Interessantes zu Formel 1 im Jahr 2010
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Gute TV-Quote bei der Formel 1-Premiere in Korea
Trotz des frühen Rennstarts um 8:00 Uhr und der Verzögerungen wegen des starken Regens verfolgten am Sonntag, 24. Oktober 2010 durchschnittlich 4,78 Millionen Zuschauer den ersten Großen Preis von Korea auf dem Privatsender RTL.
In der Spitze sahen 5,54 Millionen Fans das Rennen auf dem Korea International Circuit, das MERCEDES GP PETRONAS Pilot Michael Schumacher auf Platz vier knapp hinter dem Podium beendete. Der Marktanteil betrug 43,5 Prozent, in der wichtigen Zielgruppe der jungen Zuschauer zwischen 14 und 49 Jahren lag der Marktanteil bei 39,7 Prozent.
Das nächste Rennen findet am Sonntag, 7. November 2010 beim Großen Preis von Brasilien in Sao Paulo statt. RTL überträgt den Grand Prix ab 17:00 Uhr live. -
Großer Preis von Brasilien / São Paulo (am 07. November 2010)
Auf der Strecke "zwischen den Seen", wie das brasilianische Interlagos wörtlich übersetzt heißt, heißt es für die Fahrer, körperlich absolut fit zu sein, da nicht nur die heißen Temperaturen in Südamerika und die hohe Luftfeuchtigkeit ihren Tribut zollen. Ganz besonders die vielen Unebenheiten im Belag und die Tatsache, dass die 4,309 Kilometer lange Strecke als einzige neben Istanbul gegen den Uhrzeigersinn gefahren wird, machen selbst dem durchtrainiertesten Nacken schwer zu schaffen.
Bei Fahrern und Teams gehört der Grand Prix von Brasilien nicht gerade zu den Favoriten. Leider gehört São Paulo neben Mexiko City und Tokio nicht nur zu den drei größten Städten der Welt, sondern aufgrund der extremen Unterschiede zwischen Arm und Reich auch zu jenen mit der höchsten Kriminalitätsrate. Die Slums rund um die 13 Kilometer von Interlagos entfernte Stadt passen so gar nicht zum Image der glamourösen Formel 1. Vorsicht ist also auf jeden Fall angebracht.
Auch der Straßenverkehr ist gewöhnungsbedürftig: In einer 20-Millionen-Stadt, in der täglich über fünf Millionen Autos die Straßen in ein heilloses Chaos verwandeln, tut man als Besucher gut daran, sich in die geübten Hände der Taxifahrer zu begeben. Das spart jede Menge Nerven und ist durchaus erschwinglich.
Die Strecke selbst sorgt dafür, dass die Fahrer und ihre Ingenieure beim Abstimmen der Autos tüchtig ins Schwitzen kommen, da das Bergauf- und Bergabstück vor und nach Start und Ziel nach wenig Flügel verlangt, das Infield jedoch maximalen Abtrieb erfordert.
In der Geschichte der Formel 1 ist São Paulo spätestens seit dem denkwürdigen WM-Finale von 2008 fest verankert: Damals war Rennsieger Felipe Massa nach seiner Zieldurchfahrt schon für 20 Sekunden Weltmeister, ehe Lewis Hamilton in der letzten Kurve doch noch einen Konkurrenten überholte und sich damit den Titel sicherte.
Quelle: http://www.motorsport-total.com/f1/saison/So_Paulo.html -
Vorschau: Großer Preis von Brasilien
Mit dem Grand Prix von Brasilien vom 5. bis 7. November 2010 in Sao Paulo beginnt die Schlussphase der Formel 1-Weltmeisterschaft 2010 mit zwei Rennen innerhalb von acht Tagen. Die 4,309 Kilometer lange Strecke von Interlagos, auf 800 Metern über Meereshöhe die am höchsten gelegene im Formel 1-Kalender, wird entgegen dem Uhrzeigersinn befahren und liegt nahe der Metropole Sao Paulo. Das in Verbindung mit der Leidenschaft der brasilianischen Fans sorgt für eine der stimmungsvollsten Veranstaltungen des Jahres.
NICO ROSBERG
„Die brasilianischen Fans sind fantastisch und das Fahren in Interlagos macht riesig Spaß – ich freue mich deshalb auf das Wochenende in Sao Paulo. Das enge Infield in Verbindung mit der langen Geraden stellt eine besondere Streckencharakteristik dar. Durch die Höhenlage mit dünnerer Luft gibt der Motor weniger Leistung ab und auch Grip und Abtrieb sind niedriger als sonst, daran muss man sich erst gewöhnen. Es gibt ein paar gute Überholmöglichkeiten und meistens spielt auch das wechselhafte Wetter eine Rolle, so dass das Rennwochenende oft unberechenbar verläuft. Ich war enttäuscht, dass ich in Korea an guter vierter Stelle liegend ausfiel, doch unsere Leistung am ganzen Wochenende war sehr gut und wir holten das Beste aus dem Auto heraus. Das wollen wir fortsetzen und die Saison mit starken Resultaten beenden.“
MICHAEL SCHUMACHER
„Die Saison geht allmählich zu Ende und ich muss sagen, ich bin beeindruckt, wie unsere Jungs sie bewältigt haben, besonders in den letzten Rennen. Obwohl wir keine großen Entwicklungsschritte mehr machten, boten wir vielversprechende Vorstellungen. Die Charakteristik des Kurses von Interlagos ähnelt in etwa den Eigenschaften der letzten Rennstrecken, wir können also für Brasilien ganz zuversichtlich sein. Unser Kampfgeist lässt nicht nach und wir wollen die Saison mit positiven Ergebnissen beenden, deshalb freue ich mich auf Sao Paulo und ein weiteres Resultat, mit dem ich zufrieden sein kann.“
ROSS BRAWN
„Der Grand Prix von Brasilien ist jedes Mal eine fantastische Veranstaltung und mit dem harten Kampf um den WM-Titel wird es ein spannendes Wochenende für die Fans an der Strecke und die Fernsehzuschauer rund um die Welt. Interlagos hat verschiedene Aufgabenstellungen; die Höhenlage und die holprige Strecke sind nur zwei Faktoren, die die Ingenieure bei der Abstimmung berücksichtigen müssen. Wir erzielten in den vorherigen Rennen eine Reihe guter Ergebnisse, gemessen an der Leistungsfähigkeit unseres technischen Paketes. Ich bin zuversichtlich, dass wir diesen Trend bei den letzten beiden Saisonrennen fortsetzen können. Natürlich sind wir damit nicht zufrieden und wir arbeiten hart dafür, dass wir im nächsten Jahr wieder dort sind wo wir sein wollen – im Kampf um Rennsiege.“
NORBERT HAUG
„Die letzten beiden Rennen dieser so spannenden Formel 1-Saison finden innerhalb von acht Tagen in Sao Paulo und Abu Dhabi statt. Am Ende einer sehr langen, sehr harten und sehr fordernden Saison ist dieser "Doppelpack" eine enorme Belastung für alle Teammitglieder.
Aber alle bei MERCEDES GP PETRONAS sind voll motiviert, auch weil wir in den letzten fünf Rennen seit dem belgischen Grand Prix in Spa die für unser derzeitiges technisches Paket bestmöglichen Ergebnisse geholt haben. Seit Spa kamen wir direkt hinter den Titelkandidaten ins Ziel und manchmal auch vor dem einen oder anderen von ihnen.
Beim Grand Prix in Südkorea haben wir zuletzt dann mehr Potenzial gezeigt. Michael wurde Vierter und Nico - wäre er nicht unverschuldet aus dem Rennen gerissen worden - hätte am Ende wohl noch weiter vorne auf einem guten Podiumsplatz liegen können. Vor dem unverschuldeten Unfall fuhr Nico vor Lewis Hamilton. Und der wiederum lag - beim Neustart nach der letzten Safety Car Phase - vor dem späteren Rennsieger Fernando Alonso.
Jeder in unserem Team wird weiter voll konzentriert bis nach der letzten Runde des letzten Rennens arbeiten, um die Saison 2010 mit den bestmöglichen Ergebnissen zu beenden. Auch so wollen wir die Grundlage für regelmäßig bessere Resultate in der Saison 2011 schaffen." -
Sensation: Hülkenberg deklassiert die Weltelite!
Nico Hülkenberg sorgt im verregneten São Paulo mit seiner ersten Pole-Position für eine Riesenüberraschung - WM-Quartett auf den Plätzen zwei bis fünf
Alles hat vor dem heutigen Qualifying zum Grand Prix von Brasilien von den vier WM-Favoriten geredet, doch am Ende stahl Nico Hülkenberg allen die Show: Der São-Paulo-Neuling nutzte die Gunst der Stunde und fuhr sensationell auf Pole-Position, als erster Williams-Pilot seit Nick Heidfeld vor fünf Jahren auf dem Nürburgring, als erster Cosworth-Pilot seit Rubens Barrichello in Magny-Cours 1999!
"Es ist unfassbar, ich kann es noch gar nicht glauben", jubelt Hülkenberg über seine Sternstunde. "Die Pole ist natürlich sehr überraschend, aber das ist eine schöne Überraschung, mit der keiner gerechnet hat. Die letzte Runde war super, ohne Fehler, sehr am Limit. Großes Dankeschön ans Team, das mir ein hervorragendes Auto hingestellt hat. Ich habe alles aus dem Auto rausgeholt und versucht, nicht auf nasse Stellen zu kommen. Ich bin überglücklich und genieße jetzt diesen Moment."
Über eine Sekunde Vorsprung
Der 23-jährige Deutsche aus Emmerich, der inzwischen beim Williams-Team in Oxford lebt, wechselte bei abtrocknenden Bedingungen für den zweiten Q3-Run wie alle anderen auf Slicks und setzte sich mit seiner vorletzten Runde an die Spitze des Feldes. Hülkenberg konnte sich im letzten Versuch, den er idealerweise erst wenige Sekunden vor Ablauf der Zeit begann, sogar noch einmal steigern: 1:14.470 Minuten, 1,049 Sekunden Vorsprung auf den ersten Verfolger!
"Erst dachte ich, ich hätte die Pole um eine Zehntel verpasst, dabei war es eine Sekunde - Gratulation an Nico! Er war heute besser als wir alle - da sehen wir nicht gut aus", gratuliert Sebastian Vettel (Red Bull) seinem Landsmann. Der Pechvogel von Südkorea ist aber trotz des großen Rückstands "zufrieden" mit seinem zweiten Platz: "Heute konnte man leicht einen Fehler machen und ich glaube, dass wir morgen sehr gute Chancen haben. Das Auto funktioniert gut."
Vettel ließ alle direkten Titelkonkurrenten hinter sich, setzte sich im wichtigen Stallduell gegen Mark Webber (3.) um 0,118 Sekunden durch. Das Quartett, das noch um die WM-Krone kämpft, lag überhaupt geballt beisammen: Vettel Zweiter, Webber Dritter, Lewis Hamilton (McLaren) Vierter und Fernando Alonso (Ferrari) Fünfter - und das alles innerhalb einer halben Sekunde, trotz der wechselhaften Wetterbedingungen!
Alonso sieht den Druck bei Red Bull
Alonso hat auf dem Papier die schlechteste Ausgangsposition, macht sich aber keine Sorgen, denn: "Der Druck liegt bei Red Bull und das Rennen ist erst morgen", meint der Spanier, der in der Fahrerwertung elf Punkte Vorsprung auf Webber hat, trotzig. "Samstags liegen sie 99 Prozent der Zeit vor allen anderen, aber sonntags ist es oft anders. Es wird ein interessantes Rennen, auch wegen Hülkenberg. Ich hoffe auf einen Podestplatz."
"Ich habe dieses Qualifying genossen, es war eine Herausforderung", sagt Webber, dem das Lächeln etwas leichter über die Lippen kam. "Ich bin froh, vorne dabei zu sein, denn es war ungeheuer schwierig, saubere Runden hinzubekommen. Die letzte Session war unfassbar schwierig, aber ich habe mein absolut Bestes gegeben, was sehr nahe an Seb dran war. Nico war sehr selbstsicher und hat das Beste daraus gemacht, aber wir können zufrieden sein."
Hülkenbergs Teamkollege Barrichello lieferte über weite Strecken ebenfalls eine grundsolide Performance ab und rundete als Sechster ein hervorragendes Williams-Ergebnis ab. Der Traditionsrennstall aus Grove träumt nun schon von der ganz großen Sensation, aber Teilhaber Patrick Head ist Realist: "Wir behaupten nicht, dass wir im Trockenen gegen Red Bull oder Ferrari bestehen können, aber wir werden unser Bestes geben."
Schumacher ein wenig enttäuscht
Siebter wurde Robert Kubica (Renault), der auf seiner vorletzten Runde an der gleichen Stelle wie Webber, kurz vor der zweiten Zwischenzeit, neben der Strecke war, Achter Michael Schumacher. Der siebenfache Weltmeister lag nach dem ersten Run noch sensationell an zweiter Stelle und gewann auch das Stallduell gegen Nico Rosberg, der als 13. bereits in Q2 die Segel streichen musste, hätte aber insgeheim auf mehr gehofft.
Das spricht der Mercedes-Pilot auch offen aus: "Ich hatte definitiv mehr erwartet, denn das sind die Bedingungen, unter denen ich dieses Jahr schon öfter mehr aus dem Auto rausgeholt habe", so Schumacher, der aber immerhin weiß, woran es lag: "Ich denke, der Grund ist, dass ich beim Rausfahren Webber und Vettel überholen lassen musste. Dabei sind meine Reifen abgekühlt. Anders kann ich es mir nicht erklären."
Sportchef Norbert Haug lobt die "gute Vorstellung" seines berühmtesten Angestellten, während sich Rosberg, der am Donnerstag noch angekündigt hatte, bei Regen möglicherweise sogar in die erste Startreihe fahren zu können, grün und blau ärgert: "13 ist Quatsch! Ich hatte mit dem letzten Reifensatz gar keinen Grip, war auf der Hinterachse nur am Rutschen. Der Hinterreifen war stark abgenutzt, wie ich gesehen habe. Schwierig zu erklären."
Weltmeister Button vor der Entthronung
Genau wie Rosberg erwischte es auch Jenson Button (McLaren/11.) schon in Q2, ebenso wie Sébastien Buemi (Toro Rosso/15.), der in der Startaufstellung um weitere fünf Positionen nach hinten wandert, und Nick Heidfeld (Sauber/16.). Beinahe wäre auch Felipe Massa (Ferrari) ausgeschieden, aber der Lokalmatador schob sich bereits nach Ablauf der regulären Zeit noch um 88 Tausendstelsekunden an Button vorbei!
Bitter aus deutscher Sicht der 18. Platz von Regenspezialist Adrian Sutil: "Es ist seit ein paar Rennen schwierig, besonders im Qualifying geht nichts nach vorne. Im Vorjahr war ich bei den gleichen Bedingungen noch Dritter, jetzt bin ich 18. Ich hatte einfach null Grip und starkes Graining", so der Force-India-Pilot, der ebenfalls noch um fünf Plätze nach hinten rückt. Aber: "Das ist jetzt auch schon egal. Im Rennen ist immer viel möglich und im Trockenen sollte es besser gehen."
Die "B-Pole-Position" der neuen Teams eroberte bei zu dem Zeitpunkt noch völlig nasser Strecke Timo Glock (Virgin), der der das Lotus-Duo Jarno Trulli und Heikki Kovalainen knapp hinter sich lassen konnte. "Ich bin zufrieden", freut sich der Deutsche, der bei Regen schon oft seine fahrerische Klasse demonstriert hat. "Bei solchen Bedingungen musst du da sein und darfst keine Fehler machen. Das habe ich gut hingekriegt."
Senna gegen Klien erneut chancenlos
Bei Lotus ärgert man sich: "Enttäuschend. Heikki hatte Pech mit dem Verkehr, wurde gleich zweimal von Heidfeld aufgehalten", tobt Technikchef Mike Gascoyne. Das Stallduell bei HRT gewann indes erwartungsgemäß Christian Klien um 0,713 Sekunden gegen Bruno Senna. Letzterem wurde der Druck beim Heimspiel anscheinend zu groß, stand er doch im vorletzten Run auf einmal entgegen der Fahrtrichtung auf der Strecke.
Morgen - gestartet wird um 17:00 Uhr MEZ - erwartet uns also ein spannender Grand Prix mit einem sicher voll motivierten Polesetter Hülkenberg. Der könnte heute sein Williams-Stammticket für 2011 gelöst haben: "Die erste Pole ist ein emotionaler und historischer Moment. Ich hoffe, dass ich noch viele Jahre Formel 1 fahren werde, aber jetzt gerade fehlen mir ehrlich gesagt die Worte." Doch Head wiegelt ab: "Jetzt denken wir erstmal ans Rennen."
Favoriten auf den Sieg bleiben ungeachtet der sensationellen Leistung des Williams-Rookies Vettel und Webber, die am meisten Anpressdruck haben und in den trockenen Trainings nahezu unschlagbar waren. Im zweiten Qualifying könnten es sich die beiden sogar leisten, am Ende gar nicht mehr rauszugehen, als alle anderen noch die abtrocknenden Bedingungen nutzten - und trotzdem blieben sie fast vier Zehntelsekunden vor Kubica... -
Red Bull jubelt: Vettel siegt, Konstrukteurs-WM fixiert!
Die erste WM-Entscheidung ist gefallen, bei den Fahrern sind aber noch vier Kandidaten im Rennen - Vettel gewinnt in São Paulo vor Webber und Alonso
Riesenjubel bei Red Bull nach dem Grand Prix von Brasilien im Autódromo José Carlos Pace von São Paulo: Sebastian Vettel und Mark Webber feierten einen souveränen Doppelsieg und fixierten damit bereits vor dem abschließenden Saisonfinale in einer Woche in Abu Dhabi den erstmaligen Gewinn der Konstrukteurs-WM!
Der Kampf um die Fahrerkrone bleibt allerdings weiter offen, mit Matchball Fernando Alonso: Dem Ferrari-Piloten reichte heute ein dritter Platz, um acht Punkte Vorsprung auf Webber ins letzte Rennen mitzunehmen. Weitere sieben Zähler dahinter ist Vettel Dritter. Nur noch rein rechnerischer Natur sind die Chancen von Lewis Hamilton (McLaren), dessen Teamkollege Jenson Button seinen WM-Titel an jener Stelle endgültig abgeben musste, wo er ihn vor einem Jahr erobert hatte.
Riesenjubel bei Red Bull
"Ich bin stolz auf diese Mannschaft und möchte Dietrich Mateschitz zu diesem Erfolg gratulieren. Das ist ein unglaubliches Gefühl und ein sehr stolzer Tag für alle Beteiligten", jubelt Teamchef Christian Horner anlässlich der ersten großen Sternstunde seiner Karriere. Seine beiden Fahrer waren im Rennen eine Klasse für sich und ließen auch im Finish nichts mehr anbrennen, als das Feld durch eine Safety-Car-Phase noch einmal zusammenrückte.
Schnell ausgeträumt war der Traum vom ganz großen Coup für den deutschen Sensations-Polesetter Nico Hülkenberg: Der Williams-Pilot kam zwar dank eines kürzer als sonst übersetzten ersten Gangs nicht schlecht von der Linie weg, musste aber im Senna-S Vettel durchlassen und in der vierten Kurve auch Webber. Gegen den stark drückenden Alonso konnte er sich mit einer soliden Defensivleistung bis in die siebte Runde wehren.
Damit war er den führenden Red Bulls natürlich eine große Hilfe: "In den ersten Runden haben wir zu viel Boden verloren. Diese zwölf Sekunden konnte ich nicht mehr aufholen", seufzt Alonso. Vettel fuhr Webber indes sofort um knapp drei Sekunden davon, von da an war es ein souveräner Paarlauf der beiden. Doch dann die Schrecksekunde 20 Runden vor Schluss, als wegen eines Crashs von Vitantonio Liuzzi (Force India) im Senna-S das Safety-Car auf die Strecke kam!
Hamilton und Jenson Button (McLaren) nutzten diese Gelegenheit, um noch einmal Reifen zu wechseln, ebenso wie Nico Rosberg (Mercedes). Doch Spitzenreiter Vettel bewahrte kühlen Kopf, hatte die überrundeten Hülkenberg und Robert Kubica (Renault) als Puffer zwischen sich und Webber und zog nach dem Restart in Runde 56 sofort weg. Schlussendlich fuhr er mit 4,2 Sekunden Vorsprung auf seinen Teamkollegen über die Ziellinie.
Taktisch clevere Leistung von Vettel
"Das war nach Korea die richtige Antwort", jubelt der Deutsche. "Ich habe am Start gesehen, dass Nico Wheelspin hatte, und ich kam auf der schmutzigen Seite gut weg. Das war entscheidend. Danach habe ich versucht, den Abstand immer bei zweieinhalb Sekunden zu halten. Das hat gut funktioniert, denn sonst hätte ich nach dem Safety-Car vielleicht keine Reifen mehr gehabt. So konnte ich mich nach dem Restart gleich absetzen."
Dann Verwirrung um einen Funkspruch von Renningenieur Ciaran Pilbeam an Webber zwei Runden vor Schluss: "Wir sollten okay sein, du kannst wieder pushen?" Hatte der Red-Bull-Pilot etwa gar zu wenig Benzin an Bord? Unwahrscheinlich - wegen der Safety-Car-Phase. Tatsache ist aber: Alonso machte von hinten noch einmal richtig Druck, verkürzte den Abstand von sieben auf zwei Sekunden. Letztendlich reichte es trotzdem nicht mehr für eine Attacke.
"Als das Safety-Car rauskam, waren leider sieben Autos zwischen Mark und mir. Als ich an denen vorbei war, betrug der Abstand wieder sechs oder sieben Sekunden, da war es dann gelaufen", so der Spanier, der glaubt: "In der Rennpace waren wir nahe dran, vielleicht eine Zehntel langsamer." Was die Weltmeisterschaft angeht, ist er aber auch nach Platz drei Favorit: "Alles ist offen. Mit seinem heutigen Sieg ist auch Sebastian wieder ein Anwärter", sagt Alonso.
Interessant: Würde sich das heutige Rennergebnis in Abu Dhabi wiederholen, wäre Alonso Weltmeister. Würde Red Bull jedoch eingreifen und Webber an Vettel vorbeilotsen, wäre Webber Champion. Heute hielt sich der Kommandostand an die Vorgabe von Konzernchef Dietrich Mateschitz und verzichtete auf eine Stallorder, auch wenn bei Teamchef Horner schon während des Rennens immer wieder das Handy klingelte...
Ferrari freut sich über Red-Bull-Fairness
"Wir haben nur drei Punkte auf Mark verloren", freut sich Ferrari-Chefrenningenieur Chris Dyer darüber, dass Red Bull im Gegensatz zu seiner Crew keine klare Nummer eins hat. "Damit haben sie uns heute einen großen Gefallen getan, aber ich bin mir sicher, dass sie in Abu Dhabi nicht mehr so großzügig sein werden." Und: "Nach dem Qualifying gestern ist das ein großartiges Ergebnis. Die Red Bulls waren einfach zu schnell für uns und Platz drei war das Maximum."
Hamiltons Versuch, nach dem Restart mit frischen Reifen auf Alonso-Jagd zu gehen, scheiterte an den vielen überrundeten Autos, die die letzten Runden zu einem einzigen Chaos werden ließen. Der McLaren-Pilot fuhr zwar in 1:13.851 Minuten noch die schnellste Rennrunde auf dem 4,309 Kilometer langen Kurs, aber mehr als Platz vier war nicht mehr drin. Damit fehlen ihm vor Abu Dhabi 24 Punkte auf Alonso - 25 gibt es für einen Sieg.
Teamkollege Button war in der Anfangsphase der große Profiteur, als er in der elften Runde als Erster an die Box kam, sich der weichen Bridgestone-Supersofts entledigte und die schnelleren Mediums aufziehen ließ. Das spülte den nunmehr entthronten Weltmeister an mehreren Konkurrenten vorbei, auf Platz fünf war jedoch Endstation. Für Rosberg funktionierte genau die entgegengesetzte Strategie: Dank eines langen ersten Stints verbesserte er sich auf Rang sieben.
Rosberg erwischte vom 13. Platz aus einen guten Start, arbeitete sich dann sukzessive nach vorne und lag schon vor der Safety-Car-Phase vor seinem Teamkollegen Michael Schumacher. Dann kam er jedoch wegen einer Panne seiner Crew in zwei Runden zweimal zum Reifenwechsel an die Box - und fiel nicht ans Ende des Feldes, sondern nur hinter Schumacher zurück, weil hinter dem Mercedes-Duo alle anderen schon überrundet waren.
Solide Vorstellung von Mercedes
Schumacher ließ Rosberg wegen seiner verschlisseneren Reifen kampflos vorbei, war ansonsten aber zufrieden mit seiner heutigen Leistung: "Es hat super angefangen, der Start war hervorragend. Ich konnte mich neben Kubica setzen, aber der hat mich ins Grüne verfrachtet. Dann waren wir zu früh an der Box, ich bin hinter Sutil gefallen und wurde von ihm aufgehalten", berichtet der São-Paulo-Rekordsieger, der weiterhin bei vier Triumphen hält.
"Der sechste Platz von Nico", bilanziert Mercedes-Sportchef Norbert Haug, "war das beste Resultat, das mit seinem 13. Startplatz drin war. Dass Michael hinter ihm Siebter wurde, lag am Verkehr. Das ist kein Traumresultat, aber wieder wie bei den letzten Rennen 'Best of the Rest' hinter den WM-Kandidaten und so eine solide Teamleistung." Immerhin: Mercedes hat nun Platz vier in der Konstrukteurs-WM endgültig sicher.
Polesetter Hülkenbergs Prognose, er werde "irgendwo zwischen fünf und zehn" ins Ziel kommen, bewahrheitete sich: Platz acht. "Vom Freitag wussten wir, dass wir so um P10 mitfahren", analysiert der Williams-Rookie ohne Verbitterung. "Gegen die Red Bulls und Ferraris hatten wir überhaupt keine Chance. Das Auto war noch dazu schwierig zu fahren, was Lenkung und Bremse anging, und es hat manchmal aufgesetzt. Mit P8 bin ich zufrieden."
Sein Teamkollege Rubens Barrichello erlebte indes einen turbulenten Nachmittag, schlitzte sich an Jaime Alguersuari (Toro Rosso) den linken Vorderreifen auf und spielte danach für die Vergabe der WM-Punkte keine Rolle mehr. Landsmann Massa landete 0,7 Sekunden hinter ihm gar nur auf dem 15. Platz - nach zwei kleinen Rangeleien im letzten Rennabschnitt, in dem er schon das Messer zwischen den Zähnen hatte.
Lotus wieder bestes neues Team
Nick Heidfeld (Sauber) kassierte heute wegen Ignorierens blauer Flaggen eine Durchfahrstrafe und wurde 17., während sein Stallgefährte Kamui Kobayashi als Zehnter wieder einmal die Hinwiler Kastanien aus dem Feuer holte und einen Punkt sammelte. Bester Vertreter der drei neuen Teams war im Rennen Heikki Kovalainen vor Jarno Trulli (beide Lotus) und Timo Glock (Virgin). Lokalmatador Bruno Senna (HRT) wurde 21.
Riesenpech hatte Christian Klien: Sein HRT-Dallara rollte schon beim Rausfahren aus der Box vor der Aufwärmrunde aus, wurde aber zum Glück rechtzeitig zurück zum Team gebracht, sodass der Österreicher zumindest mit drei Runden Verspätung ins Renngeschehen eingreifen konnte. Gewertet wurde er als 22. und Letzter, vor Lucas di Grassi (Virgin) und Unfallopfer Liuzzi, dem beim Abflug im Senna-S zum Glück nichts passiert ist.
Weiter geht es schon in einer Woche mit dem Dämmerungs-Saisonfinale in Abu Dhabi. Vettel glaubt trotz der 15 Punkte Rückstand noch an seine Chance: "26 wären unmöglich, aber 15 sind möglich", grinst er. "Ich wünsche Fernando nichts Schlechtes, aber ein bisschen Ferrari-Rauch würde mich nicht stören! Ich muss auf mich selbst schauen und versuchen, das Wochenende von hier zu wiederholen. Wenn ich gewinne, sehen wir ja, was Fernando macht."
"Heute wird einmal die eine oder andere Flasche geköpft", kündigt er eine improvisierte Party an und hält fest: "Ein guter Tag für uns, hervorragend sogar!" Bei Webber hielt sich der Jubel angesichts der ausgebliebenen Stallorder hingegen in Grenzen: "So ist es halt, müssen wir Fernando in Abu Dhabi eben mehr Punkte wegnehmen." Bitter: Aus eigener Kraft kann Webber bei acht Punkten Rückstand nicht mehr Weltmeister werden, wenn Alonso Zweiter wird... -
Das stand bei uns im Portal:
Rennen: Großer Preis von Brasilien
Die MERCEDES GP PETRONAS Fahrer Nico Rosberg und Michael Schumacher belegten beim Grand Prix von Brasilien in Sao Paulo die Plätze sechs und sieben. Nico verbesserte sich vom 13. Startplatz um sieben Positionen; Michael war als Achter gestartet.
In der Fahrerweltmeisterschaft ist Nico mit 130 Punkten Siebter; Michael liegt mit 72 Zählern auf Platz neun. Es führt Fernando Alonso (Ferrari) mit 246 Punkten.
NICO ROSBERG
„Ich startete heute sehr gut und als Michael vor mir seinen Boxenstopp einlegte, hatte ich freie Fahrt und machte dank unserer Strategie ein paar Plätze gut. Dann wurde es etwas chaotisch, doch das Team traf die richtige Entscheidung, mir in der Safety Car Phase noch einmal frische Reifen zu montieren. Leider machte Jenson Button das Gleiche und es gab ein ziemliches Durcheinander mit überrundeten Autos. Deshalb kam ich nicht weiter nach vorn. Schön, dass Michael mich vorbeiließ, denn er fuhr auf gebrauchten und ich auf neuen Reifen.“
MICHAEL SCHUMACHER
„Ich startete ziemlich gut und machte zwei Plätze gut. Leider verlor ich die
gleich wieder, als ich im Zweikampf mit Robert Kubica kurz aufs Gras kam. Mein Speed war gut, doch mein Boxenstopp kam vielleicht etwas früh, da ich anschließend hinter Adrian Sutil festhing. In der Schlussphase ließ ich Nico überholen, denn er war auf frischen Reifen unterwegs und ich nicht. Deshalb hatte er von uns beiden die bessere Chance, möglicherweise Jenson Button vor uns anzugreifen. Jetzt freue ich mich auf das Finale in Abu Dhabi und auf ein hoffentlich erneut gutes Rennen.“
ROSS BRAWN
„Wir freuen uns, dass wir mit guten Rennen von Nico und Michael mit beiden Autos in die Punkteränge fuhren. Es war etwas enttäuschend, dass wir durch die frühen Boxenstopps einen Platz an Jenson Button verloren, denn wir dachten eigentlich, er würde im Verkehr aufgehalten, doch er kam gut durch. Unsere Strategen trafen die richtigen Entscheidungen und wir überholten mehrere Autos, die vor uns in der Startaufstellung gestanden hatten. Wir hatten ein Problem mit dem Funk und so gab es ein Missverständnis um Nicos Reifen bei seinem zweiten Stopp. Doch in der Safety Car Phase konnten wir ihn erneut herein holen, ohne dass er einen Platz verlor. Mit beiden Autos ins Ziel zu kommen und Punkte zu holen ist positiv, doch wir sind nicht da wo wir sein wollen. Glückwunsch an Red Bull zum heutigen Gewinn des
Konstrukteurs-Titels – nächstes Jahr werden wir sie jagen.“
NORBERT HAUG
„Wie in den sechs Grand Prix im letzten Saisondrittel seit Spa haben wir
heute erneut die "best of the rest"-Platzierung hinter den WM-Aspiranten
belegt. Positiv ist, dass Nico mit sehr ordentlichen Rundenzeiten als
Sechster ins Ziel fuhr, nachdem er als 13. gestartet war. Michael, der in
Runde eins nach einem Abdrängmanöver zwei Plätze verlor und dann Zehnter war, rundete als Siebter eine solide Teamleistung ab. Er hätte vielleicht einen Platz besser abschneiden können, wäre er nach seinem Stopp nicht hinter einem langsameren Auto, das erst spät die Reifen wechselte, festgesteckt."
"Die Plätze sechs und sieben sind, realistisch betrachtet, das, was mit
unserem derzeitigen technischen Paket möglich ist. Diese Platzierungen sind nicht unser Plan für die Zukunft, aber wenn unsere Mannschaft derzeit das Mögliche möglich macht, dann verdient das ein Dankeschön an alle unsere Teammitglieder, die so hart und so fokussiert arbeiten. Am nächsten Wochenende steigt das große Formel 1-Finale in Abu Dhabi mit immer noch vier WM-Titelaspiranten. Danach freuen wir uns auf die neue Saison mit konstant besseren Resultaten.
Glückwunsch an Sebastian Vettel für seinen starken vierten Saisonsieg heute und an Red Bull Racing für den Gewinn der Formel 1 Konstrukteurs-Weltmeisterschaft." -
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Vettel bekommt beim Finale freie Fahrt
VON ECKHARD CZEKALLA - zuletzt aktualisiert: 09.11.2010 - 02:30
Natürlich können Fernando Alonso (246 Punkte), Mark Webber (238) und Sebastian Vettel (231) am kommenden Sonntag (14 Uhr MEZ/RTL) beim WM-Finale der Formel 1 in Abu Dhabi ausfallen, keine Punkte holen (Alonso), maximal Dritter (Vettel) oder Sechster (Webber) werden. Dann müsste Lewis Hamilton (222) im McLaren-Mercedes "nur" noch gewinnen, und der Engländer wäre nach 2008 erneut Weltmeister. Es wäre das spektakuläre Ende einer Saison, die den Motorsportfans bereits jetzt viel geboten hat.
Im Formel-1-Alltag aber werden wohl Ferrari-Fahrer Alonso (Spanien), der 2005 und 2006 den Titel gewann, sowie die Teamkollegen Webber (Australien) und Vettel (Heppenheim) den Champion ermitteln. Am Sonntag in Sao Paulo hatte Red Bull erneut auf die offiziell auch verbotene Teamorder verzichtet und den Fahrern freie Fahrt gegeben. Vettel gewann vor Webber. Damit verzichtete das Team, das in Brasilien in seinem sechsten Jahr als Nachfolger des Jaguar-Rennstalls erstmals die Konstrukteurs-WM holte, auch darauf, aus eigener Kraft den Fahrertitel holen zu können. Bei einem Webber-Sieg wäre Alonsos Vorsprung auf einen Punkt geschrumpft – und für Vettel das Jahr gelaufen.
"Wir gehen mit derselben sportlichen Einstellung nach Abu Dhabi", betonte Red-Bull-Berater Helmut Marko. Teamchef Chris Horner bestätigte den Verzicht auf eine Anweisung für die Fahrer, machte aber deutlich, was im Fall der Fälle erwartet wird. "Unsere Fahrer sind Teamplayer und wissen, dass der größte Titel im Motorsport vergeben wird. Wenn dein Teamkollege dein größter Gegner ist, dann ist das vielleicht die unangenehmste Rivalität in der Boxengasse, aber unter dem Strich fahren sie für ein großartiges Team und für eine fantastische Firma. Ich habe keinen Zweifel, dass beide ihr Bestes geben werden. Nicht nur für sich, sondern auch für das Team", sagte der Brite.
Horner geht davon aus, dass in einer Situation, in der ein Fahrer die Hilfe des anderen benötigt, dies auch passiert, "aber das muss dann vom Fahrer kommen". Dass die Gemeinsamkeiten der beiden Piloten abseits ihrer Arbeit gegen null gehen und eher eine Eiszeit herrscht, verleiht der Situation eine gewisse Brisanz. "Ich bin zur Schule gegangen, ich kann rechnen", sagte Vettel, der bei Punktgleichheit dank der besseren Ergebnisse bei den 19 Rennen die neue Nummer 1 wäre.
Während bei Red Bull beide Fahrer reif für den großen Coup sind, war Alonso bei Ferrari schon früh der 1a-Fahrer. Beim 11. Saisonrennen in Hockenheim sollte Felipe Massa, längst chancenlos im WM-Kampf, dem Spanier den Sieg überlassen. Der Brasilianer machte es allerdings für alle sichtbar. Die "Roten" mussten wegen Teamorder die damalige Höchststrafe von 100 000 Dollar (künftig: 250 000) zahlen. Alonso aber hatte sieben Punkte mehr – ein erzwungenes Geschenk, das den WM-Titel bedeuten kann.
Punkte für die Plätze 1 bis 10: 25 - 18 - 15 - 12 - 10 - 8 - 6 - 4 - 2 - 1 -
Red Bull schöpft Hoffnung: Kooperation statt Teamorder
Sao Paulo - Die Häme einiger Beobachter störte Sebastian Vettel gar nicht. Nach der umstrittenen Ethik der Formel 1 hätte der Deutsche den australischen Teamkollegen Mark Webber zum Schluss schon in Sao Paulo passieren lassen müssen. Bis auf einen Punkt läge Webber dann nun hinter dem Weltmeisterschaftsführenden Fernando Alonso im Ferrari. Stattdessen sind es nun acht, und Vettel selbst weist gar 15 Punkte Rückstand auf. Darunter, dass er nun wieder selbst minimale Chancen hat, jüngster Weltmeister der Geschichte zu werden, haben die Chancen seines Teams gelitten.
Der Sport mag solche Szenarien, in der Formel 1 mit ihren Absprachen, Showprozessen und kuriosen Strafen sind sie ganz offensichtlich eher ungewöhnlich: "Keine Stallorder bei Red Bull: Schon wieder ein Eigentor der beiden Rivalen", lästerte die Zeitung "La Repubblica" aus Alonsos Ferrari-Italien: "Red Bull dominiert, aber Fernando bleibt vorn."
Womöglich hat Vettels Sieg in Sao Paulo aber die Chancen für Red Bull, doch noch am kommenden Wochenende beim Abschluss-Grand-Prix den Fahrerweltmeister zu stellen wieder erhöht: Dass der Doppelsieg Red Bull bereits vorzeitig den Titel des Konstrukteursweltmeisters verschafft hat, steuerte sicherlich zur gewachsenen Selbstsicherheit bei. "Nach nur sechs, sieben Jahren in der Formel 1", lobte schließlich sogar der Widersacher Alonso, "ist das eine großartige Leistung."
Alle Signale besagen nun, dass Red Bull mit seiner Verweigerung einer Stallorder richtig fährt. Beide Fahrer haben in Brasilien erkennen lassen, dass sie eigenständig aus Vernunft die dem Team am meisten helfende Entscheidung treffen werden. Vettel schließlich kann sogar bei einem weiteren Sieg in Abu Dhabi Alonso nur noch dann abfangen, wenn der nicht besser abschließt als mit Platz fünf. Webber hingegen würde Weltmeister, wenn Alonso bei einem Sieg des Australiers nicht Zweiter wird. Webbers Sieg könnten die Red Bull bei optimalem Rennverlauf ähnlich wie nun in Brasilien also selbst kontrollieren, indem sie zur Not in der Schlussrunde die Plätze tauschen. Für Vettels Triumph hingegen müssten etwa gleich noch beide McLaren, der einzige mit den Topteams halbwegs konkurrenzfähige Rennstall, auch mitspielen und Alonso hinter sich lassen. Doch ob deren Ehrgeiz mangels eigener Perspektiven dazu noch ausreicht, scheint fraglich. "Ich bräuchte ein Wunder", hat Lewis Hamilton bei 24 Punkten Rückstand auf Alonso bereits realistisch festgestellt. "Mir", sagte Vettel daher, "würde es nichts ausmachen, sähe ich Rauch aus dem Ferrari aufsteigen."
Doch ganz so leicht wird Alonso es ihm kaum machen. In Abu Dhabi hänge jede Entscheidung der beiden Red-Bull-Piloten vom Rennverlauf ab, sagt Vettel daher, die Vernunft der Fahrer mache dann einen Befehl aus der Box völlig überflüssig. Ungefähr so wie Michael Schumacher in Sao Paulo seinen jungen Teamkollegen Nico Rosberg am Ende freiwillig passieren lassen hat, weil er sah, dass der auf frischen Reifen eher noch den vor ihm liegenden Jenson Button würde angreifen können. "Sicher werden wir je nach Situation entscheiden", sagte Vettel, "ich glaube, wir wissen beide, was zu tun ist - wir hatten Augenblicke, auf die wir beide nicht stolz sind und die wir nicht wiederholen wollen. Punkt."
Und obwohl Vettel das durch die Kollision in der Türkei und den Streit um einen Frontflügel abgekühlte Verhältnis der Kollegen gerade erst auf den Punkt gebracht hatte ("Nach dem, was passiert ist im Laufe der Saison, werden wir wohl nie gute Freunde werden"), assistierte ihm Webber ungefragt: "Um es abzukürzen: Ich glaube, es hängt alles davon ab, wie die Dinge in der letzten Runde liegen."
Ohnehin offenbarte Vettel deutlich die entspannende Wirkung, die ein Sieg auf einen Fahrer haben kann. Bevor er sich eilig zum Flughafen begab, um den Reisestress erster Klasse flink hinter sich zu bringen, ordnete er die Saison in die Entwicklung seines Rennstalls ein: "Es war eine Mission, die Konstrukteursweltmeisterschaft zu gewinnen. Red Bull stieg in die Formel 1 ein, als ich ein kleiner Junge war. Ich erinnere mich an meinen ersten Besuch in der Fabrik in Milton Keynes. Ich hatte gerade meinen Führerschein und fuhr nach England. Das war 2005. Und wenn ich den Ort von damals mit heute vergleiche, sehe ich einen riesigen Fortschritt", sagte Vettel, "jemand führte mich herum, und ich war fasziniert. Sterne in den Augen. Zur Formel 1 aufzuschauen und nun Teil des Teams zu sein und Teil der Fahrerpaarung, die ihm den ersten Titel errungen hat, ist unglaublich."
Der Rennstall steht damit für die Wandlung der Formel 1, die mit restriktiven Regeln zu Testfahrten und Motoreneinsatz eine Ära der Kostenreduzierung eingeleitet hat, so dass nicht nur wohlbetuchte Konzerne sondern auch unabhängige Teams wie Red Bull plötzlich auf Augenhöhe um die WM mitmischen können. Auch wenn den Puristen der Branche, wie dem obersten Boss Bernie Ecclestone das erweiterte Feld mit allzu chancenlosen Neulingen bereits nicht mehr gefällt: "Wir sollten", donnerte er neulich, "uns von einigen dieser Krüppel trennen." Eher unfreiwillig machen die Ergänzungsteams derzeit die Saison spannend: "Einige Fahrer sind besser als andere", klagte selbst Vettel nach dem Überrunden der Hinterbänkler in Sao Paulo, "du weißt nie, ob sie dich jetzt vorbeilassen oder einfach nur einen Fehler machen."
Aus den Erfahrungen des Wochenendes schöpft er Optimismus. Denn die Taktik ist einfach: "Wir müssen einfach die Leistung von Brasilien wiederholen, und dann schauen wir, was Fernando macht." -
Die Wüste bebt: Vettel beim Finale furioso
Abu Dhabi (dpa) - Das gab es noch nie: Vier Fahrer können im letzten Rennen der Formel- 1-Saison noch Weltmeister werden. Auch für Sebastian Vettel ist der Titel drin - wenn WM-Spitzenreiter Alonso patzt.
Vor der Kulisse aus 1001 Nacht will Sebastian Vettel sein Titelmärchen wahr machen. Im Finale einer irren Saison könnte sich der 23 Jahre alte Deutsche in Abu Dhabi doch noch zum jüngsten Formel-1-Weltmeister der Geschichte krönen - oder als edler Ritter den Königsmacher für seinen Red-Bull-Teamkollegen Mark Webber spielen. «Alles ist möglich. Ihr werdet schon sehen», meinte Vettel und heizte die Rechenspiele im dramatischen WM-Vierkampf nach seinem brillanten Sieg in Brasilien weiter an.
Der Weg auf den Formel-1-Thron aber führt nur über Ferrari-Fahrer Fernando Alonso. Der abgezockte Spanier hat als Spitzenreiter vor dem 19. und letzten Rennen 246 Punkte und kann daher schon mit einem zweiten Platz auf dem Yas Marina Circuit Champion werden. Webber liegt acht Zähler zurück, Vettel 15. McLaren-Pilot Lewis Hamilton muss bei 24 Punkten auf «ein Wunder» hoffen, wie er selbst bekannte. «Das wird eine Woche voller Leidenschaft», versicherte Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo.
Vettel war vor seiner Reise ins Emirat bemüht, sich der Debatte um die verschiedenen Titel-Szenarien zu entziehen. «Mein Motto ist: Sich keine großen Gedanken machen, schon gar nicht rechnen, sondern nur fahren», erklärte der Hesse, der im vergangenen Jahr die Premiere in Abu Dhabi gewann. Noch nie hat er in seiner Karriere die WM angeführt. Holt er in Abu Dhabi seinen fünften Saisonsieg und Alonso wird höchstens Fünfter, ist der Heppenheimer am Ziel.
Womöglich muss Vettel am Ende doch die schwere Rolle als Edelhelfer beim WM-Triumph des Stallrivalen Webber spielen. Wiederholt sich der Rennverlauf von Brasilien mit Vettel auf Rang eins, Webber dahinter und Alonso auf Platz drei, würde der Deutsche wohl anders als in Sao Paulo kurz vor Schluss seinen Teamgefährten vorbeiwinken. Vettel hätte ohnehin keine Chance mehr auf den Titel, Webber wäre als Grand-Prix-Sieger hingegen Weltmeister. «Das ist etwas, über das wir nachdenken würden», bekannte Vettel. «Es hängt davon ab, wie es in der letzten Runde aussieht», meinte Webber.
Anders als bei der heftig kritisierten Ferrari-Teamorder von Hockenheim, als Felipe Massa auf Anweisung aus der Box für Alonso Platz machen musste, liegt die Entscheidung bei Red Bull aber wohl allein bei den Fahrern. «Was Ferrari gemacht hat, machen wir sicher nicht», beteuerte Red-Bull-Besitzer Dietrich Mateschitz. Teamchef Christian Horner betonte: «Ich bin sicher, die Fahrer werden genau das machen, was notwendig ist, um das beste Resultat für das Team zu sichern.» Macht Vettel seinen Kollegen zum Formel-1-König, wäre auch ihm Verehrung gewiss.
Die Form zumindest spricht für Red Bull, denn das Team hat mit dem vorzeitigen Gewinn der Konstrukteurs-WM weiteres Selbstvertrauen getankt. Zudem hält Star-Designer Adrian Newey für das Finale noch ein paar Updates für den RB6 bereit. Auch Formel-1-Chef Bernie Ecclestone drückt den «Bullen» die Daumen. «Wenn ich mein Herz sprechen lasse, dann hätte ich für 2010 am liebsten einen Red-Bull-Fahrer als Weltmeister», verriet der 80-Jährige. Von Beginn an tippte er auf Vettel.
Doch die Titelhamster von Ferrari wollen mit all ihrer Routine und Erfahrung dem Emporkömmling die Party verderben. «Wir wissen, was wir zu tun haben. Und wir werden alles bis ins kleinste Detail vorbereiten», sagte Teamchef Stefano Domenicali. Er sei zu «100 Prozent» sicher, dass er nach 2005 und 2006 (Renault) seinen dritten Titel einfahren wird, bekräftigte Alonso. Kollege Massa versprach, sich der Konkurrenz nach Möglichkeit in den Weg zu stellen.
Heißsporn Vettel dürfte dies nur noch mehr Lust auf Attacke machen. Nach einer Achterbahn-Saison mit beeindruckenden Siegen, bitteren Pannen und unnötigen Patzern hofft er auf viel Glück - und Pech bei Alonso. «Über Rauch aus dem Ferrari würde ich mich nicht beschweren», sagte Vettel scherzhaft. Eines aber ist für ihn schon vor den letzten 305,355 Kilometern der Saison sicher: «Jetzt kommt die große Show.» Die Wüste bebt. -
Großer Preis von Abu Dhabi / Abu Dhabi
2009 fand zum ersten Mal ein Grand Prix auf dem Yas Marina Circuit von Abu Dhabi statt. Mastermind hinter dem Projekt war der Franzose Philippe Gurdjian, der zuvor in Le Castellet tätig war. Gurdjian hat sein Team mit dem ehemaligen Toyota-Teammanager Richard Cregan verstärkt und hat bei seiner Ankunft in Abu Dhabi alle bis dahin vorliegenden Pläne über den Haufen geworfen - gemeinsam mit Streckenarchitekt Hermann Tilke.
"The Best of both Worlds" sagen die Araber zu ihrem Nachtrennen, "nicht Fisch, nicht Fleisch", wurde vor der Premiere im Jahr 2009 in Europa geunkt. Aber Abu Dhabi ist mit dem Start in der Dämmerung und der Zielankunft in stockfinsterer Nacht ein echter Goldgriff gelungen, denn die TV-Bilder vom Yas Marina Circuit sind atemberaubend. Sieger beim ersten Grand Prix auf der von Hermann Tilke entworfenen Strecke: Sebastian Vettel.
Ein Novum: Um die Boxenausfahrt auf der richtigen Seite mit der Strecke zusammenzuführen, musste ein unterirdischer Tunnel geschaffen werden. Der ist brutal eng - akute Staugefahr, sollte sich dort einmal jemand verschätzen und in der Mauer landen! Zumindest im ersten Jahr ist aber alles gut gegangen.
Eine langsamere Passage der Strecke führt mitten durch ein Hotel hindurch! Das Yas-Marina-Hotel verfügt über zwei Teile, die durch eine ins Gebäude integrierte "Brücke" miteinander verbunden sind. So kann man im Hotel stehen und die Formel-1-Autos unter sich durchdonnern sehen! Fahrerisch allerdings keine besondere Herausforderung.
Quelle: http://www.motorsport-total.com/f1/saison/Abu_Dhabi.html -
Vorschau: Großer Preis von Abu Dhabi
Der Grand Prix von Abu Dhabi wird zum zweiten Mal ausgetragen; wie vor einem Jahr als Finale der Formel 1-Weltmeisterschaft. Das Rennen ist der Heim-Grand Prix von Aabar, Teilhaber und Partner des MERCEDES GP PETRONAS Teams. Der Grand Prix von Abu Dhabi wird als einziger im Formel 1-Kalender bei Tageslicht – um 17:00 Uhr Ortszeit - gestartet und bei Dunkelheit unter Flutlicht beendet.
NICO ROSBERG
„Das erste Rennen auf dem Yas Marina Circuit am Ende der Saison 2009 hat mir sehr gefallen. Der Kurs mit seiner einzigartigen Streckenführung und der ungewöhnlichen Boxenausfahrt ist interessant und das Fahren in der Dämmerung ist eine Abwechslung zu den üblichen Rennwochenenden. Schön, dass ich in Brasilien wieder Punkte holte. Wir wollen die Saison in Abu Dhabi mit einem weiteren guten Resultat beenden und dann freuen wir uns auf 2011, wenn wir bestimmt wieder besser aussehen werden.“
MICHAEL SCHUMACHER
„Wir erlebten ein recht positives Wochenende in Sao Paulo mit zufriedenstellendem Speed im Qualifying wie auch im Rennen - auch wenn das nach außen nicht ganz so deutlich sichtbar wurde. Abu Dhabi wird für mich auf jeden Fall spannend, denn ich fahre erstmals auf dieser beeindruckenden Strecke. Das Interesse der Zuschauer und Medien wird ganz auf den Kampf um den WM-Titel gerichtet sein, wir werden also in Ruhe und konzentriert arbeiten können. Ich bin sicher, dass jeder im Team so gut vorbereitet ist wie ich, um beim letzten Rennen der Saison noch einmal eine respektable Leistung abzuliefern.“
ROSS BRAWN
„Der letzte Grand Prix der Saison 2010 ist das Heimrennen unseres Teilhabers und Partners Aabar, der in Abu Dhabi seinen Stammsitz hat. Bei der Premiere des Yas Marina Circuits vor einem Jahr waren wir von der Anlage sehr beeindruckt. Jetzt freuen wir uns auf ein spannendes Wochenende, an dem die Fahrer-WM entschieden wird. Nachdem unser MERCEDES GP PETRONAS Team beim Grand Prix von Brasilien am vergangenen Wochenende mit beiden Autos in die Punkte fuhr, wollen wir diese fordernde Saison mit einem weiteren guten Resultat beenden, bevor wir uns ganz auf das nächste Jahr konzentrieren.“
NORBERT HAUG
„Wir alle freuen uns sehr auf ein sehr spannendes letztes Rennen einer großartigen Formel 1-Saison an deren Ende noch vier Fahrer Chancen auf den Titelgewinn haben. Abu Dhabi ist eines der Heimrennen für unser Team, denn unser Anteilseigner und Partner Aabar hat dort seinen Stammsitz. Auch bei diesem "Heimspiel" wird unsere Mannschaft nichts geschenkt bekommen, und unser Ziel ist, wie in den letzten sechs Rennen in Folge erreicht, erneut die bestmögliche Platzierung mit unserem augenblicklichen technischen Paket zu erreichen und präsent zu sein, sollte ein Fahrer in einem der derzeit schnelleren Autos ein Problem haben. Es wäre eine schöne Belohnung für all unsere Teammitglieder, diese sehr harte und sehr lange Saison, in der all unsere Mitarbeiter alles gegeben haben, mit einem ordentlichen Resultat abzuschließen." -
WM-Drama bahnt sich an: Vettel in Abu Dhabi auf Pole!
Mark Webber (5.) patzt im Qualifying, Sebastian Vettel (1.) und Fernando Alonso (3.) machen hingegen alles richtig - McLaren im WM-Kampf Zünglein an der Waage
Beim Saisonfinale in Abu Dhabi bahnt sich ein absolutes WM-Drama an: Sebastian Vettel sicherte sich heute unter Flutlicht erwartungsgemäß die Pole-Position und wahrte damit seine Titelchancen. Red-Bull-Teamkollege Mark Webber hingegen patzte und hat als Fünfter der Startaufstellung einen äußerst schwierigen Rennsonntag vor sich.
"Das war kein sehr gutes Qualifying", ärgert sich Webber. "Ich war heute nicht schnell genug. So ist das leider, aber wir werden morgen trotzdem unser Bestes geben." Das war heute noch nicht gut genug, denn wenn die vier WM-Anwärter im Rennen in der heutigen Reihenfolge über die Ziellinie fahren sollten, wäre Fernando Alonso (Ferrari) Weltmeister. Der Champion von 2005 und 2006 sicherte sich heute in letzter Minute den dritten Platz.
Vettel nach Pole mit Rückenwind
Doch die Euphorie ist zunächst mal auf Vettels Seite: "Ich bin natürlich sehr zufrieden mit der Pole-Position heute", jubelt der Deutsche. "Zehn Pole-Positions in einem Jahr, das ist eine hervorragende Leistung, auf die wir stolz sein können. Ich habe heute alles rausgeholt, was ging, aber es war sehr eng. Ich habe es geschafft, aus nur einem Run alles rauszuholen und auf Pole-Position zu fahren. Wir starten von vorne, besser geht's nicht!"
Vettel hatte schon im zweiten Qualifying Bestzeit erzielt und setzte in Q3 auf eine unkonventionelle Taktik. Denn während die Konkurrenz wie üblich zwei Runs fuhr, drehten Vettel und Webber drei beziehungsweise vier schnelle Runden auf einem einzigen Reifensatz. "Ich bin als Letzter auf die Strecke gegangen und habe es geschafft", strahlt Vettel und ergänzt: "Gestern haben wir am Abend nicht so gut ausgesehen, aber heute waren wir da besser."
Der 23-Jährige erzielte eine Bestzeit von 1:39.394 Minuten, musste aber ganz zum Schluss noch einmal mächtig zittern, als Lewis Hamilton (McLaren) eine tolle Runde auspackte, bei der zweiten Zwischenzeit noch acht Tausendstelsekunden Vorsprung hatte, unterm Strich aber doch um 31 Tausendstelsekunden zu langsam war. Trotzdem ist der Polesetter des Vorjahres diesmal auch mit dem zweiten Startplatz einigermaßen zufrieden.
Hamilton freut sich über Aufwärtstrend
"Das ist ein viel besserer Start ins Wochenende als zuletzt. Wir haben ein paar Dinge geändert und haben für morgen alles zu gewinnen und nichts zu verlieren", erklärt Hamilton, der bei 24 Punkten Rückstand auf ein Wunder angewiesen ist, wenn er doch noch Weltmeister werden will. "Ich hoffe, dass wir gute Punkte holen können. 2008 stand ich im letzten Rennen enorm unter Druck, aber diesmal bin ich nur hier, um ein bisschen Spaß zu haben."
Als kurz nach Hamiltons Runde auch noch Alonso aus der dritten Reihe auf den dritten Platz nach vorne fuhr, streckte Luca di Montezemolo am Ferrari-Kommandostand die Faust in die Luft: 0,398 Sekunden Rückstand auf Vettel, aber nur von einem Red Bull geschlagen - damit kann die Scuderia gut leben. Trotzdem bleibt Alonso zurückhaltend: "Die Situation ist noch genau wie vor dem ersten Training. Im Rennen kann alles passieren, wie man in Südkorea gesehen hat."
Alonso hofft auf Zuverlässigkeit
"Wir müssen die 55 Runden ohne Probleme durchfahren, das ist das Wichtigste. Im Moment ist unsere Ausgangsposition sehr gut", sagt der WM-Leader und fügt an: "Es war ein schwieriges Qualifying, in dem die Positionen ständig gewechselt haben. Ich hatte im ersten Run Verkehr im ersten Sektor, wusste aber, dass ich für den zweiten Run noch Spielraum habe. Also bin ich voll ans Limit gegangen und das hat gut geklappt. Das Ergebnis ist gut."
Jenson Button (McLaren/+0,429) wurde Vierter und reihte sich damit als zusätzlicher Puffer vor Webber ein, der um 0,102 Sekunden langsamer war als der Brite. Button, grinsend: "Ich habe zwar selbst keine Chance mehr auf den WM-Titel, kann ihn aber vielleicht entscheiden!" Davon, dass er sich zu Beginn des ersten Qualifyings über immer schlimmer werdende Vibrationen beklagt hatte, war am Ende nichts mehr zu spüren.
Auf McLaren könnte allerdings noch ein Treffen mit den FIA-Rennkommissaren zukommen - wegen einer Szene in Q2: Felipe Massa (Ferrari), am Ende mit 0,808 Sekunden Rückstand Sechster, war gerade auf einer schnellen Runde, doch als er sich in einer Linkskurve am langsamen Hamilton vorbeimanövrierte, ließ der kaum locker, sodass es beinahe zu einer Kollision gekommen wäre! Hamilton rammte einen Pylon, ansonsten ging der Zwischenfall glimpflich aus.
Beinahe-Kollision zwischen Hamilton und Massa
"Massa hat versucht, mich von der Strecke zu drängen", tobte Hamilton im ersten Ärger am Funk, doch 'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer sieht die Schuldfrage komplett anders: "Eindeutig Lewis' Fehler, denn Massa war auf einer schnellen Runde und er nicht." Sollten Rennleiter Charlie Whiting oder Ferrari bei den Kommissaren Meldung erstatten, könnte es für Hamilton theoretisch noch eine wie auch immer geartete Strafe geben.
Grundsätzlich wird Hamilton aber auch morgen im Rennen aggressiv agieren, denn er hat am wenigsten zu verlieren: "Seine Mission ist klar: Er muss das Rennen gewinnen", weiß Teamchef Martin Whitmarsh. "Was dahinter passiert, hat er nicht selbst in der Hand, doch rechnerisch haben wir nicht die beste, dafür aber die einfachste Ausgangsposition." Und: "Er wird in der ersten Kurve aggressiv sein, aber auch keine Dummheiten machen."
Im Schatten des WM-Kampfes belegten Rubens Barrichello (Williams/+0,809), Michael Schumacher (+1,122), Nico Rosberg (beide Mercedes/+1,195) und Vitaly Petrov (Renault/+1,507) die Plätze sieben bis zehn. Mercedes-Sportchef Norbert Haug: "Unsere Zeiten auf den härteren Reifen in Q1 und Q2 sahen gut aus, für Q3 haben wir im Hinblick auf das Rennen und den Start die weicheren Options gewählt - und ich denke, dass wir morgen ein gutes Rennen haben können."
Schumacher stellt auf 5:14
Rosberg ließ in den ersten beiden Qualifyings aufhorchen, als er sich jeweils gegen Ende auf den zweiten beziehungsweise dritten Platz katapultierte. Es sah schon nach einem weiteren Sieg im Stallduell mit Schumacher aus, doch der Routinier packte im letzten Moment doch noch eine gute Runde aus, bestätigte seine starken Trainingsleistungen und schlug Rosberg um 73 Tausendstelsekunden. Das Jahresduell geht damit 5:14 aus.
Zweifellos eine Überraschung war der Top-10-Einzug von Petrov, doch der Russe hatte am Ende von Q2 auch das Glück des Tüchtigen, als ausgerechnet sein Teamkollege Robert Kubica in der Zielkurve einen leichten Fahrfehler machte, bei dem mindestens jene 0,122 Sekunden verloren gegangen sind, die er für den Aufstieg ins Pole-Position-Finale benötigt hätte. Damit verpasste Kubica im letzten Qualifying der Saison erstmalig die Top 10.
São-Paulo-Sensationsmann Nico Hülkenberg (Williams) konnte diesmal nicht überzeugen und wurde 15., Adrian Sutil immerhin 13.: "Ich bin zufrieden", bilanziert der Force-India-Pilot. "Es war eine sehr gute Runde, mehr war im Auto nicht drin. Platz 13 ist nicht so schlecht, nahe an den Top 10. Wir müssen morgen punkten, es ist wegen Platz sechs in der Team-WM gegen Williams ein wichtiges Rennen für das Team. Chancen sind immer da."
Buemi schon in Q1 ausgeschieden
Den Kampf gegen den 18. Platz, der neben den drei neuen Teams das K.O. in Q1 bedeutet, trugen heute die beiden Toro-Rosso-Youngsters aus. Das bessere Ende hatte Jaime Alguersuari für sich, der sich im Gegensatz zum unglücklichen Schweizer Sébastien Buemi auch im letzten Run noch steigern konnte. Dahinter kam es zu einem Paarlauf von Lotus, Virgin und HRT, wobei Timo Glock sein Stallduell im Gegensatz zu Christian Klien gewann.
Für das Rennen könnte die Ausgangslage kaum spannender sein, denn Alonso ist natürlich der theoretische Favorit, hat aber auch am meisten zu verlieren, was für Polesetter Vettel sprechen könnte, mit dem vor diesem Wochenende kaum noch jemand gerechnet hatte. Der große Verlierer des heutigen Tages ist zweifellos Webber - auch, weil eine Stallorder bei Red Bull, die er bisher stets gefordert hat, bei diesem Stand gar nicht möglich wäre.
Somit drückt Formel-1-Deutschland morgen für Vettel die Daumen, der sich kämpferisch gibt: "Ich mag diese Strecke, schon im Vorjahr hatten wir hier ein schönes Rennen. Alles kann passieren, aber wir müssen Schritt für Schritt machen. Heute stehen wir einmal vor allen anderen. Egal was kommt, wir haben nichts zu verlieren. Ich freue mich aufs Rennen und mache mir jetzt noch keine zu großen Gedanken", gibt er sich locker. -
dpa-Interview mit Norbert Haug
(dpa) Das Mercedes-Werksteam wird seine Premieren-Saison in Abu Dhabi weit hinter der Formel-1-Spitze beenden. Auch der reaktivierte Rekordweltmeister Michael Schumacher konnte dem Rennstall keine Flügel verleihen. «Wir sind nicht enttäuscht, wir sind total motiviert, besser zu werden», sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug im Interview der Nachrichtenagentur dpa vor dem letzten Saisonrennen am Sonntag.
Welche Schulnote würden Sie Ihrem Team am Ende der ersten Saison von Mercedes GP geben?
Haug: «Das ist ziemlich einfach: Der Sieger bekommt 'ne 1 und wir sind Vierter. Wir müssen Schritt für Schritt drei Plätze weiter nachvorne kommen und das werden wir auch schaffen, wenn es auch dauern wird.»
Wie groß ist inzwischen noch die Enttäuschung darüber, dass sich das Team schon so früh aus dem Titelkampf verabschieden musste?
Haug: «Wir sind nicht enttäuscht, wir sind total motiviert, besser zu werden. Als junges Team war 2010 nicht mehr drin als hinter den mit mehr Personal und mehr Budget operierenden WM-Aspiranten-Teams an vierter Stelle zu rangieren. Aber das wollen wir ändern und das werden wir ändern.»
Ist die Fehleranalyse bereits abgeschlossen oder stehen noch umfassendere Konsequenzen aus dem Abschneiden dieses Jahres aus?
Haug: «Wir müssen ein schnelleres Auto bauen, und da sind wir für 2011 ordentlich unterwegs. Hätte unser Team das schnellste Auto im Feld gehabt, hätte ich uns auch schon 2010 die WM-Titel zugetraut.»
Wie bewerten Sie nach der Erfahrung dieser Saison die Entscheidung, Michael Schumacher für ein Comeback zu gewinnen?
Haug: «Als rundum positiv. Und Michael hat gerade in den letzten sechs Rennen des letzten Saisondrittels innerhalb der Möglichkeiten unseres technischen Pakets durchaus gut ausgesehen.»
Was spricht aus Ihrer Sicht dafür, dass Schumacher im kommenden Jahr wieder ins Titelrennen eingreifen kann?
Haug: «Ein gutes, schnelles und zuverlässiges Auto.»
Wie groß sehen Sie den möglichen Vorteil, im Vergleich zu den anderen Teams schon früh mit der Entwicklung des neuen Autos begonnen zu haben?
Haug: «Als nicht groß. Aber wir werden 2011 ein besseres Auto haben. Welche Fortschritte die Konkurrenz macht, können wir aber nicht beurteilen.»
Hat sich die Erwartungshaltung der Daimler-Konzernspitze an das Formel-1-Projekt verändert, ist der interne Druck gewachsen?
Haug: «Wir wollen mittelfristig regelmäßig um Siege und Titel fahren. Kein Teammitglied - und schon gar nicht ich - hat hier eine andere Erwartungshaltung als unser Vorstand. Und Druck machen wir uns selbst im Team. Nur der selbstgemachte Druck bringt Dich voran. Wer gewinnen muss, hat schon verloren, wer gewinnen will - und härtest dafür arbeitet und alles andere dahinter zurückstellt - wird auch gewinnen. Und wir haben in der Vergangenheit gewonnen und werden auch in Zukunft gewinnen.» -
250. Grand Prix für Mercedes Safety-Car
Der Große Preis von Abu Dhabi ist nicht nur das Saisonfinale 2010, sondern auch ein Jubiläumsrennen für Mercedes: Zum 250. Mal stellt Mercedes das offizielle Safety Car.
Das erste Safety Car kam in Magny Cours 1996 zum Einsatz. Es war ein Mercedes C 36 AMG - aber nicht irgendeiner. "Das war mein Dienstwagen", erinnert sich der heutige Safety-Car-Pilot Bernd Mayländer. Der C36 AMG wurde ihm damals im April ausgeliefert und Ende Mai wieder eingezogen. "Ich dachte schon, ich hätte in der ITC-Saison etwas falsch gemacht."
Tatsächlich wurde aus seinem Auto das spätere F1-Safety Car mit dem Kennzeichen S - BM 300. BM für Bernd Mayländer. Seitdem gab es insgesamt neun verschiedene Safety Cars von Mercedes-Benz. Das aktuelle Safety Car ist seit der Saison 2010 ein Mercedes SLS AMG.
Seit dem ersten Einsatz des Safety-Cars im Jahr 1996 kam es bis zum Abu Dhabi Grand Prix 2010 in 89 von 249 Rennen zum Einsatz - das entspricht 37,5% aller Grand Prix. In diesen 89 Rennen rückte das Safety Car insgesamt 135 Mal aus. Seit dem ersten Einsatz beim Frankreich GP 1996 wurden 574 von 15.508 Rennrunden hinter dem Safety Car absolviert. Das Safety Car legte dabei 2.847,6 km zurück, was 3,8% der kumulierten Renndistanzen von 75.657,9 km entspricht.
Alle AMG Safety Cars seit 1996
1996: C 36 AMG
1997-1999: CLK 55 AMG
2000: CL 55 AMG
2001/2002: SL 55 AMG
2003: CLK 55 AMG
2004/2005: SLK 55 AMG
2006/2007: CLK 63 AMG
2008/2009: SL 63 AMG
seit 2010: SLS AMG
Technische Daten: Safety Car 2010
Mercedes-Benz SLS AMG
Motor: 6,3 Liter V8
Leistung: 420 kW (571 PS)
Max. Drehmoment: 540 Nm
0 auf 100 km/h: 3,8 Sek.
Leergewicht: 1.620 kg
Gewichtsverteilung: 47:53 (vorn/hinten)
Getriebe: 7 Gänge
Gangwechsel: 100 ms
Bremsscheiben: Keramik, 402x39 mm (vorne), 360x32 mm (hinten) -
Rennen: Großer Preis von Abu Dhabi
MERCEDES GP PETRONAS Fahrer Nico Rosberg belegte beim Grand Prix von Abu Dhabi auf dem Yas Marina Circuit den vierten Platz. Er legte bereits während der Safety Car Phase am Ende der ersten Runde seinen einzigen Boxenstopp ein, wechselte auf die härteren Reifen (prime) und fuhr das Rennen ohne einen weiteren Stopp zu Ende.
Michael Schumacher drehte sich in der ersten Runde und wurde anschließend von Vitantonio Liuzzi (Force India Mercedes) getroffen; beide konnten das Rennen nicht fortsetzen.
Nico beendete die Fahrerweltmeisterschaft mit 142 Punkten auf Platz sieben; Michael wurde mit 72 Zählern Neunter. Der WM-Titel ging an Abu Dhabi Sieger Sebastian Vettel (Red Bull Renault) mit 256 Punkten.
NICO ROSBERG
„Mit dem heutigen vierten Platz bin ich sehr zufrieden; das bestmögliche Resultat von meinem neunten Startplatz. Ein besonderer Dank geht an Ross Brawn und James Vowles für unsere super Strategie. Auf den harten Reifen waren wir sehr schnell unterwegs, wie schon im Qualifying, und immer wenn es darauf ankam machte ich das Beste daraus. Das ist ein ordentlicher Abschluss unserer Saison – danke an alle hier an der Rennstrecke und zu Hause im Werk für die harte Arbeit während des ganzen Jahres. Wir haben nicht die angestrebten Ergebnisse erzielt, aber ich bin sicher, dass wir uns im nächsten Jahr deutlich steigern und dann auch mehr Spaß haben werden. Glückwunsch an Sebastian – er hat den Titel verdient. Als nächstes stehen in dieser Woche Testfahrten auf dem Programm; sie sind sehr wichtig, denn wir wollen mit den neuen Reifen schnellstmöglich Erfahrungen sammeln.“
MICHAEL SCHUMACHER
„Zunächst einen herzlichen Glückwunsch an Sebastian zu seinem großartigen Sieg und zum Titelgewinn. Das war eine super Leistung – nach einer wechselhaften Saison fuhr er in den letzten Rennen einfach stark. Ich habe den Unfall in der ersten Runde unbeschadet überstanden, denn ich selbst wurde nicht getroffen. Die Untersuchung im Medical Centre war nur eine Vorsichtsmaßnahme. Ich drehte mich, weil ich von der Ideallinie auf die verschmutzte Spur kam und das Heck verlor. Schade, denn ich hatte mir ein besseres Resultat zum Ende der Saison gewünscht. Jetzt freue ich mich auf die Kämpfe im nächsten Jahr. Danke an alle in unserem Team für die geleistete harte Arbeit.“
ROSS BRAWN
„Eine sehr gute Leistung von Nico heute und ein perfekter Saisonabschluss für uns. Als Team erreichten wir mit unserem derzeitigen Auto das Maximum, dank der tollen Strategie von den Jungs an der Boxenmauer sowie eines perfekten Boxenstopps. Dazu kam ein hervorragendes und diszipliniertes Rennen von Nico, der sich immer steigern konnte, wenn es notwendig wurde. Michael machte leider in der ersten Runde einen Fehler und fiel aus – schade. Ich bin sehr gespannt auf das nächste Jahr mit unserem Team und unseren Fahrern. Wir werden viel mehr Spaß haben wenn wir dort kämpfen können wo wir hinwollen. Glückwunsch an Sebastian zu seiner ersten Fahrer-WM, an das Red Bull Team zu seiner tollen Leistung und an Dietrich Mateschitz zu seiner Vision und zu seinem Engagement in den letzten fünf Jahren.
NORBERT HAUG
"Unsere herzlichsten Glückwünsche an Sebastian Vettel für seinen ersten Formel 1-Weltmeistertitel und an Red Bull Racing für beide Weltmeistertitel - Konstrukteure und Fahrer - 2010. Sebastian hat den Titel nach einer harten Saison sehr verdient und sein Team nicht minder.
Zum Glück wurde Michael Schumacher bei seinem Crash mit Vitantonio Liuzzi, der auf Michaels Dreher in der Startrunde folgte, nicht verletzt. Tonio trifft keine Schuld, er konnte Michaels Auto einfach nicht mehr ausweichen und auch Tonio ist nach dem Unfall glücklicherweise vollkommen ok. Der darauf folgende Einsatz des Safety Cars in Runde eins und unsere sehr smarte Strategie, Nico gleich reinzuholen, um auf die härteren Reifen zu wechseln, war ausschlaggebend für den Ausgang des Rennens und für Nicos großartige Fahrt von Rang 17 auf Platz vier. Nico fuhr dabei die drittschnellste Runde des Rennens und ließ zwei der beim letzten Rennen verbliebenen vier Weltmeisteraspiranten hinter sich. Ich möchte mich an dieser Stelle bei all unseren Teammitgliedern ganz herzlich dafür bedanken, dass sie in einer harten und langen Saison stets so unermüdlich und unaufhörlich gearbeitet haben, denn nur das hat möglich gemacht, dass wir im dritten Saisondrittel stets die mit unserem 2010er Technikpaket bestmöglichen Resultate geholt haben. Was für die Technik gilt, gilt nicht minder für all unsere so engagierten Kollegen von Media, Marketing, Organisation und Catering und in ganz besonderem Masse für alle Kollegen bei Mercedes-Benz High Perfomance Engines - es gab das ganze harte Jahr über nicht das kleinste Motorproblem bei uns. Nach einem kleinen Umtrunk mit allen im Team heute Abend freuen wir uns auf die neue Saison: Wir alle werden weiter sehr hart und mit großer Freude arbeiten, um uns dann auf der Rennstrecke regelmäßig mit den drei in diesem Jahr vor uns platzierten Teams messen zu können." -
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Ferrari pokert falsch, Vettel Weltmeister!
Sechs Jahre nach Michael Schumacher hat Deutschland wieder einen Weltmeister: Sebastian Vettel gewinnt in Abu Dhabi, Fernando Alonso nur Siebter
Von wegen war es ein Fehler, dass Red Bull keine Stallorder zugunsten von Mark Webber ausgesprochen hat: In einem wenig actionreichen, aber dafür strategisch umso interessanteren Grand Prix von Abu Dhabi sicherte sich Sebastian Vettel heute nicht nur den Sieg, sondern auch den ersten deutschen Fahrer-WM-Titel seit Michael Schumacher im Jahr 2004!
"Danke, Jungs - das ist unglaublich! Ich liebe euch", schluchzte Vettel unter Tränen, als er nach genau 1:39:36.837 Stunden und 55 Runden die Ziellinie auf dem Yas-Marina-Circuit überquerte und sich damit seinen großen Lebenstraum erfüllte. Sprachlos auch Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz, der in der ersten Emotion gar nicht sprechen konnte und eine TV-Reporterin vertröstete: "Komm in fünf Minuten wieder!" So viel Gänsehaut gab es in der Formel 1 schon lange nicht mehr!
Überall Jubel und Tränen bei Red Bull
Für Mateschitz war die ganze Situation "zu aufregend", als er sich dann doch den TV-Reportern stellte: "Es ist wirklich gewaltig gewesen. Wahrscheinlich kommen wir erst morgen drauf, wie das war. Lasst's mich in Ruhe drüber nachdenken", stammelte der medienscheue Milliardär und betonte: "Sebastian ist unglaublich, er ist eine gewaltige Saison gefahren." Und auch Vater Norbert Vettel rang mit den Tränen: "Er hat's gepackt! Einfach super."
Nach einer Saison voller Pleiten, Pech und Pannen wurde der Wunsch von Vettel sen. erhört: "Irgendwann muss er doch auch mal Glück haben!" Diesbezüglich half Ferrari mit einer taktischen Fehlentscheidung ein wenig nach, aber Vettel lieferte seinen Part absolut makellos ab, dominierte Qualifying und Rennen von der ersten bis zur letzten Runde und holte sich bei der Siegerehrung gemeinsam mit seinem Förderer Helmut Marko die Pokale ab.
Der nunmehr jüngste Formel-1-Weltmeister aller Zeiten machte vom Start weg alles richtig: Als die Lichter der Ampel ausgingen, kam zwar Lewis Hamilton (McLaren) marginal besser von der Linie weg, aber Vettel zog von außen entschlossen in die erste Kurve hinein und verteidigte seine Pole-Position letztendlich doch souverän. Dahinter blieb zunächst alles ruhig, aber Fernando Alonso (Ferrari) büßte eine Position gegen Jenson Button (McLaren) ein.
Von Anfang an ein perfektes Rennen
Vettel und Hamilton setzten sich von Anfang an leicht von den Verfolgern ab, aber die WM-Entscheidung passierte dahinter. Denn Mark Webber (Red Bull) kam an fünfter Stelle liegend nicht einmal annähernd an Alonso vorbei und musste etwas ausprobieren, um seine Titelchancen zu wahren. Also holte ihn das Team schon in der elften Runde an die Box - was im Nachhinein betrachtet eine Kettenreaktion zu Vettels Gunsten auslöste.
Denn aus Angst, dass Webber mit frischen Bridgestone-Mediums die entscheidenden Sekunden gutmachen könnte, um an Alonso vorbeizukommen, reagierte Ferrari und stoppte in der 13. (Felipe Massa) beziehungsweise 15. Runde (Alonso) ebenfalls. "Wir haben uns entschieden, Webber zu covern", nimmt Alonso seinen Kommandostand, der mit dem frühen Boxenstopp die ausschlaggebende Fehlentscheidung getroffen hat, in Schutz.
Alonso ein fairer Verlierer
"Es war kein einfaches Rennen für uns, schon am Start habe ich eine Position gegen Button verloren", seufzt Alonso, der seine Crew aber in Schutz nimmt: "Wir haben uns halt entschieden, Webber zu covern." Das Problem daran: Alonso kam hinter Nico Rosberg (Mercedes) und vor allem Vitaly Petrov (Renault) wieder auf die Strecke, die ihren Reifenwechsel schon während der Safety-Car-Phase zu Beginn absolviert hatten und damit echte Positionsgegner waren.
"Ich kam nicht an Petrov vorbei, weil ich nicht genug Topspeed hatte", seufzt der Spanier. Alonso lag boxenstoppbereinigt an sechster Stelle im Rennen, später sogar nur noch an siebter, weil Robert Kubica (Renault) durch einen extrem langen ersten Stint Positionen gewann. Um Weltmeister zu werden, wäre aber Platz vier erforderlich gewesen! "Ich weiß, du gibst dein Bestes, aber es ist entscheidend, dass du überholst", funkte Alonso-Renningenieur Andrea Stella.
Es reichte nicht. "So ist der Sport. Ich gratuliere Sebastian zum WM-Titel", zeigt sich der Ferrari-Pilot aber als fairer Verlierer. Auch Webber, der hinter Alonso ein zahnloses Rennen fuhr, gesteht fair und sportlich: "Ich war in den entscheidenden Momenten nicht schnell genug. Nach dem Qualifying war es schwierig, aber was soll's? Die Weltmeisterschaft ist vorbei. Wir alle haben irgendwann geführt, aber Seb führt zum richtigen Zeitpunkt, nämlich am Ende."
WM-Führung im richtigen Moment
Unglaublich, aber wahr: Fünf Fahrer führten lagen in der Fahrer-WM 2010 in Führung, nur Vettel nicht - aber ausgerechnet beim Saisonfinale drehte er den Spieß um! "Ich habe diese Weltmeisterschaft nur einmal angeführt, aber genau jetzt zählt es", jubelt der 23-Jährige. "Ich bin ein bisschen sprachlos. Es war eine unglaubliche Saison für mich und uns alle, physisch wie mental. Wir haben immer an uns geglaubt, ich habe immer an mich geglaubt. Heute ist ein besonderer Tag!"
Vettel kam in Runde 24, einen Umlauf nach Verfolger Hamilton, an die Box - und hatte Riesenglück, dass er nicht nur vor dem Briten, sondern auch vor Kamui Kobayashi (Sauber) und Kubica auf die Strecke zurückkam. Der Red-Bull-Pilot vergrößerte seinen Vorsprung trotz Problemen mit dem Boxenfunk auf über zehn Sekunden und fuhr den Sieg anschließend sicher ins Ziel. Damit war sein Teil der Mission einmal erledigt.
Trotzdem stand er bei der Zieldurchfahrt noch nicht definitiv als Champion fest: "Die Zieldurchfahrt war der erste Schritt, aber erst als der Vierte durchgefahren ist, war ich erleichtert", berichtet Motorsportkonsulent Marko, und Vettel selbst bestätigt: "Das ganze Rennen lang wusste ich nicht, wo die anderen sind, und ich habe immer versucht, das komplett auszublenden. Ganz ehrlich: Erst als 'Rocky' nach der Zieldurchfahrt 'Weltmeister' gebrüllt hat, wusste ich Bescheid."
Clevere Strategie von Rosberg
Hinter Vettel kamen die beiden McLaren-Piloten auf den Plätzen zwei und drei ins Ziel, wobei Button einen langen ersten Stint fuhr und damit am Ende auf frischen Reifen glänzen konnte. Rosberg wurde dank des cleveren Boxenstopps während der Safety-Car-Phase Vierter, Kubica Fünfter, Petrov Sechster, Alonso Siebter und Webber Achter. Der Australier war im heutigen Saisonfinale von allen vier WM-Kandidaten am unauffälligsten.
Bereits in der achten Runde streifte Webber beim Yas-Hotel die Leitplanken, anschließend hatte er einfach nicht den Speed, um Alonso zu attackieren. Sein früher Boxenstopp hätte theoretisch aufgehen können, wurde aber ausgerechnet von Jaime Alguersuari im Toro Rosso zunichte gemacht, der ihn drei Runden lang aufhielt. Der junge Spanier profitierte davon freilich selbst und sammelte als Neunter zwei WM-Punkte. Massa wurde Zehnter.
Schumacher mit einem Schutzengel
Alles, was dahinter passierte, ging im taktisch spannenden WM-Kampf völlig unter. Die Zielflagge sahen 21 von 24 gestarteten Autos; Timo Glock (Virgin) rollte in der 44. Runde mit einem technischen Defekt aus, Schumacher und Vitantonio Liuzzi kollidierten in der ersten Runde: Schumacher drehte sich in Kurve sechs, als Rosberg gerade innen an ihm vorbeiziehen wollte, und anschließend konnte der völlig unschuldige Liuzzi nicht mehr ausweichen.
"Das war schon ein Moment, in dem man kurz in sich geht und versucht, sich so klein wie möglich zu machen. Aber wir haben uns ja nicht berührt, insofern ist alles okay", erklärt Schumacher, der genau wie viele Beobachter an den TV-Geräten zunächst angenommen hatte, dass er mit Rosberg kollidiert war: "War ich auch der Meinung, aber das war nicht der Fall. Also kann man niemandem die Schuld geben außer mir selbst."
In der bereits in São Paulo entschiedenen Konstrukteurs-WM gab es heute keine Verschiebungen mehr. Bei den Fahrern setzte sich Vettel mit 256 Punkten vor Alonso (252) und Webber (242) durch. "Es hat der würdigste Mann gewonnen", strahlt Vettel-Mentor Marko, der sich einen abschließenden Rundumschlag nicht verkneifen kann: "Und an all die Besserwisser wegen Stallregie: Das, was wir gemacht haben, ist aufgegangen!" -
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Das WM-Interview mit Red-Bull-Teamchef Christian Horner
"Ich bin einfach nur begeistert" - Red-Bull-Teamchef Christian Horner über den zweiten Titel binnen einer Woche und die Siegfahrt von Sebastian Vettel
Erst bei der Zieldurchfahrt von Fernando Alonso (Ferrari) löste sich die Anspannung am Kommandostand von Red Bull: Sebastian Vettel hatte es geschafft, den Grand Prix von Abu Dhabi dominiert und sich den Fahrertitel der Formel 1 gesichert. In seiner Medienrunde spricht Teamchef Christian Horner über die entscheidenden Momente des Saisonfinales, die starke Leistung seines Rennstalls und über den neuen Weltmeister, der Red Bull den zweiten WM-Titel 2010 bescherte.
Frage: "Christian, Glückwunsch zum Fahrertitel der Formel 1. Du bist sicherlich sehr stolz auf den Ausgang dieser Rennsaison. Warst du stets sicher, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben?"
Christian Horner: "Das war der Weg, den wir uns ausgesucht hatten. Wir haben beide Fahrer genau gleich und mit der gleichen Transparenz unterstützt - so sehr, wie es einfach möglich war. Das war das Richtige und die Entscheidung fiel auf der Strecke. Sebastian hat es durchgezogen. Er hatte in dieser Saison einiges an Pech."
"Wie andere, so hat auch er Fehler gemacht. Letztendlich hat er aber die Oberhand behalten und niemals aufgegeben. Er hat nie seinen Fokus verloren und glaubte stets daran, dass er es schaffen könnte - selbst in Südkorea. Dort wurde ihm kurz vor Schluss der Sieg genommen. Er ist ein bemerkenswerter junger Mann und ein sehr würdiger jüngster Weltmeister."
"Wir sind aber allesamt auch sehr stolz auf das, was Mark Webber in diesem Jahr geleistet hat. Er hatte im letzten Rennen ebenfalls noch Titelchancen. Er hatte ein unglaubliches Jahr und setzte Sebastian ständig unter Druck. Wir sind sehr stolz auf die Leistung unseres Fahrerduos. Dass Sebastian den Fahrertitel erobert hat, beendet die perfekte Woche für Red Bull."
Frage: "Mark Webber kam schon recht frühzeitig an die Box und Ferrari zog nach. War das der Schlüsselmoment, denn danach steckten sie im Verkehr und hinter langsamen Autos fest..."
Horner: "Ich würde gerne sagen, wir seien klüger als sie gewesen."
"Im Prinzip ging es aber darum, dass Mark das Gefühl hatte, seine Hinterreifen würden nachlassen. Er war am Ende der Autoschlange und hatte nichts zu verlieren. Wir gingen daher das Risiko ein, holten ihn an die Box und gaben ihm die härteren Reifen mit. Ferrari reagierte mit beiden Autos - überraschenderweise."
"Einige Autos hatten aber schon während der Safety-Car-Phase ihren Boxenstopp eingelegt - Rosberg ist ein Beispiel. Der härtere Reifen schien eine Graining-Phase durchzumachen und wurde dann besser. Sebastian blieb cool und machte an der Spitze einfach weiter. Er zeigte ein perfektes Rennen. Ich war noch nie so froh darüber, einen Renault und einen Mercedes auf ihren Plätzen zu sehen."
"Nie war ich ein größerer Petrov-Fan. Renault hat bei Kubica einen guten Stopp gemacht. Ich möchte aber allen Titelkandidaten gratulieren. Fernando, Jenson und Lewis waren großartige Gegner. Gemeinsam mit unseren Jungs haben sie diese Saison zu einer fantastischen Sache gemacht. Wir sind ungeheuer stolz darauf, in beiden Gesamtwertungen den ersten Platz geholt zu haben."
Der Ferrari-Boxenstopp hilft Red Bull
Frage: "Was hältst du vom Boxenstopp von Ferrari, die zu diesem Zeitpunkt gute Rundenzeiten hinlegen konnten. Bei Mark war das indes nicht der Fall..."
Horner: "Der Reifenverschleiß war am Freitag ungeheuer groß und in unserem Szenario hatte sich Runde zwölf, Runde 13 als Fenster angepriesen."
"Diesen Eindruck hatte offensichtlich auch Ferrari. Der Boxenstopp war heute von großer Wichtigkeit. Unter großem Druck haben unsere Jungs einen unglaublichen Reifenwechsel durchgeführt. Dadurch kam Sebastian vor Petrov, Kubica und Kobayashi wieder zurück auf die Strecke."
"Das war ein perfektes Timing. So hatte er freie Fahrt und konnte dem Sieg entgegen fahren. Das Team hat eine große Leistung erbracht. Es ist ein junges Team, doch 2010 ist es erwachsen geworden. Ich bin einfach nur stolz darauf, heute das in meinen Augen beste Team der Welt zu repräsentieren."
Frage: "Beschreibe doch einmal die Emotionen in den letzten zehn Runden..."
Horner: "Es war schier nicht zum Aushalten. Wir hatten uns in dieser Saison bereits mehrfach in einer solchen Situation befunden, wobei uns der Sieg doch noch durch die Lappen ging - zum Beispiel in Südkorea vor knapp einem Monat. Irgendwann in den letzten fünf Runden vergaß ich schließlich, zu atmen."
"Sebastian war wahrscheinlich der Coolste von uns allen. Wie diese Jungs während der Fahrt noch einen Blick auf die Großbild-Leinwand werfen können, kann ich nicht nachvollziehen. Es ist eine riesige Leistung für dieses Team, sowohl die Konstrukteurswertung als auch die Fahrerwertung zu gewinnen. Jedes einzelne Teammitglied hat eine phänomenale Leistung erbracht."
Frage: "Als Sebastian über die Linie kam, wolltet ihr offensichtlich noch nicht jubeln. Erst als auch Fernando Alonso im Ziel war, brach der Jubel los..."
Horner: "Ich sagte eine Runde vor Schluss zu Rocky (Guillaume Rocquelin; Anm. d. Red.), seinem Ingenieur, dass ich es ihm erst sagen würde, wenn wir das Endergebnis kennen. Also warteten wir. Als Rosberg, so glaube ich, über die Linie kam, wussten wir, dass der Titel Sebastian gehörte."
"Das war ein sehr emotionaler Moment. Für beide Piloten war es eine harte Saison. Beide sind unheimlich gut gefahren und hatten bis zuletzt Chancen auf den Titel. Jeder von ihnen hätte es packen können. Sebastian hat die Meisterschaft nur einmal angeführt - heute. Das ist der wichtigste Zeitpunkt, um ganz vorne zu stehen. Wir sind sehr stolz auf diese, seine Errungenschaft."
Viel Lob für die Gegner
Frage: "Ihr standet immer wieder sehr unter Druck. Wie groß ist die Erleichterung?"
Horner: "Ich sagte immer: Niemand kann in die Zukunft sehen. Ich denke, es wurde auf die richtige Art und Weise entschieden - auf der Strecke."
"Sie beim vergangenen Rennen nicht anders einlaufen zu lassen, hätte uns hier in die Bredouille bringen können. Wir haben aber stets daran geglaubt, beide Fahrer gleich unterstützen zu müssen. So betreiben wir den Motorsport. Es ist richtig ausgegangen. Ich muss unsere Gegner von Ferrari und McLaren loben. Fernando, Jenson und Lewis waren starke Kontrahenten."
"Es war eine fantastische Saison für die Formel 1. Sie haben sich gegenseitig zu immer neuen Bestleistungen angespornt. Deswegen haben wir in diesem Jahr vielleicht ein paar mehr Fehler gesehen als in den vergangenen Saisons. Wir sind unseren Weg gegangen. Ich bin einfach nur begeistert davon, zwei WM-Titel eingefahren zu haben."
Frage: "Renault hätte euch durch den Motorschaden in Südkorea beinahe den Titel gekostet, nun waren die beiden Werksautos ein wichtiger Puffer. War das gewissermaßen eine Wiedergutmachung?"
Horner: "Voll und ganz. Ohne unsere treuen Zulieferer und Sponsoren, hätten wir gar keinen Titel geholt. Renault war ein Schlüsselpartner."
"Das war unser neunter gemeinsamer Sieg in diesem Jahr und wir haben über 20 Podien und zwei Titel erreicht. Renault hat dazu beigetragen. Sie haben uns ein paar schwierige Augenblicke beschert, doch das Teamergebnis ist einfach fantastisch. Auch die Unterstützung durch Red Bull war klasse."
Das Erfolgsrezept des Sebastian V.
Frage: "Wie schwierig war es für Sebastian, Schlappen wie in der Türkei oder in Belgien wegzustecken?"
Horner: "Er hat den Fokus niemals verloren. Er war stets gefasst und gab den Glauben niemals auf. Er ist ein sehr entschlossener junger Mann. Es gab einige Tiefpunkte in dieser Saison."
"Es war unglaublich, wie er mit der Situation in Südkorea umgegangen ist. Er gab sich nicht geschlagen, sondern kämpfte weiter. Sein Selbstvertrauen oder das Vertrauen in das Team hat er niemals verloren. Darauf sind wir sehr stolz."
Frage: "Wie gut fühlst du dich nun im Vergleich zum vergangenen Sonntag?"
Horner: "Genau gleich. Der Titel bei den Konstrukteuren ist eine richtig große Nummer für das Team. Das trifft auch auf den Fahrertitel zu, doch in dieser Meisterschaft steckt einfach mehr Prestige."
"Hätten wir die Fahrer-WM nicht geschafft, wären wir sicherlich etwas enttäuscht gewesen. Brasilien war schon eine großartige Leistung, Abu Dhabi war dann noch das Sahnehäubchen. Sebastian Vettel, 23 Jahre alt, Formel-1-Weltmeister. Er hat eine große Zukunft vor sich."
Frage: "Was bedeutet es, mit beiden WM-Titeln die Heimreise anzutreten?"
Horner: "Den Konstrukteurstitel hatten wir noch gar nicht richtig realisiert. Auch der Fahrertitel wird wohl eine gewisse Zeit brauchen. Es ist schon ein spezielles Gefühl. Es ist fantastisch, Herrn Mateschitz hier bei uns zu haben, um unseren ersten Fahrer-Weltmeister zu sehen."
"Red Bull, Dietrich, hat uns großartig unterstützt. Mir ist schon klar, was in Milton Keynes, darum herum und bei jedem einzelnen Teammitglied los sein wird. Es ist vollkommen verdient. Morgen früh werden wir ein sehr stolzes Team sein."
Youngster Vettel schlägt sie alle
Frage: "Wie stark werden Sebastian Vettel und Red Bull nach dem doppelten Titelgewinn im kommenden Jahr auftreten?"
Horner: "Nun, sein großes Ziel hat er bereits in jungen Jahren erreicht. In seiner recht kurzen Karriere hat er bereits einige imposante Statistiken aufgestellt."
"Vergessen wir an dieser Stelle aber nicht: Mark Webber hat ihn in diesem Jahr zu immer neuen Höchstleistungen angespornt. Darauf bin ich stolz. Auch Mark hätten den Titel gewinnen können. Beide hatten die Gelegenheit dazu. Mark hat mitgeholfen, das Beste aus Sebastian herauszuholen. Er hat ihn schwer unter Druck gesetzt."
Frage: "Wann habt ihr gemerkt, dass Sebastian ein potenzieller Weltmeister ist? Was an ihm hat euch davon überzeugt?"
Horner: "Schon, als er noch ein Nachwuchspilot war. Er zeigte ungeheuer viel Talent. Seine Leistungen im Toro Rosso von 2008 waren etwas Besonderes."
"Da war uns klar: Dieser Bursche ist eine richtig große Nummer. Er wuchs heran und wurde von Saison zu Saison immer stärker. Er ist nur 23 Jahre alt - was für ein bemerkenswerter Fortschritt. Er ist erwachsen und ein sehr guter Teamplayer. Sein Teamkollege hat ihn in diesem Jahr maximal unter Druck gesetzt."
"Manchmal lag weniger als eine Zehntel zwischen den beiden. Ich bin sehr stolz auf das, was die beiden in diesem Jahr angestellt haben. Sie waren Gegner, hatten aber stets Respekt füreinander. Wenn man bedenkt, was sie auf der Strecke gezeigt haben, war es richtig, unsere Fahrer genau gleich zu unterstützen." -
Das große Weltmeister-Interview mit Sebastian Vettel
Geschafft: Sebastian Vettel spricht über seinen magischen Tag in Abu Dhabi, vom Einschlafen am Samstagabend bis zur Erlösung nach der Zieldurchfahrt
Sechs Jahre nach Michael Schumacher hat Deutschland wieder einen Formel-1-Weltmeister: Sebastian Vettel gewann heute mit einer makellosen Leistung den Grand Prix von Abu Dhabi, profitierte vom Abschneiden seiner direkten Konkurrenten und wurde überraschend doch noch Champion. Anschließend ließ er im Rahmen der FIA-Pressekonferenz seinen Emotionen freien Lauf.
Frage: "Sebastian, du hast diese Weltmeisterschaft während der Saison nie angeführt, aber jetzt bist du Weltmeister..."
Sebastian Vettel: "Ich bin sprachlos. Ich habe keine Ahnung, was man in so einem Moment sagt. Es war eine unglaublich harte Saison für mich, für alle von uns, körperlich und speziell mental. Wir haben immer an uns geglaubt, an das Team, an das Auto, an mich selbst."
"Heute war ein besonderer Tag. Am Morgen bin ich aufgestanden und habe versucht, an nichts zu denken, Kontakt mit zu vielen Menschen zu vermeiden, mich auf mich selbst zu konzentrieren. Ich wusste ja, dass es das Beste ist, einfach das Rennen zu gewinnen und mein Bestes zu geben. Wir haben diese Weltmeisterschaft nur einmal angeführt, aber das dafür im wichtigsten Moment."
Von Anfang an alles unter Kontrolle
"Ich bin sprachlos. Das Auto war phänomenal. Der Start war entscheidend. Es war ein bisschen knapp mit Lewis und dann hatte ich im ersten Stint leichtes Graining. Lewis kam näher, aber das stabilisierte sich. Von da an war es ein einziger Traum - alles lief gut für uns. Gut für uns war auch, dass Lewis hinter Robert Kubica aus der Box kam und aufgehalten wurde, denn so konnte ich einen Vorsprung aufbauen."
"Ich wusste es aber ehrlich gesagt bis zur Zielflagge nicht! Die letzten zehn Runden habe ich mich schon gefragt, was los ist, weil mir mein Renningenieur Tipps gab, wie ich das Auto am besten nach Hause bringe. Ich habe mich gefragt: 'Warum ist der Kerl so nervös? Da müssen wir in einer verdammt guten Position sein.' Dann kam er beim Überqueren der Ziellinie ganz leise am Funk und sagte: 'Es sieht gut aus, aber wir müssen noch warten, bis sie im Ziel sind.'"
"Ich fragte mich, was er damit meint, denn ich hatte die Videowalls nicht gesehen. Ich wollte mich nicht ablenken lassen, mich nur auf mich selbst konzentrieren. Dann kam er wieder am Funk und schrie mir ins Ohr, dass wir die Weltmeisterschaft gewonnen haben. Ich weiß nicht, das ist einfach..."
"Ich muss mich bei vielen Menschen bedanken. Viele von ihnen fallen mir jetzt sicher nicht ein, aber ich fange mit dem Team an, den Jungs hier an der Rennstrecke, meinen Mechanikern - nicht nur meinen, allen. Den Ingenieuren. Sorry, dass ich so lange quassle! Wir haben viele Leute, die in Harmonie zusammenarbeiten. In Milton Keynes pushen die Jungs wie die Hölle und die Leute in Österreich haben mich von Anfang an unterstützt."
"Es war eine unglaubliche Reise mit Red Bull und nach dieser Saison mit so vielen Höhen und Tiefen nach dem letzten Rennen die Weltmeisterschaft anzuführen, das ist unglaublich. Ich kann mich nur bei allen bedanken, bei denen, die mich schon seit dem Kartfahren unterstützen. Einige sind hier, einige sind in Kerpen, aber auch in meiner Heimatstadt Heppenheim. Danke euch allen!"
Wechselhafte Formel-1-Saison
Frage: "Es war dieses Jahr ein unglaublich intensiver WM-Kampf, nicht wahr?"
Vettel: "Ja, wirklich. Wir haben unglaubliche Fights und eine enge Saison erlebt. Ich weiß nicht, wie viele verschiedene WM-Führende wir hatten. Einige wurden sehr schnell abgeschrieben und kamen wieder zurück, zum Beispiel Fernando und Ferrari, von denen man am Anfang schon dachte, dass sie zurückfallen. Sie haben sehr stark zurückgeschlagen. McLaren kam auch wieder, Lewis führte die Weltmeisterschaft an."
"Jeder von uns kann ein Buch über die Rennen schreiben, in denen er weiter vorne ins Ziel kommen hätte sollen. Lewis hatte in Ungarn einen Ausfall, ich in Australien und Südkorea. Jeder hatte Höhen und Tiefen. Es war eine extrem intensive und harte Saison, speziell mental, um immer da zu sein und manchmal zu ignorieren, was gerade geredet wurde. Das war auch heute mein Vorsatz. Das hat funktioniert und jetzt bin ich sehr, sehr stolz."
Frage: "Wie fühlst du dich jetzt?"
Vettel: "Ich schätze, ich bin jetzt ziemlich leer. Ich weiß nicht, was ich sagen soll, aber irgendwas fällt mir schon ein, um ewig dahinzuquatschen! Gestern ging ich ins Bett und dachte ans Rennen, was passieren kann. Da habe ich mir schöne Bilder vorgestellt, was aus irgendeinem Grund immer ein gutes Gefühl ist. Aber dann dachte ich, dass ich jetzt langsam schlafen muss. Das hat funktioniert. Es dauerte ein bisschen, dann wachte ich auf und hatte ein gutes Gefühl."
"Es war heute sehr schwierig, kühlen Kopf zu bewahren. Das Rennen lief phänomenal gut. Das Auto war in jeder Runde angenehm zu fahren, daher muss ich mich beim ganzen Team bedanken. Renault hat heute auch eine große Rolle gespielt und uns geholfen, indem sie die anderen Jungs hinter sich gehalten haben."
"Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Aus irgendeinem Grund kommt es mir so vor, als würde all das gar nicht passieren. Ich habe Lewis und Jenson gefragt, ob es bei ihnen auch so merkwürdig war, aber ich schätze, ich werde es dann realisieren, wenn ich schlafen gehe. Da wird es sicher schon wieder hell sein!"
Ein Traum wird wahr
Frage: "Das muss ein überwältigendes Gefühl sein, nicht wahr?"
Vettel: "Ich habe die Auslaufrunde einfach nur genossen. Seit ich ein kleines Kind bin, verfolge ich die Formel 1. Vor dem Rennen habe ich mir gesagt: 'Unglaublich viele Menschen kommen nach Abu Dhabi, nur um dieses Rennen zu sehen, sind deswegen aufgeregt, weil sie herausfinden wollen, wer es schafft. Davon nur ein Teil zu sein, zu den Top 4 zu gehören, ist schon aufregend.' Ich fühlte mich sehr stolz und glücklich."
"Ich möchte nicht zu philosophisch klingen, aber wir reisen das ganze Jahr so viel, sehen so viele verschiedene Orte, verschiedene Leute. Da schätzte ich mich plötzlich unheimlich glücklich, weil ich etwas tun kann, was ich liebe. Die Leute sagen, dass wir Formel-1-Fahrer es nicht so schlecht haben, und ich genieße es wirklich."
"Ich habe mir eingeredet, dass es unabhängig vom Ergebnis eine gute Saison war, weil wir so viele Probleme hatten und uns so viele Punkte abhanden gekommen sind. Dann fuhr ich über diese Linie. Ich war verlockt, einen Blick auf die Videowalls zu werfen, aber ich tat es dann doch nicht, denn mein Ingenieur hatte mir die letzten zehn Runden alles Mögliche durchgefunkt, Abstände und die Pace. Ein bisschen habe ich danach gefragt, wie es steht, weil ich ja wissen musste, was mich unmittelbar betrifft, aber sonst habe ich nichts gewusst."
"'Rocky' (Guillaume Roquelin, Renningenieur; Anm. d. Red.) war in keinem der 19 Rennen so lebendig wie in diesen letzten zehn Runden! Ich habe mich schon gefragt, was da los ist. Manchmal habe ich Lewis hinter einem Renault gesehen und Fernando auch, aber dann habe ich versucht, das einfach zu vergessen und auf mich selbst zu schauen. Die Auslaufrunde, die Siegerehrung, jetzt die Interviews - langsam kommt es mir, aber noch ist es nicht da."
"Ich weiß wirklich nicht, was ich sagen soll. Ich bin extrem stolz. Wir haben einen Kerl im Team, der weiß alle Weltmeister seit 1950 auswendig. Man muss ihm nur das Jahr sagen und er sagt einem den Weltmeister. Jetzt mit Fahrern wie Senna und Michael auf dieser Liste zu stehen, das kann ich noch gar nicht einordnen."
Probleme mit dem Boxenfunk
Frage: "Einmal haben wir mitbekommen, dass es Funkprobleme gab. Was war da los?"
Vettel: "Ich glaube, ich habe den linken Ohrstöpsel verloren. Der ist nicht rausgefallen, aber er ist wohl kaputt, sodass ich nur noch rechts hören konnte. Also habe ich das Team gebeten, immer auch die Boxentafel zu verwenden, wenn sie mir etwas mitteilen wollen."
"Der Funk hat aber noch funktioniert, sonst hätte ich die letzten zehn Runden ja nicht mit meinem Ingenieur reden können und er hätte mir nicht sagen können, dass ich Weltmeister bin. Es ging nur manchmal besser, manchmal schlechter, also habe ich versucht, die Verbindung wiederherzustellen. In den letzten fünf Runden war wieder alles bestens."
Frage: "Jenson Button ist im Vorjahr nach seinem Titelgewinn früh ins Bett gegangen, weil er so ausgelaugt war. Wie wirst du feiern? Du bist ja nicht der Typ, der früh ins Bett geht, oder?"
Vettel: "Ich weiß noch nicht. Ich glaube, ich möchte die Zeit mit all den Menschen verbringen, die mir geholfen haben. Viele von ihnen sind hier, was schön ist. Und ich möchte beim Team sein, bei den Jungs."
"Alle haben an mich geglaubt, die Atmosphäre war immer großartig. Manchmal gab es Momente, da wollte man uns eine verpassen, aber wir konnten uns auf das konzentrieren, was wichtig ist, ließen uns von dem ganzen Gerede nicht ablenken. Aber um auf die Frage zurückzukommen: Ich weiß es nicht. Sehr früh wird es nicht sein, denn es ist ja jetzt schon spät!"
"Als Jenson es in Brasilien geschafft hat, hatte er mehr Zeit am Abend. Was heute Mitternacht ist vom Zeitplan her, war damals 18:00 Uhr oder so ähnlich. Wir müssen diesen Moment genießen, es ist unser Moment. Das Rennen hat bei Tageslicht begonnen und ich glaube, dass es auch erst bei Tageslicht enden wird!"
Ein Red Bull für Petrov
Frage: "Vitaly Petrov hat Fernando Alonso das ganze Rennen hindurch aufgehalten. Bist du nun sein Hauptsponsor für nächstes Jahr?"
Vettel: "Sicher geben wir ihm einen aus! Das muss ich mir erst genau anschauen, aber es war ein gutes Rennen. Einiges habe ich auf dem Weg hierher schon gehört, aber ich habe mich ehrlich gesagt auf mich selbst konzentriert. Ich habe gesehen, dass Robert lange auf P2 war. Ich dachte: 'Wow, denn Lewis weiß, wie man überholt!'"
"Aber der F-Schacht von Renault ist sehr gut und sie haben normalerweise einen sehr lang übersetzten höchsten Gang. Lewis kann euch dazu wahrscheinlich eine Geschichte erzählen. Dann sah ich auch ein rotes Auto und realisierte, dass das davor Vitaly sein musste. Danke für die Hilfe! Hoffentlich wird er nächstes Jahr noch dabei sein."
Frage: "Kimi Räikkönen ist 2007 auch vom dritten WM-Platz aus noch Weltmeister geworden. Hat das etwas mit Glück zu tun oder mit Können?"
Vettel: "Ich habe heute an Kimi gedacht. Man kann ihn mögen oder nicht, aber meine Situation war ähnlich. Mir fehlten nicht ganz so viele Punkte, aber wer Kimi kennt, der kennt seine größte Stärke, nämlich dass er sich in manchen Situationen einen - Verzeihung - feuchten Dreck um alles schert und sein eigenes Ding durchzieht. Das habe ich mir auch vorgenommen."
"Was er vor drei Jahren erreicht hat, war etwas Besonderes. Viele von uns waren damals dabei, aber niemand hätte es für möglich gehalten. Er hat uns eines Besseren belehrt, aber es waren besondere Umstände, genau wie heute. Wer hätte gedacht, dass ein Ferrari, der vom dritten Startplatz ins Rennen geht, nur Siebter wird? So läuft das manchmal. Ich bin wahnsinnig glücklich, dass ich jetzt auch meinen Namen auf dieser Liste verewigen darf."
Frage: "Es wirkte diese Saison so, als hättest du nach Spa-Francorchamps ein bisschen deine Einstellung geändert, denn von da an kamst du wieder so locker rüber wie früher. Was hat das ausgelöst?"
Vettel: "Ich habe mich gleich nach Spa bei Jenson entschuldigt, habe ihn am Abend angerufen. So sollte es sein. Wir alle respektieren einander und ich freue mich sogar sehr darüber, mit Lewis und Jenson hier zu sitzen."
Freundschaftliches Verhältnis zu Hamilton
"Als ich Lewis bei der Boxeneinfahrt überholt habe, gab er mir ein Handzeichen, das auf mich so wirkte, als würde er sich ehrlich freuen. Davor habe ich großen Respekt. Ich kenne ihn schon lange - nicht so lange wie Jenson - und wir haben in der Formel 3 viel gemeinsam erlebt. Er hat mir dort ziemlich den Hintern versohlt! Jetzt in der Formel 1 gegeneinander zu fahren, ist fantastisch. Er hat mir gratuliert. Es ist schön, wenn man jemandem in die Augen schaut und spürt, dass er es ernst meint."
"Aber um auf die Frage zurückzukommen: Ich hatte vor dieser Saison das klare Ziel, Weltmeister zu werden. Ich war sehr fokussiert, habe härter als je zuvor gearbeitet. Gegen Saisonmitte habe ich zwar nicht den Fokus verloren, aber ich war ein bisschen angespannt. Es war nicht immer einfach, aber wir haben zurückgeschlagen."
"Spa war ein Rennunfall. Ich wollte das Rennen gewinnen, aber Lewis zog vorne weg und ich war zu dem Zeitpunkt ein bisschen schneller als Jenson. Es gab ein Problem mit dem Frontflügel und es begann zu tröpfeln. Jenson verteidigte sich - ich wollte überholen. Jedenfalls habe ich die Kontrolle verloren und ihn gerammt, uns beide aus dem Rennen befördert. Das habe ich ihm dann so erklärt."
"Dann habe ich viel schlechte Presse abbekommen. Das war nicht einfach, denn über mich wurde viel schlecht geredet, aber in so einer Phase kriegst du mit, wer deine wahren Freunde sind und wer dich wirklich unterstützt. Der ganze Paddock ist eine Gruppe an Menschen und es war wichtig, meine Energie da hineinzustecken, um sie heute zurückzuholen. Irgendwann habe ich akzeptiert, dass man nicht alles beeinflussen kann, aber langfristig gibt es so etwas wie Gerechtigkeit. Die hat heute zugeschlagen, zumindest nach meiner Rechnung. Manchmal kommt es halt so, manchmal auch anders."
Frage: "Auf deiner Balaclava stand heute 'Monza'. War es die gleiche wie vor zwei Jahren bei deinem ersten Sieg? Glaubst du an solches Karma?"
Vettel: "Es war nicht die gleiche, denn die habe ich bei mir zu Hause und wurde seither nie gewaschen!"
Mit Karma zum WM-Titel
"Es war nicht ich selbst, um ehrlich zu sein, sondern mein Renningenieur hat das draufgeschrieben. Er hat mich irgendwann in diesem Jahr gefragt, ob es ein Wort gibt, das mich glücklich macht. Ein paar Tage später kam ich auf ihn zurück und sagte: 'Monza'. Dort habe ich meinen ersten Grand Prix gewonnen und nach dem Rennen sind viele erstaunliche Dinge passiert. Auf dem Podium zu stehen und die Leute von überall kommen zu sehen, war einmalig. Monza ist eines der schönsten Podien, auf dem man stehen kann - und dann wurde für das italienische Team Toro Rosso auch noch die italienische Hymne gespielt. Das sind Momente, die vergisst du nie."
"Als ich in die Box kam und 'Monza' auf meiner Balaclava sah, war ich überrascht. Zweimal wurde mir heute klar, dass ich das Rennen einfach genießen sollte: Zuerst beim Gedanken an Monza 2008 und dann auch an dieses Jahr, denn es war ein sehr schwieriges Rennen, in dem ich trotzdem Vierter geworden bin. Durch diese Balaclava hatte ich vor dem Start ein gutes Gefühl."
Frage: "Was ist das Beste, was du dieses Jahr gelernt hast?"
Vettel: "Das hängt teilweise mit den Emotionen nach Situationen wie in Ungarn oder Spa zusammen. Wenn du vorne ins Ziel kommst, geht alles ganz schnell. Da kann man Lewis fragen, der eine tolle Chance hatte und sofort einen guten Job machen konnte, als er in die Formel 1 kam."
"Das Wichtigste ist, sich selbst treu zu bleiben und nicht zu versuchen, jemand anderer zu sein. Wenn man einen Sportler fragt, was am wichtigsten ist, dann sagt er, das Gleichgewicht zu halten, Ruhe zu bewahren, was manchmal nicht leicht ist, wenn alle um einen herum Panik schieben. Das meine ich: Es gibt ein paar Menschen, für die es Sinn macht, Energie zu investieren, weil man von denen etwas zurückbekommt."
"Andere Erfahrungen mag man vielleicht weniger, aber das gehört im Leben dazu. Das gibt es ja nicht nur in der Formel 1 oder im Sport, sondern im ganz normalen Leben auch. Das ist eine meiner wichtigsten Lektionen in diesem Jahr, denn unterm Strich sind Fahrer wie Jenson, Lewis, Fernando und Mark - einige vergesse ich sicher - die besten Fahrer der Welt. Zu diesem Kreis zu gehören, ist fantastisch, ein großartiges Gefühl. Ich freue mich, dass ich das tun kann, was ich am meisten liebe. Das erinnert mich daran, wer ich wirklich bin."
Jüngster Weltmeister aller Zeiten
Frage: "Du bist jetzt der jüngste Weltmeister aller Zeiten."
Vettel: "Als Lewis Weltmeister wurde, habe ich mich gefragt, ob es jemals jemanden geben wird, der noch jünger ist als er. Man muss auch fairerweise sagen, dass er das Jahr zuvor nur um einen Punkt vorbeigeschrammt ist. Man kann über Rekorde diskutieren, aber sie sind da, um gebrochen zu werden. Es ist schön, mit Leuten wie Lewis und Michael, der fast alle anderen Rekorde hält, in einem Atemzug genannt zu werden, aber das ist jetzt nicht die Hauptsache. Zwischen mir und Lewis liegt glaube ich ein halbes Jahr, aber ich finde nicht, dass das einen Unterschied macht."
Frage: "Du hast von Höhen und Tiefen gesprochen. Hast du je daran gezweifelt, dass es dieses Jahr klappen wird?"
Vettel: "Schwierige Frage. Ich habe an mich und das Team geglaubt und von meinem Umfeld viel positive Energie erhalten. Sie haben mir auf die Schulter geklopft und da wurde mir bewusst, dass sie hinter mir stehen. Das macht es ein bisschen leichter."
"Wenn so etwas passiert wie in Südkorea, dann weißt du, dass nicht mehr viele Rennen zu fahren sind und dass man es nicht mehr ändern kann, was schon passiert ist, aber du kannst noch ändern, was noch vor dir liegt. Wir hatten eine gute Position und dann war plötzlich der Motor weg. Das ist natürlich enttäuschend, aber gleich danach war ich wieder guter Dinge, was wichtig war."
"Es war noch nicht unmöglich, aber vor Brasilien schien die Ausgangslage schon sehr schwierig zu sein. Andererseits war damit der Druck weg und ich konnte einfach fahren wie sonst auch. Lewis hatte ein sehr starkes Wochenende und war heute in der gleichen Situation. Manchmal ist es wichtig, kühlen Kopf zu bewahren und zu wissen, was man zu tun hat. Das ist uns heute mit ein bisschen Glück gelungen, weil andere nicht so weit vorne ins Ziel gekommen sind, wie man es eigentlich erwarten musste."
Frage: "Du hast bewirkt, dass sehr viele junge Menschen Formel 1 schauen und sich so eine Karriere wünschen. Möchtest du diesen Menschen irgendeine Botschaft übermitteln, dass sie an sich glauben und ihre Ziele verfolgen sollen? Und zweitens, hat Red Bull dieses Jahr wirklich Flügel verliehen?"
Vettel: "Ich beantworte zuerst die zweite Frage: Ja, das Auto war phänomenal, ein Meisterstück."
Erinnerungen an Pechmomente
"Ich denke, es gibt Bereiche, an denen wir arbeiten müssen, denn im Nachhinein betrachtet hätten wir in einigen Rennen besser abschneiden können. Andererseits war der Grat zwischen Erfolg und Misserfolg manchmal sehr schmal. Zum Beispiel kam mir Lewis in der ersten Kurve in Silverstone zu nahe und er berührte meinen Hinterreifen, was zu einem Reifenschaden führte. Das war keine böse Absicht von ihm, aber solche Dinge passieren - und dann bist du nicht Erster oder Zweiter, sondern viel weiter hinten."
"Es ist schon etwas Besonderes, wenn man ein Auto unter seinem Hintern weiß, mit dem man um Siege und Pole-Positions kämpfen kann. Ja, Red Bull hat mir Flügel verliehen. Heute Nacht wird es mir auch Flügel verleihen, schätze ich!"
"Wenn so etwas passiert wie in Südkorea, dann weißt du, dass nicht mehr viele Rennen zu fahren sind und dass man es nicht mehr ändern kann, was schon passiert ist, aber du kannst noch ändern, was noch vor dir liegt. Wir hatten eine gute Position und dann war plötzlich der Motor weg. Das ist natürlich enttäuschend, aber gleich danach war ich wieder guter Dinge, was wichtig war."
"Es war noch nicht unmöglich, aber vor Brasilien schien die Ausgangslage schon sehr schwierig zu sein. Andererseits war damit der Druck weg und ich konnte einfach fahren wie sonst auch. Lewis hatte ein sehr starkes Wochenende und war heute in der gleichen Situation. Manchmal ist es wichtig, kühlen Kopf zu bewahren und zu wissen, was man zu tun hat. Das ist uns heute mit ein bisschen Glück gelungen, weil andere nicht so weit vorne ins Ziel gekommen sind, wie man es eigentlich erwarten musste."
Frage: "Du hast bewirkt, dass sehr viele junge Menschen Formel 1 schauen und sich so eine Karriere wünschen. Möchtest du diesen Menschen irgendeine Botschaft übermitteln, dass sie an sich glauben und ihre Ziele verfolgen sollen? Und zweitens, hat Red Bull dieses Jahr wirklich Flügel verliehen?"
Vettel: "Ich beantworte zuerst die zweite Frage: Ja, das Auto war phänomenal, ein Meisterstück."
Erinnerungen an Pechmomente
"Ich denke, es gibt Bereiche, an denen wir arbeiten müssen, denn im Nachhinein betrachtet hätten wir in einigen Rennen besser abschneiden können. Andererseits war der Grat zwischen Erfolg und Misserfolg manchmal sehr schmal. Zum Beispiel kam mir Lewis in der ersten Kurve in Silverstone zu nahe und er berührte meinen Hinterreifen, was zu einem Reifenschaden führte. Das war keine böse Absicht von ihm, aber solche Dinge passieren - und dann bist du nicht Erster oder Zweiter, sondern viel weiter hinten."
"Es ist schon etwas Besonderes, wenn man ein Auto unter seinem Hintern weiß, mit dem man um Siege und Pole-Positions kämpfen kann. Ja, Red Bull hat mir Flügel verliehen. Heute Nacht wird es mir auch Flügel verleihen, schätze ich!" -
Teil 2
"Es war noch nicht unmöglich, aber vor Brasilien schien die Ausgangslage schon sehr schwierig zu sein. Andererseits war damit der Druck weg und ich konnte einfach fahren wie sonst auch. Lewis hatte ein sehr starkes Wochenende und war heute in der gleichen Situation. Manchmal ist es wichtig, kühlen Kopf zu bewahren und zu wissen, was man zu tun hat. Das ist uns heute mit ein bisschen Glück gelungen, weil andere nicht so weit vorne ins Ziel gekommen sind, wie man es eigentlich erwarten musste."
Frage: "Du hast bewirkt, dass sehr viele junge Menschen Formel 1 schauen und sich so eine Karriere wünschen. Möchtest du diesen Menschen irgendeine Botschaft übermitteln, dass sie an sich glauben und ihre Ziele verfolgen sollen? Und zweitens, hat Red Bull dieses Jahr wirklich Flügel verliehen?"
Vettel: "Ich beantworte zuerst die zweite Frage: Ja, das Auto war phänomenal, ein Meisterstück."
Erinnerungen an Pechmomente
"Ich denke, es gibt Bereiche, an denen wir arbeiten müssen, denn im Nachhinein betrachtet hätten wir in einigen Rennen besser abschneiden können. Andererseits war der Grat zwischen Erfolg und Misserfolg manchmal sehr schmal. Zum Beispiel kam mir Lewis in der ersten Kurve in Silverstone zu nahe und er berührte meinen Hinterreifen, was zu einem Reifenschaden führte. Das war keine böse Absicht von ihm, aber solche Dinge passieren - und dann bist du nicht Erster oder Zweiter, sondern viel weiter hinten."
"Es ist schon etwas Besonderes, wenn man ein Auto unter seinem Hintern weiß, mit dem man um Siege und Pole-Positions kämpfen kann. Ja, Red Bull hat mir Flügel verliehen. Heute Nacht wird es mir auch Flügel verleihen, schätze ich!" -
Vettel-Triumph beschert 'RTL' einige Traumquoten
Den historischen Start-Ziel-WM-Sieg von Sebastian Vettel haben am Sonntagnachmittag bis zu 12,21 Millionen Zuschauer bei 'RTL' verfolgt. Der Spitzenwert entsprach einem Marktanteil von 57,4 Prozent und wurde um 15:43 Uhr erzielt - dem Moment, in dem der 23-jährige Red-Bull-Pilot als Erster die Ziellinie in Abu Dhabi überquerte und sich damit zum jüngsten Formel 1-Weltmeister aller Zeiten krönte. Durchschnittlich saßen bei dem mit knisternder Spannung erwarteten Saisonfinale 10,27 Millionen vor den Bildschirmen, der Marktanteil lag bei herausragenden 52 Prozent (14-49-Jährige: 51,3 %).
Mit dem Showdown in der Wüste konnte 'RTL' zum zweiten Mal in dieser Saison die Zehn-Million-Hürde überspringen. Beim Großen Preis von Bahrain zum Saisonauftakt hatten 10,51 Millionen Zuschauer (Marktanteil: 49,1%) die Rückkehr des siebenfachen Weltmeisters Michael Schumacher erlebt.
"Sebastian Vettel hat der 'Königsklasse' des Motorsports mit seiner fahrerischen Extraklasse, seiner Lebensfreude und seinem jugendlichen Charme einen einzigartigen Stempel aufgedrückt, der der sehr nachhaltig sein wird", sagt 'RTL'-Sportchef Manfred Loppe. "Die Autonation Deutschland hat einen neuen Helden."
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