Formel-1-Teams feilschen um Piloten
13 Teams = 26 Fahrer: Eigentlich klingt die Rechnung für die kommende Formel-1-Saison ganz einfach. Doch welcher Pilot für welchen Rennstall an den Start geht, ist bei ungewöhnlich vielen Teams noch unklar. SPIEGEL ONLINE zeigt die neuesten Entwicklungen im Pisten-Personalkarussell.
Ein Blick aus dem Fenster verrät: Der Sommer ist zu Ende. Jedenfalls in großen Teilen Europas. Noch nicht gestopft jedoch ist das Sommerloch, zumindest in der Formel 1, wo diese Zeit besser bekannt ist als die "Silly Season". Sie beginnt jedes Jahr im Spätsommer. Die Entscheidungen der laufenden Saison sind noch längst nicht gefallen, da rätseln die Ersten über die Cockpitbesetzungen des kommenden Jahres. Manager tauchen plötzlich auf, fühlen hier und da vor, führen erste Vertragsgespräche für ihre Klienten. Klappt es endlich mit der Unterschrift bei einem großen Team? Bleibe ich Teil des Zirkus', gelingt mir der Einstieg in die Glitzerwelt der Formel 1?
In der Regel sind die meisten Fragen mit Saisonende oder zumindest kurz danach beantwortet. Die "Silly Season" findet meist ein schnelles Ende. Nicht so 2009. Die Formel 1 ist im zurückliegenden Jahr durcheinandergewirbelt worden, wird, wenn im März 2010 in Bahrain der Vorhang sich öffnet, mit neuem Outfit die Bühne betreten. Kein BMW, kein Toyota, dafür vier neue Teams plus die über den Winter Silber lackierten Brawn. Einige Arbeitsplätze für die Inhaber der Superlizenz sind weggefallen, einige kommen hinzu, doch wer in welchem Boliden sitzen wird, ist bei vielen Rennställen noch unklar. Zumindest öffentlich.
Erst elf der wahrscheinlich 26 Fahrer (BMW-Nachfolger Qadbak ist noch ohne Lizenz der Fia) stehen fest (siehe Tabelle links). Nur drei Teams haben bereits ihre beiden Piloten benannt: Ferrari (Felipe Massa, Fernando Alonso), Red Bull (Sebastian Vettel, Mark Webber) und Williams (Rubens Barrichello, Nico Hülkenberg). Zudem können sich die Berater folgender Piloten zurücklehnen: Lewis Hamilton (McLaren-Mercedes), Robert Kubica (Renault), Timo Glock (Manor GP), Sébastien Buemi (Toro Rosso) und Bruno Senna (Campos Meta). Der Rest der PS-Künstler ist noch ohne Vertrag - wobei es bei den meisten nur eine Frage ist, wo sie unterschreiben.
Ein Luxusproblem hat der Weltmeister Jenson Button. Lange hat er mit Brawn GP verhandelt, nach seinem Gehaltsverzicht vor der vergangenen Saison nun angeblich eine massive Aufstockung gefordert, die Brawn nicht leisten will. Realistischer erscheint deshalb ein Wechsel des 29-Jährigen zu McLaren-Mercedes, an die Seite von Landsmann Lewis Hamilton. Button hat bereits die McLaren-Fabrik im britischen Woking besichtigt, mit Teamchef Martin Whitmarsch gesprochen. Erstmals seit 1989 würde dann wieder ein Team mit zwei Weltmeistern an den Start gehen, damals saßen Alain Prost und Ayrton Senna ebenfalls in einem McLaren, mit dem Zusatz Honda.
Hamilton hat bereits einen Weltmeister aus dem Team gedrängt
Finanziell offensichtlich ein klares Plus für Button, könnte es aus sportlicher Sicht ein riskanter Wechsel sein. Er verließe ein Team, in dem er als Titelverteidiger die klare Nummer eins wäre, jedenfalls beim Saisonstart. Er kennt die handelnden Personen, kennt, wenn auch nicht die Version für 2010, zumindest die Grundzüge des Autos, die Crew kennt seine Begehrlichkeiten. Bei McLaren sitzt der etablierte Hamilton, der speziell in der zweiten Saisonhälfte 2009, als Button nur noch seinen Vorsprung verwaltete, groß auftrumpfte. Und: Hamilton hat bereits einmal einen amtierenden Weltmeister in die zweite Reihe und später aus dem Team gedrängt: Fernando Alonso, 2007.
Buttons Platz beim neuen Mercedes-GP-Team wird aller Wahrscheinlichkeit nach Nico Rosberg einnehmen. Endlich ein siegfähiges Auto für den 24-jährigen Deutschen, seit Jahren hat er sich das gewünscht. Cockpit Nummer zwei ist noch offen. Als Kandidat wird Nick Heidfeld gehandelt, Mercedes-Sportchef Norbert Haug hat Gespräche mit dem diesjährigen BMW-Piloten bestätigt. Aus Vermarktungsgesichtspunkten, zumindest hierzulande, wäre ein deutsches Fahrer-Duo zweifellos perfekt. Und Heidfelds Qualitäten als Pilot sind unbestritten. Für ihn böte sich noch einmal die Chance, endlich Weltmeister zu werden. Auch wenn er wohl die Nummer zwei im Team wäre, ein Grand-Prix-Sieg zumindest könnte drin sein. Denn auch der fehlt Heidfeld nach 167 Versuchen noch immer.
Räikkönen könnte ein fürstlich bezahltes Sabbat-Jahr einlegen
Der letzte Deutsche ohne Vertrag ist Adrian Sutil. Sein bisheriger Arbeitgeber, Force India, hat bereits die Option für 2010 gezogen, Sutil verhandelt anscheinend noch. Ein weiteres Engagement beim indischen Rennstall ist wahrscheinlich. Warum auch nicht? Das Team hat im zweiten Saisonabschnitt 2009 bewiesen, dass es konkurrenzfähig ist. In Sachen Topspeed konnten nur wenige mithalten.
Bleiben erfahrene Piloten wie Heiki Kovalainen und Jarno Trulli. Der bei Ferrari aussortierte Kimi Räikkönen wollte einzig für McLaren fahren, die Option ist geplatzt. Sein Manager Steve Robertson bestätigte, dass der Finne 2010 nicht Formel 1 fahren wird. Nun könnte es die Rallye-WM werden oder ein fürstlich bezahltes Sabbat-Jahr - Räikkönens Vertrag bei der Scuderia läuft noch bis Ende 2010. Für Kovalainen und Trulli werden die Möglichkeiten ebenfalls geringer. Renault hat noch ein Cockpit zu vergeben, möglicherweise auch Force India, wenn man mit Vitantonio Liuzzi nicht zufrieden ist. Ansonsten blieben noch die vier neuen Teams.
2010 wird es viele neue Namen in der Formel 1 geben
Lotus hat bereits einen Piloten verpflichtet, nennt aber keinen Namen. Campos Meta hat Senna unter Vertrag, Manor Glock. Speziell bei solchen kleineren Teams hängt die Entscheidung für einen Fahrer oft mit dessen Möglichkeit zusammen, Sponsorengelder mitzubringen. Man kann es auch wie Senna machen, der ohne Gehalt fährt.
Eines steht jedenfalls fest: Neue Namen wird es 2010 ungewöhnlich viele in der Formel 1 geben. Klangvoll, aber unbekannt, ist der eines Belgiers, der im Dezember einen Testtag für Renault absolvieren darf. Er klingt fast ein bisschen nach Sommerloch: Bertrand Baguette.
13 Teams = 26 Fahrer: Eigentlich klingt die Rechnung für die kommende Formel-1-Saison ganz einfach. Doch welcher Pilot für welchen Rennstall an den Start geht, ist bei ungewöhnlich vielen Teams noch unklar. SPIEGEL ONLINE zeigt die neuesten Entwicklungen im Pisten-Personalkarussell.
Ein Blick aus dem Fenster verrät: Der Sommer ist zu Ende. Jedenfalls in großen Teilen Europas. Noch nicht gestopft jedoch ist das Sommerloch, zumindest in der Formel 1, wo diese Zeit besser bekannt ist als die "Silly Season". Sie beginnt jedes Jahr im Spätsommer. Die Entscheidungen der laufenden Saison sind noch längst nicht gefallen, da rätseln die Ersten über die Cockpitbesetzungen des kommenden Jahres. Manager tauchen plötzlich auf, fühlen hier und da vor, führen erste Vertragsgespräche für ihre Klienten. Klappt es endlich mit der Unterschrift bei einem großen Team? Bleibe ich Teil des Zirkus', gelingt mir der Einstieg in die Glitzerwelt der Formel 1?
In der Regel sind die meisten Fragen mit Saisonende oder zumindest kurz danach beantwortet. Die "Silly Season" findet meist ein schnelles Ende. Nicht so 2009. Die Formel 1 ist im zurückliegenden Jahr durcheinandergewirbelt worden, wird, wenn im März 2010 in Bahrain der Vorhang sich öffnet, mit neuem Outfit die Bühne betreten. Kein BMW, kein Toyota, dafür vier neue Teams plus die über den Winter Silber lackierten Brawn. Einige Arbeitsplätze für die Inhaber der Superlizenz sind weggefallen, einige kommen hinzu, doch wer in welchem Boliden sitzen wird, ist bei vielen Rennställen noch unklar. Zumindest öffentlich.
Erst elf der wahrscheinlich 26 Fahrer (BMW-Nachfolger Qadbak ist noch ohne Lizenz der Fia) stehen fest (siehe Tabelle links). Nur drei Teams haben bereits ihre beiden Piloten benannt: Ferrari (Felipe Massa, Fernando Alonso), Red Bull (Sebastian Vettel, Mark Webber) und Williams (Rubens Barrichello, Nico Hülkenberg). Zudem können sich die Berater folgender Piloten zurücklehnen: Lewis Hamilton (McLaren-Mercedes), Robert Kubica (Renault), Timo Glock (Manor GP), Sébastien Buemi (Toro Rosso) und Bruno Senna (Campos Meta). Der Rest der PS-Künstler ist noch ohne Vertrag - wobei es bei den meisten nur eine Frage ist, wo sie unterschreiben.
Ein Luxusproblem hat der Weltmeister Jenson Button. Lange hat er mit Brawn GP verhandelt, nach seinem Gehaltsverzicht vor der vergangenen Saison nun angeblich eine massive Aufstockung gefordert, die Brawn nicht leisten will. Realistischer erscheint deshalb ein Wechsel des 29-Jährigen zu McLaren-Mercedes, an die Seite von Landsmann Lewis Hamilton. Button hat bereits die McLaren-Fabrik im britischen Woking besichtigt, mit Teamchef Martin Whitmarsch gesprochen. Erstmals seit 1989 würde dann wieder ein Team mit zwei Weltmeistern an den Start gehen, damals saßen Alain Prost und Ayrton Senna ebenfalls in einem McLaren, mit dem Zusatz Honda.
Hamilton hat bereits einen Weltmeister aus dem Team gedrängt
Finanziell offensichtlich ein klares Plus für Button, könnte es aus sportlicher Sicht ein riskanter Wechsel sein. Er verließe ein Team, in dem er als Titelverteidiger die klare Nummer eins wäre, jedenfalls beim Saisonstart. Er kennt die handelnden Personen, kennt, wenn auch nicht die Version für 2010, zumindest die Grundzüge des Autos, die Crew kennt seine Begehrlichkeiten. Bei McLaren sitzt der etablierte Hamilton, der speziell in der zweiten Saisonhälfte 2009, als Button nur noch seinen Vorsprung verwaltete, groß auftrumpfte. Und: Hamilton hat bereits einmal einen amtierenden Weltmeister in die zweite Reihe und später aus dem Team gedrängt: Fernando Alonso, 2007.
Buttons Platz beim neuen Mercedes-GP-Team wird aller Wahrscheinlichkeit nach Nico Rosberg einnehmen. Endlich ein siegfähiges Auto für den 24-jährigen Deutschen, seit Jahren hat er sich das gewünscht. Cockpit Nummer zwei ist noch offen. Als Kandidat wird Nick Heidfeld gehandelt, Mercedes-Sportchef Norbert Haug hat Gespräche mit dem diesjährigen BMW-Piloten bestätigt. Aus Vermarktungsgesichtspunkten, zumindest hierzulande, wäre ein deutsches Fahrer-Duo zweifellos perfekt. Und Heidfelds Qualitäten als Pilot sind unbestritten. Für ihn böte sich noch einmal die Chance, endlich Weltmeister zu werden. Auch wenn er wohl die Nummer zwei im Team wäre, ein Grand-Prix-Sieg zumindest könnte drin sein. Denn auch der fehlt Heidfeld nach 167 Versuchen noch immer.
Räikkönen könnte ein fürstlich bezahltes Sabbat-Jahr einlegen
Der letzte Deutsche ohne Vertrag ist Adrian Sutil. Sein bisheriger Arbeitgeber, Force India, hat bereits die Option für 2010 gezogen, Sutil verhandelt anscheinend noch. Ein weiteres Engagement beim indischen Rennstall ist wahrscheinlich. Warum auch nicht? Das Team hat im zweiten Saisonabschnitt 2009 bewiesen, dass es konkurrenzfähig ist. In Sachen Topspeed konnten nur wenige mithalten.
Bleiben erfahrene Piloten wie Heiki Kovalainen und Jarno Trulli. Der bei Ferrari aussortierte Kimi Räikkönen wollte einzig für McLaren fahren, die Option ist geplatzt. Sein Manager Steve Robertson bestätigte, dass der Finne 2010 nicht Formel 1 fahren wird. Nun könnte es die Rallye-WM werden oder ein fürstlich bezahltes Sabbat-Jahr - Räikkönens Vertrag bei der Scuderia läuft noch bis Ende 2010. Für Kovalainen und Trulli werden die Möglichkeiten ebenfalls geringer. Renault hat noch ein Cockpit zu vergeben, möglicherweise auch Force India, wenn man mit Vitantonio Liuzzi nicht zufrieden ist. Ansonsten blieben noch die vier neuen Teams.
2010 wird es viele neue Namen in der Formel 1 geben
Lotus hat bereits einen Piloten verpflichtet, nennt aber keinen Namen. Campos Meta hat Senna unter Vertrag, Manor Glock. Speziell bei solchen kleineren Teams hängt die Entscheidung für einen Fahrer oft mit dessen Möglichkeit zusammen, Sponsorengelder mitzubringen. Man kann es auch wie Senna machen, der ohne Gehalt fährt.
Eines steht jedenfalls fest: Neue Namen wird es 2010 ungewöhnlich viele in der Formel 1 geben. Klangvoll, aber unbekannt, ist der eines Belgiers, der im Dezember einen Testtag für Renault absolvieren darf. Er klingt fast ein bisschen nach Sommerloch: Bertrand Baguette.