Interessantes zu Formel 1 im Jahr 2012

      Großer Preis von Belgien / Spa-Francorchamps

      Großer Preis von Belgien / Spa-Francorchamps

      Die bei den Fahrern beliebteste Rennstrecke im Kalender ist Spa-Francorchamps. Nach mehreren Pausen wegen kommerzieller Probleme kehrte der Kurs 2007 wieder in den Kalender zurück. Die Rennstrecke - nur eine gute Stunde südlich von Aachen an der belgischen Grenze gelegen - ist ein Kurs der alten Garde. Ihre aufregende Kombination aus schnellen Kurven, Bergab- und Bergaufstücken sowie die traumhafte Lage inmitten der Ardennen machen das besondere Flair aus.

      Mit einer Länge von 7,004 Kilometern ist Spa-Francorchamps der längste Kurs im Rennkalender. Neben Monte Carlo und Suzuka gehört der belgische Ardennenkurs zu den ausgesprochenen Fahrerstrecken. Gerade die herausfordernden Kurvenkombinationen trennen in Belgien die Spreu vom Weizen.

      Richtig aufregend wird es in Spa, wenn der typische Ardennenregen niedergeht. Ein ganzes Wochenende ohne einen einzigen Regentropfen hat auf dem Kurs, der zum Teil aus öffentlichen Straßen besteht, wirklich Seltenheitswert. Da die Strecke mitten in einer Berglandschaft liegt, kann es vorkommen, dass ein Teil der Piste nass ist, der andere hingegen die Piloten mit Sonnenschein verwöhnt.

      Einige Fahrer halten die Strecke für nicht mehr zeitgemäß. Als atemberaubend gelten vor allem zwei Kurven. Dazu zählt zum einen die Eau Rouge, eine Senke, die mit rund 300 km/h angefahren wird. Wenn die Fahrer einlenken müssen, führt die Strecke steil nach oben, was die Autos leicht werden lässt. Oft beschreiben die Piloten das Gefühl, mit 4g in die Sitze gedrückt zu werden, mit Achterbahnfahren. Bekannt ist auch die Blanchimont, eine 300-km/h-Linkskurve, an deren Stelle man wegen mangelnder Auslaufzonen besser nicht abfliegen sollte
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      Belgien GP / Circuit de Spa-Francorchamps

      Belgien GP / Circuit de Spa-Francorchamps

      Rennbericht

      Alonso erstmals k.o.: Button gewinnt in Belgien


      Herzschlag-Momente in Spa-Francorchamps: Alonso Opfer von Horror-Startcrash, Räikkönen mit Wahnsinns-Manöver in Eau Rouge, Button verdienter Sieger

      Schwarzer Tag für Fernando Alonso in den Ardennen: Während der Ferrari des WM-Leaders gleich am Start abgeschossen wurde, holten seine Verfolger Sebastian Vettel (2./Red Bull), Kimi Räikkönen (3./Lotus) und Mark Webber (6./Red Bull) allesamt wichtige Punkte. Großer Sieger des Grand Prix von Belgien in Spa-Francorchamps ist aber Jenson Button (McLaren), der an seine dominante Qualifying-Performance anknüpfte und einen souveränen Start-Ziel-Sieg feierte.

      Der Brite absolvierte die 44 Runden auf der 7,004 Kilometer langen Berg- und Talbahn in 1:29:08.530 Stunden und hatte bei der Zieldurchfahrt 13,6 Sekunden Vorsprung auf Vettel. Die beiden waren neben Charles Pic (16./Marussia) die Einzigen, die auf eine Einstoppstrategie setzten, und bewiesen damit den richtigen Riecher. Den Grundstein für den Sieg legte Button aber schon mit seinem hervorragenden Start, bei dem er nicht einmal ansatzweise gefährdet war, die Führung zu verlieren.

      Es lag schon etwas in der Luft, als bei Kamui Kobayashi (Sauber) nach der Aufwärmrunde die Bremsen qualmten, und tatsächlich kam der Japaner dann nur ganz langsam von der Linie weg - ganz im Gegensatz zu Pastor Maldonado, der einen glatten Fehlstart hinlegte: "Mir ist die Kupplung aus den Fingern gerutscht, bevor die roten Lichter ausgingen", entschuldigt sich der Williams-Pilot. Aber was sich rundherum abspielte , beschreibt Experte Marc Surer nur mit einem Wort: "Horror!"

      Grosjean Übeltäter beim Startcrash
      Beim Startcrash gingen gleich vier Autos k.o.: "Grosjean war der Auslöser, alles andere war eine Folge davon", analysiert Surer. "Hamilton kann nicht mehr bremsen, weil er aufs Gras gedrückt wird. Er verliert den Frontflügel und steigt auf, und Grosjean fliegt über Alonso hinweg. Dass Alonso nichts passiert ist, ist ein Riesenglück." Der Spanier wusste erst nicht, wie ihm geschehen war, und blieb noch ein Weilchen im Auto sitzen, ehe er unter Beifall des Publikums ausstieg.

      "Sobald Autos durch die Luft fliegen, kann einen etwas am Helm treffen oder man kann sich die Hand verletzen, wenn sie aus dem Auto schaut", beschreibt Surer das Gefahrenpotenzial des Crashs, der zum Glück für alle glimpflich ausgegangen ist. Auch Alonso gab bereits kurz danach via Twitter Entwarnung: "Mir geht's gut, ich denke schon an Monza." Die "Schmerzen" waren wohl bei Sauber am größten, weil beide Autos schon nach wenigen Sekunden aus der Entscheidung waren.

      Während das Safety-Car das Feld für vier Runden einsammelte, bot sich den Zuschauern ein kurioses Bild: Polesetter Button führte vor Räikkönen, den beiden Force Indias, Mercedes-Jubilar Michael Schumacher (300. Grand Prix) und den beiden Toro Rossos. Und aus deutscher Sicht sollte sich das Rennen gut entwickeln, denn Hülkenberg (einer von zwei Fahrern auf harten Reifen) ging relativ locker an Räikkönen vorbei, Schumacher wenig später an di Resta.

      Vettel mit guter Strategie und tollen Manövern
      Etwas weiter hinten holte Vettel zu einer tollen Aufholjagd aus, die ihn vom zehnten auf den zweiten Platz bringen sollte. "Der Start war nicht so gut", berichtet der Vorjahressieger. "Nach den ersten Kurven, wo viele Autos abgeflogen sind, war es ziemlich verrückt. Glücklicherweise sind wir mit einer fantastischen Strategie zurückgekommen." Die ersparte ihm das Überholen des einen oder anderen Gegners, was beim kurz übersetzten siebten Gang des Red Bull ohnehin haarig gewesen wäre.

      Überholen auf der Kemmel-Geraden war für Vettel unmöglich - auch, weil in der Gruppe alle DRS aktivieren konnten. Also legte er sich Felipe Massa (Ferrari), Teamkollege Mark Webber und Bruno Senna (Williams) stattdessen in der Bus-Stop-Schikane zurecht, wo er in der 19. Runde auch Schumacher attackierte. Der bremste aber spät, verteidigte seine Position mit stehenden Rädern - und bog dann vor Vettels Nase an die Box ab!

      Schumacher fühlt sich nicht schuldig: "Sebastian hat versucht, mich dort anzugreifen. Das wollte ich natürlich verhindern, weil ich eine schöne Einfahrt in die Box haben wollte, ohne noch in ein Überholmanöver verwickelt zu werden. Dadurch, dass mein Rad stehenblieb, habe ich nicht ganz die Ideallinie getroffen, hatte aber weiterhin die Absicht, in die Box zu fahren. Ich habe gesehen, dass Sebastian mitgespielt und aufgepasst hat. Insofern war das eine relativ klare Sache."

      Horner nimmt Schumacher in Schutz
      "Ein Rennzwischenfall", nimmt auch Red-Bull-Teamchef Christian Horner gelassen, dass sein Fahrer hart in die Eisen steigen musste, um eine Kollision zu vermeiden, obwohl Experte Surer findet: "Das war schon hart an der Grenze, was Michael da gemacht hat." Vettel scheint auf seinen Kumpel Schumacher jedoch nicht sauer zu sein, wenn er sagt: "Ein fantastisches Rennen, bei dem ich viel Spaß hatte, mit vielen Konkurrenten und mit Michael zu kämpfen."

      Vettel kam in der 21. von 44 Runden an die Box, um von Medium auf Hard zu wechseln, also eine Runde nach Spitzenreiter Button, der von da an nichts mehr anbrennen ließ. "Diese Strecke ist so speziell für die meisten Fahrer", freut er sich über seinen ersten Sieg in Spa-Francorchamps. "Der Fluss, den sie bietet, und die Geschichte hier - hier einen Start-Ziel-Sieg zu landen, ist etwas ganz Besonderes. Es war ja noch dazu kein einfaches Jahr für mich."

      Dritter wurde Geheimfavorit Räikkönen, der bereits früh im Rennen instruiert wurde, nur 90 Prozent seines KERS zu verwenden. "Das Auto war nicht so, wie wir uns das gewünscht hatten", bestätigt der "Iceman". Als ihm sein Team trotzdem den Auftrag erteilte, im Finish etwas mehr zu pushen, um Verfolger Hülkenberg im schneller werdenden Force India in Schach zu halten, rotzte er nur in den Boxenfunk: "Dann gebt mir mehr Power!"

      Wahnsinns-Überholmanöver von Räikkönen
      Außerdem sorgte Räikkönen für die Szene des Tages, als er in der 34. Runde vielen Zuschauern das Herz in die Hose rutschen ließ und sich mangels Topspeed in der Anfahrt zu Eau Rouge (!) gnadenlos neben Schumacher setzte. Der siebenmalige Weltmeister war davon offensichtlich überrascht und ging ein wenig vom Gas, um einen Horrorcrash zu verhindern. Das wäre beinahe die Chance für Hülkenberg gewesen, auch an Schumacher vorbeizuziehen.

      Als Mercedes den Deutschen dann doch ein zweites Mal an die Box holte ("Wir wechseln auf Plan B"), hatte sich das Problem für Hülkenberg erledigt. Der Force-India-Pilot reduzierte seinen Rückstand auf Räikkönen in den letzten fünf Runden noch von mehr als vier auf 2,5 Sekunden, feierte dann als Vierter sein bestes Formel-1-Ergebnis überhaupt. "Bei einem solchen Resultat können wir alle sehr stolz sein", strahlt er.

      "Wenn andere Fehler machen oder Probleme haben, dann sind wir zur Stelle", sagt Hülkenberg, relativiert aber: "Wir stehen immer noch dort, wo wir vor der Pause waren. Der vierte Platz hört sich gut an, aber unser wahres Tempo haben wir gestern im Qualifying gesehen. Heute haben uns die Umstände in die Karten gespielt und wir haben keine Fehler gemacht. Wir müssen schon noch ein bisschen mehr tun, um so etwas auch aus eigener Kraft schaffen zu können."

      Sechs von 24 Piloten ausgeschieden
      Webber wurde letztendlich Sechster, unmittelbar vor Schumacher, den Toro-Rosso-Junioren Jean-Eric Vergne und Daniel Ricciardo, die ihr hohes Anfangstempo nicht ganz halten konnten, und Paul di Resta, der im Vergleich zu Teamkollege Hülkenberg heute blass aussah. Nico Rosberg im zweiten Mercedes-Silberpfeil schrammte um 1,3, Senna nach einem späten zweiten Boxenstopp um 7,7 Sekunden an einem WM-Punkt vorbei.

      Insgesamt gab es beim zwölften Saisonrennen sechs Ausfälle: Heißsporn Maldonado rollte mit seinem schrottreifen Williams gleich nach dem Restart aus, Narain Karthikeyan setzte seinen HRT in die Reifenstapel. Romain Grosjean (Lotus), Hamilton, Sergio Perez (Sauber) und Alonso hatte es bereits bei der Startkarambolage erwischt. Für Alonso war es übrigens der erste Ausfall seit dem Grand Prix von Kanada 2011, dem er 23 Punkteresultate en suite hatte folgen lassen.

      So gelang es seinen Konkurrenten dann auch, am Vorsprung in der Fahrer-WM zu knabbern. Alonso (164) hat zwar immer noch fast einen ganzen Sieg Puffer auf Vettel (140), doch mit Webber (132), Räikkönen (131) und Hamilton (117) hat er starke Gegner. Auch Button (101) ist durch seinen heutigen Sieg näher gerückt. Bei den Konstrukteuren führt weiterhin Red Bull (272) vor McLaren (218), Lotus (207) und Ferrari (199). Nächste Station: Monza, schon in einer Woche.
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      Großer Preis von Italien / Monza

      Großer Preis von Italien / Monza

      Im Königlichen Park der norditalienischen Lombardei kriecht den Fans bei Kurvennamen wie Parabolica, Lesmo oder Variante Ascari ein kaltes Kribbeln den Rücken hinunter. Kurz hinter den Toren Mailands gelegen wäre Monza eigentlich eine verschlafene Kleinstadt, wären da nicht zigtausende Fans aus aller Welt, die am Rennwochenende die engen Straßen in ein heilloses Chaos verwandeln.

      Ausgetragen wird der Grand Prix von Italien, seit es die Formel-1-Weltmeisterschaft gibt. Die Strecke inmitten eines schönen Parks hat sich über all die Jahre verändert, aber die unveränderte Start- und Zielgerade erinnert an die lange Vergangenheit des Kurses. Nirgendwo sonst sind die Fans so leidenschaftlich wie in Monza. Ob ein Italiener gewinnt oder nicht, ist den berühmten Tifosi meistens völlig egal, denn für sie zählt nur eines: Ferrari!

      Mit einem Schnitt von über 250 km/h im Qualifying ist das Autodromo Nazionale Monza die schnellste Formel-1-Rennstrecke. Der 5,793 Kilometer lange Kurs beansprucht wegen der brutalen Verzögerungsmanöver vor allem die Bremsen, aber auch die Reifen, die besonders in den schnellen Kurven wie der Curva Grande und der Parabolica stark belastet werden. Die ebene Pistenoberfläche ermöglicht das Fahren mit geringer Bodenfreiheit, was in den Kurven zu besserer Bodenhaftung führt und die sowieso schon flach eingestellten Flügel noch flacher werden lässt. Zu 70 Prozent geben die Piloten in der Runde Vollgas und sorgen dafür, dass der Benzinverbrauch dementsprechend hoch ist und die Motoren bis an ihre Belastungsgrenze getrieben werden.

      Bereits im Jahr 1922 fand im Königlichen Park zu Monza der erste Grand Prix von Italien statt. Auch die Formel 1 gastiert seit 1950 in Monza, wo zwischenzeitlich auf einer rund zehn Kilometer langen Hochgeschwindigkeitsstrecke gefahren wurde.

      Besonders bekannt ist Monza für die Steilkurve, auf der heute aber nicht mehr gefahren wird. An sie erinnert heute nur noch eine Betonruine, die Jahr für Jahr mehr der Witterung zum Opfer fällt. Pläne, sie abzureißen, wurden nach Protesten auf Eis gelegt. Wo heute mehrere Schikanen die Formel-1-Autos einbremsen, wurde früher überall mit Vollgas gefahren, weswegen es in Monza viele Todesopfer zu beklagen gab
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      Monza: Hamilton siegt, Perez macht die Show

      Monza: Hamilton siegt, Perez macht die Show
      McLaren-Pilot Lewis Hamilton feiert seinen ersten Monza-Sieg - Sergio Perez mit großartiger Aufholjagd, Fernando Alonso auf dem Podium - Sebastian Vettel im Pech

      Die Formel-1-Saison hat sich mit dem Grand Prix von Italien aus Europa verabschiedet. Beim Rennen in Monza gab es für die italienischen Fans alles, was man sich nur wünschen kann: Sonne, qualmende Reifen, harte Duelle und einen Ferrari-Piloten auf dem Podest. Aber auch in Großbritannien wird man vor dem Flug zu den Überseerennen noch einen genüsslichen Schluck trinken. Lewis Hamilton (McLaren) siegte in Monza souverän vor Sergio Perez (Sauber) und Fernando Alonso (Ferrari) und sprang damit in der Fahrerwertung auf Rang zwei. Kurios: Es standen somit drei Piloten auf dem Podium, die eine Woche zuvor in Spa in der ersten Kurve abgeräumt worden waren.

      Den Briten konnten Fernsehzuschauer nur beim Start und in den letzten drei Runden sehen, dazwischen fuhr der Weltmeister von 2008 unauffällig schnell und locker in Front. Die große Show spielte sich dahinter ab. McLaren-Teamkollege Jenson Button lag bis kurz vor der Halbzeit auf Rang zwei, aber er musste seine Hoffnungen in Runde 23 begraben. Der MP4-27 des Champions von 2009 rollte aus. "Da tut sich nichts mehr", so Button im Funk. Ein Problem mit dem Benzindruck verhinderte den Doppelsieg für das Team.

      Mit dem Ausfall von Button öffnete sich für die Lokalhelden von Ferrari die goldene Tür zum Podest. Urplötzlichen lagen Felipe Massa und Fernando Alonso auf den Rängen zwei und drei. Richtig gelesen: Der Brasilianer hatte sich lange Zeit vor dem WM-Leader halten können. Massa war beim Start sogar an Button vorbeigekommen, hatte den Briten aber nach 19 Umläufen wieder ziehen lassen müssen. Es folgte einer dieser berühmten Ferrari-Funksprüche.

      Und wieder ein Ferrari-Funkspruch
      "Überleg mal, wie du die Reifen schonen könntest. Fernando liegt hinter dir", lautete die Ansage von Renningenieur Rob Smedley an seinen Schützling Massa. Und siehe da: Der Wasserträger, der noch um eine Vertragsverlängerung bei den Roten kämpft, rollte fortan etwas gemütlicher um die schnelle Strecke. Es dauerte nur wenige Kilometer, bis Alonso an seinem (Noch-)Teamgefährten vorbei war. Die Ferraris hatten in den Runden 20 (Massa) und 21 (Alonso) auf die härteren Pneus geweselt und wollten die Podestplätze auf diesen Walzen ins Ziel bringen.

      Dabei hatten die Roten die Rechnung ohne den Kunden aus der Schweiz gemacht. Sergio Perez hatte sich in der ersten Rennhälfte als einer der wenigen Starter auf härteren Pneus munter nach vorne gekämpft. Der Mexikaner war über die Distanz gesehen der schnellste Mann in Monza. Dies bekam später auch noch Rennsieger Hamilton zu spüren, aber nach seinem Wechsel auf die Medium-Reifen kämpfte sich Perez zuerst an Kimi Räikkönen (Lotus) vorbei. Dann fiel er über die Ferraris her.

      "Du musst schneller werden", appellierte Smedley eben noch an Massa, als dieser auch schon Perez wie einen Pfeil an sich vorbeifliegen sah - keine Chance für den Brasilianer. Der Sauber-Mann trat weiter kräftig auf das rechte Pedal und nutzte den Grip seiner frischeren Reifen perfekt aus. Nur zwei Runden nach dem Überfall auf Massa war Alonso fällig - mit Leichtigkeit ließ der Youngster den Erfahrenen alt aussehen. Am Auto von Alonso passte jedoch nicht mehr alles, heißt es von Ferrari.

      Button im Pech: Benzinpumpe defekt
      Nach dem Manöver gegen den kampfstarken Asturier wurden auch die schlafenden McLaren-Hunde plötzlich wieder wach. "Perez fährt auf Platz zwei rund eine Sekunde schneller als du. Du müsstest mal ein paar Zehntel zulegen", bat man Hamilton. Der spätere Rennsieger war allerdings kaum in der Lage, noch eine Schippe draufzulegen. Konsequenzen hatte dies nicht, denn der Abstand reichte für eine gemütliche Verwaltung. Bei der Zieldurchfahrt hatte Hamilton noch 4,3 Sekunden Vorsprung auf Perez.

      "Fantastisch, hier zu gewinnen", jubelt Hamilton den Fans bei der Siegerehrung zu. Es war sein erster Monza-Erfolg überhaupt. "Wir hatten ein super Wochenende. Die Jungs haben klasse Arbeit geleistet. Schade für Jenson. Es gab ein Problem mit dem Benzindruck. Sonst hätten wir einen Doppelsieg eingefahren. Es war nicht perfekt, aber wir genießen den Tag trotzdem", bilanziert McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh nach einem Sonntag, der sein Team in der Teamwertung näher an Platz eins brachte.

      "Das war ein tolles Rennen für mich und mein Team. Ich war erst auf den härteren Reifen, habe spät gestoppt und bin dann mit den weicheren Pneus gefahren", erklärt Perez nach der Zieldurchfahrt seine Taktik und seine Emotionen. "Ein fantastisches Gefühl heute", stimmt Sauber-Geschäftsführerin mit in die Schwärmerei ein. "Nach dem Qualifying war so etwas nicht zu erwarten." Der Sauber stellte wieder einmal unter Beweis, dass er besonders gut in Sachen Reifennutzung ist.

      Für den größten Jubel und ein rotes Fahnenmeer sorgte Alonso, der nach einem verkorksten Qualifying von Startplatz zehn noch bis auf das Podest fahren konnte. "Das waren enorm wichtige Punkte", so der Spanier erleichtert. Umso wertvoller, weil Verfolger Sebastian Vettel eine Nullnummer schrieb. "Es war ein schwieriges Rennen vom zehnten Startplatz. Wir waren sicher, dass wir im Rennen das stärkste Auto haben. Mit diesem Auto hat es gut geklappt. So wollen wir weitermachen."

      Red Bull erlebt rabenschwarzen Sonntag
      Allerdings hing der Podesterfolg des WM-Leaders am seidenen Faden. In der ersten Rennhälfte boten sich Alonso und Vettel eine herzhafte Schlacht, die - wieder einmal - in Staub und Diskussionen münderte. Bei seinem Versuch an Vettel vorbeizuziehen sah man Alonso plötzlich in der Wiese. Ein Abziehbild der Situation von Monza 2011, allerdings diesmal mit Konsequenzen. Vettel wurde von den Kommissaren wegen unfairer Fahrweise zur Durchfahrtsstrafe gebeten.

      "Nach der Aktion mit Vettel gab es ein Problem mit der Aufhängung. Es war so gesehen ein schwieriger Tag", erklärt Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali nach dem Rennen. Allerdings dürfte der Italiener mit dem Ergebnis gut leben können. Seine beiden Piloten Alonso (3.) und Massa (4.) holten ordentlich Punkte, während Red Bull an diesem Sonntag komplett leer ausging. Vettel fiel zuerst wegen der Strafe zurück, wenig später dann ganz aus.

      "Lichtmaschine", erklärt Vettel resigniert. "Das gleiche Problem wie am Samstagvormittag. Es ist schade, es wären wichtige Punkte gewesen. In solchen Rennen, wo man nicht der Schnellste ist, muss man die Punkte mitnehmen. Das ist uns nicht gelungen. In dem Moment war ich sehr sauer über die Strafe. Wir waren aber sowieso nicht schnell genug, um Fernando zu halten." Das Red-Bull-Debakel machte Mark Webber perfekt. Der Australier stellte seinen RB8 nach einem Highspeed-Dreher nach der vorletzten Runde an der Box ab.

      Von den Ausfällen der beiden "Bullen" profitierten Kimi Räikkönen (Lotus), der mit solidem Rennspeed den fünften Rang ins Ziel brachte, und auch beide Mercedes-Piloten. Michael Schumacher (6.) und Nico Rosberg (7.) waren als einzige Punktgewinner des Tages auf einer Zweistopp-Strategie unterwegs und konnten den jeweils guten Speed des Mercedes auf frischeren Reifen gut ausnutzen. Die beiden Silbernen lagen über weite Strecken direkt hintereinander.

      WM-Wertung: Hamilton jetzt auf Platz zwei
      "Noch eine Runde mehr und ich wäre Vierter geworden, wenn das Wörtchen 'wenn' nicht wäre. Wir haben uns definitiv verbessert. Das ist natürlich erfreulich", bilanziert Schumacher, der sich am Ende noch über Räikkönen hermachen wollte. "Ich glaube nicht, dass es ein grundlegender Fortschritt war, sondern eher auf die Strecke zu schieben ist. Wir müssen zusehen, dass wir neue Teile bringen, was in Singapur auch der Fall sein wird. Hoffentlich machen wir dann wieder einen Sprung", zeigt sich Rosberg nicht ganz so optimistisch. Immerhin: Der Weltmeistersohn markierte auf den letzten Drücker noch die schnellste Rennrunde.

      Hinter den beiden Silberpfeilen holte sich Paul di Resta (8.) wichtige Punkte. Dessen Teamkollege Nico Hülkenberg, der nach einem Technikdefekt im Qualifying von ganz hinten gestartet war, bot zu Beginn des Rennens eine starke Aufholjagd. Allerdings fand diese ein enttäuschendes Ende. Der Emmericher musste seinen Force India mit Defekt in der Box parken. Ein weiterer Ausfall war Jean-Eric Vergne (Toro Rosso), der sich wegen eines Aufhängungsbruchs spektakulär von der Piste drehte - bei Tempo 300 km/h.

      Hinter di Resta sammelten Kamui Kobayashi (Sauber) und Bruno Senna (Williams) die letzten Punkte ein. Der Brasilianer schob sich im allerletzten Moment noch auf Rang zehn. Ebenso wie Teamkollege Pastor Maldonado (11.) ging er in der letzten Runde an Toro-Rosso-Pilot Daniel Ricciardo vorbei, der in Problemen steckte. Timo Glock (Marussia) musste wegen eines Frontflügelschadens nach einer Berührung beim Start früh zum Stopp und kam als 17. ins Ziel.

      In der Fahrerwertung ist Fernando Alonso (179 Punkte) nach dem letzten Europarennen immer noch an der Spitze. "Das ist gut. Nun kommen bald noch einige Strecken, die uns liegen werden. Zum Beispiel in Japan", meint der Ferrari-Frontmann zufrieden. Bester Verfolger ist nun Lewis Hamilton (142) vor Kimi Räikkönen (141) und Sebastian Vettel (140). In der Teamwertung rückt McLaren (243 Punkte) der Konkurrenz von Red Bull (272) immer mehr auf die Pelle.
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      Großer Preis von Singapur / Singapur

      Großer Preis von Singapur / Singapur

      Gemeinsam mit Valencia wurde 2008 auch der Stadtkurs im asiatischen Stadtstaat Singapur in den Formel-1-Kalender aufgenommen. Die Königsklasse des Motorsports trug damit der von Bernie Ecclestone und den Herstellern gewünschten globalen Expansion in neue Märkte Rechnung.

      Bei der 5,073 Kilometer langen Strecke handelt es sich um einen Parcours inmitten durch die Millionenmetropole, vergleichbar mit Monte Carlo und Valencia. Die Besonderheit des Events ist aber, dass bei Nacht unter Flutlicht gefahren wird. Mit spektakulären TV-Bildern hat sich Singapur auch prompt einen Platz im Herzen der Formel-1-Fans erarbeitet.

      108 Kilometer Stromkabel mussten in der City für die Formel 1 verlegt werden, 1.600 Lichtprojektoren erhellen die Szenerie und die Lichtleistung von 3.000 Lux ist etwa viermal so hoch wie bei einem Fußballspiel im Stadion! Der Strombedarf liegt bei über drei Millionen Watt. Aber dieser Aufwand ist für einen sicheren Ablauf des Nachtrennens notwendig.

      Die Streckenführung entspricht der eines klassischen Stadtkurses und beinhaltet daher vor allem 90-Grad-Kurven, kommt ohne wirklich schnelle Mutpassagen aus. Außerdem haben die Organisatoren ihr Bestes gegeben, um die Auslaufzonen im Rahmen der Möglichkeiten so groß wie möglich zu gestalten. Dies war allerdings nicht überall möglich, beispielsweise bei der Anderson-Bridge.

      Diese nach Gouverneur Sir John Anderson benannte Brücke verbindet das Nord- mit dem Südufer des Singapur-Rivers. Sie ist 70 Meter lang, sehr eng und stellt einen der markanten Punkte der Rennstrecke dar. Problematisch: Sollte es dort einen Unfall geben, wäre die Bergung der Autos extrem schwierig. Zum Glück ist das bisher noch nie passiert!

      Neben Monte Carlo ist Singapur heute die wohl aufregendste Formel-1-Strecke der Welt.
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      Hamilton im Pech: Feuerwerk für Sieger Vettel!

      Hamilton im Pech: Feuerwerk für Sieger Vettel!

      Sebastian Vettel gewinnt das Nachtrennen in Singapur zum zweiten Mal vor Jenson Button - Lewis Hamilton und Pastor Maldonado die tragischen Helden

      Solche TV-Bilder liefert die Formel 1 nur in Singapur: Ein grandioses Feuerwerk am Himmel, nachdem Sebastian Vettel als Erster über die Ziellinie gefahren ist, blinkende LED-Leuchten am batteriebetriebenen Helm des Siegers, überall Blitzlichtgewitter und atmosphärische Motive. Dann stimmungsvolle Musik während der Zeremonie auf dem Podium - eine unvergleichliche Kulisse, die der siegreiche Red-Bull-Pilot nach 2011 bereits zum zweiten Mal genießen darf.

      Und zwar mit geschlossenen und feuchten Augen während der Bundeshymne - vielleicht auch wegen des verstorbenen Formel-1-Arztes Sid Watkins, für den vor dem Start eine Trauerminute abgehalten wurde und dem Vettel seinen Sieg widmete. "Du Schönheit!", plärrte Teamchef Christian Horner seinem Schützling dann über Funk in die Ohren. "Jetzt bist du zurück im Titelrennen!" Und Vettel selbst schluchzte: "Yes, wir haben es geschafft! Danke, Jungs - dieser Sieg ist für euch!"

      "Es war eines der härtesten Rennen des Jahres, volle zwei Stunden lang - ein echter Killer", freut er sich über seinen erst zweiten Saisonsieg nach Bahrain im April, wieder bei einem Hitze-Grand-Prix. "Es gibt dermaßen viele Bodenwellen, die Mauern verzeihen keine Fehler. Das Rennen erscheint einem endlos. Ich bin sehr glücklich. Es hat eine Weile gedauert, bis ich endlich wieder ein Rennen gewinne, aber jetzt bin ich hier und freue mich sehr."

      Pechvogel Hamilton: Getriebe k.o.
      Aber genauso gut hätte heute Lewis Hamilton auf der mittleren Stufe des Treppchens stehen können: Der Polesetter drückte dem Nachtrennen - passend zum stabilen Wetter - staubtrocken seinen Stempel auf, schüttelte Vettel sofort aus dem DRS-Abstand, überstand den Wechsel von Supersoft auf Soft in der zwölften Runde unbeschadet und führte sicher stets eineinhalb bis zwei Sekunden vor seinem Verfolger. Bis in die 23. Runde.

      Plötzlich wurde der McLaren langsamer, stellte Hamilton ab - und die Geräusche deuteten sofort auf einen Getriebeschaden hin. Als der nunmehrige WM-Vierte zurück an die Box kam, wirkte er aber erstaunlich gefasst - weil sich der Defekt schon angedeutet hatte? "Wir haben gestern alles versucht", lautete der erste Funkspruch von Ersatz-Renningenieur Mark Temple. Offenbar hatte man bereits im Qualifying ein technisches Problem geortet.

      Aber trotzdem das Getriebe nicht gewechselt? "Sie sind ein Risiko eingegangen und haben verloren", vermutet Experte Marc Surer, denn ein Getriebewechsel hätte eine Strafe nach sich gezogen. Vettel: "Ich habe das ein paar Runden vorher schon kommen sehen, denn er verlor Öl." Und Hamilton selbst gibt zu: "Drei oder vier Runden vor dem Aus hatte ich Probleme beim Schalten. Ich meldete das via Funk. Als Antwort kam, dass es keine Schwierigkeiten gibt. Plötzlich konnte ich dann aber gar nicht mehr schalten."

      Aber der Grand Prix war damit noch lange nicht beendet - ganz im Gegenteil: Es sollte das längste Rennen des Jahres werden, zwar nur über 59 statt der geplanten 61 Runden, dafür aber über die erlaubte Maximaldauer von zwei Stunden. Maßgeblich dafür verantwortlich waren zwei Safety-Car-Phasen von der 33. bis zur 39. und von der 40. bis zur 43. Runde. Vettel und Button hatten bereits in Runde 33 ihren zweiten und letzten Boxenstopp absolviert.

      Am Ende alles unter Kontrolle
      "Das Safety-Car", rekapituliert Vettel, "hat uns nicht unbedingt geholfen, denn der kleine Puffer nach hinten war dann weg. Der Speed war aber da. Ich konnte den Abstand gut kontrollieren und am Ende etwas mehr Vorsprung herausfahren. Ich wollte nicht, dass es sich vom Vorjahr wiederholt, wo Jenson in den letzten Runden viel Gas gegeben hat. So hatten wir das Rennen unter Kontrolle und konnten entspannt ins Ziel fahren."

      Weil Button irgendwann zurücksteckte, hatte Vettel in der Schlussphase leichtes Spiel - sein Vorsprung betrug beim Überfahren der Ziellinie 8,9 Sekunden. Richtig haarig war es allerdings beim ersten Restart, als der McLaren-Pilot dem Führenden beinahe ins Heck gerauscht wäre. "Das war fast ein Start/Stopp-Spielchen", reklamierte Button am Funk, aber Vettel winkt ab: "War keine Absicht. Es braucht nur den Bruchteil einer Sekunde - er schaut woanders hin, ich trete auf die Bremse - und schon kollidiert man."

      Wie schnell es zu einem Auffahrunfall kommen kann, musste Michael Schumacher auf schmerzliche Weise erfahren: Der Mercedes-Pilot war Auslöser der zweiten Safety-Car-Phase, weil er Toro-Rosso-Junior Jean-Eric Vergne von weit hinten kommend abschoss. "Ich habe definitiv nicht zu spät gebremst", weist Schumacher jede Schuld von sich, aber Experte Surer bezweifelt das: "Alle vier Räder blockieren, die Bremse funktioniert. Für mich hat er sich verschätzt." Aber: "In der Formel 1 sieht man nicht ins Auto hinein..."

      Schumacher: "Ich habe sofort kommen sehen, dass die Verzögerung bei den Vorderleuten wesentlich größer ist als bei mir. Vielleicht war nach der Safety-Car-Phase der Reifendruck zu niedrig und das Auto setzte auf, also vielleicht führte irgendetwas Ungewöhnliches dazu. Anders kann ich es mir im Moment nicht erklären. Erst einmal wollen wir herauskriegen, was dazu geführt hat. Mir tut es leid für Jean-Eric. Das ist halt leider etwas, was im Rennen mal passieren kann."

      Maldonado besonnen, aber unbelohnt
      Immerhin trug der siebenmalige Weltmeister, dem unter Umständen eine Strafe für die Aktion drohen könnte, indirekt zum guten fünften Platz seines Teamkollegen Nico Rosberg bei, denn der wurde vor allem durch die Safety-Car-Phasen nach vorne gespült. Auf Fernando Alonso (Ferrari) hingegen hatte all das keinen Einfluss, denn der WM-Leader hatte seinen letzten Boxenstopp schon in der 29. Runde absolviert - übrigens gleichzeitig mit Pastor Maldonado (Williams).

      Letzterer muss weiter auf seine ersten WM-Punkte seit dem Sieg in Barcelona warten, obwohl er sich diese heute redlich verdient hätte. Denn der Venezolaner bewahrte am Start kühlen Kopf, als sich Vettel in der ersten Kurve neben ihn setzte und dann auch noch Button durchrutschte, und rückte an dritter Stelle liegend bis zu seinem zweiten Boxenstopp sogar wieder näher an die Führenden heran. In Runde 25 hatte er nur 4,7 Sekunden Rückstand auf Vettel.

      Nach dem Wechsel auf Supersoft - sein Verfolger Alonso entschied sich für die härteren Soft-Pirellis - geriet Maldonado aber plötzlich unter Druck, und während der Safety-Car-Phase funkte ihn sein Team an: "Wir haben ein Hydraulikproblem und müssen ausscheiden." Maldonado wollte dies zuerst nicht wahrhaben und fuhr noch eine Runde weiter, steuerte dann aber doch die Box an. So rückte Alonso kampflos auf das Podium auf.

      "In Monza hat Lewis gewonnen und Sebastian ist ausgefallen, hier hat Sebastian gewonnen und Lewis ist ausgeschieden", bilanziert der Spanier. "Solange sich das so fortsetzt und ich gleichzeitig immer Punkte hole, bin ich wirklich glücklich!" Kein Wunder: In der Fahrer-WM führt er nun 29 Punkte vor Vettel - Alonso wird also auch nach dem Grand Prix von Japan in zwei Wochen auf jeden Fall noch vorne liegen.

      Di Resta nur knapp hinter dem Podium
      In Singapur kam er 3,8 Sekunden vor Paul di Resta ins Ziel, der ein unauffälliges, aber bärenstarkes Rennen ablieferte: "Wir haben einen guten Start erwischt und am Ende übten wir Druck auf einen Ferrari aus, der um die WM kämpft. Das ist hervorragend für uns", strahlt der Force-India-Youngster. "Unsere direkten Gegner holten keine Punkte, was das Ganze umso besser macht. Wir werden diesen Abend sicher genießen!"

      Der Teamkollege des Briten, Nico Hülkenberg, war - übrigens im Gegensatz zu den vor ihm gestarteten Silberpfeilen - mit den härteren Reifen ins Rennen gegangen. Schon nach sechs Runden musste er die Bremsbalance nach vorne drehen, um auf hohe Temperaturen hinten zu reagieren, aber nach 15 Runden lag er - noch ohne Boxenstopp - an fünfter Stelle. Eine unglücklich getimte Strategie bedeutete jedoch, dass Punkte letztendlich außer Reichweite waren. Trösten kann er sich mit der schnellsten Rennrunde.

      Kimi Räikkönen und Romain Grosjean (beide Lotus) kamen nach einem teaminternen Positionswechsel in der Schlussphase auf den Positionen sechs und sieben ins Ziel, Felipe Massa (Ferrari) wurde trotz eines Reifenschadens zu Beginn Achter. Der Brasilianer setzte auf Supersofts zu einem sehenswerten Schlussspurt an - knallhart, wie er sich auf der Anderson-Bridge (!) an Bruno Senna (Williams) vorbeischob: "Ich war neben ihm und er hat mich gegen die Mauer gedrückt", kritisiert Massa.

      Landsmann Senna erlebte ein turbulentes Rennen, verlor schon bei einem Gerangel am Start ein paar Splitter seines Frontflügels, wurde dann über ein Problem mit dem ersten Gang informiert (vor allem bei den Boxenstopps ein Nachteil), rollte kurz vor Schluss aus, wurde aber trotzdem als 18. gewertet. Zumindest kassierte er keine Strafe für die Aktion gegen Massa - durchaus fragwürdig, wenn man die Regelklarstellung bedenkt, auf die sich die FIA beim Fall Vettel/Alonso in Monza berufen hat.

      Hülkenberg: Rotes Tuch für Sauber
      Sergio Perez' (Sauber) Rennen war strategisch ähnlich ausgerichtet wie jenes von Hülkenberg, und im letzten Rennabschnitt gerieten die beiden tatsächlich aneinander. Perez überstand eine Berührung mit dem Deutschen unbeschadet und wurde Elfter, Kamui Kobayashi im zweiten Sauber hatte aber weniger Glück und musste sich an der Box eine neue Frontpartie abholen. Bei Hülkenberg reichte ein ungeplanter Reifenwechsel, aber: "Das hat Nico selbst verbockt", findet Experte Surer.

      Die positive Überraschung aus deutscher Sicht war Timo Glock: Sein Marussia überstand den Härtetest bei einem Mauerkuss in der Anfangsphase, und durch diverse Zwischenfälle landete er letztendlich auf dem hervorragenden zwölften Platz - so nahe war das junge Team noch nie an den Punkterängen dran! Marussia zieht damit in der Konstrukteurs-WM wegen des besseren Einzelergebnisses erstmals an Caterham und HRT vorbei.

      Bei Caterham lief das Rennen von Anfang an aus der Bahn: "Ich habe Witali getroffen", entschuldigte sich Heikki Kovalainen in der ersten Runde am Funk - und Teamkollege Witali Petrow humpelte nur noch ohne Nase um den Kurs. Als der Russe später auch noch in der Boxenausfahrt stehen blieb und von den Mechanikern zurückgeschoben werden musste, war das Rennen endgültig gelaufen. HRT verlor ein Auto (Narain Karthikeyan) im Tunnel unter der Zuschauertribüne, was zur ersten Safety-Car-Phase führte.

      In der Weltmeisterschaft bleibt es weiterhin spannend: Alonso führt nach 14 von 20 Rennen mit 194 Punkten vor Vettel (165), Räikkönen (149), Hamilton (142), Webber (133) und Button (119). Bei den Konstrukteuren liegt Red Bull (298) vor McLaren (261), Ferrari (245) und Lotus (231). Weiter geht die Übersee-Tournee der Formel 1 am 7. Oktober mit dem Grand Prix von Japan in Suzuka und nur eine Woche darauf mit dem Grand Prix von Südkorea.
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      Großer Preis von Japan / Suzuka

      Großer Preis von Japan / Suzuka

      Der Suzuka-International-Racing-Course gilt als eine der schwierigsten und beliebtesten Rennstrecken des Formel-1-Kalenders. Der Kurs wurde bereits 1962 vom Honda-Konzern errichtet - nach Plänen des niederländischen Architekten Hans Hugenholtz. Gleich neben der Strecke befindet sich ein Vergnügungspark mit den legendären Karaokehütten, in denen Michael Schumacher nicht erst einmal "My Way" von Frank Sinatra zum Besten gegeben hat.

      Die Strecke ist in ihrer heutigen Form 5,807 Kilometer lang und ist weltweit der einzige Grand-Prix-Kurs, der in Form einer Acht angelegt ist. Suzuka beinhaltet alles, was das Rennfahrerherz begehrt: die unglaubliche Linkskurve 130R, benannt nach ihrem Radius, die schnellen S-Kurven im ersten Sektor, eine ganz enge Haarnadel und ein langes Vollgasstück, das zum Überholen einlädt.

      Die "Esses", wie die fünf schnellen Kurven im ersten Sektor der Strecke bezeichnet werden, gehören zum Anspruchsvollsten, was die Formel 1 zu bieten hat. Die Einfahrt erfolgt mit 245 km/h, mittendrin muss vom fünften in den vierten Gang runtergeschaltet werden und nach einer kurzen Verschnaufpause wartet mit der Degner-Rechtskurve gleich die nächste Herausforderung.

      Zwischen 1987 und 2006 fand der Grand Prix von Japan in Suzuka statt - unvergessen die Jahrhundertkollision zwischen Alain Prost und Ayrton Senna 1989, die Retourkutsche 1990, die Regenschlacht von 1994, Michael Schumachers erster Ferrari-Titel 2000 oder zuletzt das unglaublich aufregende Rennen von 2005, das Kimi Räikkönen gewinnen konnte.

      2007 und 2008 gastierte die Formel 1 in Fuji bei Honda-Erzrivale Toyota. Aus Kostengründen hat Toyota jedoch entschieden, künftig auf den Grand Prix zu verzichten, sodass Suzuka in die Königsklasse zurückkehren konnte
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      WM völlig offen: Vettel dominiert in Japan

      WM völlig offen: Vettel dominiert in Japan

      Fernando Alonso in der ersten Kurve k.o., volle Punkte für Sebastian Vettel: Suzuka macht die Fahrer-WM wieder spannend - Japan jubelt über Kamui Kobayashi
      Besser hätte der Grand Prix von Japan für Sebastian Vettel gar nicht laufen können: Während sein schärfster WM-Rivale Fernando Alonso (Ferrari) gleich in der ersten Kurve ausschied, fuhr der Red-Bull-Pilot einem ungefährdeten Sieg entgegen und gab die Führung in den 53 Runden nicht ein einziges Mal ab. In der Gesamtwertung liegt Vettel damit nur noch vier Punkte hinter Alonso an zweiter Stelle.

      Gefeierter Held des japanischen Publikums war aber Lokalmatador Kamui Kobayashi, der Sauber bereits den vierten Podestplatz der Saison 2012 bescherte. "Kamui, Kamui", riefen die zehntausenden Fans auf der Haupttribüne und ließen während der Siegerehrung Gänsehaut aufkommen. Kobayashi kam 24,5 Sekunden hinter dem souveränen Sieger Vettel ins Ziel. Zweiter wurde Felipe Massa (Ferrari/+20,6), der eine lange Durststrecke beendete und zum ersten Mal seit dem Grand Prix von Südkorea 2010 auf das Podium fuhr.

      Vettel drehte noch im 52. Umlauf die schnellste Runde und wurde daraufhin von seinem Renningenieur gewarnt: "Riskier nichts mehr!" Aber mit Pole-Position, Sieg, schnellster Runde und allen Führungsrunden war es für den Deutschen ein perfekter Sonntag: "Ich hatte einen guten Start. Das war wichtig, denn hinter mir gab es Zwischenfälle", strahlt er. "Mir fiel auf, dass ein Ferrari nicht mehr mit dabei war. Zur Hälfte des Rennens sah ich auf der Positionssäule, dass es Felipe war, der noch im Rennen lag. Deshalb nahm ich an, dass Fernando nicht mehr mit dabei war."

      Vettel schwärmt vom Newey-Red-Bull
      "Nachts träumt man davon, ein solches Auto zu fahren. Die Balance war fantastisch. Man hatte das Gefühl, in jeder einzelnen Runde nochmals einen drauflegen zu können", schwärmt Vettel vom überarbeiteten Red Bull. "Ich habe jede Runde genossen. Deshalb hatten wir am Ende wohl auch einen so großen Vorsprung. Wir hatten das Rennen zu jeder Zeit unter Kontrolle, obwohl wir viel Respekt vor den Reifen hatten. Ich bin sehr zufrieden. Es hat viel Spaß gemacht. Wir hatten ein perfektes Wochenende. Viel besser kann es eigentlich nicht laufen."

      Die dramatischste Szene in einem gegen Ende hin wenig aufregenden Rennen spielte sich gleich am Start ab: Während Vettel seine Pole-Position sicher in die Führung umwandelte, kam es weiter hinten zuerst zu einer Berührung zwischen Alonso und Kimi Räikkönen. Dabei schlitzte sich der WM-Leader am Frontflügel des Lotus den linken Hinterreifen auf - und war aus dem Rennen! "Sehr schade. Es ist traurig, wenn du nicht einmal über die erste Kurve hinauskommst", bedauert der Spanier, und sein Ferrari-Team twittert: "Wenn man sieht, wie schnell Felipe war, tut das noch mehr weh..."

      Schuldfrage? "Es ist meiner Meinung nach genauso Alonsos Schuld, der ihn da rausdrückt. Die Frage ist: Hat er überhaupt mitgekriegt, dass Kimi neben ihm war?", analysiert Experte Marc Surer. Nur ein paar Meter weiter schlug dann Romain Grosjean (Lotus) wieder einmal zu: Der Franzose sah eine Chance, an Mark Webber (Red Bull) innen vorbeizugehen und Platz drei zu übernehmen, verschätzte sich aber und kollidierte mit dem Australier - wofür er angesichts seiner Vorgeschichte nicht nur eine Durchfahr-, sondern gleich eine Stop-&-Go-Strafe kassierte.

      Rosberg sauer auf Grosjean
      Im Zuge dieses Gerangels wurde auch Nico Rosberg aus dem Rennen befördert: "Webber stand quer, nachdem Grosjean ihn umgedreht hat. Ich habe gebremst, aber der Williams hinter mir hat es nicht gesehen, ist mir dann seitlich hinten rein und das war's dann", ärgert sich der Mercedes-Pilot und kündigt ein klärendes Gespräch mit Grosjean an: "Das würde vielleicht mal Sinn machen, ja. Er hat heute mein Rennen kaputtgemacht und das vieler anderer auch. Vielleicht sage ich da mal ein Wort. Ein Rennen so zu beenden, ist beschissen."

      Wegen der Zwischenfälle in der ersten Kurve kam für eine Runde das Safety-Car auf die Strecke. Es führte Vettel vor Kobayashi, dem gut gestarteten Jenson Button (McLaren), Massa, Räikkönen und Sergio Perez (Sauber). Letzterer sorgte eine Zeit lang für viel Aufregung: Erst versuchte er sich in Kurve eins erfolglos gegen Räikkönen und musste neben die Strecke, dann schnappte er sich in der Haarnadelkurve Lewis Hamilton (McLaren) - ein symbolträchtiges Manöver, schließlich wird Perez 2013 dessen Cockpit übernehmen.

      Symbolträchtig: Perez scheitert an Hamilton
      Aber als er 13 Runden später erneut hinter Hamilton auftauchte und es wieder in der Haarnadelkurve probieren wollte, war der junge Mexikaner etwas zu ungestüm: "Ein peinliches Manöver, ein bisschen ungestüm", rügt ihn Experte Surer. Somit war der Arbeitstag für Perez nach 19 Runden gelaufen. Indes verlor an der Spitze auch Kobayashi eine Position - beim Boxenstopp gegen Massa, der einen langen und sehr konstanten ersten Stint fuhr und plötzlich Vettels erster Verfolger war. Diese Position gab der Brasilianer bis zum Schluss nicht mehr ab.

      "Fantastisch, nachdem ich als Zehnter gestartet bin", jubelt Massa, der damit wahrscheinlich sein Ferrari-Ticket für 2013 gelöst hat. "Ich war schon im Training mit dem Auto sehr zufrieden. Ich hatte einen guten Start und war in der ersten Kurve, wo ich dem Unfall ausweichen konnte, sehr clever. Ich lag hinter Jenson, war aber schneller. Nachdem er seinen Boxenstopp absolviert hatte, war ich sofort eine Sekunde pro Runde schneller. Ich bin sehr zufrieden mit einem Rennen. Ich stand fast zwei Jahre lang nicht auf dem Podium, habe aber in jedem Rennen darum gekämpft."

      Das einzige Spannungsmoment in der Schlussphase war der Zweikampf zwischen Kobayashi und Button um Platz drei. Button saugte sich in der letzten Runde mit frischeren Reifen in die DRS-Sekunde, holte in der ersten Hälfte der Runde eine weitere halbe Sekunde raus, konnte aber keine ernsthafte Attacke mehr reiten. Für Kobayashi folgte eine Triumphfahrt: "Meinen ersten Podestplatz hier in Japan zu erringen, ist fantastisch", jubelt er. Die Euphorie ist verständlich: Seit Aguri Suzuki 1990 war kein Japaner mehr beim Heim-Grand-Prix auf dem Podium gestanden.

      Vettel nicht zu bremsen
      Vorne ließ Vettel nichts mehr anbrennen, baute seinen Vorsprung auf Massa im Gegenteil sogar von unter zehn Sekunden nach dem ersten Boxenstopp auf über 20 Sekunden aus. In der 52. von 53 Runden drehte Vettel in 1:35.774 Minuten die schnellste Runde im Rennen, acht Zehntelsekunden vor Button! "Völlig unnötig", findet Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko, "aber das ist eben Vettel." Und Teamchef Christian Horner nimmt seine Nummer eins in Schutz: "Er hatte das Rennen hundertprozentig im Griff."

      McLaren verzichtete in der Schlussphase auf eine Stallorder zugunsten von Hamilton und schickte stattdessen Button auf Kobayashi-Jagd. Hamilton bewies aber seinen Racer-Instinkt, als er nach seinem zweiten Boxenstopp den von hinten kommenden Räikkönen in der ersten Kurve niederfightete. "Kimi hat nachgegeben. Das hätte nicht jeder gemacht", beurteilt Experte Surer die haarige Situation. "Aber wenn zwei Könner zusammen sind, gibt es eben keine Kollision. Mit Grosjean hätte es sicher gekracht."

      Räikkönen sicherte sich am Ende den sechsten Platz, 3,9 Sekunden hinter Hamilton und 0,7 Sekunden vor Nico Hülkenberg (Force India). Der Deutsche fuhr ein starkes Rennen, setzte vor Räikkönen auch schon Hamilton unter Druck, verlor im Windschatten seiner Vorderleute aber Anpressdruck und musste zurückstecken, um seine Reifen zu schonen. Achter wurde Pastor Maldonado (Williams), der den letzten Stint als einer der Wenigen auf weichen Reifen fuhr, gefolgt von Webber, der sich nach dem Startunfall wieder in die Punkteränge kämpfte, und Daniel Ricciardo (Toro Rosso).

      Schumacher ohne Chance gegen Ricciardo
      Ricciardo hatte in den letzten Runden einen gewissen Michael Schumacher (Mercedes) im Nacken. Der sah keine Chance mehr, vom 23. Startplatz aus einen Punkt zu holen: "Ich war deutlich schneller. Mir fehlte es aber an den wichtigen Teilen der Strecke, an denen man überholen kann", sagt Schumacher. "Der Toro Rosso hatte einen hohen Topspeed. Es war nicht möglich, daneben zu fahren und ein Überholmanöver zu starten. Er hat einige Male die Außenbahn freigelassen. Da musste ich versuchen, im Begrenzer vorbeizukommen, doch das war nicht möglich."

      Bruno Senna (Williams) wurde nach einer Durchfahrstrafe wegen der Situation mit Rosberg am Start 14. (als Letzter der nicht überrundeten Fahrer), Timo Glock (Marussia) 16. - dabei lag der Deutsche gleich zu zwei Zeitpunkten des Rennens auf Platz elf. Insgesamt sahen 18 Fahrer die Zielflagge, 19 kamen in die Wertung - denn Lotus holte Grosjean, der ohnehin keine Chance auf ein zählbares Ergebnis hatte, aus dem Rennen, um vor dem Grand Prix von Südkorea in nur einer Woche straffrei das Getriebe wechseln zu dürfen.

      Vettel im besseren Auto als Alonso?
      In der Weltmeisterschaft ist nun wieder alles offen: Vettel hat nach dem ersten "Doppelpack" seit Südkorea/Indien 2011 190 Punkte auf seinem Konto und kann damit schon in einer Woche aus eigener Kraft die WM-Führung von Alonso (194) übernehmen. Eventuell noch in Lauerstellung liegen Räikkönen (157) und Hamilton (152), aber alle anderen sollten unter normalen Umständen aus dem Titelrennen raus sein - auch wenn rein rechnerisch sogar noch der neuntplatzierte Massa (69) Champion werden kann.

      Dank des Aufschwungs bei Red Bull scheint Vettel nun Titelfavorit zu sein, aber mit Prognosen ist der zweifache Weltmeister vorsichtig: "Der Ausfall von Fernando zeigt, wie rasch sich die Dinge ändern können. So etwas kann auch uns passieren, davor ist niemand gefeit", warnt er nach 15 von 20 Rennen vor allzu großer Euphorie. "In der WM sieht es jetzt zwar besser aus, doch es ist noch ein langer Weg. Es ist noch viel zu früh, um darüber zu reden. Wir müssen einfach so weitermachen. Der Rest kommt oder kommt nicht."

      Bei den Konstrukteuren liegt weiterhin Red Bull (324) vor McLaren (283), Ferrari (263) und Lotus (239). Im Kampf um Platz fünf hat Sauber (116) heute wegen Perez wertvolle Punkte gegen Mercedes (136) liegen gelassen. Ganz hinten bleibt alles beim Alten: Marussia Zehnter vor Caterham und HRT - jeweils ohne Punkte. Weiter geht's schon am kommenden Wochenende mit dem Grand Prix von Südkorea am Gelben Meer in Yeongam. Gutes Omen: Dort hat Vettel, der sich jetzt natürlich einen Hattrick wünscht, im Vorjahr ebenfalls gewonnen...
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      Großer Preis von Südkorea / Yeongam

      Großer Preis von Südkorea / Yeongam

      Der Landkreis Yeongam liegt im westlicheren Teil von Südkorea. Ein kleiner Streifen grenzt an das Gelbe Meer an - und ganz in der Nähe gastiert die Formel 1. Allerdings liegt nur die Stadt Mokpo im näheren Umkreis; das Einzugsgebiet um die Metropole Seoul befindet sich geschlagene vier Zugstunden entfernt.

      160 Millionen Euro haben die Koreaner für den 2010 in Kraft getretenen Siebenjahresvertrag mit Bernie Ecclestone hingelegt. In etwa noch einmal diese Summe dürfte der Bau der Strecke gekostet haben. Architekt war wieder einmal der Aachener Hermann Tilke. Dennoch wäre der Premieren-Grand-Prix im Jahr 2010 wegen Bauverzögerungen beinahe nicht zustande gekommen.

      Auch die Umgebung rund um den Kurs, wo in den nächsten Jahren eine künstlich angelegte Hafenstadt entstehen soll, genießt einen zweifelhaften Ruf. Rotlicht-Hotels, zumindest gewöhnungsbedürftige hygienische Zustände und organisatorisches Chaos hinterließen im ersten Jahr der Veranstaltung einen fahlen Beigeschmack.

      Voll gelungen ist dafür zumindest aus fahrerischer Sicht die Strecke, die über 18 Kurven, mindestens eine gute Überholmöglichkeit und eine langgezogene Zielkurve verfügt. Zudem können Wetterkapriolen den Grand Prix von Südkorea jederzeit zu einem Chaos-Klassiker werden lassen, wie das 2010 der Fall war.
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      WM-Führung: Vettel siegt im "Gangnam-Style"

      WM-Führung: Vettel siegt im "Gangnam-Style"

      Doppelsieg und WM-Führung für Red Bull in Südkorea, Fernando Alonso immerhin auf dem Podium, aber McLaren verabschiedet sich aus dem Titelrennen

      Bei der Premiere im Jahr 2010, als sein Renault-Motor spektakulär die Kolben ausspuckte, hätte er in Yeongam beinahe seinen ersten WM-Titel verloren, aber seither liebt Sebastian Vettel den "Gangnam-Style": Der Red-Bull-Pilot wiederholte heute mit einer eindrucksvollen Vorstellung seinen Vorjahressieg beim Grand Prix von Südkorea und übernahm damit erstmals seit dem 27. Mai auch wieder die Führung in der Fahrerwertung der Formel-1-Weltmeisterschaft 2012.

      Vettel ging am Start an Polesetter Mark Webber vorbei, der zwar auf der langen Gerade zu kontern versuchte, aber unter Teamkollegen keine Dummheiten anstellte und zurücksteckte. Es dauerte vier Runden, bis Vettel Webber aus der DRS-Sekunde abgeschüttelt hatte, doch von da an entwickelte sich das Rennen zu einem souveränen Solo für den Deutschen. Am Ende gewann er nach 55 Runden 8,2 Sekunden vor Webber und 13,9 Sekunden vor Fernando Alonso (Ferrari). Abgewinkt wurde das Trio übrigens von YouTube-Star-Rapper Psy.

      "Das war ein großartiges Rennen", strahlt Vettel. "Die Basis für diesen Erfolg war der Start, vor dem ich etwas Bedenken hatte, weil ich auf der schmutzigen Seite startete. Ich kam jedoch gut weg, hatte gute Traktion und guten Grip. Marks Räder drehten etwas durch, weshalb ich mich neben ihn setzen konnte. Anschließend ging es auf die extrem lange Gerade. Ich konnte Mark neben mir hören, schaltete bis in den siebten Gang und benutzte KERS, um meine Position zu verteidigen."

      Gleich viele Siege wie Clark und Lauda
      "Glücklicherweise kam ich gut aus der dritten Kurve heraus und konnte vorne bleiben. Anschließend versuchte ich, mich abzusetzen. Das war vor allem im ersten Stint nicht einfach, weil Mark mir die ganze Zeit dicht auf den Fersen war", schildert der nunmehr 25-fache Grand-Prix-Sieger. "Ich denke, wir haben heute einen weiteren großen Schritt gemacht. Das ist genau das, was wir brauchen, und hoffentlich können wir dieses Momentum in den nächsten Rennen aufrechterhalten."

      "Mit dem Start hat er den Grundstein gelegt", analysiert Experte Marc Surer, "denn er wusste, Webber wird nicht auf Biegen und Brechen angreifen. Somit war der Weg frei. Und wenn Vettel vorne fährt, das wissen wir, dann kann er auch gewinnen." Für Red Bull gab es in der ersten Runde zwei heikle Momente: Als Lewis Hamilton am besten von der Linie wegkam, blockten Vettel/Webber den McLaren-Fahrer geschickt ab, und am Ende der langen Geraden bremsten sie spät genug, um Alonso keine Lücke zu lassen.

      Von da an machte Red Bull alles richtig: Vettel baute sich bis zum ersten Boxenstopp einige Sekunden Vorsprung auf, sodass man Webber vor dem Führenden reinholen konnte, um nicht Gefahr zu laufen, nach hinten eine Position gegen Alonso zu verlieren. Allerdings stieg am Kommandostand die Nervosität, als an immer mehr Autos quer durch das Feld der rechte Vorderreifen abbaute. "Pass auf die Reifen auf! Von jetzt an kann alles passieren", wurde Vettel gewarnt.

      Vettel von Reifensorgen unbeeindruckt
      "Gott sei Dank ist nichts Gröberes passiert, außer einmal ein stehendes Rad in Kurve drei. Aber ich hatte genug Vorsprung", relativiert der Sieger, der sich von seinem Renningenieur Guillaume Rocquelin neuerlich nur widerwillig einbremsen ließ, nachdem er die schnellste Runde in den Asphalt gebrannt hatte. Kein Wunder, dass Adrian Newey Vettel vor der Siegerehrung ins Ohr flüsterte: "Wir waren ein bisschen nervös." Der Stardesigner hatte phasenweise sogar seine Hände zusammengefaltet...

      Auch für den zweitplatzierten Webber war es ein Kampf gegen den Reifenverschleiß: "Die ersten beiden Stints waren sehr schwierig für mich, im letzten stimmte die Balance dann schließlich. Da war es jedoch schon zu spät. Es freut mich aber für Seb, der super gefahren ist, und für das Team, das einen tollen Job gemacht hat. Natürlich bin ich etwas enttäuscht, aber andererseits freue ich mich auch über dieses gute Ergebnis", so der Australier.

      Ferrari-Nichtangriffspakt bremst Massa
      Hinter dem Red-Bull-Express rollten die beiden Ferraris im Paarlauf, planmäßig Alonso vor Felipe Massa. Aber der Brasilianer, der am Start an Kimi Räikkönen (Lotus) vorbeigegangen war und später von Hamiltons Reifen- und Stabilisator-Problemen profitierte, fuhr wie schon vergangene Woche in Suzuka ein starkes Rennen und musste von der Scuderia sogar zurückgepfiffen werden, als er seinem Teamkollegen zu gefährlich wurde.

      "Du bist ein bisschen zu nahe an Fernando dran", funkte Renningenieur Rob Smedley in Runde 38. Surer muss grinsen: "Dass er Alonso nicht angreifen würde, war klar. Aber dass er nicht einmal aufschließen darf, war schon hart. Massa ist spazieren gefahren. Er fuhr manchmal eine schnellste Runde, dann aber wieder eine langsame, um Alonso nicht zu nahe zu kommen. Er wäre der Einzige, der Vettel gefährlich werden hätte können, aber er durfte nicht."

      Zu Alonsos Ehrenrettung sei gesagt: "Er hatte Graining und musste langsam fahren, um über die Distanz zu kommen", analysiert Surer. Der Spanier, der am Podium aber trotz verlorener WM-Führung lächeln konnte, ist jedenfalls zufrieden: "Red Bull ist derzeit schwierig zu schlagen. In der Gesamtwertung ist Ferrari an McLaren vorbeigezogen. Das ist etwas, was wir vor zwei, drei Rennen nicht unbedingt erwartet hatten. Wir bewegen uns in die richtige Richtung."

      Ferrari fast auf Augenhöhe mit Red Bull
      Vor allem war auch der gezeigte Speed ermutigend: "Massa hat gezeigt, dass der Ferrari siegfähig wäre, wenn alles passt", stellt Surer fest. McLaren erlebte hingegen einen Sonntag zum Vergessen und muss die WM-Hoffnungen wohl begraben. Das Fiasko begann für den britischen Erfolgsrennstall schon in der ersten Runde, als Jenson Button von Kamui Kobayashi abgeschossen wurde, wofür der Sauber-Pilot später eine Durchfahrstrafe kassierte.

      Button und Nico Rosberg (Mercedes) fuhren Seite an Seite die lange Gerade runter, doch Kobayashi verschätzte sich am Bremspunkt, wurde zwischen den beiden eingeklemmt und beförderte alle zwei silbernen Fahrzeuge aus dem Rennen. "Sorry", entschuldigt sich der Japaner via Twitter. Rosberg zeigt aber wenig Verständnis: "Ich habe die Bilder noch nicht gesehen, aber ich habe verdammt spät gebremst. Dass mich da noch jemand von hinten trifft, hat mich schon überrascht."

      Button sah den Zwischenfall so: "Ich nutzte den Windschatten von Nico. Plötzlich gab es einen Schlag aufs Vorderrad und Kobayashi flog an mir vorbei. Angesichts der Tatsache, dass dies die Königsklasse des Motorsports ist, ist das schon ein ziemliches Armutszeugnis. Das Rennen ist doch so lang! Die Fahrer an der Spitze kämpfen um Siege, um wichtige Punkte. Manche Leute müssen das erst noch lernen. Ob ihnen das irgendwann gelingen wird, weiß ich ehrlich gesagt nicht."

      Hülkenberg mit sensationeller Leistung
      McLaren-Teamkollege Hamilton fiel indes sukzessive immer weiter zurück - und als er als einziger Fahrer im gesamten Starterfeld ein drittes Mal die Reifen wechseln musste, war sein Arbeitstag endgültig gelaufen. Der Brite konnte sich zwar zunächst noch gegen Romain Grosjean (Lotus) wehren, der am Ende Siebter wurde - aber vom Zweikampf der beiden profitierte Nico Hülkenberg (Force India), für Experte Surer heute "der Mann des Rennens".

      "Das war ein Bravourstück! Vom achten Platz auf den sechsten zu fahren, ist sehr, sehr stark mit einem Force India", lobt der Schweizer. Die Möglichkeit für das 1A-Überholmanöver ergab sich durch Grosjeans gescheiterte Attacke außen am Ende der langen Geraden: "Grosjean war schon vorne, hätte richtig reinziehen können", findet Surer. "Das war das Manöver des Rennens, muss man ganz klar sagen. Grosjean war vorsichtig. Für seine Verhältnisse ein sehr verhaltenes Rennen."

      Aus Sicht von Hülkenberg enstand die Attacke "ganz spontan aus der Situation heraus. Ich lag hinter Romain und wir hatten beide DRS aktiviert. Wir liefen auf Lewis auf, der langsam war. Die beiden gerieten sich in die Wolle und ich hatte mir noch etwas KERS aufgespart. Beide bremsten relativ früh und ich fuhr daneben. Lewis versuchte noch, mich rauszudrücken, doch ich dachte mir: 'Wenn ich schon mal so weit bin, dann muss ich auch reinhalten.' Ein cooles Manöver!" Das mit Platz sechs belohnt wurde.

      Starke Vorstellung von Toro Rosso
      Auf Räikkönen fehlten am Ende 8,5 Sekunden, auf Grosjean hatte er 9,5 Sekunden Vorsprung. Dahinter sicherten sich die Toro-Rosso-Junioren überraschend die Positionen acht und neun. Daniel Ricciardo hatte schon mit einem Raketenstart (von 21 auf 15) und einigen Bestzeiten im ersten Sektor angedeutet, dass heute etwas geht, und als die beiden intern die Positionen tauschten, um den attackierenden Hamilton in Schach zu hielten, bewiesen sie auch taktisches Geschick.

      Jean-Eric Vergne hatte am Ende 2,1 Sekunden Vorsprung auf seinen Teamkollegen. Ricciardo war mit abbauenden Reifen schon auf einen beinharten Zweikampf mit Hamilton eingestellt, doch der McLaren-Pilot kam in einer Linkskurve etwas neben die Strecke und fing sich mit dem rechten Seitenkasten ein zuvor gelockertes Stück Rasenteppich auf. Das störte die Aerodynamik und kostete ihn im Finish entscheidende Geschwindigkeit.

      Hamilton, der ab dem zweiten Stint mit defektem Stabilisator kämpfte, geriet in der letzten Runde seinerseits sogar noch unter Druck von seinem McLaren-Nachfolger Sergio Perez, rettete aber 0,3 Sekunden über die Ziellinie. Der scheidende Sauber-Pilot war am Start viel zu aggressiv, bremste spät und rasselte von hinten in Hülkenbergs Force India. Dabei handelte er sich einen Schaden an der Spitze der Frontpartie ein. Diese wurde jedoch während der beiden Boxenstopps nicht gewechselt.

      Schumacher mit Getriebeproblemen farblos
      Paul di Resta (Force India) startete genau wie zum Beispiel auch Button und das Sauber-Duo auf den härteren Soft-Reifen. "Das war die falsche Strategie", ärgert er sich über Platz zwölf. Hinter ihm landete Michael Schumacher (Mercedes), der sich stufenweise aus den Top 10 "kämpfte" und einige Runden vor Schluss über ein sich anbahnendes Getriebeproblem informiert wurde. Am Ende fehlten eineinhalb Minuten auf Sieger Vettel.

      Ganz hinten gab es keine Überraschungen: Caterham vor Marussia und HRT - allerdings sah nur ein HRT die Zielflagge, weil Pedro de la Rosa wegen eines DRS-Defekts aus dem Rennen genommen wurde. "Wir wollen keinen Unfall riskieren", funkten die Spanier. Insgesamt sahen heute 20 von 24 gestarteten Autos die Zielflagge. Nur Charles Pic (19./Marussia) und Narain Karthikeyan (HRT) wurden zweimal überrundet.

      In der Fahrer-WM führt Vettel nun sechs Punkte vor Alonso und 48 vor dem immer noch drittplatzierten Räikkönen. "Die WM ist jetzt ein Zweikampf, nachdem Hamilton nicht richtig punkten konnte", legt sich Experte Surer fest. Theoretisch haben noch sechs Fahrer Titelchancen. Bei den Konstrukteuren führt weiterhin Red Bull (367), allerdings jetzt vor Ferrari (290) und nicht mehr vor McLaren (284). Lotus liegt auf Platz vier (255).
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      Großer Preis von Indien / Noida

      Großer Preis von Indien / Noida

      Ein Jahr nach Südkorea wurde 2011 mit Indien ein weiteres asiatisches Land in den Grand-Prix-Kalender aufgenommen. Als Schauplatz für die Premiere diente der brandneue Buddh-International-Circuit, der in Zusammenarbeit mit dem deutschen Architekten Hermann Tilke entwickelt wurde. Fahrerisch gilt der Kurs als recht interessant und anspruchsvoll.

      Die Bauarbeiten wurden auf den letzten Drücker abgeschlossen - noch in der Woche vor dem ersten Rennen hatten sich vereinzelt Familien mit ihren Haustieren in der Boxengasse einquartiert -, doch grundsätzlich, da sind sich alle Experten einig, haben die Inder ihre Sache gut gemacht. Den historischen ersten Sieg sicherte sich übrigens Sebastian Vettel, der in jener Saison auch Weltmeister werden sollte.

      Der Name der Strecke ist übrigens kein Zufall - er erinnert an Buddha und soll ein Zeichen für Frieden und innere Ruhe setzen. Allerdings ist die Formel 1 in Indien auch ein (negatives) Symbol für die Unterschiedlichkeit der Gesellschaftsschichten, denn für viele Menschen sind die Eintrittspreise viel zu teuer.

      Noida ist eine Vorstadt von Delhi und liegt im Bundesstaat Uttar Pradesh. Die Strecke wurde von einer Firma namens Jaypee Sports International erbaut und wird als Teil eines größeren Freizeitkomplexes gesehen, der in den nächsten Jahren erbaut werden soll.
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      Indien GP / Buddh International Circuit

      Indien GP / Buddh International Circuit

      Vettel dominiert in Indien: Sieg vor Alonso
      Besser geht's nicht: Sebastian Vettel gewinnt den Grand Prix in Noida vor Alonso und Webber - Mercedes mit blamabler Vorstellung ohne WM-Punkte
      Der Titel-"Vettrick" ist zum Greifen nah: Mit einer überragenden Performance am gesamten Wochenende sicherte sich Sebastian Vettel (Red Bull) beim Grand Prix von Indien seinen vierten Sieg hintereinander und baute damit den WM-Vorsprung auf Fernando Alonso (Ferrari), heute in Noida Zweiter, von sechs auf 13 Punkte aus. "Hinter Vettel", bringt Experte Marc Surer den Rennverlauf auf den Punkt, "war schon Spannung da, aber Vettel war von Anfang an klar."

      Nach Bestzeit in allen Freien Trainings und der Pole-Position fuhr der 25-jährige Deutsche auch heute in einer eigenen Liga. Einziger Fleck auf der ansonsten lupenreinen Weste dieses Wochenendes: Die schnellste Rennrunde sicherte sich McLaren-Pilot Jenson Button (1:28.203 Minuten in der 60. und letzten Runde). Aber Vettel wirkte zu keinem Zeitpunkt so, als sei er am Limit, und fuhr letztendlich 9,4 Sekunden vor seinem Konkurrenten Alonso über die Ziellinie.

      "Zweimal hierher zu kommen und zweimal zu siegen, das ist klasse! Ich freue mich außerordentlich", jubelt der in Indien noch ungeschlagene Heppenheimer. "Was es mit dieser Strecke auf sich hat, weiß ich ehrlich gesagt gar nicht - mir gefällt einfach der Flow dieser Bahn. Am Start war es ein bisschen eng. Mark hatte vielleicht den um einen Tick besseren Start, doch ich war dann etwas später auf der Bremse. So konnte ich vorne bleiben."

      Vorentscheidung in der ersten Runde
      Schon nach der ersten Runde hatte Vettel nach gewonnenem Start seinen Teamkollegen Mark Webber aus der DRS-Sekunde abgeschüttelt. Nach fünf Runden waren es 2,4 Sekunden, nach 13 Runden 3,6. Als Webber in der 30. Runde zum einzigen Boxenstopp reinkam, betrug der Abstand schon 12,0 Sekunden - von da an hatte Vettel leichtes Spiel. Der Deutsche ist damit der erste Fahrer seit Ayrton Senna 1989, der drei Rennen hintereinander jede einzelne Runde geführt hat!

      Die Diskussionen darüber, was geschehen würde, sollte Webber den Start gewinnen, würgte Vettel gleich in der ersten Kurve ab. Zwar kam der Australier vom zweiten Platz tatsächlich etwas besser weg, doch beim Einlenken riskierte er nicht Kopf und Kragen, sondern reihte sich hinter dem Polesetter ein. Tolles Racing dahinter: Alonso schnappte sich erst beide McLaren-Piloten in einem Aufwasch, musste dann aber beide wieder passieren lassen.

      Letztendlich konnte sich der Ferrari-Fahrer zumindest zwischen Jenson Button und Lewis Hamilton setzen - und in der vierten Runde schob er sich dank DRS-Knöpfchen mühelos auch an McLaren Nummer zwei vorbei und war Dritter. Es dauerte nicht lange bis zum teaminternen Platztausch zwischen Button und Hamilton, und dahinter reihten sich Felipe Massa (Ferrari), Kimi Räikkönen (Lotus), Sergio Perez (Sauber), Nico Hülkenberg (Force India) und Nico Rosberg (Mercedes) ein.

      Wieder technische Probleme bei Red Bull
      Die größte Spannung bezog der Grand Prix aus den KERS-Problemen von Webber in den letzten 15 Runden, durch die Red Bull den möglich scheinenden Doppelsieg noch verlor. Immerhin verteidigte Webber in der Schlussphase sein Podium gegen den von hinten heranstürmenden Hamilton, doch der verbremste sich in der vorletzten Runde ausgerechnet vor der DRS-Zone, fuhr vor der letzten Runde mit 1,1 Sekunden Rückstand über die Ziellinie und war am Ende um 0,6 Sekunden zu langsam.

      Trotzdem sorgte Hamilton für eines der Highlights des Rennens, als seine Crew den Boxenstopp in 3,3 Sekunden abwickelte, obwohl gleichzeitig das Lenkrad gewechselt werden musste! Den schnellsten Boxenstopp des Tages absolvierte Vettels Red-Bull-Team in 2,6 Sekunden. Ferrari witterte gegen den späteren Sieger einmal eine kleine Chance: "Bei Vettel funkt der Unterboden wie die Hölle. Push!", funkte Renningenieur Andrea Stella.

      Dabei war das "kein Problem", wie der ehemalige Formel-1-Pilot Adrian Sutil analysiert: "Da hat Ferrari ein bisschen übertrieben. Das war halt eines der einzigen Male, dass Vettel das DRS benutzt hat. Durch den Geschwindigkeitsüberschuss wurde das Auto auf den Boden gedrückt und setzte auf. Das Auto war klar für Platz eins abgestimmt, für die Führung. Kaum verwendet er einmal DRS, schleift schon der Unterboden."

      Weniger überlegen auf den harten Reifen
      Aber Vettel hatte alles im Griff: "Auf den weichen Reifen haben wir uns sehr gut gefühlt. Es hat alles prima gepasst. Wir hatten das Tempo, um noch einen draufzusetzen. Auf den harten Reifen waren die anderen etwas näher dran. Deshalb war es wichtig, nach dem ersten Boxenstopp einen Abstand zu haben. Es sieht nach einem perfekten Wochenende aus. Ich bin sehr zufrieden. Ich hoffe natürlich, dass es nächste Woche direkt so weitergeht."

      Das hofft Alonso natürlich nicht: "Im Augenblick ist es nicht einfach, gegen Red Bull zu kämpfen", seufzt der Zweite des heutigen Rennens in Noida. "Wir werden nicht aufgeben. Heute dürfen wir zufrieden sein, auch wenn wir ihnen gratulieren müssen - sie waren an diesem Wochenende fantastisch unterwegs. Aber wir wollen in Brasilien jubeln, nicht nur hier. Ich bin mir sicher: Es kann uns immer noch gelingen!"

      "Wir haben zwar Punkte verloren, doch das war an diesem Wochenende fast vorprogrammiert. Wir waren nicht schnell genug, um es mit ihnen aufzunehmen. Wir haben so wenige Punkte verloren wie möglich. Es werden wieder bessere Rennen kommen. Wir waren zwar schnell auf den Geraden, doch in den Kurven fehlt es uns noch ein bisschen an Grip. Hoffentlich wird sich das in den nächsten Rennen bessern", bilanziert der Ferrari-Pilot.

      Button: Fünfter Platz, schnellste Rennrunde
      26,2 Sekunden nach dem Sieger kam Button als Fünfter über die Ziellinie. Der Brite hatte mit Untersteuern zu kämpfen - meldete dies in der 21. Runde und kam im 26. Umlauf als Erster der Topfahrer an die Box, um von den weichen Option- auf die harten Prime-Pirellis zu wechseln. Zum Vergleich: Vettel wechselte in der 33., Webber in der 30. und Alonso in der 29. Runde. Alle Topfahrer setzten auf eine Einstopp-Strategie.

      Sonderlob von Ferrari kassierte einmal mehr Massa, denn der Brasilianer wurde schon früh im Rennen angewiesen, Benzin zu sparen, hielt dem Druck von Räikkönen aber stand und rettete eine halbe Sekunde über die Ziellinie. Kurz darauf blieb er tatsächlich stehen. Nach seinem Boxenstopp war Massa vor dem "Iceman" auf die Strecke gekommen, der hatte aber die bessere Traktion und ging vorbei - ein taktischer Fehler, denn in der DRS-Zone gewann der Ferrari-Pilot die Position mühelos zurück.

      Den Tag von Vijay Mallya rettete Nico Hülkenberg mit Platz acht für das heimische Force-India-Team: Der Deutsche machte gleich zu Beginn drei Positionen gut, überholte in Runde 14 ausgerechnet seinen Sauber-Vorgänger Perez, setzte bei freier Fahrt gleich einmal absolute Bestzeit im ersten Sektor und brachte seine Position sicher ins Ziel, obwohl Romain Grosjean (Lotus) mit den schnelleren Option-Reifen von hinten drückte.

      "Das Beste oder nichts": Nichts für Mercedes
      Den letzten Punkt staubte Bruno Senna (Williams) ab - dank eines Überholmanövers gegen Rosberg, dem er bis zur Zieldurchfahrt noch 6,7 Sekunden aufs Auge drückte. "Das war wirklich sehr ernüchternd", seufzt Rosberg. "Ich habe voll attackiert, und dann zieht da auf einmal der Senna an mir vorbei. Ich dachte nur: 'Das kann ja wohl nicht wahr sein!' Nichts gegen ihn, aber das kann ja eigentlich nicht sein, dass die hier schneller sind als wir."

      Noch schlechter lief es für Teamkollege Michael Schumacher, dem Jean-Eric Vergne (Toro Rosso) gleich am Start einen Hinterreifen aufschlitzte. "Damit war das Rennen für mich eigentlich schon vorbei", so der siebenmalige Weltmeister, der ein paar Runden vor Schluss aus taktischen Gründen aus dem Rennen genommen wurde. "Zwischenzeitlich waren wir recht schnell unterwegs, das war gar nicht mal so verkehrt. Aber es war nicht gerade das Gelbe vom Ei."

      Zu allem Überdruss droht wegen Ignorierens blauer Flaggen auch noch eine nachträgliche Strafe: "Ich wollte gerade Grosjean vorbeilassen, dann kam aber jemand aus der Box - ich glaube, es war Maldonado -, der wiederum Grosjean fast ins Aus befördert hat. Dadurch wurde die Lücke wieder größer und ich konnte eine Zeit lang fahren. Die blauen Flaggen blieben allerdings, was ich nicht ganz verstehe. Das muss man sich nochmal angucken", rechtfertigt sich Schumacher.

      Vibrationen bremsen Glock enorm
      Der 43-Jährige kam als 22. trotzdem in die Wertung. Nicht klassiert wurden HRT-Altstar Pedro de la Rosa (Unfall nach Bremsdefekt) und Perez (Reifenschaden nach Berührung bei einer Attacke gegen Daniel Ricciardo im Kampf um Platz 14). Timo Glock (Marussia) wurde 20., eine Runde hinter seinem Teamkollegen Charles Pic. Grund dafür: Untersteuern wegen einer Vibration rechts vorne. "Zumindest bist du ins Ziel gekommen", funkte sein Renningenieur.

      In der Fahrer-WM hat Button heute seine letzten theoretischen Chancen auf den Titel verloren. Vettel führt nun 13 Punkte vor Alonso und 67 vor Räikkönen - es spitzt sich also alles auf ein Duell zu. "Wichtig war, vor Fernando zu sein", sagt Vettel, warnt aber: "Trotzdem müssen wir auf dem Boden bleiben. Es ist noch ein weiter Weg. Jedes Rennen kann entscheidend sein. Ein Schritt nach dem anderen. Ich glaube, das ist uns dieses Wochenende gelungen."

      Spannend bleibt der Kampf um Platz drei zwischen Räikkönen (173), Webber (167) und Hamilton (165). In der Konstrukteurs-WM hat Red Bull (407 Punkte) eine Hand schon am WM-Pokal - die Verfolger Ferrari (316) und McLaren (306) liegen weit zurück. Mercedes und Sauber verabschiedeten sich mit einem 0:0 aus Indien. Weiter geht's bereits in fünf Tagen mit den Freitagstrainings zum Grand Prix von Abu Dhabi.
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      Großer Preis von Abu Dhabi / Abu Dhabi

      Großer Preis von Abu Dhabi / Abu Dhabi

      2009 fand zum ersten Mal ein Grand Prix auf dem Yas-Marina-Circuit von Abu Dhabi statt. Mastermind hinter dem Projekt war der Franzose Philippe Gurdjian, der zuvor in Le Castellet tätig war. Gurdjian hat sein Team mit dem ehemaligen Toyota-Teammanager Richard Cregan verstärkt und hat bei seiner Ankunft in Abu Dhabi alle bis dahin vorliegenden Pläne über den Haufen geworfen - gemeinsam mit Streckenarchitekt Hermann Tilke.

      "The Best of both Worlds" sagen die Araber zu ihrem Nachtrennen, "nicht Fisch, nicht Fleisch", wurde vor der Premiere im Jahr 2009 in Europa geunkt. Aber Abu Dhabi ist mit dem Start in der Dämmerung und der Zielankunft in stockfinsterer Nacht ein echter Goldgriff gelungen, denn die TV-Bilder vom Yas-Marina-Circuit sind atemberaubend. Sieger beim ersten Grand Prix auf der von Hermann Tilke entworfenen Strecke: Sebastian Vettel. 2010 sorgte der Deutsche mit dem Gewinn des WM-Titels an gleicher Stelle für ein Stück deutsche Motorsportgeschichte.

      Ein Novum: Um die Boxenausfahrt auf der richtigen Seite mit der Strecke zusammenzuführen, musste ein unterirdischer Tunnel geschaffen werden. Der ist brutal eng - akute Staugefahr, sollte sich dort einmal jemand verschätzen und in der Mauer landen! Zumindest in den ersten Jahren ist aber alles gut gegangen.

      Eine langsamere Passage der Strecke führt mitten durch ein Hotel hindurch! Das Yas-Marina-Hotel verfügt über zwei Teile, die durch eine ins Gebäude integrierte "Brücke" miteinander verbunden sind. So kann man im Hotel stehen und die Formel-1-Autos unter sich durchdonnern sehen! Fahrerisch allerdings keine besondere Herausforderung.
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      Abu Dhabi GP / Yas-Marina-Circuit

      Abu Dhabi GP / Yas-Marina-Circuit

      Thriller in Abu Dhabi: Räikkönen ringt Alonso nieder
      Kimi Räikkönen ist die "coolste Sau" in der Wüstenhitze von Abu Dhabi und gewinnt ein packendes Rennen vor den WM-Rivalen Fernando Alonso und Sebastian Vettel
      Die Formel 1 drohte in den vergangenen Wochen schon fast langweilig zu werden, doch immer dann, wenn das der Fall ist, wird sie mit einem Paukenschlag aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt. So geschehen beim heutigen Dämmerungs-Grand-Prix in Abu Dhabi, bei dem in der arabischen Nacht zwar die Asphalttemperaturen nach Eindruck der Dunkelheit zurückgingen, der Puls der Beteiligten aber rasant in die Höhe schnellte. Denn die Entscheidung um den Sieg fiel erst in der allerletzten Runde.

      Kimi Räikkönen setzte sich am Ende gerade mal 0,8 Sekunden vor Fernando Alonso (Ferrari) durch und bescherte der Marke Lotus damit den ersten Sieg seit Ayrton Senna in Detroit 1987. Doch wer glaubt, dass der "Iceman" zumindest bei einem solch historischen Ereignis euphorisch wird, der irrt: "Beim letzten Mal hatte ich Scheiße, weil ich nicht genug gelächelt habe. Das könnte dieses Mal wieder der Fall sein", grinst er im Gespräch mit Podiums-Interviewer David Coulthard. Aber: Aus dem WM-Rennen ist Räikkönen trotzdem endgültig raus.

      Dafür kann Sebastian Vettel mit seinem dritten Platz mehr als zufrieden sein: erst der Start aus der Boxengasse, dann ein beschädigter Frontflügel nach Kollision mit Bruno Senna (Williams), später ein Boxenfunk-Wutanfall wegen Toro-Rosso-Junior Daniel Ricciardo, der während der Safety-Car-Phase vor seiner Nase bremste. Nach dem Ausweichmanöver samt Kollision mit dem DRS-Schild war der Frontflügel endgültig hinüber und der Red-Bull-Pilot musste früher als geplant an die Box kommen, fiel wieder zurück.

      Tolle Aufholjagd von Vettel wird belohnt
      Doch das Safety-Car half ihm bei seiner Aufholjagd, sodass er selbst nach dem zweiten notwendigen Boxenstopp nur vom zweiten auf den vierten Platz zurückfiel. Eine weitere Safety-Car-Phase, und Vettel war sogar an Räikkönen, Alonso und Jenson Button (McLaren) dran - und als er dann auch noch Button mit einem konsequenten, aber von beiden Seiten fair durchgeführten Manöver außen überholte (ausgerechnet an der Stelle, wo sein Teamkollege Mark Webber gleich zweimal kollidiert war), stand er plötzlich auf dem Podium!

      "Es war ein gutes Rennen für uns, das unheimlich viel Spaß gemacht hat", strahlt Vettel. "Einmal das Feld von hinten aufzurollen, reicht normalerweise, aber wir haben es heute zweimal gemacht! die ersten Runden waren nicht ganz einfach. Ich wollte so schnell wie möglich an den Autos vor mir vorbei, um den Anschluss an die Spitze nicht zu verlieren. Dabei habe ich mir den Frontflügel beschädigt, was nicht ideal war. Während der Safety-Car-Phase, als wir schon in einer ziemlich guten Position waren, habe ich mir den Frontflügel dann komplett zerstört."

      "Ich denke, wir hatten das gesamte Rennen über den Speed, und die zweite Safety-Car-Phase hat uns mit Sicherheit geholfen. Nichtsdestotrotz hat uns heute ausgezeichnet, dass wir von Anfang an daran geglaubt haben", unterstreicht der WM-Leader. "Die Strafe haben wir hingenommen und das Rennen heute bei den Hörnern gepackt und von Anfang bis Ende alles gegeben. Wir haben immer an das Podium geglaubt. Das war zu Beginn des Rennens mein Ziel, auch wenn es ziemlich weit weg war."

      "Iceman" in seinem Element: "Lasst mich in Ruhe!"
      Aber die "coolste Sau" des Abends war definitiv Räikkönen: "Lasst mich in Ruhe! Ich weiß schon, was ich tue", rügte er seinen Renningenieur aufgrund der ständigen Anweisungen während des Rennens, und später antwortete er auf den Hinweis während der Safety-Car-Phase, er solle seine Reifen auf Temperatur halten, mit schnippischer Stimme: "Ja, ja, ja, mach ich doch die ganze Zeit!" Erst nach der Zieldurchfahrt war der Finne besser drauf: "Gute Arbeit. Danke, Jungs."

      Dabei wurde es im Finish noch einmal richtig eng: Nach dem zweiten Restart in Runde 43 baute er seinen Vorsprung zunächst auf bis zu 3,2 Sekunden aus, doch am Ende hatte Alonso den längeren Atem. Der Ferrari-Pilot schüttelte nach ein paar Runden Button aus der DRS-Sekunde ab - und half damit indirekt Vettel. Denn der fand zunächst keinen Weg am McLaren vorbei, weil der ja im Windschatten von Alonso ebenfalls DRS aktivieren durfte. Das war vorbei, als Alonso davonzog.

      Aber der Spanier witterte die Chance auf den Sieg. Der schien tatsächlich schon zum Greifen nahe, als er seinen Rückstand von 2,2 auf 2,0, 1,7, 1,4 und schließlich zwei Runden vor Schluss auf 1,0 Sekunden verringern konnte. Bei der DRS-Messung am Ende des ersten Sektors fehlten Alonso 15 Tausendstelsekunden, um das Knöpfchen drücken zu dürfen - im Nachhinein vielleicht rennentscheidend. Denn hätte er sich in der vorletzten Runde ransaugen können, wäre in der letzten ein kaum abzuwehrender Angriff möglich gewesen.

      Entscheidung erst in der letzten Runde
      Der Topspeed des Ferrari war dafür gut genug. Endgültig in der Tasche hatte Räikkönen den Sieg aber, als Alonso im letzten Sektor der vorletzten Runde kurz ins Rutschen kam und mit 1,2 Sekunden Rückstand über die Ziellinie fuhr. Weil Räikkönen im ersten Sektor traditionell Vorteile hatte, hätte er schon einen Fehler machen müssen, um noch einmal in DRS-Gefahr zu geraten, doch der Lotus-Pilot behielt die Nerven und konnte es sich sogar leisten, in der letzten Runde noch einmal 0,4 Sekunden zu verlieren.

      "Fernando hätte kein besseres Rennen fahren können", lobt Teamchef Stefano Domenicali, aber angesichts des guten Abschneidens von Vettel hielt sich Alonsos Freude auf dem Podium sichtlich in Grenzen. Trotzdem quälte er sich ein positiv klingendes Statement ab: "Ich bin sehr glücklich. Wir waren an diesem Wochenende nicht konkurrenzfähig. In den letzten Runden war Kimi etwas langsamer, aber letztlich war Platz zwei wirklich das Maximum. Es war somit wieder ein starkes Rennen."

      Räikkönen hatte den Grundstein für seinen Sieg schon am Start gelegt, als er sich vom vierten auf den zweiten Platz katapultierte, hinter Polesetter Lewis Hamilton. Der McLaren-Pilot sah übrigens wie der sichere Sieger aus, hatte schon 3,6 Sekunden Vorsprung, als in Runde neun das Safety-Car erstmals auf die Strecke ging. Damit war der Vorsprung dahin, aber Hamilton zog nach dem Restart gleich wieder auf und davon - obwohl er da noch mit den weicheren Reifen unterwegs war, die dem McLaren nicht so gut liegen.

      Hamilton in einer eigenen Liga
      "Das war sensationell, der fuhr ja eine halbe Sekunde schneller als die Konkurrenz", staunt sogar Experte Marc Surer. "Er konnte es kontrollieren, wie er wollte, und hätte heute locker gewonnen." Doch gerade als das packende Rennen erstmals ein bisschen einzuschlafen drohte, wurde Hamilton in der 20. Runde plötzlich langsamer und scherte mit technischem Defekt auf die Wiese aus. Erster Verdacht: ein Problem mit der Benzinpumpe.

      "Es lief eigentlich alles bestens", seufzt Hamilton, der sich nach dem Ausfall trotzdem mit Shakehands vom Kommandostand verabschiedete. "Dann gab es ein Problem mit der Benzinzufuhr - die Benzinpumpe war offenbar defekt. Als ich in eine Kurve einbog, starb der Motor einfach ab. Es ist niederschmetternd, denn wir hatten wirklich einen tollen Speed. Es war fast sicher, dass wir hier einen Sieg hätten feiern dürfen. Dennoch: Das Team hat einen guten Job gemacht - und das Rennen insgesamt war toll anzuschauen!"

      Damit übernahm Räikkönen die Führung, die er bis ins Ziel nicht mehr abgab. Vettel lag zu Beginn der ersten Safety-Car-Phase schon an zwölfter Stelle, trotz des beschädigten Flügels. Doch beim Warmhalten der Reifen kam es ausgerechnet mit einem Red-Bull-Kaderkollegen zu einem Missverständnis, was den Deutschen zu einem Wutanfall am Funk veranlasste: "Was macht der Kerl? Der hält ja ständig an. Jetzt habe ich das DRS-Schild getroffen, weil ich dem Kerl ausweichen musste. Fuck!"

      Surer nimmt Ricciardo aus der Schusslinie
      Surer nimmt den jungen Australier aber in Schutz: "Natürlich hat Ricciardo vor ihm versucht, die Bremse warm zu machen. Beim Reifen und Bremsen anwärmen gibt man schon immer mal wieder richtig Gas und stoppt dann. Vettel wurde dabei überrascht. Wir dürfen eine Szene nicht vergessen: In Singapur wäre Button Sebastian fast hinten draufgefahren. Da hat Vettel genau das gemacht, dass er plötzlich gebremst hat. Button konnte dort nur noch mit knapper Not ausweichen. Irgendwie erinnert mich die Szene genau daran."

      Die nächste kritische Situation dann in Runde 16, als Vettel im Kampf um Platz 18 Romain Grosjean (Lotus) überholte, dabei aber mit allen vier Rädern neben die weiße Streckenbegrenzung fuhr. "Wir melden es Charlie", wurde Grosjean vom Team umgehend informiert, aber Red Bull, nach dem Hockenheim-Fehler geläutert, reagierte schnell und teilte Vettel mit, Grosjean wieder durchzulassen. Schon wenig später war er zum zweiten Mal vorbei - diesmal auf legale Weise.

      Zwischendurch hatte man das Gefühl, Vettel könnte versuchen, sogar ohne Boxenstopp durchzufahren - was grundsätzlich möglich gewesen wäre, wie Pirelli-Sportchef Paul Hembery signalisierte. Aber in Runde 37 hatte das Rätselraten ein Ende und der zweimalige Abu-Dhabi-Sieger zog noch einmal frische Option-Reifen auf. Dass unmittelbar danach wieder das Safety-Car auf die Strecke kam und ihn in Buttons Windschatten brachte, war vielleicht ausgleichende Gerechtigkeit für all das Pech davor.

      Webber außer Rand und Band
      Hinter den beiden Zweikämpfen an der Spitze fuhr der von Platz drei gestartete Williams-Pilot Pastor Maldonado als Fünfter ein solides Ergebnis nach Hause. Maldonado lag nach Hamiltons Ausfall sogar an zweiter Stelle, wurde dann aber von Alonso überholt. Webber war bei seinem Manöver gegen den Venezolaner optimistisch und drehte sich nach einer leichten Berührung - genau wie ein paar Runden später beim gleichen Manöver an gleicher Stelle gegen Felipe Massa (Ferrari). Die Rennleitung griff jedoch nicht mit einer Strafe ein.

      Maldonado musste in weiterer Folge auch noch Button und Sergio Perez (Sauber) durchlassen, konnte aber Kamui Kobayashi (6./Sauber), Massa, Teamkollege Senna, Paul di Resta (Force India) und Ricciardo hinter sich lassen. Michael Schumacher (Mercedes) landete 0,6 Sekunden hinter den Punkterängen auf dem undankbaren elften Platz. Wegen eines Reifenschadens rechts hinten musste er kurz vor Schluss an die Box kommen. Zumindest glückte diesmal bei Nacht das Manöver gegen Jean-Eric Vergne (Toro Rosso) - ganz im Gegensatz zu Singapur.

      Nur 17 von 24 gestarteten Autos sahen beim drittletzten Grand Prix des Jahres die Zielflagge. Nico Hülkenberg (Force India) erwischte es gleich am Start im Zuge einer Viererkollision, bei der er "zwischen Paul und einem Sauber (Perez; Anm. d. Red.)" eingeklemmt wurde. Hülkenberg war nur noch Passagier und krachte in den Williams von Senna, schied sofort aus. "Nico wurde eingeklemmt. Dafür kann er nichts", findet Experte Surer. Die Rennleitung sah das genauso.

      Hülkenberg fühlt sich nicht schuldig
      Hülkenberg selbst sowieso: "Paul innen, ein Sauber außen", schildert er die Situation in der Bremszone vor der ersten Kurve. "Ich wurde mehr oder weniger zerquetscht, und dann war ein Kontakt nicht mehr zu verhindern. Ich muss mir noch die Videos anschauen, aber ich war definitiv auf halber Höhe von beiden anderen Autos. Die haben beide in mich reingelenkt und ich konnte nirgendwo mehr hin. Beide haben nicht viel Platz gelassen. Vielleicht einfach ein Rennunfall."

      Für Nico Rosberg (Mercedes) begann der Arbeitstag mit einer Berührung mit Grosjean, die ihm den Frontflügel und den Franzosen einen Reifenschaden kostete. Doch es sollte noch viel schlimmer kommen: Der Deutsche lief in Runde acht auf Narain Karthikeyan auf, dessen HRT in einer Dreifach-Rechtskurve Hydrauliköl zu verlieren schien und plötzlich langsamer wurde. Rosberg konnte nicht mehr reagieren, krachte ins Heck des Inders, stieg in die Luft auf und segelte mit hoher Geschwindigkeit in die Reifenstapel. Zum Glück blieben beide unverletzt.

      "Es fühlte sich im Auto nicht so heftig an, wie es von außen vielleicht ausgesehen hat", relativiert der Mercedes-Pilot. "Bei Karthikeyan ist die Lenkung gebrochen und er ist dann voll in die Eisen gestiegen. Dort ist es fast noch die Gerade, man fährt dort locker noch Vollgas. Das konnte ich natürlich nicht ahnen. Ich bin ihm voll hinten draufgefahren. Es war ein Schreckmoment. Ich sah blauen Himmel und hoffte, dass ich nicht irgendwo kopfüber lande. Es ist aber recht gut gegangen."

      Perez löst Massenkarambolage aus
      Auslöser für die zweite Safety-Car-Phase in Runde 38 war dann Perez, der dafür mit einer Zehn-Sekunden-Strafe belegt wurde. Der Sauber-Pilot attackierte di Resta, drängte den Force India erst links von der Strecke, musste dann selbst rechts runter - bis ihnen der Platz ausging und die von hinten kommenden Grosjean und Webber nicht mehr ausweichen konnten. Der siebte und letzte Ausfall des heutigen Tages war dann Timo Glocks Marussia-Teamkollege Charles Pic, der mit Motorschaden in die Garage geschoben wurde.

      In der Weltmeisterschaft fiel heute eine wichtige Entscheidung: Obwohl Räikkönen mit seinem ersten Sieg seit Spa-Francorchamps 2009 (auf Ferrari) erstmals in dieser Saison 25 Punkte einfuhr, reduziert sich der Titelkampf nun auch rechnerisch auf Vettel (255 Punkte) und Alonso (245). Sollte Vettel in zwei Wochen bei der US-Premiere in Austin Dritter werden und Alonso leer ausgehen, würde sich der Titelverteidiger im 100. Grand Prix seiner Karriere vorzeitig zum dreimaligen Weltmeister krönen.

      Aber Vettel warnt davor, nach dem heutigen Ergebnis in Euphorie zu verfallen: "Es sind noch zwei Rennen, und wir haben gesehen, wie schnell sich das Blatt wenden kann." Schon wahrscheinlicher hingegen, dass Red Bull (422) in Austin den zweiten "Matchball" in der Konstrukteurs-WM verwerten kann, denn dort beträgt der Vorsprung auf Ferrari (340) schon 82 Punkte. Dritter ist McLaren (318), Vierter Lotus (288). Mercedes hat im Kampf um Platz fünf nur noch zwölf Zähler Vorsprung auf Sauber.
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      Großer Preis der USA / Austin

      Großer Preis der USA / Austin

      Im Sommer 2010 wurde völlig überraschend bekannt gegeben, dass der Grand Prix der USA auf den Formel-1-Kalender zurückkehren wird. Ebenso überraschend wurde die texanische Hauptstadt Austin als Austragungsort bestätigt. Seither wird dort an der neuen Rennstrecke, dem Circuit of The Americas, gebaut.

      Das Projekt entsteht unter der Regie des deutschen Architekten Hermann Tilke. Das 5,5 Kilometer lange Layout wurde von traditionellen Grand-Prix-Strecken inspiriert, unter anderem Silverstone (Becketts), Hockenheim (Motodrom) und Istanbul (Kurve acht). Außerdem sind relativ große Höhenunterschiede geplant, beispielsweise durch die Steigung auf dem Weg zur ersten Kurve.

      Initiiert wurde der Austin-Grand-Prix zunächst von Tavo Hellmund, einem langjährigen Freund der Familie Ecclestone. Ende 2011 kam es jedoch zu Vertragsstreitigkeiten, sodass die für 2012 angesetzte Premiere ins Wackeln geriet.
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      USA GP / Circuit of the Americas

      USA GP / Circuit of the Americas

      "Cowboy" Hamilton verdirbt Vettel die WM-Party
      Red Bull ist schon Weltmeister, Sebastian Vettel noch nicht: In Austin belegt der Deutsche Platz zwei hinter Lewis Hamilton und vor WM-Gegner Fernando Alonso
      Bestzeit in allen drei Freien Trainings, Bestzeit in allen drei Qualifyings, Führender nach der ersten Kurve - aber Sebastian Vettel (Red Bull) hat es nicht geschafft, den ersten US-Grand-Prix seit seiner Formel-1-Premiere in Indianapolis 2007 zu gewinnen. Stattdessen triumphierte heute in Austin genau wie damals Lewis Hamilton auf McLaren.

      Im 100. gemeinsamen Grand Prix standen Hamilton, Vettel und Fernando Alonso (Ferrari) zum ersten Mal gemeinsam auf dem Podium, und damit ist auch die Entscheidung in der Fahrer-WM auf den Grand Prix von Brasilien in einer Woche vertagt. Trotzdem darf sich Dietrich Mateschitz zu Hause in Fuschl zur Feier des Tages einen Schuss Wodka in sein Red Bull mischen, denn weil Ferrari wie erwartet nicht den benötigten Doppelsieg gefeiert hat, steht das österreichische Team vorzeitig als Konstrukteurs-Champion fest.

      "Das ist fantastisch, es ist dem ganzen Team zu verdanken", jubelt Teamchef Christian Horner über den dritten WM-Titel en suite, der Red Bull aber schon vor dem heutigen Rennen kaum noch zu nehmen war. "Ich glaube, es gibt nur drei andere Teams überhaupt, die dreimal hintereinander die Konstrukteurswertung gewinnen konnten. Jeder im Team hat für diesen Erfolg hart gearbeitet, es ist einfach unglaublich. Das erreicht zu haben, macht mich sprachlos."

      Auftakt nach Maß für Vettel
      Nachdem Vettel den Start gewonnen und sich bis zur DRS-Freigabe in der dritten Runde einen Vorsprung von 1,4 Sekunden auf seinen Teamkollegen Mark Webber erarbeitet hatte, deutete angesichts seiner überlegenen Performance am Freitag viel auf einen Durchmarsch bis zur Zielflagge hin. Doch weit gefehlt: Nach Webbers Ausfall (Verdacht auf Lichtmaschinen-Defekt) folgte ihm Hamilton wie ein Schatten - und sorgte dafür, dass den mehr als 120.000 Fans auf den restlos ausverkauften Tribünen nicht langweilig wurde.

      Hamilton pirschte sich schon vor dem einzigen Boxenstopp in die DRS-Sekunde heran, konnte das entscheidende Manöver aber nicht setzen und kam nach dem Wechsel von weiche auf harte Reifen 1,9 Sekunden hinter Vettel (zunächst mit Lotus-Pilot Kimi Räikkönen dazwischen) wieder auf die Strecke zurück. Als Räikkönen dann ebenfalls stoppen musste, zog Hamilton das Tempo an und kämpfte sich wieder in die DRS-Sekunde. Doch trotz des eigentlich schlechten Topspeeds von Red Bull reichte es nicht, um dann auch zu überholen.

      Dafür benötigte der McLaren-Pilot in Runde 42 Schützenhilfe von Narain Karthikeyan (HRT), der Vettel beim Überrunden zwar nur die eine oder andere Zehntelsekunde kostete - aber das machte genau den Unterschied aus, ob Hamilton am Ende der Gerade vorne liegt oder nur aufschließen kann! "Ein Überrundeter hat nicht in den Spiegel geschaut", ärgert sich Horner. "Das hat Sebastian gekostet und Hamilton kam dann dank DRS leicht an ihm vorbei."

      Surer nimmt Karthikeyan in Schutz
      Vettel regte sich am Boxenfunk lautstark über den Inder auf - im Eifer des Gefechts verständlich, aber wohl nicht gerechtfertigt: "Es war kein offensichtliches Problem", relativiert Experte Marc Surer. "Wenn du überrunden musst, verlierst du halt ein bisschen Schwung. Es gehört zum Rennen, dass da auch andere mitfahren." Bis zur Zieldurchfahrt nach 56 Runden ließ Vettel nicht locker, in der letzten Runde wurde er sogar noch in 1:39.347 Minuten gestoppt - so schnell war sonst keiner. Trotzdem fehlten unterm Strich 0,6 Sekunden.

      "Lewis hatte genau eine Chance, genau die hat er genutzt", gratuliert Vettel. "Mit dem Überrundeten waren wir in einer etwas blöden Position, haben deswegen im ersten Sektor viel verloren. Dann hatte Lewis die Möglichkeit, seinen Heckflügel zu öffnen. Da konnten wir nicht viel machen. Die Führung war futsch." Aber viel entscheidender waren die 38,5 Sekunden Vorsprung, die er nach hinten auf Alonso hatte: "Wichtig war für uns heute, vor Fernando ins Ziel zu kommen", stellt Teamchef Horner zufrieden fest. "Es sind jetzt 13 Punkte und es ist noch nichts entschieden."

      Vettel zuversichtlich für das WM-Finale
      "Nächste Woche geht es direkt weiter. Ich freue mich und bin zuversichtlich für das Rennen in Brasilien, denn unser Auto fühlt sich gut an", lächelt Vettel selbstbewusst. "Schade, dass es heute nicht ganz für den Sieg gereicht hat, aber trotzdem fantastisch für unser Team. Mit meinem zweiten Platz haben wir nun ausreichend Punkte, um die Konstrukteurs-WM erfolgreich abzuschließen. Darüber bin ich sehr glücklich. Die Jungs dürfen sich natürlich heute Abend ein Bierchen aufmachen - und ich bin dabei!"

      Ferrari muss sich nach Alonsos neuntem Platz im Qualifying zumindest nicht vorwerfen lassen, nicht alles unternommen zu haben. Der Spanier machte das Beste aus seinem siebten Startplatz, für den Ferrari freiwillig eine Getriebestrafe gegen Felipe Massa in Kauf genommen hatte, kam gut von der Linie weg und entschied sich in der bergauf führenden ersten Kurve für die sichere Außenbahn. Hinter Vettel, Webber und Hamilton war er an vierter Stelle, aus der nach Webbers Ausfall noch vor dem ersten Boxenstopp Platz drei wurde.

      Herzklopfen in Runde 19, als Alonso kurz neben der Strecke war, und noch einmal beim Reifenwechsel, als die Ferrari-Crew rechts hinten ein paar Sekunden länger als geplant brauchte. Zur Halbzeit hatte er schon eine halbe Minute Rückstand auf Spitzenreiter Vettel, aber Ferrari lief zumindest nie ernsthaft in Gefahr, die Fahrer-WM heute zu verlieren. In der Schlussphase hatte der letzte verbliebene Titelrivale von Vettel dann auch noch seinen Teamkollegen Massa als Puffer für alle Eventualitäten hinter sich.

      Ferrari steht offen zum taktischen Trick
      Den Grid-Trick mit Massa "haben wir uns am Abend einfallen lassen", gibt Teamchef Stefano Domenicali zu. "Ich habe entschieden, dass wir ganz offen damit umgehen. Es wäre nicht richtig gewesen, nicht die Wahrheit zu sagen und ein Problem zu konstruieren. Es gab einen großen Unterschied zwischen der linken und der rechten Seite in der Startaufstellung. Uns war klar, dass es in Sachen WM sehr schwierig werden würde, wenn wir am Start ein paar Positionen verlieren. Deswegen haben wir uns das überlegt und mit den Fahrern besprochen."

      Jenson Button (McLaren) wurde nach einem langen ersten Stint Fünfter, gefolgt von den beiden Lotus-Piloten Räikkönen und Romain Grosjean. Letzterer zeigte in der Anfangsphase endlich wieder mal sein Talent, vor allem als er in einem Atemzug an Michael Schumacher (Mercedes) und Räikkönen vorbeiging, stand aber wenig später auch schon wieder neben der Strecke und machte sich die harte Arbeit selbst zunichte. Nach 56 Runden fehlten trotzdem nur 5,8 Sekunden auf den "Iceman".

      Guter Achter wurde Nico Hülkenberg (Force India), der zu Rennbeginn sogar an fünfter Stelle lag, dann aber nach und nach zurückfiel und in der Schlussphase gerade noch die beiden Williams hinter sich halten konnte. Apropos Williams: Bruno Senna wirkte über weite Strecken stärker als Pastor Maldonado, doch als es der Venezolaner kurz vor Schluss in der ersten Kurve sogar auf eine leichte Berührung ankommen ließ, dachte er sich wohl nur: "Der Klügere gibt nach." Ein Punkt war ihm ohnehin sicher.

      Mercedes fährt weiterhin rückwärts
      Der "halbe Lokalmatador" Sergio Perez (Sauber) schrammte um 9,2 Sekunden am zehnten Platz vorbei; Daniel Ricciardo (Toro Rosso), dank eines langen Stints in der Anfangsphase Sechster, wurde Zwölfter vor Nico Rosberg (Mercedes) und Kamui Kobayashi (Sauber). Mercedes ist derzeit nicht konkurrenzfähig, ganz egal ob ohne (Rosberg) oder mit Coanda-Auspuff (Michael Schumacher/16.): Rosberg entging der Überrundung nur knapp, Schumacher konnte sich dagegen nicht mehr wehren.

      Insgesamt sahen heute 22 Autos die Zielflagge - neben Webber schied auch Jean-Eric Vergne (Toro Rosso) aus. Der Franzose blieb nach einem Dreikampf im Mercedes-Sandwich genau an der gleichen Stelle stehen wie schon im Training, möglicherweise wieder mit dem gleichen Problem: Radaufhängungsbruch. "Wenn sich das bestätigt, ist es besorgniserregend", mahnt Experte Surer. Zumindest war in den TV-Replays keine Berührung mit einem anderen Fahrzeug zu sehen, durch die der Schaden entstehen hätte können.

      Hamilton fühlt sich wohl in den USA
      Hamilton fuhr ungeachtet dessen seinem zweiten Sieg in den USA entgegen - der Brite ist im Land der unbegrenzten Möglichkeiten somit weiter ungeschlagen und erfüllte sich heute seinen großen Wunsch, vor dem Wechsel zu Mercedes noch einmal für McLaren zu gewinnen: "Ich bin der erste Sieger hier, ich bin sehr glücklich", jubelt er. "Das war einer der besten Grands Prix des Jahres, wenn nicht sogar der beste! Ich freue mich auch für das Team. Der Sieg war wirklich ganz besonders. Ich habe lange auf einen Erfolg warten müssen."

      "Sebastian und Red Bull zu schlagen, ist eine harte Nuss, aber wir haben es geschafft", fährt er fort. "Im ersten Stint waren wir nicht so schlecht, aber es war sehr schwierig, ihm unmittelbar zu folgen und zu überholen. Meine Reifen bauten ab und ich musste früher als er an die Box kommen, wodurch der Abstand wieder größer wurde. Normalerweise habe ich mit dem Überrundungsverkehr immer Pech, daher bin ich froh, dass es heute mal anders war. Was für ein tolles Gefühl, den ersten Grand Prix zurück in den Vereinigten Staaten zu gewinnen! Ich bin sehr stolz."

      In der Fahrer-WM liegt Hamilton nun an vierter Stelle, 16 Punkte hinter Räikkönen, dem Rang drei in der Gesamtwertung kaum noch zu nehmen ist. Den Titel machen Vettel und Alonso untereinander aus - bei einem Stand von 273:260 braucht Vettel in einer Woche selbst bei einem Alonso-Sieg nur einen vierten Platz, um zum dritten Mal Champion zu werden. In der Konstrukteurswertung kämpfen indes Ferrari und McLaren noch um Position zwei (und die damit verbundenen Preisgeld-Millionen). Das Saisonfinale findet am 25. November in Brasilien statt.
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      Großer Preis von Brasilien / São Paulo

      Großer Preis von Brasilien / São Paulo

      Auf der Strecke "zwischen den Seen", wie das brasilianische Interlagos wörtlich übersetzt heißt, heißt es für die Fahrer, körperlich absolut fit zu sein, da nicht nur die heißen Temperaturen in Südamerika und die hohe Luftfeuchtigkeit ihren Tribut zollen. Ganz besonders die vielen Unebenheiten im Belag und die Tatsache, dass die 4,309 Kilometer lange Strecke gegen den Uhrzeigersinn gefahren wird, machen selbst dem durchtrainiertesten Nacken schwer zu schaffen.

      Bei Fahrern und Teams gehört der Grand Prix von Brasilien nicht gerade zu den Favoriten. Leider gehört Sao Paulo neben Mexiko-City und Tokio nicht nur zu den drei größten Städten der Welt, sondern aufgrund der extremen Unterschiede zwischen Arm und Reich auch zu jenen mit der höchsten Kriminalitätsrate. Die Slums rund um die 13 Kilometer von Interlagos entfernte Stadt passen so gar nicht zum Image der glamourösen Formel 1. Vorsicht ist also auf jeden Fall angebracht. Das weiß seit 2010 auch Jenson Button, der in jenem Jahr von mehreren mit Maschinengewehren bewaffneten Männern überfallen wurde, aber dank seiner gepanzerten Limousine mit dem Schrecken davonkam.

      Auch der Straßenverkehr ist gewöhnungsbedürftig: In einer 20-Millionen-Stadt, in der täglich über fünf Millionen Autos die Straßen in ein heilloses Chaos verwandeln, tut man als Besucher gut daran, sich in die geübten Hände der Taxifahrer zu begeben. Das spart jede Menge Nerven und ist durchaus erschwinglich.

      Die Strecke selbst sorgt dafür, dass die Fahrer und ihre Ingenieure beim Abstimmen der Autos tüchtig ins Schwitzen kommen, da das Bergauf- und Bergabstück vor und nach Start und Ziel nach wenig Flügel verlangt, das Infield jedoch maximalen Abtrieb erfordert.

      In der Geschichte der Formel 1 ist Sao Paulo spätestens seit dem denkwürdigen WM-Finale von 2008 fest verankert: Damals war Rennsieger Felipe Massa nach seiner Zieldurchfahrt schon für 20 Sekunden Weltmeister, ehe Lewis Hamilton in der letzten Kurve doch noch einen Konkurrenten überholte und sich damit den Titel sicherte
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      Brasilien GP / Autodromo Jose Carlos Pace

      Brasilien GP / Autodromo Jose Carlos Pace

      "Vettrick": Button siegt bei Vettels Sternstunde!


      Drama pur beim Herzschlag-Finale 2012 in Sao Paulo: Button gewinnt, Vettel wird Weltmeister und Hülkenberg verpasst seinen möglichen Premierensieg

      Viele haben im Vorfeld des heutigen WM-Showdowns in Sao Paulo einen Spaziergang von Sebastian Vettel zum dritten WM-Titel hintereinander prophezeit, doch der Weg zum "Vettrick" war ein steiniger. Der Red-Bull-Pilot beendete den Grand Prix von Brasilien auf dem sechsten Platz und wurde am Ende mit dem hauchdünnen Vorsprung von drei Punkten Weltmeister.

      Vettel steigt mit diesem Triumph in eine elitäre Liga auf, denn drei Titel hintereinander haben bisher nur Juan Manuel Fangio (1954 bis 1957) und Michael Schumacher (2000 bis 2004) erreicht. Schumacher, der heute mit einem siebten Platz im Mercedes auch seine zweite Karriere beendete, hatte seinen Landsmann im Finish des Rennens bereitwillig durchgelassen und war nach der Zieldurchfahrt nach 71 Runden auch der erste Gratulant des neuen Champions.

      Dabei hatte es zu Beginn des Nachmittags so gar nicht nach einem Happyend ausgesehen. Nicht nur, dass die beiden Ferraris einen sensationellen Start erwischten, wäre das Rennen für Vettel nach ein paar hundert Metern beinahe schon vorbei gewesen! Denn auf der leicht regennassen Fahrbahn riskierte der Vierte der Startaufstellung mit Medium-Reifen in der ersten Kurve nichts, büßte Positionen ein und geriet damit ins übliche Mittelfeld-Gerangel.

      Spannung bis zur letzten Sekunde
      Und fast so, als hätte Bernie Ecclestone am TV-Mischpult den Knopf für "mehr Spannung" gedrückt, kam es beim Anbremsen der vierten Kurve tatsächlich zum Crash: Kimi Räikkönen (Lotus) konnte neben der Strecke gerade noch ausweichen, aber Bruno Senna (Williams) rutschte innen in den angehenden Weltmeister rein. "War nicht so geschickt von Senna, aber Vettel hat definitiv früh gebremst", so das erste Urteil von Experte Marc Surer.

      Die Kollision war relativ hart, Vettel wurde auch umgedreht und fiel auf den letzten Platz zurück, sein RB8 überlebte den Zwischenfall aber irgendwie. Red Bull reagierte prompt, fotografierte den Schaden beim Boxenstopp und legte Adrian Newey noch während des Rennens einen detaillierten Ausdruck vor. Der Chefdesigner schaute sich das Foto an und gab vorerst Entwarnung - auch wenn sich später noch weitere Teile lösten.

      Nach zwei Runden kam Vettel als 20. über die Ziellinie, mit 12,8 Sekunden Rückstand. Ein paar Runden später war er schon wieder Sechster, nach dem Wechsel auf Intermediates, weil der Regen stärker wurde, aber wieder nur noch 17. Von da an ging es wieder im Eiltempo nach vorne, aber noch sollte er nicht durch sein: Red Bull holte ihn an siebter Stelle liegend an die Box, zog Medium-Slicks auf - und wechselte gleich darauf wieder zurück auf Intermediates.

      Alonso zwischenzeitlich schon Weltmeister
      Rivale Fernando Alonso (Ferrari) lag zu jenem Zeitpunkt an dritter Stelle - und war für eine Weile doch wieder "virtueller" Weltmeister. Der Regen blieb in der Schlussphase aber konstant, Vettel arbeitete sich um einige Positionen nach vorne, während an der Spitze Felipe Massa Alonso durchließ. Somit war der Ferrari-Pilot Zweiter, Vettel Sechster. Wäre Spitzenreiter Jenson Button (McLaren) ausgeschieden, wäre die Weltmeisterschaft aber noch gekippt!

      Und dann crashte auch noch Paul di Resta (Force India) im langen Linksbogen bei den Boxen in die Mauer, sodass in der vorletzten Runde das Safety-Car auf die Strecke ging. Bernd Mayländer bog mit dem silbernen Mercedes zwar vor der Zieldurchfahrt wieder ab, aber weil im letzten Sektor gelbe Flaggen geschwenkt wurden, herrschte Überholverbot - und Alonso hatte keine Chance mehr, Button vielleicht doch noch anzugreifen.

      "Ich bin sehr stolz auf mein Team, sehr stolz auf die diesjährige Saison", gibt sich Alonso als fairer Verlierer. "Wir haben den Titel zwar nun verpasst, aber wir haben die Meisterschaft nicht hier in Brasilien verloren, sondern in jenen Rennen, wo wir ein bisschen Pech hatten. So ist es in diesem Sport nun einmal. Wenn man mit dem Herzen dabei ist, etwas mit hundertprozentigem Einsatz macht, dann muss man stolz auf ein solches Team sein."

      Viele Dramen auf dem Weg zum "Vettrick"
      Bei Red Bull brachen indes nach der Zieldurchfahrt alle Dämme: "Du bist Weltmeister, der dreifache Weltmeister! Sebastian Vettel, you are the Man! Du bist dreifacher Weltmeister", brüllte Teamchef Christian Horner mit voller Inbrunst in den Funk, wartete aber vergeblich auf eine Antwort - denn bei Vettel war gegen Rennmitte die Kommunikation ausgefallen! "Er konnte uns hören, wir ihn aber nicht", erklärt Newey.

      Aber das war nur eines von vielen Dramen auf dem Weg zum "Vettrick", obwohl der 25-Jährige sichtlich bemüht war, diesen aus dem Weg zu gehen. Wie handzahm er sich von Massa überholen ließ und wie wenig er riskierte, als er direkt hinter Alonso lag, sprach Bände, und auch von Renningenieur Guillaume Rocquelin wurde er im Finish immer wieder ermahnt: "Diese Position ist gut genug. Halt das Ding einfach nur auf der Strecke!"

      Das gelang, und nachdem Landsmann Schumacher gratuliert hatte, zog sich Vettel mit Freundin Hanna Sprater und Physiotherapeut Heikki Huovinen in seinen Privatraum zurück - bis Formel-1-Boss Ecclestone dort auftauchte, mehrere TV-Kameras im Schlepptau. "Im Moment ist es sehr schwer zu fassen", stammelt der alte und neue Champion gerührt. "Es ist natürlich etwas ganz Besonderes, und ich wusste bis zum Schluss nicht, ob es reicht.

      Vettel nach Thriller-Rennen erleichtert
      "Es war ein absolut verrücktes Rennen. Mehr Steine hätte man uns nicht in den Weg legen können", sagt er. "Wir haben einfach weiter daran geglaubt und nicht nach links oder rechts geschaut. Wir haben immer weiter attackiert und Gas gegeben, das ganze Rennen lang. Als am Ende der Regen kam, hat es uns ein wenig geholfen, weil das Auto sicher stark beschädigt war. Wir haben uns nicht einschüchtern lassen, sondern haben Gas gegeben und Spaß gehabt."

      Beinahe hätte übrigens ein anderer Deutscher die Story des Rennens geschrieben, nämlich Nico Hülkenberg. Der Force-India-Pilot lag seit Alonsos Ausritt im Senna-S als erster McLaren-Verfolger an dritter Stelle und übernahm in Runde 19 sogar aus eigener Kraft die Führung, als er sich aus dem Windschatten heraus Button schnappte. Der anfangs führende Lewis Hamilton (McLaren) war zu jenem Zeitpunkt schon auf Intermediates unterwegs.

      Und weil einen Reifenwechsel auch die meisten anderen Fahrer für eine gute Idee hielten, Hülkenberg und Button aber geduldig genug waren, den nachlassenden Regen abzuwarten, bauten die beiden ihre Führung auf zwischenzeitlich mehr als 45 Sekunden aus! Hülkenberg war zu jenem Zeitpunkt der schnellste Mann im Feld, dürfte sich aber grün und blau geärgert haben, als wegen Teilen auf der Strecke das Safety-Car rauskam.

      Hülkenberg schnellster Mann im Rennen
      Force India und McLaren reagierten schnell, holten die beiden an die Box und wechselten wieder auf Slicks, sodass sie in Führung bleiben und bis zum Ende durchfahren konnten. Nach dem Restart konnte sich Hülkenberg zunächst lösen, später kam er jedoch leicht ins Rutschen und verlor die Führung an Hamilton. Aber sein Pulver war noch immer nicht verschossen, und so kämpfte er sich noch einmal an Hamilton heran.

      Dann ging jedoch bei rutschigen Verhältnissen das Überholmanöver im Senna-S schief: Hülkenberg schien schon durch zu sein, als er auf der Innenbahn das Heck verlor, dem McLaren die linke Vorderradaufhängung kaputt schlug und sich damit selbst eine Durchfahrstrafe einhandelte. Das kostete ihn den möglichen ersten Sieg. Letztendlich wurde er Fünfter, aber Sao Paulo scheint nach der Pole von 2010 eine echte Hülkenberg-Strecke zu sein.

      Großer Profiteur war wieder einmal Button, der bei wechselhaften Wetterbedingungen wie so oft die richtigen Entscheidungen traf, sich clever aus allen Schwierigkeiten heraushielt und vor der abschließenden Safety-Car-Phase komfortable 20 Sekunden Vorsprung auf die beiden Ferraris hatte. Alonso wurde Zweiter, Massa Dritter - und der Lokalmatador kämpfte auf dem Podium schon wieder mit den Tränen, fast schon wie 2008.

      Massa kämpft wieder mit den Tränen
      "Es ist unglaublich emotional, hier zu fahren", schluchzt Massa. "Es war ein wundervolles Rennen. Es hätte noch ein besseres Ergebnis am Ende dabei herauskommen können. Ich weiß nicht, was ich sagen soll, ich weiß auch nicht genau, was ich eigentlich fühle. Es war einfach umwerfend." Umwerfend auch, dass er Ferrari mit einem starken Rennen zum zweiten Platz in der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft verhalf.

      Massa war heute der beste Teamkollege, den man sich nur vorstellen kann: Am Start mischte er die McLarens auf, später hielt er Mark Webber (Red Bull) in Schach und machte gleichzeitig Platz für Alonso, der dankend an beiden vorbeiziehen konnte. In den letzten Runden gab er dann auch noch seinen zweiten Platz für den Teamkollegen auf und schirmte ihn nach hinten ab - aber es nützte alles nichts mehr.

      Webber, zwischendurch schon an aussichtsloser Position liegend und seinem eigenen Teamkollegen gegenüber beim Überholen ebenfalls stets kooperativ, wurde vor Hülkenberg Vierter; Schumacher landete auf dem siebten Platz. "Natürlich wäre ich gerne weiter vorne gelandet und hätte gerne nochmal einen Podiumsplatz eingefahren, aber angesichts der Umstände können wir mit dem siebten Platz heute denke ich zufrieden sein", sagt der 43-Jährige.

      Mercedes behält WM-Platz fünf
      "Ich hatte relativ früh im Rennen einen Plattfuß", berichtet er. "Ich weiß nicht genau warum, ob mir wieder jemand ins Auto gefahren ist oder ich ein herumliegendes Teil erwischt habe. Keine Ahnung. Da dachte ich schon, dass es heute eher wieder nichts werden würde mit einem interessanten Rennen. Dann lief jedoch alles anders. Immerhin konnten wir auch die Position in der Konstrukteurswertung behalten. Darüber freuen wir uns."

      Jean-Eric Vergne (Toro Rosso), Kamui Kobayashi (Sauber) und Kimi Räikkönen (Lotus) sicherten sich die Plätze acht bis zehn - und der "Iceman" sorgte wie so oft für die kurioseste Szene des Tages: Nach einem Ausritt in der letzten Kurve fuhr er über die Wiese geradeaus auf die alte Interlagos-Strecke weiter, die weiter oben zurück auf die neue Strecke führt. Dort war aber das Tor zu, sodass Räikkönen einfach umkehrte und doch den normalen Weg zurück nehmen musste!

      Ein kleines WM-Drama spielte sich indes um Timo Glock (Marussia) ab: Der Deutsche lag im Regen zu Beginn sensationell an siebter Stelle, konnte diese Position aber natürlich nicht verteidigen. Trotzdem sah es so aus, als würde Marussia den zehnten WM-Platz sicher halten können, spätestens nach einem Dreher von Witali Petrow (Caterham), der zu diesem Zeitpunkt an 13. Stelle lag. Aber damit war das Kapitel noch nicht geschlossen.

      Caterham sichert sich wichtige Millionen
      Denn während Glock von Vergne getroffen wurde und einen zusätzlichen Boxenstopp einlegen musste, fiel sein Teamkollege Charles Pic noch einmal hinter Petrow zurück. Der Russe erzielte als Elfter das beste Ergebnis in der Teamgeschichte von Caterham und sicherte seinem Rennstall damit wichtige Millionen. Wäre Marussia WM-Zehnter geworden, hätte Caterham den Anspruch auf diese Ecclestone-Gelder verloren.

      Nico Rosberg (Mercedes) belegte heute den 15. Platz, di Resta wurde hinter den beiden HRTs trotz des Unfalls noch als 19. gewertet. Sergio Perez (Sauber) und Senna wurden Opfer des Crashs in der ersten Runde, Pastor Maldonado (Williams) und Romain Grosjean (Lotus) schieden ebenfalls aus. Und Hamilton war der moralische Sieger des Rennens, wurde vom McLaren-Team zum Abschied mit emotionalem Beifall bedacht.

      Weltmeister 2012 ist damit Vettel (281 Punkte) vor Alonso (278) und Räikkönen (207). Schumacher beendet die letzte Saison seiner aktiven Karriere als 13. unter 25 Piloten. Bei den Konstrukteuren stand Red Bull (460) schon vor Sao Paulo als Champion fest. Auf den Plätzen landeten Ferrari (400), McLaren (378), Lotus (303) und Mercedes (142). Weiter geht's am 15. März 2013 mit dem ersten Freien Training zum Grand Prix von Australien.
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      Ferrari trachtet Weltmeister Vettel nach dem Titel

      Schlechter Verlierer Fernando Alonso

      Ferrari trachtet Weltmeister Vettel nach dem Titel


      Ferrari-Star Fernando Alonso wies gestern per Twitter auf ein Video hin, das ein Überholmanöver von Sebastian Vettel unter gelber Flagge beim Formel-1-Finale in Brasilien belegt. Ferrari sichtet das Material. Die Einspruchsfrist endet morgen.

      Für den dreimaligen Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel könnte die Aufholjagd im Saisonfinale von Sao Paulo ein hochbrisantes Nachspiel haben. Laut britischer und italienischer und spanischer Medien prüft der Rennstall Ferrari des geschlagenen WM-Zweiten Fernando Alonso Video-Material, das Vettel angeblich bei einem nicht erlaubten Überholmanöver während einer Gelbphase beim Grand Prix von Brasilien zeigt.

      Laut einem Bericht der BBC könnte der Internationale Automobilverband FIA sogar schon ohne Protest Ermittlungen aufnehmen, wenn neues Beweismaterial vorliegt. Der Sender berief sich dabei auf einen Passus im Regelwerk.

      Widersprüchliches Bildmaterial
      Videomaterial, das im Internet kursiert, zeigt Vettel wie er offenbar unter Gelben Flaggen den Franzosen Jean-Eric Vergne vom Red-Bull-Schwesterteam Toro Rosso überholt. Die spanische „La Marca“ erwähnt allerdings, dass es auch Aufnahmen von der gleichen Stelle zur gleichen Zeit gibt, die das Gegenteil belegen. Die Auswertung der Bilder, Funksprüche und GPRS-Daten ist offenbar so aufwendig, dass Ferrari die Überprüfung und einen entsprechende Einschätzung noch nicht abschließen konnte. Die Einspruchsfrist endet am Freitag.

      Bei 20-Sekundestrafe wäre Alonso Weltmeister
      Entsprechende Manöver werden während eines Rennens mit einer Durchfahrtsstrafe geahndet, nachträglich wird dementsprechend eine 20-Sekundenstrafe verhängt.