Kassenpatienten müssen länger warten

      Kassenpatienten müssen länger warten

      2. April 2008, 04:00 Uhr Von Philipp Neumann

      Kassenpatienten müssen länger warten

      Ärzte geben Privatversicherten schneller einen Termin - Grund ist das Honorar

      Köln/Berlin - Wer bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichert ist, muss bis zu dreimal so lange auf einen Termin beim Arzt warten wie Privatversicherte. Dies ist das Ergebnis einer Studie der Universität Köln. Die Bundesärztekammer räumte daraufhin ein, die Patienten könnten tatsächlich verschieden behandelt werden. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung sprach dagegen von "Serviceunterschieden" und versicherte, es gebe keine Bevorzugung. Eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums sagte, es sei Aufgabe der Ärzte, das Problem zu lösen. Nach Angaben von Krankenkassen tritt die Ungleichbehandlung der Patienten vor allem bei Fach- und weniger bei Hausärzten auf.

      Die Studie gibt einer Debatte Nahrung, die keineswegs neu ist. Bereits vor etwas mehr als einem Jahr hatte eine Studie des Wissenschaftlichen Instituts der AOK ergeben, dass jeder vierte Kassenpatient auch bei akuten Beschwerden mehr als zwei Wochen auf einen Termin warten muss. Auch Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) hatte in der Vergangenheit mehrfach gerügt, dass Ärzte Kassenpatienten diskriminierten. Als Konsequenz sind einige gesetzliche Kassen dazu übergegangen, für ihre Patienten eine schnelle Terminvereinbarung durchzusetzen.

      Für die aktuelle Untersuchung hatten Mitarbeiter des Instituts für Gesundheitsökonomie an der Uni Köln bei 189 Praxen im Raum Köln/Bonn/Leverkusen angerufen und nach einem Termin gefragt. Dabei ging es unter anderem um einen Allergietest, einen Lungenfunktionstest, eine Magenspiegelung oder einen Hörtest. Besonders gravierend seien die Unterschiede in der Terminvergabe bei Magenspiegelungen gewesen, sagte der Leiter des Instituts, Markus Lüngen. So mussten Kassenpatienten im Schnitt 36,7 Tage auf eine Spiegelung warten. Privatpatienten kämen nach nur 11,9 Tagen an die Reihe.

      "Der Status eines Patienten als privat Versicherter bedeutet für den Arzt, dass seine Erlöse rund 20 bis 35 Prozent über den Erlösen liegen, die bei der Behandlung gesetzlich Versicherter erzielt werden können", heißt es in der Studie. Die Schlussfolgerung der Autoren lautet deshalb: Eine Behandlung nach der medizinischen Notwendigkeit werde erst dann erfolgen, wenn sich die Vergütung für Ärzte "an der medizinischen Leistung und nicht an deren Versicherungsverhältnis orientiert".

      Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der Bundesärztekammer, bestätigte finanzielle Gründe für die Ungleichbehandlung: "Zu den Wartezeiten für gesetzlich Versicherte kommt es, weil oftmals die vorgegebenen Budgets vor Ende des Quartals ausgeschöpft sind." Viele Ärzte behandelten Patienten in den letzten Tagen und Wochen des Quartals kostenlos oder versuchten, nicht akut notwendige Behandlungen zu verlegen. Der Chef der Kassenärzte, Andreas Köhler, sagte, Ärzte seien nicht verpflichtet, jeden Patienten so schnell wie möglich dranzunehmen. Viele Ärzte brauchten aber die zusätzlichen Einnahmen aus der privaten Krankenversicherung. Sie kämen allen Versicherten zugute. Die Qualität der ärztlichen Leistungen werde von gesetzlichen Krankenkassen "fortschrittlicher" überwacht als von Privatversicherungen.

      Beide Ärztefunktionäre widersprachen der Aussage des SPD-Gesundheitspolitikers Karl Lauterbach, wonach die Ungleichbehandlung und die lange Wartezeit für gesetzlich Versicherte medizinische Risiken berge. "Beschwerden, die eine Magenspiegelung notwendig machen, können auf Blutungen oder eine Krebserkrankung zurückgehen", sagte Lauterbach. Die Studie war in dem Institut entstanden, dessen Leitung Lauterbach aufgrund seines Bundestagsmandats zurzeit ruhen lässt.

      Der Verbandsdirektor der privaten Krankenversicherung, Volker Leienbach, sagte, die Unterschiede bei den Wartezeiten seien Folge einer politisch gewollten Rationierung in der gesetzlichen Krankenversicherung. Durch die Budgetierung der vergangenen Jahre hätten die Kassenärzte im Laufe der Zeit immer weniger Honorar bekommen. Ein einheitliches Honorar für alle Ärzte würde die Versorgung der Bevölkerung "nach unten" vereinheitlichen. Zusatzsprechstunden für Privatpatienten, die viele Ärzte an Samstagen anböten, würden dann wegfallen.

      Eine Sprecherin der AOK Rheinland/Hamburg verwies dagegen auf die guten Erfahrungen, die ihre Kasse mit einer Termingarantie gemacht habe. Man garantiere den Versicherten, dass sie binnen drei Tagen einen Termin bekämen. Sei das nicht der Fall, schalte sich die Kasse ein und versuche, einen Termin zu organisieren - notfalls bei einem anderen Arzt. Im vergangenen Jahr hätten sich 8000 der drei Millionen Versicherten bei der Kasse gemeldet, weil sie nicht schnell genug an die Reihe gekommen seien. Sie sagte, das Problem langer Wartezeiten trete vor allem bei Fachärzten auf. Bei den Hausärzten setze sich ein Patient oft unangekündigt ins Wartezimmer.

      Schmidt: Keine Zwei-Klassen-Medizin in Deutschland

      Schmidt: Keine Zwei-Klassen-Medizin in Deutschland

      Mittwoch, 2. April 2008, 17:40 Uhr

      Berlin (Reuters) - Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt sieht die Krankenkassen in der Pflicht, für eine Gleichbehandlung von Privat- und Kassenpatienten zu sorgen. Ein Vertragsarzt habe sich verpflichtet, gesetzlich Versicherte genauso zu behandeln wie Privatpatienten, sagte Schmidt in einem Interview der "Saarbrücker Zeitung" (Donnerstagausgabe). "Hier müssen die Krankenkassen die Verantwortung übernehmen", forderte die SPD-Politikerin laut Vorabbericht. Damit reagierte sie auf eine Studie der Kölner Uni, wonach Kassenpatienten rund drei Mal so lang auf einen Untersuchungstermin warten müssen wie Selbstzahler.

      "Wir haben vielleicht einen Zwei-Klassen-Service, aber keine Zwei-Klassen-Medizin", sagte die Ministerin. Eine Bevorzugung von Privatversicherten sei nicht in Ordnung: "Das dürfen die Ärzte nicht." Eine Reihe von Kassen garantiere ihren Mitgliedern bereits, dass sie innerhalb weniger Tage einen Termin beim Facharzt bekämen. Notfalls kontaktiere die Kasse dann auch einen anderen Arzt für die Behandlung, sagte Schmidt.

      Propaganda gegen "Zwei-Klassen-Medizin"

      3. April 2008, 04:00 Uhr Von Margaret Heckel

      Kommentare: Propaganda gegen "Zwei-Klassen-Medizin"
      Kein Pranger für Privatpatienten


      Sie ist so einfach, die Welt der Gesundheitspolitiker und Ärztefunktionäre. Da kommt eine Studie, die behauptet, dass gesetzlich Versicherte dreimal so lang bei Fachärzten warten müssen als Privatversicherte. Und schon wird reflexartig auf die "Zwei-Klassen-Medizin" und die Privatversicherten eingeprügelt. Das ist ein billiges Ablenkungsmanöver. Ärgerlich dabei ist nicht nur die Propaganda, sondern auch die Fehlinformation der Öffentlichkeit.

      Privatpatienten finanzieren das Gesundheitssystem überproportional. Bei den Gesetzlichen versichert ein Arbeitnehmer seine ganze Familie kostenlos mit, bei den Privaten muss jedes Familienmitglied eine eigene Prämie zahlen. Für Ärzte zahlen sich Privatpatienten in bis zu 35 Prozent höheren Erlösen aus. Dennoch ist die Magenspiegelung für einen Privatpatienten exakt die gleiche wie für einen Gesetzlich Versicherten. Bei Notfällen werden beide gleich schnell behandelt. Ansonsten kommt der Privatpatient schneller dran.

      Ist das schon "Zwei-Klassen-Medizin"? Zumal die Politiker, die das jetzt wortreich beklagen, selbst das marktfeindliche System der Budgetierung in Gang gesetzt haben. Wer als Arzt nur eine bestimmte Menge von Magenspiegelungen pro Quartal finanziert bekommt, wird auch nur soviel anbieten.

      Besonders perfide ist, wenn nun Ärztefunktionäre in das Klagelied der "Zwei-Klassen-Medizin" einstimmen. Denn manche wollen damit nur verhindern, dass Krankenkassen und Ärzte Verträge aushandeln. Etliche Kassen machen das schon und schreiben darin Wartezeiten, Termingarantien, aber auch Qualitätsstandards fest. Und die anderen wollen einfach mehr Geld aus dem System holen. Geld, das von den Versicherten aufgebracht werden muss.

      Ohnehin wird die Budgetierung im kommenden Jahr abgeschafft. Auch dies wird nur in den seltensten Fällen in der derzeitigen polemischen Debatte miterwähnt. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass die angeblich so privilegierten Privatpatienten seit einiger Zeit enorme Beitragssteigerungen verkraften müssen - und auch ihre Kassen alles versuchen, Leistungen zu kürzen.

      Privatpatienten bevorzugt

      Dienstag, 1. April 2008
      Privatpatienten bevorzugt
      "Ökonomisch rational"

      Einer Studie der Universität Köln zufolge müssen Kassenpatienten im Schnitt dreimal so lange auf Termine beim Facharzt warten wie privat Krankenversicherte. Die Bundesärztekammer bestätigte die teilweise verzögerte Terminvergabe an gesetzlich Versicherte. Besonders große Unterschiede ermittelte die Studie bei Magenspiegelungen: Während Kassenpatienten im Durchschnitt 36,7 Tage auf eine Spiegelung warten mussten, bekamen Privatpatienten dagegen nach nur 11,9 Tagen einen Termin. "Beschwerden, die eine Magenspiegelung notwendig machen, können auf Blutungen oder eine Krebserkrankung zurückgehen", sagte der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Terminverzögerungen seien deshalb keine Kavaliersdelikte.

      "Eine Zwei-Klassen-Medizin" drohe Deutschland nicht nur, so die Südwest-Presse, "es gibt sie längst. Für diese Erkenntnis wäre keine Umfrage von Kölner Forschern nötig gewesen", erklärt das Blatt aus Ulm. Ebenso klar stehe es um die Gründe: "Rationierung bei den gesetzlichen Krankenkassen. Es hilft gar nichts, dass Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) sie ständig leugnet. Dass die betroffenen Patienten darüber klagen, ist nur zu gut verständlich. Aber es gibt nur ein Gegenmittel: mehr Geld für das chronisch unterfinanzierte Gesundheitswesen. Steigende Kassenbeiträge passen aber nicht zum Versprechen."

      Eine Zwei-Klassen-Medizin diagnostiziert auch die Volksstimme aus Magdeburg. "Gefühlt haben wir es ja schon lange", nun habe es die Studie wissenschaftlich nachgewiesen. "Weil du arm bist, musst du früher sterben?", folgert das Blatt aus Magdeburg, räumt aber ein, dass dieser Zusammenhang allerdings noch nicht wissenschaftlich erwiesen sei. "Aber dass Kranke beim Warten auf den Arzt nicht gesünder werden, ist mehr als nur eine gefühlte Wahrheit. Politiker, Kassen und Ärzteschaft üben sich in Schuldzuweisungen." Dabei trage jeder Schuld: "Die Politiker, weil sie die Rahmenbedingungen nicht ändern. Die gesetzlichen Kassen, weil sie die Budgetierung auf die Spitze treiben. Die Ärzte, weil sie die Möglichkeit des Mehrverdienens am privaten Patienten schamlos ausnutzen." Gemeinsam müsse man nach Verbesserungen suchen, fordert die Volksstimme.

      Auch der Schwarzwälder Bote aus Oberndorf sieht ob der Vorzugsbehandlung von Privatpatienten den frühen Tod der Kassenpatienten voraus: "Wer arm ist, muss also eher sterben." Das jedenfalls suggeriere die Kölner Studie. Dass Kassenpatienten länger auf einen Termin warten müssen als Privatversicherte, sei ein Ärgernis. "Gleichbehandlung ließe sich nur über gleiche Honorare erreichen. Eben das fordert Karl Lauterbach, der gesundheitspolitische Dauernörgler: Aus seinem Haus kommt die Studie."

      "Jetzt offenbart sich", so die Westfälischen Nachrichten, "welche neue Welt durch das Bündel von Reform- und Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen auch geschaffen wird." Die Ungleichbehandlung in den Wartezimmern vieler Fachärzte sieht das Blatt aus Münster als Indiz für einen harten Wettbewerb: "Ärzte, die nicht nur Mediziner, sondern auch unternehmerisch denkende Freiberufler sind, müssen mehr denn je entscheiden, mit welchen Einnahmen sie am Ende eines Quartals ihre Kosten decken wollen. Dass dies zulasten von Mitgliedern gesetzlicher Krankenkassen gehen würde, die sich im März um einen Termin im Mai bemühen müssen, war absehbar. Ärgerlich bleibt dies dennoch."

      Die Ostsee-Zeitung aus Rostock hat Verständnis für die Praxis der Fachärzte: "Jeder Handwerker würde nach lukrativen Aufträgen suchen, um Defizite auszugleichen." Dagegen werde einem Mediziner "nicht zugestanden, seine Praxis mit Privatpatienten über Wasser zu halten, deren Kassen jede Untersuchung und Behandlung anstandslos und sofort bezahlen. Man mag es moralisch bekritteln, dass ein Arzt nicht nur an die Gesundheit anderer denkt. Aber er lebt nicht vom Hippokratischen Eid allein, er kann anderen nur helfen, wenn er selbst sicher da steht."

      "Privatpatienten bringen dem Arzt mehr Geld, zumal gegen Quartalsende, wenn das Budget der Kassen für Behandlungen ihrer Patienten erschöpft ist", stellt das Obermaintagblatt aus Lichtenfels nüchtern fest. Aus Ärztesicht sei das Terminprivileg daher nur ökonomisch vernünftig und werde wohl auch von Privatpatienten aufgrund ihrer meist höheren Beitragszahlungen als gerecht empfunden. "Heikel wird's, wenn Rentabilität schwerer wiegt als die medizinische Notwendigkeit. Einen Kassenpatienten mit Krebsverdacht wochenlang auf die Magenspiegelung warten zu lassen, nur weil für die Untersuchung wenig Geld fließt, wäre pervers."

      Zusammengestellt von Nona Schulte-Römer

      Nur „Zwei-Klassen-Service“ beim Arzt?

      Nur „Zwei-Klassen-Service“ beim Arzt?

      VON RAIMUND NEUSS, 03.04.08, 21:21h, AKTUALISIERT 03.04.08, 21:46h

      Köln - Zwei-Klassen-Medizin? Allenfalls „Zwei-Klassen-Service“ kann Gesundheitsministerin Ulla Schmidt als Ergebnis einer Studie der Universität Köln erkennen, die es in sich hat: Kassenpatienten warten unter bestimmten Umständen dreimal so lange wie Privatpatienten, heißt es in der Arbeit aus dem Institut für Gesundheitsökomomie und medizinische Epidemologie.
      Das Institut ist die wissenschaftliche Heimat des Kölner SPD-Abgeordneten Karl Lauterbach, der zu den Mitautoren zählt und leidenschaftlich gegen Ungleichbehandlung im Gesundheitswesen kämpft. Genau die soll die Studie nachweisen. 36,7 Arbeitstage - mehr als sieben Kalenderwochen - warten Kassenpatienten demnach durchschnittlich auf eine Magenspiegelung, Privatpatienten zwölf Arbeitstage.

      Ein Ergebnis, das in diesem Ausmaß überrascht. Immerhin ergab die letzte Versichertenbefragung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, dass mehr als Hälfte der Kassenpatienten spätestens innerhalb einer Woche einen Facharzttermin erhält. Die Daten von 4315 Patienten wurden im gleichen Jahr 2006 erhoben wie die Zahlen aus dem Hause Lauterbach. Woher der Unterschied?

      Das Kölner Institut hat eine Stichprobe im Raum Köln / Bonn / Leverkusen gemacht. 189 Facharztpraxen wurden getestet: alle Allergologen und Pneumologen, Augenärzte, diagnostischen Radiologen, Hals-Nasen-Ohrenärzte und Gastroenterologen der Region. Mitarbeiter riefen dort an und gaben sich als Patienten aus. Tatsächlich angeboten wurde je ein Untersuchungstermin in 128 Praxen, der Rest konnte die gefragten Leistungen nicht erbringen oder kam aus anderen Gründen nicht in Betracht.

      128 Termine also, je etwa zur Hälfte „privat“ oder auf „Kasse“. Bei der Magenspiegelung führte das etwa nur zu je fünf Stichproben. Trotzdem ist das Gesamtergebnis verblüffend einheitlich: Ob beim Augenarzt oder beim Radiologen - durchschnittlich warteten Kassenpatienten dreimal so lange wie Private; im besten Fall zweimal und im schlechtesten fünf Mal so lange.

      Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein bestreitet diesen Unterschied nicht grundsätzlich. Nur meint KV-Sprecherin Karin Hamacher, die Fragestellung sei „ein bisschen lasch“. Die Anrufer machten keine Dringlichkeit geltend (etwa eine Magenblutung), sondern erbaten - so schreiben die Forscher - einen „Wahleingriff“. Sie beriefen sich auch auf keinen Hausarzt aus der Region.

      Notfallpatienten, beteuert Karin Hamacher, kämen bei jedem Arzt so schnell wie möglich dran. Das gesteht auch Markus Lüngen, Hauptautor der Kölner Studie, der „übergroßen Mehrheit“ zu. Die Versichertenbefragung bezieht Notfälle genau so ein wie „Wahleingriffe“, aber auch Fälle, in denen Haus- und Fachärzte unter einem Dach zusammenarbeiten. Bei nicht vordringlichen Maßnahmen, das sieht Lüngen wie die KV, achte der Arzt auf sein „Individualbudget“, nach dem ihm pro Quartal nur eine bestimmte Zahl von Fällen bezahlt wird. Zwar wird mit sechs Tagen Wartezeit auf einen Hörtest kaum eine Quartalsgrenze überschritten, aber - so Hamacher - viele Ärzte hätten wegen des Budgets die Zahl der Termine begrenzt.

      Für Lüngen ist das alles nicht nur ein „Servicemangel“: „Eine Magenspiegelung lasse ich ja nicht aus Spaß machen.“ Warten könne zwar sinnvoll sein („vielleicht hat der Patient zu viel Kaffee getrunken, und es geht ihm bald auch so besser“). Aber das müsse auch für Privatpatienten gelten.

      Lüngen meint, seine Studie sei auf andere Ballungsräume übertragbar; in dünn besiedelten Regionen dagegen warte man zwar länger. „Aber möglicherweise ist hier die Konkurrenz der paar Ärzte um die Privatpatienten nicht so groß und damit auch nicht der Unterschied bei der Wartezeit.“

      Übrigens: Bei der AOK Rheinland-Hamburg haben sich in den letzten acht Monaten 8000 Versicherte über lange Wartezeiten beschwert; fast alle erhielten dann innerhalb von drei Tagen einen Termin. Die Techniker Krankenkasse garantiert im Kölner „Atrio-Med“-Zentrum Facharzttermine innerhalb von fünf Tagen. Auch bei „Wahleingriffen“.