Mark viel schneller. Er verdient den Sieg", erkennt Alonso neidlos an. Und Webber strahlt: "Es war ein sehr interessantes Rennen. Wir haben nie aufgegeben und immer attackiert. Für Fernando hat es nicht ganz gereicht, obwohl seine Pace sehr stark war. Wir hatten am Ende die bessere Strategie und konnten das nutzen. Ich bin sehr stolz und freue mich auch für unsere vielen Fans hier."

      Bereits am Start war es zwischen den beiden heiß hergegangen, als Webber mit weichen Reifen zwar auf den ersten Metern besser wegkam, Alonso ihm aber quer den Weg blockierte und er kurz lupfen musste. Der WM-Leader benötigte dann sechs Runden, um Webber aus der DRS-Sekunde abzuschütteln, und hatte nach seinem zweiten Boxenstopp in der 37. Runde knapp vier Sekunden Vorsprung. Da schien eigentlich schon alles entschieden.

      Webber ließ aber nicht locker, arbeitete sich mit Siebenmeilenstiefeln heran und ging tatsächlich noch am Ferrari vorbei. Das war trotz des im Finish überlegenen Tempos Schwerstarbeit, denn Red Bull war in Silverstone das Team mit dem schlechtesten Topspeed. In den letzten fünf Runden kam selbst Sebastian Vettel (Red Bull) noch näher an Alonso heran, der Deutsche gab sich aber mit dem dritten Platz zufrieden.

      Vettel: Schlechter Start, gute Strategie
      Und das zurecht, denn vom vierten Platz aus gestartet, kam Vettel nur als Fünfter und mit einem an Felipe Massas Ferrari-Heck leicht beschädigten Frontflügel aus der ersten Runde zurück. "Der Start war nicht gut, ich habe einen Platz an Felipe verloren. Fast wäre ich vorbeigekommen, aber es hat nicht ganz gereicht", spricht er die haarige Situation an, als er genau wie Webber auf den ersten Metern formatfüllend ein Ferrari-Heck vor der Nase hatte.

      Doch während der zu jenem Zeitpunkt noch drittplatzierte Michael Schumacher (Mercedes) die Verfolger von Alonso und Webber aufhielt, machte Red Bull alles richtig und schickte Vettel auf den sogenannten "Undercut", also einen vorgezogenen Boxenstopp in der zehnten Runde. Auf diese Weise ging er an Schumacher und Massa vorbei. "Unsere Strategie war richtig", strahlt der 24-Jährige. "Ich freue mich für das Team."

      Red-Bull-Strategie funktioniert perfekt
      "Unsere Strategie mit den weichen Reifen am Anfang war darauf ausgelegt, den Druck zum Ende zu entfachen", bilanziert Red-Bull-Teamchef Christian Horner. "In der DRS-Zone setzte Mark dann ein tolles Überholmanöver. Sebastian war nicht so glücklich, trotzdem war seine Fahrt eindrucksvoll. Er steckte in den ersten Runden im Verkehr, besonders in den ersten Kurven. Er erholte sich aber hervorragend, fuhr einen langen Mittelstint und ließ die Strategie funktionieren."

      Massa lieferte seine bisher beste Saisonleistung ab, überholte nach Vettel am Start in der elften Runde endlich auch Schumacher, fuhr von da an ein fehlerfreies Rennen und kam mit 9,5 Sekunden Rückstand als Vierter ins Ziel. Als er in der letzten Runde Kimi Räikkönens Atem im DRS-Nacken spürte, befürchteten viele, dass seine Nerven wieder zu flattern beginnen könnten, aber Massa blieb cool und hielt den Lotus-Piloten in Schach.

      Heimlicher Mann des Rennens war aber vielleicht Romain Grosjean (Lotus), denn der Franzose wurde nur 6,7 Sekunden hinter Räikkönen Sechster - und das, obwohl er nach Kollision mit Paul di Resta (Force India) in der ersten Runde und dem frühen Reparaturstopp schon aussichtlos zurück zu liegen schien. Dass Lotus das Potenzial heute wieder einmal nicht voll ausgeschöpft hat, beweist Räikkönens schnellste Runde von 1:34.661 Minuten.

      Kein Glück für die Briten
      Di Resta war nach der Kollision der erste britische Fahrer, der die Segel streichen musste. Zwar konnte er sich noch an die Box retten, nachdem sich in Kurve vier ein Reifen von der Felge gelöst hatte, aber "dabei wurde der Unterboden schwer beschädigt. Ich habe versucht, das Auto zurück an die Box zu bringen, aber vom Unterboden fehlen einige wichtige Teile. Daher ist es sinnlos weiterzufahren. Das Auto wäre viel zu langsam."

      Eine weitere Kollision gab es in Runde zwölf zwischen Pastor Maldonado (Williams) und Sergio Perez (Sauber) - im Kampf um Platz sieben. Perez wollte am Ende der DRS-Zone außen überholen, doch Maldonado rutschte ihm rein. "Er ist ein sehr dummer und gefährlicher Fahrer", schimpft der Sauber-Pilot. "Da kannst du gar nichts machen. Es ist ja nicht das erste Mal, dass er so etwas tut. Ich denke, er verdient eine Startplatz-Strafe."

      Maldonado glaubt aber nicht, "dass da viel passieren wird. Es war ein Rennunfall. Ich kam aus der Box und hatte kalte Reifen. Ich versuchte, meine Position zu verteidigen. Perez probierte, mir die Tür zuzumachen. Wir fuhren dicht nebeneinander. Da verlor ich das Heck ein bisschen und leider kam es dann zu einer Berührung, die sowohl sein als auch mein Rennen beeinträchtigte. Das war ein sehr enttäuschender Augenblick für uns beide. So ist das im Rennsport."

      Zwei Sauber-Mechaniker im Medical-Center
      Für das Sauber-Team war es überhaupt ein schwarzer Sonntag: Kamui Kobayashi verpasste einen WM-Punkt um 0,9 Sekunden - und zwei Mechaniker erlebten das Rennende im Medical-Center, weil Kobayashi beim zweiten Boxenstopp die halbe Crew über den Haufen gefahren hatte. Eigentlich wäre der Japaner nur Zwölfter geworden, aber in der vorletzten Runde profitierte er von den harten Zweikämpfen vor ihm.

      Denn Bruno Senna (Williams), rundenlang unter Druck von Jenson Button (McLaren), den er jedoch gut abwehren konnte, verlängerte möglicherweise seine gefährdete Williams-Karriere mit einem Überholmanöver gegen Nico Hülkenberg (Force India). Letzterer wollte vor Copse kontern, kam aber von der Strecke ab und gab so auch noch den zehnten Platz aus der Hand, den Button erbte - für den Lokalmatador, der eigentlich seinen "Silverstone-Fluch" überwinden wollte, ein schwacher Trost.

      Mercedes unter ferner liefen
      Auch Schumacher konnte nach dem ersten Boxenstopp kaum Akzente setzen: "Am Anfang war es schwierig und wir waren zu langsam. Am Ende lief es besser und dann waren die Zeiten auch etwas konkurrenzfähiger", bilanziert er. "Das hier ist eine sehr schnelle Strecke. Das kommt unserem Auto generell nicht entgegen. Je mehr Sprit im Auto ist, umso schwieriger wird es dann. Bei wenig Benzin kann man das halbwegs kompensieren. Das macht den Unterschied aus."

      Teamkollege Nico Rosberg wurde gar nur 15. "Ich war einfach am gesamten Wochenende zu langsam, auch im Rennen. Ich hatte vielleicht ein paar Phasen, wo der Speed okay war, aber generell war es sehr schwierig. Ein Wochenende zum Abhaken", grummelt er und nimmt daher sogar den vermurksten Boxenstopp gelassen: "In die Punkte wäre ich ohnehin nicht gekommen. Schade, aber gut, dass es in so einem Rennen passiert."

      Rätselraten auch bei Lewis Hamilton (McLaren), der nach einem langen ersten Stint kurzzeitig in Führung lag, dann einen kurzen Mittelstint einlegte und letztendlich enttäuschender Achter wurde: "Wir hätten den Fans gerne mehr geboten. Wir waren einfach nicht schnell genug, und ich weiß nicht warum", seufzt er. "Ich war zwischendurch an der Spitze und verstehe nicht, warum ich plötzlich wieder auf der Position war, auf der ich gestartet bin."

      "Eichhörnchen" Alonso sammelt munter weiter
      Insgesamt sahen 21 Fahrer die Zielflagge - Witali Petrow (Caterham) war wegen eines Motorschadens beim Weg aus der Box heraus gar nicht erst gestartet. Auf dem Podium konnten dann alle jubeln: Webber über seinen zweiten Sieg, der für die Weltmeisterschaft ganz wichtig ist, Vettel über den dritten Platz, der nach der ersten Runde nicht selbstverständlich schien - und "Eichhörnchen" Alonso über 18 weitere Punkte.

      Noch dazu scheint Ferrari jetzt aus eigener Kraft konkurrenzfähig zu sein: "Ich bin sehr stolz auf Ferrari, denn wir haben in den vergangenen Wochen toll aufgeholt", lobt er sein Team. "In den letzten drei oder vier Rennen sind wir immer um den Sieg gefahren. In der Weltmeisterschaft führe ich noch. Heute haben wir sieben Punkte auf Mark verloren, aber Punkte auf alle anderen gewonnen. Für die Weltmeisterschaft war es ein guter Sonntag."

      Apropos Weltmeisterschaft: In der Fahrerwertung hat Alonso nach neun von 20 Rennen 129 Punkte auf dem Konto. In zwei Wochen in Hockenheim kann ihn also nur Webber (116) ablösen. Vettel (100), Hamilton (92) und Räikkönen (83) laufen langsam Gefahr, den Anschluss ein wenig zu verlieren. Verschiebungen gab es in der Konstrukteurs-WM: Lotus (144) ist nun vor McLaren (142) Dritter. In Führung weiterhin Red Bull (216) vor Ferrari (152).
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      Großbritannien GP

      Großbritannien GP

      Die ursprüngliche Strecke in Hockenheim wurde 1932 als etwa zwölf Kilometer langer Dreieckskurs gegründet. Im Laufe der Jahre kam es immer wieder zu Modifikationen, vor allem durch den Bau der nahe gelegenen Autobahn. Der neue Hockenheimring wurde am 22. Mai 1966 eröffnet und war mit 6,789 Kilometern Länge durch den Hartwald eine absolute Hochgeschwindigkeitsstrecke mit viel Charakter, auch wenn Jim Clark auf einer der Geraden bei einem Formel-2-Rennen tödlich verunglückt ist.

      Der erste Formel-1-Grand-Prix in Hockenheim wurde 1970 ausgetragen. Als der Nürburgring nach Niki Laudas Feuerunfall im Jahr 1976 aus Sicherheitsgründen aus dem Kalender gestrichen werden musste, sprang der AvD ab 1977 permanent als Ausrichter des Großen Preises von Deutschland ein - mit der Ausnahme von 1985, als einmalig auf dem neu eröffneten Grand-Prix-Kurs am Nürburgring gefahren wurde.

      Im Jahr 2002 kam es dann noch einmal zu einem großen Umbau, weil die langen Geraden und die hohe Streckenlänge nicht mehr als zeitgemäß empfunden wurden - aus Sicherheits- wie auch aus kommerziellen Gründen. Die Zuschauerkapazität wurde von 83.000 auf 120.000 Plätze erhöht. In seiner neuen Variante zählt der von Hermann Tilke entworfene Hockenheimring zu den modernsten Rennstrecken der Welt.

      Die Umbauten, die über 60 Millionen Euro gekostet haben, und das rückläufige Interesse der deutschen Motorsportfans führten jedoch dazu, dass sich der Hockenheimring eine jährliche Ausrichtung des Formel-1-Rennens nicht mehr leisten konnte. Also verständigte man sich mit dem ebenfalls in einer ähnlichen Situation befindlichen Nürburgring darauf, den Deutschland-Grand-Prix ab 2007 alternierend auszutragen.

      2012 ist Hockenheim an der Reihe.
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      Deutschland GP

      Deutschland GP

      Rennbericht

      Deutsche Attacke verpufft: Dritter Sieg für Alonso


      Fernando Alonso stiehlt Sebastian Vettel in Hockenheim die Show: Sieg vor dem Deutschen und Jenson Button - Rennleitung bestraft Vettel nachträglich: Platz fünf

      Drei Deutsche machten nach dem Qualifying Jagd auf Fernando Alonso, aber der spanische Ferrari-Pilot wehrte beim heutigen Grand Prix von Deutschland alle Attacken ab und sicherte sich seinen dritten Saisonsieg. Auf trockener Strecke in Hockenheim gewann der WM-Leader vor gut 60.000 Zuschauern vor Lokalmatador Sebastian Vettel (Red Bull) und Jenson Button (McLaren).

      Im Podium-Interview mit Niki Lauda bewies der strahlender Sieger dann auch Humor: "Dass ein spanischer Fahrer in einem italienischen Auto, das von einem Griechen entworfen wurde, hier gewinnt, ist toll", zwinkert er grinsend in Richtung Berlin. "Ich habe das Rennen genossen. Wir waren gestern unter nassen Bedingungen konkurrenzfähig. Heute von der Pole zu starten, war der Schlüsselfaktor, denn es war schwierig zu überholen. Wir waren vielleicht nicht die Schnellsten, aber wir konnten unsere Position behaupten."

      Abgebrühter Alonso nie ernsthaft in Gefahr
      Alonso fuhr von der Pole-Position aus erneut einen sehr abgeklärten Grand Prix, gab die Führung nur während der ersten Serie der Boxenstopps zwischen der 17. und 21. Runde ab und hielt dann dem Druck von hinten gut stand. Am größten in seinem Rückspiegel war Button, der mit dem zweiten Boxenstopp an Vettel vorbeiging und von da an rundenlang innerhalb der DRS-Sekunde lag, aber keine einzige ernsthafte Attacke gegen Alonso setzen konnte.

      Haarig wurde es dahinter, denn in der vorletzten Runde ging Vettel in der Spitzkehre an Button vorbei, verließ dabei aber mit allen vier Rädern die Strecke. "Sie werden dein Überholmanöver untersuchen", sagte Button Vettel vor der Siegerehrung, aber der Deutsche konterte: "Ich wusste nicht, wo du bist." Button sollte zunächst einmal Recht behalten, denn tatsächlich wurde der Fall den vier FIA-Kommissaren Derek Warwick, Paul Gutjahr, Detlef Kramp und Tim Mayer zur Beurteilung vorgelegt.

      "Ich war mir nicht sicher, ob er noch immer auf der Innenseite war oder nicht. Und das Letzte, was man da haben will, ist natürlich eine Kollision", verteidigt sich Vettel. "Ich konnte ihn nicht sehen. Ich versuchte einfach, ihm genug Platz zu lassen. Dabei schoss ich über den Streckenrand hinaus. Wir hatten alle mit den Reifen zu kämpfen." Auch Experte Marc Surer plädiert für den Red-Bull-Piloten: "Im Zweifelsfall für den Angeklagten."

      Verbremser als rennentscheidende Szene?
      Möglicherweise verschenkte Button den Sieg schon in der 43. der 67 Runden, als er in der Spitzkehre das rechte Vorderrad lange stehen ließ und sich damit einen leichten Bremsplatten zuzog. Zwar konnte er bis zum Ende durchfahren, aber in den letzten Runden wuchs der Abstand zu Alonso von 0,6 auf 6,9 Sekunden an. Unter Umständen wäre es sogar klüger gewesen, einen dritten Boxenstopp zu absolvieren, wie es Mercedes mit Michael Schumacher praktiziert hat, der im Finish die schnellste Runde (1:18.725 Minuten) fuhr.

      Dass der Sieg nur über Alonso, Vettel oder Button führen würde, zeichnete sich relativ früh ab. Mit Puffer Schumacher auf Platz drei setzten sich Alonso und Vettel von der Konkurrenz ab, doch Button arbeitete sich nach einem guten Start erst an Nico Hülkenberg (Force India), dann auch an Schumacher vorbei - und verkürzte anschließend den Abstand zu den Führenden. Durch einen um eine Runde früher absolvierten Boxenstopp ging er in Runde 42 an Vettel vorbei, der gleichzeitig mit Alonso zum Service gekommen war.

      Vettel: Gekämpft wie ein Löwe
      Vettel witterte in der Schlussphase noch einmal Morgenluft, doch für ganz vorne reichte es nicht: "Ich habe gekämpft wie ein Löwe, aber da ging nicht mehr. Sorry, aber ich hatte nie wirklich eine Chance, nahe an Fernando heranzukommen", funkte er nach der Zieldurchfahrt an die Box. Zumindest holte er in der Fahrer-WM auf seinen Teamkollegen Mark Webber auf, der heute nur Achter wurde. Vettel hat noch zwei Zähler Rückstand auf den Australier, aber schon 36 auf Alonso.

      WM-Vierter und auch Vierter in Hockenheim wurde Kimi Räikkönen (Lotus), gefolgt von den beiden Sauber-Piloten Kamui Kobayashi und Sergio Perez, die spät zu ihrem ersten Boxenstopp kamen und sich durch ein gutes Renntempo konsequent nach vorne arbeiteten. Zunächst lag Perez vor Kobayashi, der Japaner timte aber seinen zweiten Boxenstopp besser und gewann dadurch eine weitere Position. Nur als Siebter fuhr Schumacher über die Linie, der ein drittes Mal Reifen wechselte, was ihm zwar schnelle Rundenzeiten ermöglichte, aber zwei Positionen kostete.

      "Ich weiß nicht, ob es zum Schluss nur der Reifenabbau oder etwas mehr war. Ich bekam plötzlich Vibrationen", erklärt der siebenmalige Weltmeister, warum er noch einmal reinkam. "Das Auto fühlte sich nicht mehr ganz normal an - ich war ja auch hart mit dem Auto umgegangen. Ich nutzte die komplette Strecke, also auch den einen oder anderen Randstein. Vielleicht habe ich mir dabei etwas beschädigt. Das müssen wir nachher analysieren. Deshalb ging es ganz zum Schluss nicht mehr so gut vorwärts."

      Hülkenberg: Gute Leistung unbelohnt
      Auch Hülkenberg fuhr heute mit dem Rückwärtsgang vom vierten Start- auf den neunten Platz. "Von Position vier bin ich mit viel Optimismus ins Rennen gegangen, aber realistisch gesehen konnte man es so erwarten", seufzt er. Besonders bitter, als er beim Boxenstopp zunächst an Schumacher vorbeiging, dann aber wenig später vor der Mercedes-Tribüne auf einen Schlag zwei Positionen gegen seinen Landsmann und Räikkönen verlor. "Ich habe mich nur verteidigt und nach hinten schauen müssen", rechtfertigt er sich. "Insgesamt waren wir einfach zu langsam."

      Zumindest reichte es, um vor Teamkollege Paul di Resta ins Ziel zu kommen, der 10,3 Sekunden hinter Nico Rosberg (Mercedes) Elfter wurde. Rosberg startete als einer von nur fünf Fahrern auf den härteren Pirelli-Reifen und lancierte vom 21. Startplatz eine passable Aufholjagd. "Es war natürlich cool mit den Überholmanövern. Ich habe heute so viel überholt, ein paar sogar zwei- oder dreimal", lächelt er. "Als Zehnter ins Ziel zu kommen, ist okay, denn ich kam ja von Rang 21. Ich nehme einen Punkt mit nach Hause. Wenigstens etwas."

      Unglücklich am Ende Toro Rosso, das keinen Nutzen aus der an und für sich guten Strategie von Daniel Ricciardo (13.) ziehen konnte, obwohl der Australier im ersten Stint auf Augenhöhe mit dem Sauber-Duo an sechster Stelle lag, und auch Williams: Pastor Maldonado 15., Bruno Senna 17. - dabei hatte Chefingenieur Mark Gillan vor dem Rennen noch angekündigt, dass die trockenen Bedingungen dem Williams-Paket entgegenkommen müssten. Auch Romain Grosjean (18./Lotus) erlebte einen Grand Prix zum Vergessen, gespickt mit einigen Eigenfehlern.

      Hamilton zieht sich Vettels Ärger zu
      Der einzige Ausfall des Nachmittags war Lewis Hamilton (McLaren), für den nach dem schlechten Start alles daneben ging, was daneben gehen kann. Denn nachdem sich die Rennleitung entschieden hatte, trotz der Wrackteile wegen des kaputten Frontflügels von Felipe Massa (12./Ferrari) (Surer: "Das wird seinen Platz bei Ferrari nicht gerade festigen, wenn man am Gegner nicht einmal vorbeifahren kann, sondern hinten drauf fährt") kein Safety-Car auf die Strecke zu schicken, erlitt Hamilton einen Reifenschaden.

      "Ich habe keine Ahnung, was passiert ist. Ich sah die Trümmerteile hochfliegen, und dann wurde der Reifen beschädigt", klagt der Brite, der seinem Team mitteilte, dass er am liebsten aufgeben würde, als er zum Reparaturstopp reinkam: "Das Auto hat sich anschließend schrecklich angefühlt, der Unterboden wurde am Heck beschädigt." Aber wie durch Zauberhand drehte er danach plötzlich die schnellste Runde und war sogar frech genug, sich gegen Vettel zurückzurunden, was der Deutsche ("Das war nicht nett") mit Handzeichen quittierte. Später gab Hamilton trotzdem auf.

      Während vier Deutsche beim Heim-Grand-Prix Punkte sammelten, kassierte Timo Glock (Marussia) als 22. sogar eine Niederlage gegen Teamkollege Charles Pic (20.). Bester Vertreter der drei "neuen" Teams war Witali Petrow (16./Caterham). In der Fahrer-WM steht nun fest, dass Alonso als Führender in die Sommerpause gehen wird, während Red Bull bei den Konstrukteuren schon solide 61 Punkte Vorsprung hat. Weiter geht es schon am kommenden Freitag mit dem Training zum Grand Prix von Ungarn in Budapest.
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      Großer Preis von Ungarn / Budapest

      Großer Preis von Ungarn / Budapest

      Inmitten einer schönen, aber staubigen Hügellandschaft eingebettet liegt der Hungaroring. Die Zuschauer erhalten aufgrund der Tatsache, dass rund um die Strecke kleinere und größere Hügel zu finden sind, einen sehr guten Blick auf die Strecke. Lohnenswert ist ein Trip nach Ungarn nicht nur wegen der Formel-1-Strecke, sondern auch angesichts der Hauptstadt des Landes, Budapest. Die Metropole hat rund zwei Millionen Einwohner, damit lebt fast jeder fünfte Ungar in "Budapescht", wie die Einheimischen den Namen aussprechen.

      Von den etwa 20 Millionen Touristen, die jährlich nach Ungarn reisen, statten mehr als die Hälfte Budapest einen Besuch ab. Für die meisten von ihnen gilt die Stadt als schönste Metropole an der Donau. Eines der beliebtesten Fotomotive ist das Parlament, das zahlreiche Reiseführer und Stadtpläne schmückt, mit der majestätischen Donau im Hintergrund.

      Ungarns Hauptstadt darf sich Bad Budapest nennen: 123 Thermalquellen, zwischen 20 und 76 Grad warm, sprudeln aus bis zu 1.250 Metern Tiefe jeden Tag 70 Millionen Liter Wasser empor.

      Der Grand Prix von Ungarn wird seit 1986 ausgetragen. Es war das erste motorsportliche Großereignis im damaligen Ostblock und zog an den drei Veranstaltungstagen 260.000 Zuschauer an.

      Die Piste ist nicht jedermanns Sache. Sie ist mit ihren 14 Kurven auf 4,381 Kilometern sehr eng und ermöglicht kaum Überholmanöver. Insbesondere am Freitag ist die an für sich schon wellige Strecke sehr staubig und damit auch rutschig. Die fast immer hochsommerlichen Temperaturen verbunden mit einem 70 Runden andauernden, verhältnismäßig langen Rennen führen dazu, dass die Fahrer teilweise bis an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit gelangen, wenn sie sich nicht optimal vorbereitet haben
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      Ungarn GP / Hungaroring

      Ungarn GP / Hungaroring

      Rennbericht

      Sieg vor der Sommerpause: Hamilton schlägt Lotus


      Lewis Hamilton ringt Kimi Räikkönen und Romain Grosjean nieder und geht als Sieger in die Formel-1-Sommerpause - Sebastian Vettel wird Vierter
      "Fantastisch", jubelt Lewis Hamilton (McLaren) in seinen Bordfunk. Gerade eben hat er zum 19. Mal einen Grand Prix für sich entschieden. Und der Großen Preis von Ungarn, das letzten Rennen vor der Formel-1-Sommerpause, war eine ganz enge Kiste. Im Ziel lag Hamilton nämlich nur 1,032 Sekunden vor Kimi Räikkönen (Lotus), der ihm in der zweiten Rennhälfte fast wie ein Schatten gefolgt war.

      Räikkönen saugte sich immer wieder an Hamilton heran, kam aber niemals in Schlagdistanz. Zu einem Überholversuch kam es daher nicht, doch es knisterte trotzdem gewaltig. Und das von Anfang an, denn zunächst hatte Romain Grosjean (Lotus) die Verfolgung von Hamilton aufgenommen. Die Bilder aber glichen sich: Der Franzose kam heran an Hamilton, überholen konnte er ihn jedoch nicht.

      Grosjean spricht trotzdem von einem klasse Rennen: "Das Team hat toll gearbeitet", meint der Lotus-Pilot. "Vor allem, wo wir doch vor einer Woche einen so schwierigen Grand Prix gehabt hatten. Hier kämpften wir um den Sieg - und das ist immer etwas Besonderes", meint Grosjean mit einem dicken Grinsen im Gesicht und merkt an: "Ich hoffe nur, beim nächsten Mal können wir das erneut tun."

      Diese Hoffnung hat auch Räikkönen - nach seinem dritten zweiten Platz in dieser Saison. Und typisch "Iceman": Happy ist er natürlich nicht. "Platz zwei ist nicht genug", sagt er. "Wir hatten ein paar Probleme mit KERS. Das war keine Hilfe. Wir versuchen es aber wieder. Wir sind vorn mit dabei und können kämpfen. Diesen zweiten Platz nehmen wir mit. Zufrieden sind wir aber erst, wenn wir siegen."

      Wie das geht, hat Hamilton in Budapest unter Beweis gestellt. "Das Auto war super-schnell", sagt der Brite in einer ersten Stellungnahme und schwärmt: "Ein toller Tag. Die Fans waren fantastisch und das gesamte Team hat hervorragende Arbeit geleistet. Wir hatten tolle Boxenstopps, vielen Dank." Ein bisschen spricht da wohl auch die Erleichterung, denn zwischendurch musste Hamilton auch bangen.

      Ein völlig verkorkster Sonntag für "Schumi"
      Ein Luxusproblem, das Andere wohl auch gern gehabt hätten. Für Weltmeister Sebastian Vettel (Red Bull) zeichnete sich nämlich schon früh ab, dass es nicht zu einem Podestplatz reichen würde. Der Deutsche sicherte sich aber den vierten Platz vor WM-Spitzenreiter Fernando Alonso (Ferrari) und verkürzte so seinen Rückstand in der Fahrerwertung. Alonso bleibt dort aber souverän in Führung.

      Für die weiteren Deutschen im Starterfeld war in Ungarn nicht sehr viel zu holen. Nico Rosberg (Mercedes) holte als Zehnter noch einen Punkt, Nico Hülkenberg (Force India) ging als Elfter knapp leer aus. Timo Glock (Marussia) fuhr nach einem frühen Dreher noch als 21. ins Ziel, Michael Schumacher (Mercedes) stellte sein Auto nach einem total verkorksten Rennen in Runde 59 ab.

      Für den Rekordweltmeister hatte der Renntag - nach einem völlig desolaten Qualifying - mit einer herben Enttäuschung begonnen: Weil Schumacher in der Startaufstellung der Motor ausging, wurde eine weitere Aufwärmrunde absolviert. Der Mercedes konnte in der Boxengasse zwar wieder zum Leben erweckt werden, doch Schumacher durfte seinen Startplatz deshalb nicht mehr einnehmen.

      Das Feld ging daher erst einmal ohne "Schumi" auf die Reise, der gleich in Runde zwei erneut in die Boxengasse kam, um seine Reifen zu wechseln. Dabei wurde der Silberpfeil-Fahrer mit zu hohem Tempo "geblitzt" und erhielt folgerichtig eine Durchfahrtsstrafe. Der vorläufige Höhepunkt in einem Rennen ohne Perspektive, das schließlich in der eigenen Mercedes-Garage ein verfrühtes Ende fand.

      "Gewisse Rennen muss man einfach so hinnehmen .Genauso wie andere Momente positiv für uns waren, ist es jetzt halt nicht so gut für uns gelaufen", meint Schumacher und gesteht, den Motor in der Startaufstellung aus Sicherheitsgründen abgestellt zu haben, weil dieser "schon ziemlich heiß" war. Die Strafe sei dann "eine Sache obendrauf" gewesen, die man "nicht unbedingt braucht", sagt er.

      Hamilton geht gleich in Führung
      Für Hamilton lief indes alles wie geschmiert. Der McLaren-Pilot kam beim zweiten Startversuch sehr gut von der Linie weg und setzte sich sofort etwas ab. Grosjean, von der schmutzigeren rechten Seite kommend, sah sich in Kurve eins hingegen den Angriffen von Vettel ausgesetzt, der einen beherzten Überholversuch startete. Doch Grosjean schmetterte diesen ab und Vettel verlor etwas an Schwung.

      Dies wiederum nutzte Button und setzte sich noch vor Kurve zwei außen neben Vettel, der zunächst die Oberhand behielt. Im darauf folgenden Rechtsknick war aber Button besser postiert - und Vettel musste ihn ziehen lassen. Damit waren die Positionen erst einmal bezogen und es kehrte Ruhe ein im Feld. Die Freigabe der verstellbaren Heckflügel brachte keine Änderung. Man schonte die Reifen.

      Daraus machte Ferrari bereits in Runde sieben keinen Hehl: "Fernando schont die Reifen", twitterte die Scuderia, als sich ihr Pilot auf den Verfolgerrängen eingerichtet hatte. Mit der Spitze hatte Alonso eh nichts zu schaffen. Dort übte Grosjean viel Druck auf Hamilton aus, konnte den Vorsprung des Briten aber nicht entscheidend reduzieren. Kleine Fahrfehler warfen ihn zusätzlich etwas zurück.

      Rasch wurde deutlich: Im Großen Preis von Ungarn würde die Taktik eine Überholchance bieten, wenn schon auf der Strecke nichts oder nur wenig passierte. Und so wartete man gespannt auf die Boxenstopps, die ab Runde 13 begannen. Die Spitze zierte sich aber eine Weile: Erst in Runde 19 bog Hamilton als Führender ab. Grosjean erbte die Führung, kam dann aber auch gleich herein.

      Am Ende der Boxengasse kam es zu einem ersten Showdown, den Hamilton für sich entschied. Die Reihenfolge hatte sich nicht verändert, das Katz- und Maus-Spiel begann erneut. Und wieder dauerte es bis zu den Reifenwechseln, ehe das Duell richtig an Fahrt aufnahm. Der Abstand zwischen den beiden Kontrahenten Hamilton und Grosjean schwankte nur geringfügig, bliebt insgesamt stabil.

      Räikkönen gewinnt das Lotus-Duell
      In Runde 39 legte Grosjean vor - und er schien beim "Einparken" vor seiner Crew zu zögern. Gingen dabei die entscheidenden Zehntel verloren, die Hamilton zwei Runden später dabei halfen, vor ihm zu bleiben? Auch der McLaren-Pilot holte sich noch einmal frische Reifen. Und auf einmal lag Räikkönen in Führung! Der Finne hatte sich mit einigen schnellen Runden Luft verschafft und war nun vorn.

      Fünf Runden und einige Bestzeiten später kam aber auch er zum Service an die Lotus-Box. Und prompt kam es in der ersten Kurve zu einem Gerangel um die Vorherrschaft im Team. "Das war sehr aufregend", gesteht Lotus-Teamchef Eric Boullier - Räikkönen setzte sich mit aller Macht gegen Grosjean durch und übernahm Rang zwei hinter Hamilton. Das Spielchen begann ein drittes Mal.

      Runde um Runde kam Räikkönen seinem Vordermann näher und knabberte am Vorsprung, der zunächst 4,4 Sekunden betragen hatte. Rasch war der "Iceman" bis auf unter eine Sekunde am McLaren dran. Doch dann stockte der Angriff plötzlich und - déjà vu - es tat sich nicht mehr viel. Räikkönen hatte zwar die etwas besseren Reifen, doch Hamilton hielt dem Druck geschickt stand.

      Beiden Ex-Champions dürfte zu diesem Zeitpunkt klar gewesen sein: Ein Fehler und das war's. Und beide zeigten eine souveräne Leistung, sodass sich bis zur Zieldurchfahrt in Runde 69 nichts mehr veränderte. Hamilton vor Räikkönen, dann Grosjean. Und Vettel, dessen Red-Bull-Team mit einer ungewöhnlichen Strategie aufgewartet hatte. Zehn Runden vor Schluss gab's noch frische Reifen!

      Was bei Webber nicht sehr gut funktionierte, brachte Vettel keinen Schaden: Der Weltmeister hielt seinen vierten Platz, indem er sich gegen den heranrauschenden Alonso durchsetzte. Es reichte aber um 1,096 Sekunden nicht mehr, um Grosjean vom Treppchen zu stoßen. Ferrari-Pilot Alonso ließ es indes ruhig angehen und fuhr - ganz unspektakulär, aber gewohnt effektiv - Platz fünf über die Linie.

      Maldonado wird erneut auffällig
      "Die Lotus waren schneller als wir, die Red Bull und die McLaren ebenfalls. So belegte ich unterm Strich den fünften Platz", sagt der WM-Spitzenreiter und merkt an: "Das ist mehr, als wir erwartet hatten." Man habe immerhin ein paar ordentliche Punkte eingefahren. Und ganz nebenbei blieb Alonso dadurch auch vor seinen direkten Titelkampf-Rivalen Button (6.) und auch Webber (8.).

      Webber kostete der späte dritte Reifenwechsel eine Menge Boden, Button hatte hinter Senna viel Zeit verloren. Schlimmer erwischte es aber noch die Mittelfeld-Teams um Force India, Sauber und Toro Rosso. In Budapest waren sie allesamt chancenlos und rieben sich über 69 Runden in diversen engen Duellen untereinander auf. Pastor Maldonado (Williams) war dabei etwas zu aggressiv unterwegs.

      Zumindest in den Augen der Rennleitung: Beim gewagten Überholmanöver gegen Paul di Resta (Force India) touchierte er das gegnerische Auto leicht und half mit, di Resta über den Randstein von Kurve zwölf zu bugsieren. Und Maldonado ist in solchen Angelegenheiten bekanntlich ein gebranntes Kind. Der Denkzettel folgte prompt und Maldonado musste eine Durchfahrtsstrafe antreten.

      Es wäre aber wohl auch ohne diesen Zwischenfall nicht in die Punkte gefahren. Zum Schluss gab's Rang 13 hinter Hülkenberg und di Resta, aber vor Sergio Perez (Sauber), Daniel Ricciardo (Toro Rosso), Jean-Eric Vergne (Toro Rosso) und Kamui Kobayashi (Sauber). Und wieder einmal ganz am Ende des Feldes liefen die drei jüngsten Teams im Starterfeld ein: Caterham, Marussia und HRT.

      Heikki Kovalainen und Witali Petrow fuhren mit zwei Runden Rückstand auf die Ränge 18 und 19, Charles Pic blieb vor Glock und Pedro de la Rosa trug als 22. die rote Laterne über die Linie. Da fehlen zwei? Richtig: Schumacher hatte nach 58 Runden abgestellt und Narain Karthikeyan (HRT) war zwei Runden später ebenfalls ausgeschieden - nach Leitplanken-Kontakt im ersten Sektor.

      Alonso bleibt der Chef im Ring
      All dies konnte die Freude bei McLaren aber nicht trüben. "Es war ein großartiges Rennen", sagt Teamchef Martin Whitmarsh und lobt Hamilton für eine reife Vorstellung: "Er ist super gefahren und hat keine Fehler gemacht, hat sorgsam auf die Reifen geachtet. Fantastische Arbeit. Ich denke, wir hatten das schnellste Auto. Schnell genug, um die Linie als Erster zu überqueren", so Whitmarsh.

      Auch Lotus-Oberhaupt Eric Boullier zeigt sich zufrieden, obwohl sich seine Jungs letztendlich die Zähne an Hamilton ausgebissen hatten. "Das sieht vielversprechend für die restliche Saison aus", meint der Franzose. "Kimi hat 15 Runden lang absolut gebrannt. Er gab alles und er gab niemals auf. Wir jagen aber natürlich noch immer dem ersten Sieg hinterher. Der muss jetzt bald kommen."

      Sofern sich eine Gelegenheit dazu bietet, denn erst einmal verabschiedet sich die Formel 1 in ihre fünfwöchige Sommerpause und kehrt erst am 2. September mit dem Großen Preis von Belgien in Spa-Francorchamps wieder in den Rennbetrieb zurück. Genug Zeit für McLaren, um den 178. Sieg zu feiern. Und auch Alonso dürfte mit einem zufriedenen Lächeln die Heimreise aus Budapest antreten.

      Er hat nun 164 Punkte und führt die Weltmeisterschaft daher mit 40 Zählern Vorsprung (!) vor einem Viererpack um Webber (124), Vettel (122), Hamilton (117) und Räikkönen (116) an. "Wir gehen mit einem Vorsprung in die Sommerpause. Und davon sind auch wir ein wenig überrascht", meint Alonso. Formel-1-Experte Marc Surer ergänzt: "Fernando kann es sich im Urlaub richtig bequem machen."

      Rosberg (77) ist als WM-Sechster bester Verfolger der Spitzengruppe, Schumacher (29) rangiert an Position zwölf. Hülkenberg (19) und Glock (0) ergänzen die deutschen Riege in der Gesamtwertung auf den Plätzen 16 und 21. In der Konstrukteurswertung hat Red Bull (246) die Nase vor McLaren (193), Lotus (192) und Ferrari (189). Den sechsten Platz hält vor der Sommerpause Mercedes (106).
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