Der blaue Wittelsbacher wird versteigert
Die Verbindung zwischen Kaiser Leopold I. und seiner Nichte (und Cousine) Margarita Teresa, der Tochter König Phillip IV. von Spanien, war von langer Hand geplant. Drei Porträts der Infantin von Spanien begleiteten die Verhandlungen. Der Madrider Hof beauftragte dazu Diego Velázquez und ließ die Bildnisse nach Wien schicken: Sie zeigen Margarita Teresa im Alter von drei, fünf und acht Jahren und hängen heute im Kunsthistorischen Museum in Wien. Abgesehen vom Liebreiz seiner künftigen Ehefrau ist auf diesen Dokumenten der Habsburgischen Heiratspolitik auch ein wesentliches Detail erkennbar. Junge Damen dieses Alters verfügen nicht über die Vorzüge eines verführerischen Dekolletees, stattdessen sollte wohl die dort montierte Mitgift in Form eines blauen Diamanten locken. Bis zur endgültigen Vermählung 1666 stellte Philip IV. eine ganze Auswahl an exquisiten Edelsteinen für die Aussteuer seiner Lieblingstochter zusammen, derart auffällig in Szene gesetzt wurde allerdings nur dieser.
Dabei galten blaue Diamanten lange Zeit als weniger wertvoll. Das hat sich längst geändert, aber nur wenige der legendären Hochkaräter haben Kriegswirren überdauert oder konnten ihren ursprünglichen Besitzern zugeschrieben werden: Der bekannteste ist der so genannte Hope Diamant, ein 45 Karäter, einst Teil des französischen Kronschatzes und heute in der Sammlung des Smithsonian Institute in Washington. Oder der berühmte "Koh-I-Noor" (186 Karat), der sich im britischen Kronschatz befindet, der "Régent (Pitt)" (136,75 Karat) in der Sammlung des Pariser Louvre und der im Kreml beheimatete "Orloff" (189,62 Karat). Die Gemeinsamkeit der Steine - bis Anfang des 18. Jahrhunderts stammten alle aus Indien.
Jener der Infantin Margarita Teresa wurde nach ihrem frühen Tod 1673 in das Inventar des Österreichischen Kronschatzes aufgenommen. Leopold II. vererbte ihn weiter und über die Heirat Erzherzogin Maria Amalias von Österreich und dem bayrischen Kronprinzen Prinz Albert kommt der Diamant 1722 in den Besitz des Hauses Wittelsbach, fortan wird der Stein "Blauer Wittelsbacher" genannt. Den letzten Staatsauftritt absolvierte er 1921 beim Begräbnis Ludwig III. Zehn Jahre später gelangen bei Christie's Juwelen aus dem Bayrischen Kronschatz zur Versteigerung, darunter auch der "Blaue Wittelsbacher". Seit 1964 befindet er sich in einer Privatsammlung, aus der er nun zum Verkauf gelangt. Vor der jetzt für den 10. Dezember bei Christie's in London angesetzten Auktion kann er nun erstmals wieder in der Öffentlichkeit bewundert werden. Nach New York, Abu Dhabi, Dubai und in Paris (3./4. November) geht er auf seiner Ausstellungstournee noch nach Genf (15. bis 19. November) und Hongkong (27. bis 30. November).
Zu welchem Preis der "Blaue Wittelsbacher" ausgerufen wird ist allerdings noch ein großes Geheimnis. Schätzpreis auf Anfrage, lautet die Devise für den 35,56 Karäter. Gemessen an der gemmologischen Zertifizierung (VS2) entspricht der legendäre Diamant zwar kaum den höchsten Ansprüchen. Aber wer stößt sich angesichts dieser historischen Provenienzkette schon an den lediglich bei zehnfacher Vergrößerung erkennbaren Einschlüssen.
Die Verbindung zwischen Kaiser Leopold I. und seiner Nichte (und Cousine) Margarita Teresa, der Tochter König Phillip IV. von Spanien, war von langer Hand geplant. Drei Porträts der Infantin von Spanien begleiteten die Verhandlungen. Der Madrider Hof beauftragte dazu Diego Velázquez und ließ die Bildnisse nach Wien schicken: Sie zeigen Margarita Teresa im Alter von drei, fünf und acht Jahren und hängen heute im Kunsthistorischen Museum in Wien. Abgesehen vom Liebreiz seiner künftigen Ehefrau ist auf diesen Dokumenten der Habsburgischen Heiratspolitik auch ein wesentliches Detail erkennbar. Junge Damen dieses Alters verfügen nicht über die Vorzüge eines verführerischen Dekolletees, stattdessen sollte wohl die dort montierte Mitgift in Form eines blauen Diamanten locken. Bis zur endgültigen Vermählung 1666 stellte Philip IV. eine ganze Auswahl an exquisiten Edelsteinen für die Aussteuer seiner Lieblingstochter zusammen, derart auffällig in Szene gesetzt wurde allerdings nur dieser.
Dabei galten blaue Diamanten lange Zeit als weniger wertvoll. Das hat sich längst geändert, aber nur wenige der legendären Hochkaräter haben Kriegswirren überdauert oder konnten ihren ursprünglichen Besitzern zugeschrieben werden: Der bekannteste ist der so genannte Hope Diamant, ein 45 Karäter, einst Teil des französischen Kronschatzes und heute in der Sammlung des Smithsonian Institute in Washington. Oder der berühmte "Koh-I-Noor" (186 Karat), der sich im britischen Kronschatz befindet, der "Régent (Pitt)" (136,75 Karat) in der Sammlung des Pariser Louvre und der im Kreml beheimatete "Orloff" (189,62 Karat). Die Gemeinsamkeit der Steine - bis Anfang des 18. Jahrhunderts stammten alle aus Indien.
Jener der Infantin Margarita Teresa wurde nach ihrem frühen Tod 1673 in das Inventar des Österreichischen Kronschatzes aufgenommen. Leopold II. vererbte ihn weiter und über die Heirat Erzherzogin Maria Amalias von Österreich und dem bayrischen Kronprinzen Prinz Albert kommt der Diamant 1722 in den Besitz des Hauses Wittelsbach, fortan wird der Stein "Blauer Wittelsbacher" genannt. Den letzten Staatsauftritt absolvierte er 1921 beim Begräbnis Ludwig III. Zehn Jahre später gelangen bei Christie's Juwelen aus dem Bayrischen Kronschatz zur Versteigerung, darunter auch der "Blaue Wittelsbacher". Seit 1964 befindet er sich in einer Privatsammlung, aus der er nun zum Verkauf gelangt. Vor der jetzt für den 10. Dezember bei Christie's in London angesetzten Auktion kann er nun erstmals wieder in der Öffentlichkeit bewundert werden. Nach New York, Abu Dhabi, Dubai und in Paris (3./4. November) geht er auf seiner Ausstellungstournee noch nach Genf (15. bis 19. November) und Hongkong (27. bis 30. November).
Zu welchem Preis der "Blaue Wittelsbacher" ausgerufen wird ist allerdings noch ein großes Geheimnis. Schätzpreis auf Anfrage, lautet die Devise für den 35,56 Karäter. Gemessen an der gemmologischen Zertifizierung (VS2) entspricht der legendäre Diamant zwar kaum den höchsten Ansprüchen. Aber wer stößt sich angesichts dieser historischen Provenienzkette schon an den lediglich bei zehnfacher Vergrößerung erkennbaren Einschlüssen.