Interessantes zu Formel 1 im Jahr 2008

    Lewis Hamilton tönt

    Lewis Hamilton tönt
    „Auch neben Schumi wäre ich nicht die Nr. 2“


    Er war DER Shooting-Star der letzten Formel-1-Saison und nimmt in diesem Jahr Kurs auf den Weltmeister-Titel: Mercedes-Pilot Lewis Hamilton (23/Foto oben rechts) führt in der Fahrer-Wertung (70 Punkte) und gewann bereits vier Saisonrennen – soviele wie in seinem tollen Debüt-Jahr insgesamt.

    Auch beim Großen Preis von Europa am letzten Wochenende in Valencia beeindruckte Hamilton die Konkurrenz: Trotz eingeklemmtem Rücken-Nerv raste er auf Platz 2.

    Kein Zweifel: Der Engländer sprudelt derzeit nur so vor Selbstvertrauen. Und das zeigt er nicht nur auf der Rennstrecke. Auch verbal geht Hamilton jetzt ziemlich in die Offensive und vergleicht sich mit dem Allergrößten – unserem Formel-1-Idol und Rekord-Weltmeister Michael Schumacher (39).

    Hamilton tönt in der englischen „Sun“: „Auch wenn ich mit Michael Schumacher in einem Team gefahren wäre, hätte ich gezeigt, dass ich auch neben ihm nicht die Nummer 2 bin.“

    Naja, naja...

    Hamilton fuhr bislang 29 Rennen, schaffte acht Siege, zehn Pole Positions, wurde einmal Vize-Weltmeister. Nicht übel!

    Doch nichts gegen unseren Schumi. Dessen Bilanz: 249 Rennen, 91 Siege, 68 Pole Positions – und vor allem sieben WM-Titel. Der ehemalige Ferrari-Star hält damit fast alle Rekorde, ist mit Abstand der erfolgreichste Pilot der Formel-1-Geschichte.

    Und: Schumi war IMMER die Nr. 1 im Team, setzte sich gegen jeden Kollegen mit seiner Klasse durch.

    So weit ist Hamilton noch nicht. Letztes Jahr verpasste er die WM-Krone ganz knapp (ein Punkt hinter Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen). Das will er dieses Mal unbedingt vermeiden. Hamilton: „Diese Saison liegt mein Fokus einzig darauf, die Weltmeisterschaft zu gewinnen.“

    Im Erfolgsfall wäre Hamilton mit 23 Jahren der jüngste Weltmeister aller Zeiten – und hätte Schumi zumindest in einem Punkt etwas voraus...

    Hat Hamilton da nicht ein wenig übertrieben?

    Ferrari siegt und steckt trotzdem in der Krise

    Ferrari siegt und steckt trotzdem in der Krise

    Felipe Massa gewinnt in Valencia und Ferrari führt in der Konstrukteurs-WM, trotzdem gibt es eine kleine rote Krise.
    Der Kampf um den WM-Titel zwischen Ferrari und McLaren geht in die entscheidende Phase und nach dem Grand Prix von Europa in Valencia könnte die Ausgangsposition beider Teams unterschiedlicher gar nicht sein. Auf der einen Seite Ferrari, zwar höllisch schnell, aber doch irgendwie fehleranfällig. Sowohl Felipe Massa als auch Kimi Räikkönen machten nicht immer durch Glanzleistungen auf sich aufmerksam. Zusätzlich schleichen sich auch technische Probleme in das vermeidlich starke Ferrari-Paket. Ein kaputter Auspuff in Frankreich und jetzt sogar zwei Motorschäden in Folge.

    Auf der anderen Seite McLaren Mercedes, die zwar nicht immer die Schnellsten sind, aber dafür so gut wie immer das Maximum herausholen und so gut wie immer punkten. In punkto Zuverlässigkeit und Konstanz scheint McLaren im Moment also deutlich stärker zu sein, dennoch liegt Ferrari in der Konstrukteurswertung 8 Punkte vor McLaren, die Frage ist: wie lange noch?

    Mit Konstanz zum WM Titel

    Die Konstanz scheint man sich bei McLaren Mercedes ganz groß auf die Fahnen geschrieben zu haben. Lewis Hamilton und Heikki Kovalainen sind wahre Punktestaubsauger. Sollte der Sieg aus eigener Kraft nicht möglich sein, gibt man sich bei McLaren auch mal mit Platz 2 zufrieden. So zumindest in Valencia. Die Leistung von Lewis kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Schwer gezeichnet von einer schweren Grippe holte er als 8. extrem wertvolle WM Punkte.

    Aber auch Heikki Kovalainen sorgte für zufriedene Gesichter bei McLaren, trotz der Tatsache, dass er mit Platz 4 das Podium verpasst hat. Auf der Suche nach Grip war es für Heikki unmöglich, den schnellen Robert Kubica anzugreifen. Doch bei McLaren scheint man sich derzeit sogar über Platz 4 zu freuen. Wie dem auch sei, das Teamergebnis von McLaren stimmt. Und Konstanz ist schließlich der Schlüssel für den Erfolg.

    Licht und Schatten bei Ferrari

    Bei Ferrari gab es wieder mal Licht und Schatten. Während Felipe Massa einen ungefährdeten Start- und Zielsieg einfuhr, endete das Rennen von Kimi Räikkönen in einem Desaster. Der Iceman blieb das gesamte Wochenende hinweg glanzlos, und schnell stellte sich heraus, dass er definitiv nicht zu den Sieg-Kandidaten zählte.

    Als wäre dies nicht schlimm genug, verpatzte er auch noch den letzen Boxenstopp. indem er zu früh los fuhr und dabei den Tankmann Piero Timpini mit einer Fußverletzung ins Krankenhaus beförderte. Wenig später hatte sich das Rennen für Kimi dann endgültig erledigt. Der Motor löste sich in Rauch auf und die rote Göttin blieb in Valencia liegen. Bei Ferrari ist Feuer unter dem Dach, der zweite Motorschaden in Folge, so etwas darf nicht passieren.

    Ferrari ist im Moment generell fehleranfällig, auch der Zwischenfall in der Box mit Felipe Massa und Adrian Sutil geht eindeutig auf die Kappe des Teams. Die futuristische Boxenampel von Ferrari sprang im falschen Moment auf Grün und so kam es in der ohnehin schon engen Boxenausfahrt fast zur Kollision. Dank Massas Routine konnte dies jedoch verhindert werden. Ganz ohne Folgen blieb dieser Zwischenfall nicht: 10.000 Dollar Strafe muss das Team berappen. Kurze Zeit musste man bei Ferrari sogar um den Sieg zittern, doch es gab nur eine Geldstrafe.

    Der Sieg von Ferrari kann nicht darüber hinweg täuschen, dass die Roten im Moment ordentlich schwimmen. So eine Situation gibt es wahrscheinlich nur im Motorsport. Zumindest für Kimi Räikkönen wird der kommende Grand Prix von Belgien bereits der entscheidende WM-Lauf.

    Stewart kritisiert Rennkommissare

    Stewart kritisiert Rennkommissare: Samthandschuhe für Ferrari

    Glück gehabt: die Rennleitung sprach nur eine Geld- statt eine Zeitstrafe für Ferrari und Felipe Massa aus. Nur Glück? Jackie Stewart sieht das anders.

    Felipe Massa blieb ganz cool. Als er auf der Siegerpressekonferenz direkt nach seinem Triumph in Valencia gefragt wurde, ob ihm klar sei, dass er wegen des Boxenstoppzwischenfalls mit Adrian Sutil "under investigation" stehe, antwortete er nur: "Nein." Er habe nichts falsch gemacht und in der Ausfahrt sogar zurückgesteckt. "Ich war der Führende und erwartete, dass er zurückstecken würde, als er es nicht machte, tat ich es. Wenn es eine Untersuchung gibt, dann nicht wegen mir."

    Die Rennkommissare sahen das nur teilweise so. Sie gaben Massa weder Schuld noch Strafe, rügten jedoch sein Team dafür, dass man Massa "unsicher" losgeschickt habe. Die Folge war eine 10.000 Euro Geldstrafe für Ferrari. Für einige Zeit schwebten sogar eine Drive-Throught-Strafe beziehungsweise Zeitstrafen von 10 oder 25 Sekunden durch den Paddock, dann hätte Lewis Hamilton das Rennen gewonnen. McLaren wies den Briten deshalb dazu an, maximal 10 Sekunden Rückstand auf Massa zu haben.

    Jackie Stewart ist mit der Entscheidung der Rennleitung nicht einverstanden. "Zunächst verstehe ich nicht, warum die Entscheidung erst nach dem Rennen gefällt wurde", sagte er der Motorsport Aktuell. Die Rennleitung habe alle nötigen Informationen besessen, um sofort ein Urteil während des Rennens zu fällen. Das wäre dann eine Drive-Through-Strafe gewesen, wie es sie auch im GP2-Rennen gegeben hat.

    Für viele spiegele sich in dieser Entscheidung der Sonderstatus von Ferrari wieder. "Es unterstreicht, dass in solchen Fällen Ferrari mit Samthandschuhen angefasst wird", meinte Stewart. Dabei vergaß er allerdings, dass in der Vergangenheit schon öfter Teams mit Geldstrafen versehen wurden, die ihre Fahrer zu früh losfahren ließen. So musste Toyota nach dem Qualifying in Hockenheim 2006 5.000 Euro berappen, weil man Ralf Schumacher zu früh los schickte und er so Jenson Button in den Weg kam. Wegen des gleichen Vergehens beklagte sich damals Renault über Ferrari - ohne Erfolg.

    Hamilton plant auf lange Sicht: Das große Ziel

    Hamilton plant auf lange Sicht: Das große Ziel

    Lewis Hamilton denkt im großen Stil: der WM-Titel ist das Ziel.
    Martin Whitmarsh war schon kurz nach Rennende am Sonntag voll des Lobes für die clevere Fahrweise seines Piloten Lewis Hamilton. Der Brite war kein unnötiges Risiko eingegangen und begnügte sich mit Platz 2. "Lewis lernt dazu, er wird mental stärker und weiß, wie er den WM-Kampf zu führen hat", sagte der McLaren-CEO.

    Genau das bestätigte Hamilton nach dem Valencia-Wochenende. "Klar, ich möchte immer gewinnen, aber ich habe gelernt, dass es manchmal von Vorteil ist, so viele Punkte wie möglich mitzunehmen und an einem anderen Tag zu kämpfen."

    Denn: "Mein Ziel ist die Weltmeisterschaft, die gewinnt man aber nicht, wenn man in der Mauer landet, weil man ein überoptimistisches Überholmanöver probiert hat." Entsprechend ist er mit dem Abschneiden in Valencia zufrieden. "Wir haben meine Führung in der WM ausgebaut, obwohl wir zwei Punkte auf Felipe verloren haben. Ich bin mental stark genug, um damit klar zu kommen und ich bin auch entspannter. Ich konzentriere mich auf das große Ziel."

    Teams plädieren für August-Pause: Rettet die Sommerpause

    Teams plädieren für August-Pause: Rettet die Sommerpause

    Gerade ist sie vorbei, die letzte F1-Sommerpause, jedenfalls wenn es nach dem provisorischen Terminplan für 2009 geht. Die Teams wollen sie retten.
    Seite Ende Juni ist er bekannt: der provisorische Rennkalender für die Saison 2009. 19 Grand Prix sind darin vorgesehen, los geht es am 29. März in Australien, Schluss ist am 15. November in Abu Dhabi. Das zeigt bereits: die Saison verschiebt sich nach hinten. Aber dem nicht genug: die mittlerweile fast schon traditionelle, dreiwöchige August-Pause fiel dem zusätzlichen Rennen zum Opfer.

    Schon kurz nach der Verkündung des provisorischen Kalenders kamen kritische Stimmen ob dieser Entwicklung auf. Die Pause sei wichtig für die Teammitglieder, um wenigstens einmal ein, zwei Wochen in aller Ruhe mit den Familien zu entspannen. Ohne die Pause müssten die Teams weitere Mitarbeiter einstellen und das Personal während der Saison rotieren.

    Rettungsversuche

    Noch ist jedoch Zeit, dies zu verhindern. In Valencia diskutierten die Teamchefs über eine mögliche Verschiebung im Rennkalender, um so doch noch drei Wochen Pause im August zu erhalten. Sie beauftragten die Teammanger damit, sich dieses Themas anzunehmen. Einerseits weil diese sich mit den logistischen Anforderungen besser auskennen, andererseits weil sie normalerweise leichter zu einer Übereinkunft kommen als die Teambosse selbst.

    Der Saisonstart bleibt allerdings unangetastet, da Bernie Ecclestone auf den späten März-Termin für den Australien GP besteht, um so, durch die Sommerzeitumstellung, bessere TV-Zeiten in Europa zu erlangen. Nun könnten die Rennen in Ungarn und der Türkei vorgezogen werden, um danach eine dreiwöchige Pause bis Valencia zu ermöglichen.

    Wichtigkeit der Pause

    "Die Pause ist absolut wichtig für das Team, die Mechaniker, alle Leute, die mit dem F1-Tross reisen", sagt McLaren-Teamchef Ron Dennis. "Nur so bekommen sie Zeit für ihre Familie und können einmal eine Woche ausruhen." Das sei der Schlüssel, um die Mitarbeiter glücklich und motiviert zu halten. Auch Martin Whitmarsh betonte, dass das Fehlen der Pause sehr hart für die Mechaniker sei. "Wir müssen sicherstellen, dass wir die Leute im Laufe der Saison nicht verheizen und ausbrennen."

    "Wir drehen uns im Kreis", glaubt Ross Brawn. "Die August-Pause sollte allen eine Ruhephase geben. Jetzt müssen wir Ersatzmannschaften und Mechaniker anstellen, die übernehmen können, wenn die anderen eine Pause machen."

    Der provisorische Formel 1-Kalender 2009

    29 März Australien
    5 April Malaysia
    19 April Bahrain
    10 Mai Spanien
    24 Mai Monaco
    7 Juni Kanada
    21 Juni Großbritannien
    28 Juni Frankreich
    12 Juli Deutschland
    26 Juli Ungarn
    9 August Türkei
    23 August Europa (Valencia)
    6 September Italien
    13 September Belgien
    27 September Singapur
    11 Oktober Japan
    18 Oktober China
    1 November Brasilien
    15 November Abu Dhabi

    FIA entscheidet über ADAC: Machtkämpfe

    FIA entscheidet über ADAC: Machtkämpfe

    Die FIA wird Anfang Oktober über die Rolle des ADAC im Weltverband entscheiden.

    Kaum war der erste Große Preis von Europa in Valencia gefahren, gab es schon Diskussionen über den Namen des Rennens in der nächsten Saison. Zuerst wurde von einem Welt GP gesprochen, später von einem Mittelmeer GP. Denn der Name Europa GP wird 2009 aller Voraussicht nach an den Nürburgring zurückgehen, der in der nächsten Saison turnusgemäß Hockenheim als deutsches Rennen ablösen wird.

    Doch es könnte ganz anders kommen. Laut Informationen von Autosport entscheidet die FIA am 7. Oktober über die Zukunft des ADAC im Weltverband. Der ADAC hatte nach dem Vertrauensvotum zugunsten von FIA-Präsident Max Mosley alle Tätigkeiten und Ämter im Weltverband ruhen lassen - und möchte dies auch so lange fortsetzen, so lange Mosley im Amt ist. Der Brite hatte in diesem Jahr durch einen Sex-Skandal für Aufsehen gesorgt.

    Dieses Verhalten könnte dazu führen, dass die FIA den vom ADAC kontrollierten DMSB als nationale Sporthoheit durch den Automobilclub von Deutschland (AvD) ersetzt - dieser besitzt auch die Rechte am Deutschland GP in Hockenheim. Autosport geht sogar so weit zu spekulieren, dass dies zum Verlust des F1-Rennens am Nürburgring führen könnte, und zwar trotz des geltenden Abkommens die Rennen für die kommende Jahre zu alternieren.

    Trauer um Phil Hill: Erster US-Weltmeister verstorben

    Trauer um Phil Hill: Erster US-Weltmeister verstorben
    Die Formel-1-Welt trauert um Ex-Ferrari-Weltmeister Phil Hill.

    Am Donnerstag verstarb der erste amerikanische Formel 1-Weltmeister Phil Hill in einem Krankenhaus in Kalifornien. Der am 20. April 1927 in Miami geborene Hill wurde 81 Jahre alt. Er litt an Parkinson. Die meisten seiner 48 GP-Starts absolvierte er in einem Ferrari. Er stand 16 Mal auf dem Podium, holte sechs Pole Positions und gewann drei Rennen. 1961 wurde er mit einem Punkt Vorsprung Weltmeister.

    Nach seinem Rücktritt baute er ein Unternehmen zum Restaurieren alter Autos auf, arbeitete zeitweilig TV-Kommentator für ABC und schrieb diverse Magazinartikel. Er hinterlässt seine Frau Alma, seinen Sohn Derek, seine Tochter Vanesssa, seine Stieftochter Jennifer und vier Enkel.

    "Ich bin zutiefst betrübt", ließ Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo ausrichten. "Er war ein Mann und ein Champion, der sehr viel für Ferrari gegeben hat und immer unsere Werte vertreten hat - auf und neben der Strecke. Phil Hill fuhr für uns und gewann viele Rennen bei den Sportwagenprototypen, bei den 24h von Le Mans und in unseren Einsitzern in denen er der erste amerikanische Formel-1-Weltmeister wurde. Wir blieben in den letzten Jahren stetig in Kontakt und ich werde seine Leidenschaft und Liebe für Ferrari vermissen."
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    13. Belgien GP / Circuit National de Francorchamps

    13. Belgien GP / Circuit National de Francorchamps

    Belgien: Fahrt auf der Ardennenachterbahn
    Für die einen sind es belgische Ortsnamen, für die anderen die schönsten Kurven der Welt: Stavelot, Blanchimont, Les Combes, Pouhon oder Malmedy und natürlich das Flüsschen Eau Rouge - sie alle leihen den Streckenteilen der vielleicht aufregendsten Formel 1-Rennstrecke der Welt ihre Namen.

    Mit einer Länge von 7,004 Kilometern ist Spa-Francorchamps der längste Kurs im Rennkalender und gilt zudem als ausgesprochene Fahrerpiste, auf welcher sich im wahrsten Sinne des Wortes die Spreu vom Weizen trennt. Die Passage durch die Senke von "Eau Rouge" und dann steil bergauf Richtung "Kemmel" gehört zu den absoluten Klassikern der Formel 1 - auch wenn sie mit den heutigen Abtriebswerten und den V8-Motoren in der Regel problemlos "voll" geht.

    Dasselbe gilt für die Linkskurve "Blanchimont", die bei passender Fahrzeug-Abstimmung ohne Lupfen des Gaspedals in das Vollgas-Stück bis zur Bus-Stop-Schikane einbezogen wird. Besonderheit beider Stellen: In "Eau Rouge" werden die Piloten mit bis zu 4g in den Sitz gepresst, in "Blanchimont" zerren ähnlich hohe Fliehkräfte an den Nackenmuskeln der Heroen in ihren hochmodernen Kisten.

    Was das Setup betrifft, so fährt man in Spa-Francorchamps nicht mit besonders viel Flügel. Das hat den einfachen Hintergrund, dass auf die der Eau Rouge eine lange Gerade folgt, genau wie nach Stavelot in Richtung Blanchimont und Bus Stop. Leistungsschwächere Teams fahren deshalb schon einmal mit flacheren Flügeln, aber grundsätzlich wird eine Medium-Downforce-Abstimmung gewählt. Mechanisch werden die Fahrzeuge wegen der großen und flachen Kurven hart abgestimmt.
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    Vorschau: Grand Prix von Belgien 2008

    Vorschau: Grand Prix von Belgien 2008

    Der Grand Prix von Belgien, 13. Lauf zur Formel-1-Weltmeisterschaft 2008, findet vom 5. bis 7. September in Spa-Francorchamps statt. Die 7,004 Kilometer lange Strecke ist die längste im Formel-1-Kalender und gehört zu den beliebtesten Kursen der Fahrer. Mit anspruchsvollen Kurven wie der berühmten Eau Rouge und dem wechselhaften Wetter mitten in den Wäldern der Ardennen gilt sie als eine der größten Herausforderungen in der Formel 1. Bis 1970 wurde auf einer 14,08 Kilometer langen Strecke gefahren, die überwiegend aus öffentlichen Straßen bestand. 1972 und 1974 startete die Formel 1 in Nivelles bei Brüssel, 1973 und von 1975 bis 1982 sowie 1984 war Zolder der Austragungsort des Belgien-GP. 1983 stand erstmals der neue, auf 6,94 Kilometer verkürzte Kurs in Spa auf dem Formel-1-Programm, seit 1985 ist er die feste Heimat des belgischen Grand Prix. 2003 und 2006 wurde er nicht ausgetragen. Im letzten Jahr wurde die Strecke umgebaut und auf 7,004 Kilometer verlängert.
    Bruce McLaren erzielte hier 1968 seinen ersten Grand-Prix-Sieg für sein eigenes Team, das er zwei Jahre zuvor gegründet hatte. McLaren-Mercedes gewann vier der letzten neun belgischen Grand Prix: David Coulthard 1999, Mika Häkkinen 2000, nach einem grandiosen Manöver, bei dem er gleichzeitig Michael Schumacher überholte und Ricardo Zonta überrundete. 2004 und 2005 siegte Kimi Räikkönen in Spa.

    Lewis Hamilton
    Wie gefällt dir Spa-Francorchamps?
    „Die Strecke ist eine meiner Lieblingsstrecken. Schon vor meinem ersten Rennen hier, ein Lauf der Formel Renault 2002, fuhr ich auf diesem Kurs am Computer. Eau Rouge ist wahrscheinlich die tollste Kurve der Formel 1. Spa-Francorchamps ist eine der wenigen Strecken, auf denen du etwas spürst, wenn du mit Vollgas den Berg hinauf jagst und in den Wald hinein, dann fühlst du die Strecke unter dir. Das ist eine der schönsten Herausforderungen in der Formel 1.“

    Vermisst du die früheren, so genannten Fahrerstrecken?
    „Ich vermisse sie nicht, aber es ist schade, dass es sie nicht mehr gibt. Ich mag die historischen Rennstrecken wie Monza, Silverstone und Monaco. Immer, wenn ich auf diesen Kursen fahre, spüre ich die Geschichte und genieße den Charakter dieser Strecken. Mit jeder Modernisierung verlieren sie ein kleines Stück ihrer Eigenheiten, aber dadurch werden sie sicherer und wir können weiter auf diesen Strecken fahren, es ist also ein guter Kompromiss.”

    Heikki Kovalainen
    Aus Fahrersicht – was sind die Schlüsselstellen in Spa-Francorchamps?
    „Wenn es um Spa geht, spricht jeder über Eau Rouge, doch noch schwieriger ist Pouhon – eine bergab führende Linkskurve, die wir mit rund 260 km/h durchfahren. Wir fahren hier fast Vollgas, und es ist nicht einfach, die richtige Balance zu finden, mit der du attackieren kannst ohne abzufliegen. Wir Fahrer mögen das, Hochgeschwindigkeitskurven, in denen man fast Vollgas fährt. Hier wird es wirklich spannend, denn hier kommt es ganz auf fahrerisches Können an.“

    Was unterscheidet Spa von anderen Rennstrecken?
    „Spa ist sehr lang, hat eine hohe Durchschnittsgeschwindigkeit und ist nicht ganz ungefährlich. Für uns Fahrer bedeutet das zusätzlichen Nervenkitzel. Du fährst mit hohem Tempo auf einer eher schmalen Strecke – das ist fast wie ein Stadtkurs zwischen Bäumen. Da die Strecke so lang ist, wird es schwierig, eine gute Runde zusammen zu bekommen. Das Wichtigste hier ist Mut – du musst in den Kurven schneller fahren als es dein Kopf dir sagt. Du musst das Gaspedal durchtreten, auch wenn es dir unmöglich erscheint. Du musst deinen Instinkten vertrauen und keinen Gedanken an mögliche Gefahren verschwenden. Das nenne ich eine echte Fahrerstrecke.“

    Martin Whitmarsh
    Spa und Monza sind die beiden Power-Strecken der Formel 1 und finden innerhalb von acht Tagen statt – wie bereiten Sie sich darauf vor?
    „Wir haben absolutes Vertrauen in unsere Kollegen von Mercedes-Benz, an der Leistung der Motoren und ihrer Zuverlässigkeit gibt es nichts auszusetzen. Allerdings zeigen die jüngsten Motorschäden von Ferrari in Ungarn und Valencia, dass auch die homologierten Motoren anfällig sein können und wir wissen, dass Zuverlässigkeit keine Selbstverständlichkeit ist. Gerade auf Strecken, die für die Motoren so anspruchsvoll sind, gibt es immer ein gewisses Risiko. Da wir noch keinen außerplanmäßigen Motorwechsel vornehmen mussten, gäbe es für unsere beiden Fahrer in einem solchen Fall noch keine
    Zurückversetzung in der Startaufstellung.”

    Wie wurden die Autos für Belgien weiter entwickelt?
    „Es gab ein paar kleinere Modifikationen an der Aerodynamik, viele kleine Details, aber nichts, das sofort ins Auge fällt. Außerdem überarbeiten wir unsere Systeme, um Fehlerquellen auszuschließen. Beide Weltmeisterschaften bleiben bis zum Saisonende hart umkämpft und wir werden nichts auslassen, um unsere Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit weiter zu steigern. Auch physisch werden die beiden nächsten Rennen ausschlaggebend. Jeder im Team muss alles dafür geben, dass es keine unliebsamen Zwischenfälle gibt und wir für die darauf folgenden Überseerennen eine gute Ausgangsbasis haben.“

    Norbert Haug
    Nach drei Siegen in Folge für Vodafone McLaren Mercedes gab es in Valencia die Plätze zwei und vier. Hatten Sie sich nicht mehr erhofft?
    „Doch, wir wollten gewinnen. Trotzdem ist unser Ergebnis von Valencia kein Grund zur Enttäuschung. Wir haben 13 Punkte erzielt, was den Trend der letzten drei Rennen davor fortsetzt. In den vier Rennen seit Silverstone haben wir 55 von 72 möglichen Punkten gesammelt und dabei den Abstand zur Tabellenspitze in der Konstrukteurswertung von 33 auf acht Punkte reduziert.“

    In Spa beginnt das letzte Drittel dieser Saison. Was erwartet uns bis zum Finale in Sao Paulo?
    „Die ersten Vier der Fahrer-WM liegen innerhalb von 15 Zählern. Das ist eine spannende Ausgangsbasis für das Saisonfinale. In den bisherigen zwölf Rennen siegten fünf verschiedene Fahrer aus drei Teams. Neben dem notwendigen Speed zum Gewinnen wird naturgemäß die Zuverlässigkeit der Technik die allerwichtigste Rolle spielen. In beiden Punkten müssen wir First Class sein und daran arbeitet jeder im Team hart und konzentriert.“

    Welche Anforderungen stellt die Rennstrecke in Spa-Francorchamps?
    „Die über sieben Kilometer lange Strecke von Spa-Francorchamps ist die längste im Formel-1-Kalender, und nach Monza, wo wir eine Woche später antreten werden, die mit der zweithöchsten Durchschnittsgeschwindigkeit aller Grand-Prix-Kurse. Im Qualifying 2007 lag diese bei 238 km/h. Die Motoren werden auf diesen beiden Strecken der höchsten Belastung in der Saison ausgesetzt. Die längste Vollgaspassage führt von Eau Rouge bergauf bis Les Combes, ist rund 1900 Meter lang und dauert knapp 24 Sekunden. Zusätzlich gibt es einen zweiten langen Volllastabschnitt von 1600 Metern zwischen den Kurven 14 und 18, wo 21 Sekunden mit Vollgas gefahren wird. Neben den langen Geraden, auf denen Höchstgeschwindigkeiten bis zu etwa 320 km/h erzielt werden, hat Spa alles, was einen Kurs interessant und anspruchsvoll macht, von lang gezogenen, anspruchsvollen Kurven wie Pouhon und Stavelot bis hin zur engen Haarnadel La Source, die mit nur 70 km/h durchfahren wird. Bei der Abstimmung müssen Fahrer und Ingenieure diese ganz unterschiedlichen Abschnitte berücksichtigen. Das Wetter spielt hier den Teams oft Streiche, und wenn es regnet, dann nicht unbedingt überall auf der langen Strecke. Spa ist – würde es eine Abstimmung unter den Fahrern geben – bestimmt die Strecke, die am meisten Zuspruch fände.“

    Auch Hamilton findet es langweilig

    Auch Hamilton findet es langweilig: Das Überholen muss zurückkommen

    Lewis Hamilton hat klar betont, dass die Formel 1 dank Überholmangel aktuell auch im Auto nicht besonders lustig ist.
    Die Fans stöhnen schon lange unter der Überholarmut in der Formel 1 und jene Piloten mit schlechten Qualifyings sind auch nicht gerade große Fans der Dirty Air hinter ihren Konkurrenten, die es unmöglich macht, einem Auto dicht zu folgen, weil der Abtrieb verloren geht. "Wir müssen den Anderen nahe folgen und mehr überholen können, das ist sicher, denn es wird langweilig. Seht auch das Rennen in Valencia an - da gab es gar kein Überholen. Das kann schon etwas öde werden. Ich unterstütze die Initiative, die Forme1 1 aufregender zu machen", meinte Lewis Hamilton zu diesem Thema.

    Er musste betonen, dass Valencia an sich nicht viel anders gewesen sei als andere Strecken. Physisch und auch bei der Abstimmung des Autos sei alles wie gewohnt verlaufen. "Das Problem war, dass man nicht nahe an die anderen Autos heranfahren konnte. Das ist auf vielen unserer Strecken so", klagte der McLaren-Pilot. Die Show eines Rennwochenendes an sich findet Hamilton schon gut, doch der Mangel an Überholmanövern ist ihm doch ein Dorn im Auge. "Ich weiß nicht, was die Antwort darauf ist, aber ich weiß, dass ich mir im Rennen den Hintern aufgerissen habe und mein Bestes gegeben habe", betonte er.

    Woran Hamilton nicht glaubte, war die Möglichkeit, dass Großbritannien mit der Austragung des Grand Prix möglicherweise ein Jahr wird aussetzen müssen, wenn Donington nicht rechtzeitig mit den Umbauarbeiten an der Strecke fertig werden sollte. "Ich denke nicht, dass das passieren wird. Ich denke, man kann sehen, dass der Motorsport hier gewachsen ist; wir haben so viele Teams in Großbritannien, es gibt so viele Fans und so viel Unterstützung. Die Leute in diesem Land lieben Motorsport und ich bin mir sicher, sie werden kein Jahr ohne Grand Prix zulassen. Ich bin zuversichtlich, dass das nicht passiert."

    Das Ardennen-Wetter wird wie Ardennen-Wetter

    Das Ardennen-Wetter wird wie Ardennen-Wetter: Die Nässe droht ständig

    Von Freitag bis Sonntag könnte es in Spa regnen. Die Wettervorhersagen deuten auf ein regnerisches Rennwochenende hin.
    Wenn der Mittwoch ein Vorbote für den Rest des Wochenendes in Spa war, dann wird es eine nasse Angelegenheit. Denn der Himmel hatte seine Pforten tagsüber durchgehend geöffnet und sorgte teilweise für kleine Überschwemmungen in der Umgebung der Strecke. Die Vorhersagen für das Wochenende deuten an, dass es mit dem nassen und auch nicht gerade warmen Wetter bis Sonntag so weitergehen könnte, womit der Grand Prix zu einer Regenschlacht werden könnte. Andererseits sind die Wetterprognosen in diesem Jahr auch schon öfter daneben gelegen.

    Den Fahrern ist jedenfalls klar, dass gerade auf der langen Strecke in Spa das Wetter entscheidend sein kann. Robert Kubica hatte wie bereits viele andere vor ihm schon das Phänomen bemerkt, dass es in einem Abschnitt regnen kann und in einem anderen nicht, was eine Einschätzung des Limits besonders schwierig macht. Felipe Massa meinte: "Manchmal bringt der Regen in Spa auch Nebel mit und das macht die Sicht sehr schlecht und es ist nicht sehr angenehm, dabei zu fahren."

    Spa-Francorchamps: Historie und Hintergrund

    Spa-Francorchamps: Historie und Hintergrund

    Die Geschichte des Großen Preises von Belgien in Spa-Francorchamps.
    Die Idee, am Kurort Spa ein Rennen zu veranstalten, entstand 1920. Man verband Malmedy, Stavelot und Francorchamps. 1921 konnte das erste Autorennen nicht stattfinden, weil sich nur ein Teilnehmer angemeldet hatte. Die Strecke wurde von Motorrädern eingeweiht, ehe 1922 Autos starteten. 1924 wurde erstmals das 24-Stunden-Rennen ausgetragen. Das erste bedeutende Formelrennen folgte 1925 mit dem GP von Europa.

    1970 fand das letzte Rennen auf dem bis dato 14 Kilometer langen Kurs statt. Die Autos waren zu schnell für diese Strecke geworden. 1979 wurde der aktuelle Kurs eröffnet. 2003 gastierte die F1 nicht in Spa. Für 2004 wurde die Bus-Stop-Schikane umgebaut. Nach dem GP 2005 setzte die F1 erneut ein Jahr aus. 2007 wurde eine neue Boxenanlage bezogen, die Bus-Stop-Passage wurde inklusive Boxen-Anfahrt erneut umgebaut.

    Die 7,004 Kilometer lange Strecke ist die längste im Formel-1-Kalender und gehört zu den beliebtesten Kursen der Fahrer. Mit anspruchsvollen Kurven wie der berühmten Eau Rouge und dem wechselhaften Wetter mitten in den Wäldern der Ardennen gilt sie als eine der größten Herausforderungen in der Formel 1.

    In der Haarnadel "La Source" ereignete sich 1998 nach dem Start der größte Massencrash der F1-Geschichte, der ohne Personenschäden ausging. Bis heute wurden in Spa 40 Große Preise von Belgien ausgetragen. Zehn weitere fanden in Zolder statt, zwei in Nivelles.

    Webber ist Eau-Rouge-Fan: Der Respekt muss da sein

    Webber ist Eau-Rouge-Fan: Der Respekt muss da sein

    Mark Webber liebt die Eau Rouge nach wie vor und versteht nicht, warum manche meinen, sie sei zu stark entschärft worden.

    Die Lobeshymnen für Spa sind groß an der Zahl und in beinahe allen kommt auch die Eau Rouge vor, die aufgrund der modernen Aerodynamik zwar ein wenig ihres Mythos eingebüßt hat, aber nach wie vor als eine der spektakulärsten Kurven in der Formel 1 gilt. Auch Mark Webber kann sich ihrer Faszination nicht entziehen. "Es ist eine tolle Sache, ein Formel-1-Auto da durchzufahren. Man fliegt oben wie ein Korken heraus. Der Fall nach unten - wenn man noch nicht dort war, merkt man nicht, wie steil es hinunter geht - mit der Kompression und dann die Mauer, die man hinauffährt und wie man dann oben herauskommt. Es ist beeindruckend - man riecht das Holz vom Unterboden, wenn man oben mit Vollgas hinausschießt", erklärte er den Kollegen von Autosport.

    Webber glaubt, dass Eau Rouge nach wie vor so beliebt ist, weil die Kurve einfach so einzigartig ist. Ihre Schwierigkeit macht es seiner Meinung nach weniger aus. Der Australier denkt, es geht eher um das Gefühl. "Die Herausforderung ist nicht mehr so, wie sie es einmal war. Mit den V10 kamen wir da genau an der Grenze an und zu Zeiten des Reifenkriegs war es echt schnell. Aber jetzt sind die Autos da viel stabiler", betonte er. Und die Autos sollten die Kurve auch heil durchstehen, musste er betonen. Denn ein Problem am Auto würde dort zu einem mächtigen Abflug führen. "Wenn man dort hinkommt, dann muss man schon Respekt haben. Man muss sich auf die Linie konzentrieren, es richtig hinbekommen und hinten wieder rauskommen. Es ist recht schnell vorbei."

    Klagen von einigen Seiten, die Kurve sei mittlerweile zu sicher gemacht worden und dadurch nicht mehr so interessant, kann er nicht verstehen. Er meinte, es hätten alle weiter Respekt vor der Kurve. "Alle in der Startaufstellung mögen das Adrenalin und die Gefahr, was auch genau der Grund ist, warum wir diese Autos fahren. Wir lieben es. Wenn man oben eine Betonmauer hinstellen will, die 90 Grad zur Strecke steht, dann ist das verrückt. Wir sollten keine Begrenzungen aufbauen, die es gefährlicher machen. Niemand will jemanden sehen, der ins Spital geflogen wird und vielleicht nicht mehr herauskommt", betonte Webber. Er erachtet die heutige Eau Rouge als guten Kompromiss, denn ungefährlich ist sie auch jetzt nicht. "Es ist nur natürlich, dass die Jungs sagen, früher war es gefährlicher, aber was Senna und Co da gefahren sind, war lächerlich im Vergleich zu dem was Jack Brabham gefahren ist. Der Sport entwickelt sich weiter. Die wahren Helden fuhren in den 60ern und 70ern."

    Räikkönen hat etwas gefunden

    Räikkönen hat etwas gefunden: Die Hoffnung des guten Test-Gefühls

    Die Motorschäden sollen bei Ferrari der Vergangenheit angehören und Kimi Räikkönen will sich bei den Tests verbessert haben. Es fehlt nur die Bestätigung.

    Motorschäden war ein Wort, das die Verantwortlichen bei Ferrari in den vergangenen Wochen verfolgt hat wie ein Albtraum. Einmal hatte es Felipe Massa erwischt, als er in Ungarn in Führung lag, beim anderen Mal musste Kimi Räikkönen in Valencia sein Auto rauchend abstellen. Letztgenannter ist aber zuversichtlich, dass man dieses Problem vor seiner Sahnestrecke Spa aussortiert hat. "Ich denke, wir wissen, was das Problem war und es war mehr oder weniger das Gleiche bei Felipes Motor. Es kann wieder passieren, aber ich bin mir sicher, sie haben das gelöst und es sollte passen", meinte der Finne.

    Allerdings sind viele auch der Meinung, dass neben dem Ferrari-Motor auch der Finne selbst noch etwas Verbesserungs-Potential hat. Er gab unumwunden zu, dass diese Beobachtungen nicht unbedingt falsch waren. "Es war definitiv nicht das, was wir gewollt haben, also gab es da ein Problem. Es ist aber nicht das erste Mal und es ist nicht das Ende des Lebens. Wir haben versucht, das zu lösen und haben jetzt etwas gefunden, also können wir wieder dorthin kommen, wo wir sein sollten. Die Dinge laufen falsch, man hat schlechte Rennen, aber hoffentlich können wir ein starkes Wochenende haben und wieder zurückkommen", betonte er.

    Besonders intensiv wurde klarerweise bei den Tests in Monza gearbeitet, wobei es gefühlte Verbesserungen gab, doch Räikkönen gab zu bedenken, dass man bei Tests nie genau wisse. "Es kann gut aussehen und auf der nächsten Strecke ist man bei anderen Bedingungen wieder dort, wo man vorher gestanden ist. Es ist zu früh, etwas zu sagen. Wir hatten beim Test in gutes Gefühl und werden jetzt weitersehen", erklärte der Weltmeister. Sollte es nicht wie erhofft aufwärts gehen und er Felipe Massa zum Titel helfen müssen, würde er das auch tun, gab er sich als Teamplayer. "Das kann passieren. Es hängt alles davon ab, wie die nächsten Rennen laufen, wo wir am Ende des Jahres dann sind. Aber wir fahren in einem Team, hoffentlich sind wir bis zu den letzten Rennen in der WM dabei und dann werden wir weitersehen."

    Qualifying: Hamilton auf Pole

    Qualifying: Hamilton auf Pole

    Das Duell Lewis Hamilton gegen Felipe Massa setzt sich in Spa-Francorchamps fort. Die beiden WM-Spitzenreiter starten gemeinsam aus der ersten Reihe.

    Im letzten Anlauf schnappte Lewis Hamilton Felipe Massa die Pole Position weg, jetzt führt der Brite mit 5:4 Poles gegen den Brasilianer, der sich mit Startplatz 2 begnügen musste. Beim vorletzten Rennen konnte Massa den Spieß am Start umdrehen und auf Platz 1 vorschießen. Genau das wird er sich auch diesmal vornehmen.

    Hinter Hamilton und Massa starten deren Teamkollegen aus Reihe 2. Heikki Kovalainen verdrängte Kimi Räikkönen in allerletzter Sekunde von Platz 3. Bester Nicht-Ferrari- oder McLaren-Pilot ist Nick Heidfeld auf dem 5. Platz. Er ließ Fernando Alonso und Mark Webber hinter sich. Sein Teamkollege Robert Kubica steht nur auf Startplatz 8.

    Die Top10 runden beide Toro Rosso ab. Sebastien Bourdais konnte Sebastian Vettel schlagen. Der Deutsche fuhr im Q3 allerdings nur einen Versuch, um Reifen und Benzin für das Rennen zu sparen. Bourdais kennt Spa bereits von seinem F1-Test im letzten Jahr. Das nutzte er im Q1 sogar zu einer viel umjubelten Bestzeit.

    Die Ausgeschiedenen

    Zwei Deutsche schieden schon am Ende des zweiten Qualifyings aus. Timo Glock und Nico Rosberg belegten nur die Plätze 13 und 15. Ebenfalls vorzeitig verabschiedeten sich Jarno Trulli, Nelson Piquet und David Coulthard.

    Nur ganz knapp scheiterte Adrian Sutil am Einzug ins Q2. "Mir liegt die Strecke, es ist eine meiner Lieblingsstrecken. Sie macht richtig Spaß", sagte der Deutsche. "Die Bedingungen waren auch endlich mal besser. Meine Runden waren alle drei gut, problemlos und ohne Fehler". Letztlich fehlten ihm jedoch sieben Hundertstel, um die beiden Honda zu schlagen. "Das ist etwas ärgerlich, aber wir können trotzdem zufrieden sein. Morgen haben wir ein Trockensetup gewählt mit wenig Downforce. Wir sind schnell auf den Geraden und ich hoffe, ein paar Plätze gutzumachen."

    13. Belgien GP / Circuit National de Francorchamps

    13. Belgien GP / Circuit National de Francorchamps

    Belgien GP: Hamilton gewinnt Rutschpartie

    Zum vierten Mal in Folge wollte Kimi Räikkönen den Großen Preis von Belgien in Spa-Francorchamps gewinnen. Doch der Sieger hieß: Lewis Hamilton.

    Typisch Spa-Francorchamps: feuchte Strecke zum Rennstart, abgetrocknete Strecke mit teilweise Sonnenschein zur Rennmitte und leichter Nieselregen in den Schlussrunden - der Belgien GP war mal wieder eine Wetterlotterie, die am Ende ein spannendes Duell zwischen dem Führenden Kimi Räikkönen und dem Zweiten Lewis Hamilton bot. Auf leicht feuchter Bahn kämpfte sich Hamilton immer näher an den Finnen heran.

    Dann begannen die verrücktesten drei Runden des Jahres. Der Regen wurde stärker und das Duell an der Spitze härter. Plötzlich fuhr Kimi Räikkönen neben der Strecke, Hamilton übernahm die Führung, kam jedoch hinter einem zu überrundenden Williams ins Straucheln und verlor sie wieder an Räikkönen, der sich jedoch nur Sekunden danach selbst drehte und somit wieder Hamilton die Führung bescherte. Auf nasser Bahn schlichen die Spitzenfahrer dem Ziel entgegen, doch Räikkönen riskierte zu viel, drehte sich erneut und schlug in der Mauer ein - Ausfall für den Finnen. So rutschte Hamilton ungefährdet zum Sieg, denn Felipe Massa hatte in der Schlussphase nichts riskiert und fuhr langsam auf Platz 2 ins Ziel.

    Chaos am Ende

    Am Start ließ Hamilton keine Fragen offen und zog dem Feld davon, doch dann der Fehler: er drehte sich eingangs der zweiten Runde in der La Source. Sein Verfolger Räikkönen wich über die Auslaufzone aus, ging dann aber nach Eau Rouge auf der langen Geraden am McLaren vorbei. Diese Position hielt Räikkönen auch nach seinen beiden Boxenstopps in den Runden 12 und 25.

    Hamilton stoppte beim ersten Boxenbesuch eine Runde vor dem Ferrari-Piloten, bei der zweiten Boxenstopprunde gleichzeitig mit dem amtierenden Weltmeister. Felipe Massa war jeweils der letzte Fahrer des Spitzentrios, der an die Box kam. Doch er spielte keine Rolle im Kampf um den Sieg, den Räikkönen verschenkte.

    Aber auch dahinter kam es in den Schlussrunden zu chaotischen Szenen. Einige Fahrer holten sich noch für die letzte Runde Regenreifen, dazu zählten auch Fernando Alonso und Nick Heidfeld, die so in der Schlussrunde an ihren Konkurrenten vorbeischießen konnten. Heidfeld überholte beide Toro Rosso in einer Kurve und schnappte sich hinter Hamilton und Massa den letzten Podestplatz. Alonso überholte auf der zielgeraden Sebastian Vettel und wurde damit Vierter. Vettel belegte Platz 5 vor Robert Kubica, Sebastien Bourdais und Timo Glock.

    Turbulenter Beginn

    Der Start verlief chaotisch. Fast alle Fahrer begannen das Rennen auf einer noch feuchten Start- und Zielgeraden mit den weichen Trockenreifen. Entsprechend schlecht kamen einige am Start weg, zum Beispiel Heikki Kovalainen der weit nach hinten durchgereicht wurde. Besser machte es Kimi Räikkönen der gleich seinen Teamkollegen angriff. Nur Lewis Hamilton flog vorne zunächst davon.

    Dahinter kam es zum Durcheinander: hinten kollidierte Giancarlo Fisichella mit einem Kontrahenten und der Mauer, mittendrin überholte Jarno Trulli den Toro Rosso von Sebastien Bourdais, der ihm jedoch in La Source ins Heck rauschte. Bei einem Ausweichmanöver mussten einige Fahrer neben die Strecke, dabei verlor auch Nick Heidfeld etliche Plätze. Auch Felipe Massa wählte in der ersten Kurve den Ausweg über den Kerb.

    In den nächsten Runden gab es durch das durcheinander gewürfelte Feld etliche Zweikämpfe und Überholmanöver. Nick Heidfeld kämpfte sich nach vorne, überholte unter anderem Timo Glock. Auch Heikki Kovalainen schnappte sich einen Kontrahenten nach dem anderen, doch nach einem spannenden Zweikampf mit Robert Kubica war bei Mark Webber Schluss. Kovalainen drehte den Australier um und kassierte dafür eine Drive-Through-Strafe, die ihn erneut weit zurückwarf. In der letzten Runde musste Kovalainen seinen McLaren mit einem Defekt abstellen.

    Untersuchung der Rennkommissare

    Kurz vor dem Ende des Rennens gab es eine umstrittene Szene, als Lewis Hamilton in der Bus Stop Schikane abkürzen musste und an Kimi Räikkönen vorbei kam. Zwar ließ er danach den später ausgeschiedenen Räikkönen wieder vorbei, doch behielt er sich einen Vorteil, da er sofort in den Windschatten ging und mit mehreren Zickzack-Manövern überholte. Deswegen gab es von den Rennkommissaren nach dem Rennen zu hören, dass der Zwischenfall untersucht wird. Auch Ferrari hat einen Protest eingelegt.

    Untersuchung gegen Hamilton und Räikkönen

    Untersuchung gegen Hamilton und Räikkönen: Sieg mit Fragezeichen

    Kurz vor dem Ende des Rennens in Spa gab es eine umstrittene Szene, als Lewis Hamilton in der Bus Stop Schikane abkürzen musste und an Kimi Räikkönen vorbei kam. Zwar ließ er danach den später ausgeschiedenen Räikkönen wieder vorbei, doch behielt er sich einen Vorteil, da er sofort in den Windschatten ging und mit mehreren Zickzack-Manövern überholte. Deswegen gab es von den Rennkommissaren nach dem Rennen zu hören, dass der Zwischenfall untersucht wird. Auch Ferrari hat einen Protest eingelegt.

    Hamilton klagt über Räikkönen

    Hamilton klagt über Räikkönen: Aufregendste Rennen der Karriere

    Es war das Duell der letzten Runden: Lewis Hamilton gegen Kimi Räikkönen. Der Brite glaubt, dass Räikkönen etwas fairer hätte sein können.
    Lewis Hamilton saß in seinem Cockpit und betete - für Regen. "Ich konnte Kimi vor mir sehen, er war so weit vorne, ich hatte nicht gewusst, dass sein Vorsprung so groß war", sagte er nach dem Rennen. "Ich griff an, aber ich holte nur eine Zehntel pro Runde auf." Also betete er für Regen und der sollte kommen. "Ich sah, wie Kimi nachgab, viel früher bremste und ich wusste sofort, dass der Kampf begonnen hatte."

    In der Bus-Stop-Schikane ging Hamilton erstmals am Finnen vorbei, doch er rodelte durch die Auslaufzone und musste den Ferrari wieder vorbeilassen. Trotzdem beklagte er sich: "Er hat mich abgedrängt. Ich war etwas vorne und außen in Kurve 1, er hätte fairer sein können." So habe er keinen Platz gehabt und musste ausweichen. Die Rennkommissare untersuchen derzeit den Vorfall zwischen Räikkönen und Hamilton.

    Aber Hamilton kam so oder so vorbei. "Ich fuhr in Kurve 12 weit hinaus. Rosberg hatte sich wohl gedreht und kam direkt vor mir auf die Strecke zurück, wir kollidierten beinahe. Ich wich aufs Gras aus, Kimi drehte sich ausgangs der Kurve und ich kam vorbei." Danach sei es zwar unglaublich hart, aber unumstritten gewesen.

    In der WM führt Hamilton jetzt mit 8 Punkten vor Felipe Massa, der in Belgien Platz 2 belegte. "Es war das aufregendste Rennen meiner Karriere", sagte Hamilton. "Ich liebe die Zweikämpfe mit Kimi, sie haben viel Spaß gemacht."

    Dennis' Sicht der umstrittenen Szene

    Dennis' Sicht der umstrittenen Szene: Whiting gab McLaren recht

    Ron Dennis kann nicht verstehen, dass eine Untersuchung läuft und meint, Charlie Whiting habe keine Übertretung gesehen.

    Als nach Rennende in Spa bekannt wurde, dass eine Untersuchung gegen Lewis Hamilton und Kimi Räikkönen läuft, herrschte bei McLaren erst einmal Verwunderung und auch Unverständnis. Ron Dennis musste gestehen, dass er gar nicht genau wisse, worum sich die Untersuchung dreht. "Man nimmt an, es war der Zwischenfall zwischen Kimi und Lewis in der Schikane. Erstens war Lewis bei der Schikane vorne und wurde nach außen gedrückt. Er war definitiv in Führung, als es aus der Schikane ging. Wir haben ihn sofort angefunkt, dass er Kimi vorbeilassen soll. Er hat ihn vorbeigelassen und ihn dann vor der Linie wieder überholt", meinte der Teamchef.

    Da man sich aber nicht ganz sicher war, fragte man auch noch bei Charlie Whiting nach, wobei Dennis erklärte, dass der auch nur seine Interpretation abgeben konnte. "Er ist keiner der Stewards, aber er gab seine Meinung ab und sagte, wir hätten uns an die Regeln gehalten. Ich würde sogar abstreiten, dass es überhaupt eine Übertretung gab, denn wir hatten in der Schikane die Kurve. Aber auch wenn wir sie nicht hatten, so haben wir Kimi wieder nach vorne gelassen."

    Räikkönen ging volles Risiko: Sieg oder Niederlage

    Räikkönen ging volles Risiko: Sieg oder Niederlage

    Kimi Räikkönen wollte sich in Spa nicht geschlagen geben und landete deswegen im Aus. Die WM gibt er aber noch nicht verloren.
    Wenn man Kimi Räikkönen beim Rennen von Spa eines definitiv nicht nachsagen konnte, dann war es fehlende Motivation. Der Finne fightete nicht nur nach dem Start um jede Position, sondern wollte sich auch beim einsetzenden Regen am Ende nicht unterkriegen lassen. "Ich war auf Sieg und Niederlage eingestellt und es ist leider falsch gelaufen. Ich wollte heute nur gewinnen. Es waren schwierige Bedingungen und ich bin leider ausgefallen", meinte er.

    Auch den Ferrari-Piloten hatte kurz nach dem Rennen die Nachricht erreicht, dass es eine Untersuchung wegen seines Scharmützels mit Lewis Hamilton in der Bus Stop Schikane wenige Runden vor Schluss gibt. Allzu eindeutig wollte er sich aber nicht dazu äußern. "Es läuft eine Untersuchung. Es gibt Regeln, die sich mit dem Abkürzen von Schikanen und dem daraus resultierenden Vorteil beschäftigen. Es wird nun geschaut, ob alles korrekt war und mehr sage ich nicht", sagte der Weltmeister.

    Ob er diesen Titel in diesem Jahr wird verteidigen können, ist - egal ob Strafe für Hamilton oder nicht - wieder etwas unwahrscheinlicher geworden. Räikkönen selbst blieb aber weiter Optimist. "Ich habe keine Ahnung. Warten wir einfach ab. Ich brauchte heute mehr Punkte als die Anderen, ich war bereit, zu gewinnen oder zu verlieren und leider bin ich abgeflogen. Noch ist es nicht vorbei." Er musste aber zugeben, dass es schwerer geworden ist, versprach aber dennoch, dass er weiter sein Bestes geben wird.

    Worauf Räikkönen noch genauer eingehen musste, war sein Überholmanöver gegen Felipe Massa zu Beginn, da einige das doch als etwas riskant gegenüber dem Teamkollegen einstuften. "Das ist Racing. Wir haben uns nicht berührt, also sehe ich da kein Problem", meinte Räikkönen. Dennoch sahen sich einige deswegen dazu genötigt, zu fragen, ob Räikkönen wirklich Massa helfen will, wenn das nötig sein wird. "Das hängt nicht von mir ab", betonte der Finne, "wir müssen gewinnen. Ich werde mein Bestes geben und wir werden dann sehen, wie die Situation aussieht. Ich will Rennen gewinnen und wir werden sehen, wie es ausgeht."

    25-Sekundenzeitstrafe für Glock: Überholen unter Gelb

    25-Sekundenzeitstrafe für Glock: Überholen unter Gelb

    Timo Glock durfte sich nicht lange über seinen 8. Platz und einen WM-Zähler freuen. Nach Rennende erhielt der Deutsche von den Rennkommissaren eine 25-Sekunden-Zeitstrafe, da er unter gelber Flagge überholt haben soll. Glock schnappte sich Mark Webber in den letzten Zügen des Rennens, doch dort sollen gelbe Flaggen wegen des Unfalls von Kimi Räikkönen gezeigt worden sein. Anstelle von Glock erntet nun Webber den letzten Punkt.

    25-Sekunden-Zeitstrafe für Hamilton: Nur noch Dritter

    25-Sekunden-Zeitstrafe für Hamilton: Nur noch Dritter

    Lewis Hamilton wurde wegen des Abkürzens der Schikane und dem daraus geschlagenen Vorteil mit einer 25-Sekunden-Strafe versehen. Er rutscht auf Platz 3 ab.
    Kurz nach Rennende kündigten die Rennkommissare eine Untersuchung der Autos 1 und 22 an - Kimi Räikkönen und Lewis Hamilton. Der Rennsieger Hamilton hatte den Finnen in der Bus-Stop-Schikane über die Auslaufzone überholt. Danach ließ er Räikkönen auf der Geraden vorbei, attackierte ihn erneut und zog vorbei.

    Für Christian Danner ein ganz normaler Vorgang. "Nachdem ich es ein paar Mal in Zeitlupe gesehen habe, ist für mich sonnenklar, dass alles ganz normal zuging", sagte er uns. "Es war eine ganz normale Rennsituation, in der Räikkönen Hamilton sogar rausgekickt hat, was aber völlig okay ist. Hamilton hat Räikkönen komplett vorbeigelassen und dann ganz normal überholt. Die Untersuchung ist in Ordnung, aber es kann eigentlich nichts dabei herauskommen."

    Das sahen die Stewards anders. Die Rennleitung brummte Hamilton eine 25-Sekunden-Zeitstrafe auf, die ihn auf Platz 3 zurückwirft. Der neue Sieger des Belgien GP ist damit Felipe Massa vor Nick Heidfeld.

    Glocks Strafe befördert Webber in Top8

    Glocks Strafe befördert Webber in Top8: Glücklicher Punktgewinn

    Mit der mageren Ausbeute von einem Zähler für Mark Webber verabschiedet sich Red Bull aus Belgien. Teamchef Horner hofft auf bessere Zeiten.
    Bereits im Qualifying hatte David Coulthard große Probleme und kam nicht über den 14. Startplatz hinaus. Teamkollege Mark Webber markierte hingegen die siebentbeste Zeit, fuhr am Endes Rennens aber vorerst nur als Neunter über die Ziellinie. Aufgrund der nachträglichen Zeitstrafe für Timo Glock rückte der 32-jährige Australier noch auf den achten Platz vor. "Ich hing anfangs hinter Bourdais fest, danach hat mich Kovalainen abgeschossen. Das hat Zeit gekostet und zugleich unsere aggressive Strategie durcheinander gebracht", resümierte Webber.

    Die Attacke von Kovalainen beschäftigte auch Teamchef Christian Horner: "Es war ein optimistisches Mannöver des Finnen und hat uns zahlreiche Plätze gekostet." Webber auf Trockenreifen draußen zu lassen und Coulthard mit Intermediate-Reifen auszustatten, sei ein riskanter Schritt gewesen. Horner betonte allerdings, dass das heutige Ergebnis nicht die Leistung des Teams widerspiegle, "ich bin sicher, dass wir das nächste Mal wieder Glück haben werden."

    David Coulthard, der über den elften Platz nicht hinauskam, beschwerte sich indes über das Fahrverhalten seines Wagens: "Er war einfach unfahrbar. Zudem hat mich ein Honda-Pilot eine lange Zeit aufgehalten. Ich denke, dass es besser gewesen wäre, eine Runde früher auf Intermediate-Reifen zu wechseln."

    Ergebnis: Großer Preis von Belgien

    Ergebnis: Großer Preis von Belgien

    Lewis Hamilton verliert Sieg am Grünen Tisch
    Platz drei nach 25 Sekunden Zeitstrafe

    Vodafone McLaren Mercedes Fahrer Lewis Hamilton gewann den Grand Prix von Belgien in Spa-Francorchamps, verlor seinen Sieg jedoch durch eine Entscheidung der Sportkommissare, da er wegen angeblichen Abkürzens der Schikane eine Zeitstrafe von 25 Sekunden erhielt. Dadurch belegte er Platz drei hinter Felipe Massa (Ferrari) und Nick Heidfeld (BMW Sauber). Das Team beabsichtigt, gegen diese Entscheidung Berufung einzulegen. Heikki Kovalainen fiel in der letzten Runde wegen eines Getriebeschadens aus. Vodafone McLaren Mercedes liegt in der Konstrukteurs-WM nach 13 von 18 Rennen mit 119 Punkten auf Platz zwei; Ferrari führt mit 131 Punkten. In der Fahrer-WM führt Lewis mit 76 Punkten vor Massa mit 74 Punkten. Heikki ist Sechster mit 43 Zählern.

    Der Start:
    Lewis startete zum fünften Mal in diesem Jahr von der Pole Position; Heikki nahm das Rennen als Dritter auf. Auf feuchter Strecke nach einem Schauer kurz vor dem Rennen beschleunigte Lewis am schnellsten in die Spitzkehre La Source, während Heikki dort in eine Startkollision verwickelt wurde und auf Rang 13 zurückfiel. Am Ende der ersten Runde führte Lewis, Heikki war Elfter.

    Das Rennen:
    Runde 2: Lewis drehte sich in La Source; Kimi Räikkönen holte auf und überholte am Ende der Bergaufgeraden vor Les Combes. Heikki verbesserte sich auf Platz neun.
    Runde 4: Heikki überholte Nelson Piquet (Renault) und war Achter.
    Runde 9: Heikki bremste vor Les Combes Robert Kubica (BMW Sauber) aus und war jetzt Siebter.
    Runde 10: An der Schikane vor Start und Ziel wollte Heikki den Red Bull Renault von Mark Webber überholen und rutschte auf feuchter Strecke in das Auto des Australiers. Heikki erhielt dafür eine Durchfahrtsstrafe.
    Runde 11: Erster Boxenstopp von Lewis Hamilton (6,8 Sekunden); er nahm das Rennen als Siebter wieder auf.
    Runde 13: Heikki kam zu seinem ersten Boxenstopp herein (8,8 Sekunden); einen Durchgang später fuhr er zu seiner Durchfahrtsstrafe durch die Boxengasse.
    Runde 15: Lewis war Zweiter hinter Räikkönen; Heikki fuhr auf Platz 14.
    Runde 25: Lewis und Räikkönen kamen gleichzeitig zu ihren jeweils zweiten Boxenstopps herein; Lewis stand 8,7 Sekunden und blieb hinter dem Finnen.
    Runde 29: Lewis war Zweiter hinter Räikkönen und verkürzte den Abstand leicht. Heikki fuhr auf Platz zehn.
    Runde 33: Heikki legte als Achter seinen zweiten Boxenstopp ein (6,2 Sekunden) und war danach Neunter.
    Runde 42: Regen. Lewis attackierte Räikkönen in der letzten Kurve.
    Runde 43: Vor La Source ging Lewis vorbei und übernahm die Führung. Im weiteren Verlauf drehten sich beide auf nasser Strecke und gerieten aufs Gras, aber Lewis behielt die Führung. Kimi fiel durch einen Unfall aus.
    Ziel (Runde 44): Lewis fuhr als Erster ins Ziel. Heikki fiel noch in der letzten Runde wegen Getriebeschadens aus.


    Lewis Hamilton
    „Das war einer der aufregendsten Siege meiner Karriere. Und was für ein hartes Rennen. Nach meinem Dreher in der zweiten Runde fiel ich hinter Kimi zurück. Ich sah ihn immer vor mir und attackierte so hart wie möglich. Dabei hoffte ich, er würde beim Überrunden Zeit verlieren. Als es zu regnen begann, war Kimi beim Bremsen etwas vorsichtig und ich kam heran. In der Schikane versuchte ich zu überholen und wir berührten uns fast. Ich lenkte nach links, um das zu verhindern. Auf der Start-Zielgeraden ließ ich ihm Platz, wieder in Führung zu gehen, aber in der La Source kam ich innen an ihm vorbei.“

    Heikki Kovalainen
    „Gleich in der ersten Kurve wurde ich zwischen anderen Autos eingeklemmt und verlor viele Positionen. Mein Auto lief super und ich konnte schnell aufholen. Als ich vor der Schikane auf Mark Webber auflief, war ich deutlich schneller, doch wahrscheinlich sah er mich wohl nicht und wir berührten uns; er drehte sich vor mir. Es war ein Rennunfall, aber ich erhielt eine Durchfahrtsstrafe und fand mich erneut im hinteren Feld wieder. Wieder überholte ich etliche Fahrzeuge und besonders mit meinem letzten Reifensatz hatte ich einen guten Speed. Als es am Ende rutschig wurde, hoffte ich, weiter nach vorn zu kommen, doch dann hatte ich leider einen Getriebeschaden.”

    Ron Dennis
    „Wirklich ein sensationeller Grand Prix, es gab wohl kaum jemanden, den es auf seinem Sitz hielt. In der zweiten Runde machte Lewis einen seiner seltenen Fehler und fiel hinter Kimi Räikkönen zurück, den er danach deutlich unter Druck setzte. Bei rutschiger Strecke ist unser Auto allerdings etwas besser als das der Konkurrenz und als es zu regnen begann waren wir zuversichtlich, dass Lewis seinen Vorteil nutzen würde. Tatsächlich übernahm er die Führung, beendete das Rennen auf der Strecke als Erster, erhielt aber dann 25 Sekunden Zeitstrafe. Nach dem Rennen erklärten wir unsere Absicht, Berufung einzulegen.
    Heikkis Start war nicht optimal, doch anschließend holte er schnell auf. Nach dem Vorfall mit Mark Webber erhielt er eine Durchfahrtsstrafe, doch er attackierte weiter, bis er in der letzten Runde ausfiel. Es war ein forderndes Rennen für alle Fahrer, die bei diesen Bedingungen verantwortungsvoll handelten. Unsere beiden Jungs zeigten guten Speed und Entschlossenheit.“

    Norbert Haug
    „Nach einem spannenden Rennen gewann Lewis auf der Strecke, doch der Sieg wurde ihm durch die Entscheidung der Sportkommissare aberkannt. Unserer Meinung nach hat sich Lewis keinen unerlaubten Vorteil verschafft. Wir lassen uns nicht unterkriegen und müssen weiter voll konzentriert bleiben, denn in der Weltmeisterschaft ist noch nichts entschieden.“

    Podest für Nick Heidfeld: BMW-Sauber im Glück

    Podest für Nick Heidfeld: BMW-Sauber im Glück

    Die richtige Reifenwahl zwei Runden vor Schluss und eine Disqualifikation bescherte dem BMW-Sauber Team den 9. Podestplatz der Saison und Nick Heidfeld Rang 2.

    Spa-Franchorchamps ist immer für eine Überraschung gut. In diesem Jahr war es einsetzender Regen, nur 3 Runden vor Ende des Rennens. Ein Segen für Nick Heidfeld, der bis dato auf Rang 7 lag. Der Mönchengladbacher entschied sich kurzfristig an die Box zu kommen und Regenreifen aufziehen zu lassen. Damit konnte er weitaus schneller fahren als seine Gegner, die allesamt auf Trockenreifen geblieben waren. "Ich hatte ein phantastisches Rennwochenende und bin heute sehr froh", sagte Heidfeld. "Als es begann zu nieseln, war ich überzeugt, dass der Regen in der nächsten Runde stärker werden würde und habe mich entschieden, auf Regenreifen zu wechseln." Sein Team fragte nach, ob er sicher sei und erfüllte den Wunsch des Fahrers, trotz aller Zweifel. "Es war eine Frage von Sekt oder Selters." Am Ende wurde aus Platz 3 noch Platz 2, da Rennsieger Lewis Hamilton von der Rennleitung eine 25-Sekunden-Strafe erhielt.

    Dabei sah es nach dem Start nicht so aus, als könnte der BMW-Sauber-Pilot um die Spitze mitkämpfen. Zwar hatte Heidfeld einen guten Start, doch kam ihm Heikki Kovalainen in die Quere, der seinerseits versuchte Sebastian Bordais auszuweichen. "Heikki Kovalainen ist mir leider ins Auto gefahren. Das kann passieren, ich war froh, dass mein Auto nicht weiter beschädigt war, aber natürlich habe ich einige Plätze verloren."

    Auch für Teamkollege Robert Kubica lief im Rennen nicht alles, wie erwartet. Im Getümmel der Startphase verlor auch der zweite BMW-Sauber Pilot einige Positionen. Bis zum zweiten Boxenstop sah es dennoch nach einem möglichen Podestplatz aus. "Ich bin nicht zufrieden mit dem Resultat", sagte der Pole. "Ich hatte heute die Möglichkeit, aufs Podium zu fahren. Wir hatten jedoch ein Problem während des zweiten Boxenstopps. Ich verlor zwei oder drei Positionen und kam hinter Nick zurück auf die Strecke."

    Der Tankschlauch konnte beim Boxenstop nicht schnell genug aufgesetzt werden, erklärte Motorsport-Direktor Dr Mario Theissen. Ein Reifenwechsel kam für Kubica kurz vor Schluss des Rennens aber dennoch nicht in Frage. "Das hätte bei mich zu viel Zeit gekostet. Ich war ja direkt hinter Nick, wir wären praktisch gleichzeitig angekommen." Zudem hatte Kubica Probleme mit seinem Funk und daher keine genauen Informationen über die anstehende Wetterlage. Am Ende blieb mit der Disqualifikation von Hamilton Rang 5 und die Trauer um verloren gegangene Punkte.

    Auch Willy Rampf, der Technische Direktor vom BMW-Sauber-Team, zeigte sich von den Ereignissen des Belgien Grand Prix beeindruckt. "Dies war wohl das ungewöhnlichste Rennen, das ich je erlebt habe. Bis zwei Runden vor Schluss war alles ziemlich normal. Aber dann begann es zu regnen, und die Ereignisse überschlugen sich." In der Konstrukteurswertung konnte BMW-Sauber zudem weitere 12 Punkte einstreichen, auch wenn man sich für Robert Kubica ein besseres Ergebnis erwünscht hatte. "Für Robert ging leider einiges schief bei seinem zweiten Boxenstopp. Wir hatten Probleme beim Tanken, und dadurch hat er mehrere Plätze verloren. Insgesamt war es dennoch ein sehr gutes Ergebnis für das Team", lautete das Fazit des Technischen Direktors.

    Domenicali bedauert und lobt Räikkönen

    Domenicali bedauert und lobt Räikkönen: Fantastische Arbeit

    Stefano Domenicali sagte zwar nichts zur Strafe gegen Lewis Hamilton, hatte aber viel Lob für Kimi Räikkönen. Die WM-Situation will er nun genau ansehen.

    Kommentar zur Bestrafung Lewis Hamiltons wollte Stefano Domenicali zwar keinen abgeben - außer dass er Meldungen widersprach, Ferrari habe nach dem Rennen Protest eingelegt -, zu besprechen gab es nach dem Großen Preis von Belgien aber genug für ihn. Denn abseits der Bus-Stop-Schikane war doch auch so einiges passiert. Beispielsweise hatte Kimi Räikkönen ungeachtet des Ausfalls eine gute Leistung abgeliefert, was auch der Teamchef anerkennen musste. "Es war wirklich schade, dass er das Rennen nicht beendet hat, denn er hat fantastische Arbeit geleistet. Er hat gepusht, wie man an seinen Rundenzeiten sehen kann. Er hat sehr, sehr hart gepusht und auf dem letzten Reifensatz, der die härtere Mischung war, fand er es etwas schwieriger. Dadurch konnte er nicht so pushen, wie er wollte", sagte er. Dass Räikkönen dann abflog, beurteilte Domenicali damit, dass es einfach sehr, sehr schwer gewesen war.

    Die Schuld wollte er seinem Fahrer aber nicht dafür geben, sondern betonte, dass bei solchen Bedingungen einfach so viel passieren kann. "Man hat gesehen, als Lewis ins Gras kam, konnte Kimi auf der Straße bleiben und dann kam er doch wieder von der Strecke. Aber das ist Racing. Es war aber gut, zu sehen, dass er sehr motiviert ist und so hart pusht, wie er kann." Dennoch musste Domenicali auch zugeben, dass man angesichts des aktuellen Punktestands über das weitere Vorgehen des Teams nachdenken müsse. Allerdings wollte er da nichts überstürzen. "Denn so ist unser Zugang zu den Rennen und wenn wir das Gefühl haben sollten, die Zeit ist die richtige, dann werden wir das tun. Aber nehmen wir die vielen Ereignisse dieses Sonntags nun mit, damit wir uns richtig auf Monza vorbereiten können. Das ist das Hauptziel, auf das wir in den nächsten Tagen hinarbeiten müssen."

    Sorgenstrecke Monza

    Und Monza erwartete Domenicali nicht unbedingt als Zuckerstrecke für Ferrari, da es auch dort kühl sein dürfte und das Wetter beim Aufwärmen der Reifen problematisch werden könnte. "Wir müssen sehr hart arbeiten, denn wir wissen, dass McLaren vor allem in Monza stark ist, aber nicht nur dort, wie wir sehen können. Gestern waren wir von ihrer Leistung im Qualifying beeindruckt. Das zeigt, wie eng die Weltmeisterschaft ist, wie knapp es bis zum Schluss sein wird", sagte der Ferrari-Teamchef. Und deswegen ist ihm auch klar, dass Ferrari nicht eine Sekunde nachlassen darf, denn Domenicali schätzt McLaren sehr stark ein. "Und heute haben wir noch eine Lektion gelernt. Man muss warten. Wir haben das immer gesagt, aber heute war es klar: man muss warten, nicht nur bis zum Rennende, sondern auch noch auf das Danach. Das zeigt, dass die Situation wirklich kompliziert ist", erklärte er.

    Dass die Entscheidung der Stewards die Weltmeisterschaft für Ferrari etwas offener gemacht hat, konnte Domenicali nicht leugnen, doch er konnte nur noch einmal betonen, dass man den Zugang nicht ändern werde. "Wie ich schon gesagt habe, es wird sehr hart, aber zumindest führen wir jetzt in einer der beiden Weltmeisterschaften und sind in der anderen knapp dran." Zwei Punkte trennen Felipe Massa nur mehr von Lewis Hamilton und damit ist natürlich alles noch möglich. Damit die Chancen noch besser werden, will Domenicali nun das Augenmerk vor allem auf die Probleme mit den härteren Reifen legen. "Daran müssen wir viel arbeiten, denn wir werden in Monza die gleichen Reifen haben und das kann ein entscheidendes Element sein, das den Unterschied bei der Leistung in Monza macht."

    Massas kalkuliertes Rennen

    Massas kalkuliertes Rennen: Des einen Freud, des anderen Leid

    Stefano Domenicali äußerte sich zum umstrittenen Sieg von Felipe Massa und Luca Baldisserri lobte die Leistungen seiner beiden Fahrer.
    Freud und Leid bei Ferrari. Während Kimi Raikkönen kurz vor Rennende von der Strecke rutschte und damit seine Chancen auf den Titel nur noch gering sind, erbte Felipe Massa den Sieg von Lewis Hamilton. Dieser bekam bekanntlich eine 25-Seunden-Zeitstrafe, nachdem er im Duell mit Raikkönen eine Abkürzung gefahren war.

    "Ich habe schon immer gesagt, dass das Rennen erst dann vorbei ist, wenn das offizielle Ergebnis feststeht", so Ferraris Teamchef Stefano Domenicali Ob er die Rückversetzung von Hamilton gerecht finde, wollte er nicht kommentieren. "Wir wurden zu den Marshalls zitiert und haben die Vorkommnisse aus unserer Sicht geschildert. Aber wir blicken jetzt bereits auf Monza und hoffen auf die Unterstützung unserer Fans in diesem wichtigen Moment der Meisterschaft." Er gratulierte seinem Schützling Kimi Raikkönen zu einem großartigen Rennen, das er unter den widrigen Verhältnissen nicht beenden konnte.

    Bedeckt bezüglich der Hamilton-Angelegenheit hielt sich auch Felipe Massa. Der nachträgliche Sieger erklärte, warum er nach der Eau Rouge von Raikkönen überholt wurde: "Ich dachte, es sei in dieser Kurve ein wenig nasser, daher bin ich ein vom Gas gegangen. Kimi hat das ausgenutzt und ist vorbei gegangen."

    Als der Regen einsetzte, versuchte der Brasilianer so vorsichtig wie möglich zu fahren. "Heute war die Balance des Wagens nicht perfekt, die heutigen Streckenbedingungen kamen uns nicht entgegen. Zudem hatte ich mit den harten Reifen weniger Grip", so der Brasilianer. Chefingenieur Luca Baldisseri war voll des Lobes für seine Schützlinge: "Felipe fuhr ein kalkuliertes Rennen, ohne ein unnötiges Risiko einzugehen. Schade, dass die Leistung von Kimi nicht belohnt wurde, er hätte sich den Sieg ebenfalls verdient, nachdem er ständig attackiert hatte."

    Massa siegt nachträglich, Mercedes legt Protest ein

    Massa siegt nachträglich, Mercedes legt Protest ein
    (82) 7. September 2008, 13:53 Uhr

    Zwar gewann Lewis Hamilton das Rennen um den Großen Preis von Belgien in Spa, doch dann wurde dem Briten nachträglich eine Zeitstrafe aufgebrummt, durch die er auf Platz drei zurückfiel. Der neue Sieger heißt Felipe Massa, Nick Heidfeld rückte auf Rang zwei vor. Doch Mercedes will sich mit dieser Entscheidung nicht abfinden.

    Nachträglicher Sieger: Durch die Strafe gegen Lewis Hamilton gewann Felipe Massa das Rennen in Spa.
    Erst Triumph, dann Katzenjammer: Lewis Hamilton hat seinen Sieg im Regen-Chaos auf der Rutschbahn von Spa nachträglich an seinen schärfsten WM-Konkurrenten Felipe Massa verloren und damit im Titelrennen einen herben Rückschlag erlitten.

    Zweieinhalb Stunden nach der Zieldurchfahrt brummten die Renn-Kommissare dem britischen McLaren-Mercedes-Piloten wegen unerlaubten Abkürzens einer Schikane eine 25-Sekunden-Zeitstrafe auf, durch die er sogar auf den dritten Platz zurückfiel.

    Neben Massa, der durch den nachträglichen Sieg in der Gesamtwertung bis auf zwei Punkte an Hamilton heranrückte (74:76), profitierte auch Nick Heidfeld von der Entscheidung. Der BMW-Sauber-Pilot, der nach einem Geistesblitz in der turbulenten Schlussphase schon auf Platz drei vor gefahren war, rückte noch auf den zweiten Rang vor.

    Damit fand das ereignisreiche Rennen einen unrühmlichen Abschluss am grünen Tisch. Hamilton hatte vergeblich darauf verwiesen, dass er in der umstrittenen Situation nach dem Abkürzen der Schikane Kimi Räikkönen wie von der Regel gefordert zunächst wieder vorbeigelassen habe.

    „Wir haben nach bestem Wissen und Gewissen alles richtig gemacht, um den Vorteil zu kompensieren. Lewis hat Kimi wieder vorbeigelassen und ihn dann bei der nächsten Gelegenheit überholt. Mir ist nicht bekannt, dass es dafür eine vorgeschriebene Distanz gäbe“, sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug, der allerdings direkt seinen Kampfgeist wiederfand: „Abhaken und weitermachen.“


    Mercedes legt Einsprich ein

    Auf sich beruhen lassen wollte McLaren-Mercedes die Entscheidung allerdings nicht und kündigte mit diesem Statement umgehend einen Einspruch an: „Wir haben alle unsere Daten angeschaut und auch den Rennkommissaren der Fia zugänglich gemacht. Es hat sich gezeigt, dass Lewis vom Gas gegangen und 6 km/h langsamer als Kimi war, als sie die Start- und Ziellinie überquerten. Nachdem er die Führung an Kimi zurückgegeben hatte, positionierte Lewis sein Auto neu, fuhr herüber und hinter Kimi auf die rechte Seite und bremste ihn dann auf dem Weg in die Haarnadelkurve aus. Basierend auf diesen Daten haben wie keine Möglichkeit, als unsere Absicht eines Protests anzuzeigen. Wir sind ein Rennsport-Team und werden uns nun auf Monza konzentrieren. Dort wollen wir unsere Führung in der Fahrer-Weltmeisterschaft ausbauen.“ Fia-Pressechef Richard Woods hatte allerdings zuvor erklärt, dass nach seinem Kenntnisstand ein Einspruch in diesem Fall gar nicht möglich sei.

    Hamilton hatte vor der Entscheidung gesagt, dass „etwas mit dem System nicht stimmt“, sollte er eine Strafe erhalten. Die Kommissare waren dennoch der Meinung, dass sich der 23-Jährige gegenüber dem Finnen Räikkönen einen unerlaubten Vorteil verschafft habe.

    Zwei Runden vor dem Rennende hatten sich bei einsetzendem Regen plötzlich die Ereignisse überschlagen. Hamilton überholte im McLaren-Mercedes den bis dahin führenden Räikkönen, der nach einem harten Kampf kurz darauf sogar in eine Mauer krachte. Während eine Woche vor dem Ferrari-Heimspiel in Monza (14. September) der Finne wohl endgültig seine Hoffnung auf eine erfolgreiche Titelverteidigung begraben muss, ist der Brasilianer Massa nach seinem fünften Saisonsieg jetzt ganz dick im Titelrennen.

    „Ich hatte mir den Regen gewünscht“, meinte Hamilton noch unmittelbar nach dem Rennen, als er noch nichts von der Strafe wusste: „Es war ein fantastisches Wochenende und eines der aufregendsten Erfahrungen meiner Karriere. Ich liebe es zu kämpfen, und es hat extrem viel Spaß gemacht.“


    Hamilton strahlte mit Heidfeld um die Wette

    Noch auf dem Siegerpodest strahlte der Silberpfeil-Star nach seinem Husarenritt mit Heidfeld um die Wette. Der Mönchengladbacher hatte vor den letzten beiden Runden auf Regenreifen gewechselt und war so auf den letzten 14 Kilometern bis auf Platz drei vorgefahren.

    „Es war eine Sekt-oder-Selters-Entscheidung. Ich hatte gedacht, dass sich keiner trauen würde, auf Regenreifen zu wechseln“, sagte Heidfeld nach seinen Coup. „Nick hat einen Super-Job gemacht, das freut mich für ihn“, meinte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen.


    Haug freute sich zu früh

    „Das war das schärfste Rennen überhaupt - sensationell“, sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug, nachdem Hamilton wild schlingernd die letzten beiden Runden gemeistert und den Silberpfeil als Erster ins Ziel gebracht hatte: „Lewis hat’s allen gezeigt, er war heute der Beste.“ Bis zum überraschenden Regen in der Schlussphase sah alles nach einem Räikkönen-Sieg aus, nachdem Hamilton nach einem Dreher zu Beginn der zweiten Runde den Finnen zunächst hatte vorbeiziehen lassen müssen.

    Räikkönen, der zuletzt in Italien bereits heftig in die Kritik geraten war, stand kurz davor, auf seinem Lieblingskurs seine mehr als viermonatige Durststrecke zu beenden, bis ihm der Regen einen Strich durch die Rechnung machte. Seinen bislang letzten Sieg hatte der „Iceman“, der zuvor die letzten drei Rennen in Spa gewonnen hatte, am 27. April in Barcelona gefeiert.


    Heidlfeld zieht an Kovalainen vorbei

    Heidfeld, der sich nach zuletzt schwachen Leistungen und Problemen mit den Reifen als Fünfter in der Qualifikation in der Spitzengruppe zurückgemeldet hatte, wurde gleich in der ersten Kurve unverschuldet zurückgeworfen, kämpfte sich danach aber wieder in die Punkteränge zurück. In der WM-Wertung zog er wieder an dem Finnen Heikki Kovalainen, der im zweiten McLaren-Mercedes nur Zehnter wurde, vorbei auf Platz fünf.

    Zweitbester Deutscher wurde Sebastian Vettel aus Heppenheim im Toro-Rosso-Ferrari als Fünfter. Toyota-Pilot Timo Glock (Wersau) war in der chaotischen Schlussphase als Achter ins Ziel gekommen, verlor diesen Platz und den einen WM-Punkt aber nachträglich noch. Weil er unter gelben Flaggen (Überholverbot) den Australier Mark Webber überholt hatte, bekam er nachträglich 25 Sekunden Zeitstrafe aufgebrummt, wodurch er hinter den Red-Bull-Piloten auf Rang neun zurückrutschte. Nico Rosberg (Wiesbaden) kam im Williams-Toyota auf Rang zwölf. Adrian Sutil (Gräfelfing) belegte im Force-India-Ferrari Position 13.

    In der Schlussphase verkürzte Hamilton den Rückstand auf Räikkönen zwar vorübergehend wieder auf weniger als zwei Sekunden, doch ohne Regen wäre er wohl chancenlos gewesen. Auf der nassen Rennstrecke gelang ihm dann das vermeintlich entscheidende Manöver.