Interessantes zu Formel 1 im Jahr 2010
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Großer Preis von Italien / Monza
Porträt Im Königlichen Park der norditalienischen Lombardei kriecht den Fans bei Kurvennamen wie Parabolica, Lesmo oder Variante Ascari ein kaltes Kribbeln den Rücken hinunter. Kurz hinter den Toren Mailands gelegen wäre Monza eigentlich eine verschlafene Kleinstadt, wären da nicht zigtausende von Fans aus aller Welt, die am Rennwochenende die engen Straßen in ein heilloses Chaos verwandeln.
Ausgetragen wird der Grand Prix von Italien, seitdem es die Formel-1-Weltmeisterschaft gibt. Die Strecke inmitten eines schönen Parks hat sich über all die Jahre verändert, aber die unveränderte Start- und Zielgerade erinnert an die lange Vergangenheit des Kurses. Nirgendwo sonst sind die Fans so leidenschaftlich wie in Monza. Ob ein Italiener gewinnt oder nicht, ist den berühmten Tifosi meistens völlig egal, denn für sie zählt nur eines: Ferrari!
Mit einem Schnitt von über 250 km/h im Qualifying ist das Autodromo Nazionale Monza die schnellste Formel-1-Rennstrecke. Der 5,793 Kilometer lange Kurs beansprucht wegen der brutalen Verzögerungsmanöver vor allem die Bremsen, aber auch die Reifen, die besonders in den schnellen Kurven wie der Curva Grande und der Parabolica stark belastet werden. Die ebene Pistenoberfläche ermöglicht das Fahren mit geringer Bodenfreiheit, was in den Kurven zu besserer Bodenhaftung führt und die sowieso schon flach eingestellten Flügel noch flacher werden lässt. Zu 70 Prozent geben die Piloten in der Runde Vollgas und sorgen dafür, dass der Benzinverbrauch dementsprechend hoch ist und die Motoren bis an ihre Belastungsgrenze getrieben werden.
Bereits im Jahre 1922 fand im Königlichen Park zu Monza der erste Grand Prix von Italien statt. Auch die Formel 1 gastiert seit 1950 in Monza, wo zwischenzeitlich auf einer rund zehn Kilometer langen Hochgeschwindigkeitsstrecke gefahren wurde.
Besonders bekannt ist Monza für die Steilkurve, auf der heute aber nicht mehr gefahren wird. An sie erinnert heute nur noch eine Betonruine, die Jahr für Jahr mehr der Witterung zum Opfer fällt. Pläne, sie abzureißen, wurden nach Protesten auf Eis gelegt. Wo heute mehrere Schikanen die Formel-1-Autos einbremsen, wurde früher überall mit Vollgas gefahren, weswegen es in Monza viele Todesopfer zu beklagen gab. -
Vorschau: Italien Grand Prix
Der Grand Prix von Italien vom 10. bis 12. September 2010 in Monza ist der 14. Lauf zur Formel 1-Weltmeisterschaft 2010 und der letzte dieser Saison in Europa. Auf dem Autodromo Nazionale di Monza erreichen die Formel 1-Autos Geschwindigkeiten von rund 340 km/h – die höchsten aller Strecken im Kalender.
NICO ROSBERG
„Monza gehört zu den besten Rennstrecken der Welt. Nicht nur wegen der hohen Geschwindigkeiten und der damit verbundenen Herausforderung, sondern auch wegen der Leidenschaft und der Begeisterung der italienischen Fans, die geradezu rennsportverrückt sind. Das Monza-Wochenende ist deshalb etwas ganz Besonderes und ich liebe es hier zu fahren. Nach einem schwierigen Beginn in Spa erzielten wir noch ein ganz ordentliches Ergebnis und es war schön, ein paar Punkte zu holen. Die Rennstrecke von Monza hat eine ganz andere Charakteristik und ich hoffe auf ein erneut positives Wochenende.“
MICHAEL SCHUMACHER
„Das Wochenende in Spa war recht unterhaltsam und ich erinnere mich gerne daran, denn wir erzielten unter den gegebenen Umständen noch ein ganz ordentliches Resultat. Das kommende Rennen in Monza wird wohl auf ganz andere Weise spannend werden, denn es ist für unser Team eine echte Herausforderung. Mehrmals in diesem Jahr haben wir auf Rennstrecken mit ähnlicher Charakteristik wie Monza gesehen, dass uns solche Kurse nicht liegen. Aber wir werden wieder alles geben, um das bestmögliche Ergebnis mit unserem technischen Paket zu erzielen. Persönlich freue ich mich sehr auf die Rückkehr nach Monza, denn dort bin ich viele Jahre lang immer sehr herzlich empfangen worden.“
ROSS BRAWN
„In Spa mit beiden Autos Punkte zu holen, hat das Team motiviert und es wäre schön, wenn wir eine solche Leistung in Monza beim letzten Grand Prix in Europa in dieser Saison wiederholen könnten. Die Rennstrecke in Monza ist einfach fantastisch und die Veranstaltung dort ein Höhepunkt im Kalender. Die Tribünen sind jedes Mal voll und die Fans sorgen das ganze Wochenende über für eine wunderbare Atmosphäre. Aus technischer Sicht kommt es vor allem auf die aerodynamische Effizienz mit wenig Abtrieb an, um den Luftwiderstand zu minimieren. Dazu sind gute Bremsen und Traktion wichtig sowie ein kräftiger Motor, um auf den langen Geraden möglichst schnell zu sein. Wir freuen uns auf dieses Wochenende.“
NORBERT HAUG
„Die einzigartige Hochgeschwindigkeits-Charakteristik unterscheidet diese klassische Strecke von allen anderen Formel 1-Kursen. Der Grand Prix in Monza ist jedes Jahr etwas Besonderes, auch weil er das Heimrennen unseres geschätzten Konkurrenten Ferrari ist, der länger als jedes andere Team in der Weltmeisterschaft antritt. Wie alle Teams fahren wir in Monza mit einem speziellen Aerodynamikpaket, das auf die Anforderungen dieser Hochgeschwindigkeitsstrecke ausgelegt ist. Wir hoffen, in Italien ein respektables Ergebnis zu erzielen.“ -
Rot im Rausch: Pole-Position für Alonso!
Fernando Alonso sorgt für Partystimmung in Monza: Pole-Position beim Ferrari-Heimspiel vor Jenson Button und Felipe Massa - Sebastian Vettel nur Sechster
Ausgerechnet Ferrari hat im Qualifying von Monza die Pole-Position-Serie von Red Bull brechen können. Fernando Alonso zauberte bei herrlich sonnigen Bedingungen und guter Stimmung auf den Tribünen im entscheidenden dritten Abschnitt eine regelrechte Traumrunde auf die Bahn und sicherte sich in 1:21.962 Minuten die Spitze. Der Spanier war der einzige Fahrer, der somit unter 82 Sekunden bleiben konnte.
Die großen Ferrari-Festspiele am Samstag hatten sich schon in Q2 angedeutet. Auch dort hatte Alonso die beste Runde erzielt. Es stellte sich schon dort heraus, dass Ferrari am besten von frischen weichen Pneus profitieren kann. Die Italiener legten im Vergleich zur Konkurrenz deutlich mehr zu. Außerdem hatte Alonso das große Glück, im entscheidenden Run eine freie Runde zu erwischen.
McLaren hat dennoch nach wie vor große Chancen auf einen Monza-Erfolg. Jenson Button (2./1:22.084) konnte sich mit F-Schacht und viel Heckflügel deutlich besser präsentieren als Teamkollege Lewis Hamilton (5./1:22.623). Der Weltmeister von 2008 zahlte den Preis für sein Aerodynamikpaket für wenig Abtrieb. Das Auto lag unruhig, Hamilton machte auf seinen schnellen Runden einige kleine Fehler, die ihn zurückwarfen.
Auf den allerletzten Drücker hatte Alonsos Teamkollege Felipe Massa noch einen Angriff gewagt. Doch der Brasilianer schaffte es nicht mehr, musste sich letztlich in 1:22.293 Minuten auf Rang drei einreihen. "Fantasisch", bejubelte Ferrari-Präsident das Teamergebnis im Qualifying. "Umso schöner, dass es ausgerechnet hier in Monza passiert." Bei den Roten spürt man Erleichterung, immerhin hatte man seit 30 Rennen keine Pole mehr.
Red Bull darf am Rennsonntag vielleicht auf das Podest, aber kaum auf den Sieg hoffen. Der RB6 war in der Zeitenjagd einfach nicht schnell genug. Überraschend präsentierte sich Mark Webber (4./1:22.433) nach vielen technischen Problemen in den Trainings nun stärker als Sebastian Vettel (6./1:22.675). "Wir haben die Zeit auf den Geraden verloren", sagt der Deutsche. Der Heppenheimer konnte mit weichen Pneus kaum noch zulegen. Ein Phänomen, das auch bei McLaren zu erkennen war.
Erfolgreiche Schadensbegrenzung betrieb Nico Rosberg, der sich mit einer guten Runde in Q3 in 1:23.027 Minuten auf Platz sieben wuchten konnte. "Es war okay", so der Mercedes-Pilot. "Aber wir dürfen uns nicht daran gewöhnen, mit Platz sieben zufrieden zu sein. Wir wollen eigentlich gewinnen", sagt Rosberg. Michael Schumacher scheiterte als Zwölfter bereits in Q2. Der Rekordchampion liegt in Monza konstant hinter Rosberg zurück.
Ein anderer Deutscher bestätigte unterdessen seinen guten Aufwärtstrend. Nico Hülkenberg (8./1:23.037) setzte sich knapp gegen Robert Kubica (9./1:23.039) durch, Williams-Teamkollege Rubens Barrichello setzte sich in 1:23.328 Minuten auf Platz zehn. Diesen Platz hätte Adrian Sutil nur zu gerne gehabt, aber es reichte für den Force-India-Piloten nicht.
Sutil fehlten am Ende von Q2 nur wenige Hundertstelsekunden zum Einzug in die letzte Runde. Nach Platz zwei im Vorjahr muss der Gräfelfinger nun von Platz elf ins Monza-Rennen gehen. Aber es hätte noch viel schlimmer kommen können: Teamkollege Vitantonio Liuzzi hatte technische Probleme und schied bereits in Q1 enttäuscht aus.
Während die Mittefeldmannschaften Toro Rosso und Sauber erwartungsgemäß in Q2 keine Chance mehr hatten, offenbarte Renault-Rookie Vitaly Petrov klare Schwächen in Monza. Der Russe kam nie annähernd an die Zeiten seines Teamkollegen Kubica heran und fiel eigentlich nur auf, als er Timo Glock blockierte. Die Rennkommissare leiteten eine Untersuchung gegen Petrov ein, deren Ergebnis nun noch aussteht.
Den Kampf um die Position als bester Mann der neuen Teams musste Glock unterdessen mit stumpfen Waffen angehen. Der Wersauer legte zunächst gute Runden hin, konnte aber später nicht entscheidend nachlegen. "Beim letzten Reifensatz hatte ich hinten kaum Grip, der Wagen war sehr unruhig, daher ging nicht mehr", so Glock, der sich somit hinter den Lotus-Piloten einreihen musste. Noch schlimmer: Glock wird wegen eines Getriebewechsels noch weiter nach hinten versetzt. -
Monza in Extase: Ferrari-Heimsieg durch Alonso
Fernando Alonso bezwingt Jenson Button in einem spannenden Duell um den Monza-Sieg - Felipe Massa Dritter vor Sebastian Vettel - Mark Webber führt die WM an
Was für eine Party in Monza. Die Tribünen ganz in rot, die Fans in Extase, die Ferrari-Verantwortlichen mit Freudentränen in den Augen. Im Parco di Monza singen tausende Kehlen die italienische Nationalhymne - Wahnsinn! Fernando Alonso ist Auslöser dieses italienischen Freudenfestes. Der Spanier war im spannenden Duell gegen Jenson Button der Sieger und feierte somit seinen dritten Saisonerfolg.
Jenson Button nahm seinen Pokal als Zweitplatzierter mit leichter Enttäuschung entgegen. Der Brite hatte den Grand Prix von Italien lange Zeit angeführt und konnte die beiden Ferraris von Alonso und Felipe Massa kontrollieren. Der amtierende Weltmeister und die Roten begegneten sich auf Augenhöhe, waren absolut gleich schnell und boten den Zuschauern spannende Unterhaltung.
Hamilton der große Verlierer des Tages
Den mit Spannung erwarteten Start konnte Button sensationell für sich entscheiden. Im engen Gedränge der ersten Kurve berührte er den Ferrari von Alonso leicht und musste fortan mit einem kleinen Aerodynamikteil am Heck weniger auskommen. Weiter hinten schepperte es etwas heftiger. Lewis Hamilton lief nach einem bärenstarken Start auf Massa auf und knickte sich dabei ein Vorderrad ab: Das frühe Aus des bisherigen WM-Führenden!
Während Hamilton enttäuscht zurück zur Box gebracht wurde, fuhr sein Teamkollege vorne schnelle Runden, konnte Alonso aber nie ernsthaft abschütteln. Massa musste hingegen leicht abreißen lassen. Mit einem Respektabstand von rund drei Sekunden folgte er dem führenden Duo bis ins Ziel und holte als Dritter einen weiteren Podestrang für Ferrari. Für Massa war es eher langweilig, für das Topduo hingegen überhaupt nicht.
Rund zur Halbzeit des Rennens begannen kleine Verwirrspielchen um die Boxenstopps. Schon vorher war klar, dass derjenige im Vorteil sein würde, der länger auf der Bahn bleibt. Ferrari bereitete seine Boxenmannschaft vor und ließ alle zur Arbeit in der Gasse antreten - eine Finte. Man packte wieder ein und wartete noch eine Runde, während McLaren Button zum Reifenwechsel hereinholte - die Entscheidung.
Der Stopp von Alonso funktionierte prächtig, der Spanier kam fast gleichauf mit Button aus der Box und setzte sich im Zweikampf durch. Später musste der Spanier zwar noch einmal den Notausgang in der Schikane nutzen, aber er geriet kaum noch in Gefahr. "Solch ein Sieg ist höchstens mit einem Erfolg bei meinem Heimspiel in Barcelona vergleichbar", jubelt Alonso nach dem Rennen.
Vettel und der seltsame Leistungsverlust
"Ich hatte nicht ganz den Speed der Ferrari", sagt Button. "Ich hatte nach dem Stopp etwas zu wenig Grip. Es ist natürlich enttäuschend, dass Fernando vorbeikam. Aber wir haben trotzdem ein gutes Ergebnis erreicht", meint der Weltmeister nach Platz zwei. Am Ende hatte er einen Rückstand von 2,9 Sekunden, Massa lag 1,2 Sekunden weiter zurück.
"Ich war außen, Lewis war innen, ich habe nichts gesehen", sagt Massa zum Kontakt mit Hamilton. "Meine Schuld", winkt der Weltmeister von 2008 ab - Situation abgehakt. Hinter dem Top-Trio fuhr Sebastian Vettel auf Platz vier ins Ziel. Eigentlich ein Wunder, wenn man die zwischenzeitlichen Probleme des Heppenheimers bedenkt.
Der Youngster lag direkt vor seinem Teamrivalen Mark Webber, als der Renault-Motor an Vettels RB6 plötzlich erheblich Leitung verlor. Der Australier zog vorbei und entschwand nach vorne. Eine Runde später konnte Vettel wieder schnelle Runden drehen. "Ein kleines Feuer in der Airbox. Wir haben das Mapping geändert, dann war alles wieder gut", erklärt Red-Bull-Berater Helmut Marko.
Es war nicht nur alles gut am Vettel-Wagen, sondern plötzlich alles besser. Der Deutsche fuhr lange Zeit schnelle Runden und zögerte seinen Boxenstopp bis zur allerletzten Runde hinaus. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er sich so viel Vorteil verschafft, sodass er locker vor Webber und dem bärenstarken Nico Rosberg herauskam.
Rosberg war lange Zeit beeindruckend stark auf Platz vier gefahren, hatte aber gegen Vettel mit seinem plötzlich genesenen Red Bull keine Chance. Dennoch ein tolles Resultat. "Ein sehr gutes Rennen von Nico", lobt auch Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. Michael Schumacher fuhr unterdessen ein solides Rennen auf Rang neun. "Beide Fahrer in den Punkten. Wir haben erreicht, was heute ging", so Haug.
Rosberg und Hülkenberg mit starken Auftritten
Nico Hülkenberg fuhr auf Platz sieben einen starken Grand Prix. Über viele Runden hatte sich der Williams-Rookie erfolgreich gegen Webber gewehrt - und damit indirekt auch Vettel geholfen. Rubens Barrichello machte als Zehnter das gute Ergebnis für Williams perferkt. Robert Kubica (Renault) hatte etwas Pech. Der Pole verlor beim Boxenhalt zwei Sekunden und zwei Plätze und wurde am Ende Achter.
Neben Hamilton ging auch dessen Freund Adrian Sutil leer aus. Der Force-India-Pilot hatte sich große Hoffnungen gemacht, musste aber schon in der ersten Runde in einen Dreher - das war es. Später konnte sich der Deutsche nur noch gerade eben vor Timo Glock (Virgin) als bestem Pilot der neuen Teams auf Rang 16 ins Ziel bringen. Jarno Trulli (Lotus) und Bruno Senna (HRT) schieden mit Technikdefekten aus.
Kamui Kobayashi hatte im ersten Rennen nach seiner Sauber-Vertragsverlängerung ebenfalls viel Pech. Am Wagen des Japaners gab es vor der Fahrt in die Startaufstellung Probleme mit dem Getriebe. Er fuhr zwar aus der Boxengasse hinterher, kam aber nicht weit. Sein Teamkollege Pedro de la Rosa riss als 14. keine Bäume aus. Sébastien Buemi fehlten als Elfter am Ende nur 0,8 Sekunden auf den letzten Punkterang.
Im Rennen agierte er nicht immer glücklich, aber in der Gesamtwertung steht er nun auf dem Platz an der Sonne: Mark Webber (187 Punkte) hat nun an der Spitze fünf Zähler Vorsprung auf Pechvogel Lewis Hamilton (182). Fernando Alonso (166) verbesserte sich durch seinen dritten Saisonsieg auf Rang drei und liegt knapp vor Jenson Button (165) und Sebastian Vettel (163). Kleine Randnotiz: Michael Schumacher (46) hat nun selbst rechnerisch keine Chance auf den Titel mehr. -
Rennen: Großer Preis von Italien
Die MERCEDES GP PETRONAS Fahrer Nico Rosberg und Michael Schumacher belegten beim Grand Prix von Italien in Monza die Plätze fünf und neun. Beide verbesserten sich bereits in der Startrunde deutlich; Nico von Rang sieben auf vier, Michael von Startposition zwölf auf acht. Nico kam in Runde 35 zum Boxenstopp herein, Michael einen Umlauf später. Sie fuhren wie zuletzt in Spa beide in die Punkteränge.
In der Fahrerweltmeisterschaft verbesserten sich beide MERCEDES GP PETRONAS Fahrer um je einen Platz; Nico ist mit 112 Punkten Siebter; Michael liegt mit 46 Zählern auf Platz neun. Es führt Mark Webber (Red Bull Renault) mit 187 Punkten.
NICO ROSBERG
„Der fünfte Platz heute geht in Ordnung, abgesehen davon, dass ich am Ende noch hinter Sebastian Vettel zurückfiel. Es war ein harter Kampf und ich gab bis zum Schluss alles, erst mit Robert Kubica am Start und später mit Sebastian Vettel. Wir holten an diesem Wochenende das Maximum aus dem Auto heraus und beide Fahrer sammelten Punkte. Das ist gut für das Team, aber wir alle wollen uns steigern und dafür werden wir weiter hart arbeiten.“
MICHAEL SCHUMACHER
„Ich hatte ein problemloses Rennen und bin mit meinem Start recht zufrieden. Es ging sehr eng zu, es gab viel Aktion und viele schöne Zweikämpfe. Leider schaffte ich es nicht, Sebastian und Mark hinter mir zu halten und verlor deshalb zwei Plätze. Danach fuhr ich ein recht einsames Rennen. Gemessen an
unseren Startplätzen holten wir heute das Maximum heraus und zusammen mit Nico sammelte ich wichtige Punkte für das Team; insgesamt also ein gutes Rennen.“
ROSS BRAWN
„Wir fuhren heute mit beiden Autos in die Punkte und holten ein respektables Ergebnis. Solche Rennen brauchen wir bis zum Saisonende. Nico und Michael starteten sehr gut und zeigten dabei ihre Erfahrung und Reife, und danach fuhren beide ein starkes Rennen. Wir sind zwar nicht so schnell wie die Spitze, aber wir sind die stärksten Verfolger. Nico kämpfte fantastisch, Sebastian Vettel hinter sich zu halten, leider schaffte er es am Ende nicht ganz. Auch Michael fuhr mit einem guten Rennen in die Punkteränge; dank der guten Arbeit der Boxenmannschaft gelang uns das heute erneut.“
NORBERT HAUG
„Unsere beiden Fahrer holten heute Punkte und das ist positiv. Mit erstklassigen Starts verbesserten sich Nico von Platz sieben auf fünf und Michael von Position zwölf auf Rang neun. Nico fuhr die drittschnellste Runde des Rennens, schneller als drei der vier vor ihm klassierten Fahrer. Auf Dauer sind wir mit den Plätzen fünf und neun keineswegs zufrieden. Zufrieden bin ich aber durchaus damit, dass unser Team heute das für uns bestmögliche Ergebnis erzielte – danke an alle Teammitglieder, die dieses Ergebnis bei dem herausfordernden Job hier in Monza möglich machten.“ -
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Großer Preis von Singapur / Singapur
Gemeinsam mit Valencia wurde 2008 auch der Stadtkurs im asiatischen Stadtstaat Singapur in den Formel-1-Kalender aufgenommen. Die Königsklasse des Motorsports trug damit der von Bernie Ecclestone und den Herstellern gewünschten globalen Expansion in neue Märkte Rechnung.
Bei der 5,067 Kilometer langen Strecke handelt es sich um einen Parcours inmitten durch die Millionenmetropole, vergleichbar mit Monte Carlo und Valencia. Die Besonderheit des Events ist aber, dass bei Nacht unter Flutlicht gefahren wird - einmalig im Grand-Prix-Sport. Mit spektakulären TV-Bildern hat sich Singapur auch prompt einen Platz im Herzen der Formel-1-Fans erarbeitet.
108 Kilometer Stromkabel mussten in der City für die Formel 1 verlegt werden, 1.600 Lichtprojektoren erhellen die Szenerie und die Lichtleistung von 3.000 Lux ist etwa viermal so hoch wie bei einem Fußballspiel im Stadion! Der Strombedarf liegt bei über drei Millionen Watt. Aber dieser Aufwand ist für einen sicheren Ablauf des Nachtrennens notwendig.
Die Streckenführung entspricht der eines klassischen Stadtkurses und beinhaltet daher vor allem 90-Grad-Kurven, kommt ohne wirklich schnelle Mutpassagen aus. Außerdem haben die Organisatoren ihr Bestes gegeben, um die Auslaufzonen im Rahmen der Möglichkeiten so groß wie möglich zu gestalten. Dies war allerdings nicht überall möglich, beispielsweise bei der Anderson-Bridge.
Diese nach Gouverneur Sir John Anderson benannte Brücke verbindet das Nord- mit dem Südufer des Singapur-Rivers. Sie ist 70 Meter lang, sehr eng und stellt einen der markanten Punkte der Rennstrecke dar. Problematisch: Sollte es dort einen Unfall geben, wäre die Bergung der Autos extrem schwierig. Zum Glück ist das bisher noch nie passiert!
Neben Monte Carlo ist Singapur heute die wohl aufregendste Formel-1-Strecke der Welt.
Quelle: http://www.motorsport-total.com/f1/saison/Singapur.html -
Vorschau: Singapur GP
Mit dem Grand Prix von Singapur vom 24. bis 26. September 2010 beginnt die Schlussphase der Formel 1-Weltmeisterschaft 2010 mit fünf Rennen in sieben Wochen bis zum 14. November 2010. Der zweite Stadtstaat-GP im Kalender nach Monaco ist das einzige Nachtrennen der Saison und wird um 20 Uhr Ortszeit gestartet. Die 5,073 Kilometer lange Strecke an der Marina Bay wird mit 1.500 speziellen Lichtprojektoren ausgeleuchtet.
NICO ROSBERG
„Singapur gehört zu den Höhepunkten des Jahres und die letzten beiden Rennen dort haben mir viel Spaß gemacht. Die Atmosphäre ist fantastisch und das Konzept eines Nachtrennens funktioniert bestens; man muss sich nur daran gewöhnen, trotz Zeitverschiebung nach europäischer Zeit zu leben. Mein zweiter Platz 2008 in Singapur war mein bestes Formel 1-Resultat bisher. Ich fahre gern auf dieser Strecke, sie ist eine Herausforderung. Ein echter Stadtkurs eben, an einigen Stellen sehr eng, auf dem wir ständig zwischen Bremsen und Beschleunigen wechseln und immer konzentriert sein müssen. In den letzten beiden Rennen in Spa und Monza holten wir ordentliche Ergebnisse und wollen unseren Lauf mit Punkteplätzen in Singapur fortsetzen.“
MICHAEL SCHUMACHER
„Ich habe schon immer gern neue Rennstrecken kennengelernt und Singapur wird bestimmt eine interessante Erfahrung. Aus drei Gründen freue ich mich auf das Wochenende; es ist eine neue Strecke für mich, es ist ein Stadtrennen und ein Nachtrennen. Ich hatte nie besondere Schwierigkeiten, auf einer für mich neuen Strecke zu fahren. Normalerweise lerne ich sehr schnell und finde gleich einen guten Rhythmus. Unser ganzes Team will eine starke Leistung zeigen und wir werden alles geben, die bestmögliche Show zu bieten.“
ROSS BRAWN
„Das Nachtrennen der Formel 1 in Singapur hat sich in den letzten beiden Jahren als fantastische Veranstaltung für Fahrer, Teams und Fans präsentiert. Das Wochenende ist ein großartiges Spektakel und ein Paradebeispiel für unseren Sport. Da sich zudem der Kampf um den Titel zuspitzt, erleben wir hoffentlich ein weiteres spannendes Rennen. Unser Team hat die letzten Upgrades an unseren Autos für Singapur weiter verfeinert. Das gilt auch für die aerodynamische Konfiguration mit viel Abtrieb, die wir auf dem engen Kurs mit niedriger Durchschnittsgeschwindigkeit benötigen. Unter den gegebenen Umständen erzielten wir bei den letzten beiden Rennen ordentliche Ergebnisse und wir arbeiten hart daran, mehr Punkteplätze zu holen und die Saison bei den kommenden Überseerennen mit guten Resultaten zu beenden.“
NORBERT HAUG
„Das Nachtrennen in Singapur ist ein ganz besonderer Grand Prix im Formel 1-Kalender, der sich in kürzester Zeit durch seine Eigenheiten etabliert hat. Die Atmosphäre auf der beleuchteten Rennstrecke ist einmalig während aller 19 Rennen und die Bilder, die die Formel 1 bei diesem Stadtrennen liefert, sind es auch. Auch wenn sich unser Team auf Design und Entwicklung unseres nächstjährigen Autos konzentriert, werden wir in Singapur noch ein paar technische Weiterentwicklungen vorstellen und wollen wie in den beiden vorausgegangenen Rennen die bestmöglichen Resultate mit Michael und Nico erzielen.“ -
Alonso statt Vettel: Mögliche Pole verschenkt
Sebastian Vettel hatte die Nacht-Pole-Position in der Hand, schenkte diese aber Fernando Alonso - McLaren-Duo vor Mark Webber in der zweiten Startreihe
Sebastian Vettel galt aufgrund seiner überlegenen Trainingsbestzeiten am Freitag und Samstag als klarer Favorit für das heutige Qualifying in Singapur, doch im entscheidenden Moment zeigte der Red-Bull-Pilot Nerven - ganz im Gegensatz zu Monza-Sieger Fernando Alonso (Ferrari), der in Sachen Weltmeisterschaft weiterhin auf dem Vormarsch zu sein scheint.
Der Spanier setzte sich in Q3 mit einer Bestzeit von 1:45.390 Minuten an die Spitze und hätte sich den zweiten Run sogar sparen können, weil ohnehin niemand mehr an diese Marke heranreichte. Vettel hatte im ersten Versuch nur 1:47.937 Minuten erzielt und legte zumindest noch auf 1:45.457 Minuten zu, aber auf die Pole-Position fehlten ihm unterm Strich 0,067 Sekunden. "Leider hat es im letzten Abschnitt nicht ganz gepasst", ärgert sich der WM-Fünfte.
Zwei Fehleinschätzungen von Vettel
"Es war ein durchwachsenes Qualifying", so Vettel. "Ich habe nie meinen Rhythmus gefunden, hatte ständig Verkehr und bekam es im Gegensatz zum Training nicht in eine Runde. Im ersten Run in Q3 habe ich den Abstand zum Auto vor mir falsch eingeschätzt, sodass ich schon nach ein paar Kurven hinter Michael festsaß. Im zweiten Run habe ich auch einen kleinen Fehler gemacht: Ich hatte eine Kante drin und habe die Mauer leicht gestreift."
Umso größer war der Jubel bei Ferrari, wo Alonso eine neue Version des auspuffangeströmten Diffusors fuhr, aber kein F-Schacht-System. Gerechnet hätte die Scuderia mit diesem Ergebnis nicht: "Wir sind selbst überrascht, auch wenn wir unsere Pace dieses Wochenende nie ganz zeigen konnten. Aber Fernando hat zwei sehr starke Runden hingelegt, die beide für die Pole gereicht hätten", freut sich Chefrenningenieur Chris Dyer.
Alonso hatte in Q1 Bestzeit erzielt und war in Q2 Zweiter geworden, erlebte jedoch auch eine Schrecksekunde, als er plötzlich merkwürdige Motorengeräusche feststellte. Ferrari beorderte ihn sofort an die Box zurück, weil in Q1 bereits Felipe Massa mit einem technischen Defekt (Verdacht auf die elektronische Getriebesteuerung) ausgerollt war. "Wir hatten ein kleines Problem, aber wir mussten nur das Auto umprogrammieren, dann ging es normal weiter", relativiert Dyer.
Alonso: Chance optimal genutzt
"Ich war zufrieden mit meiner ersten Runde", erinnert sich Alonso an die entscheidenden Momente in Q3, "wusste aber nicht, ob es für die Pole reichen würde. Aber ich glaube, dass ich alles aus dem Auto herausgeholt habe. Wir wollten kein Risiko eingehen, daher gingen wir nach Felipes Problem auf die Standardeinstellungen des Motors zurück. Es wird ein schwieriges Rennen, aber die Pole wird uns helfen, besonders wenn es trocken bleibt. Ich will meine Chance nutzen."
Lewis Hamilton (McLaren) verkürzte zwar seinen Rückstand auf Alonso in der Schlussphase noch auf 0,181 Sekunden, mehr als Platz drei war aber nicht drin: "Das war kein so schlechtes Qualifying. Vielleicht hätten wir noch ein bisschen mehr im Auto gehabt, aber es war schwierig, eine freie Strecke zu finden", so der Vorjahressieger. "Einmal bin ich ganz schön über die Curbs gerattert, aber zum Glück ist dabei nichts passiert."
Webber gegen Vettel ohne Chance
Der Brite teilt sich die zweite Startreihe mit seinem Teamkollegen Jenson Button (+0,554), dem es im letzten Versuch noch gelang, Mark Webber (Red Bull) um 33 Tausendstelsekunden vom vierten Platz zu verdrängen. Webber war schon das ganze Wochenende langsamer als Vettel und kann morgen bei normalem Rennverlauf nur versuchen, nicht allzu viele Punkte auf seine vier Titelkonkurrenten zu verlieren, die allesamt vor ihm stehen.
Sechster wurde Rubens Barrichello (+0,846), der damit das Potenzial seines Williams optimal ausschöpfte und das Privatduell gegen Nico Rosberg (Mercedes/+1,053) für sich entschied. "Ich hätte Sechster werden können - es ärgert mich, dass mich Rubens überholt hat. Aber wenigstens stehe ich auf der sauberen Seite", meint der Deutsche, dessen Sportchef Norbert Haug von einer "ordentlichen Ausgangsbasis" spricht.
Robert Kubica (Renault/+1,203), Michael Schumacher (Mercedes/+1,312) und Kamui Kobayashi (Sauber/+2,494) rundeten die Top 10 ab, an denen Jaime Alguersuari (Toro Rosso) als Elfter nur um 67 Tausendstelsekunden vorbeischrammte. Fest mit einem Finaleinzug gerechnet hatte offenbar auch Nico Hülkenberg (Williams/12.), dem genau 75 Tausendstelsekunden auf die Top 10 fehlten und der seinen Helm nach dem Aus wutentbrannt gegen die Mauer schlug.
Heidfeld beim Comeback auf Startplatz 14
Hülkenberg muss morgen wegen eines Getriebewechsels um weitere fünf Positionen nach hinten, wodurch sein Landsmann Nick Heidfeld (Sauber) um einen Platz auf Rang 14 aufrückt. "Ich bin nicht ganz zufrieden, auch wenn man nicht vergessen darf, dass gestern mein erster Tag in diesem Auto war", spielt "Quick Nick" auf seine Niederlage im Stallduell mit Kobayashi an. "Hoffentlich kann ich morgen mehr aus dem Auto herausholen..."
Die große Enttäuschung des zweiten Qualifyings war aber mit Sicherheit Force India, denn das Team um Adrian Sutil und Vitantonio Liuzzi belegte die letzten beiden Plätze - nicht einmal Vitaly Petrov (13.) war für das Duo in Reichweite, obwohl der Russe nur eine gezeitete Runde fahren konnte, weil er seinen Renault recht früh in die Mauer setzte und sich dabei die rechte Hinterradaufhängung brach. Sébastien Buemi (Toro Rosso/14.) schied ebenfalls in Q2 aus.
Klien deklassiert Senna im HRT
Positiv überraschte Christian Klien: Bei seinem Comeback im HRT-Dallara belegte er zwar nur den 22. Platz, aber der Österreicher war um mehr als eine Sekunde schneller als Teamkollege Bruno Senna, der unter Druck auch noch einen Dreher hinlegte, als es in die letzten Minuten von Q1 ging. "Im Qualifying habe ich einen großen Sprung gemacht und teamintern hat es sehr gut gepasst. Aber von Lotus und Virgin sind wir sehr weit weg", analysiert Klien nach der Session.
Auch Timo Glock konnte überzeugen: Der Virgin-Pilot knüpfte nahtlos an seine starken Trainingsleistungen an und sicherte sich dank des Massa-Problems sogar den 18. Startplatz, 0,194 Sekunden vor Heikki Kovalainen im Lotus. Damit ist er erneut bester Vertreter der neuen Teams - und das ohne das beste Auto: "Ich glaube, Lotus ist immer noch schneller als wir, aber ich habe es hier rumgebogen", klopft er sich selbst auf die Schulter.
"Es war harte Arbeit heute, denn im Vorjahr war mein Toyota, mit dem ich damals Zweiter wurde, leicht zu fahren", grinst Glock zufrieden. "Von der Rundenzeit her habe ich wirklich alles rausgeholt. Das Auto hat aber der zweiten gezeiteten Runde ein bisschen nachgelassen, was vielleicht eineinhalb Zehntel gekostet hat, aber sonst lief es wirklich gut." Singapur scheint ihm entgegenzukommen: "Diese Strecke liegt mir einfach."
Große Vorfreude auf tolle Bilder
Die TV-Zuschauer können sich in vielerlei Hinsicht auf den morgigen Grand Prix von Singapur, der um 20:00 Uhr Ortszeit (14:00 Uhr MESZ) unter Flutlicht gestartet wird, freuen. Denn erstens liefert das Nachtrennen wohl die spektakulärsten und schönsten Fernsehbilder des gesamten Formel-1-Jahres und zweitens wird Vettel alles daran setzen, die Scharte von heute auszuwetzen und Alonso doch noch vom ersten Platz zu verdrängen.
"Leider hat es nicht zur Pole gereicht, aber wir haben ein sehr schnelles Auto und diese Ausgangsposition ist gut. Wir werden morgen alle Chancen haben", gibt sich der Red-Bull-Pilot trotz der knappen Niederlage im Qualifying optimistisch. "Wir hatten heute eigentlich einen Vorteil und hätten schneller sein müssen, ja, aber ich kann es jetzt auch nicht mehr ändern. Klar ist, dass ich heute Nacht nicht überglücklich einschlafen werde..." -
Singapur: Alonso hält Vettel in Schach!
Die Fahrer-WM bleibt spannend: Fernando Alonso siegt im Nachtrennen zwei Zehntelsekunden vor Vettel - Hamilton nach Kollision mit Webber out
"Ich kann schneller fahren als er, ich pushe überhaupt nicht!" Diese Worte funkte Sebastian Vettel zu Beginn des heutigen Grand Prix von Singapur an seinen Renningenieur Guillaume Rocquelin, als er hinter Fernando Alonso an zweiter Stelle lag. Doch der Red-Bull-Pilot sollte im Verlauf einer langen Formel-1-Nacht noch mehr Gelegenheit haben, das Heck des Ferrari zu studieren, als ihm lieb war...
Nach 61 teilweise sehr spannenden Runden oder 1:57:53.579 Stunden überquerte Alonso als Sieger die Ziellinie, genau 293 Tausendstelsekunden vor Vettel, der sich nach einem nur bis zum Qualifying dominanten Wochenende darüber ärgern muss, sieben Punkte liegen gelassen zu haben. Aber der Deutsche sammelte auch als Zweiter wichtige Zähler für die Weltmeisterschaft und versicherte seiner Crew nach der Zieldurchfahrt: "Macht euch keine Sorgen, die kriegen wir schon noch!"
Entscheidung schon im Qualifying?
Die Entscheidung im einsamen Duell zwischen Alonso und Vettel fiel wohl schon gestern: "Ohne Pole hätten wir nicht gewinnen können", gesteht Ferrari-Chefrenningenieur Chris Dyer. "Die perfekte Runde von Fernando im Qualifying war entscheidend." Red-Bull-Teamchef Christian Horner sieht das genauso: "Vom zweiten Platz zu starten, war ein kleiner Nachteil, aber Sebastian hat bei dieser Hitze zwei Stunden lang jede Runde voll attackiert."
"Fernando", erklärt der Brite weiter, "war auf den weichen Reifen etwas schneller. Alles in allem war es ein Zweikampf auf höchstem Niveau." Die im Nachhinein betrachtet wohl einzige Chance, an Alonso vorbeizugehen, wäre der gleichzeitige Boxenstopp in Runde 29 gewesen, doch Vettel war irrtümlich im zweiten Gang und musste nachkuppeln. Aber: "Das hat nur Sekundenbruchteile gekostet", nimmt ihn Horner in Schutz. "Es wäre nicht möglich gewesen, in Führung zu gehen."
Vettel hatte es von Anfang an schwer, denn schon nach wenigen Runden machte ihn das Team darauf aufmerksam, die Temperatur der Bremsen im Auge zu behalten: "Am Anfang musste ich Fernando leider ein bisschen ziehen lassen", bestätigt er, "und am Ende des Stints waren meine Reifen ziemlich hinüber. Ich habe versucht, ihn in einen Fehler zu treiben, aber er hat keinen gemacht. Ihn zu überholen, wäre zu riskant gewesen, aber der zweite Platz bedeutet gute Punkte."
Nur wenige Chancen für Vettel
"Gestern hat ein bisschen was gefehlt. Vielleicht war das heute entscheidend", trauert Vettel der entgangenen Pole-Position nach. Aber Alonso hatte dennoch keinen leichten Arbeitstag: "Der Start war sehr gut", berichtet der Ferrari-Pilot. "Mit den Safety-Cars und den Überrundungen am Ende sowie der gelben Flagge auf der Zielgerade war es schwierig, den Abstand zu kontrollieren. Ich habe versucht, mich so gut es geht auf Sebastian zu konzentrieren, ohne etwas zu riskieren."
Denn in der letzten Runde wurde es doch noch einmal spannend: Nach einer Kollision zwischen Heikki Kovalainen (Lotus) und Sébastien Buemi (Toro Rosso) rollte Kovalainen mit Feuer im Heck aus, bog aber nicht an die Box ab, sondern blieb bei Start und Ziel stehen. Der Finne nahm selbst einen Feuerlöscher in die Hand und verursachte eine riesige Rauchwolke sowie gelbe Flaggen, durch die Vettel noch einmal aufschließen konnte.
Aber Alonso behielt kühlen Kopf, baute den Vorsprung zu Beginn der letzten Runde wieder auf ein paar Fahrzeuglängen aus, hatte dann Glück, dass Vitaly Petrov (Renault) beim Überrunden mitspielte - und war damit dann auch auf der sicheren Seite. Denn ein Überholmanöver im letzten Sektor wäre wegen der gelben Flaggen regelwidrig gewesen, sodass der Weltmeister von 2005 und 2006 nur noch locker über die Ziellinie fahren musste.
Hamilton am Start kompromisslos
Was sich heute hinter den beiden Dominatoren der Nacht von Singapur abspielte, hatte mit der Vergabe um den Sieg nichts zu tun. Schon am Start ging es zwischen Alonso und Vettel heiß her, während dahinter Lewis Hamilton nur deswegen vor Jenson Button (McLaren) blieb, weil er vor der ersten Kurve deutlich später bremste. Dahinter war Mark Webber (Red Bull) sicher auf Platz fünf: "Danke ans Team, endlich hat mal wieder ein Start geklappt", freut sich der Australier.
Gleich am Ende der ersten Runde kam dann Felipe Massa (Ferrari) an die Box - und zwar planmäßig, in der Hoffnung auf eine frühe Safety-Car-Phase. Diesen Wunsch sollte der Formel-1-Gott tatsächlich erfüllen: Nach einem Scharmützel zwischen Vitantonio Liuzzi (Force India) und Nick Heidfeld (Sauber), das Liuzzi das Rennen und Heidfeld den Frontflügel kostete, schickte die Rennleitung Bernd Mayländer im neuerdings von einer Versicherung gesponserten Safety-Car auf die Strecke.
Safety-Car: Nur Webber an der Box
Die Top 4 blieben auf der Strecke, Webbers Renningenieur Ciaran Pilbeam empfahl seinem Schützling jedoch, an die Box zu kommen und einen ähnlichen Poker wie Massa zu riskieren: "Das kann jetzt ein paar Runden lang frustrierend werden, Mark, aber es kann sich lohnen!" Und tatsächlich hatte der Red-Bull-Pilot seine Zweifel, als er als Elfter hinter Timo Glock (Virgin) auf die Strecke zurückkam und seine vier WM-Gegner nur noch in der Ferne sah.
"Ich habe das Team anfangs kritisch hinterfragt, aber dann sah ich ein, dass es richtig ist. Ich habe ein paar Jungs überholt und stand erst hinter Rubens an", so Webber. Mit "ein paar Jungs" meint er konkret: Glock, Kamui Kobayashi (Sauber) und Michael Schumacher (Mercedes). Anschließend schonte er seine Reifen - und profitierte von der strategischen Fehlentscheidung des McLaren-Teams, Hamilton/Button mit abbauenden Pneus draußen zu lassen.
Denn als die beiden an die Box kommen mussten, fielen sie hinter Webber zurück, der damit plötzlich an dritter Stelle lag. Doch Hamilton gab sich nicht geschlagen und wollte beim zweiten Restart in Runde 36 den Vorteil der frischeren Slicks nutzen, setzte sich am Raffles-Boulevard neben den Red Bull, probierte es in der folgenden Linkskurve außen - und zog etwas zu früh nach innen, sodass es zur Kollision kam. Webber konnte weiterfahren, Hamilton blieb entnervt stehen.
Hamilton hatte Webber im toten Winkel
"Ich hatte ihn im toten Winkel und wusste nicht, dass er noch neben mir war. Ich muss mir das Replay anschauen, aber ich haben niemanden neben mir gesehen", schildert Hamilton seine Sicht der Dinge. Webber äußert sich ebenfalls neutral: "Ich steckte hinter einem Virgin fest und verlor dadurch ein bisschen Schwung. Lewis kam neben mich und leider berührten wir uns. Mein rechter Vorderreifen hätte da hinüber sein können."
"Das Problem begann, als Timo Glock beim Restart nicht aus dem Weg ging", analysiert Red-Bull-Teamchef Horner. "Dadurch wurde Mark aufgehalten, Lewis konnte sich neben ihn setzen, ließ ihm aber nicht genug Raum. Ich finde, die Rennkommissare haben sich richtig entschieden." Denn die nahmen die Kollision zwar genau unter die Lupe, entschieden aber, dass gegen keinen der beiden Beteiligten eine Strafe ausgesprochen werden muss.
Ein Urteil, das die geschulten Beobachter im Fahrerlager begrüßen: "Es war ein Rennunfall. Wenn ich FIA-Kommissar wäre, würde ich auch keinem die Schuld geben", meint Ex-Grand-Prix-Pilot Anthony Davidson, und 'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer analysiert: "Das hat sich Hamilton selbst zuzuschreiben. Es außen zu probieren, das kann nicht gut ausgehen. Aber Webber hat natürlich schon dagegengehalten."
Wertvoller dritter Platz für Webber
Webber hatte von da an leichtes Spiel, weitere 15 Punkte mit nach Hause zu nehmen und die WM-Führung sogar auf elf Zähler vor Alonso auszubauen. Dementsprechend zufrieden fällt seine Bilanz aus: "Ich bin mit Platz drei sehr happy, denn das war das schwierigste Wochenende des Jahres für mich. Ich musste nur Ruhe bewahren und durfte keine Panik schieben. Wenn man mir den dritten Platz heute Morgen angeboten hätte, dann hätte ich ihn sofort genommen!"
Nico Rosberg (Mercedes) erreichte heute sein Ziel, im Rennen an Rubens Barrichello (Williams) vorbeizugehen, und wurde mit 49,3 Sekunden Rückstand auf Sieger Alonso Fünfter. Der wahrscheinlich auffälligste Fahrer der Schlussphase war jedoch Robert Kubica (Renault), der erst mit Reifenschaden rechts hinten ein zweites Mal an die Box kommen musste, dann aber vom zwölften Platz aus eine furiose Aufholjagd startete.
Trotzige Aufholjagd von Kubica
Mit dem Vorteil der neuen Reifen schnupfte der Pole der Reihe nach Buemi, seinen Teamkollegen Petrov, Massa, Nico Hülkenberg (Williams) und Adrian Sutil (Force India), was am Ende den siebten Platz für ihn bedeutete - und dass man sogar in Singapur überholen kann, bewies er am besten, als er ausgerechnet auf der engen Anderson-Bridge Petrov stehen ließ, auch wenn der sich naturgemäß nicht mit Händen und Füßen wehrte.
Hinter Sutil und Hülkenberg staubte Massa dank seiner unkonventionellen Strategie den letzten Punkt ab. Insgesamt kamen 16 Autos in die Wertung, darunter auch Mercedes-Superstar Michael Schumacher als 13. "Wir haben heute wie bei den letzten Rennen das Beste aus unseren derzeitigen Möglichkeiten gemacht", findet Sportchef Norbert Haug. "Michael hatte eine erlebnisreiche Nachtpremiere mit einigen Berührungen und Drehern, aber er fuhr immer weiter."
Auch nach einer innerdeutschen Kollision: In der 37. Runde geriet er in der Webber/Hamilton-Kurve ausgerechnet mit seinem Ex-Teamkollegen Heidfeld aneinander, für den der chaotische Comeback-Grand-Prix damit beendet war. Bereits davor hatte sich Schumacher ein handfestes Gerangel mit Heidfelds Teamkollege Kobayashi geliefert. Der siebenfache Weltmeister holte sich nach diesen Berührungen einen neuen Frontflügel ab und spielte danach keine Rolle mehr.
Tunnel unter der Tribüne "verstopft"
Für die zweite Safety-Car-Phase zwischen der 32. und 36. Runde konnte Schumacher nur bedingt etwas: Kobayashi krachte kurz nach der Berührung mit dem Mercedes in der Unterführung bei der Zuschauertribüne gegen die Mauer - und Bruno Senna (HRT) konnte nicht mehr ausweichen. Apropos HRT: Christian Klien lag bei seinem Comeback stets einige Sekunden vor Senna, musste aber während der Safety-Car-Phase mit technischem Defekt an der Box abstellen.
In der Fahrer-WM führt vier Rennen vor Schluss Webber mit 202 Punkten vor Alonso (191), Hamilton (182), Vettel (181) und Button (177). "Die WM bleibt spannend", findet Alonso. "Mark hat einen kleinen Vorteil, aber wir werden auch unser Bestes geben. Hoffentlich reicht es, aber ihr könnt euch darauf verlassen, dass ich bis Abu Dhabi kämpfen werde!" Interessant: Nach wie vor liegen die fünf Topfahrer innerhalb der Punktespanne eines einzigen Sieges...
"Hamilton", sagt Experte Surer nach dem heutigen K.O. des Weltmeisters von 2008, "ist noch nicht draußen, aber er macht es sich selbst schwer. In Monza hat er Scheiße gebaut und heute war wieder eher er schuld." Nicht zuletzt dadurch konnte Red Bull (383) den Vorsprung in der Konstrukteurs-WM auf 24 Zähler ausbauen. Dritter ist Ferrari (316). Weiter geht es am 10. Oktober mit dem Grand Prix von Japan in Suzuka. -
Rennen: Großer Preis von Singapur
MERCEDES GP PETRONAS Fahrer Nico Rosberg belegte beim Grand Prix von Singapur, dem einzigen Nachtrennen im Formel 1-Kalender, den fünften Platz und verbesserte sich gegenüber seinem siebten Startplatz um zwei Positionen. Sein Teamkollege Michael Schumacher wurde 13. - nach einem außerplanmäßigen zweiten Boxenstopp wegen einer Kollision mit Nick Heidfeld (BMW Sauber Ferrari).
Nico Rosberg legte seinen Boxenstopp in Runde 30 ein; Michael Schumacher folgte unmittelbar danach, nachdem ihm kurz zuvor Kamui Kobayashi (BMW Sauber Ferrari) ins Auto gefahren war. Im 37. Umlauf fuhr Michael nach einer Kollision mit Heidfeld erneut herein und erhielt eine neue Fahrzeugnase.
In der Fahrerweltmeisterschaft ist Nico mit 122 Punkten Siebter; Michael liegt mit 46 Zählern auf Platz neun. Es führt Mark Webber (Red Bull Renault) mit 202 Punkten.
NICO ROSBERG
„Das war heute ein hartes Stück Arbeit, aber wir holten das für uns bestmögliche Ergebnis. Unser Ziel für die letzten Rennen ist es, die Besten hinter den drei Top-Teams zu sein. Heute profitierten wir auch davon, dass zwei von ihnen Probleme hatten: Felipe Massa gestern im Qualifying und Lewis Hamilton im heutigen Rennen. Der fünfte Platz ist gut und sehr zufriedenstellend für das Team. Zeitweise konnte ich sogar Jenson Button etwas attackieren und das war erfreulich. Wir wollen in den letzten Rennen der Saison auch gut abschneiden.“
MICHAEL SCHUMACHER
„Ich bin natürlich nicht besonders zufrieden mit meinem Premierenrennen in Singapur. Durch zwei Berührungen mit Konkurrenten, die als Rennunfälle zu
sehen sind, musste ich zu unpassenden Zeitpunkten Boxenstopps einlegen, wodurch mein Rennen stark beeinträchtigt wurde. Mit den Hinterreifen meines
ersten Reifensatzes bin ich zudem in den Kurven stark gerutscht. So kann man wohl sagen, dass ich nur im zweiten Teil meines Rennens Spaß hatte.“
ROSS BRAWN
„Wir hatten in der Startaufstellung einen kleinen Vorteil, weil wir auf der sauberen Seite standen, und Nico verbesserte sich gleich um einen Platz. Während der ersten Safety Car Phase blieben unsere beiden Autos auf der Strecke, während fast alle hinter uns ihre Boxenstopps einlegten. Das machte uns etwas angreifbar, doch ich bin erfreut über unseren Speed, mit dem wir die Situation kontrollierten. Nico fuhr heute ein sehr gutes Rennen und zeigte eine starke Leistung. Zwischenzeitlich konnte er sogar die McLaren Mercedes vor ihm unter Druck setzen. Michael hatte ein ereignisreiches Rennen, das nicht ganz nach seinen Wünschen verlief, aber er hielt bis zum Ende durch. Das Team arbeitete gut und konnte das Auto während des Wochenendes verbessern. Der fünfte Platz und die zehn Punkte dafür waren verdient.“
NORBERT HAUG
„Nico fuhr ein sehr cleveres Rennen und brachte das für uns unter den gegebenen Umständen bestmögliche Ergebnis nach Hause. Michael hatte eine ereignisreiche Premiere beim Nachtrennen in Singapur – aber er fuhr immer weiter, egal was geschah und das spricht für ihn und sein Auto. Nach seinem zweiten Stopp, bei dem die Fahrzeugnase gewechselt wurde, fuhr er gute Rundenzeiten. Danke an jeden im Team für die harte Arbeit, die hier unter schwierigen äußeren Voraussetzungen geleistet wurde, bei Temperaturen in den Boxen, die an Bedingungen wie in der Sauna erinnerten. Singapur ist einer der besten Austragungsorte für einen Grand Prix und im Namen von Mercedes-Benz möchte ich dem Veranstalter dafür danken, dass er mit diesem Rennen in kürzester Zeit Maßstäbe in der Formel 1 gesetzt hat. Unser Lernprozess führt unser Team in die richtige Richtung und ich bin sicher, dass wir in der nächsten Saison mit einem besseren Auto antreten und damit bessere Resultate erzielen können. Wir freuen uns auf die letzten vier Rennen und jeder wird sehr hart arbeiten um sicherzustellen, dass unser Team und seine Fahrer in den kommenden Jahren mit den Führenden kämpfen können.“ -
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Großer Preis von Japan / Suzuka
Der Suzuka International Racing Course gilt als eine der schwierigsten und beliebtesten Rennstrecken des Formel-1-Kalenders. Der Kurs wurde bereits 1962 vom Honda-Konzern errichtet - nach Plänen des niederländischen Architekten Hans Hugenholtz. Gleich neben der Strecke befindet sich ein Vergnügungspark mit den legendären Karaokehütten, in denen Michael Schumacher nicht erst einmal "My Way" von Frank Sinatra zum Besten gegeben hat.
Die Strecke ist in ihrer heutigen Form 5,807 Kilometer lang und ist weltweit der einzige Grand-Prix-Kurs, der in Form einer Acht angelegt ist. Suzuka beinhaltet alles, was das Rennfahrerherz begehrt: die unglaubliche Linkskurve 130R, benannt nach ihrem Radius, die schnellen S-Kurven im ersten Sektor, eine ganz enge Haarnadel und ein langes Vollgasstück, das zum Überholen einlädt.
Die "Esses", wie die fünf schnellen Kurven im ersten Sektor der Strecke bezeichnet werden, gehören zum Anspruchsvollsten, was die Formel 1 zu bieten hat. Die Einfahrt erfolgt mit 245 km/h, mittendrin muss vom fünften in den vierten Gang runtergeschaltet werden und nach einer kurzen Verschnaufpause wartet mit der Degner-Rechtskurve gleich die nächste Herausforderung.
Zwischen 1987 und 2006 fand der Grand Prix von Japan in Suzuka statt - unvergessen die Jahrhundertkollision zwischen Alain Prost und Ayrton Senna 1989, die Retourkutsche 1990, die Regenschlacht von 1994, Michael Schumachers erster Ferrari-Titel 2000 oder zuletzt das unglaublich aufregende Rennen von 2005, das Kimi Räikkönen gewinnen konnte.
2007 und 2008 gastierte die Formel 1 in Fuji bei Honda-Erzrivale Toyota. Aus Kostengründen hat Toyota jedoch entschieden, künftig auf den Grand Prix zu verzichten, sodass Suzuka in die Königsklasse zurückkehren konnte.
Quelle: http://www.motorsport-total.com/f1/saison/Suzuka.html -
Vorschau: Großer Preis von Japan
Der Grand Prix von Japan vom 8. bis 10. Oktober 2010 in Suzuka ist der 16. Lauf zur Formel 1-Weltmeisterschaft 2010. Die 5,807 Kilometer lange Strecke ist die einzige im Kalender, die in Form einer Acht gestaltet ist und gehört zu den Lieblingsstrecken der Fahrer.
NICO ROSBERG
„Suzuka ist eine tolle Strecke und gehört für mich zusammen mit Spa zu den besten im Kalender. Sie ist eine echte Fahrerstrecke, eine technische Herausforderung und schnell. Sie fordert dir und deinem Auto alles ab; das gilt besonders für den ersten Sektor, das Glanzlicht einer jeden Runde. Gemessen an unserer Leistungsfähigkeit hatten wir zuletzt eine Reihe ordentlicher Ergebnisse mit einem sechsten und zwei fünften Plätzen und das wollen wir in Suzuka fortsetzen.“
MICHAEL SCHUMACHER
„Suzuka war schon immer eine meiner Lieblingsstrecken; hier zu fahren ist teilweise einfach sensationell. Die Strecke ist technisch anspruchsvoll mit interessanten Kurvenkombinationen; es gibt einem ein gutes Gefühl, wenn man eine schnelle Runde zusammen bekommt. Ich habe gute Erinnerungen an Japan, denn in Suzuka fuhr ich etliche tolle Rennen. Daran würde ich gerne anknüpfen und ich bin bereit für diese Aufgabe. Wir werden das Beste aus dem Wochenende machen.“
ROSS BRAWN
„Suzuka war im Laufe der Jahre Schauplatz etlicher spannender Rennen und gehört für Fahrer wie Zuschauer zu den Klassikern. Die Verbesserungen an der Strecke und im Fahrerlager haben uns im vergangenen Jahr beeindruckt und die Veranstalter sorgten für eine gute Show. Bei den letzten drei Rennen haben wir an den Strecken gut gearbeitet und wir holten eine Reihe von Punkteplätzen. Wir wollen diesen Trend bei den verbleibenden vier Rennen fortsetzen.“
NORBERT HAUG
„Das Strecken-Layout von Suzuka gehört bei den Fahrern zu den beliebtesten im Formel 1-Kalender. Dieser Grand Prix in Japan ist ein ganz besonderer und sehr anspruchsvoll für Fahrer, Teams und Autos. Wie in den letzten Rennen ist es unser Ziel zu punkten und die bestmögliche Leistung zu zeigen. Wir wissen, dass wir noch nicht in der Lage sind zu siegen, doch während sich unsere technischen Entwicklungen zuhause ganz auf unser nächstjähriges Auto richten, konzentriert sich unser Team an der Rennstrecke voll auf die letzten vier Grand Prix der Saison 2010.“ -
Suzuka am Sonntag: Pole-Position für Vettel!
Red-Bull-Star Sebastian Vettel wird seiner Favoritenrolle im verspäteten Qualifying in Suzuka gerecht: Bestzeit vor Mark Webber und Lewis Hamilton
Bei herrlichem Sonnenschein war am Sonntagmorgen nichts mehr vom Wetterchaos des Samstags zu spüren. Die Piloten der Formel 1 konnten demnach bei guten Bedingungen in die verspätete Zeitenjagd in Japan gehen. Die Verantwortlichen von Red Bull atmeten schon beim Frühstück auf. Ganz nach dem Motto: Wenn die Sonne scheint, dann kann uns niemand gefährlich werden.
Und genauso kam es. Sebastian Vettel markierte in 1:30.785 Minuten die erwartete Pole-Position. Der Deutsche gab sich somit - wie schon am Freitag - keine Blöße und verwies seinen Teamkollegen Mark Webber (2./1:30.853) knapp in die Schranken. Das schnelle Duo im schnellen RB6 war von der Konkurrenz erneut nicht zu packen. Allerdings fiel die Dominanz geringer aus als erwartet.
Für Überraschungen sorgten andere Teams und Fahrer. Williams zeigte sich schon in Q1 als ernsthafter Kandidat auf die ersten Startreihen, McLaren zeigte sich nach Problemen vom Freitag erholt und Ferrari offenbarte plötzlich Schwächen. Felipe Massa (12./1:32.321) schied schon im zweiten Durchgang aus, Fernando Alonso (5./1:32.555) muss nach zwei Siegen in Folge wieder kleinere Brötchen backen.
Nervenstärke beweisen beide Piloten in den britischen Silberpfeilen. Lewis Hamilton, der seinen Wagen am Freitag erheblich beschädigt hatte, setzte sich in 1:31.169 Minuten auf Platz drei. Doch der Brite muss noch fünf Plätze zurück, weil an seinem Boliden das Getriebe gewechselt werden musste. Renault-Pilot Robert Kubica (4./1:31.231) rückt somit auf Rang drei auf, Alonso darf aus der zweiten Reihe losfahren.
Gespannt sein darf man auf die Rennperformance von Jenson Button. Der amtierende Weltmeister setzte auf eine mutige Strategie und absolvierte Q3 auf harten Pneus. Button schaffte es damit in 1:31.378 Minuten auf Platz sechs. Vom fünften Startplatz dürfte der Champion aber gute Karten im Rennen haben, da er als einziger der Topleute auf harten Reifen losfahren darf.
Hinter Nico Rosberg (Mercedes/7.) unterstrich das Williams-Duo Rubens Barrichello (8.) und Nico Hülkenberg (9.) die gute Form des britischen Traditionsteams. Michael Schumacher (10./1:31.846) konnte sich gerade noch in Q3 retten und dort dann keine Überraschung schaffen. "Jetzt hoffe ich auf einen guten Start und eine gute Strategie", so der Rekordweltmeister. Mercedes-Kollege Rosberg sagt: "Mehr ging nicht bei mir. Ich bin zufrieden."
"Der erste Schritt ist gemacht, aber wichtiger ist, dass wir im Rennen auf den ersten beiden Plätzen reinkommen", mahnt Red-Bull-Teamchef Christian Horner seine Mannschaft vor zu viel Freude nach dem Qualifying. Leicht enttäuscht verließen die Sauber-Mannen das Parkett. Nick Heidfeld (11./1:32.187) scheiterte denkbar knapp am Einzug in Q3, Lokalmatador Kamui Kobayashi blieb auf Platz 14 hängen.
Die Pleite des Tages müssen sich aber andere anheften. Felipe Massa (12./1:32.321) schaffte mit seinem Ferrari nicht einmal den Einzug in die letzte Qualifikationsrunde. Der Brasilianer kam nicht annähernd an das Niveau seines Teamkollegen Alonso. Kopfschütteln auch bei Sébastien Buemi. Der Toro-Rosso-Pilot blieb als 18. sofort in der ersten Runde hängen. Erstmals gelang dem Schweizer nicht der Sprung in Q2.
Das Duell der neuen Teams entschied mal wieder Lotus für sich - sogar überraschend deutlich. Jarno Trulli und Heikki Kovalainen verwiesen die Virgin-Piloten in ihren nochmals verbesserten VR-01 um fast eine Sekunde auf die Plätze. Im teaminternen Duell setzte sich überraschend Lucas di Grassi gegen Timo Glock durch, der erneut keine Verbesserungen mit weichen Reifen erzielen konnte.
Nun bleibt den Teams nur wenig Zeit bis zum Rennen. Innerhalb weniger Stunden müssen Strategiebesprechungen durchgeführt und Fahrzeugchecks absolviert werden. Um 8:00 Uhr (MESZ) schalten die Ampeln zum Grand Prix von Japan auf Grün. Als klare Favoriten gehen die Red-Bull-Piloten in den viertletzten Lauf der Saison. -
"Suzuka-Seb": Vettel siegt erneut in Japan
Sebastian Vettel hält sich mit seinem dritten Saisonsieg im WM-Rennen - Webber und Alonso auf dem Podest, McLaren in Problemen - Große Kobayashi-Show
Am Sonntag herrschte in Suzuka endlich wieder Red-Bull-Wetter. Die Sonne schien, am Ende strahlten auch Sebastian Vettel und Mark Webber. Die beiden Red-Bull-Piloten wurden ihrer Favoritenrolle in Japan gerecht und feierten einen Doppelsieg, der allerdings nicht ganz so dominant ausfiel wie erwartet. Fernando Alonso konnte vor allem in der zweiten Rennhälfte gut mithalten und sicherte sich den dritten Rang.
Schon weit vor dem Start in den Grand Prix von Japan gab es den ersten spektakulären Ausfall. Lucas di Grassi schraubte seinen Virgin in der Runde auf dem Weg zur Startaufstellung in der schnellen 130R tief in die Reifenstapel. "Ich kann es mir nicht erklären", so der Brasilianer, der dem Wrack unverletzt entkommen konnte. Das Team wollte von einem Technikfehler jedenfalls nichts wissen.
So gingen nur 23 Autos in den viertletzten Lauf des Jahres. Beim Start setzte sich Vettel deutlich gegen seinen Teamkollegen Webber durch, der seinen zweiten Rang sogar noch an Robert Kubica abgeben musste. Doch der polnische Renault-Pilot hatte nicht lange Freude. Kubica verlor während einer Safety-Car-Phase ein Hinterrad und musste seinen Wagen abstellen.
Das Sicherheitsfahrzeug war zu Beginn rundenlang auf der Strecke, weil die Bergungsmannschaften reichlich Kleinholz beseitigen mussten. Nico Hülkenberg (Williams) geriet nach einem mäßigen Start mit Vitaly Petrov (Renault) aneinander. "Ich musste ausweichen und wurde dann getroffen", berichtet der Deutsche, der sein Automobil ebenso sofort nach dem Start parken musste wie Petrov.
Nur wenige Meter später schoss sich der ohnehin nach einem schlechten Qualifying frustrierte Felipe Massa aus dem Rennen. Der Brasilianer war von Startplatz zwölf gekommen und wollte in der ersten Kurve zu viel. Leider riss der Ferrari-Pilot gleich auch noch Vitantonio Liuzzi mit. "Ich bin einfach abgeschossen worden", sagt der Force-India-Pilot genervt.
Nachdem die Strecke nach insgesamt sechs Runden hinter dem Safety-Car endlich wieder freigegeben wurde, gab es für Vettel und Webber zunächst keine Gegenwehr. Die beiden Red Bulls zogen vorne davon, Fernando Alonso konnte das Tempo in der ersten Rennhälfte nicht mitgehen. Erst nach den Reifenwechseln zeigte sich ein leicht verändertes Bild. Der Ferrari lief plötzlich besser und konnte mithalten.
Doch ein Angriff auf seinen womöglich dritten Sieg in Folge konnte Alonso nicht mehr starten. Es hatte den Anschein, als hätten die Red Bulls für Notfälle stets etwas in der Hinterhand. So blieb es bis zum Ende bei der teaminternen Reihenfolge Vettel vor Webber. "Perfekt und fantastisch - was für eine Teamleistung", jubelt Teamchef Christian Horner, der eine "mittelgroße" Siegesfeier in Aussicht stellt.
"Wir mussten auf die Strategie von Jenson aufpassen. Unser Auto war aber perfekt für diese Strecke", sagt Horner. Allerdings stellten die McLarens niemals eine ernsthafte Bedrohung dar. Jenson Button konnte mit seinen harten Reifen zwar sehr lange draußen bleiben, aber er war damit schlichtweg nicht schnell genug. Nach dem Stopp fiel der Champion sogar vorübergehend hinter Lewis Hamilton zurück.
Dem Weltmeister von 2008 blieb das Pech allerdings auch im Rennen treu. Zuerst begann es mit Bremsproblemen, später fiel bei seinem brandneuen Getriebe der dritte Gang aus. Hamilton musste Button ziehen lassen, konnte den MP4-25 aber hinter seinem Teamkollegen vorsichtig auf Platz fünf ins Ziel tragen - endlich mal wieder Punkte für den 25-Jährigen.
Hinter den britischen Silberpfeilen hätten eigentlich die beiden deutschen Silberpfeile über die Linie kommen sollen. Nico Rosberg und Michael Schumacher boten über viele Runden einen Mercedes-Paarflug. Der Rekorchampion machte einen starken Eindruck, griff seinen jungen Kollegen immer wieder an. Doch Rosberg wehrte sich bis kurz vor dem Ende - dann der Knall.
In den schnellen Esses flog Rosberg ein Rad ab, der Deutsche schlug heftig ein, verletzte sich zum Glück aber nicht. "Da ist mir die Hinterachse gebrochen", berichtet er. "Den Einschlag habe ich kaum gespürt." Für Schumacher war somit der Weg endgültig zum guten sechsten Platz frei. Hinter dem Deutschen kam der Mann des Tages über die Linie: Kamui Kobayashi. Der Japaner zog vor heimischer Kulisse eine gigantische Show ab.
Kobayashi zog auf spektakuläre Weise an beiden Toro Rossos vorbei, schnappte sich unter anderem auch Sauber-Teamkollege Nick Heidfeld und Rubens Barrichello (Williams), die später hinter ihm auf den Plätzen acht und neun einliefen. Besonders großartig war Kobayashis zweite Begegnung mit Jaime Alguersuari (Toro Rosso), an dem er sich außem mit Fahrzeugkontakt vorbeipresste. "Es war ganz nett", gibt sich der Japaner auch nach dem Rennen locker.
Weniger nett endete der Arbeitstag für Adrian Sutil (Force India). Der Deutsche lag lange Zeit mit seinem schlecht liegenden Wagen auf Punktekurs, aber er kam nicht durch. Wenige Runden vor dem Ende platzte der Motor, Sutil drehte sich auf dem eigenen Öl weg, konnte sich aber noch an die Box schleppen. Es half nichts: Der Gräfelfinger musste aussteigen und auf Punkte verzichten. Den letzten Zähler ergatterte Sébastien Buemi (Toro Rosso).
In der WM bleibt die Saison nach dem heutigen Red-Bull-Doppelerfolg spannend. Mark Webber (220 Punkte) hat seine Führung weiter ausgebaut, dahinter liegen Fernando Alonso und Sebastian Vettel (jeweils 206) nun gleichauf. McLaren ist der große Verlierer des Wochenendes. Lewis Hamilton (192) und Jenson Button (189) haben den Anschluss etwas verloren. Außerdem wird bei Hamilton nun wohl ein weiterer Getriebwechsel fällig. -
Rennen: Japan Grand Prix
MERCEDES GP PETRONAS Fahrer Michael Schumacher belegte beim Grand Prix von Japan in Suzuka den sechsten Platz. Sein Teamkollege Nico Rosberg fiel sechs Runden vor Schluss an sechster Stelle liegend aus. In der Fahrerweltmeisterschaft ist Nico mit 122 Punkten Siebter; Michael liegt mit 54 Zählern auf Platz neun. Es führt Mark Webber (Red Bull Renault) mit 220 Punkten.
MICHAEL SCHUMACHER
„Ich bin mit dem heutigen Rennen ganz zufrieden und das Auto lief wirklich gut. Ich hatte auf eine Gelegenheit gehofft aufzuholen, und der sechste Platz war das bestmögliche Ergebnis für uns. Es war ein interessantes Rennen und für die Zuschauer sicher sehr unterhaltsam. Der Zweikampf mit Nico hat Spaß gemacht; schade, dass er ausfiel. Jetzt geht es weiter nach Südkorea und auch wenn ich nicht weiß, was uns dort erwartet, können wir auf ein weiteres gutes Rennen hoffen, wenn unser Auto so stark ist wie es das hier in Suzuka war.“
NICO ROSBERG
„Es ist enttäuschend, das Rennen auf diese Weise zu beenden. Wegen eines Problems mit der Kupplung startete ich nicht besonders gut, doch unsere Strategie, in der Safety Car-Phase gleich am Ende der ersten Runde die Reifen zu wechseln, zahlte sich aus. Ich machte die Plätze, die ich am Start verloren hatte, wieder gut und fuhr an sechster Stelle vor Michael. Meine Reifen hatten unter der langen Distanz seit dem frühen Boxenstopp etwas gelitten, deshalb war es nicht leicht, einen guten Speed zu fahren, aber ich schaffte es, Michel hinter mir zu halten. Dann brach hinten am Auto etwas, und mein Rennen war vorbei.“
ROSS BRAWN
„Wir fuhren heute mit beiden Autos ein starkes Rennen und es ist sehr enttäuschend, dass Nico nicht ins Ziel kam. Unsere Hauptsorge galt allerdings seiner Sicherheit und glücklicherweise ist ihm nichts passiert.
Vor dem Unfall war er in einer guten Position, nachdem er mit einem frühen Boxenstopp die Plätze wieder aufholte, die er beim Start verloren hatte.
Michael fuhr ein sehr gutes Rennen und machte gleich beim Start mehrere Plätze gut. Es war unterhaltsam, wie er und Nico um den sechsten Platz kämpften; sie sollten das unter sich ausmachen aber dabei vernünftig bleiben. Wir werden den Grund für Nicos Unfall jetzt gründlich untersuchen.“
NORBERT HAUG
„Michael wurde heute Sechster und so Bestplatzierter hinter den fünf Fahrern, die 2010 um den Weltmeisterschaftstitel kämpfen. Er fuhr ein starkes Rennen, nachdem er im Qualifying noch durch ein kleines technisches Problem gebremst wurde. Wir müssen noch untersuchen, was sechs Runden vor Schluss mit Nicos Auto geschah, als er an sechster Stelle lag. Sorry, dass er das Rennen nicht beenden konnte; er hätte heute mehr verdient gehabt, aber glücklicherweise verlief der Unfall ohne Folgen für Nico. Er fuhr nach einem schwachen Start, ausgelöst durch ein Kupplungsproblem, ein fehlerloses Rennen und eine gute Strategie holte ihn in der Safety Car-Phase am Ende von Runde eins an die Box. Michael zeigte an diesem Wochenende, dass er stark ist, wenn wir ihm die richtige Basis dazu geben.“ -
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Großes Interesse: Stark gestiegene TV Live-Quote beim Formel 1 Grand Prix in Japan
Trotz der frühen Übertragung am Sonntagmorgen um 8:00 Uhr sahen bis zu 4,01 Millionen Fernsehzuschauer den Großen Preis von Japan in Suzuka auf dem Privatsender RTL.
Den Spitzenwert erzielte die Übertragung des 16. Saisonlaufs der Formel 1-Weltmeisterschaft 2010 um 9:34 Uhr bei der Zieldurchfahrt des Rennens, das MERCEDES GP PETRONAS Pilot Michael Schumacher auf Position sechs in den Punkterängen beendete.
Im Durchschnitt sahen 3,11 Millionen Zuschauer die Übertragung, der Marktanteil lag bei 40,7 Prozent insgesamt und bei 36,1 Prozent in der werberelevanten Zielgruppe der 14-49-Jährigen. Das entspricht einer Steigerung um 1,12 Millionen Zuseher im Vergleich zum Großen Preis von Japan 2009. Vor einem Jahr sahen 1,99 Millionen Fans das Rennen live auf RTL. -
Großer Preis von Südkorea / Yeongam
Der Landkreis Yeongam liegt im westlicheren Teil von Südkorea. Ein kleiner Streifen grenzt an das Meer an - und ganz in der Nähe wird die Formel 1 gastieren. Bisher gibt es noch kaum Informationen oder Fotos aus Korea; die Internetseite des Promoters wird nur in koreanischer Sprache angeboten. Bekannt ist lediglich, dass die Infrastruktur schlecht ausgebaut sein soll. Außerdem ist der nächste Flughafen weit von der Strecke entfernt.
160 Millionen Euro sollen die Koreaner für den Siebenjahresvertrag mit Bernie Ecclestone hingelegt haben. In etwa noch einmal diese Summe dürfte der Bau der Strecke gekostet haben. Architekt war wieder einmal der Aachener Hermann Tilke. Doch über die genauen Kosten kann nur spekuliert werden.
Die Strecke verfügt über 18 Kurven, mindestens eine gute Überholmöglichkeit und eine langgezogene Zielkurve, die von den Fliehkräften her interessant werden könnte. Aber das werden die Teams schon vorher im Simulator genau unter die Lupe nehmen. -
Vorschau: Korea Grand Prix
Beim Grand Prix von Korea vom 22. bis 24. Oktober 2010 in Yeongam, dem 17. Lauf zur Formel 1-Weltmeisterschaft 2010, gastiert die Formel 1 erstmals in diesem asiatischen Land. Der Korean International Circuit liegt in der Region South Jeolla, rund 400 Kilometer entfernt von Koreas Hauptstadt Seoul. Der 5,621 Kilometer lange Kurs wurde von Rennstreckenarchitekt Hermann Tilke aus Aachen entworfen und gilt mit einem Fassungsvermögen von 130.000 Zuschauern als größte Sportstätte des Landes. Der Grand Prix von Korea 2010 ist das 300. Formel 1-Rennen für Mercedes-Benz seit 1954.
NICO ROSBERG
„Das Rennen auf dem neuen Kurs in Korea wird eine spannende Herausforderung. Die Bilder von der Anlage sind beeindruckend und ich hoffe nur, dass der erst kürzlich verlegte Asphalt hält. Es ist immer interessant, eine neue Strecke kennenzulernen, und meistens finden wir rasch einen guten Speed. Ich freue mich auf das Wochenende.“
MICHAEL SCHUMACHER
„Erstmals in diesem Jahr fahren wir auf einer Strecke, die nicht nur für mich, sondern für alle Fahrer Neuland ist. Korea ist ein interessantes Land und auch wenn die Rennstrecke erst kürzlich fertig gestellt wurde bin ich sicher, dass dort alles in Ordnung sein wird. Ich finde neue Rennen gut; wir und unser Sport profitieren davon. Es sollte nicht allzu kompliziert sein, die Streckenführung zu lernen, zumal wir daran gewöhnt sind, uns schnell auf neue Bedingungen einzustellen. Wir hatten am letzten Wochenende in Japan ein gutes Rennen und ich hoffe, es geht so weiter und wir können beim ersten Rennen in Korea eine gute Show bieten.“
ROSS BRAWN
„Wir freuen uns auf den Besuch in Korea und das Rennen in einem für die Formel1 neuen Land. Für unseren Sport ist es wichtig, dass wir die Zahl unserer weltweiten Fans weiter vergrößern und deshalb ist es erfreulich, dass die Rennstrecke nun doch rechtzeitig fertig gestellt wurde. Am Simulator in unserem Werk haben wir uns auf den neuen Kurs in Korea vorbereitet und haben deshalb eine gute Vorstellung davon, was uns erwartet. Aber wie immer bei einer neuen Strecke wird es eine interessante Herausforderung.“
NORBERT HAUG
„Der erste Grand Prix von Korea wird für jeden in der Formel 1 eine vollkommen neue Erfahrung und unser Team begrüßt dieses neue Rennen im Kalender. Die Veranstalter erlebten eine schwierige Zeit, um die Anlagen gemäß des ursprünglichen Plans fertig zu stellen, doch nun gibt es grünes Licht. Wir freuen uns auf ein spannendes erstes Rennen auf diesem neuen Kurs in Yeongam. Unser Team kann dort hoffentlich, wie bei den letzen Rennen, erneut das Beste aus unserem derzeitigen technischen Paket herausholen und weitere Punkte sammeln.“ -
Red Bull knackt Alonso: Pole für Vettel!
Red Bull fährt in Yeongam sensationell in die erste Startreihe: Polesetter Vettel 74 Tausendstel vor Webber - Alonso und Hamilton in Lauerposition
Von den noch zu fahrenden drei Strecken gilt der Korea International Circuit in Yeongam am allerwenigsten als Red-Bull-Terrain, dennoch sicherten sich Sebastian Vettel und Mark Webber heute überraschend die erste Startreihe für den morgigen Grand Prix von Südkorea (Start um 8:00 Uhr MESZ) - und zwar vor ihrem Hauptkonkurrenten Fernando Alonso.
Der Ferrari-Pilot dürfte die Pole-Position schon gewittert haben, als er nach dem ersten Run im Top-10-Finale mit einer Zeit von 1:35.927 Minuten in Führung lag. Besonders im ersten Sektor (absolute Bestzeit in 51,9 Sekunden) war Alonso sensationell unterwegs - und im zweiten Versuch konnte er sich sogar auf 1:35.766 Minuten steigern. Doch die Red Bulls schafften im Finish eine größere Steigerung und fuhren noch in die erste Startreihe!
74 Tausendstel zwischen den "Bullen"
"Es war wieder sehr knapp", strahlt Vettel, der am Ende 74 Tausendstelsekunden Vorsprung auf Webber hatte. "Ich war schon im ersten Run happy mit dem Auto, aber da bekam ich es nicht ganz hin. Im zweiten Versuch begann ich die Runde gut, aber es ist hier leicht, einen Fehler zu machen. Daher habe ich etwas zu viel Raum gelassen und im zweiten Sektor Zeit verloren, aber im dritten Sektor habe ich richtig Gas gegeben."
Das war letztendlich auch entscheidend, denn im Mittelsektor war Webber tatsächlich um zwei Zehntelsekunden schneller als der Deutsche. "Diese Pole", jubelt Vettel, "ist ein großer Erfolg für uns, denn gestern lief es nicht rund und ich hatte im Training einen Reifenschaden. Auch heute Morgen haben wir mit extrem wenigen Runden versucht, das Auto zu schonen, sodass ich nicht viel trainieren konnte. Aber ich fand dann immer besser in einen Rhythmus."
"Es war ein fantastisches Qualifying", strahlt Teamchef Christian Horner, und sogar der geschlagene Webber kann über das Ergebnis lächeln: "Auf der ersten schnellen Runde fühlte ich mich nicht wohl, daher habe ich mich für zwei Runden entschieden. Das hat gut geklappt", erklärt er seine Taktik, im letzten Run zweimal auf Zeit zu fahren. "Der zweite Platz ist viel besser als zuletzt, auch wenn ich natürlich gerne auf Pole gestanden wäre. Es war sehr knapp."
Alonso für das Rennen optimistisch
Auch Alonso ist mit seinem dritten Platz zufrieden: "Es war ein gutes Qualifying", schildert der WM-Zweite. "In Q1 waren wir mit den harten Reifen schneller als erwartet, auch in Q2 lief es sehr gut. Daher rochen wir eine kleine Chance, aber wir wussten, dass Red Bull in Q3 normalerweise noch zulegen kann. Ich glaube, Platz drei war für uns das Maximum. Das ist gut, denn das Qualifying ist nicht unsere Stärke, insofern bin ich für morgen sehr optimistisch."
Der heimliche Pole-Position-Favorit Lewis Hamilton konnte die McLaren-Stärke im ersten Sektor nicht wie geplant ausspielen und landete mit knapp fünf Zehntelsekunden Rückstand auf Platz vier. Zudem kam er vor dem letzten Run in der Boxeneinfahrt von der Strecke ab! "Das tut dem Auto nicht gut", analysiert 'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer. "Wir wissen ja, wie empfindlich der Diffusor und die kleinen Luftleitbleche sind, und Dreck sammelt sich auch im Kühler. Ein unnötiger Fehler!"
Ob dieser letztendlich entscheidend war, sei dahingestellt, aber Tatsache ist, dass McLaren nicht an die starken Trainingsleistungen anknüpfen konnte. Noch deutlicher wurde das bei Jenson Button: Platz sieben, 1,146 Sekunden Rückstand auf Vettel! "Ich bekomme die Reifen nicht auf Temperatur", hatte er schon während des ersten Qualifyings geklagt - und im Laufe der Session konnte er nie ganz mit der Spitze mithalten. Für seine WM-Hoffnungen ist das ein herber Rückschlag.
Kubica nach Trainingsbestzeit ohne Chance
Während die erwartete Überraschung durch Robert Kubica (Renault/8./+1,239) ausblieb, fuhr Nico Rosberg (Mercedes/+0,950) eher unerwartet auf Platz fünf: "Ich bin schon ein bisschen überrascht", gesteht der Deutsche, der seinen Teamkollegen Michael Schumacher (9.) erneut um vier Zehntelsekunden abhängte. "Das war das Beste, was ich heute machen konnte, deshalb bin ich zufrieden. Fünfter ist eine gute Position für morgen."
Felipe Massa (Ferrari/+0,986) wurde Sechster, gefolgt von Button, Kubica, Schumacher und Rubens Barrichello (Williams/+1,413), der in Q2 noch über Verkehr geklagt hatte. Der Brasilo-Routinier schaffte immerhin erneut den Einzug ins Top-10-Finale und wurde damit seinem Ruf als zuverlässige Nummer eins gerecht. Teamkollege Nico Hülkenberg hingegen hatte die Top 10 ebenfalls in Aussicht, ließ diese Chance aber aus.
Hülkenberg ärgert sich über Fahrfehler
"Sehr ärgerlich, denn die Runde hätte mich wahrscheinlich ins Q3 gebracht - bis dahin war ich um zweieinhalb Zehntel schneller als davor", seufzt der möglicherweise scheidende Williams-Pilot, dem Pastor Maldonado mit venezolanischen Mineralöl-Millionen im Genick sitzt. Am Ende bedeutete das Platz elf für Hülkenberg, 23 Tausendstelsekunden vor Kamui Kobayashi, der das Sauber-Stallduell gegen Nick Heidfeld (13.) um Haaresbreite gewann.
Lange um den Aufstieg in Q2 zittern musste auch Adrian Sutil ("Habe ein gutes Gefühl für das Rennen"), der Force-India-Pilot kam letztendlich aber doch souverän eine Runde weiter und sicherte sich den 14. Startplatz. Für Teamkollege Vitantonio Liuzzi war hingegen schon in Q1 Endstation: Der Italiener fuhr in Sektor eins und zwei persönliche Zwischenbestzeiten, verlor aber im letzten Sektor über eine halbe Sekunde - ansonsten hätte es locker gereicht.
Vitaly Petrov (Renault) konnte nicht ganz an seine starken Trainingsleistungen anknüpfen und wird morgen wegen einer Rückversetzung um fünf Plätze (Kollision mit Hülkenberg in Suzuka) von Rang 20 aus angreifen. Ebenfalls in Q2 erwischte es die Toro-Rosso-Youngsters Jaime Alguersuari (16.) und Sébastien Buemi (17.), zwischen denen an diesem Wochenende klare Verhältnisse zugunsten des Spaniers zu herrschen scheinen.
Glock wieder Zweitbester der "Neuen"
Timo Glock (Virgin) hätte sich beinahe wieder die "kleine Pole-Position" der neuen Teams geholt, wurde letztendlich aber 20., 0,227 Sekunden hinter Jarno Trulli (Lotus): "Ich habe das Auto ausgequetscht wie eine Zitrone und die Runde war sehr gut, aber es waren dann die üblichen zwei Zehntel zu Jarno, die Lotus einfach schneller ist", gibt der Deutsche zu Protokoll. Immerhin: Das Stallduell gegen Lucas di Grassi gewann er um eineinhalb Sekunden!
Was das alles für morgen bedeutet - minimale Regenwahrscheinlichkeit inklusive - kann zum jetzigen Zeitpunkt kaum jemand zuverlässig vorhersagen. "Für heute ist die Arbeit getan, aber der Fokus ist natürlich auf dem Rennen", weiß Polesetter Vettel. "Die ersten paar Geraden nach dem Start sind sehr unterhaltsam für die Zuschauer. Ich hoffe, dass ich mich vorne gleich absetzen und das Rennen kontrollieren kann."
"Ich habe nicht gedacht, dass er Webber schlagen kann", lobt Experte Surer, "und ich habe auch nicht gedacht, dass Red Bull wirklich vorne stehen wird!" Die Frage ist, wie lange die Red Bulls vorne sein werden, denn im ersten Sektor haben sie ein signifikantes Defizit, was die Höchstgeschwindigkeit auf den Geraden angeht - erst wenn Vettel und Webber auch nach Kurve vier noch vorne sind, dürfen sie sich zunächst mal in Sicherheit wähnen...
Red Bull auf dem Weg zum ersten WM-Titel
Horner hatte schon vor dem Qualifying geahnt, dass Vettel überraschen könnte, obwohl es nach den Freien Trainings eher nach Webber roch: "Sie sind unterschiedliche Programme gefahren", klärte der Teamchef auf. "Sebastian muss nur das machen, was er sonst auch immer macht. Beide Fahrer sind sehr stark hier." Zur Erinnerung: Wenn Red Bull einen Doppelsieg feiert und McLaren maximal zwei Punkte holt, fällt morgen bereits die Entscheidung in der Konstrukteurs-WM!
Davor gilt es aber eine Graining-Schlacht über 55 Runden zu meistern: "Manche werden mehr Probleme haben als andere - und wenn du Probleme mit den Reifen hast, verlierst du Sekunden", warnt Rosberg, und auch Sutil weiß: "Die Reifen lösen sich relativ schnell auf!" Insofern ist es nicht ausgeschlossen, dass die Fahrer außerhalb der Top 10, die auf harten Pneus starten dürfen, zu Beginn des Rennens aufzeigen werden.
Mercedes-Teamchef Ross Brawn erwartet jedenfalls "viele Überholmanöver, denn die Strecke verändert sich sehr schnell. Wenn ein bisschen Staub draufkommt, verlierst du sofort eine Menge Grip, weil die Fahrbahn noch so glatt ist. Wenn es regnet, wird es sowieso interessant", kündigt er an. Sportchef Haug gratuliert abschließend dem Polesetter: "Eine überzeugende Pole! Mit der hatte er wohl nicht mal selbst gerechnet, aber umso stärker ist seine Leistung einzuschätzen." -
Red Bull patzt erneut: Alonso siegt in Südkorea!
Fernando Alonso nutzt den bitteren Doppelausfall von Red Bull und übernimmt in Yeongam die WM-Führung - Hamilton Zweiter, Button ohne Punkte
"Avanti, Fernando!" Nach einer dreistündigen Regenschlacht gewann Fernando Alonso heute bereits bei Einbruch der Dunkelheit um exakt 17:58 Uhr Ortszeit den ersten Grand Prix von Südkorea in Yeongam und sicherte sich damit auch die Führung in der Weltmeisterschaft. Doch es gibt auch einen großen Verlierer: Red Bull.
Mark Webber schmiss seinen RB6 an zweiter Stelle liegend weg, Sebastian Vettel schied in Führung liegend mit einem Motorschaden aus. Damit ist im Kampf um die Formel-1-Krone wieder alles offen, denn nicht nur Alonso nutzte mit seinem Sieg die Gunst der Stunde, sondern auch Lewis Hamilton (McLaren) sammelte 18 wertvolle Zähler für die Titelentscheidung, die sich zwei Rennen vor Schluss wohl auf einen Vierkampf reduziert hat.
Vettel: Sicheren Sieg verschenkt
Das Drama um Vettel deutete sich bereits in der 45. Runde an, als er über den Boxenfunk wegen der einbrechenden Dunkelheit einen Rennabbruch zur Diskussion stellte: "Ich kann den Bremspunkt in der ersten Kurve nicht mehr sehen, in anderen Kurven auch nicht mehr!" Doch der zu jenem Zeitpunkt an dritter Stelle liegende Hamilton relativierte: "Das Licht ist okay." Möglich, dass Vettel den sich anbahnenden Ausfall bereits erahnte.
Denn wenige Augenblicke später wurde er plötzlich langsam, sein Renault-V8-Motor spuckte Rauch und Feuer - Ausfall, 25 sicher scheinende Punkte weg! "Natürlich ist man enttäuscht, aber man sieht's mir auch an: Allzu tragisch ist es nicht", gibt sich Vettel gelassen. "Natürlich ist es gravierend für die Meisterschaftssituation, aber es ist noch nicht vorbei und ich kann mir heute nichts vorwerfen. Kopf hoch! Wir haben noch zwei Rennen, um die 25 Punkte aufzuholen."
Dabei hatte der dramatische Nachmittag nur gemächlich begonnen - und wegen Regens mit zehn Minuten Verspätung. Felipe Massa (Ferrari), Timo Glock (Virgin) und Bruno Senna (HRT) waren schon auf dem Weg in die Startaufstellung von der Strecke abgekommen, sodass FIA-Rennleiter Charlie Whiting den Start verschob. Losgefahren wurde dann zunächst hinter dem Safety-Car - und auch das erstmal nur für drei Runden.
Langes Warten hinter dem Safety-Car
"Es war die richtige Entscheidung, das Rennen zu unterbrechen", findet Red-Bull-Teamchef Christian Horner, "denn diese Autos sind nicht dafür gebaut, für längere Zeit langsam hinter dem Safety-Car zu fahren." Zuvor hatte Alonso am Funk über "die schlimmsten Bedingungen, die ich je erlebt habe" geklagt, genau wie Jenson Button (McLaren): "Ich kann auf den Geraden nicht einmal das vordere Ende meiner Reifen sehen!"
Erst eine Stunde und fünf Minuten nach der eigentlich vorgesehen Startzeit um 15:00 Uhr ging es weiter, erneut hinter dem Safety-Car. Ross Brawn nutzte diese Unterbrechung für einen seiner berühmten Geniestreiche: Das Rennen war offiziell bereits am Laufen, somit galten die Parc-Fermé-Bedingungen nicht mehr - also ließ Mercedes die Autos von Nico Rosberg und Michael Schumacher auf ein Regensetup umbauen!
Bereits in der neunten Runde hinter dem Safety-Car forderte Hamilton als Erster die Freigabe des Rennens, erst in der 18. drückte Rennleiter Whiting dann tatsächlich auf den grünen Knopf. Der Start verlief bis auf kleinere Ausritte im Hinterfeld diszipliniert, Vettel verteidigte seine Pole-Position vor Webber und Alonso souverän. Weiter hinten stach der Mercedes-Joker: Schumacher ging an Robert Kubica (Renault) vorbei, Rosberg an Hamilton!
Erster Schock für Red Bull
Vettel setzte sich gleich in der ersten Runde um fast drei Sekunden von Webber ab - und dann der erste Schock im Rennen: Webber kam auf einen Randstein, rutschte fast wie in Zeitlupe in eine Mauer. Sein Auto überstand diesen Zwischenfall noch, stand verkehrt zur Fahrbahn und rollte weiter, aber dann kam es zum Riesenknall mit Rosberg! Der Deutsche konnte dem Red Bull nicht mehr ausweichen, was für beide das Ende des Arbeitstages bedeutete.
"Eindeutig mein Fehler", nimmt Webber den Crash auf seine Kappe. "Ich kam am Ausgang von Kurve zwölf auf den Curb und rutschte dann wie in Zeitlupe runter. Mein Fehler, nicht mein Tag. Und ich habe auch noch Nico mitgenommen." Der ärgerte sich natürlich auch: "Es wäre sicher ein super Rennen geworden. Ich hätte gedacht, er bremst und bleibt in der Mauer hängen, aber er rollte immer weiter. Da habe ich mir halt die falsche Ecke ausgesucht."
Wegen der Aufräumarbeiten wurde das Safety-Car ein drittes Mal auf die Strecke geschickt. Nach dem Restart war Button, der zuvor einen Platz gegen Schumacher verloren hatte, der erste WM-Anwärter, der auf Intermediates wechselte - in Runde 28 und offensichtlich zu früh, denn erstens kam er hinter mehreren langsamen Autos auf die Strecke und zweitens schlitterte er auf den Intermediates von einem Zwischenfall in den nächsten.
Button gibt WM-Hoffnungen auf
"Es war ein katastrophaler Tag. Ich hatte einfach nicht den Speed, mit beiden Reifentypen nicht - zu wenig Grip", seufzt der Titelverteidiger, der nun 42 Punkte Rückstand auf den neuen WM-Leader Alonso hat und sich wohl damit anfreunden muss, die Startnummer eins nach Abu Dhabi abzugeben. Das weiß der McLaren-Pilot auch selbst: "Rechnerisch habe ich noch eine Chance, aber praktisch ist es unmöglich. Ein schrecklicher Tag für mich."
In Runde 31 dann die nächste Schlüsselszene: Wegen einer Kollision zwischen Timo Glock (Virgin) und Sébastien Buemi (Toro Rosso), die zu 100 Prozent auf die Kappe des Schweizers ging, kam es zu einer weiteren Safety-Car-Phase. Vettel und Alonso blieben noch eine Runde draußen, Hamilton und die weiteren Verfolger kamen jedoch geschlossen an die Box - und weil Ferraris Crew rechts vorne zu lange benötigte, tauschten Alonso und Hamilton dabei die Plätze.
Schon beim Restart stellte Alonso aber die alte Reihenfolge wieder her, weil Hamilton in der ersten Kurve den Bremspunkt verpasste. Während es im Mittel- und Hinterfeld zu teilweise sehenswerten Positionskämpfen und unzähligen Drehern kam, verlief der Grand Prix auf der 5,621 Kilometer langen Strecke an der Spitze verhältnismäßig unspektakulär. Allerdings bauten die Intermediates bei manchen langsam ab.
Am stärksten war davon Hamilton betroffen, der nach dem Red-Bull-Drama binnen weniger Runden 13 Sekunden auf Sieger Alonso verlor und den zweiten Platz ohne Risiko ins Ziel rettete: "Fernando hat einen fantastischen Job gemacht, während meine Reifen am Ende hinüber waren. Da habe ich das Auto nur noch ins Ziel getragen. Aber es ist ein gutes Ergebnis für die Meisterschaft", analysiert der Ex-Champion und ergänzt: "Ich bin sehr glücklich."
Riesenjubel bei Alonso
Das gilt natürlich auch für Alonso: "Ich freue mich riesig", jubelt der Ferrari-Pilot über den Triumph auf der brandneuen Strecke. "Das war eines der besten Rennen des Jahres für uns. Wir waren das ganze Wochenende konkurrenzfähig und wussten schon gestern, dass die Rennpace da sein würde. Uns war klar, dass wir ins Ziel kommen müssen - und das ist mein erster Sieg bei einem Regenrennen! Umso größer ist die Freude."
Hinter Massa, der eher unbemerkt eine gute Leistung ablieferte und Dritter wurde, fuhr Schumacher bereits zum dritten Mal in dieser Saison als Vierter über die Ziellinie. Der siebenfache Weltmeister brillierte zu Beginn mit seinen Überholmanövern gegen Kubica und Button, fuhr dann ein fehlerfreies Rennen und kann mit den zwölf Punkten gut leben: "Ich bin zufrieden. Am Anfang mit den Intermediates hatte ich mir mehr ausgerechnet, aber mehr war heute nicht drin."
Genau wie Rosberg war auch Schumacher mit Regensetup unterwegs, weshalb Mercedes einer entgangenen Großchance nachtrauert: "Ein Jammer für Nico! Dass Webber in ihn crashte, hat Nico und uns ziemlich sicher ein Podium gekostet", bedauert Sportchef Norbert Haug und lobt: "Klasse Fahrt von Michael, der den Weltmeister ausbremste und bei diesem so schwierigen Rennen Vierter und bester Deutscher wurde!"
Reifenpoker im Finish
Im Finish wurde es dann noch einmal interessant, als das Williams-Duo Barrichello/Hülkenberg mit abbauenden Reifen die sicher scheinenden Plätze fünf und sechs wegschmiss, wofür sich Kubica und Vitantonio Liuzzi (Force India) herzlich bedankten. Barrichello kam als Siebter ins Ziel, Hülkenberg wurde nach einem zusätzlichen Boxenstopp und einem Last-Minute-Überholmanöver gegen Jaime Alguersuari (Toro Rosso) immerhin noch Zehnter.
Das Sauber-Team nahm mit den Positionen acht (Kamui Kobayashi) und neun (Nick Heidfeld) weitere wichtige Punkte mit, die andere liegen ließen: Sutils kämpferische Fahrt endete mit der Kollision mit Kobayashi, Vitaly Petrov schmetterte seinen Renault in der letzten Kurve in die Boxenmauer und Sensationsmann Glock lag phasenweise an elfter Stelle, bis er von Buemi abgeschossen wurde. Insgesamt sahen nur 15 Autos die Zielflagge.
In der Fahrer-WM führt nach 17 von 19 Rennen Alonso mit 231 Punkten vor Webber (220), Hamilton (210), Vettel (206) und Button (189). Letzterer hat nur noch theoretische Chancen. Doch Leader Alonso warnt vor vorschnellen Schlüssen: "In den nächsten zwei Rennen kann noch alles passieren", weiß der Spanier, der bei seiner bisherigen Linie bleibt: "Ich muss konstant auf das Podium fahren, das ist der Schlüssel."
Webber: Satzball vergeben
"Webber", wirft 'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer ein, "wäre in der WM meilenweit in Führung gelegen. Das tut doppelt weh." Eine Aussage, die Teamchef Horner enttäuscht unterschreibt: "Mark hat dieses Jahr sehr wenige Fehler gemacht, aber heute rutschte er auf einem Curb aus. Manchmal kann der Motorsport grausam sein. Wir haben Fernando heute ein großes Geschenk gemacht. Das Gute ist, dass wir die Konstrukteurs-WM noch anführen."
Auch Vettel ärgert sich über die verschenkten Punkte, denn bis zu seinem Ausfall sei es "nicht nur gut, sondern perfekt gelaufen. Ich habe bei sehr schwierigen Bedingungen versucht, die Reifen zum Schluss zu schonen. In Kurve 17 habe ich eine Zylinderreihe komplett verloren. Ich bin noch zwei Kurven mit vier Zylindern gefahren, aber dann musste ich anhalten", berichtet er. Angekündigt habe sich der Motorschaden "gar nicht. Das kam urplötzlich."
Trösten kann sich Red Bull (426 Punkte) mit der Führung in der Konstrukteurswertung, doch McLaren (399) holte heute 18, Ferrari (374) sogar 40 Zähler auf - die Team-WM-Entscheidung, die theoretisch schon in Yeongam hätte fallen können, ist somit vertagt. Daher dürfen sich die Formel-1-Fans auf einen weiterhin spannenden WM-Kampf freuen. Nächste Station ist am 7. November der Grand Prix von Brasilien in São Paulo. -
Rennen: Großer Preis von Korea
MERCEDES GP PETRONAS Fahrer Michael Schumacher belegte beim erstmals ausgetragenen Grand Prix von Korea in Yeongam den vierten Platz. Im 300. Grand Prix von Mercedes-Benz seit 1954 stellte er damit sein bestes Saisonergebnis – Platz vier in Barcelona und Istanbul – ein. Michael war als Neunter gestartet und verbesserte sich im Lauf des turbulenten Rennens um fünf Plätze.
Das Rennen war wegen Regens und auf der Strecke stehenden Wassers mit zehn Minuten Verspätung hinter dem Safety Car gestartet und nach drei Runden unterbrochen worden. Der zweite Start erfolgte nach rund 45 Minuten. Danach überholte Michaels Teamkollege Nico Rosberg Vodafone McLaren Mercedes Fahrer Lewis Hamilton und übernahm Platz vier. In der 19. von 55 Runden wurde Nico vom sich drehenden Red Bull von Mark Webber getroffen und fiel mit beschädigtem Auto aus.
In der Fahrerweltmeisterschaft ist Nico mit 122 Punkten Achter; Michael liegt mit 66 Zählern auf Platz neun. Es führt Korea-Sieger Fernando Alonso (Ferrari) mit 231 Punkten.
MICHAEL SCHUMACHER
„Ich bin mit dem heutigen Rennen recht zufrieden. Ich möchte mich bei meinem Team, das mich heute Nachmittag perfekt geführt hat, bedanken. Ich bin sicher, dass die Zuschauer bei diesem ersten Korea Grand Prix äußerst gut unterhalten wurden. Ich glaube die FIA traf eine sehr gute Entscheidung als sie das Rennen hinter dem Safety Car starten ließ, da ein normaler Start absolut nicht möglich gewesen wäre. Es ist sehr schade, dass Nico durch eine unverschuldete Kollision aus dem Rennen geworfen wurde, sonst wäre es ein ausgezeichnetes Wochenende für unser Team geworden."
NICO ROSBERG
„Mit dem Auto, das wir zurzeit haben, lief unser Wochenende nahezu perfekt – bis zu der Kollision. Der fünfte Platz im Qualifying gestern war gut und das Auto lief das ganze Wochenende über sehr gut. Das Team machte hier einen super Job und dank unserer Geschwindigkeit auf der Geraden überholte ich bereits früh Lewis Hamilton. Deshalb war es sehr schade, dass mein Rennen vorzeitig beendet wurde. Es war schwer einzuschätzen, in welche Richtung sich Mark Webbers Auto nach seinem Ausrutscher bewegen würde und ich fuhr nach links, aber er drehte sich immer weiter und ich konnte ihm nicht ausweichen. Schade - heute hätten wir ein sehr gutes Ergebnis holen können.
ROSS BRAWN
„Das Team arbeitete an diesem Wochenende sehr gut und wurde mit dem vierten Platz von Michael belohnt. Es hätte sogar noch besser laufen können, denn Nico fuhr in einer starken Position. Natürlich sind wir enttäuscht, dass er aus dem Rennen geworfen wurde. Er hatte mit einem tollen Manöver Lewis Hamilton überholt, war mit dem Auto zufrieden und alles lief gut, bis er von Mark Webber getroffen wurde. Michael fuhr heute ein besonders starkes Rennen. Er nutzte alle seine Chancen, fuhr aber mit Gefühl, wenn die schwierigen Bedingungen es erforderten. In der Schlussphase des Rennens schonten wir die Reifen, um das Rennen zu Ende zu fahren, denn die Führenden konnten wir nicht attackieren. Insgesamt war es ein positives Wochenende und wir werden die Saison hoffentlich mit gleichermaßen guten Leistungen
beenden.“
NORBERT HAUG
„Ein gutes Rennen heute von Michael, der als ‚best of the rest‘ hinter den
Titelkandidaten Vierter wurde, nachdem er mit einem tollen Manöver Jenson Button überholt hatte. Für Nico ist es sehr schade, er hätte heute
sicherlich aufs Podium fahren können. Als er in Mark Webbers Unfall
verwickelt wurde, lag er bereits vor Lewis – und der wurde am Ende Zweiter. Unser Team lieferte in tückischen Bedingungen gute Arbeit ab und machte keine Fehler - was heute enorm schwierig war.“ -
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