Interessantes zu Formel 1 im Jahr 2008

    Massa zieht sich warm an vor Hamilton

    Massa zieht sich warm an vor Hamilton: Er wird sehr stark sein

    Beinahe mit Samthandschuhen berühren sich die diesjährigen Titelaspiranten, zumindest außerhalb der Rennstrecke...
    Was auch immer man Felipe Massa nachsagen möge, eines kann man ihm ganz bestimmt nicht anlasten, nämlich, dass er seine Konkurrenten unterschätzt. Erst recht nach dem turbulenten Rennen in Japan erwartet Massa einen sehr starken Hamilton, der im Endspurt noch einmal ganz groß aufzeigen will.

    Der Brite musste sich aufgrund eines Verbremsers am Start, der ihn und seinen Widersacher Kimi Räikkönen dazu zwang eine weite Linie zu fahren, in die Box begeben, um eine Drive-Through-Strafe aus zu fassen. Wenig später wurde Hamilton von Massa getroffen, das Auto des Briten wurde dabei beschädigt, wodurch der McLaren-Pilot keine Chance mehr auf Punkte hatte.

    Massa, der in Japan den Abstand zu Hamilton auf fünf Punkte verringern konnte, warnt jedoch davor allzu großes Maß an den Leistungen eines einzigen Rennen zu nehmen. "Es ist immer schwierig, wenn man nur über ein einziges Rennen spricht", sagte Massa. "Wenn, dann muss man das im größeren Rahmen sehen. Man kann zu einem Rennen kommen und ein schlechtes Resultat einfahren und beim nächsten Rennen ist man wieder sehr stark. Das weiß man nie so genau", so Massa.

    Für Massa würden zwei äußerst schwierige und harte Rennen bevorstehen. Hamilton könne sehr, sehr stark sein. Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten hat Massa aber selbstverständlich noch nicht verloren. "Wir können auch sehr stark sein. Wir müssen einfach daran glauben."

    Auch wenn der Kampf um die WM-Krone auch auf psychologischer Ebene auf höchstem Niveu ausgetragen wird, so ist der Brasilianer davon überzeugt, dass die Beziehung zu McLaren darunter nicht leiden werde, schon gar nicht jene zu Lewis Hamilton persönlich. "Wir haben ein gutes Verhältnis. Ich schätze ihn als Rennfahrer und Person und denke, dass er auch mich schätzt. Ich versuche nicht Probleme von der Strecke ins Fahrerlager zu bringen", so Massa. "Ich habe kein Problem damit ihn zu grüßen, mit ihm zu diskutieren oder etwas Spaß zu haben. Das ist alles kein Problem, meine Einstellung dazu werde ich nicht ändern."

    Die Formel 1 wird grün

    Die Formel 1 wird grün

    Grüne Rillen gab es in Fuji zu sehen. Aber was ist die grüne Formel 1?
    Für das Japan-Wochenende überraschte der Reifenhersteller Bridgestone mit einer optischen PR-Aktion die Formel 1. Die vier Rillen der Reifen wurden mit grüner Farbe versehen und strahlten die Botschaft der FIA-Kampagne "Make Cars Green" in die weite Fernsehwelt hinaus.

    Über Sinn oder Unsinn dieser Aktion kann man sicherlich streiten, denn eine Formel 1 kann in der jetzigen Form und sicherlich auch in der Zukunft nicht wirklich "grün" sein. Wenn man bedenkt, wie viele Reifensätze die Teams an nur einem Rennwochenende verbrauchen, ist so ein Reifen eigentlich nicht der richtige "Werbepartner".

    Ob die grüne Farbe wenigstens umweltverträglich war, wird man wohl auch nie erfahren. Eines muss man dieser Aktion aber lassen: Die Idee mit den grünen Rillen hat weltweite Aufmerksamkeit erregt - und daran wird eine Werbekampagne gemessen.

    Wer sich für diese Umweltaktion interessiert, kann auf der FIA-Homepage weitere Informationen über "10 points for greener motoring" erhalten. Die FIA-Foundation ist eine 2001 gegründete, internationale karitative Stiftung mit Sitz in England, die mit einer Summe von 300 Millionen Pfund von der Fédération Internationale L'Automobile (FIA) unterstützt wird.

    Ihre Aufgabe ist es, Forschungs- und verkaufsfördernde Kampagnen in allen Bereichen der Verkehrssicherheit, des Umweltschutzes und der Entwicklung der Automobilindustrie zu unterstützen. Die FIA ist eine gemeinnützige Stiftung der Automobilclubs auf der ganzen Welt und gleichzeitig Dachverband des internationalen Motorsports.

    Die zehn Punkte für umweltbewusstes Autofahren:

    1. ein umweltfreundliches Auto kaufen
    2. Reisen sorgfältig planen
    3. regelmäßig den Reifendruck prüfen
    4. das Gewicht reduzieren und nach Möglichkeit Dachgepäckträger vermeiden
    5. den Motor niemals warmlaufen lassen
    6. die Klimaanlage nur bei Bedarf einschalten
    7. behutsam beschleunigen und ein konstantes Tempo fahren
    8. die Motorbremse nutzen
    9. den Motor nicht im Stand laufen lassen
    10. dem CO2-Ausstoß bewusst entgegenwirken
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    Müssen die Tankstopps weichen?: Gefahr eliminieren

    Müssen die Tankstopps weichen?: Gefahr eliminieren

    Tankstopps gehören mittlerweile zum guten Ton von F1-Rennen. Doch das könnte sich bald ändern.

    Die Bilder sorgten mehr für Belustigung denn für Erschütterung: die Boxenstoppampel sprang auf Grün, Felipe Massa gab Gas und der Tankschlauch löste sich von der Tankanlage. Bis zum Ende der Boxengasse schleifte der Ferrari den silbernen Schlauch hinter sich her. Dort versuchten die damit nicht vertrauten Mechaniker verzweifelt, den Schlauch loszumachen.

    Die Gefahr von Tankstopps ist nicht erst seit Singapur bekannt. In Hockenheim ging 1994 Jos Verstappens Benetton in Flammen auf und selbst Michael Schumacher machte einst am A1-Ring Bekanntschaft mit einem Tankfeuer. Im Zuge der Diskussionen um zukünftige Regeländerungen kamen nun auch wieder Spekulationen um ein Verbot der Tankstopps auf.

    Angeblich soll dieses Thema beim Treffen der Teams mit FIA-Präsident Max Mosley in China auf der Tagesordnung stehen, aber auch kürzere Rennen, starke Testeinschränkungen und ein neuer Freitagsmodus sollen diskutiert werden. Ein Nachtankverbot würde das Fahrzeugdesign stark beeinflussen, da die Tanks viel größer ausfallen müssten. Gleichzeitig würde dadurch das Risiko eines Feuerunfalls steigen, erst recht durch den Einbau von KERS ab der kommenden Saison. David Coulthard wünschte sich schon nach den Boxenfeuern bei einigen Teams in Ungarn ein Verbot der Tankstopps.

    Eingefrorene Motoren dürfen modifiziert werden: Es taut!

    Eingefrorene Motoren dürfen modifiziert werden: Es taut!

    Ein paar wenige Teams dürfen ihre Motore vor 2009 geringfügig anpassen und ändern.

    Die Motorenentwicklung in der Formel 1 ist bekanntlich eingefroren worden, doch Ausnahmen bestätigen die Regel und so dürfen drei Teams im Vorfeld der Saison 2009 geringfügige Änderungen an ihren Triebwerken vornehmen. Sinn und Zweck soll ein relativ ausgeglichenes Kräftverhältnis der Formel 1 Motoren sein.

    "Wir müssen der FIA detailliert vorlegen welche Änderungen wir durchführen wollen. Die FIA muss diese dann erlauben", sagte Flavio Briatore gegenüber El Pais. Auch Honda kann sich glücklich schätzen, denn die Japaner dürfen ebenfalls Modifizierungen am Triebwerk vornehmen. "Für Teams wie Ferrari, McLaren oder BMW-Sauber ist das wahrscheinlich nicht nötig. Ich darf jedoch bestätigen, dass wir [Honda] zu den Teams gehören die Änderungen vornehmen dürfen.", sagte Nick Fry.

    Als drittes Team, mit der Lizenz zur Verbesserung, wird Toyota gehandelt. Flavio Briatore ist sich seinerseits sicher, dass man natürlich nicht das komplette Motorenkonzept neu überarbeiten dürfen wird. Doch der Italiener ist motiviert für 2009. "Dieses Jahr waren wir das Team, dass das Auto am besten weiterentwickelt hat. Mit den Verbesserungen des Motors für 2009 werden wir einen großartigen Boliden haben."

    Alonso will Massa unterstützen: Lieber Massa statt Hamilton

    Alonso will Massa unterstützen: Lieber Massa statt Hamilton

    Fernando Alonso wünscht sich Felipe Massa als Weltmeister und kündigte bereits an, den Brasilianer im Kampf gegen Lewis Hamilton zu unterstützen.
    Dass Fernando Alonsos Verhältnis zu seinem ehemaligen Arbeitgeber, McLaren, nicht gerade als harmonisch zu bezeichnen ist, dürfte bekannt sein. Auch eine gewisse Antiphatie für Lewis Hamilton ist nicht weg zu reden. Deshalb überrascht es auch nicht, dass der Spanier den Titel eher Felipe Massa wünscht.

    Schon bei der Pressekonferenz nach dem Rennen in Fuji ließ Alonso wissen, dass er die Entscheidung der Stewards, Hamilton für den Zwischenfall am Start zu bestrafen, absolut gerechtfertigt sehe. Wenig später brachte es der Doppelweltmeister dann auf den Punkt. "Ich weiß nicht warum er bestraft wurde, aber nach dem vergangenen Jahr kann ich nur sagen, dass ich mir wünsche, dass Ferrari gewinnt. Ich werde Massa unterstützen, wenn ich kann", sagte Alonso gegenüber Italy's Sky.

    Trotz der Tatsache, dass der Spanier eher Massa den Titel gönnt als seinem Erzrivalen Hamilton, zeigt sich Alonso von keinem der beiden Titelanwärter sonderlich beeindruckt. "Beide haben jede Menge Punkte weggeworfen", sagte Alonso gegenüber Diario AS. "Nach 16 Rennen hat der Führende 84 Punkte, ich selbst hatte 2006 schon nach 9 Rennen so viele."

    Keine Tests, aber Punkte im Qualifying

    Keine Tests, aber Punkte im Qualifying

    An den Freitagen soll doppelt so viel gefahren werden wie bisher, im Qualifying soll es Punkte geben und die Startreihenfolge will man auch noch umdrehen.

    In Sachen Schnelllebigkeit macht der Formel 1 niemand so schnell etwas vor. Vor allem im technischen Bereich beeindruckt die Formel 1 mit einem rasanten Entwicklungstempo und auch abseits der Rennstrecken und Boxen dieser Welt wird im Hintergrund mit einem enormen Tempo getüftelt, so auch an der Königsklasse als Show an sich.

    Hinter den Kulissen findet immer wieder eine 'Elefantenrunde' bestehend aus den Teamchefs und dem FIA-Präsidenten Max Mosley statt. Erster Punkt auf der Agenda der Teams sind die Freitagstrainings die deutlich spannender gestaltet werden sollen. Doppelt so lang wie bisher soll trainiert werden dürfen und zwar in zwei dreistündigen Sessions, das will Auto Motor und Sport wissen. Dadurch sollen die Testfahrten während der Saison gänzlich gestrichen werden, was einer Kostenreduzierung für die Teams entspricht.

    In eine völlig neue Richtung soll auch das Qualifying gehen. Mit Punkten will man das Zeittraining nun belohnen und zwar mit demselben Schema wie im Rennen, mit dem Unterschied, dass für die Pole-Position und den Sieg nun 12 Punkte statt den bisher 10 verteilt werden sollen. Auch ein Umkehren der Startreihenfolge innerhalb der schnellsten 10, ähnlich wie in der GP2, wäre vorstellbar.

    Zu guter letzt möchten die Teamchefs ihre europäischen Fans nicht zu den unchristlichsten Zeiten aus den Betten locken müssen. Hinsichtlich der Tatsache, dass viele Menschen an den Sonntagen Zeit mit ihren Familien verbringen wollen, soll die Startzeit ohnehin vorgezogen werden. Spätestens um 12:00 Uhr, vorzugsweise um 11:00 Uhr, soll in Europa gestartet werden.

    17. China GP / Shanghai International Circuit

    17. China GP / Shanghai International Circuit

    China: Kapitalismus trifft Kommunismus
    Der Shanghai Circuit ist die größte Rennstrecke Asiens. Der Kurs fasst rund 200.000 Besucher und entspricht neuesten Standards. Geplant wurde der 240 Millionen Dollar teure Kurs vom führenden Rennstrecken-Architekten Hermann Tilke.

    Obwohl der 5,451 Kilometer lange Kurs vor den Toren der 17-Millionen-Metropole Shanghai im Uhrzeigersinn gefahren wird und jeweils sieben Rechts- und Linkskurven aufweist, fahren die Piloten doch immerzu nach oben. "Die gesamte Streckenführung ist dem chinesischen Schriftzeichen ,shang' nachempfunden, das so viel wie ,aufwärts' oder ,oben' bedeutet", erklären die deutschen Streckendesigner Hermann Tilke und Peter Wahl. Auch die Architektur an der ultramodernen Piste nimmt traditionelle chinesische Motive auf, so etwa die Teamgebäude, die wie Pavillons in einem See angeordnet sind und an den Yuyan-Garten in Shanghai erinnern sollen.

    Der Shanghai International Circuit (SIC) weist die typische "Tilke-Mischung" aus Beschleunigungsphasen und hartem Herunterbremsen für enge Kurven auf, besitzt aber zugleich zwei Highspeed-Geraden. Dieses Layout fordert Teams, Fahrer und Autos gleichermaßen und eröffnet gute Überholmöglichkeiten. Eine davon besteht in der doppelten Rechtskurve nach der Zielgeraden, die ihren Radius immer weiter verengt und in einen Linksknick mündet. Dieser Sektor dürfte zu den meisten Zweikämpfen ermutigen, da hier die Innenlinie der ersten zur Außenlinie der zweiten Kurve wird bzw. umgekehrt.
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    Vorschau: Grand Prix von China 2008

    Vorschau: Grand Prix von China 2008

    Der Grand Prix von China am kommenden Wochenende in Schanghai ist der 17. und vorletzte Lauf der Formel-1-Weltmeisterschaft 2008; er findet nur eine Woche nach dem japanischen Grand Prix in Fuji statt.

    Der 5,45 Kilometer lange Kurs, erbaut vom deutschen Architekten Hermann Tilke, gilt als größte und beeindruckendste Anlage aller Formel-1-Rennstrecken. Die 16 Kurven des Shanghai International Circuit stellen Fahrer und Ingenieure vor die unterschiedlichsten Aufgaben – von Erste-Gang-Kurven bis zu breiten Geraden, auf denen über 300 km/h erreicht werden.

    Das Vodafone McLaren Mercedes Team hat das enttäuschende Ergebnis in Japan abgehakt und kommt zuversichtlich nach Schanghai. Lewis Hamilton führt vor den letzten beiden Grand Prix der Saison in der Fahrerwertung mit fünf Punkten Vorsprung. In der Konstrukteurs-WM liegt das Team mit sieben Punkten Rückstand auf Rang zwei.

    Lewis Hamilton
    Denkst du nach dem schwierigen Rennen in Fuji noch an deinen Ausfall vor einem Jahr in Schanghai?
    „Manchmal sehe ich auf YouTube ein Video oder ein Foto, wie ich letztes Jahr im Kiesbett steckte und denke ‚Mist – das hätte nicht passieren dürfen‘. Aber ich habe daraus gelernt. So etwas geschieht manchmal und ich habe daraus, wie überhaupt in den letzten paar Rennen der vergangenen Saison, viel über mich selbst und mein Leben erfahren. Das hat mich gestärkt.“

    Die Wettervorhersage für Schanghai ist durchwachsen. Welche Bedingungen sind dir am liebsten?
    „Mit macht es nichts aus, ob es im Rennen regnet oder nicht. Natürlich ist es im Trockenen sicherer und deshalb ist das uns Fahrern lieber. Mir ist es wichtig, dass das Wetter stabil ist. Eine abtrocknende Strecke oder einsetzender Regen während des Rennens machen das Fahren zu einer Lotterie, und das können wir in dieser Phase der Saison nicht gebrauchen.“

    Machen dir technische Strecken genauso viel Spaß wie die so genannten Fahrerstrecken?
    „Für mich ist Schanghai keine technische Strecke. In manchen Kurven, in denen du langsamer fährst, brauchst du vor allem Präzision, und in anderen Kurven musst du richtig attackieren. Natürlich kann man mit einem langsamen Auto oder mit schlechter Abstimmung keine schnelle Runde fahren, insofern ist Schanghai technisch, aber es gehört zu den Aufgaben eines Rennfahrers, die optimale Abstimmung zu finden, und deshalb mag ich die Strecke.“

    Heikki Kovalainen
    Was ist deine Einstellung vor den letzten beiden Rennen der Saison?
    „Trotz meines Ausfalls in Fuji habe ich einen guten Eindruck aus Japan mitgenommen – ich war das ganze Wochenende über schnell und hatte ein gutes Ergebnis vor Augen, vielleicht sogar den Sieg. Es ist jetzt wichtig, dass wir möglichst viele Punkte sammeln. Das Team kämpft um den Konstrukteurstitel und Lewis kämpft um die Fahrer-WM. Ich habe nicht viel zu verlieren, aber ich darf auch nicht verrückt spielen und zu riskant fahren. Ich muss vernünftig bleiben und gleichzeitig hart attackieren, damit wir Punkte holen.“

    Wie gefällt dir der Shanghai International Circuit?
    „Mir gefällt der Kurs. Für eine neue Strecke hat sie einen ganz eigenen Charakter, sie hat einige interessante Kurven und stellt ganz unterschiedliche Anforderungen. Die erste Kurve ist vor allem eine technische Herausforderung, aber mir gefallen vor allem die Kurven acht und neun – die Hochgeschwindigkeits-S-Kurven - und die Doppellinkskurve direkt danach. Da geht es wirklich zur Sache.“

    Welche Abstimmung braucht man hier?
    „Auf den langen Geraden benötigt man nicht viel Abtrieb, aber in den schwierigen Kurven ist Grip wichtig. Dazu wird am Ende der langen Geraden hart gebremst. Deshalb ist es nicht einfach, eine gute Balance zu finden. Vor allem kann man das Auto nicht allein auf eine Anforderung hin ausrichten, man braucht vielmehr einen guten Kompromiss.“

    Martin Whitmarsh
    Die Geschichte hat uns gelehrt, dass man beim Kampf um den WM-Titel weder zu aggressiv noch zu vorsichtig sein darf. Was ist Ihr Plan für das kommende Wochenende?
    „Im Qualifying muss man einigermaßen aggressiv vorgehen, sonst ist man im Rennen nicht vorn dabei. Im Laufe des Rennens muss man umsichtiger sein und an die Punkte denken, die man im Kampf um die WM-Titel braucht. Genauso wollen wir bei den letzten beiden Grand Prix vorgehen.“

    Wie geht das Team mit dem Erfolgsdruck um?
    „Das ist im letzten Rennen der Saison nicht anders als beim ersten. Natürlich wird jetzt jedem noch deutlicher, dass ein Fehler – bei welchem Titelkandidaten auch immer - den WM-Kampf entscheiden kann. Beide Teams machten im Verlauf der Saison Fehler, aber in der entscheidenden Phase der Saison kann ein weiterer Irrtum den Kampf entscheiden. Deswegen arbeiten alle im Team besonders sorgfältig und vorsichtig. Wir haben bisher einen fantastischen Job gemacht und wollen die Saison auch so zu Ende bringen.“

    Liegt Schanghai dem technischen Paket des MP4-23?
    „Im Verlauf der Saison wurde es immer schwieriger zu sagen, ob eine Strecke eher uns oder eher Ferrari liegt. Das liegt daran, dass beide Teams die Schwachstellen ihrer Autos immer weiter abgebaut haben. Schanghai hat eine gute Mischung unterschiedlicher Kurven und du brauchst ein gutes, um das Maximum herauszuholen. Deshalb sollten Ferrari und wir dort ziemlich eng beieinander liegen.“

    Norbert Haug
    Sie müssen nach dem Grand Prix von Japan am vergangenen Wochenende ziemlich niedergeschlagen sein. Pole Position und Platz drei am Start, aber am Ende keine Punkte – das war sicher nicht das, was Sie von einem Grand Prix erwartet hatten, den Lewis im Jahr zuvor überlegen gewonnen hatte?
    „Nach unserem Qualifyingergebnis wollten wir alle natürlich auch das Rennen in diesem Jahr gewinnen. Ohne den Vorfall mit Felipe Massa – der Lewis bis ans Ende des Feldes zurückwarf – hätte dieser gut in die Punkteränge fahren können. Ein Motorschaden beendete Heikkis Rennen und machte seine Siegchance zunichte. Es war also ein sehr schlechtes Wochenende für uns alle. Wir haben diese Ergebnisse abgehakt und konzentrieren uns jetzt ganz auf die beiden letzten Grand Prix in China und Brasilien. Felipe Massa machte letzten Sonntag einen Punkt auf der Strecke und erhielt einen durch Bourdais‘ Strafe; er hat also nicht allzu sehr von seiner Aktion profitiert, Lewis führt immer noch mit fünf Punkten.“

    Vor dem Grand Prix von China 2007 führte Lewis die WM-Wertung mit 17 Punkten an, danach betrug sein Vorsprung noch sieben Punkte. Mit welchen Gefühlen kommen Sie jetzt, da Lewis einen Fünf-Punkte-Vorsprung hat, zu diesem Rennen?
    „Das Rennen im letzten Jahr war eines der schlechtesten für alle im Team. Lewis hatte im ersten Renndrittel deutlich geführt, dann trafen wir eine falsche Entscheidung und holten ihn zu spät zum Reifenwechsel an die Box. Ein Rennen, das wir hätten gewinnen müssen, aber wir taten es nicht – und das war unser Fehler, nicht Lewis‘. Aber das liegt lange hinter uns, so schmerzhaft es war. Nach dem schwierigen Rennen in Fuji letzten Sonntag liegt Lewis in der Meisterschaft fünf Punkte vorn; das Team und er haben es in der Hand, den Weltmeistertitel in den letzten zwei Rennen zu holen.“

    Welche Bedeutung hat der Auftritt der Formel 1 in China für Mercedes-Benz?
    “Für Daimler und seine Premiummarke Mercedes-Benz ist China ein sehr wichtiger, schnell wachsender Markt. Seit Dezember 2005 fertigen wir in China Modelle der Mercedes-Benz E-Klasse. Vor zwei Jahren eröffneten wir eine neue Fabrik, in der jährlich bis zu 25.000 Mercedes-Benz Fahrzeuge der E- und C-Klasse produziert werden. Im letzten Jahr verkauften wir in China 30.600 Mercedes-Benz PKW - 44,9 Prozent mehr als 2006. Und von Januar bis September 2008 stieg unser Absatz erneut um 53,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.“

    Ferrari sah die richtige Richtung: Es wird sehr eng

    Ferrari sah die richtige Richtung: Es wird sehr eng

    Das Wochenende in China konnte Ferrari zwar gut beginnen, doch man war sich auch bewusst, dass McLaren ebenfalls nicht so schlecht aufgestellt ist.

    Gute Arbeit, das ist an einem Grand-Prix-Freitag immer wichtig und bei Ferrari war man davon überzeugt, in Shanghai gute Arbeit abgeliefert zu haben. Felipe Massa hatte sein Auto über den Tag ständig besser werden sehen und vor allem am Nachmittag war er mit dem Handling zufrieden. "Ich denke, wir arbeiten in die richtige Richtung. Wir sind konkurrenzfähig, haben heute gute Arbeit gemacht und eine gute Balance für das Qualifying und das Rennen gefunden", sagte der Brasilianer, vergaß aber nicht, noch anzufügen, dass man sich noch steigern könne.

    Seinen Hauptkonkurrenten Lewis Hamilton wollte er aber nicht unterschätzen, wobei er gleich klarstellen musste, dass der Brite am Freitag eigentlich immer schnell sei. "Das ist nicht das erste Mal. Heute hat nicht hundertprozentig gezeigt, was morgen und am Sonntag passiert. Sie werden sicher stark sein, aber auch wir werden stark sein", betonte er. Dass er mittlerweile unter seinen Fahrerkollegen lieber als Weltmeister gesehen wird, freute ihn natürlich und er sah es auch als zusätzliche Motivation, dass er gemocht wird, doch Hamiltons Leistung wollte er deswegen nicht geschmälert wissen. "Er hat alle beeindruckt. Nicht speziell dieses Jahr, aber voriges Jahr, als er Rookie war und gleich Rennen gewann. Jeder weiß, dass er ein toller Fahrer und ein harter Fahrer ist", meinte Massa.

    Räikkönen soll am Geburtstag was schenken

    Besondere Glückwünsche waren am Freitag auch angebracht, da Kimi Räikkönen seinen Geburtstag feierte. Massa sagte, er habe seinem Teamkollegen auch gratuliert, ihm allerdings nichts geschenkt, sondern hoffe eher, dass er etwas für ihn habe. Auf seinem Weg, der Titel-Helfer zu werden, wollte Räikkönen dem Freitag noch nicht zu viel Bedeutung beimessen, da er die Rundenzeiten nicht als besonders repräsentativ ansah. "Zu Beginn sah es aus, als ob die Konkurrenten schneller wären, aber die Situation schien sich auszugleichen und ich denke, so wird es auch am Rest des Wochenendes sein."

    Deswegen rechnete der Finne damit, dass es am Wochenende sehr eng zugehen werde. Allerdings war er mit seinen Weisheiten noch nicht am Ende. "Wir haben heute am Setup gearbeitet. Da können wir sicher noch etwas verbessern, aber Probleme hatten wir heute erst einmal keine", meinte er. Auch bei den Reifen sah Räikkönen kaum Schwierigkeiten und fühlte sich auf beiden Mischungen recht wohl. "Manchmal war eine Mischung besser als die andere, aber das ist eben so", erklärte er und stellte noch fest, dass die Rundenzeiten ganz gut ausgesehen hatten. Teamchef Stefano Domenicali hatte das bei McLaren allerdings auch so gesehen, weswegen er über Nacht noch besonders lange über den Daten brüten wollte, um im Qualifying so gut wie möglich aufgestellt zu sein.

    Diskussion über Hamiltons Fahrweise: Ein echter Racer

    Diskussion über Hamiltons Fahrweise: Ein echter Racer

    Viele bezeichnen Lewis Hamilton als echten Racer, der um jeden Preis gewinnen möchte. Manchen Kollegen gefällt dabei seine Fahrweise nicht.
    Lewis Hamilton steht immer im Mittelpunkt, immerhin fährt er für eines der Topteams und ist als WM-Spitzenreiter Titelanwärter Nummer 1. Nach seinem Startmanöver in Fuji und der folgenden Strafe steht der Brite jedoch noch mehr im Brennpunkt. Im Rahmen des Fahrerbriefings wollen die GPDA-Direktoren Mark Webber und Jarno Trulli die Fahrweise des Briten bei Rennleiter Charlie Whiting ankreiden.

    Trulli ist besonders verärgert, weil ihn Hamilton bei einem Überrundungsmanöver aufhielt. "Ich führte das Rennen und er war schon zwei Mal überrundet." Der Vorfall habe ihn 1,5 Sekunden und somit die Chance gekostet, vor Renault aus der Box zu kommen. "Lewis hat nicht mal in den Spiegel geschaut. Er kam direkt vor mir auf die Strecke und hielt mich für zwei Runden auf. Er hätte besser aufpassen müssen, er war Letzter."

    Webber war hingegen mit dem Startmanöver gegen Kimi Räikkönen nicht glücklich. "Man darf in der Bremszone nicht so hin und herwechseln. Das hat 2000 in Monza einen Streckenposten das Leben gekostet", kritisierte der Australier. "Es ist sehr schwierig, die Linie zu wechseln, wenn man nicht weiß, was passieren wird."

    Eine Lanze für Hamilton

    Nico Rosberg kennt Lewis Hamilton schon lange und glaubt, die Stimmungslage des Briten aus dessen Gesicht ablesen zu können. Seine Schlussfolgerung wollte Rosberg zwar nicht mit der Presse teilen, doch die vermehrte Kritik in den letzten Wochen ist ihm auch aufgefallen. Teilweise liege sie aber nicht nur an den Aktionen des Briten. "Eifersucht spielt auch immer eine Rolle", glaubt er.

    Rosberg nimmt Hamilton jedoch in Schutz. "Man darf nicht vergessen: Lewis ist erst 23 und fährt erst im zweiten Jahr in der F1. Das vergisst man schnell, aber er ist noch sehr, sehr jung und damit kann man den einen oder anderen Fehler erklären."

    Norbert Haug kann die Kritik an seinem Schützling überhaupt nicht nachvollziehen. "Er ist nicht dafür bekannt geworden, dass er einen Fehler nach dem anderen macht." Im Gegenteil: er sei in diesem Jahr einige super Rennen gefahren, unter anderem in Spa-Francorchamps, wo ihm der Sieg aberkannt wurde. "Es wird sehr viel übertrieben, Lewis als Rüpel und Raudi dargestellt."

    Haug sieht hingegen einen Fahrer, der sich sehr selbstkritisch betrachtet. "Das ist ein Abschleifprozess, der ihn auf dem richtigen Weg begleitet", glaubt er. Hamilton sei eben ein Racer, der am liebsten Rennen gewinnt und den WM-Titel nicht nur absichern möchte. "Vielleicht war die Flucht nach vorne, der einzige Weg, der ihm in dieser Situation geblieben ist? Er ist hinterher sehr kritisch mit sich umgegangen, was gar nicht nötig gewesen wäre. Ich kann ihn nur darin unterstützen, dass er es sich nicht zu sehr zu Herzen nimmt. Es ist ein Lernprozess."

    Rosberg hat im Titelkampf keinen Favoriten. "Ich verstehe mich mit beiden sehr gut", sagt er. Hamilton kennt er schon seit vielen Jahren und Massa ist sein Nachbar. "Ich gönne es beiden, aber Lewis hat 5 Punkte Vorsprung, also die besseren Chancen."

    Qualifying : Hamilton fährt auf Pole

    Qualifying : Hamilton fährt auf Pole

    Lewis Hamilton krönte seine starken Trainingsleistungen mit der Pole Position beim China GP. Titelkonkurrent Felipe Massa steht auf Platz 3.
    Lewis Hamilton wollte die Antwort an seine Kritiker auf der Strecke geben. Den ersten Teil erfüllte er mit Bravour: Pole Position beim Großen Preis von China in Shanghai. Hamilton setzte sich mit gut drei Zehnteln Vorsprung gegen Kimi Räikkönen und mit fast sechs Zehnteln Vorsprung gegen seinen Titelrivalen Felipe Massa durch. "Lewis hat bisher die Antwort auf der Strecke gegeben, hoffentlich schafft er das im Rennen auch", freute sich Norbert Haug.

    Platz 4 belegt der Sieger der letzten beiden Rennen Fernando Alonso, der sich somit vor den zweiten McLaren-Fahrer Heikki Kovalainen schieben konnte. Hinter Mark Webber ist Nick Heidfeld der beste Deutsche auf Platz 7. Neben ihm startet aus einer rein deutschen Startreihe Sebastian Vettel. Jarno Trulli und Sebastien Bourdais komplettierten die Top-10.

    Q2-Aus für Kubica

    Der dritte, theoretische WM-Anwärter Robert Kubica erlebte im Qualifying einen Rückschlag. Schon die erste Qualifikationshürde schaffte er nur mit Mühe. Im Q2 war dann als Zwölfter Schluss für den Polen, der damit außerhalb der Top10 ins Rennen starten muss.

    Ebenfalls im Q2 raus waren Timo Glock auf 13 und Nico Rosberg auf 15. Adrian Sutil schaffte es wie üblich nicht bis in den zweiten Qualifikationsabschnitt. Trotzdem schlug er seinen Teamkollegen Giancarlo Fisichella, wenn auch nur um neun Tausendstel. "Ich hoffe nur, dass ich das Rennen zu Ende fahren kann", sagt er. "Ich werde versuchen, das Beste daraus zu machen. Viele große Chancen haben wir nicht."

    Coulthard beklagt unsportliches Verhalten

    Coulthard beklagt unsportliches Verhalten: Hoffnung auf Regen

    Das war kein Qualifying nach dem Geschmack von Red Bull: David Coulthard wurde aufgehalten, Mark Webber wurde strafversetzt.
    Die 16 ist in F1-Kreisen normalerweise keine Zahl, die besondere Anziehungskraft ausübt. Red Bull ist aber bekanntlich gerne einmal anders und veranstaltete mit beiden Fahrern ein Zielschießen auf die 16. Zunächst schien David Coulthard das Rennen zu machen.

    Er schied im ersten Qualifying aus, und zwar exakt auf Position 16. "Ich bin extrem enttäuscht über das, was mit Nick Heidfeld am Ende von Q1 auf meiner letzten Outlap passiert ist", sagte der Schotte nach seinem vorletzten F1-Qualifying. "Alle Autos standen in der vorletzten Kurve an, aber Nick überholte mich plötzlich auf der Innenseite in der letzten Kurve, gerade als ich auf meine fliegende Runde gehen wollte."

    Aus Sicht von Coulthard sei es sehr unwahrscheinlich gewesen, dass Heidfeld auf den härteren Reifen eine bessere Runde fahren würde. "Er war auch auf der schmutzigen Seite und hätte keine schnellere Zeit mehr herausquetschen können, dadurch, dass er innen durchfuhr." Außerdem sei er am Ende dieser Runde eh in die Box gefahren. "Er musste wissen, dass er eh schon in den Top10 war, also war es aus meiner Sicht sehr unsportliches Verhalten, da er nur meine letzte schnelle Runde behindert hat - er hatte nicht vor, eine schnellere Zeit zu fahren." Heidfeld wurde wegen des Vorfalls zu den Rennkommissaren zitiert.

    +10 für Webber

    Zumindest einen Platz macht Coulthard gut, denn nachdem Mark Webber bis ins Q3 vorgestoßen und auf Platz 6 gefahren war, wurde er um 10 Plätze strafversetzt, weil er nach einem Motorschaden im 3. Training ein neues Aggregat einsetzen lassen musste. Somit ergatterte er den hart umkämpften 16. Startplatz.

    "Leider wirft mich der Motorwechsel fünf Reihen zurück", so Webber. "Es ist heutzutage eh schon schwierig zu überholen, da das Feld so eng ist. In Fuji hätte ich die Chance gehabt, einige Plätze gutzumachen, weil es dort einfacher ist, zu überholen, aber hier gibt es einige schnelle Kurven und das macht es schwierig. Hoffen wir auf Regen."

    McLaren vs. Ferrari: Die Rennpace entscheidet

    McLaren vs. Ferrari: Die Rennpace entscheidet

    Lewis Hamilton startet zum zweiten Mal in Folge von der Pole Position. Ferrari baut auf die Rennpace.

    Der beste Weg den missglückten Angriff am Start von Fuji vergessen zu machen, ist die zweite Pole Position in Serie einzufahren und es sieben Tage danach beim Start in Shanghai besser zu machen. Den ersten Teil dieser Aufgabe hat Lewis Hamilton am Samstag gemeistert. "Dies ist vielleicht die wichtigste aller sieben Pole Positions, die er in diesem Jahr holte", betonte Norbert Haug. "Er hat auf der Strecke geantwortet, hoffentlich gelingt ihm das auch am Sonntag."

    Dabei war Hamiltons erster Angriff auf die Pole noch nicht gut genug. "Meine erste Runde im letzten Teil des Qualifyings war nicht gut", gestand er. "Ich kam in Kurve acht etwas von der Ideallinie ab, weil das Auto übersteuerte, und rutschte in den schmutzigen Teil der Strecke." Dadurch war er für die nächste Kurve auf der falschen Linie und musste danach die Reifen wieder sauber fahren. "Auf meiner zweiten Runde passte hingegen alles - sie war nahezu perfekt."

    Also ganz anders als die von Felipe Massa. "Ich kann nicht verhehlen, dass ich etwas enttäuscht bin", verriet der Brasilianer. "Ich werde mein Bestes geben, aber es war schwierig, die richtige Balance zu finden, besonders im Q3", klagte er. Das könne sich aber im Rennen ändern, da man auf Long Runs gute Ergebnisse im Training erzielt habe. "Wir müssen angreifen, um Positionen gutzumachen und wir sollten eine gute Rennstrategie haben." Einfach werde das nicht: "Unsere Gegner waren gut, aber wir werden auch sehr konkurrenzfähig sein: hoffentlich werden wir besser sein als sie!"

    Distanz als Schlüssel zum Erfolg

    Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali geht davon aus, mit beiden Autos in den ersten beiden Reihen alle Chancen zu haben. "Aber natürlich haben wir einen Gegner, der das gesamte Wochenende sehr stark war", lobte der Italiener McLaren. "Unser Hauptproblem auf dieser Strecke ist die unkonstante Performance", fügt Luca Baldisserri hinzu. "Wir haben hart daran gearbeitet, aber bislang konnten wir das Problem nicht ganz lösen."

    Trotzdem bauen die Piloten auf die Rennpace. "Es wäre heute, auch wenn man die Benzinmenge rausrechnet, schwierig gewesen, McLaren zu schlagen", gestand Kimi Räikkönen. "Aber wir können, wie immer, auf eine bessere Pace im Rennen als im Qualifying bauen."

    Daran hat Alex Wurz so seine Zweifel. "Der McLaren ist das beste Auto", sagte er uns. "Ferrari war am Freitag mit den Long Runs nicht zufrieden, deswegen haben sie sich auch heute noch auf das Rennen vorbereitet. Vielleicht zahlen sich diese Hausaufgaben im Rennen aus."

    Bei McLaren setzt Haug ebenfalls auf die Long Runs. "Wie unsere Longruns am Freitag zeigten, sollten Lewis und Heikki morgen schnelle und konstante Rundenzeiten fahren können", so der Motorsportchef. "Es wird ein wichtiger Tag und alle im Team wollen das Beste daraus machen. Dabei vergessen wir nicht, dass wir starke Gegner haben, die es uns nicht leicht machen werden."

    Räikkönen hat gelernt

    Wirklich zufrieden war bei Ferrari nur Kimi Räikkönen, der sich erneut in der ersten Reihe zurückmeldete und gleichzeitig einige seiner Probleme lösen könnte. "Endlich scheint es im Qualifying für mich richtig zu laufen", sagte er. "Es ist zwar zu spät für den Titelkampf, aber wir haben definitiv eine Lektion gelernt, die für nächstes Jahr sehr wichtig sein wird." Wie diese Lektion lautet, wollte er nicht verraten. "Wir kämpften das ganze Wochenende mit dem Setup, aber im Q3 kam endlich alles zusammen und das Auto war ziemlich gut."

    Bei Heikki Kovalainen lief es genau umgekehrt. Der zweite Helfer im WM-Kampf konnte seine Rolle noch nicht ausüben und keinem der Ferrari-Piloten einen Platz wegnehmen. "Im ersten und zweiten Qualifying lief es gut und ich begann Q3 sehr optimistisch", so der Finne. "Leider hatten meine Reifen auf der letzten Runde nicht so viel Grip wie ich erwartet hatte. Schade, heute war mehr drin als Startplatz fünf."

    Wenigstens machte er Fortschritte im Vergleich zum Freitag aus, den er als einen der schlimmsten Freitage dieser Saison bezeichnet hatte. "Wir haben uns seit gestern deutlich gesteigert und vor allem die Balance des Autos wurde besser. Deshalb bin ich zuversichtlich, im Rennen morgen besser abzuschneiden."

    China GP: Hamilton gewinnt in Shanghai

    China GP: Hamilton gewinnt in Shanghai

    Lewis Hamilton fuhr beim Großen Preis von China einen ungefährdeten Sieg ein. Ferrari verhilft Felipe Massa per Stallregie zu Platz 2.

    Vor einem Jahr begann in Shanghai der Anfang vom Ende von Lewis Hamiltons Titelhoffnungen. Der WM-Leader strandete in der Boxeneinfahrt im Kiesbett. Auch an diesem Wochenende verbremste er sich dort einmal, allerdings nur im Freien Training auf der Suche nach dem Limit. Im Rennen musste er gar nicht bis ans Limit gehen: Hamilton führte das Rennen vom Start weg an und ließ der Scuderia keine Chance.

    Ferrari gab sich vor dem Start aggressiv: Kimi Räikkönen und Felipe Massa starteten auf den weichen Reifen, Lewis Hamilton auf der harten Mischung. Profitieren konnten die Roten davon nicht: Hamilton zog am Start und in den ersten Runden auf und davon. Räikkönen konnte ihm mit einem Respektabstand folgen, Massa fiel selbst im Vergleich zum Teamkollegen zurück, obwohl er in Runde 14 als erster Fahrer des Führungstrios an die Box kam. Die anderen zogen eine Runde später parallel nach.

    Nach dem zweiten Boxenstopp holte Massa mit großen Schritten auf Räikkönen auf. Acht Runden vor dem Ende kam dann das Überholmanöver: Massa fuhr am Ende der Geraden an Räikkönen vorbei und übernahm Platz 2. Diese beiden zusätzlichen Punkte verkürzten Massas Rückstand in der WM auf sieben Punkte. Beim Stand von 94:87 geht es ins Finale in Brasilien.

    Kollisionen, Unfälle und Reifenschäden

    Etwas Aufregung gab es am Start zwischen Sebastien Bourdais und Jarno Trulli. Der Italiener zog in der ersten Kurve nach innen, wo Bourdais bereits war. Der Toyota drehte sich und musste nach zwei Boxenbesuchen aufgeben. Bourdais konnte weiterfahren, fiel jedoch weit zurück.

    Der einzige weitere Ausfall war Adrian Sutil, der mit einem Getriebeschaden ausfiel. "Ich konnte nicht mehr schalten und musste das Auto abstellen", verriet er. "Der Start war gut, ich bin gut durch die erste Kurve gekommen und habe ein paar Positionen gutgemacht. Aber weit bin ich danach nicht mehr gekommen."

    Pech hatte Heikki Kovalainen. Der Finne lag im Fight mit Fernando Alonso um Platz 4, als sein rechter Vorderreifen platzte und er sich langsam an die Box zurückschleppen musste. Von dort nahm er das Rennen am Ende des Feldes wieder auf, um sechs Runden vor dem Ende doch noch aufzugeben.

    Hinter Hamilton, Massa und Räikkönen überquerte der Sieger der vorangegangenen beiden Rennen, Fernando Alonso, die Ziellinie als Vierter. Nick Heidfeld fuhr für BMW Sauber von Startplatz 9 auf Platz 5 nach vorne und glich damit seine Strafe aus dem Qualifying aus. Sein Teamkollege Robert Kubica kämpfte sich von Startplatz 11 auf Platz 6 vor. Timo Glock und Nelson Piquet komplettierten die Punkteränge.

    Lewis Hamilton siegt und baut WM-Führung aus

    Lewis Hamilton siegt und baut WM-Führung aus

    Vor dem Saisonfinale in zwei Wochen in Brasilien sieben Punkte Vorsprung vor Massa
    Vodafone McLaren Mercedes führt alle 56 Rennrunden
    Heikki Kovalainen wegen eines Problems mit dem Luftverbrauch für die pneumatische Ventilsteuerung ausgefallen

    Vodafone McLaren Mercedes Fahrer Lewis Hamilton gewann den Grand Prix von China in Schanghai und reist nun mit sieben Punkten Vorsprung vor seinem Titelrivalen Felipe Massa (Ferrari) zum Saisonfinale in zwei Wochen in Brasilien. Von seiner siebten Pole Position des Jahres erzielte Lewis seinen fünften Saisonsieg, fuhr die schnellste Rennrunde und siegte mit 14,9 Sekunden vor Massa.

    Lewis führte 53 der 56 Runden (305,066 km), die anderen drei führte sein Teamkollege Heikki Kovalainen, der in der 50. Runde wegen eines Problems mit dem Luftverbrauch für die pneumatische Ventilsteuerung ausfiel. Lewis liegt in der Fahrerweltmeisterschaft jetzt mit 94 Punkten vorn; Massa ist Zweiter mit 87 Punkten. Heikki Ist Siebter mit 51 Zählern. Vodafone McLaren Mercedes liegt nach 17 von 18 Rennen in der Konstrukteurs-WM auf Platz zwei mit 145 Punkten; Ferrari führt mit 156 Punkten.

    Der Start:
    Zum siebten Mal in diesem Jahr startete Lewis von der Pole Position; Heikki stand auf Startplatz fünf. Lerwis bog vor den beiden Ferrari in die erste Kurve, Heikki kämpfte mit Fernando Alonso (Renault) um Platz vier und kam als Fünfter aus der ersten Runde zurück.
    Das Rennen:
    Runde 10: Mit fünf schnellsten Rennrunden in den ersten zehn Umläufen baute Lewis seinen Vorsprung vor Kimi Räikkönen auf 3,9 Sekunden aus. Heikiki fuhr an fünfter Position.
    Runde 13: Lewis fuhr die schnellste Rennrunde: 1:36,325 Min.
    Runde 14: Nach den ersten Routinestopps von Felipe Massa und Fernando Alonso war Heikki Dritter.
    Runde 15: Als Führender legte Lewis seinen ersten Boxenstopp ein (9,4 Sekunden) und nahm das Rennen als Dritter wieder auf; Heikki führte vor Nick Heidfeld (BMW Sauber).
    Runde 18: Heikki fuhr zu seinem ersten Stopp herein (0,3 Sekunden) und fiel von Platz eins auf sieben zurück; Lewis lag wieder in Führung.
    Runde 25: Nach den Boxenstopps von Nelson Piquet (Renault) und Robert Kubica (BMW Sauber) war Heikki wieder Fünfter.
    Runde 35: Heikki kam wegen eines Reifenschadens vorne rechts eingangs der Runde kurz von der Strecke ab. Er musste deshalb fast eine ganze Runde langsam an die Box zurück fahren; dort stand er 10,1 Sekunden und fiel auf Platz 17 zurück.
    Runde 38: Lewis und Kimi Räikkönen kamen gleichzeitig an die Box; Lewis stand 6,8 Sekunden und behielt die Führung.
    Runde 50: Während Lewis mit 16,6 Sekunden vor Massa führte, fuhr Heikki als 15. an die Box und beendete sein Rennen; das Team hatte ihn vorsichtshalber herein gerufen, da der Luftverbrauch für die pneumatische Ventilsteuerung zu hoch war.
    Ziel (Runde 56): In seinem 34. Grand Prix holte Lewis seinen neunten Sieg in der Formel 1.

    Lewis Hamilton
    „An diesem Wochenende hat alles gepasst: unser Auto war einfach phänomenal, ich schaffte einen meiner besten Starts überhaupt und hatte während des ganzen Rennens eine perfekte Balance. Das verdanke ich vor allem den Jungs im Team – an der Rennstrecke wie auch zu Hause, sie machen alle einen großartigen Job und dafür danke ich ihnen sehr. Ich habe in der WM-Wertung jetzt sieben Punkte Vorsprung; das ist ein weiterer Schritt, um mir meinen Traum zu erfüllen, aber wir müssen weiterhin einen kühlen Kopf bewahren. Ich hoffe, dass wir es schaffen.“

    Heikki Kovalainen
    „Ich startete gut, überholte Fernando Alonso und fuhr fast neben Felipe Massa. Leider kam Alonso vor Kurve 14 wieder an mir vorbei und ich blieb Fünfter. Mein Auto untersteuerte stark und wir versuchten das beim ersten Boxenstop zu beheben, indem wir den Frontflügel steiler stellten. Später hatte ich eingangs Runde 35 einen Reifenschaden und musste deshalb fast eine ganze Runde langsam fahren, um an die Box zu kommen. Gegen Ende gab es ein Problem mit der Pneumatik und das Team rief mich vorsichtshalber herein. Wir haben immer noch eine Chance, die Konstrukteurs-WM zu gewinnen und ich werde alles für den Erfolg unseres Teams geben.“

    Ron Dennis
    „Es wird niemanden überraschen, wenn ich die heutige Teamleistung von Vodafone McLaren Mercedes als riesig bezeichne, denn das war sie. Trotz schwieriger Umstände verloren wir nie die Konzentration und trieben uns immer wieder vorsichtig an. Lewis und das Team machten einen fabelhaften Job, dazu kam eine sehr solide Rennstrategie. Wir waren bereits im Qualifying sehr schnell, obwohl wir mehr Sprit an Bord hatten als unsere wichtigste Konkurrenz, das zeigt wie schnell unser Auto ist. Heikki hatte vor seinem ersten Boxenstopp Untersteuern, da seine Reifen nicht richtig angepasst waren. Danach musste er wegen seines Reifenschadens frühzeitig an die Boxen fahren und schließlich gab es an seinem Motor ein Problem mit dem Luftdruck; wir holten ihn an die Box, um keinen Motorschaden zu riskieren.“

    Norbert Haug
    „Toll, ein perfektes Wochenende für Lewis und unser Team mit Pole, Sieg und schnellster Rennrunde. Sorry für Heikki. Ein Reifenschaden warf ihn zurück und am Ende holten wir ihn rein, weil sein Verbrauch der Luft für die pneumatische Ventilsteuerung zu hoch war. Wir alle konzentrieren uns jetzt auf das Finale in zwei Wochen in Brasilien, mit dem Ziel, dass Lewis dort die notwendigen Punkte für den Gewinn der Fahrerweltmeisterschaft holt.“

    Pneumatik stoppt Kovalainen: Keine schönen Geschenke

    Pneumatik stoppt Kovalainen: Keine schönen Geschenke

    Heikki Kovalainen hatte sicher schönere Geschenke im Sinn als einen Reifenschaden und ein Venteilproblem.
    Es war nicht der schönste Geburtstag für Heikki Kovalainen. In Runde 35 beendete ein Reifenschaden seine Hoffnungen auf ein gutes Ergebnis. "Ich musste deshalb fast eine ganze Runde langsam fahren, um an die Box zu kommen", so der Finne. Die Ursache für den Reifenschaden war wahrscheinlich ein Schnitt in der Innenseite des Reifens, vielleicht von Trümmerteilen.

    Doch das sollte nicht sein einziges Problem bleiben. "Gegen Ende gab es ein Problem mit der Pneumatik und das Team rief mich vorsichtshalber herein", verriet er den Grund für sein endgültiges Aus. "Wir wollten keinen Motorschaden riskieren", betonte Ron Dennis. "Am Ende holten wir ihn rein, weil sein Verbrauch der Luft für die pneumatische Ventilsteuerung zu hoch war", erklärte Norbert Haug. Mit dem Motorschaden von Japan habe es nichts zu tun gehabt, das sei ein Problem am Zylinderkopf gewesen.

    Dabei hatte das Rennen gar nicht so schlecht begonnen. "Ich startete gut, überholte Fernando Alonso und fuhr fast neben Felipe Massa", so Kovalainen. "Leider kam Alonso vor Kurve 14 wieder an mir vorbei und ich blieb Fünfter." Jetzt blickt er auf das Saisonfinale in Brasilien. "Wir haben immer noch eine Chance, die Konstrukteurs-WM zu gewinnen und ich werde alles für den Erfolg unseres Teams geben."

    Rennergebnisse am 19.10.2008

    17.-19. Oktober: China-GP in Schanghai

    19. Oktober: Großer Preis von China

    ERGEBNISSE
    POSITION FAHRER TEAM ZEIT
    1 Lewis Hamilton McLaren-Mercedes 1:31.57,403
    2 Felipe Massa Ferrari + 00.14,925
    3 Kimi Räikkönen Ferrari + 00.16,445
    4 Fernando Alonso Renault F1 + 00.18,370
    5 Nick Heidfeld BMW Sauber F1 + 00.28,923
    6 Robert Kubica BMW Sauber F1 + 00.33,219
    7 Timo Glock Toyota + 00.41,722
    8 Nelson Piquet jr. Renault F1 + 00.56,645
    9 Sebastian Vettel Scuderia Toro Rosso + 01.04,339
    10 David Coulthard Red Bull Racing + 01.14,842
    11 Rubens Barrichello Honda Racing F1 + 01.25,061
    12 Kazuki Nakajima Williams F1 + 01.30,847
    13 Sebastien Bourdais Scuderia Toro Rosso + 01.31,457
    14 Mark Webber Red Bull Racing + 01.32,422
    15 Nico Rosberg Williams F1 + 1
    16 Jenson Button Honda Racing F1 + 1
    17 Giancarlo Fisichella Force India F1 + 1

    SCHNELLSTE RUNDE
    Lewis Hamilton/McLaren-Mercedes Zeit: 01.36,325 in Runde 13

    AUSFÄLLE
    RUNDE FAHRER TEAM AUSFALLGRUND
    3 Jarno Trulli Toyota Defekt nach Unfall mit Bourdais
    14 Adrian Sutil Force India F1 Getriebeschaden
    50 Heikki Kovalainen McLaren-Mercedes Defekt
    Bilder
    • Rennergebnisse_19.10.2008.jpg

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    Alonso gönnt Hamilton den Titel: Eigentlich ist es egal

    Alonso gönnt Hamilton den Titel: Eigentlich ist es egal

    Sowohl Fernando Alonso, als auch Kimi Räikkönen ist es herzlich egal welcher der beiden Aspiranten sich am Ende den Titel holt.

    Man mag es kaum glauben, aber die Wogen zwischen Fernando Alonso und Lewis Hamilton scheinen sich wieder etwas geglättet zu haben. Nach einem kleinen Wortgefecht, welches über die Presse transportiert wurde, scheint sich die Lage zu beruhigen. Alonso ließ öffentlich wissen, dass er Felipe Massa im Fall der Fälle unterstützen würde, zumindest eher als Hamilton. Der Brite reagierte prompt darauf und bezeichnete den Spanier als einen "Champion der 2007 von einem Rookie geschlagen wurde."

    Anstatt zurück zuschießen reagiert Alonso cool. "Die Weltmeisterschaft wird immer vom besten Fahrer gewonnen. Wenn Hamilton am Ende also gewinnt, dann weil er die meisten Punkte gesammelt hat", sagte Alonso gegenüber El Pais. Wohlwollende Worte findet der Spanier überraschenderweise auch für Hamiltons Rennen in China. "Er war der Schnellste im Training, hat sich die Pole geangelt und das Rennen gewonnen. Es steht außer Frage, dass er sich den Titel verdient hat", so Alonso.

    Das einzige was den Doppelweltmeister nach dem Grand Prix von China ein wenig stört ist, dass der Showdown in Brasilien kein wirklicher Showdown mehr sein wird, denn Hamilton wird es, durch seinen großen Vorsprung, nicht besonders schwer haben. "Das ist nicht gut für die Spannung in der Weltmeisterschaft, aber ehrlich gesagt ist es mir relativ egal wer gewinnt", so Alonso.

    Ähnlich geht aus auch dem amtierenden Weltmeister Kimi Räikkönen, der seinen Teamkollegen im Sinne der WM-Chancen in China passieren lassen musste. Räikkönen sei nicht in der Formel 1, um seinen Teamkollegen dabei zu helfen Titel zu gewinnen. "Für Felipe und Ferrari wäre es schön, wenn er den Titel holt", sagte Räikkönen gegenüber RTL. "Aber, um ehrlich zu sein, macht es keinen Unterschied für mich wer gewinnt."

    Spiegel Online im Interview mit Norbert Haug

    Spiegel Online im Interview mit Norbert Haug

    Norbert Haug, Mercedes-Benz Motorsportchef

    Bernie Ecclestone und Max Mosley fordern die Einführung von Einheitsmotoren in der Formel 1. Wie ist Ihre Haltung zu diesem Thema?
    Diese Rennsportserie hat ihre weltweite Bedeutung erlangt, weil sie die Krönung des automobiltechnischen Wettbewerbs im Sport darstellt, in der sich die besten Fahrer der Welt mit nach diesem Anspruch gebauten Fahrzeugen messen. Der Mercedes-Motor soll bei diesem Wettbewerb der beste sein und nicht der gleiche, wie ihn alle verwenden. Zu diesem Thema gibt es nach dem Grand Prix von China ein Treffen zwischen der Teamvereinigung FOTA und der FIA. Mercedes-Benz will sinnvolle Kosteneindämmung. Wir sind Pioniere dieser Zielsetzung, wollen aber konsequent den technischen Wettbewerb erhalten sehen. Das Herzstück eines jeden Automobils - der Motor also - darf nicht ausgerechnet in der höchsten Liga des Automobilsports vereinheitlicht werden. Ich bin zuversichtlich, dass wir gemeinsam eine vernünftige, kostensenkende, aber immer noch technisch anspruchsvolle Lösung für eine wettbewerbsorientierte Zukunft der Formel 1 finden werden.

    Das Zauberwort in der Formel 1 lautet zurzeit Kostenreduzierung. Wo kann die Serie Ihrer Meinung nach sparen?
    Wir haben in unserem System die Kosten in den letzten vier Jahren fortlaufend gesenkt, gleichzeitig bei stärkerem Wettbewerb bessere Resultate erzielt und führen vor den letzten beiden Rennen im Kampf um den Fahrer-WM-Titel. Die für ein Team und einen Automobilhersteller effektiv anfallenden Kosten werden auch gesenkt, wenn die Einnahmen steigen, und in diesem Thema sind die Teams in konstruktiven Gesprächen mit dem Inhaber der kommerziellen Formel 1-Rechte. Mercedes-Benz ist ganz entschieden für Kostensenkung. Manche dieser Bemühungen des Gesetzgebers haben in der Vergangenheit allerdings zu Verteuerungen geführt. Die richtige Einschätzung für die richtige Maßnahme ist deshalb essenziell. Zu bedenken ist auch: Für jede Markenkampagne mit ähnlichen internationalen Reichweiten bei Interessenten, Kunden und potenziellen Kunden wäre bestimmt ein höherer Betrag als unser Budget für die Formel 1 aufzuwenden.

    In Japan hat Ihr Team den ersten Motorschaden seit rund zwei Jahren hinnehmen müssen. Kennen Sie schon die Ursache?
    Das war ein Schaden, wie er leider vorkommen kann, selbst wenn man zwei Jahre in diesem Thema fehlerfrei war. Es ging um ein schadhaftes Zulieferteil, was natürlich ebenfalls in unserer Verantwortung liegt. Die Formel 1 bietet Technik am Limit und bezieht gerade daraus einen großen Teil ihres Reizes. Wir alle arbeiten hart, damit sich ein solcher Fehler nicht wiederholen wird.

    Es gibt in dieser Saison sehr viele Strafen während der Rennen, die für die Fahrer oft rennentscheidend sind. Agieren die Kommissare Ihrem Empfinden nach zu kleinlich?
    Wir würden es sehr begrüßen, wenn es einen einheitlichen Strafenkatalog geben würde und ich denke, das wäre auch sehr im Sinne der Formel 1-Zuschauer und der über die Formel 1 berichtenden Medien. Dass es zuletzt für Massas Rammstoß gegen Hamilton, der dessen Auto stark ramponierte, ans Ende des Feldes beförderte und ihm so jede Chance auf Punkte nahm, die gleiche Strafe gab wie für Lewis' Verbremsen in Kurve 1 nach dem Start, verstehe nicht nur ich nicht. Absicht für zweierlei Maß werde ich deshalb sicher nicht unterstellen.

    Was raten Sie Ihrem Piloten Lewis Hamilton für die letzten beiden Rennen. Aggressiv auf Sieg fahren oder sichere Punkte mitnehmen?
    Immer locker und konzentriert bleiben und den Trend der letzten 10 Rennen fortsetzen. Da haben weder Massa noch der sehr konstante Kubica mehr Punkte gemacht als Lewis – trotz aberkanntem Sieg in Spa und trotz diverser Strafen. Lewis und unser Team wollen jetzt noch zweimal schaffen, was zuletzt bei zehn Grand Prix während der letzten fünf Monate gelang. Leicht wird das sicher nicht aber ich denke, unsere Wettbewerber werden nichts anderes bezüglich der Umsetzung ihrer Ziele behaupten.

    Hamilton kann in Shanghai den ersten WM-Titel für McLaren-Mercedes seit 1999 holen. Was würde das fürs Team bedeuten?
    Daran denken wir dann, wenn es so weit sein sollte. Letztes Jahr hatten wir ein Super-Rennen mit Sieg in Japan und eine Woche später eine Niederlage in China. Jetzt hatten wir gerade eine Niederlage in Japan und werden motiviert und konzentriert versuchen, ein Super-Rennen in China abzuliefern. Titelvorhersagen gibt's bei uns allerdings so wenig wie bisher, so was würde nur vom Wesentlichen ablenken.

    Hamilton sieht Massa unter Druck

    Hamilton sieht Massa unter Druck: Leistungsdruck vor heimischen Publikum

    Lewis Hamilton ist der Ansicht, dass Felipe Massa in Brasilien mit hohem Druck in das Rennen gehen wird.
    Man könnte meinen, dass Lewis Hamilton, trotz komfortablen Punktevorsprungs, mit jeder Menge Druck nach Brasilien anreist, bedenkt man den Vorfall am Saisonende des letzten Jahres. Zwar reicht dem McLaren Pilot bereits ein fünfter Platz beim Saisonfinale, um sich den Titel zu sichern, trotzdem darf sich der Brite keinen Fehler erlauben.

    Doch Hamilton selbst ist der Meinung, dass Felipe Massa viel mehr Druck verspüren müsste. Der Brasilianer muss vor heimischen Publikum einen Sieg einfahren, um seine ohnehin sehr geringe Chance auf den WM-Titel noch zu nutzen und selbst dann würde der Ferrari-Pilot nur Weltmeister werden, wenn Lewis Hamilton maximal sechster wird.

    Erschwerend hinzu kommt, dass der McLaren in China klar stärker war als der Ferrari F2008. "Es liegt jede Menge Druck auf seinen Schultern", sagte Lewis Hamilton. Silverstone, das Heimrennen von Hamilton, wäre sehr stressig für ihn gewesen, genauso würde es Massa nun in Brasilien gehen. Sollte Massa tatsächlich das Unmögliche möglich machen, so wäre er der erste Brasilianer seit Ayrton Senna der sich einen Weltmeistertitel in der Formel 1 sicher könnte.

    "Es kommt auf das Gesamtpaket an", so Hamilton. "Darum geht es bei einer Weltmeisterschaft. Wer ist der stärkste, auf mentaler Ebene sowie auf der Strecke", sagte er. Ähnlicher Meinung ist zwar auch Stefano Domenicali, er findet aber, dass Felipe Massa beim letzte Rennen noch viel mehr abverlangt wurde als es in Brasilien der Fall sein wird. "Ich denke, dass Felipe am Sonntag ein sehr viel schwierigeres Rennen hatte, denn er wusste, dass Lewis dort hätte Weltmeister werden können", so Domenicali. "Ich erwarte also, dass Felipe in Brasilien umso ruhiger zu Werke geht."

    Jordan empfiehlt Hamilton Gnadenlosigkeit

    Jordan empfiehlt Hamilton Gnadenlosigkeit: Bei Massa voll dagegenhalten

    Eddie Jordan empfiehlt Lewis Hamilton, Felipe Massa im Zweifelsfall mit von der Strecke zu nehmen, sollte der ihn abschießen wollen.

    Die haarige Situation zwischen Felipe Massa und Lewis Hamilton in Fuji ist wohl den Meisten noch gut im Gedächtnis und Eddie Jordan hat für Hamilton nun nur den Rat parat, in einer ähnlichen Situation in Sao Paulo einfach voll dagegenzuhalten. "Die Leute mögen mich vielleicht nicht, wenn ich das sage, aber wenn Massa ihn [Hamilton] so wie in Japan rauswerfen will, um den Titel zu stehlen, dann muss Lewis bereit dafür sein. Wenn er das wieder probiert, dann muss Lewis sein Lenkrad in Massa rein drehen, um sicherzustellen, dass er das Rennen auch nicht beendet - er muss ihm das Rad abfahren", sagte Jordan gegenüber dem Daily Express.

    Dem ehemaligen Teamchef war aber klar, dass Hamilton den Titel eigentlich ohne Probleme gewinnen sollte, wenn er eine ähnliche Vorstellung liefert wie vor einer Woche in Shanghai. Andererseits musste er betonen, dass so eine Leistung wie in Japan ihn den Titel auch noch kosten könnte. "Was als nächstes in der Weltmeisterschaft passiert, hängt davon ab, ob Lewis aus den vergangenen beiden Rennen gelernt hat. Er war in China brillant, fuhr dort fehlerlos zum Sieg, aber er war einfach nur grauenhaft in Japan. Wenn der Hamilton aus China fährt, dann wird er Weltmeister. Ich glaube nicht, dass er sich voll verausgaben muss, aber er neigt dazu, das zu tun", meinte Jordan. Deswegen versuchte er als ungefähr millionster Ratgeber Hamilton wissen zu lassen, dass er vorsichtig sein soll.

    Mehr Hilfe von Kovalainen gefordert

    Jordan sagte das aber vor allem deswegen, weil er der Meinung ist, die anderen Fahrer seien gegen Hamilton und die Stewards ebenfalls. "Ich denke, was nach seinem Sieg in Spa mit ihm passiert ist, war entsetzlich und seine Strafe beim Japan Grand Prix war auch hart. Mit solchen Dingen muss er fertigwerden." Auf der anderen Seite forderte Jordan aber auch mehr Hilfe von Hamiltons Teamkollege Heikki Kovalainen, denn bislang war der Ire von der Hilfe des Finnen nicht besonders angetan. Er bezeichnete Kovalainens Input zum Titelkampf als minimal.

    "Sie [McLaren] müssen schauen, dass sie Kovalainen in Brasilien in die ersten beiden Reihen bekommen. Das würde die Chancen von McLaren dramatisch verbessern. Kovalainen scheint immer voll betankt zu sein und ein sehr schweres Auto zu haben, was ihn beim Start langsam macht, was das Auto schwerer zu kontrollieren macht und was auch die Reifen härter beansprucht. Sie sollten schauen, dass sie ihn schneller qualifizieren lassen und leichter ins Rennen schicken. Wenn er sich zwischen die Ferrari drängen könnte, dann würde das Lewis wirklich helfen", betonte er und untermauerte damit Gerüchte, dass Kovalainen nicht besonders glücklich darüber sei, immer so schwer ins Qualifying geschickt zu werden.

    Showdown in Brasilien - Matchball und Balljungen

    Showdown in Brasilien - Matchball und Balljungen

    Lewis Hamilton vs. Felipe Massa. Das Finale. Sao Paulo ist bereit für den letzten Schlagabtausch der Saison.

    Ein Szenario wie es Bernie Ecclestone liebt. Zur besten Prime Time in Europa wird die Formel 1-Weltmeisterschaft im letzten Lauf entschieden. Aus dem Dreikampf ist ein Zweikampf geworden, nachdem sich Robert Kubica bereits im Qualifying zum Großen Preis von China um alle Möglichkeiten brachte.

    Den ersten Matchball von Lewis Hamilton wehrte Felipe Massa in Shanghai gerade noch ab. Ein Balljunge spielte Massa kurz vor Einbruch der Dunkelheit zwei zusätzliche Punkte zu und der Ferrari-Pilot nahm dankend an.

    Für Lewis Hamilton war es ein perfektes Wochenende mit Pole, Sieg und der schnellsten Rennrunde, die er zum ersten Mal in dieser Saison für sich verbuchen konnte. Mit sieben Punkten Vorsprung reist er nun zum Finale nach Brasilien.

    Herausforderer Felipe Massa besitzt jetzt Heimrecht. Die Zuschauer werden im längst ausverkauften Rennen ihren Lokalmathador mit allen Mitteln unterstützen. Ein erster oder zweiter Platz ist Pflicht für Felipe Massa. Mehr kann er im letzten Rennen nicht erreichen. Folglich benötigt er mehr als nur einen Balljungen, um Lewis Hamilton noch abzufangen. Dem Briten reicht Rang fünf, um den Titel auf die Insel zu holen.

    Hört sich einfach an - ist es aber nicht. In der letzten Saison wurde Hamilton auch nur Siebter beim Saisonfinale und verspielte dadurch seinen Vorsprung. In den bisherigen 17 Saisonrennen erzielte er eine durchschnittliche Platzierung von Rang 5,2. Der Brasilianer wurde im letzten Jahr Zweiter und gewann in der Saison davor. Die Weltmeisterschaft könnte wie im letzten Jahr zu einem Krimi werden.

    Wer könnte noch Balljunge spielen?

    Felipe Massa braucht also vier oder fünf Balljungen, die sich dazwischenwerfen. Der erste Kandidat ist bereits fest angestellt. Es ist kein geringerer als der entthronte Titelverteidiger Kimi Räikkönen.

    Aus der BMW-Sauber-Abteilung kann Massa wohl nur mit einer Unterstützung rechnen. Welcher Fahrer das sein könnte hängt davon ab, wer diesmal nicht in der Qualifikation Schrittfehler begeht. Bei Renault wird Fernando Alonso als fahrender Torero sein rotes Tuch garantiert zwischen Ferrari und McLaren-Mercedes werfen. Damit sind drei Kandidaten gefunden, die Massa zur Meisterschaft verhelfen könnten.

    Weitere Balljungen sind schwer auszumachen. Die Scuderia Toro Rosso mit ihren roten Motoren könnten vielleicht eine entscheidende Rolle spielen. Sebastian Vettel ist immer ein Platz in den Punkten zuzutrauen. Wenn sein Teamkollege Sébastien Bourdais seine letzten Leistungen noch über die Distanz bringt, kann auch er punkten. Jarno Trulli, Timo Glock, Mark Webber und Nico Rosberg gehören wohl mehr in die Abteilung der Fahrer die um Position sieben und acht fahren.

    Es spricht vieles für Lewis Hamilton. Aus dem eigenen McLaren-Mercedes-Lager wird Heikki Kovalainen nur hinter Hamilton einen guten Doppelpartner abgeben. Liegt er zwischen den beiden Titel-Aspiranten könnte es wohl eher einen dritten Ausfall in Folge für den Finnen geben.

    Egal wie das Rennen ausgehen wird: In Brasilien wird weiter Samba getanzt - nur die Titel der "Pussycat Dolls" könnten aus den Radiostationen verbannt werden.

    Hamilton fürchtet Ferrari nicht

    Hamilton fürchtet Ferrari nicht: Kubica und Alonso werden stark

    Die Ferrari-Piloten machen Lewis Hamilton keine Kopfschmerzen. In Zukunft rechnet der Brite eher mit Gegenwehr von Robert Kubica und Fernando Alonso.

    Der Countdown zum Showdown läuft und Lewis Hamilton steht kurz davor sich seinen ersten WM-Titel in der Formel 1 zu sichern. Doch trotz der Tatsache, dass Felipe Massa im Ferrari noch, geringe, Chancen auf den Titel hat, sieht Hamilton die beiden Ferrari Piloten nicht als engste Konkurrenten.

    "Ich fürchte niemanden", sagte Hamilton gegenüber dem Observer. "Kubica wird in Zukunft ein sehr harter Konkurrent werden. Er und Alonso werden, wahrscheinlich, die zwei härtesten Konkurrenten werden, denen ich mich stellen muss."

    Giancarlo Fisichella ist ohnehin der Meinung, dass Lewis Hamilton in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal Formel-1-Weltmeister werden sollte. Doch ließt man zwischen den Zeilen, so kann man bei Fisichella einiges an Kritik heraushören. "Ich spreche nicht gern über andere Fahrer", sagte Fisichella gegenüber Times of India. "Ich finde nur, dass ein Fahrer Weltmeister werden kann, wenn er weniger Fehler macht als andere. Lewis ist schnell und hat ein fantastisches Auto."

    Geht es nach Fisichella, hätte Hamilton bereits 2007 Weltmeister werden müssen und auch 2008 hätte der Brite sich schon einige Rennen früher den Titel sichern müssen, was er aber nicht getan hat. "Hamilton kann nicht mit Michael Schumacher und Ayrton Senna verglichen werden. Er ist nicht wie sie", so Fisichella...

    So kann der Titel geholt werden: Sechs Möglichkeiten

    So kann der Titel geholt werden: Sechs Möglichkeiten

    Die letzte Runde im Kampf um die WM-Krone wird in Kürze eingeläutet. So stehen die Chancen für die beiden Titelaspiranten.

    Der Showdown in Brasilien steht vor der Tür und für die beiden Hauptakteure, Lewis Hamilton und Felipe Massa, gibt es zahlreiche Wege, um sich den Titel zu sichern. Hamilton hat aufgrund seines Vorsprungs naturgemäß ein paar Möglichkeiten mehr als sein brasilianischer Widersacher.


    Lewis Hamilton wird Formel 1 Weltmeister 2008, wenn:
    - er fünfter oder besser wird, auch, wenn Massa das Rennen gewinnt.
    - er siebter wird und Massa das Rennen nicht gewinnt.
    - er achter wird und Massa maximal den dritten Platz erreicht.
    - er keine Punkte einfährt aber Massa nicht erster oder zweiter wird.

    Felipe Massa wird Formel 1 Weltmeister 2008, wenn:
    - er das Rennen gewinnt und Hamilton maximal sechster wird.
    (bei Punktgleichheit (97:97) die dann höhere Zahl von Saisonsiegen (6:5) den Ausschlag zugunsten des Brasilianers)
    - er zweiter wird und Hamilton achter wird oder gar keine Punkte einfährt.
    (bei Punktgleichheit (95:95) und gleicher Anzahl an Saisonsiegen (5:5) dann mehr zweite Plätze (3:2) aufweisen würde.)

    18. Brasilien GP / Autodromo José Carlos Pace

    18. Brasilien GP / Autodromo José Carlos Pace

    Brasilien: Saisonshowdown zwischen den Seen
    Im Samba-Takt über die Rüttelpiste: Obwohl das Autodromo Carlos Pace zu einem Großteil völlig neu asphaltiert wurde, verdient sich die Strecke ihren Beinamen "Waschbrett-Kurs" nach wie vor. Auf dem welligen Belag der 4,309 Kilometer langen Strecke werden die Formel 1-Boliden und ihre Fahrer kräftig durchgeschüttelt.

    Der "Waschbrett-Kurs" von Interlagos verlangt aber nicht nur den Fahrern alles ab: Auch die Reifen benötigen eine hohe Leistungsfähigkeit um auf dem rauen Asphalt das Rennen durchzustehen.

    Ein besonderes Kennzeichen der Grand Prix Strecke von Interlagos ist das Faktum, dass sie zusammen mit dem 'Autodromo Enzo e Dino Ferrari' in Imola sowie dem neuen GP-Kurs in der Türkei die einzige Strecke im aktuellen F1-Kalender ist, welche entgegen dem Uhrzeigersinn gefahren wird, weshalb sich einige Fahrer mit zusätzlichem Training der Nackenmuskulatur auf dieses schwere Rennen vorbereiten.

    In puncto Fahrzeugabstimmung müssen auch die Ingenieure hohe Ansprüche erfüllen. Dafür sorgt neben dem welligen Streckenbelag zum Beispiel das Streckenlayout, das mit seinen langen Geraden und den vielen langsamen bis mittelschnellen Kurven gute Überholmöglichkeiten bietet. Gerade in den Biegungen vor den Geraden benötigen die Autos eine gute Fahrzeugbalance.

    Zudem weist die Strecke nur ein verhältnismäßig niedriges Grip-Niveau auf. Besondere Würze erhält die Suche nach dem optimalen Setup schließlich durch das teilweise unberechenbare brasilianische Wetter.
    Bilder
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    Vorschau: Grand Prix von Brasilien 2008

    Vorschau: Grand Prix von Brasilien 2008

    Beim Grand Prix von Brasilien, dem 18. und letzten Lauf der Formel-1-Weltmeisterschaft 2008 am übernächsten Wochenende in Sao Paulo entscheidet sich einer der spannendsten Titelkämpfe der letzten Jahre. Sieben Fahrer aus fünf Teams, darunter die beiden Vodafone McLaren Mercedes Fahrer Lewis Hamilton mit fünf Siegen und Heikki Kovalainen mit einem Erfolg, gewannen bei den bisherigen 17 Grand Prix.
    Nach 17 Rennen führt Vodafone McLaren Mercedes Fahrer Lewis Hamilton in der WM-Wertung mit 94 Punkten, sieben Zähler vor seinem einzig verbliebenen Titelrivalen Felipe Massa (Ferrari) mit 87 Punkten. In der Konstrukteurswertung liegt Vodafone McLaren Mercedes mit 145 Punkten auf Platz zwei; es führt Ferrari mit 156 Punkten.
    Vor 13 Jahren fuhren McLaren und Mercedes in Interlagos ihr erstes gemeinsames Formel-1-Rennen. Seitdem gewann die Partnerschaft hier viermal, 2005 holte sie einen Doppelsieg.

    Lewis Hamilton
    Wie bereitest du dich auf das entscheidende Rennen vor?
    „Genauso wie bei den vorangegangenen Rennen. Zwar muss ich diesen Grand Prix nicht gewinnen, dennoch will ich die bestmögliche Leistung zeigen. Schanghai war dafür ein gutes Beispiel. Ab dem ersten Training am Freitagmorgen blickten wir nicht mehr zurück. Wir wollten nicht zu hart attackieren, doch dann waren wir von Anfang an die Schnellsten. Es wäre schön, wenn es in Brasilien wieder so laufen würde – ein problemloses Wochenende, an dem ich mich ganz auf mein Auto und aufs Fahren konzentriere.”

    Wie gefällt dir die Strecke von Interlagos?
    „Gut. Der Kurs bildet so etwas wie eine natürliche Arena. Dazu fahren wir hier entgegen dem Uhrzeigersinn, das ist ungewöhnlich für uns Fahrer. Die Rennen hier sind meistens interessant und spannend. Vor der ersten Kurve am Ende der Start-Zielgeraden kommt es oft zu Ausbrems- und Überholmanövern. Das Griplevel in Interlagos ist recht hoch, da machen die Zweikämpfe Spaß.“

    Welche Erinnerungen hast du an das letztjährige Finale in Brasilien?
    „Wie heute war der Titelkampf damals offen und ich hatte meine Emotionen nicht so ganz im Griff. Ich wusste, dass ich entweder mit einem riesigen Erfolg oder einer großen Enttäuschung nach Hause fahren würde. Der Ausgang ist bekannt – dennoch feierte ich mit dem Team, um alles zu vergessen. Brasilien ist ein schöner Ort für das Saisonfinale, denn am Sonntagabend herrscht überall entspannte Partyatmosphäre.“

    In Interlagos erinnert viel an Ayrton Senna. Wie fühlst du dich dabei?
    „Ayrton war immer mein Lieblingsfahrer. Für mich ist er der beste Fahrer aller Zeiten, und ich glaube nach wie vor nicht, dass ihm das jemand streitig machen kann. Es wäre ein Traum für mich, auch nur einen Bruchteil dessen zu erreichen, was er geschafft hat.“

    Heikki Kovalainen
    Wie hat sich deine Zusammenarbeit mit dem Team im Laufe der Saison 2008 entwickelt?
    „Meinen Platz im Team fand ich sehr schnell, aber es dauerte um einiges länger, mich an den MP4-23 zu gewöhnen. Anfangs ging ich mit der Abstimmung manchmal in die falsche Richtung, aber im Laufe der Saison änderte sich das. Besonders im Qualifying war ich von Beginn an schnell. Jetzt gebe ich mir viel Mühe, die Reifen besser zu verstehen. Alles entwickelt sich sehr gut.“

    Die Saison 2008 ist fast vorbei – wie sieht deine Bilanz aus?
    „Insgesamt war es eine gute Saison. Ich lernte viel und fühle mich bereits jetzt gut vorbereitet für das kommende Jahr. Ich weiß, wie ich den Speed des Autos verbessern und ich das Maximum herausholen kann. Eigentlich hatte ich gedacht, dass diese Saison schwieriger werden würde, aber jetzt glaube ich, dass ich einen ganz guten Job gemacht habe.“

    Welches Ziel hast du für das letzte Rennen des Jahres?
    „Ich will gewinnen. Auf jeden Fall will ich dem Team und Lewis helfen wo ich nur kann, und am einfachsten geht das, wenn ich an der Spitze fahre. Das Team weiß, dass ich meinen Teil beitragen werde. Auch wenn wir in der Konstrukteurs-WM elf Zähler hinter Ferrari liegen, haben wir bei 18 noch zu vergebenen Punkten eine Chance auch auf diesen Titel; deshalb ist der Gewinn beider Weltmeisterschaften unser Ziel.“

    Martin Whitmarsh
    Wie beurteilen Sie das Kräfteverhältnis zwischen Vodafone McLaren Mercedes und Ferrari vor dem Finale der Weltmeisterschaft 2008?
    „Vor einem Jahr war Ferrari in Brasilien stärker als wir, in diesem Jahr sieht es besser aus für uns. Die bisherige Saison hat gezeigt, dass Interlagos unserem Auto diesmal mehr liegen sollte als 2007. Zudem war es im letzten Jahr besonders heiß in Brasilien, was Ferrari entgegen kommt, doch in diesem Jahr wird das Wetter voraussichtlich kühler sein. All das ist die Basis für ein spannendes Rennen, und das ist gut für alle.“

    Welche Variablen muss man in Interlagos bedenken?
    „Die Strecke ist ziemlich uneben, deshalb liegt ein Schwerpunkt auf einer guten, fahrbaren Balance. Zudem liegt Interlagos höher als andere Rennstrecken, das beeinträchtigt etwas die Motorleistung und auch den Abtrieb. Möglicherweise werden wir auch die Abstimmung von Lewis Motor etwas ändern, um auf der sicheren Seite zu sein. Darauf achten wir bei jedem Rennen, aber diesmal ist das natürlich wichtiger als sonst.“

    Wie hoch ist der Erfolgsdruck für das Team?
    „Wir versuchen natürlich, alle erdenklichen Schwierigkeiten im Vorfeld aus dem Weg zu räumen, dennoch ist ein Rennen, in dem es um den Titel geht, immer eine besondere Belastung. Einerseits erscheint es einfach, die vier Punkte zu holen, die zum Titelgewinn reichen. Andererseits entspricht das nicht unserer Einstellung. Tatsächlich war der Grand Prix in Schanghai viel stressiger, denn davor hatte Lewis nur fünf Punkte Vorsprung vor Massa, und die hätte er leicht verlieren können. Mit den Leistungen, die wir in diesem Jahr zeigten, sollten ein fünfter Platz und die vier Punkte, die er dafür erhält, für Lewis kein Problem sein. Doch eine unerwartete Safety Car Phase oder ein mechanisches Problem können auch eine solche Platzierung schnell zunichte machen. Beide Fahrer müssen einfach ein problemloses Rennen fahren, aber die Sorge um die Zuverlässigkeit sorgt bei den Jungs in der Box für den größten Stress.“

    Norbert Haug
    Die Ausgangslage vor dem Saisonfinale ist für Lewis wie im letzten Jahr: er kommt mit sieben Punkten Vorsprung nach Sao Paulo. Haben Sie keine Befürchtung, dass es mit dem WM-Titel wieder nicht klappen könnte?
    „Der Titelgewinn ist alles andere als eine Formsache. Für Lewis‘ Titelrivalen Felipe Massa gibt es in Brasilien nach aktuellem Kräfteverhältnis voraussichtlich nur wenige Fahrer im Feld, die ihm den Sieg streitig machen können; Lewis und Heikki gehören dazu. Natürlich gibt es Rennen mit überraschenden Randbedingungen oder Safety-Car-Einsätzen, die, wie zuletzt in Singapur, das Feld durcheinander wirbeln und für nicht erwartete Ergebnisse sorgen. Lewis wird mit Bedacht fahren und unser Team mit Umsicht agieren, um in Brasilien die notwendigen Punkte zu machen.“

    Brasilien ist das Heimatland von Lewis‘ Titelrivale Felipe Massa. Ist das ein Nachteil für Lewis?
    „Natürlich wird die Mehrheit der Zuschauer Felipe die Daumen drücken, das ist in Brasilien für ihn nicht anders als in England für Lewis. Trotzdem kommt es letztlich nur auf unseren Speed, unsere Zuverlässigkeit, die Vermeidung von Crashs und die Cleverness bei Team und Fahrern an. Wir werden auf unsere Aufgabe konzentriert sein. Wir wissen natürlich, dass noch eine Menge zu leisten ist, bevor Lewis den Titel holen kann.“

    Was spricht für Lewis und Vodafone McLaren Mercedes beim Finale in Brasilien?
    „Vor vier Monaten, nach den Rennen in Kanada und Magny Cours, lag Lewis bereits zehn Punkte hinter der Spitze. In den neun Rennen seither machte er dann 17 Punkte mehr als Felipe Massa. Lewis startete seither fünf Mal von der Pole Position und zwei Mal als Zweiter, er fuhr bei den letzten neun Grand Prix also sieben Mal aus Reihe eins los. Unser Team gewann bei diesen Rennen seit Juli viermal, Ferrari und Renault je zweimal, Toro Rosso einmal, wir holten seither 87 Punkte, Ferrari 65, BMW 61 und Renault 60. Es gilt jetzt diesen Trend beim letzten Grand Prix des Jahres fortzusetzen. Eine Aufgabe, die wir keineswegs unterschätzen.“

    Neuer Heckflügel bei McLaren: Mit voller Kraft ins Finale

    Neuer Heckflügel bei McLaren: Mit voller Kraft ins Finale

    In Woking lässt man nichts unversucht, um den Titel in diesem Jahr endgültig zu holen und das Trauma von 2007 zu überwinden.
    Es ist das letzte Rennen des Jahres und Lewis Hamilton hat ausgesprochen gute Karten in der Hand, was die umkämpfte WM-Krone angeht. Doch sicher ist sicher und so bringt McLaren einen neuen Heckflügel und zahlreiche neue Aerodynamische Teile zum Grand Prix von Brasilien, um nichts dem Schicksal zu überlassen, das will Autosport herausgefunden haben.

    Es sehe so aus, als hätte die Mannschaft bei einigen Änderungen am MP4-23 ein gutes Gefühl gehabt, wodurch man kurzerhand entschloß diese nach Interlagos mitzubringen. Der Heckflügel dürfte dabei für das freie Auge die markanteste optische Änderung darstellen, doch glaubt man, dass mindestens sechs weitere Bereich des Boliden verändert wurden.

    Schon nach dem Rennen in China ließ McLaren Geschäftsführer Martin Whitmarsh aufhorchen. "Wir haben unsere Resourcen verstärkt auf die Entwicklung eines Aerodynamik-Pakets verlagert, dass die Effizienz des Autos verbesern soll", sagte Whitmarsh. Auch Ron Dennis meldete sich nach Shanghai zu Wort und betonte, dass die Haltbarkeit die größte Gefahr in Brasilien darstellen werde. "Wir werden also vorsichtig sein, hinsichtlich unserer Reifen, möglichen Regens und diese Art von Dingen", so Dennis.

    "Aber man kann vor Freitag nichts großartiges unternehmen und auch nicht allem möglichen vorbeugen. Wir werden am Freitag ganz normal unserer Arbeit nachgehen und alle Hürden die sich uns dabei in den Weg stellen überwinden."

    Für Massa zählt nur der Sieg: Klarer Fokus

    Für Massa zählt nur der Sieg: Klarer Fokus

    Auf die unterschiedlichsten Konstellationen für das Resultat nach Brasilien konzentriert sich Felipe Massa nicht, für ihn zählt nur der Sieg.
    Felipe Massa hat wie auch Rubens Barrichello und Nelson Piquet Junior doppelten Grund zur Freude auf das kommende Rennen in Brasilien, denn für alle drei ist das Saisonfinale gleichzeitig das Heimrennen. Massa weiß das für sich zu nutzen und genießt die Zeit in seinem Heimatland schon früh.

    "In den letzten Jahren habe ich es mir angewöhnt mich zuhause in Sao Paolo auf das Rennen hier vorzubereiten", sagte Massa. "Ich versuche es so intensiv wie möglich zu genießen, denn im kommenden Jahr wird der Grand Prix von Brasilien nicht mehr das letzte Rennen des Jahres sein. Ich bin direkt nach dem Rennen in Shanghai nach Hause gereist. Das letzte Rennen war aus Sicht des Teams ein gutes, da wir 14 Punkte einfahren konnten und so den Vorsprung in der Teamwertung ausbauen konnten. Aus meiner Sicht war es nicht ganz so gut, denn das Titelrennen wurde wieder ein Stück härter. Lewis konnte gewinnen und ich habe weitere 2 Punkte verloren."

    Schwer im Magen scheinen Felipe Massa auch die Kommentare zu seinem Überholmanöver gegen Teamkollegen Kimi Räikkönen in China zu liegen. "Diese Kommentare kommen von Leute die nicht wirklich verstehen wie der Sport funktioniert", sagte er. "Die Formel 1 ist ein Teamsport und sowohl ich, als auch Kimi müssen tun, was das Beste für das Team ist. Natürlich will ein Rennfahrer immer als Sieger über die Ziellinie kommen. Egal ob man mit einem Freund ein Computerspiel spielt oder ein Formel 1 Auto fährt. Alle Piloten haben einen Vertrag mit ihren Teams, also fahren sie nicht als Einzelpersonen", so Massa.

    Wenn man um die Weltmeisterschaft fahre und nur ein Fahrer mathematische Chancen auf den Titel hat, dann würden alle Teams in der Formel 1 dasselbe tun, nämlich genau diesen Fahrer in die bestmögliche Position zu bringen, um die Meisterschaft zu gewinnen. Was den Meisterschaftskampf im letzten Rennen angeht, so steht eines bereits fest. Felipe Massa wird einen wesentlich härteren Job erledigen müssen als Lewis Hamilton. "Ich konzentriere mich einfach nur darauf das Rennen am Sonntag zu gewinnen, schön wäre es, wenn mein Teamkollege direkt hinter mir ins Ziel kommen würde. Ich denke nur an den Sieg, denn alles andere liegt nicht in meiner Hand."

    Hamilton gegen Massa und 100 000 Brasilianer

    Hamilton gegen Massa und 100 000 Brasilianer
    Lewis Hamilton gibt sich vor dem WM-Finale in Brasilien gelassen. Sein Konkurrent Felipe Massa wird von 100 000 Fans in seinem „Wohnzimmer“ unterstützt.

    Lewis Hamilton gegen Felipe Massa, Wunderkind gegen Wasserträger: Privat trennen sie Welten, doch im Kampf um die Formel-1-Krone liegen sie nur sieben Punkte auseinander. Ein Jahr nach dem Albtraum von Sao Paulo nimmt der gereifte Silberpfeil-Pilot Hamilton beim Saisonfinale 2008 am Sonntag (18.00 Uhr MEZ/live bei Premiere und RTL) in Brasilien den zweiten Anlauf, um sich im Alter von 23 Jahren, 10 Monaten und 26 Tagen zum jüngsten Weltmeister der Geschichte zu krönen.

    Fünfter Platz für Hamilton würde reichen

    Hamilton würde schon ein fünfter Platz zum historischen Triumph reichen. Rivale Massa dagegen muss gewinnen oder Zweiter werden, um seine minimale WM-Chance überhaupt am Leben zu halten, und obendrein auf Schützenhilfe hoffen. Hamilton denkt immer noch an den Showdown 2007. „Wie heute war der Titelkampf damals offen und ich hatte meine Emotionen nicht so ganz im Griff. Ich wusste, dass ich entweder mit einem riesigen Erfolg oder einer großen Enttäuschung nach Hause fahren würde“, sagte der Brite.

    Mercedes-Sportchef Norbert Haug gibt in der Woche der Wahrheit nichts auf die Rechenspiele und warnt: „Der Titelgewinn ist alles andere als eine Formsache.“ Für Massa gebe es in Brasilien nach aktuellem Kräfteverhältnis voraussichtlich nur wenige Fahrer im Feld, die ihm den Sieg streitig machen können. Haug: „Lewis und Heikki Kovalainen gehören dazu.“ Und wie sieht die Weltmeister-Taktik aus? „Lewis wird mit Bedacht fahren und das Team mit Umsicht agieren, damit wir die notwendigen Punkte holen“, sagt der Sportchef.

    Massa verspürt „null Druck“

    McLaren-Teamchef Ron Dennis schüttelt immer noch den Kopf, wenn er an das Brasilien-Desaster vor einem Jahr denkt. Damals hatte er zwei Eisen im Feuer, doch Hamilton und der ungeliebte Fernando Alonso (Spanien) versagten, stattdessen staubte „Iceman“ Kimi Räikkönen (Finnland) als lachender Dritter im Ferrari den Titel ab. Deshalb will Dennis keine voreiligen Glückwünsche annehmen. „Die sieben Punkte Vorsprung bedeuten, dass es noch nicht reicht“, sagt der Brite und fordert: „Wir müssen jetzt sehr diszipliniert sein, sehr umsichtig vorgehen.“

    Massa, den vor der Saison niemand auf der Rechnung hatte, ist schon seit Tagen in seiner Heimatstadt. Der Brasilianer, der angeblich „null Druck“ verspürt, kennt den Kurs in Interlagos von kleinauf, die Strecke ist sein Wohnzimmer. Der einstige Lehrling von Rekord-Weltmeister Michael Schumacher setzt auf den Heimvorteil. „Ganz Brasilien weiß, worum es für mich geht. Sie werden mich anfeuern wie noch nie in meinem Leben“ sagt der 27-Jährige.

    Ein Hauch von Senna

    Das Rennen ist erstmals seit der Ära des unvergessenen Ayrton Senna mit etwa 100 000 Zuschauern wieder ausverkauft. Massa: „Ich liebe es, daheim zu fahren, und ich glaube, ich fahre hier besser als sonstwo. Muss ich es noch extra betonen, wie motiviert ich bin? „ Der Brasilianer braucht allerdings schon ein kleines Wunder, um seinen Traum zu verwirklichen. „Ich muss gewinnen und dann schauen, was Lewis gemacht hat“, sagte er.

    Sogar Ferrari-Berater Schumacher hat den Silberblick und lobt den Rivalen Hamilton: „Ich halte sehr viel von ihm. Was er in einer so kurzen Zeit erreicht hat, ist meiner Meinung nach unglaublich.“ Der Brite könne sogar seine Rekorde brechen, glaubt der siebenmalige Weltmeister und 91-malige GP-Sieger.

    100.000 Fans mit Sambatrommeln

    Hamilton hat vor dem Showdown in der Höhle des Löwen keine Angst. Trotzig kontert er Massas Kampfansage: „Wenn meine Familie da ist, dann ist das besser als 100 000 Fans auf den Tribünen. Was auch immer passiert, es ist gewiss keine Tragödie.“

    Sambatrommeln und Karneval auf den Rängen lassen Norbert Haug kalt. Natürlich werde die Mehrheit der Zuschauer Massa die Daumen drücken, das sei in Brasilien für ihn nicht anders als in England für Hamilton. Doch wenn die Startampel auf Grün springe, sei das alles egal, meint der Mercedes-Sportchef: „Letztlich kommt es nur auf unseren Speed, die Zuverlässigkeit, die Vermeidung von Crashs und die Cleverness bei Team und Fahrern an."